Kapitel 3
Vedek: Bajoranischer Mönch, der unter dem oder der Kai steht, dem religiösen Oberhaupt
PADD: Schreibgerät oder digitales Informationsbrett, das in verschiedenen Größen existiert und je nach Kultur unterschiedlich aussieht
Shran: Ty'lek Shran war ein Andorianischer Offizier, der im 22. Jahrhundert die ersten Grundsteine zur Gründung der Föderation legte, indem er in guter Beziehung mit dem Sternenflotten-Offzier J. Archer stand, der der Captain der USS Enterprise NX-01 war. Andorianer haben blaue Haut, weiße Haare und Antennen, die ihre Emotionen widerspiegeln können
James Tiberius Kirk: Captain der USS Enterprise 1701 A und B im 23. Jahrhundert.
Nexus: Kosmisches Band, welches durch das Weltall reist und Lebewesen, die es berührt, in den Nexus bringt, eine Art Wirklichkeit, die zwischen dem normalen Raum, der Realität, und einer Halluzination existiert.
Malcolm McDowell: Schauspieler, der in The Mentalist den Sektenführer Bret Stiles verkörpert. Er spielte außerdem den El Aureaner Tolian Soran in „Treffen der Generationen", dem siebten Spielfilm, der als Antagonist Milliarden von Leben zerstören wollte, um in das Nexus zu gelangen. McDowell ist außerdem Onkel des Schauspielers Alexander Siddig, der durch die Rolle des Dr. Bashir in Star Trek: Deep Space Nine berühmt wurde.
Transporter: Einrichtung zum Beamen von Personen oder Gegenständen, wobei diese in einzelne Moleküle zerlegt werden und an andere Orten zusammengesetzt werden können.
Es war bereits spät am Abend und da der Mordfall außerhalb von Sacramento lag, bezog das Team Hotelräume, um dort während der Nacht zu schlafen. Sie aßen nur kurz gemeinsam zu Abend und Lisbon verabschiedete sich von ihren Leuten, als sie in die oberste Etage des hohen Gebäudes fuhr, wo noch ein Raum in dem fast ausgebuchten Hotel frei war.
California war ein sehenswürdiger Staat und wenn Föderationsmitglieder in Amerika Urlaub machten, kamen sie oft hierher, nicht zuletzt, um die beeindruckenden Korallenriffe zu sehen, als fast die gesamte Westküste vor über 200 Jahren im Meer versunken war.
Lisbon legte ihren Finger auf das PADD, das an der Wand hing und ihr wurde Einlass in ihr Zimmer gewährt. Ihr Koffer war bereits raufgebeamt worden und lag verschlossen neben ihrem Bett. Sie schaute auf die Uhr und wollte sich noch nicht fertig machen, aber zog schon mal ihre Uniform aus. Sie nahm sich ihr PADD und legte sich aufs Bett, um ein Buch zu lesen, als nach einer halben Stunde jemand klopfte. Wer auch immer es ist, ich bringe ihn um, murmelte Lisbon und stand auf.
Sie öffnete die Tür und erblickte einen keuchenden Jane. „Ich habe einen Zettel vom Mörder bekommen", erklärte er und hielt ein Blatt Papier hoch.
Sie seufzte und schob Jane zurück auf den Flur.
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Lisbon wusste, warum Jane gesagt hatte, er habe einen Zettel vom Mörder bekommen und nicht von Red John. Wie er selbst argumentiert hatte: Red John würde es niemals riskieren ihm hier eine Nachricht zu schicken, geschweige denn einen Handlanger dafür beordern. Das bestärkte nur seinen – und zugegebenermaßen auch ihren – Verdacht, dass es sich wirklich um einen Trittbrettfahrer handelte.
„Rigsby, ich möchte, dass sie die Kameras vom Hotel checken", sagte Lisbon schließlich und stand auf. Sie hatte sich so auf die Nacht gefreut, endlich mal wieder in Ruhe schlafen zu können. Der Mensch verließ den Raum, gefolgt von Cho und Van Pelt.
Sie wartete, bis sie die Tür hinter sich schlossen und drehte sich zu Jane um. „Sind sie okay?", fragte sie. Sie hatte bemerkt, dass er seine Gedanken und Gefühle vor ihr verschlossen hatte.
„Natürlich", antwortete Jane, aber selbst ohne ihre telepathischen Fähigkeiten wusste Lisbon, dass er log.
