24. Gefunden

Eine Kutsche fuhr an der Grenze von Shin Makoku entlang. Diese Kutsche wurde von einem bestimmten Menschenkönig besetzt, der sich den Kopf darüber zerbrach, wie er seinen Plan am besten umsetzen konnte. Sein Blick wandte sich nach draußen auf die Szenerie, die sich um ihn auftat, doch seine Gedanken waren ganz woanders.

„Berias." sagte er in sanftem Ton, woraufhin sein getreuer Bodyguard ans Fenster der Kutsche heranritt.

„Ja, Eure Majestät?" fragte dieser.

„Was wäre der beste Weg sich von Dai Shimaron zu trennen, ohne einen Krieg zu provozieren?" fragte Sara zurück.

Berias beobachtete das Gesicht seines Königs, bevor er antwortete:

„Das beste wäre Wohl eine Allianz mit einer ebenbürtigen Macht zu schließen."

Ein zustimmendes Summen kam zurück. „Genau. Und unter allen Königreichen wäre Shin Makoku die einzige Lösung."

„Ich bin mir sicher, dass seine Majestät der Dämonenkönig einer Allianz mit Shou Shimaron einwilligen wird." erwiderte Berias.

„Davon bin ich überzeugt. Aber Berias, ich denke nicht, dass ich mich jetzt das Recht habe nach einer Allianz zu fragen. Nicht nachdem was ich getan habe." entgegnete Sara seinem Onkel und Vertrauten mit ernster, niedergeschlagenen Stimme.

Für eine Weile herrschte Stille zwischen ihnen, bis Saras Stimme diese durchdrang.

„Deshalb muss ich Yuri, nein, dem Dämonenvolk zeigen, dass man mir trauen kann. Und was gäbe es für einen besseren Weg, als bei der Suche nach der Schwester des Dämonenkönigs zu helfen."

„Heika... Soweit ich weiß, haben sie Eure Hilfe abgelehnt."

„Das heißt aber nicht, dass ich nicht selbst eine Suche starten kann." erwiderte er mit einem kalkulierenden Lächeln.

Auf Berias Gesicht breitete sich ein warmes Lächeln aus, bevor ihn seine Instinkte anfingen Alarm zu schlagen.

Er wandte seinen Blick nach vorne und da stand eine Person mitten auf der Straße und machte keine Anstalten sich von seinem Platz zu bewegen. Berias befahl dem Kutscher anzuhalten, während er der Person entgegen ritt. Seine Instinkte sagten ihm, dass diese Person gefährlich war.

Als er nun mit seinen Pferd aus auf die verhüllte Gestalt herab sah und ihm befahl den Weg zu räumen, erklang aus Richtung der Kutsche das Wiehern der Kutschpferde. Berias wandte sich um und sah, wie vier weitere verhüllte Gestalten den Kutscher erstachen und sich daran machten, die Tür aufzureißen. Als er jedoch zurückreiten wollte, um seinem König zu helfen, griff ihn die erste Person an, sodass er keine andere Wahl hatte, als zuerst diesen auszuschalten.

„HEIKA!" schrie Berias in Richtung Kutsche, welche nun umgefallen auf der Seite lag.

„Mir geht es gut, Berias!" kam eine Antwort zurück. Ein kurzer Blick über seine Schulter und er sah, wie sich sein König und Neffe gegen die vier Angreifer verteidigte. Doch Berias wusste, dass obwohl Sara in der Lage war sich zu verteidigen, war er gegen vier Angreifer gleichzeitig unterlegen. Doch egal wie sehr er versuchte seinen Gegner auszuschalten, es gelang ihm nicht einen Treffer zu landen. Sein Gegenüber wich jedem Schwerthieb aus, indem er sich duckte, zur Seite bewegte oder über die Klinge sprang, während er gleichzeitig seine eigenen Angriffe ausführte.

'Er ist gut..."

So tief in sein Duell versunken, bemerkte er nicht die Person, die sich von hinten an ihn heranschlich.

