Kapitel 6 – Das Schutzamulett
Als sie am nächsten Morgen aufwachten war Sirius Black nicht gefasst worden. In der Schule war kein anderes Thema mehr zu hören als wilde Spekulationen wie Sirius Black ins Schloss gekommen war, doch Amelia beschäftigte etwas anderes. Etwas viel Beunruhigenderes wie sie fand. Theodor hatte diese Frage zuerst gestellt doch nie eine Antwort bekommen. Warum der Gryffindor Turm?
Amelia hätte dieses Thema zu gerne mit Draco erörtert, doch bald war das erste Quidditch Spiel Gryffindor gegen Slytherin und Draco war jeden Abend mit den anderen Slytherins vom Team auf dem Quidditchfeld und trainierte.
Also beschloss Amelia dem alleine auf den Grund zu gehen und sie hatte schon eine Idee, wo sie beginnen wollte.
Ihre Eltern waren Gryffindors gewesen und mit Black befreundet gewesen. Was, wenn sie sich aus Hogwarts kannten?
Amelia konsultierte die Liste ehemaliger Abschlussklassen von Hogwarts und fand dort sehr weit oben ihre Mutter. Lily Evans war Schulsprecherin gewesen und hatte mit fünf UTZ Hogwarts verlassen. Keine drei Namen über ihr stand Sirius Black, Gryffindor und fünf UTZ. Amelia schluckte. Sie suchte ihren Vater. James Potter, Quidditchkapitän , Gryffindor und ebenfalls fünf UTZ. Direkt über ihm stand Peter Pettigrew, Gryffindor ein UTZ. Fast am Ende der Liste fand Amelia noch einen bekannten Namen Severus Snape, Slytherin vier UTZ. Sie hatte gewusst, dass Professor Snape mit ihren Eltern zusammen zur Schule gegangen war, aber nicht, dass sie der gleiche Jahrgang gewesen waren. Amelia suchte noch einen Namen und fand ihn direkt unter Sirius Black. Artemis Clog, Gryffindor, drei UTZ. Amelia strich reumütig über den Namen auf der Liste. Sie waren Freunde gewesen, Artemis, ihre Mutter, ihr Vater und Sirius Black. Amelia wollte die Liste schon wegräumen als ihr noch ein Name ins Auge sprang. Remus Lupin, Gryffindor, Vertrauensschüler vier UTZ. Amelia stockte der Atem. Er hatte Sirius Black gekannt und er war nun Lehrer hier auf Hogwarts. Was wenn er Black ins Schloss gelassen hatte.
Professor Snape musste es gewusst haben, deshalb traute er Lupin nicht. Amelia sprang auf. Sie musste unbedingt mit Professor Snape reden.
Sie fand ihren Professor in seinem Büro. Auf einer Werkbank lagen Zutaten. Amelia warf einen flüchtigen Blick darauf und stockte.
„Sie haben einen neuen Wolfsbanntrank aufgesetzt?", fragte sie verwirrt.
„Ihnen auch einen guten Abend, Amelia. Was führt sie zu mir?", sagte Snape und schloss die Tür hinter ihr.
Amelia verdrängte den Gedanken an den Wolfsbanntrank und setzte sich mit besorgter Miene auf den Stuhl vor Professor Snapes Schreibtisch.
„Kann es sein, dass Professor Lupin Sirius Black ins Schloss gelassen hat?", fragte sie direkt heraus.
Professor Snape sah sie im ersten Moment etwas überrascht an, dann jedoch schlich sich seine übliche mürrische Miene wieder in sein Gesicht.
„Der Meinung bin ich auch, aber Professor Dumbledore beteuert Lupins Unschuld."
„Aber sie waren zusammen in Hogwarts. Sie müssen sich kennen", sagte Amelia aufgebracht.
„Sie waren mehr als nur zusammen auf Hogwarts, Amelia. Sie waren beste Freunde. Sirius Black, James Potter, Peter Pettigrew und Remus Lupin. Sie waren unzertrennlich. Vor allem Black und dein Vater, Amelia."
