Kapitel 3 – Gilderoy Lockhart

Am Montag nach der großen Feier, kamen endlich die Briefe von Hogwarts an. Sie saßen noch beim Frühstück als Dobby mit zwei großen hübschen Walkäuzen in das Esszimmer kam. Mr Malfoy band die Briefe von ihren Beinen und Dobby trug die beiden Eulen mit einer Verbeugung wieder hinaus.

„Eure Briefe aus Hogwarts sind angekommen.", sagte er und reichte Amelia ihren Brief. Dracos öffnete seine Mutter.

Drinnen befand sich ein Schreiben, das Amelia wie im Jahr zuvor am ersten September am Bahnhof King's Cross den Hogwarts Express nehmen sollte, anbei war eine Liste der Schulbücher für das nächste Jahr:

Schüler der zweiten Klasse benötigen:

Miranda Habicht: Lehrbuch der Zaubersprüche, Band 2

Gilderoy Lockhart: Tanz mit einer Todesfee

Gilderoy Lockhart: Gammeln mit Ghulen

Gilderoy Lockhart: Ferien mit Vetteln

Gilderoy Lockhart: Trips mit Trollen

Gilderoy Lockhart: Abstecher mit Vampiren

Gilderoy Lockhart: Wanderungen mit Werwölfen

Gilderoy Lockhart: Ein Jahr bei einem Yeti

Amelia zog eine Augenbraue hoch. Gleich sieben Bücher von ein und demselben Autor. Vielleicht war ihr neuer Lehrer abergläubisch und hatte sich deshalb eine magische Zahl an Büchern ausgesucht, überlegt Amelia, als sie auch schon Mrs Malfoys abfälliges Schnauben hörte.

„Hör dir das an, Lucius", wandte sich die Hexe an ihren Mann. „Draco braucht für sein Neues Schuljahr alle Bücher von Gilderoy Lockhart."

„Lockhart, Narzissa? Irgendwie kommt mir der Name bekannt vor, aber du kennst mich, mir fehlt das Gedächtnis für unwichtige Personen", erwiderte ihr Mann, während er sich noch etwas gebratenen Speck auftat.

„Dieser blonde neureiche Schnösel, den die Prewetts zu Amelias Geburtstagsfeier mitbringen wollten", erwiderte Mrs Malfoy mit angewidertem Gesichtsausdruck, während sie den Hogwartsbrief mit spitzen Fingern wieder zusammenfaltete.

„Aber so etwas kommt mir keinesfalls in das Haus."

Doch Mr Malfoy schien keinerlei Interesse für die Abneigung seiner Frau übrig zu haben, denn er griff nach dem Tagespropheten.

Mr Malfoy hatte verkündet, dass er am folgenden Mittwoch mit Amelia und Draco in die Winkelgasse gehen würde, um mit ihnen ihre Schulbücher zu besorgen. Er selbst hatte, wie er es ausdrückte, noch andere Geschäfte zu erledigen.

Amelia hatte sich gefragt, was das düstere Lächeln auf Mr Malfoys Gesicht zu bedeuten hatte als er dies verkündete und dass er sich danach in den Salon eingeschlossen hatte, beruhigte Amelias Argwohn in keinster Weise.

„Weißt du, mein Vater sammelt seltene Gegenstände", erzählte ihr Draco, als sie ihn danach fragte.

„Doch in letzter Zeit durchsucht das Zaubereiministerium viele Häuser und manche von den Sachen die er hat, finden die wohl nicht ganz so toll."

„Also sammelt er verbotene schwarzmagische Artefakte, die er nun schnell loswerden muss, richtig?", schlussfolgerte Amelia scharfsinnig und musterte Draco.

„So kann man's natürlich auch ausdrücken", sagte dieser missbilligend. „ich fand meine Formulierung besser."

„Komm, lass sie uns mal anschauen. Ich bin neugierig was das so für Sachen sind", sagte Amelia und ihre Augen leuchteten. Professor Snape hatte ihr schon viel von dunklen magischen Gegenständen erzählt.

„Ich glaube nicht, dass wir das dürfen", sagte Draco doch Amelia war nicht mehr aufzuhalten.

Heute war selbst ihr Etiketteunterricht abgesagt worden, da Dracos Vater möglichst wenig Fremde auf seinem Grundstück haben wollte.

