Kapitel 2 - Eine andere Welt

Amelia schlief unruhig und als sie am nächsten Tag aufwachte schien ihr ganzer Körper zu brennen. Doch der Wecker klingelte unermüdlich und noch bevor die Dursleys aufstanden, schlich sie sich ins Badezimmer und wusch sich den Dreck und den Zucker aus den Haaren. Ihr Hals brannte, wo Gordon ihr das Oberteil vom Körper gerissen hatte. Das war das einzige, was an die gestrige Begegnung mit ihm erinnerte, ansonsten hätte Amelia es als Traum abgetan. Sie hatte noch immer keine Ahnung was geschehen war. Sicher war sie sich nur, ihn nicht berührt zu haben. Es konnte nicht sein, aber es war so.

Es passierten immer unerklärliche Dinge in Amelias Gegenwart, sie konnte es nicht ändern. Aber was immer passiert war, Gordon hatte es verdient. Sie war nur froh, dass er nicht hatte zu Ende bringen können was er vorgehabt hatte.

Sie schüttelte den Gedanken aus ihrem Kopf und kroch in ihren Schrank unter der Treppe zurück.

Gestern Abend hatte sie noch ordentlich Ärger bekommen, weil sie so spät nach Hause gekommen war. Auch Tante Petunia hatte ihr eine ewige Standpauke gehalten, weil die Küche so dreckig war und sie ohne Essen ins Bett geschickt. Doch alles in allem war die ganze Angelegenheit glimpflicher ausgegangen als sie erwartet hatte.

Tante Petunias klopfen scheuchte sie aus einem Dämmerschlaf in den sie gefallen war und völlig übermüdet schleppe Amelia sich in die Küche.

Dudley saß bereits am Tisch in seiner neuen Schuluniform, die er in Smelting tragen würde, dazu gehörte auch ein langer Stock mit dem er Amelia gegen das Schienenbein schlug, als diese sich setzte. Amelia verbiss sich einen bösen Kommentar und lud sich Speck auf den Teller. In dem Moment quietschte die Klappe des Briefschlitzes.

„Hol die Post, Dudley", sagte Onkel Vernon.

„Soll doch Amelia sie holen", sagte Dudley.

„Hol die Post, Amelia"

„Dudley tut die Bewegung gut"

„Knuff sie mal mit dem Smelting-Stock, Dudley"

Doch Amelia war schon aufgesprungen und lief in den Flur.

Eine Postkarte von Vernons Schwester Magda war gekommen, sowie ein brauner Umschlag, der wohl eine Rechnung enthielt und noch ein dritter Brief aus schwerem gelblichen Pergament. Auf der Rückseite war ein Siegel aus Wachs aufgedrückt. Darauf waren ein Adler ein Löwe ein Dachs und eine Schlange zu sehen, die einen Kreis um den Buchstaben H schlossen.

Amelia ging Richtung Küche zurück und wendete den Brief, als sie die Adresse sah, blieb sie wie angewurzelt stehen. Dort stand:

Miss A. Potter

Im Schrank unter der Treppe

Ligusterweg 4

Little Whinging

Surrey

Ihr Herz begann schneller zu schlagen, sie hatte noch nie in ihrem ganzen Leben einen Brief bekommen.

„Amelia was machst du da, hast du eine Maus gefunden und traust dich nicht mehr rein oder was?", rief Onkel Vernon und lachte mit Dudley über den Scherz.

Amelia ging die letzten Schritte in die Küche und reichte Onkel Vernon die Postkarte und den braunen Brief, dann setzte sie sich an ihren Platz und öffnete den Umschlag.

Andächtig entfaltete sie den Brief der aus demselben schweren Pergament war, wie der Umschlag.

HOGWARTS-SCHULE FÜR HEXEREI UND ZAUBEREI

Schulleiter: Albus Dumbledore

(Orden der Merlin, Erster Klasse, Großz., Hexenmst. Ganz hohes Tier, Internationale Vereinig. d. Zauberer)

Sehr geehrte Miss Potter,

wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie an der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei aufgenommen sind. Beigelegt finden Sie eine Liste aller benötigten Bücher und Ausrüstungsgegenstände. Am wird sie ein Lehrer besuchen, der mit Ihnen alle erforderlichen Schulsachen kaufen geht.

Das Schuljahr beginnt am 1. September.

Mit freundlichen Grüßen

Minerva McGonagall

Stellvertretende Schulleiterin

Verwirrt las Amelia den Brief erneut. Das konnte nur ein schlechter Scherz sein. Doch die Dursleys hatten keinen Humor, das wusste sie genau.

„Was hast du da", schnauzte Onkel Vernon sie über den Tisch hinweg an. Amelia war so verwirrt, das sie ihm den Brief ohne wiederworte reichte. Es war interessant zu sehen, wie sich Onkel Vernons Gesicht in sekundenbruchteilen von Rot in Grün wandelte. Doch dabei blieb es nicht. Er wurde kreideweiß und rief, „P-Petunia!"

Tante Petunia nahm ihm den Brief aus der Hand und wurde ebenso bleich, als sie den ersten Satz las. Das unheimliche Gefühl beschlich Amelia, dass die Dursleys etwas wussten, dass sie nicht wusste. Etwas über sie. Etwas Wichtiges.

Amelia sah Tante Petunia an, die mit zusammengekniffenen Lippen das Pergament anstarrte.

„Ist es wahr?", fragte sie irgendwann. Onkel Vernon sah Tante Petunia an und Tante Petunia blickte erschrocken zu Amelia rüber.

„Ich will das auch lesen", quengelte Dudley und wollte sich den Brief schnappen doch Onkel Vernon stellte sich ihm in den Weg.

