Kapitel 8 – Der Stein der Weisen

Sie hatten gerade Verteidigung gegen die Dunklen Künste gehabt und waren froh gewesen endlich Professor Quirrells Unterricht entkommen zu sein, als Draco auffiel, dass er sein Schulbuch unter der Bank hatte liegen lassen. So hatte sich Amelia überreden lassen, mit ihm zurückzugehen anstatt, wie die anderen, zum Mittagessen zu eilen.

„Bist du sicher, dass du es unter der Bank liegen gelassen hast?", fragte Amelia, während sie zurückgingen.

„Ich glaube schon, schließlich hast du doch dem Vampirbild Quirrels Turban aufgesetzt, oder war die letzte Stunde?"

„Nein, das war letzte Stunde, diese Stunde haben wir doch den Text über Kelpies abschreiben sollen", erwiderte Amelia.

„Ja, sollen ist die richtige Formulierung. Du hast ihn nicht abgeschrieben. Ich habe genau gesehen, wie du in so einem komischen Buch gelesen hast. Andere, wie ich, haben sich allerdings die Mühe gemacht", stellte Draco richtig.

„Na und, es war langweilig. Ich bin sicher nicht so blöd auf ein Kelpie aufzusteigen und Quirrell hat selbst gesagt, dass wir Platzierungszauber erst in zwei Jahren lernen werden. Wozu sich also die Mühe machen und den Mist abschreiben?", meinte Amelia leichthin, da sie den Text sowieso schon gekannt hatte. „Da ist ja schon der Klassensaal."

Ruckartig wollte sie die Tür aufreißen, doch Draco hielt sie davon ab.

„Psst, hör mal", sagte er und drückte sein Ohr an die Tür.

„Haben Sie schon herausgefunden, wie Sie an dem Untier von Hagrid vorbeikommen?", hörten sie die eisige Stimme von Professor Snape durch die Tür dringen.

„W-w-welches Untier m-meinen Sie, Severus?", antwortete ihm die typische stotternde Stimme von Professor Quirrell.

„Sie wissen ganz genau was ich meine. Denken Sie daran, wie gut der Stein geschützt ist. Jeder von uns hat seinen Teil dazu beigetragen."

„A-aber i-ich", setzte Quirrell an, doch Professor Snape unterbrach ihn.

„Was für einen Hokuspokus Sie auch immer getrieben haben, Quirinus. Ich werde ihn-"

„Wen haben wir denn da? Potter und Malfoy, das neue Liebespaar der Schule", hörten sie hinter sich eine höhnische Stimme und fuhren herum.

Vor ihnen stand Finnigan, mit Thomas und Weasley im Schlepptau.

„Was willst du den jetzt schon wieder, Banshee? Zieh Leine, ich muss dich enttäuschen bei mir leben noch alle", sagte Draco gehässig und warf Finnigan einen hochmütigen Blick zu.

Den Spitznahmen Banshee hatte Finnigan inne, seit er einen Brief von zuhause bekommen hatte, indem ihm vom Tod seiner Großmutter berichtet wurde. Er hatte nämlich mitten in der Großen Halle zu heulen begonnen und das so lautstark, dass alle darauf aufmerksam geworden waren.

„Was für eine Schande, es wäre eine Bereicherung für die Zaubererwelt gewesen, wenn jemand aus deiner Familie den Zauberstab abgegeben hätte, Malfoy", zischte Weasley mit zusammengekniffenen Augen. Die Jungen hatten ihnen den Zauber, den Amelia Finnigan auf den Hals gehetzt hatte, nie vergeben.

„Jetzt stell dich mal nicht so an, nur weil es Weasleys im Überschuss gibt, musst du doch nicht gleich allen Zauberern den Tod an den Hals wünschen", sagte Amelia abfällig.

„Du solltest dich da mal schön raushalten, Potter. Bei dir sind schon alle krepiert. Da ist keiner mehr da, der ins Gras beißen kann", meinte Finnigan und Amelia wandte sich ihm mit blitzenden Augen zu. Sie hätte ihn einmal so richtig durchgehext, wenn nicht in diesem Moment Professor Snape aus dem Klassensaal gekommen wäre.

