Kapitel 6 - Legilimentik
Als Amelia wieder zu Bewusstsein kam, lag sie in einem weichen Bett. Gleißender Sonnenschein fiel durch die Fenster.
„Ssssie wird wach."
„Ach wassss du nicht sagssssst."
„Psssst, jetzt nervt ssssie nicht."
Ein Lächeln schlich sich auf Amelias Lippen.
Sie öffnete die Augen und sah die drei Köpfe von Eristik, der direkt auf ihrer Brust lag und sie erwartungsvoll anzischte.
Ein kichern entkam ihr. Sie liebte ihre Schlange.
Sie setzte sich auf und fühlte sich im ersten Moment etwas schwindelig. Ihr Mund war ganz trocken.
„Endlich", sagte der mittlere Kopf.
„Wir haben unssss Sssssorgen gemacht", sagte der rechte Kopf.
„Keiner wusssste wassss mit dir lossss war, ssssie haben sssssich erzählt, dassss du plötzlich bewusssssstlosss geworden bisssst.", sagte der Kopf auf der linken Seite.
„Ich habe mich nur überanstrengt", gähnte Amelia und streckte sich. Sie fühlte sich tatsächlich das erste Mal seit langem wieder ausgeschlafen.
„Du hasssst zwei Tage gesssschlafen", informierte sie der rechte Kopf.
„Es ist viel passsssiert in der Zeit."
„Wirklich?", fragte Amelia milde überrascht.
„Dann informiert mich mal, was hat mein kleiner Lieblingsspion mitbekommen."
Die orange-schwarze Runespoor kuschelte sich gemütlich in die warme Decke und erstattete Bericht.
„Diessser Lehrer den du nicht mochtesssst, er hat sofort nachdem er aufgewacht ist Halssss über Kopf gekündigt und die Sssschule verlasssssen", zischelte der mittlere Kopf befriedigt. „Du bisssst ihn los. Er hat sssich geweigert auch nur einen Moment länger mit dir in einem Raum zu ssssein."
„Er hat Angsssst vor dir", sagte der rechte Kopf.
„Klang es nach Ärger für mich?", fragte Amelia. Die drei Köpfe blickten sich einen Moment an, bevor sie einstimmig antworteten: „Nicht viel."
„Die Meisssten waren froh diessssen Idioten losss zu sssein"
„Alle waren bessssorgt, dassss er dir etwassss angetan hat."
„Vielleicht eine kleine Sssstrafarbeit je nachdem was du ihnen erzählsssst wasss passssiert isssst."
Die drei Köpfe nickten sich zu.
„Was glauben sie denn, was passiert ist?", fragte Amelia neugierig.
„Die erssste Meinung war, dassss er einen Zauber falsch aussssgeführt hat. Aber der Schulleiter glaubt etwassss anderessss. Er hat es nicht wirklich erklärt."
„Du bist der beste Eristik", sagte Amelia und gab jedem der drei Schlangenköpfe einen kleinen Kuss.
Die Schlange schlang sich um ihren Arm und kuschelte sich um ihren Hals.
„Sssso schön warm.", sagte der rechte Kopf glücklich.
„Esss issst noch mehr passssiert", sagte der linke Kopf dann und schlängelte sich von ihrem Kopf runter. Amelia musste die Augen zusammenkneifen, um ihn scharf zu sehen.
„Was denn noch?", fragte sie belustig.
„Die Kammer desss Ssschreckens hat sich erneut geöffnet.", sagte Eristik.
Amelia biss sich auf die Lippen, das konnte nichts Gutes bedeuten.
„Wurde jemand getötet?", fragte sie mit einem unguten Gefühl im Magen.
„Ssssie wurden verssssteinert.
„Zwei Mädchen aus Ravenclaw.
„Sssie haben sssie gessstern reingebracht."
„Man hat sssie in der Mädchentoilette gefunden", berichtete Eristik hastig, wobei jeder Kopf einen anderen Part übernahm.
„Sie liegen dort drüben", sagte der linke Kopf und deutete auf einen Wandschirm der den Krankensaal trennte.
