TERRA NOVA

Of Daughters

11. Dunkelheit

Ruhig betrachtete sie ihr Gegenüber und atmete tief durch. Sie lächelte und strich mit der Hand über seine Brust. „Na, komm schon, du...willst doch auch."

„Nathalia..."

Sie seufzte und wich frustriert, wie ungeduldig zurück. „Warum?" Fragte sie, „Mein Bauch?"

Jayce blickte sie entschuldigend an und schüttelte den Kopf, während er ihr über die Seite strich und die Hand dann auf ihren Bauch legte. „Er... bringt mich um."

„Das wird er nicht, hast du es nicht bemerkt?"

„Was? Was soll ich bemerkt haben? Das er uns beobachtet?"

„Nein," sie schüttelte lachend den Kopf und trat wieder auf ihn zu, legte ihre Hände auf seine Brust und grinste. „Wie sie sich ansehen, er und Washington."

„Ach komm, die kennen sich einfach Ewigkeiten und..."

Jetzt lachte sie richtig und schüttelte munter den Kopf. Glaubte er das wirklich? Nach all den Abenden zu viert? Nach all den privaten Stunden in diesem, seinem Haus? Sie konnte es kaum glauben, bis ihr eine Idee kam: Er will es glauben!

„Du... du glaubst das wirklich? Nach all den Abenden hier? Nein, glaub mir, da ist mehr, ich weiß es."

Jayce beobachtete sie genau. Seine Hand schob er in ihren Rücken, die andere über ihre Wange in ihr Haar. „Du weißt?" Fragte er forschend. Sie nickte und fasste seine Hand. „Ich bin sicher, weißt du... Frauen reden."

„Du meinst...du und Washington? Ihr...aber doch nicht darüber! Über ihn!"

Sie lachte und tickte ihm an die Stirn. „Natürlich nicht. Aber über Gefühle, sie lieben sich, glaub es mir."

„Das heißt nicht, sogar noch lange nicht, dass er mich nicht töten würde."

„Er würde nicht, er wird nicht. Schon alleine deshalb nicht, weil er mich liebt und..."

Es gab ein fernes leises grollen und dann wurde es dunkel. Instinktiv wich sie schützend in seine Arme aus. Er zog sie an sich und drückte ihr dann etwas in die Hand. „Hier, mach sie an, wo habt ihr Euren Stromkasten?"

Sie aktivierte die Minitaschenlampe und deutete in den hinteren Teil des Flures. „Dort."

Er wollte eben los, als ihr etwas auffiel und sie seinen Arm packte. „He, warte! Ich glaub nicht das es daran liegt."

„Was wieso? Natürlich, das Licht ist aus und der Herd, es wird eine Überlastung sein, oder..."

„Nein, wird es nicht," antwortete sie und ging zum Tisch hob ihren Plex hoch. „Der hier ist auch tot."

„Wie soll..." Er hob seine Waffe und versuchte sie zu laden. „Seltsam, dass..."

„Sollten wir heute nicht Kometen sehen können? Wenn nun einer von denen in der Atmosphäre... es könnte zu einem EMP gekommen sein, aber...wenn das stimmt, dann..."

„...dann ist Terra Nova jetzt blind und angreifbar." Mit raschen Schritten war er wieder bei ihr und griff nach ihr. „He!" Protestierte sie und blieb stehen. Er aber zog sie mit sich. „Du bist hier nicht sicher, Lucas und Mira warten sicherlich nur, auf eine solche Gelegenheit und... dann bringt mich dein Vater ganz sicher um!" Sagte er.

Nathalia wollte widersprechen, doch sie ahnte dass er nicht nachgeben würde und auch, dass er vermutlich wohl recht hatte. Sie sollte ihm folgen, als er sie jedoch ins MedLab führte starrte sie ihn dann doch an, als habe er nicht alle beieinander. „Ähm...wäre... der Kommandostand nicht irgendwie..."

„Sicherer? Nein. Das MedLab hat einen zentralen, externen Stromzulauf und große Aggregate. Im Falle eines Angriffs wird es zur Festung. Du bleibst hier, ich helfe deinem Vater! Dr. Shannon! Nathalia wird dieses Gebäude nicht verlassen!"

