TERRA NOVA
Of Daughters
9. Leah
Sie erwachte, als draußen einer der Rovers vorbeifuhr. Mit einem leisen Seuftzen drehte sie sich herum, dabei stieß sie gegen etwas weiches und warmes. Die Erinnerung daran, wo sie sich befand kehrte sofort in ihr Bewusstsein zurück, sie schloss die Augen, als sich ein Arm um sie legte und er näher rutschte. Sie legte den Kopf neben seine Brust und atmete tief ein. Der Gedanke an den gestrigen Abend und wie er geendet hatte drangen zusammen mit seinem Geruch in ihren Geist und sorgten dafür das sie sich bei ihm ein kuschelte. Sie zog die Decke fester um sich und war fast sofort wieder eingeschlafen.
X
~Taylor~
Taylor wurde wach, als sie sich rasch neben ihm bewegte und ihn traf. Er drehte sich auf die Seite und schloss sie stumm in seine Arme. Sie kuschelte sich an ihn und nur Momente später ging ihr Atem wieder ruhig und gleichmäßig. Mit einem Zufriedenen Lächeln schlief auch er wieder ein.
xXx
~Jim Shannon~
Shannon griff sein Komlink, klickte es an und zwängte sich aus seinem Schlafzimmer. „Shannon hier? Was gibt's Raigon?"
Wir haben etwas gesichtet, außerhalb der Begrenzung, definitiv eine Person.
„Sixer?" Fragte er und schlüpfte in seine bereitgelegte Hose, das Kom zwischen Schulter und Kopf eingeklemmt.
Wir wissen es nicht, Reynolds und Reilly sind nachsehen
„Bin unterwegs, und Augen auf!"
Er verließ leise das Haus und rannte dann los zum Tor. Als er dort ankam stand Reynolds dort mit einem kleinen, sehr zerlumpten und schmutzigem Kind, an der Hand und Reilly hielt sich die Hand. Zwei Wachsoldaten standen in der Nähe, ein dritter stieg eben in das parkende Fahrzeug. Jim erreichte die kleine Gruppe und bemerkte das Reilly blutete. „Sie sind verletzt! Was ist passiert?"
„Die Kleine hat mich gebissen Sir."
„Wer ist sie? Wissen ihre Eltern schon..."
„Die sind tot! Ich will zu meiner Großmutter," erklärte ihm die Kleine und reckte dabei das Kinn vor, in ihren Augen aber sah er Furcht und Sorge. „Wer ist deine Großmutter, ist sie hier in Terra Nova?"
„Nein, sie wohnt in New Texas, ich will zu ihr. Wo ist das Portal."
„Ähm..." er wollte ihr antworten das, dass nicht ginge, entschied sich dann jedoch dagegen und ging vor ihr in die Hocke. „Weißt du, dorthin ist es ein langer Weg und gefährlich, zu gefährlich heute Nacht. Heute Nacht bleibst du hier." Er reichte ihr seine Hand, nur zögernd nahm sie, sie. „Wohin gehen wir?"
„Nun... wie wäre es wenn du mir erst mal sagst wo du herkommst?"
„Aus dem Dschungel?"
„Äh...ja, das weiß ich, ich meine von wo da, du lebst dort doch nicht alleine."
„Bei Mira."
„Und... was machst du so mitten in der Nacht vor unserem Tor?"
„Ich...ich bin weggelaufen..."
xXx
Jim seufzte und schickte die anderen entschieden weiter zurück, während sie auf Taylor und seine Frau warteten. Tatsächlich kamen diese zwei zeitgleich, zusammen mit Washington, offenbar hatte Taylor seine First-in-Command auch aus dem Bett gerufen. Typisch.
„Okay, wo ist sie?" Fragte seine Frau und auch die zwei anderen blickten ihm erwartungsvoll entgegen. Er seufzte und deutete hilflos, auf den nächsten Behandlungstisch, unter dem die Kleine sich gekauerte hatte und vor dem seit einer Minute auch Nathalia kniete.
Elisabeth musterte die zwei und schaute ihn an. „Wer ist sie?"
Er zuckte die Achseln. „Keine Ahnung, aber sie kommt von den Sixern, sie sagt sie sei weggelaufen."
„Von Mira? Glauben Sie ihr?"
Jim zuckte die Achseln. „Naja, meine Mädchen würden im Dunkeln nicht alleine draußen sein wollen."
Taylor nickte ihm zu, er schaute ebenfalls zu den Mädchen. „Was denken sie wie alt sie ist?"
„Schwer zu sagen, sie ist sehr...schmal, ähm... vielleicht sieben, oder acht?"
„Ich erinnere mich an kein Kind in dem Alter, sie muss jünger oder älter sein, Shannon?" Er schaute zu Jims Frau.
„Seit wann sitzt sie dort unten?"
„Etwa fünf Minuten Schwester Ogawa wollte ihr eine Spritze geben und da ist sie...dorthin."
Elisabeth ging langsam einen Schritt auf den Behandlungstisch zu und reichte einen kleinen Scanner an Nathalia weiter, dann zog sie sich wieder etwas zurück.
