Kapitel 5 – Schlammblut

Gemeinsam machten sich die Slytherinmädchen am nächsten Morgen auf den Weg in die Große Halle um zu frühstücken. Pansy schlich, noch immer sauer wegen des gestrigen Abends, hinter ihnen her, während Daphne und Amelia vorne weg gingen und den Weg in die Große Halle suchten. Die ersten zwei Sackgassen waren noch lustig, aber nach der dritten waren sie schon etwas unsicher den Weg noch zu finden. Doch zu ihrer Rettung kam der Blutige Baron aus dem Boden geschwebt und zwar genau der der Stelle, an der Tracey Davis stand, die erschrocken aufschrie, als sie ein kaltes Geisterbad nahm.

Glücklicherweise verriet ihnen ihr Hausgeist, wie sie endlich zur Großen Halle kamen. Sodass sie gerade noch rechtzeitig ankamen um etwas zu essen, bevor sie sich auf die noch beschwerlichere Reise zu den Klassensälen machen mussten.

Ab dem Moment, da Amelia die Große Halle betreten hatte, waren ihr Blicke und Geflüster unaufhörlich gefolgt. Manche zeigten sogar mit dem Finger auf sie. Dies änderte sich auch nicht, als sie sich auf den Weg zu ihrer ersten Stunde Kräuterkunde machte.

Amelia entdeckte schnell, dass es viel leichter war, sich in den Kerkergängen fortzubewegen als im Schloss selbst. Zudem war es auch noch sicherer.

Denn Hogwarts hatte einhundertundzweiundvierzig Treppen, deren Lieblingsbeschäftigung zu sein schien, ihre Richtung zu ändern. Dazu noch eine Legion von Wänden und Stufen die keine Lust hatten, das zu sein was sie wirklich waren, sondern lieber etwas anderes sein wollten und als letztes einen nervigen Poltergeist namens Peeves, dessen Passion es war Erstklässler zu ärgern.

Am Ende des ersten Tages war Amelia sich sicher, dass sie sich nie in diesem Schloss zurechtfinden würde, schließlich schien hier nichts an seinem Platz zu bleiben. Die Leute in den Bildern besuchten sich ständig und die Rüstungen schienen keinen anderen Zweck zu haben, als ständig ihren Stehplatz zu verändern um die Schüler zu verwirren.

Doch was oder besser wen Amelia am wenigsten mochte und da waren sich alle Slytherinerstklässler einig, war Argus Filch, der Hausmeister und sein elendes Katzenvieh.

Selbst Millicent Bullstrode, eine andere Erstklässlerin aus ihrem Schlafsaal, die Katzen liebte, mochte Mrs. Norris nicht. Denn deutete man vor ihr nur an, dass man eine Schulregel brechen könnte, rannte sie zu Filch welcher nur wenige Sekunden später keuchend und schnaufend vor einem stand. Es war ungerecht befanden Amelia und Daphne, das Filch alle Geheimgänge kannte und sie so schnell aufspüren konnte. Doch das ließ sich nicht zu ändern. Jedenfalls nicht im Moment.

Hatte man es nun endlich geschafft und alle Türen überredet sich für einen zu öffnen, kam man erst beim eigentlichen Unterricht an.

Amelia hatte das Glück, das ihre erste Stunde Kräuterkunde war und nicht Geschichte der Zauberei.

Kräuterkunde war ziemlich interessant und Amelia freute sich schon, wenn sie in den höheren Klassen anfangen würden gefährlichere Pflanzen durchzunehmen. Doch Professor Sprout, die Kräuterkundelehrerin begann erst mal mit trockener Theorie.

Aber nichts kam gegen die Qual von Geschichte der Zauberei an, der sie sich in Professor Binns Unterricht ausgesetzt sah. Denn bei Professor Binns, dem einzigen Geist im Lehrerkollegium, war der Unterricht so wie er selbst. Mausetot.

Monoton ratterte er Daten und Namen runter, ohne das auch nur irgendwas hängen blieb und sie kritzelten alles in ihre Hefte ab.

Eines der wahrscheinlich schwersten Fächer war wohl Verwandlung. Es würde noch Jahre dauern bis sie, wie Professor McGonagall, ihre Lehrerin in diesem Fach, einen Tisch in einen Löwen verwandeln konnten. In der ersten Stunde verwandelten sie Streichhölzer in Stecknadeln und niemand schaffte es seine Nadel auch nur ein bisschen zu verändern. Amelia spürte die Blicke der anderen Slytherins und ihre Enttäuschung, dass sie es nicht schaffte. Sie hatten mehr von ihr erwartet.

