Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!
Cassie
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Kapitel 39 – Dumbledores größte FehlerDa draußen tobt ein Sturm und der Windzug spielt mit meinen Haaren als ich zusammen mit Hermine das Verwandlungsklassenzimmer verlasse. Während des Unterrichts hat sich plötzlich ein Fenster geöffnet und alle Kerzen sind augenblicklich ausgegangen. Professor McGonagalls Stimme hat uns aus der Finsternis angewiesen, ruhig zu bleiben, bis sie das Fenster wieder geschlossen und die Kerzen anzündet hat, aber für ein paar Momente herrschte Panik im Klassenraum. Keinem war eingefallen, dass man auch Lumos benutzen könne. Mir hat es natürlich gefallen, für ein paar Minuten im Stockdunkeln zu sitzen, aber sonst niemandem. Auch das Wetter weiß, dass der Ball näher rückt.
Memphisto hat sich schon gestern gemeldet, sagend, dass der in Frage kommende Zauberer alleine in einem Zimmer sitzt und Zeitungen liest. Ich habe Memphisto gefragt, ob er ihn mitnehmen könne und der Dämon hat mit seinen roten Augen gerollt. Zweifelsohne verbringt er zu viel Zeit mit mir. 'Ich bin ein Erzdämon, Erbe der Dunkelheit,' hat er genervt zu mir gesagt. 'Natürlich kann ich das tun.'
Die Frage, die ich mir in jenem Moment gestellt habe, war – was wenn er es wirklich macht? Es besteht die Möglichkeit, dass Dumbledore – oder wer auch immer der Anführer dieser kleinen Oppositionsgruppe ist – herausfindet, wie wir es gedreht haben. Wir würden dadurch einiges enthüllen und ich bin mir nicht sicher, ob es eine gute Idee wäre. Der dunkle Lord jedoch hat gemeint, dass es hier um Not gehe und er hat mir befohlen, das Nötige zu unternehmen. Memphisto hat also Macnair mitgenommen und ihn dem dunklen Lord gebracht. Was danach passiert ist, weiß ich nicht. Aber ich konnte Zorn über die Verbindung mit dem dunklen Lord spüren und ich kann nur hoffen, dass die Nachrichten nicht so schlecht sind. Memphisto hat nur das getan, was ich ihm befohlen habe und der dunkle Lord hat ihn weggeschickt. Er konnte mir nichts mehr sagen.
Am Abend setze ich mich mit Amu um meine Schultern gewickelt ans Feuer im Gemeinschaftsraum. Ich möchte alles nochmal durchgehen. Ich starre die Flammen an und versuche mir zum hundertsten Mal Dumbledores Gesicht vorzustellen, wenn er endlich begreift, wer ich bin. Ich spüre Aufregung; mein gesamtes Inneres brennt; und ich kann es kaum abwarten. Falls es mir aus irgendeinem Grund nicht gelingt, Dumbledore zu töten, wäre ich so sehr enttäuscht, dass ich dazu gezwungen wäre, jemanden anderen umzubringen. Ich habe mich so lange darauf vorbereitet; ich habe meine Kraft dafür gespart; und falls es nicht klappen würde, würde ich diese Energie und diese Aufregung auf eine andere Weise loswerden müssen.
Amu lernt Magie und ich lese im Verwandlungsbuch. Warum lernen wir nicht generelle Verwandlung? Ich sehe einfach nicht ein, warum ich eines Tages wissen soll, wie man einen Vogel in ein Kissen verwandelt. Aber ich würde wahrscheinlich zum Beispiel einen Zweig in einen Dolch verwandeln wollen. So was bringt man uns nicht in der Schule bei. Nein, so was lernt Harry Potter alleine.
Eigentlich ist die Theorie, die hinter Verwandlung steckt, ziemlich einfach. Es sind aber die Vorstellungskraft und der Wille des Magiers, die das Ergebnis bestimmen. Also muss ich nicht unbedingt die genauen Sprüche benutzen, um etwas in etwas zu verwandeln. Ich kann es alleine durch meine Vorstellungskraft und meinen Willen erreichen. Und ich möchte daran arbeiten. Aber in der Prüfung werden wir natürlich die Fragen bekommen, die sich auf die bestimmten Sprüche beziehen. Wie nutzlos. Ich muss diese Liste einfach auswendig lernen, obwohl ich all das auch ohne die Sprüche schaffe. Manchmal kommt es mir so vor, als wolle Dumbledore dadurch die Individualität von jedem Schüler zerstören. Alle lernen das Gleiche; und auch wenn ich die Sprüche und die Stabbewegungen nicht brauche, um das zu erreichen, was ich will, muss ich sie doch auswendig lernen. Denn ich möchte gute Noten haben.
Ich seufze und schaue Amu an, der gerade erfolgreich mein Buch schweben lässt. Drei Sechstklässler folgen interessiert seiner Arbeit und tuscheln.
~Sehr gut, Amu~, sage ich zu der Schlange.
Das Buch fällt zu Boden und Amu zischt genervt. Wie Nagini ist er ein Perfektionist. Und es genügt zu sagen, dass wir gut miteinander auskommen. Amu ist neugierig auf alles, er lernt schnell und er möchte lernen. Dazu ist er auch begabt. Und was am wichtigsten ist, er ist nicht so nervig wie seine Mutter. Klar, er ist ein bisschen arrogant und manchmal verschwindet er, ohne mir zu sagen, wohin er geht, aber bisher war er ein ausgezeichnetes Haustier. Und dazu auch ein Freund.
~Das macht nichts~, sage ich ruhig, ~Versuche doch, das Feuer zu löschen.~
Als ich in die Flammen starre, sehe ich Dumbledores lichtblaue Augen vor mir. Sie starren mich vorwurfsvoll an; und in gewissem Sinne fühle ich mich, als bereite ich mich darauf vor, mein altes Leben umzubringen. Dumbledore stellt alles dar, was ich hinter mir lassen möchte. Meine Vergangenheit, über die ich keinesfalls nachdenken möchte. Alles, was ich einmal war, ist verschwunden. Der alte Harry, der allen erlaubt hat, ihn zu schikanieren und der tatsächlich geglaubt hat, er sei ein Freak, wird zusammen mit Dumbledore sterben. In gewissem Sinne geht es nicht mehr um Dumbledore und das, was er mir angetan hat. Es geht nicht darum, dass er ein Arschloch ist. Es geht um mich. Ich möchte etwas loswerden und endlich frei sein. Und Dumbledore ist das letzte Hindernis auf meinem Weg, das ich zerstören werde. Ja, im Laufe der Monate habe ich viel erreicht und viel getan; viel mehr, als einige Menschen im Laufe ihres ganzen Lebens. Aber Dumbledore ist als ein Erinnerungsstück immer da, das mich immer daran erinnert, was ich einmal war. Man kann mich einen kaltblütigen, emotionslosen Verräter des Lichtes nennen; man kann mir allerlei Schimpfnamen geben; aber ich möchte nie wieder der alte Harry sein. Ich möchte nie wieder dieses jämmerliche Wesen sein, das sich selbst bemitleidet und darauf wartet, dass jemand es rettet.
Das ist mir klar geworden, als ich diesen Irrwicht gefangen habe. In jenem Moment, als ich den alten Harry gesehen habe, habe ich solchen Zorn und Hass gespürt, dass ich endgültig bereit war, Dumbledore zu töten. Aber ich bin kein Dummkopf. Ich habe meine Lektion gelernt. Ich bin vorsichtig und ich passe auf, was ich tue und zu wem ich was sage. Zu viel steht jetzt auf dem Spiel und ich darf es nicht verkorksen.
