Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!

Cassie

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Kapitel 40 – Das Gesicht des Bösen

Das ganze Schloss wurde in einen Wald verwandelt. Überall gibt es Zweige, die mit feinem silbernen Staub geschmückt sind, Blumen, die die Korridore mit allerlei Gerüchen erfüllen, merkwürdige Pflanzen in Blumentöpfen, die sich auf hypnotische Weise bewegen, und kleine tanzende Pilze, die mir wir ein Koboldorchester vorkommen. Die Fackeln, die normalerweise überall im Schloss brennen, wurden durch Kessel ersetzt, in denen Feuer fröhlich knistert und das Schloss mit Licht und Wärme erfüllt. Überall glitzert es und ein übertrieben süßer Geruch von Blumen und Frühling durchdringt das Schloss. In Korridoren gibt es auch hier und da Stühle und ein paar Tische mit Getränken. Als wir aus den Kerkern rausgekommen sind, habe ich zuerst gedacht, dass mir meine Phantasie Streiche spielt, bis mir klar wurde, dass es tatsächlich Vögel gibt, die zwitschern und singen. Als ich mit Draco und den anderen Slytherins den Korridor entlang gehe, fliegt ein großer Vogel über unsere Köpfe hinweg und verschwindet in der Ferne. Die Vögel sind natürlich nicht echt, aber trotzdem sind sie genauso nervig, wie echte. Sie halten nie die Klappe.

Es ist ein Karneval der Farben, Geräusche und Gerüche und natürlich gefällt mir das Ganze nicht. Denn all das Glitzern, das Zwitschern und die bunte Farben verursachen mir Ohren- und Augenkrebs. Aber ich finde es trotzdem beeindruckend, was die Lehrer und die Elfen in so kurzer Zeit gemacht haben. Die Schüler scheinen auch beeindruckt zu sein und überall kann man Gelächter und fröhliche Stimmen hören, die einen starken Kontrast zu meinen Gedanken und meiner vor mir liegenden Aufgabe bilden.

Die Tische in der großen Halle sind verschwunden und erst jetzt wird mir klar, wie groß die große Halle eigentlich ist. Da oben, wo normalerweise der Lehrertisch steht, gibt es jetzt ein Podium und allem Anschein nach wird es eine Bühne für die Musiker sein, die heute für uns spielen werden. McGonagall und Vector sitzen zusammen in Ballroben an einem Tisch und wirken entspannt. Die Mehrheit der Schüler ist schon hier und wir finden den für uns reservierten Tisch und setzen uns hin.

Blaise Zabini hat eine Viertklässlerin zum Ball eingeladen und es ist ziemlich offensichtlich warum. Das Mädchen ist einfach atemberaubend und Blaises Blick gleitet ab und an zu ihrem Ausschnitt hinüber. Es ist ja kein Geheimnis, dass Blaise alles, was hübsch und schön ist, hoch schätzt und so ist es auch mit Frauen. Theodore Nott sitzt bei einem Jungen, den er zum Ball eingeladen hat und der mir ständig vorsichtige Blicke zuwirft. Ich kenne ihn ja nicht, aber ich habe ihn schon im Slytheringemeinschaftsraum gesehen. Pansy Parkinson sitzt an einem anderen Tisch und sobald ich die Halle betreten habe, habe ich ihr Gelächter gehört. Anscheinend ist sie noch immer darauf erpicht, Draco zu zeigen, dass sie auch ohne ihn Spaß haben kann und dass die anderen Jungen außer sich vor Freude sind, mit ihr zum Ball gehen zu können. Ist es möglich, dass sie noch immer in Draco verliebt ist? Das ist wirklich jämmerlich. Draco wiederum sieht erleichtert aus, dass sie nicht bei uns sitzt. Und Hermine... ich suche sie mit meinem Blick. Ich kann sie nicht sehen. Wo steckt sie?

„Wieder Frauengetränke", murmelt Zabini, der gerade ein Getränk bestellt hat.

Ein großes Glas, das eine rote Flüssigkeit enthält, erscheint vor ihm. Sein Date lächelt ihn an.

„Leider gibt es heute keinen Feuerwhisky, Zabini", sage ich, mich zurücklehnend.

„Schau dir mal die an", sagt Draco, der auf eine Gruppe Gryffindors deutet, die gerade reingekommen sind.

Unter ihnen sind Fred und George Weasley, die mit zwei Gryffindormädchen gehen und sich umschauen. Seit Hermine ihre Entschuldigung nicht akzeptiert hat, versuchen sie Hermine und mich vollkommen zu ignorieren. Ich habe keine bestimmte Meinung von den zwei, aber ich bin mir sicher, dass sie mit irgendetwas Geld verdienen. Denn wie kann man sonst ihre Roben erklären? Und ab und zu habe ich gesehen, wie sie miteinander tuscheln. Allem Anschein nach verkaufen sie ihre Scherzprodukte, aber wer so was kaufen würde, ist mir schleierhaft. Eines muss man ihnen lassen. Sie sind einfallsreich.

Nun ich habe wichtigeres zu tun, als über Fred und George Weasley nachzudenken. Ehe ich wieder meinen Blick über die große Halle und die anwesenden Schüler schweifen lassen kann, taucht Dumbledore auf und klettert mühevoll auf das Podium. Er trägt eine rote Robe mit herumflatternden Phönixen, die sich so schnell bewegen, dass mir beim bloßen Anblick schwindelig wird. Warum ist unser Tisch dem Podium so nahe? War das Dumbledores Idee?

Er streckt die Arme aus und die meisten Schüler verstummen. Der Vertreter des Lichtes. Der Inbegriff des Guten. Welch ein Schwachsinn. Draco wirft mir einen vorsichtigen Blick zu, als ich mit den Zähnen knirsche und doch meinen Blick auf Dumbledore fixiere, dabei einen neugierigen Ausdruck aufsetzend.

„Meine liebe Schüler, meine liebe Kollegen und Kolleginnen!", sagt er laut.

Der Rest der Schüler, der gar nicht bemerkt hat, dass er da ist, verstummt jetzt und sie alle schauen in Dumbledores Richtung.

„Heute feiern wir nicht nur das Ankommen des Frühlings, sondern auch Freundschaft, die uns zusammen bringt", sagt er lächelnd. „Heute werden wir uns alle entspannen und zusammen essen. Es gibt keinen Lehrertisch mehr, denn wir sind heute alle Zauberer und Hexen und wir sind alle gleich. Die Walpurgisnacht ist auch ein guter Zeitpunkt, um die bösen Geister zu vertreiben und schlechte Gewohnheiten loszuwerden, denn sie ist der Anfang eines neuen Jahres. Leider hat das Böse allerlei Gesichter und kann jeden täuschen."

Und das habe ich schon gehört. Aber dass er so was vor allen sagt... Das Böse sitzt nicht weit weg von dir, alter Mann, und es plant deinen Untergang. Prost!

„Zuerst werden wir essen und danach kommen unsere Gäste, die Schwestern des Schicksals, um Musik für uns zu spielen. Ich wünsche euch einen angenehmen Abend und viel Spaß!"

Die Schüler brechen in Jubel aus und ich klatsche höflich. Vorsicht, Potter. Während er gesprochen hat, hat er nicht in meine Richtung geschaut. Er stellt sich so an, als wäre ich nicht da. Nach dem Abendessen werde ich meinen Plan in die Tat umsetzen. Jetzt aber muss ich 'Spaß haben' und das tun, was die Jungen in meinem Alter tun. Was soll das denn sein?