„Mein Vater hat falsche Entscheidungen getroffen, allem voran sich mit Black einzulassen", sagte Amelia bitter. „Ich habe ihn nie kennen gelernt. Aber es muss so sein, Sir."
Snapes Gesicht verzog sich zu einer undeutbaren Maske und Amelia wurde schlagartig etwas klar. Warum Professor Snape Potter so verächtlich ausgesprochen hatte, als sie sich kennen lernten. Warum er Lupin so abgrundtief zu hassen, schien und etwas das Artemis ihr letztes Jahr gesagt hatte: Severus Snape hatte ihre Mutter geliebt.
Amelia schlug die Augen nieder und blickte betrübt auf den Boden.
„Sie haben meinen Vater gehasst, oder?", fragte Amelia resigniert.
Als keine Antwort kam, blickte sie wieder auf. Professor Snape verzog keine Miene. Amelia kannte diesen Gesichtsausdruck. Er prüfte seine Okklumentik und rief sich zur Selbstkontrolle. Sie selbst hatte dann genau den gleichen Gesichtsausdruck. Doch sie brauchte keine Legilimentik, um das zu verstehen. Sie kannte Hass nur zu gut.
„Wie kommen Sie darauf?", fragte Snape angespannt und Amelia musste unwillkürlich lächeln.
„Professor, Sie kennen mich seit über zwei Jahren und Sie fragen mich allen Ernstes wie ich zu diesem Gedanken komme?", fragte sie und Snape lachte schnaubend auf.
„Manchmal vergesse ich, wer Sie sind", sagte Snape kopfschüttelnd.
„Ich bin nicht mein Vater", sagte Amelia.
„Nein, das sind Sie gewiss nicht. Er war ein aufgeblasener Wichtigtuer. Arrogant und überheblich auf ganzer Linie."
Amelia nickte und fügte hinzu. „Ich bin aber auch nicht meine Mutter"
Snape schwieg. Sein Schweigen war Antwort genug für Amelia. Er hatte ihr in diesem Moment mehr gesagt, als er selbst wusste. Mehr als jede Legilimentik aus ihm herausgeholt hätte.
Amelia nahm sich vor am nächsten Tag in Verteidigung gegen die Dunklen Künste mit Professor Lupin zu sprechen, doch er war krank und Snape vertrat den Unterricht.
Amelia seufzte. Also würde sie bis nächste Woche warten müssen.
Aber das Spiel am Wochenende verdrängte selbst bei Amelia alles andere aus ihren Gedanken.
Pansy bastelte gewaltige Banner in ihrem Gemeinschaftsraum und die anderen Slytherin Mädchen beteiligten sich. Sogar Tracy Davis, die sonst fast immer im Ravenclaw Turm abhing.
„Ich habe gewettet, das Slytherin den Pokal holt, da muss ich doch auch beim Plakate basteln helfen", sagte sie.
Es war lustig sich dumme Sprüche einfallen zu lassen, die Amelia dann so verzauberte, dass sie nur in bestimmten Momenten aufleuchteten. Außerdem hatte der Kochzauber-Club wieder Kuchen gebacken und Amelia liebte Süßigkeiten. Es wurde ein lustiger Abend.
Leider war das Wetter am großen Tag eine reine Katastrophe. Es regnete in Strömen und kalter Wind blies aus allen Richtungen. Die Schüler zogen die Köpfe ein und die Slytherin mussten ihr Plakat im Gemeinschaftsraum lassen, da es sonst weggeblasen werden würde.
Amelia erschuf einen magischen Schild um sie, der den gröbsten Wind und die Kälte abhielt. Aber mehr vermochte auch sie gegen das Wetter nicht zu tun.
Pansy lief noch hinunter zu den Kabinen des Slytherin Teams, um Draco alles Gute zu wünschen und Amelia folgte ihr. Irgendwie wollte sie es Pansy nicht gönnen dort allein aufzutauchen.
