Kapitel 8 – Schwert und Zauberstab
Im Salon angekommen gingen sie sofort zur hinteren Wand und Amelia zückte ihren Zauberstab.
„Dann zeig mal was du als Fluchbrecherin taugst", sagte Draco. Amelia musste unwillkürlich lächeln. Dann konzentrierte sie sich. Sie bewegte ihren Zauberstab in ein paar komplizierten Bewegungen und ihre Lippen bewegten sich stumm mit. Dann verzog sie die Augen zu Schlitzen und führte eine einzige peitschende Bewegung aus. Die ganze Wand begann golden zu leuchten, dann glitt sie zur Seite.
„Das sollte reichen", sagte Amelia und ging zurück zur Salontür, um diese magisch zu versiegeln. Bevor sie zufrieden nickte.
Zusammen machten sie sich auf den Weg in die unterirdischen Gewölbe unter dem Herrenhaus.
„Was willst du dort unten eigentlich?", fragte Amelia. Dies war ihre letzte Chance vielleicht doch noch von Draco zu erfahren was es hier unten zu finden gab.
„Das ist mein Erbe. Das Erbe meiner Familie. Mein Vater hat es nie beansprucht", sagte Draco und er klang nervös
„Was für ein Erbe?" fragte Amelia misstrauisch. Doch Draco antwortete ihr nicht. Stur sprang er die letzten Treppenstufen hinunter.
„Du weißt, dass Familienzauber gefährlich sind. Nicht wenige Zauberer starben daran, deshalb wurden sie verboten", erinnerte Amelia ihn.
Draco seufzte nur genervt. „Du weißt genau, was ich von diesen Verboten halte und du weißt sicher auch, dass du mir nichts Neues erzählst. Ich glaube, das habe sogar ich dir erklärt."
Sie waren in der Kammer angekommen und Draco hatte sich zu Amelia umgedreht. Nur der Schein ihrer Zauberstäbe beleuchtete ihre Gesichter.
Amelia musterte Dracos Gesicht. Mit einem unguten Gefühl erkannte sie seinen entschlossenen Blick. Wenig erinnerte noch an den ängstlichen Jungen, mit dem sie in ihrem ersten Schuljahr dem Troll gegenübergetreten war. Der Draco von damals wäre am liebsten weggelaufen und hätte sich versteckt. Doch dieser Draco war mit ihr hinunter gestiegen, um den Stein der Weisen vor Voldemort zu retten, er hatte sie in die Kammer des Schreckens begleitet, er hatte ihr das Leben gerettet. Er war nicht feige.
Unwillkürlich musste Amelia lächeln. „Ich vertraue dir", sagte sie zärtlich.
Draco nickte ihr zu und reichte ihr die Hand. Amelia ergriff sie und sie durchquerten das Gewölbe. Erneut schwang Amelia ihren Zauberstab, doch nichts geschah. Sie runzelte die Stirn.
„Du musst die Tür öffnen. Ich bin keine Malfoy", sagte sie dann.
„Wie mache ich das?", fragte Draco und musterte das Regal mit den vielen Flacons.
„Dein Vater hat einfach nur mit dem Stab gegen die Wand getippt ungefähr hier."
Draco hob seinen Zauberstab und tippte gegen die Wand und sofort sog sich das Regal ein und gab den Blick auf Voldemorts Tür frei.
„Siehst du dieses dünne Netz aus Magie?", fragte Amelia und Draco legte den Kopf schief und nickte dann.
„Das ist eine Tür, die der Dunkle Lord geschaffen hat. Ich kann sie kurzzeitig außer Kraft setzen, aber nicht für immer deaktivieren. Das heißt, wenn ich sie deaktiviert habe, sollten wir schnell hindurch.
„Dann mal los", erwiderte Draco.
„Abiunga", sagte Amelia und die Tür verschwand. Amelia und Draco gingen schnell hindurch.
Ein langer Tunnel erstreckte sich vor ihnen und an seinen Seiten begannen Fackeln aufzulodern sobald sie in ihre Nähe kamen. Wenn Amelia sich den Gang ansah, wirkte er älter als der Kellerraum, durch den sie gekommen waren.
