Kapitel 7 - Überrumpelt
Die Weihnachtsferien begannen und diesmal blieb sie nicht allein. Draco blieb ebenfalls im Schloss. Sein Vater hatte ihm ein Paket geschickt, welches er in Hogwarts behalten sollte, bis die Hausdurchsuchungen beendet waren.
Zuerst wollten auch Vincent und Gregory bleiben, die, seit diese Gerüchte um Amelia aufgekommen waren, immer in ihrer Nähe rumhingen, doch Draco überredete sie doch nach Hause zu fahren, sodass sie alleine im Slytheringemeinschaftsraum waren. Amelia war froh drum. Sie hatte zwar nichts gegen die beiden, aber sie schätzte ihre Ruhe. Komischerweise nervte Draco sie nicht. Er hatte die Gabe einfach still in ihrer Nähe zu sitzen und sie in Ruhe lesen zu lassen.
Das Schloss war diese Ferien ungewöhnlich leer. Fast alle Schüler waren nach Hause gefahren. Der Weihnachtsmorgen brach an und sie saßen zusammen im Gemeinschaftsraum um ihre Geschenke auszupacken. Amelia bekam einen wunderschönen Winterumhang von Mr und Mrs Malfoy und einen Satz Schachfiguren von Draco („Musste das sein?").
Auch ihr geheimnisvoller Helfer aus dem letzten Jahr meldete sich wieder und schenkte ihr ein Buch über Stummzaubern. Amelia strich über Weihnachtskarte und plötzlich wusste sie, woher sie diese Schrift kannte. Sie gehörte Severus Snape. Amelia machte es nachdenklich, dass ihr Lehrer seit ihrem ersten Tag auf Hogwarts über sie zu wachen und ihr zu helfen schien. Schon lange bevor sie ihn darum gebeten hatte. Sie ahnte, dass irgendwas dahintersteckte, aber noch wusste sie nicht was. Seufzend legte sie die Karte zur Seite. Sie würde zu einem anderen Zeitpunkt darüber nachdenken.
Amelia selbst hatte Draco ein Besenpflegeset geschenkt und er machte sich gleich über seinen Nimbus 2001 her, sodass er sogar vergaß, sie zu einer Partie Zauberschach zu überreden.
Es kamen zudem komischerweise Briefe von Vincent und Gregory, dass sie heute noch mal kurz in die Schule kommen würden, sie hatten was Wichtiges vergessen. Sie baten Draco sie am Schultor zu treffen. Doch obwohl es Amelia und Draco seltsam vorkam, dass sie dafür extra einen Portschlüssel in die Schule nahmen, ignorierten sie es und gingen lieber in die Große Halle zum Weihnachtsessen.
Selbst als sie bemerkten, dass drüben am Gryffindortisch alle Weasleys saßen, schmälerte es ihre gute Laune kaum. Wie im Jahr zuvor lagen wieder Knallbonbons herum und Draco war richtig begeistert, da er Weihnachten noch nie in Hogwarts gewesen war.
Nach dem Festmahl ging Amelia noch kurz in die Bibliothek, um sich ein Buch auszuleihen und Draco holte Vincent und Gregory ab. Sie hatten ausgemacht sich wieder in der Eingangshalle zu treffen und als Amelia aus der Bibliothek wiederkam, warteten die drei schon auf sie.
„Was habt ihr denn vergessen, dass ihr hier sogar zu zweit auftaucht?", fragte Amelia verwundert.
„Ähm…", stotterte Vincent
„Zauberstab vergessen", nuschelte Gregory und wurde rot. Amelia hob eine Augenbraue und sah Draco an, doch dieser schien nicht so, als wolle er etwas sagen. Einen Moment war sie irritiert.
„Lasst uns in den Gemeinschaftsraum gehen", sagte Draco und machte sich auf den Weg in die Kerker. Amelia schloss schnell zu ihm auf.
„Wie lange bleibt ihr?", fragte sie an Vincent und Gregory gewandt.
