Teil II - DER AUSBRUCH

Gibbs. Nein, sie ist nicht hier. Besprechungsraum. Kann ich etwas ausrichten? Und wie war der Name?" dann legte er auf. Jo Admir kritzelte er auf einen Zettel. Ein sonderbarer Name, murmelte er leise vor sich hin, fügte dann dem Namen die Uhrzeit des Anrufs hinzu und legte den Zettel seiner weiblichen Mitarbeiterin auf den Tisch.

Es war ein regnerischer Tag im November, draußen brach bereits die Dunkelheit an und durch die Fensterscheiben sah man Unmengen von Regenwasser runter rasseln. Die Heizung summte bereits den ganzen Tag leise im Hintergrund und man bekam beinahe das Gefühl, als würden die Verbrechen im Herbst zurückgehen. Als wären die Verbrecher es leid, bei diesem Wetter aus ihren dunklen Verstecken rauszukommen und der Truppe des NCIS Arbeit zu geben.
Das einzige, was zutun war, waren die treuen Berge von Akten, die geduldig darauf warteten, aktualisiert zu werden.

Tony, endlich!" sagte Abby als sie einen schlendernden Tony in ihr Labor kommen sah.
Hattest du Sehnsucht nach mir?" fragte er und lächelte sie an.
Endlich besucht mich mal jemand hier unten! Wo zum Teufel sind eigentlich die anderen? Seid ihr alle ausgewandert? Ich dachte, es sei nichts los in den letzten Tagen...?" fragte sie und klang etwas enttäuscht.
Genau deswegen kommt niemand hier vorbei..." erwiderte er und kniff ihr kindlich verspielt in die Wange.
Hm, na wenigstens hast du Erbarmen mit mir!" sagte sie spöttisch und kniff ihm auf die gleiche Art in seine Wange.
Eigentlich wollte ich dich fragen, ob wir nicht eher abhauen wollen... Früher in den Feierabend gehen... Du weißt schon..." begann er.
Wie heißt sie?" fragte Abby gespielt gelangweilt, weil sie ganz genau wusste, was Tony während seines Feierabends tat.
y..." schwärmte er vor und verdrehte träumerisch die Augen.
Aha... Klingt intelligent..." kam es skeptisch von Abby.
Na komm schon, du kannst sie sogar kennenlernen. Was würdest du von einem Zwei-Pärchen-Ausgehabend halten?" fragte er und klang euphorisch.
Einem was?"
Du und Bambino – ich und meine süßre reizende hübsche und überaus sexy Mandy... Was sagst du?" fragte er und wartete auf ihre Antwort als würde er auf ein Geschenk vom Weihnachtsmann warten.
Abby überlegte kurz, was sprach dagegen? Nichts. Außerdem wollte sie die Möglichkeit nutzen, Tony sehen zu lassen, dass ihr süßer Bambino privat gar nicht mal so übel war.
Du musst sehr verzweifelt sein, Tony...Aber was solls!" sagte sie, während sie den letzten Schluck ihres Getränks laut ausschlürfte und zauberte mit ihrer Zusage ein strahlendes Grinsen auf Tony`s erwartungsvolles Gesicht.

Gibbs. Nein, sie ist immernoch nicht am Platz. Haben Sie nicht schon mal angerufen? Ja, Wiederhören!" Dieses Mal knallte der Hörer etwas lauter, als er auf die Gabel fallengelassen wurde. Er stand auf, murmelte etwas Unverständliches vor sich hin und bewegte sich wieder in Richtung ihres Arbeitsplatzes, um die letzte Anrufszeit des Fremden auf den Zettel zu notieren, als er plötzlich Schritte hinter sich hörte. Er blieb stehen. Der Stift in seiner Hand machte sich plötzlich selbständig und fing an, ein nervöses Klicken zu verursachen. Sie kam ihm immer näher – bis sie schließlich direkt vor ihrem Arbeitsplatz und damit auch vor ihm stehen blieb.
Kate. Du hast mehrere Anrufe verpasst..." sagte er und durchbohrte sie mit seinem Röntgenblick. Sie sah ihn fragend an, dann bemerkte sie den Zettel. Ihm war bei ihrem Anblick plötzlich wieder wohl, seine ständige Sorge, ob begründet oder nicht, beruhigte sich. Und trotzdem war da etwas, was in ihm schlummerte, das ihn nervös bleiben ließ...

