Kapitel 10 – Dunkles Spiegelbild

Amelia rannte hinauf ins Schloss und kam vor der Tür von Artemis Büro zum Stehen. Sie klopfte und die Hexe öffnete ihr sofort.

„Was machst du hier? Du solltest dich nicht allein im Schloss herumtreiben, schon gar nicht jetzt", sagte sie streng. Es passte nicht zu ihr.

„Ich weiß, wo die Kammer des Schreckens ist", sagte Amelia schlicht.

Artemis fuhr herum. „Woher?"

Amelia zuckte die Schultern. „Ich bin eine Slytherin, ich höre viel."

Artemis sah sie aus zusammengekniffenen Augen an.

„Du weißt das schon länger, oder?", fragte sie lauernd.

Amelia wollte schon antworten, doch auf halber Strecke zu ihrem Mund blieben ihr die Lügen im Hals hängen. Diese Frau war immer ehrlich zu ihr gewesen, verdiente sie nicht auch wenigstens ein bisschen Ehrlichkeit?

„Ich weiß schon lange was sich in der Kammer befindet. Aber ich habe erst heute herausgefunden, wo der Eingang ist."

„Aber...", fragte Artemis fassungslos. „Warum hast du nichts gesagt? Das arme Mädchen, dass verschleppt wurde, du hättest sie retten können. Was hätte alles geschehen können! Warum?"

Warum, das war eine gute Frage, doch die Wahrheit war einfach.

„Weil ich eine Slytherin bin", sagte Amelia und die Wahrheit schmeckte bitter. Sie war eine Slytherin. Sie tat nie etwas, wenn es nicht zu ihrem Vorteil war.

„Das ist Unsinn. Lily hätte nie… Lily würde…" Artemis fand keine Worte.

„Aber ich bin nicht Lily. Lily war meine Mutter, sie war muggelstämmig. Eine bestimmt großartige Hexe und wunderbare Frau, aber sie war nicht ich", Amelias Stimme klang hart. „Ich habe andere Prioritäten. Ich habe Verpflichtungen anderen gegenüber, die mich in die Zauberwelt aufgenommen haben. Mein Leben ist nicht so einfach, wie du denkst, Artemis."

Artemis sah sie einfach nur fassungslos an, als könnte sie nicht glauben was Amelia sagte, als würde sie den Sinn nicht verstehen.

„Da gibt es auf der einen Seite dich, die in mir einen guten Menschen sehen will. Einen Menschen, den es nicht gibt. Auf der anderen Seite habe ich Draco, die Slytherins, die Malfoys, die... Du willst gar nicht wissen was sie von mir denken… Ich… Ich bin schon tiefer in diese Welt eingedrungen als du es sehen willst."

„Das ist falsch! Das ist nicht richtig! Du bist ein guter Mensch, du bist Lilys Tochter!", schrie Artemis sie an und Amelia konnte die Frustration spüren. Sie spürte den Schmerz um das Vergangene, um die Freundin, die sie dachte, wiedergefunden zu haben, doch Amelia war nicht Lily. Sie würde diesen Schmerz nicht lindern können, die Schuldgefühle der Überlebenden…

Amelia ließ sie schreien und wartete. Eine solche innere Ruhe und Kälte hatte sie ergriffen, dass es sie einen Moment selbst erschreckte, was aus ihr wurde. Früher war sie nicht so gewesen, doch die Legilimentik hatte sie gelehrt, Gefühle von sich weg zu schieben, ihnen keine Macht über sie zu geben. Weder die Gefühle anderer noch ihre eigenen konnten sie beherrschen.

„Willst du nichts sagen?", fragte Artemis fassungslos. „Willst du dich nicht verteidigen?"

Amelia schüttelte den Kopf. „Es gibt nichts zu sagen. Du wusstest immer wer ich bin. Auch wenn du das nicht wahrhaben wolltest. Du hast gesehen, wie sie mich hier auf Hogwarts fürchten. Komm jetzt, da wartet ein Basilisk auf uns."

Artemis lachte auf. „Du bist echt eiskalt." Amelia grinste spöttisch.

