TERRA NOVA
Of Daughters
12. Zusammen
Das nächste geschah alles zugleich, Lucas' Kopf wirbelte zu ihm herum. Nathalia stieß ihm den Ellenbogen in die Rippen und stützte sich schwer auf den kleinen Medizinschrank, während ein Schuss fiel und Lucas gegen einen der Schränke torkelte.
Taylor stürzte vor. „NA-THALIA!" Rief er und war alles was er tuen konnte, als sie zusammenbrach. Einen Moment später nahm er Shannon, welcher sie gerade noch geschafft hatte aufzufangen, die Jugendliche ab und trug sie eilig zum nächsten Biobett. Während Dr. Shannon sie untersuchte, presste er seine Hand auf ihr Handgelenk. Er hatte wirklich Angst und achtete auf gar nichts mehr, außer den holografischen Anzeigen, über dem Bett und seiner Tochter.
Dr. Shannon rief Befehle, arbeitete hektisch an der linken Seite von Nathalia, wo sie irgendwoher blutete. Die Ärztin riss die Kleidung auf, fluchte und warf ihn einen ernsten Blick zu. Er hatte sich selten so hilflos gefühlt, wie jetzt als er sie einfach hoffend ansah. „Ogawa! OP- Besteck! Antibiotika! Sterile Verbände und etwas für den Kreislauf! Shelly, ich will Dr. Brannon! Rick! Komm her!"
Ein Assistenzarzt kam, desinfizierte sich und richtete in aller Hast ein Tablett, stellte es auf den Drehwagen am Biobett. „Geh da rüber, nimm ein steriles Neuronähset und fang an!"
„Sie wollen doch nicht hier..."
„Ich muss, ich habe keine Wahl! Ogawa gib ihr etwas damit sie noch eine Weile schläft, wenig," mahnte die Ärztin.
Taylor trat wortlos an ihr Kopfende und legte eine Hand an ihre Wange, als wenige Minuten später ein Alarm losging, kam von irgendwoher Dr. Brannon und intubierte Nathalia auch noch. Taylor spürte die wachsende Verzweiflung, und wie eisige Speere bohrte sich die Angst um seine Tochter in sein Herz. Er spürte wie seine Hände zitterten, als er wieder an das Bett trat und ihr über das Haar strich.
X
~Wash~
Überaus besorgt warf sie einen Blick in das Überwachungszimmer. Taylor saß auf einem Stuhl, in seinem Unterarm eine dicke Nadel. Ganz langsam floss das Blut aus seinem Arm und durch das kleine piepende Gerät, das es mit Sauerstoff anreicherte in den Arm seiner Tochter. Sie seufzte und wartete, bis eine müde wirkende Ärztin aus dem Raum kam. „Wie... geht es ihr?"
„Sie... wird wieder, sie hat viel Blut verloren, aber zum Glück nicht mehr."
„Ihr Kind?" Fragte Wash und fürchtete doch vor allem diese Frage, sie war sicher, das sie es verwinden konnte, doch auch, das es für Vater und Tochter furchtbar wäre. Taylor ließ sie seit Stunden nicht aus den Augen und in seinen Blick war dieser Schmerz zurückgekehrt, den Wash besiegt geglaubt hatte. Er denkt an Ayani, er hat Angst, furchtbare Angst, um sie beide.
Die Ärztin seufzte. „Wir müssen abwarten, noch ist es zu früh für endgültige Antworten. Es hat nichts direkt abbekommen, aber der Stress, der könnte..."
„Verstehe. Kann ich...rein?"
„Aber nicht..." Dr. Shannon brach ab und nickte nur, einen Moment später ging sie davon. Wash sah ihr nach, trat vor und öffnete leise die Tür. Taylor schien sie gar nicht zu hören.
„Nathaniel," sagte sie leise und legte ihre Hand auf seine Schulter.
„Er... hätte sie getötet."
„Das hat er nicht," sagte sie schlicht und küsste ihn aufs Haar. „Er wird es nicht."
„Er hat es beinahe... vielleicht..." Taylor schüttelte den Kopf und senkte ihn. Seine ganze Haltung verriet überdeutlich wie sehr er um Beherrschung rang und sich vor einem schlechten Ausgang fürchtete. „Sie ist viel zu sehr wie du, sie ist stark und stur."
