Amelia Potter – Slytherinwege

Band 3

Kapitel 1 - Der Verräter

Seufzend saß Amelia an ihrem Zimmerfenster. Sie war schon zwei Wochen wieder zurück bei den Dursleys und ein Tag war schlimmer als der Nächste.

Wieder hatte ihr Onkel Vernon alle Schulsachen abgenommen und diese in den Schrank unter der Treppe gesperrt, doch diesmal hatte Amelia vorgesorgt. Sie hatte sich letztes Jahr in der Winkelgasse einen magischen Beutel gekauft, in dem ziemlich viel Stauraum war, der aber trotzdem nur die Größe und Form einer kleinen Handtasche hatte. Sie hatte ihn in ihre Unterwäsche geschoben, damit Onkel Vernon ihn nicht entdeckte. Beinah wäre alles aufgeflogen, denn Onkel Vernon hatte mit dem Auto eine Vollbremsung hingelegt und der Bücherstapel im Inneren der Tasche war umgekippt. Es hatte laut geklappert. Amelia hatte fast erwartet die Dursleys würden nachfragen, doch sie versuchen alles, was mit Zauberei zu tun hatte zu ignorieren. So hatte Amelia es geschafft die meisten ihrer Sachen in ihr Zimmer zu schmuggeln.

Draco, ihr bester Freund aus der Schule hatte ihr versprochen, dass sie in den Ferien wieder zu ihm kommen konnte, doch Amelia schienen die zwei Wochen, die er in Paris war unerträglich zu sein. Heute musste Draco aus Paris zurückgekommen sein, also suchte Amelia fieberhaft den Himmel nach seiner Adlereule Beatrix ab. Er war ihre einzige Hoffnung den schrecklichen Ferien bei der Dursleys zu entgehen.

Die Dursleys schliefen sicher alle schon, denn es musste fast Mitternacht sein. Aber wenn Draco den Brief am Abend losgeschickt hatte, würde er bestimmt noch kommen.

Amelia hatte, unter all den alten kaputten Sachen die ihr Cousin Dudley in ihrem Zimmer aufbewahrte, eine Taschenlampe gefunden und so saß sie auf der Fensterbank und las in ihren Zauberbüchern.

Beinah wäre Amelia eingenickt, doch ein leises Schuhuen riss sie aus dem Dämmerschlaf.

„Beatrix", freute sie sich und riss der Adlereule sofort den Brief vom Bein.

Diese schuhute ärgerlich, bis Amelia sie mit einem Eulenkeks besänftigte.

Schnell öffnete sie Dracos Brief. Ein Zeitungsartikel und ein kleines Päckchen lagen anbei, doch Amelia nahm zuerst den Brief.

Hallo Amelia,

wir sind endlich wieder zurück in England. Wenn meine Mutter mich noch einmal durch die magischen Einkaufsstraßen in Paris zerrt, werde ich glaube ich an Drachenpocken erkranken.

Die La Rue Chacé ist so etwas wie unsere Winkelgasse nur viel (an dieser Stelle war ein Wort durchgestrichen) französischer.

Aber ich glaube das interessiert dich alles momentan sowieso nicht. Mich würde es an deiner Stelle auch nicht interessieren. Die Sache ist die, das etwas Unvorhergesehenes passiert ist. Ich weiß nicht ob du schon davon gehört hast, aber gestern Nacht gab es einen Ausbruch in Askaban. Es ist noch nie jemand aus Askaban entkommen. Dementsprechend verunsichert sind alle.

Der Gefangene heißt Sirius Black und er ist ein Todesser. Deshalb scheinen wohl viele zu glauben, dass er hinter dir her sein könnte. Zumindest habe ich das so verstanden. Wir haben eine Eule von Dumbledore erhalten, indem er uns darauf hinweißt, dass wir dich diesen Sommer bei deinen Verwandten lassen sollen.

Aber keine Sorge. Vater war sehr erbost darüber, was der alte Kauz sich einbildet und versucht zu erwirken, dass du bei uns auf dem Manor unter besonderen Schutz gestellt wirst.

Das ist schließlich auch sicherer als bei deinen Muggelverwandten.

Ich weiß allerdings nicht, bis wann wir dich rausholen können. Mutter war schon ganz traurig, weil sie sich so auf deine Geburtstagsfeier gefreut hat. Ich bin so froh, dass ich in der Schulzeit Geburtstag habe, das kannst du mir glauben.

Ich schreibe dir, sobald ich Neuigkeiten habe und hoffe du überstehst die Zeit bis dahin einigermaßen gut.

Grüße,

Draco Malfoy

PS: Ich habe dir was aus Paris mitgebracht. Ich hoffe es gefällt dir.

Amelia seufzte traurig. Das hatte sie nun wirklich nicht erwartet. Nur weil so ein irrer Todesser ausbrach, musste sie bei den Dursleys sitzen. Alles nur weil Dumbledore diesen Zauber gewirkt hatte, um sie hier zu schützen. Das war wirklich zum verhext werden.

Schlecht gelaunt zog Amelia den Zeitungsartikel heraus den Draco mitgeschickt hatte.

Auf einem schwarz weiß Foto war ein Mann mit eingesunkenem Gesicht und schwarzen verfilzten Haaren abgebildet.

