Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!
Cassie
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Kapitel 38 – Der FideliuszauberMan sagt, dass Höflichkeit alle Türen öffnet. Der Haken ist natürlich, dass man nicht alles meinen muss, was man sagt und macht. Ich habe schließlich von dem Besten gelernt. Als er Hogwarts besucht hat, war Tom Riddle der Inbegriff der Höflichkeit den Lehrern gegenüber gewesen. Und diese Kunst hat er mir schon früh genug beigebracht.
Ich sitze mit Lupin in seinem Büro und wir trinken Tee. Vor ein paar Tagen bin ich auf einen Irrwicht gestoßen und ich habe ihn in ein Kästchen eingesperrt und Lupin geschenkt. Der Professor war außer sich vor Freude, denn wir haben natürlich den Irrwicht, mit dem wir gearbeitet haben, zerstört. Er hat sich darüber gewundert, wie ich ihn gefangen habe, aber ich habe ihm erklärt, dass es kein Problem war. Ich habe nur den Zauber angewendet, den er uns beigebracht hatte. Und ja, falls ihr euch fragt, hatte ich auch die Chance zu sehen, in was sich der Irrwicht verwandelt hat, als er mich erblickt hat. Er hat sich in mich verwandelt. Er sah genauso aus, wie ich aussah, als ich sieben Jahre alt war. Ich trug Dudleys schäbige und übergroße Klamotten und mein Gesicht war tränenverschmiert. Dieser Harry weinte und flehte mich an, ihn nie wieder zu schlagen und ihn nie wieder in den Schrank unter der Treppe einzusperren. Und auch wenn ich am Anfang ganz schön verwirrt war, ist mir später klargeworden, was meine größte Angst ist – wieder das jämmerliche Wesen zu sein, das ich einmal war. Hilflos, ohne jegliche Selbstsicherheit, alleine in der Welt, die mich hasst und schikaniert. Ich schäme mich dieses Harrys; aber zur gleichen Zeit weiß ich, dass ich die Tatsache akzeptieren muss, dass ich einmal er war. Aber ich bin gewachsen; ich habe seit dem viel gelernt; und ich werde nie wieder dieser Harry werden.
Lupin fragt nicht, in was sich der Irrwicht verwandelt hat, sondern bedankt sich bei mir für das Geschenk, sagend, er habe schon gedacht, dass er alle Irrwichte in der Schule ausgerottet habe.
Ich erzähle ihm von der Anhörung und Lupins Ausdruck wird todernst.
„Weißt du", sagt er leise. „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass Ronald es so weit treiben würde. Ich weiß einfach nicht, was in ihn gefahren ist. Molly Weasley ist eine nette und freundliche Hexe. Und sie würde keinem etwas antun. Es tut mir wegen Hermine sehr leid. Sie muss noch immer außer sich sein."
Wir haben schon darüber gesprochen und es sieht so aus, als könne er es einfach nicht fassen.
„Ich werde ehrlich mit dir sein, Harry", flüstert Lupin. „Mir geht es in letzter Zeit nicht gut. Ich bin vergesslich und manchmal habe ich Albträume... Manchmal gehen mir seltsame Gedanken durch den Kopf. Und das Ganze erfüllt mich mit Unruhe."
„Welche Gedanken, Professor?", frage ich, auf den ersten Blick ruhig an meinem Tee nippend.
„Nun... Ich mache mir Sorgen um dich, Harry", sagt Lupin, der sich die Schläfen reibt. „Ich weiß, es ist echt dumm. Dir geht es gut und Hermine auch. Aber ich kann den Eindruck nicht loswerden, dass etwas Schreckliches passieren wird."
„Vielleicht ist es eine Nebenwirkung des Trankes, den Sie jeden Monat zu sich nehmen", schlage ich vor.
„Vielleicht", murmelt Lupin. „Schließlich nehme ich ihn die ganze Zeit. Vielleicht sollte ich mich von einem Heiler untersuchen lassen. Aber bloß nicht von Madame Pomfrey."
„Nun", sage ich langsam. „Ich könnte Ihnen den Heiler empfehlen, der sich um mich gekümmert hat."
Lupin schaut auf und schüttelt den Kopf.
„Kommt nicht in Frage", sagt er schnell.
„Ich werde dafür bezahlen", sage ich lächelnd.
Lupins Ausdruck wird augenblicklich sanfter. Ja, der große Helfer, Harry Potter, der immer allen gegenüber freundlich ist! Der hilfsbereit ist und der den Professoren Geschenke macht. Ein Hellmagier sieht eine freundliche Geste darin; ein Zeichen, dass jemand ihn gerne hat. Ein Schwarzmagier aber fragt sich gleich, was diese Person vorhat und ob das Geschenk verflucht ist.
„Das kann ich nicht erlauben", sagt Lupin.
„Aber Professor", eile ich zu sagen. „Falls es Ihnen nicht gut geht, sollte Sie jemand untersuchen. Und da sie ja nicht zu Madame Pomfrey gehen können, ist ein privater Heiler die beste Wahl. Dieser Heiler ist sehr diskret und außerdem kennen wir uns. Ich kann ihm einen Brief schreiben und ihr könnt euch treffen, wo auch immer Sie wollen."
„Harry", flüstert Lupin. „Das... das wäre einfach zu viel. Du schlägst nach deiner Mutter – Lily war immer hilfsbereit und sie hat immer zuerst an die anderen gedacht und dann an sich selbst."
Schrecklich, geht es mir durch den Kopf. Wenn ich immer an die anderen Menschen denken würde, würde ich nie etwas erreichen können. Wer hat die Zeit, um über Geburtstage nachzudenken, um sich zu fragen, was jemanden bedrückt oder wertvolle Zeit damit zu vergeuden, den anderen zu helfen? Schrecklich. Aber na ja. Ich werde diesem Heiler sagen, dass ich Lupins Gedächtnis gelöscht habe und dass er vorsichtig sein muss. Ich weiß ja nicht, ob Lupins Gesundheitsproblem etwas damit zu tun hat, aber man kann nie vorsichtig genug sein. Und falls ich dem Heiler nicht im Voraus sagen würde, worum es geht, könnte ich in Schwierigkeiten geraten. Denn es gibt eine winzig kleine Wahrscheinlichkeit, dass der Heiler herausfinden könnte, dass jemand mit Lupins Gedächtnis gespielt hat. Lord Voldemort, um genau zu sein.
„Machen Sie sich keine Sorgen darum, Professor", sage ich abwinkend und stehe auf. „Ich werde dem Heiler schreiben und dann Ihnen seinen Namen geben. Ich möchte ihn zuerst davor warnen, dass er diskret und vorsichtig sein muss."
„Harry", sagt Lupin, dessen Augen feucht sind. Ich wende mich bei der Tür um. „Danke", flüstert er.
„Ich helfe meinen Freunden gerne", sage ich grinsend und verlasse sein Büro.
Die Wortwahl – perfekt. Aber Lupin ist nicht nur irgendjemand. Er ist ein schlauer und guter Hellmagier. Und ich möchte kein unnötiges Risiko eingehen. Pfeifend mache ich mich auf den Weg zu den Kerkern. Als ich um die Ecke biege, erblicke ich Dumbledore.
Mein Herz beginnt zu rasen, als er sich langsam dreht und mir in die Augen schaut. Woher ist er gerade gekommen? Mir kam es so vor, als hätte er eine Tür hinter sich geschlossen... Für einen Moment konnte ich etwas Seltsames in seinen lichtblauen Augen sehen, bevor seine Lippen sich zu einem Lächeln strecken.
„Hallo, Harry", sagt er leise.