Amelia griff nach ihrem Zauberstab, der auf dem Nachttisch lag und ging hinüber zum Wandschirm. Die Fliesen unter ihren nackten Füßen waren kalt, doch es fühlte sich belebend an.
Zwei Mädchen lagen in den Betten, die eine kannte Amelia sogar, das war Penelope Clearwater, eine Vertrauensschülerin.
Sachte tippte sie sie mit dem Zauberstab an und flüsterte einen Zauber. Sie lebten noch, aber Amelia hatte keine Idee was mit ihnen geschehen sein konnte. Es gab Zaubertränke die versteinernd wirkten, doch dann hätte sich das Opfer gewunden, während es versteinert worden wäre. Die Mädchen wirkten eher als wären sie in Sekundenschnelle versteinert worden. Eine Medusa kam Amelia in den Sinn, doch dieses Fabelwesen mit Schlangen auf dem Kopf war schon lange ausgestorben.
„Weg von ihr!", hörte sie plötzlich hinter sich eine Stimme. Sie drehte sich um und erkannte einen Weasley. Waren die denn Überall? Es waren nicht die Zwillinge, sondern der Älteste. Der Vertrauensschüler.
„Rühr sie nicht an, hast du ihr noch nicht genug angetan?!", fauchte er und stellte sich zwischen Amelia und das versteinerte Mädchen. Sie spürte, wie eine Welle des Hasses sie überrollte, doch es war nicht ihre eigene, sie war gegen sie gewandt. Ohne wirklich zu bemerken, wie sie es tat, entstand wieder diese neblige Wand zwischen ihnen und seine Wut zeichnete sich nur noch in seinem Gesicht ab.
Sie sah Percy Weasley an und ein Lächeln überkam sie. Sie hatte es endlich geschafft. Sie hatte die nächste Hürde der Legilimentik überwunden.
Ohne ein Wort zu sagen, ging sie zurück zu ihrem Bett und kletterte unter die Bettdecke. Eristik kroch sofort in ihren Schoß.
„Könntest du bitte Madam Pomfrey sagen, dass ich aufgewacht bin?", fragte sie freundlich an Weasley gewandt. Dieser starrte sie einen Moment fassungslos an und zückte dann seinen Zauberstab. Amelia dachte schon er wolle sie verfluchen, doch er drehte sich abrupt um und schlug die Tür des Krankenflügels hinter sich zu als er verschwand.
Dies rief Madam Pomfrey auf den Plan, die aus einem Nebenzimmer kam.
„Was ist denn hier los?", rief sie ärgerlich, bis sie Amelia entdeckte. Sofort hellte sich ihr Gesicht auf.
„Sie sind wieder wach, Merlin sei Dank!"
Madam Pomfrey untersuchte sie nochmals, sie brauchte ziemlich lange, doch Amelia bekräftigte immer wieder, dass es ihr gut ging.
Nach einer gefühlten Stunde gab Madam Pomfrey ihr noch einen Stärkungstrank mit, mit der Auflage jeden Tag einen Tropfen zu nehmen, bis sie auch wirklich keinen Grund mehr fand Amelia noch länger im Krankenflügel festzuhalten.
Sie wollte gerade gehen, als Professor Dumbledore die Krankenstation betrat.
„Du bist wohlauf, wunderbar", sagte Professor Dumbledore und kam strahlend auf sie zu.
„Wir scheinen uns immer in der Krankenstation zu begegnen, Professor", sagte Amelia.
Dumbledore schmunzelte.
„Manchmal wünschte ich mir auch, es wären glücklichere Umstände."
„Möchtest du mir kurz in mein Büro folgen, Amelia. Ich glaube wir haben Einiges zu besprechen."
Amelia folgte dem Schulleiter, Eristik auf dem Arm.
Sie gingen einige Korridore entlang, bis sie vor einem steinernen Wasserspeier zu stehen kamen.
„Scherbert Zitrone", sagte Professor Dumbledore und der Wasserspeier glitt zur Seite. Er gab eine schmale Wendeltreppe frei.
