Kapitel 7 – Der Pate
Am nächsten Morgen war Draco wieder ganz der Alte und Amelia unendlich glücklich endlich den Dementoren entronnen zu sein.
Schnee fiel vom Himmel und kündigte den Winter an. Sie gingen zusammen zum Frühstück in die Große Halle und Beatrix, Dracos Adlereule, brachte ihm einen Brief von zu Hause.
„Mutter veranstaltet wieder eine große Weihnachtsfeier dieses Jahr und lässt fragen, ob du die Ferien nicht zu uns kommen magst", sagte Draco und reichte Amelia eine schön verzierte Einladungskarte.
Auf der Vorderseite waren ein Zauberstab und ein Schwert die sich kreuzen abgebildet im Vorderung war ein großes M für Malfoy. Sie hatte dieses Wappen schon öfter bei den Malfoys gesehen.
„Das ist euer Familienwappen, oder?", fragte Amelia und hielt die Vorderseite der Einladung hoch.
„Ja, das Ursprungswappen mit Schwert und Zauberstab kommt hier aus England. Das M kam erst später mit dem Familiennamen aus Frankreich. Das Wappen dürfte mit diesem Aussehen so auf das 10. Jahrhundert zurückgehen."
„Angeber", sagte Amelia grinsend an Draco gewandt.
„Meine Familie ist alt und hat immer viel Macht und Einfluss in der Zaubereigeschichte gehabt. Da kann ich durchaus stolz drauf sein. Außerdem habe ich ein paar wirklich begnadete Duellanten in meiner Blutlinie", sagte Draco ziemlich selbstzufrieden und nahm sich noch ein Tost.
Amelia musterte Draco nachdenklich. Keiner der jemals auf dem Landsitz der Malfoys gewesen war, könnte denken dort würden einfache Zauberer leben. „Dein Vater hat das auch schonmal erwähnt", sagte sie schließlich und nickte.
„Unter unserem Anwesen gibt es gewaltige Duellräume und auch die Grabkammern der Familie. Aber der Eingang ist seit Jahren verschlossen. Ich war nie dort unten, es ist unmöglich", räumte Draco ein und biss in sein Marmeladentoast.
Amelia berührte nachdenklich den Talisman, den sie unter der Robe trug.
„Ich weiß, wo der Eingang ist", sagte sie. „Und ich weiß wie er zu öffnen ist", fügte sie hinzu.
Draco sah sie perplex an.
„Woher?"
Amelia zuckte schuldbewusst mit den Schultern. „Dein Vater hat es mir gesagt."
„Er hat mir immer gesagt er kann den Weg nicht öffnen", sagte Draco aufgebracht.
Amelia stand auf. „Komm mit", fortderte sie ihn auf.
Sie verließen die Große Halle und stiegen hinauf ins Schloss.
„Es haben mir zu viele zugehört", erklärte Amelia als sie sicher war das niemand mehr in der Nähe war.
Draco nickte verstehend. „Also was verschweigst du mir alles. Was hast du mit meinem Vater zu schaffen?", fragte er ungehalten und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Dein Vater hat mich zum Eingang geführt. Er konnte ihn nicht öffnen. Aber ich konnte es", sagte Amelia.
„Hat er dir gesagt wer den Eingang versiegelt hat?", hackte Draco nach.
Amelia nickte. Der Gang war menschenleer. Amelia trat an eines der Fenster. Sanfte Schneeflocken fielen gegen das Glas. Sie schaute hinaus auf die Ländereien.
„Ich hatte nicht erwartet, dass die Verbindung so stark ist, dass ich selbst seine Zauber auflösen kann", sagte Amelia und beobachtete Dracos Reaktion im Fenster, doch sein Gesicht war genauso unleserlich wie das ihre. Langsam drehte sie sich um.
„Umso tiefer ich in die Magie eintauche, umso mehr spüre ich diese Verbidung zwischen uns. Diese Macht über ihn, die ich nicht verstehe."
Draco sah sie einen langen Moment an und schien in ihrem Gesicht nach Voldemort zu suchen. Letztendlich sagte er: „Weißt du, Amelia. Ich würde mir manchmal wünschen, du wärst ein ganz normales Mädchen. Das sich nicht dauernd in Lebensgefahr begibt und nicht diese unheimliche Fähigkeit hat, einfach alles zu wissen. Aber es lässt sich nicht ändern. Du bist die einzige Amelia die ich kenne. Es gibt keine andere."
„Ich hatte nie eine Wahl", sagte sie gequält. Einen endlosen moment blickten sie sich an und etwas schien sich in Draco zu verändern. Als würde ihm etwas klar werden.
„Du musst mich in die Duellräume meiner Familie bringen, ich muss dort hinunter", sagte Draco entschlossen und ein unheimliches Funkeln stand in seinen Augen.
„Was willst du dort?", fragte sie misstrauisch.
„Versprich es mir", forderte er.
Amelia zögerte.
„Du schuldest es mir", sagte Draco. Amelia hatte ein ungutes Gefühl bei der Sache. Ihre Legilimentik war so verlockend, aber sie könnte noch mehr erfahren, Dinge die sie nicht wissen wollte. Außerdem hatte er recht. Sie schuldete ihm noch so viel mehr.
„Ich bringe dich hin", versprach sie.
„Dann fahren wir an Weihnachten nachhause", entschied Draco und Amelia nickte ergeben.
Als Daphne, Millicent und Pansy erfuhren das Amelia zu Mrs Malfoys berühmten Weihnachtsball ging, waren sie alle drei grün vor Neid.
„Da ist jeder der Rang und Namen hat", sagte Daphne.
„Da tragen alle die schönsten Kleider", fügte Millicent hinzu.
„Das ist furchtbar romantisch", sagte Pansy dazu.
Amelia seufzte und holte ihre Kleider hervor, um herauszufinden was sie anziehen könnte.
„Ich würde was rotes nehmen, das sieht Weihnachtlich aus", sagte Daphne.
„Vielleicht mit ein paar Rüschen am Saum", fand Pansy.
„Oh bitte nicht!" rief Amelia nur und stakste in hohen Schuhen durch den Schlafsaal. Mit misbilligendem Blick tippte sie auf die Absätze und als sie herumwirbelte stand sie deutlich stabiler.