„RAUS HIER", donnerte er. Doch Amelia bewegte sich keinen Millimeter sie starrte noch immer ihre Tante an, als wäre die Antwort in ihren Augen geschrieben.

Onkel Vernon schnappte Amelia und Dudley im Genick und warf sie vor die Tür, bevor er sie mit einem lauten Krachen zuschlug. Dudley hämmerte gegen die Tür und maulte etwas, doch Amelia stand viel zu sehr unter Schock.

Es war kein Scherz, sonst würden sich Tante und Onkel nicht so darüber aufregen. Es war kein Scherz… Mit leerem Blick starrte sie gegen die Tür.

Sollte sie es für Wahr nehmen? Unsinn schalt sie sich selbst. Das konnte nicht sein. Warum hätte sie sich all die Zeit von Dudleys Bande schikanieren lassen sollen, wenn sie sie doch einfach in Frösche hätte verwandeln können.

Sie war ein ganz normales Mädchen und das war nur ein Scherz. Sie wollte gerade in ihrem Schrank verschwinden als sie innehielt.

Gordon. Gestern als er sie drangsaliert hatte, da hatte er plötzlich niedergeschlagen an der Wand gelegen. War sie es gewesen, die ihm das angetan hatte? Hatte sie Rache genommen?

Wenn sie genau darüber nachdachte, dann waren oft komische Dinge in ihrer Umgebung geschehen und all das waren Dinge gewesen die Tante und Onkel so dermaßen verärgert hatten.

Amelia ließ sich in ihren Schrank sinken und dachte nach, an all die Dinge, die sie sich nie hatte erklären können, doch am Ende kam sie zu nur einem Schluss. Sie hatte die Wahrheit in Tante Petunias Augen gelesen.

Sie war eine Hexe.

Als Onkel Vernon an diesem Abend nach Hause kam, tat er etwas, dass er noch nie getan hatte, er besuchte Amelia in ihrem Schrank.

„Hast du meinen Brief?", fragte Amelia die langsam neugierig wurde, was auf der Einkaufsliste stand.

„Vergiss den Brief, der war falsch adressiert", grunzte Onkel Vernon.

„Das ist Unsinn, sogar mein Schrank stand darauf", wiedersprach Amelia ärgerlich.

„Ruhe", schnauzte Onkel Vernon und eine einsame Spinne die sich gerade von der Decke hangelte, landete auf dem Boden.

„Siehst du, was diesen Schrank angeht", fuhr Onkel Vernon fort und versuchte ein Lächeln zustande zu bringen. „Deine Tante und ich haben beschlossen, dass du langsam etwas zu groß dafür wirst. Es wäre doch nett, wenn du in Dudleys zweites Schlafzimmer ziehen würdest."

„Warum?", fragte Amelia misstrauisch.

„Frag nicht so dumm und jetzt los, bring deine Sachen hoch."

Einen Moment überlegte sie noch zu protestieren doch dann schnappte sich Amelia ihre wenigen Habseligkeiten und machte sich auf den Weg nach oben, auf der Hälfte blieb sie noch einmal stehen und sah zu Onkel Vernon herab.

„In einer Woche kommt ein Lehrer vorbei", sagte sie noch.

„Hoch", donnerte Onkel Vernon und Amelia rannte die letzten Stufen nach oben.

Dudley hatte zwei Zimmer, eines in dem er schlief und ein anderes, in dem er alle Spielsachen aufbewahrte die kaputt waren oder nicht mehr in sein erstes Zimmer passten.

Amelia warf ein kaputtes Rennauto vom Bett und ließ sich darauf fallen. Die Dursleys würden es noch erleben, am 31. Juli, ihrem Geburtstag, da würde jemand kommen, und dann würde sie von hier weg kommen. Egal wohin sie kommen würde, es würde besser sein als hier. Dessen war sie sich sicher.

Amelia rollte sich auf ihrem neuen Bett ein und hörte zu wie Dudley sich unten mit seinen Eltern über das Zimmer stritt, dass er an sie hatte abtreten müssen. Ein Lächeln legte sich auf ihre Lippen.

Die Woche verging wie Kaugummi. Tante Petunia hatte ihnen verboten das Haus zu verlassen, was Amelia relativ egal war und sie verkroch sich die meiste Zeit in ihrem neuen Zimmer. Einmal noch hatte sie Tante Petunia versucht auf diesen Brief anzusprechen, doch ihre Tante hatte sie ohne Wenn und Aber aus dem Raum geworfen.

Doch Sonntagmorgen geschah etwas, dass Amelia nicht einkalkuliert hatte.

„Ein wunderbares Frühstück, Petunia", lobte Onkel Vernon. „Und jetzt, packt eure Sachen. Wir fahren Weg."

„Wohin?", fragte Dudley sofort.

„Das wirst du dann sehen."

„Aber heute Abend wollte ich was im Fernsehen schauen"

„Dann nimm es auf. Wir kommen erst nächste Woche wieder."

„NEIN!", rief Amelia und sprang auf.

„Oh doch", sagte Onkel Vernon und ein schadenfrohes Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus.

„Niemals!" Amelia sprang auf, in dem festen Willen auf gar keinen Fall mitzufahren. Das hatte sich Onkel Vernon so vorgestellt. Der Lehrer, der kam um sie abzuholen würde vor verschlossenen Türen stehen. Doch nicht mit ihr und wenn sie zwei Tage im Freien übernachten müsste.

Doch ihr Onkel dachte gar nicht daran sie entkommen zu lassen. Er bugsierte sie alle zum Auto, die schreiende und um sich schlagende Amelia im Schwitzkasten und sperrte sie ins Auto. Keine fünf Minuten später waren sie auf der Autobahn auf dem Weg ins Unbekannte.

