Kapitel 5 - Kriegserklärung
Als Amelia am Samstagmorgen aufwachte wäre sie vor Schreck beinah aus dem Bett gefallen. Sie war zu spät! Heute waren die Auswahlspiele der Quidditchmannschaft für Slytherin und sie hatte dabei sein wollen, um Draco Glück zu wünschen. Okay, er hatte darauf bestanden, dass sie nicht kommen sollte, aber sie hatte vorgehabt dennoch zu gehen.
Schnell zog sie sich an und hastete aus dem Gemeinschaftsraum der Slytherins. Außer Atem erreichte sie das Quidditchfeld.
Es waren nur noch ein Dutzend Anwärter da. Draco stand zwischen zwei riesenhaften Jungen aus dem vierten Schuljahr und sah neben ihnen winzig aus. Er wirkte recht gefasst, doch Amelia kannte ihn mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass das alles nur Fassade war. Vor seiner Prüfung in Verwandlung letztes Jahr hatte er genau den gleichen Gesichtsausdruck gehabt und das war sein Angstfach.
Sie kam am Rand der Tribünen an und als ein Pfiff ertönte stieß sich der nächste Anwärter vom Boden ab. Er schien recht sicher auf dem Besen, doch als Flint, der Quiddich-Kapitän der Slytherin Mannschaft ihm den Quaffel zuwarf, schaffte er es nicht ihn zu fangen. Er bekam noch zwei drei versuche, dann schickte Flint ihn vom Platz. Er trollte sich zu einer Gruppe anderer Jungen, die es wohl auch nicht geschafft hatten. Der nächste der dran kam, war der Junge aus dem vierten Jahrgang, der vor Draco stand. Amelia glaubte das er Graham Montague hieß. Er stellte sich schon deutlich besser an. Er warf den Quaffel so hart durchs Tor, das Bletchley der Hüter beinah vom Besen gefallen wäre, als er versuchte ihn zu halten. Damit durfte Montague zu zwei anderen Jungen, die er um einen Kopf überragte. Das war wohl die engere Auswahl.
Als nächstes war Draco dran. Sie drückte ihm die Daumen, als er sich vom Boden abstieß. Doch wenn sie Sorge gehabt hatte, er könnte Probleme damit haben, seinen Quaffel durch die Torringe zu bringen, dann war dies unbegründet gewesen. Flink manövrierte er den Ball an Bletchley vorbei und durfte sich ebenfalls zu Montague gesellen. Als er landete trafen sich ihre Blicke und Amelia reckte den Daumen nach oben. Draco verdrehte genervt die Augen.
Er hatte doch nicht wirklich erwartet, dass sie nicht kommen würde.
Am Ende hatten es fünf Jungen geschafft den Quaffel durch das Tor zu bringen. Unter ihnen würde sich entscheiden wer neben Flint als Jäger für Slytherin in die Mannschaft spielen durfte.
Amelia hörte nicht, was erklärt wurde. Aber schließlich schwangen sich alle auf ihre Besen.
Amelia bemerkte, dass die Klatscher losgelassen wurden und die Treiber, zwei riesenhafte Siebtklässler versuchten die anderen von den Besen zu werfen. Den Ersten erwischten sie bevor auch nur der Quaffel ins Spiel kam.
Schließlich begann der Kampf um den Quaffel. Bletchley spielte einen langen Pass zu Flint. Doch Draco preschte dazwischen, bevor die anderen größeren Jungen reagiert hatten, und warf ihn zurück an Bletchley vorbei ins Tor.
Es war ganz witzig zuzusehen. Draco hatte tatsächlich Talent fürs Quiddich. Aber es war ein deutlicher Nachteil, dass er so viel leichter und kleiner war, als seine Konkurrenz. Wo Montague einfach auf seinen Gegner zu preschte und ihm mit reiner Köpergewalt den Quaffel abnahm musste Draco es mit List anstellen. Doch er war schneller als alle anderen, was nicht nur an seiner Statur lag, sondern wahrscheinlich auch daran, dass er einen deutlich besseren Besen als die anderen Jungen hatte.
