Kapitel 5 – Kulturen
Als Amelia in den Gemeinschaftsraum zurückkehrte, war Draco schon vom Quidditchtraining zurück. Er saß da, mit Blaise und Vincent und lachte. Pansy klebte förmlich an seinen Lippen.
Als Draco Amelia bemerkte stand er auf und kam auf sie zu. Amelia musste lächeln. Er war immer für sie da gewesen. Immer wenn sie ihn gebraucht hatte.
„Wie war das Training?", fragte sie und setzte sich an einen Tisch.
„Wir machen Gryffindor platt. Nachdem sie letztes Jahr den Quidditchpokal abgeblasen haben, müssen wir dieses Jahr gewinnen."
„Draco, ihr müsst immer gewinnen. Letztes Jahr ist nur eine Ausrede."
„Es geht schließlich ums gewinnen", grinste Draco. Amelia seufzte, aber sie mochte es, wenn er sich für etwas begeisterte. Dann war seine Miene nicht so ausdrucklos, sondern da war ein Feuer in ihm, das sonst immer unter der Oberfläche brannte.
„Magst du noch einen Patronus erschaffen?", fragte Amelia. „Die Wirkung von deinem hält so viel länger."
Draco tat ihr nur zu gerne den Gefallen. Der Hengst schnaubte und folgte Amelia nur zu gerne in den Schlafsaal als sie sich verabschiedete.
Pansy warf ihr einen bösen Blick zu. Sie hatte zwar keine Ahnung was dieses Pferd war, aber es folgte Amelia und das war schon schlecht. Unwirsch ließ sie den Patronus zerplatzen, als sie in den Schlafsaal kam, indem sie durch ihn hindurch ging.
Amelia seufzte schwer und ließ sich auf ihr Bett fallen. Dabei fiel ihr Blick auf Magie ist Macht in dem sie immer wieder las. Das Buch übte eine faszinierende Anziehungskraft auf sie aus. Es war weniger ein normales Buch als vielmehr eine Kladde und sein Verfasser hatte darin nicht nur Wissen sondern auch Experimente und Gedankengänge Niedergeschrieben. Sie blätterte zu der letzten markierten Seite und ihr sprang der siebeneckige Bannkreis ins Auge, den sie zuletzt studiert hatte. Es war dazu gedacht Seelen zu fangen, hatte allerdings nie wirklich funktioniert, wenn sie den Aufzeichnungen traute. Aber wenn sie… Amelia dachte den Gedanken zu Ende und beschloss gleich morgen in die Bibliothek zu gehen.
Leider war ihr Plan schwerer in die Tat umzusetzen als erwartet. Amelia hatte zwar schon viel über Runen und Rituale gelesen und auch von Professor Snape hatte sie dazu viel gelernt, aber das Thema war ziemlich kompliziert.
Draco verbrachte die ganzen Abende mit Quidditch Training, wenn er nicht gerade im Schach-Club war. Pansy verfolgte ihn auf Schritt und Tritt. Sie saß beim Quidditch auf der Tribüne und beschenkte ihn mit selbstgebackenen Plätzchen. Auch wenn Draco das oft unangenehm war, bemerkte Amelia, dass er sich auch geschmeichelt fühlte, was ihr wiederrum missfiel auch wenn sie es unkommentiert ließ.
Dienstag war der einzige Tag, an dem sie Draco mal länger zu Gesicht bekam und diese Tage verbrachten sie zusammen im Kerkerraum und übten Duellzauber. Dort gab es keine Pansy und der Patronus hielt die Dementoren fern. Es war Amelias glücklichste Zeit.
Amelia übte sich darin, ihre Legilimentik so anzuwenden, wie es sich für Duelle gehörte und zwar indem sie alle Gefühle ihres Gegenübers mit ausblendete und sich auf die Zauber konzentrierte und Draco mühte sich damit ab, die Zauber überhaupt alle so hinzubekommen wie er es sich vorstellte.
Es machte ihn schier Wahnsinnig, dass Amelia ihre Zauberformeln nicht mehr laut aussprach, sondern nur mit Stummzaubern arbeitete und noch mehr ärgerte es ihn, dass er nicht wirklich eine Chance hatte.
Draco war nicht schlecht, eher das Gegenteil, aber Amelia hatte ihm einfach Monate der Erfahrung voraus. Mittlerweile schaffte sie es sogar Snape im Duell zu besiegen, wenn sie einen guten Tag hatte.
