Kapitel 11 - Beltane
Beltane, endlich war es so weit. Draco war schon den ganzen Tag aufgeregt gewesen und gegen Abend hatte die Nervosität auch auf Amelia abgefärbt. Ein bisschen hatte sie sich darüber schlau machen wollen, was Beltane nun wirklich bedeutete, aber in all den Büchern die sie gefunden hatte, wurde es so dargestellt, als würde niemand mehr dieses magische Fest feiern.
Zusammen saßen Draco und Amelia im Gemeinschaftsraum und warteten darauf, dass sie endlich gehen würden. Beltane wird im Freien gefeiert, hatte Draco erzählt und so hatte Amelia sich überreden lassen, vorher noch mal in einer Partie Zauberschach gegen ihn zu verlieren. Sie fand es immer deprimierend, wenn alle ihre Figuren von Dracos Figuren vom Schachfeld geschleift wurden. Deshalb löste sie später auch Theodor ab, der mit Draco zusammen im Schach-Club war. Sonst war nur noch Daphne aus ihrem Jahrgang da. Der Gemeinschaftsraum leerte sich immer mehr, bis nur noch vielleicht sechzehn Schüler übrig waren. Amelia wusste, dass so gut wie alle von ihnen alten reinblütigen Zauberfamilien angehörten, soweit sie Draco richtig zugehört hatte.
Um halb zwölf kam Bewegung in die Schüler. Gemeinsam verließen sie den Slytherin Gemeinschaftsraum und machten sich auf den Weg nach Oben. In der gewaltigen Vorhalle blieben sie stehen und Amelia fragte sich, worauf sie warteten, als sie plötzlich Stimmen von oberhalb der Treppen hörte. Als sie nach oben blickte, sah sie eine kleine Gruppe Revenclaws, die auf sie zukam. Es waren bedeutend weniger als aus Slytherin. Vielleicht fünf Schüler. Sie mussten nicht lange warten, dann kamen noch drei Schüler hinzu. Amelia erkannte, dass sie aus Gryffindor sein mussten.
In der Halle war es ungewöhnlich still, obwohl sich relativ viele Schüler hier befanden, schwiegen die meisten und nur hier und da waren leise Gesprächsfetzen zu hören. Amelia wandte sich zu den Kerkern. Nun fehlte nur noch Hufflepuff. Irgendwie hatte sie gar nicht daran gedacht, dass auch Schüler der anderen Häuser an Beltane teilnehmen könnten, umso überraschter war sie nun, als sie ein Dutzend Hufflepuffs heraufkommen sah.
Das Schlosstor öffnete sich auf magische Weise und Amelia war überrascht Madam Pince, die Bibliothekarin zu erkennen, die der kleinen Schülergruppe voran, auf die Ländereien hinaustrat.Sie bildeten einen großen Kreis und Amelia sah Draco seine Nervosität an. Sie selbst fühlte sich nicht halb so nervös. Sie wusste nicht warum, aber vielleicht lag es daran, dass Draco sowieso keine Ahnung hatte, was genau jetzt passieren würde und Amelia deswegen auch nichts falsch machen konnte.
Gerade fragte sie sich, was als nächstes passieren würde, als alle begann sich die Schuhe auszuziehen. Amelia wunderte sich noch einen Moment, ob das nicht viel zu kalt wäre, bevor sie es ihnen gleichtat. Als sie wieder stand, spürte sie das kalte Gras an ihren Füßen kleben. Der Vollmond, der hoch über ihnen stand, strahlte auf sie herab und ließ sie sogar die Gesichter der ihr gegenüberstehenden Personen sehen. Irgendwie kribbelte es in ihr. Ohne ein Wort und dennoch fast synchron legten alle ihre Hände aufeinander, verschränkten die Finger und schlossen den Kreis. Zu ihrer Rechten stand Draco und lächelte nun auch irgendwie befreit. Zu ihrer Linken stand ein älteres Mädchen, Amelia achtete nicht darauf aus welchem Haus sie war. Heute war es egal.
Irgendjemand begann eine Melodie zu summen und langsam vielen immer mehr mit ein. Zwei Mal wiederholte sich die Melodie, bevor auch Amelia sich ihr anschloss. Immer und immer wieder dieselben Töne. Dann begannen Stimmen zu Singen, Wörter in einer Sprache, die sie nicht kannte. Amelia hätte sie nie, außer an solchen Momenten zu wiederholen gewusst und doch gingen ihr die fremden Worte nach einiger Zeit selbst von den Lippen, als hätte sie sie schon tausend Mal gesprochen. Ein Kribbeln lief von der kalten Erde durch ihre Füße, kroch ihre Beine hinauf, durch ihren Oberkörper stieg ihr zu Kopf. Verbannte das Brennen der Narbe, die sie seit dem Verbotenen Wald quälte, aus ihren Gedanken und Magie kroch durch ihre Arme. Weiter, bis sie auf andere Magie stieß und sich mit ihr verbündete.