„Nicht lange", sagte Vincent.
„Ne", fügte Gregory dümmlich hinzu. Amelia seufzte. Sie waren im normalen Zustand schon dämlich, aber irgendwie mussten die beiden heute mit dem falschen Fuß aufgestanden sein.
Draco warf ihr dauernd komische Blicke zu, die Amelia nicht einordnen konnte. Irgendwas irritierte sie.
„Sag mal, wann glaubst du öffnet sich die Kammer des Schreckens wieder?", fragte Draco plötzlich.
„Keine Ahnung?", erwiderte Amelia irritiert.
„Aber ich meine, du musst doch irgendeine Vermutung haben, wann wieder was passiert. Schließlich sind die ganzen Muggelstämmigen total verängstigt. Sie verdienen bald mal wieder eine Lektion."
Amelia blinzelte. Sie hatte das Wort Muggelstämmig noch nie von Draco gehört. Es klang irgendwie falsch aus seinem Mund.
„Ich habe besseres zu tun, als Schlammblütern hinterherzurennen und sie zu verhexen, warum sollte ich damit meine Zeit verschwenden", sagte Amelia ungehalten. Draco und Theodor waren einmal auf die Idee gekommen, dass eine kleine Schlammblutjagd doch ganz nett wäre, um den Erben Slytherins zu unterstützen, doch Amelia war dagegen gewesen. Sollte irgendwann tatsächlich jemandem etwas passieren, wollte sie nicht riskieren von Hogwarts geworfen zu werden. Also hatten sie sich darauf verlegt, die Schlammblüter lieber zu verhöhnen, anstatt ihnen wirklich zu schaden.
„Natürlich, hast du Recht", sagte Draco und ging weiter. Er nahm den Gang Richtung Zaubertrankklassensaal, anstatt Richtung Gemeinschaftsraum zu gehen. Amelia war vollkommen verwirrt.
Hatte ihm jemand einen Verwechslungszauber aufgehalst? Was, wenn das gar nicht Vincent und Gregory waren, sondern irgendwelche ehemaligen Todesser, die sie umbringen wollten? Sie fasste Draco am Handgelenk und erhaschte einen Blick in seine Augen. Sie griff mit Legilimentik nach seinem Geist und wäre fast in einen Lachkrampf ausgebrochen.
Gerade noch so schaffte sie es ihr Grinsen zu tarnen.
„Du bist aber heute schon den ganzen Tag total verplant, Draco. Da drüben geht's zum Gemeinschaftsraum", sagte Amelia und deutete tiefer in die Kerker hinein.
„Nicht mein Tag heute", seufzte er und verzog das Gesicht.
Sie gingen eine ganze Weile weiter, bis sie ein altes Verließ erreichten. Die verrosteten Gitterstäbe ragten unheimlich aus den Wänden. Die Slytherins erzählten sich, das Filch hier die unartigen Schüler immer zum Auspeitschen aufgehängt hatte.
„Nach dir", sagte Amelia und deutete auf die Zelle.
Draco, Vincent und Gregory gingen folgsam hinein und Amelia lehnte sich an den Eingang den Zauberstab in der Hand.
„Also wirklich", sagte sie in süffisantem Ton, die drei drehten sich zu ihr um.
„Wenn ihr mich etwas fragen wollt, braucht ihr doch nicht so ein Affentheater zu veranstalten."
Die drei zogen ihre Zauberstäbe, doch der ganze Duellunterricht hatte sich ausgezahlt.
„Expelliarmus"
Mit einer lässigen Geste fing Amelia die Zauberstäbe und hatte mit einem Sprung nach hinten das Gitter verschlossen.
„Was soll das?", fragte Draco aufgebracht.
„Es gibt nur wenige Dinge, die mich wirklich verärgern, Hermine Granger", sagte Amelia und funkelte das Mädchen in Dracos Verkleidung böse an. „Eines davon ist der Versuch mich zu täuschen."