Das munterte Draco immer etwas auf, wenn Amelia ihm davon erzählte.
Amelia saß in der Bibliothek. Sie hatte die gefühlten letzten Monate in der Bibliothek verbracht. Die einzige Person die wahrscheinlich noch öfter hier war, abgesehen von Madam Pince, war wohl Hermine Granger.
Amelia ignorierte sie normalerweise, denn sie konnte diese Besserwisserin nicht ausstehen. Sie nervte einfach im Unterricht und zwar nicht weil sie alles wusste, sondern weil sie es auch immer zum Besten geben musste.
Doch heute war es in der Bibliothek ziemlich voll. Gleich vier Tische wurden von Fünftklässlern belegt, die sich über einen schwierigen Aufsatz für Zaubertränke beschwerten. Amelia hatte sich einen Tisch ganz hinten in der Ecke reserviert und brütete über einer Abhandlung über den Gebrauch alter Runen für magische Artefakte.
„Entschuldigung, darf ich mich zu dir setzen?", störte sie eine unsichere Stimme in ihrer Konzentration. Amelia sah auf und blickte direkt in das Gesicht von Hermine Granger. Sie hatte buschige zerzauste Haare und trug eine vollgestopfte Schultasche. Die Gryffindor schien sich in ihrer Haut nicht sonderlich wohl zu fühlen.
Amelias erster Impuls war abzulehnen. Aber es war ein Gebot der Höflichkeit eine solche Bitte nicht abzulehnen. Genauso wie man auf die Frage nach dem Befinden stets mit gut antwortete. Also zuckte sie nur die Schulter und räumte einen Bücherstapel zur Seite. Eine Erwiederung war das Schlammblut nicht wert.
Hermine Granger nahm ihr gegenüber Platz.
„Danke", sagte sie leise. Amelia ignorierte sie einfach nur.
Sie arbeiteten eine Weile stumm vor sich hin und Amelia kritzelte eine Rune nach der anderen auf ein Pergament und strich sie wieder durch. Sie grübelte schon ewig an diesem Problem. Sie war auf die Idee gekommen einen Patronus mithilfe des Bannkreises den sie entdeckt hatte, in ein Amulett zu bannen. In der Theorie müsste es möglich sein, allerdings fand sie keine Runen, die ihrer Absicht auch nur etwas entsprachen. Reine Magie würde einen Patronus halten können, so viel war sie sich sicher. Es ging nur darum ihm Dauerhaftigkeit zu verleihen. Dazu brauchte sie die Runen.
Amelia strich gerade die Runen für Gefängnis durch, als Granger sie ansprach.
„Es tut mir übrigens leid", sagte sie und Amelia blickte hoch.
„Was tut dir leid?", fragte sie abweisend.
„Das letztes Jahr, mit dem Vielsafttrank und das wir dich verdächtigt haben. Du hast schließlich Ginny gerettet."
Amelia zuckte die Schultern. Sie hatte von allen Seiten Anfeindungen bekommen. Es war aber auch nicht so, dass sie sich unschuldig verhalten hätte. „Es ist nicht so, dass ihr die einzigen wart, die mich verurteilt haben"
„Aber wie hast du uns durchschaut?", fragte sie. „Du wusstest sogar, wer wir waren!"
Amelia grinste düster. Sie hatte letztes Jahr Granger und die Weasley Zwillinge in einem Kerker eingeschlossen, als diese versucht hatten sie mit Vielsafttrank zu überlisten und sich in Draco, Vincent und Gregory verwandelt hatten.
„Mich würde mehr interessieren, wie ihr da so schnell wieder rausgekommen seid ohne Zauberstäbe."
„Oh, Fred hat das Schloß geknackt auf Muggel Art", erwiderte die Gryffindor.
Amelia schnaubte entteuscht. Wie banal. „Hätte ich mir denken können."
„Du wirst mir nicht sagen, woher du es wusstest, oder?"
„Nein", sagte Amelia schlicht. Sie verfielen einen Moment in Schweigen und Amelia wandte sich schon wieder ihren Runen zu, als Granger sagte:
„Warum bist du so?"
Amelia musterte sie kalt. „Wie soll ich sein?"
„Genau so, so kalt und abweisend und hochnäsig.