„Lass uns in Besenknechts Sonntagsstaat gehen. Wir haben doch noch ein Hogsmeade Wochenende", meinte Daphne. „Da können wir dich einkleiden."
„Oh, aber nichts mit Rüschen", beharrte Amelia.
„Vielleicht mit Glitzersteinen", kicherte Millicent.
„Ich bin richtig neidisch. Ich durfte bis jetzt noch nie hingehen. Meine Eltern gehen jedes Jahr", sagte Pansy.
„Jetzt macht mal nicht so einen Trubel, es ist nur eine Weihnachtsfeier", sagte Amelia.
Die drei Mädchen sahen sie empört an.
„Nur eine Weihnachtsfeier!", sagte Pansy mit schriller Stimme. „Ich würde meine Lieblingsohrringe dafür geben auch nur durchs Fenster schauen zu dürfen."
Die anderen beiden nickten zustimmend.
„Wenn du es richtig anstellst, bist du mit Draco zusammen, wenn du wiederkommst", sagte Daphne. „Und sag jetzt nicht, dass du das nicht willst. Du bist nicht so undurchschaubar wie du denkst."
Amelia stöhnte genervt auf. „Könnt ihr nicht mal aufhören mich verkuppeln zu wollen? Das endet immer richtig peinlich."
Die drei Mädchen giggelten.
„Macht euch mal viel mehr Gedanken über Graham, der seine Augen nicht von Pansy nehmen kann, seit sie so große Brüste bekommen hat", sagte Amelia und zog die Schuhe wieder aus.
Pansy lief ganz rot an und diesmal war es an Amelia mit den anderen zu kichern.
„Der ist viel zu alt für dich", sagte Millicent zu Pansy und diese meine entrüstet: „Das stimmt gar nicht. Ich bin fast die älteste aus dem Jahrgang. Ich bin schon vierzehn."
„Meine Mutter hat mich immer vor älteren Jungs gewarnt", sagte Millicent. „Die denken immer nur an das eine."
Daphne nickte zustimmend. „Lass dich nur nicht auf so was ein, Pansy. Das kann nur schief gehen."
Pansy sah sich schmollend um. „Hast du auch noch einen blöden Rat für mich, Amelia?", fragte sie eingeschnappt.
Amelia fühlte sich ertappt und errötete leicht, bevor sie es verhindern konnte.
„Ich habe wenig Ahnung von dem ganzen Thema.", sagte sie nur.
„Wie, keine Ahnung?", fragte Daphne überrascht.
Amelia zuckte nur mit den Schultern und wurde noch eine Spur röter. „Na mit Jungs und so, ich habe nie mit jemandem drüber gesprochen.", sagte sie.
„Aber deine Mutter hat doch sicher…", sagte Millicent und Amelia unterbrach sie ruppig.
„Ich habe keine Mutter, Millicent."
Alle schwiegen einen Moment bis Pansy aufsprang.
„Also das kann man so nicht gelten lassen. Es ist nicht zu akzeptieren, dass du einen Tisch in einen Hengst verwandeln kannst, aber nicht mal weißt, wie ein Männerschwanz aussieht. Wartet hier!"
Pansy rauschte aus dem Schlafsaal, während Amelia bei diesen Worten am liebsten im Boden versunken wäre. Das war so peinlich!
Keine fünf Minuten später kam sie wieder herein und verschloss sorgfältig die Tür, bevor sie einen Stapel Hefte auf Amelias Bett fallen ließ und sich daneben setzte.
„Also, wir geben dir jetzt mal eine Runde Nachhilfe!", sagte Pansy wichtigtuerisch.
Amelia nahm eines der Hefte hoch und sah halb entsetzt halb überrascht auf die nackte Hexe auf der Vorderseite die provokativ mit ihren Brüsten wackelte.
„Woher hast du die?", fragte Amelia.
„Aus dem Jungenschlafsaal, woher sonst. Ich habe Blaise mal damit erwischt und da sind nicht überall nur Frauen drinne", sagte Pansy und kicherte.
Kichernd und mit roten Gesichtern machten sich die Mädchen über die Hefte her.
Am letzten Wochenende vor den Ferien durften sie nach Hogsmeade.
Professor Snape hatte in der Funktion als Hauslehrer wie er betonte, Amelia beiseite genommen und sie ermahnt nicht ins Dorf zu gehen. Amelia hatte ihn nur ungläubig angesehen. Sie musste ins Dorf, sie hatte noch Weihnachtsgeschenke und anderes zu besorgen.
„Professor, glauben Sie wirklich Sirius Black könnte mich einfach überrumpeln?", hatte Amelia gefragt und Snape hatte geseufzt. „An diesem Wochenende wird der Minister ins Dorf kommen, er macht eine Inspektion der Dementoren. Also werden sie wohl einigermaßen sicher sein", hatte er zugegeben und Amelia hatte sich von einem Besuch nicht abhalten lassen.
Draußen war es eisig kalt und die Welt sah aus, wie mit Puderzucker überzogen. Amelia wurde von Millicent rechts und Daphne links geschnappt und in Besenknechts Sonntagsstaat geschleppt. Pansy führte die Prozession mit hoheitlichem Gehabe an, als würde es sich um einen Staatsakt handeln.
Mit der Hilfe von Daphnes Tante Doreen stopften sie Amelia in ein Kleid nach dem anderen.
„Ich mag keine Rüschen!", sagte Amelia bestimmt schon zum tausendsten Mal, als Pansy wieder mit einem rüschenbestickten dunkelroten Kleid daherkam.
„Aber du hast so tolle lange Beine, da kommt das richtig gut zur Geltung!", beharrte Pansy.
Amelia seufzte und betrachtete sich im Spiegel.
Sie war in den letzten Monaten gewachsen, jetzt war sie schon genauso groß wie Daphne und sie würde noch weiter wachsen, was ihre langen schlanken Finger bewiesen.
Ihre Haare waren noch immer lang und wirr, aber dank Pansys Zauberkunst hatte sie gelernt sie in ordentliche Wellen fallen zu lassen. Sie hatte sogar mittlerweile Brüste entwickelt die groß genug waren, dass sie ihr etwas von ihrem kindlichen aussehen nahmen. Sie waren nicht so groß wie Daphnes die eine Wahnsinns Figur hatte, aber dennoch war sie hübsch genug und sie hatte die Hoffnung das ihre Brüste noch wachsen würden, schließlich taten sie genug weh.