Eine wunderschöne Zukunft wartet auf mich. Zwar weiß ich, dass ich, falls ich enttarnt werde, Hogwarts und die Malfoys werde verlassen müssen; dass ich wahrscheinlich Draco für eine lange Zeit nicht sehen werde. Ich weiß nicht, was auf mich zukommt. Aber endlich wäre ich frei. Frei von der letzten Last, die mich zurückzieht und die immer da ist. Dumbledore. Der Zauberer, den ich einmal als meinen Vater betrachtet habe, dem ich vertraut und den ich verehrt habe. Ich werde diesen Mann töten... und jede Sekunde davon genießen.
Eine Hand wird auf meine Schulter gelegt und ich drehe den Kopf. Draco schaut mich schweigend und besorgt an. Er weiß, worüber ich nachdenke.
„Alles steht bereit", flüstert er mir ins Ohr, „Geht es dir gut?"
„Ja", sage ich, meinen Blick wieder auf das Feuer fixierend, „Ja."
Die Flammen werden kleiner und schwächer und Amu zischt zufrieden, währenddessen beinah mein Glas mit seinem Schwanz umkippend.
„Gibt es Neuigkeiten?", fragt Draco, der sich auf die Armlehne setzt und einen Arm um meine Schultern legt.
„Noch nicht", antworte ich leise, „Aber er ist wütend. Ich weiß nicht weswegen. Und er möchte nicht mit mir reden, ich habe es schon versucht. Er ist immer beschäftigt, aber er sagt, ich solle mir keine Sorgen machen."
Draco presst die Lippen zusammen und folgt meinem Blick zum Feuer hinüber. Schatten tanzen über sein Gesicht und seine glatte Haut sieht beinah wie die Haut eines Engels aus. Draco bedeutet mir viel. Er kennt mich sehr gut und er weiß, was ich brauche und was nicht. Er weiß, wann er die Klappe halten soll und wann er reden soll. Und in diesem Moment hätte ich wirklich nichts dagegen, ihn zu heiraten und den Rest meines Lebens mit ihm zu verbringen. Unsere Beziehung ist vollkommen problemlos. Und er hat gelernt, seine Eifersucht zu kontrollieren, als ihm endlich klar wurde, dass ich den anderen Jungen nicht hinterher schaue und dass ich Theodore Nott erklärt habe, dass er nicht wirklich mein Typ sei. Theodore war natürlich enttäuscht, aber er musste es so akzeptieren, wie es ist. Schließlich sind wir Teenager; und auch wenn man in einem Moment behauptet, dass man in jemanden verschossen ist, kommt die nächste Sekunde jemand anderer vorbei und man vergisst die erste Person vollkommen. Hormone sind schuld. Und vielleicht hat es auch geholfen, dass wir jetzt zusammen in einem Bett schlafen. Auf diese Weise, auch wenn ich mit den anderen tagsüber rede, weiß Draco, dass ich an seiner Seite schlafen werde. Er hat die Versicherung bekommen, die er brauchte, dass ich zurück zu ihm kommen werde.
Seine Nägel sind wieder makellos, komme ich zum Schluss, als ich seine Hand in meine nehme. Jetzt weiß ich, was er in unserem Zimmer alleine getrieben hat. Und zweifelsohne wird er den ganzen Samstagmorgen mit seinem Haar beschäftigt sein. Es ist kürzer als mein Haar – aber trotzdem sieht es so aus, als gebe es viel Arbeit mit Dracos Haar, der Zeit nach zu beurteilen, die er im Bad verbringt. Draco möchte immer sein bestes Aussehen – und natürlich gelingt es ihm. Darin ist er unbestritten ein Meister. Und ich weiß, dass ich mich morgen früh aus dem Staub machen sollte, weil ich nicht möchte, dass er mich wegen meines Haares ausschimpft und mich schließlich auf einen Stuhl stellt und meine Frisur macht. Das kommt überhaupt nicht in Frage. Harry Potter wird nicht so rumlaufen, riechend, als hätte jemand eine gesamte Parfümflasche über seinem Kopf ausgekippt und mit einer Frisur, die sich gar nicht bewegt, was auch immer man macht. Schließlich bereite ich mich für einen Mord vor und nicht für eine Modenschau. Und hübsch bin ich ja auch ohne all das.
Aber ich habe natürlich nichts dagegen, dass Draco selbst angenehm riecht und dass er immer atemberaubend aussieht. Denn das ist selbstverständlich.
Vor dem Einschlafen ist Draco schon wieder im Bad, aber dieses Mal stört es mich überhaupt nicht. Ich kann hören, wie er summt, als er sich duscht. Das wird eine Weile dauern. Ich wiederum ziehe einen Lederdolchhalter und drehe ihn um. Das wird meine Mordwaffe sein. Mit diesem Dolch werde ich Dumbledore umbringen. Ich ziehe den Dolch hervor und mustere ihn. Die Klinge habe ich selbst geschliffen und sie spiegelt das Kerzenlicht besser als ein Spiegel. Der Dolch ist aus Silber gefertigt und es gibt fünf wunderschöne Smaragde, die auf dem Griff glitzern. Er ist einfach wunderschön. Aber ich denke, dass er mit Dumbledores Blut auf der Klinge noch schöner aussehen wird.
Ich ziehe die Phiole, die der dunkle Lord mir gegeben hat, aus meinem Koffer hervor und lächele. Ich muss nur ein paar Tropfen davon auf Dumbledores Umhang spritzen und ich werde genau wissen, wo er steckt. Es wird natürlich auch möglich sein, direkt zu ihm zu apparieren. Ich muss ihn zuerst weglocken und dann... dann wird er mir gehören. Ich kann mich nur allzu gut daran erinnern, als ich Tom getötet habe. Damals war ich in einer Trance; und mein einziger Gedanke war, dass der Dolch so leicht in das Fleisch drang... Man muss keine sonderliche physische Kraft besitzen, um es tun zu können. Man muss nur wissen, wo das Herz ist... Natürlich hat sich der dunkle Lord bemüht, auch meinen Körper, sowie meine Magie mit stundenlangen Duellen zu trainieren. So schnell und kräftig war ich noch nie. Der dunkle Lord ist der Meinung, dass trotz der Macht, die man besitzt, manchmal beim Duellieren der Schnellere gewinnt. Reflexe sind sehr wichtig; aber falls das Duell länger dauert, muss man auch gewisse körperliche Kraft und Durchhaltevermögen besitzen, sodass man die Anstrengung ertragen kann. Und falls der Gegner sich nicht so schnell bewegen kann, er aber mächtig ist, sind das Ausweichen und Disapparieren gute Taktiken. Man ermüdet seinen Gegner und greift gnadenlos an, während er versucht, sich zu erholen. Gute Reflexe habe ich ja schon; aber Voldemorts Training hat meinem Körper die notwendige Geschwindigkeit und Kraft gegeben, die ihm gefehlt haben. Die Übung, die ich am meisten hasse, ist, wenn ich nur da stehen und Voldemorts Angriffen ausweichen muss. Voldemort steht auf der anderen Seite des Raumes und schießt Flüche auf mich ab, einen nach dem anderen. Und ich weiß, dass diese Übung ihm Riesenspaß macht.
Nun... morgen werden wir wissen. Morgen wird alles enden... oder anfangen.
Die Tür zum Bad klickt und ich wende mich um. Draco steht mit einem Handtuch um seine Hüften gewickelt und mustert mich. Ich werfe den Dolch wieder in den Koffer und stehe auf.
„Ich wünsche mir, ich könnte mitkommen", sagt er leise, „Aber ich weiß, dass du es schaffst. Ich wollte nur dabei sein."
Die grauen Augen mustern mich von oben bis unten und ich lächele. Da gibt es noch ein paar Wassertropfen auf Dracos haarloser Brust und mein Blick gleitet zu seinem Handtuch hinunter. Dracos Körper ist einfach perfekt. Da gibt es keine Narben, keine Mängel. Er benutzt den Rasierzauber jeden Tag, weil er Körperhaar einfach nicht leiden kann. Sein Körper sollte in einem Museum zur Schau gestellt werden... Nun ja, in einem Museum, das nur ich betreten kann.