Eilmeldung: Ausbruch aus Askaban

Wie die Behörden heute mitteilen, ist dem Gefangenen Sirius Black die Flucht aus Askaban gelungen. Der Gefangene hat dort 12 Jahre im Hochsicherheitstrakt verbracht. Noch ist nicht geklärt, wie er aus dem Hochsicherheitsgefängnis entkommen konnte. Bis jetzt ist es noch keinem Gefangenen vor ihm gelungen Askaban zu entkommen.

Momentan werden die Dementoren eingehend befragt und die Aurorenzentrale ist in Alarmbereitschaft.

Die Bevölkerung wird darauf hingewiesen das Black gefährlich ist. Er wurde wegen des Mordes von dreizehn Menschen zu einem lebenslangen Aufenthalt in Askaban verurteilt. Er beging diese Morde mit nur einem Fluch, weshalb besonders auf seine Gefährlichkeit hingewiesen wird.

Für Hinweise auf Blacks verbleib wurde eine Apparierzone in der Aurorenzentrale eingerichtet.

Amelia warf sich frustriert aufs Bett. Sirius Black. Ihre Großmutter war eine Black gewesen. Angewidert verzog sie das Gesicht. Die Zauberwelt war einfach zu klein.

Traurig drehte sie das Päckchen von Draco in den Händen. Sie wäre jetzt viel lieber bei ihm, als hier im Ligusterweg zu versauern. Vorsichtig löste sie das Geschenkpapier und in einem kleinen Kästchen lagen zwei hübsche Ohrringe. Amelia musste unwillkürlich lächeln. Wenn Draco die ausgesucht hatte, war das wirklich süß von ihm.

Drei Tage später kam die nächste Eule, aber keine neuen guten Nachrichten. Nur ein weiterer Zeitungsartikel über Black. Black war ein Spion von Voldemort gewesen, der nach dem Fall des dunklen Lords zwölf Muggel und den Zauberer Peter Pettigrew getötet hatte. Die Zauberwelt allgemein hielt ihn für wahnsinnig. Doch mehr als der Artikel, gaben Amelia Dracos Zeilen zu denken. Es waren nicht viele und Amelia hätte den kleinen Zettel fast übersehen.

Hallo Amelia,

komische Dinge gehen hier vor. Heute hat sich mein Vater mit ein paar alten Freunden getroffen. Ich weiß nicht, was das alles zu bedeuten hat. Wir müssen viel bereden. Ich wünschte du wärst hier. Die Sachen scheinen immer um einiges Klarer wenn du da bist.

Grüße Draco

PS: Vernichte den Zettel sobald du ihn gelesen hast. Du solltest das eigentlich nicht wissen.

Amelia wurde es etwas flau im Magen. War es überhaupt sicher zu den Malfoys zurück zu kehren? Sie hatte gewusst das Lucius Malfoy ein Todesser gewesen war, auch wenn Draco es nie mit auch nur einer Silbe erwähnt hatte. Im letzten Jahr hatte sie in den Gedanken von Dracos Vater gewühlt und mehr herausgefunden als sie wissen sollte.

Aber sie wusste auch, das Lucius Malfoy nicht zu Voldemort halten würde, solange er schwach war. Er würde ihr nichts tun, solange er sie als mächtiger als den dunklen Lord ansah oder sich keinen Vorteil daraus versprach.

Amelia wog ihr Wissen über Mr Malfoy ab und nickte sich schlussendlich grimmig zu. Sie würde vorsichtig sein, aber wenn sie die Gelegenheit bekam, würde sie wieder zu den Malfoys gehen. Sie glaubte nicht wirklich, das Draco ihr von diesem Treffen erzählt hätte, wenn die Malfoys etwas gegen sie planen würden. Familie war ihm wichtig, sehr wichtig sogar. Aber er hätte diese beunruhigenden Zeilen nicht geschrieben, wenn sein Vater ihr wirklich schaden wollte. Denn auch wenn es schmerzte, glaubte Amelia zu wissen das Dracos Loyalität seiner Familie gegenüber stärker war als ihr gegenüber.

Es dauerte eine endlose Woche, bis ihr Draco endlich die erlösenden Zeilen schickte.

Mittags um zwölf Uhr an ihrem Geburtstag würde ein Muggelstransportmittel vom Ministerium sie abholen und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zu den Malfoys bringen. Amelia musste breit grinsen, als sie den Brief las und konnte sich nicht entscheiden worauf sie sich mehr freute. Darauf Draco wiederzusehen, oder von den Dursleys wegzukommen. Sie hätte Beatrix am liebsten geküsst.

Am Morgen ihres dreizehnten Geburtstags wachte sie früh auf. Eine unbekannte Eule saß auf ihrem Fensterbrett und überreichte ihr einen Brief mit dem Hogwarts Siegel.

Darin waren ihre Bücherliste für das neue Jahr, ihre Fahrkarte für den Hogwarts Express und ein Formular. Neugierig las Amelia es durch. Es war eine Zustimmungserklärung für den Besuch von Hogsmeade. Das Dorf in dem der Hogwarts Express ankam und das gleich am Fuße von Hogwarts lag. Ein ganzes Kapitel in Geschichte Hogwarts war dem Dorf gewidmet, in dem ausschließlich nur Hexen und Zauberer lebten.

