Kapitel 4 - Hogwarts

Viele der Muggel auf dem Bahnhof sahen sich zu Amelia um. Sie musste auch sehr komisch aussehen mit Eristik im Terrarium und ihrem riesigen Schulkoffer, den sie ganz allein vor sich herschob.

Sie erreichte die Absperrung zwischen Gleis Neun und Zehn. Professor McGonagall hatte gesagt, dass der Eingang zum Gleis irgendwo hier sein sollte und sie hatte erwartet, dass er so sein würde wie der Eingang zur Winkelgasse. Eine Tür die nur magisch begabte sehen konnten. Aber die Steinwand sah sehr stabil aus.

In Geschichte Hogwarts stand, dass sie nur durchgehen musste. Also sammelte sie allen Mut und ging schnurstracks auf die Absperrung zu. Ihre Hände zitterten vor Nervosität, aber es würde schon alles gut gehen. Für die letzten paar Schritte schloss Amelia die Augen. Doch der vermeintliche Aufprall blieb aus.

Ein Freudenschrei entrang sich ihrer Kehle als sie aufblickte und eine scharlachrote Lock entdeckte. Auf einem Schild über der Lock stand: Hogwarts-Express, 11 Uhr.

Begeistert blickte sich Amelia auf dem Bahnsteig um und sah sich umzingelt von lauter Kuriositäten. Überall wimmelte es von Katzen, die sich durch die Beine der Familien schlängelten die ihre Kinder in den offenen Zugfenstern verabschiedeten. Die Eulen veranstalteten ein riesiges Fiepkonzert und Amelia entdeckte eine Frau mit einem großen ausgestopften Geier auf dem Kopf.

Die Abteile vorne im Zug waren alle schon belegt, also ging sie weiter nach hinten. Als sie plötzlich eine Stimme hörte, die ihren Namen rief. Sie sah sich um und entdeckte den weißblonden Jungen, den sie schon bei Madam Malkins getroffen hatte. Er winkte ihr zu und sie machte sich auf den Weg zu ihm.

Neben ihm standen seine Eltern. Sie konnten nur seine Eltern sein, denn der Mann hatte genau das gleiche spitze Gesicht und die grauen Augen wie sein Sohn.

„Hallo", sagte Amelia. Draco Malfoy grinste sie an.

„Darf ich dir meine Eltern vorstellen?", Draco deutete auf die beiden erwachsenen Zauberer, wie Amelia schon vermutet hatte.

„Mutter, Vater, das ist Amelia Potter. Wir haben uns bei Madam Malkins kennengelernt.

„Freut mich", sagte Amelia höflich und die Malfoys schüttelten beide ihre Hand. Als sie Mr Malfoy die Hand reichte musterte er sie mit einem undefinierbaren prüfenden Blick.

„Es ist mir eine Ehre Sie kennen zu lernen Miss Potter", sagte dieser kühl und überheblich. Trotzig hielt Amelia seinem Blick stand.

Mr Malfoys Blick wanderte zu Eristik in seinem Terrarium und er hob eine Augenbraue.

Draco der Amelia und seinen Vater überrascht musterte ergriff nun das Wort.

„Komm, setz dich zu mir ins Abteil."

Amelia nickte. Dann wäre sie wenigstens nicht allein.

„Gerne", antwortete sie dankbar.

„Dobby", sagte Draco und ein kleines Geschöpf mit fledermausähnlichen Ohren und grünen hervorquellenden Augen erschien plötzlich.

„Bring den Koffer in mein Abteil", befahl er und das kleine Wesen machte sich unter einem: „Sofort Herr" augenblicklich an die Arbeit.

„Ein Hauself", sagte Amelia überrascht. Sie hatte von diesen Wesen gelesen, die den Zauberern dienten. Hogwarts hatte angeblich auch Hauselfen, zumindest stand das in Geschichte Hogwarts.

„Komm, der Zug fährt bald los", sagte Draco und Amelia stieg ein, während Draco sich von seinen Eltern verabschiedete. Sein Vater sagte etwas zu ihm und Draco wurde ernst. Er nickte gehorsam. Amelia spürte, wie ein leichter Stich des Neides sie durchzuckte, als Dracos Mutter ihren Sohn kurz in die Arme schloss. Was würde sie dafür geben, sich hier so von ihren Eltern verabschieden zu können und zu wissen, dass sie sie in den Ferien sehen würde.

Als der Zug losfuhr, stand Draco noch am Abteilfenster bis der Bahnhof außer Sichtweite war. Erst dann setze er sich Amelia gegenüber hin.

Er schien zu überlegen, dann sagte er: „Es tut mir leid, dass ich in der Winkelgasse so taktlos war", er wirkte tatsächlich etwas zerknirscht. Amelia lachte nur und winkte ab.

„Das ist schon in Ordnung."

„Darf ich dich noch was taktloses fragen?", sagte Draco und sah sie neugierig an.

„Dann mach", sagte Amelia und lächelte.

„Hast du auch die Narbe von der alle immer erzählen?"

Das Lächeln wurde etwas trüber, als sie sich die Haare aus der Stirn strich, sodass ihre blitzförmige Narbe gut zu sehen war.

„Das ist also die Stelle an der der Dunkle Lord…", sagte Draco ehrfürchtig.

„Der Dunkle Lord?", fragte Amelia. „Meinst du Voldemort?"

Ein kleiner spitzer Schrei entrang sich Dracos Kehle als er die Worte vernahm.

