(DS9 Spoiler)
Kapitel 6
Mit einem Mal schlug Van Pelt ihre Augen auf. Zunächst blieb es schwarz, bis sich alles verschwommen zeigte und langsam Form annahm.
„Sind sie okay?", fragte Odo, der Sicherheitschef.
Van Pelt nickte noch etwas benommen und er half ihr hoch. „Was ist passiert?"
„Ich habe versucht, sie über die Comm zu erreichen und als weder sie noch ihr Boss sich meldeten, habe ich sie lokalisiert und hier gefunden. Lassen sie uns erst mal zur Krankenstation. Wo ist Agent Lisbon?"
„Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass wir hier ein Geräusch gehört haben und als ich nachschauen wollte, wurde ich von hinten überrascht. An mehr erinnere ich mich leider nicht", gab sie zu.
„Computer, lokalisiere Agent Lisbon", sagte Odo, als sie aus der Shuttle-Rampe in den Gang traten.
„Agent Lisbon befindet sich nicht auf der Station", antwortete die wohlbekannte Computer-Stimme.
„Verdammt…meinen sie, es könnte dieser Red John-Mörder sein?"
„Wäre möglich. Auch wenn Entführungen bei ihm nur selten vorkommen", meinte Van Pelt und dachte dabei an die Mentalistin, die Red John herausgefordert und dafür teuer bezahlt hatte.
Odo brachte Van Pelt auf die Krankenstation und informierte die anderen Agenten, woraufhin Rigsby sich erst mal um Van Pelt „kümmerte". Jane und Cho traten wieder auf das Promenadendeck.
„Meinen sie wirklich, es war Red John?"
„Wer sonst?", gab Jane geschlagen zurück.
„Tun sie es nicht."
„Was denn tun?"
„Irgendetwas Dummes. Ihnen fällt da schon was ein."
„Wenn ich was Dummes mache, wollen sie mitmachen?"
„Ja."
„Gut", sagte Jane und sie gingen wieder zurück zum Tatort, wo sie ungestört waren.
„Computer, lokalisiere Agent Lisbon", befahl Jane.
„Agent Lisbon befindet sich nicht auf der Station."
„Wie viele halb-betazoidisch, halb-romulanische Lebensformen befinden sich an Bord?"
„Es befinden sich keine halb-betazoidisch, halb-romulanische Lebensformen auf der Station."
„Wie viele betazoidische und halb-betazoidische Lebensformen sind an Bord?", fragte Jane, während Cho sich bereits setzte, weil er merkte, dass das länger dauern würde.
„Es befinden sich 14 betazoidische und 6 Halb-Betazoidische Lebensformen auf der Station."
„Zeig mir die Liste dieser Personen an", sagte Jane und schaute die Liste, die auf dem Display des Schreibtischcomputers erschien, durch. Lisbon war nicht darunter.
„Und was jetzt?", fragte Cho.
„Entweder er hat sie von der Station entführt oder er hat ihre Biomuster vom Stationscomputer gelöscht", sagte Jane. „Wir brauchen Van Pelt, um die letzte Möglichkeit zu überprüfen."
„Meinen sie nicht, wir sollten mit dem Sicherheitspersonal der Station zusammenarbeiten?"
„Aber wir wollten doch etwas Dummes machen, oder?" Jane setzte sich vor den Computer. „Ich kann keine Transporteraktivitäten erkennen und kein Schiff hat die Station verlassen."
„Was ist, wenn sie auf einem der Raumschiffe ist, die auf der Station andocken?", fragte Cho in dem Moment, wo die Tür aufging.
„Wir haben bereits alle Raumschiffe gescannt – ohne Erfolg", erklärte Odo, der gerade hereinkam.
„Gab es Transporteraktivitäten?", wollte Cho wissen.
„Wir sind gerade dabei, dass zu überprüfen, aber allem Anschein nach ist ihre Agentin nicht mehr hier", sagte Odo mit bedrückter Miene. Er war erst seit kurzem wieder hier und wollte nicht schon so bald einen Tiefschlag verkraften.
„Fähnrich Sekla an Constable Odo", kam über die Inter-Comm.
„Odo hier", sagte der Sicherheitschef und tippte seinen Kommunikator an, der an seiner Uniform befestigt war.