„Du riechst so gut", flüstere ich, als ich seinen Hals beschnüffele und mit meiner Zunge über sein Ohrläppchen fahre. Er bekommt Gänsehaut und erschaudert.
Als seine Hände mit den Knöpfen meines Hemdes beschäftigt sind, fällt sein Handtuch zu Boden und er steht nackt und warm vor mir. Mir kommt es wie eine letzte Nacht mit ihm vor... Das ist dumm. Aber als er sich verzweifelt an mir reibt, wird mir klar, dass auch er sie so betrachtet. Wir haben vergessen, die Tür zu versperren. Das macht nichts. Ich presse ihn grob gegen die Wand und küsse ihn, dass unsere Lippen beginnen zu bluten. Den Geschmack von Blut in meinem Mund finde ich wahnsinnig erregend... Meine Hand packt seinen Schwanz und er rollt mit den Augen. Zur gleichen Zeit versucht er mir meine Hosen zu abzustreifen, aber es gelingt ihm nicht, weil er ja abgelenkt ist.
Ich grinse teuflisch und hebe ihn in die Luft. Er keucht überrascht auf, als ich ihn zum Bett hinüber trage, dabei seinen Hintern reiben.
„Bin ich etwa so leicht?", fragt er schweratmend, als ich ihn auf das Bett werfe und meine Hosen schnell ausziehe.
„Oder bin ich etwa so stark?", frage ich, auf ihn kletternd.
Er versenkt seine Nägel tief in meinen Rücken, als ich meine Zähne über die Haut an seinem Hals ziehe. Draco wird es vielleicht nie laut sagen, aber ihn erregen solche Spiele. Trotz seinen Protesten weiß ich, dass er es mag, wenn ich mich auf ihn werfe und beginne, ihm seine Kleidung vom Leib zu reißen. Er protestiert die ganze Zeit, aber das ist ja ein Teil des Spiels. Ihm gefällt es, zu protestieren und doch das zu bekommen, was er möchte und mir gefällt es, wenn meine Beute sich wehrt.
„Potter!", zischt er wütend, als ich mich rittlings auf seinen Bauch setze und seinen Schwanz packe. Er murmelt etwas Unverständliches und rollt mit den Augen, als meine Hand geschickt über sein Glied fährt. Jetzt hat er nichts mehr zu sagen.
Als ich erkenne, dass er nahe dem Höhepunkt ist, lasse ich ihn los und er keucht auf, mich wütend anschauend, gerade in dem Moment, in dem ich seinen Kopf mit einer Hand zu mir ziehe.
„Du bist verrückt geworden", murmelt er.
„Komm schon", sage ich schweratmend und teuflisch grinsend. Dracos Brust hebt und senkt sich schnell, was mir genug sagt. Er nimmt mich in den Mund und schließt die Augen. Auch Dracos Mund fühlt sich herrlich an. Ich steuere seinen Kopf und bald finden wir ein Rhythmus, der mir gefällt und den Draco machbar findet. Ich wickele meine Finger in sein blondes Haar und ziehe seinen Kopf kräftiger und schneller zu mir.
„Guter Drache", murmele ich, ihn zu mir ziehend. Draco gurgelt. „Das ist gut... herrlich..."
Er gibt einen seltsamen Laut von sich, als ich mich in seinen Mund ergieße und seinen Kopf loslasse. Aufkeuchend und nach Atem ringend, stößt er mich von sich und flucht.
„Ich bin fast erstickt!", zischt er wütend, sich den Mund wischend.
„Ach, aber du hast jede Sekunde genossen, gib es zu", sage ich neckend, versuchend, ihn zu küssen, aber er stößt mich wieder weg, „Und du hast alles runtergeschluckt, wie ein guter Drache."
„Ich hätte sterben können!", protestiert er.
„Nein, das passiert jetzt", sage ich grinsend, ihn am steinharten Schwanz packend. Was auch immer Draco sagen wollte, bleibt ungesagt, denn er stöhnt und schließt die Augen.
„Du bist verrückt", gelingt es ihm zwischen zwei Stöhnen zu sagen, als ich seinen Schwanz verschlinge. Das ist mir nie schwer gefallen, denn Dracos gesamter Körper ist herrlich und köstlich. „Potter... mach es mir gut..."
Als ich mit der anderen Hand seine Eier massiere, gurgelt er und stöhnt wieder meinen Namen. Er muss nicht meinen Kopf steuern, denn ich weiß schon, wie er es mag. Ich habe gelernt, wo ich ihn berühren muss und was genau ich tun muss, um ihm Genuss zu bereiten.
Er beginnt Schwachsinn zu murmeln, sowie immer. Und es erregt mich wahnsinnig, ihn so vollkommen hilflos und ergeben vor mir zu sehen. Er murmelt meinen Namen, er fleht mich an, nicht aufzuhören und er zittert wie ein Zweig, als ich lecke und sauge. Als sein gesamter Körper beginnt zu zittern, weiß ich, dass er dem Höhepunkt nahe ist. Hat ja nicht lange gedauert... Er vergräbt seine Hände in mein Haar und drückt meinen Kopf tiefer, als er laut stöhnt. Falls irgendjemand mit uns reden wollte und Dracos Stöhnen gehört hat, hat er es sicherlich aufgegeben.
„Du...", flüstert er, meinen Kopf streichelnd, „Ich sehe Sterne."
Ich lache und hebe den Kopf, mich nach vorne beugend, um ihn zu küssen.
„Na, tot bist du noch nicht", sage ich belustigt, „Das heißt, wir sind bereit für die nächste Runde."
„Was?", murmelt er. Seine Brust glitzert vor Schweiß und ich ziehe Kreise mit meinem Finger darauf. So weich... „Du bist nicht normal. Da unten ist alles taub. Und tot."
Ich werfe mich neben ihn aufs Bett und mustere ihn. Die grauen Augen schauen mich aus der Nähe an.
„Was hast du wieder getrieben?", fragt er leise, „Normalerweise wenn du so scharf bist, heißt das, dass du dunkle Magie geübt hast."
„Nicht mehr als üblich", antworte ich.
„Hast du Duellieren geübt?", fragt Draco. Ich nicke nur.
Die grauen Augen spiegeln Sorge und er versucht mich zu trösten, mit seinem Blick zu sagen, dass ich es schaffen werde und alles. Aber mir ist klar, dass das meine Aufgabe ist. Auch wenn der dunkle Lord kommt, wenn ich ihn rufe, werde ich erst die Bühne vorbereiten müssen. Und auch wenn er da sein wird, werde ich alleine sein. Denn das ist etwas, was ich alleine tun muss. Schließlich bin ich immer alleine, unabhängig davon, ob ich Hilfe habe oder nicht.
Als ich Draco wieder küsse, sagt er nichts. Er klammert sich nur fest an mich und schließt die Augen, meine Nähe und meine Berührungen genießend. Ich wiederum muss mich irgendwie ablenken und Draco ist eine exzellente Ablenkung.
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Als wir am nächsten Tag die große Halle betreten, ist Dumbledore nicht da. Es gibt aber dutzende von Elfen, die die große Halle schon für den Ball vorbereiten. Wir werden das Mittagessen in unserem Gemeinschaftsraum essen, um den Elfen und den Professoren die Zeit zu geben, das Schloss für den Ball vorzubereiten. Denn laut Snape wird das gesamte Schloss dekoriert werden.
Ab und zu spüre ich ein Pochen in meinem Solarplexus, die Folge von dem Ritual, als ich Memphisto einen Teil meiner Seele gegeben habe. Ich verziehe das Gesicht, als das Pochen zum Schmerz wird, der aber allmählich nachlässt. Ich muss mich nur ein wenig konzentrieren, um Memphisto zu spüren. Momentan ist er bei den anderen Dämonen und sie reden aufgeregt über den Tod des Vertreters des Lichtes. Ich schnaube und gieße mir mehr Kaffee ein.