Ginny hat erzählt, dass du richtig nett zu ihr warst. Das du sie beruhigt hättest, als ihr sie aus der Kammer gerettet habt und in meinem ersten Jahr hast du mich vor dem Troll gerettet. Du hast du-weißt-schon-wen vernichtet aber benimmst dich wie ein Muggelhasser. Du beleidigst die Muggelstämmigen und siehst auf uns herab."
Amelia war überrascht, auch wenn sie es sich nicht anmerken ließ.
„Du hast dir wohl ganz schön Gedanken über mich gemacht", stellte sie fest.
„Ich versteh es einfach nicht!", sagte Hermine Granger und etwas nicht zu verstehen musste für diese Besserwisserin schrecklich sein.
Amelia seufzte. Warum konnten die Leute sich nicht einfach mal nicht für sie interessieren. Manchmal hatte sie das Gefühl, dass jede ihrer Taten auf eine Waage gelegt wurde.
Amelia hatte keine Lust sich zu erklären. Manchmal war sie sich selbst nicht mal so sicher auf welcher Seite sie überhaupt stand. Ob es überhaupt eine Seite für sie gab. Aber Hermine Granger war trotz allem eine kluge Hexe, das gestand sie ihr zu. Ob sie eine Antwort verstehen würde? Ob sie das Problem in der Zaubererwelt verstehen würde?
Amelia seufzte geschlagen.
„Leben ist wertvoll, auch Ginnys. Außerdem wollte ich sie nicht mit einer falschen Schuld leben lassen. Sie konnte nichts für das, was passiert ist. Voldemort hat sie hereingelegt und sie soll sich nicht ihr Leben lang mit der Schuld herumschleppen, ein Leben verschuldet zu haben. Sie ist eine von uns", sagte Amelia erklärend
Hermine zuckte zusammen als Amelia Voldemort sagte, aber nicht so sehr wie die meisten aus Zauberfamilien.
„Aber warum hasst du uns Muggelstämmige so?", fragte sie verwirrt.
Amelia musste leise lachen. „Es gab eine Zeit, da habe ich den anderen Slytherins nur nachgeplappert, weil ich dazugehören wollte. Aber irgendwann wollte ich verstehen und habe Draco die gleiche Frage gestellt, die du mir heute stellst. Erst da habe ich begriffen, was in unserer Welt falsch läuft."
Hermine sah sie fragend an.
„Wir sterben aus.", sagte Amelia traurig und blickte aus dem Fenster auf die Ländereien. Ein großer schwarzer Hund lief gerade über das Gelände in Richtung verbotener Wald.
„Nicht die Zauberer an sich, eher ihre Kultur. Alte Zauber werden vom Ministerium verboten, weil die Muggel uns mit ihrer Moral einsperren. Magie ist nun einmal wild und gefährlich. Doch heutzutage unterliegt alles strengen Richtlinien und die Magie wird immer schwächer. So wie die magischen Feste, beginnen auch die mächtigsten Magiearten zu verschwinden. In Hogwarts dürfen sie nicht unterrichtet werden, weil die Gefahr für die Schüler zu groß ist und zuhause trifft die Moral der Muggelstämmigen, auf die Moral altehrwürdiger Familientraditionen. Das schlimmste ist, das die reinblütigen Zauberer immer mehr von eben jener Moral beeinflusst werden, weil das Leben dadurch so viel einfacher ist. Deshalb lehne ich euch ab. Ihr zerstört unsere Kultur. Ihr versteht das Wesen von Magie nicht."
Das ist doch Unsinn", begehrte Granger auf. „Wenn unsere Moral nicht besser wäre, würde man sie nicht übernehmen. In der Evolution setzt sich immer das Beste durch. Das war schon immer so. Was nützt es einem, Feste zu feiern die vollkommen untergehen, weil man so berauscht ist und sich nicht mal mehr daran erinnert. Was, wenn man Dinge tut, die man nachher bereut."
Auf Amelias Lippen stahl sich ein düsteres Lächeln.
„Du hast also von Beltane gelesen?", fragte sie.
„Natürlich, ich habe mich über die Zauberwelt bestens informiert. Das ist barbarisch."
„An Beltane wird unsere Magie gereinigt und erneuert. Wer keine alte Magie benutzt, für den ist es irrelevant." Amelias Stimme klang abfällig. „Für uns Andere ist es eines der bedeutendsten magischen Feste. Muggel trinken auch Alkohol, um sich zu berauschen. Der Rausch kann nicht minder gefährlich sein."
