18. Erstes Treffen

Inzwischen hatten sich wieder alle beruhigt und konnten nun ihr weiteres Vorgehen bedenken. Yuri zerzauste seine Haare vor Sorge, während er vor sich hinmurmelte. Wolfram sah ihm dabei zu und sprach hier und da ein ermunterndes Wort. Auf der anderen Seite des Raumes befanden sich die anderen zwei Brüder und Gunther, die miteinander besprachen, was der beste Weg wäre Lady Chérie einzuholen und sie davon zu überzeugen, dass es für Kaori zu gefährlich war ohne richtigen Schutz zu reisen.

"Das erste was wir tun müssen, ist ein Schiff vorzubereiten, dass so schnell ist, um Lady Chéries Schiff in Windeseile einzuholen." meinte Gunther mit dramatischer Stimme.

"Ich habe bereits den Befehl gegeben ein Schiff klar zu machen. Es wird bereit sein, sobald wir am Hafen ankommen." gab Gwendal als Antwort zurück.

"Jetzt müssen wir uns nur noch überlegen, was wir Mutter sagen, um sie zu überreden." sagte Conrad ganz nonchalant, als wäre das die einfachste aller Aufgaben.

Die drei fielen ins Schweigen, denn sie wussten wie hartnäckig die Ex-Dämonenkönigin sein konnte.

"Jetzt mach dir nicht so viele Sorgen, Yuri. Immerhin ist sie mit Mutter unterwegs, die immer ein paar Soldaten mit auf ihre Reise nimmt. Sie erscheint vielleicht locker und gelassen zu sein, doch sie weiß ganz genau wie gefährlich eine Reise sein kann." sagte Wolfram zu seinem Verlobten, der vor lauter Panik schon im Kreis lief.

"Ich mach mir weniger Sorgen um ihre Sicherheit, als um die Tatsache, dass sie nicht weiß was für eine Wirkung sie auf Männer ausübt." meinte dieser zurück.

Wolfram legte seinen Kopf schief und sah Yuri mit fragendem Blick an.

"Ich verstehe nicht ganz. Gut, deine Schwester ist eine wirkliche Schönheit, nicht zu vergessen, dass sie mit dem noblen Schwarz in ihrem Antlitz geboren wurde, sie wird sicher den ein oder anderen Blick auf sich ziehen und wenn man den Gedanken weiterspinnt, kann es gut sein, dass der ein oder andere Anstalten macht ihr den Hof zu machen und dann..." Jetzt merkte Wolfram, was Yuri solche Angst machte.

"Wir müssen sie so schnell wie möglich zurückholen." schrie er nun den schwarzhaarigen König an.

"Das sage ich doch schon die ganze Zeit." gab dieser zurück.

"Heika, sorgt Euch nicht um Eure verehrte Schwester, ich Gunther von Kleist werde meine gesamte Kraft aufbringen, um sie sicher wieder nach Shin Makoku zu bringen." sagte Gunther in seiner gewohnten überdramatischen Art.

Auch Conrad versicherte Yuri, dass alles gut werden würde und seinen Worten konnte er mehr Glauben schenken als eines anderen.

"Wenn ihr euch alle beruhigt habt, würde ich vorschlagen uns auf den Weg zu machen, bevor der Abstand zu groß wird." waren Gwendals Worte, bevor sich alle zur Tür wandten und sich auf zum Hafen machten.


Kaori wusste nicht genau was sie davon halten sollte.

Vor ihr knieten drei Männer aus dem Land, an dessen Hafen Chéries Liebes-Schiff angelegt hatte, dessen Namen sie jedoch unaussprechlich fand und somit vergessen hatte. Chérie war ganz entzückt von diesem Schauspiel und ermutigte sie sich einen der Drei auszusuchen, um ihn besser kennenzulernen.

"Ich denke immer noch, dass es keine gute Idee war mich mit auf eure Reise zu nehmen, Chérie-sama." meinte sie.

"Ach iwo. Ein so hübsches Mädchen wie du kann man doch nicht in einem Schloß verrotten lassen. Man muss dich der Welt und ihren Männern präsentieren und wer weiß?! Vielleicht begegnet dir dein Traumprinz." entgegnete Chérie mit einem Zwinkern.

Kaori sah die blonde Dämonin resigniert an und wandte sich dann mit einem Seufzer wieder den drei Männern zu. Keiner von ihnen entfachte in ihr nur den leisesten Anflug von Interesse und so machte sie sich auf zu gehen. Sie ging an Chérie vorbei und verschwand aus dem Raum.

Niemand hinderte sie dabei und schon bald war sie auf einer belebten Straße.