„Das fällt dir aber früh auf. Komm."

Artemis folgte ihr.

Amelia führte Artemis durch das Schloss, bis sie zu der verschmierten Wand kamen. Darunter war noch etwas geschrieben worden. „Ihr Skelett wird für immer in der Kammer liegen."

Amelia beachtete es nicht weiter und ging in das Mädchenklo, das nicht weit davon entfernt war. Als sie in die Tür trat erstarrte sie.

Artemis die hinter ihr Stand schaute über ihre Schulter und fragte: „Was treiben Sie hier, Malfoy?",

An ein Waschbecken gelehnt stand Draco und grinste sie selbstbewusst an. Auf dem Arm trug er Eristik.

„Wie bist du hierhergekommen?", fragte Amelia ziemlich wütend.

„Ich habe Eristik erzählt, dass du dich umbringen gehst und dann ist er sofort los und ich bin ihm hierher gefolgt. Er weiß genau was gut für dich ist."

„Ich lasse nicht zu, dass du mitkommst. Was wenn der Basilisk dich erwischt. Der macht nämlich keinen Unterschied zwischen uns und den Schlammblütern!"

Draco ließ Eristik auf den Boden gleiten und kam auf sie zu. Er packte ihre Zauberstabhand die erhoben war.

„Ich lass nicht zu, dass du da allein runter gehst. Ich will dich nicht verlieren", sagte er eindringlich und etwas in seinem Blick berührte sie.

Amelia wollte widersprechen, doch hinter ihr begann Artemis laut zu lachen.

„Deine Eltern würden dich umbringen, Amelia. Ein Malfoy! Von allen die es gibt.", sagte sie und lachte. Draco und Amelia blickten die Hexe nur verständnislos an.

„Aber jetzt los, du wolltest mir die Kammer des Schreckens zeigen. Oder hast du zu viel versprochen?"

Amelia nickte verwirrt und nahm den Zauberstab runter. Draco ließ sie los.

Sie wollte nochmal versuchen Draco zur Umkehr zu überreden, doch sie sah nur seinen sturen Blick und blickte hinunter zu Eristik, der sich nun, da sie ihn böse ansah möglichst klein hinter Draco zusammenrollte.

„Wir sprechen uns noch du verräterische Schlange", schmollte sie und dieser schrumpfte noch etwas zusammen.

Draco und Artemis bemerkten es und obwohl sie Amelias Worte nicht verstanden hatten, lachten sie bei dem Anblick.

„Wo ist jetzt der Eingang?", fragte Draco. Amelia sah ihn nur missbilligend an und wandte sich den Waschbecken zu.

„Öffne dich!", sagte sie auf Parsel.

Der Wasserhahn des Beckens vor ihr begann zu glühen und das Waschbecken versank in der Wand und gab ein Rohr frei. Groß genug, dass eine Person hinunterrutschen konnte.

„Ich gehe da runter und ihr bleibt hier, kapiert?", befahl Artemis doch Amelia schüttelte den Kopf.

„Soweit ich weiß, gibt es zwei Türen. Ohne mich wirst du die Zweite nicht öffnen können."

Artemis sah sie zerknirscht an. „Ich kann euch da nicht mit runter nehmen, dass wird viel zu gefährlich. Ein Basilisk! Das wird sogar für mich schwer.", sagte Artemis.

„Glaub mir, ich gehe da ungern runter, aber ich kann nicht zulassen, dass sie Hogwarts schließen", sagte Amelia.

„Da unten ist ein Mädchen, sie könnte noch am Leben sein", sagte Artemis. „Das ist wichtiger."

Draco schnaube abfällig, enthielt sich jedoch eines Kommentars.

„Gehen wir", sagte Amelia bevor noch ein Streit ausbrechen konnte und stieg in das Rohr.

„Eristik, du bleibst hier", befahl sie und stieß sich ab, bevor sie es sich anders überlegen konnte.

Sie rutschte ein langes, ziemlich schleimiges Rohr entlang. Überall zweigten kleinere Rohre ab, doch ihres ging steil nach unten. Am Ende bog das Rohr sich nach oben weg und spuckte sie auf den Boden eines unterirdischen Ganges aus.

