Kapitel 4 - Selbstvertrauen
Eigentlich waren Ferien doch nicht so schlecht, fand Amelia. Ab und zu kamen Freunde oder Bekannte der Malfoys vorbei, aber Amelia hatte nicht viel mit ihnen zu tun. Sie verbrachte viel Zeit mit lernen, doch immer wenn sie Draco suchte, fand sie ihn auf seinem Besen wie er über das Anwesen jagte. Als sie ihn fragte, warum er so besessen vom Fliegen sei, sagte er:
„Ich möchte in die Hausmannschaft von Slytherin, aber als Zweitklässler habe ich es bei der Bewerbung schwer. Deshalb übe ich jetzt."
„Du magst Quidditch wohl sehr."
„Ja, schon. Mein Cousin spielt professionell für Irland. Er ist in der Nationalmannschaft. Finbar Quigley. Er ist der Sohn von der Schwester meines Vaters. Sie leben in Irland deshalb haben wir nicht viel mit ihnen zu tun.", erklärte er.
„Weißt du ich habe mit meinem Vater gesprochen, wenn ich aufgenommen werde, kauft er der Quidditch Mannschaft von Slytherin neue Besen. Dann nehmen sie mich sicher."
Missbilligend sah Amelia Draco an.
„Das hast du gar nicht nötig", sagte sie ungehalten.
„Aber wenn ich es sonst nicht schaffe?", fragte er betrübt.
„Du solltest ein bisschen mehr Selbstvertrauen haben", erwiderte sie scharf.
„Ach ja?!", rief er aufgebracht und sprang auf. Wütend warf er seinen Nimbus 2001 auf den Boden. „Ich bin nicht du, ich bin nicht so begabt. Dir fällt alles zu. Meine Noten sind maximal Mittelmaß. Meine Familie ist nur reich. Das was mir an Talent fehlt kann ich mir nur durch Geld holen! Ich habe nicht dein Selbstbewusstsein."
Doch nun war Amelia wirklich wütend.
„Glaubst du mir fällt alles von allein zu? Ich bin bei Muggeln aufgewachsen", schrie sie. All die Frustration des vergangenen Jahres schien aus ihr heraus zu brechen.
„Mein Leben lang wurde ich von meinem fetten Muggel Cousin drangsaliert. Meine Tante hat mir gesagt meine Eltern wären betrunken bei einem Unfall ums Leben gekommen. Ich habe alte abgetragene Sachen von meinem Cousin gehabt und hatte keine Freunde. Alle haben mich gehänselt und meinen Verwandten hat es Spaß gemacht mich nieder zu machen!" Amelia liefen Zornestränen über die Wangen, doch sie holte nur Luft und ihre Stimme zitterte vor Wut.
„Ich habe nur nie aufgegeben. Ich habe nichts außer meinem Willen. Ich musste mir meine eigene Welt erschaffen, eine Welt in der auch ich das Recht auf Existenz habe. Du hast all das in die Wiege gelegt bekommen! Alle unterstützen dich und du fragst mich, an der alle gezweifelt haben, woher ich mein Selbstbewusstsein nehme? Was für eine Wahl hatte ich denn?! Wenn ich nicht gut wäre, würden mich alle verachten!"
Draco sah sie fassungslos an, doch Amelia drehte sich auf dem Absatz um und ging erhobenen Hauptes zum Herrenhaus.
In ihrem Zimmer angekommen schlug sie die Tür hinter sich zu und warf sich weinend aufs Bett. Eristik schlängelte sofort zu ihr und Amelia klagte ihm ihr Leid. Eristik war ihr einziger Freund… Alle drei Köpfe zischten ihr liebevolle Bemerkungen zu. Dann gerieten sie in einen Streit was für ein Dummkopf Draco doch sei und Amelia musste lachen.
Sie hatte die Beherrschung verloren. Das hätte nicht passieren dürfen.
Sie begegnete Draco erst zum Frühstück am nächsten Morgen wieder, doch er sah sie nicht mal an, so verschwand sie ohne ein weiteres Wort zurück in ihr Zimmer.
Amelia konnte sehr dickköpfig sein. Trotzdem bereute sie es, sie hätte nicht so wütend werden sollen. Sie hatte die Kontrolle verloren und das durfte ihr nicht passieren. Sie riskierte damit ihre Freundschaft. Aber wollte sie solche Freunde überhaupt?
Dracos Schwäche, sich einfach hinter dem Geld zu verstecken, machte sie wütend. Draco war besser als das, das wusste sie. Sie hatte es gesehen, als sie zusammen unter dem Schloss gewesen waren. Er konnte so viel mehr sein, er musste es nur wollen.