„Du… Du sagst seinen Namen?", keuchte er entsetzt.

„Tschuldigung. Ich wollte dich nicht erschrecken", murmelte Amelia kleinlaut. Sie musste aufpassen, was sie sagte.

„Erinnerst du dich noch an die Nacht in der es geschah? Ich hab so viele Geschichten gehört", plapperte Draco aufgeregt.

Amelia wiegte den Kopf nachdenklich hin und her.

„Nicht wirklich. Nur noch, dass überall grünes Licht war. Sonst an nichts. Ich war schließlich nicht sonderlich alt."

„Wie ist es so berühmt zu sein?", fragte Draco neugierig weiter und Amelia verzog den Mund.

„Ich habe noch nicht sonderlich viel davon mitbekommen. Ich bin schließlich bei Muggeln aufgewachsen. Sie haben mir nichts davon erzählt."

„Wie sie haben dir nichts gesagt?" Draco klang überrascht.

„Sie mochten mich nicht besonders. Und ich mochte sie auch nicht besonders. Ich bin so glücklich endlich nach Hogwarts zu kommen. Wenn es nach mir gehen würde, würde ich am liebsten nie wieder zurück", erzählte Amelia wehmütig.

„Ich finde es ist sowieso eine Schande, dass ausgerechnet du bei Muggeln aufwachsen musstest. Es hätte bestimmt viele gegeben, die dich aufgenommen hätten."

„Wie es scheint war das die Idee von Professor Dumbledore unserem Schulleiter."

„Seniler alter Sack. Vater hält nicht viel von diesem muggelliebenden Narren. Ein großer Zauberer mag er sein, aber die völlig falsche Einstellung."

Amelia wusste nicht, was sie darauf antworten sollte. Was sie über Dumbledore in Aufstieg und Niedergang der dunklen Künste gelesen hatte, war durchweg positiv gewesen. Trotz allem, er hatte sie zu den Dursleys gebracht. Ihm verdankte sie die letzten zehn fürchterlichen Jahre.

Leise ratternd fuhr der Zug über die Bahngleise und Draco erzählte Amelia gerade, dass seine Eltern auch in Hogwarts gewesen waren, beide in Slytherin, als die Abteiltür aufging und zwei bullige Jungen im Türrahmen standen. Amelia schluckte. Es war diese Art Jungen die sonst immer auf ihr herumgehackt hatten.

„Da seid ihr ja endlich. Ich habe mich schon gefragt wann ihr endlich auftaucht", schnarrte Draco die beiden an.

„Tschuldigung", sagte der Größere von ihnen und sie setzen sich ins Abteil.

„Amelia darf ich vorstellen, das sind Gregory Goyle und Vincent Crabbe", sagte Draco und beugte sich dann ein Stück vor um zu flüstern: „Unsere Eltern sind befreundet, aber ich weiß wirklich nicht warum. Jedenfalls sind die beiden nicht sonderlich helle."

Amelia musterte die beiden Jungen die gerade eine Schachtel mit irgendwelchen komischen Süßigkeiten in den großen Händen hielten und stumm vor sich hin mampften. Sonderlich gescheit sahen sie wirklich nicht aus. Genau der Schlag, den Dudley immer angezogen hatte. Schmerzhaft wurde sie an Gordon erinnert. Sofort verdrängte sie den Gedanken wieder.

„Freut mich euch kennen zu lernen. Mein Name ist Amelia Potter", sagte Amelia stattdessen und musste kichern als sich der mit den stoppeligen Haaren, Gregory, an seinen Süßigkeiten verschluckte.

Vincent klopfte ihm auf den Rücken und als er wieder Luft bekam, stellte er die Frage, die Amelia wohl noch oft hören würde: „Die Amelia Potter?"

Gregory und Vincent schienen Amelia sehr schweigsame Zeitgenossen zu sein, denn während Draco ihr, entsetzt darüber, dass sie nicht wusste was Quidditch war, erklärte, dass es ein Spiel auf Rennbesen war, sagten sie kein Wort.

„Weißt du, ich wollte meinen Vater überreden, dass er mir erlaubt meinen Besen mitzunehmen, aber ich durfte nicht. Ich finde es gemein das Erstklässler nicht in den Hausmannschaften spielen dürfen. Das beschränkt uns in unserer Entfaltung. Papperlapapp das es zu gefährlich ist, wozu haben wir sonst Magie."

Amelia hörte ihm neugierig zu. Alles was mit der magischen Welt zu tun hatte klang so aufregend. Sie fand Draco Malfoy bestimmt genauso interessant wie er ihre Narbe interessant fand.

Irgendwann drang lautes Geklirr zu ihnen herein und ihre Abteiltür wurde aufgeschoben. Eine Frau mit Lachgrübchen schaute herein, vor ihr ein riesiger Servierwagen.

„Eine Kleinigkeit vom Wagen gefällig, ihr Süßen."

Gregory und Vincent waren die Ersten die anstanden um sich etwas zu kaufen und auch Amelia die noch nicht Gefrühstückt hatte stellte sich an.

Doch anstatt der erwarteten Schokoriegel fand sie Bertie Botts Bohnen in allen Geschmacksrichtungen, Lakritz-Zauberstäbe, Kürbispasteten, Kesselkuchen und vieles mehr. Weil sie sich nicht entscheiden konnte, kaufte sie mehrere Süßigkeiten und kam mit ihrer Ausbeute ins Abteil zurück.

„Kannst du so viel überhaupt essen? Ich dachte das könnte nur Gregory", sagte Draco, als sie sich mit einem Kesselkuchen ihm gegenüber hinsetzte.