Amelia biss sich auf die Lippen. Natürlich hatten sie mehr von ihr erwartet, schließlich waren sie alle mit ihrer Geschichte aufgewachsen und nun enttäuscht sie sie. Innerlich hatte Amelia gehofft, dass sie irgendwie besser sein würde als die anderen.

Der Lehrer in Zauberkunst war so klein, dass er auf Bücherstapeln stehen musste. Irgendwie erinnerte er Amelia an einen Kobold. So wusste sie nicht ganz, was sie von diesem Lehrer zu erwarten hatte, letztendlich stürzte er auch noch von seinem Bücherstapel als er Amelias Namen von der Namensliste vorlas.

Nachts mussten sie einmal in der Woche auf den Astronomieturm, wo sie mit ihren Teleskopen den Himmel beobachteten, doch vorher hatten sie Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Der Unterricht war einfach nur frustrierend schlecht. Amelia war einerseits froh darüber, so konnte sie die anderen nicht mit Nichtwissen enttäuschen, andererseits hatte Amelia sich auf den Unterricht gefreut. Schließlich spielte er, trotz all ihrer Empfindungen eine gewisse Rolle in ihrem Leben. Professor Quirrel stotterte jedoch nur so vor sich hin und es gab Gerüchte, dass er seinen Turban mit Knoblauch gefüllt hatte, da er Angst vor Vampiren hatte.

Die erste Woche war so schnell vorbei, wie sie begonnen hatte. Schon war Freitag und heute würden sie das erste Mal Unterricht bei ihrem Hauslehrer, Professor Snape haben.

Er unterrichtete Zaubertränke und je nachdem wen man fragte, ob Slytherin oder andere Schüler, war er ein guter oder schlechter Lehrer.

Draco erzählte das Professor Snape ein Bekannter seines Vaters sei und Amelia war gespannt auf den Unterricht, seit sie erfahren hatte, dass der verblüffte Lehrer bei ihrer Verteilung Professor Snape war. Eigentlich sah er ziemlich unfreundlich aus, doch die anderen Slytherins sprachen nur in höchsten Tönen von ihm.

Der Freitag brach an und Dracos Adlereule Beatrix brachte ihrem Besitzer mal wieder ein Päckchen mit Süßigkeiten von zuhause. Mrs. Malfoy schickte ihrem Sohn alle paar Tage Naschereien und manchmal gab Draco Amelia welche ab.

Der darauffolgende Zaubertrankunterricht war höchst befriedigend. Professor Snape war in der Tat ein Lehrer, der die Slytherins maßlos übervorteilte. Wobei er Amelia besonders zu mögen schien. Er hatte ihre Arbeit gelobt, dabei hatte sie gemerkt, dass es bei weitem nicht die Beste gewesen war. Doch wusste Amelia nicht ob Zaubertränke sich zu ihrem Lieblingsfach mausern könnte, schließlich hatten sie es gemeinsam mit den Gryffindors und in Gryffindor war dieses besserwisserische Mädchen Granger. Die auf jede Frage eine Antwort gewusst hatte.

Draco hatte ihr zu gezischt, dass die sich gar nicht so anstellen brauchte, da sie keine wirkliche Hexe sei. Ihre Eltern waren Muggel, das machte sie zu einem Schlammblut, nicht würdig Magie zu studieren. Amelia mochte das Mädchen nicht und freute sich tierisch als Snape ihr endlich einen Dämpfer verpasste.

Insgeheim beneidete sie sie. Wäre sie auch so gut, müsste sie sich keine Sorgen machen, dass die anderen schlecht von ihr dachten. Nicht das sie besonders hinterherhinken würde, doch sie war eine der wenigen, wenn nicht die Einzige aus Slytherin, die nicht gewusst hatte, das sie eine Hexe war und dazu noch die Bezwingerin des Dunklen Lords. Von ihr wurde erwartet, dass sie gut war.

Amelia dachte eigentlich, dass es ihr ganz gut in der Schule erging und die anderen Slytherins sie mochten, doch ein Nachmittag stellte all diese Überzeugungen auf den Kopf.