Graham Montague einer der Jäger der Mannschaft kam als erstes nach draußen und sah sie überrascht an.
„Was wollt ihr hier?", fragte er und noch bevor Pansy etwas sagen konnte antwortete Amelia.
„Ich dachte ihr freut euch vielleicht über ein paar Impervius-Zauber", sagte Amelia.
„Was ist das?"
„Wasserabweisend", antwortete Amelia und schüttelte innerlich den Kopf über eine so dumme Frage.
Montagues Miene hellte sich auf.
„Klasse Idee. Kommt rein Mädels."
Er öffnete die Tür zu den Umkleidekabinen und Amelia und Pansy traten ein. Die meisten waren schon fertig mit umziehen, trotzdem begann Pansy blöd zu kichern.
„Was wollen die hier?", fragte Marcus Flint der Kapitän der Slytherin Mannschaft.
„Ich will das Slytherin das Spiel gewinnt", sagte Amelia und zückte ihren Zauberstab. Sie tippte gegen Flints Quidditch Ausrüstung und sagte. „Impervius." Flint sah sie nur weiterhin blöd an, doch Warrington, der Sucher der Mannschaft pfiff anerkennend.
„Gute Idee, hätten wir auch selbst drauf kommen können."
„Dafür habt ihr schließlich mich", lachte Amelia und verzauberte alle Umhänge. Draco grinst sie an und sie musste zurück grinsen.
„Macht sie fertig!", sagte Amelia und Flint grölte.
„Ihr habt gehört was die Mädels gesagt haben, auf geht's."
„Viel Glück", sagte Pansy aber ihre Worte gingen unter.
Die Slytherins gingen hinaus aufs Spielfeld während Amelia und Pansy auf die Tribünen kletterte.
Pansy fragte sie und klang dabei irgendwie deprimiert: „Warum musst du mir eigentlich immer die Show stehlen?"
Amelia zuckte die Schultern. Sie hasste es, wenn Pansy dauernd um Draco herumschwirrte. Sie hasste es mehr als sie sich selbst eingestehen konnte.
„Weil ich es kann", sagte sie nur. Das Lächeln auf ihren Lippen war alles andere als freundlich.
Als sie auf der Tribüne ankamen, war das Spiel bereits in vollem Gang. Amelia quetschte sich zwischen Daphne und Blaise um ihr Team anzufeuern.
Quidditch war ihr eigentlich egal, aber wenn sie dann ein Spiel sah, riss es sie mit und sie konnte sich wirklich dafür begeistern.
So ließ sich Amelia von den aufgepeitschten Gefühlen mitreißen und jubelte den Slytherins zu, als Flint und Montague versuchten die Jägerrinnen von Gryffindor unsanft abzublocken, während Draco sich hindurch schlängelte und den Quaffel ins Tor schleuderte. Doch sie hatten nicht mit den Weasley Zwillingen gerechnet und keinen Moment später erwischte ein Klatscher Draco am Arm, der einen Salto in der Luft vollführte und sich gerade noch so auf dem Besen halten konnte.
Amelia suchte das Feld fieberhaft nach dem Schnatz ab. Gryffindor schloss gerade mit 20 zu 20 auf, als sie ihn entdeckte. Er war dicht an den Torstangen der Slytherins und zischte nun über den Rasen.
Amelia schrie so laut sie konnte, aber ihre Worte gingen im Gegröle der anderen Slytherins unter. Warrington zog noch immer suchend Kreise über das Feld.
In diesem Moment spürte Amelia eine ungeheure Kälte, die sie umgab. Ihre Finger begannen zu Zittern.
„Dementoren!", zischte sie und Daphne neben ihr drehte sich erschrocken um, als würde ein Dementor genau neben ihr stehen.
„Wo?", fragte sie überrascht, aber niemand außer Amelia schien sie näher kommen zu spüren.
Amelia stürmte von der Tribüne und stieß die anderen Slytherins dabei unsanft zur Seite.