„Ich konnte mich nicht entscheiden was ich nehmen soll. Das Zeug sieht teilweise richtig komisch aus. So was haben die Muggel nicht."

Damit öffnete Amelia die Schachtel mit Bertie Botts Bohnen und griff sich eine.

„Ich würde aufpassen welche ich esse", riet Draco ihr. „Manche von denen haben einen sehr abartigen Geschmack."

„Wirklich?", fragte Amelia ahnungslos und griff sich eine knallgelbe Bohne.

Sie schmeckte einfach nur fürchterlich und Amelia musste erst eine ganze Kürbispastete verspeisen bevor sie den ekligen Geschmack einigermaßen los war.

„Currygeschmack! Ich wette!", fluchte sie.

Währenddessen lag Draco lachend und sich den Bauch haltend auf seinem Sitz.

Doch Amelia war nicht so leicht unter zu kriegen und nahm sich noch eine. Diesmal war sie essbar.

Nachdem Bertie Botts Bohnen gemeistert waren, machte sie sich über die Schokofrösche her und war doch immens beruhigt, dass es keine echten Frösche waren.

„Was ist das denn?", fragte Amelia und sah an dem bemitleidenswert zappelnden Frosch vorbei.

Vorsichtig löste sie eine fünfeckige Karte aus der Verpackung des Schokofroschs und besah sie sich.

Auf der Vorderseite war eine schwarzhaarige Hexe zu sehen, die wild mit ihrem Zauberstab hin und her fuchtelte, darunter stand der Name Carlotta Pinkstone.

„Ich finde immer noch faszinierend, dass sich magische Bilder bewegen!", sagte Amelia und betrachtete die Hexe. Sie war richtig erschrocken, als sie die Bilder in ihren Schulbüchern gesehen hatte.

„Natürlich bewegt sie sich. Was sollte sie auch sonst tun?", fragte Draco an Amelia gewandt und biss in seinen Kesselkuchen.

„Naja, Muggelbilder bewegen sich nicht", informierte sie ihn.

„Wirklich?", sagte Draco und zog eine Augenbraue hoch. „Wie primitiv. Alle Bilder bewegen sich."

Amelia nickte und betrachtete weiter Carlotta Pinkstone, wie sie plötzlich aus dem Bild huschte. Auf der Rückseite stand:

Carlotta Pinkstone, gegenwärtig inhaftiert in Askaban.

Carlotta wollte das Geheimhaltungsabkommen der Internationalen Zauberervereinigung aufheben lassen und den Muggeln berichten, dass es immer noch Zauberer und Hexen gibt.

Sie wurde mehrfach wegen absichtlich und Aufmerksamkeitserregenden praktizieren von Magie inhaftiert.

„Draco", fragte Amelia nachdenklich. „Was ist Askaban?"

„Askaban ist das Zauberergefängnis. Es ist furchtbar dort", antwortete Draco und richtete den Blick gedankenverloren aus dem Fenster. Fröstelnd rieb er sich die Hände.

„Zauberer haben Gefängnisse…", wunderte sich Amelia und bekam aber ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend. Sie vertiefte das Thema aber nicht weiter.

„Von dem Geheimhaltungsabkommen habe ich schon einmal gelesen", sagte sie stattdessen.

„Ja, dieses blöde Abkommen ist dafür verantwortlich, dass wir Zauberer uns verstecken müssen. Eigentlich ist es Unfair. Eigentlich sollten sich die Muggel vor uns verstecken müssen, schließlich sind wir viel mächtiger als sie", entrüstete sich Draco.

Amelia konnte es ihm nachfühlen, sie wusste wie es ist, sein ganzes Leben mit Beschränkungen leben zu müssen.

Amelia ging zur Toilette und auf dem Rückweg wäre sie fast auf eine Kröte getreten, die ihr über den Weg sprang.

„Achtung!", schrie ein etwas dickerer Junge und warf sich zwischen Amelia und die Kröte. „So ein Glück, Trevor, dir ist nichts passiert", atmete er auf.

„Alles in Ordnung?", fragte ein Mädchen mit buschigen braunen Haaren, die hinter dem Jungen den Gang entlangkam.

„Ja, Hermine. Ihm geht es gut", sagte der Junge.

„Entschuldigung, Neville hat seine Kröte gesucht. Mein Name ist Hermine Granger und das ist Neville Longbottom, bist du auch neu in Hogwarts?", fragte das Mädchen Amelia in haarsträubenden Tempo.

„Ähm… Ja, ich bin Amelia Potter", stellte sie sich vor.

„Tatsächlich? Ich weiß natürlich alles über dich. Komme aus einer Muggelfamilie und habe mir ein paar Bücher als Hintergrundlektüre gekauft. Du stehst in „Geschichte der modernen Magie", im „Aufstieg und Niedergang der dunklen Künste" und in der „Großen Chronik der Zauberei des zwanzigsten Jahrhunderts."

Amelia zog eine Augenbraue hoch. „Ich weiß", sagte sie etwas von oben herab. Das Mädchen war ihr irgendwie unsympathisch. „Und jetzt entschuldige mich, ich muss mich umziehen." Amelia drehte sich um und verließ die beiden anderen Schüler.