Irgendwie musste sie es schaffen, dass Onkel Vernon oder Tante Petunia ihr das unterzeichneten.

Sie zog sich eines ihrer schönsten Kleider an, ließ aber den Umhang noch aus und steckte sich die Haare hoch. Es sah nicht ganz so kunstvoll aus wie letztes Jahr, als sie mit Mrs Malfoy beim Frisör gewesen war, aber es konnte sich sehen lassen. Glücklich strahlte sie ihr Spiegelbild an und es war fast als könnte man die Augenringe nicht mehr sehen mit denen sie sich dauernd abmühte.

Als sie hinunter in die Küche ging, wäre Dudley bei ihrem Anblick fast vom Stuhl gefallen.

„Gehst du in den Zirkus?", fragte sie Onkel Vernon mürrisch.

„Ich gehe heute. Ein Transportmittel aus unserem Ministerium holt mich ab und bringt mich zu Freunden.", sagte Amelia und setzte sich an den Frühstückstisch.

„Ministerium?", hackte Onkel Vernon nach.

„Unsere Regierung."

Onkel Vernon starrte sie entgeistert an.

„Sowas wie ihr habt eine Regierung?"

„Natürlich. Sonst würde von euch anderen nicht mehr viel übrig sein", erwiederte Amelia herablassend.

„Ich hoffe die sind diskret!", faucht Onkel Vernon und Amelia verzog missbilligend den Mund.

„Es ist ihr Job diskret zu sein. Mach dir keine Sorgen, Onkel Vernon. Bald seid ihr mich wieder los."

„Hör nur Liebling", mischte sich Tante Petunia ein und lenkte die Aufmerksamkeit auf den Fernseher.

Amelia blieb beinah vor Schreck das Herz stehen, als ihr ein Bild von Sirius Black entgegenstarrte. Es bewegte sich nicht wie die Zeitungsbilder die Draco ihr geschickt hatte, aber es war nicht minder erschreckend, besonders weil es aus einem Muggelfernseher kam.

„Das müssen die einem doch nicht sagen, das sieht doch jeder, dass das ein Verbrecher ist", schnarrte Onkel Vernon.

Die Ansicht wechselte wieder auf den Nachrichtensprecher und Onkel Vernon brause auf. „Die haben uns nicht mal gesagt wo der ausgebrochen ist, nicht das er gleich um die Ecke steht."

Amelia schnaubte. Onkel Vernon warf ihr einen bösen Blick zu.

„Ich mache mich dann mal auf den Weg und hole Magda vom Bahnhof ab", sagte Onkel Vernon und stand auf.

Amelia verschluckte sich an ihrem Tee. Tante Magda war die Schwester von Onkel Vernon und sie war so ziemlich die letzte Person die Amelia heute sehen wollte. Sie war nicht wirklich mit ihr verwandt, trotzdem hatte man sie genötigt sie Tante zu nennen. Wann immer Tante Magda da war, gab sie Anmerkungen zu Amelias Betragen. Diese fielen alles in allem weniger gut, als viel eher katastrophal aus.

Amelia hingegen dachte sich, das Tante Magda, ein Fass von einer Frau, die Doggen züchtete, nicht gerade ein gutes Vorbild abgab.

„Was dich angeht", schnauzte Onkel Vernon und fixierte Amelia.

„Wirst du erstens, dein Schandmaul geschlossen halten während sie hier ist."

Amelia erwiderte den Blick des Onkels und zuckte nicht einmal mit der Wimper. Dudley wandte sich vom Fernseher ab und sah interessiert zu Amelia und Onkel Vernon hinüber.

„Zweitens, da Magda nichts von deiner Abnormität weiß, wirst du dafür sorgen, dass nichts Komisches passiert während sie hier ist."

Amelia verzog missbilligend die Lippen. Als sei schon einmal etwas Komisches passiert seit sie in Hogwarts war.

„Drittens, haben wir Magda erzählt, du würdest auf das Internat für Verhaltensauffällige Mädchen gehen. Du bleibst bei der Geschichte."

Amelia sprang auf. „NEIN!", sagte sie wütend. „Das werde ich auf keinen Fall."

„Setz dich wieder hin! Du wirst tun was ich dir sage!", donnerte Onkel Vernon mit hochrotem Kopf.

Amelia sah ihn kalt an. Ihre Hände zitterten vor Wut.

„Das werde ich nicht und du kannst nichts dagegen tun."

„Ich Prügel dich windelwich du kleine Göre!" Onkel Vernon packte Amelia am Arm und schüttelte sie. Doch diese ließ dich davon nicht beeindrucken.

„Erstens, wird was immer du mir antust, es Tante Magda nicht vergessen machen was sie gehört hat und zweitens, kommen heute Leute von unserer Regierung, die dir vor Tante Magda unangenehme Fragen stellen könnten. Ach ja und wenn wir schon bei drittens sind." Amelia riss sich mit einem Ruck los und funkelte ihren Onkel gefährlich an.

„Es bringt gar nichts mich in meinem Zimmer einzusperren. Denn sollte ich nicht da sein, wenn heute die Leute kommen um mich abzuholen, werden sie auf unsere Weise nach mir suchen."

