Slytherinwege

Titel: Amelia Potter - Slytherinwege

Autorin: Salarial

Pairing: wird es geben aber erst später

Rating: P18 auch erst später aber es wird auch so düster

Updates: einmal im Monat (dafür sind die Kapitel recht lang)

Genre: Allgemein

Disclaimer: Alle Orte, Namen und eben alles Bekannte gehört nicht mir sondern JKR ich verdiene kein Geld damit. Erhebe auch keinen Anspruch welches damit verdienen zu wollen und ihr wisst doch sowieso, dass nichts mir ist, also warum schreib ich's eigentlich?

Anmerkung: Ähnlichkeiten mit anderen Geschichten sind nicht beabsichtigt… etc.

Kurzbeschreibung:

Was-wäre-gewesen-wenn… Ich liebe diese Gedankenspiele und ein Solches ist auch meine FF. Was wäre gewesen wenn, Harry Potter als Frau geboren worden wäre. Mal angenommen die Prophezeiung hätte von einer Frau gesprochen, so wäre bei den Dursleys nicht Harry sondern Amelia aufgewachsen und dort setzte ich ein. Von Band eins bis sieben nah an den Büchern und doch anders.

Vorwort:

Jahre nachdem ich dachte ich hätte mit Harry Potter endlich abgeschlossen, habe ich mich noch einmal darangesetzt und diese FF von mir nochmal durchgelesen.

Das ist jetzt die zweite Überarbeitung.

Ich habe diese FF hier angefangen und eigentlich damals nur Harry nach Slytherin gesteckt. Doch da mir irgendwann klar wurde, dass es die letzte FF sein wird, die ich jemals schreiben werde, habe ich sie nochmal umgeschrieben und zwei Ideen verknüpft.

Harry ist jetzt weiblich und heißt Amelia und Amelia wird eine Slytherin.

Warum Amelia? Ganz einfach. Es ist ein typischer alltäglicher beliebter englischer Name. Er ist nicht außergewöhnlich und viele Mädchen heißen in England so, so wie wir in Deutschland Sophies's haben. Genau so kam Harry's Name auch zustande.

(Amelia Wortbedeutung: Die Tüchtige, Die Tapfere, die Geliebte)

Nachdem ich ca. 2016 bei Band 6 angekommen war, habe ich die Geschichte nochmal pausiert. Online war aber nie mehr als bis Ende, Band 4 zu lesen.

Jetzt habe ich mich nochmal drangesetzt und alles überarbeitet.

Mein Problem, warum ich nicht weitergeschrieben habe, war das Amelias Charakter sich nicht für die Storyline positiv entwickelt hat. (Ja ich schreibe Szenen und während ich sie schreibe, überlege ich mir wie meine Charaktere reagieren würden. Manchmal tuen sie überraschende Dinge.)

Mit der alten Amelia hätte es niemals ein Happy End geben können. Nicht mal ansatzweise. Also habe ich ihren kompletten Charakter umgeschrieben. Eventuell gibt es noch den ein oder anderen alten Leser, der ihren alten Charakter kennt. Im Grunde ist es die gleiche FF mit der gleichen Handlung geblieben. Ich finde sie jetzt nur deutlich nachvollziehbarer.

Und auch jetzt gibt es noch keine Happy End Garantie.

Irgendwann in späteren Kapiteln werde ich im Nachwort mal erklären was ich umgeschrieben habe. Doch für alle neuen Leser würde es zu viel Vorwegnehmen.

Wie dem auch sei lange rede kurzer Sinn.

Viel Spaß bei

Amelia Potter - Slytherinwege

Kapitel 1 - Zu viel ist zu viel

Mit einem Schrecken fuhr Amelia Potter aus dem Schlaf, immer derselbe Traum, er verfolgte sie schon seit sie denken konnte.

Ein grüner Blitz und ein stechendes Schmerzen auf ihrer Stirn. Schwer atmend ließ sich das junge Mädchen zurück in ihre Kissen sinken. Ihre grünen Augen blickten in die Dunkelheit über ihr.

Wahrscheinlich waren es Erinnerungen an den Autounfall, bei dem ihre Eltern ums Leben gekommen waren. Sie war damals nicht mal ein Jahr alt gewesen.