Es wurde dunkler und die akkurate Feldlandschaft draußen vor dem Fenster wurde von Wald abgelöst. Schnell zog Amelia ihren Hogwarts Umhang an, als auch schon die Durchsage ertönte, dass der Zug bald anhalten würde. Ihr Gepäck sollten sie im Zug lassen. Amelia ermahnte Eristik noch einmal, bloß brav zu sein und beobachtete Draco dabei, wie er sich ausgiebig von seiner Adlereule Beatrix verabschiedete um seine Nervosität zu überspielen.

Danach drängelten sie sich auch schon hinter Gregory und Vincent durch den Zug, wobei sich Draco und Amelia nur dicht hinter ihnen zu halten brauchten um gut durchzukommen. Eigentlich waren sie schon praktisch.

Kalte Abendluft umschlang sie, als sie auf den kleinen Bahnsteig hinaustraten. Von der anderen Seite brüllte eine ohrenbetäubend laute Stimme: „Erstklässler zu mir!"

Sie erblickten einen gigantischen Mann, der eine Laterne in Händen hielt, die so groß waren wie Essplatten. Er hatte eine zottige Mähne und kleine schwarze Augen. Er war schon unnatürlich groß. Draco musterte den Mann abschätzend.
„Der hat bestimmt Riesenblut", zischte er ihr zu.

„Riesen?", fragte Amelia unwissend.

„Das sind richtige Monster. Bringen liebend gerne Zauberer und Hexen um. Macht ihnen Spaß", sagte Draco und Amelia wurde blass. Sie war nur froh, dass sie nicht neben dem Mann laufen musste.

Bald schon folgten sie dem Mann, der sich als Hagrid vorstellte, einen steilen schmalen Pfad hinab, wobei jeder aufpassen musste in der Dunkelheit nicht zu fallen.

Und dann geschah es und Amelia erblickte das erste Mal in ihrem Leben Hogwarts. Ein gewaltiges, hell erleuchtetes Schloss mit vielen Zinnen und Türmen, das auf der Spitze eines hohen Berges thronte. Sie würde diesen Anblick nie vergessen.

Amelia bemerkte die Boote erst nicht, die vor dem schwarzen See lagen, der sie von Hogwarts trennte. Hagrid dirigierte sie immer zu viert in ein Boot. Amelia kletterte ohne zu zögern hinein, dicht gefolgt von Draco der doch etwas unsicher auf den schwarzen See hinaus blickte. Ihnen folgten Gregory und Vincent.

Als Hagrid laut „VORWÄRTS!", rief setzten sich alle Boote gleichzeitig in Bewegung und glitten lautlos über den stillen See.

Amelia glaubte nie einen perfekteren Moment erlebt zu haben als diesen. Die Sterne und das Mondlicht spiegelten sich in dem See während sie hinüberglitten. Es war einfach perfekt.

Die kleinen Boote glitten letztendlich durch einen Vorhang aus Efeu und legten in einem kleinen Hafen unterhalb von Hogwarts an.

Nachdem der Junge Namens Neville seine Kröte fast im Boot vergessen hätte, machten sie sich auf den Weg eine lange Steintreppe zu erklimmen bis sie letztendlich vor einem riesigen Eichentor standen.

Hagrid schlug mit seiner gewaltigen Faust drei Mal dagegen und es öffnete sich.

In der Tür erschein Professor McGonagall in einem smaragdgrünen Umhang. Sie lächelte als sie Amelia erkannte.

„Ich bringe Ihnen die Erstklässler, Professor McGonagall", sagte Hagrid und die Professorin führte sie in eine Halle die so riesig war, dass das gesamte Haus der Dursleys reingepasst hätte. Sie gingen eine gewaltige Marmortreppe hinauf, vorbei an einer Tür, hinter der hunderte von Stimmen summten in eine kleine Kammer, in der sich alle zusammendrängen mussten.

„Willkommen in Hogwarts", hieß sie die Professorin willkommen. „Das Bankett zur Eröffnung des Schuljahres beginnt in Kürze, doch bevor ihr eure Plätze in der Großen Halle einnehmt, werden wir feststellen, in welche Häuser ihr kommt. Das ist eine sehr wichtige Zeremonie, denn das Haus ist gleichsam eure Familie in Hogwarts. Ihr habt gemeinsam Unterricht, ihr schlaft im Schlafsaal eures Hauses und verbringt eure Freizeit im Gemeinschaftsraum." Amelia nickte. Das hatte Professor McGonagall ihr schon erklärt.

„Die vier Häuser heißen Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin. Jedes Haus hat bedeutende Hexen und Zauberer hervorgebracht. Während eurer Zeit in Hogwarts holt ihr mit euren großen Leistungen Punkte für das Haus, doch wenn ihr die Regeln verletzt, werden eurem Haus Punkte abgezogen. Am Ende des Jahres erhält das Haus mit den meisten Punkten den Hauspokal, eine sehr große Auszeichnung. Ich hoffe, jeder von euch ist ein Gewinn für das Haus, in welches er kommen wird.

Die Einführungsfeier, an der auch die anderen Schüler teilnehmen, beginnt in wenigen Minuten. Ich schlage vor, dass ihr die Zeit nutzt und euch beim Warten so gut wie möglich zurechtmacht."

Die Augen der Professorin schweiften kurz über die Schar der Erstklässler und verweilten bei Nevilles Umhang der falsch festgemacht worden war und auf der Nase eines schmuddelig wirkenden rothaarigen Jungen. Amelia strich sich nochmal durch die Haare. Sie hatte Teile mit einer silbernen Haarspange zurückgesteckt. Sie war wirklich nervös.

