Kapitel 6 – Unerwartete Hilfe
Die Zeit in Hogwarts flog nur so an Amelia vorbei. Sie hätte nicht sagen können, was ihr alles in diesem mysteriösen Schloss widerfahren war. Die meiste Zeit verbrachte sie jedenfalls mit lernen. Sie stellte es so an, dass es den anderen nicht auffiel, wie viel Zeit sie in der Bibliothek verbrachte oder in diversen leeren Klassenzimmern, wobei sie dort immer damit rechnen musste von einem Lehrer erwischt zu werden.
Draco und Theodor waren im Schach - Club und Draco besuchte zudem noch den Zauber - Club, weshalb er sowieso sehr beschäftigt war und Amelia ohne zu viel Aufsehen verschwinden konnte.
Blaise der eng mit Draco befreundet war und den Amelia eigentlich ganz nett fand, stellte auch kein Problem dar, denn er gesellte sich oft zu denen aus dem dritten Jahrgang, dort hing er bei seinem Stiefbruder Josal McCain ab.
Millicent, Pansy und Daphne waren im Zauberkoch-Club und wenn Amelia abends in den Schlafsaal kam und mal wieder das Abendessen verpasst hatte, naschte sie sich bei den drei Mädchen durch die Leckereien, die sie gegen Lob nur allzu gern bereit zu teilen waren. Amelia hatte festgestellt, dass Pansy durchaus empfänglich für Komplimente bezüglich ihrer Zauberkochkünste war. Was dafür sorgte, dass sie langsam deutlich besser miteinander auskamen.
Seit der Flugstunde wurde Amelia auch nicht länger in Frage gestellt, weder von Pansy noch von Daphne oder sonst jemandem. Da Dracos Vorhersage sich zu bewahrheiten schien, was Amelia anging, begannen Vincent und Gregory fast genauso gut auf sie zu hören, wie sie auf Draco hörten.
Eristik hatte es sich zur Angewohnheit gemacht sich überall im Gemeinschaftsraum der Slytherins herumzuschlängeln und Amelia als getreuer Spion zu berichten was vor sich ging. Er beanspruchte sogar einen festen Sessel am Kamin, ganz dicht am warmen Feuer, den nicht einmal die Siebtklässler wagten, der Schlange abzusprechen. Die alle böse anzischte, die es wagten sie zu stören.
Amelia selbst hatte allen klar gemacht, dass sie ihre Ruhe schätze und wenn sie nicht jemandes Gesellschaft suchte, wagte es auch keiner sie zu stören.
Doch eines der merkwürdigsten Dinge, die ihr widerfuhren, waren die Bücher, die Bücher die aus dem Nichts auftauchen und wieder verschwanden.
Denn als sie eines Abends in den Schlafsaal der Erstklässler gekommen war, hatte sie auf ihrem Bett ein Buch vorgefunden (Die scharfsinnigsten Flüche und Gegenflüche von Mirandala Unkensberg). Anbei ein Zettel auf dem stand: „Für Interessierte"
Das Buch war vorher schon benutzt worden, denn an manchen Seiten waren Dinge markiert worden und es sah alles in allem schon sehr gebraucht aus, was jedoch nicht die Qualität des Buches minderte. Innerhalb von nur drei Tagen glaubte Amelia daraus schon mehr gelernt zu haben als im Unterricht von Professor Snape und McGonagall zusammen.
Ein paar Wochen nach dem ersten Buch, kam ein zweites, diesmal: Unerreichbar, Schutzzauber für alle Gelegenheiten von Immerich Hagerhals. An diesem Buch hatte sie schon etwas mehr zu knabbern. Vieles war einfach zu schwer und bedurfte sorgfältiger Recherche. Nichtsdestotrotz stürzte Amelia sich auf die Hilfe, wenn sie sich auch immer wieder fragte, wer es sein konnte der sie unterstützte.
Bald schon war Halloween und nachdem der Unterricht endlich vorüber war, sie hatten in Kräuterkunde Singende Glasgeranien umgetopft, wobei der Clou darin bestand, sie so behutsam zu behandeln, das ihnen keine schiefen Töne entkamen die ihre zarten Blätter zum zersplittern brachten, gingen sie in die große Halle und wurden von einem Schwarm Fledermäuse begrüßt, die gerade einen großen Bogen um einen Kürbis schlugen.
