20. Geschichtsstunde

Die Reise zurück nach Shin Makoku verlief ohne einen nennenswerten Zwischenfall, was, wenn man das Glück bedenkt, mit dem Yuri gesegnet wurde Gefahren anzulocken wie ein Magnet, ein kleines Wunder war. Jetzt, zurück im Schloss Ketsumei, saßen zwei Schwarzhaarige in der Bibliothek. Vor ihnen ein Stapel von verschiedensten Büchern und dahinter ein mehr als zufriedener Gunther.

„Hach... Mit was für einem Glück muss eine Person gesegnet sein, um nicht nur seinem König, sondern auch seiner jüngeren Schwester die Geschichte unseres großartigen Reiches beizubringen." waren Gunthers Worte, während er in seiner üblichen Wolke schwebte.

Auf der anderen Seite des Unterrichts gab es zwei Individuen, von denen eine ihren 'Lehrer' beobachtete, während der andere seinen Kopf gelangweilt abstützte und versuchte nicht einzuschlafen. Das letzte Mal als das passiert war, hatte er gefühlte Stunden gebraucht, um den aufgebrachten Gunther wieder zu beruhigen und dies wollte er nicht noch einmal wiederholen.

„Gunther-san, kann ich Sie etwas fragen?" fragte Kaori ihnen selbsternannten Lehrer. Dieser wandte sich mit leuchtenden Augen um und sah erfreut auf das schwarzhaarige Mädchen.

„Aber natürlich, Kaori-sama. Und Ihr müsst mich nicht siezen. Euer Rang ist als Schwester des amtierenden Dämonenkönigs höher als das meinige." meinte er nur.

„Verstehe..." sie machte sich in Gedanken eine Notiz Gunther zu einem späteren Zeitpunkt zu sagen, dass er nicht so förmlich mit ihr sein musste.

„Da der Grund für meinen Aufenthalt mit einer Erscheinung namens Soushu zu tun hat, wollte ich wissen was es damit auf sich hat. Bisher hat mir das noch niemand erklärt." sagte sie dem älteren Mazoku.

„Es freut mich, dass Ihr Euch für diese Geschichte interessiert und ich bin entsetzt, dass man sie Euch bisher vorenthalten hat. Nicht nur dass sie mit Eurer jetzigen Lage zu tun hat, nein, auch die Rolle die euer Bruder beim Sieg über Soushu gespielt hat, ist von historischer Wichtigkeit..." Gunther räusperte sich.

„Vor langer Zeit, noch bevor es Shin Makoku überhaupt gab, herrschte in dieser Welt der Krieg. Ein Krieg gegen einen Gegner, dessen Bezwingung unmöglich schien. Doch zu dieser Zeit erhob sich ein Mazoku. Er sammelte andere seines Volkes um sich, die bereit waren ihr Leben aufs Spiel zu setzten, um diesen Gegner zu bezwingen. Dies war Shinou, der erste Dämonenkönig und Gründer Shin Makokus. Der Feind wurde von allen Soushu genannt. Niemand wusste wer oder was er war, doch befehligte er eine Armee, die alles niederstreckten, was ihnen in den Weg kam. Nach langem und erschwerlichem Kampf gelang es Shinou Soushu in vier Laden zu versiegeln. Drei davon werden jetzt im Urtempel von Shinou-heika aufbewahrt. Erst vor ein paar Monaten tauchte die erste Lade nach mehreren Jahrtausenden wieder auf. In unserem Bestreben die Laden in Sicherheit zu wissen, machten wir uns auf die Suche nach ihnen und waren auch erfolgreich. Doch dann geschah etwas, dass niemand erwartet hätte. Um die Macht Soushus weiterhin in den Laden zu versiegeln, mussten wir ein Ritual ausüben, während dem seine Majestät Yuri-heika von Soushu in Besitz genommen wurde. Seine Majestät besiegte Soushu und entdeckte sogar was es war."

„Und was war Soushu?" fragte Kaori Gunther.

„Soushu, ein Wesen, dessen Ursprung uns bis zu jenem Zeitpunkt unbekannt war, entpuppte sich als eine Ansammlung all der negativen Emotionen, die sowohl Menschen als auch Mazoku verspüren."

„Hmm..."

„Wie dem auch sei, seine Majestät besiegte Soushu und kehrte dann auf die Erde zurück. Als Yuri-heika wieder in sein Reich zurückkehrte, musste er sich erneut einem Wesen entgegenstellen, welches Soushu ähnlich war. Auch gegen dieses ging er siegreich aus dem Kampf... Ach, Yuri-heika, welch strahlende Erscheinung und welche Stärke sich doch hinter eurer anmutigen Fassade verbirgt..." und hiermit schweifte Gunther von seiner kleinen Geschichtsstunde ab in seine kleine Welt der Wunder.

Kaori wandte ihren Blick von dem schwärmendem Lehrer zu ihrem Bruder, der kurz davor war ein Nickerchen zu machen.

„Ich wusste gar nicht, dass du so viel erlebt hast, Yurinii-san." meinte sie zu ihrem gähnenden Bruder, der sich seine Augen rieb.

„Hmm?..." war seine einzige Antwort. Kaori musste kichern. Egal was für großartige Sachen Yuri bewerkstelligte, er würde immer der 'etwas schwer von Begriff' Typ sein, den sie als Bruder kannte.

'Soushu... Wer auch immer hinter mir her ist, sie wollen einen weiteren Soushu erschaffen... und wahrscheinlich die Welt ins Chaos stürzen...' dachte sich Kaori mit einem Stirnrunzeln.


Yuri hatte eine Nachricht erhalten, dass der König von Shou Shimaron auf dem Weg nach Shin Makoku war. Er konnte es kaum erwarten Sara wiederzusehen. Das letzte Mal war nicht ganz so erfreulich gewesen mit dem ganzen Theater mit Alazon und dem heiligen Schwert, doch seitdem hatten sich die Wogen geglättet und nun baute sich sogar eine Freundschaft zwischen Shin Makoku und Shou Shimaron auf. Wenn diese zwei Länder er erreichten eine diplomatische Beziehung aufzunehmen, würden viele andere Länder unter der Herrschaft der Menschen folgen. Der Traum von Frieden zwischen Mensch und Mazoku würde in greifbare Nähe rücken. Und nicht nur zwischen Menschen und Mazoku, auch die Shinsoku würden in diesen Frieden mit eingeschlossen werden, da Sara schließlich zur Hälfte Shinzoku und Sohn der amtierenden Königin war.

„Ich freue mich Sara wiederzusehen. Es ist schon eine Weile her, nicht wahr, Conrad?" fragte der König seinen treuen Gefolgsmann und Paten.

„Ja, und dieses Mal müssen wir auch keine Sorge haben, dass er etwas geplant hat, Heika." erwiderte dieser.

„Erstens, Sara würde nie wieder so etwas machen wie mit dem heiligen Schwert. Schließlich sind wir Freunde. Und zweitens, du sollst mich doch 'Yuri' nennen, Nazukeyoya!" meinte Yuri.

„Natürlich,... Yuri." verbesserte sich Conrad daraufhin.

„Da fällt mir ein: Ich muss Kaori Sara vorstellen. Ich bin mir sicher, dass sie ihm über den Weg laufen wird, solange er hier ist."