/Hermines Sicht
Vielleicht hat er sich in der dunklen Magie verloren. Er sieht überhaupt nicht nervös aus. Es sieht so aus, als sei er dafür bereit. Ich weiß, dass er alles im Voraus geplant hat. Mir ist übel... Ich stoße den Teller weg und gebe jeden Versuch auf, etwas zu essen. Wie kann er nur so ruhig dasitzen und essen? Er hat vor, heute ein Leben zu nehmen und er ist so entspannt und ruhig... Nein, er hat Schmerzen. Was hat er-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf ihm schon wieder angetan?
Anthony kommt rein und zwinkert mir im Vorbeikommen zu. Ich zwinge mich dazu, zu lächeln, aber mein Gesicht fühlt sich steif an. Als seien meine Lippen nicht dazu bestimmt, zu lächeln. Ich bin eine Verräterin... Und eine Lügnerin. Ich habe den Minister und all diese Menschen schamlos angelogen – und weswegen? Wegen Harry. Manchmal ekele ich mich selbst an. Aber ich würde es wieder tun, falls es dazu kommt. Das ist das schlimmste daran.
Ich muss mich damit abfinden. Ich muss mich endlich akzeptieren, so wie ich bin. Das Problem ist nur, ich weiß nicht mehr, wer ich bin. Manchmal fühle ich mich wieder selbstsicher und die alte Hermine kommt hervor. Manchmal aber bricht die alte Hermine zusammen und ist nicht dazu fähig, weiterzumachen und ich muss die Kontrolle übernehmen. Die Überreste meiner alten Prinzipien und Idealen werden meinem neuen Ich und der Situation angepasst, aber sie fühlen sich verdorben an. Ich erfinde neue Ausreden für mein Benehmen, aber trotz allem habe ich mich im Ministerium selbst überrascht. Die Weise, wie ich mich benommen habe und was ich gesagt habe, sind ein Teil der neuen, selbstsicheren Hermine. Etwas hat mich gepackt... Obwohl ich mich am Anfang so fürchterlich nervös und mies gefühlt habe, wollte ich doch etwas laut sagen und allen zeigen, was Ronald mir und Harry angetan hat. Etwas ist aus mir herausgeplatzt und ich habe einfach gesprochen und gesprochen.
Aber ich muss Harry dringend sprechen. Ich muss ihn warnen, ich muss ihn irgendwie davon überzeugen, dass er in Gefahr ist. Hoffentlich wird er mir glauben, denn ich habe keinen Beweis. Beim bloßen Gedanken an das, was ich ihm zu sagen habe, wird mit übel... Warum isst er so langsam?
/Dracos Sicht
Ich weiß, dass er der große Harry Potter ist und dass er meine Hilfe nicht braucht, aber ich möchte ihm trotzdem irgendwie helfen. Gestern war er unmöglich. Woher kommt all diese Energie? Ja, ich war hundemüde, aber ich wünschte mir, die Nacht würde nie enden. So leidenschaftlich war er noch nie. Zärtlichkeiten sind in letzter Zeit etwas Seltenes bei ihm, aber gestern war er auch zärtlich. Ich beklage mich ja nicht, ich mag es, wenn er mich so anfasst. Denn in diesen seltenen Momenten spüre ich, dass er mich mag und ich weiß, dass er nur mich mag... Dieser gelassene Harry Potter, der entweder Wutanfälle hat oder ruhig ist, wirft sich auf mich und küsst mich leidenschaftlich überall, als gäbe es kein Morgen. Und ich mag dieses Gefühl.
Ich weiß nicht, welches Ritual er in jener Nacht durchgeführt hat, bevor er sich verändert hat aber ich weiß, dass es etwas Wichtiges und Gefährliches war. Denn seit dem hat er sich viel geändert. Am Anfang hat er jeden angeschnauzt und ist danach im Raum der Wünsche verschwunden, oder er hat gedankenverloren in die Ferne gestarrt. Jetzt aber sieht es so aus, als hätte er es unter Kontrolle. Aber manchmal sehe ich etwas in seinen Augen, was mir Angst einjagt. Drei Tage nachdem er dieses Ritual durchgeführt hat, ist er wieder spät ins Zimmer zurückgekehrt und hat mich geweckt. Ich beklage mich ja nicht, wenn er mich auf JENE Weise weckt. Sex ist immer herzlich willkommen, zu welcher Zeit auch immer. Aber als er den Kopf gehoben hat, konnte ich schwören, dass seine Augen rot geglüht haben. Das habe ich ihm nie gesagt, denn vielleicht habe ich mich geirrt. Aber ab und zu sehe ich dieses Etwas in seinen Augen, etwas Fremdes, das sich nicht wie Harry Potter anfühlt. Es fühlt sich wie eine fremde Präsenz in seinem Geist an... Hat er mit Dämonenbeschwörungen rumexperimentiert? Ist etwas fehlgeschlagen? Das finde ich schwer zu glauben, denn der dunkle Lord war bestimmt dabei... aber trotzdem. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es etwas mit Dämonen zu tun hat.
Nun, ich werde natürlich alles tun, um ihn zu unterstützen. Ich muss ihn aber irgendwie in die Finger kriegen. Sein Haar kämmen und wenigstens seine Nägel schneiden... Hat er Dumbledores zukünftiges Grab mit seinen bloßen Händen gegraben? Widerlich...
/Lupins Sicht
Warum Slytherin? Ich stelle mir diese Frage schon seit Monaten. Klar, Slytherin ist ein Haus wie jedes andere, aber dennoch... Nun, vielleicht wegen Draco. Sie scheinen wirklich gut miteinander auszukommen, so schwer es auch zu glauben ist... Ein Junge wie Harry... Er hat mir doch ein Gesicht gezeigt, das mich erneut überzeugt hat, dass er Lilys Sohn ist. Er versteckt alles unter dieser Fassade aus Gelassenheit; aber ich weiß jetzt, dass der wahre Harry Potter doch da drin ist. Der Harry, der Lilys Sohn ist. Ich sollte ihn ja nicht beschuldigen. Er hat eine neue Familie gefunden und Narzissa Malfoy scheint sich tatsächlich gut um ihn zu kümmern... So unglaublich es sich auch anhört... Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass mehr unter Harrys Fassade steckt... Was habe ich soeben gedacht? Meine Gedanken fühlen sich wie eine alte Grammofonplatte an, die beschädigt ist. Ich brauche Hilfe. Vielleicht hat Harry Recht. Der Trank, den Severus für mich braut, ist echt nützlich, aber wir wissen ja nicht, welche Nebenwirkungen er hat. Vielleicht erklärt er meine Vergesslichkeit und meine wirren Gedanken.
Nun, wenn wir schon dabei sind, scheint auch Dumbledore ein wenig wirr im Kopf zu sein. Er redet in Rätseln und ich bin mir ziemlich sicher, dass er Gesundheitsprobleme hat, aber darüber nicht reden möchte. Ich muss zugeben, dass ich von ihm sehr enttäuscht bin. Er hätte sich um Harry kümmern sollen und Harry hat verzweifelt eine Familie gesucht, die ihn endlich aufnehmen und lieben würde... Es ist nicht Harrys Schuld, dass er ein Malfoy ist. Es ist Dumbledores Schuld. Hoffentlich ist Harry stark genug, um dem Griff der dunklen Magie zu widerstehen. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass Lucius, auch wenn Narzissa es nicht tun würde, versuchen wird, ihm die dunkle Magie beizubringen. Und so neugierig und unschuldig wie Harry ist, befürchte ich, dass er sich leicht anlocken lässt. Die akademische Neugier, die Harry zeigt, ist einfach wunderschön und erschreckend zugleich. Denn er möchte alles über alles wissen. Ab und zu habe ich ihn mit Büchern über gefährliche Tränke oder Flüche gesehen, aber als ich ihn gefragt habe, was er da drin so interessant findet, hat er mir lediglich gesagt, er finde es interessant. Neugier ist aber sehr gefährlich. So kann er neugierig auf Sachen werden, mit denen man nicht spielen soll. Aber Harry ist klug. Er wird schon erkennen, was für ihn gefährlich ist und was nicht.