Mit angehaltenem Atem lauschten sie an der verschlossenen Salontür. Draco versuchte sie aufzudrücken, doch sie war verschlossen. Amelia zückte ihren Zauberstab.

„Amelia", sagte Draco warnend, „du weißt doch, dass wir in den Ferien nicht Zaubern dürfen. Oder willst du von der Schule fliegen?"

Amelia verdrehte nur genervt die Augen. „Die werden gar nicht bemerken, dass wir zaubern."

Doch Draco sah Amelia nur zweifelnd an. Diese seufzte tief und drehte sich wieder zu Draco hin.

„Du bist hier doch unser Ass in Geschichte der Zauberei. Also", begann Amelia in bestem Vortragston. „im Jahre uninteressant, irgendwas um 1600 entdeckte, Corcion Sprog die Magische Spur die auf jedem Zauberer bis zu seinem siebzehnten Lebensjahr liegt und ermöglichte es somit junge Hexen und Zauberer ausfindig zu machen, die nicht durch Familie oder öffentliche Skandale als magisch begabte Menschen registriert waren.

Zu diesem Zeitpunkt wurde zudem die Volljährigkeit eines Zauberers auf sein siebzehntes Lebensjahr festgelegt, da in diesem Moment die Spur von ihm abfällt.

Die Spur ist eine Art magisches Feld um minderjährige Zauberer herum, das jeden gewirkten Zauber in seiner Umgebung wahrnimmt, egal von wem er gewirkt wurde." Amelia holte kurz Luft und sah Draco an.

„Also um es kurz zu machen. Wenn ich zaubere wird das Ministerium nicht wissen ob ich den Zauber gewirkt habe oder zum Beispiel deine Eltern. Was für uns wiederum heißt", Amelia wandte sich der Salontür zu und schwang ihren Zauberstab „Alohomora, das zaubern für uns absolut kein Problem ist."

Es war ein leiser Klick zu hören und die Tür schwang auf.

Draco hielt den Atem an, aber keine Alarmglocken schrillten auf und auch sonst geschah nichts. Nach ein paar Sekunden erlaubte sich Draco wieder Atem zu holen.

„Besserwisserin", murrte er in sich hinein und öffnete vorsichtig die Tür.

Amelia grinste siegesgewiss und danke im stillen Professor Snape, der ihr dieses Wissen und alles was sonst noch über die Spur bekannt war, als kleines Feriengeschenk mitgegeben hatte.

Der Salon sah auf den ersten Blick aus wie immer, doch Amelia entdeckte schnell eine kleine Öffnung an der linken Wand. Neugierig schlichen sie hinüber.

„Wohin führt der Gang?", flüsterte sie leise.

„Wahrscheinlich in die Keller, aber ich habe ihn noch nie benutzt", erwiderte Draco ebenfalls neugierig.

„Dann wird es aber Zeit", sagte Amelia und machte sich auf den Weg eine steile Treppe hinunter. Der Gang war sehr dunkel und sie mussten aufpassen, dass sie nicht stolperten.

„Mit dir ist man nicht mal in seinem eigenen Haus vor Ärger sicher", sagte Draco, schlich jedoch neugierig vor. Amelia kicherte nur.

Vorsichtig gingen sie die Treppe hinunter und spähten in einen kleinen Raum dessen schwere Tür geöffnet war. In dem Kellerraum stand Mr Malfoy, der einer Feder verschiedene Dinge diktierte, die diese Geschwind auf ein Blatt Pergament schrieb.

An den Wänden überall um ihn herum waren hohe Regale aufgestellt, auf denen die wunderlichsten Dinge lagen. Von Antik aussehenden Büchern über Kommoden, Schmuck, kleinen Dosen und Schachteln bis hin zu schön verzierten Phiolen und Flakons.

Mr Malfoy ließ eine schwarze kleine Flasche mit rotem Korken in eine Kiste auf dem Boden schweben in der schon viele andere Dinge lagen. Neugierig beobachteten die beiden Slytherins wie er ein kleines verstaubtes Buch aus dem Regal nahm und es einen Moment sorgenvoll betrachtete, bis sein Blick schließlich zur Tür wanderte. Er zog eine Augenbraue hoch als er Amelia und Draco entdeckte.