„Was redest du da? Lass uns hier raus", sagte Fred Weasley in der Gestalt von Vincent Crabbe.
„Glaubt ihr Gryffindors wirklich, ich sei so leicht zu täuschen?", fragte Amelia herablassend.
„Ihr braucht mehr als Vielsaft-Trank um vorzugeben jemand zu sein, der ihr nicht seid.
„Du mieses…", heulte George Weasley in der Gestalt von Gregory auf, doch Granger unterbrach ihn.
„Lass uns hier sofort raus!"
„Warum sollte ich?"
„Sonst wirst du niemals herausfinden, wo Malfoy ist!"
„Das weiß ich doch schon lange. Es gibt nichts was du mir anbieten kannst. Ich wünsche euch angenehme Weihnachten."
Amelia konnte sich ein höhnisches Lachen nicht verkneifen, als sie die drei Gryffindors in der Zelle zurückließ, um Draco aus seinem Besenschrank zu befreien.
Dieser kochte vor Zorn und Scham, doch Amelia versprach ihm hoch und heilig es keinem zu verraten.
„Weshalb haben sie das ganze eigentlich gemacht?", fragte Draco als sie wieder im Gemeinschaftsraum saßen.
„Sie glauben daran, dass ich die Erbin Slytherins bin. Sie dachten ich würde die ganze Zeit die Schlammblüter angreifen und wollten mich aushorchen. Deshalb hat Granger einen Vielsaft-Trank hergestellt. Damit sie sich in dich, Vincent und Gregory verwandeln können. Sie denken das ich euch vertraue, vor allem dir."
„Das muss eine Menge Aufwand gewesen sein. Mein Vater hat mir mal von Vielsaft-Trank erzählt, der ist furchtbar schwer herzustellen."
„Granger ist gut, auch wenn sie ein Schlammblut ist.", sagte Amelia.
„Sie ist nicht so gut wie du."
Amelia hob eine Augenbraue. „Ich glaube kaum, dass sich das fair vergleichen lässt", sagte Amelia und dachte an all den Einzelunterricht bei Professor Snape. Es war nicht so, dass er sie nur in Okklumentik und Legilimentik unterrichtete, seit ihre Legilimentik so stark war, lehrte er sie auch andere Dinge. Dinge von denen Amelia sicher war, dass sie auf Hogwarts nicht unterrichtet werden durften. Doch die dunklen Künste übten eine faszinierende Anziehungskraft auf Amelia aus. Sie würde alles lernen, was er zu lehren bereit war.
„Bring es mir bei", sagte Draco plötzlich und sah sie ernst an.
„Was?", fragte Amelia.
„So zu zaubern wie du. Ich habe mal aufgeschnappt, wie du mit Professor Snape über Duellzauber gesprochen hast. Ich weiß das er dir zwei Mal die Woche Einzelunterricht gibt."
Draco sah sie scharf an, doch Amelia streichelte nur Eristik.
„Wie sollen wir befreundet sein, wenn ich dir so endlos unterlegen bin? Ich bringe dich in Gefahr", kam Draco endlich zu dem was ihn wirklich beschäftigte. Seine Stimme klang bitter. „Du bist in allem um Längen besser als ich."
„Du bist besser in Quidditch", sagte Amelia tonlos.
„Nur weil du dich nicht wirklich dafür interessierst. Ich habe nicht vergessen, wie Madam Hooch dich in unserem ersten Jahr in den Himmel gelobt hat. Du bist damals besser geflogen als ich und das war dein erstes Mal auf einem Besen!", sagte Draco.
„Aber jetzt bist du besser", erwiderte Amelia stur. „Weißt du auch warum?"
„Weil ich trainiere wie ein Wahnsinniger!"
„Genau. Ich tue nichts anderes als du. Ich übe wie eine Wahnsinnige in jeder freien Minute. Es klingt vielleicht komisch, aber selbst jetzt trainiere ich meinen Geist, stets konzentriert und aufmerksam zu sein."