Sie fühlte sich wohl, einfach nur geborgen. Ihre Magie waberte durch ihren Körper und Amelia hätte nicht sagen können, ob es Traum oder Realität war, was sie durchlebte. Alles in ihr schrie: Du bist eine Hexe.
Ganz kurz glaubte sie, eine kleine Dissonanz in ihrem Inneren zu spüren, aber sie war so schnell verschwunden, wie sie gekommen war. Aus ganzer Seele sprach, nein, sang sie die Worte, die sich mit einem Chor anderer Stimmen vermischte. Mehr Stimmen als hier auf der Wiese erklingen konnten, aber darum kümmerte sie sich nicht. Ihre Magie begann sie zu lenken, ihr kleine Anleitungen zuzuflüstern und Amelia setzte sich in Bewegung. Bewegte sich im Kreis. Die Augen hatte sie geöffnet und doch sah sie nichts, spürte nur eine unglaubliche Kraft durch ihren Körper pulsieren.
Sie wusste nicht, wie lange sie sich bewegten, wie lange sie sangen. Es könnten Jahre gewesen sein oder doch nur ein Atemzug. Es war ihr in dem Moment auch gleichgültig. Ihre Stimmen trafen sich noch ein letztes Mal zu einem machtvollen letzten Wort, berührten, rangen, kämpften, verklangen und zurück blieb Stille.
Eine so allumfassende Stille, dass sie einen Moment schwer auf der Seele lastete, bevor sie sich in Freude, Lebendigkeit, Kraft und noch etwas anderes, etwas unidentifizierbares verwandelte. Die Hände lösten sich, die Magie kehrte zurück in ihre alten, eingesperrten Formen und der Zauber des uralten Rituals verblasste. Nur ein kleiner Schimmer blieb zurück, übermächtiger noch, als alles was Amelia jemals gefühlt hatte. Es war wie pures Glück.
Amelia wusste nicht, wie sie zurück ins Schloss gekommen war, eigentlich wusste sie gar nichts mehr, als sie am nächsten Morgen erwachte. Nur ein schwaches diffuses Gefühl von Magie und Glück war geblieben. Ihr war nie bewusster gewesen eine Hexe zu sein als in diesem Moment.
Angestrengt versuchte sie sich an die zurückliegende Nacht zu erinnern. Aber es fiel schwer. Sie erinnerte sich noch zu Beltane gegangen zu sein. Noch wie sie gesungen hatten, aber alles danach verschwamm im Nebel. So war sie auch einen Moment erstaunt, als sie auf dem Sofa im Slytherin Gemeinschaftsraum aufwachte. Mit dem Kopf auf ihrem Schoß schlief Daphne und Theodor und Draco teilten sich einen Sessel.
Amelia musste schlucken als sie sich umsah. Auf dem gegenüberliegenden Sofa lag Anka MacMillan, eine Vertrauensschülerin, sie war nackt. Auf dem Boden vor dem Sofa schnarchte ein Junge. Amelia schluckte. Das war also Beltane.
Amelia fühlte sich in den nächsten Tagen seltsam ausgeruht und erfrischt. Ihr Kopf schien so klar zu sein, wie noch nie und die Zauber gingen ihr alle leicht von der Hand. Beltane hatte sie mit einer nie gekannten inneren Kraft erfüllt.
Am nächsten Freitag begann sie mit Snape ihre Einweisung in die Okklumentik und sie übertraf all seine Erwartungen.
Doch kein schönes Gefühl hält ewig an, so holte auch Amelia irgendwann der Prüfungsstress wieder ein. Jede freie Minute nutzen die Schüler zum Lernen und Amelia hätte sich die doppelte Zeit von allen anderen gewünscht, schließlich brauchte sie besonders gute Resultate.
Zu allem Überfluss krochen in den Momenten, die sie im Bett lag und ihre Gedanken mal nicht beim Schulstoff oder Okklumentik verweilten, Ängste in ihr hoch. Manchmal hätte sie sich gewünscht nie herausgefunden zu haben, dass Voldemort hinter dem Stein der Weisen her war. Kurz nach Beltane hatte ihre Narbe wieder angefangen zu brennen und der stechende Schmerz erinnerte sie wie ein Mahnmal daran, Voldemort nicht zu vergessen.