Amelia setzte sich neben Draco an den Slytherintisch und die goldenen Teller und Platten füllten sich wie beim Festessen zum Schuljahresbeginn von ganz alleine.
„Na Pansy?", fragte Draco an die Hexe gewandt. „Warum so gute Laune heute?"
„Die kleine Schlammblüterin Granger sitzt in der Mädchentoilette und heult sich die Augen aus. Wisst ihr, ich gebe ihr noch zwei Wochen, dann verlässt sie freiwillig die Schule."
„Schlammblüter haben auf Hogwarts halt nichts zu suchen. Hätte sie von Anfang an Wissen sollen", erwiderte Draco boshaft.
Amelia grinste in sich hinein, der Gedanke an die heulende Besserwisserin tat ihr gut, als plötzlich die Flügeltüren der großen Halle aufgerissen wurden und ein nach Luft schnappender Professor Quirrell vor dem Lehrertisch schlitternd zum Stehen kam.
Schwer atmend stieß er hervor: „Troll – im Kerker – dachte, Sie sollten das wissen", bevor er ohnmächtig auf dem Boden zusammenbrach.
Innerhalb von Sekunden herrschte das reinste Chaos in der großen Halle und mehr als nur ein paar Knallfrösche aus Dumbledores Zauberstab waren nötig, um wieder einigermaßen Ruhe herzustellen.
„Vertrauensschüler, führt eure Häuser sofort zurück in die Schlafsäle", donnerte er und schnell scharten sich die Slytherins umeinander und verließen die Halle.
„Wartet Slytherins", rief ihr Hauslehrer Professor Snape sie zurück. „Im zweiten Stock ist ein Bild von Wendelin dem Unheilbaren. Sagt ihm, dass ihr Quartier braucht. Es ist momentan nicht sicher in den Kerkern."
Sofort änderten sie ihren Kurs und folgten den Ravenclaws die Treppe hinauf.
Sie waren schon fast im zweiten Stock als Amelia etwas bemerkte.
„Hey, Draco. War da nicht gerade jemand?", fragte sie und deutete nach oben.
„Das muss Einbildung gewesen sein. Los beeil dich, ich will nicht, dass uns der Troll zu Halloween als Süßigkeiten verspeist", antwortete Draco ängstlich und zerrte Amelia weiter.
„Trolle essen keine Zauberer", erwiderte Amelia, sah aber weiterhin an die Stelle, von der sie glaubte jemanden gesehen zu haben. Führte der Gang nicht in den dritten Stock, das müsste der Flügel zur Rechten sein. Der war doch verboten, was wollte dort nur jemand.
„Hey, Amelia. Schau mal, dort ist Professor Snape", zischte Draco und deutete auf ihren Hauslehrer der gerade um eine Ecke verschwand.
„Was will der den hier?", wunderte sich Amelia und ließ sich schon leicht hinter die anderen Slytherins zurückfallen. Ihre Neugierde war geweckt. „Komm gehen wir hinterher und schauen nach."
„Aber das ist gefährlich.", argumentierte Draco.
„Bist du etwa ein Feigling, Draco?", grinste Amelia herausfordernd und verschwand in einem Gang, ohne dass die anderen etwas mitbekamen.
„Ich muss verrückt sein!", murmelte Draco der sich einen Moment später neben Amelia an die Wand presste.
„Also doch keine Memme? Los, komm, er ist dort entlang" damit zog Amelia Draco weiter in die Richtung in die Snape verschwunden war.
Sie schlichen schon eine Weile den Gang entlang, als ihnen ein fürchterlicher Gestank in die Nase stieg. Es roch nach einer Mischung aus Onkel Vernons getragenen Socken und einer öffentlichen Toilette. Alles im allem sehr widerlich.
Auf einmal vernahm Amelia ein leises, ängstliches Fiepen seitens Draco und als sie dem Blick ihres Klassenkameraden folgte, sah sie eine monströse Gestalt auf sie zukommen.
Der Troll war über drei Meter groß und wirkte irgendwie anatomisch nicht richtig gebaut. Er hatte kurze dicke Stummelbeine und Arme, die so lang waren, dass seine dicke Keule auf dem Boden entlang schliff. Der Glatzkopf, die langen Ohren und die graue Haut kreierten das Bild eines Monsters.