Oh ja – ich sehe es!" sagte sie und nahm den Zettel in die Hand. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen als sie den Namen las.
Du solltest zurückrufen, ich habe nämlich keine Lust, deine merkwürdigen Verehrer ständig abwimmeln zu müssen. Ich habe schließlich was zutun!" sagte er mit etwas zu viel Schärfe im Ton. Sein Blick bohrte immernoch in ihrem Gesicht, wartete darauf, jede Bewegung aufzusaugen, jedes Zeichen zu interpretieren. Wer war dieser Mann?

Das werde ich tun. Eigentlich habe ich ihm gesagt, er solle nicht hier anrufen, aber es scheint dringend zu sein...." sagte sie nachgebend und lächelte entschuldigend. Auf die Idee, dass es ihn aus persönlichen Gründen stören könnte und nicht aus beruflichen, kam sie nicht. Zu schroff und kalt ihr gegenüber war er in letzter Zeit gewesen. Sie hatte keineswegs ihre Arbeit schlecht gemacht, aber trotzdem beschwerte er sich. Wüsste ich es nicht besser, würde ich glauben, es stört ihn, weil... Weil ihm etwas an mir liegt? Ach komm schon Caitlin, werde erwachsen, ermahnten sie sich selbst. Das glaubst du doch nicht selbst. Hör auf in diesem Mann das zu sehen, was er nie sein wird. Nämlich dein!

Er bekam von ihrem Gedankenkampf nichts mit, keine Spur in ihrem Gesicht, die auch nur im Entferntesten verraten hätte, wer dieser Unbekannte ist. Los, sag es mir, forderte er sie stumm auf. Aber sie schwieg. Keine Antwort, keine Erklärung, nichts sagte sie. Seine Nervosität war immernoch hörbar, der Stift in seiner Hand spielte verrückt.
Entschuldige bitte, darf ich?" fragte sie dann und deutete auf ihren Stuhl. Er ging einen Schritt zurück und machte ihr Platz.

Ja, ich bin es. Du hattest angerufen?" Ihre Stimme klang so sonderbar weich; mit dem Unbekannten so vertraut. So habe ich sie nie erlebt, wurde ihm klar, während er sie immernoch heimlich beobachtete. Was tust du hier? ging ihm durch den Kopf, als ihm bewusst wurde, dass er immernoch neben ihr stand. Los, setze dich wieder an deinen Platz und höre auf, in fremder Leute Privatsphären klangheimlich zu lauschen! Du wirst ja noch wie Dinozzo!
Mit schweren Schritten bewegte er sich fort von ihr; seine Ohren allerdings waren bei ihr geblieben. Abendessen, aha, heute sogar, bei ihr... Je länger er zuhörte, desto merkwürdiger wurde es in seiner Magengegend. Und dann, endlich, legte sie auf.

Kate – private Gespräche haben hier nichts zu suchen!" kam es mahnend aus seiner Kehle, als er sich gerade hingesetzt hatte. Sie drehte sich langsam zu ihm um.
Es wird nicht wieder vorkommen" erwiderte sie trocken. Seine Zurechtweisung war schroffer als gewollt, aber er wollte sie nicht hören, wie sie mit einem anderen Mann flirtete, Geheimnisse austauschte, Abende und Nächte verabredete, um diese dann offensichtlich anschließend gemeinsam zu verbringen. Während er daneben stand. Mit gebundenen Armen und Händen, unfähig etwas dagegen zu unternehmen. Das ist eindeutig nicht seine Art, er handelt, er wartet nicht, er holt sich das, was er haben will. Und was willst du, fragte er sich? Sie, wie sie jetzt nur einige Schritte von mir entfernt sitzt, will ich. Sie, die mich nicht genug kennt, um mir anzusehen, dass es mich zerreißt – wenn ich auch nur daran denke, dass ein anderer ihre Hand hält, dass ein anderer ihrem Lachen zuhört, sie auf diese Lippen küsst, ihre Haut fühlt, ihren Körper... Er schüttelte den Kopf. Aufhören, hörst du, aufhören! Dann atmete er tief durch und zwang sich, sich wieder der trockenen Bürokratie zu widmen.