„Ähm… Vater…", setzte Draco an, doch ihm schien nichts Gutes einzufallen. Amelia schalt sich für ihren von Neugier geleiteten Leichtsinn. Aber es war einfach zu verlockend gewesen die Eigenheiten und Geheimnisse einer alten Zauberfamilie zu erkunden. Sie hatte schließlich keine eigene.

„Mir hätte klar sein müssen, dass ich euch neugierig gemacht habe", sagte Mr Malfoy und Amelia stellte erleichtert die Erheiterung in seiner Stimme fest.

„Es war nicht böse gemeint, Vater", sagte Draco und Amelia nickte beflissen.

„Ich finde so was furchtbar interessant", gestand Amelia und warf einen bewundernden Blick in den Raum.

„Ich war in eurem Alter genauso. Andauernd habe ich meine Nase in Sachen gesteckt die ich besser nicht erfahren hätte."

Die beiden Slytherins sahen sich schuldbewusst an. Das lag wohl am Haus.

Der Mittwochmorgen kam schneller als erwartet und schon standen Amelia, Draco und sein Vater in der Großen Eingangshalle des Herrenhauses. Mrs Malfoy gab ihrem Mann noch Anweisungen, was er alles mitbringen sollte, dass er auf jeden Fall für Draco und Amelia neue Schulumhänge zu besorgen hatte, da die Kinder so schnell wuchsen und zum Tee um fünf Uhr wurden sie natürlich schon zurückerwartet, weshalb sie nicht trödeln sollten.

„Draco, Amelia, lasst uns aufbrachen. Wenn wir noch länger warten, werden wir auf jeden Fall zu spät zum Tee kommen", sagte Mr Malfoy und rief nach Dobby. Der Hauself brachte eine goldene Schale in der ein eigentümliches Pulver funkelte.

Ohne zu zögern, griff Mr Malfoy mit der Hand hinein und nahm sich eine Prise.

„Beeilt euch, ich will nicht länger als nötig in diesem verwanzten Lokal festhängen", wies er sie an und ging zum Kaminfeuer auf der gegenüberliegenden Seite.

Amelia beobachtete Mr Malfoy wie er das Pulver in die Flammen streute, welches sich daraufhin smaragdgrün verfärbte und nach oben schoss. Ohne mit der Wimper zu zucken trat der Zauberer hinein und sagte „Nokturngasse" woraufhin er verschwand.

„Geh du zuerst Amelia", meinte Draco und nahm sich ebenso eine Prise.

Amelia zögerte einen Moment, bevor sie sich etwas von dem Pulver nahm und ans Feuer trat. Sie hatte erwartet ebenso wie mit Mrs Malfoy mit dem Portschlüssel zu reisen. Ein mulmiges Gefühl breitete sich in ihrer Magengegend aus, da sie nicht wirklich wusste was das hier werden sollte. Aber bei Mr Malfoy hatte es so einfach ausgesehen.

Sie musste schon eine Weile am Kamin gestanden haben, denn Draco frage sie ungeduldig ob es irgendein Problem gebe. Amelia überlegte einen Moment ob sie sich vor Draco bloßstellen sollte doch entschied sich dafür, das Pulver in die Flammen zu werfen die sich erneut grün färbten.

Mit angehaltenem Atem stieg sie in den Kamin, doch zu ihrer Verwunderung war das Feuer nicht heiß, sondern fühlten sich angenehm warm an. „Nokturngasse" sagte sie ebenfalls und spürte wie sie in einem gewaltigen sog davongetragen wurde.

Sie reiste in einem Stoß grüner Flammen und rotierte ihm Kreis. Dauernd schlug sie an irgendwelchen Ecken an, sodass sie versuchte sich so dünn wie möglich zu machen. Der Sog wurde geringer und Amelia konnte Mr Malfoy mit dem Rücken zu ihr stehen sehn.

Reflexartig steckte Amelia die Hände aus, woraufhin sie einen Moment später aus einem dreckigen Kamin taumelte und um ein Haar Mr Malfoy umgeworfen hätte.

„Nicht gerade eine der angenehmsten Arten zu reisen. Narzissa hasst es wie Drachenpocken", sagte Mr Malfoy der Amelias ungalante Landung mit angesehen hatte.