„Wir haben die Transporteraktivitäten überprüft. Wer auch immer das war, er war gründlich, hat aber anscheinend absichtlich eine Spur hinterlassen. Agent Lisbon wurde auf ein kleines Raumschiff gebeamt, dessen Impuls-Antrieb-Signatur wir jedoch bestimmen konnten. Derzeit fliegt es ungetarnt im Orbit von Bajor."
„Danke, Fähnrich", sagte Odo und schaute die beiden Männer mit einem vielsagenden Blick an.
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Nachdem Jane Cho erfolgreich in einer Shuttlerampe eingeschlossen hatte, machte er sich auf den Weg zur Docking-Station 2, wo ein Föderationsshuttle für ihn bereitgestellt wurde. Er wollte es gerade betreten, als er hinter sich Schritte näherkommen hörte. Erst dachte er, Van Pelt oder Rigsby hätten Cho entdeckt und wollten ihn aufhalten, doch dann sah er eine Andorianerin in einer Sternenflottenuniform.
„Kann ich ihnen helfen?", fragte er verwirrt, als sie gegenüber von ihm stehen blieb.
„Ich denke, ich kann ihnen helfen, Mr. Jane. Aber ich glaube, wir sollten ihren Erzfeind nicht unnötig warten lassen, oder?", lächelte sie und betrat das Shuttle.
Jane folgte ihr kopfschüttelnd und sie starteten zunächst die Reise nach Bajor.
„Wer sind sie?", fragte er misstrauisch.
„Mein Name ist Lieutenant Shran, aber das wird ihnen nicht viel sagen. Was denken sie denn, „wer ich bin"?", fragte sie und schlug ihre Beine übereinander.
Jane schätzte sie auf Anfang dreißig, sie war schlank und ihre Uniform sah neu aus.
„Sie arbeiten für Red John. Sie scheinen wegen der Geheimdienstkonferenz hier zu sein, doch er hat sie hierhin geschmuggelt. Ihre Uniform ist kaum getragen worden."
„Fast richtig. Ich arbeite seit fast sieben Jahren für Red John…mehr oder weniger. Haben sie jemals von Sektion 31 gehört?"
„Nein…"
„Ein Geheimdienst der Föderation."
„Die Föderation hat nur einen Geheimdienst."
„Wir stehen außerhalb. Wir spielen nicht nach den Regeln der Föderation, wir suchen uns unsere eigenen Missionen…was nicht bedeutet, dass wir alles gelassener nehmen. Wir haben mehr Möglichkeiten wie der Tal Shiar oder der Obsidianische Orden. Wir haben keine ethischen oder gesetzlichen Grenzen. Wir arbeiten inoffiziell und ohne das Einverständnis der Föderation oder der Sternenflotte."
„Und sie arbeiten für die."
Sie nickte kurz. „Wir beobachten Red John schon seit seinen Anfängen. Er denkt, ein Mitglied in der Föderation – in der computertechnischen Abteilung – zu haben, aber in Wirklichkeit wurde sein Netzwerk von Sektion 31 infiltriert – was nicht bedeutet, dass wir ihn von Zeit zu Zeit zu unserem Vorteil unterstützt haben. Halten sie mich nicht für ein Monster, Mr. Jane, ich tue nur wie mir befohlen wird."
„Ihr Ur-ur-ur-ur-Großvater wäre bestimmt stolz auf sie", bemerkte er ironisch und bezog sich auf Thy'lek Shran, Offizier der Andorian Imperial Guard, der durch Verbindungen zu Captain J. Archer den diplomatischen Grundstein zur Gründung der Föderation legte.
„Ein bisschen mehr ‚Ur'", bemerkte sie bissig. „Man bewirbt sich nicht bei Sektion 31…und dann ist man nicht mehr in der Position, sich Gedanken über Ethik und Moral zu machen."
„Ich will gar nicht wissen, was in der Geschichte der Föderation noch alles von Sektion 31 gelenkt wurde", murmelte Jane. „Warum helfen sie mir jetzt?"