Es war früher Abend, Amelia saß auf ihrem Bett und war in eine Meditationsübung versunken als ein mulmiges Gefühl sie überkam. Es konnte nicht von ihr kommen, in ihr war nichts. Ein Gefühl des schlechten Gewissens überkam sie, aber es fühlte sich so fremd an. Die Irritation löste ihre Meditation und sie schlug die Augen auf. Draco saß auf dem Bett ihr Gegenüber.
Er flüsterte etwas. Fragend hob sie ihre Augenbraue und sah ihn kalt an.
„Es tut mir leid, okay?", sagte Draco und stand auf um ihr den Rücken zuzuwenden. Es musste ihn ziemlich viel Überwindung gekostet haben. Sie konnte sich nicht erinnern, dass Draco sich jemals für etwas entschuldigt hatte.
„Ich hätte dich nicht anschreien sollen", erwiderte Amelia ruhig, aber noch immer kalt.
„Nein, du hattest Recht. Ich hab meinem Vater gesagt, dass ich das auch so schaffe mit der Hausmannschaft." Draco warf ihr einen undefinierbaren Blick zu.
„Er war stolz auf mich."
Amelia lächelte. Sie war auch stolz.
„Du wirst sehen, dass du alles schaffen kannst, dass du nur willst." Draco nickte, aber es wirkte noch nicht wirklich überzeugt.
Enthusiastisch sprang Amelia auf. Sie war stets eine Frau der Tat gewesen. Wenn sie handeln konnte, fühlte sie sich gut. „Komm, dann lass uns trainieren gehen, damit du es auch wirklich schaffst. Von nichts kommt nichts."
„Danke", sagte Draco Malfoy und lächelte sie schüchtern an.
Zusammen machten sie sich auf den Weg nach draußen.
Die restlichen Ferien verbrachten sie fast nur im Freien. Wenn sie nicht gerade Benimmunterricht hatten, saß Amelia an einem Tisch auf der Veranda und lernte oder schoss mit Draco durch die Luft, der wie besessen trainierte. Seinen Klavierunterricht hatte er nach einem heftigen Streit mit seinen Eltern geschmissen. Wider Erwarten hatte sich Mr Malfoy auf die Seite seines Sohnes geschlagen.
Leider endeten die Ferien viel zu schnell und ehe Amelia sich versah, saß sie schon im Hogwarts-Express.
Dobby bugsierte ihre schweren Koffer in den Zug. Während Draco sich von seinen Eltern verabschiedete, saß Amelia im Zugabteil und drehte ihren Zauberstab in den Fingern. Sie hatte das Zaubern in den Ferien so vermisst. Auch wenn sie sich ab und zu über dieses kleine Verbot hinweggesetzt hatte. Alles dank Snapes Hilfe.
Mit einem tiefen Seufzen betrachtete sie all die Schüler die sich von Ihren Eltern verabschiedeten und in den Zug stiegen. Die fröhlichen Gesichter, wenn sie Freunde wiedertrafen und sich auf das kommende Schuljahr freuten.
Amelia wurde ein bisschen bange, als sie an die Schule dachte. Sie hatte dieses Jahr viel vor. Es ging nicht mehr nur darum gut in der Schule zu sein. Es ging darum sich verteidigen zu können. Als sie Voldemort Ende letzten Jahres gegenübergestanden hatte, hatte sie sich trotz ihrer Okklumentik angreifbar gefühlt, ausgeliefert. Sie musste stärker werden, stark genug, dass sie ihn nicht mehr zu fürchten brauchte. Sie wusste das dies ein utopischer Gedanke war, aber sie wusste, wenn sie es nicht wenigstens versuchte, würde sie in ihrer Angst ertrinken.
Sie hatte Unmengen an Zauberbüchern in den Ferien gewälzt, über Duelle gelesen und sogar in Magie ist Macht geschaut, das seltsame Buch, dass sie zum Geburtstag bekommen hatte.
In ihm war Magie anders beschrieben. Es strotzte nur so vor Macht und Amelia fand den Titel recht passend. Sie brannte darauf diese Zauber zu üben. Sie würde sich nicht von ihrer Angst besiegen lassen und schon gar nicht von Voldemort.
Entschlossen reckte sie das Kinn und beobachtete wie Draco mit Gregory in den Zug stieg.
Der Hogwarts-Express fuhr an und immer mehr Slytherins sammelten sich in ihrem Abteil. Kurz nach der Abfahrt stieß Vincent zu ihnen und bald darauf kam Daphne mit Blaise, der ihnen von seinem Urlaub in Italien erzählte, wo er mit seiner Mutter gewesen war. Als der Süßigkeitenwagen kam trafen sie Pansy und Millicent.
Die Abteiltür stand noch offen, als Amelia einen Blick auf die beiden Weasley Zwillinge erhaschte. Sie waren nicht nur die Treiber von der Gryffindor Quidditchmanschafft, sondern auch die Söhne von diesem Blutsverräter Weasley.
