Kapitel 11 – Die Karte des Rumtreibers

Amelia machte sich auf den Weg in den Übungsraum. Draco war schon da und arbeitete an einer Liste mit Flüchen, die sie sich anschauen wollten.

„Da bist du ja endlich", begrüßte er sie.

„Ich hatte ein ziemlich aufschlussreiches Gespräch", sagte Amelia und nahm sich einen der Schokofrösche, die sie hier bunkerte.

„Ich glaube davon musst du mir wann anders erzählen", sagte Draco und sah etwas besorgt aus. „Pansy braucht dich."

Amelia stutzte. „Was will sie?"

Draco seufzte schwer und setzte sich halb auf den Tisch. Er schwang Caliburn in einem perfekten Halbkreis und schien sich etwas unbehaglich zu fühlen.

„Eigentlich nichts, aber Montague hat heute beim Training so ein bisschen was herumposaunt. Selbst wenn ich nur die Hälfte für voll nehme…" Draco sprach nicht weiter.

Amelia biss sich auf die Lippen. Es schien nicht so, als wolle Draco aussprechen was Graham Montague alles erzählt hatte und Amelia entschied, dass sie wohl erstmal nach Pansy suchen sollte. Sie eilte in den Slytherin Gemeinschaftsraum.

Amelia hatte eine blühende Fantasie was der riesenhafte Jäger der Slytherins mit Pansy gemacht haben konnte und so recht wollte ihr keine Variation gefallen.

Im Gemeinschaftsraum war Pansy nicht, doch als Amelia in den Schlafsaal kam, bemerkte sie ein Schluchzen aus dem Badezimmer.

Die Tür war verschlossen, doch Amelia tippte nur mit dem Zauberstab dagegen. Pansy saß zusammengekauert und nackt unter der Dusche. Sie hatte ihr Gesicht in den Knien vergraben und die Arme um sich geschlungen.

Amelia schloss vorsichtig die Türe. Pansy schien sie bemerkt zu haben, denn sie zuckte leicht zusammen, blickte jedoch nicht auf.

Amelia setzte sich neben sie und wartete. Ihre Kleidung war schon völlig durchnässt als Pansy endlich etwas sagte.

„Was willst du hier."

„Draco hat mich hergeschickt. Graham hat wohl ziemlich viel mist beim Quidditch Training geredet. Was ist passiert?", fragte Amelia.

Pansy sah entsetzt auf. Sie hatte eine aufgeplatzte Lippe und ihre rechte Hand war aufgeschürft.

„Das hat er nicht wirklich?", fragte sie entsetzt und vergrub ihr Gesicht wieder in den Händen.

„Das hätte alles nicht so enden sollen. Wir haben nur ein bisschen rumgemacht", schniefte Pansy.

„Das sieht aber nicht danach aus", sagte Amelia sachte.

Pansy schniefte noch lauter. „Irgendwann ist er zu weit gegangen und ich habe ihm gesagt, er soll aufhören. Aber er hat weitergemacht. Dann habe ich mich gewehrt… Bei Merlin das war mein erstes Mal. Ich wollte nicht, dass so mein erstes Mal ist."

Pansy schüttelte sich und begann zu zittern.

Amelia wusste nicht was sie tun sollte. Das war nichts mit dem sie sich auskannte.

„Bitte, hör doch auf zu weinen, Pansy. Wenn du willst, hänge ich Graham an den Eiern im Gemeinschaftsraum auf!", rief Amelia hilflos.

Pansy blickte hoch und sah sie mit verheulten Augen an.

„Kannst du das?", fragte sie. Amelia war ein bisschen perplex.

„Wenn du willst, ja", sagte Amelia.

Pansy nickte mit blitzenden Augen. „Das bekommt er dreifach zurück."

Amelia musste bei dem Anblick grinsen.

„Jetzt sollten wir uns erst mal um deine blauen Flecken kümmern."

„Ich will aber nicht auf die Krankenstation", sagte Pansy stur.

„Das habe ich auch nie gesagt", erwiderte Amelia und tippte mit ihrem Zauberstab auf Pansys aufgeplatzte Lippe. Die Verletzungen heilten sofort und hinterließen nichtmal Schorf.

„Danke", sagte Pansy, als Amelia auch ihre Handgelenke geheilt hatte und die Abdrücke an ihren Beinen.

Amelia nickte ihr aufmunternd zu und sie stiegen aus der Dusche.

„Jetzt bist du ganz nass wegen mir", sagte Pansy schuldbewusst, als sie sich in ein Handtuch wickelte. Amelia zuckte die Schultern und schwang abermals ihren Zauberstab.

„Wozu bin ich eine Hexe", lachte sie. Sie wollte das Badezimmer schon verlassen als Pansy sie nochmal aufhielt. Sie blickte verschämt auf den Boden.

„Wir haben nicht verhütet", flüsterte sie.

