Kapitel 10 – Alte Freunde
Im Gemeinschaftsraum wurden sie sofort von allen Seiten bestürmt. Pansy war heute im Krankenflügel gewesen, aber man hatte ihr gesagt Draco und Amelia seien weg. Alle wollten wissen was passiert war und was das für ein komisches Schwert war, das Draco hatte.
Dieser grinste nur und verstaute das Schwert in dem Beutel den Amelia ihm zu Weihnachten geschenkt hatte.
Amelia musste den ganzen Abend lächeln und als sie in die Betten fielen meinte Daphne nur.
„Du hast mit Draco geknutscht, oder?"
Amelia stöhnte. „Kannst du das nicht feinfühliger sagen?", fragte sie und versteckte ihr Gesicht im Kissen."
„Oh bitte, das sieht man euch an der Nasenspitze an."
Amelia lächelte in ihr Kissen.
Am nächsten Morgen in Verwandlung beugte sich Draco zu ihr rüber. „Wir müssen dringend mal über ein paar Sachen reden. Da ist vieles, was ich noch nicht ganz verstehe."
Amelia nickte und verwandelte ihren Raben in eine wunderschöne schwarze Teekanne. Während Draco seinen zumindest nach dem zweiten Versuch in Porzellan verwandelte.
Nach Zaubertränke am Nachmittag gingen sie in ihr Kerkerzimmer und Amelia versiegelte den Eingang vorsichtshalber mit ein paar Zaubern.
„Was willst du wissen?", fragte sie und setzte sich an den Tisch.
Draco zog sich einen Stuhl daneben und setzte sich mit der Stuhllehne nach vorne neben Amelia.
„Warum lebe ich noch, Amelia?", fragte er und der Schalk war aus seinen Augen verschwunden. Er war schlagartig ernst. Amelia schluckte, sie wusste das diese Frage kommen musste.
Sie nahm den Talisman gegen die Dementoren ab und legte ihn auf ihre Handfläche.
„Deshalb", antwortete sie. Draco hob eine Augenbraue.
„Erklär dich genauer."
„Eigentlich ist es ganz simpel. Ich habe mit Magie experimentiert, die ich nicht wirklich verstanden habe", gestand Amelia. „Als ich deinen Patronus eingeschlossen habe, habe ich auch ein Stück deiner Magie darin eingeschlossen. So dachte ich zumindest. Aber ein Patronus ist wohl mehr als nur einfache Magie, er ist ein Teil von uns selbst. Du warst nicht mehr ganz, deshalb konntest du nicht sterben. Aber eigentlich warst du tot. Deshalb konntest du nicht aufwachen."
Draco musterte sie und runzelte die Stirn. „Das verstehe ich nicht wirklich."
Amelia zuckte mit den Schultern. „Der Bannkreis, den ich benutzt habe, um den Talisman zu schaffen ist eigentlich zum Seelen fangen konstruiert worden. Ich habe ihn modifiziert."
Draco nickte mit gerunzelter Stirn. „Verstehst du was passiert ist?", fragte er.
„Ja, so ungefähr", antwortete Amelia.
„Dann reicht mir das", beschloss er. „Schadet mir dieses Amulett?" Nachdenklich musterte Draco den grünen Anhänger.
„Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Ohne dieses Amulett wärst du jetzt tot, aber ich weiß nicht was abgespaltete Magie noch für Folgen hat."
„Ich habe es bis jetzt nicht mal bemerkt", sagte Draco.
„Es ist deine Entscheidung, ob ich ihn zerstören soll. Aber nicht, dass du nächstes Mal wirklich stirbst", sagte Amelia und reichte Draco das Amulett. „Das ist deins."
Draco hob abwehrend die Hände. „Es gehört dir. Solange du gut darauf aufpasst. Du brauchst es wegen der Dementoren."
„Oh, das… Ich glaube das schaffe ich auch anders", sagte Amelia und zückte ihren Zauberstab.
„Wie denn?", erkundigte sich Draco und legte den Kopf schief.
Amelia trat einen Schritt in den Raum und sah Draco fest an. „Ich liebe dich", sagte sie und hob ihren Zauberstab. Aus seiner Spitze schoss ein heller silberner Falke. Der Patronus glitt durch den Raum und löste sich direkt vor Draco auf.
„Mit deiner Hilfe kann ich mir die Dementoren vom Leib halten." Draco blickte auf den Punkt an dem der Patronus verschwunden war und stand auf. Er legte das Amulett in Amelias Hand.
„Keinem anderen als dir würde ich es anvertrauen", sagte er und lächelte.