„Wir hätten nicht herkommen sollen… warum bin ich bloß mitgekommen…", wimmerte Draco neben ihr, bis Amelia ihn anstieß endlich die Klappe zu halten. „Sei keine Memme", zischte sie.
Mit angehaltenem Atem beobachteten die beiden Slytherins wie der Troll hinter einer Tür verschwand und atmeten auf.
„Jetzt nichts wie weg hier bevor er wieder rauskommt", sagte Draco und versuchte Amelia mit sich weg zu ziehen.
„Warte doch mal, wir könnten ihn fangen", meinte Amelia mit einem abenteuerlustigen Grinsen.
„Spinnst du, komm weg hier."
Nach einigem hin und her ließ sich Amelia von Draco wegziehen, doch sie hatten nicht mal drei Schritte getan, als sie einen ohrenbetäubenden Schrei hörten.
„Da ist jemand drin!", rief Amelia erschrocken und fuhr herum. Ihr Blick fokussierte die halb geöffnete Tür.
„Dann lass uns einen Lehrer holen!"
„Bis dahin könnte es zu spät sein", rief Amelia. „Komm mit."
Schon war sie mit Draco im Schlepptau auf dem Weg zu der Tür.
„Aber…", wollte Draco protestieren, doch Amelia ließ ihn nicht aussprechen.
„Du bist doch ein Zauberer. Lass dich nicht von einer magischen Kreatur unterkriegen. Wir sind besser als sie", sagte Amelia entschlossen und nickte Draco zu, der nur schwach zurück lächelte und schon spähten sie durch die Tür.
Das erste was Amelia bemerkte war das verängstigte Mädchen auf der anderen Seite des Raums. Moment, war das nicht Granger? Danach viel ihr auf, dass sie wohl in die Mädchentoilette gerannt waren, denn der Troll war gerade dabei die Waschbecken von den Wänden zu schlagen und auf die zitternde Granger zuzuschlurfen.
Einen Moment blieb Amelia wie erstarrt stehen, wie hatte sie sich das eigentlich vorgestellt? Schließlich war sie noch Erstklässlerin.
„Amelia jetzt mach schon was!", wimmerte Draco.
Dies schien sie aus ihrer Erstarrung zu reißen. Instinktiv tat sie das erste, was ihr einfiel.
„Gelus", schrie sie und das Wasser, dass sich auf dem Boden verteilt hatte, gefror augenblicklich zu Eis.
Verwirrt drehte der Troll sich um, rutschte aus, wedelte noch einen Moment mit den Armen und fiel mitten in die Kabinenreihe. Ein lautes „Knack" war zu hören als der Hinterkopf des Trolls an einer Kabinentür aufpralle und sie mit zu Boden riss. Schnell zerrte Draco Amelia außer Reichweite der heranfliegenden Trümmer und sie landete in seinen Armen auf dem Boden.
„Wow", entfuhr es Draco, als er sich wieder aufsetzte. Amelia klammerte sich an seine Robe so sehr hatte sie sich erschreckt. Der bewusstlose Troll lag über die ganze Mädchentoilette ausgestreckt auf dem Boden.
„Ist… ist er tot?", fragte Granger mit leiser Stimme. Diese Worte bewegten etwas in Amelia und sie begann zu zittern. Draco der ihren Schock fehl interpretierte, sagte beruhigend. „Ist alles gut, ich glaube er ist ohnmächtig geworden.
Amelia nickte und benutzte den Augenblick, um sich zu fangen, bevor sie mit Draco zusammen etwas ungelenk aufstand.
Ein leichter Schwung mit dem Stab und ein gemurmeltes Wort später machten den Zauber wieder rückgängig und sie hatten einen festeren stand.
„Jetzt komm oder willst du warten, bis er wieder aufwacht, Granger?", keifte Draco die Gryffindor an.
Verstört schlich das Mädchen an dem Troll vorbei, als die Tür mit einem lauten Krachen aufflog.
„Was ist hier los?", rief Professor Flitwick der Zauberkunstlehrer, der dicht gefolgt von Professor Snape und einem verängstigt dreinblickenden Quirrell den Raum betrat.
Snape musterte einen Moment Amelia und Draco bevor er sich über den Troll beugte.
„Miss Potter, Mr. Malfoy, haben sie eine Erklärung hierfür?", fragte Snape und musterte seine Schüler eindringlich.
