TERRA NOVA

Of Daughters

5. Instinkte II

~Nathalia~

Sie stand auf, ging zur Tür und schaute durch den Spion, den Taylor erst vor wenigen Tagen angebracht hatte. Es war Jayce, ein wenig verwundert öffnete sie ihm und vernahm sofort das laute Kreischen und das flatternd von einem Aderdutzend Flügeln. „Das klingt hier drin gleich so viel harmloser," sagte sie leise und schloss die Tür. „Was machst du hier?"

„Darf ich dir Gesellschaft leisten?"

„Und dein... Job?"

„Nicht heute Abend, dein Vater hat genug Leute."

„Gib es zu, er hat dich hergeschickt."

„Zum Teil, er wollte wissen, welche Absichten ich in Bezug auf dich hege."

Wash! Durchfuhr es sie, doch schon im nächsten Moment besann sie sich eines besseren. Nein, er hatte gewusst, das es jemanden gab. Sie setzte sich wieder an den Tisch und musterte ihn. „Was... was hast du gesagt?"

„Was denkst du?" Fragte er sie ruhig.

Nathalia verspürte gleichermaßen den Wunsch ihn sofort in den Arm zu nehmen, wie ihn hinauszuwerfen und ihren Vater gleich mit. Also schwieg sie lieber und wartete. Immerhin hatte sie noch keine Antwort. Sie verschränkte die Arme und sah ihn weiter an.

~Jayce~

Jayce seufzte und beugte sich ein wenig vor. „Ich habe ihm gesagt, das ich mich um dich bemühe. Ich... ich denke er... ist tatsächlich einverstanden."

Sie hob die Brauen. Er stand auf und setzte sich neben sie, sah sie ihn ernst an. „Ich bleibe bei dem was ich dir gesagt habe, im MedCenter."

„Aber... warum?" Hauchte sie und starrte ihn an. Es schien fast als traue sie sich selber nicht über den Weg ihn länger anzusehen. Er schmunzelte. „Weil ich dich wirklich lieb hab."

„Du kennst mich gar nicht," flüsterte sie und rückte von ihm weg.

„Doch, du bist nachdenklich, eher ruhig, aber ich wette du kannst auch genau das Gegenteil sein, manchmal bist du impulsiv, aber nur für einen Moment. Du bist zurückhaltend, machst dir Sorgen, was die anderen denken, aber das musst du gar nicht, ehrlich. Du bist wirklich hübsch und schlau. Wenn... wenn du nur nicht immerzu so traurig und verschlossen wärest."

„Das... bin ich nicht," fuhr sie auf, „ich..." sie zuckte zusammen und starrte hinauf zum Dach. Lautes Gekreische drang von dort zu ihnen herein, lautes Rauschen und ein Geräusch, als schlug fortwährend etwas gegen das Dach und die Wände. „Das... das hält doch, oder?"

„Sicher," antwortete, er sah sich um und verriegelte die Fenster vollends mit den Holzfenstern. „Lange... genug."

„Ich... ich fühle mich wie eine Maus im Käfig und der Deckel wird undicht, unter einem Schwarm von Habichten."

„Du musst keine Angst haben, sie..."

„JAYCE!" Kreischte sie und duckte sich vor ihm, als aus dem Lüftungsrohr, das plötzlich offen war, zwei Kreaturen herausschossen. Eine erschoss er, der anderen schlug er sein Gewehr entgegen und sie trudelte zu Boden, doch schon hörten sie noch mehr in der Lüftung.

~Nathalia~

Er packte ihren Arm und zog sie mit sich in einen der Nebenräume. Während er die Tür verriegelte hockte sie sich auf das Bett und zog die Beine an. „Ich... denke die kommen hier nicht... rein..." Sie sah ängstlich durch die Kunststoffmilchscheiben und krallte die Hand in die Laken. Er sicherte seine Waffe und setzte sich neben sie. Sie zitterte. „Komm her, ist dir kalt?"