Sie gingen nach oben und Professor Dumbledore führte sie in sein Büro. Es war der mit Abstand interessanteste Raum in dem Amelia gewesen war, nur Borgin & Burkes oder der versteckte Raum im Salon der Malfoys kam dem noch Nahe.
Überall standen seltsame Geräte herum die pfiffen, oder andere kuriose Geräusche machten, auf einem Bord lag der sprechende Hut. Auf einer Vogelstange saß Dumbedores wunderschöner feuriger Phönix.
Professor Dumbledore setzte sich hinter seinen Schreibtisch und Amelia nahm auf einem Stuhl davor Platz.
„Darf ich Ihnen ein Zitronenbonbon anbieten, Amelia?", fragte Professor Dumbledore vergnügt.
„Eine Tasse Tee würde ich begrüßen", sagte Amelia freundlich.
Einen Augenblick später stand eine dampfende Tasse vor ihr.
„Danke sehr."
Amelia nahm vorsichtig einen Schluck und schaute wieder den bezaubernden Phönix an.
„Das ist Fawkes. Wundervolle Tiere diese Phönixe und sehr treue Haustiere", sagte Dumbledore der ihren Blick bemerkt hatte.
„Er ist wunderschön. Ich finde magische Tiere faszinierend.", sagte Amelia und streichelte Eristik.
„Deine Runespoor war kaum von deiner Seite zu kriegen, obwohl Madam Pomfrey sie oft genug rausgeworfen hat", gluckste Dumbledore.
Amelia kicherte und fuhr mit den Fingern einen der Schlangenköpfe herunter. „Das kann ich mir gut vorstellen, er ist schon ziemlich dickköpfig, wenn sich mal alle Köpfe einig sind."
Amelia wandte sich von ihrer Schlange ab und sah nun zu Professor Dumbledore.
„Aber ich werde nicht ohne Grund hier sein, was kann ich für Sie tun, Professor?", fragte Amelia.
Dumbledore schmunzelte.
„Du hast sicher bemerkt, dass die letzten Tage viel passiert ist. Du bist bestimmt schon im Bilde, dass Professor Lockhart unsere Schule verlassen hat. Recht überstürzt, wie ich feststellen musste."
„Ich habe nichts mit ihm getan, Professor. Zumindest nichts was ihm wirklich geschadet haben dürfte", sagte Amelia.
„In der Tat, hat sich Professor Lockhart im Gegensatz zu dir recht schnell wieder erholt, während du selbst völlig erschöpft warst."
„Ich wollte Professor Lockhart nichts tun. Ich wollte nur, dass er nicht an mir herumzaubert."
„Ich glaube, das würde keiner von uns wollen", gestand Dumbledore und musterte sie aus unergründlichen Augen.
Amelia hatte wieder dieses eigentümliche Gefühl in ihrem Geist. Sie konzentrierte sich darauf und einen Augenblick später ließ es nach. Dumbledore blinzelte.
„Wenn Sie nichts dagegen haben, dann würde ich in den Slytheringemeinschaftsraum zurückkehren", sagte Amelia.
„Natürlich, Ihre Freunde machen sich schon große Sorgen um Sie", sagte Dumbledore und Amelia verließ sein Büro. Der Zauberer blickte ihr nachdenklich hinterher.
Amelia machte die nächsten Tage gewaltige Sprünge in der Legilimentik, als hätte dieses Eindringen in Lockharts Geist eine Barriere in ihr gebrochen. Sie musste diese Stimmen einfach nur akzeptieren, anstatt sie zu bekämpfen. Nicht versuchen sie auszublenden, sondern sie einfach in weite Ferne rücken und schon fiel es ihr unendlich leicht. Aber trotz allem blieben die Stimmen und der Hauch der Gefühle verfolgte sie. Amelia musste nur ihre eigenen davon abschotten und schon schien es erträglich.
Als Amelia zu ihrer nächsten Übungsstunde bei Professor Snape kam, schenkte er ihr erst mal eine Tasse Tee ein und machte es sich in einem Stuhl bequem.