„Es kann nichts ganz Schlichtes sein, Amelia", belehrte sie Daphne. „Dort tragen alle ausgefallene Roben. Du musst etwas Besonderes anziehen, sonst kannst du gleich in deinen Schulumhängen gehen."
„Rot ist schon in Ordnung, aber ich mag diesen Kitsch nicht", sagte Amelia.
Alle seufzten auf. „Eine wirklich schwierige Kundin", befand Daphnes Tante Doreen.
Doch am Ende fanden sie doch noch einen Kompromiss, mit dem alle leben konnten.
Danach gingen sie in den Drei Besen, gerade als Cornelius Fudge den Pub verließ.
Spät am Abend nahmen Draco und Amelia einen extra vom Ministerium bereitgestellten Portschlüssel zu Dracos Eltern, die sie schon erwarteten.
Draco wurde von seinen Eltern herzlich begrüßt und sogar Amelia wurde von Mrs Malfoy kurz gedrückt.
„Schön euch hier zu haben", sagte sie und brachte sie in den Salon, wo es heißen Tee mit Milch gab.
„Ich habe gehört, dass Black in Hogwarts war", sagte Mr Malfoy und musterte sie besorgt. „Was ist genau passiert?"
„Er hat versucht in den Gryffindor Turm einzubrechen", erzählte Draco. „An Halloween, aber man konnte ihn nicht fassen. Alle waren in der Großen Halle beim Festessen."
„Sehr seltsam, was er dort wohl gewollt hat?", fragte Mr Malfoy.
„Ich hatte gehofft Sie könnten mir dabei helfen, schließlich kennen Sie ihn noch aus seiner Schulzeit. Könnte er vielleicht etwas versteckt haben? Als er noch in Gryffindor war?", fragte Amelia an die Malfoys gewandt.
„Ich hatte nie viel mit ihm zu tun, hat viel Ärger gemacht in seiner Schulzeit. Dauernd nachgesessen und sich Nachts in der Schule herum getrieben", sagte Mr Malfoy und Mrs Malfoy fügte hinzu: „Es war eine Schande für die Familie, das er nach Gryffindor kam und nicht nach Slytherin. Er hat nie ein gutes Licht auf die Blacks geworfen."
„Weil er nach Askaban kam?", fragte Amelia doch die Malfoys warfen sich einen Blick zu, der etwas anderes sagte.
„Als er mit sechzehn von zu Hause weggerannt ist, hat er sich dem Wiederstand gegen den Dunklen Lord angeschlossen", erzählte Mrs Malfoy, „daraufhin hat ihn seine Familie als Blutsverräter verstoßen."
Amelia legte die Fingerspitzen zusammen und überlegte.
„War das alles Teil seiner Tarnung als Spion?"
Sie musterte Mr und Mrs Malfoy doch diese zeigten nur ratlose Mienen.
Draco machte einen nachdenklichen Gesichtsausdruck und musterte seine Eltern.
„Wie auch immer, Amelia. Hier bist du sicher. Black wird es kaum schaffen auf das Anwesen zu kommen", sagte Mrs Malfoy.
„Wir haben extra Sicherheitszauberer eingestellt. Sie überwachen das gesamte Gebäude", fügte Mr Malfoy hinzu.
„Danke", sagte Amelia. „Aber wenn es so ein großer Umstand ist, hätte ich auch auf Hogwarts bleiben können."
„Das stand nicht zur Debatte. Wir haben sowieso hohe Sicherheitsstandards, wegen der ganzen hohen Gäste die bald kommen", winkte Mrs Malfoy ab.
„Wir sollten zu Bett gehen, Mutter", sagte Draco und stand auf. „Es war ein langer Tag heute."
Mrs Malfoy nickte ihrem Sohn zu.
„Amelias, Zimmer wurde bereits hergerichtet, in den üblichen Räumen."
„Danke, Mrs Malfoy. Mr Malfoy." Amelia deutete einen leichten Knicks an und verließ mit Draco den Salon.
Sie stiegen schweigend die Treppe hoch und Amelia war wirklich froh, dass sie schlafen gehen konnte. Der Tag in Hogsmeade war anstrengend gewesen. Sie wünschte Draco eine gute Nacht und wollte sich schon auf den Weg in ihr Zimmer machen, als Draco sie am Arm packte und in einen Dienstbotengang zog.
Amelia wollte protestieren, doch er befahl ihr mit einer Geste zu schweigen. Er sah sich gründlich um und als er bemerkte, dass selbst das Portrait von seinem Ururgroßvater ihn nicht sehen konnte, obwohl er sich an den Rand des Gemäldes drückte, war er zufrieden.
„Mir ist grad was eingefallen", flüsterte er. „Ich hatte es total vergessen."
„Was?", formten Amelias Lippen, ohne es richtig auszusprechen.
„Ich habe dir doch von dem Treffen erzählt, in den Sommerferien als mein Vater sich mit ein paar alten Freunden getroffen hat."
Amelia nickte.
„Sie haben damals auch über Black geredet, dass sie nicht gewusst hatten, dass er ein Todesser ist. Dass es einen anderen Spion bei den Potters gab."
Amelia sah Draco überrascht an.
„Einen anderen? Wer?", flüsterte Amelia.
„Sein Name war Peter Pettigrew. Er hat deine Familie monatelang ausgehorcht. Aber keiner wusste, dass Black dies ebenfalls getan hat", sagte Draco.
„Warum erzählst du das erst jetzt?", fragte Amelia misstrauisch.
„Ich habe es vergessen, ich hatte damals andere Sorgen. Ich weiß nur das Black Pettigrew getötet hat, sonst nichts."
„Ich weiß aber einiges", sagte Amelia. „Pettigrew war mit meinen Eltern auf Hogwarts. Er war ein enger Freund meines Vaters, so wie Black."
„Was wenn er deine Eltern verraten hat?", fragte Draco.
„Das ist unmöglich. Black war der Geheimniswahrer, nur er konnte meine Eltern verraten", widersprach Amelia.
„Sagt wer?", fragte Draco.
