Kapitel 11 – Fette Maden

Amelia weinte und Draco hielt sie einfach nur im Arm, streichelte über ihre Haare und drückte sie an sich. Sie weinte so lange, bis sie glaubte keine Tränen mehr in sich zu haben, dann saß sie nur noch da, hörte Dracos Herzschlag und fühlte den Schmerz und die Schuld in sich aufsteigen. Sie hätte sterben sollen, dafür dass sie ihre Macht missbraucht hatte.

Ein Geräusch hinter sich ließ sie aufschrecken. Sie fuhr herum, fest damit rechnend das Riddle wieder vor ihr stehen würde, doch da stand Ginny Weasley und sah sich entsetzt in der Halle um. Auch ihr rannen Tränen die Wangen hinunter.

Amelias Blick flackerte zu Artemis leblosem Körper herüber und eine weitere Welle der Schuld überkam sie. Dann sah sie Draco an. Er sah schrecklich aus. Er war über und über mit Blut bespritzt. Von seinem platinblonden Haaren tropfte Blut auf seinen Umhang. Doch seine Augen blickten sie klar an. Voller Zuneigung und Vertrauen... unwillkürlich stieg ein warmes Gefühl in ihr auf.

Sie musste jetzt stark sein. Sie würde später Zeit haben, um zu trauern, zuerst mussten sie hier weg. Alle warteten nur auf sie. Sie durfte nicht schwach sein.

Mit aller Konzentration, die sie sich antrainiert hatte, drückte sie ihre schlechten Gefühle in die hinterste Ecke ihres Verstandes. Danach war nicht mehr viel in ihr. Nur dieses warme Gefühl, das ließ sie dort wo es war, das konnte sie jetzt gut gebrauchen.

Unsicher kam Amelia auf die Füße und Draco stand ebenfalls ohne ein weiteres Wort auf. Sie blickten beide zu dem Weasley Mädchen hinüber.

„Es.. Es tut mir leid… ich wollte das nicht! Riddle hat mich dazu gebracht… ich schwöre es…", schluchzte das Mädchen.

„Ich weiß", sagte Amelia sanft und ging zu Ginny. „Komm, lass uns hier weggehen."

„Sie werden mich von der Schule werfen, dabei wollte ich immer hier hin. Schon seit meine Brüder nach Hogwarts gekommen sind.", schluchzte sie.

„Wir werden den anderen von dem Tagebuch berichten. Du warst verhext", sagte Draco, in seiner Stimme waren weder Spott noch Häme zu hören. Amelia sah ihn überrascht an. Sie hätte erwartet Draco würde sich freuen, wenn ein Weasley der Schule verwiesen wurde. Ob er wusste, was dieses Tagebuch für seinen Vater an Problemen verursachen könnte?

Amelia seufzte. Irgendwie würde sie das schon biegen, für Draco.

Ginny sah sie beide hoffnungsvoll an. Amelia schenkte ihr ein kleines Lächeln, doch mehr Trost war nicht in ihr. Sie reichte Ginny die Hand und diese nahm sie zögerlich. Nebeneinander waren sie fast gleich groß.

Dann wandte sich Amelia Artemis zu und ihr Blick wurde leer. Mit gemurmelten Worten beschwor sie eine Trage herbei, auf die sie den Körper schweben ließ. Draco nahm es ihr ab, die Trage durch die Luft zu bewegen. Mit seinem Zauberstab dirigierte er sie, seine andere Hand war um das Tagebuch geklammert.

Es war eine schweigende Gruppe, die die Kammer des Schreckens verließ. Die steinernen Schlangen schlossen sich hinter ihnen. Ein gruseliges Echo verfolgte sie, während sie den Gang zurückgingen.

„Wie kommen wir da hoch?", fragte Draco als sie vor dem Rohr angekommen waren.

„Lass und hier raus", sagte Amelia einfach nur ermattet auf Parsel und sie spürte einen Sog, der sie in Richtung Rohr zog. Draco ging voran und sofort wurde er hinauf katapultiert. Danach ließ Amelia Artemis hinein schweben und nachdem auch Ginny weg war, folgte sie als Letztes.