Leicht zerknirscht sahen beide zu Boden. „Oder können sie uns vielleicht behilflich sein Miss Granger?", wandte er sich an die Gryffindor.
„Professor, ich…", setze Amelia an, doch Granger unterbrach sie.
„Es ist alles meine Schuld, Professor", sagte sie mit dünner Stimme. Der Hauslehrer Slytherins zog nur eine Augenbraue hoch.
„Ich war nicht beim Festessen und als der Troll aufgetaucht ist, habe ich angefangen zu schreien. Dann sind Miss Potter und Mr Malfoy aufgetaucht. Ich weiß nicht was ohne sie passiert wäre.", betreten brach sie ab und Amelia und Draco warfen sich einen ungläubigen Blick zu. So viel Ehrlichkeit hatten sie von dem Schlammblut nicht erwartet. Sie wären niemals so ehrlich gewesen.
„Ist das so?", fragte Professor Snape an die beiden Slytherins gewandt die beflissen nickten. Warum sollten sie auch Lügen. Solange keiner Fragte, warum sie soweit Weg von den anderen Slytherins waren, würde alles gut gehen. Sie konnten schlecht sagen, dass sie ihm gefolgt waren.
„Wenn das so ist, dann zehn Punkte von Gryffindor dafür, dass sie das Festessen geschwänzt haben, Miss Granger." Granger wollte den Mund aufmachen, um zu sagen, das das ungerecht war, aber sie schien klug genug zu sein um zu wissen, dass Snape ihr nur noch mehr Punkte anziehen würde.
„Was sie beide betrifft", wandte sich der Lehrer an sie", jeweils fünfzehn Punkte für Slytherin, dafür das sie eine Mitschülerin gerettet haben."
Ein Lächeln huschte über Amelias Züge.
„Jetzt gehen sie aber alle in ihre Schlafsäle. Miss Potter, Mr. Malfoy, folgen sie mir, ich führe sie zu den anderen Slytherins"
Professor Snape warf noch einen letzten Blick zu Quirrell, bevor er gefolgt von seinen beiden Schülern den elenden Trollgestank hinter sich ließ. Er lief etwas ungelenk vor ihnen her, doch es dauerte nicht lange, bis sie vor dem Porträt von Wendelin dem Unheilbaren ankamen.
Draco und Amelia sahen zu, dass sie zu den anderen kamen, bevor noch jemand auf die Idee kam ihnen unangenehme Fragen zu stellen.
„Das war echt super Amelia", freute sich Draco über das Abenteuer. „Hast du gesehen, wie der Troll umgekippt ist? Wie ein Stein!"
„Wärst du nicht gewesen, hätte er mich gerade mit umgehauen", erwiderte Amelia und Draco wurde scheinbar verlegen, denn er wechselte schnell das Thema.
„Hättest du gedacht, dass Granger zugibt das wir sie gerettet haben?"
„Niemals. Ich dachte schon Snape zieht Slytherin das erste Mal in seinem Leben Punkte ab."
Die beiden Erstklässler waren nun endgültig in den großen Raum getreten wo ihre Mitschüler bereits an großen Tischen saßen und sich das Essen schmecken ließen, das hochgebracht worden war.
„Sieht nett aus, ich hol mir erst mal was zu essen", sagte Amelia und bahnte sich einen Weg zu den Tellern. Lachend ließen sie sich zwischen die anderen Erstklässler fallen.
Ab diesem Moment änderte sich etwas an Dracos Verhalten. Es war nicht so, dass er freundlicher war, er war von Anfang an nett gewesen, doch sein Gesicht wirkte dabei nicht mehr so kalt. Es lag eine warme Zuneigung in seiner Stimme. Eine Zuneigung die sich nur Amelia erkämpft hatte. In Amelia bereitete sich ein warmes Gefühl aus, als sie feststellte, dass sie wahrscheinlich das erste mal in ihrem Leben sowas wie Freundschaft kennenlernen durfte. Der sprechende Hut hatte ihr nicht zu viel versprochen. In Slytherin konnte sie echte Freunde finden.
Am nächsten Tag waren Amelia und Draco gerade auf dem Weg zu ihrer ersten Schulstunde, Geschichte der Zauberei, als Hermine Granger sie aufhielt.