Amelia trat ein paar Schritte zur Seite und sah sich um. Sie musste weit unterhalb der Schule sein. Tief unter den Kerkern.

Hinter ihr landete Artemis und kurze Zeit später kam auch Draco unten an. Er wischte sich den Dreck von den Händen. Sie zündeten ihre Zauberstäbe an und erleuchteten den Gang.

„Wir müssen unter dem See sein", sagte Artemis und deutete auf die nassen Wände.

„Denkt daran, sofort die Augen zu schließen wenn ihr eine Bewegung bemerkt. Ein Blick in die Augen des Basilisken und ihr seid tot", sagte Amelia.

„Tot?", fragte Draco erschrocken.

„Na, kalte Füße?", fragte Artemis gehässig. Draco warf ihr einen bösen Blick zu und reckte den Kopf.

Vorsichtig gingen sie den Gang entlang. Sie bogen um eine dunkle Ecke und blieben wie erstarrt stehen. Vor ihnen war etwas Großes, es schien sich nicht zu bewegen, aber es war auch kein Stein.

Amelia hörte Artemis hinter ihr: „Bestia revelio"

Sie warteten einen Moment bis Artemis das Zeichen gab weiterzugehen. „Das Ding lebt nicht", sagte sie.

Draco und Amelia atmeten erleichtert auf. Sie hatten nicht mal gemerkt, dass sie die Luft angehalten hatten.

Der Schatten stellte sich als eine gigantische Schlangenhaut heraus. Sie war grün und mindestens sieben Meter lang. „Der Basilisk muss sich gehäutet haben", sagte Amelia. „Er ist schließlich auch eine Schlange."

Sie gingen weiter, immer auf der Hut. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis sie vor einer Wand ankamen. In diese waren zwei ineinander gewundene Schlangen gemeißelt die smaragdene Augen leuchteten im Schein ihrer Zauberstäbe.

Das war der Eingang. Der Eingang in die Kammer des Schreckens.

Als Amelia nicht so wirkte, als würde sie etwas tun, ergriff Artemis das Wort. „Los, öffne es", forderte sie.

Amelia zögerte.

„Da ist noch mehr", sagte sie kleinlaut und starrte die Schlangen an.

„Was noch, Amelia? Spucks aus", sagte Artemis ungeduldig.

„Wir werden erwartet", sagte sie.

„Der Erbe Slytherins, das dachte ich mir", sagte Artemis.

Doch Amelia schüttelte den Kopf.

„Ich weiß nicht genau was es ist. Eristik sprach von einem Schatten."

„Woher weißt du das alles?", fragte Draco. „Ich meine, ich habe dich jeden Tag gesehen und habe von all dem nichts mitbekommen."

Amelia lächelte ihn unsicher an und zuckte die Schultern.

„Die Kammer wurde von einem Gegenstand geöffnet, einem Buch", sagte sie und wandte sich wieder dem Eingang zu.

„Lasst mich ein." Amelia entkam ein langes tiefes Zischen und die Schlangen erwachten zum Leben. Sie schlangen sich umeinander und gaben eine Öffnung frei.

Amelia, Draco und Artemis traten in eine lange schwach erleuchtete Kammer. Wie in einem Spalier ragten lange mit steinernen Schlangen geschmückte Säulen zur Decke, die nicht zu erkennen war.

Amelia war so nervös, dass sie zusammenzuckte als ein Wassertropfen zu Boden viel. Ihre Nerven waren zum Bersten gespannt.

Sie gingen weiter und am anderen Ende der Kammer erkannten sie eine gewaltige Steinstatue. Es war ein alter Zauberer mit langem Bart, der ihm fast bis zu seinen Füßen reichte und dort zu seinen Füßen, lag Ginny Weasley. Sie bewegte sich nicht.

Vorsichtig schlichen sie weiter. Draco und Amelia stellten sich mit erhobenen Zauberstäben vor Ginny während Artemis sich zu ihr hinunter beugte.

„Sie lebt noch", sagte die Hexe. „Aber sie ist sehr schwach."