„BERIAS!" erklang der Schrei seiner Majestät, welchen ihn dazu brachte sich umzudrehen. Nur knapp konnte er dem Angriff ausweichen, der ihn mit Sicherheit getötet hätte, hätte er sein Ziel nicht um Haaresbreite verfehlt.

Er sah zu seinem König hinüber und bemerkte wie erschöpft dieser war, doch er musste erst seine zwei Gegner aus dem Weg räumen.

Mit einem Klirren flog ein Schwert zu Boden, gefolgt von einem dumpfen Aufprall. Erneut sah Berias zu seinem König und erstarrte beim Anblick, der sich ihm bot.

Sara lag am Boden, bewusstlos, seine Angreifen über ihm. Abgelenkt von diesem Anblick gab er seinen Gegnern die Gelegenheit ihn anzugreifen.

Ein Schlag traf ihn am Kopf und er ging zu Boden. Ein weiterer Hieb traf ihn an seiner linken Seite, während er fiel und ein stechender Schmerz durchdrang sein rechtes Bein, als einer der Zwei seine Klinge in dieses rammte.

Danach ließen sie von ihm ab und gingen zu ihren Gefährten, die sich daran gemacht hatten den König von Shou Shimaron aufzusammeln, zu knebeln und davon zu transportieren.

Alles was Berias noch tun konnte, war zuzusehen wie diese Gestalten mit seinem Neffen verschwanden, bevor er das Bewusstsein verlor.


„Alles ist vorbereitet, wie ihr es wolltet, Soushu-sama." informierte Kyofu seinen Gott, welcher auf seinem Thron saß und gelangweilt in den Raum starrte.

„..."

„Soushu-sama?"

„... Es ist so ruhig... Das gefällt mir..." sagte Soushu ohne auf Kyofu zu achten. Ein diabolisches Lächeln breitete sich auf Soushus Gesicht aus, welches Kyofu vor Angst erstarren ließ.

Aus dem Gang ertönten Schritte, die sich dem Saal näherten, in dem sich Meister und Untertan aufhielten. Die schweren Türen zu diesem Saal öffneten sich und legten die Sicht frei auf eine Gruppe, in deren Mitte ein junger, blonder Mann lief, der durch Ketten davon abgehalten wird zu fliehen.

„Wie ich sehe war euer Auftrag erfolgreich, Akuto." sprach Kyofu den Führer der Gruppe an.

Dieser kniete sich auf ein Bein und erstatte seinem Herrn Bericht über den Angriff auf den König von Shou Shimaron, die Überwältigung seiner Leibwache und die Gefangennahme besagten Königs.

„Gut gemacht."

„Was wollt ihr von mir?" fragte Sara, der den Austausch zwischen den zwei dubiosen Gestalten verfolgt hatte. Auf seine Frage hin wandte sich Kyofus Blick auf den gefangenen König.

„Nun, Sararegi-heika, wenn Eure Hoheit unbedingt wissen wollt, warum wir Euch entführt und hierher gebracht haben, so will ich Euch diese Information nicht vorenthalten. Das Wissen darüber wird Euch schließlich nicht helfen von hier zu entkommen." mit einem dunklen, breiten Grinsen auf dem Gesicht antwortete Kyofu auf die Frage. Saras Augen weiteten sich als ihm die Pläne dieser Gruppe offenbart wurde. Er war dabei, als eine der vier Kisten, Chi no Hate (Das Ende der Erde), geöffnet wurde und ein großes Erdbeben die nahe Gegend zerstörte. Wenn diese Gruppe es nun schaffte Soushu zurückzuholen und ihm einen Körper zur Verfügung stellten, in dem es existieren konnte, dann wäre die Welt wirklich verloren.