Ich lächele zurück, schnell all meine mentalen Schilde hochhebend. Er weiß etwas... ich bin mir ziemlich sicher, dass er etwas weiß. Warum versucht er nicht, in meine Gedanken einzudringen? Warum schaut er mich nicht so kalt an, wie er es in jenem Moment in der großen Halle getan hat? Warum ist er mir gegenüber so freundlich und was möchte er damit erreichen? Warum war das einzige Zeichen, das ich einmal von ihm bekommen habe, dass etwas doch nicht stimmt, dieses Kopfschütteln in der großen Halle?
„Wie geht es dir?", fragt er ruhig.
„Ausgezeichnet, Professor", antworte ich. „Und Ihnen?"
„Nun, ich kann mich nicht beklagen", antwortet er und zwinkert mir zu.
UNHEIMLICH. Wir reden hier wie zwei gute Freunde; und doch wissen wir beide, dass hier etwas nicht stimmt. Er versucht überhaupt nichts und das jagt mir Angst ein. Er ignoriert die Gerüchte über mich, er ignoriert alles und stellt sich so an, als wären wir wieder zwei beste Freunde. Er wartet auf etwas... Doch wenn er es wüsste, würde er sich dagegen wehren, oder? Wenn er wüsste, was ich im Kopf habe, wenn er wüsste, wer ich wirklich bin, würde er etwas dagegen unternehmen. Ein Vertreter des Lichtes sollte etwas unternehmen und doch tut er das nicht. Stattdessen macht er wieder lange Ausflüge ins 'Ministerium' und ist nur selten da. Aber auch wenn er in Hogwarts ist, hält er sich von mir fern und hockt in seinem Büro rum. Was er da treibt, weiß ich nicht. Und seine Gelassenheit und seine gespielte Unkenntnis jagen mir Angst ein. Und das soll was heißen.
„Professor McGonagall hat mir natürlich erzählt, was im Ministerium vorgefallen ist", fährt er fort. „Und es tut mir wegen Miss Granger leid. Sie hat es nicht verdient."
„Hoffentlich wird es sich nicht wiederholen", sage ich. „Hoffentlich wird diese Feindseligkeit zwischen den Häusern enden."
„Ein paar Streiche können sicherlich keinem schaden", sagt Dumbledore. Was? „Aber dieses Jahr ist das Ganze zu weit getrieben worden. Und ich als Schulleiter frage mich natürlich – warum? Hätte ich es verhindern können?"
Er starrt auf den ersten Blick gedankenverloren in die Ferne und ich schlucke. Gut, dass ich immer meinen Basiliskenstab dabei habe... Nicht, dass ich überhaupt versuchen würde, mich mit Dumbledore zu duellieren. Ja, ich bin eingebildet und ich habe einen guten Grund dafür. Aber ich kenne meine Grenzen. Und mich alleine mit Dumbledore zu duellieren, wäre reiner Selbstmord.
„Keiner hätte es verhindern können, Professor", sage ich.
„Vielleicht hast du Recht", murmelt Dumbledore. „Das Böse hat allerlei Gesichter. Manchmal sehen wir sein Gesicht sofort; manchmal aber gibt es sich als unsere Freunde aus und täuscht uns; und wenn uns klar wird, was es wirklich ist, ist es schon viel zu spät."
Mein Herz pocht in meinem Brustkorb, aber ich setze einen neutralen Ausdruck auf und folge seinem Blick zum verbotenen Wald hinüber.
„Ich habe so was sicherlich nicht von Ronald Weasley erwartet", sage ich.
Worauf willst du damit hinaus, alter Mann? Worüber redest du? Die Gesichter des Bösen? Was soll das?
„Nein", murmelt Dumbledore. „Ich auch nicht. Vielleicht können wir alle etwas daraus lernen... Das Böse lebt in uns allen; es sind aber unsere Entscheidungen und unsere Wahlen, die bestimmen, was wir wirklich sind."
Das habe ich schon gehört. Ich schüttele gedanklich den Kopf. Hier geht es nicht um mich. Oder? Die Welt dreht sich nicht nur um den großen Harry Potter. Manchmal aber tut sie das.
„Passe gut auf Miss Granger auf, Harry", sagt Dumbledore, der sich zum Gehen wendet. Er geht? „Wir sehen uns auf dem Ball. Ich würde ihn für nichts in der Welt verpassen wollen..."
Er geht. Er läuft gebückt und offensichtlich hat er Schmerzen. Warum muss ich immer das rätselhafte Gerede entwirren? Was wollte er eigentlich sagen? Das Böse hat allerlei Gesichter? Was soll das? Ich koche vor Wut. Eine offene Drohung wäre mir lieber. Wenigstens tut Voldemort nie so was. Wenn er mir oder jemandem droht, weiß man genau, dass es eine Drohung ist und dass er sie verwirklichen wird. Er sagt einem ins Gesicht, was er möchte und das schätze ich. Ja, seine Strafen sind schmerzhaft, aber wenigstens weiß man, wo man bei ihm steht. Das hier ist zum Haare ausreißen! Weiß er doch etwas? Weiß er, dass ich Pläne für den Ball habe? Was weiß er? Er treibt mich in den Wahnsinn. Ich sollte ihn so schnell wie möglich um die Ecke bringen und damit fertig sein. Dann werde ich drei Tage lang wie ein Baby schlafen können...
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Der dunkle Lord regt sich – wie immer – nicht auf, als ich von meinem Gespräch mit Dumbledore erzähle. In letzter Zeit arbeitet er tagein und tagaus an seiner Kugel. Auch die dunklen Lords mögen es, zu spielen. Aber man soll ihm so was nie ins Gesicht sagen.
„Das wichtigste ist, auf der Hut zu sein", sagt er zu mir, den Propheten, den er, ehe ich gekommen bin, gelesen hat, ordentlich zusammenfaltend. „Sich nicht davon ablenken zu lassen. Schließlich gibt es nichts, was du dagegen unternehmen kannst. Du kannst wohl kaum in seinem Kopf herumwühlen, genauso wenig, wie er in deinem herumwühlen kann. Es ist ein Schachmatt."
Zu meiner großen Überraschung verkündet er, er wolle mir beibringen, wie man diese Waffe benutzt. Ich? Ich soll diese Kugel benutzen? Warum denn? Ich habe eher gedacht, dass Voldemort sie für sich selbst behalten möchte. Schließlich ist sie etwas Einzigartiges, eine Waffe, die einem im Kampf sehr helfen kann.
Schon vor zwei Wochen hat er mir erklärt, wofür genau die Kugel benutzt werden kann. Denn er hat es selbst nicht genau gewusst, bis er sie untersucht hat. Ein dunkler Magier kann die Kugel, die eigentlich eine Kristallkugel ist, sozusagen programmieren. Man kann sie mit einem Fluch oder Zauber belegen und die Kugel wird alles in der Umgebung mit diesem Zauber oder Fluch belegen. Keiner weiß natürlich, wie Grindelwald sie gemacht hat, und Voldemort hat nur ein paar Hinweise. Leider ist Grindelwald in Azkaban gestorben, also können wir ihn ja nicht fragen. Er hat sein Geheimnis mit ins Grab genommen. Was Voldemort eigentlich erfahren wollte, nachdem ihm ihr Zweck klar wurde, war, wie diese Kugel benutzt werden soll. Sollte man sie in der Hand halten oder sollte man sie einfach liegen lassen? Denn schließlich besteht die Gefahr, dass man auch dabei verflucht wird. Und falls man die Kugel mit einem Todesfluch belegt... Da ist kein Blut von Voldemorts Mutter übriggeblieben und ich möchte dieses komplizierte Ritual nicht ein zweites Mal durchführen. Und wer weiß, was Anubis sagen würde, falls ich ihn wieder anrufe und noch einen Körper 'bestellen' würde. Er würde mich und die Seele von Voldemort in die Hölle fluchen.