Draco konnte einfach nicht widerstehen.
„Na Weasley's", rief er ihnen süffisant hinterher. „Hat das Geld doch noch für die Schulbücher gereicht?"
Die beiden Zwillinge hielten inne und drehten sich zu Draco um. Ihre Mienen verdüsterten sich.
„Sieh einer an, die Schlangengrube-", sagte der eine Zwilling.
„-und mittendrin die Oberschlange.", fügte der Zweite hinzu. Doch sie wandten sich nicht an Draco der gesprochen hatte, sondern an Amelia, die direkt neben ihm stand.
Die Weasley Zwillinge hassten sie und so ganz unschuldig war Amelia nicht daran. Letztes Jahr hatte sie dafür gesorgt, dass die Beiden auf einer Ihrer nächtlichen Touren von Professor Snape und Filch dem grimmigen Hausmeister erwischt wurden und nicht nur einen Haufen Hauspunkte verloren, sondern auch eine ganze Menge Strafarbeiten bekamen. Professor Snape war nicht dafür bekannt besonders gnädig zu sein, solange man kein Slytherin war.
„Ihr solltet erst mal einen Ratgeber durchsehen, bevor Ihr auf Schlangenjagd geht, sonst geht ihr selbst in die Falle, wie sich gezeigt hat", sagte Amelia unbeeindruckt. Amelia hatte wenig Lust sich zu streiten. Aber manchmal reizte es auch sie, die Weasleys etwas zu ärgern. Sie reagierten so herrlich ungehalten.
„Glaub bloß nicht, dass du damit so einfach durchkommst", knirschte einer der Weasleys.
„Aber, aber", sagte Amelia und verlagerte ihr Gewicht. Den Zauberstab lässig in der Hand haltend,
„Ich BIN damit durchgekommen."
„Glaubst du!", der eine der Weasleys hob seinen Zauberstab, doch Amelia war darauf vorbereitet gewesen und warf sich auf den Boden bevor der Fluch sie treffen konnte. Draco drückte sich an die Wand und die anderen Slytherins schrien überrascht auf.
Mit einem gekeuchten Fluch schleuderte sie den Weasley aus dem Abteil, wo er auf der anderen Seite des Ganges liegen blieb.
„Fred!", rief sein Bruder und rannte zu ihm. Amelia nutzte die Gelegenheit und sprang wieder auf die Beine.
Kühl blickte sie zu den Zwillingen hinüber.
„Alles okay, Amelia?", fragte Draco erschrocken.
Doch Amelia hatte keine Gelegenheit zu antworten.
„Protego", rief sie gerade noch rechtzeitig, bevor der andere Zwilling einen Zauber auf sie schleuderte. Der rote Schild baute sich um sie auf und ließ den Fluch abprallen. Blaise schaffte es gerade noch so, sich in Sicherheit zu bringen, bevor der Zauber in seinem Sitz einschlug.
Der Lärm hatte andere Schüler aus den umliegenden Abteilen aufgeschreckt und schon bald bildete sich eine Traube um die Duellierenden.
Amelia schaffte es knapp einen zweiten Fluch abzuwehren, als ihr Verstand analysierte, was ihr der Gegner voraus hatte. Sie mochte zwar mehr Flüche kennen als die meisten in ihrem Alter, aber ihr fehlte die Erfahrung, wie ihr Gegenüber reagieren würde.
Sie schleuderte dem Weasley gerade noch einen letzten Fluch entgegen, dem dieser knapp ausweichen konnte, als eine schneidende Stimme das Duell unterbrach.
„Was geht hier vor!" Noch ein Weasley drängte sich durch die Menge. Es war einer der Vertrauensschüler von Gryffindor.
„George was machst du da!" rief er und stellte sich mitten zwischen Amelia und seinen Bruder, als wolle er sie beschützen. George funkelte ihn wütend an. „Weg da", knirschte er.
„Sofort aufhören damit", rief der Vertrauensschüler mit aufmerksamkeitsheischender Stimme. „Ich bin Vertrauensschüler, alle wieder zurück in ihre Abteile!" Ein paar trollten sich doch die Meisten wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen.
Mit einem kühlen zufriedenen Lächeln ließ Amelia den Zauberstab sinken, ihre Gegner taten es ebenso. Der Weasley war genau im richtigen Augenblick aufgetaucht. Es war nur zu ihrem Vorteil, wenn sich die Situation jetzt entschärfte. Sie war mehr eskaliert als sie erwartet hatte.
„Hast du was abbekommen?", fragte Draco und stellte sich neben sie. Sie schüttelte unmerklich den Kopf und beobachtete wie sich die beiden anderen zu dem immer noch am Boden liegenden Bruder bückten, der nur schwach nickte und sich auf die Beine ziehen ließ. Überall auf seinem Gesicht sprossen kleine Tentakeln hervor.