Amelia zögerte. War es allgemein bekannt gewesen, das Black des Geheimniswahrer gewesen war? Sicherlich nicht, das wäre viel zu gefährlich gewesen. Wer hatte das behauptet, ein Todesser der entkommen war?
„Er hat diese Menschen getötet", erwiderte Amelia stur.
„Was wenn er einfach nur Rache an Pettigrew nehmen wollte und deshalb den Zauber gewirkt hat. Die Muggel waren nur Kollateralschäden. Von Pettigrew ist nichts übrig geblieben außer einem Finger. Das hat mein Vater mir erzählt", erwiderte Draco.
„Warum verteidigst du ihn so sehr?", fragte Amelia misstrauisch.
„Er war ein Black, er war ein Reinblüter, er war einer von uns", sagte Draco stolz.
„Man kann viel über uns sagen, aber die meisten von uns sind treu. Zumindest wenn sie sich für etwas entschieden haben.
Treue gegenüber der Familie bedeutet viel bei uns. Wenn seine Familie ihn verstoßen hat, kann das nur bedeuten, dass sie sich sicher waren, dass er gegen sie steht. Dass er nicht mehr zu retten ist.
Aber wenn Black sich für deine Eltern entschieden hat, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass er sie abermals verraten hat."
„Was wenn sich Black für den Dunklen Lord entschieden hat, dass seine einzige Loyalität ihm galt?", fragte Amelia zurück und Draco schien darauf keine Antwort zu haben. Er sah ziemlich unglücklich aus.
„Wir sollten jetzt schlafen gehen", sagte Amelia nach einiger Zeit.
Draco schüttelte traurig den Kopf und hielt Amelia am Arm fest. Er zog sie näher an sich heran.
„Er ist dein Patenonkel, Amelia. Er ist die einzige Familie, die du noch hast."
Amelia sah Draco fassungslos an und riss sich los.
„Seit wann weißt du das?", fragte sie barsch.
„Schon ewig", gestand Draco. „Schon bevor wir uns kannten. Er war schließlich auch meine Familie."
In Amelias Hals bildete sich ein Kloß. Sie fühlte sich plötzlich unglaublich verraten.
„Warum hast du es mir nie gesagt?", fragte sie mit zittriger Stimme.
„Weil ich dir nicht wehtun wollte, Amelia", sagte Draco und sah sie bittend an.
Amelia wandte sich zur Seite.
„Ich brauche keine Bevormundung", erwiderte sie schroff.
„Was hätte ich dir denn sagen sollen?", brauste Draco auf. „Hallo, du hast einen Patenonkel der in Askaban sitzt und mit daran beteiligt war deine Eltern umzubringen."
„Es lag nicht an dir das zu entscheiden!", schrie Amelia wütend und stürmte den Gang entlang.
„Amelia! Warte!", rief Draco ihr hinterher, doch sie hatte schon ihre Zimmertür zugeworfen. Draco versuchte sie zu öffnen, aber sie war von innen magisch versiegelt worden.
„Amelia!", rief er verzweifelt, doch nichts rührte sich. Frustriert ließ er sich auf den Boden sinken und vergrub sein Gesicht in seinen Händen.
„Typisch Frauen", kommentierte das Portrait seines Ururgroßvaters von der anderen Seite.
Draco warf ihm nur einen bösen Blick zu.
Am nächsten Morgen zeigte sich Amelia betont kühl und half Mrs Malfoy bei den Vorbereitungen für die Weihnachtsfeier. Vom Fenster aus sah sie Draco hinaus in den Schnee stapfen, den Besen über der Schulter.
Vielleicht, gestand sie sich ein, hatte sie überreagiert. Aber sie hatte sich so verraten gefühlt, dass er es ihr nie gesagt hatte, dass er etwas über sie wusste, etwas Essentielles und ihr es nie verraten hatte. Sirius Black war ihr Patenonkel, es überraschte sie nicht unbedingt, aber warum musste er es ihr verschweigen.
Amelias Gedanken drehten sich die ganze Zeit im Kreis. Gegen Nachmittag hielt sie es nicht mehr aus. Draco war zum Mittagessen nicht rein gekommen und sie hatte es schließlich verbockt. Also zog sie sich dick an und stapfte hinaus in den Schnee. Sie fand ihn wie erwartet auf seinem Besen in der Luft. Amelia blieb stehen und sah ihm zu. Dort oben musste es erbärmlich kalt sein. Es kam ihr vor, als würde es eine Ewigkeit dauern, bis er sie entdeckte. Er drehte noch einen extra großen Kreis, bevor er zwei Schritte vor ihr landete. Sein Gesicht war von dem kalten Wind gerötet und er machte einen zerknirschten Eindruck. Amelia holte tief Luft.
„Es tut mir Leid", sagten sie im Chor. Einen Augenblick sahen sie sich an, dann mussten sie lachen.
„Ich habe überreagiert", sagte Amelia.
„Ich hätte es dir sagen sollen", gestand Draco.
Sie nickten sich zu.
„Gehen wir zurück ins Haus?", fragte Amelia und zog fröstelnd den Umhang fester.
„Ja", sagte Draco.
Schweigend gingen sie zurück. Amelia wollte gerade die Eingangstür öffnen als Draco sie aufhielt.
„Eins noch", sagte er mit ernster Miene. Amelia blickte ihn fragend an.
„Du wolltest mich in die Duellräume bringen", erinnerte er sie an ihr Versprechen.
Amelia nickte zustimmend.
„Erinnerst du dich an den Kellerraum unter dem Salon? Dort waren wir im Sommer vor dem zweiten Jahr."
„Ich erinnere mich."
„Dort ist der Eingang. Das heißt wir müssen durch den Salon."
Draco seufzte genervt auf. „Den belagert meine Mutter. Sie schläft dort fast. Außerdem ist der Raum extra mit Alarmzaubern gesichert."
Amelia zuckte mit den Schultern. „Die Zauber kann ich bestimmt umgehen. Wir müssen nur deine Mutter raus bekommen."
Draco überlegte einen Moment.
„Wir gehen nachts. Nach der Weihnachtsfeier. Da sind meine Eltern bestimmt angetrunken genug, dass sie keine fehlenden Alarmzauber bemerken."