Wo willst du hin?" fragte er als er sah, dass sie aufgestanden war und dabei war, ihre Jacke anzuziehen.
Ähm, Gibbs – es ist sehr spät. Zeit für Feierabend!" antwortete sie und zeigte mit ihrem rechten Zeigefinger auf ihre Armbanduhr.
Sie hatte recht, wirklich viel zu tun gibt es nicht, nichts, was nicht am Montag hätte erledigt werden können. Ihm wurde klar, dass er gar nicht wahrgenommen hatte, dass, und wann überhaupt, all die anderen gegangen waren.
Bis morgen. Schönen Feierabend!" sagte sie aus reiner Freundlichkeit und klang immernoch beleidigt, beinahe verletzt. Seine unbegründete Schroffheit hatte sie ihm nicht verziehen.
Es folgte ein letzter Blick von ihr in seine Richtung, kurz, zu kurz in seinen Augen, dann war sie in Richtung Tür verschwunden. Und plötzlich war er allein in diesem großen Raum, der von einem Augenblick auf den nächsten so trostlos geworden war.
Los! Lauf ihr nach! Du bist doch sonst so zielstrebig bei allem was du tust. Doch sein Kopf wollte nicht auf das hören, was die Stimme, die aus der Herzgegend kam, sagte. Er trotzte seiner eigenen Aufforderung, trotzte sich selbst. In ihrem Falle war es nun mal anders; er war anders... Er konnte und durfte es ihr nicht sagen. Ihr war ihr aktueller Job wichtiger als eine Beziehung, das hatte er herausgefunden. Er hatte sie gefragt, natürlich indirekt, und sie hatte geantwortet. Und daran musste er sich halten, musste akzeptieren, dass es nicht in Frage kam, mit einer Mitarbeiterin etwas anzufangen, was ins Ungewisse führt und was aufgrund dessen, gefährlich sein konnte. Als er sich wieder selbst klargemacht hatte, dass es sinnlos und aussichtslos war, ihr zu folgen und es ihr zu sagen, seufzte er schwer und legte den nassen Stift auf den Tisch.

-

Es klingelte.
Jo? Du bist aber früh dran...!" sagte sie wie zu sich selbst, während sie zur Tür schritt. Etwas hastig drückte sie die Türklinke nach unten – und stockte sofort als sie die Gestalt vor ihrer Tür erkannte. Da stand nicht der, den sie erwartet hatte. Zwar stand die Gestalt im Dunkeln, aber es war unverkennbar der Mann, den sie am wenigsten erwartet hatte. Ihr leichtes Schmunzeln löste sich auf und verwandelte sich in eine Mischung aus Überraschung und Unglaubwürdigkeit. Nach einigen stummen Augenblicken, räusperte sie sich leise.

Gibbs." sagte sie heiser und schien erst bei der Aussprache seines Namens zu registrieren, dass es wirklich er war.
Kann ich rein kommen?" fragte die breitschultrige Gestalt ernst und trat auch gleichzeitig ein, ohne auf eine Antwort zu warten. Draußen regnete es, sein weißes Hemd klebte an ihm und es zeichnete sich deutlich ab, welche Kraft sich darunter verbarg. Aber er schien nicht zu frieren, noch schien er den nassen Regen auf seiner Haut wahrzunehmen. Mit langsamen schweren Schritten ging er an ihr vorbei und blieb dann stehen. Er war hereingetreten, ohne darum gebeten worden zu sein, er war hier erschienen, ohne dass sie es erwartet hatte. Aber hätte man sie gefragt, hätte sie still und klangheimlich bestätigt, dass es sie nicht wirklich überraschte, dass sie insgeheim immer dafür gebetet hatte. Aber niemand fragte sie, also gab sie es nicht zu – nicht mal sich selbst gegenüber.