„Dir ist schon klar, dass es ein Stück von dir ist. Das solltest du nicht einfach so weggeben", erwiderte Amelia.
„Ohne dich wäre ich nicht mehr am Leben, Amelia. Ohne Dich hätte ich diese Prüfung nicht überlebt. Ich schulde dir mein Leben." Dracos Blick wurde glasig und richtete sich in die Ferne. Es dauerte einen Moment, bis er Amelia wieder wahrnahm.
„Wusstest du, dass es einfacher ist, einfach aufzugeben, wenn nur das eigene Leben daran hängt? Hättest du diesen Pakt nicht geschlossen, hätte ich wahrscheinlich aufgegeben. Aber du hast alles darauf gesetzt, dass ich überlebe. Ich konnte nicht aufgeben. Ich musste für dich überleben."
„Ich habe dir vertraut", sagte Amelia mit einem sanften Lächeln. Ihre Finger schlossen sich um das Amulett.
Draco grinste schief und strich ihr über die Wange.
„Du wirkst verändert", sprach Amelia das aus, was ihr schon die ganze Zeit durch den Kopf spukte.
„Für mich war es als wäre ich Tage weg gewesen", erwiderte Draco, „und da ist noch mehr."
Er setzte sich wieder und Amelia nahm neben ihm Platz.
„Wie mehr?", fragte sie nach.
„Es ist nicht so, dass ich wirklich mehr Wissen oder Macht hätte. Aber wenn ich etwas mache, was einer der Zwölf vor mir oft gemacht hat, so oft, dass es sich in seinem Gedächtnis festgebrannt hat, dann kommt es mir so vor, als würde ich es nur wiederholen. Es ist wie das Echo einer Erinnerung." Draco sah sie versonnen an.
„Wann ist es dir das erste Mal aufgefallen?", fragte Amelia überrascht.
Draco grinste und sie glaubte, dass er etwas verlegen wurde.
„Als ich dich geküsst habe", gestand er.
„Wie? Ich dachte es geht um Zauber", sagte Amelia überrumpelt.
„Ich glaube meine Vorfahren haben halt gerne schöne Mädchen geküsst", grinste Draco und Amelia errötete leicht. Ernster fuhr er fort: „Aber es erstreckt sich auch auf Zauber. Ich habe heute ein paar Zauber ausprobiert. Während sich zum Beispiel in Verwandlung nichts verändert hat oder in Zaubertränke, habe ich bei einem Protego Zauber, den ich gewirkt habe, sofort gemerkt wie ich ihn verbessern kann."
Amelia nickte nachdenklich. „Das heißt, du kannst nicht das, was deine Ahnen gekonnt haben, sondern nur das, was sie besonders gut konnten."
Draco nickte. „Nicht mal das weiß ich automatisch, ich muss mich daran erinnern."
„Lass uns ein Übungsduell machen", schlug Amelia vor und stand auf. „Deine Ahnen waren in Duellen am besten also müsstest du dabei am meisten Veränderungen bemerken."
Draco nickte und zog ebenfalls seinen Zauberstab.
Mit einem Schwung von Amelias Stab rückte sich der Tisch an die Wand und eine freie Fläche entstand. Sie verbeugten sich voreinander.
Draco schoss den ersten Zauber doch Amelias Legilimentik funktionierte in Duellen mittlerweile ziemlich gut und so hatte sie schon einen Abwehrzauber parat. Während sie selbst einen Zauber abfeuerte.
Draco rief Stupor, aber Amelias zweiter Zauber entwaffnete ihn.
Draco stöhnte genervt auf.
„Dein Stummzaubern ist verdammt nervig"
„Und wenn du es einfach mal versuchst? Stummzaubern ist in Duellen wichtig. Deine Vorfahren werden es sicher gekonnt haben. Sie müssten es perfektioniert haben."
Draco versuchte es. Er brauchte eine Weile, aber dann gelang es ihm. Es war nicht so, dass er es mühsam erlernen musste, sondern es schien einfach von selbst zu kommen. Immer schneller und immer reibungsloser.
Alles was sich Amelia in monatelanger Arbeit angeeignet hatte, begriff Draco innerhalb weniger Augenblicke. Doch der Familienzauber hatte Grenzen. Einen Stuhl in einen Tisch verwandeln konnte er dennoch nicht und Amelia war fast erleichtert darüber. Auch das sie Draco bei den nächsten Duellen noch immer besiegte, tat ihrem Ego durchaus gut.
„Du hast diesen unfairen Vorteil. Du reagierst, bevor ich meinen Zauber zu Ende gesprochen habe", sagte Draco irgendwann frustriert und seufzte. „Wie machst du das?", fragte er.