„Warum fragst du sie nicht einfach, ob du runter kannst?", fragte Amelia.
„Sie würden es nicht erlauben. Aber du hast es versprochen."
Amelia seufzte. Am liebsten würde sie seine Gedanken lesen. Aber es kam ihr wie Verrat vor. An ihr und an Draco. Wenigstens einem Menschen auf der Welt wollte sie vertrauen.
„Du führst mich echt in Versuchung. Okay, nach der Weihnachtsfeier", sagte Amelia und Draco sah sie verwirrt an. Doch Amelia flüchtete sich ins Warme.
Der Weihnachtsmorgen begann und das ganze Haus war schon in Aufruhr. Der Hauself der Malfoys rannte wild durch die Gegend und apparierte dauernd. Die Zufahrt war mit hunderten kleinen Weihnachtsbäumen geschmückt und der große Festsaal, der sich im Herzen des Anwesens befand, war festlich geschmückt.
Dabei ging fast das Geschenkeauspacken unter. In der ganzen Hektik fiel Draco erst gegen Mittag auf, dass sie die Geschenke vergessen hatten und Mrs Malfoy zeigte sich entsetzt und scheuchte die Kinder in den Salon, um sich um die Geschenke zu kümmern, während sie in die Küche eilte, um die Vorbereitungen der Köche zu überwachen.
„Das sind wirklich besinnliche Weihnachten", sagte Amelia schnaubend und ließ sich vor dem Tannenbaum nieder, der nur wegen der Geschenke im Salon stand.
„So war Weihnachten immer, seit ich mich erinnern kann", erwiderte Draco. „Es ist halt ein Event und kein richtiges Fest. Dieses Jahr kommt sogar der Zaubereiminister, da Vater jetzt im Zaubergamot sitzt."
Amelia nickte. „Ich werde damit leben können. Ich habe Weihnachten sowieso fast immer allein verbracht, weil die Dursleys mich nicht bei sich haben wollten."
„Geschenke gibt's trotzdem", sagte Draco und nahm ein Päckchen unter dem Baum hervor. Sie setzten sich auf den Boden.
„Hier, das ist für dich. Kam gestern mit einer Eule", sagte er und reichte Amelia ein schweres Paket. Sie öffnete es neugierig und hatte eine flache, runde, reich verzierte Dose in der Hand. Neugierig drehte sie sie in den Händen, bevor sie sie aufschnappen ließ. Ein Spiegel war auf der einen Innenseite zu sehen. Doch der Spiegel zeigte nicht ihr Spiegelbild, sondern schemenhafte Gestalten waren darin zu sehen. Umrisse von Personen die Amelia nicht identifizieren konnte.
„Ein Feindglas", sagte Draco und blickte ihr über die Schulter.
„Artemis hat mir von so was mal erzählt. Es zeigt mir wer meine Feinde sind", erinnerte sich Amelia. Draco nickte bestätigend.
„Die Dinger sind sündhaft teuer, wenn sie etwas taugen. Wer dir das wohl geschickt hat?", fragte er sich und untersuchte das Geschenkpapier nach einer Karte. Doch es gab wohl keine. Amelia legte das Feindglas zur Seite und nahm sich das nächste Geschenk, während sie Draco beim Auspacken beobachtete.
Er hatte Unmengen an Weihnachtsgeschenken bekommen, von seiner ganzen Verwandtschaft und das waren wirklich viele.
Das nächste Geschenk war von Severus Snape. Er hatte die Karte zwar nicht unterschrieben, aber sie hatte so viel Zeit mit ihrem Hauslehrer verbracht, dass ihr ein paar Worte ausreichten, um sicher zu sein.
Dieses Jahr schenkte er ihr allerdings kein Buch, sondern ein Fass mit magischer Tinte. Die Tinte war so verzaubert, das mit ihr nur die Wahrheit geschrieben werden konnte, oder das was die schreibende Person für die Wahrheit hielt. Der Clou an der Sache war, dass nicht einmal Okklumentik diese Tinte austricksen konnte, weshalb sie im Zaubergamot angewendet wurde, damit die Protokolle nicht gefälscht werden konnten. Es war eine Kunst sie herzustellen, aber Snape war nicht umsonst ein genialer Zaubertrankmeister.
„Das ist von dir, oder?", fragte Draco und schüttelte eines der Päckchen.
Amelia sah von dem Hut auf, den Mrs Malfoy ihr geschenkt hatte und nickte.
„Ich hatte echt Probleme etwas für dich zu finden", gestand sie.
Draco öffnete es neugierig und holte einen kleinen Beutel aus Drachenleder heraus.
„Erinnert du dich an die Tasche, die ich mal in der Winkelgasse gekauft habe? Die mit dem Ausdehnungszauber? Irgendwann hat er einfach aufgehört zu wirken, schlampige Arbeit. Deshalb habe ich mir selbst eine verzaubert. Ich dachte vielleicht gefällt dir so was. Garantiert bessere Qualität als im Laden", erklärte Amelia.
„Made by Potter, was?", fragte Draco und steckte seinen Arm in den Beutel, der bis zur Schulter darin verschwand.
Amelia musste Lachen.
„Mein Geschenk ist leider nicht selbst gemacht", sagte Draco und kramte nach einem kleinen Kästchen.
„Ich wollte dir zuerst Schmuck schenken. Daphne meinte, du würdest dich darüber freuen. Aber ich mag praktische Dinge", erklärte Draco.
Amelia öffnete es neugierig und auf dem schwarzen Samt lag ein silbernes schlichtes Armband.
„Ich muss dich enttäuschen Draco, Armbänder sind auch Schmuck", sagte Amelia lächelnd und nahm das Armband hoch. Es bewegte sich sofort über ihre Hand und legte sich wie eine silbrige zweite Haut um ihr Handgelenk."
„Das ist kein normales Armband. Berühr es mit deinem Zauberstab", sagte Draco.
Amelia tat es und das Armband saugte ihren Zauberstab einfach auf. Amelia erschrak und im nächsten Moment ploppte der Zauberstab wieder hervor.
„Was ist das!?", fragte Amelia überrascht.
„Das ist ein Pertal. Das Metall wurde verhext, sodass es Gegenstände in sich aufnehmen kann, eigentlich nur einen Gegenstand. Sobald du daran denkst, dass du ihn wiederhaben möchtest, erscheint er wieder.