Der Raum war nur matt erleuchtet, hier und da flackerten große Kerzen und spendeten Licht. Musik lief keine, was ihn überraschte. Sowas wie Bewunderung machte sich in ihm breit, Bewunderung darüber, dass es ihr gelungen war alles perfekt vorbereiten in der kurzen Zeitspanne, die inzwischen vergangen war. Er nahm ihren dezenten Duft wahr, der überall zu sein schien. Frisch und verführerisch roch es, für ihn also tust du es – das alles ist für ihn, schoss es ihm durch den Kopf und wieder überfiel ihn dieses sonderbare bittere Gefühl in der Magengegend. Beinahe kam es ihm so vor, als müsste er sich übergeben.

Hinter seinem Rücken hörte er wie die Tür leise zufiel. Er wusste nicht, wie er dahin gekommen war. War er gefahren? Hatte er sich fahren lassen? Es lag nur einige Minuten zurück, aber dennoch erinnerte er sich nicht. Wie in einer Trance kam er sich vor, wie in einem tiefen Traum. Nur hatte er diesmal die Gewissheit, nicht zu träumen, diesmal nicht, dafür war diese schmerzende Qual in seinem Bauch zu real, zu bitter, zu sehr brannte es in ihm.

Was tust du hier? Ist etwas passiert?" kam es aus ihrer Kehle und es war unüberhörbar, wie bemüht sie war, neutral und nicht schockiert zu klingen.
Aber was es auch immer ist, verdammt, das kann doch wohl warten, dachte sie. Es kann nicht sein, dass ich sogar nach zwölf Stunden Dienst von dir aufgesucht werde! Du hast mir jetzt schon den ganzen Tag verdorben und jetzt auch den Abend? Allein durch deinen Anblick, dein Erscheinen hier. Weißt du denn nicht, dass ich alles versuche, um mich auf einen anderen zu konzentrieren? Dass ich alles tue, um dich aus meinen Gedanken zu vertreiben? Nein, natürlich weißt du es nicht, woher solltest du auch? Du hast nicht umsonst drei Exfrauen. So taktlos und kalt wie du sein kannst. Manchmal glaube ich, du hasst mich, dachte sie, während sie immernoch auf seinen Rücken, seinen Nacken, sein silbernes Haar starrte.

Was geht hier vor?" fragte er finster, statt ihr zu antworten und drehte sich dann endlich zu ihr um. Sein Blick war matt, das Blau seiner Augen hatte sich in ein tiefes Schwarz verwandelt.
Wie bitte?" kam es ungläubig von ihr. Das ist unglaublich, dachte sie. Was geht es dich an! Sehe bloß zu, hier schnell zu verschwinden, bevor er kommt. Es geht dich nichts an, was ich tue, wohin ich gehe, hörst du?! Aber all dies wagte sie nicht zu sagen, geschweige denn, es laut zu schreien, allein dass sie es dachte, machte sie schon nervös.

Er sah sie prüfend an. Von oben bis nach unten, von unten bis nach oben. Sah diesen schwarzen Rock, der leicht über ihre Knie ging, das schulterfreie Oberteil mit den dünnen Trägern, die es einem Mann schwer machten, zu widerstehen und gleichzeitig leicht machen sollten, in dieser einen bestimmten Situation sie zu entkleiden. Seine Finger wurden plötzlich unruhig, eine heiße Welle unbekannter Herkunft stieg ihm in den Kopf, in seine Waden und Oberschenkel. Und wie von einer fremden Macht gelenkt setzte er sich in Bewegung, seine Beine bewegten sich zielstrebig auf sie zu – bis er nur einige Millimeter vor ihr stehen blieb. Aus nächster Nähe sah sie ein unbekanntes Flimmern in seinen Augen, sah die Anspannung in seinen Schultern, seinen Oberarmen, sah wie er vor ihren Augen mit sich selbst um Selbstbeherrschung kämpfte. Was geschieht hier nur? dachte sie verwirrt und überrascht. Was tust du, was hast du vor?