Amelia zögerte. Sie hatte Draco nie etwas von ihrer Okklumentik erzählt und auch nicht von Legilimentik.
„Wenn wir kämpfen, dann benutze ich mehr als nur meinen Zauberstab. Mehr Magie als du sehen kannst", sagte sie und Draco sah sie überrascht an.
„Was machst du genau?", fragte er.
„Ich benutze Legilimentik. Sie wird dazu eingesetzt deine Konzentrationsspitzen abzufangen und verrät mir deine Zauber noch bevor du sie wirkst."
Draco stöhnte. „Seit wann machst du das?", fragte er sie.
„Eigentlich schon immer", erwiderte sie arglos und zuckte die Schultern.
„Dann habe ich keine Chance gegen dich. Gibt es nichts was man dagegen tun kann?" fragte Draco frustriert.
„Doch. Du kannst Okklumentik anwenden. Es gibt verschiedene Stufen der Okklumentik, aber es sollte reichen, wenn du deinen Geist einfach verschließt. Es ist die einfachste Art der Okklumentik. Wenn du dich darauf konzentrierst, kannst du deine Konzentrationsspitzen verbergen."
„Dann bringst du es mir bei?", fragte Draco mit leuchtenden Augen doch Amelia zögerte.
„Okklumentik ist mehr als nur Magie. Es ist reiner Wille. Du musst die völlige Kontrolle über dich haben. Jeder deiner Handgriffe im Duell muss kontrolliert sein."
Draco nickte nachdenklich und setzte sich auf den Tisch an der Wand.
„Es ist das, was du tust, oder? Okklumentik anwenden. Manchmal bist du so in dich gekehrt und dann verändert sich dein Gesichtsausdruck und es ist unmöglich zu erraten was du fühlst. Oder du wechselst deinen Gemütszustand so schnell, dass nicht mal ein Wimpernschlag dazwischen liegt."
Amelia setzte sich neben ihn und nickte. „Das ist aber mehr als das, was ich dir eben erklärt habe. Das ist vollkommene Okklumentik. Du unterwirfst dein Leben deinem Willen und kontrollierst alles was du tust. Du kannst sogar magischen Antiobskuranten Dinge vortäuschen, die gar nicht wahr sind. Sozusagen eine Scheinidentität für sie tragen. Das ist weit mehr als du brauchst, um Legilimentik zu blocken."
Draco nickte. „Okay auf einer Skala von 1 bis 10 wenn 10 vollkommene Okklumentik ist, auf welcher Stufe wäre die Okklumentik die ich brauche um in den Duellen nicht so alt auszusehen?", fragte er und Amelia musste bei seinem Gesichtsausdruck lachen.
„Das wäre eine glatte drei, es ist also nicht allzu schwer. Das bekommst du auch hin."
„Gut aber noch eine Frage hätte ich an dich."
„Bitte?"
„Wie bist du in den Fluch eingebrochen und konntest mit den Zwölf reden? Es hat sie sehr verstört. Es war eine Magie, die sie nicht kannten oder zumindest nicht erwartet hatten." Draco musterte Amelia von der Seite und diese wägte ihre Wort sorgfältig ab.
„Sie sind Jahrhunderte alt. Wie kommt es, dass es etwas gibt, was sie nicht wissen?", fragte sie.
„Sie sind nicht allwissend oder allmächtig. Sie sind auch nur eine Erinnerung. Zusammengesetzt aus ihren größten Stärken. Sie können mir nichts sagen, was ich nicht selbst in mir finden kann. Sie haben mir erklärt wie Caliburn funktioniert, aber mehr kann ich von ihnen nicht erwarten."
„Ich dachte, es ist nur ein Schwert", sagte Amelia überrascht. Sie hatte sich noch nicht so viele Gedanken darum gemacht.
„Es ist mehr als ein Schwert. Es kann Magie absorbieren und reflektieren. Je nachdem wie der Zauber auf die Klinge trifft. Aber das muss ich mir mal in Ruhe ansehen. Die Zwölf waren alle ziemlich begeistert", sagte Draco und zuckte mit den Schultern. Amelia war beeindruckt. Sie musste das Schwert unbedingt untersuchen.
„Aber du lenkst von Thema ab, Amelia", sagte Draco tadelnd. Amelia seufzte.
„Ehrlich gesagt, ist das ziemlich schwer zu erklären. Es hat was mit dem Zauber Legilimens zu tun", erwiderte Amelia.
„Also magst du es mir nicht sagen", stellte Draco fest.