Onkel Vernon knirschte mit den Zähnen. „Wir sagen ihnen du seist weggelaufen. Solltest du Magda auch nur ein Sterbenswort sagen, sperre ich dich für den Rest deines Lebens in dein Zimmer!"

Amelia sah ihn verächtlich an.

„Habe ich schon erwähnt, dass ein Massenmörder aus einem unserer Gefängnisse ausgebrochen ist, der ziemlich scharf darauf ist mich umzubringen? Er wird früher oder später hier auftauchen. Deshalb der ganze Aufstand mit dem Ministerium"

Onkel Vernon war kreidebleich geworden und Tante Petunia schrie auf.

„Du wirst Tante Magda erzählen, ich sei jetzt auf einer besseren Schule. Ich lasse mich von dir nicht mehr schikanieren. Dafür werde ich heute in allem Frieden gehen und ihr seht mich, sollte Black mich nicht vorher erwischen, erst in einem Jahr wieder."

Amelia sah die Dursleys bestimmt an und musterte Onkel Vernons verkrampftes Gesicht.

„Ich gehe dann zu Ende packen", sagte sie und verließ die Küche.

Keine zehn Minuten später knallte die Haustür zu und Onkel Vernon machte sich auf den Weg zum Bahnhof um Tante Magda abzuholen.

Währenddessen jammerte Dudley weil Tante Petunia ihn in seine besten Sonntagshosen stopfte.

Amelia lauschte an der Tür und als sie sich sicher war, das Tante Petunia wieder nach unten gegangen war schnappte sie sich ihre Einverständniserklärung für Hogsmeade und lief ebenfalls nach unten.

„Was willst du hier?", schnappte Tante Petunia, als sie Amelia erblickte die in das Wohnzimmer kam.

„Ich brauche noch eine Unterschrift für die Schule bevor ich gehe", sagte Amelia und hielt Tante Petunia das Blatt hin.

„Was ist das?", rümpfte ihre Tante die Nase und las das Blatt aufmerksam durch.

„Reine Formsache. Du musst nur da unterschreiben" Amelia hatte das Gefühl Tante Petunia würde etwas zu lange über dem Pergament brüten. Wenn sie zu viel darüber nachdachte, konnte sie zu dem Ergebnis kommen, das sie Amelia den Besuch von Hogsmeade auch verbieten könnte.

„Außer du möchtest das natürlich später unterschreiben, wenn die Leute vom Ministerium da sind. Aber das würde natürlich Fragen aufwerfen.", fügte Amelia hinzu und Tante Petunia sah erschrocken auf. Schnell nahm sie sich den dargebotenen Kugelschreiber und setzte ihre fein säuberliche Unterschrift unter das Pergament. Amelia brachte es schnell wieder in ihren Besitz.

„Die werden doch diskret sein oder?", fragte Tante Petunia als Amelia schon gehen wollte. Ein schlechtes Gewissen überkam Amelia, als sie daran dachte, was es für Tante Petunia bedeuten musste, wenn hier ein Haufen Zauberer herein spazierte. Sie spürte ihre Sorge förmlich.

„Es ist ihr Beruf unsere Welt vor euch zu verbergen. Ich glaube nicht, dass sie auffällig sein werden", sagte Amelia freundlich. Sie wollte schon gehen, als sie sich doch nochmal umwandte.

„Tante Petunia?"

Ihre Tante war gerade dabei gewesen das gute Kaffee Service aus dem Schrank zu holen und drehte sich verärgert nochmal um.

„Was?", blaffte sie.

Beinah wären Amelia die Worte im Hals stecken geblieben, aber sie war kein kleines Kind mehr. Sie konnte darüber stehen. Zumindest sagte sie sich das.

„Es tut mir Leid, das ich euch immer alles Abpressen muss, aber es liegt nicht mehr in meiner Art kleinbei zu geben."

Tante Petunia sah sie einen Moment an und ihr Gesicht bekam einen bitteren Zug. „Manchmal klingst du genau wie Lily. Sie war genauso stur wie du."

Es war ein seltsamer Moment, manchmal vergaß Amelia das Tante Petunia Lilys Schwester gewesen war. Weder ihre Mutter noch ihr Vater wurden im Haus der Dursleys jemals erwähnt. Aber Tante Petunia war mit ihrer Mutter aufgewachsen. Sie würde sie immer besser kennen als sie.

„Es hat sie umgebracht", schnarrte Tante Petunia hinterher.

„Ich habe nicht vor zu sterben", erwiderte Amelia und das wehmütige Gefühl war verschwunden.

Tante Petunia sah sie noch einen Augenblick abfällig an, dann wandte sie sich wieder dem Kaffeegeschirr zu. Amelia ging hoch in ihr Zimmer.

Sie verstaute gerade Eristiks Terrarium im Schrank unter der Treppe, als Onkel Vernons Wagen vorfuhr.

„Zur Tür!", zischte Tante Petunia und rückte noch Dudleys neue Fliege zurecht, deren Zipfel gerade noch unter seinem mehrlagigen fetten Kinn hervorlugte.

Amelia öffnete die Tür und sprang schnell zurück, als sie mit einem Ruck aufknallte.

„Wo ist denn mein Dudders?", röhrte Tante Magda. „Wo ist mein Neffilein?"