„Nein."

„Aber du zitterst."

„Ich... hab... Angst, was wenn sie doch auch hier reinkommen und..."

„Das werden sie nicht, ich bin sicher, dein Vater und Dr. Shannon gelingt es jeden Moment sie hier fort zu locken und dann ist der Spuk vorbei."

Draußen krachte etwas laut zu Boden, sie schrie erschrocken auf, und packte seine Hand.

„He, schon gut." Beruhigend strich sein Daumen über ihre Hand und seine, über ihren Rücken. Sie schloss die Augen und versuchte sich, auf ihren Atem zu konzentrieren.

Als ihr klar wurde, was sie da machte ließ sie Jayce verlegen los und stand auf, draußen, vor der Tür wurde es verdächtig ruhig. Sie sah Jayce fragend an. „Vorbei?"

„Wir warten noch etwas, zur... Sicherheit." Sie seufzte und nickte.

Eine halbe Stunde später ging Jayce vor und schaute sich um, einen Moment später winkte er ihr, auch zu kommen. Sie sah sich fassungslos um, soviel Chaos. Sie seufzte, bückte sich und begann aufzuräumen. Doch als sie die Tür zum Mülleimer ganz öffnen wollte, wich sie mit einem Aufschrei zurück. Sofort war er neben ihr, ein gezielter Schuss und die Kreatur sank zu Boden. Sie schüttelte nach Luft ringend den Kopf. „Ich... ich kann sicher nicht schlafen, die Dinger werden mich verfolgen." sie lehnte sich an den Küchentresen und ging dann zum Polstermöbel, setzte sich.

xXx

~Taylor~

Der Wagen kippte bedrohlich, als sie kurz hinter Terra Nova mitten durch ein Schlagloch fuhren. Jim fluchte und fragte ihn schreiend, ob er noch richtig ticke und sie tauschen wollten. Taylor lachte auf, lehnte ab und gab noch mehr Gas. „Die Schweiß Dinger folgen uns, perfekt."

„Sehen Sie doch bitte nach vorne, ja? Da unten ist der weg in die Schlucht!"

„Shannon, ich kenne diesen Ort wie meine Westentasche."

Nach weiteren zehn Minuten Verfolgung durch die aggressiven Flugsaurier, rumpelte der Rover ins Tal. Taylor warf einen Blick nach hinten. „Bereit?"

„Meine Finger zu verlieren?" Fragte Jim Shannon sarkastisch und schüttelte den Kopf. „Nein."

„Also gut, bei drei. Fertig?"

„Machen Sie schon Taylor!" Schimpfte der Cop. Taylor grinste und freute sich diebisch die rasante Fahrt gleich zurück fortführen zu können. Immerhin hatten sie die Biester von der Kolonie wegbekommen. Er bremste ein wenig ab. Hinter ihm, im hinteren Teil des Fahrzeugs schimpfte und fluchte Shannon weiter vor sich hin, während er die Gurte löste und die Viecher ihm auf die Hände einhackten. Dann mit einem lauten Klasch und Pong, fiel der Kanister vom Dach, zwei Schläge und die Dachluken waren wieder zu, Shannon kroch neben ihm nach vorne ins Fahrzeug und hielt sich fest. „Jetzt, fahren Sie schon!"

Taylor grinste und drückte das Gas erneut durch, machte eine Scharfe Kehre und sie ließen den Kanister mit den Pheromonen hinter sich. Fast sofort brach hinter ihnen ein Ohrenbetäubender Krach los. Er sah nach hinten zu Shannon. „Und wir dachten ihr Angriff ist laut."

„Tja, da haben wir uns eben getäuscht."

„Haben wir wohl," Taylor nickte und drosselte das Tempo, als sie an den Fluss kamen. „Oh und... danke nochmal."

„Was? Wofür denn?"

„Ich habe mit Valine gesprochen."