Und natürlich machen Voldemort solche und ähnliche gefährliche Experimente Riesenspaß. Seit er sein neues Spielzeug bekommen hat, hat er tagein und tagaus damit gespielt. Im Laufe dieses Prozesses hat er die Gartenlaube und die Hälfte vom Dachboden in die Luft gejagt. Er hat mit den Mäusen und Ratten, die im Keller leben, experimentiert und es genügt zu sagen, dass alle Tiere das Haus verlassen haben, die das Glück hatten, seine Experimente zu überleben und ihm zu entkommen.
Natürlich war das erste, was Voldemort eingefallen ist, dass man diese Kugel für einen Massenmord benutzen kann. Schließlich reden wir hier über Lord Voldemort. Mir kommt es vor, als meinte er damit, einen Massenmord an Muggeln. Er hat mir aber keine direkte Antwort gegeben, als ich ihm diese Frage gestellt habe. Ich habe mich natürlich gefragt, welche Reichweite die Kugel hat, aber zu jener Zeit hat der dunkle Lord seine Theorien in Bezug auf die Reichweite getestet und konnte mir nichts Genaueres sagen. Natürlich trägt die Macht des Magiers, der diese Kugel programmiert, dazu bei, im Sinne, dass die Stärke der Wirkung davon abhängt. Leider wissen wir nicht, ob ein Zauberer, sowie Pettigrew zum Beispiel, sie benutzen könnte, aber Voldemort ist der Meinung, dass es unmöglich wäre. Ob das nur ein Schluss seines übergroßen Egos ist, oder die Wahrheit, werden wir nie wissen, denn er wird die Kugel nicht weggeben. Dass er mir beibringen möchte, wie man sie benutzt, ist schon ziemlich phantastisch und untypisch für ihn.
Als er mir die Regel erklärt, an die ich mich halten soll, wenn ich die Kugel benutze, platzt ein aufgeregter Rodolphus Lestrange ins Haus, sagend, er habe was Wichtiges zu berichten. Der dunkle Lord ist natürlich bereit, ihn für seine Frechheit, so spät und ungeladen ins Haus zu platzen, zu bestrafen, aber als Rodolphus in ein paar Worten erklärt, worum es geht, hält er inne und hört zu, was der Zauberer zu sagen hat.
Die Todesser haben nach einer langen Suche herausgefunden, wo Macnair steckt und wissen auch, wo sich das Haus, in dem er festgehalten wird, befindet, konnten es aber weder sehen, geschweige denn reingehen. Ob Macnair dort gefangen gehalten wird oder ob er dort freiwillig sitzt, um ja nicht von den Todessern gefangen zu werden, ist unklar. Auf jeden Fall möchte der dunkle Lord ihn herbringen, denn er könnte dazu gezwungen worden sein, seine wertvollen Geheimnisse preiszugeben. Und da Macnair natürlich weiß, dass wir etwas aus dem Ministerium geholt haben, ist es umso gefährlicher. Aber wenn er Voldemort verraten hat, wird es ihm schlecht ergehen. Denn das Schlimmste in Voldemorts Regelbuch ist natürlich Verrat.
„Was weißt du über dieses Haus?", fragt der gereizte dunkle Lord, der im Arbeitszimmer umher tigert.
„Nun, wir konnten es nicht sehen... Wir haben natürlich versucht, einen Weg hinein zu finden, aber es ist uns nicht gelungen. Und wir wollten nicht gesehen werden. Aber als wir da waren, sind zwei Auroren reingegangen. Sie sind einfach verschwunden", sagt Rodolphus.
„Auroren?", wiederholt Voldemort, sich zu ihm drehend. „Das ist interessant. Aber der Beschreibung nach zu urteilen, würde ich sagen, dass es sich um einen Fideliuszauber handelt."
Dieser Zauber kommt mir bekannt vor... ich habe in irgendeinem Buch darüber gelesen.
„Und wir haben Dumbledore gesehen", sagt Rodolphus.
„Das wundert mich überhaupt nicht", murmelt der dunkle Lord. „Wo befindet sich dieses Haus? Vielleicht können wir es auf einer Liste der Zauberhäuser finden."
„Am Grimmauld Platz, mein Lord", antwortet der Zauberer.
Ich springe wie gestochen auf. Sirius Black hat mir von dem alten Haus der Black Familie erzählt, das sich dort befindet. Das muss es sein! Aber... wie ist es nur möglich, dass sie in seinem Haus sind, ohne dass er es weiß?
„Ja, was ist?", fragt Voldemort scharf.
„Meister, ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Haus Sirius Black gehört!", sage ich atemlos. „Er hat mir davon erzählt!"
„Tatsächlich?", fragt Voldemort, der mich neugierig mustert. „Und das Haus gehört ihm?"
„Nun, er ist in diesem Haus aufgewachsen", sage ich schnell. „Ich weiß nicht, ob das Haus noch immer ihm gehört. Allem Anschein nach nicht."
„Bring ihn her", befiehlt Voldemort. „Ich möchte Black sprechen."
„Ja, Meister", antworte ich.
Das könnte fies werden...
„In der Zwischenzeit möchte ich, dass ihr dieses Haus bewacht", sagt der dunkle Lord, zu Rodolphus gewandt. „Seid vorsichtig."
„Meister", sage ich, als die Tür sich hinter Rodolphus schließt. „Ich hätte eine Idee."
„Ja?", fragt er nachdenklich, sich wieder an seinen Schreibtisch setzend.
„Ich könnte meinen Begleiter dorthin schicken", sage ich.
Er schaut schnell auf und verengt die Augen.
„Ja, er kann sich jetzt ziemlich gut orientieren", fahre ich fort. „Ich habe ihm die Aufgabe gegeben, Lupin nachzuspionieren. Er weiß auch, was es heißt, sich zu verstecken und unauffällig zu sein."
„Dein Dämon hört sich ziemlich fleißig an", meint Voldemort, der mich mit Billigung mustert. „Ruf ihn."
„Memphisto", flüstere ich, mich umschauend.
Der Dämon taucht sofort auf. Er hält etwas in den Händen, das er schnell versteckt, aber nicht bevor ich die Chance hatte, zu sehen, worum es geht. Es ist ein Teddybär. Was treibt er?
„Was treibst du?", frage ich scharf.
„Mir gefällt es nicht, dass du mich zu dir rufen kannst, wann auch immer du willst", zischt er wütend. Denn laut dem Auftrag ist er natürlich dazu gezwungen, zu kommen.
„Das ist ein Teil unserer Abmachung, beklage dich nicht", erwidere ich bissig. Voldemort hört unserem Gezänk mit einem leicht interessierten Ausdruck zu. „Und beantworte meine Frage. Was machst du mit einem Teddybär?"
„Mit einem was?", fragt der Dämon.
„Mit diesem Spielzeug, das du soeben in deinen Händen hattest", erwidere ich aufstehend. „Du hast nicht etwa ein Kind getötet oder was?"
„Nein", sagt der Dämon anmutig. „Ich studiere das Benehmen der Sterblichen. Ist das etwa falsch?"
„Halte mir keine Predigten, davon bekomme ich genug von meinem Meister", zische ich aufgebracht, auf Voldemort deutend, der nichts dazu sagt. „Sag mir, woher du dieses Spielzeug hast."
„Ich habe eine Nacht in einem Zimmer, in dem ein kleiner Sterblicher geschlafen hat, verbracht", sagt Memphisto. „Und ich wollte sehen, was so besonders an diesem etwas ist, sodass das Kind ohne es nicht einschlafen kann. Ich habe gedacht, es sei ein verkleideter Engel."
Der dunkle Lord prustet los und schüttelt den Kopf. Ich fühle mich selbst dazu gezwungen, zu grinsen.
„Das ist kein Engel", sage ich. „Kinder mögen solche Spielzeuge und sie stellen sich vor, sie seien ihre Freunde. Viele Kinder schlafen mit solchen Spielzeugen."
„Tatsächlich?", fragt der Dämon, der jetzt den Teddybär hervorzieht und ihn begutachtet.