Sie schnappte sich Dudley in einen Schraubstockgriff und drückte ihm einen Kuss auf die fette Wange. Dudley verzog hinter ihrem Rücken das Gesicht, aber er ließ alles klaglos über sich ergehen. Was wohl daran lag, dass er gut dafür bezahlt wurde.

„Hallo Petunia, meine Liebe"

Hinter Tante Magda kam Onkel Vernon mit einem riesigen Koffer ins Haus.

„Tee Magda?", fragte er mit einem entgegenkommenden Lächeln.

„Gerne Vernon"

Amelia glaubte schon glimpflich davongekommen zu sein, als Ripper, Tante Magdas Bulldogge, knurrend vor ihr inne hielt. Amelia konnte Ripper nicht leiden. Er hatte sie, wann immer er sie entdeckte, gejagt. Einmal hatte Amelia zwei Tage in ihrem Schrank unter der Treppe gesessen und sich nicht herausgetraut. Am liebsten hätte sie Ripper an Eristik verfüttert. Als Rache für vergangene Leiden.

„Du auch noch hier!", blaffte Tante Magda Amelia an. Diese setzte ihr süßestes Lächeln auf.

„Ich bringe deinen Koffer hoch, Tante Magda."

Der Koffer war höllisch schwer, aber Amelia war froh um jede Minute die sie nicht in Tante Magdas Gesellschaft verbringen musste.

Als sie in die Küche kam, schlabberte Ripper gerade Tee aus einer Tasse am Boden und beschlabberte Tante Petunias perfekt geputzten Boden. Diese rümpfte angewidert die Nase.

Amelia setzte sich mit an den Tisch und schenkte sich eine Tasse Tee ein.

„Wer kümmert sich eigentlich um die Hunde Magda?", fragte Onkel Vernon um seine Schwester von Amelias Anwesenheit abzulenken.

„Oberst Stumper kümmert sich um sie. Aber den alten Ripper konnte ich einfach nicht da lassen. Wird immer ganz traurig ohne mich."

„Ich habe gehört, dass eine deiner Doggen auf der der letzten Hundeschau in London einen Preis gewonnen hat", fügte Tante Petunia hinzu.

„Auf jeden Fall eine meiner besten Züchtungen. Habe eine guten Summe für ihre Welpen bekommen", sagte Tante Magda und nahm einen ordentlich Schluck Tee.

„Das war eine richtig gut gebaute Hündin, nicht so wie die da, der sieht man ihr schlechtes Blut schon an"

Tante Magda nickte zu Amelia herüber, welche unter dem Tisch die Hand ballte. Ein Muggel bezeichnete ihr Blut als schlecht?

„Da nützt es auch nichts, das sie sich anzieht wie eine Dirne. Warum wurde sie nochmal von der Schule geworfen Vernon?"

Amelia sah ihren Onkel fassungslos an, aber es war klar gewesen, das er sich irgendwas Gemeines ausgedacht hatte.

„Man hat sie mit zwei Jungs auf ihrem Zimmer erwischt.", sagte Onkel Vernon steif und warf Amelia einen warnenden Blick zu.

„Das mit zwölf Jahren. Pass nur auf Vernon, sonst schleppt sie dir noch ein Kind an, bevor sie volljährig ist."

Amelia zitterte so vor unterdrückter Wut, dass ihr Löffel gegen die Tasse klapperte als sie den Tee umrührte.

„Hast du nichts zu deiner Verteidigung zu sagen, junge Dame?", fragte Tante Magda spitz in ihre Richtung. Auch Dudley und Tante Petunia starrten sie nun an. Einzig Onkel Vernon machte hinter Tante Magdas Rücken eine Geste in Amelias Richtung, als wolle er sich die Kehle aufschlitzen.

Amelias erster Reflex war es sich zu verteidigen, doch was würde es bringen? Tante Magdas einzige Freude war es sie zu erniedrigen.

Zornesfunkelnd blickte Amelia auf.

„Es tut mir leid, dass die Situation fehlinterpretiert wurde. Aber dir hätte das nicht passieren können, Tante Magda. Kein Junge wäre jemals mit einer bärtigen Tonne wie dir freiwillig aufs Zimmer gegangen."

Die Dursleys blickten Amelia entsetzt an, während diese mit einem eisigen Lächeln die Milch in ihren Tee rührte. Ihre Hände hatten aufgehört zu zittern. Tante Magda plusterte sich auf, lief Zornesrot an und machte damit Onkel Vernon an einem seiner besten Tage Konkurrenz.

„Bist also noch stolz darauf für jeden die Beine breit zu machen? Ein billiges Flittchen genau wie deine Mutter. Die ist damals doch auch mit dem Erstbesten durchgebrannt."

Onkel Vernon nickte beflissen.

„Und dann hat sie sich zu Tode gefahren", fuhr Tante Magda fort, „sicherlich im Drogenrausch. Dich undankbares Biest hat sie zurückgelassen, als Last für deine ehrlichen, hart arbeitenden Verwandten."

Amelia nippte seelenruhig an ihrem Tee. Sie hatte ihre innere Ruhe wiedergefunden, der Okklumentik sei Dank. Die Worte dieser Frau konnten ihr nichts anhaben, sie wusste nichts über sie und nichts über ihre Eltern. Sie würde sich deswegen nicht aufregen, das war der Muggel nicht wert.