„Gibt es hier Probleme, Miss Potter?", fragte Professor Snape.

„Nein, Professor. Draco wollte nur sein Buch holen, das er vergessen hatte", sagte Amelia schnell.

„Und was machen Sie hier?", fragte Professor Snape und sah die Gryffindors scharf an.

„Wir… ahm…", begann Weasley.

„Wir wollten gerade zum Mittagessen gehen, Sir.", beeilte sich Thomas zu sagen.

„Dann sollten Sie sich beeilen und 2 Punkte von Gryffindor, weil sie getrödelt haben." Damit rauschte Professor Snape ab und hinterließ zwei grinsende Slytherins und drei wütende Gryffindors.

„Was glaubst du meinte Professor Snape mit Hagrids Ungeheuer?", fragte Draco, als sie gemeinsam auf dem Weg Richtung Große Halle waren.

„Ich weiß nicht. Hagrid liebt magische Wesen, es kann praktisch alles sein", sagte Amelia nachdenklich. „Aber was immer es ist, es scheint etwas zu bewachen."

„Was kann so wichtig sein, dass man es in Hogwarts verstecken würde?", fragte Draco.

„Ein Stein", erwiderte Amelia nachdenklich, „zumindest hat das Professor Snape gesagt.

„Das wusste ich noch nicht. Aber es wird wohl kein Kieselstein sein", sagte Draco zynisch.

Sie erreichten die Treppe, die hinunter in die Große Halle führte und plötzlich blieb Amelia wie vom Blitz getroffen stehen.

Professor McGonagall war gerade in die Große Halle gegangen.

„Oh natürlich!", sagte Amelia. „Wie konnte ich das nur vergessen?"

„Was vergessen?", fragte Draco und hob eine Augenbraue.

„Ich weiß jetzt was das Monster bewacht. Zumindest weiß ich, wem es gehört hat."

„Erzähl schon.", forderte Draco neugierig, doch Amelia schüttelte den Kopf.

„Heute Abend reden wir in Ruhe. Ich muss das alles nochmal durchdenken und ich möchte nicht, dass uns jemand hört."

Draco grummelte zwar etwas, aber akzeptierte es.

Abends ließ er Amelia keine Ruhe, bis sie sich in eine abgeschiedene Ecke des Gemeinschaftsraums setzten. Amelia erzählte Draco von dem Verließ, dass sie mit Professor McGonagall besucht hatte und das was auch immer in dem Päckchen gewesen war, nun sicher auf Hogwarts sei.

„Der Mann mit dem Professor McGongall geredet hat hieß so was wie Flamme oder Flämmchen, wenn ich mich nur richtig erinnern könnte."

„Flamel", sagte Draco unvermittelte. „Nicolas Flamel ist ein berühmter Zauberer, ich habe die Flamels einmal mit meinen Eltern zusammen besucht. Es ging um Politik. Auch wenn sie schon lange nicht mehr in die Zauberergesellschaft eingreifen, wird doch auf den Rat der Flamels gehört."

„Ja genau Flamel, das war es. Was auch immer in dem Verließ war, hat etwas mit den Flamels zu tun."

„Aber warum sollten sie dieses Päckchen in der Schule verstecken? Das ist doch viel zu gefährlich. Was wenn das Monster ausbricht, das diesen Stein bewacht." Draco schien der Gedanke gar nicht zu behagen.

Keine Ahnung", sagte Amelia doch noch während sie es sagte, ging ihm ein Licht auf. „Außer wenn…"

„Wenn was?", fragte Draco scharf und musterte sie aus zusammengekniffenen Augen.

„Es gab doch diesen Einbruch in Gringotts, an genau dem Tag, an dem das Päckchen aus dem Sicherheitsverließ geholt wurde. Was wenn der, der es versucht hat zu stehlen nur ein paar Stunden zu langsam war und was, wenn er es jetzt wieder versuchen wird. Hier in Hogwarts. Was auch immer darin sein mag muss wertvoll sein", spekulierte Amelia und ein trüber Gedanke kam ihr. Sie ließ die Schultern hängen. „Wahrscheinlich… Wahrscheinlich war es Snape."