„Das wird ein Nachspiel haben", verkündete der Vertrauensschüler gewichtig. „Ich werde sobald wir in Hogwarts sind sofort einen Lehrer verständigen. Duelle im Zug sind verboten!"
Amelia schnaubte nur verächtlich. Der Zwilling wollte schon feixen, als der ältere Bruder auch ihn mit scharfem Blick bedachte „Und zwar für Beide!"
„Aber ich bin dein Bruder!", rief dieser empört. Die beiden Geschwister begannen sich zu streiten und die Schülerschar löste sich auf, nachdem der spannende Teil vorbei war.
„Was für ein Aufschneider", sagte Draco und machte das Abteil zu. Amelia setzte sich wieder auf ihren Platz. Es hatte unerwarteter weise Spaß gemacht. Es war gar nicht so schlecht derjenige zu sein, der stärker war.
„Das war echt krass, Amelia", sagte Blaise und sah sie bewundernd an.
„Das ist unsere Amelia", grinste Daphne und bediente sich aus der Dose mit Schokokeksen die Pansy mitgebracht hatte.
Amelia lächelte kühl. „Die werden sich in Zukunft zweimal überlegen, ob sie uns ärgern wollen." Dieses Spiel konnte nur so lange gut gehen, solange sie die beste war. Sie durfte sich keine Schwäche erlauben.
Langsam wurde es dunkler und der Hogwarts-Express fuhr in den Bahnhof in Hogsmeade ein.
Auf der einen Seite rief Hagrid die Erstklässler zusammen, doch Amelia und die anderen Slytherins wurden in die entgegengesetzte Richtung gedrückt, wo fast hundert Kutschen standen und vor sie alle waren pferdeähnliche Wesen gespannt.
Tatsächlich hätte Amelia sie nicht anders beschreiben können. Nur das sie kein Fleisch zu haben schienen, sondern ihre reptilienartige Haut direkt auf die Knochen gespannt zu sein schien. Eines schüttelte seine großen ledrigen Flügel und stierte Amelia aus seinen weißen Pupillen an.
„Wow", flüsterte sie und starrte die Pferde an. Magische Wesen hatten sie schon immer fasziniert.
„Hey, Amelia geh weiter", sagte Draco, der von hinten an sie stieß.
„Drängle nicht so", sagte sie und ließ sich weiter treiben bis sie in einer Kutsche Platz nahmen. Blaise und Daphne quetschten sich zu ihnen und schon bald setzten sich die Kutschen in Bewegung.
Amelia hätte zu gerne gefragt, was das für Wesen waren, aber ihre Angewohnheit den Slytherins besser keine Fragen zu stellen hielt sie davon ab. Sie sollte wohl Hagrid in nächster Zeit einen Besuch abstatten. Diese Pferde waren zwar nicht unbedingt hübsch, aber sie hatten ihre ganz eigene Faszination auf Amelia.
Die Kutschen fuhren zum Schlossportal und sie stiegen aus. Gerade wollte Amelia in die große Halle gehen, als eine barsche Stimme rief:
„Miss Potter, auf ein Wort bitte!" Amelia drehte sich um und sah ihren Hauslehrer Professor Snape. Direkt neben ihm stand Professor McGonagall die Hauslehrerin der Gryffindors und bei ihr die grimmig dreinblickenden Weasley Zwillinge. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie die Lehrer erblickte. Sie mochte Professor Snape, er hatte ihr im letzten Schuljahr Unterricht in Okklumentik gegeben. Professor McGonagall hingegen war es gewesen, die ihr erzählt hatte, dass sie eine Hexe war. Zudem unterrichtete sie Amelias Lieblingsfach und sie verstanden sich blendend.
Sie gab Draco ein Zeichen schon mal in die Große Halle vorzugehen und trat zu den Lehrern.
„Hallo, Professor Snape, Professor McGonagall", begrüßte Amelia die beiden Lehrer.
„Nun, es gab einige Beschwerden gegen sie, Miss Potter", sagte die streng dreinblickende Hauslehrerin von Gryffindor.
„Vielleicht wollen wir das in meinem Büro klären, Minerva." Professor Snape wies ihnen den Weg in seine Büroräume und Amelia folgte ihm, unter den stierenden Blicken der Weasleys.
„Also, Minerva", sagte Professor Snape, als sie alle eingetreten waren und Snape Minerva einen Stuhl neben den seinen gezaubert hatte.
„Ich habe eine Beschwerde über sie alle bekommen. Einer meiner Vertrauensschüler hat mir von einem Duell im Zug berichtet", der stechende Blick der Hexe glitt über die drei Angeklagten Schüler vor ihr.