Als sie schließlich die Klatscher wieder einfingen und den Quaffel verstauten, hatte Draco trotzdem die meisten Tore geworfen, dicht gefolgt von Montague. Einer der Jungen begann wild mit Flint zu diskutieren. Amelia wusste, dass das Adrian Pucey war, der letztes Jahr als Jäger gespielt hatte. Es entstand eine kleine Diskussion in der Draco hitzig mit Pucey diskutierte und Amelia hätte nur zu gerne gewusst was gesprochen wurde. Doch was es auch immer es war, letztendlich schwangen sich sieben Jungen wieder auf ihre Besen darunter Pucey und Draco und als sie aufs Feld jagten gab Draco ihr ein Zeichen. Daumen nach oben. Er hatte es geschafft.
Mit strahlendem Gesicht kam er nach dem Training zu ihr an den Slytherintisch in der Großen Halle um sich sein Mittagessen abzuholen. „Echt gut gespielt, Malfoy", sagte Marcus Flint und klopfte ihm kumpelhaft auf die Schulter. Draco grinste breit.
„Sehr gut, es gibt heute Bratkartoffeln", sagte er und tat sich gleich welche auf.
„Ich wusste, dass du es schaffst", nickte Amelia und grinste ihn ebenfalls an.
„Hast du jemals daran gezweifelt?", fragte Draco arrogant und tat sich noch Fleisch auf.
„Keinen Augenblick", erwiderte Amelia und strahlte.
„Pucey wollte, dass ich Sucher spiele, damit er Jäger bleiben kann. Aber ich habe tatsächlich wenig Lust dazu. Ich habe eindeutig mehr Tore geschossen", erboste sich Draco noch immer gut gelaunt.
„Und auf welcher Position spielst du jetzt?", fragte Amelia.
„Ich bekomme doch immer was ich will", sagte Draco selbstsicher. „Ich bin Jäger."
Amelia schüttelte grinsend den Kopf. Sie war tatsächlich ziemlich stolz auf ihn.
Die anderen Slytherin-Zweitklässler kamen langsam hinzu und gratulierten Draco. Das Essen wurde zu einer recht lauten Angelegenheit.
„Hast du deinen Aufsatz für Geschichte der Zauberei schon fertig, Draco?", fragte Amelia, während sie an ihrem Kürbissaft nippte.
„Du solltest anfangen Geschichte selbst zu machen. Sonst wirst du nie besser darin.", erwiderte Draco.
„Ach komm schon, du weißt genau, dass ich dieses Zeug nicht kann. Darf ich ihn wenigstens mal lesen?", bat Amelia. „Ich hasse Geschichte."
Sie hatte es fast geschafft Draco seinen Aufsatz abzuschwatzen, als eine Gruppe tuschelnder Erstklässler auf sie zukam.
„Ähm…", sagte ein verschüchtert aussehender Gryffindorjunge mit mausgrauen Haaren. Hinter ihm standen noch zwei Schüler. Ein verträumt aussehendes Mädchen mit langen blonden Haaren, sie war wohl aus Ravenclaw und ein anderer Gryffindor den Amelia nicht kannte.
„Ähm…" begann der Junge erneut. Amelia verzog abschätzend das Gesicht.
„Colin möchte dich Fragen, ob er ein Autogramm von dir bekommt", sagte das Mädchen mit einer verträumten Stimme. Die gesamte Slytherinmannschaft die mit ihr am Tisch saß begann zu lachen.
„Verzieh dich", sagte Draco und wedelte mit der Hand.
„Heißt das Nein?", quiekte Colin und hob seine Kamera.
„Verzieht euch", wiederholte Amelia und wandte sich wieder ihrem Essen zu. Flint hatte sich vor Lachen an einer Kartoffel verschluckt und Pucey klopfte ihm auf den Rücken.
„Was ist denn hier los?", fragte eine Stimme und Amelia bemerkte, wie Professor Lockhart auf den Slytherintisch zueilte.