„Ich weiß nicht. Warum bist davon überzeugt, das Snape es stehlen will. Wir haben lediglich eine Andeutung darauf gehört, das er herausfinden wollte, mit was Quirrell den Stein geschützt hat."

„Professor Snape war verletzt, seit Halloween. Erinnerst du dich noch daran, wie er in den dritten Stock gegangen ist? Dorthin wohin Schüler dieses Jahr nicht dürfen?"

„Wir wissen gar nicht ob das Monster dort ist und selbst wenn, warum ist der Stein dann noch an seinem Platz?", fragte Draco noch immer misstrauisch.

„Naja, du hast es doch gehört, nicht nur der Hund bewacht den Stein. Auch Quirrell hat dazu beigetragen den Stein zu beschützen und Merlin alleine weiß wie viele noch. Bestimmt muss Professor Snape noch herausfinden wie er an der Zauberei von Quirrell vorbeikommt", erläuterte Amelia missmutig. Der Gedanke, dass ihr Lieblingslehrer sich in so was reinreiten könnte gefiel ihr gar nicht. Aber zuzutrauen war es ihm. Er war ein sehr undurchsichtiger Mensch.

„Okay, gut. Da könntest du recht haben. Warum ist er aber ausgerechnet in Hogwarts versteckt, hast du dafür auch eine Erklärung?"

„Nein", sagte Amelia träge und ließ sich in den Sessel fallen. „Aber ich habe eine Idee wie wir herausfinden können, ob wir Recht haben.

Draco sah sie gar nicht glücklich an. „Ich glaube ich will es nicht wissen."

„Wir gehen in den dritten Stock", sagte Amelia und grinste über beide Ohren bei Dracos missmutigen Gesicht.

„Einestages, das prophezeie ich dir, bringt uns deine Waghalsigkeit noch um."

„Los wir treffen uns in der Nische vor dem Zaubertrankklassensaal. Bald beginnt die Sperrstunde, ich komme gleich nach."

Damit wirbelte Amelia herum und rannte in ihren Schlafsaal.

Keine zwanzig Minuten später schlichen Amelia und Draco unter dem Tarnumhang aus den Kerkern heraus. Draco hatte nicht schlecht gestaunt, als sie ihm den silbernen fließenden Stoff gezeigt hatte.

„Weißt du, ich finde noch immer, dass es eine bescheuerte Idee ist", sagte Draco.

„Psstt. Man kann uns noch hören und glaube mir, es schleichen Unmengen an Leuten nachts durch Hogwarts. Du würdest dich wundern.

Erstaunlicherweise schafften sie es unbehelligt in den dritten Stock. Am Ende des Korridors war eine große Holztür. Amelia ging auf die Tür zu und wollte sie aufziehen, doch Draco hielt ihre Hand fest.

„Sicher, dass du das machen willst?", fragte Draco ängstlich.

„Wenn du Angst hast, dann geh zum Anfang des Flurs und warte da auf mich.", zischte Amelia ungeduldig und befreite sich aus seinem Griff.

„Ne, ich kneife schon nicht", brummte er nur. Sein Stolz verbot es ihm wohl abzuhauen, wenn ein Mädchen sich traute, aber er hatte unverkennbar Angst. Amelia griff nach dem Türgriff.

„Verschlossen", sagte sie und hörte, wie Draco aufatmete.

Unbeirrt zog sie ihren Zauberstab und deutete auf die Tür. „Alohomora" Ein leises klicken war zu hören.

„Ganz ehrlich, Amelia", sagte Draco missmutig. „Man sollte dir das Zaubern verbieten."

Diese grinste nur breit und zog die Tür einen spaltbreit auf, nur um sie im nächsten Moment wieder zuzumachen. „Oh scheiße", flüsterte sie.

„Was ist?", fragte Draco.

„Fluffy"

„Was ist Fluffy?" Verdutzt zog nun Draco seinerseits die Tür auf. Einen Moment dachte Amelia er würde schreien.

„Ach du Scheiße. Das Viech ist aber nicht Fluffy", sagte Draco und sah das Monster aus erschrockenen Augen an.