„Oh und?"

„Ich denke... er wird sich in Acht nehmen."

Shannon lachte und nickte. „Oh, da bin ich mir sicher. Aber... Sie haben ihn nicht zu sehr verschreckt?"

„Ich denke nicht, er ist jetzt mit ihr in meinem Haus."

„Allein? Erst nicht und dann soviel Vertrauen?"

Taylor zuckte die Achseln und hielt oberhalb des Tales an. Sie schauten beide durch die vorderen Scheiben hinunter auf die kreischenden Tiere. „Ihre Frau hat nicht ganz unrecht," beantwortete er Shannons Frage, „sie wird vorsichtig sein, sie hat zu viel Angst verletzt zu werden, eigentlich... zu viel sogar. Fahren wir zurück?"

Jim nickte und Taylor fuhr wieder los.

xXx

~Nathalia~

Sie gähnte und sah auf die Uhr. „Ich gehe wohl besser ins Bett. Danke Jayce."

„Warte." Er sah sie ruhig an, fragend. „Darf ich wiederkommen? Morgen Mittag vielleicht? Wir könnten auf dem Markt etwas essen."

Sie schien nachdenklich, unsicher, doch sie nickte, lächelte sogar zaghaft. „Ich bin aber bis Mittags im MedCenter."

„Dann hole ich dich dort ab. Gute Nacht."

„Nacht," sie gähnte erneut und stand mit einem Ruck auf, machte einen Schritt...

Nathalia merkte sofort, das es eine dumme Idee gewesen war mit einem Ruck aufzustehen und tastete hinter sich, doch sie bekam nichts zu packen. Im nächsten Moment als sie schon glaubte einfach zu fallen, fassten zwei Arme nach ihr und dann stand er hinter ihr. Sie spürte deutlich seine Wärme durch ihre Sommerkleidung und seinen Atem auf ihrem Haar. Sie bemühte sich ihren Kreislauf wieder zu beruhigen und atmete konzentriert tief ein und aus. Dr. Shannon hatte ihr dazu geraten, sollte ihr schwindelig sein, kein Patentrezept aber Besserung.

Sie nahm seine Wärme an ihren Armen wahr, wo sich Haut und Haut berührten, konnte seinen durch trainierten Body hinter sich spüren. Sie fühlte sich seltsam sicher, obgleich der Schwindel anhielt und ihre Beine weich wie Gummi waren. Mit jedem Atemzug nahm sie seinen Geruch deutlicher wahr. Er roch nach Moschus und dem Leder seiner Trainingssachen. Er... riecht gut..

Eine Hand verschwand von ihrer Seite und Instinktiv versuchte sie nach ihm zu greifen, aus Angst zu fallen, noch immer tanzten schwarze Flecken vor ihren Augen. Im nächsten Moment aber hatte er sie hochgehoben und trug sie durch den Raum. Sie schloss die Augen und lehnte den Kopf an seine Brust. In ihrem inneren nahm dieses eine, noch unbestimmte Gefühl zu.

X

~Jayce~

Er hob sie hoch und brachte sie hinüber in ihr Zimmer. Auf dem kurzen Weg dahin legte sie ihren Kopf an seine Brust und schloss die Augen. Er spürte wie sie sich entspannte und lächelte. Ihm gefiel dieses Gefühl sie zu halten und zu merken, wie sie sich entspannte, sicher fühlte. Er blieb einen Moment vor ihrem Bett stehen, ehe er sie hinein legte. Sie blinzelte und drehte sich auf die Seite. Der Anflug eines Lächelns stahl sich in ihre Züge. „Ich... habe noch Durst, kan..."

„Warte, ich hole dir etwas." Er stand auf und blieb Augenblicke später ein wenig enttäuscht in der Tür ihres Zimmers stehen, die Flasche in der Hand. Sie war tatsächlich eingeschlafen. Er schlich sich rein, stellte die Flasche neben ihr Bett und deaktivierte das Licht, ehe er sie alleine ließ.