„Oh, waren Sie gerade dabei ein Foto zu machen?", fragte er als er Colins Kamera erblickte.
„Ich wollte ein Foto von Amelia Potter", sagte er verschüchtert.
„Dafür brauchen Sie sich doch nicht zu schämen! Kommen Sie, Sie bekommen nicht nur ein Foto von Amelia Potter, sondern auch von meiner Wenigkeit. Ein Doppelporträt!" Lockhart begann zu strahlen, doch als er nach Amelia griff, um mit ihr für ein Foto zu posieren, hatte diese plötzlich ihren Zauberstab in der Hand. Diesmal reagierte sie schneller als in der Winkelgasse.
„Rühren Sie mich nicht an und nein Colin, ich kann dir leider kein Autogramm geben und jetzt verschwindet", zischte sie.
Lockhart wich sofort zurück. „Aber Miss Potter, wer wird denn gleich so aggressiv werden. Ich habe da ein wunderbares Heilmittel. Dieser überaus nützliche Zauber hat auch einmal bei einer alten Hexe in Norwich gewirkt."
„Ich verzichte auf ihre Zauberkünste, Professor", Amelia spuckte das letzte Wort förmlich aus.
„So dürfen Sie aber nicht mit einem Lehrer sprechen!", sagte auf einmal Professor McGonagall.
„Verzeihen Sie, dass ich Professor Lockhart nicht sonderlich ernst nehmen kann, Professor McGonagall", sagte Amelia mit einem bissigen Unterton.
„Seien Sie nicht so streng zu ihr, Minerva. Wenn man berühmt ist, hat man immer eine schwere Vorbildfunktion zu tragen. Bestimmt glaubt sie, ihre jungen Freunde hier würden sie für ihre Aufmüpfigkeit bewundern. Welch Irrglaube meine Gute. Der Weg zum Ruhm ist mit vielen Steinen gepflastert.", sagte Lockhart belehrend.
Amelia sah ihn entgeistert an aber auch Professor McGonagall blickte verwirrt zu Professor Lockhart.
Amelia wollte etwas sagen, aber alles was ihr in den Sinn kam, war eine so große Beleidigung, dass Professor McGonagall ihr dafür Nachsitzen geben musste. Sie schaffe gerade noch ihrer scharfen Erwiderung einen Dämpfer zu verpassen.
„Dann sollten Sie in Ihrer Vorbildfunktion vielleicht die Zauber lernen, die Sie uns beibringen möchten, dann würden Ihre Studienobjekte nicht Ihren Zauberstab aus dem Fenster werfen", sagte Amelia. Die Slytherins begannen alle zu lachen.
„Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden, wir sind gerade beim Mittagessen. Colin, wenn du ein Autogramm möchtest, kannst du gerne Professor Lockhart fragen, er gibt dir sicher gerne eines. Aber ich verteile keine Autogrammkarten."
„Fünf Punkte Abzug für jeden Slytherin, der gerade gelacht hat", sagte Professor McGonagall streng „und nochmal weitere Zehn Punkte von Slytherin für ihr ungebührliches Verhalten Miss Potter", sagte Professor McGonagall.
„Das ist gerecht", sagte Amelia und nickte Professor McGonagall zu, bevor sie sich ihrem Essen zuwandte. Sie mochte Professor McGonagall, sie war zwar eine strenge Lehrerin aber immer gerecht und sie liebte Verwandlung.
Professor Lockhart schien noch etwas sagen zu wollen, doch Professor McGonagall unterbrach ihn.
„Kommen Sie mit, Gilderoy."