„Das wird sich doch sicher um ein Missverständnis handeln oder Minerva? Oder glauben sie, das eine Zweitklässlerin sich mit zwei Viertklässlern anlegt?", fragte Professor Snapes spöttische Stimme.
„Nach den Schilderungen von Fred Weasley, hat Miss Potter ihn angegriffen. Mr Weasley hat üble Fluchverletzungen davongetragen." Professor McGonagall musterte sie scharf doch sie hielt diesem Blick stand.
„Professor, warum sollte ich zwei ältere Schüler angreifen", sagte Amelia mit verständnislosem Blick. „Ich hatte nie etwas mit den Beiden zu tun."
„Mir sieht das auch eher nach einem Streich aus", sagte Snape und bedachte die Zwillinge mit einem beißenden Blick. „Nicht das es das erste Mal gewesen wäre."
Professor McGonagall musterte die beiden Zwillinge eindringlich.
„Es gab Streit, als wir unsere Schulbücher in der Winkelgasse kaufen waren. Wahrscheinlich bin ich nicht ganz unschuldig, wenn sie mich irgendwo reinreiten wollen. Arthur Weasley und Lucius Malfoy…", begann Amelia und sah schuldbewusst zu Boden. Köder ausgelegt…
„Sie brauchen mir gar nichts weiter zu erzählen Miss Potter, ich kann mir gut vorstellen was vorgefallen ist, wenn sich die beiden Streithähne begegnet sind.", sagte Professor McGonagall mürrisch und wandte sich an die Zwillinge. …und schon machte es schnapp.
„Sie beide sollten sich etwas schämen!", begann die Professorin.
„Aber Professor…", protestierte der eine Zwilling.
„Professor wir haben nicht…", begehrte der zweite Zwilling auf doch Professor McGonagall gebot ihnen mit einer Geste zu schweigen.
„Nun, Miss Potter, ich entschuldige mich, dass wir Sie vom Festessen abgehalten haben. Sie können gehen. Aber sollte mir noch einmal etwas in dieser Art zu Ohren kommen, können Sie sicher sein, das ich dies gründlicher nachprüfen werde."
„Ja, Professor", sagte Amelia erleichtert und nickte.
„Was Sie beide angeht", wandte sich McGonagall an die Zwillinge, „finde ich es unverantwortlich von Ihnen eine jüngere Mitschülerin zu schikanieren. Sollte es nun durch Zauberei oder anderweitig geschehen. Als ältere Schüler habt ihr eine Vorbildfunktion zu erfüllen."
„Ich würde sagen, Strafarbeiten und ein paar Hauspunkte sollte Sie davon abhalten in Zukunft meine Schüler in Misskredit zu bringen zu wollen", sagte Professor Snape mit giftiger Stimme.
„Ich meine Strafarbeiten sollten reichen, Severus. Schließlich hatte die Schule noch nicht offiziell geöffnet, als dieser Streich begann", erwiderte die Hexe.
„Sie beide", damit deutete sie auf die Weasley Zwillinge", melden sich nächsten Montag bei mir im Büro, dann werden wir über Ihre Strafarbeiten sprechen.
Sie können nun gehen."
Mit einer angedeuteten Verbeugung in Richtung der Lehrer verließ Amelia das Büro um sich auf den Weg zur großen Halle zu machen. Die Weasleys folgten ihr.
„Du windige kleine Schlange", zischte einer der Zwillinge und beide stierten sie böse an.
Amelia lächelte nur zuckersüß.
„Also ich bereu noch immer nichts."
Mit diesen Worten drückte sie sich in die Halle und ließ sich neben Draco auf einen Platz gleiten. Die Auswahlzeremonie hatte bereits begonnen.
„Was wollte Snape", flüsterte Draco während vorne gerade Creevey, Colin zu einem Gryffindor ernannt wurde.
„Ach wegen des Duells. Sie haben den Weasleys Strafarbeiten gegeben."
„Dir auch?"
Amelia nickte nur zu den böse dreinblickenden Zwillingen hinüber.
„Nicht doch Draco, ich bin doch eine arme kleine Zweitklässlerin, wie könnte ich zwei Viertklässler ärgern."
Die Slytherins die mit im Abteil gesessen haben begannen zu lachen.
Die erste Woche begann ganz unspektakulär. Der wolkige grautrübe Himmel begrüßte Amelia und die anderen Slytherin Zweitklässler, als sie zusammen in die Große Halle kamen. Amelia ließ sich neben Theodor nieder, der sich gerade eine extra große Portion Eier auf den Teller lud.
„Na schöne Ferien gehabt?", frage sie und langte nach dem Krug mit Kürbissaft.
„Ja ging so. Dad und ich waren in Amerika, in Bosten.", rückte Theodor mit der Sprache raus. Er war kein sonderlich gesprächiger Typ, eigentlich hatte Amelia kaum mit ihm gesprochen, außer wenn er mal wieder mit Draco Zauberschach spielte. Sie mochte ihn, auf eine unbestimmte, sympathische Weise. Seine ruhige Art gefiel ihr.