Zaghaft griff sie an ihre Stirn und strich über die blitzförmige Narbe, die sie durch den Unfall erlitten hatte. Nur sie hatte überlebt.

Nun war sie ein Waisenkind und lebte bei der Schwester ihrer Mutter, Tante Petunia. Doch auch Tante Petunia hatte eine Familie und sie ließ sie immer wieder deutlich spüren wie wenig sie in dieser Familie erwünscht war.

Amelia schielte auf die Uhr mit den grünen Zahlen. Ein Wecker der ihrem Cousin Dudley gehört hatte und den sie nach einem seiner Wutanfälle aus dem benachbarten Gartenteich gefischt hatte.

Es war 5 Uhr morgens. Müde kuschelte sich das Mädchen in ihre warmen Decken.

Manchmal, an schönen Tagen, malte sie sich Geschichten aus, von einer Familie die sie liebte, einer Welt, in der es auch für sie einen Platz gab. Dass sie einer dieser komischen Leute, die sie manchmal traf, einfach mitnehmen würde.

Diese wildfremden Leute scheinen Amelia zu kennen. Einer, als sie mit Tante Petunia beim Einkaufen gewesen war, hatte einen langen violetten Umhang getragen, seinen ebenso violetten Zylinder gezückt und sich tief vor ihr verbeugt, bevor er ohne ein weiteres Wort gegangen war. Tante Petunia hatte sie geschockt gefragt, ob sie den Mann kenne und ohne etwas zu kaufen, hatten sie den Laden fluchtartig wieder verlassen.

Das seltsamste an diesen Menschen war, dass sie sich in Luft aufzulösen schienen, sobald Amelia ihnen hinterher blickte.

Vielleicht würde eines Tages einer dieser Leute zu ihr kommen und sie mitnehmen. Dorthin mitnahm, wo sie hingehörte, weit weg von den Dursleys und weit weg von ihrem kleinen Zimmer unter der Treppe, bei dem sich immer die Stufen bogen sobald ihr Onkel herunter ging.

Sie träumte von einem besseren Ort.

„Amelia…!" langsam öffnete sie ihre müden Augen. „Amelia!" Die Stimme klang nun weitaus schärfer und Amelia beeilte sich, sich aufzusetzen und mit möglichst wacher Stimme zu antworten. „Ich komme Tante Petunia, ich bin gleich da."

In Windeseile zog sie sich an und lief in die Küche, wo ihre Tante schon dabei war, mit verschiedenen Pfannen zu hantieren um ein ausgiebiges Frühstück vorzubereiten.

„Nun beeil dich und pass auf den Speck auf. Wehe du lässt ihn anbrennen! Es muss alles perfekt sein an Duddy's großem Tag."

Amelia seufzte. Es war Dudleys Geburtstag und es war einer ihrer meistgehassten Tage im Jahr.

Missbilligend betrachtete sie den Haufen Geschenke, der auf dem Esstisch aufgetürmt lag. Dudley bekam wohl den neuen Computer den er sich gewünscht hatte, sowie die zwei Fernseher und das Rennrad. Auch wenn es Amelia noch immer schleierhaft war, was ihr Cousin mit einem Rennrad wollte. Er war mehr als viermal so dick wie sie. Obwohl sie für ihr Alter sehr zierlich war, war es dennoch eine Kunst.

Onkel Vernon kam herein als Amelia gerade dabei war die Eier in die Pfanne zu schlagen.

„Zieh dir was gescheites an!", bellte er als Morgengruß und ließ sich an den Esstisch fallen.

Wann immer Onkel Vernon sie zu Gesicht bekam fand er etwas, woran er herummeckern konnte. Einmal waren ihre Haare zu lang, dann waren ihre Röcke zu kurz oder ihre Stimme zu schrill.

Dabei konnte sie nicht mal etwas dafür. Die Dursleys kauften ihr keine neuen Anziehsachen, in dem Bestreben möglichst wenig Geld für sie auszugeben. Als es irgendwann so weit gekommen war, dass sie über Dudleys Hosenbeine stolperte, hatte Tante Petunia angefangen die Sachen für sie umzunähen. Mittlerweile machte sie es selbst, doch Onkel Vernon hatte immer etwas daran auszusetzen.