Amelia biss sich auf die Lippen „Du weißt, dass ich anders bin. Ich bin in vielen Dingen anders als gewöhnliche Hexen", sagte sie ehrlich.
„Glaubst du ich habe Angst vor dir?"
Amelia dachte an ihre Legilimentik, die Fähigkeit Kinderleicht in jeden Geist einzudringen und ihn all seiner Geheimnisse zu berauben. Wie sie ihren Geist ausstrecken konnte und die Gefühle vieler Menschen wahrnehmen konnte. Eine Fähigkeit die außer ihr nur noch zwei andere Zauberer besaßen. Lord Voldemort und Albus Dumbledore. Amelia schauderte.
„Manchmal, habe ich vor mir selbst Angst", gestand sie.
„Ich renne nicht weg, egal was du kannst", versprach Draco und legte seine Arme um sie.
„Was, wenn ich eine eiskalte Mörderin wäre?", fragte Amelia und blickte zu Draco hoch.
„Selbst dann nicht", sagte Draco und Amelia drückte ihr Gesicht an seine Brust. Es war warm und schön. Sie fühlte sich geborgen.
„Erst mal sollten wir schauen, dass wir dein Erbe meistern", schnurrte Amelia und drückte sich an Draco. Daran könnte sie sich gewöhnen.
Amelia brachte Draco die Grundlagen der Okklumentik bei. Okklumentik für Duelle hatte er rasend schnell gelernt. Doch jeder Schritt darüber hinaus bereitete ihm schreckliche Probleme. Er war nicht in der Lage seine Okklumentik länger als kurze Momente aufrecht zu erhalten wenn seine Konzentration nach dem Kampf nachließ, schwand auch seine Okklumentik. Ebenso ging es ihm mit Legilimentik. Wobei Amelia wirklich erstaunt war wie schnell er Duell-Legilimentik lernte. Beneidenswert.
Draco war durchaus zufrieden mit seinen Fortschritten und Amelia vermied es zu erläutern wie weit wirkliche Legilimentik ging. Es war ein Geheimnis, das sie lieber für sich behielt.
Die Duelle wurden immer spannender. Manchmal wandte Draco plötzlich Zauber an, die keiner von ihnen kannte und sie machten sich daran herauszufinden was es war. Der Stannis-Zauber wurde zu einem seiner Lieblingszauber in Duellen, da er kein einfacher Strahl war, sondern eine weite Fläche umfasste und schwach gewirkte Schilde einfach Durchschnitt.
Amelia hätte niemals erwartet das ihr das Training so viel brachte, aber am nächsten Sonntag schlug sie Professor Snape so schnell wie nie zuvor in ihren Übungsduellen. War es vorher ausgeglichen gewesen, hatte Amelia ihren Lehrer mittlerweile überholt.
Draco hingegen schaffte es nach fast zwei Wochen endlich Amelia das erste Mal zu besiegen, was er größtenteils Caliburn zu verdanken hatte. Nach anfänglichen Problemen mit dem Schwert, den Zauber im richtigen Winkel zu treffen, wurde es immer mehr zu einer Waffe, um sie mit ihren eigenen Zaubern zu schlagen und Amelia mühte sich damit ab ihre eigenen Zauber zu blocken.
Draco schmiss den Zauberschach-Club hin, um mehr Zeit für Duellzauber zu finden. Es schien als hätten die Geister seiner Vorfahren eine Leidenschaft in ihm geweckt, die er selbst nicht kannte. Es war nicht nur das Zaubern er hatte eine Engelsgeduld stundenlang mit dem Schwert nur Zauber abzuwehren. Amelia hatte einen Zauber entworfen, um ihm einen Doppelgänger zu beschwören mit dem er trainieren konnte, während sie sich mit Voldemorts alten Aufzeichnungen beschäftigte. Mit dem Wissen, wer dieses Buch geschrieben hatte, war sie wie gefesselt von der Macht, die sich darin verbarg.
Manchmal wenn Amelia von ihrem Buch aufsah und Draco beim Training beobachtete, kam ihr der Gedanke, dass sie schon ein seltsames Paar waren. Ihre Beziehung hatte wenig mit dem zu tun was sich Pansy und die anderen als Pärchenbeschäftigung vorstellten. Aber vielleicht war das auch normal.
Slytherin hatte das Spiel gegen Ravenclaw verloren. Draco hatte an dem Tag in der Krankenstation gelegen. Dementsprechend viele Trainingsstunden setzte Flint nun an, um für das nächste Spiel gewappnet zu sein.