„Ich kann mir angenehmeres vorstellen", erwiderte diese und richtete ihre Kleidung.

Kurz darauf trat Draco um einiges weniger ungelenk aus dem Kamin.

Sie befanden sich in einem kleinen Pub. Er wirkte viel schäbiger als der Tropfende Kessel und Amelia fragte sich, wie es die Malfoys in eine solche Gegend verschlagen konnte. Die Tische standen in kleinen Nischen und Amelia konnte vereinzelte Leute sehen, die im Schatten verborgen waren. Einer von ihnen winkte den Wirt, einen dürren hochgewachsenen Zauberer zu sich und Amelia stockte der Atem, als sie die geschuppte Pranke unter dem Zauberumhang sehen konnte.

Schnell führte Mr Malfoy sie hinaus, in eine dunkle Straße. Die Nokturngasse vermutete Amelia.

Die Nokturngasse sah ganz anders aus als die Winkelgasse stellte Amelia fest. Sie war enger und dreckiger, das Sonnenlicht berührte kaum den Boden. Es trieben sich auch viel weniger Leute hier herum und die, die man zu sehen bekam, wandten den Blick ab, sobald man sie ansah. Doch den größten Unterschied machten wohl die Geschäfte aus, die es hier gab. Sie schienen sich ausschließlich mit den dunklen Künsten zu befassen und ihre Blicke wanderten von giftigen Kerzen auf der einen Seite zu Schrumpfköpfen auf der anderen Seite der Gasse.

Als Draco interessiert vor einem Laden stehen blieb wies Mr Malfoy sie an, in seiner Nähe zu bleiben und nicht zu trödeln.

„Dies ist kein ganz ungefährlicher Ort, ihr solltet nicht mehr Aufmerksamkeit als nötig auf euch ziehen", hatte er gesagt und sie zu dem wohl größten Geschäft in dieser Gasse geführt. Borgin & Burkes hieß es über dem Ladeneingang.

Die Ladentür öffnete sich und sie traten in einen düsteren Verkaufsraum. Überall lagen die kuriosesten Objekte herum. Ein blutiges Päckchen Spielkarten thronte auf einem samtenen Kissen und in einem Glaskasten lag eine abgetrennte menschliche Hand.

Fasziniert blickte Amelia sich um, und bemerkte, dass Draco nicht minder interessiert war.

Mr Malfoy ging zum Tresen und klingelte nach dem Ladeninhaber, währenddessen machte es Amelia Draco gleich und schaute sich die verfluchten Kostbarkeiten an.

„Glaubst du, die würde deiner Tante gut stehen?", flüsterte Draco gehässig und deutete auf ein wunderschönes Opalhalsband. An das Halsband war ein kleines Kärtchen geheftet: Vorsicht: Nicht berühren. Verflucht! Hat bis heute 19 Muggelbesitzer das Leben gekostet.

Amelia grinste Draco zu.

Ein buckliger Mann erschien hinter dem Ladentisch und begrüßte Mr Malfoy schleimig.

Als er Amelia erblickte weiteten sich seine Augen überrascht.

„Es ist mir eine Ehre Sie hier begrüßen zu dürfen Miss Potter", sagte er und ging um den Ladentisch herum, um Amelia die Hand zu schütteln. Seine Augen wanderten über Amelias Gesicht und blieben mit sensationsgierigem Blick an ihrer Narbe hängen.

Als der heruntergekommene Mann näher trat, drang ein widerwärtiger Gestank nach Moder und Verwesung in Amelias Nase. Am liebsten wäre sie einen Schritt zurück getreten. So jedoch drängte sie ihre Übelkeit herunter und zwang ein angedeutetes Lächeln auf ihre Lippen.

„Freut mich ebenso", sagte Amelia und lies zu, das ihre Hand geschüttelt wurde.

„Nun, Mr Borgin, ich hätte ein paar geschäftliche Dinge mit Ihnen zu besprechen", unterbrach Dracos Vater die eingetretene Stille und zwang Mr Borgin dazu, von Amelia abzulassen.

Amelia fing Dracos süffisantes Lächeln auf und verdrehte genervt die Augen während Mr Borgin zurück hinter den Tresen eilte.