Als alle sich wieder ihrem Essen zugewandt hatten, sagte Amelia: „Wenn ich mit Lockhart fertig bin, packt er am Ende des Jahres freiwillig seinen Koffer"
Damit schien der Krieg eröffnet. Doch auch Professor Lockhart schien es auf Amelia abgesehen zu haben. Denn nach seiner ersten Unterrichtsstunde brachte er zwar keine lebenden Geschöpfe mehr in den Unterricht, doch spielte er immer wieder Szenen aus seinen Büchern nach und sein Lieblingsopfer war Amelia, die es immer wieder schaffte ihn unter irgendwelchen Umständen lächerlich zu machen. Professor Lockhart fehlte einfach das Durchsetzungsvermögen und so war Amelia mit ihrem Aufstand bald nicht mehr allein. Lockhart würde das Jahr nicht überstehen.
Amelia war so beschäftigt mit ihrem Sonderunterricht bei Professor Snape, ihren Übungen für die Schule und ihrem Spiel Lockhart fertig machen, dass sie gar nicht bemerkte wie schnell der erste Monat verstrichen war. Schon war Halloween und ein Fledermausschwarm begrüßte sie in der Großen Halle.
Es gab ein köstliches Festmahl und Amelia fühlte sich ziemlich überfressen, als sie sich auf dem Weg zurück in die Gemeinschaftsräume machten.
Sie wollte gerade in die Kerker hinabsteigen als sie eine komische Stimme hörte:
„Reißen ... zerfetzen ... töten ..."
„Was war das?" Amelia blieb wie angewurzelt stehen.
„Was denn? Ich habe nichts gehört", fragte Draco und lauschte angestrengt.
„... so hungrig ... schon so lange ..."
„Da war es wieder!", rief sie und rannte die Treppe hoch. Die anderen Slytherins folgten ihr.
„... töten ... Zeit zu töten …"
„Was soll das Amelia, ich höre nichts!", keuchte Daphne, die hinter ihr her rannte.
„... ich rieche Blut ... ICH RIECHE BLUT!"
Amelia rannte einen Korridor entlang und blieb mit einem entsetzten Schrei stehen.
An eine Wand war mit roter Farbe geschrieben:
DIE KAMMER DES SCHRECKENS WURDE GEÖFFNET. FEINDE DES ERBEN, NEHMT EUCH IN ACHT
„Was hat das zu bedeuten?", fragte Daphne entsetzt.
Immer mehr Schüler, die sie bemerkt hatten, trudelten ein und begannen zu flüstern. Auf einmal stürzte Filch mit einem entsetzten Schrei nach vorne.
„Meine Katze! Mrs Norris!"
Amelia hatte es gar nicht bemerkt, aber an einen Fackelhalter war Mrs Norris, die Katze von Filch dem Hausmeister gebunden, sie bewegte sich nicht.
Professor Dumbledore bereitete sich einen Weg durch die Schüler, mit einer ganzen Schar an Lehrern hinter ihm.
Er erfasste die Situation mit einem Blick und band Mrs Norris von dem Fackelhalter ab.
„Mein Büro ist das Nächste Direktor, bitte seien Sie so frei", sagte Lockhart.
„Danke Gilderoy. Argus kommen Sie mit und Sie auch Miss Potter."
Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend folgte sie Professor Dumbledore. Sie blickte kurz zurück und sah Draco der ihr ermutigend zunickte. Er sah nicht so besorgt aus wie sie erwartet hatte.
Als sie das Büro betraten, huschten die Porträts von Lockhart aus den Rahmen. Amelia konnte gerade noch einen Lockenwicklerkopf entdecken.
Professor Dumbledore legte Mrs Norris auf den Tisch und stupste sie leicht mit seinem Zauberstab an. McGonagall betrachtete die Katze ganz besorgt und Professor Snape stand mit grimmiger Miene im Schatten. Nur Lockhart hüpfte herum und gab sein Wissen zum Besten.
„Eindeutig ein Fluch, der sie umgebracht hat – vermutlich die Transmutations-Tortur, ich hab's viele Male mit angesehen, leider war ich hier nicht dabei. Ich kenne nämlich
den Gegenfluch, der sie gerettet hätte ..."
Amelia jedoch achtete auf Filch, der bei Lockharts Worten aufheulte. Sie ging zu dem Hausmeister hin, der auf einem Stuhl zusammengesunken war und hockte sich neben ihn hin.