Wie hätte sie es schon gekonnt, immer wenn sie Professor Snape sah, fragte sie sich, ob er womöglich der Todesser war, der hinter dem Anschlag auf ihr Leben im Gewächshaus stand. Sie konnte es nicht glauben, sie wollte es nicht glauben. Doch Professor Snape schien nichts von ihren Zweifeln mitzubekommen trotz aller Okklumentikübungen. Er schaffte es nicht mal ein Bild aus ihrem Geist heraus zu zerren.
Ein paar Mal erwischte Amelia sich, wie sie Draco dazu überredete mit ihr in den dritten Stock zu gehen, um zu schauen, ob Fluffy noch zu hören war. Draco kam zu ihrem Erstaunen mit sehr wenig Gegenwehr mit. Vincent und Gregory hingegen fragten immer was sie hier wollte, ebenso wie Daphne, die ihnen einmal gefolgt war. Sie hatte ihr gesagt sie sei neugierig, was dort wohl dahinter wäre, wollte aber nicht das Risiko eingehen nachzuschauen.
Die Prüfungen zogen sich wie zäher Kaugummi dahin. Die Klassensäle waren unerträglich heiß und das Wetter wurde von Tag zu Tag wärmer und einladender, sodass sie keine Lust hatte den Stoff zu wiederholen.
Es gab schriftliche und praktische Aufgaben. Die praktischen waren, laut Amelia um ein Vielfaches leichter. Sie fand es zwar schon etwas albern eine Ananas Stepptanzen zu lassen, was sie aber nicht davon abhielt, ihrer einen besonders flotten Schritt zu verpassen und in Verwandlung, einem ihrer Lieblingsfächer überreichte sie Professor McGonagall fröhlich eine ehemalige Maus die nun Form und Konsistenz einer Schnupftabakdose angenommen hatte. Sie hatte sie mit hübschen kleinen Löwen in Rot und Gold verziert, da Professor McGonagall Hauslehrerin von Gryffindor war. In Zaubertränke war sie erleichtert, dass sie nicht vorher den Trank eingenommen hatte, den sie brauen sollten, da ihr die Formel für den Vergesslichkeitstrank fast abhandengekommen war.
Während der Prüfungen schlief Amelia schlecht, und ein Traum schien sich immer wieder zu wiederholen. Sie träumte, dass sie in der Prüfung für Geschichte der Zauberei saß, ihrem mit Abstand am meist gehassten Fach, Professor Snape stand da und fragte sie, warum sie es nicht konnte, dann griff er nach ihr und Amelia wachte mit einem grünen Lichtblitz auf. Immer wenn sie diesen Traum hatte, konnte sie die ganze Nacht danach nicht schlafen und verkroch sich in ihren Wiederholungen. Was nur dazu führte das Daphne wach wurde und sie wieder ins Bett schleifte mit der Begründung, dass sie sich mit ihrer Prüfungsangst nicht so anstellen solle. Pansy hatte da schon mehr Verständnis, sie schenkte ihr manchmal einen ihrer selbstgebackenen Schokokekse, die waren köstlich.
Für die theoretischen Aufgaben bekamen sie spezielle Federn, die gegen Schummeln behext waren und Amelia ärgerte sich sehr darüber. In Kräuterkunde und Verteidigung gegen die Dunklen Künste machte es ihr nichts aus, doch in ihrer letzten Prüfung, vor der Amelia am meisten Angst gehabt hatte, hätte sie liebend gerne bei Draco abgeschrieben. Draco war zu Amelias absolutem Unverständnis gut in Geschichte der Zauberei. Sie aber konnte sich nichts sehnlicher wünschen, als nach jeder Stunde Professor Binns eintönigem Gefasel zu entkommen.
Nach der letzten Prüfung hatte Amelia zwar ein richtig mieses Gefühl und war sich sicher, durchgefallen zu sein, aber darüber würde sie erst in einer Woche nachdenken, wenn sie ihre Ergebnisse bekamen. Auf dem Weg aus dem Prüfungssaal entdeckte sie Draco der dem Lahmarsch Longbottom eine der Anti-Schummelfedern in die offene Tasche steckte. Longbottom schaffte es nicht mal zur Tür, bis Professor Flittwick es entdeckte und ihn ordentlich zusammenstauchte. Die Slytherins lachten.