Sie wünschte sich so sehr schöne Sachen, ein richtiges Kleid oder Ohrringe, aber alles was sie bekam waren die abgetragenen umgenähten Kleidungsstücke von ihrem Cousin. Einmal hatte Tante Petunia versucht sie in einen besonders hässlichen Pullover von Dudley zu stopfen, sie hatte sich nach Leibeskräften gewehrt und irgendwie war der Pullover geschrumpft, bis er maximal noch einer Puppe gepasst hätte, aber ganz sicher nichtmehr ihr. Tante Petunia hatte gesagt er sei wohl beim Waschen eingelaufen.

Doch solche merkwürdigen Sachen passierten ihr dauernd und immer waren die Dursleys danach furchtbar wütend auf sie und schlossen sie Tagelang in dem Schrank unter der Treppe ein, der ihr als Schlafraum diente. Dort leisteten ihr nur die Spinnen Gesellschaft.

Gerade lud Amelia den Speck und die Eier auf einen Teller als Tante Petunia und Dudley herein kamen.

Dudley sah seinem Vater unglaublich ähnlich, er hatte genau die gleichen blonden Haare und strengte sich gewaltig an, sodass er auch schon die fette Gestalt seines Vaters angenommen hatte. Tante Petunia sagte oft Dudley sehe aus wie ein Engel. Amelia fand er hatte mehr Ähnlichkeit mit einem Mastschwein.

Dudley begann angestrengt seine Geschenke zu Zählen. „Mummy", zeterte er. „Das sind zwei Geschenke weniger als letztes Mal!" Anklagend deutete er mit seinem Finger auf den Tisch.

„Aber Duddy mein Liebling hier ist doch noch eins von Tante Magda", versuchte Tante Petunia ihn zu beschwichtigen doch Dudley lief nur weiter Zornesrot an. „Und wenn wir heute ausgehen, kaufen wir dir noch zwei Geschenke."

„Dann habe ich…" Dudley zählte an den Fingern ab, „Neununddreißig", sagte Tante Petunia.

„Oh Okay", Dudley ließ sich auf einen Stuhl plumpsen und griff nach einem seiner Geschenke. Onkel Vernon gluckste nur. „Lässt sich nicht betrügen. Will was sehen für sein Geld. Guter Junge Dudley."

Amelia wurde fast schlecht vor Scheinheiligkeit, als das Telefon klingelte. Tante Petunia ging ran und als sie wieder in den Raum kam, hatte sie besorgt das Gesicht verzogen.

„Ärger Vernon, Mrs Figg kann sie nicht nehmen", sagte Tante Petunia säuerlich und nickte in ihre Richtung. „Hat sich ein Bein gebrochen."

Amelias Herz machte einen Hüpfer, während Dudley seinen „Wehe wenn dann weine Ich" Gesichtsausdruck auflegte.

Onkel Vernon sah Amelia so zornig an als hätte sie persönlich Mrs Figg das Bein gebrochen und sie versuchte nur möglichst unschuldig auszusehen.

Innerlich jubilierte sie. Immer an Dudleys Geburtstag machten seine Eltern mit ihm und einem Freund irgendetwas Tolles und immer musste sie zu einer alten Dame zwei Straßen weiter und sich von ihr all die Bilder Ihrer Katzen zeigen lassen. Nicht, dass sie keine Katzen mochte, doch trotzdem war sie froh nicht dorthin gehen zu müssen.

Die Dursleys begannen zu diskutieren, was sie mit ihr machen könnten, als sei sie gar nicht im Raum.

Dudley begann zu weinen „Ich will aber nicht das sie mitgeht!", als es plötzlich an der Tür klingelte.

„Oh Nein, das müssen sie sein!", rief Tante Petunia und schon marschierte Dudleys bester Freund Piers Polkiss mit seiner Mutter herein.

Sofort fiel alles falsche Gehabe von Dudley ab und er feixte Piers zu.