Sie starrte ihm nach und setzte sich am Ende einfach. Wütend und enttäuscht. Warum ausgerechnet heute? Heute, wo sie allein gewesen wären. Hatte Taylor es gewusst? War es sein Plan gewesen? Nein, eher nicht, nicht er, es wäre... direkter gewesen, Dienst oder irgendetwas anderes.

Sie seufzte, als die Ärztin kam, hob sie bereits beschwichtigend die Arme. „Ich weiß schon, ausruhen, nichts tuen. Vergessen Sie es, ich bin im Lager und überprüfe unsere Vorräte."

„Gute Idee, mach das!"

xXx

~Taylor~

Zum ersten mal seit langem verspürte er wirklich Angst. Der Saurier vor ihren Toren war ganz offensichtlich nur eine Ablenkung und Taylor war wütend das er sich hatte narren lassen. Zugleich aber verspürte er ein wachsendes Gefühl des Unbehagens und echte Angst. Er fürchtete, das sein Sohn, seine Schwester finden würde und was er dann mit ihr machen könnte. Ihm war inzwischen mehr als klar, dass sein Sohn vor allem eines wollte: Rache! Und er verstand es auch sehr gut, ihm jeden Fortschritt unter die Nase zu reiben, erst gestern war er an den Wasserfällen gewesen und hatte genau dort weitere von Lucas' Zeichnungen gefunden. Er sah sich hektisch um, MedLab? Sein Haus? Wo sollte er hin?

„Taylor, wir finden sie. Er wird nicht hier sein, so blöd ist er nicht."

Zweifelnd sah er sie an und schüttelte den Kopf. „Ich kenne ihn."

„Ja, ich weiß." Sie seufzte und schloss kurz die Augen. „Valine, war bei ihr, geh zum MedLab, ich zum Haus!"

Er nickte und lief eilig los, Reynolds folgte ihm auf dem Fuße und mit ihm, noch drei andere, die anderen drei liefen Wash nach.

xXx

Im Schein der Notbeleuchtung wurde sie langsam müde, also entschloss sie sich die Arbeit zu beenden, sie konnte die Tage weitermachen, oder jemand anders. Sie legte gerade den Block weg, als sie hinter sich Schritte hörte. „Ja, Elisabeth, ich lege mich ja gleich..." Sie drehte sich herum und starrte den jungen Mann vor sich an.

Sie hielt die Luft an und schaute mit Schrecken und Unbehagen, in zwei eiskalte, hasserfüllte Blaue Augen. Blau...bei Gott! Das gleiche Blau! Es waren ihre Augen, Taylors Augen... so kalt. Instinktiv wich sie zurück. Sie zwang sich ihn fest anzusehen und mühte sich um einen ruhigen Blick. „Hallo, Lucas."

Er hob langsam eine Hand und richtete die Waffe auf sie. „Hallo, Schwester," zischte er, den Arm bewegte er vor ihr hoch und runter. „Nun, wen von euch beiden soll ich wohl töten, mmh? Was wird ihn wohl mehr treffen und meinem Ziel näher, ihn zu zerstören?"

Sie atmete tief durch. „Warum nur, hasst du ihn so sehr?"

„Warum?!" Fragte Lucas kalt und schüttelte mit einem freudlosen Lachen den Kopf. „Weil er mich hasst! Nie, nie habe ich es ihm Recht gemacht! Nie hat er mir verziehen, ich sah es immer in seinen Augen, mir gab er die Schuld! Mir, einem KIND!"

Den Rest schrie er so laut und plötzlich, das sie unwillkürlich zusammenzuckte und ihn erschrocken anstarrte, die Waffe in seiner Hand zitterte. Der blanke Hass funkelte in seinen Augen, aber sie sah auch die drohenden Tränen und schüttelte traurig den Kopf. „Du irrst dich, er..."

SCHWEIG!" Donnerte Lucas, wischte sich mit dem Rücken der Waffenhand über die Stirn und den Mund. „Schweig!"

Er trat näher, sie hielt unwillkürlich erneut die Luft an. „Du hast Angst, er jetzt sicher auch. Die... hatte er nie um mich. Nein. Nicht um mich! SEIN Fleisch und BLUT! SEINEN Sohn!"