Vincent und Gregory waren noch beim Frühstück, sie brauchten immer besonders lang, also waren Amelia und Draco schon mal allein vorgegangen.
„Was willst du?", spie Draco ihr entgegen, auch Amelia sah das Mädchen abschätzend an.
„Auch wenn ihr es nicht verdient habt, und in der Schule herumspaziert, als würde sie euch gehören und verdammte arrogante eiskalte Slytherins seid", begann Granger, „Danke."
Damit drehte sie sich auf der Stelle um. Amelia und Draco sahen sich verwundert an und brachen in schallendes Gelächter aus.
Die Quidditch - Saison begann und Amelia hatte das Gefühl, als würde die ganze Schule in einen einzigen Vorfreudetaumel untergehen. Das Ganze brachte viele Vorteile aber leider noch mehr Nachteile. Einer der Vorteile war, dass Madam Pince so viel zu tun hatte, die Bibliothek ruhig zu halten, dass es Amelia gelang ein paar interessante Bücher in ihren Besitz zu bringen. Der Nachteil aber war, dass sie weder in der Bibliothek noch im Gemeinschaftsraum in Ruhe lernen konnte. Am liebsten hätte sie jeden verflucht der auch nur die Stimme erhob, doch leider ging das nicht. Denn dann hätte Slytherin binnen einer Woche alle Hauspunkte verloren.
So verlegte sie sich darauf, sich nach Unterrichtsschluss in die leeren Klassenräume zu stehlen, um dort lernen zu können. Denn sie hatte mit Entsetzten festgestellt, dass durch den ganzen Trubel und das Draco jetzt so an ihr klebte, ihre Leistungen etwas nachgelassen hatten und das durfte nicht angehen. Ihre Leistungen in der Schule waren besser als die aller anderen. Granger vielleicht einmal ausgenommen, aber mit der hatte sie nur ein Fach und in Zaubertränke war sie sowieso Snapes Liebling.
Auch deshalb schlich sie sich meistens in den Zaubertrankklassensaal. Doch leider blieb sie auch hier nicht unentdeckt.
„Alohomora", rief Amelia und schwang ihren Zauberstab um das Kästchen zu öffnen doch wieder geschah nichts.
„Alohomora", wiederholte sie geduldig und versucht sich dabei ganz genau vorzustellen, wie sich das Schloss öffnete. Wieder nichts.
„Sie sprechen es falsch aus, Miss Potter", ertönte plötzlich eine Stimme von der Tür aus.
„Es heißt A-loh-ho-mo-ra. Probieren sie es erneut."
Professor Snape war in den Klassensaal gekommen und Amelia sah jetzt etwas ertappt zu Boden. Folgte dann jedoch der Aufforderung ihres Lehrers und versuchte es.
Ein leiser Klick zeigte an, dass sich das Schloss geöffnet hatte.
„Gut gemacht, Miss Potter. Zwei Punkte für Slytherin. Die ich Ihnen jedoch gleich wieder abziehen muss, weil Sie sich unbefugt in meinem Klassensaal aufhalten. Haben Sie eine Erklärung dafür?"
„Es tut mir leid, Sir. Ich wusste nicht, wo ich sonst hingehen sollte. Wissen Sie, in der Bibliothek darf man nicht Zaubern und im Gemeinschaftsraum ist es einfach zu laut", sagte Amelia reuig und sah schuldig zu Boden.
„Wie dem auch sei, in meinem Klassensaal kann ich Sie auf keinen Fall üben lassen", sagte Professor Snape streng und Amelia sackte das Herz. Insgeheim hatte sie gehofft, dass ihr Lehrer sich ihrer Erbarmen würde. Schließlich war sie doch eine seiner Lieblingsslytherins.
Der Professor ging an ihr vorbei und holte etwas aus dem Vorratsschrank, als er wieder zurückkam, war Amelia dabei ihre Bücher einzupacken.
„Sie interessieren sich für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, Miss Potter?", fragte Professor Snape und nahm Amelia eines der Bücher aus der Hand. „Dies gehört ganz gewiss nicht zu Ihren Schulbüchern."
„Ich habe es aus der Schulbibliothek, Sir. Es ist interessant." Professor Snapes Lippen kräuselte ein undefinierbares Lächeln. Sie war sich nicht sicher, ob er sauer auf sie war oder ihm ihre Bemühungen gefielen.