„Ja und ich werde es dir erklären, aber jetzt habe ich eine Aufgabe für dich", sage ich schnell. „Ich möchte etwas über einen bestimmten Sterblichen herausfinden und ich möchte, dass du ihm nachspionierst. Du sollst dich verstecken und dich nicht sehen lassen, sowie du es bei Lupin getan hast. Das hast du gut gemacht."
„Das hört sich interessant an", meint der Dämon, dem solche und ähnliche Aufgaben gefallen, denn dann hat er die Chance, mehr über die Sterblichen zu lernen. Volltreffer. „Wo ist dieser Sterbliche?"
„Ihr solltet direkt vor das Haus apparieren", meldet sich der dunkle Lord zu Wort. „Hole Black. Er soll dich dorthin apparieren und dann kannst du ihn rein schicken. Der Fideliuszauber sollte natürlich keine Wirkung auf Dämonen haben."
„Danke, Vertreter der Dunkelheit", sagt der Dämon, in seine Richtung schauend. Anscheinend hat er seine Worte als ein Kompliment verstanden. Voldemort winkt anmutig ab.
„Ja, in Ordnung", sage ich. „Dann komme ich wieder zurück, um Euch zu sagen, was wir herausgefunden haben."
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Black ist nicht in seinem Zimmer. Sein Bett ist leer und kalt. Wo ist er?
„Weise mir die Richtung zu Sirius Black", sage ich, meinen Stab auf die Handfläche legend. Zu meiner Überraschung deutet er in Richtung Kerker. Na so was. Vielleicht braut er einen Trank? Mitten in der Nacht?
Da ich Memphistos Gegenwart nicht erklären möchte, befehle ich ihm, zu verschwinden und dann zu kommen, wenn ich ihn rufe. Genervt, so rumkommandiert zu werden, verschwindet er, aber nicht bevor er ein paar Schimpfwörter in seinen Bart murmelt. Also lernt er auch so was. Er ist unmöglich. Was kommt als nächstes? Wird er lernen wollen, wie man Quidditch spielt? Es würde mich auch nicht wundern... Ich stelle mir den über zwei Meter großen, schwarzen Dämon mit Hörnern und roten Augen vor, der auf einem Besen sitzt und wie verrückt durch die Luft saust, und schüttele den Kopf. Hoffentlich wird er kein Interesse an Quidditch entwickeln.
Dem Korridor in den Kerker folgend, höre ich ein leises Geräusch und halte inne. Was soll das? Ich höre leises Gemurmel... Ich weiß, dass ich erschöpft bin und das ist nichts Neues. Aber wenn man Stimmen hört, stimmt etwas nicht. Als ich um die Ecke biege, wird mir endlich klar, dass ich tatsächlich etwas gehört habe.
Black sitzt an einem kleinen Tisch und murmelt vor sich hin. Ein paar Propheten liegen über den Tisch verstreut und eine halbleere Flasche Feuerwhisky steht direkt vor ihm. Er liest den Artikel über Hermines Anhörung und schüttelt den Kopf, das Glas zu seinen Lippen bringend. Er hat mich überhaupt nicht bemerkt. Ich muss nicht fragen, wer all diesen Whisky getrunken hat, denn sein Benehmen sagt mir alles, was ich wissen möchte.
„Black!", zische ich, auf ihn zugehend.
Einen besoffenen Zauberer, der mich irgendwohin apparieren soll, brauche ich wirklich nicht. Was soll ich mit ihm tun?
Er fährt hoch und starrt mich mit weit aufgerissenen Augen an. Offensichtlich fragt er sich gerade, ob der Alkohol dafür verantwortlich ist, dass er jetzt Harry Potter vor sich sieht, aber als Harry Potter ihn am Kragen packt und wie eine Ratte schüttelt, kommt er schnell zu dem Schluss, dass er nicht träumt. Dieser stocksaure Harry Potter ist leider echt.
„Was machst du?", zische ich. „Du sitzt die ganze Nacht hier und säufst? Was ist nur in dich gefahren?"
„Harry...", stottert er. „Bist du wirklich hier?"
„Ja, bin ich und ich werde dich verprügeln, wenn du nicht gleich aufstehst!", zische ich.
Er steht langsam auf und schaut mich verwundert an.
„Du musst mich zu deinem Haus am Grimmauld Platz bringen", sage ich. „Und bloß keine Fragen!", zische ich als er den Mund öffnet. „Es ist dringend. Kannst du apparieren?"
„Warum...", fängt er an.
„TU ES!", belle ich außer mir. Dass ich Narzissa und Lucius mit meinem Brüllen wecken kann, ist mir scheißegal.
„Mir geht es nicht gut", murmelt er betrunken. Er kann kaum gerade stehen. So geht das nicht.
„Ja, das kann ich sehr gut sehen", zische ich und zücke meinen Stab. Wie lautet dieser Zauber, über den die Slytherins gesprochen haben? Ach ja.
„Crapulam edormi", sage ich, mit dem Stab auf ihn deutend.
Black schnappt nach Luft und kneift die Augen zu. Ich durchbohre ihn mit meinem Blick, als er sie wieder zögernd öffnet, den Tisch noch immer verzweifelnd umklammernd.
„Das war schrecklich", murmelt er, sich den Bauch reibend. „Wirklich schrecklich."
„Ist mir scheißegal", schnappe ich. „Kannst du jetzt apparieren?"
„Warum möchtest du mein altes Familienhaus sehen?", fragt Black und reibt sich den Kopf.
„Dobby!", schreie ich. Der Elf erscheint nach ein paar Sekunden. Offensichtlich hat er geschlafen und ich habe ihn geweckt. „Koche etwas Kaffee für uns, schnell."
„Ich werde es für dich zusammenfassen", sage ich zu Black, da mir einfällt, dass ich ihm nicht erlauben sollte, zu apparieren, bis er endlich vollkommen nüchtern ist. Nicht weil ich mir Sorgen um ihn mache, sondern weil ich mir Sorgen um mich mache. Denn er muss auch mich apparieren. Und was, wenn eines meiner Beine in Norfolk und einer meiner Arme in Sussex landet?
„Man hält einen von den Dienern des dunklen Lords in deinem Haus gefangen", sage ich schnell. Dobby erscheint mit dem Kaffee und ich gieße Black eine großzügige Tasse ein. „Keiner kann rein kommen, wegen der Schutzzauber und weil jemand allem Anschein nach das Haus mit einem Fideluszauber belegt hat. Und wir müssen zuerst feststellen, ob er dort freiwillig ist oder als Gefangener."
„Im Black Familienhaus?", wiederholt Black. „Wie zum Teufel ist man da reingekommen?"
„Keine Ahnung, ich habe gehofft, dass du es mir sagen kannst", sage ich.
Black wird nachdenklich und ich deute mit dem Finger auf seine Kaffeetasse. Er nimmt schnell einen Schluck davon und verzieht das Gesicht.
„Nun, so weit ich weiß, gehört mein Eigentum noch immer dem Ministerium, weil ich eine lebenslange Freiheitsstrafe bekommen habe", sagt er nach einer Weile. „Hätte ich einen Erben, würde der Erbe mein Eigentum bekommen, aber so wie es ist, habe ich keinen. Bellatrix Lestrange hätte mein Eigentum bekommen können, aber sie hat auch eine lebenslange Freiheitsstrafe bekommen."
„Interessant", sage ich. „Und wie, bitteschön, ist Dumbledore jetzt in den Besitz deines Hauses gekommen?"
„Vielleicht hat er es gekauft", murmelt Black. „Warum jemand dieses Haus kaufen wollen würde, ist mir schleierhaft."
„Offensichtlich wegen der Schutzzauber, die so gut sind, dass keiner rein kommen kann", spreche ich meine Gedanken laut aus. „Ohne, oder mit dem Fideliuszauber ist das Haus verdammt gut geschützt."
Black schaut mich besorgt an.