Professor Snape kam herum und verteilt die Stundenpläne und schon bald machten sich die Slytherin Zweitklässler auf den Weg zu den Verwandlungsklassenräumen, wo sie Unterricht zusammen mit den Ravenclaws hatten.
Zum Glück schien Professor McGonagall ihr nicht nachzutragen, dass sie sie um die Auswahlzeremonie gebracht hatte. Jedenfalls gab sie ihr fünf Punkte für Slytherin als sie ihr ihren Käfer zeigte, den sie in einen Knopf verwandelt hatte. Den meisten anderen erging es allerdings nicht so gut. Millicent setzte ihren Käfer in Brand und der von Draco wollte einfach nicht von seinem Käfer-Sein Abschied nehmen, sodass jetzt ein kleiner Käfer mit rundem Panzer und zwei löchern vor ihm über den Tisch krabbelte.
Danach ging es weiter zu Geschichte der Zauberei. Dem wahrscheinlich langweiligsten und sinnlosesten Fach, das in Hogwarts unterrichtet wurde.
Amelia hasste Geschichte der Zauberei und das nicht nur deshalb, weil sie darin schlecht war. Nein, sie war sogar richtig schlecht darin und sie sah nicht ein, warum sich daran etwas ändern sollte.
Also schlug sie lieber Lehrbuch der Zaubersprüche, Band 2 auf und arbeitete sich durch die Aufmunterungszauber.
Kaum hatte es geklingelt, machten sich alle auf den Weg in die Große Halle.
„Ich habe gar keine Lust auf Verteidigung gegen die Dunklen Künste", sagte Amelia, als sie sich setzte und sich den Teller mit Roastbeaf volllud.
„Unser neuer Professor ist ganz berühmt! Ein richtiger Held", schwärmte Pansy.
„Also bei mir hat er keinen sonderlich seriösen Eindruck hinterlassen", sagte Amelia und dachte an die Schulbücher zurück, die sie in den Ferien angefangen hatte zu lesen. Sie machten Geschichte der Zauberei alle Ehre und schon nach zwei Seiten war klar, dass viele Dinge so gar nicht passiert sein konnten.
„Du wirst wohl keine Wahl haben, Amelia. Heute Nachmittag Verteidigung gegen die Dunklen Künste mit den Gryffindors", sagte Draco, der seinen Stundenplan zu Rate gezogen hatte.
Daphne, Pansy und Millicent kicherten, als sie sich auf den Weg machten. Millicent fand, dass Professor Lockhart unglaublich gut aussah und Pansy meinte, er müsse so mutig sein. Ihre Mutter hatte ihr alles über ihn erzählt.
Amelia verzog sich mit Draco zusammen in die letzte Reihe, sie hatte ihm die Aktion aus Flourish & Blotts noch immer nicht verziehen.
Überall waren Bilder von Lockhart aufgestellt, die um die Wette lächelten und als Professor Lockhart selbst den Klassensaal betrat lächelte er genauso. Amelia blickte angewidert nach vorne.
„Wunderbar!", rief er. Er nahm sich eines der Bücher, die ein Gryffindor vor sich aufgestapelt hatte und sagte: „Ich", er, deutete darauf und zwinkerte wie sein Ebenbild auf dem Buchband,
„Gilderoy Lockhart, Orden der Merlin dritter Klasse, Ehrenmitglied
der Liga zur Verteidigung gegen die dunklen Kräfte und fünfmaliger Gewinner des Charmantesten Lächelns Preises der Hexenwoche, aber das ist nicht der Rede
wert. Die Todesfee von Bandon bin ich schließlich nicht losgeworden, indem ich sie angelächelt habe" Seine Zähne blitzten noch einmal um die Wette und alle Lockharts in den Bildern taten es ihm gleich. Amelia hätte am liebsten verächtlich geschnaubt.
Vielleicht lag es daran, dass sie selbst berühmt war, aber ein solches Aufmerksamkeit heischendes Benehmen fand sie einfach nur wiederlich.
„Wie ich sehe haben Sie alle meine gesamten Werke erworben, deshalb habe ich ein kleines Quiz vorbereitet, um zu sehen, wie gut Sie sich vorbereitet haben.", sagte er und verteile Aufgabenblätter.
Amelia betrachtete das Blatt und überlegte sich, ob sie die Bücher vielleicht doch hätte lesen sollen, doch die erste Frage lautete:
1. Was ist Gilderoy Lockharts Lieblingsfarbe?
Sie überflog das Blatt bis zur letzten Frage:
54. Wann hat Gilderoy Lockhart Geburtstag und was wäre
das ideale Geschenk für ihn?