„Beltane wurde abgeschafft, nachdem es 1931 zu einer Massenvergewaltigung bei einer Versammlung kam. Das war nur die richtige Entscheidung", ereiferte sich Granger.
Amelia schnaubte verächtlich. „Kein Ministerium schafft es die alten Traditionen wirklich zu verbieten. Beltane wird noch immer gefeiert. Und es wird gefeiert werden, solange es noch die Hexen und Zauberer gibt, die die alten Künste praktizieren. Die Künste in denen Magie mehr zählt als Leben."
„Du nennst es alte Künste, aber eigentlich meinst du die Dunklen Künste", sagte Granger ablehnend.
„Es gibt mehr Magie als das was wir in Hogwarts lernen und das was als Dunkle Künste bezeichnet wird. Aber ja, wenn ich von den alten Künsten spreche, meine ich damit auch dunkle Magie. Doch ihr Preis ist hoch."
Granger schüttelte den Kopf.
„Erst sagst du Leben ist wertvoll und dann sagst du Magie zählt mehr als Leben. Das ist doch irrsinnig." Granger klang mittlerweile so, als würde sie tatsächlich an Amelias Verstand zweifeln. Diese lachte kalt auf.
„Geht ein Leben in Magie unter, werden alle die ihm nachfolgen stärker. So entstanden in frühen Tagen große Zauberer wie Merlin oder Morgana. Unsere Vorfahren leben in uns weiter. Aber wer nie an Beltane teilnimmt. Wer seine Magie nie mit der anderer verbindet, dem bleibt nach dem Tod nur die Einsamkeit."
Amelia lächelte traurig. Zu genau erinnerte sie sich an das herrliche Gefühl der Verbundenheit an Beltane.
„Das ist unsere Religion. Wo ihr Muggel den Himmel und Gott habt, haben wir den Glauben an die Unvergänglichkeit der Magie. Symbolisiert durch den Machtkreislauf und gepriesen an Beltane. Im Tode werden wir nie allein sein."
„Daran glaubst du wirklich, oder?", fragte Granger und Amelia nickte.
„Euer Unverständnis unsere Traditionen zu akzeptieren, führt dazu das wir euch ablehnen."
Granger schüttelte unwissend den Kopf. „Wenn akzeptiert zu werden bedeutet, hinzunehmen wenn Hexen und Zauberer sich mit ihrer Magie selbst umbringen, dann will ich das garnicht", erwiderte Granger und und wandte sich wieder ihren Hausaufgaben zu. Sie tat Amelia etwas leid, aber was erwartete sie von einem Schlammblut.
Bald begann der Halloweenmorgen. Heute durften sie das erste Mal nach Hogsmeade gehen und alle waren ganz aufgeregt. Daphne schwärmte von Besenknechts Sonntagsstaat einem Bekleidungsgeschäft und Pansy wollte mit Draco unbedingt in Madam Puddifoots Café. Blaise war ganz scharf darauf, sich die Heulende Hütte anzusehen. Das wahrscheinlich am meisten von Spuck heimgesuchte Haus in England. Vincent und Gregory hatten ihr Ziel im Honigtopf, dem Süßigkeiten Laden und Amelia, die war sich nicht mal sicher, ob sie hingehen sollte.
Ihr erschien es als äußerst unsicher Hogwarts zu verlassen so lange Sirius Black nach ihr suchte. Außerdem war sie nicht sonderlich scharf darauf an den Dementoren vorbei zu gehen. Was nun schwerer wog wollte sie nicht wirklich gegeneinander abwägen.
Aber es gab etwas, das sie aus Hogsmeade brauchte. Sie musste zu Derwisch & Banges einem Laden für Zauberutensilien oder zu Goldstabs Zauberschmiede, einem magischen Juwelier um ein Amulett für ihren Bannkreis zu besorgen.
Amelia hatte am Morgen sorgfältig ihren Tarnumhang eingepackt sowie ihren Zauberstab griffbereit hergerichtet. Der Zauberstab, den sie einst von Professor Quirrell zurückbehalten hatte, schob sie zusätzlich in ihre Robe, falls sie entwaffnet werden sollte. Das gab ihr ein gewisses Maß an Sicherheit.