Amelia hatte versucht aus dem Auto zu springen doch Onkel Vernon hatte die Tür abgeschlossen. Sie hatte ihren Cousin geschlagen und geschrien so laut sie konnte, doch es hatte nichts geholfen. Völlig erschöpft saß sie auf dem Rücksitz und weinte bitterlich.

Onkel Vernon raste über die Autobahn, als wäre der Teufel hinter ihm her, machte immer wieder kehrt und fuhr umständliche Schleichwege. Ab und zu murmelte er vergnügt. „Schön abschütteln, immer schön abschütteln."

Dudley hatte fürchterliche Laune. Er hatte fünf Sendungen im Fernsehen verpasst und den ganzen Tag nichts zu essen bekommen. Alle Fünf Minuten jammerte er, wann sie den endlich da wären, doch Onkel Vernon wirkte nicht so, als würden sie überhaupt jemals ankommen.

Es war schon spät, als sie in einem verratzten alten Hotel in der Nähe einer größeren Stadt Halt machten. Onkel Vernon sperrte Amelia sofort in ein Zimmer ein. Völlig verweint und hungrig rollte sie sich auf dem Bett ein.

Am nächsten Morgen gab es ein kurzes Frühstück, und Tante Petunia kaufte im Supermarkt Lebensmittel ein. Danach fuhren sie weiter. Amelia war sich nicht mal sicher, ob Onkel Vernon wusste, wohin er wollte. Immer wieder hielt er an, stieg aus und fuhr dann weiter. Einmal inmitten eines Waldes.

Gegen Nachmittag erreichten sie die Küste. Onkel Vernon schloss sie alle im Auto ein und ging weg.

„Ich will nach Hause", sagte Dudley und begann zu schniefen.

Dicke Regentropfen fielen auf das Autodach.

„Es ist schrecklich im Auto, mir ist langweilig und heute kommt der Große Humberto im Fernsehen. Ich will zu einem Fernseher"

Amelia sah betrübt, wie die großen Regentropfen gegen das Fenster klatschten. Morgen würde jemand im Ligusterweg an die Tür klopfen um sie abzuholen und sie würde nicht da sein. Dann würde sie auf die Stonewall High gehen müssen. Manchmal dachte sie, es wäre nur ein übler Scherz gewesen, doch dann säße sie jetzt nicht hier in diesem Auto, weit weg vom Ligusterweg.

Onkel Vernon kam zurück mit einem langen Paket unterm Arm.

„Ich habe den idealen Platz gefunden!", sagte er vergnügt und deutete auf einen Felsen draußen im Meer. Auf diesem stand eine winzige kleine Hütte.

Dudley jammerte, als sie in ein winziges kleines Boot stiegen und zur Insel übersetzten. Amelia blickte betrübt zum Festland zurück.

In der Hütte angekommen aßen sie die Reste von Tante Petunias Einkäufen und kauerten sich um ein jämmerliches kleines Feuer, dass sie aus ein paar leeren Brötchentüten gemacht hatten. Danach machte Tante Petunia auf der einzigen Couch ein Bett für Dudley während, sie und Onkel Vernon ins Nebenzimmer gingen, um in einem alten modrigen Bett zu schlafen.

Amelia suchte sich die bequemste Stelle auf dem Fußboden und kauerte sich unter die dünnste Decke. Träge bewegten sich die Zeiger auf Dudleys Armbanduhr. Nicht mehr lange und sie wäre elf Jahre alt. Nicht, dass die Dursleys ihre Geburtstage sonderlich zu würdigen wussten, letztes Jahr hatte sie eine alte Strumpfhose von Tante Petunia bekommen. Trotzdem, nicht mehr lange und sie hatte Geburtstag.

Noch fünf Sekunden und sie wäre elf Jahre alt. Drei, Zwei, Eins. Ein fürchterliches Donnern erschütterte die kleine Hütte.

Sie war 11 und noch immer war die Welt die gleiche geblieben. Mit trüben Gedanken dämmerte sie weg.

Sie wachten alle früh auf, am nächsten Morgen und Onkel Vernon versuchte gerade die Papierreste von gestern erneut zu entzünden, als ein Klopfen von der Tür zu vernehmen war.

Amelia sprang sofort auf, doch Onkel Vernon zog ein langes Gewehr hervor.

Erneut war ein Klopfen zu hören.

„Verschwinden sie!", schrie Onkel Vernon. „Sie sind hier nicht erwünscht."

Mit einem leisen Klicken schwang die Tür auf und eine resolut wirkende ältere Frau mit schwarzen Haaren kam herein. Sie trug einen langen braunen Umhang, eine viereckige Brille und auf ihrem Kopf trug sie einen großen Spitzhut.

„Verzeihen sie die frühe Störung, Mr. Dursley", sagte sie und betrachtete Onkel Vernon abschätzend. „Mein Name ist Professor McGonagall ist bin die stellvertretende Schulleiterin von Hogwarts. Ich würde gerne Miss Potter abholen um ihre Schulsachen einzukaufen."

Amelia fühlte sich wie im falschen Film. Alles in Allem sah die Frau schon recht ernstzunehmend aus, wenn nur nicht diese komische Verkleidung gewesen wäre.

„Ich verlange, dass sie augenblicklich verschwinden", sagte Onkel Vernon und hob drohend das Gewehr. Doch Professor McGonagall schien dies nicht sonderlich zu beunruhigen. Sie zog einen polierten Stock aus ihrem Ärmel und einen Moment später hielt Onkel Vernon einen Strauß aus Katzenminze in den Händen. Schreiend ließ er die Blumen auf den Boden fallen.

„Wenn wir dies nun geklärt hätten", sagte sie streng und wandte sich Amelia zu.