Wenn einem die Magie und das Lernen so natürlich vorkommen, wie Harry, muss man sich die Frage stellen, in welche Richtung das geht. Harry wird ein ausgezeichneter Auror sein. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass er ein Auror sein möchte, denn er hat mich schon gefragt, was ein Auror macht und mich darum gebeten, ihm etwas über die Arbeit eines Aurors zu erzählen. Was ich aber enttäuschend und verwirrend finde, ist, dass er keinerlei Wünsche zeigt, etwas über seine Eltern herauszufinden. Ich habe natürlich gehofft, ich habe mich darauf gefreut, dass er mir solche Fragen stellt, aber das hat er bisher nicht. Ab und zu erwähne ich seinen Vater oder seine Mutter, aber diese Erwähnungen scheinen keine Reaktion hervorzubringen. Vielleicht erinnert er sich überhaupt nicht an sie. Aber man würde erwarten, dass er wenigstens neugierig wäre, wer seine Eltern waren und dass er etwas über sie herausfinden wollen würde.
Nun, ich bin mir nicht sicher, was Dumbledore in Bezug auf Harry plant, aber was auch immer er plant, es ist ein mieser Plan. Er hat Harry verraten und er war nicht für ihn da, als er ihn am meisten gebraucht hat. Und was noch schlimmer ist, er hat nichts daraus gelernt. Er ist noch immer nicht für ihn da und er verschwindet aus Hogwarts oder sperrt sich in sein Büro ein und treibt Merlin weiß was darin. Dumbledore hat mich sehr enttäuscht. Harry hat es nie offen gesagt, aber ich weiß, dass er ihm nicht vertraut. Und das kann ich nur allzu gut verstehen. Ich hoffe nur, dass dieses Misstrauen nicht zu Hass wird, denn das wäre nicht gut. Aber ich denke nicht, dass Harry dazu fähig ist, jemanden wirklich zu hassen. Er hat mir vergeben, dass ich nie für ihn da dagewesen bin und ich bin mir ziemlich sicher, dass er auch Dumbledore vergeben hat. Seit dem ist er mir gegenüber immer freundlich und hat mir letztendlich angeboten, für einen Heiler zu bezahlen, den ich mir nie leisten könnte. Das ist typisch Lily. Lily war immer für die Menschen da, die sie lieb hatte.
Harry lernt und lernt und er gönnt sich keine Pausen. Lily und James wären so stolz auf ihn... Aber er hat keine Freizeit und er scheint keine Freizeitbeschäftigungen zu haben. Ich sollte ihn zu etwas einladen. Den nächsten Sommer werde ich das tun. Er mag Quidditch, das weiß ich, obwohl er dieses Jahr nicht spielen wollte. Vielleicht möchte er ja Quidditch spielen, aber da er in Slytherin ist, das schon einen Sucher hat, gibt es keinen Platz für ihn im Quidditchteam. Ich sollte ihn zu einem Quidditchspiel einladen.
Und das erste, was ich tun werde, wenn das Schuljahr zu Ende ist, ist mich mit Arthur und Molly zu unterhalten. Sie tun mir Leid; aber ich kann einfach nicht verstehen, was in Ronald gefahren ist. Warum hat er Hermine angegriffen? Die Weasleys sind eine so nette und freundliche Familie... Und ich hatte nie den Eindruck, dass Ronald gewalttätig ist. Ich möchte mit Molly darüber reden, obwohl ich weiß, dass es vielleicht egoistisch von mir ist, sie schon wieder mit Fragen zu plagen. Sie hatte genug davon im Ministerium zu beantworten. Ich sollte sie nicht weiter quälen. Nein, ich werde sie einfach besuchen und dann hoffen, dass sie darüber freiwillig spricht.
Wir haben viel zu tun, ich sollte schneller essen. Pomona und ich werden die Arbeit der Elfen in den Korridoren überwachen. Ich denke, dass dieser Ball genau das ist, was wir alle brauchen. Ich habe eigentlich befürchtet, dass Harry nicht hingehen würde, dass er lieber seinen Abend mit einem Buch verbringen würde, aber der junge Malfoy scheint doch einen guten Einfluss auf ihn zu haben. Er hat ihn zweifelsohne dazu überredet und Narzissa hat ihm eine Ballrobe geschickt. Und Harry kann zu seinem Freund nicht nein sagen, oder?
/Harrys Sicht
Das wäre es. Ich habe genug gegessen, jetzt gehe ich...
„Wohin gehst du?", Draco fragt mich. Oh nein.
„Ich muss etwas in der Bibliothek nachschlagen", sage ich ausweichend, „Ich komme gleich."
Er mustert mich mit dem 'ich weiß, wohin du gehst, aber in Ordnung, ich werde dich schon in meine Finger kriegen' Blick und nickt mir zu. So... Endlich alleine. Ich steige schnell die Treppen nach oben, darüber nachdenkend, wann ich wieder auftauchen sollte, sodass es nicht zu spät wäre. Acht?
Aber als ich um die Ecke biege, dem Korridor folgend, der zum Raum der Wünsche führt, erblicke ich zwei Elfen und Professor Vector, die ihnen Anweisungen gibt.
„Hallo, Harry", sie begrüßt mich, „Hast du dich verlaufen?"
„Ähm...", sage ich, mich umschauend. Verdammt! „Ja, ich denke schon. Das hier ist nicht der zweite Stock, oder?"
„Nein", sagt sie kopfschüttelnd, „Der dritte Stock."
„Spielen die Treppen wieder Streiche mit mir?", sage ich gespielt gereizt, „Wir sehen uns, Professor."
Das ist nicht gut. Ich möchte alles nochmal durchgehen. Ich muss einen Ort finden, wo ich alleine und ungestört sein kann. Bis wann wird sie da sein? Nun... ich könnte versuchen, zum Geheimgang zu gelangen und dann ins Manor zu apparieren. Oder zu irgendeinem Ort, an dem Draco nicht mit einem Haargel auf mich wartet.
Glücklicherweise ist niemand da. Gut. Ich marschiere den Korridor entlang, nur daran denkend, dass ich die Statue so schnell wie möglich erreichen sollte, bevor jemand mich sieht. Bevor noch ein Professor mit den Elfen vorbei kommt und mich fragt, ob ich mich verlaufen habe. Zu spät. Ich höre schnelle Schritte hinter mir. Kein Professor würde mir hinterher laufen, da bin ich mir sicher.
Reflexartig lasse ich meinen Stab in die Hand fallen und drehe mich damit in der Hand schnell um. Wer auch immer es ist, ist hinter mir her.
Jemand schreit meinen Namen, sich schnell auf den Boden werfend. Es ist Hermine.
Sie liegt am ganzen Leib zitternd auf dem kalten Boden und schaut mich wortlos an. Ihre Reflexe sind phantastisch. Hätte ich tatsächlich einen Fluch in ihre Richtung abgeschossen, hätte ich sie nicht getroffen. Wo hat sie das gelernt? Trainiert sie das Duellieren jede Sekunde ihrer Freizeit? Ihrer dünner werdenden Figur nach zu beurteilen, ja.
„Was treibst du?", schreie ich, „Ich hätte dich verletzen können! Was fällt dir ein, an Menschen so ran zu schleichen?"
„Harry", flüstert sie, mich noch immer anstarrend, „Ich wollte nur mit dir sprechen."
„Und deswegen bist du mir gefolgt? Ist dir klar, dass dich jeder sehen konnte?", brülle ich sie weiter an.