„Ich denke kaum, dass jemand genug magische Kraft in sich trägt, um etwas so mächtiges wie Soushu zu beherbergen, abgesehen vom Dämonenkönig, an den ihr nicht herankommen werdet. Und wenn ihr denkt, dass mein Körper geeignet für dieses Unterfangen ist, dann muss ich euch leider enttäuschen. Ich besitze zwar magische Kräfte, doch reichen diese lange nicht an das heran, was ihr für euren Plan benötigt." meinte Sara mit ernstem Tonfall und einem Blick, den manchen Soldaten zum Erstarren bringen könnte.

Was Sara jedoch nicht erwartete hätte war die Reaktion seiner Entführer.

Sie lachten.

„Was ist so lustig?" fragte er finster.

Kyofu sah Sara mit einem belustigten Blick an, als hätte er gerade den besten Witz der Welt gehört.

„Wisst Ihr, Sararegi-heika" das 'heika' klang eher spöttisch als ernst gemeint, „wir benötigen keinen Körper mehr für unseren Plan. Denn wir haben bereits einen kompatiblen gefunden. Es ist wahr, dass wir nur jemanden mit großen magischen Kapazitäten als Kandidat für unseren Herrn und Meister verwenden können und es ist auch wahr, dass diese Person mindesten so viel Magie besitzen sollte wie der jetzige Dämonenkönig. Aber wer sagte denn je etwas, dass es eben dieser sein muss? Nein, wir haben eine viel passendere Person gefunden, die nicht nur unseren Meister beherbergen kann, sondern gleichzeitig eine Durchkreuzung unserer Pläne unmöglich macht." erklärte Kyofu und sah danach voller Ehrfurcht zum eisernen Thron hinauf.

Soushu, der bisher alles leise aus den Schatten heraus beobachtet hatte, blickte herab auf den Menschenkönig, in dessen Adern auch das Blut der Shinzoku in sich trug. Er erhob sich und stieg die Stufen herab, um Auge in Auge mit Sara zu stehen. Als sein Gesicht aus den Schatten ins dumpfe Licht der untergehenden Sonne trat, hörte er wie sein gegenüber vor Erstaunen die Augen weitete.

„Kaori?"

Ein süßes Lächeln machte sich auf dem Gesicht des jungen Mädchens breit, welches nur einige Centimeter vor Sara entfernt stehen blieb.

„Es ist schön dich wiederzusehen, Sararegi-heika." ertönte die Begrüßung Kaoris.

Saras geweitete Augen verengten sich zu einem bösen Blick, der das Mädchen vor sich zu durchbohren drohte.

„Wer bist du?" fragte er er düster.

Ein grauenhaftes Lachen entwich den Lippen des Mädchens, das er erst vor kurzem kennengelernt hatte.

„Wirklich? Nach all den Enthüllungen kannst du dir nicht denken wer ich bin? Ich bin enttäuscht." erklang die spöttische Antwort.

„Sou...shu...? Unmöglich..."

„Nicht unmöglich, wie man sehen kann. Ich muss schon sagen, dieser Körper ist hervorragend, auch wenn ich das andere Geschlecht bevorzugt hätte."

„Zuerst wollten wir deinen Körper benutzten, um mich in diese Welt zurückzuholen, doch dann machten wir die Entdeckung, dass unser geliebter Dämonenkönig eine kleine Schwester hat, die über noch größere magische Kräfte verfügt als er. Und warum sollten wir uns nicht eine kleine Rache gönnen, nachdem was er uns angetan hat." erklärte Soushu dem verblüfften König.

Nachdem Sara keine Antwort gab, streckte sich Soushu, da er in Kaoris Körper kleiner war als Sara selbst, um direkt in sein Gesicht zu sehen.

„Hat es dir jetzt die Sprache verschlagen?"

Sara starrte unbeirrt in Kaoris Gesicht, das von der diabolischen Visage Soushus bedeckt war.

„Ich glaube nicht dass du die komplette Kontrolle über diesen Körper hast. Dafür bist du viel zu schwach, Soushu." sagte Sara direkt in sein Gesicht, das sich daraufhin zu einer schrecklichen Grimasse verzog.