Sie war schon zwei Wochen auf Hogwarts und die Slytherinerstklässler machten zusammen Hausaufgaben in der Bibliothek. Sie war etwas spät dran, weil sie noch mit Professor Sprout gesprochen hatte.

Sie ging auf die anderen zu, doch als sie nur noch eine Bücherwand von ihnen trennte, hörte sie wir ihr Name viel. Angestrengt begann sie zu lauschen.

„Und hast du gesehen, wie sie sich heute in Zauberkunst angestellt hat? Da hat es selbst Gregory besser gemacht", hörte sie Pansys Stimme.

„Du hast Recht. Es ist kaum zu glauben, dass das die große Amelia Potter sein soll", sagte Daphne. Von Vincent und Gregory war grunzendes Lachen zu vernehmen.

„Sie ist schon so schlimm wie die Schlammblüter. Immer fragt sie, was ist das und was ist dies.

Oh Draco Hilfe! Die Treppe bewegt sich, wie kann sich eine Treppe bewegen", äffte Pansy Amelias Stimme nach. Alle begannen zu lachen.

Hinter ihrem Regal schossen Amelia Tränen in die Augen, während sie die anderen lästern hörte.

„Ich hatte auch mehr erwartet." Das war Draco. „Aber wir werden sehen. Sie hat den dunklen Lord bezwungen, irgendwas Besonderes muss an ihr dran sein. Ich würde nicht vorschnell urteilen. Sie hasst die Muggel so sehr wie wir."

Amelia presste die Lippen zusammen. Ja, sie hasste die Muggel. Sie würde sich nie wieder von Ihnen herumschubsen lassen. Sie war eine verdammte Hexe und sie würde es ihnen beweisen, wenn sie besser war als sie alle zusammen.

Amelia hatte mitbekommen wie von ihnen gesprochen wurde, jenen schändlichen Hexen und Zauberern, die ohne magisches Erbe in die Zaubererwelt aufgenommen wurden. Wie sie mit alten Traditionen brachen und die Muggel, die die Zauberer in den Untergrund getrieben hatten beschützten. Unwürdig Magie zu erlernen.

Sie war kein Schlammblut. Sie war Amelia Potter. Sie war mit einem Mord an einem Muggel davongekommen, niemand sollte es wagen sie als Schlammblut zu bezeichnen.

Amelias Schmerz wurde von einem viel stärkeren Gefühl abgelöst. Hass. Hass auf sich selbst, dass sie nicht gut genug war, Hass auf die Dursleys, die ihr nie von ihrer magischen Herkunft erzählt hatten.

Auch hier in der Zaubererwelt begann es, dass ihre Mitschüler auf sie herabzuschauen begannen. In der Muggelwelt hatte sie Dudley die Schuld dafür geben können. Doch hier, war sie selbst verantwortlich. Sie würde nie wieder diejenige sein, die am Boden lag und über die gelacht wurde. Draco hatte gesagt, an ihr wäre etwas Besonderes und sie würde die anderen Lehren, das sie etwas Besonderes war.

Jeder würde stolz darauf sein, sie Amelia zur Freundin zu haben.

Der Hass verdrängte die aufkeimenden Tränen, wie an jenem Tag im Magnolienring und Amelia wirbelte herum.

Sie würde sich nicht geschlagen geben. Sie hatte zu viel in ihrem Leben erduldet, um einfach so aufzugeben.

Amelias Entschlossenheit allen zu zeigen, wie gut sie war, stellte sich als schwerer heraus als gedacht. Sie saß stundenlang da und übte Verwandlungen oder lernte Zaubertrankgesetze auswendig. Oftmals überkam sie eine Stimmung, die sie dazu verleitete, alles hinzuwerfen doch der Gedanke das es das nächste Mal Vincent und Gregory waren, die sie festhielten während die anderen sie auslachten, brachte sie dazu nicht aufzugeben.

Sonst versuchte sie, sich einigermaßen normal zu verhalten. Mit Pansy kam sie seit dem ersten Tag nicht sonderlich gut aus, nicht seit Eristik sie so erschreckt hatte. Aber zu Daphne versuche Amelia besonders nett zu sein. Nicht im Traum dachte sie daran, sich anmerken zu lassen das sie dieses Gespräch mitbekommen hatte. Auch zu Draco versuchte sie nett zu sein. Er war der einzige gewesen, der sie nicht hatte verurteilen wollen und das rechnete sie ihm hoch an.