Die Auroren benutzen solche Pertalle um ihre Zauberstäbe darin aufzubewahren damit sie ihnen nicht entwendet werden können.
Je nachdem wie schnell die Reaktionszeit eines Zauberers ist, kann er seinen Zauberstab sogar darin verbergen damit er ihm nicht mit dem Expelliarmus abgenommen werden kann", erklärte Draco.
„Ich habe davon gelesen. Aber waren die nicht rot?", fragte Amelia
„Schon, aber die sind für Auroren. Die Dinger sind nicht wirklich frei erhältlich. Wir haben Bekannte und darüber konnte ich das bekommen. Ich denke es passt zu dir."
Amelia stöhnte und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. „Du setzt die Maßstäbe für Geschenke ziemlich hoch."
„Was nützt es reich zu sein und Beziehungen zu haben, wenn ich dir damit nicht mal eine Freude machen kann."
„Hast du schon daran gedacht, was um Merlins Willen ich dir nächstes Jahr zu Weihnachten schenken soll?", fragte Amelia lachend.
„Ich hätte da ein paar Ideen", sagte Draco und bevor Amelia reagieren konnte, war er sehr nahe. Näher als jemals zuvor. Das Herz schlug ihr bis zum Hals.
In dem Moment ging die Tür auf und sie fuhren auseinander. Mrs Malfoy stand in der Tür und betrachtete sie mit eigentümlichem Blick.
Amelia wünschte sich, sie würde im Boden versinken. Ihr Herz raste noch immer.
Draco räusperte sich und versuchte die Röte zu bekämpfen die in sein Gesicht kroch.
„Ich wollte dich zum Umziehen abholen, Amelia. Der Frisör ist gekommen", sagte Mrs Malfoy mit einem spitzen Lächeln.
Amelia nickte und stand auf. Sie traute ihrer Stimme nicht so wirklich.
Amelia hätte niemals erwartet das Schminken und Frisieren so lange dauern konnte. Eine Hexe und ein Zauberer schwirrten um Amelia und Mrs Malfoy herum und brachten jede Haarsträhne in eine perfekte Position. Als sie am Ende in den Spiegel sah, hätte sie sich fast nicht wieder erkannt. Es wirkte fast so, als wären die Jahre die bei Mrs Malfoy wegretuschiert worden waren auf sie übertragen worden. Amelia sah keinen Tag jünger als sechzehn aus und jeder Makel war aus ihrem Gesicht verschwunden. Nur die Blitznarbe auf ihrer Stirn war noch gut zu erkennen. Am liebsten hätte Amelia sie verdeckt. Aber sie machte sich keine Illusionen. Nur deswegen war sie hier. Das unterschied sie von allen anderen Mädchen aus der Schule, die sie beneideten. Sie war Amelia Potter. Sie war ein Symbol.
Amelia blickte in ihr maskenhaftes Gesicht und versuchte unter der Schminke noch etwas von sich selbst zu finden.
„Lächeln, immer schön lächeln", sagte der Spiegel und wie in einem Reflex setzte Amelia ein sanftes Lächeln auf.
Sie sah makellos aus. Ihre schwarzen Haare waren halb hochgesteckt und nur ein paar perfekte Strähnen fielen über ihre bloßen Schultern. Sie trug das pflaumenfarbene Kleid, das sie in Hogsmeade gekauft hatte und der Zauberer hatte darauf bestanden ein paar Ihrer Haarsträhnen ebenfalls zu Färben.
Dazu trug sie ein Collier aus locker geflochtenem Silber, das sie zu ihrem zwölften Geburtstag von Mrs Fudge bekommen hatte.
„Wir sollten wohl aufpassen das Draco nicht in Ohnmacht fällt, wenn er dich sieht", flötete Mrs Malfoy und zupfte eine Haarsträhne an Amelias Schulter zurecht.
Amelia bemühte sich keine Miene zu verziehen. Mrs Malfoy hatte es also doch bemerkt.
Sie gingen zusammen runter in den Festsaal.
An der Stirnseite des Saals war eine große Bühne aufgebaut worden und ein paar dunkel gekleidete Zauberer stimmten ihre Instrumente.
Ein großer schlaksiger Mann kam Amelia und Mrs Malfoy entgegen. Er hatte schwarze lange Haare und war extrem blass. Neben ihm wirkte selbst Amelia wie das blühende Leben.
Amelia kannte ihn von einem Poster, das neben Millicents Bett hing. Lorcan d'Eath. Seine Hitsingle Next to You hatte sich Wochenlang auf Platz eins der Zaubercharts gehalten. Und war in Dauerschleife im Zauberradio im Gemeinschaftsraum gelaufen.
Der Sänger lächelte breit und Amelia erkannte seine spitzen Eckzähne. Sein Vater soll ein Vampir gewesen sein.
„Lorcan, ich hoffe es lief alles zu deiner Zufriedenheit", sagte Mrs Malfoy und küsste den Halbvampir auf beide Wangen.
„War einmal etwas nicht perfekt bei dir, Narzissa?", sagte Lorcan und ließ erneut seine Vampirzähne blitzen. Mrs Malfoy lachte gekünstelt auf.
„Amelia, darf ich dir vorstellen, Lorcan d'Eath. Er wird den heutigen Abend musikalisch begleiten."
„Sehr erfreut, Amelia Potter", sagte Amelia und Lorcan gab ihr einen Handkuss. Sein Blick huschte neugierig zu ihrer Narbe. Am Ende war es doch immer das gleiche.
„Sehr erfreut, es ist mir eine Ehre, an deinem süßen Blut riechen zu dürfen"
Amelia wusste nicht wirklich, wie ernst diese Aussage war und beschloss sie zu ignorieren.
„Entschuldige mich Lorcan. Solltest du noch etwas brauchen, lass es den Hauselfen wissen", sagte Mrs Malfoy und lief eilig in Richtung Dobby, der gerade die Gläser für den Sektempfang herrichtete. Amelia blieb bei dem vampirischen Musiker zurück.
„Amelia, du kennst doch Gilderoy Lockhart. Ich habe gehört, er hat letztes Jahr kurz auf Hogwarts unterrichtet."