Am Ende des Ganges war ein schmiedeeisernes Tor, in das das Wappen der Familie Malfoy geprägt war. Ein Zauberstab und ein Schwert die sich kreuzten, doch das M war nicht eingeprägt.
Draco tippte abermals gegen das Tor und es schwang unter lautem Quietschen auf.
Vor ihnen lang eine gewaltige Halle. In der Mitte war ein großer, freier Platz der von riesigen steinernen Säulen umfasst wurde. In großen Kohlebecken brannten gewaltige Feuer und erfüllten magisch verstärkt die ganze Halle mit Licht.
Amelia sah sich um. Der Raum wirkte nicht annähernd so elegant wie das Herrenhaus. Es sah alt aus. Sehr alt. Warscheinlich hatten diese Räume schon vorher existiert und das Herrenhaus war einfach darüber gebaut worden. Magische Runen an den Säulen schirmten eine große Duellfäche ab.
„Vater hat erzählt, dass der dunkle Lord hier früher Experimente betrieben hat.", sagte Draco und sie gingen auf den Duellplatz.
Amelia erkannte einen gewaltigen Ritualkreis. Er sah deutlich neuer aus, als die Schutzrunen an den Sä musste von Voldemort geschaffen worden sein Ein Siebeneck das doppelt gezogen war und die Zwischenräume waren mit komplizierten Symbolen gefüllt. Fassungslos kniete sie nieder und hielt kurz vor den Linien inne. Sieben Ecken, mit sieben mal sieben Runen. Amelia kannte diesen Bannkreis. Sie selbst hatte ein Amulett nach dieser Vorlage, nach dieser Forschung geschaffen, dies war der Seelenfänger.
„Voldemort hat das geschaffen?", fragte sie und konnte das Entsetzen nicht ganz aus ihrer Stimme verbannen.
Draco schnappte hörbar nach Luft. „Nenn ihn nicht so", zischte er, aber Amelia ignorierte es.
Sie hatte ein Buch, in dem die Experimente mit diesem Bannkreis beschrieben wurden und noch vieles mehr. Es war tief verwurzelt in den dunklen Künsten und sie hatte viel daraus gelernt. Sie hatte von Voldemort gelernt. Seine Geheimnisse, sein Wissen…
Natürlich wurde Amelia klar. Voldemort hatte vieles so verzaubert, dass nur er es nutzen konnte, warum nicht auch seine Forschungsarbeiten so verschlüsseln. Deshalb konnte keiner es lesen. Keiner, außer ihr. Weil in ihr ein Teil Voldemorts war.
Amelia war so in Gedanken versunken, dass sie kaum bemerkte, wie Draco sich von ihr entfernte. Plötzlich hörte sie einen Aufschrei. Es klang nach Draco und es klang schmerzverzerrt.
Amelia sprang auf, konnte ihn aber nirgends entdecken. Erneut kam ein Schrei aus einer kleinen Seitenkammer die Amelia nicht sofort bemerkt hatte.
Amelia rannte hinüber und kam in eine düstere Gruft, an den Seiten waren Hohlräume eingelassen. Die Tafeln mit Name, Geburts- und Todesdatum zeigen welche Mitglieder der Familie Malfoy hier ruhten.
In der Mitte der runden Grabkammer kam Licht von der Decke. Amelia konnte nicht sagen von wo, aber es erhellte einen großen in den Boden eingelassenen Stein. Darin steckte ein Schwert. Das Heft war aus hellem Silber, wie die Klinge, die zur Hälfte im Stein versunken war.
Doch Amelia hatte wenig Zeit sich darüber zu wundern. Draco lag vor dem Schwert auf dem Boden und bewegte sich nicht.
Amelia stürzte auf ihn zu. Er atmete noch. Amelia zückte schon ihren Zauberstab als Draco sich aufsetzte.
„Was ist passiert?", fragte sie entsetzt, doch Draco schüttelte den Kopf und stand mit wackeligen Beinen auf.