Die viele Lernerei, die Amelia außer Sichtweite der anderen betrieb, führte jedoch dazu, dass sie oft übermüdet war und schlechte Laune hatte. Außerdem war sie fast schon so sehr als Einzelgängerin verschrien wie Theodor Nott, ein Slytherinerstklässler der mit Draco ab und zu Zaubererschach spielte. Ansonsten hing er immer allein rum.

Amelias Laune änderte sich nicht mal, als eines Morgens etwas am schwarzen Brett ihres Gemeinschaftsraumes hing, dass die anderen Erstklässler zu Jubelschreien verleitete.

Flugunterricht. Er würde am Donnerstag beginnen und Amelia hatte leichte Bauchschmerzen beim Gedanken daran sich blamieren zu können.

Andererseits würde sie dann endlich mitreden können, denn die anderen Slytherins sprachen viel von Fliegen und Quidditch, besonders Draco und Blaise Zabini. Sie erzählten immer wie toll es war, und beschwerten sich, dass sie nicht in die Hausmannschaften durften. Sie, Amelia hatte dem immer nichts hinzuzufügen.

Natürlich hätte sich Amelia schon lange einen Besen geschnappt und es ausprobiert. Sie hatte sich ein Buch aus der Bibliothek besorgt in dem alles genau beschrieben war, doch sie wusste nicht, wo sich die Schulbesen befanden, weshalb sich auch keine Möglichkeit ergab, an sie heranzukommen.

So konnte sich Amelia nur darauf beschränken am Abend vor der ersten Flugstunde noch einmal alle Tipps aus Quidditch im Wandel der Zeiten zu lesen. Am Donnerstag ging sie mit den anderen Slytherins raus auf die Ländereien, wo sie mit den Gryffindors Flugunterricht hatten.

„Die Besen sind allerletzte Katastrophe!", meckerte Draco, als sie die zwanzig Besen begutachteten die Madam Hooch, die falkenäugige Fluglehrerin, nebeneinanderlegte.

„Wenn mein Vater wüsste, dass wir auf so was fliegen sollen, also wirklich. Er ist im Schulbeirat und wird darüber sicher empört sein."

Auch Amelia begutachtete die Besen ein bisschen skeptisch. Sie sahen alle recht schäbig aus und die Reisigzweige waren in alle Richtungen abgespreizt.

Sie warteten eine Weile bis sich auch endlich die Gryffindors dazu herabgelassen hatten, zur Flugstunde zu erscheinen und dann begann endlich der Unterricht. Sie sollten sich neben ihren Besen aufstellen und sie hoch in ihre Hand rufen.

Amelia stellte sich neben ihr recht zerzaustes Exemplar und versuchte all ihre Nervosität zu unterdrücken. Jetzt nur nicht unsicher werden, du kannst das, sagte sie zu sich.

„HOCH!", befahl sie und tatsächlich sprang der Besen augenblicklich in ihre Hand. Ein Gefühl des Triumphs überkam sie, besonders als sie merkte, dass die Besen nur bei wenigen anderen ebenfalls in die Hand gesprungen waren.

„Hey, Draco. Sieh dir mal das Schlammblut Granger an. Lässt ihren Besen wohl gerne Saltos machen", flüsterte Amelia Draco belustigt grinsend zu. Schadenfreude war nun mal die schönste Freude.

„Klar kann man halt nicht aus Büchern lernen.", erwiderte Draco ebenso grinsend. „Sieh dir mal Longbottom an", deutete Draco auf Neville Longbottom einen dicken Gryffindorjungen, „Der sieht so aus, als würde er jeden Moment in die Hose machen."

„Na wenn ich er wäre, hätte ich eher Angst der Besen würde unter mir zerbrechen.", sagte Amelia und betrachtete den Jungen herablassend.

Amelia und Draco lachten leise. Es tat gut nicht selbst das Ziel von Spott zu sein und sie genoss es einmal auf der anderen Seite zu stehen. Sie würde ab jetzt immer auf dieser Seite stehen.

Madam Hooch zählte herunter, dann sollten sie in die Luft steigen.

Noch drei, zwei… ein Stück von ihnen entfernt raste der Tollpatsch Longbottom in die Luft als hätte ihn jemand aus einem Gewehrlauf abgeschossen.

Der ängstlich quiekende Junge rutschte seitlich herunter und blieb als unförmiges Bündel bewegungslos auf dem Boden liegen.

„Und der soll ein Gryffindor sein?", sagte Draco. „Ich dachte die seien alle mutig."