„Und sie wird immer schwächer", sagte eine Stimme.

Alle fuhren herum. An eine Säule gelehnt stand ein Junge, keinen Tag älter als sechszehn. Er wirkte etwas diffus, als wäre er nicht wirklich real und ein unheimliches Leuchten ging von ihm aus.

„Wer bist du?", fragte Artemis Clog.

„Tom Riddle", Amelias Stimme klang erschreckend gleichgültig, als sie dies sagte. Riddle sah sie neugierig an.

„Du hast also schon von mir gehört?", stellte er fest und grinste.

„Bist du ein Geist?", fragte sie und musterte Riddle.

„Nicht ganz, eher eine Erinnerung. Festgehalten in meinem Tagebuch.", sagte er und deutete auf ein kleines schwarzes Buch, das neben Ginny Weasley lag.

Amelia bückte sich danach, ohne Riddle auch nur einen Moment aus den Augen zu lassen.

„Du hast damals Hagrid erwischt, als er die Kammer geöffnet hat", sagte Artemis und musterte Riddle.

Amelia sah sich das Tagebuch an. Sie wusste, woher es war, sie hatte es schon einmal gesehen, in Lucius Malfoys Erinnerungen. Sie blätterte durch die Seiten, doch es war leer.

„Möchtest du gerne darin schreiben?", fragte Riddle ohne Artemis zu beachten.

Amelia gab das Buch an Draco weiter, der es neugierig entgegennahm und umklammerte ihren Zauberstab.

„Das Weasley Mädchen hat darin geschrieben, nicht wahr?", fragte Amelia.

„Oh ja, sie war ganz erpicht darauf mir alles von sich zu erzählen. Sie konnte einfach nicht anders. Sie hat mir all ihre kindlichen Sorgen anvertraut. Sie war richtig zutraulich." Riddle lacht freudlos auf.

„Tom, keiner versteht mich so wie du, du bist wie ein Freund, den ich in der Tasche herumtragen kann", zitierte er. „Ihre Gefühle gaben mir Kraft und ich wurde mächtig, viel mächtiger als die kleine Miss Weasley. Mächtig genug, um sie mit einigen meiner Geheimnisse zu füttern." Amelia lief ein Schauer über den Rücken und Artemis sah Riddle entsetzt an.

„Jetzt wurden ihre Tagebucheinträge interessanter. Lieber Tom«, zitierte er, „ich glaube, ich verliere mein Gedächtnis. Auf meinem Umhang sind überall Hühnerfedern und ich weiß nicht, wie das kommt. Lieber Tom, ich kann mich nicht erinnern, was ich in der Nacht von Halloween getan habe, aber eine Katze wurde angegriffen und ich bin überall mit Farbe bekleckert. Lieber Tom, Percy sagt ständig, ich sei blass und nicht mehr die Alte. Ich glaube, er verdächtigt mich ... Heute gab es wieder einen Angriff und ich weiß nicht, wo ich war. Tom, was soll ich tun? Ich glaube, ich werde verrückt ... Ich glaube, ich bin es, die alle angreift, Tom!"

Riddle lachte kalt und Draco neben ihr zitterte.

„Sie hat aber noch viel mehr getan, sie hat mir von dir erzählt. Einer Slyrtherin. Der größten wahrscheinlich, seit ich selbst auf Hogwarts war."

Er kam einen Schritt näher und Amelia bemerkte einen Zauberstab in seiner Hand aufblitzen.

„Sie hat mir deine faszinierende Geschichte erzählt, wie du überlebt hast, während der größte Zauberer der Geschichte geschlagen wurde. Du, ein Mädchen. Welche Macht besitzt du?" Er sah sie begierig an, doch Amelia rührte sich nicht.

„Warum hast du diesen magischen Gegenstand geschaffen, warum hast du es nicht einfach zu Ende gebracht als du in der Schule warst?", fragte Artemis und zitterte vor Wut.

„Oh nun, es schien mir etwas zu gefährlich. Nachdem ein Schlammblut gestorben war, wollte man die Schule schließen. Das konnte ich natürlich nicht zulassen, also habe ich Hagrid das alles angehängt. Wer hätte mir schon widersprochen."