Er wankte auf das Schwert zu und ergriff das Heft. Magie schoss in seinen Körper, er stieß einen Schmerzenzschrei aus und seine Knöchel traten weiß hervor. Amelia wollte auf ihn zu rennen und ihn wegzerren doch einen Augenblick später stolperte Draco zurück und das Schwert glitt aus dem Boden. Überrascht blickten sie beide auf die silbrige Klinge, in die dunkle Runen geprägt waren.
„Wie…", setzte Draco an, doch bevor er aussprechen konnte, lösten sich silberne Gestalten aus den Wänden und die Geister der Grabinsassen versammelten sich um Draco. Amelia wich einen Schritt zurück, als die Geister durch sie hindurchschwebten.
Es waren bei weitem nicht alle Geister, doch genug, um eine silbrige Wand zu bilden, als sie Draco umschlossen. Amelia zählte zwölf. Davon nur eine Frau.
„Ein neuer Herausforderer", sagte eine der Gestalten. Ein alter Zauberer mit eckig gestutztem Bart, der ihm bis zur Brust reichte.
„Ein bisschen jung, oder?", fragte ein Mann mittleren Alters, der eine ausgeprägte Hakennase hatte.
„Jeder hat das Recht sich zu beweisen", sagte die einzige Frau und reckte den Kopf.
„Sprich, Sohn unserer Nachfahren, was ist dein Begehr", sagte ein breitschultriger Mann, der einen reich verzierten Umhang trug und drunter etwas, das an einen alten Metallharnisch erinnerte. Er verschränkte die Arme.
„Ich will mein Erbe antreten. Ich will euer Wissen und eure Macht", sagte Draco und musterte die Geister entschlossen.
Amelia stand hinter der Wand aus Geistern und hielt den Atem an.
„Du bist nicht gerade bescheiden", lachte der breitschultrige Zauberer. „Warum glaubst du, dass du sie verdient hast?", fragte er.
„Weil ich daran glaube, dass ich dazu bestimmt bin, diese Macht zu haben.", erwiederte Draco. Amelia presste die Lippen zusammen. Sie hatte das untrügliche Gefühl, dass sie an dieser Einstellung nicht ganz unschuldig war.
„Du hast Talent, sonst hättest du das Schwert nicht an dich nehmen können", sagte der Geist und ein anderer fügte hinzu: „Du besitzt für einen Zauberer deines Alters schon über viel Wissen über Zauberei. Mehr als ich in deinem Alter und wir sind gerade mal ein Jahrhundert auseinander. Ich war auch auf Hogwarts. Woher dein Ehrgeiz."
„Mein Leben war bis jetzt nicht ungefährlich. Ich kann es mir nicht leisten, schwach zu sein. Ich will…", Dracos blick ging durch die Geister hindurch und suchte Amelias „… beschützen können, was mir wichtig ist."
Die Geister schienen Amelia das erste Mal zu bemerken und wandten sich um. „Natürlich ist eine Frau im Spiel", sagte einer der älteren Geister und schnaube abfällig.
„Geht es nicht immer um Frauen?", lachte ein jüngerer, der nicht weit über zwanzig sein konnte.
Der breitschultrige Zauberer in der antiken Rüstung strich sich nachdenklich durch den Bart.
„In was für einer Gefahr glaubst du, mein Nachkomme, befindet ihr euch, dass die Macht, die du bereits hast, sowie die deiner jungen Begleiterin nicht ausreicht."
Draco ließ seinen Blick über die versammelten Geister seiner Vorfahren gleiten.
„Die Zauberwelt befindet sich in einer fragilen Zeit des Friedens. Aber keiner weiß, wie lange dieser Frieden noch anhält. Unsere Familie ist direkt darin involviert. Wenn dieser Krieg losbricht, werden wir im Zentrum stehen. Ich werde nicht warten, bis es zu spät ist. Ich muss jetzt alle Macht, die ich aufbringen kann zusammen tragen. Damit ich bereit sein werde, wenn der Krieg losbricht."
„Wo ist dein Vater, er sollte hier stehen, wenn die Sache so ernst ist", sagte ein alter Geist mit gebeugter Haltung. Er blickte Draco aus funkelnden wachen Augen an.