Das lasse ich nicht zu. Ich werde nicht zulassen, dass du seine wirst!" sagte er trocken, nahm entschlossen mit beiden Händen ihr Gesicht in seine großen Hände und küsste sie voller Begierde.
Es kam ihr vor, als hätte sie jeglichen Halt verloren, als schwebe sie, als gäbe es nur eine Sache, aus der die Welt zu bestehen schien, und das war dieser weiche fordernde Mund, den sie überall auf ihrer Haut zu fühlen schien. Auf ihren Lippen, ihren Schultern, ihrem Hals... Überall diese packenden Hände, dieser brennende Mund; überall waren sie fühlbar. Sie nahm eine Hitze wahr, die ihren bebenden Körper durchbohrten, nahm wahr wie sie vor Verlangen wie elektrisiert wurde. Und plötzlich hörten beide gleichzeitig, wie sanfte Musik unbekannter Herkunft in ihren Köpfen leise ertönte.

Ohne von ihr abzulassen, drängte er sie einige Schritte zurück, sodass er sie schließlich unsanft an ihre Haustür presste. Er hielt sie an den Handgelenken fest, als wolle er verhindern, dass sie sich wehrt und ihn unterbricht; wobei sie es gar nicht vorhatte, sie wollte bloß endlich mit ihren zitternden Händen nach ihm greifen, seinen Körper fassen, seinen Körper endlich fühlen. Er ließ von ihr los und ihre Hände fingen an, sich tief in seiner Haut zu vergraben, nahmen bedingungslos Besitz von all dem, was er ihr bot.

Der intensive Duft auf ihrer samtigen Haut stieg erneut in seine Nase und ihm schien, als würde er ihn benebeln. Dabei war sie es. Vollkommen außer Kontrolle schien er geraten zu sein, jeglicher Versuch, sich zusammenzureißen wäre unmöglich gewesen. Seine Lippen entbrannten und löschten zugleich und sie glaubte in seinen Küssen den Schmerz fühlen zu können, den ihm seine eigene Eifersucht verursacht hatte. Und so gab sie sich ihm hin, ließ jeden Vernunftsgedanken, jeden Zweifel, jedes Zögern in ihrem eigenen Kopf ungehört. Sie überließ sich freiwillig den suchenden und knetenden Händen, die genau zu wissen schienen, wo frau berührt werden will und braucht, um jegliche Kontrolle über sich selbst und ihren Körper zu verlieren.

Leroy Jethro Gibbs..." hauchte sie leise als wolle sie sich nochmal vergewissern, dass es tatsächlich er war, der gerade dabei war, sich ungeduldig zwischen ihre langen Beine zu drängeln. Ohne Zögern umschlang sie seinen Unterkörper und er zog ihren Rock hastig nach oben.
Und dann klingelte es.
Einmal, kurz, dann ein zweites Mal, etwas länger. Sie stockte plötzlich in ihrer Bewegung, er stockte in seiner Bewegung. Schwer atmend sahen sie einander wortlos an und wussten beide, wer vor der anderen Seite der Tür stand.

Kate? Ich bin`s, Jo... Ich weiß, ich bin etwas früh dran..." kam es von draußen. Gibbs schluckte, sein schneller Atem verriet die Erregung und Eifersucht, die ihn ihm tobten.
Als ihm wieder bewusst wurde, dieser ihm unbekannte Mann könnte Kate, seine Kate, berühren und fühlen wollen, wurden seine Griffe an ihrem erhitzten Körper immer fester.