Amalia hasste Piers, fast genauso sehr wie sie ihren Cousin Dudley hasste. Piers und Dudley hänselten sie immer in der Schule und machten alle, die es nicht Ohnehin bemerkten, auf Amelias zusammengeflickte Kleidung aufmerksam. Sie lachten im Unterricht, sobald sie den Mund aufmachte und schikanierten sie so oft sie konnten. Normal war es auch Piers der andere Schüler festhielt während Dudley auf sie einschlug, das einzige was ihm außer Fernsehen und Computerspiele wohl Spaß machte.

Einmal hatten sie es auch mit ihr versucht, doch einem Lehrer war das Gerangel aufgefallen und Dudley und Piers hätten fast eine Woche Schulverbot bekommen. Danach hatten sie nie wieder versucht ein Mädchen zu schlagen. Denn trotz aller Liebe und allem Verständnis das Dudleys Eltern hatten, dass es richtig sei, Freaks wie sie zu schlagen, sie war noch immer ein Mädchen und Mädchen schlägt man nicht. Auch wenn Onkel Vernon davon manchmal eine Ausnahme machte, wenn wieder einmal etwas Seltsames passiert war, wofür sie überhaupt nichts konnte.

Kaum eine halbe Stunde später saß Amelia glücklich lächelnd neben Dudley und Piers auf dem Rücksitz von Onkel Vernons Auto und war auf dem Weg zu dem ersten Zoobesuch ihres Lebens.

Es war den Dursleys nichts anderes übriggeblieben als sie mitzunehmen, wenn sie sie schon nicht alleine zuhause lassen wollten.

Doch trotz allem hatte Onkel Vernon sie noch einmal beiseite genommen, bevor sie eingestiegen waren. Er hatte sie fest am Arm gegriffen und gesagt: „Ich warne dich, nur eine einzige komische Sache heute, und du bleibst bis Weihnachten im Schrank, haben wir uns verstanden?" Amelia hatte nur mit zusammengepressten Lippen genickt. Es war sinnlos ihrem Onkel zu erklären, dass sie nichts dafür konnte. Doch trotzdem geschahen um sie herum dauernd irgendwelche komischen Dinge. Einmal, als sie wirklich wütend gewesen war, weil Dudley das einzige Mädchen verscheucht hatte, dass mit ihr hatte sprechen wollen, war sein Fernseher explodiert. Sie beteuerte noch immer, dass sie nichts dafür konnte, dass das Gerät einfach kaputt war, dennoch hatte Onkel Vernon der just in diesem Moment ins Zimmer gekommen war sie durchgeprügelt und in den Schrank gesperrt.

Doch heute, dass versprach sie sich, würde nichts Komisches passieren. Sie war noch nie im Zoo gewesen und war schon sehr gespannt.

Auf der ganzen Fahrt beschwerte sich Onkel Vernon über irgendwas. Das tat er immer und einige seiner Lieblingsthemen waren die Arbeit, Amelia, der Stadtrat, Amelia, die Bank und Amelia.

Heute waren es die Motoradfahrer, die eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellten. An bestimmt 90% aller Unfälle waren Motoradfahrer beteiligt.

Versonnen sah Amelia aus dem Fenster. Auch ihre Eltern waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen, zumindest hatten die Dursleys ihr das erzählt. Doch wann immer sie Fragen zu ihnen stellte, wurde sie nur angeschrien. Sie wusste nicht einmal was ihre Eltern Schlimmes getan hatten, außer sie den Dursleys zu überlassen. Eines lernte man schnell bei dieser Familie. Nur keine Fragen stellen.

Der Tag im Zoo verlief gut, zu gut und sie hätte es wissen müssen. Erst bekam sie beim Eintritt ein paar Süßigkeiten, da die nette Frau am Kiosk sie fragte, was denn die junge Dame bekäme, während Dudley und Piers riesige Schokoeiskugeln verdrückten. Dann bekam Dudley auch noch einen Wutanfall weil sein Becher Hawaii am Mittagstisch nicht groß genug war und so durfte Amelia den Ersten essen, während Dudley einen größeren bekam. Umsichtig lief sie die ganze Zeit etwas hinter den Dursleys und Piers, damit sie bloß nicht in die Schusslinie irgendeines Spotts geriet und das ging auch eine ganze Weile gut, bis sie das Reptilienhaus betraten.