„Wir können uns nachher alle im Drei Besen treffen", sagte Daphne und beschmierte ihr Toast mit Marmelade.
„Das wird sicher toll", sagte Pansy, „oder Draco?"
„Ich habe dir schon mal gesagt, dass ich nicht mit dir mitgehen kann", sagte Draco genervt.
„Das sagst du doch nur so. Sei nicht so schüchtern."
Draco verdrehte die Augen und Amelia und Daphne mussten kichern.
Sie versammelten sich in der Eingangshalle und Mr Filch der Hausmeister hakte sie alle akribisch auf seiner Liste ab, als sie das Schloss verließen.
Umso näher die Schülergruppe den Schulportalen kamen, die von den fliegenden Ebern dem Wahrzeichen von Hogwarts gekrönt waren, umso elender wurde Amelia. Die Präsenz der Dementoren war hier so stark, dass selbst die anderen Slytherins sie spürten. Draco warf Amelia einen Seitenblick zu und zückte dann seinen Zauberstab.
„Expecto Patronum", sagte er und der silberne Patronus galoppierte um sie herum.
„Was ist das eigentlich für ein Zauber?", fragte Blaise. „In letzter Zeit machst du den öfters. Ich dachte du willst damit wen beeindrucken aber, es scheint plötzlich so warm zu sein. Ich spüre die Dementoren gar nicht mehr." Die anderen nickten und blicken neugierig zu Draco.
„Das ist ein Schutzzauber gegen Dementoren", sagte Draco und zuckte mit den Schultern.
„Wo hast du den gelernt?", fragte Daphne verwirrt. Draco nickte zu Amelia hinüber.
„Aber Draco liegt der Zauber mehr als mir", sagte Amelia und lächelte Draco warm an.
Pansy warf ihr einen bösen Blick zu.
Viele Schüler, die an ihnen vorbeikamen, wurden langsamer, als sie die Wärme des Patronus spürten. So waren sie eine große Gruppe, als sie im Schutz des Patronus Hogwarts hinter sich ließen. Erst als sie den Dorfplatz erreicht hatten, lichtete sich die Menge.
„Komm Draco, hier lang", sagte Pansy und wollte Draco mit sich ziehen, doch dieser machte sich los.
„Zonkos? Blaise, Amelia?", fragte Draco stattdessen und deutete auf den Scherzartikelladen. Blaise nickte begeistert.
„Ich muss erst was besorgen. Ich treffe euch nachher", sagte Amelia.
„Ich komm mit dir, du wolltest doch meine Tante kennen lernen", sagte Daphne.
„Wir sind im Honigtopf", sagte Vincent und ehe sie es sich versahen, standen Pansy und Millicent als letztes auf dem Dorfplatz.
„Wohin zuerst?", fragte Daphne als sie die Hauptstraße entlang gingen.
„Ich brauche Vulkangestein", sagte Amelia und blickte sich um. Es war zwar nicht die Winkelgasse, aber auch hier reihten sich viele Geschäfte aneinander.
„Wozu braucht du so etwas?"
„Nur ein kleines Experiment. Du wolltest deine Tante besuchen?"
Daphne und Amelia machten einen Abstecher in Besenknechts Sonntagsstaat und Amelia ließ sich von Daphne zu einem tollen neuen Umhang überreden. Danach gingen sie bei Derwisch & Banges vorbei, wo Amelia kein Vulkangestein finden konnte, auch bei Goldstabs Schmiede wurden sie nicht fündig.
„Ich hätte nicht gedacht, dass das so schwer wird", sagte Amelia frustriert.
„Ich hätte da noch eine Idee", sagte Daphne und ging mit ihr zu einem recht abgelegenen Laden in einer Seitenstraße. Amelia hatte das unangenehme Gefühl beobachtet zu werden.
Über dem Laden hing ein Schild, auf dem in abgeblätterten Lettern Albiorix Screw stand. Es sah schon ein bisschen unheimlich aus und im Schaufenster stand eine gewaltige Statue von einem Gargoyle, der in Ketten gelegt war.
„Meine Tante hat mir hiervon erzählt. Hier gibt es alles, was es sonst nicht gibt. Ich habe es mir aber etwas anders vorgestellt."
Die beiden Hexen warfen sich einen zweifelnden Blick zu, dann traten sie ein.