Amelia war gerade in der Bibliothek um sich ein Buch über Zaubertränke aus der Verbotenen Abteilung auszuleihen, Professor Snape unterzeichnete ihr gerne alle Anträge, als sie mit Hermine Granger zusammenstieß.
Die Schultasche der Hexe platze auf und dutzende von Schulbüchern ergossen sich auf den Boden. So viele Fächer konnte keiner an einem Tag haben.
„Pass doch auf", fauchte Amelia und betrachtete verächtlich die Bücher auf dem Boden.
„Warum belegst du Muggelkunde?", fragte sie Granger und hob ihr Exemplar von Häusliches Leben und gesellschaftliche Sitten britischer Muggel vom Boden auf.
„Oh, es ist interessant", sagte das Mädchen und stapelte ihre Bücher übereinander.
„Aber du stammst von Muggeln ab, was bringt es dir?", fragte Amelia verdutzt.
„Wie was bringt es mir? Ich finde es interessant", schoss Granger zurück.
Amelia war verdutzt. Sie lernte nichts, dessen Sinn sie nicht erkennen konnte. In Geschichte der Zauberei war sie eine Niete. Daten auswendig zu lernen, darin hatte sie nie einen Sinn gesehen. Auch wenn die geschichtlichen Zusammenhänge durchaus interessant waren.
„Du lernst doch genauso viel. Du bist genauso gut wie ich, manchmal sogar besser", sagte Granger schnippig und verstaute ihre Bücher in der Schultasche.
„Ich lerne nicht mehr so viel für die Schule", sagte Amelia herablassend. „Ich habe auch mal alles gelernt was man mir hier vorgesetzt hat. Aber dann habe ich begriffen, dass die Schule hier für durchschnittliche Schüler gemacht wurde."
Besser gesagt Professor Snape hatte es ihr erklärt und ihr einen Wink in die richtige Richtung gegeben. Ohne Professor Snape wäre sie nicht dazu in der Lage gewesen so zu Zaubern wie sie es nun vollbrachte. Er hatte sie mehr gelehrt als ihm warscheinlich selbst bewusst war.
„Wenn man die Grundlagen der Magie einmal verstanden hat, dann erklärt sich der Rest von selbst. Die Zauber, die wir im Unterricht durchnehmen, erklären sich von ganz allein. Ich lerne anderes, interessanteres."
„Du hältst dich wohl für was Besseres?", schnaubte Granger verächtlich.
Amelia lag schon eine arrogante Antwort auf der Zunge, doch sie hielt inne.
„Du könntest auch etwas Besseres sein. Aber du verschwendest zu viel Energie auf sinnloses Zeug. In dir steckt mehr. Vielleicht musst du nur etwas an deinem Blickwinkel verändern", sagte Amelia und drückte Granger das Buch über Muggelkunde in die Hand, bevor sie zu Madam Pince ging. Die Hexe blickte ihr verwirrt hinterher.
Amelia schaffte es gerade noch rechtzeitig zu Verteidigung gegen die Dunklen Künste, doch anstatt Professor Lupin unterrichtete wieder Professor Snape.
Snape ließ sie die letzte Seite in ihren Büchern aufschlagen. Werwölfe und begann seinen Unterricht. Amelia dachte an den Wolfsbanntrank, der irgendwo in Snapes Büro vor sich hin köchelte.
„Lupin ist ziemlich oft krank. Pünktlich einmal im Monat. Man kann die Uhr danach stellen", sagte Draco und lehnte sich zurück, um zu beobachten wie Snape einen Hufflepuff zusammenstauchte und Amelia hätte am liebsten den Kopf auf den Tisch geschlagen.
Wie hatte sie nur so lange dafür brauchen können. Snape hatte es ihr förmlich gesagt.
Amelia verdrehte die Augen und Snape fing ihren Blick auf. Ein sadistisches Grinsen schlich sich auf seine Züge und Amelia wusste, dass es nichts mit dem Hufflepuff zu tun hatte.
Sie hatte es endlich begriffen. Lupin war ein Werwolf.
Amelia hatte keine Gelegenheit mehr mit Draco allein zu reden, der die nächsten zwei Tage bis spät abends Quidditchtraining hatte. Aber sie musste etwas unternehmen. Sie musste mit Lupin reden und sichergehen, dass er nichts mit Black zu tun hatte. Sie musste von ihm erfahren was für Menschen Black und Pettigrew gewesen waren, wenn sie jemals verstehen wollte, was damals wirklich geschehen war. Professor Snape sprach nicht darüber, alle ihre Versuche etwas aus ihm herauszubekommen waren erfolglos geblieben. Aber er war auch ein Slytherin gewesen. Lupin hingegen war ganz in der Nähe von Black, Pettigrew und ihrem Vater gewesen.