Draco schnaubte verächtlich. „Er hatte nie den Mut hier herunterzukommen und um eure Unterstützung zu bitten. Er hat zu viel Angst. Angst vor dem Tod. Angst zu versagen."
„Du hast keine Angst?", hackte der Geist nach.
„Natürlich habe ich Angst, aber ich weiß, dass ich nicht versagen werde."
Draco reckte entschlossen den Kopf und packte das Schwert fester.
„Ich sage, lassen wir die Prüfung entscheiden", sagte der jüngste der Geister, der Draco am ähnlichsten sah.
Ein paar nickten zustimmend. „Er hat das Schwert gezogen. Er hat eine Chance verdient", stimmte die Frau zu.
„Dennoch hat sein Vater das Vorrecht. Er ist nicht das Familienoberhaupt", sagte der griesgrämige alte Zauberer und stützte sich schwer auf seinen Stock.
Die Geister riefen wild durcheinander und ein Streit entbrannte, bis der breitschultrige Zauberer mit dem Harnisch seine Stimme erhob. Er hatte wohl das Sagen.
„Ihr habt alle Recht. Deshalb entscheide ich folgendermaßen: Wir erkennen deinen Anspruch an, Sohn meiner Nachfahren. Dir sei die Erlaubnis erteilt, um die Macht Caliburns zu kämpfen. Doch da du noch jung an Jahren bist und deinen Vater übergangen hast, soll dieser seine Zustimmung hier an diesem Ort geben. Damit tritt er seinen Anspruch an dich ab. Akzeptierst du, Sohn meiner Nachfahren?"
Draco verbeugte sich vor den Geistern. „Ich akzeptiere und werde hierher zurückkehren."
„Dir bleibt bis zum nächsten Neumond Zeit hierher zurückzukehren. Sonst ist dein Leben verwirkt", sagte der Geist und verblasste. Die anderen folgten ihm.
Draco legte das Schwert auf dem Stein ab und kam auf Amelia zu.
„Was hast du getan?", fragte sie entsetzt.
„Ich habe das Richtige getan", erwiderte Draco ungehalten.
„Du hast einem Familienzauber zugestimmt. Das ist Wahnsinn!"
„Ich muss das tun!", erwiederte Draco verbissen.
„Das ist doch Unsinn", schrie Amelia fast. Sie hatte plötzlich schreckliche Angst um ihn.
„Es ist gar kein Unsinn. Wenn du auf die vergangenen zwei jahre zurücksiehst, wirst du feststellen, dass die Welt nicht friedlich ist. Es wird wieder Krieg geben und hier liegt eine Waffe begraben, die ich nutzen kann. Es wäre Wahnsinn sie nicht zu nutzen. Bis jetzt bist du zwei Mal mit dem Leben davongekommen, aber wie wird es nächstes Mal sein." Draco packte sie schmerzhaft am Arm und riss sie an sich. „Quirrell ist gestorben, Cloq ist gestorben. Ich will nicht der nächste Sein der Stirbt und ich werde dich nicht sterben lassen", sagte er aufgebracht. Damit ließ er sie los und verließ mit großen Schritten die Gruft.
Amelia sank zitternd gegen die Wand. „Ich hätte es wissen müssen, Draco", flüsterte sie verzweifelt und Tränen traten ihr in die Augen. Der Tod verfolgte sie, wohin sie auch immer ging. Sie hätte ihn nicht in ihr Leben hineinziehen dürfen. In ihrem Leben wartete nur der Tod.
Als Amelia am nächsten Morgen zum Frühstück runter ging, hörte sie lautes Geschrei aus dem Salon. Es hörte sich so an, als würde Draco sich mit seinen Eltern streiten. Doch bevor Amelia nah genug war, um etwas verstehen zu können, ploppte Dobby vor ihr auf.
„Der Meister hat mich gebeten, Miss Potter nach Hogwarts zurück zu bringen", sagte Dobby und verbeugte sich tief.
„Warum das?", fragte Amelia überrascht.