Sie sah sich um und war dankbar, dass man ihr eine Perücke gegeben hatte, um ihre schwarzen Haare zu verbergen, denn selbst wenn die Menschen die Mazoku nicht mehr so sehr hassten wie vorher, waren sie immer noch nicht bereit ihnen voll und ganz zu vertrauen und es gab immer noch zwielichtige Gestalten, die für Geld sogar ein wehrloses Mädchen entführen würden.

'Eine weitere Entführung kommt gar nicht in Frage. Eine reischt mir vollkommen.* dachte sie, während sie die Straße entlang schlenderte und die Menschen bei ihren Besorgungen beobachtete.

Es war nicht gerade schlau von ihr sich alleine von ihren Reisegefährten zu entfernen, doch sie hatte, um ehrlich zu sein, keine Lust mehr noch länger das Theater mit diesen Männern zu durchleben.

Sie war so von ihrer Umgebung fasziniert, dass sie nicht darauf achtete wohin sie ging und mit einem ihr entgegenkommendem Passanten zusammenstieß.

"Entschuldigung. Ich habe nicht aufgepass wohin ich gehe." sagte sie zu dem anderen, der sie mit einem Lächeln ansah.

"Schon in Ordnung. Auch ich hätte lieber auf den Weg achten sollen. Doch ich komme nicht dazu diese Entscheidung zu bereuen. Immerhin durfte ich so deine Bekanntschaft machen." entgegnete er ihr mit seiner samtweichen Stimme.

Jetzt da sie ihn näher betrachtete, bemerkte sie wie wunderschön er war. Man hätte ihn fast für ein Mädchen halten können mit seinen langen honigblonden Haaren. Sie konnte die Farbe seiner Augen nicht genau erkennen, denn sie wurden von einer violetten Brille verborgen.

Ihre Wangen röteten sich ein wenig, als ihr auffiel, dass sie ihn die letzten paar Minuten still angestarrt hatte. Sie gab ein verlegenes Lächeln zurück und verbeugte sich vor ihm.

"Ich sollte wieder zu meinen Begleitern zurück, bevor sie sich anfangen zu sorgen. Nochmals Entschuldigung." und damit wandte sie sich ab und verschwand in der Menschenmenge.

Was sie nicht bemerkte, war der Blick dieses Mannes, der ihr folgte, bis sie nicht mehr zu sehen war. Ein weiteres Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.

"Wie es aussieht habe ich gerade eine sehr interessante Person kennengelernt."

"Heika, da seid ihr ja." erklang eine tiefe Stimme hinter ihm und er wandte sich ihr zu. Er erblickte seinen treuen Begleiter und Bodyguard.

"Ihr seht glücklich aus. Ist irgendetwas passiert?" fragte dieser, als er das lächelnde Gesicht seines Königs sah. Dieser wandte sich zum Gehen.

"Hoffentlich begegnen wir uns wieder, kleiner Vogel." sagte er in Richtung, in die Kaori verschwunden war.


Als Kaori wieder am Haus ankam, in dem sich Chérie mit ihren Begleitern niedergelassen hatte, dachte sie schon sie müsse sich wieder mit diesen komischen Verehrern rumplagen. Was sie jedoch erwartete, war etwas ganz anderes. Ein Rotschopf, der ihr allzu bekannt vorkam, saß neben Lady Chérie und trank eine Tasse Tee mit ihr. Als die zwei ihr Eintreten bemerkten, wandten sie sich um und begrüßten sie.

"Da bist du ja, Kaori. Gerade rechtzeitig für den Tee." meinte Chérie, während sie eine weitere Tasse einschenkte und sie dann Kaori reichte.

Die andere Person hatte seine Tasse abgestellt und wandte sich nun an das verdutzte Mädchen.
"Yuri-heika macht sich schon Sorgen um euch, kleines Fräulein. Dass ihr aber auch einfach verschwinden müsst, nachdem wir euch wiedergefunden haben..." meinte Yosak mit verspieltem Ton.

"Ja, ich hätte auch nicht gedacht, dass ich gleich nochmal entführt werde." gab sie zurück, bevor sie an ihrem Tee nippte.

"Wie dem auch sei..." Sein Stuhl knartzte auf dem Boden, als er aufstand. "... Ihr solltet jetzt hier mit mir warten, bis seine Majestät eintrifft, um euch abzuholen."

Sie nickte nur, während Chérie dagegen protestierte und sie unbedingt weitermitnehmen wollte auf ihrer Reise nach freier Liebe.

"Ich warte lieber hier bis Yunii-chan kommt." sagte sie zu der nun niedergeschlagenen Dämonin, die sich dazu entschied ebenfalls auf den Dämonenkönig zu warten und dann erst weiterzusegeln.