Amelia nahm ihren Mut zusammen und hinterließ Draco eine Nachricht im Übungsraum, dass sie zu Professor Lupin ging. Sollte ihr etwas zustoßen wusste er immerhin Bescheid. Schließlich war Lupin ein Werwolf und gefährlich sie durfte nicht unvorsichtig werden. Dann machte sie sich auf den Weg. Es war schon spät, aber ein paar Stunden hatte Amelia noch bis zur Sperrstunde.
Sie klopfte an die Bürotür.
Professor Lupin sah müde und abgekämpft aus, als er die Tür öffnete. Aber seine Augen blitzten wachsam.
„Was kann ich für sie tun, Miss Potter", fragte er.
„Ich müsste mit Ihnen reden, Professor."
„Ich glaube nicht, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist", antwortete Professor Lupin doch Amelia trat neben ihn ins Büro.
„Doch, es ist genau der rechte Zeitpunkt", sagte sie und schloss die Tür hinter sich.
„Was wollen Sie?", fragte Lupin wachsam, fast lauernd und ging herum zu seinem Schreibtisch.
„Nur ein paar Antworten auf Fragen, die ich mir schon lange stelle", antwortete Amelia schlicht.
„Wenn Sie Fragen zu meinem Unterricht haben, kann ich sie beruhigen. Ich werde zu unserer nächsten Stunde bestimmt wieder gesund sein."
Amelia gestattete sich ein kleines Lächeln, doch es erreichte ihre Augen nicht.
„Remus Lupin, Peter Pettigrew, James Potter und Sirius Black. Sagt Ihnen das etwas Professor?", fragte Amelia und bemerkte, wie Lupin sichtbar um Fassung rang.
„Was wollen Sie?", wiederholte er sich. Diesmal deutlich unruhiger.
„Ich will die Wahrheit wissen", sagte Amelia und ihre kalten grünen Augen bohrten sich in die von Remus Lupin. „Peter und James sind tot. Sirius will mich umbringen, wie man sagt. Da kann ich nur noch Sie fragen. Erzählen Sie mir, wer diese Menschen waren. Wie sie waren."
„Du weißt nicht was du verlangst", sagte Professor Lupin und setzte sich hinter seinen Schreibtisch. Amelia ging auf ihn zu und zog eine kleine Phiole aus ihrem Umhang.
„Ich kann es mir durchaus vorstellen, Professor. Aber nur als kleine Geste des Friedens habe ich Ihnen etwas mitgebracht."
Sie stellte die Phiole auf den Schreibtisch und setzte sich ihm gegenüber auf einen der Stühle.
„Es lindert die Nachwirkungen des Wolfsbanntrankes", sagte Amelia schlicht und beobachtete wie Lupin langsam begriff. Entsetzen schlich sich auf seine Züge.
„Professor Snape hat es dir gesagt", stellte Lupin fest und begutachtete die Flasche.
„So weit bin ich noch selbst gekommen. Ich habe geholfen den Wolfsbanntrank herzustellen", sagte Amelia gelassen.
„Du bist wirklich eine ausgesprochen kluge Hexe", sagte Lupin bitter. „Warum hat mir Snape diesen Trank nicht selbst gegeben, wenn er die Schmerzen des Wolfbanntrankes lindert?", fragte Lupin und klopfte mit der Phiole auf den Tisch.
„So misstrauisch?", fragte Amelia und musste lächeln. „Professor Snape hasst sie. Er würde Ihnen niemals etwas Gutes tun, wenn er die Wahl hat. Diese Tinktur lindert die Nachwirkungen des Wermuts. Damit sollten Sie Ihre Schwindelgefühle in den Griff bekommen, Professor."
Lupin sah sie überrascht an. Noch immer etwas misstrauisch roch er an der entkorkten Phiole. Er zögerte einen Moment und musterte Amelia, dann schluckte er den Inhalt.
Nachdenklich beobachtete er Amelia, während der Trank seine Wirkung entfaltete.
„Es wirkt tatsächlich", stellte er überrascht fest.
„Haben Sie geglaubt ich würde Ihnen Wahrheitsserum unterjubeln, Professor?", fragte Amelia lachend.
„Warum willst du etwas über diese Leute wissen?", fragte Lupin nun etwas entgegenkommender.
„James Potter war mein Vater. Ich möchte wissen wer er war und warum Sirius Black ihn verraten hat und", Amelia blickte Lupin durchdringend an, „was Peter Pettigrew damit zu tun hatte."