„Dann erzählen Sie mal, Amelia. Was haben Sie mit Lockhart gemacht?", fragte er interessiert.
„Das scheint irgendwie alle zu beschäftigen.", lachte diese.
„Sie glauben gar nicht wie sehr. Im Lehrerzimmer gibt es die letzten Tage kaum ein anderes Gesprächsthema. Besonders, weil Sie Dumbledore nichts gesagt haben."
„Er hat auch nicht wirklich gefragt", sagte Amelia missbilligend.
„Aus seinem Mund klang es etwas anders", erwiderte Snape und sah sie fragend an. „Wie wäre Ihre Variante?"
„Nun", begann Amelia verärgert, „er hat ein bisschen um den heißen Brei herum geredet und hat dann versucht meine Gedanken nach einer Antwort zu durchforsten, anstatt mich direkt zu fragen." Amelia verzog wütend die Lippen. „Ich habe ihn ausgesperrt und bin gegangen."
Zu ihrer Überraschung begann Professor Snape zu glucksen. Es dauerte einen Moment, dann begann er sogar zu lachen.
„Oh, das hätte ich zu gerne gesehen. Das war sicher köstlich!"
Auch Amelia musste lachen, lachen war halt ansteckend. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich wieder beruhigten.
„Aber was haben Sie jetzt eigentlich getan? Es sah schon einigermaßen beunruhigend unspektakulär aus. Wie die meiste hohe Magie."
„Werden Sie es Dumbledore erzählen? Ich könnte mir vorstellen, dass er Sie danach fragt, Professor", sagte Amelia und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück.
„Er hat mich schon darum gebeten es herauszufinden", gestand Snape mit unbewegter Miene.
„Ich kann Ihnen, wenn sie meinen Rat als Vertrauensperson in Anspruch nehmen möchten, versprechen, dass es unter uns bleibt", fügte Snape hinzu.
„Das geht?"
„Es ist mir gestattet vertrauliche Probleme der Schüler meines Hauses, den anderen Lehrern vorzuenthalten, auch unserem Schulleiter", sagte Professor Snape.
„Dann würde ich gerne den Rat meines Hauslehrers einholen, da ich mir selbst vieles nicht erklären kann was geschehen ist", sagte Amelia und griff nach ihrem Tee, um ihr Lächeln zu verstecken. Snape nickte nur.
„Wir haben letzte Stunde darüber gesprochen, dass ich all diese Gefühle und Stimmen wahrnehme, erinnern Sie sich, Professor?"
„Das ist ganz normal. Mit der Zeit werden die Stimmen schwächer, bis Sie sich sehr gezielt darauf konzentrieren müssen. Die starke Legilimentik besteht nur am Anfang, bevor die Magie sie bekämpft."
Amelia nickt nur und fuhr fort. „Bei dem Quiddich Spiel waren so viele Gefühle und Emotionen, dass ich einfach überfordert war. Ich bin ohnmächtig geworden."
Amelia machte eine Pause und versuchte das danach geschehene in Worte zu fassen.
„Als ich wieder aufwachte, wollte Lockhart an mir herum zaubern. Aber ich wollte es nicht. Allein der Gedanke, er könnte an mir herum hexen und mich womöglich umbringen versetzte mich in Panik. Ich musste wissen, was er tun würde, nur dann könnte ich mich verteidigen.
Danach ging alles sehr schnell, oder besser gesagt sehr langsam. Es fühlte sich an, als würde die Zeit stehen bleiben, all die Stimmen, die in meinem Kopf schrien, verschwanden und da waren nur Lockhart und ich. Ich habe ihn gesehen und habe begriffen, wie er ist. Das was ihn in diesem Moment antrieb. Es war faszinierend, wenn man meinen Schock mal beiseitelässt."
Sie blickte Professor Snape offen an. „Dieser Mann hatte keine Ahnung von dem was er tat, er… Ich bin noch immer fassungslos über diese Arroganz." Amelia schüttelte den Kopf. „Ich wusste nicht, was ich tun könnte, nicht in diesem erweiterten Zustand, würde die Zeit weiterlaufen… Ich hatte keine Zeit zu reagieren, also habe ich einfach die Barriere, die mich von den Stimmen um mich herum trennte zerrissen und nach ihnen gegriffen. Mit diesen Stimmen habe ich Lockhart überladen. Ihm ist das Gleiche passiert wie mir. Er ist einfach an Überlastung zusammengebrochen."
