15. Der Feind und ihr Ziel, Kaori?
"Die Schöpfergötter sind entstanden, als der Mensch das fürchten lernte. Der Urkönig hat diese versiegelt ohne zu wissen was sie waren. Wie töricht von ihm, denn sie konnten Besitz von ihm nehmen und so den Einzigen, der mächtig genug wäre sie ein zweites Mal zu besiegen in die Knie gezwungen. Doch er hatte schon dafür gesorgt. Nach tausenden von Jahren kehrte die Seele, die sie erneut besiegen sollte zurück und wurde Dämonenkönig. Auch der zweite Kampf ging zu Gunsten der Sterblichen aus. Doch dieses Mal werden wir den Sieg davontragen und die Welt in ihren Grundpfeilern erschüttern. Wo Menschen sind, ist Furcht und wo Furcht ist entstehen wir immer wieder neu. Wir bestehen von Anfang der Zeit und werden auch bis zum Ende bestehen."
Der Mann, gehüllt in eine graue Kutte, beendete seine Lesung und wandte sich an seine gleichgesinnten. Auch sie waren in graue Kutten gehüllt und jeder hatte eine brennende Kerze in der Hand. Sie erhoben sich und schrien dann im Chor:
"Furcht ist unsere Kraft. Angst ist unser Schwert und Zweifel ist unser Schild."
Der Chor legte sich und sie verließen den Raum, der einem unterirdischem Kerker gleichkam und offenbar auch als einer diente. An den Wänden waren Ketten eingelassen, die zur Zeit zwar leer, aber früher sicher für viele den Tod hatte bedeutet.
Der Prediger war noch nicht gegangen. Allem Anschein nach wartete er auf etwas ganz bestimmtes.
Ein Mann mit Schwert und Umhang betrat den Kerker und kniete sich vor ihm nieder.
"Meister, ich bin von der Erde zurückgekehrt. Dummerweise war ich nicht schnell genug und der Gesandte der Windgeister kam mir zuvor. Das Mädchen, das ihr haben wolltet befindet sich jetzt in der Gewalt unserer Gegner, dem Dämonenvolk.", berichtete Akuto seinem Herrn.
Dieser stand mit dem Rücken zu ihm und sagte nichts. Für lange Zeit herrschte Stille zwischen ihnen. Der Prediger wandte sich jetzt seinem Untergebenen zu.
"Gut so. Für uns wäre es sowieso schwer gewesen sie hierher zu bringen. So hat uns der Maou einen großen Gefallen getan. Sie befindet sich jetzt hier in dieser Welt und ist für uns leichter zu erreichen.", meinte er.
"Was gedenkt ihr nun zu tun Meister Kyofu?", wollte Akuto von ihm wissen.
"Es ist zwar leichter für uns sie zu erreichen, aber in ihre Nähe zu kommen und sie hierher zu bringen wird schwerer sein als vorher. Du darfst nicht vergessen, dass sie sich jetzt in Shin Makoku aufhält und von Wachen des Königs und von anderen Kriegern beschützt wird. Außerdem befindet sich der Große Weise und der Urkönig auf ihrer Seite und diese zwei sollte man auch nicht unterschätzen. Es wäre klüger erst einmal abzuwarten und im richtigen Moment zuzuschlagen."
Er machte eine Pause, um zu überlegen. Dabei legte er den Finger an sein Kinn, so als wolle er einen Pickel verstecken. (tut mir leid, aber das musste einfach sein)
"Trotzdem kann es nicht schaden frühzeitig Vorbereitungen zu treffen. Akuto, da sie dich schon einmal gesehen haben, kann ich dich nicht auf diese Mission schicken.", fuhr Kyofu fort.
Akuto kniete immer noch auf dem Boden doch jetzt war auch sein Blick diesem zugewandt.
"Utagai, komm her.", rief er und aus den Schatten trat eine weitere Gestalt. Es war ein Mann mit kurzen blauen Haaren und ebenso blauen Augen.
"Utagai, du als Halbdämon wirst es einfacher haben als alle anderen sich als Wache ins Schloss des Blutigen Eides einzuschleichen und ein Auge auf unsere Zielperson zu werfen. Sorge dafür, dass du so nah wie möglich an sie heran kommst. Gewinne ihr Vertrauen und wir haben schon gewonnen.", gab Kyofu ihm seinen Auftrag.
"Jawohl, Meister"
Mit diesen Worten verließ es den Kerker und würde erst wieder in Shin Makoku auftauchen.
"Akuto!"
"Ja!", antwortete dieser.
"Solange bis wir Nachricht von Utagai bekommen, wirst du Zeit haben einen Plan zu entwerfen wie wir am besten ins Schloss eindringen und sie an uns bringen können."
"Jawohl."
Er stand auf und ging davon. Meister Kyofu wandte sich wieder dem Altar vor sich zu.
"Bald, schon bald wird diese Welt wieder vor der Macht der Schöpfergötter erzittern und dann meine liebe Kaori, wirst du es sein, die den Maou, deinen Bruder daran hindern wird uns aufzuhalten. Muhahahahahaha..."
Das Gelächter war noch eine ganze Weile zu hören, bis es dann mit dem Aufgehen der Sonne erlosch.