In dem Raum war ein Hund, aber es war kein normaler Hund. Denn obwohl Hunde Amelia normalerweise sehr mochten, würde dieser ihr sicher nicht freudestrahlend die Hand lecken. Eher würde er sie abbeißen, wenn er sich denn entscheiden könnte mit welchem Kopf.

Denn er hatte ganze Drei davon und dementsprechend auch drei gewaltige Mäuler und zu allem Überfluss auch noch drei Schnauzen mit der er sie unter dem Tarnumhang riechen konnte.

Ein Grunzen war zu hören, und einer der Köpfe schien sie direkt anzusehen. Nun waren auch die anderen beiden dabei Witterung aufzunehmen. Sie schnüffelten herum und Amelia entdeckte unter einer der riesigen Pfoten eine große Falltür. Ein Knurren war zu hören. Auch wenn Amelia nicht verstand, was die drei Köpfe besprachen, so war sie sich doch in einem sicher. Es dauerte nichtmehr lange und sie hätten sich geeinigt. Panisch warf Amelia die Tür wieder zu und das keinen Moment zu früh denn sie hörten gerade noch ein lautes Bellen durch den Gang hallen.

Ein leises Miauen war vom Ende des Ganges zu hören.

„Schnell weg hier!", rief Draco und zerrte Amelia hinter sich her. Dabei mussten sie darauf achten, nicht unter dem Tarnumhang zum Vorschein zu kommen.

Doch am Ende des Ganges gerieten sie in ein größeres Problem, denn genau in der Tür stand Mrs. Norris und hinter ihr sahen sie schon die Laterne von Mr. Filch.

„Confundo", flüsterte Amelia und Mrs. Norris schüttelte sich kurz bevor sie die Treppe in den vierten Gang hinaufsprang.

Draco wollte schon etwas sagen, doch Amelia zog ihn an die Wand und hielt ihm die Hand vor den Mund. Gebannt lauschten sie wie Filch an ihnen vorbei schlurfte. Als er außer Hörweite war, atmeten sie auf.

„Was hast du gemacht?", fragte Draco. „Das war genial."

„Verwirrungszauber. Aber er wird nicht lange anhalten. Lass uns abhauen."

Sie waren gerade die zweite Treppe hinuntergesprungen, als sie ein Gackern aus dem Zauberkunstklassensaal hörten.

„Oh nein, Peeves", zischte Draco und sie beide versuchten möglichst leise an der halbgeöffneten Tür vorbeizuschleichen. Peeves stellte gerade einen bestimmt vollen Wassereimer auf der Kante der Tür ab, sodass der Nächste, der die Tür vollends öffnen würde, unweigerlich von diesem getroffen werden musste.

Doch sie kamen kaum zwei Schritte weiter, als Amelia plötzlich in eine Schlinge trat. Es machte RATSCH und AHHHHH und keine Sekunde später hing sie plötzlich Kopf über baumelnd in der Luft.

Peeves hüpfte, Freudensaltos schlagend um sie herum.

„Uiuiuiuiui. Wen hab ich denn da, einen süüüßßßeen Erstklässer", lachte er.

Amelia brodelte vor Zorn.

„Peeves!", grollte sie. Doch der Poltergeist lachte nur weiter.

„Draco glaubst du, du kannst meinen Fall bremsen?", rief sie runter.

„Klar", erwiderte er und obwohl Draco versuchte es zu verbergen konnte sie sein breites Grinsen sehen. Das gefiel ihm bestimmt…

Sie verzog missbilligend die Lippen.

„Diffindo"

„Wingardium Leviosa"

Langsam ließ Draco sie nach unten schweben und reichte ihr die Hand als er den Zauber löste.

Währenddessen begann Peeves über ihnen zu schmollen.

„Immer müsst ihr mir meinen Spaß verderben, aber ich hab schon einen anderen Plan, wie ich was Lustiges erleben kann."

Der Poltergeist holte tief Luft und brüllte: „SCHÜLER AUS DER BETT!"

Die beiden Slytherins warfen sich einen erschrockenen Blick zu und schlitterten um die nächste Ecke. Hinter ihnen brüllte Peeves „Rennt kleine Erstklässler, rennt!"