„Dann hilf mir, ich bin es leid danebenzustehen. Ich will nicht nur zweite Klasse sein!", sagte Draco und stand auf, den Blick wild entschlossen. Amelia hatte diesen Blick schon mal bei ihm gesehen. Das war im dritten Stock gewesen. Der Vorfall eben musste ziemlich an seinem Ego gekratzt haben.
„Gut", gab Amelia schließlich nach.
„Wie gut?", fragte Draco perplex, der sich auf einen langen Kampf eingestellt hatte.
„Folge mir", gebot Amelia und stand auf.
Sie verließen den Slytherin Gemeinschaftsraum und Amelia führte Draco in eine Sackgasse.
„Ich brauche dein Versprechen, dass du diesen Ort keinem verrätst. Ich bringe dir großes Vertrauen entgegen, indem ich dich dort hineinlasse", sagte Amelia und Draco nickte.
„Ich verspreche es dir."
Amelia nickte und zielte mit ihrem Zauberstab auf eine der Fackeln an der Wand.
„Finite"
Die Wand glitt auf und sie traten in einen dunklen Raum. Schnell scheuchte Amelia ein paar Flammen aus ihrem Zauberstab in die Fackelhalter an der Wand, um ihn zu erleuchten.
Draco stockte der Atem. Überall auf dem Boden lagen Bücher, auf Stapeln aufgeschichtet. Die Wände waren von oben bis unten mit langen Pergamentbahnen zugehängt, die über und über mit Listen und Zeichnungen beschrieben waren.
In der Mitte stand ein großer Tisch, auch dieser war mit Pergamentblättern übersät und überall lagen leere Schokofroschverpackungen rum.
„Wo sind wir hier?", fragte Draco und blickte sich um.
„Professor Snape hat mir diesen Raum zum Lernen überlassen. Immer wenn ihr mich nicht finden konntet, war ich hier. Pass auf, dass dir niemals jemand folgt und achte darauf, dass sich die Tür immer hinter dir schließt."
Draco nickte. „Das ist verrückt, hast das alles du geschrieben?", fragte er und zeigte an die Wände. Amelia nickte und ging mit ihm zu einer langen Liste an der Wand.
„Bevor es sich lohnt irgendetwas anderes zu üben, solltest du diese Zauber lernen. Es sind alles gängige Duellzauber.", sagte Amelia und deutete auf das obere Drittel der Liste.
„Diese solltest du alle aus dem Schlaf können. In den Büchern findest du die Anweisungen dazu", sagte Amelia und markierte die wichtigen Zauber. Sie selbst nahm sich eines der Bücher, die auf dem Tisch gelegen hatten und zog sich ein Blatt Pergament zurecht.
„Ich sage dir jetzt schon, dass du das nicht von heute auf Morgen lernen wirst. Ich habe Wochen gebraucht und das mit Unterstützung."
„Ich werde es schaffen", sagte Draco entschlossen.
Amelia wusste nicht, wie die Gryffindors es geschafft hatten, jedoch saßen sie schon zum Abendessen wieder in der großen Halle und warfen Amelia und Draco böse Blicke zu. Draco blitzte zurück, während Amelia kichernd an ihrem Kürbissaft nippte.
Doch zu Amelias Erleichterung blieb es bei diesem einen Versuch sie auszuhorchen. Bald schon begann die Schule wieder und der erste Abend in der gefüllten Halle brachte eine Überraschung mit sich. Am Hohen Tisch der Lehrer saß eine Hexe, vielleicht Mitte dreißig. Die rechte Hälfte ihres Gesichts war von tiefen Narben zerfurcht, ansonsten hätte man sie als durchaus schön bezeichnen können. Sie unterhielt sich gerade mit Professor McGonagall.
Professor Dumbledore stellte sie als neue Lehrerin in Verteidigung gegen die dunklen Künste vor, Professor Clog.
„Doch Professor Clog ist keine einfache Lehrerin, sie ist zudem hier in Hogwarts, um zu ergründen, was es mit der Kammer des Schreckens auf sich hat."