„Dobbys Meister ist sehr wütend und hat gesagt, er möchte Miss Potter nicht wieder hier auf dem Manor haben. Deshalb soll Dobby Miss Potter sofort nach Hogwarts bringen. Es tut Dobby sehr leid, Miss Potter, aber Dobby muss gehorchen", sagte der Hauself und berührte wieder mit der Nase den Boden.
„Nein, ich bleibe", sagte Amelia stur. Doch Dobby sah Amelia aus seinen großen Augen traurig an.
„Dobby muss gehorchen", sagte er und griff nach Amelias Hand.
Einen Bruchteil später disapparierten sie und tauchten in der Eingangshalle von Hogwarts wieder auf.
„Nein!", rief Amelia. „Dobby, bitte bring mich zurück", bettelte Amelia und hockte sich neben Dobby hin.
„Dobby darf nicht. Dobby würde Miss Potter so gerne zu Master Draco bringen. Miss Potter war immer nett zu Dobby, aber Dobby darf nicht."
„Dann kannst du Draco nicht eine Nachricht von mir überbringen?", fragte Amelia hoffnungsvoll.
„Meister würde nicht wollen, das Dobby eine Nachricht überbringt", sagte Dobby traurig. „Aber Meister hat es auch nicht verboten", sagte der Elf zögerlich.
Amelia nickte und lächelte.
„Dobby muss jetzt Miss Potters Sachen holen. Wenn Dobby wieder da ist nimmt er die Nachricht für Master Draco mit", versprach er und war mit einem Plopp verschwunden.
Amelia schrieb schnell was passiert war und dass sie schnell zurückkommen musste, da sonst der Eingang verschlossen war. Ihnen blieben noch zwei Wochen bis Neumond.
Dobby versprach die Nachricht zu überbringen und Amelia machte sich schweren Herzens auf den Weg zum Slytherin Gemeinschaftsraum.
Amelia konnte gut verstehen, warum die Malfoys wütend auf sie waren. Sie hatte es Draco schließlich ermöglicht diesen Irrsinn zu begehen. Wenn er bei der Prüfung versagen sollte, wäre es ihre Schuld.
Amelia wanderte unruhig umher, aber es kam keine Antwort. Weder am kommenden Tag noch in der Woche darauf. Amelia wurde von Tag zu Tag besorgter und schickte eine der Schuleulen los. Sie kam ohne Brief zurück.
Sie verbrachte viel Zeit bei Professor Snape, der so umsichtig war, sie nicht zu fragen, warum sie früher wieder nach Hogwarts zurückgekehrt war. Er bereitete einen neuen Wolfsbanntrank zu und sie assistierte ihm dabei. Aber mit ihren Gedanken war sie bei Draco. Nicht mal das Buch, von dem sie nun wusste, dass es von Voldemort stammte, vermochte sie sonderlich zu fesseln.
Amelia ging in die Bibliothek und las alles über Familienzauber nach, was sie finden konnte, doch jeden Tag fühlte sie sich schlechter, wenn sie zu Bett ging.
Kurz nach Neujahr endeten die Ferien und als Amelia in den Gemeinschaftsraum kam, saß Draco in einem der Sessel und streichelte Eristik.
Er sah schrecklich aus. Seine Augen waren von schwarzen Ringen umrahmt, als hätte er Nächte nicht geschlafen. Seine Haut war blass und seine Lippen verkniffen.
Er blickte auf als er Amelia bemerkte.
„Was ist passiert?", fragte Amelia tonlos und setzte sich neben ihn.
„Vater lässt mich nicht gehen", sagte Draco. „Er meint die Entfernung zum Manor würde verhindern das der Familienzauber mich umbringt. Er will mein Leben nicht riskieren."
Amelia schluckte.
„Was denkst du?", fragte sie leise und ihr Herz zog sich vor Angst zusammen.
„Ich denke er hat Unrecht. Ich muss zurück. Mit oder ohne Einverständnis. Aber ohne dich schaffe ich es nicht", sagte Draco und Amelia nickte. Nur sie konnte die Tür öffnen.