„Legen sie sich ein wenig hin", meinte sie und ging aus dem Raum. Sie würde dasselbe tun. In dem Moment, in dem sie aus dem Raum ging, wusste sie, dass er es nicht tun würde. Er ist alt genug, dachte sie, er weiß schon, was er tut. Aber genau das ängstigte sie. Sie zerbrach sich den Kopf darüber, was die nächsten Jane-typischen Schritte waren, aber sie kam nicht darauf und war viel zu schnell in ihrem Hotelbett eingeschlafen.
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Die Tür fiel zu und Jane stand noch im selben Moment auf. Er zögerte noch einen Augenblick, lief dann jedoch zum Replikator, der in der grauen Wand eingebaut war. „Ein neues, leeres Schreib-PADD", forderte er.
„Wählen sie: Klingonisch oder Föderations-Standard?", fragte der Computer.
Seit wann gab es Klingonisch PADDs in normalen Replikatoren zu bestellen? „Föderations-Standard", antwortete er.
„Wählen sie die Größe."
„Ein ganz normales, kleines Hand-PADD", seufzte er.
Natürlich hatte Lisbon – wie fast immer Jane bezüglich – Recht und der Berater verließ das Hotel, sobald Lisbon außer Sichtweite war. Er lief nicht lange, bis er ein Restaurant fand, dass 24 Stunden geöffnet hatte. Er setzte sich hin und holte das PADD und den elektronischen Stift heraus. Zunächst suchte er in seinem eigenen PADD ein Logbuch des Opfers oder eine andere ausführliche Stimmaufzeichnung und wurde nach einigen Minuten fündig.
Er tippte die Kommandos ein, weil er kein Aufsehen erregen wollte, auch wenn das Restaurant fast leer war. Er bestellte schnell einen Raktajino, als die Kellnerin vorbeikam, und konzentrierte sich dann weiterhin darauf, die Stimmmuster zu kopieren. Dann fing er an, einen eigenen Tagebuchtext zu kreieren, der dann durch den Computer so gesprochen wurde, dass es sich anhörte, als hätte das Opfer ihr Tagebuch selber gesprochen.
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„Na schön…was haben sie ihm erzählt?", fragte Lisbon, als sie Jane von seinem Gespräch mit Dr. Wagner erwartete.
„Ach kommen sie, Lisbon…ein wenig Überraschung muss sein", sagte er, war mit seinen Gedanken aber nicht vorsichtig genug.
„Er sucht das Tagebuch jetzt, oder?", fragte sie und er nickte enttäuscht. Sie seufzte, weil sie seine kleinen Spielchen hasste und schob sich an ihm vorbei in das Gebäude. „Kommen sie jetzt, oder nicht?", fragte sie und wartete, bis er hinter ihr herkam. „Es ist abgeschlossen", bemerkte sie, als die Tür sich nicht automatisch öffnete.
Jane lächelte nur müde und tippte kurzerhand die richtige Kombination ein. Lisbon schüttelte nur ihren Kopf und folgte ihm. Sie ließ ihn vorgehen.
Der Berater ging hinüber zum Büro des Opfers und trat rasch ein. Sofort drehte sich Wagner um, der gerade auf dem Boden gehockt hatte. Überall verstreut lagen die Inhalte des Raumes.
„Suchen sie etwas?", fragte Jane.
„Ich…glaube, die Versuchung, Detektiv zu spielen, war zu groß", stotterte Wagner.
Jane nickte. „Sie suchten das Tagebuch."
„Genau…Warum sind sie hier?"
„Ich habe meinen Kommunikator in ihrem Büro vergessen. Lassen sie es mich mal versuchen. Ich bin gut darin, Dinge zu finden", antwortete er und stellte sich in die Mitte des Raumes. Er schloss die Augen und ging einmal im Kreis herum. „Wissen sie, Telepathen sind immer gut darin, Leute einzuschätzen. Und daher können wir auch spüren, wie eine Person sich verhält und ihre Sachen anordnet." Jane ging durch den Raum und spürte, wie Lisbon, die noch im Gang stand, die Augen verdrehte. Schließlich blieb Jane vor dem Bücherregal stehen und blickte es für einige Zeit an, bevor er sich nach unten beugte.