„Nein, ich bin mir sicher, dass keiner mir gefolgt ist", flüstert sie, noch immer vor Schock gelähmt. Wahrscheinlich hat ihr meine Reaktion Angst eingejagt.
„Ich möchte alleine sein", knurre ich, mich zum Gehen wendend.
Hermine ist das letzte, was ich heute brauche. Erst Vector, jetzt Hermine. Wer ist der nächste? Eine Gryffindorbande?
„Harry!", schreit Hermine mir hinterher.
Sie holt mich ein und greift nach meiner Schulter.
„Harry, er weiß es", flüstert sie atemlos in mein Ohr, „Ich habe ihn beobachtet. Ich bin ihm gefolgt. Er weiß, was du planst. Und ich bin mir sicher, dass er darauf wartet, dass du etwas unternimmst. Ich weiß, dass du ihn irgendwohin locken möchtest, um ihn zu..."
Sie kann das Wort nicht laut sagen und holt Luft. Sie umarmt mich und flüstert weiter in mein Ohr. Ich lege meine Arme um ihre Taille und höre zu.
„Er wartet darauf. Er wird dir folgen, wohin auch immer du gehst, weil er möchte, dass du enttarnt wirst", sagt sie verzweifelt.
„Ich weiß, dass er es weiß", sage ich ungeduldig, „Aber ich habe eher gedacht, dass er sterben möchte. Deswegen versucht er nicht mal, das Gegengift zu finden."
„Nein, Harry", sagt Hermine atemlos, meine Schulter noch immer drückend. Ich spreche leise einen Belauschzauber über ihre Schulter, „Ich bin ihm gefolgt. Harry... Er möchte dich fangen. Er möchte dich der Welt zeigen. Ich weiß, dass ihm jetzt klar ist, dass du und er-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf zusammen arbeiten. Er weiß, dass er zurück ist und er weiß, dass er dich nicht umbringen wird. Er möchte aber, dass er-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf dich umbringt. Er möchte, dass du ihm seine Geheimnisse verrätst."
Sie holt wieder Luft und zittert weiter in meinen Armen. Falls irgendjemand uns beobachtet, würde es lediglich so aussehen, als mache sich Hermine um etwas Sorgen und ich tröste sie.
„Woher weißt du das ?", frage ich argwöhnisch.
„Ich habe ein Treffen zwischen ihm und seinem Bruder belauscht", sagt Hermine sehr leise, „Er hat nicht genau diese Worte benutzt, aber..."
Ich schaue mich um, greife nach ihrer Schulter und ziehe sie mit mir in eine Nische.
„Zeig es mir", befehle ich ihr. Hermine schaut mich verwundert an.
„Wie denn?" fragt sie verwirrt.
Ehe Hermine die Chance hat, sich darauf vorzubereiten, was ich vorhabe, tauche ich in ihre Gedanken ein und wühle nach der Erinnerung, die ich brauche.
Hermine kauert unter einem Fenster und hat Langziehohren in ihren Ohren. Ich höre ganz deutlich Dumbledores Stimme.
/Erinnerung
„So geht es nicht", sagt Dumbledore gerade, „Aberforth, ich habe es schon einmal gesehen. Vor fünfzig Jahren ist noch ein Junge vor meiner eigenen Nase gewachsen, der sich als dunkler Lord entpuppt hat. Und Voldemort hat Harry gut gelehrt. Die Lehrer lieben ihn und sehen ihn als einen fleißigen Schüler, der endlich eine Familie gefunden hat. Aber im Geheimen ist er ein junger dunkler Lord. Als ich ihn damals in meinen Armen gehalten habe, habe ich gewusst, zu was er eines Tages werden wird. Die letzte Prophezeiung, die Sybil gemacht hat, erhärtet meine Vermutungen. Ich habe es gewusst – und in jenem Moment, in dem ich Harry als Baby in meinen Armen gehalten habe, habe ich mir überlegt, ob ich ihn vielleicht... töten soll..."
Jemand flucht und Dumbledore seufzt.
„Ja, ich weiß. Das Böse zwingt uns zu solchen Gedanken. Das Böse hat allerlei Gesichter und eines dieser Gesichter habe ich damals gesehen und in meinen Armen gehalten. Das unschuldige Baby, das in meinen Armen geschlafen hat. So unschuldig... Und doch... Also habe ich Harry bei den Dursleys zurückgelassen. Ich habe gedacht, ich habe gehofft, dass die Zeit, die er mit ihnen verbringen wird, ihm gut tun wird. Dass sie ihn brechen werden. Dass er nach Hogwarts als ein gebrochener Junge kommen wird, der sich nach Anerkennung und Liebe sehnt. Und ich hatte Recht. Mir ist es tatsächlich gelungen, sein Vertrauen zu gewinnen und ich habe gesehen, dass die Dunkelheit in ihm noch immer schläft. Ich habe gehofft, dass sie für immer weg ist. Dass sie nie aufwachen wird. Dass das Licht sie zerstört hat. Dass er endlich ein Leben ohne die Dunkelheit leben kann. Dass er der Auserwählte sein kann. Voldemort würde sterben und Harry würde mit ihm sterben. Aber wenigstens würde man ihn als Helden feiern. Ich habe gedacht, dass ich es tatsächlich geschafft habe. Bis..."
„Bis seine Verwandten ihn offensichtlich vollkommen gebrochen haben", sagt er mit einer müden Stimme, „Damit habe ich nicht gerechnet. In irgendeinem Moment ist etwas in ihm zerbrochen und die Dunkelheit ist hervorgekommen. Und seit dem wird es mit jedem Tag schlimmer und schlimmer. Ich habe keine Ahnung, welche Rolle Harry bei Voldemorts Auferstehung gespielt hat, aber ich weiß, dass er zurück ist. Das dunkle Mal lügt nicht. Und ich habe gehofft, dass Voldemort ihn umbringt. So leichtsinnig wie Harry war, überhaupt zu ihm zu gehen, ihn überhaupt zu suchen, habe ich gehofft, dass Voldemort ihn umbringen wird. Schließlich ist der Junge schuld, dass er so viele Jahre als Geist verbracht hat. Ich bin mir sicher, dass er Harry hasst. Also warum hat er es noch nicht getan? Nutzt er Harry nur aus, bis Harry mich umbringt? Wird er dann ihn umbringen? Ich weiß es nicht. Das hätte ich nicht vorhersehen können. Voldemort hat kein Erbarmen und keine Skrupel. Ihm würde ein Mord an einem Jungen gar nichts bedeuten. Das hat er schon bewiesen. Und ich kann einfach nicht verstehen, was dabei schiefgegangen ist!"
„Albus", sage die andere Stimme, „Denkst du nicht, dass du ein wenig übertrieben hast? Du hättest darüber nachdenken sollen, als du Harry als Baby in deinen Armen hattest. Du hast ja gewusst, welches Böse in ihm lauert; und du hättest etwas unternehmen sollen. Aber Mord ist nie eine Lösung."
„Natürlich nicht", murmelt Dumbledore, „Ich hätte es sowieso nie tun können. Ich nicht... Aber Voldemort schon."
„Und was schlägst du vor?", fragt Aberforth.
„Ich weiß, was er vorhat", sagt Dumbledore, „Ich kann zwar nicht in seine Gedanken eindringen, denn Voldemort hat ihm Okklumentik beigebracht und Harry scheint ein Talent dafür zu haben. Aber ich kann es in seinen Augen sehen. In der Schule kann er mich nicht töten. Er wird zweifelsohne versuchen, mich wegzulocken. So denkt Voldemort; so denkt auch Harry. Also werde ich ihm einfach folgen und sehen, was er vorhat. Ich werde Zeugen mitbringen. Und wenn er versucht, mich wegzulocken, werde ich ihn enttarnen und fangen. Ich werde dich rufen."
„Und dann was?", fragt Aberforth, der ein wenig besorgt klingt.