Oben angekommen begrüßte sie Eristik freudig. Er schlang sich um ihren Hals und schien nicht so, als würde er in nächster Zeit seinen Platz verlassen wollen, Ginny sah die orange-schwarze Schlange erschrocken an.

„Wohin jetzt?" Orientierungslos standen sie in der Toilette.

„Wir gehen zu Professor McGonagall, schließlich ist sie jetzt Schulleiterin und Ginnys Hauslehrerin", sagte Amelia und bog in einen Gang ein. Sie führte die anderen zum Büro der Professorin und ohne zu zögern klopfte Amelia an. Sie traten ein.

Zu ihrer Überraschung sah sie Professor Dumbledore am Kamin stehen. Er musterte sie aus unergründlichen Augen.

„Ginny!", schrie eine füllige rothaarige Frau, wahrscheinlich Mrs Weasley und rannte auf ihre Tochter zu, um sie in den Arm zu nehmen. Auch Mr Weasley stürzte sich auf sie.

Draco ließ Artemis vollends herein schweben und die Trage senkte sich auf den Boden ab. Sie hatten ihr Gesicht mit einem Tuch bedeckt.

Amelia spürte, wie die Verzweiflung bei dem Anblick wieder in ihr hochstieg, doch Draco stand neben ihr und spendete ihr Kraft. Sie war nicht allein.

Dumbledore ging an ihnen vorbei und kniete neben dem Leichnam von Artemis nieder. Alle Augen folgen ihm, als er sie sachte mit seinem Zauberstab berührte und danach das Tuch wieder über ihr Gesicht legte. Er sah bedrückt aus.

„Miss Potter, Mr Malfoy, erklären sie sich", verlangte Professor McGonagall streng.

Amelia blickte zu ihrer Professorin, sie saß in einem Sessel und wirkte sichtlich entsetzt, als sie sie beide musterte. Sie sahen bestimmt auch nicht allzu unschuldig aus, blutbespritzt wie sie waren.

„Wir waren in der Kammer des Schreckens. Der Basilisk ist tot und Ginny Weasley lebt", sagte Amelia trocken und sah Professor McGonagall mit leerem Blick an.

Draco neben ihr schnaubte, dann lachte er auf und schüttelte gleichzeitig den Kopf.

„Bei Merlin, Amelia!"

Ohne darauf zu achten, dass er alles mit Blut volltropfte, ließ er sich auf den Stuhl vor Professor McGonagalls Schreibtisch fallen.

„Alles in Ordnung mit Ihnen, Mr Malfoy?", fragte McGonagall irritiert. Draco lachte hysterisch auf und vergrub dann sein Gesicht in den Händen und sagte: „Es war nur ein bisschen viel."

Amelia stimmte ihm aus vollem Herzen zu. Sie wollte eigentlich nur in ihr Bett.

„Ich glaube Sie beide sind uns noch eine Erklärung schuldig oder Irre ich mich?", fragte Professor Dumbledore.

Amelia seufzte. Sie duplizierte Dracos Stuhl und setzte sich neben ihn. Eristik glitt in ihren Schoß.

Alle sahen sie nun erwartungsvoll an, sogar Draco, sogar die Weasleys.

Amelia begann zu erklären, wie sie diese körperlose Stimme gehört hatte, wie Artemis ihr von Riddle und Hagrid berichtet hatte und wie sie nach dem Angriff vor der Bibliothek den Verdacht hatte, was sich in der Kammer verbergen konnte. Sie erzählte, wie sie Eristik auf die Suche geschickt hatte und dass sie bei Hagrid gewesen war, um ihn zur Rede zu stellen. Amelia übersprang geflissentlich Lucius Mafoys Rolle und ging gleich dazu über, zu erzählen wie Eristik heute Abend wiedergekommen war. Wie sie Artemis alles berichtet hatte und Draco sich nicht hatte abweisen lassen, sie zu begleiten.