„Ich habe vor anderthalb Stunden von Red John den Befehl bekommen, Lisbon zu betäuben, auf ein getarntes Raumschiff zu beamen und mit Autopilot nach Bajor zu schicken, wo er sie in Empfang genommen hat. Jetzt habe ich von meinem Boss den Bescheid bekommen, dass meine Mission beendet ist und wir genug Informationen gesammelt haben…nicht nur über Red John selbst, sondern über fast alles und jeden, was auf sein Konto geht."
„Und wie lange wären sie schon in der Lage gewesen, ihn zu arrestieren?", fragte Jane, der langsam sauer wurde. Sie sagte das alles so leicht.
„Hören sie mir zu, Jane. Ich fälle keine Entscheidungen. Ich weiß, was er ihnen angetan hat. Und es tut mir Leid. Aber sie sollten froh sein, dass ich nicht zum offiziellen Sicherheitsdienst gehöre…wenn sie die Gelegenheit bekommen, dann können sie ihm von mir aus antun, was sie wollen."
Jane nickte und überlegte einige Zeit. „Wo genau ist er jetzt?"
„Soweit ich weiß, wollte er Lisbon in die Feuerhöhlen von Bajor bringen." Sie holte tief Luft bevor sie fortfuhr. „Sie kennen seine Psyche, Mr. Jane. Er hat seine eigenen Regeln, er hört gerne Bach-Musik, er hat seinen Stil und er ist grauenvoll. Die letzten zwei Jahre hat er sich in die Bajoranische Religion vertieft. Meinen sie, es ist ein Zufall, dass genau heute, am Bajoranischen Glaubensfest, ein weiterer Mord geschieht – und sie zufällig nicht auf der Erde sind, was zu weit von hier entfernt gewesen wäre?"
Jane begann auch darüber nachzudenken und starrte aus dem Fenster und auf den Planeten, der langsam größer wurde.
„Laut dem Bajoranischen Glauben sind in den Feuerhöhlen die Pah-Wraith eingesperrt. Sie sind die bösen Propheten, das Gegenstück zu den Propheten, zu denen die meisten Bajoraner beten."
„Ich halte nichts von Religion", meinte Jane leicht abfällig.
„Uns sind diese Propheten bekannt als Wurmloch-Aliens, die im Wurmloch nahe Deep Space Nine leben und außerhalb der linearen Zeit existieren. Wenn er aber die Pah-Wraith freilässt, können sie das Wurmloch übernehmen, wie es vor über 10 Jahren einmal passiert ist. Und stellen sich vor, was das für die tiefreligiösen Bajoraner bedeuten würde…und erinnern sie sich an den Mentalisten, der vor über fünf Jahren auf Bajor in einer Fernsehsendung aufgetreten ist, die Religiösität der Bajoraner ausgenutzt hat…aber auch über einen gewissen Möder hergezogen hat?"
Jane schloss die Augen. Das durfte doch alles nicht wahr sein.
„Warum Lisbon? Wofür? Um mich hierher zu locken?"
„Um die Pah-Wraith zu beschwören, muss man ihnen eine Art Opfer darbieten."
„Warum sie?"
„Sie lieben sie. Das wussten vermutlich alle Schüler Red Johns bevor sie es realisiert haben."
Jane wollte gerade protestieren, als sie ihm das Wort abschnitt. „Wir treten in den Orbit von Bajor ein. Ich lande das Shuttle vor den Feuerhöhlen…dann können sie Lisbon beweisen, wie sehr sie sie lieben." Und das würde er auch…
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Als Lisbon aufwachte, war das erste, dass sie spürte, kalter Stein. Verwundert schlug sie ihre Augen offen. Es war wirklich kalter Stein. Sie war in einer Höhle. Es war dunkel und nur ganz wenig Licht drang hier ein und wurde von den Felsen reflektiert. Schemenhaft erkannte sie jemanden abseits an einer tiefen Schlucht knien.
Dieser Schatten drehte sich zu ihr um. „Schön, dass sie rechtzeitig aufgewacht sind. So verpassen sie auch nichts von ihrer eigenen Opferung."
„Opferung?", stöhnte sie. Sie hatte fürchterliche Kopfschmerzen. Doch plötzlich fühlte sie sich hellwach. Sie kannte diese Stimme.
Dann begann diese Person Bajoranisch zu reden. Es hörte sich an wie ein Gebet. Er stand auf und trat von der Schlucht zurück.