X
~Taylor~
Er sah nicht auf, sagte kein Wort. Er konnte nicht, er wollte nicht das sie seine ganze Verzweiflung, seine Tränen sah. Aber langsam streckte er die Hand aus und legte sie auf die ihre. Es tat gut zu wissen, dass sie einfach da war. Das sie keine Worte brauchten und sie ihn einfach nicht alleine ließ. Als sie in der Nacht schlussendlich doch ging, kam dafür Valine.
Das er tatsächlich eingeschlafen war in der Nacht entdeckte er erst, als Wash die Tür öffnete. Er schaute auf und sah gerade noch, wie Valine ging. „Wie spät?" Fragte er leise und streckte sich. „Neun Uhr, he ganz ruhig. Es geht ihnen gut."
„Ihnen?"
Sie kam und schlang von hinten ihre Arme um ihn. „Ihnen, genau," sagte sei leise. „Beruhige dich."
„Ich kann nicht, nicht solange..."
„Da-ad?"
„Nathalia," er wandte sich von Wash ab und beugte sich vor, nahm die Hand der jüngeren in seine. „Ich bin hier, Kleines."
„Kleines?" Nathalia blinzelte müde und drehte den Kopf zu ihm. Matte blaue Augen, trafen die seinen und zum ersten mal seit langem fiel ihm der leicht grüne Schimmer auf, den ihr Blau, wie eine Corona um die Pupillen bildete. Das Blau-grün ihrer Mutter.
„Lucas?" Fragte sie und schloss die Augen, er wollte antworten, doch Wash hielt ihn zurück, als er von ihr wieder zurück zu seiner Tochter sah, schlief sie schon wieder. Ihr Atem ging ruhig und gleichmäßig. Er seufzte und strich Nathalia über den Arm. „Sie ist so blass."
„Sie hat viel Blut verloren, Nathaniel. Komm, lass sie schlafen."
„Ich bleibe hier."
„Ich weiß, aber nimm dir ein Bett und leg dich hin, ich bleibe hier."
„Nein."
Sie nickte und beugte sich vor, küsste seinen Nacken, seine Wange. „Ich weiß, aber... ich musste es versuchen," flüsterte sie. „Du solltest schlafen gehen und dafür sorgen das alles wieder läuft." Sie entfernte sich und kam zurück, setzte sich auf einen Hocker neben ihn und lehnte sich bei ihm an, schob ihre Arme um seinen. „Nathaniel, wir haben guten Männer. Schick mich nicht einfach weg. Das... kannst du nicht mehr."
„Ich weiß," antwortete dieses mal sie.
xXx
~Nathalia~
Als sie dieses mal die Augen aufschlug, war es wieder, oder immer noch dunkel, aber die Lichter waren nicht mehr gedämpft. Das in ihrem Zimmer war zwar aus, aber das im Korridor hell und klar. Sie schaute zur Seite, Jayce stand mit verschränkten Armen und dem Rücken zu ihr, an einem der zwei Fensterwände. Draußen sah sie Taylor, er stand auch mit dem Rücken zu ihr, Wash stand dicht neben ihm, hatte sich bei ihm angelehnt und hielt seinen Arm. Nathalia lächelte und rieb sich den rechten Unterarm, er war dick bandagiert. Es juckte. Ihre Seite tat weh.
„Jayce?" Fragte sie leise und wartete.
Der Soldat drehte sich langsam herum, lächelte ihr zu und klopfte an die Scheibe, ehe er zu ihr kam. „Hey, wie geht es dir?" Fragte er und strich ihr über die Wange, die Stirn. „Schmerzen?" Sie nickte und legte die Hand an ihre Seite. Hinter ihm ging die Tür auf, sie sah ihren Vater, der sich aber gleich wieder herumdrehte und jemanden rief, ehe er Washington hinein folgte. Sie schaute von einem zum anderen. „Lucas?" Fragte sie.