„Ich komme zurück sobald alle Vorbereitungen für euch getroffen sind. Bitte bleibt ruhig während ihr wartet." Professor McGonagall nickte ihr noch einmal freundlich zu und als sie den Raum verließ brach sofort ein leises Getuschel an.

„Ich bin schon gespannt auf den sprechenden Hut", sagte Amelia an Draco gewandt.

Dieser sah nun noch blasser aus als sonst.

„Ich muss nach Slytherin kommen… Ich muss…", flüsterte Draco ihr zu.

„Warum musst du? Sind nicht alle Häuser gut?", fragte Amelia.

„Meine ganze Familie war in Slytherin und wenn ich nach Hufflepuff komme wäre es eine Schande. In Hufflepuff sind nur Nieten. Ravenclaw wäre noch am Rande des akzeptablen, aber Gryffindor geht gar nicht."

„Ist Gryffindor so schlimm?"

„Jah…", sagte Draco. Amelia schluckt. Eigentlich war ihr jedes Haus recht.

Plötzlich hörte Amelia Geschrei hinter sich und auch Draco stieß einen spitzen Schrei aus. Als sie seinem Blick folgte, gefror auch ihr das Blut in den Adern.

Über zwanzig, perlweiße fast durchsichtige Gestalten waren durch die Wand geschwebt und schienen über ein Thema zu diskutieren. Irgendetwas von wegen zweite Chance für einen nicht richtigen Geist Namens Peeves. Ein Geist mit Halskrause bemerkte die starrenden Schüler zuerst und ein dicker Mönch redete zu ihnen. Doch Amelia hörte gar nicht zu sondern betrachtete fasziniert die Gestalten um sich herum. Das nette Beisammensein von Geistern und Schülern wurde schon bald von Professor McGonagall unterbrochen, die die Schüler im Gänsemarsch in die Große Halle führte.

Diese Halle übertraf Amelias kühnste Fantasien, die sie sich bei den Dursleys ausgemalt hatte. Hunderte von Kerzen schwebten in der Luft über vier langen Tischen, an denen überall Schüler und Geister saßen. Vorne, dorthin wo die Erstklässler geführt wurden, stand noch ein Tisch an dem die Lehrer saßen. Auf den Tischen war goldenes Geschirr und die Decke war in samtenes schwarz gehüllt, nur hier und da waren Sterne zu sehen. Vor sich hörte sie das Mädchen aus dem Zug flüstern: „Die Decke ist verzaubert damit sie wie der Himmel draußen aussieht. Das kann man in „Geschichte Hogwarts'" nachlesen." Sie hatte es auch gelesen, aber trotzdem war der Anblick faszinierender als alle Worte.

Amelia richtete ihren Blick wieder nach Vorne und sah wie Professor McGonagall einen vierbeinigen Stuhl mit einem alten zerschlissenen Zaubererspitzhut vor sie hinstellte.

Amelia musterte den Hut und befand, dass er Tante Petunia niemals ins Haus gekommen wäre so dreckig und geflickt wie er aussah.

Nahe der Krempe des Hutes Tat sich ein Riss auf, fast wie ein Mund und der Hut begann zu singen:

„Ihr denkt, ich bin ein alter Hut,

mein Aussehen ist auch gar nicht gut.

Dafür bin ich der schlauste aller Hüte,

und ist's nicht wahr, so fress ich mich, du meine Güte!

Alle Zylinder und schicke Kappen

Sind gegen mich doch nur Jammerlappen!

Ich weiß in Hogwarts am besten Bescheid

Und bin für jeden Schädel bereit.

Setzt mich nur auf, ich sag euch genau,

wohin ihr gehört – denn ich bin schlau.

Vielleicht seid ihr Gryffindors, sagt euer alter Hut,

denn dort regiert, wie man weiß Tapferkeit und Mut.

In Hufflepuff dagegen ist man gerecht und treu,

man hilft dem andern, wo man kann, und hat vor Arbeit keine Scheu.

Bist du geschwind im Denken, gelehrsam auch und Weise,

dann machst du dich nach Ravenclaw, so wett ich, auf die Reise.

In Slytherin weiß man noch List und Tücke zu verbinden,

doch dafür wirst du hier noch echte Freunde finden.

Nun los, so setzt mich auf, nur Mut,

habt nur Vertrauen zum Sprechenden Hut!"

In der Halle begann ein Beifallssturm und der Sprechende Hut verbeugte sich vor jedem der Tische.

Erwartungsvoll blickte Amelia den sprechenden Hut an. Sie hatte von ihm in Geschichte Hogwarts gelesen. In ihm steckte die Magie der Gründer von Hogwarts. Sie hatte nur nicht erwartet, dass er so kaputt aussehen würde.

Professor McGonagall hatte eine lange Liste gezückt und rief den ersten Namen auf: „Abbott, Hannah!". Ein Mädchen mit blonden Zöpfen ließ sich auf den Stuhl nieder und setzte sich den Hut auf. Einen Moment dauerte es bis der Hut rief: HUFFLEPUFF!". Der Tisch ganz rechts brach in Jubelrufe aus, als sich Hannah zu ihnen setzte.

Danach ging es weiter mit „Bones, Susan!", ebenfalls „HUFFLEPUFF!" und „Boot, Terry!", der der Erste neue „RAVENCLAW" wurde. Er setzte sich an den zweiten Tisch von links.

Schüler um Schüler wurde aufgerufen und die erste neue „GRYFFINDOR!" wurde „Brown, Lavender" was mit Jubelrufen des zweiten Tisches von rechts quittiert wurde.