„Die Katakomben wirkten älter als der rest des Manors. Erzähl mir alles über deine Familie, Draco", bat sie.
Draco seufzte tief.
„Du kennst sicher die Legende von König Arthus", sagte Draco und Amelia nickte. „Arthus zog das Schwert das Merlin in einen Stein versenkt hatte heraus und wurde König von Britannien. Er brach mit alten Traditionen und führte die Zauberer den Muggeln näher, da er glaubte so ihren Fortbestand zu sichern. Die Hexe Morgana glaubte, er würde sie in den Untergang führen und intrigierte gegen ihn. Denn während er ein Halbblut mit einer Muggelmutter war, war Morgana, seine Halbschwester, eine reinblütige Hexe. An Beltane führte die Magie sie zusammen und sie zeugten gemeinsam einen Sohn, Mordred."
Amelia nickte abermals sie kannte die Legende.
„Die Schwertscheide die Merlin für Caliburn gefertigt hatte ging verloren. Doch das Schwert wurde weitervererbt. Selbst als Mordred seinen Vater tötete, ging das Schwert an Mordreds Kinder, da Arthus keine weiteren Erben hatte zeugen können und so läuft die Linie fort. Über Generationen bis zu mir", sagte Draco und Amelia sah ihn entgeistert an.
„Du machst Scherze, oder?", fragte sie, doch Draco schnaubte nur.
„Keineswegs. Ich glaube im Laufe der Geschichte hat meine Familie viele Namen getragen. Selbst wenn das Erbe in weiblicher Linie weitergegeben wurde, was öfter geschehen sein muss, da viele männlichen Nachfahren beim Versuch das Schwer zu ergreifen gestorben sind. Ich kenne nur wenige, bevor wir den Namen Malfoy trugen. Dies ist auch schon über 900 Jahre her. Damals kam mein Vorfahr Armand Malfoy von Frankreich nach England und die beiden Blutlinen wurden zu dem was heute meine Ahnenlinie ist. Dass Wappen bekam das M zu dem britannischen Schwert und Zauberstab und meine Dynastie begann."
Amelia schluckte. Sie hatte gewusst, dass die Malfoys eine alte Zaubererfamilie waren, aber das hatte sie nicht geahnt.
Draco seufzte schwer und betrachtete kurz seine Hand, bevor er sich wieder Amelia zuwandte.
„Das Schwert aus der Grabkammer ist Caliburn. Ich weiß nicht genau, was es tut. Nur, dass es eine ungeheure Macht verleiht. Wer diese Macht ergreifen will muss die Prüfungen der Vorfahren bestehen. Wer versagt, den erwartet der Tod. Alle Geister, die du gesehen hast, waren die Träger von Caliburn."
Amelia schluckte.
„Für mehrere Jahrhunderte waren das nicht viele", sagte sie bedrückt.
„Glaubst du jetzt auch, ich würde versagen?", fragte Draco und schaffte gerade noch ein müdes Lächeln.
„Ich habe immer an dich geglaubt", antwortete Amelia. Sie griff nach seiner Hand. „Und ich weiß, dass mehr in dir steckt, als du selbst weißt." Sie nickte ihm entschlossen zu. Jetzt war nicht der Zeitpunkt für Vorwürfe.
Die Schule begann wieder und Pansy, Daphne und Millicent quetschten Amelia über den Weihnachtsball aus. Millicent wurde blass vor Neid, als sie von Lorcan d'Eath erzählte.
Doch Amelia hatte anderes im Kopf und war kurz angebunden. Draco flohte stundenlang mit seinen Eltern und sie überlegten sich gemeinsam Argumente. Wenn sie gekonnt hätten, wäre sie einfach zum Manor gereißt, doch Lucius Malfoy hatte es den Lehrern verboten Draco mit Flohpulver nachhause reisen zu lassen und sie konnten nicht apparieren.
Die meisten Schüler spekulierten über das Spiel Ravenclaw gegen Slytherin, das bald stattfinden würde doch Amelia und Draco hatten andere Probleme.