Sie beschwor ihren schwachen Patronus, doch sie hatte nicht mal die Hälfte bis zur Lehrertribüne geschafft, von der Lee Jordan das Spiel kommentierte, als er sich auflöste.
Sie hörte wie die Slytherinkurve aufjohlte und versuchte sich an einem weiteren Patronus, welcher fast augenblicklich erlosch. Langsam wurde ihr schwindelig und sie hörte weit entfernt eine weibliche Stimme rufen: „Nicht Amelia, bitte nicht Amelia!"
„Geh zur Seite, du dummes Mädchen ... geh weg jetzt ..."
„Nicht Amelia, bitte nicht, nimm mich, töte mich an ihrer Stelle…"
Die Stimmen wurden undeutlich und verklangen, denn plötzlich war ein mächtiger Patronus an ihrer Seite, in Gestalt eines Pferdes.
Amelia wunderte sich nicht einmal woher der Patronus kam, sondern rannte weiter auf die Tribüne.
Lee Jordan schrie ins Mikrofon. Schülerjubeln war zu hören und Amelia stürmte die letzten Stufen hoch.
Ein paar Lehrer drehten sich überrascht zu dem leuchtenden Patronus um, doch Amelias Blick streifte nur den von Dumbledore und der Schulleiter begriff. Seine Miene verdüsterte sich.
Er drehte sich zur anderen Seite und aus der Spitze seines Zauberstabes brach ein gewaltiger silberner Phoenix hervor, der sich über das gesamte Quidditchfeld ausbreitete.
Amelia seufzte erleichtert auf.
„Danke, Professor Dumbledore", sagte sie.
„Ich muss zugeben, das Spiel war so vergnüglich, dass mir dieses Detail entfallen ist", sagte Dumbledore fröhlich und sah zu dem Patronus an Amelias Seite der sich langsam auflöste.
„Der Patronus von Draco nehme ich an", stelle Professor Dumbledore fest. „Ich hatte mich schon gewundert was das für ein seltsamer Zauber ist, um die Freude über den Sieg von Slytherin auszurücken", sagte der Schulleiter und schmunzelte.
„Können Sie die Dementoren denn nicht einfach abziehen?", fragte Amelia bittend.
„Ich fürchte nicht. Glauben Sie mir, ich würde nichts lieber tun, aber sie unterstehen der Kontrolle des Ministeriums."
Amelia nickte und überlegte ob Dumbledore sie ebenso spüren konnte wie sie.
Dracos Patronus löste sich vollständig auf und erinnerte Amelia an das gerade wirklich wichtige. Langsam sickerte in ihren Verstand was Dumbledore gesagt hatte. Ihr Blick huschte zum Punktestand 20 zu 170 Punkten für Slytherin hieß es dort. Sie musste grinsen.
„Ich sollte runter", sagte Amelia und rannte zurück zu der Slytherin Kurve.
Die meisten Slytherins waren gerade auf dem Weg zurück ins Schloss. Aber sie entdeckte Draco am Rande des Feldes stehen, wie er sich suchend umsah. Sie ging zu ihm rüber.
„Alles okay?", fragte er besorgt und Amelia nickte.
„Danke für den Patronus, der war echt nötig."
„Ich habe nur bemerkt wie du es versucht hast, waren die Dementoren in der Nähe?", fragte er.
„Sie sind bis auf das Gelände gekommen. Der Patronus von Dumbledore muss sie vertrieben haben. Ich spüre sie wieder weit entfernt", sagte Amelia und der Regen schüttete auf sie nieder.
„Komm zurück ins Schloss. Die anderen sind bestimmt schon am Feiern", meinte Draco und schulterte seinen Besen.
Amelia beschwor ihren Wetter-Schutzzauber erneut und sie machten sich auf den Weg zurück.