„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Amelia Potter. Sie können sich vielleicht nicht mehr daran erinnern, aber wir sind uns schon einmal begegnet." Ein warmes Lächeln grub sich in ihre strengen Gesichtszüge und Amelia, die eigentlich etwas Nettes hatte erwidern wollen, platzte nur heraus: „Kann ich wirklich zaubern?", mit großen Augen blickte sie von den Blumen auf dem Boden zu Professor McGonagall.

„Aber natürlich Miss Potter, was haben sie…"

„Aufhören! Hören sie sofort auf damit. Wir haben uns geschworen diesem Unsinn ein Ende zu setzten. Ich verbiete Ihnen ihr etwas zu sagen!", donnerte Onkel Vernon.

Die Professorin drehte sich wieder zu Onkel Vernon um, Tante Petunia versteckte sich hinter seinem Rücken. Doch bevor sie auch nur den Mund zu einer entrüsteten Bemerkung aufmachen konnte, platzte all der Frust der sich in Amelia aufgestaut hatte heraus.

„Ihr habt es gewusst! Ihr habt es all die Jahre gewusst und mir nichts davon erzählt", schrie sie und deutete anklagend auf Tante und Onkel.

„Gewusst! Gewusst! Natürlich haben wir es gewusst." Tante Petunias Stimme schien überzuschnappen.

„Du konntest doch nichts anderes werden, nachdem meine vermaledeite Schwester so eine war. Doch unsere Eltern waren überglücklich, es hieß nur Lilly hier und Lilly da. Dann ging sie auf diese hirnverbrannte Schule und hat diesen Potter getroffen und als du da warst, da wussten wir, dass du genauso warst, genauso unnormal! Und dann.. dann hat sie es verdammt noch einmal geschafft, in die Luft gesprengt zu werden und wir hatten plötzlich dich am Hals", Tante Petunia schien diese Worte schon jahrelang in sich aufgestaut zu haben.

Amelia stand starr vor Schock da, das erste was sie über die Lippen brachte war: „Da war überall grünes Licht. Ich… Ich habe immer gewusst das sie nicht bei einem Autounfall gestorben sein können, ich habe es immer gewusst…", langsam krochen ihr Tränen in die Augen.

„Mädchen, nicht doch", sagte Professor McGonagall und kam auf sie zu. Sie reichte ihr ein großes kariertes Taschentuch.

„Ich habe Dumbledore von Anfang an gesagt, dass es eine schlechte Idee war, sie zu diesen Muggeln zu bringen", sagte sie mehr zu sich selbst als zu Amelia.

„Muggel?", fragte Amelia

„Nichtmagische Menschen, die nicht so sind wie wir. Sie sind eine Hexe, Sie werden bald auf eine der größten magischen Schulen gehen die es gibt. Sie werden dort mit anderen jungen Hexen und Zauberern zusammen sein, die genauso sind wie Sie. Sie werden schon sehen alles wird gut."

„Haben sie nicht gehört was ich gesagt habe", brauste Onkel Vernon auf. „Sie bleibt hier! Ich bezahle niemanden dafür, dass er ihr so einen Firlefanz beibringt. Natürlich, sie ist anders aber ich bin sicher, dass ist nichts was man nicht mit ein paar ordentlichen Schlägen kurieren kann."

„Mr. Dursley", Professor McGonagalls Stimme hatte einen gefährlichen Ton angenommen. „Als ich heute hier her kam, um Miss Potter abzuholen, da hatte ich erwartet, das sie vielleicht nicht allzu viel über die magische Welt weiß, aber dass ihr jegliches Wissen um unsere Existenz vorenthalten wurde das ist einfach… einfach unvorstellbar.", mit stärkster Entrüstung in der Stimme fuhr Professor McGonagall fort.

„Nicht nur, dass Sie ihr ihre Herkunft verschwiegen haben, Sie haben sie auch noch belogen. Sie ist eine Heldin, jedes Kind in unserer Welt kennt ihren Namen. Ihr Fall ist einzigartig in der Geschichte der Zauberei und sie weiß es noch nicht einmal.

Ich war dabei in jener Nacht vor zehn Jahren, als Professor Dumbledore sie zu Ihnen gebracht hat, ich war damals schon der Meinung, dass Sie nicht der geeignete Umgang für die Tochter von Lily und James Potter sind. Doch Dumbledore bestand darauf. Er hat Ihnen einen Brief dagelassen der alles erklärte. Einen Brief den Sie ihr hätten geben sollen, damit sie versteht was geschehen ist."
Professor McGonagall hatte wieder ihren Stab in der Hand. „Verschwinden Sie von Hier und zwar alle drei! Sonst vergesse ich mich!", die letzten Worte hatte sie fast geschrien so sehr hatte sich die Professorin in ihre Wut hinein gesteigert. Knisternde rote Funken traten aus dem Stab hervor.

Mit Schreck geweiteten Augen verzogen sich alle drei Dursleys ins Nebenzimmer und Amelia blieb bei der schnaubenden Professor McGonagall zurück.

„Berühmt?", fragte Amelia schüchtern? „Waren sie wirklich berühmt?"

Besorgt sah die Professorin auf sie hinab.

„Ach Kind, ich bin nicht die Richtige um dir all dies zu erklären, aber einer muss dies wohl tun."

Mit einem Schlenker ihres Stabes verwandelte sich das Bett in einen Tisch und zwei Stühle.

Professor McGonagall nahm auf einem von ihnen Platz. „Möchten Sie auch eine Tasse Tee?"

Mit Verwunderung bemerkte Amelia, dass auch zwei Tassen und eine dampfende Kanne darauf standen.

„Wahnsinn", kommentierte sie und setzte sich ebenfalls.