Jayce wich ihrem Blick aus, sie wusste nicht wie das deuten sollte und sah zu ihrem Vater. „Wo?" Fragte sie erneut. Taylor begegnete ihrem Blick mit sorgenvollem Ernst und sie sah ihm mit wachsendem Unbehagen entgegen, während er kam und sich auf die Kante ihres Bettes setzte. „Fort. Er ist fort." Fort? Fragend schaute sie ihrem Vater in die beunruhigten Blauen Augen, Nicht tot, fort. Und...Dad hat Angst.
xXx
~Taylor~
Fragend blickte sie ihn an, ein Anflug von Erkenntnis schimmerte in ihren Augen, als sie seine Hand griff und drückte, sie hielt die Luft an. Er wusste sie wartete auf eine Antwort und er wusste, er gab sie ihr besser gleich, als später. „Geflohen," sagte er leise und behielt sie genau im Blick. Sie zuckte kurz zusammen, dann drückte sie seine Hand fester. „Du machst dir Vorwürfe. Hör auf, damit." bat sie ihn und schaute ihn bittend an. Taylor hob die Brauen und schüttelte den Kopf. „Ich habe euch nicht beschützt und ich habe ihn entkommen lassen."
„Nein, hast du nicht, du warst hier, bei mir," sagte sie und schaute ihn zufrieden an. „Er...ist voller Hass und doch wird er so schnell nicht wieder kommen, er ist verletzt."
„Ja, aber das hat ihn noch nie aufgehalten und er ist immerhin geflohen," antwortete Taylor ihr und strich ihr das Haar von der Wange, die zweite Hand legte er auf ihren Bauch und sah sie wieder an. „Versprich mir, das du nicht mehr vor das Tor gehst."
Nathalia schaute ernst zurück und nickte ihm zu. „Versprochen."
xXx
~Jayce~
Taylor stand vor ihm, ernst, groß. Eben noch hatte er sie alle angesehen, als würde er sie selbst alle lynchen, sollte noch ein Sixer Terra Nova betreten, oder auch nur noch einmal sein Sohn in die Nähe der Siedlung kommen. Jetzt aber waren die anderen fort und nur er und Taylor standen noch vor dem Tor. Der weißhaarige wandte sich ab und ging auf das geschlossene Tor zu, er legte eine Hand, auf einen der breiten Stämme und blickte hinaus. „Es gab eine Zeit, da glaubte ich hier wirklich nichts als eine zweite Chance für die Menschheit zu erblicken. Eine Möglichkeit, trotz der Gefahren dort draußen, eine ehrliche und friedliche zweite Chance, ohne Intrigen. Eine Gesellschaft, ohne Gewalt, ohne die Macht von Konzernen, ein Leben, im Einklang mit der Natur."
Jayce dachte zurück an die letzten Tage und daran wie wütend Taylor gewesen war, als Lucas getürmt war. Als einer der wenigen kannte er inzwischen auch die Wahrheit über Lucas erstem verschwinden aus der Kolonie, dem Grund seiner Reise nach Terra Nova. Er näherte sich Taylor, blieb aber kurz hinter ihm stehen und sah dann ebenfalls hinaus. „Diese Chance haben wir noch," antwortete Jayce ruhig und warf einen weiteren Blick zum Vater seiner Freundin. „Wir haben sie noch, solange wir sie nutzen und... sollte es darauf ankommen für das Kämpfen was wir lieben."
Taylor zeigte ein schwaches Lächeln und nickte. „Sie hat gut gewählt, ich weiß das du sie beschützen wirst."
Jayce starrte den älteren Mann besorgt an. Hatte er etwas vor? „Was ist mit Ihnen, Taylor?"
„Ich bin vielleicht nicht immer da?"
Jayce nickte. „Ich werde Euch nicht enttäuschen," antwortete er und beobachtete den älteren. Der aber nickte nur und wandte sich ab. Im nächsten Moment blieb Taylor stehen und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Du bist immer willkommen. Aber, sei ehrlich zu ihr."
Jayce nickte und Taylor ging, ließ ihn stehen.
xXx
Einige Wochen später
~Nathalia~
Nach dem es zu keiner Entzündung gekommen war, hatte Dr. Shannon die Wunden mit dem Hautregenerator behandelt und inzwischen, war nichts mehr zu sehen, oder zu spüren. Sie wusste das sich ihr Vater noch immer unheimliche Sorgen machte und tat alles um ihm nicht noch größere zu bereiten. Jayce war jeden Tag in seiner freien Zeit bei ihr, wie auch ihr Vater es tat und auch sonst war sie nie lange allein, irgendein Shannon tauchte früher, oder später immer auf, abgesehen davon das Taylor entschieden hatte, die Marcus Geschwister nicht wegzugeben. Jetzt lebten sie seit vier Tagen, in einem größeren Haus, tiefer innerhalb der Siedlung. Es war unscheinbar und deutete von wenig Komfort. Tatsächlich hatte sie ihren Vater davon abgehalten die Polstermöbel aus dem anderen Haus mitzunehmen.