Das ganze Gebäude war dunkel und runde Sichtfenster waren in die Wand eingelassen, durch die man die Reptilien beobachten konnte. Schnell hatte Dudley die größte Schlange gefunden, doch diese döste nur vor sich hin, anstatt Dudley seine Aufmerksamkeit zu schenken.

„Mach, dass sie sich bewegt", forderte Dudley seinen Vater auf, doch alles Trommeln half nichts. Schon bald wandten sich die Dursleys ab und Amelia trat vor die Scheibe.

„Schrecklich so was oder?", fragte sie die Schlange und sah sie mitleidig an. Plötzlich hob das Tier den Kopf in ihre Richtung und sah sie an.

„Ist dir nicht langweilig den ganzen Tag dazuliegen und nichts zu tun?", sagte Amelia und betrachtete das enge Terrarium. Es war genauso groß wie ihr Schrank unter der Treppe.

Die Schlange nickte lebhaft und sah sie interessiert an. Es schien, als wolle sie sagen: „Irgendwann werde ich hier entkommen", zumindest kam es Amelia so vor.

„Wo kommst du her?", fragte Amelia doch die Schlange deutete auf ein Schild an ihrem Terrarium. Boa Constrictor, Brasilien. Dieses Exemplar wurde im Zoo ausgebrütet.

„Oh", sagte Amelia traurig. „das kenne ich, ich fühle mich auch oft wie in einem Käfig."

Plötzlich hörte sie ein ohrenbetäubendes Rufen. „Dudley schau mal, was die Schlange macht, Wahnsinn." Piers hatte gerufen und schon war Dudley zur Stelle und schubste sie, sodass sie völlig überrascht auf den harten Betonboden fiel.

Piers und Dudley drückten ihre Fratzen ans Terrarium, doch plötzlich war das Glas verschwunden. Mit einem Aufschrei sprangen die beiden zurück, als die Schlange sich in Windeseile entrollte. Die Menschen im Reptilienhaus begannen zu schreien und auf die Ausgänge zuzulaufen, doch Amelia hätte schwören können das eine zischende Stimme sagte: „Freiheit ich komme"

Der Obertierpfleger des Reptilienhauses stand unter Schock und der Zoodirektor selbst brühte Tante Petunia einen starken Tee. Piers und Dudley plapperten vor sich hin.

Amelia dachte schon alles gut überstanden zu haben, als Piers etwas Unverzeihliches sagte: „Amelia hat mit der Schlange gesprochen oder?"

Kaum hatte Piers das Haus verlassen, als auch schon Onkel Vernon zornesrot hervor presste: „Geh – Schrank – bleib – kein – Essen" bevor er sich von Tante Petunia einen starken Schnaps bringen ließ.

Amelia lag noch lange wach und wartete, dass die Dursleys zu Bett gegangen waren, damit sie in die Küche schleichen und sich etwas zu Essen holen konnte. Nächtliche Ausflüge waren bei den Dursleys normal, wenn man etwas in den Magen bekommen wollte.

Zehn Jahre lebte sie nun schon bei den Dursleys und es waren lange zehn Jahre gewesen. Doch eines hatte sie sich geschworen, eines Tages da würde sie mehr sein als nur das ungeliebte und verachtete Mündel. Eines Tages würde sie sie alle übertreffen und die Dursleys würden nicht mehr auf ihr herum treten. Eines Tages….

Dudleys Geburtstag zu versauen hatte ihr die bislang längste Strafe eingebracht. Es waren bereits Sommerferien als sie den Schrank unter der Treppe verlassen durfte.

Bald schon würde sie Dudley entkommen sein, denn im kommenden Jahr würden sie auf die höhere Schule kommen und dann wäre sie endlich von Dudley und seiner Bande befreit.

Dudley würde nach Smeltings gehen, ein Internat, dass auch schon Onkel Vernon besucht hatte. Amelia hingegen würde die Stonewall High besuchen, eine Schule in der Nachbarschaft.