„Wenn Sie fleißig sind und viel üben, dann können Sie dies in ein paar Jahren auch"

Amelia nickte sprachlos. Sie tranken eine Weile stumm Tee bis Amelia nicht mehr an sich halten konnte. Sie wusste zwar, dass Erwachsene Fragen hassten, aber diese Frau war schließlich Lehrerin, sie musste es gewöhnt sein.

„Was ist geschehen? Worüber weiß ich nichts?"

Professor McGonagall seufzte schwer.

„Sie müssen wissen, Miss Potter, das nicht alle Zauberer gut sind. Es gibt auch böse Zauberer. Damals, gab es einen grausamen Zauberer der alle unterdrückte. Er war mächtig und scharte viele Anhänger um sich. Es waren dunkle Zeiten damals. Alle waren misstrauisch und verunsichert.

Ihre Eltern haben gegen ihn gekämpft. Sie waren großartige Menschen und unheimlich begabt. Sie sehen ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten aus. Nur die Haare, die haben Sie von ihrem Vater." Sie lächelte wehmütig.

„Doch damals geschah es, dass der böse Zauberer ihre Eltern und Sie jagte und jeden den er jagte hat er irgendwann erwischt. Ihre Eltern haben sich damals versteckt, aber sie waren nicht lange sicher. Er tötete sie und dann wollte er auch Sie töten, doch es ging nicht."

„Wie es ging nicht? Ich war doch nur ein Baby."

„Keiner weiß was damals geschehen ist, außer vielleicht Professor Dumbledore, aber er hat es mir nie erzählt. Zumindest prallte der Fluch an Ihnen ab und anstatt dass sie starben, wurde der böse Zauberer vernichtet, oder zumindest so weit geschwächt, dass er seit jenem Tag verschwunden ist. Deshalb sind Sie berühmt, deshalb kennt jedes Kind Ihren Namen, denn Sie sind das Mädchen, das überlebt hat."

Amelia blickte in ihre Tasse. „Ich erinnere mich nur noch, dass überall grünes Licht war und dann hat meine Stirn wehgetan." Sie berührte die Narbe an ihrer Stirn und Professor McGonagall nickte.

„Ja, diese Narbe haben sie damals davon getragen."

„Wie hieß er, dieser böse Zauberer?", fragte Amelia.

„Wissen Sie, Miss Potter. In unserer Welt wird sein Name nie ausgesprochen denn alle haben noch immer Angst vor ihm. Alle sagen nur Sie-wissen-schon-wer."

Amelia sah die Professorin weiterhin nur abwartend an, als würde sie diese Antwort nicht akzeptieren.

„Sein Name war Lord Voldemort", Professor McGonagall flüsterte ihn nur, und schien sich dennoch unbehaglich zu fühlen.

Amelia wollte gerade noch eine Frage stellen, als etwas gegen das Fenster klopfte.

Verwundert bemerkte sie eine Eule. Professor McGonagall stand auf und ließ das Tier herein. Es hatte einen Brief um den Fuß gebunden den Professor McGonagall an sich nahm und sofort zu lesen begann. Sie tippte mit dem Stab gegen den Brief und Band ihn der Eule wieder an das Bein, welche sofort davon flog. Danach setzte sie sich an den Tisch, als hätte sie nur kurz telefoniert.

„Was war das?", fragte Amelia.

„Liebe Grüße von Professor Dumbledore.", erwiderte Professor McGonagall und trank ihren Tee aus.

„Nun sollten wir uns langsam auf den Weg machen, Ihre Schulsachen zu kaufen, haben Sie ihre Einkaufsliste zur Hand?"

Amelia schüttelte den Kopf: „Onkel Vernon hat mir alles abgenommen."

„Nichts gegen Ihre Verwandten, aber es ist eine Schande, dass Sie zu ihnen gekommen sind. Sie haben so viel Besseres verdient." Verärgert holte Professor McGonagall ein Pergamentblatt aus ihrem Umhang und tippte sachte mit ihrem Stab dagegen. Fasziniert betrachtete Amelia wie sich das Papier von Zauberhand mit Buchstaben füllte. „Bitte schön Miss Potter." Damit reichte sie ihr ihre Liste.

HOGWARTS-SCHULE FÜR HEXEREI UND ZAUBEREI

Uniform

Im ersten Jahr benötigen die Schüler:

1. Drei Garnituren einfache Arbeitskleidung (schwarz)

2. Einen einfachen Spitzhut (schwarz) für tagsüber

3. Ein Paar Schutzhandschuhe (Drachenhaut o. Ä.)

4. Einen Winterumhang (schwarz, mit silbernen Schnallen)

Bitte beachten Sie, dass alle Kleidungsstücke der Schüler mit

Namensetiketten versehen sein müssen.

Lehrbücher

Alle Schüler sollten jeweils ein Exemplar der folgenden Werke besitzen:

- Miranda Habicht: Lehrbuch der Zaubersprüche, Band 1

- Bathilda Bagshot: Geschichte der Zauberei

- Adalbert Schwahfel: Theorie der Magie

- Emeric Wendel: Verwandlungen für Anfänger

- Phyllida Spore: Tausend Zauberkräuter und -pilze

- Arsenius Bunsen: Zaubertränke und Zauberbräue

- Lurch Scamander: Sagentiere und wo sie zu finden sind

- Quirin Sumo: Dunkle Kräfte. Ein Kurs zur Selbstverteidigung

Ferner werden benötigt:

- 1 Zauberstab

- 1 Kessel (Zinn, Normgröße 2)

- 1 Sortiment Glas- oder Kristallfläschchen

- 1 Teleskop

- 1 Waage aus Messing

Es ist den Schülern zudem freigestellt, eine Eule ODER eine

Katze ODER eine Kröte mitzubringen.