Die Hexe stand auf und Applaus brandete auf.
„Da bin ich mal gespannt", sagte Amelia als sich der Applaus legte.
Doch Amelias Neugierde sollte schon am nächsten Tag befriedigt werden, denn sie hatten gleich nach dem Mittagessen eine Doppelstunde Verteidigung gegen die dunklen Künste.
Als sie in den Klassensaal kamen waren alle Bilder von Lockhart dankenswerterweise verschwunden. Das hob ihre Laune etwas.
Die Schüler tuschelten aufgeregt, als Professor Clog in den Klassensaal kam. Sie setzte sich halb auf das Lehrerpult und überblickte einmal die Klasse.
„Als erstes", sagte Professor Clog und deutete auf die Lockhart Bücher, die vor Granger aufgestapelt waren. „Diese Dinger braucht ihr bei mir nicht. Ihr könnt versuchen, ob ihr sie als Brennmaterial für den Kamin benutzen könnt, falls er sie nicht wieder ausspuckt."
Viele Schüler lachten, auch Amelia musste grinsen.
„Weiter im Text. Ich bin keine wirkliche Lehrerin. Dumbledore wollte nicht, dass ich euch das so sage, aber ich denk mir, das ist nur fair." Einige Schüler sahen sich unsicher an.
„Ich bin eine Kopfgeldjägerin und das Ministerium hat auf den Kopf eures Monsters aus der Kammer des Schreckens ein ordentliches Sümmchen ausgesetzt."
Sie sah wieder durch den Klassenraum.
„Ich mach den Mist hier nur, weil Dumbledore mir sonst verboten hat auf dem Schulgelände rumzulaufen. Also müssen wir da durch. Macht mir das Leben nicht schwer und ich mach es euch auch leicht, kapiert?"
Die Reaktionen der Schüler waren unterschiedlich. Manche lachten, doch andere warfen sich irritierte Blicke zu.
„Dann starten wir mal", sagte Professor Clog und hüpfte geschäftig vom Tisch.
„Es gibt viele unterschiedliche Arten, wie man sich in Schwierigkeiten bringen kann. Ich versuch euch jetzt beizubringen, wann ihr am besten den Zauberstab nehmt und wann ihr euch umdrehen solltet und rennen. Dafür müsst ihr die Gefahr, die von den Dunklen Künsten ausgeht erkennen können. Dann sagt mal, was fallen euch für Situationen ein, in denen ihr dunklen Künsten begegnen könntet."
Der Unterricht war ganz interessant, wenn auch ziemlich chaotisch und unübersichtlich. Es war besser als Lockhart befand Amelia und hörte aufmerksam zu.
Am Abend machte ich Amelia auf den Weg zu Hagrid. Draco übte Duellzauber und Amelia hatte beschlossen, dass sie Hagrid lange nicht mehr gesehen hatte. Außerdem hatte sie sich an die komischen Pferde erinnert, die die Schulkutschen zogen.
Auf halben Weg sah sie Professor Clog entgegenkommen und versteckte sich schnell hinter einem der Gewächshäuser.
Als Amelia Hagrids Hütte erreichte, wirkte Hagrid sehr verwirrt. Er füllte zuerst Amelias Tee in Fangs Hundenapf kippte danach den ganzen Kessel mit heißem Wasser um, sodass Amelia ihm die Arbeit abnahm.
„Was ist den passiert?", fragte sie einfühlsam, als sie endlich mit zwei großen dampfenden Tassen am Tisch saßen.
„Nichts, was sollte denn gewesen sein?", sagte Hagrid hastig und schüttete fast erneut seinen Tee um.
„Ich habe Professor Clog von hier kommen sehen. Sie jagt schließlich das Monster aus der Kammer des Schreckens."
„Was sollte das mit mir zu tun haben?", fragte Hagrid und Amelia brauchte nicht mal Legilimentik um ihm anzusehen, das ihm das Thema unangenehm war.