Eine Windböe heulte um sie herum und fuhr durch die Blätter der peitschenden Weide. Sie strauchelten und einen Moment später standen sie einem gewaltigen schwarzen Hund gegenüber. Er knurrte sie an und drehte dann plötzlich um. Die Lehrer kamen in Hörweite.
„Ich wusste gar nicht, das streunende Köter auf dem Gelände leben", sagte Draco und Amelia zuckte die Schultern.
Sie beeilten sich ins Schloss zu kommen, denn im Gemeinschaftsraum warteten heißes Butterbier und Kuchen.
Die Slytherins johlten und Graham umschmeichelte Pansy wegen ihres guten Kuchens. Sie wurde ganz rot und kicherte verlegen.
Es war schon spät, als sie endlich in die Schlafsäle zurückkehrten und Amelia kroch müde in ihr warmes Bett.
„Draco war so großartig heute", schwärmte Pansy. „Wie er bei dem Klatscher einfach die Zähne zusammen gebissen hat." Millicent kicherte mit ihr. Amelia verdrehte nur die Augen.
„Kannst du damit nicht endlich mal aufhören?", fragte Daphne genervt und setzte sich im Bett auf, um Pansy böse anzufunkeln die gerade unter ihre Decke kroch.
„Du bist nur neidisch. Draco hat sogar meine Idee mit dem Butterbier gelobt", sagte Pansy.
„Alle haben diese Idee gelobt", sagte Daphne. „Du bist so Draco fixiert, dass du das offensichtliche überhaupt nicht siehst."
„Und was soll das sein?", begehrte Pansy eingeschnappt auf.
„Das dein Draco sich einen Scheiß für dich interessiert. Es gibt nur eine Frau die er sieht und das ist Amelia!", keifte Daphne und deutete in Amelias Richtung.
„Das ist nicht wahr!", beharrte Pansy stur.
„Bei Merlin, du bist so blind. Du tust dir nur weh damit. Das geht mir auf die Nerven", fuhr Daphne sie an. Amelia biss die Lippen zusammen. Klar, Draco wandte sich immer ihr zu sobald sie da war, aber sie waren beste Freunde und alle wandten sich ihr zu, sobald sie den Raum betrat. Sie war Amelia Potter, das war das normal.
„Er klebt doch nur an ihr, weil sie berühmt ist", sagte Pansy in genau diesem Moment als hätte sie Amelias Gedanken gelesen.
„So wie er sie ansieht?!", erwiderte Daphne ungehalten. Amelia amüsierte der Streit mittlerweile irgendwie. Sie schienen ganz vergessen zu haben, das Amelia zuhörte.
„Er gibt sich nur mit ihr ab, weil seine Eltern das wollen!", schrie Pansy und Tränen traten ihr in die Augen. Es trat jäh Ruhe ein und alle blickten entsetzt zu Amelia, die nur ein müdes Lächeln zustande brachte.
„Das war in unserem ersten Jahr, Pansy. Ich glaube in unserem ersten Jahr haben wir uns alle nicht gemocht. Ich war noch zu wenig Hexe, um unsere Welt zu verstehen.", sagte Amelia ruhig. „Es ist viel seit damals geschehen."
„Aber er hat es wirklich gesagt!", jammerte Pansy, als würde sie sich an eine längst widerlegte Wahrheit klammern.
„Ich weiß, er hat es mir gesagt", sagte Amelia und Pansy liefen Tränen über die Wangen. Sie zog geräuschvoll die Nase hoch.
„Pansy, es tut mir leid", sagte Amelia schließlich. „Aber da ist kein Platz für dich." Amelia wusste nicht, woher diese Worte kamen. Sie waren wohl ziemlich tief in ihr verborgen gewesen. Aber es fühlte sich so unglaublich gut an das zu sagen. Sie hatte es gehasst, wenn Pansy immer um Draco herumgeschlichen war. Sie merkte erst jetzt, dass sie wirklich eifersüchtig gewesen war. Sie war noch nie auf diese Art eifersüchtig gewesen. Aber was bedeutete das für ihre eigenen Gefühle Draco gegenüber?