„Mut war ja schon immer eine relative Sache. Mutig genug zu ihrer Dummheit zu stehen vielleicht", sagte Blaise Zabini lachend dazu und sie beobachteten, wie Madam Hooch Longbottom in den Krankenflügel brachte.

„Ach ja und was seid ihr Schlangen? Ihr traut euch noch nicht mal selbst über den Weg", sagte Seamus Finnigan ein Gryffindor.

„Au, da hat es uns der mutige Gryffindor aber gegeben", spottete Draco und sah den Jungen herablassend an.

„Was'n das?", fragte Gregory dümmlich und hob etwas vom Boden auf. Amelia hätte ihn für seinen blöden Gesichtsausdruck am liebsten auf den Mond gehext.

Trotzdem sah sie noch einmal genauer hin und erkannte eine kleine Glaskugel die mit weißem Rauch gefüllt zu sein schien.

„Hübsches Teil", sagte Draco und Amelia ging zu Gregory, um es ihm aus der Hand zu nehmen und genauer zu betrachten,

„Gebt das Erinnermich zurück, das gehört Neville", sagte Pavati Patil, ein Gryffindormädchen.

„Oh, gibt das Erinnermich zurück", äffte Pansy Parkinson Patil nach. „Stehst wohl auf Longbottom." Amelia mochte Pansy zwar nicht, aber es war lustig zu sehen wie Patil wütend wurde. In solchen Situationen hielten Slytherins immer zusammen.

„Tu ich gar nicht", erwiderte Patil heftig. „Aber das Erinnermich gehört Neville und nicht euch"

„Wirklich?", fragte Amelia gespielt überrascht. „Macht euch nur keine Sorgen, ich gebe es bei Professor Snape ab. Dort kann er es sich dann abholen."

Die Slytherins begannen zu lachen und Amelia ließ das Erinnermich in ihrer Robe verschwinden.

Alle wussten, wie sehr Longbottom sich vor Professor Snape ängstigte, seit dieser ihn in der ersten Unterrichtsstunde wegen eines eingeschmolzenen Kessels zusammengestaucht hatte.

„Das kannst du nicht machen", rief Ronald Weasley aufgebracht und ging auf Amelia los, um ihr das Erinnermich abzunehmen. „Snape gibt uns das Ding nie zurück."

Amelia lächelte nur siegessicher und neben der Slytherin erschienen Vincent und Gregory die bedrohlich mit den Fingern zu knacken begannen, sodass Weasley doch lieber stehen blieb.

„Das zu entscheiden, liegt nicht in deiner Macht, Weasley. Oder glaubst du beurteilen zu können, was PROFESSOR Snape für angebracht hält?", erwiderte Amelia und betonte das Wort Professor besonders.

„Du bist ja so mutig, Potter. Versteckst dich hinter zwei Schlägern. Typisch Mädchen oder doch eher typisch Slytherin?", rief Finnigan und baute sich neben Weasley auf.

„Brüll nur Löwe, machen kannst du trotz allem nichts.", sagte Amelia und erntete Lachen von Seiten der Slytherins

„Ach ja?", Finnigan schien sich trotz der Größe von Vincent und Gregory auf sie stürzen zu wollen, doch Amelie zog blitzschnell ihren Zauberstab und sagte: „Rictusempra"

Finnigen fiel zu Boden und schüttelte sich vor Lachen als der Kitzelfluch ihn traf.

„Ich finde dich auch ziemlich zum Lachen, Finnigen.", sagte Amelia mit einem herablassenden Lächeln und alle Slytherins brachen in schallendes Gelächter als.

„Das war klasse Amelia", grinste Draco und Daphne hielt sich den Bauch bevor sie sich vor Lachen fast verschluckte.

Amelia lächelte selbstsicher. Einen kurzen Moment fühlte sie sich schlecht. Sie wusste, wie es war auf dem Boden zu liegen und alle lachten über einen. Aber sie verdrängt das Gefühl schneller, als es aufzukommen drohte. Ihr war diese Seite auf jeden Fall lieber.

„Ich werde dafür sorgen, dass du Ärger bekommst. Das geht nicht einfach so Mitschüler zu verhexen. In der Schulordnung steht, dass das verboten ist", ereiferte sich die besserwisserische Granger.

„Du solltest dir etwas Humor zulegen, Granger", erwiderte Amelia nur und funkelte ihr Gegenüber böse an.