Amelia fühlte sich recht übel. Der Hut schien irgendwie in ihren Kopf zu schauen. Was wenn er sehen konnte was sie getan hatte. Dann würde man sie, dessen war sie sich sicher, sofort nach Askaban bringen. Nur nicht dran denken schallt sie sich.

Nach einiger Zeit wurde „Crabbe, Vincent!" nach nur wenigen Sekunden zum „SLYTHERIN!" gemacht während der Hut bei „Granger, Hermine" fast eine Minute brauchte um sie nach „GRYFFINDOR!" einzuteilen.

Neville, der Junge dem immer seine Kröte abhandenkam, musste auch sehr lange auf dem Stuhl sitzen bevor er nach „GRYFFINDOR!" kam.

Amelia unterdrückte ihre Nervosität und schaffte es gerade noch Draco die Daumen zu drücken, als dieser nach vorne ging und der Hut ihn auch sogleich nach „SLYTHERIN!" einteilte. Draco ging zum ganz linken Tisch und ließ sich neben Gregory nieder der auch schon nach Slytherin gekommen war.

Es waren nicht mehr sehr viele übrig und gleich nach den Zwillingsmädchen Patil die in verschiedene Häuser kamen und Perks wurde Amelia aufgerufen.

Ihr Vortreten entfachte überall in der Halle Geflüster und Amelia war froh, als die Krempe ihr über die Augen rutschte und sie die Halle endlich nicht mehr sehen musste.

„Hmm", sagte eine piepsige Stimme. „Schwierig. Sehr schwierig. Viel Mut, wie ich sehe. Kein schlechter Kopf außerdem. Da ist Begabung, du meine Güte, ja… und ein kräftiger Durst, sich zu beweisen, nun, das ist interessant… Nun wo soll ich dich hinstrecken? In Gryffindor wärst du recht gut aufgehoben doch… da ist etwas Verschwiegenes an dir, ich glaube am meisten erreichen kannst du in SLYTHERIN" Das letzte Wort hatte der Hut laut ausgerufen

Amelia atmete erleichtert auf und mit einem guten Gefühl im Magen setzte sie sich neben Draco der ihr gratulierte, so wie ein gutes Dutzend anderer Schüler die in der Nähe saßen.

Von ihrem Platz aus hatte Amelia einen guten Blick auf den Lehrertisch und in der Mitte des Tisches stand ein großer goldener Stuhl auf dem ein alter Mann saß. Das musste Dumbledore sein, schließlich war er der Schulleiter von Hogwarts. Auch Professor Quirrell erkannte Amelia wieder und direkt neben diesem saß ein Mann mit schwarzem fettigen Haar und einer Hakennase, der Amelia wie vom Donner gerührt anstarrte.

Es gab nun nur noch drei Schüler und der letzte von ihnen „Zabini, Blaise" setzte sich zu Amelia an den Slytherintisch.

Der Sprechende Hut wurde weggebracht und Albus Dumbledore stand auf und breitete die Arme aus.

„Willkommen! Willkommen zu einem neuen Jahr auf unserem schönen Hogwarts. Bevor ich das Bankett für euch eröffne, möchte ich noch ein paar Worte an euch richten. Und hier sind sie Schwachkopf! Schwabbelspeck! Krimskrams! Quiek! Danke sehr!"

Dumbledore setzte sich und die ganze Halle brach in Beifall aus. Amelia wusste nicht so ganz ob Dumbledore noch alle Tassen im Schrank hatte. Schließlich sah er schon ein bisschen alt aus.

„Ist Professor Dumbledore verrückt?", fragte Amelia leise an einen älteren Slytherin gewandt der sich ihr als Terence Higgs vorgestellt hatte.

„Ja, aber wenn man so ein begabter Zauberer ist wie er, kann man es sich leisten, nicht mehr ganz normal zu sein", sagte Terence.

Amelia musterte Professor Dumbledore noch mal, der sich nun mit Professor McGonagall unterhielt.

„Amelia willst du nichts essen?", fragte Draco sie von der Seite und erst jetzt viel Amelia auf, dass sich alle goldenen Platten mit Essen gefüllt hatten. So viel essen, wie selbst Dudley noch nie gegessen hatte.

„Toll!", freute sich Amelia und machte sich über die Köstlichkeiten her, die aufgetischt waren. Von allem probierte sie etwas, nur die Pfefferminzbonbons ließ sie aus. Die hatten hier auch nicht wirklich etwas zu suchen befand sie.

Am Ende war sie der Meinung, noch nie so viel gegessen zu haben wie an diesem Abend. Die Dursleys hatten sie zwar nicht gerade hungern lassen, aber so viel essen wie sie wollte, hatte sie aber trotz allem nie gekonnt.

„Ich heiße euch in Slytherin willkommen", sagte ein Geist mit ausgemergeltem Gesicht und einem mit silbrigem Blut bespritzen Umhang, der sich zu ihnen gesellte. „Ich hoffe ihr werdet euch anstrengen, damit wir den Hauspokal halten können. Es wäre eine Schande ihn zu verlieren."

„Wer sind Sie?", fragte ein Mädchen mit schwarzem Haar und mopsartigem Gesicht, dass ebenfalls gerade erst in Slytherin eingeschult worden war. Amelia glaubte sich zu erinnern, dass sie Pansy Parkinson hieß.

„Ich bin der Blutige Baron, Hausgeist von Slytherin, angenehm", antwortete er mit einer angedeuteten Verbeugung.