Ihre Stimme klang noch immer tonlos, als sie beschrieb wie sie Riddle und Ginny vorgefunden hatten. Sie erzählte, dass sie Riddle mit Legilimentik angegriffen hatte und wie Artemis ihr Leben opferte, um sie zu retten und den Basilisken zu töten, bis hin zu Draco, der das Tagebuch zerstört hatte. Sie versuchte so wenig wie möglich darauf einzugehen, was zwischen ihr und Riddle geschehen war, bemerkte aber Dumbledores nachdenklichen Blick.

Als sie geendet hatte herrschte Stille, nur Ginny schluchzte.

„Aber wie, wie konnte Ginny die Kammer öffnen?", fragte Mr Weasley verzweifelt.

„Nicht Ginny hat sie geöffnet", sagte Draco müde und blickte den Zauberer an. „Sie hat nichts getan. Es war das Tagebuch."

„Das sehe ich ebenso", sagte Dumbledore. „Ältere und weisere Zauberer wurden bereits von Lord Voldemort überlistet. Sie sollten auf die Krankenstation gehen und sich von Madam Pomfrey einen heißen Kakao machen lassen, mich zumindest heitert das immer auf. Eine Bestrafung wird es nicht geben."

Ginny schluchzte noch lauter. „Ich ich… es tut mir so leid…"

Amelia ging zu ihr hin und nahm ihre Hände.

„Ginny, wenn Menschen in einen neuen Teil ihres Lebens eintreten, sind sie oft verwirrt und einsam. Es ist nur natürlich, dass du jemanden wolltest, der dich versteht und der nur für dich da ist. Du hast nichts getan, außer ein Mensch zu sein."

Doch Ginny schluchzte noch lauter „Professor Clog …nur…"

„Ginny, Professor Clog wäre auch gestorben, wenn du nicht in das Tagebuch geschrieben hättest. Dann hätte es jemand anderes getan. Der Grund, warum du dort unten warst und wir gegen den Basilisken kämpfen mussten war, dass Voldemort mich erwischen wollte. Wenn du es so sehen willst, hast du ein anderes Mädchen vor deinem Schicksal bewahrt. Aber nichts was geschehen ist, liegt in deiner Verantwortung. Lade nicht eine Schuld auf dich, die nicht für dich bestimmt ist." Amelia lächelte Ginny traurig an. „Versprich es mir, ja?"

Sie hatte es nicht verdient ihr Schicksal zu teilen. Sie war nicht schuld an Artemis Tod und sie sollte auch nicht den gleichen Schmerz in sich spüren den Amelia fühlte. Nicht die gleiche Schuld.

Ginny nickte. Erst zaghaft dann immer mutiger. „Dann geh jetzt in den Krankenflügel", sagte Amelia und Ginny ging mit ihren Eltern hinaus. Bevor sie den Raum verließen, drehte Mr Weasley sich noch einmal um. Er blickte zuerst Amelia an, dann etwas länger Draco. „Danke. Danke, dass ihr meine Tochter gerettet habt", seine Augen verweilten noch einen Moment auf dem blutdurchtränken Draco, dann verließ auch er den Raum.

„Minerva, würden Sie sich bitte darum kümmern, dass die Schüler morgen doch nicht nach Hause fahren und informieren sie das Ministerium, sie müssen von Artemis Clog erfahren."

Professor McGonagall eilte hinaus. Zurück blieben nur Amelia, Draco und Dumbledore.

„Sie beide haben wahren Mut bewiesen, hinunter in die Kammer zu steigen.", begann Professor Dumbledore.

„Artemis ist trotzdem tot", sagte Amelia bitter. „Wir haben das Leben einer Hexe gegen das einer anderen getauscht."

„Sie haben weit mehr getan als das. Ich glaube, Artemis hätte diese Art zu sterben gefallen. Sie war von jeher eine Frau der Tat."

„Sie wollte trotzdem nicht sterben."

„Niemand will sterben, aber es passiert manchmal. Sie hat uns alle damit gerettet."

Amelia sagte dazu nichts. Sie spürte die Schuld, die sie Ginny verboten hatte zu spüren.