„Mrs Norris lebt noch", sagte sie. Filch schaute auf, hoffnungsvoll.
„Reden Sie keinen Unsinn", sagte Lockhart, doch Dumbledore richtete nun seine Aufmerksamkeit auf Amelia.
„Wie kommst du darauf?", fragte er und sah sie aus unergründlichen Augen scharf an. „Bestia revelio", sagte Amelia nur und stand auf.
„Sehr schlau von Ihnen, Miss Potter", lobte Snape.
„Lebt sie wirklich, Albus?", fragte Professor McGoanagall.
„Das tut sie in der Tat."
Filch atmete hörbar aus.
„Ich habe es gewusst", sagte Lockhart
„Was fehlt ihr dann?", fragte Filch „sie rührt sich nicht."
Dumbledore runzelte die Stirn.
„Sie wurde versteinert. Es muss ein mächtiger dunkler Zauber gewesen sein. Aber wir bekommen sie wieder hin. Pomona ist gerade dabei, ein paar Alraunen zu züchten, sie wirken hervorragend gegen Versteinerungen."
„Ich will das derjenige der dafür verantwortlich ist bestraft wird!", fauchte Filch.
„Das war mächtige schwarze Magie, ich glaube nicht, dass dies ein Schüler gewesen sein kann", sagte Dunbledore und sah dabei Amelia scharf an.
„Ich war es nicht, Professor", beteuerte Amelia.
„Kannst du mir erklären, warum du hier heraufgekommen bist, anstatt in die Kerker zu gehen?", fragte Professor Dumbledore.
Amelia presste die Lippen zusammen.
„Ich habe eine Stimme gehört. Sie sprach davon jemanden zu töten. Ich bin mit den anderen hier heraufgerannt und dann kamen auch schon Sie", erzählte Amelia.
„Warum bist du nicht sofort zu einem Lehrer gegangen?", fragte Professor McGonagall.
„Keiner außer mir hat diese Stimme gehört, was wenn ich unter einem Verwechslungszauber gestanden hätte? Oder wenn, wer auch immer das war, wirklich jemanden ernsthaft verletzt hätte und ich ihm hätte helfen können?"
Filch schrie auf. „Ernsthaft verletzt! Meine Mrs Norris!" Doch Amelia ignorierte ihn.
„Ich habe gar nicht groß darüber nachgedacht. Ich bin einfach hinterhergerannt", sagte sie ehrlich.
„Kam dir diese Stimme bekannt vor?", fragte Dumbledore und Amelia verneinte.
„Aber ganz ehrlich.", sagte Amelia, als sie bemerkte, dass sie noch immer misstrauisch angesehen wurde. „Warum sollte ich ausgerechnet Mrs Norris etwas tun? Ich wurde nie unbefugt in den Gängen erwischt und habe Strafarbeiten bekommen. Sie dürften mich verdächtigen, wenn Professor Lockhart versteinert an der Wand hängen würde, aber Mrs Norris?", sagte Amelia und ein paar der Professoren begannen zu glucksen.
Lockhart wollte gerade empört etwas sagen, doch Dumbledore ließ ihn nicht zu Wort kommen.
„Geh zu Bett, Amelia. Ich glaube nicht, dass wir noch weiter deine Hilfe benötigen."
„Danke. Gute Nacht, die Professoren." Schnell machte sie sich auf den Weg in den Slytherin Gemeinschaftsraum.
Als sie in den Gemeinschaftsraum kam, war er zum Bersten gefüllt. Schnell suchte sie nach Draco und entdeckte ihn hinten in einer Ecke mit Daphne, Theodor, Pansy, Vincent und Gregory um einen Tisch sitzen.
„Gab es Ärger?", fragte Draco.
Amelia schüttelte den Kopf und zog sich einen Stuhl ran.
„Was wollte Dumbledore?", fragte Daphne besorgt.
„Nichts, sie wissen nicht wer es war. Die Katze wurde versteinert.", erzählte Amelia.