DIE ELTERN SEIEN DARAN ERINNERT, DASS ERSTKLÄSSLER

KEINE EIGENEN BESEN BESITZEN DÜRFEN

Ein mulmiges Gefühl breitete sich in Amelias Magengegend aus.

„Aber Professor", begann sie, „Wie soll ich das alles bezahlen, Onkel Vernon hat schon gesagt, dass er mir nichts geben wird."

„Nur keine Sorge Miss Potter, Ihre Eltern haben gut für Sie gesorgt. Ihr Gold ist in Gringotts."

„Was ist Gringotts?"

„Na eine Bank", Professor McGonagall schüttelte den Kopf, als würde sie sich wundern, wie man nur so etwas fragen konnte.

„Wir sollten uns auf den Weg nach London machen, ich nehme sie mit im Seit-an-Seit-Apparieren. Das ist eine magische Reisemethode", fügte Professor McGonagall hinzu, als sie Amelias fragenden Gesichtsausdruck sah.

„Wollen Sie sich noch kurz von Ihren Verwandten verabschieden?"

„Das wird wohl nicht nötig sein", sagte Amelia. „Was soll ich machen?

Professor McGonagall nickte abschätzig.

„Nehmen Sie meinen Arm und halten Sie sich gut fest. Was immer passiert, lassen Sie mich bloß nicht los. Für viele ist das erste Mal etwas unangenehm."

Amelia nickte und beeilte sich der Anweisung nachzukommen.

„Achtung", sagte Professor McGonagall. Amelia bemerkte gerade noch die Dursleys die in der offenen Tür standen.

Danach wurde alles um sie herum dunkel und sie fühlte sich, als würde man sie durch einen sehr engen Schlauch zwängen. Als die Welt um sie herum wieder Gestalt annahm, musste Professor McGonagall sie festhalten damit sie nicht stürzte. Es dauerte einen Moment bis sie das flaue Gefühl im Magen los war. Sie befanden sich nun in einer dunklen Seitenstraße. Vom Ende der Gasse fiel Licht herein und sie hörte Straßenlärm.

„Sind wir schon in London?", fragte sie verblüfft.

„Natürlich. Folgen Sie mir Miss Potter."

Amelia war noch nie in London gewesen, doch sie fragte sich, wo sie all die exotischen Dinge auf ihrer Einkaufsliste herbekommen sollten. Professor McGonagall schien jedoch recht gut zu wissen, wohin es ging.

Die belebte Straße auf die sie kamen, sah aus wie jede andere Straße auch. Voll von Musikläden, Schnellimbissen und Kinos. Nirgends sah es so aus, als könnte man dort Zauberstäbe kaufen. Die Leute drehten sich alle nach Professor McGonagall um, denn mit ihrem Spitzhut sah sie schon sehr kurios aus.

Es wirkte alles so normal, aber sie vertraute Professor McGonagall. Dies war nicht alles nur ein böser Streich, das war gar nicht möglich, wie hätte sie sonst so schnell hier her kommen können. Schon bald würde sie wegkommen von den Dursleys. Sie würde jemand sein, etwas von dem sie schon immer geträumt hatte. Sie fühlte sich wie eine Prinzessin aus einem Märchen. Ihrem ganz eigenen Märchen.

„Hier ist der Tropfende Kessel. Es ist ein Eingang in eine andere Welt. Meine Welt, Ihre Welt, die Welt Ihrer Eltern." Professor McGonagall lächelte ihr freundlich zu.

Sie waren vor einem kleinen schmuddelig wirkenden Pub stehen geblieben. Wäre Professor McGonagall nicht stehen geblieben, wäre er Amelia nicht einmal aufgefallen und wenn sie jetzt darauf achtete, so kam es ihr vor, als könnten wirklich nur Professor McGonagall und sie ihn sehen. Die Blicke der anderen Passanten wanderten von der Buchhandlung auf der einen, direkt zum Plattenladen auf der anderen Seite.

Schnell gingen sie ins Innere und keiner schien sie zu bemerken, trotz ihrer auffälligen Kleidung.

Der Pub war dunkel und in einer Ecke tranken ein paar alte Frauen Sherry, eine von ihnen rauchte eine lange Pfeife. Drüben sprach ein Mann mit Zylinder mit dem kahlköpfigen Wirt.

„Professor, schön Sie wiederzusehen.", rief der Wirt ihnen zu. „begleiten Sie wieder eine neue Schülerin in die Winkelgasse?"

„Hallo Tom. Ja, wir haben es recht eilig", sagte Professor McGonagall kurz angebunden und versuchte sie möglichst schnell durch den Raum zu schleusen, doch der Wirt hielt sie auf.

„Grundgütiger!", flüsterte der alte Wirt, eilte auf sie zu und ergriff Amelias Hände. „Willkommen zu Hause Miss Potter, Willkommen zu Hause." Tränen standen ihm in den Augen.

Sofort verbreitete sich ein Tuscheln unter den anderen Gästen und ein großes Stühle rücken begann. Alle schienen Amelia gleichzeitig die Hand schütteln zu wollen.

„Doris Crockford, Miss Potter, ich kann es einfach nicht fassen, Sie endlich zu sehen."

„Ich bin so stolz, Sie zu treffen, Miss Potter, so stolz."

„Wollte Ihnen schon immer die Hand schütteln - mir ist ganz schwindelig."

„Erfreut, Miss Potter, mir fehlen die Worte. Diggel ist mein Name, Dädalus Diggel."

Amelia schüttelte eine Hand nach der anderen und fast war es ihr ein bisschen unangenehm. Ein junger fahrig wirkender Mann kam auf sie zu.