Doch anstatt sich das unterste Regal anzuschauen, sah er unter das Möbelstück. Er kniete sich auf den Boden, warf Wagner noch einen vielsagenden Blick zu und langte unter das Regal. Und siehe da, er hielt ein PADD in der Hand, als er wieder aufstand. Er schaute sich kurz ein paar Aufzeichnungen an und streckte ihm dann die Hand aus, „Doktor Wagner, vielen Dank für ihre Hilfe." Er lächelte und verschwand aus dem Raum.
Es dauerte keine zwei Sekunde, bis er ihm hinterherkam, „Mr. Jane? Hier geht es in mein Büro."
„Oh", machte Jane und folgte Wagner, weil er noch seinen ‚Kommunikator holen musste'.
Sie betraten Dr. Wagners Büro und Jane suchte die Couch ab. Er drehte sich gerade um, als er in den Lauf einer Pistole blickte. Wagners Gesichtsausdruck hatte sich plötzlich verändert und seine hörnerartige Haut auf dem Kopf verfärbte sich rötlich. „Geben sie mir das Tagebuch", verlangte er und streckte seine klauenartige Hand aus.
Jane tat, wie befohlen und Wagner scrollte durch die Aufzeichnungen. Wenn Jane das gewusst hätte, hätte er sich die Mühe mit den Sprachmustern gar nicht machen müssen. Dann erblickte Wagner das Wort „Geben sie es zu!" und realisierte, dass er blindlings in eine Falle getappt war.
Er lächelte. „Sehr amüsant." Er warf das Tagebuch auf seinen Tisch und wandte sich zu Jane zurück. „Warum denken sie, es war ich? Ich sage nicht, dass ich es war, aber wieso denken sie es?"
„Als wir uns das erste Mal begegnet sind, meinten sie, sie wüssten nicht, wer Red John sei. Aber sie haben Bücher über Kriminalistische Psychologie hier stehen…und da sind ganz bestimmt Artikel über ihn drin. Und als Doktor…können sie eine Person problemlos imitieren. Es ist offensichtlich, dass sie es waren."
„Sie haben keine Beweise…sie sind nur sauer, wegen dem Brief…"
Draußen hörte Lisbon jedes Wort mit und mit der Zeit, gab er schließlich die Morde zu.
„Na schön, sie sind verhaftet", sagte Jane schließlich.
Wagner erwiderte, er würde die Waffe halten, doch Jane lächelte nur, als ob er ihn eine geladene Waffe auf ihn zeigen lassen würde. Lisbon seufzte, er hatte wirklich an alles gedacht. In dem Moment, wo Wagner blinzelte, rannte Jane schnell weg. Ein Schuss fiel und Lisbon verfluchte Jane, auch sie getäuscht zu haben.
„Na los", schrie er, als er an ihr vorbei rannte.
Sobald sie Wagner sah, nahm sie ihre eigene Waffe hoch und schrie, dass er seine senken sollte. Er seufzte, wusste aber, dass Widerstand nichts bringen würde und ließ sich vom Agent die Pistole abnehmen.
„Ich verhafte sie wegen zweifachen Mordes", erklärte sie, als sie ihm die Handschellen anlegte und in Janes verschmitzt grinsendes Gesicht schaute.
Zwei Stunden später saß Wagner in einer Arrestzelle, wo er durch ein elektronisches Kraftfeld nicht hinauskonnte. Jane hatte für das Team Andorianische Donuts mitgebracht, doch trotz seines Erfolges waren sie miesgelaunt. Obwohl Lisbon am Ende für seinen Plan eingewilligt hatte, war er doch selbst in Gefahr geraten und hätte ihnen früher sagen sollen, wen er verdächtigte.
„Schauen sie nicht so, ich bin immer noch böse", meinte sie, an ihrem Schreibtisch sitzend, als Jane sich vor sie stellte.
„Es tut mir leid."
„Nein, das tut es ihnen nicht", antwortete sie leicht gekränkt.
Ohne ein Wort legte er etwas auf ihren Tisch, das aussah, wie altmodisches Papier.
„Ein Frosch?", erkannte sie verwirrt. Es war ein irdisches Tier, aber auf Romulus hab es ähnlich Tierarten. „Das macht natürlich alle besser", murmelte sie, als Jane wegging.
„Oh mein…!", schrie sie, als der Frosch sie plötzlich ansprang.