„Aber Sie haben uns nicht grundlos hierbehalten. Was wollen Sie wirklich, Professor?", fragte sie einen Augenblick später.

Dumbelores Augen blitzten. „Haben Sie eine Ahnung, warum Sie solche Schmerzen erlitten?", fragte Dumbedore.

„Ich habe mehrere Vermutungen", erwiderte Amelia.

Draco blickte von ihr zu Dumbledore und wieder zurück. Seine Mine war so undeutbar wie Amelias.

„Aber Sie wissen es, oder?", fragte Amelia ihren Professor.

„Wissen ist übertrieben, auch ich habe nur Vermutungen."

Dumbledore und Amelia sahen sich an, keiner sagte etwas und jeder wartete, dass der andere zu sprechen begann. Am Ende gab Amelia auf. Was hatte sie zu verlieren?

„Ich habe Generationen meiner Familie zurückverfolgt", sagte sie letztendlich, „doch ich habe nirgends auch nur die Spur von Slytherin gefunden. Dennoch spreche ich Parsel. Eine Gabe, die ich wohl nicht vererbt bekommen habe."

Amelia sah Dumbledore scharf an. „Er hat etwas in mir zurückgelassen, oder? Einen Teil seiner selbst, als er versucht hat mich zu töten."

Dumbledore nickte. „Ja, das vermute ich auch. Er hat dir etwas von seinen einzigartigen Fähigkeiten gegeben. Aber was immer du jetzt denkst, du bist nicht er."

„Ich weiß wer ich bin, Professor.", sagte Amelia abweisend. Sie würde niemals vergessen können wer sie war. Denn auch sie sehnte sich nach der gleichen Anerkennung wie Riddle. Sie war genau wie er.

Dumbledore wollte etwas erwidern, doch in diesem Moment wurde die Tür aufgerissen.

Lucius Malfoy trat ein und er schäumte vor Zorn.

Einen Moment schien es, als würde er Dumbledore anfahren, doch dann entdeckte er Draco und Amelia. Die beide Blut- und Schlammbespritzt zu ihm herüber starrten.

„Was ist hier los?", fragte er misstrauisch und sah seinen Sohn an.

„Mr Malfoy und Miss Potter ist es soeben gelungen diese schrecklichen Ereignisse, die sich auf Hogwarts ereignet haben, vollends aufzuklären", informierte ihn Dumbledore. „Ich gedachte sie mit einer Medaille, um die Verdienste an unserer Schule auszuzeichnen. Meinen Sie nicht auch, dass dies eine angemessene Würdigung wäre? Die Schulräte werden mir sicher zustimmen."

Mr Malfoy blickte erst Draco und dann etwas länger und forschender Amelia an.

„Dann ist also alles geklärt?", fragte Mr Malfoy misstrauisch. „Wer war denn der Schuldige?"

„Ich fürchte derselbe wie letztes Mal, Lucius. Doch diesmal hat er durch die Hand einer anderen gehandelt. Sie wissen nicht zu fällig etwas darüber?", fragte Professor Dumbledore.

In diesem Moment stand Amelia auf und unterbrach den Blickkontakt zwischen Dumbledore und Mr Malfoy. Dumbledore blinzelte.

„Danke für die Auszeichnung, Professor. Es ist uns eine große Ehre. Aber mir wäre etwas anderes wichtiger. Ich würde gerne zu der Beerdigung von Artemis Clog gehen dürfen. Wenn das in Ordnung ist."

Dumbledore nickte, er schien etwas misstrauisch. „Natürlich, Amelia. Sie hätte es so gewollt."

„Danke, Professor. Dürfen wir dann gehen?", fragte sie. Dumbledore und Amelia blickten sich einen endlosen Moment schweigend an, dann nickte jedoch Dumbledore. „Natürlich. Es muss ein schwerer Tag für Sie gewesen sein. Gehen Sie zurück in Ihren Gemeinschaftsraum Ich denke Sie werden ein gutes Bad genießen wollen."

Draco erhob sich ebenfalls. Er hatte wenig gesagt, seit seinem hysterischen Ausbruch und schaute seinen Vater nun etwas unsicher an.