Für einen Moment beobachtete er sie noch, wie sie da so lag und friedlich schlief, schließlich aber wandte er sich ab und begann aufzuräumen.

Er war fast fertig, als er ein leises Geräusch aus ihrer Richtung vernahm und nachsehen ging. Sie drehte sich ruckartig herum und während er noch überlegte, ob er sie wecken sollte, begann sie zu schreien. Rasch überbrückte er die fehlenden zwei Meter, setzte sich auf ihr Bett und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Nathalia. Komm wach auf, du..."

NEIN!"

Sie saß steif im Bett, dann sah sie ihn, Tränen liefen ihr über das Gesicht. Sie schien zu brauchen um ihn zu erkennen. Dann aber sah sie ihn nur einen winzigen Moment lang an, ehe sie sich gegen ihn warf und laut zu schluchtzen begann. Jayce legte seine Arme um sie und strich ihr über die Schulter. „Hey... es ist gut. Nicht weinen. Alles kommt in Ordnung."

Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich beruhigt hatte und zu ihm aufsah, jetzt war sie wieder verlegen. Er schüttelte den Kopf und lächelte. „Schon okay, es ist okay."

Sie nickte und legte sich mit dem Kopf auf seine Knie. „Hast... hast du einen von ihnen gesehen? Nach... nach ihrem Tot?"

„Wen?" Fragte er ruhig und begann sie wieder leicht zu streicheln. Sie zitterte schon wieder. „Deine... Geschwister, oder Eltern, oder... einen Freund? Ich... ich habe meine beste Freundin gefunden, sie... sie hat sich... die Gelenke aufgeschnitten."

„Du hast davon geträumt."

Sie nickte und schluckte, drückte die Hand auf ihre Augen. Er seufzte und nahm ihr die Hand vom Gesicht. „Nein, ich habe sie nicht gesehen und... hatte immer Angst davor einen meiner Freunde zu finden, nachdem sich einer vor die Bahn geworfen hatte."

Er seufzte und fasste ihren Oberarm, schob sie in eine aufrechte Position. „Komm jetzt, versuch noch etwas zu schlafen."

„Ich... ich kann nicht, sicher sehe ich sie nur wieder vor mir, oder... Mum, diese Viecher." Sie schüttelte sich und rieb sich fröstelnd die Arme.

„Los, leg dich unter die Decke," sagte er bittend und legte seine Waffe weg, zog die Schuhe aus. Sie starrte ihn an. „Was hast du vor?"

Er lächelte breit. „Na, auf meinen Knien schien es dir doch zu gefallen, oder?" Fragte er, und umrundete das Bett, er legte sich hinter sie, seitlich auf das Bett und sah sie ruhig an. „Soll ich gehen?"

Sie zögerte kurz, dann aber schüttelte sie den Kopf. „Nein." Sie legte sich hin und rückte noch näher zu ihm, bis sie ihn berührte dann schloss sie ihre Augen, riss sie aber gleich wieder auf. „Ich... ich kann nicht."

„Natürlich," flüsterte er und beugte sich vor, küsste ihre Schläfe. „Mach die Augen zu."

Sie seufzte, kniff die Augen zu. „Entspann dich, versuche es, denk... an das Meer, den klaren Himmel," sagte er und strich ihr leicht über den Rücken, ihre Muskeln zuckten, aber im nächsten Moment entspannte sie sich. Es dauerte nur wenige Minuten bis ihr Atem gleichmäßiger wurde, sie war eingeschlafen. Er lächelte und machte Anstalten aufzustehen, als sie sich in seinen Arm hinein drehte. Zögernd musterte er sie, dann entschied er doch aufzustehen.