Nun konnte sie sich nicht mehr zusammenreißen. Sie schnaubte verächtlich. Das war nicht sein Ernst.
Als Lockhart die Blätter wieder einsammelte hatte, hatte sie bereits das Lehrbuch der Zaubersprüche Band 2 aufgeschlagen. Sie achtete nicht wirklich darauf, was er tat. Entfernt hörte sie wie das Schlammblut Granger gelobt wurde. Dieser Lehrer konnte nichts taugen. Gedanklich schob sie dieses Fach zu Geschichte der Zauberei in die hinterste Ecke ihres Verstandes.
Irgendwann stieß Draco sie an. Sie blickte desinteressiert hoch und sah, wie Lockhart ein Tuch von einem Käfig zog.
Darunter kamen Wichtel zum Vorschein. Sie waren knallblau und rüttelten an den Gitterstäben. Sie fluchten mit hohen Stimmchen über die Schüler. Amelia fand sie lustig und wandte sich wieder dem Unterricht zu. Vielleicht war es doch interessanter als erwartet.
„Lasst uns sehen, wie Sie mit ihnen zurechtkommen.", sagte Lockhart und öffnete den Käfig. Pfeilschnell schossen die Wichtel hervor und das pure Chaos brach aus. Sie schnappten sich Tintenfässer und warfen sie umher, zogen die Schüler an den Ohren und zerbrachen die Fenster.
„Kommen Sie schon!", rief Professor Lockhart und hob seinen Zauberstab „Peskiwichteli Pesternomi!", rief er, doch nichts geschah außer, dass einer der Wichtel ihm den Zauberstab aus der Hand riss und aus dem Fenster warf. Die meisten Schüler hatten sich unter ihren Tischen versteckt. Amelia hätte das alles sehr amüsant gefunden, wenn ihr nicht gerade in dem Moment ein Wichtel ihr Zauberkunstbuch aus den Händen gerissen hätte. Sie versuchte danach zu greifen, doch der Wichtel zischte damit davon. Schäumend vor Wut zog Amelia ihren Zauberstab hervor und donnerte: „Petrificus Totalus Omnis"
Sofort fielen die Wichtel wie erstarrt zu Boden. Grimmig hob Amelia ihr Zauberkunstbuch auf und ging wütend nach vorne. Professor Lockhart kroch gerade unter seinem Pult hervor und wollte freudestrahlend auf sie zukommen, doch sie unterbrach ihn wütend.
„Wenn Sie zu unfähig sind ein paar Wichtel in Schach zu halten, dann sollten Sie Ihren Zauberstab am besten gleich dort draußen liegen lassen!" Ein paar der Schüler lachten, sogar ein paar Gryffindors waren dabei.
„Kommt!", sagte sie gebieterisch zu den Slytherins und in genau diesem Moment begann es zu klingeln. Ohne Lockhart eines Blickes zu würdigen stolzierte sie mit den Slytherins im Schlepptau hinaus. Hinter sich hörte sie noch Hermine Granger sagen: „Die soll sich hier nicht so aufspielen."
„Am Samstag ist Auswahlspiel der Hausmannschaft", sagte Draco, als sie abends im Gemeinschaftsraum zusammensaßen. Amelia hielt Eristik gerade eine wild quietschende Maus hin. Draco lenkte sie ab, sodas die Schlange die Maus erwischte und in einem verschlang.
„Mist", sagte Amelia, die sich immer einen Spaß daraus machte Eristik beim Füttern etwas mit seinem Essen spielen zu lassen.
„Mach dir keinen Kopf, Draco. Du bist sehr gut vorbereitet. Werde bloß nicht nervös, dann macht man Fehler."
„Jahhh", sagte Draco mehr als nervös. „Ich sollte dir danken, für deine ganze Hilfe."
„Bedanke dich erst wenn du in der Mannschaft bist."
Aber Draco schüttelte den Kopf.
„Es bedeutet mir viel, dass du mir das zutraust. Das ich Dinge auch allein schaffe. Dabei kann ich mich nicht mal ansatzweise mit dir messen."
„Du redest Unsinn, ich hoffe das weißt du", sagte Amelia. „Als du letztes Schuljahr mit mir da durch diese Falltür gegangen bist, da warst du mutig und hast genau so viel geleitet wie ich. Ich hätte das gar nicht von dir erwartet. Du glaubst nicht wie viel mir das bedeutet hat." Amelia wurde richtig verlegen.
„Aber wir sind doch Freunde, oder?", fragte Draco.
„Beste Freunde, Draco", nickte Amelia und musste gegen die Tränen ankämpfen. Ob Draco wusste, wie viel ihr seine Worte bedeuteten?
Am nächsten Tag hatten sie erst mal Zaubertränke. Leider wieder mit den Gryffindors. Nach dem Unterricht wartete Amelia, bis alle anderen zum Mittagessen in die Große Halle gegangen waren.