Es fiel Amelia schwer, sich auf den Unterricht zu konzentrieren und sie verwandelte ihren Raben statt in eine Kanne in einen Felsbrocken und brachte so zwei Schulbänke zum einbrechen.
In Verteidigung gegen die Dunklen Künste ging es ihr nicht viel besser. Zudem hatte sie immer das Gefühl etwas zu übersehen. Etwas stimmte mit Professor Lupin nicht. Mehr als nur seine ehemalige Freundschaft zu Black, aber Amelia dachte nicht darüber nach. Morgen war Neumond.
Draco und Amelia hatten beschlossen gleich nach der letzten Unterrichtsstunde aus dem Schloss zu schleichen um von Hogsmead aus zum Manor zurückzukehren um Dracos Vater, wenn es sein musste, mit Gewalt zu überreden, doch so weit kam es nicht.
Mitten in Zauberkunst brach Draco plötzlich zusammen. Die Abenddämmerung hatte eingesetzt. Es war zu spät.
Professor Flittwick brachte ihn sofort auf die Krankenstation. Amelia wich nicht von seiner Seite.
Madam Pomfrey untersuchte ihn und murmelte etwas von Erschöpfung. Aber Draco lebte… Noch… Sie wollte Amelia in ihren Gemeinschaftsraum zurückschicken, doch diese weigerte sich. Sie versuchte durch den Kamin auf der Krankenstation Dracos Eltern zu erreichen, aber es war keiner da.
Madam Pomfrey drohte ihr mit Strafarbeiten und Hauspunkteabzugwenn sie nicht gehen würde, doch Amelia rührte sich nicht.
Amelia umklammerte ihren Talisman gegen Dementoren und blieb am Bett sitzen. Die Sonne war bereits untergegangen.
Am nächsten Morgen war Draco noch immer bewusstlos. Madam Pomfrey konnte es sich nicht erklären.
„Er scheint erschöpft zu sein, aber eigentlich hindert ihn nichts am aufwachen", sagte sie und verabreichte ihm mehrere Stärkungstränke.
Sein Gesicht war blass, leichenblass.
„Gehen sie zum Unterricht. Sie können hier nichts tun", sagte Madam Pomfrey.
„Wenn er stirbt, dann ist es meine Schuld", sagte Amelia und blickte zu der Hexe hoch.
„Seien sie doch nicht so dumm. Er wird nicht sterben", sagte die Krankenschwester. „Jetzt husch zum Unterricht oder ich hole den Direktor."
Amelia blieb. Madam Pomfrey meckerte noch etwas über sie und ging dann in ein Hinterzimmer.
Es dauerte nicht lange und Professor Dumbledore kam auf die Krankenstation. Amelia, die sich schon auf eine Standpauke gefasst machte, kniff stur die Augen zusammen und umklammerte den Talisman, den sie mit Dracos Hilfe geschaffen hatte. Ein Stück seiner Magie war darin eingeschlossen. Seine glücklichsten Gefühle.
Doch Dumbledore zauberte sich nur einen Stuhl neben ihren und setzte sich schweigend zu ihr.
Lange Zeit sprach niemand. Amelia starrte stur auf Dracos Bettdeckte und versuchte Dumbledore zu ignorieren. Sie wünschte sie könnte irgendetwas tun. Untätig herumsitzen machte sie wahnsinnig.
„Ein beeindruckendes Amulett hast du da", sagte Dumbledore irgendwann. „Ein Geschenk von Draco nehme ich an."
Amelia blickte auf den Talisman herunter.
„So in etwa", erwiderte sie.
„Es sind wirklich alte Runen, hast du herausgefunden was sie bedeuten?", fragte Dumbledore freundlich und Amelia musste lächeln.
Irgendwie war es nett von ihm, dass er versuchte sie abzulenken. Aber es half Draco auch nicht.
„Ich kenne alle Runen. Bis auf die große in der Mitte. Ich konnte sie nicht finden sie ist wahrscheinlich zu alt", sagte Amelia und betrachtete das verschlungene Symbol.