„Nun, wenn Sie sich über den Unterricht hinaus mit Verteidigung gegen die Dunklen Künste beschäftigen wollen, sollten Sie aber mit etwas leichterer Lektüre anfangen. Folgen Sie mir bitte, Miss Potter."
Mit einem etwas besseren Gefühl in der Magengegend folgte Amelia ihrem Lehrer die Kerkergänge entlang und bemerkte dabei, dass dieser zu hinken schien. Ob er sich verletzt hatte? Einen Moment überlegte Amelia, ob sie ihn fragen sollte, entschied sich dann jedoch dagegen.
Zusammen gingen sie zu Professor Snapes Büro.
Neugierig sah Amelia sich im Inneren um und wurde nicht enttäuscht. Die Wände waren vollgestellt mit verschiedenen Trankzutaten in Einmachgläsern und in einer Ecke, über einer großen Feuerstelle standen mehrere Kessel. In einem winzigen Kessel blubberte eine schwarze Flüssigkeit träge vor sich hin. Aus einem zweiten sprangen immer wieder gelbe Funken hervor und gaben leise Singsang - Geräusche von sich. Fasziniert betrachtete Amelia den Zaubertrank.
„Diverum - Trank, Miss Potter. Er schützt gegen Verbrennungen. Mit diesem Trank haben sich einst Hexen und Zauberer vor der Hexenverbrennung im Mittelalter geschützt", erklärte Professor Snape.
„Es gibt einen Trank, mit dem man sich einfach Feuerimmun machen kann?", fragte Amelia erstaunt. „Und was ist in dem anderen Kessel, Sir?"
„Ein anderer, weitaus schwierigerer Trank. Wenn Sie sich sehr anstrengen, kann es Ihnen vielleicht gelingen ihn am Ende Ihrer Schullaufbahn herzustellen. Doch dazu brauchen Sie schon ein hohes Maß an Begabung. Die meisten Hexen und Zauberer begreifen es nie, einen solch komplexen Trank zur Vollendung zu bringen."
„Und was bewirkt der Trank, Professor?"
„Er schützt Körper und Geist vor den Auswirkungen des Dämonsfeuers. Einem sehr mächtigen schwarzmagischen Feuer welches nicht nur den Körper, sondern auch die Magie seines Opfers angreift." Amelia nickte und beschloss, dass es noch sehr viele Dinge gab, die sie sich aneignen musste, um eine große Hexe zu werden.
„Hier bitte, Miss Potter. Diese Lektüre sollte Ihnen helfen ein paar Grundlagen der Magie zu begreifen die Sie verinnerlicht haben müssen, bevor Sie sich komplexeren Themen zuwenden", sagte Professor Snape und reichte Amelia ein abgenutztes altes Buch.
„Danke sehr, Sir", erwiderte Amelia und betrachtete den Titel, Basis der aktiven Magie, klang nicht gerade spannend.
„Ich habe es selbst in meinem ersten Jahr als Hintergrundlektüre für Verteidigung gegen die Dunklen Künste gelesen. Sie sollten es also verstehen können. Wenn Sie allerdings Probleme haben, so können Sie sich jederzeit an mich wenden, ich bin gerne bereit, interessierte Schüler zu unterstützen", bot Professor Snape an und Amelia mochte ihn von Moment zu Moment mehr.
„Vielen Dank, Sir. Das ist sehr großzügig von Ihnen", sagte Amelia und meinte es wirklich so.
Ihr Professor setzte sich hinter seinen Schreibtisch und Amelia bemerkte, wie er leicht zusammenzuckte als er das rechte Bein belastete, bevor er sich in seinen Sessel sinken ließ.
„Sind Sie verletzt Professor?", fragte Amelia besorgt.
Professor Snapes Mine verdüsterte sich etwas, dennoch sprach er in seinem gewöhnlichen Tonfall.
„Nur ein kleiner Unfall, Miss Potter. Machen Sie sich keine Gedanken darum. Gehen Sie lieber zu Bett. Sie wollen doch nicht unausgeschlafen sein, wenn wir morgen Gryffindor im Quidditch besiegen."
„Natürlich, Sir. Ich hoffe es geht Ihnen bald besser und danke nochmals für das Buch", sagte Amelia höflich und wollte gerade das Büro verlassen als Professor Snape sie nochmals zurückrief.