„Was kann ich für Sie tun, Mr Malfoy? Haben Sie vielleicht Interesse an-"

„Ich habe heute kein Interesse an Ihren Waren, viel eher möchte ich Ihnen etwas verkaufen", unterbrach Dracos Vater den Ladenbesitzer und zog eine Pergamentrolle hervor.

„Sie haben bestimmt mitbekommen, dass das Ministerium in letzter Zeit Hausdurchsuchungen in immer größerem Ausmaß durchführt, und ein paar der Gegenstände auf dieser Liste würden Fragen aufwerfen, wenn sie in meinem Haushalt gefunden werden würden" Dabei klopfte Mr Malfoy auf die Pergamentrolle.

„Es ist eine Unverschämtheit, das das Ministerium sich anmaßen würde, Sie zu stören, Sir."

„Zu meinem Bedauern zählt das richtige Blut immer weniger in der heutigen Gesellschaft", erwiderte Mr Malfoy und Draco stieß Amelia in die Rippen, um ihr etwas zu zeigen.

„Ist das nicht Hagrid?", wisperte er ihr zu und deutete aus dem Schaufenster.

Tatsächlich konnte Amelia die riesenhafte Gestalt erkennen, die sich ihren Weg durch die Gasse bahnte. Seit sie seinen Drachen im verbotenen Wald ausgesetzt hatte, hatte sie nichts mehr mit ihm zu tun gehabt.

„Was der wohl hier macht?", erwiderte Amelia und musterte den Wildhüter interessiert.

„Draco, Amelia, lasst uns gehen. Ich bin hier fertig", unterbrach Mr Malfoy ihr Geflüster und unter vielen Verbeugungen seitens Mr Borgin verließen sie den Laden.

Gemeinsam machten sie sich auf den Weg die Straße hinunter bis Amelia in der Ferne Gringotts sehen konnte. An einer kleinen unscheinbaren Gabelung mündete die Nokturngasse in die Winkelgasse und gab den Anblick auf das geschäftige Treiben in der lange Straße preis.

Vor Flourish & Blotts war das Gedränge am schlimmsten und ein großes Banner im ersten Stock verkündete den Grund.

GILDEROY LOCKHART

signiert seine Autobiographie

ZAUBERISCHES ICH

Heute von 12 Uhr 30 bis 16 Uhr 30

Viele Hexen mittleren Alters quetschten sich um den Eingang und versuchten sich in den Laden zu drängeln.

„Nun, da haben wir uns wohl gerade den richtigen Zeitpunkt ausgesucht, um eure Schulbücher zu besorgen", meinte Mr Malfoy und lotste Amelia und Draco ins Ladeninnere. Wie er es schaffte ohne allzu viel Gedrängel an den ganzen Hexen vorbeizukommen konnte Amelia allerdings nicht enträtseln.

Am anderen Ende des Ladens saß Gilderoy Lockhart. Er hatte blonde Haare und weiß blitzende Zähne. Überall um ihn herum strahlten weitere Lockharts aus vielen Bildern zu den wartenden herunter oder beobachteten wie der Zauberer ein Buch nach dem Anderen mit einem großen Pfauenfederhalter signierte.

Mr Malfoy wartete an der Treppe ins nächste Stockwerk während Draco und Amelia sich nach vorne kämpften, um ihre Schulbücher von riesigen Stapeln mit lächelnden Lockharts zu holen.

Ein kleiner Mann drängte sich mit einer großen schwarzen Kamera an ihnen vorbei und begann Bilder zu schießen, und bei jedem Bild stieß die Kamera purpurrote Rauchwolken aus die die Menge einhüllten.

„Aus dem Weg, ich bin vom Tagespropheten", sagte er immer wieder und Draco machte gerade noch einen Schritt zur Seite, ansonsten hätte er den Ellenbogen des Reporters in den Magen bekommen.

„Manche Leute haben kein Benehmen", zischte Draco und schnappte sich missmutig Gammeln mit Ghulen von einem weiteren Stapel mit Lockhart Büchern.

Gilderoy Lockhart lächelte den Reporter an und sein Blick fiel dabei vorbei an Draco direkt auf Amelias Gesicht und Amelia bemerkte den allgegenwärtigen Blick auf ihre Narbe.

„Das ist doch nicht etwa Amelia Potter!", rief er aus und war mit ein paar Schritten bei ihr und zog sie nach vorne.