„Das ist eine lange Geschichte, wo soll ich anfangen?", fragte Lupin und lehnte sich in seinem Sessel zurück.
„Wie wäre es mit dem Anfang. Wie ihr Freunde wurdet", sagte Amelia und Professor Lupin zögerte, doch dann begann er zu erzählen. Er erzählte ihr von ihrer Einschulung, wie Sirius und James herausfanden, dass er ein Werwolf war. Wie sie die Schule erkundeten. Von all den Streichen und dem Schabernack den Sirius und James getrieben hatten. Er erzählte ihr von der Karte des Rumtreibers und von dem kleinen Peter, der sich an James und Sirius klammerte.
„Eines verstehe ich nicht, Professor", sagte Amelia. „Wie konnten die anderen mit Ihnen die Schule erkunden, wenn es noch keinen Wolfsbanntrank gab. Sie waren gefährlich. Zu gefährlich, um von drei Schülern in Schach gehalten werden zu können."
„Sie haben ein großartiges Stück Magie vollbracht. Ich habe ihnen damals versprochen ihr Geheimnis zu bewahren so wie sie das meine bewahrt haben."
„Bis heute, Professor?", fragte Amelia nach.
„Ich habe nie jemandem davon erzählt. Aber es war auch nie besonders relevant", sagte Lupin. Amelia bemerkte, dass er es ihr nicht sagen würde, aber ihre Legilimentik war schneller als ihr Verstand. Sie hatte die ganze Zeit geprüft wie viel von Lupins Worten der Wahrheit entsprach und so die richtigen Fragen gefunden, doch nun musste sie das Risiko eingehen. Lupin kniff kurz die Augen zusammen, als sie in seinen Geist eindrang. Aber sie glaubte nicht, dass er wusste was geschehen war Amelia lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück.
Animagi. Das war unerwartet.
„Diese Karte, die Sie geschaffen haben, Professor. Sie sagten sie würde alle zeigen die sich auf Hogwarts befinden."
„Ja, sie war eine magische Meisterleistung. Dein Vater und Sirius waren die klügsten Schüler damals auf Hogwarts. Es war maßgeblich ihr Verdienst."
Amelia nickte nachdenklich.
„Haben Sie die Karte noch?", fragte sie vorsichtig doch Lupin verneinte und es klang aufrichtig. „Peter hat sie eingebüßt als er in der Schule herumgeschlichen ist. Sie wurde beschlagnahmt und wir haben sie nie zurückgeholt. Ich weiß nicht, was aus ihr geworden ist."
„Was ist passiert, dass mein Vater sie nie zurückgeholt hat?", fragte Amelia nachdenklich. „So wie Sie ihn beschrieben haben, hätte er sich nicht von ein paar Schulregeln aufhalten lassen."
Professor Lupin machte ein trauriges Gesicht und seufzte schwer.
„Es war in unserem letzten Schuljahr. In den Osterferien. Deine Eltern waren bei James zuhause. Wir anderen sind in der Schule geblieben. Es gab einen Todesserangriff. Deine Großeltern wurden getötet. James und Lily konnten nur knapp entkommen." Lupins Blick war in weite Ferne gerichtet.
„Sie waren gute Menschen, deine Großeltern. Zu gut. Deshalb hat Voldemort sie aus dem Weg geräumt. Er war sogar persönlich dort, um sie zu beseitigen. Du kannst dir vorstellen, wie es James erschüttert hat."
Amelia stand auf und trat zum Fenster. Ihr Blick glitt über die Ländereien.
„Warum haben meine Eltern sie nicht zum Geheimniswahrer gemacht?", fragte Amelia. „Sirius stammte aus einer Familie die Voldemort unterstützt hat. War es nicht zu gefährlich?"
Lupin knetete seine Hände. Er wirkte zerknirscht. „Wahrscheinlich haben sie mir nicht vertraut. Es gab schon lange den Verdacht, dass wir einen Verräter in unseren Reihen haben. Viele dachten ich sei es. Weil ich ein Werwolf bin", sagte Lupin bitter.
Amelia nickte. Natürlich, es war auf der einen Seite verständlich. Lupin war gefährlich und viele Werwölfe hatten sich Voldemort angeschlossen. Sie hätte ihn ebenfalls für den Verräter gehalten.
„Keiner hatte den Verdacht Black könnte der Verräter sein?", hackte Amelia nach.
„Niemand", bestätigte Lupin bedrückt. „Er hat seine Familie in den Sommerferien vor dem siebten Schuljahr verlassen. Sie hatten einen schrecklichen Streit und Sirius ist zu James Familie geflüchtet. James und Sirius waren wie Brüder."