„Immer heißt es in der Schulordnung steht das, in der Schulordnung steht dies. Patil ist wenigstens nur in Logbottom verknallt bei dir aber kommt man auf den Gedanken du hast dich in die Regeln verschossen", zog Daphne über das Mädchen her und Amelia bemerkte mit Befriedigung wie auch ein paar der Gryffindors zu grinsen anfingen.

Die beiden Streitparteien lösten sich und die Slytherins bemerkten wohlwollend, wie die Gryffindors verzweifelt versuchten den Zauber rückgängig zu machen es jedoch nicht schafften.

Währenddessen war Amelia die Heldin der Slytherins und genoss es, dass alle zu ihr aufsahen.

Als Madam Hooch kam, wollte Granger petzen gehen doch Weasley und noch so ein schwarzer Junge hielten sie auf, Dean Thomas wenn sich Amelia richtig erinnerte.

Die beiden meinten es sei feige petzen zu gehen und das das nur feige Schlangen tun würden. Ein Streit brach aus, doch letztendlich beugte sich das Mädchen den übrigen Gryffindors.

Amelia atmete erleichtert auf, das war besser gelaufen als gedacht.

Sie führten die Unterrichtsstunde weiter und Amelia hatte das Gefühl heute könne nichts mehr schief gehen, denn fliegen war leicht, kinderleicht. Sie schwebte auf ihrem Besen, als hätte sie es schon tausendmal gemacht und Madam Hooch spendierte unter der Begründung sie sei ein Naturtalent ein paar Punkte für Slytherin.

Auf dem Weg zurück zum Schloss sprachen alle vom Fliegen und Draco erzählte, dass sein Vater ihm einen neuen Besen hatte kaufen wollen, einen Nimbus zweitausend. Doch wegen des Einbruchs bei Gringotts sei er nicht mehr dazu gekommen.

„Welchem Einbruch?", fragte Amelia milde interessiert.

„Der Tag, an dem wir uns in der Winkelgasse getroffen haben, da wurde in Gringotts eingebrochen. Sie haben ein Hochsicherheitsverließ geknackt.", erzählte Draco.

„Ein Hochsicherheitsverließ? Wie denn das? Wurde was gestohlen?"

„Nein, aber ich habe Professor McGonagall dort gesehen als mein Vater mit den Kobolden über die Sicherheit unserer eigenen Verliese gesprochen hat. Sie hatte wohl etwas damit zu tun."

Amelia schüttelte den Kopf.

„Nicht unbedingt, sie hat mich damals in die Winkelgasse begleitet, um meine Schulsachen einzukaufen. Vielleicht hat sie durch Zufall etwas mitbekommen."

„Kann sein", sagte Draco, aber sicher klang er nicht und auch Amelia war sich dessen gar nicht mehr so sicher.

Hatte Professor McGonagall das Sicherheitsverließ gerade noch rechtzeitig gelehrt, bevor das kleine Päckchen, das sich darin befunden hatte, geklaut werden konnte?

Nachwort:

Ich habe lange herumüberlegt wie Amelia die Ablehnung gegen sich auffasst und es schien mir nur natürlich, dass am Ende sie selbst die Schuldige sein musste. Nicht die Erwartungen waren zu hoch, nein sie konnte sie nicht erfüllen. Schon als sie jünger gewesen war, hatte es immer Gründe gegeben keine Freunde zu haben, doch diesmal gab es kein Dudley dem man die Schuld geben konnte, diesmal konnte nur sie selbst Schuld sein. Eigentlich bescheuert, aber den anderen die Schuld zu geben würde bedeuten zu akzeptieren nie gemocht zu werden. Sie muss sich ändern, um akzeptiert zu werden und das nicht zu ihrem besseren, wie man sieht.

Bis jetzt hatte es in ihrem Leben nur zwei Arten von Menschen gegeben. Jene die unterdrückt wurden und jene die andere unterdrückt haben. Anderes hat sie wenig kennengelernt. Deshalb ist es denke ich nicht so abwegig, dass sie nun das macht, was sie die ganze Zeit mitbekommen hat. Nur jetzt nichtmehr als jene die am Boden liegt. Sie hat die Grausamkeiten die Kinder sich antun können am eigenen Leib erfahren. Harry hat in Hogwarts schnell Freunde gefunden und andere Seiten kennengelernt. Amelia hatte dieses Glück nicht.