Die Slytherins, die an meinem Tisch sitzen, folgen meinem Beispiel in allem und als ich mein Abendessen bestelle, das auf meinem Teller erscheint, tun sie es mir gleich. Ich kann Hermine noch immer nicht sehen. Nun... Es gibt so viele Tische...

„Weise mir die Richtung zu Hermine Granger", sage ich zu meinem Stab, den ich unter dem Tisch auf meine Handfläche lege.

Ich schaue in die angewiesene Richtung und endlich erblicke ich Hermines Kopf, der nach vorne gelehnt ist. Sie sitzt mit ein paar Ravenclaws zusammen und Anthony Goldstein sitzt bei ihr. Hermine lächelt ihn fröhlich an und widmet sich ihrem Essen. Sie trägt Ohrringe, die im Kerzenlicht glitzern und alles in allen sieht es so aus, als hätte sie Riesenspaß. Sie sucht mich nicht mit ihrem Blick. Sehr schlau, Hermine. Und allem Anschein nach hat sie sich wieder in Schale geworfen, etwas, was sie genauso anstrengend findet wie ich.

„Was soll das?", flüstert Draco in mein Ohr. Er redet natürlich über das, was Dumbledore soeben gesagt hat. Ich winke ab.

„Ach, das ist typisch Dumbledore", murmele ich vage.

Das Essen ist in der Tat köstlich. Aber ich esse nicht zu viel. Denn ich darf nicht träge werden. Zu Zabinis Überraschung bestelle ich Kaffee, als ich mit meinem Essen fertig bin.

„Harry", sagt er, sich nach vorne lehnend. „Du hast heute eine einzigartige Chance, um etwas zu trinken – ja, zugegeben, es ist nicht viel Alkohol drin, aber trotzdem – und du trinkst KAFFEE?"

„Ich bin nur ein wenig müde", antworte ich vage. „Und falls ich jetzt mit meinem Kopf auf dem Tisch einschlafe, wird Draco seine Chance verpassen, allen zu zeigen, wie gut er tanzen kann."

„Du hast es mir versprochen", meldet sich Draco zu Wort, um meine Aussage zu unterstützen. „Versuch nur, nein zu mir zu sagen – und ich werde es nie vergessen. Ich hab zugelassen, dass du mit solch einer katastrophalen Frisur und mit diesen dreckigen Nägeln zum Ball gehst, aber tanzen musst du."

„Ich werde mit dir tanzen", sage ich grinsend. „Aber du musst dich darauf vorbereiten. Ich tanze wie ein Elefant und morgen werden deine Füße wehtun."

Zabini gluckst und schüttelt den Kopf. Sein Date starrt mich noch immer an, als wäre ich ein Gespenst. Der Lehrling des dunklen Lords sitzt zusammen mit ihr an einem Tisch. Sie sollte deswegen eigentlich bewusstlos umkippen. Welch eine Ehre.

Als das Essen endlich verschwindet, gehen einige Kerzen aus und die Halle wird in Halbdunkel gehüllt. Jubel bricht aus, als jemand auf die Bühne kommt. Die Schwestern des Schicksals. Eigentlich sind die Schwestern des Schicksals Zauberer, die in schwarz gekleidet sind und ihre Kleidung ist an manchen Stellen zerrissen.

„Haben sie etwa die Kleidung von Ronald Weasley ausgeliehen?", fragt Draco laut.

Die Musiker winken in die Runde, verbeugen sich und nehmen ihre Instrumente in die Hände. Und als sie anfangen zu spielen, stehen einige Schüler auf und führen ihre Dates zur Mitte der Halle und beginnen zu tanzen. Ich schaue auf, als Hermine aufsteht und einen verwirrten Anthony Goldstein mit rosa angelaufenen Wangen mit sich zieht, der überhaupt nicht so aussieht, als wolle er tanzen.

Hermine glüht. Ich weiß nicht, was diese Veränderung verursacht hat, aber mir kommt es so vor, als hätte sie sich endlich mit ihrer Situation abgefunden. Als hätte sie endlich die Tatsache akzeptiert, dass sie mit ihren Taten und Loyalitäten eigentlich die dunkle Seite unterstützt. Und endlich hat sie auch sich selbst akzeptiert. Sie hat akzeptiert, dass sie eine Lügnerin und eine Verräterin ist. Aber wenigstens weiß sie jetzt, was sie ist.

Das grüne Kleid, das Hermine trägt, stellt ihre schlanke Figur zur Schau und einige Schüler pfeifen ihr nach, als sie ihre Hände auf Anthonys Schultern legt und zu tanzen beginnt. Eigentlich tanzt sie einen Walzer und sie ist verdammt gut darin. Offensichtlich hat sie in der Zwischenzeit geübt. Anthony sah am Anfang ein wenig verwirrt aus, aber er hat schnell begriffen, wie man sich bewegen soll und jetzt lächelt er sie breit an, als sie die Initiative übernimmt und die Richtung bestimmt. Ich nehme einen Schluck von meinem Getränk und lächele. Hermine wird eine gute dunkle Magierin sein. Und eine gute Dienerin des dunklen Lords. Sie besitzt die notwendige Macht; sie ist schlau und erfinderisch; aber sie besitzt auch die notwendige Portion an Mut und Tapferkeit, die man braucht, um ein guter dunkler Magier zu sein. Und Hermine hat all das.

„Du hast genug gesessen", sagt Draco auf einmal. Zabini gluckst, als Draco mir die Hand reicht und ich augenrollend aufstehe. „Du hast es versprochen", sagt er laut genug, sodass Zabini und die anderen ihn hören können.

Glücklicherweise ist die Musik laut genug, sodass wir nicht das Tuscheln hören können, als wir Hand in Hand zur Mitte des Raumes gehen. Da angekommen, wendet sich Draco mir entschlossen zu und vergräbt seine Hände in mein Haar. Mir kommt es so vor, als hätte er drei verschiedene Parfüms benutzt und seine Frisur ist wieder makellos. Wie schafft er das nur?

„Das war sehr gut", flüstere ich ihm ins Ohr.

„Danke", sagt er leise.

Er grinst. Seine Finger spielen mit meinem Haar, das über meine Schultern fällt. Ich bin im Großen und Ganzen mit meinem Haar sehr zufrieden. Seit es gewachsen ist, habe ich damit keine Probleme mehr. Es ist nicht so wild, wie es früher war, wahrscheinlich weil es jetzt schwerer ist. Ich bin mir vage bewusst, dass viele Blicke unserem Tanz folgen und ich ziehe Draco zu mir, sodass wir ungestört reden können, während wir tanzen.

Draco ist der Inbegriff von Eleganz. Er bewegt sich mit Leichtigkeit und im Rhythmus der Musik und es sieht überhaupt nicht danach aus, als finde er es anstrengend. Ich wiederum versuche ihm zu folgen, aber es gelingt mir nicht immer. Hermine lacht und zwinkert mir im Vorbeikommen zu. Anthony Goldstein sieht hibbelig aus und das kann ich gut verstehen. Wenn sie so in ihrem Element ist, kann Hermine einschüchternd wirken. Sie übernimmt die Initiative, sie schlägt vor, was man tun soll und sie strahlt Selbstsicherheit und Schönheit aus. Sie hat ihr Haar wieder zu einem Knoten zusammengebunden und ihr Kleid folgt dieses Mal den Linien ihres Körpers. Sie hat viel abgenommen; aber wenn sie ihre Hände in dieser Position hält, kann man auch die Anzeichen von Muskeln sehen. Also übt sie das Duellieren jeden Tag, sowie ich es mir gedacht habe. Solche Reflexe bekommt man nicht einfach so... Man muss so was üben. Hermine ist ein Rätsel; aber heute Abend sieht es so aus, als hätte sie sich wie eine Blume geöffnet, die der Welt zeigen möchte, wer sie ist. Und Menschen gaffen sie schamlos an. Erstens, weil sie Hermine überhaupt nicht erkannt haben und zweitens, weil sie mit Anthony Goldstein tanzt, der offensichtlich von ihr angetan ist. Aber ob Hermine von ihm angetan ist?