Kate...?" kam es erneut von draußen und ein längeres Klingeln erfolgte. Ohne den Blickkontakt mit ihr zu unterbrechen, nahm er mit der einen Hand ihr Gesicht und begann erneut, sie leidenschaftlich wild zu küssen, während seine andere Hand bewirkte, dass die Knöpfe seines nassen Hemdes aufsprangen und schließlich zusammen mit seiner Hose zu Boden fielen. Und dann trennte sie beide nur der hauchdünne Stoff seiner dunkelblauen Boxershorts voneinander und verhinderte die beiderseits ersehnte Erlösung.
Kate ließ ihre Hände über die heiße und feuchte Haut seines Rückens gleiten, um schließlich tiefer zu wandern und ihn ungeduldig von dem störenden Stoff zu befreien. Ihre Lippen saugten und bissen die seinen, immer schneller, immer intensiver.
Plötzlich stoppte er in seiner Bewegung und löste sich kurz von ihren Lippen. Er sah ihr tief in ihre glänzenden Augen als wolle er diesen Augenblick, der mit Spannung und Erwartung vollgeladen war, hinauszuzögern, als wolle er ihn genießen in seinen vollen Zügen und sich diesem unglaublichen Glücksgefühl noch mal bewusst werden. Und in dem selben Augenblick als der Unbekannte beschloss, ein letztes Mal zu klingeln – hielt Gibbs es nicht mehr aus, er nahm sie entschlossen - und tauchte mit aller Kraft tief in sie ein. Kates keuchendes Aufstöhnen überlappte sich mit dem Klingeln, sodass ihre erregte Reaktion nur für Gibbs` Ohren wahrnehmbar war.

Und während sich vor der einen Seite ihrer Haustür ein Mann befand, der sich langsam entfernte, weil er annahm, die Frau, mit der er sich verabredet hatte, hätte es sich anders überlegt, befanden sich auf der anderen Seite der Haustür ein Mann und eine Frau, die ihrer ausgebrochenen Begierde vollkommen freien Lauf gelassen hatten und ungehalten begonnen hatten, zügellos einander zu erkunden, einander in höchste Ekstase zu treiben. Ohne an Folgen zu denken. Ohne Rücksicht. Ein Ausbruch ohne ein Zurück.

-

Langsam öffnete sie die Augen und drehte sich auf die andere Seite um. Und da lag er, ruhte auf ihren Kissen und schien im Schlaf zu lächeln. Sie grinste zufrieden und ließ ihren Blick von seinen Lippen auf seinen breitschultrigen Oberkörper gleiten, sah die offensichtliche Manneskraft, die sich dahinter verbarg, sah die großen Hände, die ihr so viele Wonnen geschenkt hatten in der letzten Nacht und am heutigen Morgen. Sein Unterkörper war unter einem weißen Laken versteckt, verbarg und versteckte das, was sie beim bloßen Gedanken schon nervös werden ließ. Sie biss sich genüsslich auf die Unterlippe als sie genau in dem Augenblick seine Stimme hörte.

Bist du zufrieden mit dem, was du siehst?" fragte er lächelnd und öffnete verspielt zuerst nur das eine Auge.
Hmmm... Sehr zufrieden... Aber ich sehe noch lange nicht alles...Bist du schon lange wach?" fragte sie und lächelte zurück.
Ich habe nicht geschlafen..." antwortete er und zog sie enger an sich.
Bist du denn gar nicht müde?" fragte sie ungläubig und ihr Lächeln wurde noch größer.
Oh, noch lange nicht! Dir beim Schlafen zuzusehen fand ich viel interessanter..." erwiderte er und küsste sie knabbernd auf ihren langen Hals.
Du kratzt..." sagte sie grinsend und fuhr dann mit dem Rücken ihrer linken Hand sanft über seine Wangen, auf denen sich leichte Bartstoppeln gebildet hatten.
Stört es dich?" erwiderte er leise, ohne seine Kussreise auf ihrem pochenden Hals und ihren ragenden Brüsten zu unterbrechen.
Ooh, ich liebe es... Es macht dich sexy..." gurrte sie zufrieden.
Sexy...?" wiederholte er und sah sie fragend an.
Hmmm, ja, sexy. So wie ich deinen Namen sexy finde..." erwiderte sie überzeugt.
„Sexy, sagst du?" fragte er leicht ungläubig.
Leroy Jethro Gibbs... Alles an dir lässt mich unweigerlich an... „ sie schmunzelte amüsiert „an Sex denken..." sagte sie schließlich.
Als sie beobachtete, wie die Puppillen seiner sanften blauen Augen größer wurden, beschloss sie, weiter zu reden.
Da ist etwas in deinen Bewegungen. Wenn du dir im Dienst nebenbei deine Cap aufsetzt, wenn du blind zum Telefonhörer greifst, wenn du im Notfall entschlossen zu deiner Waffe greifst... Ich kann dir nicht sagen was es ist, aber es macht dich... unwiderstehlich... Und sogar deine schlechte Laune wirkt charmant." gestand sie schmunzelnd.