Vor ihnen stürmte Filch hinter einem Wandbehang hervor, doch bevor er sie entdecken konnte, waren sie um die nächste Ecke gerannt, vor ihnen stand Mrs. Norris und fauchte sie wütend an.

„Hier rein", sagte Draco, riss eine Tür auf, die Amelia gar nicht aufgefallen war und warf sie hinter sich zu. Mit schwerem Atmen hörten sie Filch vor der Tür sagen:

„Na wo sind sie denn meine Liebe?" Mrs. Norris miaute nur. Doch aus welchem Grund auch immer, schien Filch nicht hinter der Tür nachzuschauen. Erleichtert hörten sie, wie sich die Schritte entfernten.

„Das war knapp", sagte Draco. Den Tarnumhang hielt er noch immer in der Hand.

„Was macht ihr hier?", fragte eine schrille Stimme und Amelia wirbelte herum.

Amelia hatte zuvor den Rest des Raumes gar nicht wirklich wahrgenommen. Es war ein gewaltiges Badezimmer und in der Mitte war eine Badewanne so groß wie ihr Schlafsaal. Zwei Schüler, ihrem Alter nach waren sie wahrscheinlich Siebtklässler, saßen darin. Nun ja, eigentlich hatten sie wohl bis zu dem Moment gebadet an dem Amelia und Draco hereingeplatzt waren. Denn während der Junge, gerade versuchte sich im Badeschaum zu verstecken hatte die Hexe ihren Zauberstab auf die beiden Erstklässler gerichtet. Ihre Haare wechselten gerade die Farbe von einem schrillen bonbonrosa in ein ziemlich beunruhigendes zornesrot.

Amelia wusste nicht was sie sagen sollte, doch Draco neben ihr lachte kalt auf.

„Na Cousinchen, haben wir dich gestört?", schnarrte er selbstgerecht.

„Halt die Klappe Malfoy und zieh leine", zischte die Hexe.

„Amelia darf ich dir meine Cousine Nymphedora Tonks vorstellen."

„Verschwinde hier, ich will mit euch Malfoys nichts zu tun haben", zischte die Hexe mit zusammengekniffenen Augen.

„Was ist denn mit euch los?", fragte Amelia völlig verwirrt. Draco hatte nicht gesagt, dass er eine Cousine hatte, die mit ihm auf Hogwarts war.

Die Hexe, Nymphedora Tonks und Draco warfen sich noch einen hasserfüllten Blick zu, bevor Draco Amelia an der Hand nahm und die Tür öffnete.

„Elende Blutsverräterin", knurre er.

„Das habe ich gehört", brüllte Tonks zurück.

Draco warf Amelia den Tarnumhang über und sie erreichten unbehelligt den Slytherin Gemeinschaftsraum.

Amelia war verwirrt. „Draco? Warum ist deine Cousine eine Blutverräterin?", fragte sie. Sie hatte diesen Begriff einmal im Zusammenhang mit den Weasleys gehört. Es bedeutete, dass sie Zauberer waren, die mehr Wert auf die Gesellschaft von Muggeln legten als auf die von anderen Zauberern. Dass sie die Zauberer an die Muggel verrieten.

„Ihre Mutter, ist die Schwester meiner Mutter, aber sie hat einen Muggelstämmigen geheiratet, deshalb ist sie eine Blutsverräterin. Sie wurde aus dem Stammbaum ihrer Familie getilgt."

Amelia blickte Draco nachdenklich an. Sie bemerkte, dass sie noch immer seine Hand hielt und ließ ihn los. Ein Knoten bildete sich in ihrem Magen. Vor ihr erschien gerade ein Problem, dass sie nicht so einfach beseitigen konnte.

„Meine Mutter ist auch Muggelstämmig", sagte Amelia langsam. Sie klang verletzter als sie selbst wollte „Bin ich deshalb auch eine Blutsverräterin für dich, Draco?"

„Nein, so habe ich das nicht gemeint!", beeilte er sich schnell zu sagen.

„Und wie dann?", hackte sie nach.