„Kommen Sie mit uns Mr Malfoy?", fragte Amelia freundlich. „Oder haben Sie noch etwas mit Professor Dumbledore zu besprechen?" Amelia warf ihm einen auffordernden Blick zu.

„Ich werde Sie begleiten", erwiderte Dracos Vater. Sie verabschiedeten sich und verließen das Büro. Amelia ging voraus und Draco und Mr Malfoy folgten ihr. Sie schafften es schweigend bis zum Eingangsportal, dort blieb Amelia stehen.

„Mr Malfoy?", begann sie und Dracos Vater blickte sie an.

„Ich möchte Sie darum bitten, den Orden des Merlins für Artemis Clog vorzuschlagen."

Mr Malfoy verzog überrascht die Brauen.

„Wie kommen Sie darauf?", fragte er.

„Ohne sie, hätten wir das alles nicht überlebt und wenn Sie getan haben, was ich Ihnen geraten habe, dürfte dies nur der logische Schritt sein."

Mr Malfoy sah sie durchdringend an.

„Du hast das alles geplant, oder? Du hast das alles schon vor ein paar Monaten gewusst."

Amelia blickte aus dem Schlosstor. Der Mond spiegelte sich im großen See.

„Gewusst? Vielleicht. Ich hatte so eine Vermutung. Natürlich ist nicht alles so verlaufen wie ich es mir gewünscht habe, aber wir haben nur einen Vorteil daraus gezogen."

„Mir wäre nicht klar, welchen Vorteil wir daraus ziehen könnten. Dumbledore ist wieder hier, dabei hatte ich ihn schon aus der Schule", sagte Lucius Malfoy wütend.

Amelia schüttelte den Kopf. „Sie werden Dumbledore nicht so leicht los, wie sie denken. Er ist zu mächtig. Ihn direkt anzugreifen ist viel zu gefährlich."

Amelia drehte sich zu Mr Malfoy um. „Aber seine Position ist geschwächt. Die Person, die Sie unterstützt haben, hat die Kammer des Schreckens wieder geschlossen, Artemis Clog. Ihr eigener Sohn hat eine beträchtliche Rolle dabei gespielt. Das wird ihre Position in der magischen Gesellschaft stärken. Zudem sind Sie ein unangenehmes Überbleibsel der Vergangenheit losgeworden und die Familie Weasley steht tief in unserer Schuld. Das ist mehr wert, als ein kleines Mädchen der Schule zu verweisen."

Draco sah sie fassungslos an und Mr Malfoy nickte steif. Amelia spürte, wie ihr das schlechte Gewissen auf die Schulter klopfte, aber sie drehte sich nicht um. Artemis hätte es gehasst, wenn sie wüsste welchen Vorteil diese fette Made Lucius Malfoy davontragen würde. Aber er war Dracos Vater und sie… Amelia blickte nachdenklich zu Draco.

„Ich kümmere mich um die Auszeichnung für Artemis Clog", sagte Mr Malfoy und neigte sein Haupt.

Amelia nickte und lächelte. Ein kaltes Lächeln, dem des jungen Riddle so ähnlich.

„Wir sollten in die Kerker gehen", sagte Draco dem die Unterhaltung nicht behagte.

Sie wollten sich schon auf den Weg machen, als Mr Malfoy Draco an der Schulter fasste. Er zog seinen Sohn in seine Arme und sagte etwas.

Amelia hörte nicht hin und drehte sich um. Neid stieg in ihr auf, den sie zu unterdrücken versuchte. Natürlich hatte Lucius Malfoy sich Sorgen um seinen Sohn gemacht, er war schließlich auch kein Unmensch. Amelia drückte Eristik an sich und biss die Zähne zusammen.

Sie saß auf der untersten Treppenstufe der Kerkertreppe als Draco irgendwann kam. Stumme Tränen rannen ihr über das Gesicht.

Sie stand auf, als sie Draco bemerkte und sah zu ihm hoch. Er sah unsicher aus und schien zu zögern. Sie musste schrecklich aussehen, schoss es ihr unwillkürlich durch den Kopf.