Amelia schlug sich ordentlich den Magen voll, etwas unschicklich für ein Mädchen dachte sie noch, doch es war ihr egal. Das Essen war so köstlich, dass man fast auf den Gedanken kommen könnte es wäre verhext. Zufrieden mit der Welt sah sich Amelia um. Draco unterhielt sich mit einem älteren Schüler, Gregory und Vincent fraßen noch immer als wären sie am Verhungern und die Gespräche der Meisten wandten sich dem kommenden Schuljahr zu. So erklärte ein großer stämmiger Schüler mit einem silbernen Abzeichen auf der Brust, dass es wichtig war, im ersten Jahr gut aufzupassen, da sie die Grundlagen vermittelt bekommen würden.

Amelia selbst versuchte sich aus den Gesprächen raus zu halten, sie hatte das Gefühl, in einer fremden Welt gelandet zu sein. Auch wagten es viele der Slytherins nicht sie zu fragen, was ihnen so brennend auf den Zungen lag. Amelia bemerkte ihre Blicke sehr wohl, auch die von anderen Tischen, doch schwieg sie sich aus. Sie hatte fast das Gefühl ihre Narbe kribbelte unter all der Aufmerksamkeit.

Irgendwann, als der Nachtisch verschwand und nur saubere Platten zurückließ, erhob sich Professor Dumbledore erneut.

„Nun, da alle gefüttert und gewässert sind, nur noch ein paar Mitteilungen bevor ich euch in eure warmen Betten entlasse. Die Erstklässler sollten zur Kenntnis nehmen, dass der Wald der auf den Ländereien von Hogwarts liegt für alle Schüler verboten ist. Und einige der älteren Schüler möchte ich daran erinnern."

Der Schulleiter blickte zu zwei rothaarigen Jungen am Gryffindortisch, die sich wie ein Ei dem anderen glichen.

„Außerdem hat mich unser Hausmeister, Mr. Filch, darum gebeten, alle daran zu erinnern, dass auf den Gängen nicht gezaubert werden darf.

Die Quidditch-Auswahl für die Hausmannschaften findet in der zweiten Schulwoche statt und alle, die Interesse haben, sollen sich bitte bei Madam Hooch melden.

Und die letzte Mitteilung für heute Abend: Ich muss euch mitteilen, dass das Betreten des Korridors im dritten Stock, der in den rechten Flügel führt, allen verboten ist, die nicht den Drang verspüren eines äußerst schmerzhaften Todes zu sterben."

Einige lachten, doch Amelia lachte nicht mit ihnen.

„Warum dürfen wir nicht in diesen Korridor?", fragte sie einen der älteren Schüler. Doch dieser runzelte selbst die Stirn.

„Das weiß ich nicht. Normalerweise sagt er uns die Gründe für ein Verbot. Der Verbotene Wald ist voller bösartiger Monster, letztes Jahr haben sich die Weasley-Zwillinge in den Wald gestohlen und wären fast von einem großen dreiköpfigen Hund zerfleischt worden", sagte Terence und nickte zum Gryffindortisch hinüber. Amelia hegte den Verdacht, dass die beiden rothaarigen Jungen die Weasley-Zwillinge waren.

„Doch nun, bevor wir alle zu Bett gehen", riss Professor Dumbledore Amelia aus ihren Gedanken, „singen wir noch die Schulhymne."

Amelia bemerkte, dass das Lächeln der meisten Lehrer recht steif geworden war, doch Professor Dumbledore fuchtelte kurz mit einem Zauberstab und ein goldener Faden entsprang diesem und bildete Wörter in der Luft.

„Jeder nach seiner Lieblingsmelodie!", sagte Professor Dumbledore enthusiastisch und die ganze Schule begann begeistert zu singen:

„Hogwarts, Hogwarts, warzenschweiniges Hogwarts,

bring uns was Schönes bei,

Ob alt und kahl oder jung und albern,

wir sehnen uns Wissen herbei.

Denn noch sind unsere Köpfe leer,

voll Luft und voll toter Fliegen,

wir wollen nun alles erlernen,

was du uns bisher hast verschwiegen.

Gib dein Bestes – wir können's gebrauchen,

unsere Köpfe, sie sollen rauchen!"

Kaum zwei Schüler endeten gemeinsam. Es klang teilweise sehr schief aber irgendwie fand Amelia es lustig. Professor Dumbledore dirigierte ihren Gesang bis alle Schüler fertig waren und entließ sie dann aus der großen Halle.

Amelia und die anderen Slytherin Erstklässler folgten den Vertrauensschülern ihres Hauses hinunter in die Kerker.

„Passt auf wo ihr hintretet, manche Stufen sind keine richtigen Stufen, so wie diese hier", wurden sie gewarnt und nur Gregory schaffte es, trotz allem auf die Stufe zu treten, was seinen Fuß schmerzhaft im Boden einklemmte.

Vincent musste helfen ihn raus zu ziehen, bevor sie ihren verschlungenen Weg fortsetzen konnten. Amelia versuchte sich zu merken, in welche Gänge sie abbogen, doch sie musste schon bald aufgeben, denn irgendwie sah alles gleich aus.

Nach schier endlos langer Zeit kamen sie in einer Sackgasse an und Amelia dachte schon sie hätten sich verlaufen, doch ihre Führer wandten sich an die Wand: „Familientradition"

Eine in der Wand versteckte steinerne Tür glitt auf und gab einen Durchgang frei.