In der Menge brach Geflüster aus und alle begannen zu klatschen, als Amelia neben Gilderoy Lockhart am Tisch stand und von ihm wild die Hand geschüttelt bekam.

Der Reporter schien begeistert zu sein und machte noch ein paar Schnappschüsse.

„Lächeln Amelia, immer schön in die Kamera lächeln", sagte Lockhart und strahlte dabei in die Menge, „Zusammen schaffen wir es auf die Titelseiten." So ein Aufschneider schoss es Amelia durch den Kopf. Kein Wunder das Mrs Malfoy ihn nicht mochte. Sie versuchte sich loszureißen und diesem Theater zu entkommen. Gerade wollte sie etwas weniger nettes sagen, als Lockhart sich an die Menge wandte.

„Meine Damen und Herren", rief Gilderoy Lockhart laut und gebot Ruhe.

„Dies ist ein überaus bewegender Augenblick für mich und genau der Richtige Zeitpunkt, etwas Außergewöhnliches bekannt zu geben", noch einmal lächelte er in die Menge.

„Als die junge Amelia Potter heute zu Flourish&Blotts kam, um meine Autobiographie zu kaufen, die ich ihr natürlich gerne schenke", Beifall brandete auf, „war ihr nicht klar, dass sie bald viel mehr als nur mein Buch Zauberisches Ich bekommen würde. Ja, Liebe Zauberer und Hexen, Ihre Mitschüler und Sie bekommen bald mein wirkliches zauberisches Ich. Ich freue mich Ihnen mitteilen zu können, dass ich ab diesem September den Platz als Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste an der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei antreten werde!"

Die Menge klatschte begeistert Beifall und Amelia riss sie von Lockhart los, bevor dieser noch etwas tun konnte. Schnell drückte sie sich durch die Menge und gab Draco mit einer Kopfbewegung zu Verstehen ihr zu folgen.

„Das war mal ein Auftritt", grinste Draco sie an, kassiert jedoch nur einen säuerlichen Blick seitens Amelias.

„Das war sicher genau nach deinem Geschmack was, Potter", hörte sie eine bissige Stimme von der Seite. Genervt verdrehte Amelia die Augen bevor sie sich zu dem Störenfried umwandte.

„Weasley!", seufzte sie. Die Slytherins waren im letzten Schuljahr immer wieder mit den Gyffindors aneinander geraden und Amelia musste zugeben, dass sie nicht ganz unschuldig daran gewesen war. Sie hatte den anderen Slytherins beweisen wollen, dass sie eine von ihnen war. Was ihr auch mehr las gelungen war.

„Spar dir deinen Neid, Weasley. Deine Bücher wirst du dir davon auch nicht kaufen können", sagte Draco hochnäsig.

„Ich habe wenigstens Eltern die mir meine Bücher kaufen und muss mich nicht durch schnorren", fauchte Ron Weasley Amelia an und lief rot an.

„Naja, ich glaube bei seiner Visage würde nicht mal Berühmtheit helfen", feixte Draco und Amelia lachte.

Weasley lief noch röter an, wenn dies überhaupt noch möglich war. Ein kleines Mädchen trat neben ihn, auch sie hatte rotes Haar und einen schäbigen Kessel in der Hand.

„Ron, alles okay?", fragte sie und musterte Amelia und Draco neugierig.

„Deine Schwester Weasley? Muss sie ja sein, bei dem Aufzug", lachte Draco, doch Ron Weasley schien der Geduldsfaden zu reißen. Mit einem lauten Fluch stürzte er sich auf Draco und versetzte ihm einen Kinnhacken.

Im ersten Moment war Amelia zu perplex um zu reagieren, doch Draco warf den anderen Jungen von sich runter und versetzte ihm einen Tritt in die Magengegend.

„Ron. Was ist hier los!", hörte sie eine zornige Stimme. Und ein großer dünner Mann mit ebenfalls rotem Haar trat zu ihnen. Das musste wohl Mr Weasley sein. Jedenfalls sah er Ron Weasley ziemlich ähnlich. Mit einem Schritt war er neben seinem Sohn und Draco stand gemächlich auf und klopfte sich den Dreck vom Umhang. Sie bemerkte wie er verstohlen sein Gesicht betastete. Ron Weasley schäumte vor Wut, als er sich den Bauch haltend, wieder auf den Beinen stand.