„Es tut mir leid, wegen Professor Clog… Ich weiß ihr standet euch sehr nahe", sagte er und sah auf seine Schuhe.

„Es ist nicht zu ändern. Das Leben wird weitergehen", sagte Amelia bitter und blickte den dunklen Kerkergang entlang. Das Leben würde immer weitergehen.

„Es ist nicht deine Schuld", sagte Draco sofort und trat neben sie.

Amelia drehte sich zu ihm um. Er war ein Stück größer als sie und das Blut bildete bereits Krusten in seinen platinblonden Haaren.

„Ich hätte all das verhindern können, Draco", sagte Amelia erstickt.

„Das ist Unsinn. Der Basilisk hätte uns getötet, Hogwarts wäre geschlossen worden und das Weasley Mädchen wäre tot gewesen."

„Ach Draco." Amelia schüttelte den Kopf. „Ich wusste von dem Tagebuch. Ich wusste von Ginny. Ich hätte nur zu ihr gehen und ihr das Tagebuch wegnehmen müssen."

Draco wurde blass. „Warum hast du es nicht gemacht?", fragte er mit dünner Stimme.

Amelia traten wieder Tränen in die Augen.

„Weil es mir keinen Vorteil gebracht hätte. Euch hat das alles so amüsiert. Theodor und du ihr hatten Wetten laufen, wer wohl als Erstes stirbt. Es waren doch nur Schlammblüter in Gefahr. Ich wollte erst etwas unternehmen, wenn wirklich die Schule in Gefahr ist. Zudem hätte es Probleme wegen des Tagebuchs geben können. Dein Vater hat es Ginny gegeben. Deine Familie hätte in die Schusslinie geraten können. Das wollte ich nicht riskieren."

Draco presste die Lippen zusammen, er wusste nur zu gut was Amelia meinte.

„Ich glaube, das ist die Strafe für meine Grausamkeit", schluchzte Amelia.

„Wir waren alle nicht besser. Ich meine, wenn du mich heute Morgen danach gefragt hättest, ob ich Ginny Weasley dem Basilisken vorgeworfen hätte, hätte ich sicher mit voller Überzeugung ja gesagt. Aber eigentlich, egal ob Blutsverräterin oder nicht, sie ist eine Hexe."

Draco schien mit sich zu ringen.

„Sie ist eine von uns. Wenn wir Zauberer und Hexen nicht zusammenhalten… Wir sind nur noch so wenige… „

Draco sprach nicht weiter. Aber das brauchte er auch nicht, Amelia verstand auch so.

„Es ist trotzdem nicht deine Schuld", sagte Draco letztendlich wieder. Doch Amelia sah wenig überzeugt aus.

Draco griff nach ihrer Hand und hielt sie fest.

„Keiner kann von dir erwarten, dass du perfekt bist. Du bist auch nur ein Mensch. Menschen machen Fehler."

Amelia starrte ihn einen Moment fassungslos an. Dann begann sie zu zittern und wäre zusammengebrochen, wenn Draco sie nicht festgehalten hätte. Er hielt sie fest und sie weinte hemmungslos in seinen Armen. Sie wusste nicht mal wirklich, warum sie weinte. Es war alles zu viel. Ihre Welt und alles um sie herum war einfach zu viel für sie geworden. Draco hielt sie nur stumm fest und drückte sie an sich. Er war für sie da, er ließ sie weinen und als sie sich irgendwann beruhigt hatte, war ihr irgendwie leichter ums Herz. Es hatte sich nichts verändert. Artemis war noch immer tot, aber es fühlte sich nicht mehr so schlimm an. Denn sie war nicht allein, sie hatte Draco. Vielleicht war sie nicht ganz wie Riddle. Vielleicht gab es doch noch einen unterschied.

Am nächsten Morgen versammelten sich alle Schüler verwirrt in der Großen Halle. Hagrid saß wieder bei den anderen Lehrern. Doch der leere Platz von Professor Clog fiel am meisten auf.