„Mach dir keine Sorgen, Tante Magda. Ich werde bald abgeholt. Ich möchte meinen armen Verwandten nicht zu viel zur Last fallen." Amelias Worte troffen vor Ironie.

„Dann hast du also einen anderen Dummen gefunden, der dich aushält?", zischte sie.

„Du wirst es nicht glauben, aber es gibt auch Menschen, die mich mögen. Du musst es nicht, aber ich bin diese Demütigungen leid."

Tante Magda blickte sie aus ihren Schweinsäuglein böse an. Sie wollte gerade ihren Mund aufmachen und ihr fetter Unterkiefer schwabbelte schon, als es an der Tür klingelte.

Amelia atmete auf. „Ich bin schon verdorben, keine Sorge", sagte Amelia als sie aufstand, um die Türe zu öffnen.

Vor ihr stand ein Mann in einem Muggelanzug. Er hatte eine buschige blonde Haarmähne die bereits mit einigen grauen Strähnen durchzogen war. Vom Hals bis zu seinem rechten Augen zog sich eine lange Narbe.

„Ich bin Rufus Scrimgeour, Leiter des Aurorenbüros, Miss Potter. Wir sind hier, um Sie abzuholen."

„Danke, Mr Scrimgeour. Ich hole schnell meine Sachen."

Amelia ging zum Schrank unter der Treppe und als sie sich umdrehte war schon ein anderer Zauberer zur Stelle, um ihr den Koffer und das Terrarium abzunehmen.

„Das ist Mr Dawlish. Er begleitet mich heute", stellte Scrimgeour vor.

In dem Moment erschienen die Dursleys in der Tür und starrten die zwei Männer überrascht an.

„Ah, Sie müssen Mr Dursley sein", sagte Mr Scrimgeour und ging auf Onkel Vernon zu. Dabei hinkte er leicht mit einem Bein.

„Ich bin Rufus Scrimgeour. Sehr erfreut Sie kennen zu lernen. Wir nehmen Miss Potter mit und bringen sie zum Anwesen der Familie Malfoy. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen."

Onkel Vernon sah den Zauberer an, als wäre ihm gerade ein Nilpferdkopf gewachsen. Nicht weil er ein Zauberer war, sondern weil er einen akkuraten Muggelanzug trug.

Tante Magda, die nicht verstand was das alles zu bedeuten hatte, sagte: „Passen Sie nur auf das sie keinen Ärger macht. Sie hat einen üblen Charakter."

Amelia lachte. „Das ist meine liebe Tante Magda, sie ist heute zu Besuch", sagte Amelia wobei sie das Wort Besuch so betonte, das Mr Scrimgeour verstehen musste, dass sie nichts über die Zauberwelt wusste.

„Ah natürlich. Dann lassen Sie uns mal gehen, Miss Potter. Haben Sie alles?" Er schien es plötzlich unheimlich eilig zu haben. Die Anwesenheit einer nicht eingeweihten Person schien dem Auror nicht zu behagen.

„Dann bis nächstes Jahr", sagte Amelia halbherzig zu den Dursleys und folgte Mr Scrimgeour. Vor dem Haus der Dursleys stand eine schwarze Limousine mit getönten Fenstern.

Mr Dawlish hielt ihr die Türe offen, während sie einstieg und ließ dabei den Blick aufmerksam durch die Gegend schweifen. Amelia sah noch einmal zu den Dursleys zurück, die alle an der Tür standen. Dudley hatte sich ganz rausgequetscht, da er sonst die gesamte Tür blockiert hätte und gaffte das Auto an. Amelia konnte sich ein zufriedenes Grinsen nicht verkneifen als sie die entgeisterten Blicke der Dursleys sah.

„Eine wirklich nette Verwandtschaft haben Sie, Miss Potter", sagte Mr Scrimgeour, als er sich neben sie auf die Rückbank setzte.

„Nun, ich für meinen Teil bin froh wieder in der magischen Welt zu sein", sagte Amelia trocken.

Der Zauberer lachte erheitert und das Auto setzte sich in Bewegung.

„Haben Sie schon weitere Informationen über Black?", fragte Amelia neugierig, als sie den Ligusterweg verließen.

„Wir ermitteln mit allen verfügbaren Männern. Wir werden ihn schon fangen. Warum interessieren Sie sich dafür?"

„Ich hänge an meinem Leben. Ich möchte ungern von ihm erwischt werden." Mr Scrimgeour schien sich unwohl in seiner Haut zu fühlen.

„Sie wissen davon?", fragte er.

„Natürlich", sagte Amelia und versuchte dabei möglichst unschuldig zu klingen.

„Der Minister hatte eigentlich angeordnet, dass Sie davon besser nichts erfahren sollten. Er meinte es könnte Sie beunruhigen." Scrimgeour klang etwas unsicher, wie sie wohl reagieren würde.

„Tatsächlich?", stellte Amelia trocken fest. „Glauben Sie mir, mein Nervenkostüm ist nicht so schwach, dass mich das sonderlich aus der Fassung bringen könnte. Es ist immer besser die Gefahr zu kennen, anstatt blindlings in etwas hineinzurennen."

Jetzt lachte Scrimgeour schallend.

„Genau das gleich habe ich Minister Fudge auch gesagt."