Hier hatten sie nur den Esstisch, mit seinen zwei Bänken, die sehr nach Rationalität und Nutzen ausgerichtete Küche und eine Polsterbank in der Wohnecke. Gestern hatten sie Washington ihre meisten Terra dafür ausgegeben noch ein paar Kissen zu kaufen und einen runden Korbsessel, sowie zwei Korbkissen. Zusammen mit den gerafften Stoffbahnen darüber wirkte das ganz eigentlich sehr gemütlich. Sie seufzte und rieb sich über den Bauch.
„Aah."
Sie zuckte zusammen und drückte sich auf den rechten Unterbauch. Fast sofort stand er neben ihr, hatte in der Küche alles stehen gelassen. Sie sah jedoch lächelnd auf und nahm einfach seine Hand, noch ehe er etwas sagen konnte. Sie zog erhob sich und legte seine Hand an ihren Bauch. „Spürst du es?"
~Taylor~
Er war im nu bei ihr, legte ihr eine Hand auf die Schulter und sah sie besorgt an, er wusste er reagierte im Moment wirklich über. Doch er konnte nicht anders, zu bewusst war ihm, das er sein zweites Kind fast verloren hatte. Er öffnete den Mund, um sie zu fragen, was passiert sei, doch sie nahm seine Hand, stand gleichzeitig auf und führte ihre Hand auf ihren Bauch. „Spürst du das?" Überglücklich sah sie auf. Ihre Augen strahlten ihm entgegen. Er nickte. „Ist es... das erste mal?" Sie nickte und lächelte noch mehr. „Ja, ich habe es vorher nie so gespürt. Da...nochmal."
Taylor küsste sie aufs Haar und lächelte ihr zu. Das sie da war und ihn gerade jetzt teilhaben ließ, dass bedeutete ihm viel. Sie lief nicht etwa hinaus zum Tor, um es ihrem Freund mitzuteilen, sie blieb und teilte dieses Ereignis allein mit ihm. Er hob ihr Kinn an. „Na, los, geh zu ihm, sag es ihm."
Sie schüttelte den Kopf und bedachte ihn mit einem warmen Blick. „Nein, später. Dad, ich...ich war heute bei Dr. Shannon, sie..."
„Stimmt etwas nicht?" Fragte er und spürte schon wieder dieses nagende Gefühl der Sorge, er hasste es, zugleich war er dankbar dafür. Zu lange schon hatte er geglaubt niemals mehr für irgendjemanden so sehr zu empfinden. Sie schüttelte den Kopf. „Sie hat mir etwas gesagt und ich... ich habe einen Entschluss gefasst." Verständnislos schaute er sie an. Sie aber lächelte nur und nahm seine Hand, auch die Finger ihrer zweiten Hand, schob sie in seine noch Freie. „Sie... sie wird Ayani heißen."
Taylor starrte seine Tochter an, er brauchte einen Moment um zu begreifen, was sie ihm eben gesagt hatte. Nathalia wusste, dass es ein Mädchen wird und sie wollte sie nach seiner Frau benennen. Er schaute sie ernst an und wollte Widersprechen, doch er lächelte dann nur stumm den Kopf.
„Hast du etwas dagegen?" Fragte sie leise. Er schüttelte den Kopf. Nein, das war es nicht, eher die Erinnerung die er mit diesem Namen verband, er hörte einen Moment in sich hinein und drückte im nächsten ihre Hände. „Es ist eher,...ich frage mich wieso, du kennst sie ja gar nicht."
„Nein, aber sie ist es gewesen, die du solange nicht vergessen konntest, die immer ein Teil von dir sein wird. Und... ich wünschte wirklich ich hätte sie kennengelernt."
Er nickte nur und zog seine Tochter liebevoll an sich. „Was sollte ich nur ohne dich machen?"