„Hallo, Professor Quirrell", grüßte Professor McGonagall.

„Hallo P-Professor", stotterte er. „Freut mich Sie zu treffen Miss P-Potter."

„Schön Sie kennen zu lernen, Professor Quirrell", sagte Amelia und lächelte ihren Professor an. „Welches Fach unterrichten Sie?"

„V-Verteidigung gegen die dunklen Künste. Nicht dass Sie das nötig hätten, nicht wahr Miss P-Potter?"

„Ich freue mich schon sehr auf Hogwarts", sagte Amelia aufrichtig.

„Wir sollten jetzt gehen", mischte sich Professor McGonagall ein und bevor die zweite Welle des Ansturms sie überrollen konnte, wurde sie geschickt auf den Hinterhof manövriert.

„Der arme Professor Quirrell. Er hätte besser bei Muggelkunde bleiben sollen. Verteidigung gegen die dunklen Künste liegt ihm nicht sonderlich."

„Er sah ziemlich verängstigt aus, ist er immer so?", erwiderte Amelia.

„Nun, er war nicht immer so. Nun scheint er sich vor Allem zu fürchten. Wo waren wir? Ach ja."

Professor McGonagall zog ihren Zauberstab und wandte sich einer Backsteinwand zu, die an der hinteren Seite des kleinen Innenhofes lag.

„Ich bin wirklich berühmt oder?", sagte Amelia nachdenklich. Ihr war das bis jetzt gar nicht so im Gedächtnis haften geblieben.

Professor McGonagall wandte sich ihr zu, irgendwie sah sie etwas mitleidig dabei aus.

„Ja, meine Liebe", sie schien einen Moment mit sich zu ringen, dann fügte sie hinzu: „Nehmen Sie sich in Acht, Miss Potter. Es wird Menschen geben, die Sie benutzen wollen und nicht alle werden das Beste für Sie wollen."

Amelia hatte das Gefühl, dass dies der Professorin schon länger auf der Seele gelegen hatte. Doch diese wandte sich nun endgültig der Mauer zu und klopfte mit ihrem Zauberstab drei Mal gegen einen Stein. Es entstand ein Riss in der Mauer. Dieser wurde immer größer und größer, bis sich eine Sekunde später ein großer Torbogen gebildet hatte, der auf eine gepflasterte Gasse führte und sich in einer Biegung verlor.

„Willkommen in der Winkelgasse", sagte Professor McGonagall lächelnd.

Amelia trat mit verblüfftem Gesichtsausdruck durch das Tor und bemerkte mit einem Blick zurück gerade noch, wie sich die Steinmauer wieder schloss.

Ein Schild zu ihrer Rechten, zog als nächstes ihre Aufmerksamkeit auf sich. Dort hieß es: Kessel – Alle Größen – Kupfer, Messing, Zinn, Silber – Selbst umrührend – Faltbar.

Amelia wünschte sich mindestens vier Augenpaare mehr, neugierig drehte sie den Kopf in alle Himmelsrichtungen, um so viel wie möglich in sich aufzusaugen.

Es war faszinierend, die Läden, die Auslagen vor den Türen und vor allem die Menschen. Vor einer Apotheke entdeckte sie eine rundliche Frau die sich kopfschüttelnd über die Preise für Drachenleber beschwerte und aus einem dunklen Laden drang Eulengeschrei. Ein paar Jungen in Amelias Alter bestaunten ein Schaufenster mit Besen und bewunderten etwas, dass sie Nimbus Zweitausend nannten. Amelia entdeckte Teleskope, merkwürdige silberne Instrumente, Fässer voller Fledermausmilzen oder Aalaugen, gestapelte Zauberspruchfibeln Pergamentrollen, Zaubertrankflaschen, Mondgloben und vieles mehr…

Professor McGonagall steuerte auf ein schneeweißes Haus zu. Neben einem Bronzetor stand ein dunkelhäutiges Wesen mit einem Spitzbart und mit für seine Größe, denn es war einen Kopf kleiner als Amelia, überdimensional großen Füßen und sehr langen Fingern. Es war in eine rotgoldene Uniform gekleidet.

Amelia blieb stehen und starrte das Wesen verblüfft an. Professor McGonagall bemerkte ihren Blick und erklärte. „Das ist ein Kobold. Sie leiten Gringotts. Sie sind schlaue Geschöpfe, aber man sollte sich nicht mit ihnen einlassen. Ihre Moral ist eine ganz andere als unsere."

Der Kobold wies ihnen den Weg vor eine große Doppeltür, darauf waren Worte eingraviert.

Fremder, komm du nur herein,

Hab Acht, jedoch und bläu's dir ein,

Wer der Sünde Gier will dienen,

Und will nehmen, nicht verdienen,

Der wird voller Pein verlieren.

Wenn du suchst in diesen Hallen

Einen Schatz, dem du verfallen,

Dieb, sei gewarnt und sage dir,

Mehr als Gold harrt deiner hier.

„Gringotts ist einer der sichersten Orte der Welt, es gibt viele magische Fallen und die Verliese sind ein einziges Labyrinth. Manche glauben sogar es gäbe hier Drachen", erläuterte Professor McGonagall und führte sie in eine Prunkvolle Schalterhalle, die ganz aus Marmor bestand.

Im Inneren der riesigen Marmorhalle, herrschte geschäftiges Treiben. Hinter einem langen Schalter saßen unzählige Kobolde, wogen Goldmünzen ab oder prüften mit Uhrmacherlupen die Echtheit von Edelsteinen. Andere wiederum geleiteten Leute in anschließende Räume.

Professor McGonagall trat vor einen Schalter und sprach den dahinter sitzenden Kobold an.