Bei dem Namen sank Amelias Laune gleich um ein paar Grad.
„Wir haben ein Musical zusammen geschrieben. Wenn du mich drum bittest, kann ich dir Karten für die Premiere besorgen", sagte er zwinkernd.
„Oh, ich glaube nicht, dass Lockhart mich dort haben möchte. Sonst bekommt er noch einen Herzstillstand auf der Bühne", sagte Amelia kühl.
„Keine Sorge, das ist Aufgabe der Damen", erwiederte Lorcan.
Amelia schnaube nur verächtlich.
„Lockhart hat nicht erzählt, warum er seinen Job hingeschmissen hat, oder?"
Lorcan sah nun etwas verwirrt aus.
„Hingeschmissen, würde ich es nicht nennen. Das Dorf in Cornwall hat ihn einfach gebraucht."
„Hat er das erzählt?", fragte Amelia abschätzig. Sie hatte nicht sonderlich viel Lust sich mit dem Musiker zu unterhalten und wandte sich zum Gehen.
„Warte!", sagte Lorcan. „Du scheinst deinen Professor nicht sonderlich zu gemocht zu haben"
„Was interessiert es Sie?", fragte sie und blickte zu ihm zurück.
„Du interessierst mich Amelia. Eine schöne berühmte Hexe, ist doch diesem Knilch vorzuziehen", schleimte Lorcan und leckte sich über die Vampirzähne.
Amelia gestattete sich ein kühles Lächeln.
„Wenn Sie mich beeindrucken möchten, brauchen Sie mehr als ein paar Vampirzähne, eine Band und die Bekanntschaft mit ein paar Leuten, die ich verachte. Vielleicht funktioniert es ein anderes Mal", sagte sie abweisend. „Wenn Sie mich entschuldigen."
„Du bist ganz schön überheblich!" Nun klang er deutlich weniger schleimig. Sie hatte ihn wohl etwas aus der Fassung gebracht.
„Andere würden es arrogant nennen", erwiderte Amelia gelassen.
„Die Berühmtheit ist dir Wohl zu Kopf gestiegen", schoss er zurück.
Daraufhin musste Amelia abfällig schnauben.
„Berühmtheit ist nicht mehr als der Glaube der anderen. Es beutet nur anders zu sein", sagte sie und sah Lorcan d'Eath das erste Mal wirklich an. Sie glaubte am Rande ihrer Wahrnehmung etwas zu spüren. Überraschung, verstehen und noch etwas anderes, ein Gefühl, das sie nur zu gut kannte. Einsamkeit…
„Sie kennen das doch", fuhr sie fort und ein bitteres Lächeln trat auf ihre Züge. Plötzlich mochte sie ihn ein bisschen mehr. Er Verstand etwas, etwas, das kaum einer verstehen konnte. „Wir haben uns das, was andere in uns sehen wollten zu Eigen gemacht und dabei verdrängt wer wir wirklich sind."
Der Lorcan starrte sie wie vom donner gerührt an. Dann trat ebenfalls ein kleines Lächeln auf seine Züge. Es war der ehrlichste Ausdruck den Amelia heute an ihm gesehen hatte.
„Indem wir uns aus der Masse abheben werden unsere Schatten verehrt, aber wir selbst bleiben im Dunkeln. Der Schatten der Berühmtheit", sagte er und einen kurzen Moment fragte Amelia sich, was er alles erlebt haben musste. Sie schenkte ihm ein letztes Lächeln, ein ebenso ehrliches, trauriges Lächeln wie das seine und verlies entgültig den Saal.
Sie ging in den Salon. Die Geschenke waren von den Hauselfen weggebracht worden und der Raum war dunkel.
Amelia setzte sich ans Fenster und beobachtete die Einfahrt zum Herrenhaus. Es dauerte nicht lange und die ersten Gäste fuhren in fantasievollen Kutschen vor. Hauselfen in Bettlaken oder Kissenbezüge gekleidet, öffneten die Kutschtüren und die Herrschaften stiegen aus und ordneten ihre punktvollen Garderoben bevor sie die Stufen erklommen.
Amelia blieb sitzen und beobachtete die Gäste. Manche kannte sie vom Sehen, aus dem Adlerkopf oder ihrer Geburtstagsfeier. Andere konnte sie sich aus den Erzählungen von Mrs Malfoy zusammenreimen und nur ein paar wenige vermochte sie gar nicht einzuordnen.
Plötzlich ging die Tür auf und ein Streifen Licht viel in den Raum.
„Amelia! Da bist du ja. Mutter sucht dich schon!", sagte Draco und kam in den Salon.
Amelia sah weiter aus dem Fenster. „Es ist doch besser so. Deine Mutter kann mich besser präsentieren, wenn ich reinkomme, wenn schon viele da sind."
Er musste den Schmerz in Ihrer Stimme bemerkt haben, denn er blieb stehen. Sie wollte keine Trophähe der Malfoys sein, sie wollte nicht diese Frau sein, die gerade hier am Fenster saß. Aber sie würde sich niemals von Draco abwenden. Wusste er wie viel er ihr bedeutete? Was bedeutete sie ihm. Sie wusste es nicht und insgeheim fürchtete sie sich vor der Antwort.
Draco blieb auf halben Weg stehen. „Es tut mir leid, Amelia. Ich kann es nicht verhindern" Amelia glaubte etwas wie bedauern zu hören. War es echt?
Amelia schüttelte den Kopf und seufzte tief. „Ich wusste, worauf ich mich einlasse", sagte sie mehr zu sich selbst.
Anmutig drehte sie sich um und lächelte Draco an. „Wollen wir?"
Draco wollte schon auf sie zu gehen, blieb jedoch abrupt stehen und starrte. Amelia musste bei dem Anblick kichern. Draco besann sich und kam näher. Er verbeugte sich und gab ihr einen Handkuss. Amelia machte einen Knicks. Unwillkürlich musste sie an den Etikette Unterricht denken.
„Du siehst umwerfend aus", hauchte er. „Fast wie eine Prinzessin."
Amelia lächelte. „Nicht eher wie eine böse Königin?" fragte sie neckend.
Jetzt war es an Draco zu lachen. „Diese Rolle erfüllt meine Mutter perfekt."
Amelia legte ihre Hand auf seinen Arm und sie verließen den Salon.