Draco sah sie hilflos an und zuckte mit den Schultern.

„Du bist kein Freund von Muggeln. Du magst sie genauso wenig wie ich", sagte er, klang aber nicht so Überzeugt wie sie sich gewünscht hätte. Irgendwie fühlte sie sich plötzlich ziemlich schlecht.

„Gute Nacht, bis Morgen.", sagte sie nur und ging in den Mädchenschlafsaal. Draco blieb überfordert zurück.

Als Amelia am nächsten Morgen aufwachte, fühlte sie sich wie gerädert. Die Abenteuer der letzten Nacht waren vielleicht doch etwas zu viel gewesen. Sie setzte sich auf, atmete einmal tief durch und begann ihren Geist zu leeren. Innerhalb eines Sekundenbruchteils vielen alle Gedanken die sie beschäftigten von ihr ab. Es war eine angenehme Entspannung und half ihr jeden Morgen, sich auf den kommenden Tag vorzubereiten. Es mochte zwar eine Übung sein die Professor Snape ihr aufgetragen hatte, aber irgendwie fühlte es sich enorm erleichternd an.

Zusammen mit Daphne und Blaise ging sie zum Frühstück. Draco war wohl schon vorgegangen. Als er sie sah, hatte er einen seltsamen Gesichtsausdruck und schien etwas sagen zu wollen. Doch sie lächelte ihn nur an und schüttelte den Kopf.

„Ich bin wirklich beleidigt das du nicht mit dem Frühstück gewartet hat", sagte sie spielerisch schmollend.

Draco sah sie einen Moment verdutzt an dann grinste er.

„Daphne hat sich schon beschwert, dass ich ihr ein Stück von dir abgeben soll. Da dachte ich, gönne ich ihr die paar Minuten vom Schlafsaal bis hierher."

Amelia lachte und Draco reichte ihr die Schale mit Eiern. Damit war das Thema zwischen ihnen vorbei. Zumindest vorerst.

Sie saßen in Geschichte der Zauberei, dem wahrscheinlich einzigen Fach in Hogwarts, in dem Draco besser war als sie, als dieser sich zu ihr rüber beugte: „Ich habe über Flamel nachgedacht", flüsterte er.

„Wirklich? Und?", fragte sie.

Draco formte ein Papierkügelchen und schnippe es mit seinem Zauberstab an den Kopf von Susan Bones einer Hufflepuff zwei Reihen vor ihm.

„Hast du schon mal etwas vom Stein der Weisen gehört?", fragte Draco und begann ein zweites Kügelchen zu formen.

„Nein, das sagt mir nichts", erwiderte Amelia.

„Nicolas Flamel ist berühmt, weil er der letzte Besitzer eines Steins der Weisen ist. Dieser Stein soll die Fähigkeit besitzen, jedes Metall in Gold zu verwandeln und es spendet einen Trank, das den, der es trinkt, unsterblich macht. Es heißt das Elixier des Lebens. Deshalb ist Flamel über 600 Jahre alt."

Draco schnippe das zweite Kügelchen und es flog der Hufflepuff in den Kragen. Draco musterte Amelia durchdringend. Diese verarbeitete das Gesagte.

„Du glaubst also, dass der Stein von dem Professor Snape sprach…"

„… der Stein der Weisen ist", beendete Draco ihren Satz.

„Das klingt plausibel."

„Und was machen wir jetzt?", fragte Draco.

„Was sollten wir schon machen?", erwiderte Amelia. „Wir wünschen Professor Snape viel Glück beim Stehlen des Steins und halten uns aus der ganzen Sache raus. Oder hattest du etwa vor ihn anzuschwärzen?", fragte Amelia mit hochgezogener Augenbraue.

Draco schüttelte lachend den Kopf. „Ich werde nicht schlau aus dir."

Amelia lächelte nur.