Er kam nicht weit, mit diesem Vorhaben, sie nahm seine Hand. „hiirbleiwen," nuschelte sie und lehnte sich bei ihm an. Er seufzte und legte sich bequem hinter sie.

xXx

~Taylor~

Taylor war nachdem jetzt alles erledigt war, wirklich müde und froh auch endlich ins Bett zu kommen. Er gab das Kommando an Ricco ab und verabschiedete sich für die Nacht. Auf seinem Weg in den Bungalow, bot sich überall ein Bild von Chaos, als sei ein Orkan durch die Siedlung gefegt. Er seufzte und lief schneller. Auch an seinem Haus gab es deutliche Kratzspuren der Krallen und kaputte Gitter der Belüftung lagen auf dem Boden. In diesem Moment war er erleichtert, auf dem Rückweg bei Valine nach dem rechten gefragt zu haben. Um so besorgter war er nun, als er im Haus niemanden sah. Leise folgte er dem Licht in ihr Zimmer.

Nathalia lag unter ihrer Decke und dahinter lag sein Soldat. Sein Mann, im Bett seiner Tochter. Er öffnete den Mund, als sein Blick das Gesicht seiner Tochter streifte, sie schlief ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. Seine Miene hingegen war neutral, seine Haltung vermittelte bei genauer Betrachtung eher jener die er einmal selbst oft angenommen hatte, wenn sein Sohn nachts Angst gehabt hatte. Er löschte das Licht und zog sich in sein eigenes Zimmer zurück.

xXx

~Jayce~

Das er neben sich jemanden spürte und atmen hörte hielt er zunächst noch für einen Traum und lächelte, er atmete tief ein...

Der Geruch von Lavendel und Rose stieg ihm in die Nase. Auf Schlag war er hellwach und mit einem schnellen Ruck stand er neben ihrem Bett. Er trat leise um das Bett herum, nahm lautlos seine Waffe und schlich hinaus. Er war schon fast an der Tür und nahm dies mit Erleichterung zur Kenntnis, als...

„Wenn ich Sie noch einmal im Bette meiner Tochter erwischen, vor der Hochzeit, so hoffe ich, dass die Situation ebenso unverfänglich sein wird wie heute Nacht."

Er wirbelte herum, starrte den Commander an und nickte rasch. „Jawohl Sir." Brachte er mühsam heraus und warf einen flüchtigen Seitenblick auf die Tür. „Geh nur, na los, verschwinde!" Rief ihm der Ältere entgegen und Jayce sah zu, dass er zu den Baracken kam.

X

~Taylor~

„Was... ist hier los?"

Er stand auf und ging seiner gähnenden Tochter entgegen. „Hey, alles klar bei dir? Konntest du schlafen?"

„Nach dem ganzen Lärm und..." Sie sah schnell zur Seite und wandte sich ab, „...egal."

„Nach dem er auf deinem Bett lag?"

„Woher..."

Er lächelte und sah sie ruhig an. „Er ging eben erst."

„Oh..." Sie wurde ein wenig rot, wirkte schuldbewusst und zugleich besorgt. Im nächsten Moment schon blickte sie ihn entschlossen an. „Es... es war nicht seine Schuld, er..."

„Weißt du, ich habe in den letzten Tagen sehr oft und lange darüber nachgedacht, wie ich dazu stehen soll, das dich einer meiner Männer mag, ganz gleich, wie du dazu stehst und noch mehr als dass ich dann wusste, das du es ähnlich sehen könntest." Er seufzte und drehte sie an den Schultern zu sich herum, hielt sie weiter fest, als er wieder sprach, „Doch dann dachte ich mir, dass es wohl wenig Sinn macht, dir etwas zu verbieten, oder begrenzen, das du bereits erfahren hast."

X

~Nathalia~

„Du heißt es nicht gut." Sagte sie und sah rasch zu Boden, schloss ihre Augen. Sie hatte es schon eine ganze Weile geahnt, wie er sie beobachtete, oder manchmal ansah. Nur weil er es bisher nicht benannt hatte, bedeutete das schließlich nicht, das er es nie tat.