Lucas wandte sich halb ab, ehe er erneut herum fuhr. Dieses mal hielt er ihr die Waffe genau an die Kehle, strich ihr mit dem Lauf über die Wange. Sein Blick kalt und irre. Sie fürchtete sich, doch sie war fest entschlossen ihm diesen Triumph nicht zu gönnen. „MICH hat er nie so angesehen, wie er dich ansieht! MIR hätte er so einen FEHLER nie verziehen!" Zischte Lucas und stieß ihr die Waffe kraftvoll in die Seiten ihres leicht gewölbten Bauches. Keuchend umschlang sie ihren Bauch und wollte in die Knie. Doch er packte sie grob und stieß sie gegen das Regal. „Steh gefälligst! Damit er dich sieht! Er soll leiden, wie ich gelitten habe...!"

„Du...irrst," brachte sie mühsam hervor und griff nach dem Regal stützte sich mit beiden Händen daran ab. Als er jetzt wieder näher kam, trat sie mit aller Gewalt gegen sein Schienbein und knallte ihm eine Ohrfeige. Wütend und voller Hass, sah sie nun ihn an: „Er liebte dich, so sehr! Für dich, hat er so viel aufgegeben, er hat deine Mutter geopfert, seine ungeborene Tochter! Später mich! Um dich nicht zu verletzen! Um dich nicht zu quälen, hat er michnie kennengelernt! Hat mich nie offen anerkannt und so, so..."

PENG!

HALT-DIE-KLAPPE!"

Nathalia hielt sich die Wange und starrte mit tränennassen Augen auf den Arm, welchen er wie im Schraubstock hielt. Jetzt war er regelrecht rasend, die wusste sie war zu weit gegangen, mit ihrem Angriff, doch sie hatte es tun müssen. „So dankst du es ihm?" Fragte sie und blickte ihn traurig an, nein, ihm war nicht mehr zu helfen und langsam begriff sie, warum Taylor nicht über ihn sprechen wollte, Er weiß, dass er ihn endgültig verloren hatte, als er mich fand.

xXx

~Shannon~

Erschrocken und besorgt sah er zu wie Nathalia dem jungen Mann etwas entgegen setzte. Als Lucas sich aufrichtete aber, war die Waffe weg. Doch schon im nächsten Moment schlug Lucas nun sie und stieß sie gegen die Wand. Nathalia schrie beide male auf, starrte ihn dafür aber nur noch wütender an. Jetzt wo durch Lucas Bekanntschaft mit der Scheibe, sie hören konnten was geschah, bekam er um so mehr mit, wie sich ihre Wut, in Bedauern und Fassungslosigkeit wandelte. Resigniert schüttelte die Jugendliche den Kopf.

Das, wirst du büßen!" Schrie Lucas und plötzlich streckte er Nathalia ein Messer entgegen. Jim keuchte und hielt seine Frau erschrocken zurück. Nathalia blieb erstaunlich ruhig und starrte nur auf das Messer.

X

~Taylor~

Schon am Haupteingang wusste er, er kam zu spät. Auf dem Weg davor lag Reilly, bewusstlos, wie ihm einer der Soldaten nachrief und im inneren des MedLab herrschte gespenstische Ruhe, in den Gesichtern Unruhe. Er folgte den Schreien, war auch sicher eben Nathalia gehört zu haben, dann aber wurde ihm eisig kalt, als sie gleich zweimal laut und gequält aufschrie. Gleich darauf versetzte ihn die eiskalte Stimme seines Sohnes in Angst und Schrecken. „HALT-DIE-KLAPPE!"

Er war kaum soweit, das er das kaputte Glas im Korridor sah und Shannon, der ihn warnend ansah. Es fiel ihm mehr als schwer nicht vorzupreschen, doch auch der Blick von Dr. Shannon, hinter ihrem Mann warnte ihn, stehen zu bleiben.

„So dankst du ihm?" - Nathalia!

Erleichterung überkam ihn, ihre Stimme bebte, sie klang verletzt, wütend, aber sie lebte. Nur... wie lange? Irgendetwas muss ich doch tuen könn...

Langsam schlich er vorwärts und ging in die Knie, die Scheibe des Raumes gegenüber des Lagers spiegelte das Geschehen. Er sah Lucas, hörte seine Drohung, das er Nathalia büßen lassen wolle. Dann hielt er ein Messer, hielt es ihr genau vor den Hals, strich mit der Spitze ihre Luftröhre entlang. Taylor zischte, griff nach seiner Waffe.

„Sir,..."