Amelia hörte, wie Professor Dumbledore ihnen berichtete, dass die Kammer geschlossen wurde und dass bald alle Schüler wieder aufwachen würden. Als er von der Auszeichnung für ehrenhafte Verdienste um die Schule sprach, die Amelia und Draco bekommen sollten, klatschten alle, sogar die Gryffindors und ein Stimmengewirr brach über die Halle herein. Doch die Halle war ganz in schwarz geschmückt und so gedrückt war am Ende auch die Stimmung als er von Artemis ehrenhaftem Tod berichtete. Professor Clog war sehr beliebt gewesen. Sie würden sie niemals vergessen.

Eine knappe Woche später, es war der Tag vor Baltaine, ging Amelia zu Artemis Beerdigung. Viele Hogwarts Lehrer gingen hin und so stand Amelia schweigend zwischen Professor McGonagall und Draco.

Auch Cornelius Fudge der Zaubereiminister war da und überreichte Artemis weinender Mutter, den Orden des Merlin erster Klasse. Er lobte ihren Mut und ihre Einsatzbereitschaft, sich für die Schüler von Hogwarts geopfert zu haben.

Der Himmel war in strahlendes Blau gefärbt, als würde er ihre Trauer verhöhnen. Amelia hoffte, dass sie genauso gefasst aussah wie Draco. Er hatte sich nicht davon abbringen lassen sie zu begleiten und auch wenn Amelia es nicht zugab, war sie froh darüber.

Der Sarg wurde in die Erde gelassen. Sie weinte nicht, aber sie lachte auch nicht. Tief in ihrem Inneren bat sie um Verzeihung, für alles was geschehen war und für alles was sie noch tun würde, doch es kam keine Antwort.

In Hogwarts schien alles wieder seinen gewohnten Gang zu nehmen. Nur, dass die anderen Hogwarts Schüler sie nun nichtmehr für die Erbin Slytherins hielten und Amelia es von nun an unterband, die Schlammblüter zu verhexen. Artemis hatte ihr gesagt, sie sollte ihre Macht nicht missbrauchen und jetzt, auch wenn es viel zu spät war, verstand sie.

Beltane kam und brachte neue Kraft und neue Energie. Nach Beltaine war auch Amelias geistige Erschöpfung etwas erträglicher. Doch egal was sie tat, Artemis Tod nagte an ihr.

Nur eines lenkte Amelia ab. Pansy wollte unbedingt eine Geburtstagsparty für Draco organisieren, den großen Helden wie sie sagte. Wann immer sie Draco sah, begann sie zu kichern und Amelia fand es schon einigermaßen lächerlich. Nicht nur das sie Amelia ausquetschte, von was er gerne isst, bis hin zu seiner Lieblingsfarbe auch Daphne und Millicent machte sie schier wahnsinnig.

Letztes Jahr hatte ihm Amelia lediglich eine Packung Lakritzzauberstäbe geschenkt. Vielleicht sollte sie ihm diesmal auch etwas Ausgefalleneres schenken.

Pansy hatte einen großen Kuchen vorbereitet und überfiel Draco gleich am Morgen, um ihn mit Komplimenten zu überschütten. Er war im ersten Moment sichtlich verlegen.

Pansy verfrachtete Draco auf eines der Sofas im Gemeinschaftsraum und belagerte ihn. Die anderen schafften es kaum lange genug seine Aufmerksamkeit zu erhaschen, um ihm zu gratulieren.

„Na schmeckt der Kuchen? Pansy konnte schon immer super backen", sagte Amelia und ließ sich im Sessel gegenüber nieder.

„Da hast du recht", stimmte Draco zu und Vincent stopfte schon das zweite Stück in sich rein.

„Ich habe auch was für dich. Happy Birthday", sagte Amelia und warf Draco ein kleines Päckchen zu.

Draco beäugte es neugierig. „Wird es beißen?", fragte er scherzhaft, als er es öffnete.

Er holte einen Anhänger heraus, es war ein kleiner langer Zahn. Die Spitze hatte Amelia stumpf gehext.

„Ist der von dem Basilisken?", fragte er überrascht.