„Sie ist nicht tot?", fragte Theodor enttäuscht.
„Dann sollte sich der Erbe bei den Schlammblütern aber mal mehr anstrengen", sagte Draco gelassen.
„Ich habe das schon mal irgendwo gehört. Was hat es mit der Kammer des Schreckens auf sich?", fragte Amelia.
„Sie wird Hogwarts von all den Schlammblütern reinigen. Der Gründer unseres Hauses, Salazar Slytherin soll sie erbaut haben, bevor er Hogwarts verließ, und eines Tages soll sein Erbe kommen, um Hogwarts von Allen zu reinigen, die es nicht würdig sind Magie zu studieren.", erklärte Theodor.
„Das heißt er will sie alle umbringen?", fragte Amelia mit hochgezogener Augenbraue.
„Du bist die Erbin", sagte Pansy. „Ich meine, du kannst Parsel sowie Slytherin selbst."
Alle sahen sie neugierig an, doch Amelia schüttelte den Kopf.
„Ich bin nicht die Erbin, ich habe die Kammer nicht geöffnet. Ich meine, ich hätte vielleicht Granger an die Wand gehängt, aber was will ich mit Mrs Norris?"
Die Slytherins lachten.
„Wer war es dann?", fragte Draco. Amelia zuckte die Schultern.
„Aber es ist bestimmt einer aus Slytherin."
„Ich weiß, dass die Kammer schon einmal geöffnet wurde. Mein Vater hat mir davon erzählt", sagte Draco
„Wirklich? Wann?", fragte Amelia überrascht.
„Vor ca. 50 Jahren. Das war noch vor seiner Zeit auf Hogwarts. Aber mehr hat er mir auch nicht erzählt, nur das damals ein Schlammblut gestorben ist."
„Vielleicht hat der Vater jetzt seine Geheimnisse an den Sohn oder der Großvater an den Enkel weitergegeben und dieser hat jetzt beschlossen die Kammer nochmals zu öffnen", spekuliere Amelia. Sie rätselten noch eine Weile vor sich hin, ihr Verdacht fiel auf Wilkes, einen Jungen zwei Jahrgangstufen über ihnen, aber sein Vater war seit Jahren tot.
Überall im Schloss sprossen Gerüchte aus dem Boden, was mit Mrs Norris passiert war. Es gab welche die glaubten, es sei ein Scherz der Weasley Zwillinge, doch der weitaus größere Teil begann immer dann zu tuscheln, wenn sie Amelia bemerkten. Viele hatten die Geschichte der Kammer des Schreckens recherchiert und nun verbreitete sich die Nachricht, Amelia sei seine Erbin. Tracey Davis, eine andere Slytherin aus ihrem Jahrgang erzählte, dass die Ravenclaws sie gefragt hatten, ob Amelia wirklich eine dreiköpfige Schlange besäße. Doch Amelia scherte sich nicht wirklich darum. Sie hatte größere Probleme.
Seit sie einen gewissen Grad in der Legilimentik überschritten hatte, die sie von Professor Snape erlernte, fühlte sich ihr Kopf unendlich müde. Sie ging früh zu Bett, doch das führte nur dazu, dass sie nachts aufwachte, denn ihr Körper brauchte keinen Schlaf.
Diese Trennung von körperlicher und geistiger Müdigkeit machte sie fertig. Dazu kam noch, dass, seit sie begriffen hatte wie Legilimentik funktionierte, ihre Magie ungewollt reagierte. Manchmal reichte ihr schon die Überlegung, was ihr Gegenüber denn denken würde, schon begann sich ihr Geist zu erweitern, bevor sie es aufhalten konnte.
Aber genau an dieser Stelle lag das Problem. Sie konnte nicht kontrollieren welche Gefühle und Gedanken sie spüren wollte, so drang zu viel auf sie ein und überforderte sie.
Professor Snape hatte gesagt, dass dieser Zustand nicht lange anhalten würde und nach ein paar Tagen von allein verschwand, doch Amelia schaffte es nicht die nächste Stufe zu erreichen, in der sie Kontrolle erlangen würde.