„Trotz allem bin ich auch etwas besorgt. Was für Kräfte muss Black haben, das er aus Askaban fliehen konnte? Ich würde ihm ungern begegnen", sagte Amelia forschend.

„Das kann ich Ihnen nachfühlen, Miss Potter. Deshalb begleiten wir Sie auch."

„Ich würde mich sicherer fühlen, wenn ich mehr über ihn wüsste. Findet sich vielleicht in den Prozessakten ein Hinweis wie er es angestellt hat? Es muss doch alles über ihn festgehalten worden sein."

Mr Scrimgeour blickte nun recht wütend drein. „Glauben Sie mir, das habe ich mir auch gedacht. Bis ich festgestellt habe, das es gar keinen Prozess gab. Ein paar übereifrige Ministeriumsbeamte haben einfach beschlossen, dass seine Schuld einwandfrei bewiesen ist und was immer er kann, es in Askaban sicher verschlossen ist. Ich war, um es milde auszudrücken recht ungehalten darüber."

Amelia schnaubte. In ihrem Kopf begann es zu arbeiten.

„Wie soll man gegen jemanden kämpfen, den man nicht mal einzuschätzen weiß?", fragte sie.

„Sie haben doch nicht vor Mr Black zu suchen, oder?", frage Mr Scrimgeour beunruhigt.

„Natürlich nicht. Das wäre Unsinn. Aber wie ich mein Glück kenne, werde ich ihm früher oder später begegnen. So war es mit Ärger immer. Irgendwann findet er mich."

Mr Scrimgeour nickte nachdenklich.

„Wir haben natürlich den Tod von Artemis Clog ebenfalls untersucht. Allerdings hielt es Professor Dumbledore für angebracht, Sie und Mr Malfoy von uns fern zu halten, also haben wir nur sein Wort."

„Ich weiß nicht was er Ihnen erzählt hat, aber es war schrecklich. Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, es zu verhindern hätte ich es getan. Artemis war eine gute Freundin meiner Mutter."

„Ich kannte sie ebenfalls. Eine Frau mit beeindruckenden Fähigkeiten. Leider viel zu undiszipliniert für den Aurorendienst. Deshalb musste sie gehen."

Amelia gestattete sich ein kichern, doch eigentlich wusste sie, was wirklich dahinter steckte. Diese Undiszipliniertheit war wohl eher die Unmöglichkeit gewesen den Kampf gegen Voldemort ruhen zu lassen. Zudem vertrugen sich Artemis und Regeln so gut wie Zauberei und Muggeltechnik. Sie hatte Amelia sogar Feuerwhisky zu trinken gegeben, einer zwölfjährigen Schülerin.

„Hatten Sie jemals das Bedürfnis sich für den Tod ihrer Eltern zu rächen, Miss Potter?", fragte der Auror. Amelia wusste nicht, worauf er hinauswollte. Nachdenklich sah sie aus dem Fenster. Hatte sie Rache gewollt. Vergeltung? Sie versuchte die richtigen Worte dafür zu finden.

„Ich bin ihm begegnet, Mr Scrimgeour. In meinem ersten Jahr auf Hogwarts bin ich ihm begegnet", begann sie langsam. „Er ist weniger noch als ein Schatten, unfähig zu leben oder zu sterben. Ich weiß nicht welche Magie ihn am Leben hält, aber ich muss sagen alleine die Tatsache macht mir Angst."

Amelia sah zu Scrimgeour und merkte sich jede seiner Reaktionen.

„Ich hasse ihn. Aber meine Mutter opferte ihr Leben um das meine zu retten. Ich werde es nicht leichtfertig wegwerfen."

Mr Scrimgeour nickte. „Sie hatten sicher kein leichtes Leben bei diesen Muggeln."

Amelia zuckte als Antwort nur die Schultern.

„Ich war immer froh unter unseresgleichen zu sein. Man merkt einfach den Unterschied."

Der Auror musste schmunzeln.

„Ich glaube, ich mag Sie, Miss Potter", gluckste er. „Sie verdienen es die Wahrheit zu wissen."

„Was ist die Wahrheit?", fragte Amelia nach.

Der Wagen machte eine scharfe Bremsung vor einer Ampel und stand im nächsten Moment an erster Stelle der Schlange.

„Sirius Black ist nicht irgendein Todesser gewesen", begann der Auror und musterte Amelia besorgt. „Er war ein guter Freund ihrer Eltern."

Auf welche Reaktion Scrimgeour auch warten mochte, sie kam nicht. Amelia sah ihn absolut emotionslos an. Ihre Okklumentik hatte sie gelehrt Emotionen zu unterdrücken um sich auf das Essentielle zu konzentrieren. Manchmal glaubte sie, es raube ihr ihre Fähigkeit zu empfinden, aber was immer es tat, es schärfte ihren analytischen Verstand.

„Ihre Eltern haben gewusst, dass Sie-wissen-schon-wer hinter ihnen her war und haben sich versteckt. Sie haben einen mächtigen Zauber angewandt um sich zu verstecken. Den Fidelius-Zauber. Leider haben sie der falschen Person vertraut."

Amelia schloss für einen Moment die Augen. Verraten zu werden stellte sie sich furchtbar vor. Von der Person verraten, der man am meisten vertraute. Amelia vertraute nur einem, wenn überhaupt. Sie konnte sich nicht vorstellen wie sie sich fühlen würde, würde Draco sie verraten.