„Und warum möchtest du dorthin gehen?", fragt er.
„Um zu sehen, wer rein kommt und wer nicht", antworte ich. „Wir müssen feststellen, wo Macnair ist und warum er dort ist."
„Es geht also um Macnair", sagt Black mit einem Seufzen. „Nun, normalerweise wäre ich der einzige, der das Haus betreten kann, aber falls Dumbledore oder wer auch immer es gekauft hat..."
Ich schaue schnell auf, als etwas mir einfällt.
„Denkst du, dass du doch reinkommen könntest?", frage ich.
Black zuckt mit den Achseln.
„Ich bin ja der letzte Black", sagt er. „Die Schutzzauber würden mich erkennen und mir erlauben, rein zu kommen. Wie Dumbledore es geschafft hat, sie auseinanderzunehmen..."
„Vielleicht hat er es nicht getan", sage ich aufgeregt. „Wir wissen nicht, was genau er getan hat."
Ich springe auf und denke darüber nach. Vielleicht wäre es das Beste, Memphisto einfach zu befehlen, den Mann mitzunehmen, falls es möglich ist. Aber auch Dämonen sind nicht allmächtig. Ich weiß nicht, ob man Macnair mit Zaubern belegt hat, sodass er nicht entkommen kann. Wenn ja, würde Memphisto nicht viel dagegen unternehmen können.
„Gehen wir", sage ich und ziehe Black auf die Füße. Er knurrt, aber er folgt mir die Treppen hinauf. In der Eingangshalle strecke ich meine Hand aus und Black schüttelt, sie nehmend, den Kopf. Er dreht sich um die Achse und ich werde mitgezogen.
Als ich meine Augen öffne, blicke ich schnell auf meine Füße hinunter. Zwei Beine, zwei Arme, ein Kopf. Gut. Nichts fehlt.
Black hat uns zu einem kleinen Park appariert und ich schaue mich um. Wo ist das Haus? Ich sehe nur die Nummern zehn und vierzehn... Ach ja, der Fideliuszauber. Und wo steckt Rodolphus? Ich kann ihn nicht sehen. Vielleicht hat er ein viel besseres Versteck als wir gefunden.
„Das fasse ich einfach nicht", murmelt Black, der sich umschaut. „Wo ist das Haus?"
„Jemand hat es mit dem Fideliuszauber belegt, ich hab es dir schon gesagt", antworte ich kühl, meinen Blick auf die Stelle fixierend, wo das Haus stehen sollte. „In Ordnung. Du darfst gehen."
Ich höre mich wie Lord Voldemort an. Nun ja, obwohl ich jung bin, habe ich schon Erfahrung mit dem Herumkommandieren. Und wenn man Leute für eine lange Weile herumkommandiert, geht es unter die Haut.
Black schaut mich im schwachen Licht der Straßenlaterne verwundert an.
„Was?", zischt er. „Warum denn? Ich möchte dir helfen. Hier könnte dich jeder angreifen!"
„Bitte", sage ich augenrollend. „Ich bin der Lehrling des dunklen Lords. Denkst du wirklich, dass man mich einfach so angreifen und überleben kann?"
Black wird für einen Moment sprachlos.
„Ich weiß alles über dieses Haus", sagt er. „Falls du Informationen darüber brauchst, werde ich sie dir geben."
Ich sehe einfach nicht, was er tun könnte, aber in Ordnung. Wenn er so darauf erpicht ist, hier zu bleiben und wenn er schon nüchtern ist...
„In Ordnung", sage ich schließlich. Black lächelt. „Aber stell nichts Dummes an. Folge meinen Befehlen."
„Natürlich", sagt Black.
„Ich rufe meinen Helfer, du bleibst stehen, wo du bist", befehle ich ihm. Eigentlich kauern wir im Gebüsch.
Ich rufe Memphisto gedanklich, denn ich möchte nicht, dass Black seinen Namen erfährt und der Dämon erscheint direkt vor mir. Black fährt hoch, bleibt aber mit seinem Stab in der Hand kauern und starrt den Dämon mit weit aufgerissenen Augen an.
„Versteck dich", befehle ich dem Rotäugigen sofort. „Kannst du ein Haus zwischen den Nummern zehn und vierzehn sehen?"
Memphistos rote Augen verengen sich.
„Ich sehe ein Haus direkt vor mir, das vor dunklen Magie trieft", antwortet er.
„Du kannst es also sehen", stelle ich zufrieden fest. „Schön. Geh rein; und lass dich nicht sehen. Finde den Zauberer namens Macnair – er ist höchstwahrscheinlich in einem Zimmer eingesperrt. Du wirst dunkle Magie an ihm riechen – so wirst du wissen, dass er es ist. Verstecke dich in seinem Zimmer und beobachte ihn. Wir möchten wissen, ob er die dunkle Seite verraten hat, oder ob man ihn gefangen hält."
„Ich verstehe", sagt Memphisto und steht auf. Augenblicklich verschwindet er und für einen Moment lang kann ich nur einen sich schnell bewegenden Schatten sehen, der jedoch in der nächsten Sekunde unter dem Türspalt verschwindet.
„Ob wir überhaupt hier blieben sollten?", frage ich mich laut. „Es ergibt ja nicht viel Sinn. Ich weiß nicht, wie lange es dauert, bis er etwas erfährt. Und außerdem sind die anderen hier zum Wachdienst. Ich sollte zurück zum dunklen Lord gehen. Und du kommst mit."
„Ich?", flüstert Black, der sich nicht von der Stelle rührt. Memphistos Auftauchen hat ihn total aus der Bahn geworfen und ich bemerke, dass er zittert.
„Ja, du", zische ich ungeduldig. „Denn der dunkle Lord möchte alles über dein Haus wissen. Und was ist los?"
„War das...?", stottert er, in die Richtung des unsichtbaren Hauses deutend.
„Ja, das war ein Dämon", antworte ich gelangweilt. „Wir sollten gehen. Ich möchte mir noch ein paar Stunden Schlaf gönnen, also beeil dich."
Er steht auf und ich konzentriere mich auf die Eingangshalle des Hauses in Schottland und disappariere. Memphisto hat mein vollstes Vertrauen. Er weiß, was die Phrase 'unauffällig sein' bedeutet. Das habe ich ihm schon früh genug beigebracht. Und ja, er hat nicht versprochen, mein Begleiter zu sein, aber nichts desto trotz ist er immer da. Die Welt der Sterblichen scheint ihm zu gefallen, wenn er seine Zeit in Zimmern kleiner Kinder verbringt, sich in Schränken und unter den Tischen versteckend, sodass er sie beobachten kann.
„Sei höflich", flüstere ich, als ich einen verwirrten Black mit mir ziehe. „Und knie dich hin. Beantworte seine Fragen und sprich ihn mit 'mein Lord' an."
„Harry", sagt Black, der inne hält. „Ich bin doch kein Todesser."
„Vielleicht nicht", sagt ich ernst, ihm in die Augen schauend. „Aber ich bin sein Lehrling. Und falls du ihm nicht den gebührenden Respekt zeigst, wird er auch mich deswegen bestrafen. Und das möchtest du nicht, oder?"
Black schüttelt schnell den Kopf.
„Warum würde er seinen eigenen Lehrling bestrafen wollen, das fasse ich einfach nicht", murmelt er, als wir die Treppen hinaufsteigen. „Er soll nur mich bestrafen."
„Er würde es zweifelsohne als eine Lektion betrachten", antworte ich trocken. „Und da ich sein Lehrling bin, erwartet er viel von mir."
Ich klopfe an die Tür von Voldemorts Arbeitszimmer – man muss ja nicht fragen, wo er steckt, denn er ist immer da – und höre eine Antwort. Er ist noch immer wach.