„Du bist bei Muggeln aufgewachsen", stellte Amelia fest. „Du stehst nicht in der magischen Enzyklopädie der Blutlinien, du kannst nur ebenfalls ein Schlammblut sein." Amelias Worte waren wie ein Peitschenknall in der Halle.

Riddle zückte seinen Zauberstab und einen Moment wirkte es, als würden seine Augen glühen.

„Sag das nie wieder! Ich bin Salazar Slytherins Erbe, aber man gab mich in ein Muggelweisenhaus, deshalb wurde meine Blutlinie nie aufgezeichnet. Ich habe meine Erinnerungen in meinem Tagebuch festgehalten, damit ein anderer, Salazar Slytherins edles Werk für mich fortführen würde!"

„Das ist dir augenscheinlich misslungen", sagte Artemis. „In ein paar Tagen wird der Alraunentrank fertig sein und alle Versteinerten werden wieder aufwachen und Ginny überlassen wir dir auch nicht."

Doch Riddle lachte nur. „Oh ich habe schon lange ein anderes Ziel. Ein wichtigeres Ziel!"

„Welches Ziel?", fragte Artemis.

„Er will Amelia töten." Draco war blass im Gesicht und hielt das Tagebuch fest in seiner zitternden Hand. Doch sein Blick war starr auf Riddle fixiert.

„Warum sollte er?", fragte Artemis verwirrt und Amelia blicke zu Draco.

Er schluckte und Furcht kroch in seine Züge. „Weil er der Dunkle Lord ist."

Amelia fuhr zwischen Draco und Riddle herum. „Voldemort?!" Riddle grinste.

„Kluger Junge. Lord Voldemort war ein Name, den ich schon in meiner Schulzeit benutzt habe. Ich wusste, wenn ich einmal der größte Zauberer der Welt werden wollte, musste ich mir einen Namen schaffen, der meiner würdig war. Ich konnte nicht mein Leben lang den Namen meines wertlosen Muggelvaters tragen."

„Ich werden dich vernichten", sagte Artemis und ihre Stimme war voller Hass. „Ich habe gedacht, dass ich in meinem Leben zu keiner Rache mehr komme, welch ein süßes Vergnügen", zischte sie.

„Oh, keine Sorge. Du wirst deinen Kampf bekommen, doch vorher will ich etwas von dir wissen, Amelia Potter. Welche Macht besitzt du, die mich vernichtet hat? Was hast du an dir, dass ich nicht überwinden konnte?"

Diesmal war es an Amelia zu lachen, es war ein kaltes freudloses Lachen, dem seinen so ähnlich.

„Seit wir uns gegenüberstehen, muss ich die ganze Zeit daran denken, wie ähnlich wir uns sind, Tom Riddle. Wie viel uns verbindet.", sagte Amelia kalt und musterte ihr Gegenüber. Den Jungen, der einmal zum Mörder ihrer Eltern werden würde.

„Beide sind wir halbblütige Weisen, bei Muggeln aufgewachsen, mit einer unglücklichen Kindheit. Beide tragen wir den Namen eines Muggels. Wir sind beide Slytherins und auch Parselmünder. Sogar unser Antrieb die Kammer zu schließen ist der Gleiche. Hogwarts darf nicht geschlossen werden, sonst muss ich zu den Muggeln zurück und ich hasse die Muggel. Wir sind uns so erschreckend ähnlich, Riddle. Findest du nicht auch?"

Artemis und Draco sahen Amelia entsetzt an. „Aber es gibt einen Unterschied zwischen uns. Einen entscheidenden. Du versuchst zu gefallen, du sehnst dich nach Anerkennung und Aufmerksamkeit. Du brauchst diese Anerkennung, um zu existieren"

„Was redest du da für einen Unsinn", fragte Riddle und blinzelte.

„Du hast mir soeben dein Herz ausgeschüttet. Du wolltest dich in meiner Aufmerksamkeit suhlen. Du gibst deine tiefsten Geheimnisse für ein bisschen Anerkennung preis, in der Erwartung das ich es genauso tun werde."