„Ich brauche etwas frische Luft", sage ich auf einmal zu Draco. Er nickt wortlos und ich ziehe ihn mit nach draußen. Hermine bleibt mit Goldstein auf der Tanzfläche und schaut nicht in unsere Richtung. Gut gemacht, Hermine.

Die Sterne zwinkern uns zu und frische Luft steigt mir in die Nase. Der Geruch der Nacht... So einladend und verführerisch... er zieht mich magnetisch an... Der Geruch der Dunkelheit und ihrer Geheimnisse... Ein Stück von Zuhause in diesem hellmagischen Schloss. Und heute ist die Nacht besonders schön.

'Die Welt wird in ewige Nacht gehüllt', geht mir durch den Kopf. In der Tat... Und ewige Nacht wird wunderschön sein... Endlich frei... Frei von Dumbledore. Ich werde seine lichtblauen Augen, die mir immer großväterlich zuzwinkern, heute zum letzten Mal sehen. Der letzte Akt in der Geschichte seines Lebens... Und während andere seinen Tod betrauern werden, werde ich feiern...

Ich lehne mich nach vorne und küsse Draco, der seine Augen automatisch schließt. Ich weiß, dass ein paar Schüler, die an uns vorbeikommen, uns anstarren und auf uns deuten, aber ich schenke ihnen keine Aufmerksamkeit. Ich kann einen Hauch von etwas Neuem riechen; von einer vielversprechenden Zukunft; und ich rieche Aufregung und Dunkelheit, die mich erfüllen und meinen Kopf aufklären.

Ich fahre Draco über die Wange und die grauen Augen schauen mich etwas verwundert an, denn er ist an solche Zärtlichkeiten nicht gewöhnt.

„Kannst du meine Magie spüren?", frage ich ihn.

„Natürlich", antwortet er leise.

Ich schaue ihn überrascht an. Das habe ich ihn nie gefragt. Seit ich das Experiment mit Theodore gemacht und seine Magie gespürt habe, ist mir nie eingefallen, dass auch Draco meine Magie spüren kann. Ich weiß nur, dass ich seine spüren kann.

„Ist es das, was du an mir anziehend findest?", frage ich ihn.

Er zögert für ein paar Momente, aber er weiß, dass ich die Wahrheit leicht herausfinden kann. Und Draco möchte mich nicht anlügen.

„Unter anderem", sagt er schließlich.

„Denn ich habe ein Buch, das dein Vater mir gegeben hat, gelesen", sage ich. „Es ist ein Buch über Zaubererbeziehungen und wie sie funktionieren."

„Ach ja?", fragt er.

„Allem Anschein nach ziehen sich unsere Magien gegenseitig an", sage ich, ihm direkt in die Augen schauend. „Meine Magie reagiert auf deine und umgekehrt. Bei den Beziehungen zwischen Zauberern und Hexen spielt die Magie eine große Rolle und wir beide können diese Anziehungskraft spüren."

„Das würde einiges erklären", sagt Draco nachdenklich. „Aber auch andere Sachen ziehen mich zu dir."

„Ja, ich weiß, ich bin einfach atemberaubend", sage ich breit grinsend. Draco verdreht die Augen, lächelt aber.

„Und laut dem Buch gibt es Fälle, in denen zwei Personen sich auf den ersten Blick ineinander verlieben können", fahre ich fort. „Weil ihre Magien aufeinander reagieren und sich gegenseitig anziehen. Das ist es, was die Muggel unter dem Begriff 'Liebe auf den ersten Blick' verstehen. Aber da Muggel natürlich keine Magie in ihrem Blut haben, weiß ich nicht, was das soll."

„Sollten unsere Magien also zwei Gegenteile sein?", fragt Draco nervös. „Sowie... schwarz und weiß?"

Ich lächele.

„Zweifelsohne sind sie zwei Gegenteile, aber ich denke nicht, dass es so einfach ist", antworte ich. „Aber deine Magie, auch wenn sie nicht dunkel ist, riecht sehr angenehm."

Draco schaut auf seine Hände hinunter. Seiner Meinung nach ist er fehlgeschlagen, weil er sich nicht zu dunkler Magie hingezogen fühlt. Sein Vater erwartet von ihm, dass er in seine Fußstapfen tritt, aber so edel dieses Ziel ist, sollte man niemanden zu etwas zwingen, was derjenige nicht tun will. Denn frei zu sein, das sein zu können, was man wirklich ist, ist etwas, wofür die dunkle Seite eigentlich kämpft. Ich sollte es Lucius einmal erklären.

„Du sollst herausfinden, was dich wirklich interessiert und damit aufhören, das Leben eines anderen zu leben. Und das werde ich Lucius schon sagen", sage ich leise.

/Hermines Sicht

Anthony ist echt nett. Und ich lüge ihn an und mache ihm falsche Hoffnungen. Er sollte mir gefallen. Er ist hübsch, er ist charmant, er ist ein Gentleman und er ist echt klug. Vielleicht bin ich einfach asexuell. Keiner gefällt mir. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es wäre, jemanden zu küssen...

Wo ist Harry? Ich weiß, ich soll ihn nicht suchen oder seltsam anschauen. Aber... Da ist er. Er kommt gerade mit Draco rein. Sie sehen aus, als hätten sie rumgeknutscht. Ist ja nichts Neues, sie machen das überall. Wo ist Dumbledore? Jetzt sitzt er bei Professor McGonagall und erzählt ihr, allem Anschein nach, Witze, denn McGonagall und Flitwick lachen. Er scheint in bester Laune zu sein...

Warum tue ich all das? Warum habe ich Harry geholfen, für ihn gelogen, für ihn Dumbledore nachspioniert? Warum tue ich all das? Die Antwort ist nicht einfach... Aber ich bin froh, dass ich Dumbledore und seinen Bruder belauscht habe. Welch ein Glück! Ich wollte nur nachschauen, wo sein Haus ist. Ich habe nur gewusst, dass er in Hogsmeade wohnt, aber das war alles. Und gerade in diesem Moment habe ich Dumbledore gesehen, wie er reinkommt. Das war meine Chance! Ich hoffe nur, dass sie mich nicht gesehen haben. Ich habe ja geduldig abgewartet, bis Dumbledore weg war. Meine Knie tuen noch immer weh, wegen all des Kauerns im Gebüsch... Glücklicherweise war ich immer gut im Versteckspiel, keiner konnte mich finden. Damals hat mich meine Mutter 'die kleine Spionin' genannt. Welch eine Ironie... Als hätte sie gewusst...