„Schön, schön, schön. Arthur Weasley", mit höhnischem Blick erfasste Mr Malfoy die Situation und baute sich direkt vor Mr Weasley auf.

„Malfoy", nickte dieser mit kühler Miene Dracos Vater zu.

„Viel Arbeit im Ministerium wie ich höre. Diese ganzen Hausdurchsuchungen und all das…", mit abschätzigen Blick nahm er eines der Bücher aus dem Kessel des kleinen Weasely Mädchens.

„Offensichtlich nicht", sagte Mr Malfoy und betrachtete die ramponierte Ausgabe von Verwandlungen für Anfänger. „Was nützt es einem, eine Schande für die Zauberwelt zu sein, wenn man noch nicht mal gut dafür bezahlt wird."

Mr Weasley begann immer röter anzulaufen bei Mr Malfoys Ausführungen. Die beiden Väter glichen den Söhnen sehr.

„Wir haben eine sehr unterschiedliche Meinung darüber, was eine Schande für die Zauberwelt ist", zischte Mr Weasley.

„Eindeutig", sagte Mr Malfoy und betrachtete abschätzig die gebrauchten und geflickten Kleider der Weasley Familie. „Mit solchen Sachen würde ich mich noch nicht einmal auf die Straße trauen."

Mit einem höhnischen Grinsen warf er dem Weasley Mädchen das ramponierte Buch zu.

„Aber etwas besseres habt Ihr kaum verdient, wenn man sich dermaßen in den Dreck herablässt"

Amelia und Draco folgten Mr Malfoy aus dem Laden.

„Miese Blutsverräter", sagte Draco verächtlich.

„Was haben die Weasleys mit den Hausdurchsuchungen zu tun?", fragte Amelia leise.

„Er arbeitet im Büro gegen den Missbrauch von Muggelartefakten. Das ist ein winziger Teilbereich der Abteilung für magische Strafverfolgung, die sich einzig und alleine dem Schutz von Muggeln gewidmet hat", erklärte Lucius Malfoy.

„Nicht mal Streiche darf man spielen", sagte Draco. „Sie haben Tante Elladora mal dran bekommen, weil sie ihren Muggelnachbarn eine Schere geschenkt hat, die ihnen die Finger abschnitt. Dabei war es nur ein Scherz."

Amelia verkniff sich alles Weitere. Für Zauberer waren ein paar abgeschnittene Finger nicht so schlimm. Sie wuchsen rasch nach. Aber für Muggel konnte das dramatisch sein. Doch Amelia brauchte die Malfoys, wenn sie nicht zurück zu den Muggeln wollte, und sie mochte Draco. Er war für sie da gewesen, als sie ihn gebraucht hatte. Ohne ihn, wäre sie niemals bis zu Quirrel gekommen.

Also folgte sie Vater und Sohn und hörte zu wie sie zusammen gegen Arthur Weasley und die Muggel wetterten. Fast wären sie an Madam Malkins vorbei gelaufen.

Nachdem sie alles erledigt hatten, ließ Mr Malfoy ihre Einkäufe von Dobby zum Landsitz bringen, bevor sie hinterher flohten.

Nachwort:

Ob jemand die Andeutung mit den Prewetts verstanden hat? War aber auch nicht sonderlich subtil.

Aber wenigstens ist jetzt Snapes kleines Feriengeschenk erwähnt worden. Ich fand es passt, das Amelia weiß, wo ihre Grenzen in den Ferien sind.

Ich hatte ehrlich überlegt, ob Lucius seinem Sohn erzählt, wie die Spur funktioniert. Es passt zu den Malfoys immer alles zu wissen.

Aber dann dachte ich an Snape. Er, der schon viele Flüche kannte, als er nach Hogwarts kam hat sich bestimmt nicht an irgendwelche Verbote gehalten. Es gab in seiner Familie wohl Probleme mit seinem Muggelvater. Amelia hat ebenso wie er Probleme mit ihren Muggelverwandten. Er kann ihr in den Ferien nicht helfen, vielleicht ist das seine Art ihr zu helfen. Eine Möglichkeit sein Gewissen zu beruhigen.