„Ich bin nochmal runtergegangen. Ich wollte dir danken. Dafür, dass du bei mir warst", sagte Amelia und lächelte.

Draco grinste verlegen. „Ich würde dich nie im Stich lassen, Amelia."

Pansy sah von einem zum anderen und zog einen Schmollmund.

Die Prüfungen kamen und gingen und Amelia hatte mit keiner besondere Schwierigkeiten. In Geschichte der Zauberei rissen sie die Fragen über die Kammer des Schreckens heraus. In Verteidigung gegen die dunklen Künste gab es nichts abzulegen.

Bald darauf machten sie sich auf den Weg zum Hogwarts Express. Draco wunderte sich über die komischen Pferde, die die Kutschen zogen und Amelia fiel siedend heiß ein, das sie vergessen hatte Hagrid danach zu fragen.

„Glaubst du ich kann diese Ferien wieder zu euch kommen?", fragte Amelia Draco als sie im Abteil saßen. Pansy ließ ihr Zaubertrankbuch fallen, welches genau auf Millicents Kater fiel, der daraufhin wild kreischend aufsprang.

Millicent begann sofort Pansy zu beschimpfen und streichelte ihren fauchenden Kater, während diese sich verteidigte, der solle gefälligst in seinen Käfig.

„Keine Ahnung. Wir sind die ersten zwei Wochen bei Verwandten in Paris. Meine Großcousine heiratet. Aber danach kannst du bestimmt kommen. Meine Mutter war ganz begeistert von dir."

Amelia kicherte. „Du warst eher ganz froh, dass sie wen anders zum Einkaufen gefunden hat."

Jetzt lachte auch Draco.

„Ich schicke dir Beatrix, wenn wir wieder da sind. Dann kannst du sicher kommen und mit meiner Mutter einkaufen gehen. Vielleicht kann dich der Fahrende Ritter vorbeibringen."

„Das war der magische Reisebus, oder?", erkundigte sich Amelia.

„Ja, einfach nur mit dem Zauberstab winken und schon kommt er. Ich schreib dir, wenn du vorbeikommen kannst."

„Gerne"

Pansy blickte sie böse an, aber Amelia kümmerte sich nicht weiter drum.

Am Bahnhof wurde Draco von seinen Eltern abgeholt. Mr Malfoy wirkte sehr zufrieden mit sich. Amelia machte sich auf den Weg in die Muggelwelt. Die Dursleys warteten sicher schon.

Nachwort:

Damit wäre Band Zwei ebenfalls beendet.

Amelia wird immer weniger Harry und immer mehr ein Werkzeug ihrer eigenen Magie. Ihr Charakter beginnt sich zu festigen und sie wird immer weniger Kind und immer mehr Hexe.

Ich muss gestehen ich dieses und das letzte Kapitel. Ich mag sie wirklich von dem Eingangsgespräch mit Artemis bis zur Unterhaltung mit Draco. Es zeigt die Zerrissenheit von Amelia sehr gut. Dass sie nicht vollkommen gut aber auch nicht absolut böse sein kann.

Des Weiteren ist zusagen, dass ich Dracos Standpunkt noch ein bisschen besser beleuchten werde und es werden sich wohl viele Ungereimtheiten des vor allem ersten Bandes offenbaren die seine Person betreffen.

Wer sich übrigens so ein Bisschen mit den Verwandtschaftsgraden der Zauberer auskennt, der weiß, dass Harry bzw. Amelia sehr wohl über ein paar Ecken mit den Gaunts also der Slytherinlinie verwandt ist. Aber ich habe das hier übergangen, da sie erstens, nicht gut genug gesucht hat und es zweitens, für jeden reinblütigen Zauberer zutreffen dürfte. Mehr dazu in späteren Kapiteln.

Außerdem musste ich mir was einfallen lassen das Amelia Sirius nicht einfach umbringt oder Nach Askaban ausliefert und dann ist da noch die Sache mit Snape. Da steht sie wohl zwischen Pate und Ersatzvater.

Aber wie es weitergeht, lest lebst.