Langsam wurde es wieder wärmer, der Schnee schmolz und die ersten Frühlingsblumen begannen zu blühen. Als wollten die Lehrer das gute Wetter ausnutzen, gaben sie ihnen eine extra Portion Hausaufgaben. Amelias Meinung nach, war es noch genug Zeit bis zu den Prüfungen, doch das schienen die Lehrer anders zu sehen. Noch nicht mal ihre Osterferien konnten sie annähernd genießen und Amelia bemerkte, dass das Schloss nicht halb so leer war wie zu Weihnachten. So gut wie alle Schüler waren in Hogwarts geblieben, um sich auf die Prüfungen vorzubereiten.

Manche waren richtig überfordert mit den Bergen an Schulaufgaben, besonders schwer traf es Millicent Bullstrode, die irgendwann einfach über ihren Zaubertrankhausaufgaben zu weinen anfing.

Amelia selbst tat sich weniger schwer mit den Hausaufgaben, da sie den Stoff schon selbst einmal vorgelernt hatte und das sozusagen nur noch Wiederholung war. Andererseits kam sie nun kaum noch dazu, ihren eigenen Lernplan einzuhalten, was sie dazu verführte nun doch ab und zu im Slytherin Gemeinschaftsraum zu lernen anstatt den versteckten Kerkerraum aufzusuchen den ihr Professor Snape verraten hatte. Das wiederrum führte dazu, dass man Amelia nun meistens mit einem Buch sowie Pergament und Feder zu Gesicht bekam, falls sie nicht wie vom Erdboden verschwunden war.

„Was hältst du von einer Partie Zauberschach?", fragte Draco eines Abends.

„Nein, ich bin nicht gut darin. Ich verliere immer gegen dich und selbst Theodor kann ich nicht besiegen", antwortete Amelia
„Das kommt nur davon, dass du nicht übst. Wenn du mal ein bisschen öfter mitspielen würdest und nicht immer so versnobt mit deinem Buch in der Hand daneben sitzen würdest, wärst du sicher besser", stichelte Draco.

„Hey, ich bin nicht versnobt!", fuhr Amelia auf und glitzerte Draco gespielt böse an, wandte sich jedoch wieder ihrer Lektüre zu. Zu ihrem Glück war sie nicht die Einzige, die wie verrückt am Lernen war, was sie vor dem Vorurteil eines Strebers rettete.

Trotzdem wäre Amelia fast aus der Haut gefahren, als Draco einen Lachanfall bekam, weil er meinte, er würde sie das erste Mal einen Zauber üben sehen. Er zog sie damit auf, ob es die große Amelia Potter denn nötig hätte und obwohl Amelia durchaus bemerkte, dass es nur gespielt war und Draco sie bewunderte, da sie die meisten Zauber problemlos konnte, schäumte sie innerlich vor Wut.

Beinah hätte sie ihm an den Kopf geworfen, wie viel Mühe es sie gekostet hatte, so gut zu werden. Wie sie sich Tag für Tag und manchmal sogar Nächtelang abgerackert hatte und das das keinesfalls von Begabung oder von Merlin selbst kam. Dennoch schluckte sie es einfach runter und verbesserte Draco stichelnd bei einem seiner Zauber, was sich dieser sich jedoch kommentarlos gefallen ließ.

Nachwort:

Ich mag diese Jagd durch die Korridore und ich hoffe ich habe Draco einigermaßen realistisch getroffen. Er ist ein totaler Angsthase, aber er kann es einfach nicht ertragen feiger zu sein als ein Mädchen. Also muss er mitmachen. Stolz gegen Feigheit xD

Warum ist Tonks eingebaut habe und dieses Thema, dass sie angerissen hat so abrupt wieder unterbrochen habe? Es wird noch genug Rolle spielen, aber ich wollte es wenigstens mal anschneiden. Ihr fragt euch sicher, warum Amelia Dracos Erklärung nicht hören möchte.

Sie hat verstanden wie wichtig das Blut in der Zaubererwelt vorallem in Slytherin ist. Sie möchte ihn nicht noch mehr mit der Nase darauf stoßen als sie es im ersten unbedachten Moment eh getan hat.

Was Tonks angeht, die liebe die kleine Hufflepuff, sie hat Hogwarts laut Büchern wahrscheinlich ein Jahr früher beendet, aber es gibt kein genaues Datum. Entweder hatte sie Hogwarts gerade verlassen oder es war ihr siebtes Schuljahr.