Snape sah sie bei den letzten Worten geschockt an.
„Sie haben die Stimmen gegriffen?", fragte er und Amelia nickt nur.
„Wie in Merlins Namen haben Sie das gemacht, Amelia?"
„Ich weiß es nicht. Oder naja, ich höre diese Stimmen noch immer, doch jetzt sind sie weit entfernt, jenseits einer dicken Wand, selbst wenn ich unter Menschen bin. Wenn ich eine dieser Stimmen greife, dann komme ich in diesen erweiterten Bewusstseinszustand, in dem ich scheinbar unendlich Zeit habe in den Gedanken einer Person zu stöbern. Ich kann sogar lang zurückliegende Ereignisse wieder ans Tageslicht holen, solange das Thema nur einigermaßen aktuell ist. Ich glaube ich habe verstanden wie Legilimentik geht", sagte sie und lächelte schüchtern. Doch anstatt das Professor Snape ihr gratulierte sah er nachdenklich drein.
„Es gibt verschiedene Arten von Legilimentik, das hatten wir schon mal erörtert." Amelia nickte und fuhr fort: „Der Zauber Legilimens der es einem erlaubt, in den Kopf eines Gegenübers einzubrechen, er ist die stärkste und direkteste Art. Ein geübter Okklumentor, kann dies entweder blocken oder falsche Erinnerungen vorheucheln, er wird es aber auf jeden Fall bemerken.
Und es gibt die zauberstablose Legilimentik, die es gestattet starke Konzentrationsspitzen seines Gegenübers zu erspüren, wie zum Beispiel Zauber, die gerade gewirkt werden. Je nachdem wie geübt der Legilimentor ist, wird sein gegenüber, sollte es Okklumenik beherrschen es merken oder auch nicht."
„Sehr gut aufgepasst. Es gibt noch eine andere Legilimentik. Wie es der Zufall will, hat Dumbledore sie mir seinerzeit erläutert", sagte Professor Snape und musterte Amelia nachdenklich.
„Es gibt eine magische Barriere in jedem Geist, um diese Barriere zu überwinden ist der Zauber Legilimens notwendig. Doch es gibt immer wieder Hexen und Zauberer, die diese Barriere überwinden können, allein mit der Macht ihres Willens. Sie können, ohne dass selbst Okklumentoren dies bemerken, Gefühle erspüren. Ein guter Okklumentor wird natürlich noch immer falsche Gefühle vortäuschen können, aber auch nur wenn er jederzeit darauf vorbereitet ist. Diese Legilimentik ist die mächtigste von allen und so gut wie unaufspürbar für jeden der nicht außerordentlich begabt in Okklumentik ist. Außerdem können diese vollkommenen Legilimentoren ihren Willen einsetzen, als würden sie den Zauber Legilimens wirken.
Diese Zauberer und Hexen sind so selten, dass das Ministerium nicht mal Gesetze für sie entwickelt hat. Wie du weißt, ist normale Legilimentik, nennen wir sie Duell-Legilimentik denn zu nichts anderem ist sie gut, legal, der Zauber Legilimens allerdings streng illegal und verboten. Für diese höhere Art der Legilimentik gibt es keine Verbote. Allerdings sollte man sich trotzdem äußerst vorsichtig damit umgehen.
„Dumbledore beherrscht diese Legilimentik, nichtwahr?", fragte Amelia, die an ihre Begegnungen mit Dumbledore zurückdachte. Es würde vieles erklären.
Professor Snape nickte. „Ebenso wie der Dunkle Lord."
„Bedeutet das, dass diese Legilimentoren immer bemerken, wenn ihr gegenüber ein Okklumentor ist?", fragte Amelia.