Er beobachtete sie wie sie diese Worte aussprach, wie sie etwas sagte, dessen er sich nie bewusst gewesen war. Seine schlechte Laune war charmant? Sie sah also sogar in seinen Schwächen etwas Reizvolles. Als ihm dies bewusst wurde, wurde ihm gleichzeitig klar, dass keine Frau vor ihr ihn so gesehen haben kann. Ich wusste, bestätigte er sich selbst, mit ihr ist es andres. Sie ist anders.

Ich war zwölf Jahre alt." begann er leise während er mit einigen Strähnchen ihres Haares spielte.
Naja, elf Jahre, zehn Monate und drei Tage. Es war Frühlingsende und wir hatten nach der Schule auf einem der zwei kleinen Hinterhöfe gespielt. Ich war übrigens kein besonders guter Schüler... Als die Dämmerung anbrach mussten die meisten von uns nach Hause. Ich ging zu meinem Fahrrad, es lehnte am Zaun hinter der Schule - dann sah ich sie auf mich zukommen. In dem Alter ist man alles andere als selbstbewusst... Ich war versteinert, so kam es mir jedenfalls vor. Sie blieb vor mir stehen und ohne ein Wort küsste sie mich. Einfach so. Dann hat sie mich beinahe schüchtern angesehen und ist weggegangen. Ich habe nichts unternommen, ich habe sie gehen lassen. Während des darauffolgenden Sommers konnte ich an nichts anderes denken. Ihr Name... Ihr Name war Kate..." gestand er ihr leise und zeichnete mit seinem Zeigefinger zärtlich die Konturen ihres Mundes nach.
Soll das heißen, das erste Mädchen, das du geküsst hast, hieß auch Kate?" fragte sie etwas verträumt.
Sie hat mich geküsst, nicht ich sie." korrigierte er.
Und sie hieß wirklich auch Kate?" fragte sie neugierig.
Ja, ihr Name war Kate. Sie hatte stechend grüne Augen. Und damals war ich zu schüchtern, um irgendetwas zu unternehmen. Aber diesmal nicht..." sagte er und es klang wie ein Versprechen.
Dieses Mal lasse ich meine Kate nicht gehen!"
Sie war sprachlos vor soviel Liebe, die in seiner Stimme zu hören war, überwältigt von soviel offenen Gefühlen. Und dann küsste sie ihn sanft, erwiderte die offenkundige Liebeserklärung, die er ihr gerade gemacht hatte.

Als sie sich von ihm löste, fuhr sie verträumt durch sein silbernes kurzes Haar, welches sie nur einige Stunden davor durcheinander und in alle möglichen Richtungen gewirbelt hatte.
Du weißt, dass ich dich liebe, oder?" fragte er sie und sie hörte, dass eine Spur von Sorge in seiner Stimme lag. Sie lächelte erleichtert.
Ja, jetzt weiß ich es...Und deswegen ist dies mit uns kein Fehler. Es kann und wird keiner sein." flüsterte sie leise in sein Ohr und hauchte ihm einen zärtlichen Kuss auf seine Ohrmuschel.

Ich habe mal von dir geträumt..." begann er wieder und lächelte im selben Augenblick als ihm die Erinnerungen an den erwähnten Traum einfielen.
Ich habe geträumt, wir wären in einem Fahrstuhl stecken geblieben..."
„Im Fahrstuhl? Jethro – du kannst ja kitschig sein!
" sagte sie ungläubig und schmunzelte.
Als ich dir gerade etwas sagen wollte, hat mich Dinozzo aufgeweckt!"
„Typisch unser Tony – am richtigen Ort zur falschen Zeit... Und was wolltest du mir sagen?"
fragte sie neugierig und malte mit ihren Fingern abstrakte Figuren auf die Haut seines Oberkörpers.
Ich habe mich dagegen gewehrt, ich habe wirklich alles daran gesetzt, an dich als eine reizvolle Frau nicht zu denken. Aber die Wahrheit ist, ich weiß nicht ohne dich. Grundsätzlich fehlst du mir. Das ist mir klar geworden. Ich habe zuerst alles als berufliche und kollegiale Sorge abgetan, aber als ich heute mitbekam, dass dieser Mann mehrmals für dich anrief... Da ist mir wirklich beinahe der Kragen geplatzt. Ich musste einsehen, dass ich dich jeden Augenblick an einen anderen verlieren könnte. Und das ist das Gegenteil dessen, was ich will!" sagte er, zog sie noch enger an sich und legte beschützend seine Arme um ihren zarten Körper.