Die Quidditch Saison brach an und Draco war fast jeden Tag draußen auf den Ländereien, um zu trainieren. Sie hatten den Quiddich-Pokal letztes Jahr an Ravenclaw verloren und jetzt kam die bittere Revanche. Alle waren davon besessen, dass der Pokal dieses Jahr wieder an Slytherin ging. Als jüngster und kleinster in der Mannschaft, sahen deshalb viele skeptisch auf Draco herab, ob er auch gut genug war. Umso stärker der Druck, umso größer wurde jedoch sein Ehrgeiz. Insgeheim war Amelia stolz auf ihn, dass er sich nicht auf den Lorbeeren seines Vaters ausruhte, der Schulbeirat war.
Es war ein nasser regnerischer Tag, an dem das erste Quiddichspiel der Saison stattfand. Slytherin gegen Gryffindor.
Die Gefühle aller Schüler waren aufgewühlt. Am liebsten wäre Amelia im Schloss geblieben, doch sie wollte bei Dracos erstem Spiel nicht fehlen. Sie hatte schon das Auswahlspiel verpasst.
Sie setzte sich zusammen mit den anderen Slytherin-Zweitklässlern auf die Tribüne. Alle um sie herum waren in silberne Schals eingewickelt und schwenkten Fahnen mit Schlangen. Doch der weitaus größere Teil trug Rot und Gold, die Farben von Gryffindor.
Eigentlich, egal worum es ging, immer waren alle gegen Slytherin. Ob das an Professor Snape lag, der die Slytherins absolut übervorteilte oder der generell etwas abweisenden Art der Slytherins vermochte sie nicht zu sagen.
Die meisten Slytherins kamen aus alten Zauberfamilien und blieben lieber unter sich, anstatt sich mit den anderen Häusern abzugeben, da sie in diesen sowieso nichts Interessantes zu finden glaubten.
Die Spieler flogen ein und unter dem strengen Blick von Madam Hooch gaben sich die Kapitäne Flint und Wood die Hand.
Die Bälle wurden freigegeben und das Spiel begann.
Die Gryffindors waren gut, sehr gut, das erkannte sogar Amelia die wenig von Quidditch verstand, doch wo es den Slytherins an Schnelligkeit fehlte, machten sie es durch ihre aggressive Spielart wieder wett. Wann immer eine der Gryffindorteiberinnen den Quaffel fallen ließ, weil sie zu hart geblockt wurde, war Draco, der flinkste und kleinste in der Mannschaft, zu Stelle, um den Quaffel möglichste schnell an Wood vorbei ins Tor zu manövrieren.
Amelia war schon heiser geschrien, als Dean Thomas, der Sucher der Gryffindors plötzlich in einen Sturzflug ging, dicht gefolgt von Terence Higgs.
Unten, auf dem Rasen glitzerte der goldene Schnatz.
Es stand 60 zu 210 wenn Higgs nun also den Schnatz fangen sollte, wäre es Gleichstand. Es würde Freistöße geben. Wenn sie es so weit kommen ließen, würden sie verlieren. Wood war ein ausgezeichneter Hüter.
Alle Slytherins schossen auf Finnigan zu, um ihn zu blocken. Genauso machten sich alle Gryffindors auf den Weg, genau dies zu verhindern.
Amelia sprang auf, um die Slytherins anzufeuern. Alle Spieler gingen in eine Kurve um zu verhindern, dass der Schnatz gefangen wurde, als plötzlich eine silbern grüne Gestallt auf das Tor der Gryffindors zuschoss. Draco packte den Quaffel und warf ihn durch die unbewachten Tore. Einen Augenblick später fing Seamus Finnigan den Schnatz.
210 zu 220 für Slytherin, die grüne Kurve explodierte.
Eine Flut aus Grün und Silber ergoss sich über das Feld, als es von jubelnden Slytherins überrannt wurde.