Die Prüfungen waren geschafft und Amelia erlaubte es sich, sich etwas auszuruhen. So schlenderte sie mit den anderen Slytherin Erstklässler nach draußen an den See. Nur Theodor machte sich mal wieder Abspenstig. Amelia legte sich ins Gras und schloss die Augen. Ihre Narbe brannte und sie hatte das Gefühl, als wäre das Brennen noch intensiver geworden, desto länger der Tag andauerte. Zu allem Überfluss hörte sie neben sich auch noch Pansy, Daphne und Millicent rumquietschen.
„Bring sie um", flüsterte sie leise. Amelia hatte fürchterliche Kopfschmerzen.
„Hm?", brummte Draco neben ihr. „Was hast du gesagt?"
„Bring sie um", zischte Amelia und ruckte mit dem Kopf in Richtung der drei Mädchen.
Von Draco war ein verdrucktes Lachen zu hören. Dann wurde er aber schnell wieder ernst.
„Du siehst nicht gut aus, die Prüfungen sind doch vorbei. Entspann dich. Oder machst du dir Sorgen wegen deiner Verwandten?"
Amelia setzte sich auf und schüttelte den Kopf.
„Es ist etwas anderes. Ich habe das Gefühl bald passiert etwas Furchtbares", mit besorgter Miene sah sie Draco fest an. „Meine Narbe brennt, schon seit wir im Wald waren und heute ist es irgendwie besonders schlimm."
„Glaubst du, es passiert bald etwas?", fragte Draco alarmiert.
Amelia verfolgte nachdenklich den Flug einer Eule.
„Ja."
Amelia legte sich wieder ins Gras, konnte aber keine Ruhe finden. Selbst als sie versuchte ihre Okklumentikübungen zu machen, brauchte sie ungewöhnlich lange.
Ihre Innere Unruhe musste einen Grund haben. War nicht eine der wichtigsten Grundlagen der Magie, immer seiner inneren Magie zu vertrauen?
„Ich muss mit Dumbledore sprechen", sagte Amelia plötzlich und setzte sich auf.
„Was?", fragte Draco perplex.
Amelia wandte sich Draco mit durchdringendem Blick zu und senkte die Stimme, damit die anderen Slytherins sie nicht verstehen konnten.
„Draco, ich vertraue Professor Snape, ich kann einfach nicht anders, aber ich will mich nicht von ihm täuschen lassen. Denn ich vertraue auch deinem Urteil. Du sagst, Professor Snape sei nicht zu trauen und du weißt etwas über ihn das du nicht verraten willst."
„Nein, so meinte ich das nicht. Ich wollte nur…", Darco machte ein unbehagliches Gesicht. Was immer er über Snape wusste, bereitete ihm große Sorgen, doch er schien es ihr nicht sagen zu wollen.
„Ich werde damit leben müssen, wenn du es mir nicht sagst. Aber Tatsache ist, dass ich sterben werde, sollte der Dunkle Lord wieder auferstehen und ich will nicht sterben. Deshalb muss ich mit Dumbledore reden. Weil er der Einzige ist, der den Dunklen Lord aufhalten kann."
Draco sah sie nur überrascht an, musterte ihren entschlossenen Blick und nickte. Zu gerne hätte sie gewusst was er jetzt dachte.
„Gut."
Amelia machte sich auf den Weg zum Schloss und Draco folgte ihr.
„Du brauchst nicht mitzukommen", sagte sie, aber Draco ließ sich nicht abwimmeln. In der Eingangshalle blieben sie ratlos stehen.
„Weißt du, wo Dumbledores Büro ist?", fragte Amelia irritiert und sah sich um als würde irgendwo ein Schild auftauchen, dass ihnen den Weg zum Schulleiterbüro wies. Draco schüttelte den Kopf. „Nein, aber ich habe Flint mal von dort kommen sehen als er sich beim Schulleiter melden sollte", sagte er und deutete die Treppen hoch. Amelia nickte und schon liefen sie die Treppen hoch, ohne wirklich zu wissen, wohin sie wollten. Auf halbem Weg einen Korridor entlang, kam ihnen Professor Flitwick entgegen.
„Na, ihr beiden? Wollt ihr nicht raus gehen und das schöne Wetter genießen?", quiekte der kleine Professor vergnügt.
„Entschuldigen Sie, Professor Flitwick, aber wir müssen sehr dringend Professor Dumbledore sprechen", sagte Draco und Amelia nickte.
„Es tut mir leid, aber Professor Dumbledore ist zurzeit nicht auf Hogwarts. Er wird in ein paar Tagen sicher wieder da sein. Er bekam eine Eule und hat Hogwarts soeben verlassen. Aber vielleicht kann ich Ihnen helfen?", fragte Professor Flitwick.
Amelia und Draco warfen sich einen unruhigen Blick zu.
„Ist Professor Dumbledore häufiger außerhalb der Schule?"