Und ich weiß, dass ich damit Harry das Leben gerettet habe. Und als ich endlich begriffen habe, was genau ich getan habe, welch einen Gefallen ich ihm getan habe, ist mir klargeworden, warum ich es tue. Weil ich ehrlich zu ihm stehen möchte. Das hier hat aber nichts mehr mit Harry zu tun, sondern eher mit mir. Ich bin diejenige, die Zweifel hat, nicht Harry. Harry hat sich mit der Tatsache abgefunden, was er jetzt ist und wonach er strebt. Am Anfang waren die dunklen Künste nur ein Weg heraus für mich; eine Traumwelt, ein süßes Geheimnis, das ich aufbewahrt habe. Ich war einsam. Ich habe die Mehrheit der Zeit alleine verbracht, entweder in der Bibliothek oder im Gemeinschaftsraum. Und ich hatte eine Menge Zeit zum Lesen und zum Nachdenken. Ich habe auch Harry beobachtet und mich gefragt, was er so anziehend an den dunklen Künsten findet. Also habe ich Bücher gekauft und sie gelesen. Und sie haben mir die Augen geöffnet. Endlich ist mir klargeworden, dass es eine andere Welt gibt, die ich nicht kenne. Die Welt der dunklen Magie. Und ja, ich war neugierig. Als ich ein paar Zauber ausprobiert habe, über die ich in Büchern gelesen habe, hatte ich vor diesem Gefühl, das mich dabei erfüllt hat, Angst. Vor dem Gefühl der Macht und ekstatischer Freude. Aber ich konnte nicht aufhören. Ich war hin und her gerissen, zwischen dem Wunsch, weiter zu machen und zu stoppen, denn ich wusste, dass ich mich auf etwas Gefährliches einlasse. Ich konnte spüren, dass die dunkle Magie anfing, mich zu kontrollieren und ich hatte Angst. Aber ich habe weitergemacht. Ich konnte nicht damit aufhören, weil ich eine ganz neue Welt entdeckt habe, in der andere Regeln gültig sind. Eine neue, magische, geheime Welt, in der kein Wissen verboten ist.

Und gerade, als ich endlich Kontrolle über meine Sehnsucht und Gefühle bekommen habe, hat Harry mir sein Geheimnis enthüllt. Und ich bin zusammen gebrochen. Der Junge, den ich wie einen Bruder liebe und den ich so gerne habe, ist der Lehrling des dunklen Lords und zudem auch ein Mörder. Ich konnte tage und wochenlang nicht schlafen. Alles, woran ich denken konnte, war er und sein Ausdruck, als er es mir gesagt hat. Seine Stimme hallte in meinen Ohren, als ich versuchte, einzuschlafen und ich konnte keine Ruhe finden.

Aber als er mich in den Slytheringemeinschaftsraum reingebracht hat und als ich den Ausdruck in seinem Gesicht gesehen habe, als er im Zimmer herum getigert ist, darüber nachdenkend, was er unternehmen soll, habe ich mich als eine von ihnen gefühlt. Ich habe mich nie als ein Mitglied von einer Gruppe gefühlt. Ich war immer alleine, so wie Harry. Vielleicht ist das der Grund, warum wir so gut miteinander auskommen. Aber als mir klar wurde, dass die dunkle Seite auch dafür kämpft, zu überleben, habe ich den Drang verspürt, tatsächlich ein Teil dieses Stroms zu werden. Meine Zweifel und meine Ängste zur Seite zu schieben, um ihnen zu helfen und etwas zu erreichen. Wieder Harry zu helfen, das zu tun, was er tun muss. Nichts kann mich mehr überraschen. Und jetzt weiß ich, dass ich ein Schwächling war, der Angst hatte, sich selbst in die Augen zu schauen und damit klarzukommen, was ich eigentlich bin. Solange ich meine eigenen Prinzipien und meine Ideale nicht verrate, kann ich sagen, dass ich genau das bin, was ich sein möchte und damit ist alles in Ordnung.

Mein ganzes Leben habe ich an das Gute geglaubt; dass man allen helfen soll und dass man den Behörden vertrauen soll. Aber als meine Illusionen und mein Glaube zerstört wurden, wusste ich nicht mehr, wer ich war, denn alles, woran ich geglaubt habe, hat sich als eine große Lüge erwiesen. Dumbledore möchte, dass Harry stirbt und er hat versucht, ihn zu brechen. Und in der Zwischenzeit labert er über Liebe, Freundschaft und gegenseitiges Vertrauen. Und das Ministerium schickt Menschen zu diesem schrecklichen Ort, um dort zu sterben und verfolgt die dunklen Magier, nur weil sie die dunkle Magie benutzen. Harry hat mir beigebracht, dass es keine Wahl ist; dass man so geboren ist; und man sollte jemanden wegen so etwas verurteilen?

Ich finde es schwer zu glauben, dass das Ministerium nicht weiß, dass es verschiedene Arten der magischen Kerne gibt und dass es einfach falsch ist, einen zu zwingen, die Magie zu üben, für die man keine Neigung zeigt. Und doch habe ich in ein paar Büchern etwas über die magischen Kerne gefunden, aber in keinem hat der Autor erklärt, welche Arten es gibt und was es eigentlich bedeutet, einen dunklen oder einen hellen Kern zu haben. Keiner hat sich bemüht, keiner hat sich diese Frage gestellt und das finde ich echt schwer zu glauben, sowie die Tatsache, dass das Ministerium weiß, wie die Gefangenen in Azkaban leben und dass es sie überhaupt nicht stört. Die Vertuschung der Wahrheit hat mich immer wütend gemacht. Offensichtlich möchte keiner, dass wir es wissen. Vielleicht bin ich ja erst dreizehn, aber das heißt nicht, dass ich ein Lamm sein soll, das keine Fragen stellt und den Behörden jedes Wort abkauft.

Und jetzt bin ich hier, ich tanze mit Anthony und ich habe keine Ahnung, was passieren wird. Ich bin aufgewacht. Ich schere mich nicht mehr um das, was passiert, solange ich nicht länger in dieser Welt voller Lügen leben muss. Und Harry hatte Recht – ich weiß, dass ich nicht mehr eine von ihnen bin und dass ich es nie wieder werde sein können. Es ist vorbei... Einmal hat Harry über das Schicksal gesprochen. Damals habe ich nicht an das Schicksal geglaubt und ich tue es noch immer nicht. Ich bin der Meinung, dass Harry selbst seine Zukunft mit seiner Entscheidung, zur dunklen Seite zu überlaufen, bestimmt hat. Aber dass man für etwas Großes bestimmt ist oder nicht, daran glaube ich. Man trägt ein gewisses Potenzial in sich und man entscheidet, was man damit machen wird. Und mir ist klargeworden, dass ich in Hogwarts nicht viel lernen kann. Klar, was wir lernen ist zweifelsohne wunderschön und sehr nützlich. Aber Hogwarts bietet einem nur eine Seite des Wissens. Die andere Seite, die dunkle Seite, bleibt vor uns verschlossen und ich habe immer daran geglaubt, dass man für sich selbst entscheiden soll, was man lernen will und was nicht. Das Wissen sollte für alle da sein – und mit Harry werde ich endlich die Chance haben, mich ungestört weiter zu entwickeln und weiter zu lernen. Keiner wird mich davon abhalten, ein Buch zu lesen, das als gefährlich betrachtet wird. Ich schaue mir nur Harry an und sehe, was alles er im Laufe dieses Jahres gelernt hat und ich wünsche mir, ich hätte auch jemanden, der mir alles, worüber ich etwas lernen möchte, beibringen könnte. Ich hatte die Wahl, hier, unter den Hellmagiern zu bleiben und weiter mein altes Leben zu leben – ein Leben von Lügen, in dem es Grenzen gibt und in dem es für mich nicht möglich ist, das zu lernen und das zu sagen, was ich will. Man darf die dunkle Magie nicht erwähnen, weil die Lehrer gleich reagieren und einen als 'jemandem, mit dem etwas nicht stimmt' abstempeln. Wir leben in einer Welt, in der es Fragen gibt, die man nie stellen soll. Aber Menschen sind freie Wesen, die von Natur aus neugierig sind und sie erforschen die Welt um sie und stellen Fragen. Dadurch lernen wir auch etwas über uns und wir entwickeln uns.