Wie lange sie stumm nebeneinander lagen, konnte sie nicht sagen, sie merkte nur, dass er das Bett verlassen wollte.
Wo willst du hin?" fragte sie beinahe enttäuscht.
Ich mache Frühstück und du kannst in der Zwischenzeit duschen, wenn du willst." sagte er, gab ihr einen kurzen Kuss, schob schnell das Laken zur Seite und spazierte nackt aus ihrem Bett. Sie sah ihm hinterher, beobachtete fasziniert die harten Muskeln seines Rückens, seiner Waden. Unwillkürlich musste sie zufrieden seufzen, als er gerade an der Tür stehen blieb, sich zu ihr umdrehte und ihr auf eine Art zuzwinkerte, die ihr klar machte, dass er ihre sündigen Gedanken erraten hatte. Sie blieb noch einen Augenblick länger liegen, überlegte, ob sie ihm folgen sollte, entschied sich dagegen, stieg aus dem Bett und verschwand für kurze Zeit in ihr Badezimmer.

Als sie rauskam, fand sie ihn in der Küche vor. Immernoch unbekleidet war er gerade dabei, rote reife Tomaten in hauchdünne Scheiben zu schneiden.
Kennst du dich in allen fremden Küchen so gut aus?" neckte sie ihn und ging dann geschmeidig auf ihn zu. Er drehte sich zu ihr um als er ihre Stimme hörte. In einen hellen Bademantel gehüllt stand sie vor ihm, in ihrem nassen Haar hatten sich Strähnen gebildet.
Er ließ alles liegen und legte seine Hände zärtlich auf ihre Schultern.
Ich bin extrem gut im Improvisieren..." sagte er und küsste sie sanft.
Das habe ich zu spüren bekommen...!" erwiderte sie absolut überzeugt und lachte leise herzlich auf.

Er beobachtete fasziniert die übriggebliebenen Wassertropfen auf ihrem Hals, beobachtete wie sie sich nach kurzem Aufenthalt auf ihrem Hals dazu entschlossen, tiefer zu gleiten und aus seiner Sicht zu verschwinden.
Er hieß Dominic..." begann sie und bezog sich auf das Thema erster Kuss, welches sie vorher angesprochen hatten.
Ich hasse ihn..." konterte er lächelnd und zog kurz an dem Band ihres Bademantels, welcher wie auf Befehl im selben Augenblick zu Boden fiel. Er drückte ihren nackten Körper an den seinen, und hob sie dann entschlossen mit einem Ruck auf die Küchenplatte.
Ich hasse ihn dafür, dass er dich als erster küssen durfte. So wie ich alle anderen Männer hasse, die dich berühren durften, dich lieben durften..." Und da war es wieder, dieses Brennen in ihm, das so zuverlässig aufkam, wenn er auch nur daran dachte, ein anderer könnte sie so sehen, wie er es gerade tat. Mit geröteten Wangen, nassem Haar und zitternd vor Erregung. Er küsste sie mit voller Hingabe, presste seinen erhitzten Körper an den ihren, nahm sich und gab auch ihr gleichzeitig endlich das, auf was sie beide so lange; zu lange; gewartet hatten. Irgendwo fiel das Messer Boden, die Tomaten folgten – nur Kate blieb da, wo sie war, auf der Küchenplatte, schmelzend unter seinen Händen und Lippen, diesen Mann mit all ihren Sinnen genießend, seinem wilden Körper ergeben und immer lauter keuchend ; immer lauter stöhnend...