Er nahm ihr Kinn und hob ihren Kopf hoch. „Nathalia, sieh mich bitte an."

Sie seufzte und hob blinzelnd den Blick, sie fürchtete sich und doch tat sie wie ihr geheißen wurde. Da war wieder diese Wärme in seiner Stimme. „Nathalia, du bist meine Tochter, erst fünfzehn, ich würde lügen, wenn ich sagte, ich freue mich, das du jetzt schon Mutter wirst. Versteh doch, ein Kind... braucht soviel und verändert alles, ich... ich wünschte einfach wir hätten uns hier in Ruhe kennenlernen können und du... zumindest noch ein bisschen deine Jugend genießen können."

Er strich ihr das Haar aus der Stirn. „Du wirst ihn nicht umbringen, wenn er sich traut noch mal mit mir zu reden, oder herzukommen?"

„Nein. Aber... lasst euch Zeit."

Sie nickte und im nächsten Moment umarmte sie ihn.

X

~Taylor~

An diesem Vormittag nahm er sich alle Zeit für seine Tochter. Er wollte es, wusste auch er konnte seinen Leute Vertrauen und außerdem war es die Gelegenheit sich von allen Pflichten und Augen entfernt zu unterhalten. So saßen sie wenige Stunden später, draußen auf einer Wiese zwischen den Obstbäumen und genossen die Ruhe. Sie erzählte von ihrer Mutter, dem Leben in der Kuppelstadt und wie sehr sie sich gewünscht hatte einmal eine gesunde Wiese, klaren Himmel und fließendes, sauberes Wasser zu sehen. „...Mum...Mum hätte es hier sicherlich gefallen..." Als sie ihren Blick auf die Umgebung richtete, legte er eine Hand, auf ihre. „Ganz bestimmt."

Sie seufzte, lehnte sich bei ihm an und er strich ihr über den Unterarm. „Hatte deine Mutter je, einen... Freund?"

„Du meinst so richtig Freund? Nein. Sie sagte sie habe einmal geliebt, das habe nicht sein sollen und einen anderen würde es nie geben."

Plötzlich drehte sie sich in seinen Armen um und musterte ihn genau. Sie sah nachdenklich aus, ein wenig unsicher vielleicht, in jedem Fall fragend. Er musterte sie forschend, sie aber sah hinunter auf seine Hand, mit der er sich vor ihren Knien auf der Decke abstützte. Dann fuhren zwei Finger langsam seinen Handrücken entlang. „So stark und... so... anders, was ist mit dir? Wollte dich nie jemand?" Fragte sie.

Überrascht blickte er auf seine Tochter hinunter. Das war nicht das Gespräch, dass er mit ihr hatte führen wollen. Anderseits hätte es ihm wohl einfallen sollen, das sie die gleichen Fragen an ihn würde stellen können, sogar sehr wahrscheinlich. Er sah sie fest an und schüttelte den Kopf. „Vor... vor Jahren habe ich einmal beinahe alles hingeworfen, da war jemand, aber.. zwischen uns stand immer das Militär, die Pflicht, das Verbot, es kam nie noch ein Leben anderer Art, als ich das begriff, da... ging ich wieder in den Dienst und... landete hier."

Nachdenklich musterte sie ihn und stand wortlos auf. Verwundert schaute er ihr nach. Sie lächelte auf ihn hinab und deutete zurück zur Siedlung. „Weißt du... du solltest es ihr sagen, weil... sie mag dich wirklich, Wash. Ich meine... hier gibt es kein Militärgericht, oder?"

Nathalia drehte sich herum und ging, ließ ihn alleine und verblüfft zurück.