„Wenn Sie einen Raum zum Üben suchen, dann gehen Sie vom Slytherin Gemeinschaftsraum den linken Gang entlang bis Sie zu der Sackgasse mit den drei Fackeln kommen. Löschen Sie die Linke von ihnen mit dem Zauberspruch Finite. Dann wird sich Ihnen ein Raum offenbaren. Die Fackel entzündet sich danach wieder von neuem und verschließt den Raum. Von Innen werden Sie die Tür auf dieselbe Weise öffnen können."
Amelia strahlte und sagte: „Vielen Dank, Sir. Das ist sehr freundlich von Ihnen."
Etwas Sorgen machte sie sich schon um ihren Lehrer wegen der Verletzung, schließlich war keiner der Lehrer so nett zu ihr wie Professor Snape. Aber als erstes musste sie jetzt diesen geheimen Raum in Augenschein nehmen.
Am nächsten Tag fand das Quiddich - Spiel Slytherin gegen Gryffindor statt und der Trubel nahm seinen Höhepunkt. Selbst Amelia ließ heute den Ehrgeiz, Ehrgeiz sein und schloss sich der allgemeinen Begeisterung an. Es war einfach nicht mehr an Lernen zu denken, als sie sich neben Draco und Daphne auf die Tribünen drängte und immer wieder einen Blick durch Dracos Fernglas warf.
„Wie können sie es nur erlauben, dass ein Gryffindor das Spiel kommentiert? Der ist doch absolut parteiisch", sagte Draco ungehalten, als der Kommentator, der sich als Lee Jordan vorgestellt hatte, schon wieder die Slytherins schlecht machte.
„Na und, lass ihn doch. Er ist nur sauer, weil wir gewinnen werden. Wir sind schon zwanzig Punkte im Vorsprung", erwiderte Amelia, konnte aber nicht umhin Lee Jordan trotz allem einen bösen Blick zuzuwerfen.
„Zwanzig Punkte sind nicht viel. Die Sucher bringen aber auch nichts zustande. Der Schnatz ist noch kein einziges Mal aufgetaucht. Higgs sollte sich mal ein bisschen anstrengen", fluchte Draco und sah zu ihrem Sucher hinauf, der nur weiterhin seine Kreise zog und nach dem Schnatz Ausschau hielt.
Plötzlich wirbelte Towler, der Sucher der Gryffindors, herum und raste auf eine Gryffindor Jägerin zu, Spinnet oder Bell, Amelia war sich nicht ganz sicher, doch dort, am Schweif ihres Besens konnte sie etwas Goldenes glänzen sehen.
„Gib das Fernglas her!", sagte sie und schon hatte sie Draco das Fernglas aus der Hand gerissen und beobachtete das ganze aus der Nähe. Dort war er tatsächlich, der goldene Schnatz und Towler war ihm schon erschreckend nahegekommen.
Sofort nahm Amelia das Fernglas wieder runter und Draco der es ebenfalls bemerkt hatte schrie: „Los Higgs, jetzt beweg dich endlich!"
Doch Higgs jagte dem Gryffindor Sucher bereits hinterher. Mit jedem Augenblick, der verging, wurde ihre Chance zu siegen geringer. Bis plötzlich Marcus Flint, der Kapitän der Slytherins, Towlers Flugbahn kreuzte und ihn somit abblockte. Sofort schoss Higgs an ihnen vorbei und eine Sekunde später explodierte die Slytherinkurve vor Freude. Sie hatten gewonnen! Sie hatten die Gryffindors platt gemacht. Auf der anderen Seite heulte Jorden wie ein getretener Hund ins Mikrofon, „Foul!", schrie er, doch das kümmerte die Slytherins nicht. Selbst wenn Gryffindor noch einen Freistoß zugesprochen werden würde, sie hatten gewonnen und nichts konnte das mehr ändern.
Nachwort:
Zum Quiddich Spiel wäre zu sagen, dass sich alle in den Büchern immer darüber aufregen, wie unfair Slytherins spielen. In den meisten FF's sind sie dann plötzlich gerecht und gewinnen Fair. Deshalb… Den Slytherins ging es immer nur ums Gewinnen, egal wie. Wenn unfair dann unfair nur das Ergebnis zählt.