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Es dauerte noch sieben Monate, bis Shran nach Sacramento versetzt wurde. Nach einiger Recherche hatte sie herausgefunden, dass ihr ehemaliger Verbindungsmann einen unglücklichen Unfall auf Delta III hatte.
Es war bereits Abend, als Shran von ihrer neuen Wohnung auf die Straße trat und sich auf den Weg zur nächsten Transporterstation begab. Da es bereits so spät war, benutzte sie den Selbstbedienungs-Terminal und gab die Koordinaten von einem Ort etwas weiter weg von ihrem Ziel ein. Auch wenn es nicht gerade ein unbelebter Ort war, wollte sie nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und hatte daher auch nicht mehr ihre Sternenflottenuniform an – oder besser gesagt, die Art an Uniform, die man bei ihrer Arbeit trug.
Sie rematerialisierte und lief die letzten paar Meter zum großen, weißen Gebäude. Es war eine der ältesten Kirchen auf diesem Planeten und wurde erstaunlicherweise noch immer als eine benutzt. Die meisten Gottesdienste, die hier abgehalten wurden, waren vom Bajoranischen oder Vulkanischen Glauben, aber fast alle Föderationsrassen konnten sich hier versammeln, um zu beten. Sie selbst hatte sich nie als religiös angesehen, oder als traditionell, und vielleicht war das auch der Grund gewesen, weshalb sie das tat, was sie tat…vielleicht wurde sie deshalb rekrutiert.
Ungefähr zehn Minuten später erreichte sie den großen Innenhof der Kirche und ohne beachtet zu werden, betrat sie den Garten, der zur Ruhe und Entspannung dienen sollte. Es war schon spät und deshalb waren noch kaum Leute in der Kirche, sondern meistens nur die Mönche und Sektenangehörige, die hier lebten.
Shran setzte sich auf eine Bank und wartete. Nach einer kurzen Zeit setzte sich jemand neben sie und ihre Antennen zuckten aufgeregt, als sie den Kircheninhaber, Bret Stiles, erkannte. Er sagte zunächst nichts und Shran betrachtete ihn. Er war El Aureaner, eine sehr alte Rasse, die langsam alterte als Andorianer. Er sah aus wie ein Mensch Ende 60, hatte weißes Haar und braun-rot gebrannte Haut. Es gab Gerüchte, dass er auf einem Raumschiff gewesen war, dass im 23. Jahrhundert von der USS Enterprise gerettet wurde – nur unter Einsatz des Lebens ihres Captains, James T. Kirk…mehr oder weniger starb dieser bei dem Befreiungsversuch des Raumschiffes aus dem kosmischen Naturband, dem Nexus.
„Ich nehme an, sie hätten mich nicht erwartet", fing Stiles schließlich die Konversation an.
„Entschuldigung?"
„ER hat sie hier hin geschickt, ohne sie wissen zu lassen, wer ihr neuer Verbindungsmann sein würde."
„Sie arbeiten für Red John?", fragte Shran überrascht. Aber mittlerweile schockte sie nichts mehr, nachdem sie erfahren hatte, wie groß SEIN Netz bereits war.
„Naja, ‚arbeiten für' würde ich es nicht gerade nennen, aber ich kenne ihn und wir respektieren uns", antwortete Stiles.
„Und was hat er mir zu sagen?"
„Dass er stolz auf sie ist. Sie sind mittlerweile eine seiner loyalsten Schülerinnen."
„Das zeigt er aber nicht gerade."
„Glauben sie mir, sie werden bald seine Dankbarkeit spüren. Er vertraut ihnen und lässt nicht jeden so nah heran an seinen Erzfeind."
„Er nennt Jane seinen Erzfeind? Ist das nicht ein wenig altmodisch?"
„Und meinen sie, den Komponisten Bach zu hören, der aus einer fremden Kultur stammte und vor über 500 Jahren lebte, ist nicht altmodisch?", lächelte Stiles.
„Gutes Argument. Was soll ich tun?"
„Beobachten sie. Es kann sein, dass sie mit ihm in Kontakt treten. Verhalten sie sich ganz normal und berichten sie mir von Zeit zu Zeit…und jetzt entschuldigen sie mich, ich muss der Mitternachtsmesse der Bajoranischen Vedeks beiwohnen", erklärte er und stand auf und verschwand kurz darauf.
Shran blieb noch einige Zeit sitzen, bevor sie sich auf den Weg zu ihrer Wohnung machte. Sie hatte viel zu berichten.