Er starrte wütend auf Reynolds neben sich, nickte dann jedoch frustriert und starrte wieder in die Scheibe. Lucas riss das Messer hoch, Nathalia zuckte und schloss die Augen. Irgendjemand schrie. Er hielt die Luft an, doch Lucas hatte nur mit einem kurzen Ruck nach oben, die Kette zerstört, die er seiner Tochter geschenkt hatte. Er ballte die Fäuste.

Nathalia starrte Lucas böse an. „Tue es doch einfach! Dann ist es vorbei! Aber besser fühlst du dich nicht!"

„Ich werde! Weil ich ihn damit zerstöre! Und ich werde dich leiden lassen! TAYLOR! Hörst du das?! Ich werde sie leiden lassen!"

Taylor schwieg, wenn Lucas wollte, das er dem ganzen beiwohnte, dann hatte er eine Chance, solange Lucas glaubte, er sei nicht da. Er blickte neben sich auf Reynolds und deutete auf die Waffe und das Spiegelbild von Lucas, dann auf Reynolds. „Schaffen Sie das?"

Ein kurzes Zweifeln erschien in den Augen, des jungen Mannes, dann nickte er und kroch davon. Taylor seufzte und lehnte sich an die Kühle Wand, wartete.

„TAYLOR!"

Lucas rief noch zweimal nach ihm, dann klirrte irgendetwas. Taylor blickte wieder in die Scheibe. Nathalia hielt sich noch immer am Regal aufrecht und Lucas hob wieder sein Messer, er ritzte die Haut an ihrer Wange, Blut tropfte herunter. Dann riss Lucas grob ihren Arm zu sich, brachte sie vor sich. „Ich weiß, das du längst da bist!" Lockte sein Sohn nun und grinste hämisch, „wie du willst!"

Er legte das Messer an ihre Kehle. „Schau zu! Komm, wenn du es beenden willst! Dann darfst du entscheiden, der Bastard! Oder dein- Enkel!"

Taylor starrte ihn kalt durch die Scheibe hinweg an. Nein, das war nicht mehr länger sein Sohn, diesen jungen Mann hatte er nicht erzogen. Ayani, was habe ich nur falsch gemacht?

Blitzschnell riss Lucas, Nathalias Arm zu sich, bis an ihre Brust und schob ihren Pulli hoch. „Sieh zu!" Rief er zornig und riss die Klinge längs von ihrem Handgelenk zu ihrem Unterarm. Blut spritzte kurz, ehe es viel zu rasch floss, Taylor fluchte. Wo bleibt Reynolds?! Nathalia kämpfte viel zu rasch darum stehen zu bleiben, um sich Lucas nicht ganz auszuliefern und auch ihre Brust hob und senkte sich bereits viel zu schnell. Irgendetwas stimmte da nicht, da musste noch mehr sein als der stark blutende Schnitt. Lucas ließ ihre Hand los und strich mit dem Messer hinauf zu ihrem Oberarm, sah sie dabei genau an. „Na, kleine Schwester, wenn bedauerst du jetzt?!"

Taylor sah Reynolds und wie er anlegte, er sprang auf. „LUCAS! STOP!"

X

~Nathalia~

Sie spürte wie ihr kalt wurde und im gleichen Moment da er sich vorbeugte und seine Lippen ihre Wange berührten, spürte sie die Nässe an ihrer Seite und starrte dorthin. Er grinste breit. „Ja-a," flüsterte er, „viel zu viel Blut, so oder so... du stirbst hier."

Sie funkelte ihn an. „Mit dir," zischte sie und packte den Arm, mit dem er sie hielt, um nicht zu fallen.

„Na, kleine Schwester, wenn bedauerst du jetzt?!" Fragte er plötzlich lauter und kalt. Sie schloss die Augen, als er das Messer ihren Oberarm hinauf führte.

„LUCAS! STOP!"

Sein Griff lockerte sich. Mit letzter Kraft stieß sie ihm den Ellenbogen in die Rippen, er ließ sie los und sie griff nach dem nächsten Schrank, Lucas krachte neben ihr gegen den Schrank, dann fiel ein Schuss und Lucas lag vor ihr auf dem Boden, die Augen geschlossen, das letzte was sie sah war Dunkelheit und das letzte was sie hörte, ihr Vater...

CLIFFHANGAR