Harry sitzt wieder mit den Slytherins an ihrem Tisch und er trinkt etwas. Er redet; und sie lachen. Sie sehen ihn als ihren Anführer und sie alle haben Schiss vor ihm. Ja, Draco auch. Manchmal hat er doch Angst vor Harry, obwohl er ihn am besten kennt. Aber er respektiert ihn; und ich weiß, dass er bereit wäre, ihm alles zu geben und für ihn alles zu opfern. Er liebt ihn tatsächlich. Was haben sie da draußen gemacht? Nur rumgeknutscht? Oder war das nur ein Vorwand?

„Setzen wir uns wieder?", frage ich Anthony.

Er strahlt mich an und gibt mir seine Hand. Er ist so galant... Er führt mich zurück zum Tisch und ich setze mich mit Erleichterung. Ich bin ihm dankbar, dass er Professor Flitwick überzeugt hat, mir einen Platz an ihrem Tisch zu geben. Anthony hat nicht gefragt; aber natürlich hat er gewusst, dass ich keinesfalls mit den Gryffindors zusammen sitzen möchte. Und da wir zusammen zum Ball gehen, hätte er bei den Gryffindors sitzen können oder ich mit den Ravenclaws. Bilde ich mir das nur ein, oder sind wir das einzige Paar, das aus verschiedenen Häusern kommt?

„Mir gefällt deine Frisur", sagt Padma. „Natürlich sind deine Locken auch sehr schön; aber so kommt dein Gesicht zur Geltung."

Mädchen. Wann auch immer ich versuche, mit einem zu reden, weiß ich nicht, worüber ich reden soll. Denn alles worüber sie reden können sind Jungen, Frisuren und Klamotten. Unter ihnen fühle ich mich so fehl am Platz. Vielleicht hat Harry doch Recht...

„Es ist einfach viel zu anstrengend, es jeden Tag tun zu müssen", antworte ich.

Padma scheint von meiner Antwort überrascht zu sein und weiß nicht, was sie dazu sagen soll. Anthony wiederum lächelt.

„Ich stimme zu", sagt er zu Padma. „Wäre ich ein Mädchen, hätte ich sicherlich kurzes Haar."

Ich grinse breit und Padma sieht noch schockierter aus. Sie wechselt Blicke mit der Ravenclaw, die bei ihr sitzt, und schüttelt den Kopf.

Als ich wieder in die Richtung der tanzenden Paare blicke, stelle ich mit Überraschung fest, dass Dumbledore und McGonagall zusammen tanzen. Sie bewegen sich nicht mal so schnell, zugegeben, aber sie tanzen. Ich blicke in Harrys Richtung und sehe gleich Draco, der Dumbledore und McGonagall ernst anstarrt, während Harry zurück gelehnt sitzt und mit seinem Stab spielt. Ob er nur damit spielt? Er dreht ihn gedankenverloren in seiner Hand und starrt sein Getränk an. Als die Schwestern des Schicksals anfangen, ein schnelles Lied zu spielen, steht er auf einmal auf und verschwindet schnellen Schrittes durch die Doppeltür. Und gerade als der Saum seines Umhangs um die Ecke biegt, saust etwas Silbernes hinter ihm her. Ein Zauber von Dumbledore? Er tanzt weiter und es sieht so aus, als hätte er Spaß. Ich habe keinen Stab in seiner Hand gesehen. Ein paar Minuten später erhebt sich Draco und drängt sich anmutig durch die Menge, dabei die Nase rümpfend, als einige ihm in den Weg kommen und auch er verlässt die große Halle. Leute gehen die ganze Zeit rein und raus und es ist nichts Ungewöhnliches. Aber für sie beide, so zu verschwinden, einer nach dem anderen und nicht zusammen, ist doch ungewöhnlich. Ist es so weit?

Der Rest der Slytherins sitzt ruhig weiter an ihrem Tisch und trinkt. Ich widerstehe dem beinahe unwiderstehlichen Drang, auch aufzustehen und nachzuschauen, was Harry vorhat. Eigentlich weiß ich, was er vorhat. Als ein paar Hufflepuffs einen Zug bilden und beginnen laut zu singen, erscheint Dumbledores Phönix und fliegt über unsere Köpfe hinweg. Die Mehrheit der Schüler denkt, er sei auch gekommen, um an der Party teilzunehmen, aber ich weiß, dass er Dumbledore Nachrichten bringt. Er landet auf seine Schulter und Dumbledore lächelt. Jeder denkt natürlich, dass der Phönix niedlich ist und sie folgen ihm mit den Blicken, als er wieder durch die Halle fliegt und einen seltsamen Laut von sich gibt. Für alle sieht es so aus, als versuche der Phönix auch zu singen. Einige klatschen und lachen, als der Phönix durch die Doppeltür hindurch fliegt und verschwindet.

Jetzt bin ich nervös. Ich versuche Anthony zuzuhören, aber ich weiß, dass ich die Hälfte davon, was er mir soeben gesagt hat, nicht gehört habe. Und als sechs Slytherins wie einer aufstehen und sich durch die Menge drängen, wird mir klar, dass es so weit ist. Ich schließe die Augen und atme tief durch. Oh Harry. Warum musst du es tun?

„Geht es dir gut?", fragt Anthony besorgt. „Hermine?"

„Ja", sage ich mit einem schwachen Lächeln. „Mir ist nur ein wenig schwindelig. Weißt du, ich würde gerne etwas Süßes essen."

Anthony steht gleich auf und geht zum Tisch mit Essen hinüber, der mit Kuchen und Keksen beladen ist. Anthony ist so einfach...

„Du hast viel abgenommen", ist Padma der Meinung. „Was ist dein Geheimnis?"

Ich habe wirklich keine Zeit, über Frauensachen zu reden, geht mir durch den Kopf. Aber ich strahle sie an und zwinkere ihr verschwörerisch zu.

„Ich esse nicht viel zum Abendessen", sage ich.

„Oh", sagt Padma, die enttäuscht wirkt. „Ich hab eher gedacht, dass du einen guten Trank dafür entdeckt hast."

„Nein, ich tue es auf Muggelart", sage ich.

Gerade als Anthony mit einem Teller voller Schockladenkuchen erscheint, entschuldigt sich Dumbledore bei McGonagall und verlässt die Tanzfläche. Er stoppt kurz bei dem Tisch, an dem Professor Sprout und Professor Lupin sitzen und er und Lupin wechseln ein paar Worte, nach denen Lupin aufsteht und ihn nach draußen begleitet. Mein Herz rast und mir ist übel. Ich schaue auf den Teller hinunter und verspüre einen Würgedrang, aber ich nehme die Gabel in die Hand und beginne zu essen. Anthony strahlt mich an. Ich sollte eigentlich einen Spaziergang vorschlagen...

„Warte", sagt er auf einmal, die Hand hebend. „Du hast einen seltsamen Käfer auf deiner Schulter."

Padma verzieht das Gesicht und Anthony macht Anstalten, den Käfer zu fangen. Aber ich bin schneller. Käfer ekeln mich nicht an. Und außerdem, was macht ein Käfer in der großen Halle? Ich schaue auf den Käfer hinunter, der verzweifelt zwischen meinen Fingern zappelt. Er ist in der Tat seltsam... ich habe noch nie einen Käfer gesehen, der so aussieht, als trage er eine Brille.

„Hermine, warum zögerst du? Töte ihn", sagt Padma angewidert.

