10. Probleme
Die Sonne war schon aufgegangen und alle saßen am Frühstückstisch. Alle? Nein, einer fehlte.
"Ihr seid euch sicher, dass Kao-chan nichts passiert ist?", fragte Miko besorgt.
"Ja, da sind wir uns ganz sicher. Immerhin haben wir diese Information aus einer zuverlässigen Quelle.", antwortete Yuri, obwohl er nicht wusste, wie sehr man auf die Aussage von Shinou vertrauen konnte. Um seine Mutter jedoch nicht zu verunsichern, fügte er noch hinzu: "Wir werden sie heute nach der Schule suchen und mit Sicherheit finden."
Das klag zwar sehr überzeugend, aber selbst Yuri wusste nicht, ob er schon so früh damit rechnen konnte. Immerhin hatte er die Hilfe von seinen Freunden und den spitzen Informationsbeschaffer Yosak auf seiner Seite.
Nachdem sie zu Ende gefrühstückt hatten, machte sich Yuri auf den Weg zur Schule.
"Yuri, wo willst du denn so früh schon hin?", fragte Ihn Wolfram, der ihn beim Schuhe anziehen beobachtete.
"Zur Schule. In dieser Welt bin ich ein normaler Oberschüler und muss wie alle anderen auch in die Schule gehen. Man könnte es mit den Unterrichtsstunden von Gunther vergleichen."
"Hatschii!"
"Gesundheit.", wünschte Gisela ihrem Adoptivvater.
"Danke Gisela.", entgegnete er ihr.
'Ich frage mich ob seine Majestät gerade an mich denkt. Ach Heika.'
Ein kalter Schauer lief Yuri den Rücken herunter.
'Was war denn das?' fragte er sich selbst in Gedanken.
Er machte sich auf den Weg zur Schule. Als er die Tür öffnete, standen Murata und Yosak davor.
"Warum machst du jetzt schon auf Shibuya, wir haben doch noch gar nicht geklingelt.", fragte Murata scherzend.
"Haha, sehr lustig. Aber sag mal, warum seid ihr hier?", fragte er seinen Freund zurück.
"Geika meint, solange ihr in der Schule seid, könnten wir anderen uns schon einmal ein bisschen auf die Suche nach eurer kleinen Schwester machen.", antwortete ihm Yosak.
"Also dann, wir sollten los, sonst kommen wir noch zu spät. Shibuya, kommst du?", schrie Murata seinem Freund zu, der noch immer auf der Türschwelle stand.
In der Schule lief alles ganz normal ab. Erste Stunde Mathe. Zweite und dritte Stunde Geschichte, dann erst einmal Pause. Danach Japanisch und Englisch. Und dann noch Geographie.
"Puh. Warum muss ein Schultag auch immer so lang sein.", seufzte Yuri.
"Hey Yuri! Hier ist jemand, der mit dir reden will.", schrie ihm einer seiner Klassenkameraden zu. 'Na toll. Jetzt haben wir Mittagspause und ich kann mich nicht einmal ausruhen.' ärgerte er sich. Das Mädchen, das mit ihm reden wollte, war jünger als er und ging auch auf eine andere Schule. Als er genauer hinsah, bemerkte er, dass das Mädchen die gleiche Schuluniform trug, wie seine kleine Schwester sonst auch. Er wunderte sich, was sie von ihm wollte.
"Bist du Yuri, Yuri Shibuya?", fragte das Mädchen schüchtern.
"Ja, das bin ich. Was ist los?", fragte er zurück.
"Ich bin Misuzu. Misuzu Hiragawa. Ich wollte wissen, was mit Kaori ist. Sie war heute nicht im Unterricht und auch sonst nirgends.", wollte sie von ihrem Gegenüber wissen.
"Kaori? ..."
'Mist was mache ich denn jetzt. Ich kann ihr ja schlecht sagen, dass sie entführt worden ist, sie sich aber keine Sorgen machen muss, da der Entführer ihr nichts tun wird.'
"Kaori ist, ähm... krank, ja genau sie ist krank und war deshalb nicht in der Schule.", antwortete er ihr in der Hoffnung, sie würde es ihm abkaufen. Sie sah ihn nur ratlos an.
"Das ist komisch, sonst sagt sie mir doch immer, wenn sie nicht zur Schule kommen kann. Das ist so gar nicht ihre Art.", sagte sie leise vor sich hin.
"Du redest ja von ihr, als wenn du sie kennen würdest.", bemerkte Yuri. Daraufhin hob Misuzu ihren Kopf ruckartig nach oben und meinte:
"Natürlich, immerhin ist sie meine beste Freundin und wir gehen in die gleiche Klasse.", entgegnete sie ihm.
"Deshalb bin auch zu dir gekommen, um zu fragen was mit ihr ist. Sie hat mir nämlich viel über ihre Brüder erzählt."
'Die beste Freundin von Kaori also. Ich habe ein schlechtes Gewissen sie anzulügen, aber es ist besser so.'
Yuri war in seinen Gedanken versunken, als ihn Misuzu´s Stimme aus diesen heraus riss.
"Ich würde Kaori gerne nach der Schule heute besuchen und ihr die Hausaufgaben vorbeibringen."
"Ja, mach das.", sagte erst. Als er dann aber registrierte, was er da gerade erlaubt hatte, schrie er: "Waaaaas?" Die Schulglocke übertönte jedoch sein Geschrei und er merkte, dass
Misuzu schon weg war.
'Na toll. Was hast du dir jetzt wieder eingebrockt Yuri.' dachte er, während er zur nächsten Stunde ging.
