17. Ungewollte Reise
Nachdem Kaori zusammen mit Ulrike das Herz des Tempels betreten hatte, schlossen sich die Türen hinter ihr wie von selbst. Doch sie hatte nicht das Gefühl sich zu ängstigen. Ihr kam das Gefühl, das sie verspürte, bekannt vor. Doch woher konnte sie nicht sagen.
"Kaori, Shinou-heika will nur mit euch sprechen, deshalb muss ich mich jetzt ebenfalls nach draußen begeben.", sagte Ulrike mit ruhiger Stimme.
Kaori nickte nur verständnisvoll und wartete bis sie alleine im Raum war. Das Wasser um sie herum plätscherte leicht, obwohl es hier nichts gab, was es hätte bewegen können. Sie drehte sich ruckartig um.
'Komisch, ich hätte schwören können, dass mich gerade jemand beobachtet hat.' dachte sie.
Sie drehte ihren Kopf ein paarmal um sicher zu gehen, dass sie wirklich alleine war.
"Du bist wirklich sensibel, nicht wahr.", ertönte eine ihr bekannte Stimme.
Kaori wandte sich der Person zu, die aus dem Nichts hinter ihr erschienen war.
"Du bist doch...", fing sie an, doch stoppte, als ein Lächeln auf dem Gesicht ihres Gegenübers erschien.
"Wie ich sehe erinnerst du dich an mich. Ich bin Shinou.", stellte er sich vor.
"Auch wenn ich weiß, dass du weist wer ich bin, ist es unhöflich mich nicht vorzustellen. Ich bin Kaori Shibuya. Es ist schön euch wiederzusehen.", entgegnete sie ihm.
Sie lächelten einander an, bevor Shinou anfing mit ihr zu reden.
"Ich bin überrascht, dass du die Schwelle unserer Welten in deinen Träumen überqueren kannst. Dazu benötigt es eine gewaltige Menge an Maryoku.", sagte er ihr.
"Wirklich? Ich denke nicht, dass ich so besonders bin. Aber es hat doch sicher einen Grund, warum mich Kaze 'entführen' musste, um mich vor etwas oder jemandem zu schützen. Wisst ihr vielleicht mehr darüber?", fragte sie in ernst.
'Irgendwie ist sie Daikenja ähnlich.' dachte er.
"Es ist zwar nicht viel, aber das was ich weis, ist nicht gerade erfreulich. So wie es aussieht, gibt es Personen da draußen, die versuchen Soushu wieder zu erwecken oder ein Wesen, das Soushu ähnlich ist zu erschaffen.", sagte er mit ernster Miene.
"Und wobei spiele ich da eine Rolle?", wollte Kaori wissen.
"So wie es zur Zeit aussieht, wollen sie dich einfach aus dem Weg haben, da du über größere magische Fähigkeiten verfügst als dein Bruder Yuri. Er hatte schon Probleme mit Janus fertig zu werden. Ob er dieses Wesen ebenfalls bezwingen kann, weiß selbst ich nicht.", sagte er etwas besorgt.
"Keine Sorge, Yunii-san schafft das schon irgendwie. Er schafft alles immer irgendwie, ob Schule oder Baseball.", sagte Kaori ermunternd, doch sie hatte verstanden worauf Shinou hinaus wollte.
Nachdem sie den Ritt ins Schloss Ketsumei hinter sich hatten, dämmerte es bereits. Als der Trupp im Schloss ankam, bildete sich eine Menschen-, pardon Mazokumenge um die Kutsche, in der nicht nur seine Seligkeit, Murata, seine Hoheit, Yuri, und dessen Verlobter, Wolfram saßen, sondern auch die jüngere Schwester seiner Majestät, Kaori. Als die ersten drei besagten Personen ausgestiegen sind und von allen herzlich begrüßt worden waren, wartete man gespannt auf die vierte Person. Besagte Person streckte neugierig erst einmal ihren Kopf aus der Kutsche, bevor sie ausstieg. Ein Geflüster ging durch die Mazokumasse.
"Das ist die jüngere Schwester seiner Majestät."
"Man sieht ihnen die Ähnlichkeit an."
"Wenn Heika ein Mädchen wäre, würde er sicher wie seine Schwester aussehen."
Und noch andere diverse Sätze dieser Art konnte man von ihnen vernehmen.
"Jetzt ist aber Schluss.", sagte Gunther die Masse auseinander treibend.
"Entschuldigt bitte vielmals dieses Chaos. Es scheint, dass sie mitbekommen haben, dass eure Schwester, Lady Kaori, heute mit euch ankommen würde.", entschuldigte sich Gunther bei Yuri.
"Schon gut Gunther. Es ist doch nichts dabei, wenn sie wissen wollen, wie Kaori aussieht.", entgegnete Yuri abwinkend.
"Heika, so viel Güte in einer Person.", sagte Gunther, dem Tränen in den Augen standen.
"Kaori, ich zeig dir das Schloss.", meinte Yuri zu seiner Schwester. Diese nickte stumm. _
Das Schloss zu besichtigen, hatte länger gedauert als erwartet, aber sie wurden noch fertig, bevor sie in den Speisesaal zum Essen mussten. Als sie besagtes Zimmer betraten, kam ihnen ein kleines braunhaariges Mädchen entgegen.
"Yuri! Wolfram! Da seid ihr wieder.", rief sie strahlend, während sie auf besagte Personen zu lief.
"Greta, wie geht es dir?", fragte Yuri sie, als er sie in den Arm nahm.
"Jetzt, da ihr wieder da seid, besser.", antwortete sie.
Jetzt bemerkte sie Kaori, die hinter Yuri stand und die ganze Szene beobachtet hatte. Greta sah sie forschend an und wandte sich wieder an Yuri.