Aber ich starre den Käfer neugierig an. Etwas stimmt mit diesem Käfer nicht. Ich zücke meinen Stab und der Käfer beginnt noch verzweifelter zu zappeln. Ich würde ihn gerne untersuchen, aber momentan geht es nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Magie an diesem Käfer gespürt habe und außerdem was macht ein Käfer in der großen Halle und dazu noch auf meiner Schulter? Ist der Käfer da, um meine Gespräche zu belauschen? Ich schnappe mir das Salz, öffne es und schütte den Rest des Salzes auf einen Teller. Schnell stopfe ich den Käfer rein, den Deckel schließend. Wenigstens wird er Luft haben...

„Hermine", sagt Anthony, der mich angafft. „Es ist nur ein Käfer."

„Ja, aber weißt du, mein Onkel sammelt so was und ich habe noch nie einen solchen Käfer gesehen. Er würde sich freuen, wenn ich ihm den schenke."

„Wer sammelt so was?", fragt Padma schockiert.

„Nun, Menschen, die mehr über Tiere wissen möchten", sage ich achselzuckend. „Mein Onkel mag so was. Fragt mich nicht warum. Aber jetzt habe ich ein exzellentes Geburtstagsgeschenk für ihn. Ich muss nur herausfinden, was der Käfer isst."

„Ich werde ihn in mein Zimmer stellen", sage ich aufstehend. Anthony steht ebenfalls auf. Natürlich möchte er mitkommen. Ob das eine gute Idee ist? Ich darf nicht nein sagen, denn das wäre verdächtig.

„Wir kommen gleich", sage ich über meine Schulter zu den Ravenclaws.

Die Ravenclaws denken jetzt natürlich, dass der Käfer nur eine Ausrede ist, um mit Anthony alleine zu sein, und sie wechseln geheimnisvolle Blicke. Und so ist es gut.

Als wir in den Korridor kommen, schaue ich mich um. Harry und die anderen sind einfach verschwunden, aber ich bin mir sicher, dass er in diesem bestimmten Moment seinen Plan in die Tat umsetzt.

/Harrys Sicht

Mein Plan A ist ganz einfach. Ich werde Memphisto dafür benutzen, Dumbledore zu fangen und er wird ihn zu Voldemort bringen. Das ist der einzige Ort, den Memphisto gut kennt. Dann werde ich entscheiden, ob es klug wäre, auch dort zu bleiben, was natürlich davon abhängt, ob uns jemand beim Wegapparieren sieht. Ich habe Memphisto schon alles erklärt. Ich bezweifele nicht, dass er dieser Aufgabe gewachsen ist. Ich muss aber noch ein paar Sicherheitsmaßnahmen treffen. Was wenn Dumbledore jemanden mitbringt? So wie McGonagall? Ich habe nichts gegen die Hexe, aber das wäre auch ihr Untergang. Denn falls sie sieht, wie Dumbledore von einem Dämon weggebracht wird, kann ich sie unmöglich am Leben lassen. Dann werde ich auch sie umbringen müssen.

Aus diesem Grund habe ich Draco und den anderen befohlen, bereit zu stehen. Ja, Dumbledore ist Dumbledore, aber je mehr es von uns gibt, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir es tatsächlich schaffen. Und natürlich befinden wir uns noch immer in Hogwarts. Es ist unmöglich, aus der Schule zu disapparieren und umgekehrt. Also kommt es nicht in Frage, dass der dunkle Lord hierher appariert. Er weiß jedoch, dass ich gerade in diesem Moment meinen Plan in die Tat umsetze und er steht bereit. Ob er ein paar Todesser dabei hat, weiß ich nicht. Aber ich kann seine Anwesenheit in meinem Geist spüren. Er wartet... wie ein Raubtier im Gebüsch.

Ich schlendere alleine durch die Korridore, mein Herz rast und ich bin vollkommen wach. Memphisto folgt mir in seiner Schattenform und steht bereit. Falls es dazu kommt, dass ich mich tatsächlich mit Dumbledore duellieren muss, werde ich nur die dunkle Magie benutzen. Sie ist meine beste Waffe gegen ihn, denn er versteht sie nicht und er hat sich nie bemüht, etwas darüber zu lernen. Und dazu muss ich auch non-verbal zaubern, so wie der dunkle Lord es mir gesagt hat. Er hat es mir schon früh genug eingebläut, dass, falls ich es nicht tue, es ein Vorteil für meinen Gegner sein kann, so wie er es mir schon hundertmal bewiesen hat.

Meine Magie pulsiert in meinen Fingerkuppen, denn auch sie weiß, was ich vorhabe. Jeder Schritt kommt mir wie ein Schritt näher zum Tod vor... Falls ich es nicht schaffe, wird Dumbledore mich fangen und das wäre mein Ende. Dumbledores Plan ist, mich zu enttarnen und auf diese Weise der Welt zu zeigen, wer ich wirklich bin. Und ich würde nicht lediglich ins Gefängnis geschickt werden. Nein. Man würde mich verhören und mir Veritaserum geben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es keine Wirkung auf mich hat, aber ich möchte nicht gefangen werden. Ich habe so viel getan; so viel erreicht; und ich werde einfach nicht zulassen, dass dieser Mann, der mein Leben schon einmal zerstört hat, es wieder zerstört. Ich werde mit Klauen und Zähnen für meine Freiheit und für seinen Tod kämpfen.

In Ordnung, Potter. Das ist es, wovon du geträumt und worüber du monatelang nachgedacht hast. Jetzt ist die Zeit dafür gekommen. Sei doch kein Feigling und tue es richtig. Dies ist keine gute Zeit, um Angst oder Zweifel zu haben. Dies ist eine gute Zeit, zu handeln; zu kämpfen und zu gewinnen.

Ich schaue mir über die Schulter, als wolle ich checken, ob ich verfolgt werde, und dabei steigt mir der süße Geruch von Dumbledores Magie in die Nase. Er ist hier irgendwo. Aber jemand ist bei ihm. Ich rieche einen Weißmagier. Das ist nicht gut. Das ist überhaupt nicht gut... Also werde ich noch ein Opfer haben. Wenigstens weiß ich jetzt, dass er Unterstützung mitgebracht hat. Und warum bitteschön? Ist der große Albus Dumbledore nicht genug? Hat er Schiss vor dem bösen Harry Potter, sodass er jemandem mitbringen muss? Oder ist dieser jemand lediglich ein Zeuge?

'Memphisto', rufe ich den Dämon gedanklich. Er ist da, hinter einer Statue und er beobachtet mich. 'Ich gehe jetzt rein. Du weißt, was du tun musst.'

Wir haben schon im Voraus dieses Klassenzimmer ausgewählt und ich habe Memphisto erklärt, was ich tun werde. Ich gehe rein, Dumbledore denkt, dass ich da drin etwas treibe, dass ich zum Beispiel eine Falle für ihn vorbereite, und er wird auf mich warten. Und dann wird er angegriffen werden. Kann ein Weißmagier einen Dämon sehen? Keine Ahnung; aus diesem Grund habe ich Memphisto befohlen, sich nicht zu zeigen, bis es so weit ist.

'Keine Sorge, Erbe der Dunkelheit', sagt der Dämon aufgeregt.

Der Schatten verschwindet und ich öffne die Tür, gucke rein und schlüpfe dann so leise wie möglich in den Raum hinein. Ich schließe die Tür hinter mir und lehne mich gegen die Wand mit dem Basiliskenstab in meiner Hand und warte. Mein Herz klopft so schnell und so laut, dass ich mir sicher bin, dass sogar Dumbledore meinen Herzschlag hören kann. In diesem Moment schleichen sich Draco und die anderen an Dumbledore heran und warten auf Befehle.