Ihre Hoffnung war, dass ihre neue Schule zumindest vor den Dursleys eine Zuflucht sein konnte. Denn eigentlich mochte sie die Schule. Im Unterricht störte sie keiner, ohne von den Lehrern gescholten zu werden und nachdem sich die Buchstaben einmal entschlüsselt hatten, machte es sogar Spaß zu lesen, zu schreiben und zu rechnen. Vielleicht würde sie eines Tages eine große Wissenschaftlerin sein, das könnte ihr gefallen.

Doch erst einmal galt es, sicher durch die Sommerferien zu kommen. Denn Dudleys Bande suchte Tag für Tag den Ligusterweg heim und sie hatten keine bessere Beschäftigung als Amelia ärgern.

Sie saß gerade in der Küche und stellte die Nähmaschine auf Kreuzstich ein um sich aus Dudleys alten grau gefärbten Sachen eine Schuluniform zu nähen, als die Jungs herein kamen.

Piers, Dennis, Malcom und Gorden waren alle groß und dumm und weil Dudley der Dümmste von ihnen war, war er ihr Anführer.

Hastig begann sie ihre Sachen in Sicherheit zu bringen, denn sollte Tante Petunias Nähmaschine auch nur einen Kratzer abbekommen, würde sie bestimmt auch noch den Rest des Jahres im Schrank verbringen dürfen.

„Amelia!" Malcom hatte sie entdeckt und ein diabolisches Grinsen schlich auf seine Züge.

„Hey, Cousinchen, magst du auch etwas Limonade?", fragte Dudley. Doch bevor sie reagieren konnte, hatte er schon ein Glas kalter Limonade in ihre Richtung geschüttet.

Amelia versucht gerade noch zur Seite auszuweichen, doch ihre ganze rechte Hälfte wurde mit dem zuckrigen Getränkt durchweicht. Zu ihrer Linken stand schon Gorden und packte sie an den Handgelenken um sie an der Flucht zu hindern.

„Weißt du, Mutter wird sehr sauer sein, wenn sie sieht, dass du die ganze Limonade verspritzt hast. Willst du es nicht saubermachen?", höhnte Dudley.

„Ach, ich glaube wenn du anfängst wie ein Baby zu flennen, wird sie dir alles verzeihen", zischte Amelia zurück.

Dudley lief zornesrot an und packte sie am Genick.

„Ich glaube ich werde es aufwischen und ich habe schon genau den richtigen Lappen gefunden!", mit diesen Worten drückte er sie auf den Boden, sodass ihr Gesicht mitten in die Pfütze gepresst wurde. Der Zucker verklebte ihre Wimpern und sie verschluckte sich fast, als sie die Limonade in den Mund bekam.

„Schön Zunge raus und wischen!", höhnte Dudley. Gorden hielt noch immer ihre Handgelenke hinter dem Rücken fest. Dudleys Bande begann schallend zu lachen.

Heißer Zorn stieg in Amelia auf. Sie war doch auch sonst umsichtig genug Dudleys Bande aus dem Weg zu gehen, sie hätte es wissen müssen.

„Vielleicht ist ihr die Limonade zu süß", sagte Piers und wühlte im Kühlschrank. Triumphierend zog er eine Flasche scharfe Soße hervor.

Lachend legten die Jungs sie auf den Rücken und malten sich schon aus wie sie kreischen würde doch in der neuen Position hatte sie ihre Beine frei und diese Gelegenheit nutzte sie, um Gordon in die Weichteile zu treten. Überrascht von ihrer Gegenwehr schaffte sie es, sich von ihm loszureißen und stieß ihm mit dem Ellenbogen gegen den Kopf.

Bevor die Jungs auch nur realisierten, was geschah, war sie aufgesprungen und unter Malcoms Pranken hinweggetaucht. Geschwind flüchtete sie aus dem Haus. Was immer man auch über Amelia sagen wollte, sie konnte verdammt schnell rennen.

Schwer atmend ließ sie sich auf den Rand eines Karussells sinken. Der Spielplatz lag weit genug vom Ligusterweg entfernt, so dass sie sich sicher sein konnte, das Dudleys Bande sie nicht bis hierhin verfolgen würde. Mit zitternden Fingern fuhr sie sich durch die klebrigen Haare.