Pansy brach noch lauter in Tränen aus und Millicent ging zu ihr rüber. um ihr den Rücken zu streicheln.
Sie alle schwiegen, bis Pansy unter Schluchzen herausbrachte: „Seid… Seid ihr zusammen?"
Alle Blicke im Mädchenschlafraum waren auf Amelia gerichtet. Diese schüttelte langsam den Kopf. „Nein, aber…" Amelia hielt inne. Was aber… Sie Vertraute Draco mehr als jedem anderen. Er hatte sein Leben für sie riskiert. War mit ihr in die Kammer des Schreckens gegangen. Das was sie verband, war mehr, als das was Pansy für Draco empfand.
„Aber du liebst ihn", sagte Daphne und sie hätte der Wahrheit kaum näher kommen können.
Amelia wusste nicht so recht was sie darauf sagen sollte. Sie war noch nicht bereit Worte für das Gefühlschaos in ihrem inneren zu finden.
Irgendwie hatte diese Unterhaltung die Beziehung zwischen Pansy und Amelia grundlegend verändert. Es dauerte zwar etwas, aber irgendwann wurde Pansy etwas netter zu Amelia. Pansy schien Draco tatsächlich aufgegeben zu haben und Amelia verstand nicht, wie sie zu diesem schnellen Gefühlswechsel fähig war. Vielleicht hatte es aber auch etwas damit zu tun, das Graham verdächtig oft in ihrer Nähe saß. Der Haken an der Sache war jedoch, dass sie Amelia jetzt dauernd damit aufzog, sie sollte sich Draco doch ein bisschen mehr nähern. „Küss ihn doch einfach", sagte sie. „Er stößt dich sicher nicht weg."
Amelia wurde bei solchen Gelegenheiten rot und wünschte sich fast sie alte Pansy zurück. Auch Draco schien ihre neuen Anwandlungen zu bemerken, denn er fragte Amelia während des Verwandlungsunterrichts leise danach.
Doch statt Amelia antwortete Daphne die eine Reihe hinter ihnen saß.
„Oh", flötete sie und Amelia ahnte nichts Gutes. „Amelia hat Pansy klar gemacht, dass sie die Finger von dir lassen soll, weil du ihr gehörst", sagte sie und Draco sah perplex zu Amelia, die rot anlief.
„Bei Merlin, ihr macht mich fertig", rief sie aus.
Daphne kicherte und Draco musste grinsen. „Dann weißt du wie es mir immer geht."
„Mr Malfoy, Miss Potter", donnerte die Stimme von Professor McGonagall durch den Klassensaal. „Ich würde Sie bitten Ihre privaten Gespräche außerhalb meines Unterrichts zu führen."
Draco zog eine Grimasse, aber sie waren still.
Eines Morgens brachte eine schöne weiße Schneeeule Amelia ein kleines Päckchen. Es war von Goldstabs Zauberschmiede. Amelia riss es sofort auf und holte ein flaches grünes Amulett hervor, in das ihr Bannkreis geschnitzt worden waren. Ein Siebeneck mit sieben mal sieben Runen in den Ecken. Die Runen verbanden sich zu einem Muster, doch in der Mitte fehlte etwas.
Sie hatte die ganze Zeit eine geeignete Rune gesucht, eine Rune die alles verbindet. In einem alten Buch in der verbotenen Abteilung war sie dann fündig geworden. Es hatte sie zwar eine kleine Verfolgungsjagd mit Filch gekostet und beinah wäre sie dem Weasley Schulsprecher in die Arme gelaufen, doch sie hatte eine Möglichkeit gefunden ihr Problem zu umgehen. Vulkangestein war sehr magieaffin auch Denkarien waren daraus gemacht. Aber Vulkangestein aus verschiedenen Regionen hatte verschiedene Wirkungen. Handrick Urquhart hatte seine Wirkungen untersucht und einen Zauber entwickelt, der die Essenz eines Zaubers magisch in Gestein brennen konnte. Damit konnte Amelia, so zumindest der Plan, die Runen vervollständigen und den Schutz gegen die Dementoren komplettieren.