Alles, was existiert, ist dieser Moment. Das wird ein Meisterwerk sein, das mir, als einem dunklen Magier und dem Erben der Dunkelheit, Ruhm bringen wird. Ich werde für alle Ewigkeit als derjenige bekannt sein, der den großen Albus Dumbledore getötet hat. Im Namen der Dunkelheit.

Es ist keine Zeit weiter darüber nachzudenken, denn ich höre Memphistos Ruf. Ich platze aus dem Klassenzimmer heraus mit dem Stab in Hand. Und ich bin gleich dazu gezwungen, mich zu ducken.

Memphisto hat sich hinter Dumbledore in seine wahre Form verwandelt und sich auf ihn geworfen, aber Dumbledore hat ihn irgendwie gespürt und abgeschüttelt. Und als ich schnell aufstehe und aus vollem Hals Draco befehle, anzugreifen, wird mir vage klar, dass Dumbledore Lupin mitgebracht hat. Warum ausgerechnet ihn? Warum nicht McGonagall?

„Nimm den anderen!", brülle ich Memphisto an. Ich deute auf Lupin und der Dämon wirbelt herum. Mittlerweile kommt eine Salve Flüche aus Dracos Richtung, aber Dumbledore hebt anmutig die Hand und beschwört einen Schild, sodass die Flüche der Slytherins einfach abprallen.

Meinen Angriff wehrt er mit einer schnellen Bewegung ab. Moment mal... Wie kommt es, dass er auf einmal so schnell ist und dass er nicht länger gebückt läuft? Wie kommt es, dass er mich so schnell eingeholt hat?

Oh Potter. Du bist wirklich ein Idiot. Die lichtblauen Augen durchbohren mich, als die Erkenntnis sich in mir ausbreitet, was ich versuche nicht zu zeigen. Aber ich rauche vor Wut. All diese Zeit, hat er es gewusst und er hat sogar Snape getäuscht. Zweifelsohne hat er das Gegengift gefunden. Er ist irgendwie den Fluch von Voldemort losgeworden, aber er hat so getan, als sei er noch immer krank. Und das nur, um mich zu täuschen? Eigentlich sollte ich mich geschmeichelt fühlen.

„So", sagt Dumbledore leise, der mich genau beobachtet. Lupin ist verschwunden und Memphisto ist auch weg. Also hat er es geschafft und hoffentlich gerade in diesem Moment stehen sie vor dem dunklen Lord. Draco und die anderen haben sich hinter den Säulen versteckt und warten auf Befehle.

Die lichtblauen Augen versuchen nicht mehr, mir zuzuzwinkern. Seine Lippen lächeln nicht. Das hier ist eine ganz andere Version von Albus Dumbledore. Er sieht wie ein Großvater aus, der von seinem Neffen sehr enttäuscht ist. Ich wiederum schaue ihm direkt in die Augen. Keine Angst zeigen; keinen Zweifel zeigen. Er wird versuchen, dich einzuschüchtern, aber das sollst du nicht zulassen. Nie wieder... Ich kann spüren, dass meine Magie kurz vorm Platzen ist. Es wäre auch an der Zeit...

„Du hast endlich dein wahres Gesicht gezeigt", sagt Dumbledore leise und bedrohlich. Er macht einen Schritt seitwärts und ich folge seinem Beispiel. Jetzt ist mir klar, dass ich mich hier und jetzt mit ihm duellieren werde und ich rufe gedanklich den dunklen Lord. Seine Antwort ist schnell und knapp. 'Ich komme', hat er gedacht und dann die Verbindung zwischen uns unterbrochen.

„Wann wirst du deines zeigen, alter Mann?", zische ich, Dumbledore wütend musternd.

Erleichterung. Endlich kann ich genau das sein, was ich bin. Und es fühlt sich an, als hätte ich eine Menge Energie dafür gebraucht, die Rolle eines neugierigen und armen Jungen zu spielen, der bei den Lehrern beliebt ist.

Dumbledores Lippen strecken sich zu einem Lächeln und er schaut mich beinahe bemitleidend an.

„Harry", sagt er leise. „Was versuchst du zu tun? Du weißt, dass du bereits verloren hast. Ich muss dir allerdings zu allem, zu den Lügen und dem Herumschleichen gratulieren. Du bist ein schlauer Junge geworden."

Wut steigt in mir auf und ich kann ihm nicht länger zuhören. Schon wieder spricht er mit mir auf diese Weise, als sei er mir überlegen, als wisse er alles, als sei er der einzige, der mir helfen kann. Nun, wenn ich für das, was ich vorhabe, in die Hölle gehe, dann möge es so sein. Denn ich möchte nicht, dass alles wieder gut wird. Ich brauche seine Billigung und seine Freundschaft nicht. Ich brauche nur meine dunkle Magie und sie wird zusammen mit mir kämpfen. Und sie kann es kaum abwarten.

Blitzschnell richte ich meinen Stab auf ihn und schicke einen Cruciatusfluch auf ihn. Dumbledore weicht dem Fluch mit Leichtigkeit aus und schickt einen Betäubungszauber auf mich. Er versucht mich zu betäuben? Er möchte mich nicht töten? So galant... Aber natürlich, ein Weißmagier wie Dumbledore kann es sich nicht leisten, mitten in einer Schule jemanden umzubringen. So was tun sie im Geheimen. Er ist gnädig und er wird mir verzeihen. Ich wiederum, werde ihm nie verzeihen und werde ihm keine Gnade zeigen.

Ich werfe mich zur Seite und versuche es wieder mit dem Cruciatusfluch.

„Hätte ich mir denken können", sagt Dumbledore, als er wieder angreift. „Dass das erste, was Voldemort dir beibringt, der Cruciatusfluch wäre. Ganz der Lehrer, oder?"

„Du hast keine Ahnung", lache ich, schnell duckend, um seinem Betäubungszauber auszuweichen und einen weiteren Fluch in seine Richtung abschießend. Dumbledore beschwört einen Schild, der jedoch nicht hält und er ist gezwungen, sich zu ducken.

Ich lache laut und der Korridor hallt von meinem Gelächter.

„Hast du wirklich gedacht, alter Mann", schreie ich triumphierend, „dass deine jämmerliche Weißmagie es mit der Macht der Dunkelheit aufnehmen kann?"

„All deine Macht ist nutzlos, weil du dich verloren hast", erwidert Dumbledore, als er wieder angreift. „Du hast deine Menschlichkeit gegen Macht ausgetauscht und du verstehst die Menschen nicht mehr."

Die ganze Zeit rufe ich Memphisto und endlich spüre ich, dass er hinter einer Säule in seiner Schattenform steckt. Er soll warten. Vielleicht kann Dumbledore ihn abschütteln, aber wenn wir ihn zusammen angreifen, wird er wohl keine Chance haben. Ich werde bis zu Ende kämpfen und jede Chance ausnutzen, um es ohne den dunklen Lord zu tun.

„Was hast du diesem Dämon angeboten?", schreit Dumbledore, der eine Lichtkugel beschwört, die mich momentan blind werden lässt.

Ich erinnere mich an Voldemorts Trainings und ich öffne meine geistigen Augen, die Magie sehen können. Ich hebe beide Hände in die Luft und beschwöre die schwarze Peitsche. Dumbledores Lichtkugel wird kleiner und kleiner, als ich die Peitsche schwinge und mit aller Kraft Dumbledore damit treffe.

Er stolpert und beinahe fällt er, beschwört aber einen Schild, der schnell bricht, der ihm aber genug Zeit gibt, wieder aufzustehen.