"Du Yuri? Ist das deine kleine Schwester, von der alle reden?", wollte sie von ihrem Vater wissen. Dieser nickte. Mit glänzenden Augen blickte sie wieder auf Kaori und stürmte kurz darauf auf sie zu, um sie zu umarmen.
"Freut mich dich kennen zu lernen, ich bin Greta.", sagte sie strahlend.
"Freut mich auch dich kennen zu lernen Greta. Ich bin Kaori.", entgegnete sie ihr.
Nach dieser kurzen Vorstellungsrunde setzten sich alle an den Tisch. Es waren anscheinend nicht alle anwesend, da noch ein Platz frei blieb.
'Mal sehen, Gunther, Gwendal, Conrad, Wolfram, Yunii-san, Greta und ich. Wer könnte denn noch fehlen?' überlegte sich Kaori.
Kurz darauf öffnete sich die Tür zum Speisesaal und herein trat Cecilie oder Chérie, wie sie genannt werden will. Sie blickte in die Runde und bewegte sich geradewegs auf Kaori zu.
"Ich habe die Nachricht erhalten, dass die jüngere Schwester von Yuri-heika nach Shin Makoku kommen würde. Ich habe mich so schnell wie möglich auf den Weg hierher gemacht, um sie persönlich zu sehen.", sagte sie entzückt in die Runde.
Nachdem sie Kaori für einige Momente begutachtet hatte, breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus.
"Wie ich es mir gedacht habe. Sie ist genauso eine Schönheit wie seine Majestät.", sagte sie mit erfreuter Stimme.
"Cecilie-sama, ich muss doch sehr bitten. Wir sind gerade dabei zu Abend zu essen.", meinte Gunther belehrend.
"Ach Gunther, du musst doch nicht gleich so verspannt sein. Ich wollte das Fräulein doch nur anständig begrüßen.", meinte die Angesprochene. Sie wandte sich wieder an Kaori.
"Ich bin übrigens Cecilie von Spitzweg.", stellte sie sich vor.
"Kaori Shibuya.", erwiderte sie die Begrüßung.
"Hahaue, wir wollen anfangen.", sagte Wolfram von seinem Platz aus.
Kaori dachte sie hatte sich verhört. Sie ist die Mutter von Wolfram? Dann musste sie auch die Mutter von Conrad und Gwendal sein.
'Komische Familie.' dachte sie sich nur.
Nachdem man ihr erklärt hatte, dass die drei Brüder zwar die gleiche Mutter aber verschiedene Väter haben, war sie nicht mehr ganz so mit dem Gedanken der komischen Familie beschäftigt.
Nach dem Essen war Kaori auf ihr Zimmer gebracht worden. Sie nahm ein ausgiebiges Bad und legte sich dann ins Bett. Sie dachte noch über die Dinge nach, die sie mit Shinou besprochen hatte. Kurze Zeit später schlief sie auch schon ein.
Am nächsten Morgen herrschte pures Chaos im Schloss Ketsumei. Als Yuri zusammen mit Wolfram sein Zimmer verließ, ahnte er noch nichts von der schlechten Nachricht, die ihm Darcascos übermitteln sollte.
"WAAAAAAAAAAAAAAAASSSSSSSSSSS?", bei diesem Schrei des Königs bebte das ganze Schloss.
"Beruhigt euch Heika. Ich bin mir sicher, dass wir sie schon bald finden werden.", versuchte Gunther seine Majestät zu beruhigen.
"Aber wie konnte das passieren? Ich meine wir haben Kaori doch extra hierher gebracht, dass genau das nicht passiert!", schrie Yuri aufgebracht.
Alle Anwesenden waren still, denn sie wussten, dass Yuri Recht hatte. In dieser Stille wurde dir Tür von einem Soldaten aufgerissen, der eine wichtige Meldung machte.
"Heika, wir haben eure Schwester noch nicht gefunden, aber es gibt Zeugen, die meinen sie zusammen mit Lady Cecilie das Schloss verlassen zu haben.", beendete er seine Meldung.
Kurze Stille.
"WAAAAAAAAAAAAAAASSSSSSSSS?", schrien jetzt nicht nur Yuri sondern auch Wolfram und Gunther.
Conrad legte seine Finger an sein Kinn und überlegte.
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kaori etwas so leichtsinniges machen würde.", sagte Conrad schließlich.
"Warum nicht? Sie ist immerhin die Schwester von unserem Weichei.", meinte Wolfram konternd.
"Sag nicht Weichei zu mir. Und außerdem ist Kaori viel besinnter als ich oder Shori. Sie weiß, dass sie sich in einer misslichen Lage befindet und würde nie so einen Unsinn anstellen.", sagte Yuri.
"Aber wie erklärt ihr euch denn dann, warum sie das Schloss eigenmächtig verlassen hat?", wollte Gwendal von Yuri wissen.
"Tja,... das kann ich ihnen leider auch nicht sagen.", entgegnete er ihm
~Währenddessen~
Verschlafen öffnete Kaori ihre Augen und musste verwundert feststellen, dass sie sich nicht mehr in ihrem Zimmer im Schloss Ketsumei befand.
"Wo...wo bin ich?", fragte sie sich.
"Na, aufgewacht? Ich habe mich schon gefragt, wann du endlich deine niedlichen Äuglein öffnen würdest.", ertönte eine zuckersüße Stimme neben ihr.
Sie drehte ihren Kopf um und erblickte...
"Chérie-sama. Aber...", sagte Kaori erstaunt.
"Überrascht? Ich habe beschlossen, dass du mich auf meiner Reise nach freier Liebe begleiten solltest. Mit deiner Schönheit werden dir sicherlich tausende Herzen verfallen.", meinte Chérie lächelnd.