Der dunkle Lord sitzt beim Fenster und raucht eine Pfeife, eine Pergamentrolle in seinen Händen haltend. Als wir reinkommen, schaut er auf und mustert mich. Black versteift sich und scheint sich keinen Millimeter bewegen zu können.
„Meister", sage ich, in die Knie gehend. Ich werfe Black einen warnenden Blick zu und er folgt schnell meinem Beispiel. Mir kommt es aber nicht so vor, als dass er es zögernd gemacht hat, sondern dass er einfach vor Schock paralysiert war.
„Ich habe meinen Helfer ins Haus geschickt. Er soll sich melden, sobald er etwas erfährt. Ich bin aber zu dem Schluss gekommen, dass es einige Zeit dauern wird, und da Rodolphus schon da ist, habe ich entschieden, mich bei Euch zu melden und Black mitzubringen. Ich sollte schnell zurück zur Schule gehen, sodass man mir keine peinlichen Fragen stellen kann."
Voldemort mustert uns in Stille und weist uns leise an, aufzustehen.
„Also hat der Fideliuszauber doch keine Wirkung auf deinen Dämon", stellt er fest. „Das ist gut. Dumbledore ist offensichtlich nicht eingefallen, dass jemand einen Dämon rein schicken kann. Das ist nur noch ein Beweis, dass er keine Ahnung hat, was die dunkle Magie bewirken kann und was ein dunkler Magier tun kann."
Er steht auf und kommt auf uns zu. Black ist kreidebleich und versucht mit aller Kraft, seine Nervosität und Angst zu verbergen. Er stammt aus einer dunklen Familie, wo Voldemort als ein Held gefeiert wurde. Sein jüngerer Bruder war schließlich ein Todesser und Black hat zweifelsohne viele Geschichte über den dunklen Lord gehört. Jetzt aber in einem Raum mit ihm zu stehen, ist sicherlich zu viel für ihn.
„So, Harry hat dich endlich mitgebracht", sagt er, Black musternd, der auf einmal den Blick senkt. „Erzähle mir von dem Haus. Wer hat es mit den Schutzzaubern belegt?"
Ich gebe Black einen Schubs in den Rippen, als der dunkle Lord sich von uns abwendet und Black räuspert sich.
„Das Haus gehört der Familie Black", gelingt es ihm zu sagen. „Und im Laufe der Jahre haben alle Mitglieder ein paar Schutzzauber hinzugefügt. Meine Mutter... Sie wollte, dass das Haus unortbar wäre..."
„Aber das Haus stand nicht unter dem Fidelius, als du es verlassen hast?", hakt der dunkle Lord nach.
Black schüttelt den Kopf.
„Ich... ich weiß es nicht", sagt Black. „Ich habe das Haus verlassen, als ich sechzehn war. Mein Lord", fügt er hinzu.
„Also wahrscheinlich nicht", schlussfolgert der dunkle Lord. „Dumbledore hat es getan. Weißt du, wie es möglich ist, dass jemand doch in dein Haus reinkommen kann, obwohl du noch am Leben bist?"
„Mein Eigentum wurde an das Ministerium weitergegeben", sagt Black. „Weil ich keine Erben und keine Familie mehr habe."
„Soll das ein neues Gesetz sein?", fragt der dunkle Lord, in die Runde schauend. „Man sucht nicht nach Verwandten, sondern gibt das Eigentum einer uralten Familie dem Ministerium?"
Ich zucke mit den Achseln. Natürlich ist mir klar, dass, falls es solch ein Gesetz gibt, es lächerlich ist. So was sollte im Besitz eines Familienmitglieds bleiben, auch wenn man nicht direkt mit der Person verwandt ist. Was macht das Ministerium damit? Oder ist dieses Gesetz Dumbledores Erfindung? Es würde mich auch nicht wundern.
„Die Zauberwelt geht vor die Hunde", murmele ich.
„Das stimmt", meint der dunkle Lord, der sich wieder hinsetzt und die Beine übereinander schlägt. „Nun... erzähl mir etwas über deine Familie, Sirius Black."
Black benimmt sich in der Tat sehr merkwürdig. Am Anfang hat er wie ein Zweig gezittert, jetzt aber hat er sich etwas entspannt und er beginnt über seine gehasste Familie zu reden. Voldemort hört rauchend zu. Warum er alles über die Familie Black wissen möchte, ist mir schleierhaft. Ich gähne und gähne und habe den Eindruck, dass mein Unterkiefer bald in dieser Position bleibt, wenn ich so weitermache. Meine Augenlider fühlen sich schwer an...
„Nun, ich kann nicht abstreiten, dass du Harry –beziehungsweise der dunklen Seite und mir – schon einmal geholfen hast, mit deiner Zeichnung des Flügels in Azkaban", höre ich Voldemorts Stimme aus der Ferne.
Meine Augen öffnen sich augenblicklich.
„Früher hast du meine Anhänger gejagt und gefangen", fährt Voldemort fort. „Du hast mir nichts weiter als Schwierigkeiten bereitet. Ich verstehe ja, dass ein Hellmagier die dunklen Magier so hassen kann, dass er sie ausrotten möchte. Aber du bist kein Hellmagier, so sehr du es dir auch wünschen magst. Du wirst nie ein Hellmagier sein können, so sehr du deine Familie und alles, wozu sie dich gezwungen haben, auch hasst. Ich kann spüren, dass die dunkle Magie in dir in meiner Gegenwart laut sprechen will."
Was will er damit sagen? Ich schaue von einem zum anderen. Voldemort mustert Black mit einem maskenhaften Ausdruck.
„Deswegen werde ich dir eine Chance geben, nur eine Chance", sagt Voldemort kalt. „Weil mein Lehrling dir vertraut und weil du der dunklen Seite geholfen hast, werde ich dich vor die Wahl stellen. Folge mir; oder stirb."
Ich sitze schweigend da, Black musternd. Ich wusste, dass dieser Tag kommt und ich hoffe, dass Black genug Zeit hatte, um darüber nachzudenken. Schließlich war er die Mehrheit der Zeit alleine im Manor – denn er wollte Lucius nicht über den Weg laufen. Als wir Briefe ausgetauscht haben, habe ich ihn wieder davor gewarnt und ihn gefragt, ob er eine Entscheidung getroffen habe. Und Black hat mir nur ausweichende Antworten gegeben. Er hat viel über Dumbledore nachgedacht und ich weiß, dass so sehr er sich auch wünschte, dass alles, was ich ihm von Dumbledore erzählt habe, nicht wahr sei, musste er leider zugeben, dass Dumbledore doch ein Arschloch ist, das versucht hat, ihm Morde anzuhängen, nur weil er nicht wollte, dass Black sich um mich kümmert. Er war bereit, ein unschuldiges Leben zu opfern, um seine Ziele zu erreichen und das an sich ist zwar eine Tugend in den Augen eines Schwarzmagiers, aber sicherlich nicht in den Augen eines Hellmagiers. Dumbledore hat ihm so viel angetan, aber was in Blacks Augen noch wichtiger ist, er hat mir viel angetan. Und Black vertraut ihm überhaupt nicht. Aber dass er Voldemort vertraut... Nun ich würde mal nicht so weit gehen. Da ich aber sein Lehrling bin, heißt das, falls er mir vertraut, vertraut er auch Voldemort. Aber für Black ist die Sache nicht so einfach.
Eigentlich ist die Wahl ziemlich fair. Black stand einmal auf der anderen Seite und jetzt steht er dazwischen. Aber Voldemort möchte genau wissen, wer sein Feind und wer sein Anhänger ist. Er möchte nur ein ja oder nein hören. Und falls Black ihm nicht folgen möchte, sollte er sterben. Er weiß eh viel zu viel über unsere Pläne, um am Leben zu bleiben. Er könnte leicht seine Meinung ändern und jemandem unsere Pläne und Geheimnisse ausplappern. Ich denke nicht, dass er direkt zu Dumbledore rennen würde, aber er könnte zum Beispiel Lupin einen Brief schreiben – ich weiß, dass sie einmal gute Freunde waren – und ihm etwas, wenn auch unbeabsichtigt, enthüllen. Und wir wissen ja, was Lupin mit diesen Informationen tun würde.