„Unser Schulleiter ist ein sehr beschäftigter Mann. Es kann durchaus vorkommen, dass er noch andere Verpflichtungen hat.", erwiderte der kleine Professor.
„Professor bitte, hat Dumbledore die letzten Wochen schon mal Hogwarts verlassen?", drängte Amelia.
„Jetzt aber genug! Was Professor Dumbledore tut, geht nur ihn etwas an. Gehen Sie zurück nach draußen die Prüfungen sind vorbei und es ist herrliches Wetter."
Draco und Amelia trollten sich wieder Richtung Ländereien.
„Das war ein Reinfall", sagte Draco.
„Ziemlich", gab Amelia zu.
„Glaubst du, er stielt den Stein heute?", fragte Draco und Amelia blieb stehen. Dieser Gedanke war ihr noch gar nicht gekommen.
„Warum ausgerechnet heute?", fragte sie.
„Dumbledore ist weg. Auch wenn er ein muggelliebender Schwachkopf ist, er ist noch immer ein mächtiger Zauberer. Vielleicht hat Snape den Brief geschickt, um ihn wegzulocken", erklärte Draco besorgt.
„Gehen wir zu Snape", sagte Amelia. „Wenn er da ist, dann wissen wir, das alles gut ist und wenn nicht…"
„Dann gehen wir zu einem anderen Lehrer", beendete Draco den Satz.
Amelia erwiderte nichts, sondern beeilte sich nur in die Kerker zu kommen. Die Tür zum Zaubertrankklassenzimmer war verschlossen, doch Amelia steuerte schnurstracks auf das Büro des Professors zu.
Sie klopften. Nichts Geschah. Amelia versuchte es noch einmal.
„Und was, wenn er bereits beim Stein ist?"
„Das glaube ich nicht… hoffe ich nicht", seufzte Amelia.
„Da seid ihr ja endlich!", rief Daphne als sie den Gemeinschaftsraum betraten. „Ich habe euch überall gesucht. Ihr habt euch doch nicht etwa eine dunkle Ecke gesucht."
Doch weder Draco noch Amelia sagten etwas dazu, sondern ließen sich mit langen Gesichtern auf ein paar Sessel plumpsen.
Beim Abendessen war Professor Snape jedoch auch nicht. Nun konnte Amelia sich nicht länger herausreden. Sie musste der Tatsache ins Auge blicken, das Snape sie verraten hatte. Mit eiserner Selbstbeherrschung verdrängte sie die Tränen.
„Gehen wir zu einem anderen Lehrer?", fragte Draco doch Amelia schüttelte den Kopf.
„Was sollen wir denen erzählen? Wir haben keine Beweise. Dass meine Narbe brennt, können sie nicht spüren, dass wir im Verbotenen Wald waren, können wir ihnen nicht sagen, wir dürften nicht mal vom Stein der Weisen wissen", sagte Amelia.
Amelia schloss wieder die Augen. Sie leerte Ihren Geist und plötzlich fühlte es sich so an, als sei sie in einer anderen Ebne angekommen. Sie konnte Draco Angst fast körperlich spüren.
Mit einem Ruck öffnete sie wieder die Augen.
„Ich gehe in den dritten Stock.", sagte Amelia wild entschlossen, doch Draco sah sie entgeistert an.
„Bist du des Wahnsinns?", schnappte er und tat so, als wolle er nach Amelias Temperatur fühlen.
„Lass das, mir geht es gut. Ich gehe hin und versuche mit Professor Snape zu reden. Vielleicht kann etwas bewirken und du schreibst Dumbledore einen Brief. Schick ihn mit Beatrix weg. Sag ihm einfach nur, dass der Dunkle Lord den Stein der Weisen stehlen will. Schreib aber nicht wen wir vermuten", bestimmte Amelia
„Das geht nicht!", protestierte Draco.
„Dann schicke ich den Brief eben selbst." Mit diesen Worten stürmte Amelia davon und als Draco nach ihr um die nächste Ecke bog war sie verschwunden.
Nachwort:
Ich denke Draco ist mit Amelia als Freundin vollkommen überfordert. Immer macht sie gefährliche Sachen und er lässt sich mit hineinziehen, weil er zu stolz zum kneifen ist. Angst hat er trotzdem und versucht sie immer zur Vernunft zu bringen. Ob ihm das wohl jemals gelingt?
Auch Harry war stur, tat immer was er selbst für das Beste hielt und neigte dazu Regeln zu brechen. Was übrigens eine Slytherineigenschaft ist. Amelia ist, was diese Punkte angeht genauso.