X

Es waren Stunden vergangen, seitdem seine Tochter ihn alleine gelassen hatte und die hatte er mit stillem Nachdenken über die letzten Jahre nachgedacht. Auch Nathalia hatte in diesen teils trüben Gedanken eine Rolle gespielt, ebenso Lucas, Skye und die ihre Mütter. Jede Entscheidung der letzten Jahre hatte er sich noch mal betrachtet. Jetzt war er sich sicher, was er zu tuen gedachte und so ging er in seinen Kommandostand und schmiss Renley hinaus, schob den Riegel an die Tür.

„Wash, wir müssen reden!"

X

~Wash~

Sie starrte Taylor an, blickte dem Untergebenen nach und zurück zu ihrem Vorgesetzten. Eilig ging sie ihre Entscheidungen der letzten Stunden durch und überlegte, was sie vergessen haben konnte. Ihr fiel nichts ein, also gab sie ihm lediglich einen verwunderten, fragenden Blick. „Worüber?"

„Darüber, das du mir nicht alles erzählt hast, was du mit meiner Tochter besprochen hast zum Beispiel? Was verheimlichst du mir noch?"

„Nichts, jedenfalls nichts das mit unsere Arbeit zu tuen hat und deiner Tochter gab ich mein Ehrenwort. Ihr Vertrauen war mir wichtig und du wolltest das wir reden, oder nicht?"

Er nickte und musterte Wash eingehender, nahm jede ihrer Reaktionen genau zur Kenntnis.

„Nun... vielleicht... hättest du ihr das Gleiche Versprechen abnehmen sollen?" Verwirrt sah sie ihm entgegen, er kam näher. „Anderseits, was es wohl ganz gut, das du es nicht getan hast, denn.. jetzt weiß ich, das..." Nun stand er vor ihr, ganz dicht, viel näher als gewöhnlich. Was sollte das? Was wollte er, worum ging es genau?

„... du einer bestimmten Sache gegenüber... vielleicht nicht so abgeneigt bist, was meinst du? Könnte..."

Er griff nach ihrem Kinn, mit Daumen und Zeigefinger, hob es an, ihre Blicke trafen sich. Verdammt, so nah? Sie spürte seinen Atem in ihrem Gesicht und war sich nur noch in einem gewiss: Flucht! Gleich! Doch noch ehe sie reagieren konnte beugte er sich vor und seine Lippen umschlossen ihre. Nur ganz kurz wie ein Hauch, dann sah er sie an. „Na... könnte dir das gefallen?"

„Nathaniel, nicht," sie legte ihm rasch einen Finger auf den Mund und schüttelte den Kopf, wich zurück. „Das können wir nicht, das..."

Er aber packte sie am Handgelenk zog sie mit einem Schwung zu sich und seine Hand glitt in ihren Rücken, drückte sie an sich. Sie starrte ihn an. Er beugte sich vor und küsste sie erneut, länger dieses mal und jetzt sträubte sich noch weniger Widerstand in ihr. „Wir können, siehst du? Ganz einfach..."

„Nathaniel, es... steht uns nicht zu, wir können nicht..."

„Was fürchtest du? Gerede?"

„Nathaniel," hauchte sie flehentlich. Jetzt aber schüttelte er den Kopf, schob eine Hand in ihren Nacken. „All... die Jahre... wie sollen wir fordern, das die Menschen hier sich lieben und Kinder zeugen, wenn wir selbst in alten Regeln verharren?"

Sie öffnete ihren Mund, blickte ihn bittend an. Er legte ihr einen Finger auf den Mund, sie keuchte und sah ihn fassungslos an. Was war los mit ihm? War ihm wirklich klar was er da gerade tat? Sie jedenfalls wusste es nicht. Sie war hin und hergerissen, zwischen dem Wunsch er möge mit dem fortfahren, was er gerade begann und er möge ihn Gottesnamen aufhören. Und erst der Blick, mit dem er sie bedachte. „Jetzt, wo ich weiß, wie es um uns steht...Alicia ich lasse dich nicht gehen, ich mag dich zu sehr, ich brauche dich!"