Im Inneren war es ziemlich dunkel, und es roch etwas muffig. Überall standen alte Schränke und Tische herum, wie in einem Antiquitätengeschäft. Schmuckdosen, Amulette und Talismane lagen herum und auch ein ganzes Bündel Hasenpfoten baumelte von einem Schrank herunter.
„Wie kann ich den Damen helfen?", fragte plötzlich eine Stimme aus der Dunkelheit und Daphne und Amelia fuhren herum. Ein alter kahlköpfiger Zauberer stand vor ihnen. Er grinste sie an, wobei er seine gelben Zähne entblößte. Nur seine großen Eckzähne glänzten in einem blitzenden Weiß.
Amelia hatte sich am schnellsten wieder gefasst.
„Ich suche Vulkangestein", sagte sie gefasst.
„Ahh natürlich. Ein Schutzamulett. Gegen was wollen sie sich schützen? Pickel? Haarausfall oder doch eher gegen den bösen Fluch einer Widersacherin?", fragte der Zauberer mit schmieriger Stimme und rieb sich die Hände.
Daphne neben ihr schluckte und trat einen Schritt zurück, als der Mann näher kam. Amelia zuckte nicht mal mit der Wimper.
„Ich brauchte unbehandeltes Vulkangestein, ohne Magie."
Der Zauberer sah sie misstrauisch an und schien sie das erste Mal wirklich zu sehen. Seine Augen hatten ein beängstigendes Gelb. Sie huschten über ihr Gesicht und blieben an ihrer Narbe hängen.
„Folgen Sie mir, Miss Potter", krächzte er und man hatte das Gefühl ein anderer Mensch würde sprechen.
Er ging in den hinteren Teil des Ladens, zog eine zerbeulte Dose heraus und schütte sie auf dem Tresen aus.
Kleine Gesteinsbrocken in unterschiedlichen Farben vielen heraus. Amelia sah sie sich an und nahm einen kantigen dunkelgrauen Stein auf. Vorsichtig tippte sie mit dem Zauberstab dagegen und legte ihn wieder zurück. Sie wiederholte das Ganze noch ein paar Mal und wurde von Daphne und Mr Screw genau dabei beobachtet. Am Ende hielt sie einen grünen, Stein hoch. Dieser war frei von jeglicher Magie. Es müsste funktionieren.
„Wie viel möchten Sie dafür?", fragte Amelia.
Der Zauberer nahm ihr den Stein umständlich ab und hantierte damit herum.
Amelia erweiterte ihren Geist. Sie traute diesem Mann nicht.
„Das ist ein ausgesprochen mächtiger Stein. Ein kleiner Schatz meiner Sammlung", sagte er langsam und musterte sie von der Seite Amelia verzog keine Miene.
„Sagen wir für nur drei Galleonen kann ich ihn Ihnen überlassen, aber nur weil Sie uns gerettet haben, Miss Potter."
Amelia seufzte genervt.
„Ich gebe Ihnen drei Sickel dafür und dafür sollten Sie mir dankbar sein", sagte sie und zog die Münzen aus der Tasche. Der Zauberer sah sie wütend an. Schnappte sich aber das Geld.
„Sie lassen einem aber auch keinen Spaß!"
„Danke für das Geschäft", sagte Amelia freundlich und verließ mit Daphne den Laden. Draußen holte sie tief Luft und war froh diesem unheimlichen Mann entkommen zu sein.
„Der war aber schräg drauf", flüsterte Daphne angeekelt, als sie wieder in der engen Gasse standen. Amelia nickte zustimmend.
„Ich muss nochmal zu Goldstabs Schmiede", sagte Amelia und wandte sich in Richtung Hauptstraße, als sie das Gefühl hatte aus dem Augenwinkel eine Gestalt im Schatten verschwinden zu sehen.
Sie ging weiter als wäre nichts geschehen, doch als sie um die nächste Ecke bogen drückte sie Daphne an die Seite und warf blitzschnell den Tarnumhang über sie.
„Psst", zischte Amelia als Daphne sie erschrocken ansah.
Einen Moment später, kam Professor Lupin um die Ecke und sah sich suchend um. Dann ging er weiter. Als er um die nächste Ecke gebogen war nahm Amelia den Tarnumhang ab.
„Was war das?", fragte Daphne erschrocken. „Hat er uns verfolgt?"