„Professor Snape?"
„Ich habe mich schon gefragt, wann sie wieder auf mich zukommen würden, Amelia", sagte er milde. Ein Lächeln schlich sich auf das Gesicht der jungen Hexe.
„Würden Sie mich weiter unterrichten? So wie letzten Jahr?", bat Amelia.
„Ich glaube nicht, dass Sie noch weiteren Unterricht in Okkumentik benötigen, Amelia. Sie sind bereits besser als jemals zu erwarten gewesen wäre."
„Ich dachte, wenn das mit der Okklumentik so gut funktioniert hat, könnten Sie mich in Legilimentik unterrichten."
Professor Snape sah sie mit undurchschaubarem Gesichtsausdruck an.
„Ich dachte mir schon, dass Sie so etwas lernen möchten. Aber Legilimentik ist noch zu schwer für Sie. In ein paar Jahren vielleicht. Was möchten Sie überhaupt damit?"
Amelia lehnte sich an das Schülerpult hinter ihr.
„Legilimentik wird in Duellen benutzt, um die Angriffe des Gegners vorauszusehen. Deshalb möchte ich es lernen."
„Glauben Sie, bald in Duelle verwickelt zu werden?"
Amelia sah Professor Snape scharf an. „Irgendwann wird der Dunkle Lord einen Weg zurückfinden. Ich habe ihn letztes Jahr gesehen, geschwächt und nahe dem Tod, aber dennoch am Leben. Ich bin nicht naiv genug zu glauben, dass es immer so sein wird."
Snape sah sie überrascht an, antwortete jedoch:
„Der Dunkle Lord ist ein mächtiger Okklumentor, sie werden keinen Duellvorteil daraus ziehen können. Mit der schwachen Legillimentik die Sie in einem Duell benutzen können, könnten Sie nicht mal den schwächsten Okklumentor durchschauen, wenn Sie nicht all Ihre Kraft darauf verwenden, egal wie gut Sie sind. Dafür müssten Sie schon richtige Zaubersprüche benutzen."
„Das weiß ich", sagte Amelia ärgerlich. „Aber der Dunkle Lord wird niemals allein sein. Es wird immer jene geben die ihm folgen. Ich habe die Zeit vor meiner Geburt studiert, damals als Lord Voldemort an der Macht war."
Professor Snape zuckte bei dem Namen zusammen und sah sie überrascht an. Sie hatte entschlossen ihr Kinn gereckt und sah ihm aus grün funkelnden Augen entgegen.
„Ich kann bereits die Gefühle Anderer spüren, wenn ich mich in Meditation befinde. Ich werde die Legilimentik meistern."
Zu ihrer Überraschung tat Professor Snape etwas, das ganz und gar untypisches für ihn. Nach einem schier endlosen Augenblick verbeugte er sich leicht vor ihr. Ihre Blicke trafen sich.
„Ich werde Sie alles lehren was ich weiß", versprach er.
Dann fuhr er in seinem typischen Lehrerton fort und der Moment war vorbei. „Aber ich verlange von Ihnen eiserne Disziplin, ich werde keine Faulheit tolerieren. Ich erwarte Sie ab jetzt jeden Sonntag und Mittwoch in meinem Büro. Es wird mehr brauchen als nur Legilimentik, wenn sie gewappnet sein wollen."
Nachwort:
Amelia möchte sich also gegen Voldemort verteidigen können. Ich glaube jeder der einen Todfeind hat möchte sich wehren können sonst gäbe es keine Selbstverteidigungskurse. Jetzt ist die Frage, warum Harry sich in den Büchern nie darum Gedanken gemacht hat, Amelia dies aber tut. Die Erklärung ist eine ganz einfache.
Harry hat Dumbledore vertraut. Er hat darauf vertraut, dass Dumbledore das Richtige tun wird, ihn beschützen wird, denn vor Dumbledore hatte Voldemort immer Angst.
Amelia hingegen vertraut Dumbledore nicht. Sie glaubt, dass auch Dumbledore Fehler machen kann, so wie er den Fehler gemacht hat, sie zu den Dursleys zu bringen. Nicht weil die Dursleys sie schlecht behandelt hätten, das ist kalkulierbar, nein sondern weil Gordon tot ist. Weil das Leben bei den Dursleys sie zerstört hat.
Dumbledore ist für Amelia menschlich, fehlbar. Etwas was Harry erst im siebten Band begreift, versteht Amelia schon jetzt, aber anders. Für Harry hat Dumbledore nie an Glanz verloren. Doch Amelia kann Dumbledore nicht beschützen, also muss sie sich selbst beschützen. So wie sie schon immer auf sich allein gestellt war.
Deshalb der Unterschied in ihrem Verhalten. Amelia wird immer weniger Harry.