„Nein, ein guter Okklumentor kann alles vor ihnen verbergen. Selbst seine eigenen Fähigkeiten."
Amelia nickte nachdenklich. „Warum glauben Sie, dass ich eine solche Legilimentorin bin?", fragte sie.
„Weil Sie es mir beschrieben haben. Weil Sie ohne Zauberspruch in einen fremden Geist eindringen können, um ihn all seiner Geheimnisse zu berauben."
„Ich brauche noch immer Blickkontakt", erwiderte sie trotzig.
„Das wird sich auch niemals ändern. Sollte jemand ihren Blickkontakt unterbrechen, so bricht jegliche Legilimentik ab", sagte Snape schlicht und lehnte sich amüsiert zurück, als erwarte er weitere Wiederworte.
„Aber wie soll ich das geschafft haben, mir solche Magie beizubringen?", fragte sie verzweifelt.
„Ich hätte dazu eine Theorie", sagte Snape nachdenklich und nahm einen Schluck von seinem Tee.
„Bitte" erwiderte Amelia.
„Wie wäre es mit einem Ausbruch wilder Magie, der Sie in die Lage versetzt hat, eine ähnliche Form des Zaubers Legilimens zu wirken. Dann haben Sie ihre magische Barriere durchbrochen und sich der Magie in Ihrem Inneren geöffnet."
„Glauben Sie das wirklich? Sollte meine wilde Magie nicht weniger werden, umso älter ich werde", fragte Amelia unsicher.
„Es ist reine Spekulation, Amelia. Ich kann auch nur versuchen zu erraten was passiert ist. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich es nicht", gestand Professor Snape offen.
Amelia seufzte. Warum passierte so etwas immer ihr.
Die Gerüchte um Amelia und die Kammer des Schreckens rissen nicht ab, obwohl sie während des Angriffs auf die Ravenclaw Mädchen im Krankenflügel gelegen hatte.
Es waren allerlei kuriose Spekulationen dazu gekommen. Böse Stimmen behaupteten, Amelia hätte Professor Lockhart mit schwarzer Magie niedergestreckt, da dieser herausgefunden hatte, dass sie die Kammer des Schreckens geöffnet hatte. Ein Hufflepuff sagte sogar, Lockhart wäre nach St. Mungos gekommen, dem Krankenhaus für magische Krankheiten und Verletzungen.
Amelias Legilimentik ließ sie diese Angst und Ablehnung nur umso deutlicher spüren, aber da waren auch Respekt und Ehrfurcht. Nie war ihr klarer geworden, wie weit sie sich von dem Mädchen entfernt hatte, dass sich einst von Dudley hatte schikanieren lassen. Keiner würde es jemals mehr wagen, auf die herabzusehen.
Hochmütig begegnete sie den Anschuldigungen der anderen Häuser mit Spott und die Slytherins standen hinter ihr. Ihr Haus war ihre Familie und sie hielten geschlossen zu ihr.
Draco, Theodor, Vincent und Gregory machten sich sogar einen Spaß daraus eine Liste aller Schlammblüter aus Hogwarts aufzusetzen und darüber Todesliste zu schreiben. Als Justin Finch-Fletchley, ein Hufflepuff, seinen Namen darauf sah, flüchtete er unter Gelächter der Slytherins aus dem Zauberkunstunterricht.
Nachwort:
Ich hoffe ihr habt alle meine Erklärung zur Legilimentik verstanden.
Ich fand in den Büchern immer den Punkt suspekt, das Dumbledore scheinbar nur einen Blick brauchte um Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Snape hingegen der auch etwas von Legilimentik versteht (er wendet sie im Duell gegen Harry Ende 6 Band an), jedoch nicht dazu in der Lage ist.
Deshalb habe ich Dumbledores fast schon übermächtige Gabe Legilimentik zu wirken von der normalen Duell-Legilimentik wie Snape sie beherrscht abgetrennt.
Ich glaube nicht damit allzu sehr gegen die Bücher zu verstoßen und Dumbledore, Amelia und Voldemort werden noch mehr zu etwas besonderem. Zu Leitfiguren ihrer Zeit.