„Sirius Black war ihr Geheimniswahrer nicht wahr?", fragte Amelia. Sie sah richtig unglücklich aus.

„Ich fürchte ja", bestätigte der Zauberer.

„Aber eines verstehe ich nicht", sagte Amelia. „In den Zeitungen stand überall, es wäre der Mord an dreizehn Menschen gewesen, der ihn nach Askaban gebracht hat."

„Das war eine ganz unglückliche Geschichte damals. Ich war gerade leitender Auror geworden, es war einer meiner ersten Einsätze und glauben Sie mir, Miss Potter. Das hätten Sie nicht sehen wollen. Nachdem er Ihre Eltern verraten hatte und Sie-wissen-schon-wer verschwunden war, waren es nicht die Auroren die Black geschnappt haben. Peter Pettigrew hat Black gefunden und gestellt. Mitten in einer Muggelgegend. Der junge Kerl muss von Sinnen gewesen sein vor Trauer um ihre Eltern. Sie kannten sich gut. Black jedenfalls hat alles in die Luft gejagt und den jungen Peter Pettigrew gleich mit. Ich war damals dabei als sie Black abgeführt haben. Er hat sich nicht gewehrt aber gelacht wie ein Wahnsinniger."

Amelia nickte nachdenklich.

„Danke, dass Sie mir das erzählt haben, es bedeutet mir viel."

„Sie verdienen es und ich bin sicher, dass Sie diesen Gefallen bei Gelegenheit zu erwidern wissen."

Das war klar. Amelia unterdrückte ein Seufzen und schenkte ihm ein hoffentlich nettes Lächeln. „Natürlich können Sie das, Mr Scrimgeour." Langsam begann sie zu verstehen, wie diese Welt funktionierte.

„Wir sind am Manor", kam die Stimme von Dawlish. Er stieg aus und ging zum Kofferraum.

Amelia wollte ihm schon folgen, doch Scrimgeour hielt sie auf. Er sah ernster aus, als sie ihn jemals gesehen hatte. Kurz sah er sich um ob auch niemand zuhörte.

„Wissen Sie wer die Malfoys sind?", fragte er eindringlich mit gesenkter Stimme.

Amelia sah ihn überrascht an. Reagierte aber nicht.

„Lucius Malfoy stand damals vor Gericht. Er wurde beschuldigt ein Todesser zu sein", sagte Scrimgeour in einem eindringlichen Flüsterton.

Amelie stockte. Was sollte sie tun. Es leugnen, es bestätigen. Sie wagte es ihren Geist etwas auszustrecken. Nur nahe genug, um zu spüren, sollte Okklumentik vorhanden sein konnte sich gegebenenfalls unbemerkt zurückzuziehen. Sie spürte Misstrauen und Abneigung gegenüber den Malfoys, aber keine aufrichtige Sorge um sie.

„Er wurde nie verurteilt", sagte Amelia. Zorn war zu spüren. „Er wird nichts tun, solange er alleine steht."

Rufus Scrimgeour sah sie überrascht an. „Sie wissen es?", fragte er.

„Ich mag dreizehn Jahre alt sein, aber ich bin nicht blind." Amelias kalter Blick streifte den Zauberer. „Allerdings sollten Sie mit solchen Äußerungen vorsichtig sein. Das grenzt an politischen Selbstmord."

Amelia stieg aus und begrüßte Dobby, der bereits ihren Koffer in Empfang genommen hatte.

„Welch eine Ehre, dass Miss Potter uns wieder besucht. Miss Potter ist immer so nett zu Dobby. Dobby freut sich immer, wenn Miss Potter kommt", sagte der Elf und verbeugte sich so tief, dass er mit der langen Nase auf dem Boden aufschlug.

„Danke Dobby. Würdest du meine Sachen schon reinbringen? Ich komme gleich nach."

„Natürlich Miss Potter, Dobby beeilt sich Miss Potters Sachen ins Haus zu bringen."

Sie beobachtete wie der Hauself mit ihrem Koffer und dem schlafenden Eristik disapparierte.

Dawlish sah sich gründlich um, während Rufus Scrimgeour sie nachdenklich musterte.

„Danke, dass Sie mich hergebracht haben. Es war eine sehr aufschlussreiche Fahrt", sagte Amelia.

„Das war es in der Tat. Es war mir eine Freude Sie kennen zu lernen" Der Auror sah sie nachdenklich an und zumindest das klang ehrlich.

Nachwort:
Ich habe demletzt einen Artikel über Psychopaten gelesen. Es war der Bericht einer kleinen Studie. Darin hieß es sie könnten die Zellen die für das Spiegeln und Reflektieren fremder Emotionen, also kurz gesagt unserer Empathie, zuständig sind, ein und ausschalten. Nur wenn sie darauf hingewiesen wurden emotional zu sein wurden die Teile des Gehirns aktiviert, die für unsere Emotionen zuständig sind. Also das Mitleiden mit anderen Menschen.
Bei der Überarbeitung dieses Kapitels kam mir das wieder in den Sinn und ich musste an meine Beschreibung der Legilimentik und Okklumentik denken. Es überkam mich so.