„Merkt euch das Passwort. Ohne es kommt ihr nicht in den Gemeinschaftsraum und nun folgt mir."

Sie schritten in einen längliches Verließ, von der Decke hingen grünliche Kugellampen und vor einem kunstvoll mit Schlangen verzierten Kamin standen hohe Lehnstühle. Das Licht, das durch die hohen Fenster hereinviel sah ungewohnt grünlich aus und einen Moment glaubte Amelia eine Gestalt vor dem Fenster nicht vorbeigehen, sondern schwimmen zu sehen. Sie waren unter Wasser.

„Dies ist der Gemeinschaftsraum, diese beiden Gänge führen zu den Schlafsälen. Anka, nimmst du die Mädchen?", wandte sich Terence Higgs an die andere Vertrauensschülerin Anka Burke.

„Dann folgt mir mal Mädchen", sagte sie. Die fünf Erstklässlerinnen folgten ihr einen steinernen Gang entlang bis zu einer Tür an der Jahrgangsstufe eins stand. Dahinter befanden sich fünf große edle in Silber und Grün gehaltene Himmelbetten.

Ihre Sachen waren schon hereingebracht worden. Eristiks Terrarium und ihr Koffer standen vor dem ganz rechten Bett direkt neben einem Wandteppich von Morgana, die hoheitsvoll auf die jungen Schülerinnen herabblickte.

Müde ließ sich Amelia aufs Bett fallen, es war schon ein aufregender Tag gewesen.

Sie wäre fast eingedöst doch ein spitzer Schrei ließ sie aufschrecken.

„AHHH", schrie das mopsgesichtige Mädchen mit schwarzen Haaren, Pansy Parkinson.

Amelia setzte sich erschrocken auf und entdeckte Pansy kreischend auf ihrem Bett stehend.

Auf dem Boden vor ihr schlängelte sich Eristik und alle drei Köpfe kringelten sich vor Lachen. Der Mittlere zischte dem verängstigten Mädchen gehässige Bemerkungen zu.

„Oh nein", rief Amelia und lief zu ihrer Schlange. Schnell nahm sie ihn hoch und zischte ihm ungehalten zu: „Du solltest doch brav sein, du musst doch nicht gleich meine Mitschülerinnen verschrecken!"

„Aber essss hat sssso einen Spasssss gemacht", zischelte der Mittlere der drei Schlangenköpfe während der Rechte sich verträumt an Amelias Arm kuschelt. „Ssssie hat ssso sssüß geschrien."

Amelia setzte Eristik schimpfend in sein Terrarium ab, dass sich nun deutlich ausgedehnt hatte.

„Es tut mir leid Pansy, er ist wohl ausgebüchst. Alles in Ordnung?", erkundigte sich Amelia, den schmollenden Eristik ignorierend.

„Ja-Ja, alles in Ordnung", japste Pansy. Als sie sich einen Moment später gefangen hatte, sagte sie ungehalten: „Du solltest besser auf deine Schlange aufpassen, sie hätte mich fast gefressen."

„Das ist Unsinn. Er wollte nur spielen und du sahst so fürchterlich erschrocken aus, dass er einfach nicht widerstehen konnte."

„Das denkst auch nur du! Die ist sicher gefährlich. Die Schlange hat drei Köpfe!", kreischte Pansy hysterisch.

„Halt den Mund Pansy", sagte ein hübsches Mädchen und strich sich energisch eine blondgelockte Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Sie kann mit Schlangen sprechen, dass hast du doch gehört, sie wird ihre Schlange schon unter Kontrolle haben. Stimmt doch, oder?", wandte sie sich an Amelia.

„Ja, er ist vollkommen harmlos solange man ihn nicht ärgert", bestätigte sie.

„Danke."

„Keine Ursache", sagte das Mädchen.

„Ich bin Daphne Greengrass, es freut mich, dass ich ausgerechnet mir dir nach Hogwarts gekommen bin", sagte sie und reichte ihr dann doch, im Kontrast zu ihrem ansonsten selbstbewussten Auftreten, etwas schüchtern die Hand. Amelia ergriff die Hand.

„Freut mich auch. Ich bin Amelia Potter, aber das weißt du sicher schon."

„Ja, klar. Ich meine du bist DIE Amelia Potter", sagte sie und musste grinsen.

Nachwort:

Jetzt die Frage aller Fragen. Warum ist Amelia nicht den Weasleys begegnet, als sie zum Zug ging. Es war, zusammen mit dem Gespräch mit Hagrid etwas, das Harry dazu bewegte sich dagegen zu wehren nach Slytherin geschickt zu werden. Hätte Harry nicht so viel Schlimmes über Slytherin gehört wäre er in dieses Haus gegangen, doch Vorurteile haben ihn abgehalten. McGonagalls neutralere Haltung zu den Häusern sowie das Fehlen der Weasleys sind ausschlaggebend für Amelias Hauswahl. Was immer der Hut gesagt hätte, Amelia hätte jedes Haus akzeptiert.

Amelia ist den Weasleys nicht begegnet, denn McGonagall hat ihr erklärt, wie sie zum Gleis kommt. Wie es eine fähige Lehrerin getan hätte. Außerdem hat Amelia Geschichte Hogwarts bekommen und es ist nichts einfacher, als sich in eine fremde Welt zu vertiefen und zu lesen wenn um einen herum alles ins Wanken gerät. Ich an Amelias stelle hätte mich in die Bücher vertieft, statt dauernd an den toten Gordon zu denken. Es ist der einfachste Weg der Verdrängung.