~Nathalia~
„Dich langweilen!" Rief eine Kinderstimme. Nathalia löste sich grinsend von ihm und setzte sich wieder, so dass er Leah und Sam begrüßen konnte. Leah lächelte ihnen lediglich entgegen und brachte ihre Schulsachen, dann in ihr Zimmer. Ihr Bruder Sam aber lief lachend auf Taylor zu und der fing den Jungen auf, hob ihn lachend hoch. „Langweilen? Nie im Leben." Antwortete er und setzte sich, wobei er Sam zu kitzeln begann. Lachend und und um sich schlagend lag der Junge in Taylors Armen, sie grinste und Leah kam zu ihr, blieb neben ihr stehen und strich ihr über den Bauch. „Hallo, Kleines," sagte sie wie immer und setzte sich dann neben sie, beobachtete ihren Bruder. Taylor setzte den Jungen ab, schob ihn in Richtung Zimmer und gab ihm einen Klaps. „Los Sachen weg, gleich gibt's Essen."
xXx
~Wash~
Heute war es soweit. Sie war fest entschlossen, bis auf einige wenige, ganz private Dinge, wollte sie alles mitnehmen. Darum stand sie jetzt an ihrem Spind. Sie war gespannt, wie er reagieren würde. Das die Kinder es geradezu wollten, das wusste sie längst. Sie atmete tief durch und begann zu packen. Nach wenigen Minuten machte sie die Haupttasche zu und zog noch ein Bild aus ihrem Spind, um es mitzunehmen, da fiel ihr eine kleine Schachtel entgegen. Sie schaute hinunter vor ihre Füße und hob sie auf. Sofort wurde ihr klar, das es da etwas gab, das sie nie bedacht hatte. Sie nicht, er nicht.
Sie öffnete die kleine Schachtel und schaute hinein. Wie lange war es her, das sie diese kleinen weißen Torpedos benutzt hatte? Sie überflog die Wochen, zählte genauer. Doch gleich wie oft sie es tat, wie sie es auch drehte, es war zu lange her. Sie warf die Schachtel in ihre Tasche und schlug den Spind mit einem Knall zu.
„Lieutenant, ist alles...in Ordnung?"
„Ja, Rilley, alles klar," antwortete sie barsch und lief eilig davon. Doch statt zu Taylor führte ihr weg sie zu Doktor Shannon. Den ganzen Weg über dachte sie über alle Möglichkeiten nach. Alles was sie aber genau wusste, war, dass sie soweit noch nicht waren. Sie nicht, ihre Beziehung nicht. Da waren gerade erst die beiden Geschwister, draußen war Lucas und der große Unbekannte in der Alten Welt... alles so neu... ungewohnt...Nathalia, schwanger...
„Dr. Shannon? Haben Sie einen Moment für mich?" Fragte sie Minuten später als sie die Tür zum Büro der Ärztin aufschob. Freundlich wie immer sah Elisabeth Shannon ihr entgegen und winkte sie rein. „Sicher, was... soviel Gepäck?"
„Ähm...ich musste um räumen. Baracke wechseln."
„Verstehe, also, wie kann ich helfen?"
„Ich... ich bin überfällig."
Die Ärztin stand auf und wandte ihr den Rücken zu, sie zog eine Schublade auf und Wash hatte das definitive Gefühl, das sie eigentlich gar nichts aus der Lade brauchte. Sie atmete dankbar tief durch. „Ähm... zwei Wochen, ziemlich genau."
„Okay, legen Sie sich auf die Liege und Bauch frei machen, dann machen wir ganz altmodisch einen Ultraschall und keiner bekommt es mit." Sie bedeutete ihr hinüber zu der schmalen Pritsche und Wash nickte, kam der Aufforderung nach. Mit ungutem Gefühl legte sie sich hin und machte den Bauch frei, dann schloss sie die Augen. Oh bitte, das kann doch einfach alles nicht...
„Sie könnten schwanger sein, ich kann es Momentan nicht ausschließen, ihr Eisprung liegt höchstens 12- 20 Stunden zurück. Waren Sie die letzten 38 Stunden Intim, Lieutenant?"
Sie seufzte und nickte. Na prima!
Die Ärztin reichte ihr ein Tuch, stand auf und trat an den einzigen hohen Schrank im Raum. „Wollen Sie etwas einnehmen, um eine Schwangerschaft auszuschließen?"
Will ich das? Plötzlich war sie sich nicht sicher und starrte zu Boden. Dr. Shannon trat vor sie und streckte ihr eine Hand entgegen, sie hielt eine kleine Tüte . „Die blaue Packung enthält Folsäure und die einzeln verpackte Tablette ist... für die zweite Möglichkeit."
„Danke," sagte sie schlicht, nahm der Ärztin zögernd die Tüte ab und schob sie sich in die Jacke, dann stand sie auf und ging.