„Ich glaube schon", sagte Amelia und sah ihm nachdenklich hinterher.
„Komm, ich gehe kurz zur Schmiede und dann sollten wir uns mit den anderen im Drei Besen treffen."
Amelia gab das grüne Vulkangestein in der Schmuckwerkstatt ab und hinterließ genaue Anweisungen bei seiner Verarbeitung nur keine Magie zu benutzen. Sie würden ihr das Werkstück in einer Woche zueulen.
Danach machten sie sich auf den Weg in den Drei Besen. Als sie reinkamen, entdeckten sie schon Draco, Blaise, Vincent und Gregory an einem der Tische sitzen.
Sie setzten sich zu ihnen und bestellten zwei Butterbier bei Madam Rosmerta der Wirtin.
Blaise erzählte ihnen gerade eine Legende der heulenden Hütte, als Pansy und Millicent mit großen Einkaufstaschen herein kamen. Sie kicherten als sie sich zu ihnen setzten und warfen sich vielsagende Blicke zu.
Madam Rosmerta brachte gerade die zweite Runde Butterbier, als Professor Lupin hereinkam. Daphne senkte die Stimme und flüsterte.
„Er hat uns vorhin verfolgt", sagte sie und nickte zu ihrem Professor hinüber. Dracos Augen huschten zu Amelia herüber. Doch diese schüttelte unmerklich den Kopf.
„Später", formten ihre Lippen wortlos.
„Er sieht echt heruntergekommen aus", sagte Pansy und rümpfte die Nase. „Ich würde ihm nicht in einer dunklen Seitengasse begegnen wollen."
Als sie sich auf den Rückweg machten, ließen sich Draco und Amelia ein Stück zurückfallen.
„Was wollte Lupin?", fragte er besorgt.
„Ich weiß es nicht. Aber umso länger ich ihn kenne, umso weniger traue ich ihm."
„Ich weiß, was du meinst", erwiderte Draco.
Sie gingen zum Festessen in die Große Halle und als sich die Tore öffneten kam ihnen ein Fledermausschwarm entgegen. Das Essen war köstlich und die Geister von Hogwarts legten eine kleine Schaueinlage ein.
Vollgestopft und zufrieden gingen sie zurück in den Gemeinschaftsraum, wo Draco und Theodor ihr Schachbrett aufstellten.
Amelia streichelte Eristik und wollte sich von ihm gerade die wichtigsten Neuigkeiten aus der Schule erzählen lassen, als Professor Snape in den Gemeinschaftsraum kam. Sein Auftauchen hatte noch nie etwas Gutes bedeutet.
„Alle zurück in die Große Halle!", donnerte er und führte die verwirrten Slytherins durch den Kerker.
Amelia schlängelte sich durch die Schülerschar durch und schloss zu ihm auf.
„Was ist passiert, Sir?", fragte sie leise. Snape sah zu ihr herunter aber verzog keine Miene.
„Black hat versucht in den Gryffindor Turm einzubrechen."
Amelia wurde blass, aber sie verstand nicht wirklich den Sinn dahinter.
In der Großen Halle angekommen waren die Gryffindors schon da.
Professor Dumbledore rückte mit einem Wink seines Zauberstabes die Haustische beiseite und in der Halle erschienen hunderte purpurroter Schlafsäcke.
Die Tore wurden geschlossen und die Schulsprecher verkündeten sie sollten sich nur sputen in die Schlafsäcke zu kommen.
Überall brachen Gespräche los und die Gryffindors erzählten, dass das Porträt vor ihrem Gemeinschaftsraum von Black angegriffen wurde.
„Glaubt ihr er ist noch im Schloss?", fragte Pansy ängstlich und klammerte sich an Dracos Arm.
„Eines würde mich interessieren", sagte Theodor und blicke zu Amelia hinüber. „Warum ist er in den Gryffindor Turm eingebrochen?"
Genau das, war der springende Punkt. Genau das, konnte sich Amelia ebenfalls nicht erklären. Ihre Eltern waren Gryffindors gewesen. Wenn Black dachte, sie wäre wie ihre Eltern, wäre sie auch in Gryffindor, aber das war sehr weit hergeholt. Er hätte nur einen Blick auf sie werfen müssen um herauszufinden, dass sie eine Slytherin war. Sie trug ihr Hauswappen auf der Schuluniform.