„Dann habe ich Zeugen, die beweisen können, dass er vorhatte, mich umzubringen", fährt Dumbledore finster fort, „Auf diese Weise werden die Menschen nicht denken, dass ich verrückt geworden bin. Dass ich Lügen über Harry Potter verbreite. Und dann werden wir ihn verhören. Wir werden mehr über Voldemorts Pläne herausfinden können – und in der Zwischenzeit wird Voldemort es herausfinden und ihm hinter herkommen. Er wird ihn umbringen – und dadurch auch sich selbst."
„Es ist ein wenig an den Haaren vorbeigezogen", meint Aberforth besorgt, „Schon einmal hast du gedacht, dass er ihn sicher umbringt, aber das hat er noch nicht getan. Ganz im Gegenteil – er unterrichtet ihn."
„Voldemort hat kein Erbarmen und Harry ist jetzt mächtiger geworden. Voldemort sieht ihn zweifelsohne als eine Art Bedrohung an. Er möchte alleine auf dem Thron sitzen. Und dass Harry in seine Fußstapfen tritt, gefällt ihm sicherlich nicht. Er wird es nicht erlauben. Aber er trainiert Harry, um dazu fähig zu sein, mich umzubringen. Daran zweifele ich nicht. Und falls er gefangen wäre, würde Voldemort ihn bestimmt suchen, weil Harry viel über seine Pläne weiß."
„Albus, das gefällt mir nicht", sagt Aberforth verzweifelt.
„Und auch wenn er es nicht tut, werden wir dann Harry haben", meint Dumbledore schnell, „Aberforth, ich habe schon viel darüber nachgedacht. Denkst du nicht, dass ich die Folgen nicht in Betracht gezogen habe? Dass ich nicht möchte, dass Harry stirbt? Aber Harry ist jetzt nicht mehr zu retten. Die Dunkelheit in ihm ist erwacht und er wird weiter wachsen und sich weiter magisch entwickeln. Und eines Tages wird er sich in Voldemort verwandeln. Schon jetzt experimentiert er mit gefährlichen Sachen, ich weiß es. Ich kann es in seinen Augen sehen. Seine Magieaura ist vollkommen schwarz und nicht einmal die Hellmagie, die er in der Schule benutzt, kann diese Tatsache ändern. Harry ist nicht länger der Harry Potter, den wir einmal kannten. Jetzt ist er zu einem Feind geworden. Ich habe ihn beobachtet. Ich habe über ihn jeden Tag nachgedacht. Und ich komme immer zum selben Schluss. Auch wenn ich nicht daran glauben wollte, was direkt vor meiner Nase vorgeht, bleibt immer die Tatsache übrig, dass Sybil noch eine Prophezeiung über ihn gemacht hat. Da ist mir endlich klar geworden, dass Harry nicht mehr zu retten ist. Es ist für das größere Wohl, Aberforth."
„Wie kannst du nur an diese Prophezeiung glauben?", fragt Aberforth aufgebracht, „Da muss es eine Alternative geben."
„Sybils Tante hat einmal eine Prophezeiung über mich gemacht, erinnerst du dich daran?", fragt Dumbledore leise, „Sie hat vorhergesehen, dass ich geboren werde und dass ich mich in den Vertreter der Dunkelheit verlieben werde. Und sie hat unsere Tode vorhergesehen. Aberforth, Schicksal existiert. Es ist immer da, ob man es akzeptieren möchte oder nicht. Jeder hat sein eigenes Schicksal. Aber manchmal sprechen die Stimmen der Zukunft zu den Auserwählten, das heißt, zu den Sehern, die einen Blick in die Zukunft werfen können."
Aberforth seufzt und für eine Weile herrscht Stille.
„Ich werde dich rufen", sagt Dumbledore entschlossen, „Sag dem Orden, sie sollen auch bereit sein. Ich habe zu tun."
„In Ordnung", sagt Aberforth, „Albus, sei vorsichtig."
„Du auch", sagt Dumbledore.
/Ende Erinnerung
Ich ziehe mich zurück und Hermine keucht auf, den Kopf in den Händen vergrabend. Es ist also wahr. Ich starre gedankenverloren den Boden an. Hermine spricht die Wahrheit. Und sie hat es für mich getan. Ich hebe den Blick und schaue sie an. Sie kauert auf dem Boden und atmet schwer.
„Warum hast du es getan?", frage ich leise.
„Weil ich... zu dir stehen möchte", flüstert sie, „Das habe ich dir versprochen."
Hermine kann ich also hundertprozentig vertrauen. Das habe ich früher gewusst, jetzt aber bin ich mir sicher. In Ordnung, tue doch was, Potter. Ich ziehe sie auf die Füße und schaue mich um.
„Folge mir", sage ich.
„Es gibt eine Veränderung in meinem Plan", verkünde ich Draco.
Ich mache Hermine wieder sichtbar und sie schüttelt den Kopf, wahrscheinlich um das fürchterliche Gefühl loszuwerden. Ich habe sie in den Slytheringemeinschaftsraum gebracht. Falls Dumbledore uns beobachtet – oder sein Spatz – wird er denken, dass wir Pläne in meinem Zimmer schmieden. Aber leider darf er nicht rein.
Draco gafft uns beide an.
Schnell erzähle ich ihm, was ich erfahren habe und er hört zu. Mit jedem Wort wird er blässer und blässer.
„Was hast du vor?", fragt er, als ich fertig bin.
Ich fahre mir durchs Haar und seufze. Hermine sitzt auf dem Stuhl an meinem Schreibtisch und schaut mich wortlos an. Sie beide sehen mich als ihren Anführer und jetzt erwarten sie Befehle. In Ordnung... Potter, das ist deine Chance, zu zeigen, wie klug du wirklich bist. Klüger als Dumbledore. Du wirst ihn austricksen. Du wirst nicht gefangen werden. Ein Bild von dem Schrank unter den Treppen blitzt an meinem geistigen Auge vorbei und ich presse resolut die Lippen zusammen. Das werde ich nie wieder zulassen. Dumbledore hat geglaubt, dass ein Samen des Bösen in mir lebt, sogar als ich ein Baby war; jetzt werde ich ihm zeigen, wie groß dieses Böse ist. Einmal hat er sich überlegt, ob er mich gleich umbringen sollte, 'für das größere Wohl'. Heute wird er bereuen, dass er es nicht getan hat.
„Hermine", sage ich, mich ihr zuwendend. Sie hebt den Blick und schaut mich erwartungsvoll an. „Benimm dich so normal wie möglich. Tanze mit Anthony und alles. Aber was auch immer du tust, schaue Dumbledore nicht in die Augen. So würde er die Chance bekommen, deine Gedanken zu fangen. Und er ist sehr geschickt mit diesem Trick. Du wirst gar nichts spüren. Verstehst du?"
Sie nickt entschlossen.
„Draco", sage ich, mich meinem Freund zuwendend, „Bleib die ganze Zeit bei mir und tue was ich dir sage."
Draco zuckt mit den Achseln, als wäre es selbstverständlich.
„Gut, jetzt bleibt still", sage ich, mich auf das Bett setzend, „Ich muss den dunklen Lord sprechen."
Ich krempele meinen Ärmel hoch und schließe die Augen. Voldemorts Stimme hallt in meinem Geist, als er sich gleich meldet. Er hat auf meinen Ruf gewartet. Ich erkläre ihm schnell die Situation und er hört aufmerksam zu.
'Was hast du vor?' fragt er nachdem ich fertig bin. Denn er vermutet natürlich, dass ich schon einen Plan habe. Ich erkläre ihm alles.
'Es ist riskant', meint er, 'Wenn es dir nicht gelingt, genau das zu tun, was du vorhast, töte ihn einfach. Du wirst fliehen. Sein Tod ist momentan deine Priorität Nummer eins."
'Ich verstehe', sage ich.