„ 'Nicht dir komplette Kontrolle' meinst du..." Soushu streckte seinen Arm nach dem Hals Sararegis aus und umschlang diesen mit seiner Hand, wie eine Boa constrictor seine Beute.

„Und wer hat jetzt hier nicht die komplette Kontrolle?" fragte Soushu belustigt, während er zusah wie Sara allmählich die Luft ausging.

Plötzlich erstarrte sein Körper und fing an unkontrolliert zu zittern.

„Wa... was...?" waren das einzige Wort, das Soushu sagen konnte, bevor sich seine Hand gegen seinen Willen öffnete und so Sara ermöglichte nach Luft zu schnappen.

„Siehst du... sagte ich doch..." keuchte Sara hervor.

„Das ist nicht möglich... Ihr Bewusstsein sollte doch schlafen und dann ganz verschwinden..." sagte Soushu erstaunt.

„Wenn ich eins gelernt habe, dann dass man Yuri niemals unterschätzen sollte und als seine Schwester wird sie die gleiche Starrköpfigkeit haben wie ihr Bruder." meinte Sara zufrieden.

Soushu wandte sich ab und erstieg die Stufen zu seinem Thron. Dunkle Gedanken schwirrten in seinem Kopf umher, als er plötzlich wie angewurzelt stehen blieb und sich langsam zurück zu Sara drehte. Seine Sicht verschwamm und er fühlte sich, als würde jemand versuchen ihn zurückzudrängen. Da traf es ihn wie der Blitz:

Kaori wehrte sich.

Sie versuchte wieder an die Oberfläche zu kommen und ihn aus ihrem Körper zu drängen.

Ihre Hände flogen an ihren Kopf und hielten ihn fest, als hätte sie Kopfschmerzen. Immer wieder schüttelte sie sich, um unter Kontrolle zu bleiben.

„... Nei..n du wirst nicht...Sa...Nein...ra..."

Sara beobachtete das Spektakel vor seinen Augen. Auch er hatte gemerkt, dass sich Kaori gegen Soushu wehrte und wie es aussah, hatte sie Erfolg dabei.

„Kaori!" rief er.

„Sa...ra" kam es schwach zurück. Ein Blick in ihre Augen und er wusste, dass es wirklich Kaori war, die jetzt mir ihm sprach.

„Kaori." sagte er erleichtert.

„Sara... ich... kann nicht..."

„Nein, du kannst. Du darfst ihm nicht die Kontrolle überlassen, hast du mich verstanden?" rief er zurück.

„..."

„Kaori!"

„...Sa...ra... es tut... mir Leid..."

„Kaori? Kaori!" diesmal war seine Stimme voller Verzweiflung und Sorge.

Mit schwerem Atem richtete sich ihr Körper auf. Als sich ihr Blick wieder auf Sara richtete, war dieser bestürzt.

„Ich hätte nicht gedacht, dass sie noch so viel Widerstand leisten kann." meinte Soushu zwischen seinen tiefen Atemzügen. Er blickte auf den Halb-Shinzoku und mit einer abfälligen Bewegung der Hand gab er den Befehl ihn in den Kerker zu werfen.

„Ich bin mir zwar nicht sicher, aber deine Anwesenheit scheint ihr die nötige Motivation zu geben sich zu wehren." er wandte sich ab und lief den restlichen Weg zu seinem Thron. Er setzte sich und sah zu wie der König unter Protest und Gegenwehr aus dem Saal entfernt wurde.

Als die Türen sich schlossen, entschuldigte sich Kyofu für die Unannehmlichkeiten, die ihr Gefangener ihm bereitet hatte doch diese wurde ignoriert. Mit einem kurzen verbalen Befehl, dass alle den Saal verlassen sollten, verzogen sich auch die restlichen Personen aus seiner Gegenwart.

Als Soushu nun so dasaß, alleine in seinem Saal, fragte er sich warum er nicht die sofortige Hinrichtung von Sararegi, König von Shou Shimaron befohlen hatte.