X
~Nathalia~
Nathalia kam aus der Umkleide und folgte im nächsten Moment auch schon einem panischen Schrei in den Hauptbehandlungsraum. Reynolds, Reilly und Shannon standen dort, zusammen mit Schwester Ogawa. Sie alle sahen hinunter, unter den Behandlungstisch.
Nathalia trat zu ihnen und folgte ihrem Blick. Nachdem Jim Shannon ihr gesagt hatte, was passiert war, ging sie langsam zum Tisch und kniete sich davor auf den Boden. Dabei begann sie jedoch zu ahnen, das gleich nur schwer wieder hochkommen würde. Dennoch richtete sie einen freundlichen Blick auf die verängstigte Kleine. „Hi, ich bin Nathalia Stark und du bist?"
„Ich will nach Hause, ich will zu meiner Oma."
„Ich weiß, aber im Dunkeln ist das zu gefährlich und außerdem... müssen wir erst mal schauen ob es dir auch gut geht."
„Das tut es."
„Und was ist mit den Kratzern auf deinem Arm, du bist durch den Dschungel gekrochen, da kann sich etwas entzünden, dann tut es furchtbar weh und eitert. Willst du das?"
„N-nein." Das Kind musterte ihren Arm und dann wieder sie. Nathalia lächelte weiter freundlich. Hinter ihr hörte sie ihren Vater, Wash und auch Elisabeth kommen, sie ignorierte die anderen und ihr leises Gespräch. Die Ärztin kam, das Kind verkroch sich tiefer unter dem Tisch, die ältere zog sich wieder zurück, nachdem sie ihr den Scanner abgenommen hatte. „Ja, also... ich bin Nathalia Stark. Und du bist?"
„Leah. Leah Marcos."
„Marcos, natürlich, ich erinnere mich," sagte Taylor hinter ihr.
Nathalia schaute nicht nach hinten, konzentrierte sich auf das Mädchen. „Schau mal, keine Spritzen mehr okay? Ich... ich mag auch keine. Aber lässt du mich hiermit schauen, ob du gesund bist?"
„Was ist das?"
„Ein Scanner, hier siehst du? Ist nur Licht." Sie fuhr mit dem Gerät über ihre eigene Hand und den Unterarm. Das Kind nickte zögernd und kam wieder näher.
„Und? Bin ich gesund?" Fragte sie Momente später. Nathalia kicherte und nickte. „Aber auf deine Wunden sollte ein Pflaster, lässt du das bitte Dr. Shannon machen, sie ist auch ganz vorsichtig."
„Warum... machst du das nicht?" Fragte Leah und setzte noch ein Bitte hinzu.
Sie schüttelte den Kopf. „Kein Blut, nein. Ich darf das nicht."
„Aber... warum?"
„Ich bekomme ein Baby, darum."
Leah starrte sie mit großen Augen an. „Du? Bist du überhaupt schon erwachsen?"
Nathalia schüttelte den Kopf. „Willst du fühlen? Es tritt gerade."
„Darf ich? Wirklich?"
Sie nickte und Leah legte die Hand, auf ihren Bauch.
Fünfzehn Minuten später war sie mit Leah in einem der Nebenräume und reichte dem Kind etwas zu Essen, sie schlang es gerade zu hinunter. „Hast du nichts zu Essen bekommen?"
„Nur...Reste..." schmatzte sie. „Ich mag aber keine Reste, die sind doof," fügte sie noch hinzu und biss ein großes Stück Kuchen ab. Nathalia strich ihr durch das verfilzte Haar und nickte. „Iss so viel du willst, ich hole noch was zu trinken."
Das Kind nickte und beachtete sie gar nicht weiter. Nathalia schüttelte nur den Kopf.
X
„...sie kann uns sicher sagen, wo Mira ihr Lager hat und..."
Nathalia blieb neben ihrem Vater stehen. „Das glaube ich nicht, so wie sie es erzählt ist sie einfach darauf los gerannt, mit dem Peilsender in der Hand, den sie Mira entwendet hat. Sie hat außerdem viel zu viel Angst vor Mira und... dir."
„Mir?" Fragte er überrascht, „Okay sie mag mich nicht, kein Wunder bei dem was sie weiß, aber..."
„Nein, das meine ich nicht. Sie hat euch eben beobachtet, du hast grimmig ausgesehen, das macht ihr Angst. Im übrigen hat sie bei Mira nur Reste bekommen."