Natürlich war das alles reine Theorie. Denn ihr Vorgänger hatte mit diesem Siegel, das sie adaptiert hatte, versucht Seelen zu fangen und nicht Patroni.
Amelia seufzte. Wenn sie alles richtig gemacht hatte, wäre sie den Ärger mit den Dementoren bald los. Es würde riskant werden, aber sie konnte nicht andauernd Draco darum bitten Patroni für sie zu beschwören.
Abends fing sie Draco nach dem Quidditch Training ab und lotste ihn zu ihrem Versteck.
„Ich bin müde, Amelia. Was ist denn so dringendes?", fragte er und ließ sich auf einen Stuhl fallen.
„Ich brauche deine Hilfe. Bei einem… nennen wir es Experiment", sagte Amelia und legte das Vulkanamulett auf den Tisch.
„Was für ein Experiment?"
„Ich habe ein Schutzamulett entworfen, es sollte mich gegen die Dementoren abschirmen, aber ich brauche dazu einen Patronus. Einen richtigen Patronus."
Amelia sah Draco bittend an. „Ich brauche deinen Patronus"
„Wie gefährlich wird die Aktion?", fragte Draco misstrauisch und beeugte das Amulett.
„Ich bin ehrlich mit dir Draco, ich weiß es nicht. Das ist Magie, die alles übersteigt, was ich jemals gemacht habe. Gefühle sind ein mächtiger Zauber und ein Patronus besteht aus Gefühlen. Aber ich weiß nicht, was ich sonst auf Dauer gegen die Dementoren tun kann."
Draco sah sie nachdenklich an. „Wachst du nachts immer noch auf?", fragte er und Amelia nickte verzweifelt.
Draco seufzte. „Nur eine Frage, kann es mich umbringen?"
Jetzt musste Amelia lachen. „Nein, das nicht. Es kann uns beide schlimmstenfalls in den Krankenflügel befördern. Wenn alles schief geht."
„Das klingt schon mal besser als dein letztes Experiment, als du mit dem Dämonsfeuer beinah den Raum in Brand gesteckt hättest."
„Das war ein Unfall!", verteidigte sich Amelia und kniff die Lippen zusammen
Jetzt war es an Draco zu lachen. Er stand auf und kam auf sie zu.
„Du bist richtig süß, wenn du schmollst."
„Ich schmolle nicht." Amelia wollte sich wegdrehen, doch Draco hielt sie auf. Sanft berührte er ihr Gesicht.
„Wirklich wunderschön"
Amelia hielt den Atem an. Er sah sie mit einem Gesichtsausdruck an, den sie bei ihm noch nie gesehen. Sie konnte diesen Ausdruck nicht deuten. Fast automatisch griff sie nach ihrer Legilimentik und hielt sich im selben Augenblick auf. Sie wollte nicht in seinen Gedanken wühlen. Zu groß war die Angst was sie finden konnte. Sie konnte nicht den Mut aufbringen sich dem zu stellen.
Auch wenn sie dem widersprochen hatte, was Pansy gesagt hatte, auch wenn Draco ihr davon erzählt hatte, sie wollte keine Trophäe sein, die sich die Malfoys in den Salon stellten.
Sie wandte den Blick ab, sie war sich nicht sicher, ob sie den Klumpen, der sich in ihr formte, gut genug vor Draco verbergen konnte. Er kannte sie zu gut.
„Ich helfe dir. Was muss ich machen?", sagte Draco und trat einen Schritt zurück.
Amelia brauchte einen Moment, um sich zu fassen, dann drehte sie sich zum Tisch um und nahm das Amulett hoch.
„Ich werde einen Zauber darauf anwenden und wenn mein Blut auf das Amulett tropft, dann musst du deinen Patronus rufen."
„Blut?", fragte Draco erschrocken. „Du sagtest es wird nicht gefährlich."