„Miss Amelia Potter möchte gerne etwas von ihrem Verlies abheben" Sie holte einen kleinen goldenen Schlüssel hervor und reichte ihm dem Kobold.

„Das scheint in Ordnung zu sein", sagte der Kobold umständlich, nachdem er den Schlüssel begutachtet hatte.

Professor McGonagall nickte und reichte dem Kobold noch einen Brief ohne etwas zu sagen.

Der Kobold nahm auch diesen entgegen und las ihn aufmerksam durch.

„Sehr gut", sagte er „Ich werde veranlassen, dass man Sie in beide Verliese führt. Griphook!"

„Warum zwei Verliese?", fragte Amelia.

„Es ist nicht so wichtig. Noch eine kleine Besorgung.", erwiderte die Professorin kurz angebunden.

Griphook stellte sich ebenfalls als Kobold heraus und zusammen verließen sie die Halle durch eine andere Tür.

Amelia war überrascht, als sie des engen steinernen Ganges gewahr wurde, der so gar nichts mit dem Prunk der Schalterhalle gemeinsam hatte.

In den Boden waren schmale Bahngleise eingelassen und als Griphook pfiff, kam ein kleiner Karren zu ihnen, den sie alle mehr oder minder problemlos erklommen.

Rasant war die Fahrt durch die engen Gänge und unmöglich zu merken. Nach kurzer Zeit gab Amelia auf. Die Luft war kalt und brannte in den Augen und doch schloss Amelia sie nicht, aus Angst etwas zu verpassen. Sie kamen an einem unterirdischen See mit Stalaktiten und Stalagmiten vorbei und Amelia war begeistert.

Schließlich wurden sie langsamer und hielten vor einem Verließ.

Griphook schloss die Tür mit dem kleinen goldenen Schlüssel auf und zusammen mit einem Schwall grünen Rauchs kamen Hügelweise Goldmünzen, stapelweise Silbermünzen und haufenweise kleine bronzene Münzen zum Vorschein.

„Dies ist Ihr Erbe, Miss Potter", sagte Professor McGonagall.

Amelia staunte über diesen Schatz, der nur ihr gehörte. Die Dursleys hatten davon sicher nichts gewusst, sonst wäre hiervon nichts mehr übrig. Hatten sie sich doch ständig darüber beschwert, dass Amelia ihnen noch die Haare vom Kopf fressen würde.

„Ihre Eltern waren wohlhabend genug, um nicht arbeiten zu müssen. Sie lebten für den Wiederstand gegen sie-wissen-schon-wen. Jetzt ist dies Ihre Hinterlassenschaft. Um Geld brauchen Sie sich nicht zu sorgen Miss Potter."

Fassungslos starrte Amelia Professor McGonagall an. Dass das so viel Geld war, hatte sie nicht erwartet.

„Die goldenen sind Galleonen. Siebzehn Silbersickel sind eine Galleone und neunundzwanzig Knuts sind ein Sickel.", erklärte Professor McGonagall.

Schnell packte sie ein paar Münzen in eine Tasche die Professor McGonagall ihr gereicht hatte.

Danach fuhren sie zu einem weiteren Verließ, doch dieses hatte kein Schlüsselloch.

„Zurücktreten", gebot Griphook und streichelte daraufhin mit einem Finger die Tür, die einfach weg schmolz.

„Sollte jemand dies versuchen, der kein Kobold von Gringotts ist, dann wird er durch die Tür gesogen und sitzt dort drin in der Falle", sagte Griphook gehässig.

Amelia schluckte. Darin musste etwas sehr wertvolles sein, wenn es so starke Sicherheitsvorkehrungen gab.

Doch in dem Verließ lag nur ein kleines, schmuddelig wirkendes Päckchen. Professor McGonagall verstaute es in ihrem Umhang und schweigend fuhren sie wieder an die Oberfläche.

Die Sonne strahlte ihnen entgegen als sie Gringotts verließen.

Amelia wollte am liebsten ihr ganzes Gold auf einmal ausgeben. Schließlich hatte sie noch nie so viel Geld besessen, egal wie viele Galleonen ein englisches Pfund waren. Etwas schadenfroh dachte sie daran, dass sie sogar mehr Geld besaß als selbst Dudley.

„Was möchten Sie als erstes besorgen Miss Potter?", fragte Professor McGonagall.

„Ich weiß es nicht", gestand sie. „Es gibt so viel!"

„Schauen sie sich doch erst mal in Ruhe um. Ich hole Sie in drei Stunden wieder im Tropfenden Kessel ab, dann können wir schauen ob Sie alles gefunden haben. Aber verlassen Sie die Winkelgasse nicht. Es gibt auch weniger schöne Orte hier in der Nähe."

„Ja, Professor McGonagall. Und…", sie zögerte einen Moment. Dann verbeugte sie sich tief.

„Danke für alles!"

„Ach Mädchen, doch nicht dafür."

Nachwort:

Ihr denkt euch sicher alle Wtf warum war da nicht Hagrid. Ich finde das ganz logisch, dass man eine Lehrerin schickt, um ein Mädchen abzuholen und keinen „Lehrer". McGonagall war dabei, als Amelia bei den Dursleys abgegeben wurde, genau wie Hagrid. Deshalb hat sie das Vorrecht.

Ich muss es gestehen, ich fand es ziemlich schwer McGonagalls Charakter richtig zu treffen. Sie ist eine sehr strenge gradlinige Persönlichkeit, die jedoch auch manchmal warme Seiten oder Entrüstung und Missfallen zeigt. Ich muss gestehen, ich mag sie und sie ist eine sehr neutrale Person. Ich schätze sie nicht als Menschen ein, der überzeugen und manipulieren will, sondern sie möchte nur das Beste für ihre Schüler und Schülerinnen.