Und Voldemort hat Recht wenn er sagt, er solle seine Entscheidung hier und jetzt treffen. Früher wäre es nicht nötig gewesen, denn Black hat nicht viel über die dunkle Seite gewusst. Jetzt aber wohnt er mit Narzissa und Lucius zusammen und er hat auch von mir schon viel gehört. Er hat natürlich geschworen, dass er meine Geheimnisse bewahren wird, aber was, wenn jemand alles aus ihm herauskitzelt?
Leider kommen wir wieder zum Thema Dumbledore. In letzter Zeit kommt es mir so vor, als wolle er nicht mehr kämpfen. Als hätte er sich seinem Schicksal ergeben. Ob er überhaupt noch Voldemorts verfluchten Sachen hinterher ist, weiß ich nicht. Einmal war ich mir sicher, dass er jede Chance ausnutzen würde, um Voldemort zu zerstören. Ich wäre mir sicher gewesen, dass er die Wahrheit aus Black herauskitzeln würde. Aber diese Version von Dumbledore – diesen Eindruck habe ich bekommen – würde es nicht tun. Denn er hat keine Kraft und keinen Willen mehr, zu kämpfen. Also die Frage, die ich mir stellen muss ist – wer hat also Macnair gefangengenommen? Rodolphus hat gesagt, er habe Dumbledore gesehen, wie er hinein ging. Aber jeder alte Mann mit einem langen Bart hätte hinein gehen können und man hätte ihn für Dumbledore halten können. Ich habe den Mann ja heute gesehen – er läuft gebückt und er hat Schmerzen. Die Version von Dumbledore, von der Rodolphus gesprochen hat, ist appariert und schnell hinein gegangen. Das passt einfach nicht zu dem Bild von Dumbledore, das ich gesehen habe.
„Ich werde Euch dienen", höre ich eine Stimme, die mich aus den Gedanken reißt.
Ich blicke schnell auf und schaue verwundert zu, als Voldemort seinen Stab zückt und Black auf die Knie sinkt. Ich kann zwar nicht sein Gesicht sehen, aber ich werde versuchen, seine Gedanken zu belauschen. Ich bin ziemlich geschickt mit diesem Trick geworden. Aus reiner Not, natürlich. Und weil ich manchmal wissen will, worüber Draco nachdenkt. Es treibt Draco in den Wahnsinn, wenn ich jene seiner Gedanken laut ausspreche, die er nie und nimmer laut sagen würde. Und er hat eine reiche Phantasie, wenn es um Sex geht...
Blacks Gedanken sind wie zornige Bienen. Ich kann kaum einen Gedanken fangen, bevor ein anderer auftaucht. Er scheint außer sich zu sein. Er scheint über widersprüchliche Sachen nachzudenken, aber ich spüre, dass er aufgeregt und angewidert zugleich ist. Wie dem auch sei, bekommt er gleich sein dunkles Mal und ich kann kaum meinen Augen trauen.
„Harry", sagt Voldemort zu mir gewandt, als wäre nichts passiert. „Melde dich sofort, wenn dein Dämon etwas herausfindet. Wir müssen dieses Problem schnell lösen, sonst werden wir unsere Pläne ändern und ich umziehen müssen. Er weiß viel zu viel."
Das klingt überhaupt nicht gut. Hoffentlich kehrt Memphisto schnell mit Neuigkeiten zurück.
„Gute Nacht, Meister", sage ich, Black mit mir ziehend.
Es ist drei Uhr. Gut. Ich habe noch ein wenig Zeit um zu schlafen und mich ein wenig zu erholen. Ich wünsche mir, ich könnte den Zeitumkehrer benutzen, aber vielleicht ist es besser, dass ich es nicht tue. Die Verwendung des Zeitumkehrers kann gefährlich sein und Voldemort hat ihn mir zuletzt gegeben, nachdem ich Memphisto einen Teil meiner Seele gegeben habe und in einem katastrophalen Zustand war. Ich denke sehnsüchtig an mein Bett mit einem warmen und schlafenden Draco drin und grinse teuflisch.
Als ich Black einen Blick zuwerfe, fällt mir auf, dass er weint und am ganzen Leib zittert. Was ist los? Einen erwachsenen Zauberer weinen zu sehen ist ein wenig beunruhigend. Viel beunruhigender, als einen erwachsenen Zauberer zu sehen, der gefoltert wird. Eigentlich ist das überhaupt nicht beunruhigend, sondern aufregend... Stimmt was mit mir nicht?
„Tut das dunkle Mal weh?", frage ich. Ich weiß, die Frage ist echt blöd, aber ich sehe einfach nicht, warum er sonst weinen soll.
„Was?", fragt er und wischt sich das Gesicht mit seinem Ärmel ab. „Nein." Er schaut auf seine Hände hinunter und schluchzt.
„Was ist denn los?", frage ich überrascht.
„Ich habe...", flüstert er und schluchzt wieder. „Ich habe... mich für die dunkle Seite entschieden..."
„Ja und?", frage ich achselzuckend.
Ich ziehe ihn nach draußen, sodass der dunkle Lord nicht davon Wind bekommt und in letzter Minute seine Meinung ändert.
„Wo liegt das Problem, Black?", zische ich, sobald wir vor dem Eingang stehen. „Du hast dich für die richtige Seite entschieden, auf der ich stehe. Was, hattest du vor, dich eigentlich den Hellmagiern anzuschließen? Die mir eines Tages nachjagen würden? Würdest du mich ihnen verkaufen? Wofür? Um dich gut zu fühlen? Geht es darum? Dass du Gewissensbisse hast, weil du mir geholfen hast, all diese Gefangenen zu befreien? Möchtest du wieder eine GUTE Person werden? Wann wirst du endlich damit aufhören, gegen dich selbst zu kämpfen und die Tatsache akzeptieren, dass du verdammt noch mal ein DUNKLER MAGIER bist?"
Black schaut mich schockiert an und wischt sich die Tränen ab.
„Komm, wir sollten nicht hier darüber reden", flüstert er und zieht mich mit sich.
„Worum geht es also?", belle ich ihm hinterher, als er sich auf eine Bank im Garten der Malfoys niederlässt.
„Du weißt nicht, wie mein Leben einmal ausgesehen hat", sagt Black, der glücklicherweise aufgehört hat, zu weinen. „Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der alle von dunkler Magie besessen waren. Meine Mutter hat mir und meinem Bruder die dunkle Magie früh genug beigebracht. Die edlen Künste, pflegte sie zu sagen. Ich war ein Kind. Ich wollte natürlich, dass meine Eltern mich lieben und dass sie stolz auf mich sind. Aber das waren sie nie und sie haben mich nie geliebt. Was auch immer ich getan habe, sie waren nie stolz auf mich. Meine Mutter war von unserer Herkunft besessen... In ihren Augen hieß ein Black zu sein, beinahe ein König zu sein. Ich wollte in solch einer Familie nicht weiterleben... und ich habe angefangen, die dunkle Magie zu hassen. Ich bin geflohen und habe oft bei deinen Eltern gepennt... Bei ihnen war ich immer willkommen."
Er wirft mir einen traurigen Blick zu, aber ich schaue ihn unbeeindruckt an. Ich erinnere mich nicht an meine Eltern. Erwartet er eine emotionale Reaktion? Denn da gibt es keine.
„Und der dunkle Lord hat sie ermordet. Meine besten Freunde", sagt Black gerade. „Ich weiß ja, dass du dich vom dunklen Lord angezogen fühlst, aber er hat deine Eltern ermordet. Denkst du nie darüber nach?"