Stimmengewirr kam ihnen aus dem Festsaal entgegen, doch bevor sie den Saal betraten, hielt Draco sie zurück.
„Du musst das nicht tun", sagte er schließlich, als wollte er ihre Unterhaltung im Salon fortführen. Er hielt ihre Hand. „Ich will nicht, dass du dich schlecht dabei fühlst hier zu sein."
Amelia sah ihn an und eine angenehme Wärme stieg in ihr auf.
„Ich fühle mich gut, wenn du bei mir bist", sagte sie, bevor sie weiter darüber nachdenken konnte. Ihre Ehrlichkeit übrraschte sie selbst.
Draco blickte Amelia ebenfalls überrascht an. Er kam einen Schritt näher und einen Moment hatte Amelia das Gefühl er würde sie küssen. Sie hielt unwillkürlich den Atem an. Doch einen Augenblick später veränderte sich Dracos Gesichtsausdruck und der Moment war vorbei. Irgendetwas schien ihn zu quälen.
„Ich lasse dich nicht alleine", versprach er und führte ihre Hand zu seinen Lippen, um sie zu küssen.
„Darf ich Sie in die Halle begleiten, Miss Potter?", fragte Draco galant und Amelia lächelte verlegen. „Es wäre mir eine Ehre, Mr Malfoy."
Sie betraten gemeinsam den Festsaal, viele Augen huschten zu Amelia. Musterten das Mädchen und blieben an der Narbe hänge. Amelia lächelte gelassen und trat zusammen mit Draco zu Mr und Mrs Malfoy. Sie hatte sich schon lange daran gewöhnt. Dies hier, war der Platz, den sie gewählt hatte und sie beherrschte die Regeln dieser Welt besser, als sie sich selbst eingestehen wollte. Die Begrüßungscocktails wurde gereicht, die Hauselfen sprangen mit Tabletts voll Essenshappen durch die Gäste und der Abend begann.
Amelia wusste am Ende nicht mehr wie viele Hände sie nun geschüttelt hatte, doch sie versuchte sich jedes Gesicht und jeden Namen einzuprägen. Vielleicht wäre es einmal wichtig. All diese Leute hier bekleideten hohe Ämter im Ministerium oder der Wirtschaft der Zauberwelt, ihre Bekanntschaft konnte durchaus wichtig sein.
Die Band setzte mit klassischer Musik für den Eröffnungstanz ein und Mr und Mrs Malfoy eröffneten als Gastgeber die Tanzfläche.
Amelia tanzte zuerst mit Draco, dann mit Mr Malfoy, mit Mr Cuffe und jede Menge anderer Zauberer. Die meisten Gäste hatten schon gut der Bowle und den Wein zugesprochen. Dementsprechend ausgelassener wurde die Stimmung. Lorcan d'Eath hatte aufgehört klassische Musik zu spielen und gab nun seine düstersten Balladen zum Besten.
Die Gäste wurden immer ausgelassener.
Amelia ließ sich von Mr Fudge, der mittlerweile leicht torkelte, an einen Tisch bringen und setzte den Minister daran ab.
„Du bist so ein liebes Mädchen, Amelia. So ein braves Ding. Wie deine Eltern."
„Ich wünschte ich hätte sie kennen gelernt, meine Eltern", sagte Amelia und setzte sich neben den Minister.
„Das ist alles so tragisch, so schrecklich", hickste Fudge
„Minister, wer hat gesagt, Black sei der Verräter. Wer hat behauptet er hätte meine Eltern ausgeliefert", fragte Amelia, weil sie diese Gelegenheit wohl nie wieder bekommen würde.
„Ach Mädchen", hickste Mr Fudge und eine Träne lief ihm aus den Augen.
„Wir alle haben es gewusst, in dem Moment, als es passiert ist. Alle wussten, dass Black der Geheimniswahrer war. Sie haben es allen gesagt. Black hat damit geprahlt. Dumbledore hat es mir bestätigt."
Dumbledore, Amelia stockte der Atem. Schon wieder hatte Dumbledore damit zu tun.
„Warum war sich Dumbledore so sicher? Er kann nicht dabei gewesen sein."
„Oh Amelia, mein armes Kind. Er wollte selbst der Geheimniswahrer sein, aber deine Eltern haben abgelehnt. Sie wollten Black. Ich habe mit Back in Askaban gesprochen. Es nimmt ihn nicht so mit wie andere. Er ist nicht normal, aber sie wollten um jeden Preis, Black…."
„Aber warum hat er dann damit herumgeprahlt?", fragte Amelia verzweifelt, doch Mr Fudge nickte mit den Kopf nach hinten weg und begann zu schnarchen. Der Wein war wohl doch zu viel gewesen.
Amelia verließ den Tisch und begann Draco in der Menge zu suchen. Sie umrundete Amelia Bones, ihre Namensvetterin und fand Draco an einer Wand gelehnt mit einem Glas in der Hand.
„Na, sprichst du auch dem Alkohol zu?", fragte sie neckend, doch Draco verzog nur das Gesicht.
„Nein, ich brauch einen klaren Kopf. Weißt du noch, was du mir versprochen hast."
Amelia seufzte schwer. Natürlich hatte sie es nicht vergessen. Leider hatte sie bis jetzt nicht herausfinden können, was Draco dort unten wollte.
„Du willst doch nicht jetzt gehen, oder?", fragte sie.
„Es ist der ideale Moment. Ich glaube wir sind die einzig Nüchternen hier im Raum und keiner wird sich wundern, wenn wir gehen. Es ist schon nach Mitternacht."
„Na gut", sagte Amelia unwillig und sie verließen möglichst unauffällig den Festsaal. Amelia hatte das Gefühl beobachtet zu werden und als sie sich umdrehte bemerkte sie wie Lorcan d'Eath sie von der Bühne aus anstarrte. Sie folgte Draco nach draußen.
Nachwort:
Ich wollte noch einmal irgendwie Amelias Gedanken zu dem Verhalten der Malfoys festhalten. Das Wissen, das sie nur benutzt wird und ihre Zerrissenheit dies geschehen zu lassen. Das Wissen, das ihre Berühmtheit sie immer begleiten wird und eine Wand zwischen ihr und den Anderen um sie herum baut.