„Es ist zu spät für dich, Junge", sagt er herumwirbelnd. „Du bist jetzt nichts mehr, als mein Feind."

„Volltreffer", brülle ich, wieder die Peitsche schwingend.

'Memphisto, komm, wir arbeiten zusammen. Soll deine Macht auch meine werden', lade ich den Dämon gedanklich ein. Der dunkle Lord ist auf dem Weg hierher. Ob er jemanden mitbringt, habe ich keine Ahnung, aber ich weiß, dass er nahe ist. Ich kann ihn spüren. Wir haben keine Zeit... Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Lehrer mitbekommen, was hier vorgeht. Mit Magie alleine kann ich nicht gewinnen, das ist mir jetzt klar. Aber mir fehlt etwas, was Dumbledore hat und das kann ich als Waffe gegen ihn benutzen. Angst.

Memphisto saust auf mich zu und ich spüre ihn in mir. Es fühlt sich ziemlich verwirrend und unangenehm an, den Dämon in meinem Geist zu spüren. Klar, normalerweise kann ich ihn sowieso in meinem Geist spüren, weil ich ja eine Verbindung mit ihm teile. Aber jetzt hat er sich mit meinem Geist verschmolzen. Ich denke, dass der exakte Begriff, den ein Hellmagier dafür benutzen würde, 'Besessenheit' wäre. Aber es gibt einen wichtigen Unterschied, nämlich, ich habe einen Pakt mit diesem Dämon abgeschlossen und ihm somit meine Erlaubnis dafür gegeben. Sonst wäre es ihm nicht gelungen...

Schweratmend, richte ich den Stab auf Dumbledore und schicke eine Salve von Zaubern auf ihn, gleichzeitig zur Seite weichend, um seinem Angriff auszuweichen. Jetzt benutze ich nur die Zauber, die darauf abzielen, ihn zu erschrecken und zu verwirren und bald wird er einen Fehler machen, wenn ich so gnadenlos und schnell weiter zuschlage. Auch wenn er mächtig ist, ist er ein alter Mann. Seine Reflexe können sich mit meinen nicht messen. Der dunkle Lord ist da...

„Die Ratte zittert in der Ecke", sagt eine Stimme hinter mir.

Ich grinse breit, als Erkenntnis sich über Dumbledores Züge ausbreitet. Er hält inne und richtet sich auf.

„Sehr passend", sagt der dunkle Lord, der bei mir, mit dem Stab in Hand, inne hält.

„Tom", sagt Dumbledore mit einer heiseren Stimme. Er atmet tief durch, bemerke ich mit Genugtuung. Er ist müde. „Du hättest nicht herkommen sollen."

Der dunkle Lord gluckst und ich grinse noch breiter.

„Was, hätte ich meinem Lehrling all den Spaß überlassen sollen? Auf gar keinen Fall", sagt der dunkle Lord.

„Das ist ganz in Ordnung, Meister", sage ich grinsend.

Der dunkle Lord und ich öffnen unsere mentalen Verbindungen und wirbeln gleichzeitig herum, im selben Moment Flüche auf Dumbledore abschießend. Der Kampf geht weiter. Ein seltsamer Laut hallt durch den Korridor und als ich mich ducke und mich wieder auf einen Angriff vorbereite, sehe ich goldene Funken, die auf Dumbledores Kopf hinunter fallen.

„Tötet den Phönix!", befehle ich Draco und den anderen, die nur auf einen Befehl warten.

Denn der Phönix kann ziemlich gefährlich sein. Auch wenn Amu bereit ist und nur darauf wartet, den Spatz umzubringen, kann er den Phönix nicht so schnell fangen. Und in der Zwischenzeit wird er die Lehrer rufen oder so was. Wir müssen ihn dringend loswerden.

Der dunkle Lord und ich stellen uns beidseitig von Dumbledore auf und greifen gleichzeitig an. Da wir jetzt geistig verbunden sind, hat er meine Absicht erkannt und jetzt benutzt er die gleichen Flüche wie ich. Eigentlich habe ich befürchtet, dass er mir befehlen wird, zur Seite zu gehen und dass er sich alleine mit Dumbledore duellieren will, aber das hat er nicht getan. Stattdessen kämpft er mit mir und er folgt meinem Beispiel. Er möchte, dass das heute mein Sieg wird. Meiner alleine.

Und da wir uns jetzt wie einer bewegen und zusammen angreifen, scheinen unsere Angriffe eine Wirkung zu haben. Aus der Ferne höre ich einen weiblichen Schrei und das Flattern von Flügeln. Ist das Hermine? Hat sie den Spatz getroffen? Ich habe ihr doch gesagt, sie solle in der großen Halle bleiben, aber nein. Nun denke ich, dass es vielleicht eine gute Idee war, dass sie hergekommen ist.

„Und jetzt werde ich dir deine schlimmsten Ängste zeigen, alter Mann", sagt der dunkle Lord, der zusammen mit mir näher und näher an Dumbledore rückt.

Dumbledore atmet schwer und er nutzt die Chance, um uns auch anzugreifen, denn bisher hat er sich nur verteidigt. Aber er ist schwach. Und Voldemort und ich erkennen seine Schwäche und greifen ohne Gnade im selben Moment an – und unsere Flüche treffen Dumbledore direkt in die Brust. Er schreit und seine Hand zittert, sodass er seinen Stab fallen lässt. Zur gleichen Zeit höre ich eine laute männliche Stimme und rennende Füße. Jemand kommt.

Memphisto trennt sich von mir und saust auf Dumbledore zu, ihn sich schnell mit seinen Klauen schnappend und mit ihm verschwindend. Ich werfe mich ungeschickt zur Seite, als ein Fluch aus dem Nichts auf mich zu saust. Der dunkle Lord wirbelt herum und greift nach meiner Schulter.

„RÜCKZUG!", brüllt er, mich mit sich ziehend.

Das muss man mir nicht zweimal sagen. Ich laufe so schnell ich kann, dicht von ihm gefolgt. Ich springe über die kleine steinige Wand, die den Hof umrandet und der Geruch der Nacht schlägt mir entgegen, als ich die Treppen hinunter sprinte, die aus dem Schloss hinaus führen. Früh genug habe ich gelernt, dass ein guter Läufer zu sein sehr wichtig ist, denn auf diese Weise konnte mich Dudley nie fangen. Jetzt wird mir diese Fähigkeit von Vorteil sein.

Als ich wie ein Pfeil in Richtung des verbotenen Waldes sause, denke ich an überhaupt nichts und niemanden, außer an Dumbledore, der hoffentlich noch immer in Memphistos Klauen in Voldemorts Haus ist und der bloße Gedanke daran gibt mir Kraft. Verdammte Ballrobe... Wenigstens habe ich den Umhang ausgezogen, aber trotzdem finde ich es schwierig, in der Ballrobe zu laufen.

Als ich spüre, dass ich durch die Barriere hindurchgekommen bin, blicke ich kurz über meine Schulter. Der dunkle Lord kommt gleich. Er läuft ziemlich schnell für jemanden, der für ein paar Jahre keine Beine hatte. In der Ferne sehe ich auch Dracos Kopf, dicht gefolgt von ein paar anderen. Und sie werden verfolgt. Ich habe keine Zeit, darüber nachzudenken und ich werde nicht abwarten, um zu sehen, um wen es sich handelt. Denn Dumbledore wartet auf mich.

Ich drehe mich um die Achse und disappariere, alles und alle zurücklassend. Dumbledore... jetzt wirst du deine schlimmsten Ängste erleben...