Amelia machte sich keine Illusionen. Wenn er es geschafft hatte ins Schloss zu kommen, dann wusste er sicher auch wie sie aussah.
„Es ist bestimmt rein appariert", mutmaßte Blaise.
„Oder er hat sich als Schüler verkleidet und ist von Hogsmeade mit ins Schloss gekommen", sagte Pansy.
Amelia schüttelte den Kopf.
„Das ist unmöglich. Dementoren lassen sich nicht durch Verkleidungen täuschen und Apparation und Portschlüssel sind auf Hogwarts nicht möglich. Filch wird alle Geheimgänge kennen, die ins Schloss führen und das Flohnetzwerk wird sicher überwacht."
Amelia zuckte mit den Schultern. „Ich wüsste nicht, wie ich einbrechen könnte."
„Glaubst du sie fassen ihn?", fragte Draco. Amelia verzog die Lippen und blickte in den Sternenhimmel über ihnen.
„Nein."
Sie legten sich in ihre Schlafsäcke, aber Amelia konnte nicht wirklich schlafen. Immer wieder wälzte sie sich umher und diesmal waren nicht die Dementoren schuld.
Es musste schon weit nach Mitternacht sein und die Große Halle war erfüllt von Schlafgeräuschen. Nur die Schulsprecher schienen noch wach zu sein.
„Was ist los?", fragte Draco der neben ihr lag.
„Nichts", sagte Amelia und Draco seufzte schwer.
„Du bist echt kompliziert weißt du das eigentlich."
Amelia bekam nur ein verdruckstes Lachen hin.
„Jetzt wirklich, Amelia."
Amelia mochte es aus irgendwelchen Gründen, wenn er sie Amelia nannte. Es fühlte sich irgendwie vertraut an, wenn Draco sie so nannte.
„Heute sind meine Eltern gestorben", sagte Amelia leise. „Es war an Halloween vor zwölf Jahren. Als Sirius Black sie ans Messer geliefert hat. Vielleicht erschien es ihm als guter Tag auch mich zu töten."
Draco sah sie bedrückt an. Und streckte seine Hand nach ihr aus. Seine Finger waren warm, als er ihre Wange berührte, irgendwie tröstend. Die Berührung brachte in Amelia eine Seite zum Klingen, von der sie dachte, dass sie darüber hinweg war. Es war Jahre her, seit sie das letzte Mal um ihre toten Eltern geweint hatte, aber jetzt hatte sie das Gefühl, als würde ihr alles zu Kopf steigen.
Sie schmiegte ihre Wange an diese tröstenden Finger. Sie waren tot, und es ließ sich nichts daran ändern. Amelia musste an Artemis denken und an alles was sie über ihre Mutter erfahren hatte. Wenn sie noch Leben würden, würden sie sie sicher nicht mögen.
Nachwort:
Ich mag Amelias Gespräche mit Hermine ich mag auch eigentlich Hermine sehr gerne. Ich hoffe ihr versteht was Amelia in dem Gespräch erklären wollte. Ich denke sie ist ziemlich rassistisch in dem Sinne. Wie kann sie auch nicht als Slytherin. Gleichzeitig halte ich sie nicht für dumm. Durch die Einführung von Beltane im ersten Buch wollte ich ein kleines Fenster in die Welt der Reinblütigen öffnen. Eine Welt die immer mehr verschwindet. Diese Moral, die ich genannt habe, ich habe sie im Gespräch mit Hermine nicht definiert, aber sie wurde bereits im zweiten Band angesprochen. Ich meine Damit z.B. den Wert von Leben. Gehen wir ins Mittelalter zurück so war die Todesstrafe nichts außergewöhnliches doch heutzutage gilt sie als unmoralisch. Das ist diese Veränderung, die ich meine. Das ist ein schleichender Prozess, von dem alle beeinflusst werden. Erst wenn ich den Reinbütern andere moralische Vorstellungen gebe, dann kann ich sie Mensch sein lassen und sie können trotzdem das tun, was sie in den HP Büchern getan haben. Sie waren gewalttätig, haben gefoltert und gemordet. Ich will hier aber auch keinesfalls irgendwas rechtfertigen oder gutheißen schon gar nicht Rassismus, aber irgendwie fand ich Harry Potter und auch die meisten FF's immer zu schwarz weiß gemalt was die Motive anging.