„Ich dachte nur, sie hätte dich nach ungewöhnlichen Vorkommnissen gefragt, nachdem du das Gelände besser kennst als die meisten Anderen", sagte Amelia und lächelte Hagrid an.
„Nichts ist passiert, nur normale Schülerstreiche. Erwürgen dauernd meine Hähne, aber sonst ist nichts los", brummte Hagrid.
Trotz allem war er den ganzen Abend nicht aufzumuntern. Einen Moment überlegte Amelia ob sie mit Legilimentik versuchen sollte, herauszufinden was ihn bedrückte, doch sie ließ es. Professor Snape hatte sie gewarnt Legilimentik niemals leichtfertig anzuwenden. Denn es war ein schwerer Eingriff in die Privatsphäre. Nur im Kampf oder bei dringendem Verdacht sollte sie ihre Fähigkeiten benutzen und Amelia hielt sich auch daran und spionierte ihre Mitschüler nicht aus.
Es verging keine Woche, bis Professor Clog Amelia nach dem Unterricht abfing, um sich mit ihr zu unterhalten. Amelia hatte darauf gewartet seit Professor Clog angekündigt hatte, das Geheimnis, um die Kammer des Schreckens zu lüften.
„In mein Büro", sagte Clog barsch und unter Schulterzucken sagte Amelia den anderen Slytherins sie würde nachkommen.
Sie folgte der Professorin in Lockharts ehemaliges Büro, nur dass es nun völlig anders aussah. An den Wänden hingen große Pläne von Hogwarts, die an manchen Stellen mit roten Pfeilen versehen waren und auf dem Tisch standen ein paar seltsame Gerätschaften. Etwas das aussah wie eine Sanduhr, sich aber jetzt in perfekter Balance hielt und noch ein paar andere komische Apparaturen.
Amelia setzte sich ihrer Professorin gegenüber und wartete. Doch diese schien nichts sagen zu wollen, sondern stupste nur eine silbern aufschimmernde Kugel immer wieder mit ihrem Zauberstab an.
„Wissen Sie was das ist, Miss Potter?", fragte sie Amelia, doch diese verneinte.
„Das ist ein Antiobskurant. Damit wird dunkle Magie und Verrat enttarnt."
„Das ist wirklich interessant ich habe mal davon gelesen, aber noch nie solche Gegenstände gesehen. Was macht die Kugel?", fragte sie interessiert und beugte sich vor.
Die Hexe legte die Kugel auf den Tisch, zwischen sie und beäugte Amelia misstrauisch. Ihre entstellte Gesichtshälfte sah dabei grauenvoll verzerrt aus.
„Dieses Wunderwerk der Magie sollte sich eigentlich verfärben, sobald jemand anderes außer mir in seine Nähe kommt. Allerdings tut es das bei Ihnen nicht, haben Sie eine andere Erklärung dafür, außer dass Sie ein Inferi sind?"
Amelia kicherte und als sie das fassungslose Gesicht ihrer Professorin sah musste sie lachen. Der Lachanfall hielt jedoch nicht lange, japsend bekam sich Amelia ein.
„Also wirklich, für einen Inferi hat mich noch niemand gehalten, das war gut", sagte Amelia grinsend.
„Das war kein Scherz", sagte die Professorin trocken.
Amelia seufzte und wurde ernst: „Ich dachte sie wären lockerer. Aber gut. Es gibt eine einfache Erklärung."
„Ich bin ganz Ohr, was für eine Erklärung haben Sie für mich?"
„Ich bin Okklumentor. All diese magischen Gegenstände funktionieren bei mir nicht."
„Dann sollte ich Ihnen allerdings sagen, dass Albus Dumbledore, einer der größten Okklumentoren unserer Zeit, durchaus eine Reaktion bei meinem Spikoskop hervorgerufen hat. Das ist eine schlechte Ausrede", sagte die Hexe ernst.
„Dann sollte ich mich wohl präziser ausdrücken", sagte Amelia kühl.