Amelia winkte ab. „Ich brauche das Blut als Opfer um den Patronus einzusperren. Es ist nichts weiter."
„Du wirst irgendwann noch eine richtige dunkle Hexe, wenn du damit schon in der dritten Klasse anfängst", sagte Draco süffisant und lehnte sich an den Tisch.
Amelia überging den Kommentar einfach. Sie war bereits tiefer in die dunklen Künste versunken als sie jemals eingestehen konnte.
„Fertig?"
Draco nickte.
Amelia nahm ein kleines Messer, dass sie auch für Zaubertrankzutaten benutzte, heraus und legte es auf ihre Handfläche.
Einen Moment zögerte sie, doch ihre Selbstkontrolle wurde immer besser. Sie biss die Zähne zusammen und schnitt sich die rechte Hand auf, bis das Blut daraus hervorquoll.
Draco schluckte und starrte sie entsetzt an.
Amelia nahm ihren Zauberstab mit der verletzten Hand auf und versuchte das Rauschen in ihren Ohren zu ignorieren.
Wille, Macht, Konzentration. Ihre Gedanken waren klar und mit klarer Stimme sprach sie die Beschwörungsformel.
Ihr Blut lief an ihrem Zauberstab herab, und ein grüner Zauber traf das Amulett im selben Moment in dem ein Tropfen Blut vom Zauberstab darauf viel.
Draco rief seinen Patronus und es gab einen blendenden Blitz.
Das nächste was Amelia mitbekam, war dass sie auf dem Boden lag.
Sie blinzelte die hellen Reflexe vor den Augen weg und setzte sich auf. Sie fühlte sich furchtbar erschöpft.
Neben ihr rührte sich Draco auch gerade. Er war aschfahl im Gesicht.
„Alles okay?", fragte Draco und Amelia nickte nur. Mit einem Wink ihres Stabes schloss sich die Wunde an ihrer Hand.
„Wie sieht es bei dir aus?", fragte sie.
Draco nickte schwach und ließ sich auf einen Stuhl fallen. „Ich fühle mich irgendwie komisch."
Amelia kam zu ihm. „Hast du Schmerzen?", fragte sie besorgt. Doch Draco schüttelte den Kopf.
„Nein, es ist wahrscheinlich nichts. Hat es funktioniert?", fragte er matt.
Amelia begutachtete das Amulett. An der Stelle, an der es lag, hatte es sich tief in den Tisch gebrannt und das Holz drum herum war verkohlt. Die freie Stelle in der Mitte war nun mit einer ihr unbekannten Rune gefüllt. Sie Verband alle anderen Symbole zu einem großen Ganzen und vervollständigte den Talisman.
Sie berührte ihn und sofort durchfuhr sie ein warmes Gefühl. Perfekt und wunderschön. Amelia horchte in sich hinein, aber es war kein Echo der Dementoren mehr zu spüren.
„Danke", sagte sie und lächelte Draco glücklich an.
„Also geht's?"
Amelia nickte und legte den Talisman um.
„Kann ich dir dafür irgendwie danken?", fragte sie.
Draco seufzte und sah sie eine endlose Minute an.
„Versuche mich nicht, Amelia."
Damit stand er auf. „Komm, lass uns zu Bett gehen. Ich fühl mich irgendwie reichlich zermatscht."
Nachwort:
Ich glaube es ist klar auf welches Pairring es erstmal hinausläuft. Ich meine ganz ehrlich… Es war vorauszusehen und für keinen eine Überraschung. Es dürfte ihnen Beiden auch irgendwo klar sein, dass diese Gefühle die sie haben auf Gegenseitigkeit beruhen.
Ich kann mir Amelia einfach nicht als Schulmädchen vorstellen, dass im Graß sitzt und einem Gänseblümchen Blütenblätter ausreißt und zählt: Er liebt mich… Erliebt mich nicht…
Es sind andere Dämonen, die zwischen ihnen stehen.