„Das war wohl nichts", kommentierte Lisbon, als nichts passierte.
„Seien sie geduldig", sagte die Person und schritt zu ihr herüber.
Und dann traf es sie wie ein Schlag: Brett Partridge! Der Forensiker. Der Vorta, der das Dominion verraten und die Föderation um Asyl gebeten hat. Er war Red John. Die ganze Zeit über hatte er sie täuschen können. Nicht nur sie und den gesamten Sicherheitsdienst, sondern auch Jane.
Doch sie hatte keine Zeit, überrascht zu sein, als es plötzlich heller wurde. Sie kniete sich hin und stand langsam auf, um in die Schlucht hinunter zu schauen. Dort hatte sich etwas Grelles gebildet, ein Feuerball, der immer größer wurde. Einzelne Feuergeister brachen aus der Formation aus und füllten schließlich die gesamte Schlucht.
„Die Pah-Wraith", murmelte sie. „Sie sind verrückt", schrie sie und wollte sich auf sie stürzen, doch er zückte einen Phaser.
„Nicht so schnell", sagte Partridge und lächelte. Seine lila Augen glühten und stachen aus seiner hellen Haut heraus. Seine Haare waren pechschwarz und er trug wieder typisch Dominionesische Kleidung.
„Die Pah-Wraith werden das dunkle Zeitalter für Bajor einleiten und nicht einmal ein Psychic kann den Leuten ihre Hoffnung wiedergeben. Doch leider verlangen die Pah-Wraith ein Opfer…"
„Aber das werden sie nicht kriegen", ertönte plötzlich eine Stimme aus dem Korridor.
„Patrick…wie schön", murmelte Red John und lächelte breit, als Jane in die Höhle trat. „Oh…und wen sehe ich denn da, eine kleine Verräterin?", fragte er, als er Shran entdeckte. „Es tut mir wirklich leid für sie beide, aber sie sind zu spät."
Jane kam näher und schüttelte den Kopf. „All die Jahre…sie tun Lisbon nichts an!", sagte er schließlich entschlossen.
„Jane, gehen sie hier weg!", sagte Lisbon und wollte dazwischen schreiten, doch Shran hielt sie zurück. Jane jedoch ließ sich nicht mehr aufhalten, er schlug Partridge den Phaser aus der Hand.
„Lisbon, Shran, gehen sie hier raus. Das ist nur noch etwas zwischen uns", erklärte er und wandte sich an den Mörder, den er ein halbes Jahrzehnt lang gejagt hatte.
„Nein, Jane! Ich lasse sie hier nicht alleine", wehrte sich Lisbon, doch Shran zog sie wider ihren Willen aus der Höhle. Lisbon blickte zurück und sah, wie Jane und Partridge angefangen hatten, aufeinander loszugehen und sich auf dem Boden wälzten. Jane schrie wie am Spieß, als der Vorta ihm ein Klingonisches Messer in den Bauch rammte. Sie rutschten über den steinigen Boden und hörten nicht auf, sie gegenseitig Schaden zuzufügen. Immer näher kamen sie dabei der Kante zur feurigen Schlucht.
Schließlich riss sich Lisbon aus Shrans Griff los, wobei die Andorianerin sie jedoch nur beschützen wollte. Lisbon rannte auf die beiden kämpfen Männer zu, um dazwischen zu schreiten…doch sie war zu spät. Es passierte nur in Sekunden, doch es fühlte sich an wie Zeitlupe. Lisbons Mund stand offen und sie ging machtlos auf die Knie, als beide, Patrick Jane und Brett Partridge, über die Kante fielen und in der feurigen Höhle, die mit Pah-Wraith Geistern gefüllt war, verschwanden.
„Nein!", schrie sie und hätte sich selbst hinuntergestürzt, wenn Shran sie nicht davon abgehalten hätte. Gesättigt mit dieser Opfergabe, jedoch ohne einen Abgesandten aus Fleisch und Blut, der sie durch die für ihn selbst linear ablaufende Zeit führen konnte, verschwanden die Pah-Wraith wieder in ihrer nicht-physischen Existenz und die Höhle blieb dunkel und still zurück. Nur das leise Schluchzen Lisbons hallte von den Wänden zurück…
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