Amelia reckte das Kinn und sah Riddle herablassend an. „Aber ich bin nicht du, ich brauche all das nicht. Während du dich allein und verlassen von all deinen Anhängern verstecken musst, habe ich Menschen um mich herum, denen ich wichtig bin. Menschen die mir sogar in die Kammer des Schreckens gefolgt sind."

„Und du glaubst, das gibt dir Macht?", fragte Riddle lauernd. Draco fasste nach Amelias Hand und drückte sie. Artemis stand auf ihrer anderen Seite.

„Es gibt mir mehr Macht als du je haben wirst."

Riddle lachte.

„Dann lass uns die erbärmliche Macht von Amelia Potter und ihren Freunden, mit der Macht von Lord Voldemort, dem Erben von Salazar Slytherin, messen."

Riddle wandte sich der Statue zu und breitete die Arme aus. Mit einem tiefen langen Zischen rief er der Statue zu: „Sprich zu mir, Slytherin, Größter der Vier von Hogwarts."

Über ihnen öffnete sich der Mund der Statue und Amelia schloss sofort die Augen.

„Der Basilisk kommt!"

Sie spürte wie Artemis an ihrer Seite umher wirbelte und einen Zauber abschoss.

„Nein! Du dämliche Hexe!", fluchte Voldemort. Amelia öffnete die Augen und sah den gewaltigen giftgrünen Basilisken, der eine Augenbinde trug. Es war fast witzig.

Artemis fuhr herum und schickte einen Zauber auf Riddle, doch dieser ging durch ihn hindurch, ohne ihn im Mindesten zu stören.

„Glaubst du wirklich, deine jämmerlichen Flüche könnten mich vernichten?", sagte er höhnisch.

Riddle hob seinen Zauberstab, sie sah es fast wie in Zeitlupe. Bald würde er den Basilisken von der Augenbinde befreien.

Amelias Verstand raste. Sie musste etwas tun. Denk nach, er war eine Erinnerung, ein Gedanke. Bevor Amelia wusste, was sie tat, tauchte sie ab in die Legilimentik. Doch es ging tiefer, tiefer als sie je in einen fremden Geist eingedrungen war und all dies ohne Gegenwehr. Jeder normale Geist hatte eine Gegenwehr. Selbst wenn der Zauberer dies nicht aktiv spürte. Doch dieser war anders. Endlich erreichte sie das Ende und ein dichter Nebel erreichte sie, dichter als alles, was sie je gesehen hatte. Amelia blickte auf, doch der Anblick, der sich ihr bot, war nicht der, den sie erwartet hatte. Es war nicht Riddle der ihr gegenüber stand, sondern ein kleines verkrüppeltes Wesen. Seine Glieder standen unnatürlich grotesk ab und es zitterte als sei ihm kalt. Beinah hätte sie Mitleid bekommen. Das Geschöpf wimmerte herzzerreißend. Hinter ihm, wie hinter Glas, saß Ginny Weasley und starrte mit leerem Blick in die Ferne. Sie war die Quelle des Lebens in dem Geist dieses Wesens.

Amelia packte das Wesen und in diesem Moment durchfuhr sie ein ungeheurer Schmerz. „Ahhhh" Sie landete wieder in der Realität und ging zu Boden. Sie wand sich in Schmerzen, die sich von ihrer Narbe aus durch ihren gesamten Körper zogen.

Wie durch einen Schleier sah sie Riddles Ebenbild, dem es ebenso erging wie ihr. Der Zauberstab fiel nutzlos aus seinen zitternden Händen und er schrie gepeinigt auf.

„Rieche sie, töte sie!", stieß Riddle auf Parsel hervor und der gewaltige Basilisk wandte sich ihr zu. Amelia bemerkte, wie Artemis einen Zauber gegen ihn schleuderte, doch nichts geschah. Draco hob ebenfalls den Zauberstab, doch die Schlange wischte ihn mit einer Bewegung ihres gewaltigen Schwanzes davon. Sein Zauberstab rollte nutzlos über den Boden. Artemis schrie etwas und Draco stürzte sich auf die Schlange und warf sie um. Doch schnell hatte der Basilisk ihn wieder abgeschüttelte und er schlug gegen eine der Steinsäulen.

