6. Der Entführer und die Entführte

Ein schöner azurblauer See erstreckt sich inmitten von Bäumen. In der Mitte des Sees befindet sich ein Wasserfall, der eine merkwürdige Kraft ausstrahlt. Die Vögel zwitschern und Rehkitze stehen am See, um zu trinken. Ein Mann mit blonden Haaren und blauen Augen erscheint direkt auf dem See. Seine Klamotten sehen etwas komisch aus, ein roter Umhang mit weißem Pelz hängt um seine Schultern. Ein weißes Hemd, das an beiden Ärmeln mit einer Art Armband mit blauem Stein am Handgelenk festgemacht ist.

'Er sieht fast so aus wie Wolfram.' dachte sich Kaori.

"Du musst aufwachen." hörte sie ihn sagen.

"Wer bist du? Wo bin ich hier?", wollte sie von ihm wissen.

"Du musst aufwachen. Deine Familie macht sich Sorgen." sagte er, ohne auf die ihm gestellten Fragen einzugehen.

"Woher...", fing sie an.

"Ich weiß so einiges über dich und deine Familie, vor allem über deinen Bruder Yuri. Immerhin ist er derjenige, den ich ausgewählt habe, um Maou zu werden." erklärte er.

"Dann sind wir hier im... Neuen Dämonenkönigreich?", fragte sie unsicher.

"Nein, aber es ist dieselbe Welt in der auch das Neue Dämonenkönigreich existiert."

"Aber wie bin ich denn hierher gekommen, ich meine...", sie stockte. Er sah sie an. Plötzlich sah er auf und bemerkte, wie die Vögel aus den Bäumen hochstiegen.

"Du kannst hier nicht bleiben! Eine schwarze Zweifaltigkeit wie du ist selbst jetzt noch nicht sicher in Groß Shimaron. Du musst aufwachen." wiederholte er.

"Wieso aufwachen, ich schlafe doch gar nicht.", meinte sie.

"Doch das tust du und zwar auf der Erde und dennoch ist deine Seele hier in dieser Welt. Es ist mir ein Rätsel wie deine Seele den Weg hierher gefunden hat." sagte er ihr.

"Ich...schlafe?", murmelte sie sich vor sich hin. Sie war in ihren Gedanken vertieft, als sie von ihm aus diesen heraus geschreckt wurde.

"Du musst jetzt gehen."

"Aber ich... ich kann meine Augen nicht öffnen.", meinte sie.

"Dann helfe ich dir dabei, immerhin kann ich dich hier nicht einfach zurücklassen und schon gar nicht, da ich weiß, dass es deine Seele ist. Sie wird noch gebraucht, das spüre ich." sagte er.

Er kam näher und streckte seine Hand aus. Er berührte ihre Stirn und setzte sein Maryoku ein, um sie zum aufwachen zu zwingen. Sie stand nur da und starrte ihn an.

"Wa...was hast du vor?", fragte sie ihn.

"Wenn du nicht aus eigener Kraft aufwachen kannst, muss ich dich, so leid es mir auch tut, dazu zwingen." antwortete er.

Sie wollte noch etwas sagen, kam aber nicht mehr dazu, denn in ihrem Kopf schien sich alles zu drehen. Sie hatte das Gefühl, dass ihr Kopf platzen würde. Dann merkte sie nichts mehr.

"Wir werden uns wiedersehen, Kaori."


Als sie ihre Augen öffnete, war sie verwirrt.

'Was war das für ein komischer Traum und wer war diese Mann. Er kannte Yuri, das heißt er ist ein Freund von ihm.' dachte sie über den Traum nach.

"Na, endlich wach?", ertönte eine Stimme aus einem Eck des Zimmers.

"Wer bist du und wo bin ich? Was hast du mit mir vor?", fragte sie ihn.

"Du stellst ziemlich viele Fragen. Aber na schön, immerhin war ich es der dich hierher gebracht hat. Ich bin Kaze und du befindest dich in meiner Obhut.", antwortete er. Sie rückte ein Stück nach hinten und blickte ihn misstrauisch an. Er merkte dies und versucht sie zu beruhigen: "Keine Sorge, ich werde dir nichts tun. Alles was ich will ist mit dir reden."

"Wenn du nur mit mir reden wolltest, dann hättest du mich nicht hierher bringen müssen.", sagte sie forsch zu ihm.

"Da hast du recht, aber es war zu riskant außerhalb des Bannkreises mit dir zu sprechen. Es hätte jeder zuhören können, auch die vor denen ich dich warnen will.", erklärte er.

"Die vor denen du mich warnen willst? Wer bist du, dass du so einen Wind erzeugen kannst.", wollte sie von Kaze wissen.

"Wie gesagt, ich bin Kaze und habe die Fähigkeit Maryoku auch hier auf der Erde einzusezten, jedoch ist das Ergebnis um ein vielfaches schwächer, als wenn ich in meiner Welt Maryoku einsetzte.", antwortete er ihr.

"Du bist aus dem Neuen Dämonenkönigreich.", stellte sie fest.

"Ja, ich bin ein Abgesandter der Windgeister. Es tut mir unheimlich leid, dass ich dich erschreckt habe.", entschuldigte er sich.

"Schon gut, aber warum bist du hier?", fragte sie ihn weiter aus.

"Ich habe dir doch schon gesagt, dass ich dich vor jemandem warnen will. Dieser jemand besitzt die gleiche Kraft wie Soushu.", erzählte er.

"Soushu?" Sie war verwirrt, obwohl sie schon einiges über das Neue Dämonenkönigreich wusste, hatte sie noch nie etwas über Soushu gehört. Kaze merkte die Ratlosigkeit in Kaori

und streckte ihr seine Hand aus. Sie sah auf diese hinab.

"Nimm meine Hand, ich zeige dir was Soushu damals angerichtet hat, bevor er von Yuri-heka besiegt wurde." Sie sah immer noch auf die Hand. Sie überlegte, ob sie ihm auch ihre Hand geben sollte oder ob sie es lieber lassen sollte, denn wer wusste ob sie wieder solche Schmerzen habe wird, wie vorhin. Ihre Hand bewegte sich langsam auf seine zu.

"Du brauchst wirklich keine Angst zu haben. Es wird nicht weh tun.", versicherte er ihr. Sie ergriff seine Hand und sogleich sah sie Bilder von zerstörten Dörfern, verwüsteten Feldern und tote Menschen. Sie schwebte über diese Szenerie und entdeckte dann eine Gruppe von Leuten, die beisammen saßen und sich berieten. Sie war überrascht den Mann zu sehen, der ihr vorher erst begegnet war. Sie beobachtete alles aufmerksam und als Soushu dann in vier Truhen versiegelt wurde, kehrte sie aus dieser Welt zurück. Als sie wieder ganz bei Bewusstsein war, merkte sie, das Kaze zusammengebrochen war. Sie kniete sich zu ihm und fragte besorgt: "Was ist mit dir? Geht es dir gut?"

"Ja, ich habe mich nur ein wenig überanstrengt.", antwortete er ihr mit einem gequälten Lächeln.

"Danke, dass du mir das gezeigt hast, obwohl dich das so viel Kraft gekostet hat."

Er sah Kaori an und meinte: "Ihr seid euch wirklich ähnlich, du und seine Majestät."

Nach diesen Worten schlief er ein.