Seine Gegenwart schwindet und ich öffne die Augen.
„Der dunkle Lord hat meinem Plan zugestimmt", sage ich zu den beiden, „Aber falls mein Plan fehlschlägt, werde ich es wo auch immer tun. Ihr solltet auf alles gefasst sein. Und falls es passiert, lauft."
Draco nickt und wirft Hermine einen Blick zu. Ihm ist natürlich klar, was sie für mich und für die dunkle Seite gerade getan hat.
„Ich werde sie mitnehmen und mich um sie kümmern", sagt er. Ich nicke nur.
„Gut", sage ich aufstehend, „Hermine, ich werde dich zu McGonagalls Gemächern begleiten. Dort wirst du dich für den Ball vorbereiten und so tun, als wäre nichts passiert. Als seist du froh, mit Anthony zum Ball gehen zu können. Zeig nicht, dass du nervös bist oder dass du dir über irgendetwas Sorgen machst. Kannst du das für mich tun?"
„Ja, Harry", sagt Hermine und steht auf.
Jetzt sieht sie nicht mehr verängstigt oder erschüttert aus. Es ist, als hätte sie neuen Mut geschöpft, nachdem sie mich gesehen hat, wie ich mit dem dunklen Lord gesprochen habe. Jetzt hat sie eine Verantwortung – und Hermine ist die verantwortungsbewussteste Person, die ich kenne.
Draco versucht nicht einmal, vorzuschlagen, meine Frisur zu machen oder so was. Er lässt mich in Ruhe, als ich mich setze und verkünde, ich wolle lesen. Er verlässt das Zimmer mit einer jämmerlichen Ausrede und kommt erst zurück, als es Zeit für das Mittagessen ist, das auf uns im Gemeinschaftsraum wartet. Memphisto ist momentan sehr aufgeregt, das kann ich deutlich spüren und ich wünsche mir, er würde mich mit seiner Aufregung in Ruhe lassen. Jetzt wissen Morgana weiß wie viele Dämonen – allem Anschein nach, alle – dass der Vertreter des Lichtes heute sterben wird und sie freuen sich darauf. Es würde mich ja nicht wundern, wenn sie alle danach eine Party schmeißen würden. Ich verziehe das Gesicht. Ja, alle freuen sich darauf, aber ich bin derjenige, der es tun muss. Der große Harry Potter... Jetzt kann ich sehr gut verstehen, warum Voldemort sich einen neuen Namen ausgedacht hat. Er wollte den alten Tom Riddle loswerden, indem er sich einen neuen Namen gegeben hat. So sollte ich auch den alten Harry Potter loswerden.
Als wir zurück ins Zimmer gehen, finde ich Amu in seinem Korb. Er schläft wie ein Stein. Und, dem Geschwulst in seinem Bauch nach zu urteilen hat er nicht nur eine, sondern zehn Ratten gegessen.
Draco schaut kommentarlos zu, als ich mich ausziehe und ins Bad gehe. Er macht keine Anstalten, mir zu folgen. Ihm ist ja klar, dass ich alleine sein möchte. Ich lasse das heiße Wasser über meinen Kopf prasseln und schließe die Augen. Also war meine Theorie doch wahr. Dumbledore hat versucht mich zu brechen, indem er mich den Dursleys übergeben hat. Was ich aber nicht ganz verstehe ist – woher kommt diese Geschichte mit dem Samen des Bösen? Zu was bin ich bitteschön noch bestimmt? Hat Dumbledore einfach den Neigungszauber auf mich gesprochen und ist zum Schluss gekommen, dass ich einen echten dunklen Kern habe? Dumbledore würde DAS zweifelsohne als großes Böses betrachten. Blödsinn. Also falls man als dunkler Magier geboren wird, 'trägt man den Samen des Bösen in sich'? Und... Moment mal. Dumbledore hat sich in den Vertreter der Dunkelheit verliebt? Welchen? Sicherlich nicht Grindelwald? Das wäre... oh Mann. Widerlich.
Und Aberforth, sein Bruder, weiß alles und er hilft ihm. Jetzt weiß ich, dass er derjenige war, den Rodolphus gesehen hat und geglaubt hat, er sei Albus Dumbledore. Schließlich sind sie Brüder. Sie sehen einander ähnlich. Dumbledore hat auch über irgendeinen Orden gesprochen und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Menschen Macnair gefangen haben. Der dunkle Lord hat mir noch nicht gesagt, ob Macnair dazu gezwungen wurde, unsere Geheimnisse preiszugeben. Es wäre ja nicht schwierig. Man muss ihm nur Veritaserum geben und – er spricht die Wahrheit. Macnair kommt mir nicht wie der Typ vor, der die Kraft hätte, sich dem Einfluss von Veritaserum zu widerstehen. Das wäre aber nicht ihr Niveau. Das wäre jedoch genau das, was der dunkle Lord tun würde. Ich würde wahrscheinlich den Cruciatusfluch benutzen... Macht viel mehr Spaß. Aber zurück zum Thema. Wären die Hellmagier dazu fähig, so was zu tun? Ich weiß, dass im Ministerium, in manchen Fällen die Anwendung von Veritaserum erlaubt ist. Sogar das Ministerium möchte solche Methoden nicht benutzten, wenn es nicht absolut notwendig ist. Aber würde Dumbledore solche Methoden benutzen? Falls er mich fängt, natürlich. Aber er wird mich nie und nimmer bekommen. Ich hatte genug von der Gefangenschaft.
Draco hat allem Anschein nach ein anderes Bad benutzt, denn als ich reinkomme, steht er in seinen Boxershorts vor dem Spiegel und kämmt sein Haar. Ich schnappe mir meine Ballrobe und trete gegen Amus Korb.
~Wach auf!~, befehle ich ihm.
Die Schlange blinzelt und hebt panisch den Kopf.
~Was machst du? Wir haben zu tun!~, zische ich.
Amu verlässt schnell seinen Korb und züngelt mit der Zunge.
~Ist es Zeit, Meister?~, fragt er.
~Ja~, erwidere ich, die Ballrobe über den Kopf ziehend, ~Du wirst bei dem Eingang auf mich warten, wie ich dir schon gesagt habe.~
~Ich verstehe, Meister~, sagt die Schlange.
Draco springt über Amus langen Körper – jetzt ist Amu ziemlich groß geworden, sodass er die Hälfte von unserem Zimmer einnimmt, wenn er sich so streckt – und nimmt seine Schuhe in Hand. Sie sind so sauber, dass man sie anstatt eines Spiegels benutzen könnte. Anscheinend hat Narzissa sich um meine Schuhe gekümmert, denn sie kennt mich. Draco schaut zu, wie ich den Dolchhalter an meiner Wade und den Stabhalter an meinem Unterarm befestige. Ich stopfe die Phiole in meine Tasche und blicke kritisch über meinen Koffer. Habe ich etwas vergessen? Alles ist ordentlich eingepackt worden und Theodore und Blaise werden unsere Koffer mitnehmen, falls es dazu kommt.
„Ich hab noch einen, falls du ihn brauchen solltest", sagt Draco, der seine Robe nach oben zieht, um mir einen identischen Dolchhalter zu zeigen. Er denkt an alles.
„Danke", sage ich leise.
Draco presst seine Lippen auf meine und schließt die Augen. Ich spüre Verzweiflung; Nervosität; Angst; aber ich spüre auch Loyalität und Entschlossenheit.
„Gehen wir", sage ich entschlossen, die Zimmertür öffnend.
Hand in Hand betreten wir den Gemeinschaftsraum, dicht von Amu gefolgt. Zabini, Theodore und die anderen warten auf uns und stehen auf, als wir auftauchen. Sie alle haben Dates gefunden.
„Ich hoffe, dass es was gutes zum Essen gibt", sage ich, als ich zusammen mit Draco den Slytheringemeinschaftsraum verlasse.