„Okklumentik ist nicht gleich Okklumentik. Es gibt jene guten Okklumentoren, wie Professor Dumbledore und es gibt weniger gute, so wie mich.
Sollte ein Legilimentor versuchen in Dumbledores Geist hinein zu blicken und ihn lesen wollen, so wird ihm ein Geflecht aus Täuschungen und Lügen entgegen kommen und er wird es als die Wahrheit empfinden. Ich selbst studiere Okklumentik gerade mal ein Jahr und diese Feinheiten habe ich noch nicht perfektioniert, wenn ich mich nicht darauf konzentriere, ist mein Geist leer. Ich blocke jegliche Legilimentik ab. Darin bin ich so gut, dass selbst mächtige magische Gegenstände mich nicht wahrzunehmen vermögen."
Amelia nahm das Spikoskop vom Tisch und betrachtete es eingehend.
„Diese magischen Gegenstände spüren und lesen den Geist von Magiern aus, Professor Clog. Doch wer eine so starke Barriere hat wie ich, den nehmen sie nicht wahr. Sie spüren nur was ich Ihnen zu spüren erlaube."
Amelia konzentrierte sich einen Moment und die Kugel in ihrer Hand verfärbte sich schlagartig grün.
„Reicht Ihnen das?", fragte Amelia.
Professor Clog schnaubte auf.
„Du solltest Lehrerin werden, Mädchen. Die Stimme ist genau die richtige Mischung aus langweilig und furchteinflößend um nicht einzuschlafen. Aber gut, Story gekauft."
Auch Amelia schnaubte.
„Weißt du, warum ich mit dir sprechen wollte?", fragte Professor Clog nun eindringlicher.
„Ich habe da so die ein oder andere Idee", entgegnete Amelia milde lächelnd.
„Dann schieß mal los, ich bin ganz Ohr."
Amelia musste grinsen.
„Ich glaube, nachdem Sie verkündet hatten, dass Sie das Monster in der Kammer des Schreckens zu Fall bringen wollen, sind ein paar ganz aufgeschreckte und aufrichtig besorgte Gryffindors zu Ihnen gekommen, um Ihnen zu sagen, dass ich die Erbin Slytherins bin."
Auch Professor Clog musste nun amüsiert schnauben.
„So war das in der Tat, sie haben mir wilde Geschichten erzählt, dass Sie sie in den Kerkern eingeschlossen hätten, das Sie ein Parselmund wären und all solche Dinge."
„Oh, in den Kerkern habe ich sie schon eingeschlossen. Aber erst nachdem sie versucht, haben mich herein zu legen. Ich mag es nicht getäuscht zu werden und habe ihnen eine Lektion erteilt", sagte Amelia und grinste schief.
„Bist du die Erbin Slytherins?", fragte Professor Clog und sah sie scharf an.
„Nein", sagte Amelia schlicht.
„Gut, hatte ich auch irgendwie nicht erwartet", sagte die Hexe und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück.
Amelia musste lachen. „Das glauben Sie mir so einfach?"
„Du wärst ganz schön blöd, wenn du die Kammer geöffnet hättest. Du bist als Erste am Geschehen, sprichst Parsel, schleichst dich nachts hinaus um mit Hagrid zu sprechen und schlägst deinen ehemaligen Professor ohne Zauberstab aus den Latschen. Du bist die perfekte Schuldige. Allerdings hast du eine Nacht bewusstlos in der Krankenstation gelegen. Ne das wäre zu einfach."
„Was ist so schlimm dran, mit Hagrid zu sprechen?", fragte Amelia irritiert.
„Weißt du das nicht? Ich dachte du wärst auch deshalb da gewesen. Er ist von der Schule geflogen, weil er die Kammer das letzte Mal geöffnet hat."
„Wirklich?", fragte Amelia und überspielte ihre Überraschung. „Hagrid wirkt nicht wie ein Muggel hassender Schwarzmagier, der am liebsten kleine Kinder umbringt. Wie kam man damals darauf?"