„Das erklärt warum sie so unterversorgt an Vitaminen und Mineralien ist," erklärte Shannon. Nathalia nickte hob die leere Flasche andeutungsweise hoch und ging weiter.
xXx
Nathalia saß im Esszimmer und warf einen prüfenden Blick hinüber auf die Matratze, auf dem Boden, in ihrem Zimmer. Leah schien noch zu schlafen. Inzwischen war es neun Uhr, längst hell und sie schon wieder seit ziemlich genau 2 Stunden zu Hause, seit der Hälfte etwa schlief Leah nun schon. Sie war geduscht und trug frische Kleidung, die Haare hatte sie sich jedoch nicht machen gelassen und stattdessen die Bürste nach ihr geworfen. Sie schüttelte den Kopf. Eigentlich hatte Taylor die Kleine mit zu den Shannons geben gewollt. Dummerweise nur, hatte das Mädchen sich vehement gesträubt und war nach Verkündigung dieser Neuigkeit, rufend durchs MedCenter gelaufen, bis es sie gefunden hatte. Leah hatte sich an ihren Arm geklammert und hatte zur allgemeinen Verwunderung auch noch darauf bestanden mit zu ihr zu gehen, als sie ihr erklärt hatten, das sie bei Taylor wohne und sie diesen doch nicht mögen wurde.
Sie lächelte, schüttelte den Kopf und wollte eben weiter lesen, als sich die Tür öffnete.
„Na, wie geht es unserer Ausreißerin?"
„Sie ist frisch gewaschen und schläft jetzt. Aber... ich denke sie glaubt das mit dem Tor noch nicht so ganz und..."
„Ich hab Durst."
Nathalia warf ihm einen vielsagenden Blick zu und stand auf. „Das heißt. Ich möchte bitte etwas trinken, junge Dame."
„Bekomme ich was zu trinken, bitte?"
„Das... ist auch okay," sagte sie und reichte ihr eine kleine Flasche Wasser. Mit der Flasche verzog sie sich wieder im Nebenraum. „Leah, du musst dort nicht bleiben. Wir können auch rausgehen."
„Kann ich noch was schlafen?"
„Ähm...ja, sicher."
„Nacht," Leah schloss die Tür und alles was sie beide noch hörten war das rascheln der Decke.
xXx
Leah schaute sich neugierig und auch sichtlich erstaunt, immer wieder von neuem um. Mit einem riesigen Schmunzeln beobachtete Nathalia das neunjährige Mädchen und warf dann einen Blick zu Maddy, die neben ihr lief. Auch die Freundin hatte ein amüsiertes grinsen im Blick. „So sehr hat das hier nicht einmal Zoe fasziniert," erklärte sie grinsend.
„Ja ich weiß, aber du hast sie noch nicht essen gesehen."
„Auweia, so schlimm?"
„Als wäre sie verhungert."
„Und Taylor? Sie muss ihm ja ziemlich auf die Nerven gehen?"
„Ich weiß nicht, einerseits ja, aber als sie letzte Nacht Albträume hatte, war er gleich in meinem Zimmer und hat sich richtig süß um sie gekümmert. Er hat sie auf seinen Schoß gesetzt und fest in den Arm, während er sie beruhigt hat, das... stand ihm eigentlich ganz gut."
Maddy kicherte und legte sich rasch eine Hand auf den Mund als Leah aufgeregt auf sie beide zulief.
„Nathalia! Nathalia! Was ist das da? Kann man das auch essen? Darf ich das haben? Wie isst man das? Ist da ein Stein drin? Oder Kerne?"
Die beiden älteren grinsten breit und Nathalia beugte sich zu dem Kind runter. „Was meinst du denn?"
„Komm mit! Ich zeig es dir!"
Lachend und grinsend liefen die Freundinnen dem Mädchen hinterher. Leah hatte den großen, breiten Fisch entdeckt, dessen spitze Zähne ihm das Aussehen eines Monsters gaben. Einen Stand weiter, hatte sie außerdem ein großes gelbes Obst entdeckt, das aussah als habe es stumpfe Stacheln, mit grünen Spitzen. Nathalia erklärte dem Kind was sie da entdeckt hatte und auch was sie davon und wie essen konnte. Danach kaufte sie Leah das Obst, ließ es von der Verkäuferin zerschneiden und entfernte dann die Schale, ehe sie es dem Kind reichte. „Guten Appetit."
xXx
Plötzlich brach Lärm aus und einige Militär kamen, jagten sie alle vom Platz. Maddy schnappte sich ihre Tasche. Nathalia warf ihr einen dankbaren Blick zu, nahm Leahs Hand und zog sie mit sich tiefer hinein in die sichere Siedlung. Plötzlich trat ihnen Jim Shannon in den Weg. Alle drei sahen sie ihn verwundert an.
„Leah, du musst mit mir kommen!"
„Warum? Wo soll sie hin?" Fragte Nathalia den Cop. Der blickte ernst drein. „Mira ist da, sie will sie sehen und hören das sie keine Gefangene ist."
„Ich gehe mit."
„Nein, wirst du nicht. Taylor verbietet es und denk an dein Kind. Leah?"
Das Kind nickte, griff jedoch ängstlich nach seiner Hand und folgte ihm. Nathalia schossen die Tränen in die Augen, ohne recht etwas dagegen tuen zu können. Ihre Freundin schloss sie in die Arme und brachte sie schließlich auch nach Hause.
Als Taylor mit Leah zurückkam wurde es schon langsam dunkel. Erleichtert begrüßte sie die beiden und verabschiedete sich bald darauf, um sich hinzulegen. Wann ihr das Kind folgte bekam sie nicht mit, auch nicht, dass sie sich in der Nacht davonschlich.