Amelia sagte nichts dazu, sondern blickte nur aus dem Fenster. Die Sonne war untergegangen und nur der abnehmende Mond warf ein kleines Licht auf den großen See.
„Was bezweckst du mit diesen Fragen, Amelia?", fragte Lupin, als offensichtlich wurde, dass Amelia nichts mehr sagte.
„Sie glauben nicht, dass ich nur etwas über meine Vergangenheit erfahren möchte, oder?", fragte Amelia und drehte sich zu Lupin um.
„Nein. Ich muss zugeben, dass ich dir viel zutraue. Aber nicht übermäßige Sentimentalität."
Amelia musste schmunzeln. So wirkte sie also auf die Menschen? Kalt und gefühllos?
„Was wenn ich Ihnen sage, dass ich glaube, dass Black unschuldig ist?", fragte Amelia.
Lupin sah sie überrascht an. „Wie kommst du auf soetwas?"
Versonnen sah Amelia wieder aus dem Fenster und musste an das denken was Draco gesagt hatte. Er kannte die reinblütige Gesellschaft besser als sie und er hielt Black für unschuldig.
„Es gibt viele Indizien. Manche haben Sie mir geliefert. Black war schlau. Also warum sollte er herum posaunen das er der Geheimniswahrer ist? Sobald der Fidelius-Zauber gebrochen wäre, wäre er bei allen als Verräter gebrandmarkt.
Warum sollte er seiner Familie entsagen, wenn er doch mit ihren Idealen übereinstimmt. Sie hätten ihn nicht gleich unwiederbringlich verstoßen müssen. Es ist nichts, was sich so einfach wieder rückgängig machen lässt.
Warum ist Sirius Black in den Gryffindor Turm eingebrochen, wenn er doch hinter mir, einer Slytherin her ist." Amelia hatte Lupin während ihrer Ausführungen im Auge behalten. Er sah sie entgeistert an.
„Wussten Sie, dass es nicht mal eine Verhandlung gegeben hat? Er wurde einfach nach Askaban gebracht."
Lupin schüttelte unwirsch den Kopf und sagte: „Das waren schwere Zeiten damals. Alle waren froh, dass Voldemort verschwunden war. Es war nichts Ungewöhnliches das Todesser ohne Verhandlung ins Gefängnis geworfen wurden. Außerdem, wie hätte er ihnen ohne schwarze Magie entkommen können?"
Lupin war augestanden und lief aufgeregt auf und ab. Er schien zu grübeln.
Amelias Blick folgte ihm. Eine Weile überließ sie ihn seinen Gedankengängen.
„Peter Pettigrew war ein Todesser" Ihre Stimme verhallte und Lupin blieb abrupt stehen. Nur der Wind, der um das Schloss blies, war zu hören.
Professor Lupin war bleich geworden und ließ sich auf seinen Stuhl sinken. Das Gesicht in den Händen vergraben.
„Woher, willst du das wissen?", fragte er mit bebender Stimme.
„Ich habe keine Beweise und keinen Zeugen, der es vor Gericht aussagen würde. Ich habe nur das Wissen darum", sagte Amelia ruhig.
„Warum, sagst du mir das?" Lupin sah auf und Amelia fing seinen Blick ein.
„Weil Freundschaft, Liebe und Vertrauen die wichtigsten Werte unserer Gesellschaft sind. Ich glaube, Sie hatten ein Recht es zu erfahren", sagte Amelia und stand auf.
„Danke für das Gespräch, Professor."
Amelia überließ Professor Lupin sich selbst. Sie hatte erfahren was sie wissen wollte. Sie hatte mehr erfahren als sie sich erhofft hatte.
Nachwort:
Ich weiß irgendwie nicht was ich zu dem Kapitel schreiben soll. Ich würde gerne mehr übel Lupin schreiben, aber Amelia hat Vorbehalte ihm gegenüber, weil er ein Werwolf ist. Sie ist zu sehr verstrickt in den Klüngel der Reinblüter. Bei mir behalten sie diesen Klüngel, ihre Vorurteile, ihren Rassismus. Deshalb taucht auch Hagrid kaum auf, weil er in ihren Augen keinen Wert hat. In dem Moment, in dem sie von seinem Riesenblut erfahren hat, hat sie ihn gemieden. Eigentlich finde ich es ziemlich schade aber alles andere wäre absolut OOC. Riesen, Wehrwölfe und andere magische Wesen sind eher Diener aber nie gleichberechtigt.