Dumbledore gluckste verhalten. „Das überrascht mich nicht. Es ist ein Zufall, dass sie mir einmal begegnet ist. Übrigens auch im Zusammenhang mit dir, Amelia."
„Was bedeutet sie?", fragte Amelia desinteressiert um das Gespräch am Laufen zu halten. An einem anderen Tag wäre sie neugierig gewesen.
„Liebe, Amelia. Es ist die stärkste bekannte Rune für Liebe."
Amelias Atem stockte einen Moment, dann begannen ihre Hände zu zittern. Draco hatte diese Rune für sie geschaffen. Es war sein Patronus und sie hatte ihn verdächtigt ein falsches Spiel zu spielen. Sie hatte ihn verdächtigt so zu sein wie seine Eltern. Sie hatte an ihn geglaubt, weil sie ihn für einen wunderbaren Menschen hielt, aber sie hatte nicht glauben können, dass jemand in der Lage wäre sie zu lieben. Dabei war es das, was sie sich am meisten auf der Welt ersehnte. Geliebt zu werden.
Amelia begann zu schluchzen, erst leise dann immer lauter, bis die Tränen ihr über die Wangen liefen.
Professor Dumbledore legte ihr die Hand auf die Schulter, doch sie merkte es kaum. Warum musste sie immer alles zerstören. Sie hatte die einzige Person die sie liebte in den Tod getrieben.
Als ihre Tränen langsam versiegten sagte Dumbledore: „Du weißt, was Draco zugestoßen ist, nichtwahr?", fragte er sanft. Amelia nickte.
„Was brauchst du, um ihn zu retten?", fragte er weiter und Amelia setzte sich ruckartig auf.
„Sie sind also nicht Madam Pomfreys Meinung?", fragte sie krächzend.
„Wir kennen uns jetzt doch schon lange, Amelia. Wäre es nichts Ernstes wärst du nicht so besorgt. Ich bin durchaus bereit deine Sorgen ernst zu nehmen. Ich habe auch schon die ein oder andere Idee was passiert sein könnte. Aber es ist nicht der Zeitpunkt für Experimente."
Amelia nickte und musste unwillkürlich lächeln. Sie hatte Dumbledore nie gemocht. Er hatte zu sehr versucht sie zu beeinflussen. Ihre Geheimnisse heraus zu finden und sie zu verstehen. Aber jetzt war sie ihm unendlich dankbar, dass er hier war.
„Ich brauche Mr und Mrs Malfoy. Dann kann ich ihn vielleicht retten", sagte Amelia und sah Dumbledore flehend an.
„Ich werde sehen was ich für dich tun kann. Was hältst du davon, wenn du in der Zwischenzeit Madam Pomfrey etwas zur Hand gehst. Es grassiert gerade eine schreckliche Grippewelle. Ablenkung tut immer gut", sagte Dumbledore zwinkernd zu Amelia, die dankbar nickte.
Nachwort:
Ich habe lange, sehr lange überlegt, ob ich der Geschichte diese Wendung geben soll. Obwohl ich sie vorher lange vorbereitet habe. Wenn ihr ehrlich bin habe ich die FF schon ohne Caliburn weitergeschrieben gehabt und dann wieder umgeschrieben weil mir die Entwicklung nicht gefiel.
Ich musste diese Entwicklung aus einem ziemlich einfachen Grund reinbringen. Weil ich sonst mit dem geplanten Verlauf der Geschichte einen Fehler in Dracos Verhalten habe. Einen Fehler in der reinblütigen Kultur. Was ich genau damit meine, wird erst ab Band 6 eher noch Anfang, Band 7 verständlich.
Deshalb Achtung ab jetzt wird es etwas mehr OOC aber ich habe nur dazu gedichtet nichts was in den Büchern gegeben ist verändert.
Die Idee mit der Arthus Saga habe ich eigentlich auch aus den Büchern geklaut. Denn dort hat Rowling die Namen der Weasleys an die Arthur Saga angelehnt. Mit Arthur, Ginevra (Ginny), Percival (Percy). Gryffindors Schwert ist an Excalibur orientiert. Ich musste halt ein anderes Schwert dafür finden.