Amelia wollte sich bewegen, doch es war als hielten unsichtbare Fesseln sie zurück. Irgendwas in ihr, fesselte sie und fügte ihr Schmerzen zu. Sie war hier in der Realität doch noch immer konnte sie Riddle spüren, seine Erinnerungen, sein selbst. Sie konzentrierte sich darauf und Riddle krümmte sich schreiend auf dem Boden. Seine Gestalt flackerte.

Der Basilisk bäumte sich rasend auf und schoss auf Amelia zu, die sich noch immer in Schmerzen auf dem Boden Wand. Artemis stand zwischen ihnen und feuerte dunkelrote Blitze auf ihn ab. Doch der Basilisk kam unaufhaltsam näher. Er wollte nach Amelia schnappen, doch Artemis warf sich dazwischen und zwang ihren Zauberstab in sein Maul. Ein glühender Blitz entflammte in seinem Mund, als er seine Zähne in den Arm der Hexe versengte.

Der Kopf des Basilisken wurde zerrissen und Artemis fiel zu Boden.

Eine Welle des Schmerzes überkam Amelia, als der Basilisk und Artemis bewegungslos neben ihr zu Boden gingen. Gepeinigt schrie sie auf.

Riddles Erinnerung begann abermals zu flackern und plötzlich war alles vorbei. Amelia hörte einen markerschütternden Schrei von Riddle, dann war er verschwunden.

Amelia kam keuchend zu Atem. Neben ihr kniete Draco. Er hatte einen Basiliskenzahn in der Hand, den er durch die Mitte des Tagebuches getrieben hatte. Um ihn herum bildete sich ein knisterndes Brandloch und Tinte quoll hervor, als blutete es.

„Alles in Ordnung?", fragte er besorgt und ließ den Zahn fallen. Er half Amelia sich aufzusetzen.

Diese sah sich orientierungslos um. Langsam sickerten die Eindrücke des Geschehens auf sie ein. Überall lagen Basiliskenstücke herum. Draco und Amelia waren mit Blut getränkt. Ein Zahn hatte sie nur um Haaresbreite verfehlt und steckte im Boden neben ihr.

„Artemis!" Amelia sprang auf und rannte auf die Hexe zu. Artemis lag mit dem Gesicht auf dem Boden. Inmitten einer Blutlache. Einer der Zähne steckte noch immer in ihrem Arm.

Amelia drehte sie um. Ihre Augen waren friedlich geschlossen und ihr Gesicht war blass. Leichenblass. Hastig fühlte sie nach ihrem Puls. Dann überprüfte sie ihren Atem, schüttelte sie.

„Enervate!", sagte Amelia doch nichts half. Artemis Körper lag schlaff und leblos vor ihr.

„Nein, das lasse ich nicht zu! Ich lasse dich nicht sterben!", schrie sie und Tränen rannen ihr über die Wangen. Sie schüttelte den leblosen Körper so lange bis Draco ihre Hände losmachte und sie an sich zog.

Das war nicht gerecht, das war nicht fair! Sie hätte sterben sollen. Riddle hatte den Basilisken auf sie gehetzt.

Nachwort:

Es tut mir ehrlich leid, dass ich Artemis umbringen musste, aber sie hätte Amelia zu nett gemacht. Außerdem ist sie Amelias Sirius. Sie muss die Aufgabe erzielen Sie durch ihren Tod reifen zu lassen und Entscheidungen zu hinterfragen und ihr die Tür zu ihrer eigenen Wahrheit öffnen. Aber Nun trägt Amelia mehr als eine Bürde und die Dunkelheit um sie zieht sich immer weiter zu.

Vielleicht fragt ihr euch, warum ich Amelia Riddles Worte in den Mund gelegt habe. Die Worte, wie sehr sie sich doch ähneln. Ich denke, dass Amelia mehr geneigt ist diese Verbindung anzuerkennen als Harry. Sie ist ihm durchaus sehr ähnlich.