Kalte Wut stieg in ihr auf, während sie Kreise in den Sand zu ihren Füßen malte. Sie hasste es drangsaliert zu werden, sie hasste es ausgelacht zu werden und am meisten hasste sie es, dass sie sich nicht wehren konnte. Ihr blieb nur die Flucht und dieser Umstand nagte an ihr.

Als es begann zu dämmern machte sich Amelia wieder langsam auf den Nachhauseweg. Tante Petunia würde außer sich sein vor Wut, wenn sie in die Küche kam.

Sie bog gerade in die Gasse ein, die in den Magnolienring führte, als sie eine unangenehm bekannte Stimme hinter sich hörte.

„Nochmal entkommst du mir nicht, du Schlampe", ein zweites Mal am Tag packte Gordon sie am Handgelenk und zog sie brüsk zu sich hin. Gordon war nicht nur zwei Köpfe größer als Amelia, er war auch der älteste in Dudleys Bande. Er war schon vierzehn und wohnte nur eine Straße von hier entfernt.

„Du hast mich heute genug geärgert", zischte er und schubste Amelia gegen eine Gartenmauer. Sie stolperte und wäre fast gestürzt doch sein Griff war zu fest. Gordon stand ganz nah vor ihr und sie konnte seinen Schweiß riechen.

„Weißt du es gibt da ein paar Dinge, die mich schon seit langem interessieren", sagte Gordon und packte sie um die Hüfte. „Ich hab da so ein paar sehr interessante Sachen im Fernsehen gesehen." Er lachte dreckig und Amelia versuchte von ihm frei zu kommen.

Amelia verstand nicht wirklich was er meinte, aber als er an ihrem Oberteil riss und die selbstgemachten Nähte aufplatzten überkam sie Panik. Verzweifelt versuchte sie sich loszureißen, doch Gordon packte nur noch fester zu, riss an ihrem Rock und griff nach ihren nackten Beinen. Sein wildes Lachen erfüllte sie mit Zorn.

Ihr Leben lang war sie von den Dursleys schikaniert worden und sie hatte sich nicht wehren können, da diese Menschen sie aufgenommen hatten, als ihre Eltern starben. Doch jetzt begannen auch noch andere damit, sie zu quälen, ohne dass Dudley dabei war und sie anführte. Sie wollte nicht mehr, sie hatte es satt! Sie würde kein Opfer mehr sein!

Tränen schossen ihr in die Augen und mit aller Kraft holte sie aus, um Gordon mit der freien Hand zu schlagen. Doch zu ihrer Verwunderung ging ihre Hand ins Leere. Benommen öffnete sie die Augen und stellte fest, dass Gordon sie nicht länger fest hielt.

Ein entsetztes Keuchen entkam ihren Lippen als sie ihn entdeckte. Er lag an der gegenüberliegenden Wand, ein Rinnsal Blut lief seine Schläfe entlang und er hatte die Augen geschlossen. Sie war nicht sicher ob er noch bei Bewusstsein war. Aber sie würde auch nicht bleiben um es herauszufinden.

Ohne darüber nachzudenken was auch immer passiert war, drehte sie sich auf der Stelle um und rannte nach Hause. Sie wollte nur noch ins Bett.

Nachwort:

Ich weiß der Anfang ist ziemlich langweilig und nah an den Büchern. Ich habe es extra so geschrieben, damit deutlich wird, dass Harry und Amelia teilweise eine ähnliche Kindheit hatten.

Ach ja, ihr findet ist unwahrscheinlich das ein vierzehnjähriger versucht ein Mädchen zu vergewaltigen?

Ich dachte das auch mal, dass es ziemlich weit hergeholt ist. Aber ich muss sagen, als ich diese Szene geschrieben habe, habe ich die Rahmenbedingungen einer wahren Begebenheit nachempfunden. In einer Stadt wurden mehrere Mädchen und junge Frauen missbraucht. Das erste Opfer war 9 Jahre alt und das älteste 21. Als Täter wurde ein vierzehnjähriger Junge festgenommen. Ich muss sagen irgendwie hat mich das erschüttert.