„Warum sollte ich?", frage ich gereizt. „Derzeit hat er nur das getan, was er tun musste. Was er dachte, tun zu müssen. Und ich bin zufällig der Sohn der Menschen, die er ermordet hat. Aber ich erinnere mich nicht an sie. Und ja, vielleicht hat der dunkle Lord damals einen Fehler begangen, indem er eigentlich an eine dumme Prophezeiung geglaubt hat, aber das ändert nichts. Er hat an seine Ziele geglaubt; er hat seine Aufgaben als Vertreter der Dunkelheit erfüllt; und er hat nur das getan, was getan werden musste."
Tränen glitzern in Blacks Augen und ich wende meinen Blick ab.
„Wie kannst du nur so kalt sein?", murmelt Black in seinen Bart.
„Was hat das mit irgendetwas zu tun?", unterbreche ich ihn scharf.
Über was auch immer wir reden, irgendwie kommen wir immer zurück zum Thema Harry Potter. Und das geht mir auf die Nerven.
„Ich habe etwas mehr von dir erwartet", murmelt Black. „Vielleicht bist du zu tief in die dunklen Künste gesunken, um es zu verstehen. Mit der Verwendung der dunklen Magie verliert man allmählich die Fähigkeit, Empathie zu spüren."
„Ich brauche keine Predigten, Black", zische ich gereizt. „Ich möchte nur wissen, warum du wie ein Baby weinst. Du hast dich gerade für die gewinnende Seite entschieden – und ich sehe einfach nicht, warum du so außer dir bist. Außer der Tatsache, dass du noch immer die dunkle Magie in Zusammenhang mit deiner Mutter bringst, die dich gequält hat. Aber sicherlich siehst du ein, dass diese Denkweise ziemlich kindisch ist. Du musst dich akzeptieren, so wie du bist. Endlich das sein, was du wirklich bist. Damit aufhören, gegen dein Blut zu kämpfen. Endlich deine Familie und alles, was du durchgemacht hast, hinter dir lassen, sowie ich es getan habe."
Blacks Augen schauen mich traurig an und er lächelt schwach.
„Du bist erwachsen", sagt er und schüttelt den Kopf. „Und zu denken, dass ich dir helfen wollte ist falsch. Die ganze Zeit hilfst du mir."
„Erklär mir nur, was der Scheiß soll, denn ich möchte schlafen gehen", sage ich müde.
„Nun... Seit wir uns zum letzten Mal gesehen haben, habe ich darüber nachgedacht... Über dich und über den dunklen Lord", fährt Black schnell fort. „Alles, was ich möchte, ist, dass du glücklich bist. Ich möchte dich unterstützen und dir helfen. Aus diesem Grund habe ich entschieden, wenn es dazu kommt, mich dem dunklen Lord anzuschließen. Denn auf diese Weise würde ich für dich da sein können."
„Aber als ich ihn gesehen habe, als ich reingekommen bin und ihn zum ersten Mal gesehen habe, habe ich mich wieder wie ein Kind gefühlt. Etwas in mir wollte zu ihm gehen; etwas in mir hat sich von ihm magnetisch angezogen gefühlt; und in diesem Augenblick habe ich endlich verstanden, warum mein Bruder so brennend ein Todesser sein wollte. Ich habe ja meine Entscheidung getroffen, aber ich hasse trotzdem dieses Gefühl, das ich gespürt habe, als ich reingekommen bin. Diese... Anziehungskraft... In jenem Moment habe ich die dunkle Magie und meine Familie wieder mit meinem ganzen Herzen gehasst. Und jetzt hasse ich mich selbst auch, weil ich deine Eltern auf diese Weise verraten habe und alles, woran sie geglaubt haben."
„Das ist wirklich dumm, ist dir das klar?", sage ich. Black lächelt schwach. „Die dunkle Magie ist in deinem Blut. Solltest du versuchen, dein ganzes Leben jemand anderer zu sein, nur weil deine Familie dich gequält hat? Endlich hast du die Chance, das zu tun, was du wirklich möchtest. Und du solltest dich für niemandes Ideale opfern. Dein Leben gehört dir alleine und du alleine entscheidest, was du damit tun möchtest. Und du hast die richtige Entscheidung getroffen."
„Ich weiß nicht mehr, was ich möchte", sagt Black seufzend. „Mein Leben ist in jenem Moment zu Ende gewesen, als deine Eltern getötet wurden und ich nach Azkaban geschleppt wurde. Alles, was ich geliebt und woran ich geglaubt habe, wurde zerstört. Aber ich wollte dir helfen, deswegen bin ich geflohen. Du warst der letzte Überrest meines alten Lebens und der Zeit, als ich glücklich war. Und dann habe ich herausgefunden, dass Dumbledore dich leiden gelassen hat und dass du dich dem dunklen Lord angeschlossen hast und dass du mich nicht mehr brauchst."
Ich blinzele. Ich kann verstehen, wie er sich fühlt, denn einmal habe ich mich auch so gefühlt. Als ergebe mein Leben überhaupt keinen Sinn. Als existiere nichts auf dieser Welt, was mich glücklich machen kann. Aber ich habe einen Lebenssinn gefunden und ich möchte weiterleben. Es gibt so viel, das lebenswert ist. Black sollte auch einen Lebenssinn finden und weiterleben.
„Ich kann verstehen, wie es sich anfühlt, wenn man keinen Lebenssinn hat", spreche ich meine Gedanken laut aus. „Wenn man denkt, es wäre am besten, wenn man tot wäre. Aber ich habe einen Lebenssinn gefunden – und du solltest auch einen finden. Du sollst dein Leben aufs Neue aufbauen. Jetzt hast du die Chance, genau das zu tun. Du hast gerade ein neues Leben akzeptiert und du gehörst der dunklen Seite. Erforsche diese neue Welt. Du brauchst dich nicht bis zur Bewusstlosigkeit besaufen und alleine die Nächte im Keller verbringen. Denn das ist der Weg eines Feiglings. Und du bist kein Feigling."
„Du bist sicherlich kein Feigling, Harry", Black flüstert. Er legt eine Hand auf meine Schulter und drückt sie. „Ich bin stolz auf dich."
„Was ist passiert?", fragt eine männliche Stimme hinter uns.
Ich stehe auf. Lucius steht in einem Morgenmantel vor dem Haus und schaut mich besorgt an. Wahrscheinlich haben wir ihn geweckt.
„Onkel Lucius", sage ich, auf ihn zugehend. „Mein Pate hat das dunkle Mal bekommen. Der dunkle Lord möchte ihn doch in seinen Reihen haben."
Black erhebt sich langsam und schaut Lucius vorsichtig an. Die grauen Augen des Vaters meines Liebhabers spiegeln Überraschung.
„Er hat mir gerade bei etwas, was ich für den Lord erledigen musste, geholfen", sage ich zu Lucius. „Ich sollte aber jetzt nach Hogwarts zurückkehren. Lass meinen Paten aber nicht im Keller schlafen. Er ist jetzt ein stolzer Diener des dunklen Lords und er sollte entsprechend behandelt werden."
Die grauen Augen verraten keine Emotionen. Keinem ist entgangen, dass ich Black 'mein Pate' genannt habe. Bisher habe ich ihn nur bei seinem Nachnamen genannt. Und das scheint etwas für Lucius zu bedeuten.
„Sorge dich nicht darum", sagt er leise. „Bist du verletzt?"
Ich schüttele den Kopf. Lucius ist es gewohnt, dass ich oft verletzt bin. Und so wie es sich anhört, waren Black und ich an einem Auftrag für den dunklen Lord beteiligt, also soll man eine Verletzung nicht ausschließen.
„Gut, geh zurück zur Schule", sagt er. „Alles wird in Ordnung sein."
Ich wende mich um, hebe eine Hand anstatt eines Grußes. Ich kann kaum gerade stehen und alles, was ich möchte, ist, mich hinzulegen und einzuschlafen.