Amelia rannte zu Draco, um ihm zu gratulieren. Er hatte das breiteste Grinsen auf dem Gesicht, das sie bei ihm jemals gesehen hatte. Sie hätte zu gerne gewusst was er jetzt dachte…
Plötzlich begann die Welt um sie herum sich zu drehen und immer länger zu werden, als würde sie durch einen langen Tunnel rennen. Tausende Stimmen schrien um sie herum und jede von ihnen wollte zuerst erhört werden. Amelia spürte gerade noch den matschigen Untergrund, bevor sie das Bewusstsein verlor.
Als sie wieder zu sich kam, hörte sie Stimmen um sich herum, doch viel weniger und sie tuschelten eher miteinander als das sie zu ihr sprachen.
Sie spürte noch immer den kalten Matsch unter sich und den Regen, der auf sie niederprasselte. Es konnte nicht sonderlich viel Zeit vergangen sein.
„Ich glaube sie wacht auf", hörte sie eine vertraute Stimme.
Sie öffnete die Augen, doch die schwarzen Ränder wollten nur langsam verschwinden. Mühsam setzte sie sich auf und spürte einen Arm, der sie stützte.
„Alles okay?", fragte Draco neben ihr. Amelia schaffte es nur matt zu nicken.
„Kommen Sie, Miss Potter", hörte sie Professor Lockhart sagen, „Ich päpple Sie schnell wieder auf."
„Mir geht es gut Professor", sagte Amelia, mit scharfer Stimme wie sie hoffte.
„Reden Sie keinen Unsinn, ich habe diesen Zauber schon tausend Mal angewandt, schließlich werden in meiner Gegenwart immer ein paar Hexen ohnmächtig." Er ließ seine Zähne blitzen.
„Ich brauche Ihre Hilfe nicht", sagte Amelia matt, doch Professor Lockhart hatte schon seinen Zauberstab geschwungen.
„Nein", schrie Amelia panisch und plötzlich schien sich die Welt zu verlangsamen. Es war als sei sie mit Professor Lockhart allein. Von weit her, jenseits einer Nebelwand hörte sie tausende Stimmen, doch sie konnten ihr nichts anhaben, sie konnten sie nicht erreichen.
Es gab nur Professor Lockhart und sie und sie begriff. Sie hörte keine Worte und sah auch keine Bilder, sie verstand einfach, dass Lockhart keine Ahnung hatte, was er gerade tat. Es ging auch nicht darum ihr zu helfen. Er wollte auffallen, im Mittelpunkt stehen, sich profilieren. Es war egal ob er anderen dabei schadete, sie fanden keinen Platz in ihm. In Lockhart gab es nur Lockhart.
Sie wollte nach ihrem Zauberstab greifen den Zauber abblocken, der jeden Moment aus seinem Zauberstab kommen würde, doch sie würde ihn niemals schnell genug erreichen. Denn nur hier, in dieser Welt aus Gedanken, da gab es keine Zeit.
Sie hatte nur eine Wahl. Als wüsste sie, was sie tat, riss sie die Wände um sich herum ein und erfasste all die Stimmen, die auf sie einströmten, packte sie und stopfte sie in Lockhart. Die instabile Welt brach ein und vor ihr knickte Professor Lockhart einfach zur Seite weg. Einen Augenblick später wurde auch ihre Welt schwarz.
Nachwort:
Ich mag Lockhart nicht, aber ich glaube das ist auch so beabsichtigt. Man kann ihn nicht mögen. Trotzdem habe ich versucht ihn einigermaßen in Charakter hinzubekommen. Ich bin nur froh wenn ich den wieder los bin. Ich glaube Amelia auch.
Lockhart war wunderbar dafür geeignet zu zeigen, wie Slytherin Amelia geworden ist in ihrer vergangenen Hogwarts Zeit. Dass sie keine Probleme damit hat, andere zu erniedrigen und selbst ihre gewonnene Macht genießt. Welche Schülerin traut sich schon zu sagen sie würde einen Lehrer aus der Schule mobben. Dazu gehört eine große Portion Arroganz und Ego.