„Ein Vertrauensschüler hat ihn gefasst, Tom Vorlost Riddle. Ich habe versucht diesen Riddle ausfindig zu machen, aber er ist wie vom Erdboden verschwunden. Hat mal bei Burgin & Burges gearbeitet, ist aber auch schon fast 50 Jahre her. Wahrscheinlich ist er tot."
Amelia nickte bedächtig, stand auf und betrachtete die Karte von Hogwarts mit den rot markierten Pfeilen.
„Hagrid liebt magische Wesen. Umso gefährlicher, umso besser findet er sie", begann Amelia. „Doch ich glaube nicht, dass er es zulassen würde, dass ein Mädchen umgebracht wird."
„Das kann man nie wissen, er ist schließlich ein halber Riese, diese neigen zu Gewalt."
Amelia stockte. Also hatte Draco doch Recht gehabt. Verbarg Hagrid seine brutale Seite? Aber wenn er wirklich aus reiner Grausamkeit und Brutalität handeln würde, warum würde er dann Muggelstämmige angreifen? Das war nicht plausibel.
„Ich glaube trotzdem nicht, dass es Hagrid war", sagte Amelia und wog ihre Worte genau ab. „Dies alles wirkt eher wie eine rassistisch motivierte Tat. Riesen sind brutal, aber sie machen keinen Unterschied zwischen reinem und unreinem Blut." Sie hielt kurz inne und fügte hinzu.
„Hagrid mag Riesenblut haben, aber das heißt nicht das er bösartiger ist, als ein Mensch der hasst", schloss Amelia und musste daran denken, was sie selbst im Hass getan hatte.
Professor Clog lachte und kam auf sie zu. Freundschaftlich legte sie ihr die Hand auf die Schulter.
„Als erstes dachte ich, dass du ganz anders bist, doch du hast einiges von deiner Mutter. Lily hat genau das gleiche über Hagrid gesagt"
Amelia starrte ihre Professorin ungläubig an. „Sie kannten meine Mutter?", fragte sie etwas tonlos.
„Natürlich, wir waren zusammen in Hogwarts. Wir waren beste Freundinnen und später haben wir zusammen gegen Voldemort gekämpft."
Gedankenverloren sah Amelia auf die Karte. Deshalb hatte die Professorin mit ihr sprechen wollen. Sie hatte nie erwartet, dass sie wirklich die Kammer geöffnet hatte.
„Wie war sie so? Meine Mutter? Haben Sie vielleicht noch ein Bild von ihr? Ich würde sie gerne mal sehen", sagte Amelia etwas hilflos.
Professor Clog sah sie schockiert an.
„Wie, du weißt nicht, wie sie aussieht?", fragte sie perplex.
Amelia schüttelte den Kopf.
„Okay", sagte Clog und packte sie an beiden Schultern sodass Amelia sie ansehen musste.
„Du kommst am Samstag zum Tee rein, dann schau ich, dass ich bis dahin paar Bilder auftreibe. Das kann doch nicht sein, dass du meine Lily nie gesehen hast, ich mein das ist deine Mum."
„Danke", sagte Amelia und musste unwillkürlich lächeln.
Nachwort:
Mit Artemis habe ich einen Charakter eingeführt, den es so noch nicht gibt. Sie wird noch eine wichtige Rolle spielen aber auch nicht übermäßig keine Sorge. Ich versuche so wenig wie möglich neue Charaktere in diese Welt einzuführen wie möglich. Doch ich habe in den Büchern niemanden gefunden der ihre Aufgabe übernehmen kann. Mehr dazu im nächsten Kapitel.
Auch Draco hat in diesem Kapitel eine Lektion gelernt und er wird sie sein Leben lang nicht vergessen. Amelia hat ihm beigebracht, um seine Ziele zu kämpfen eine Lektion die er nie gelernt hatte und jetzt hat er ein neues Ziel bekommen. Aber darauf wird später nochmal Bezug genommen.