„Mach dir darüber keine Gedanken, Pansy. Ich kümmere mich gleich drum. Schau das du trocken wirst und dann planen wir unsere Rache an Graham, okay?"

Pansy nickte und Amelia schnappte sich ihren Tarnumhang.

Sie bat Professor Snape im Stillen um Vergebung, als sie sich in den Zaubertrankklassensaal schlich, um Zutaten für ihren Trank zu besorgen. Sie wollte gerade mit ihrer Ausbeute in ihren Kerkerraum zurückkehren, als sie ein Geräusch hörte. Amelia versteckte sich hinter der Tür und sah gerade noch die Weasley Zwillinge an der Tür vorbeilaufen. Sie hatten ein Pergament in der Hand.

Amelia hielt den Atem an. Sie hatte einmal einen Blick auf diese Karte geworfen. Das war in ihrem ersten Jahr gewesen. Sie schüttelte den Kopf. Manchmal gab es zu viele Zufälle, um daran zu glauben.

Am liebsten wäre sie den Weasley Zwillingen sofort hinterher gerannt, aber Pansy hatte Vorrang.

Amelia schlich vorsichtig weiter. Zum Glück blieb sie unbemerkt.

„Was ist mit Pansy?", fragte Draco als Amelia ihre Beute auf dem Tisch ausbreitete.

„Ich braue einen Verhütungstrank", sagte Amelia ungeniert und stellte einen Kessel aufs Feuer.

Draco sah sie perplex an. „Also hat er tatsächlich…?"

„Pansy war grün und blau geschlagen!", sagte Amelia aufgebracht und begann die Springknolle zu schälen.

Draco setzte sich an den Tisch und beobachtete Amelia dabei, wie sie die Zutaten in den Trank mischte.

„Woher weißt du, wie man einen Verhütungstrank braut?", fragte er schließlich grinsend.

Amelia kniff ärgerlich die Lippen zusammen. „Ich dachte es wäre nützlich sich das mal anzusehen", sagte sie.

„Hast du über Sex nachgedacht?", fragte Draco und stand auf.

Amelia errötete verlegen. Draco legte die Arme um sie und drückte ihren Körper an sich Amelia blickte verschämt zu Boden.

„Das war noch vor Weihnachten", verteidigte sie sich.

„Aber du hast darüber nachgedacht", triumphierte Draco.

„Wir haben ein paar Mal abends im Mädchenschlafsaal darüber gesprochen."

Draco küsste sie. Aber der Kuss war anders als die vorher. Irgendwie drängender, intensiver. Ihre Zungen berührten sich und Draco drückte sie gegen den Tisch. Es prickelte in ihrer Magengegend und das Gefühl war alles andere als unangenehm. Doch bevor weiter etwas geschehen konnte, schob Amelia ihn von sich.

„Erst der Trank", sagte sie verlegen und Draco grinste dreckig. Er ließ sich auf einen Stuhl fallen. Er beobachtete sie einen Augenblick und Amelia wollte nicht wissen was er dabei dachte.

„Na gut, wie kann ich dir helfen?", lenkte er schließlich ein.

Sie wieß ihn an den getrockneten Eisenhut ganz fein zu zermahlen, solange sie das Feuer kontrollierte. Zusammen dauerte es nicht lange und Amelia füllte die marineblaue Flüssigkeit in mehrere Glasfläschchen ab. Es war schon spät, als sie sich unter Amelias Tarnumhang in den Gemeinschaftsraum zurückschlichen. Pansy saß vor dem Kamin und streichelte gedankenverloren Millicents Kater.

Amelia gab Draco ein Zeichen sich zu verziehen und sie ging auf Pansy zu. Sie setzte sich neben ihre Freundin an den Tisch und schob ihr eines der Fläschchen mit dem Verhütungstrank hin.

„Danke", sagte Pansy kleinlaut.

„Kein Thema. Dazu sind Freunde doch da", sagte Amelia.

Pansy entkorkte die Flasche und stürzte den Trank hinunter.

„Schmeckt gar nicht mal so übel", stellte sie fest und Amelia musste schmunzeln.

„Also was machen wir mit Graham?", fragte Amelia.

„Ich werde erst mal mit ihm reden", sagte Pansy leise. „Ich meine, ich mag ihn schon. Wenn er keine richtige Entschuldigung parat hat, hängen wir ihn an den Eiern auf."

Amelia schüttelte seufzend den Kopf.

„Lass dich nur nicht von ihm weichklopfen. Er hat alles verdient was du dir ausdenken kannst."

Pansy versuchte sich an einem kläglichen Lächeln.

Am nächsten Tag setzten sich Amelia und Draco in Geschichte der Zauberei in die letzte Reihe. Amelia berichtete Draco von der Unterhaltung mit Lupin und von der Karte. Der Karte des Rumtreibers, die den Weasley Zwillingen gehörte.

Draco drehte seinen Zauberstab zwischen den Fingern.

„Du glaubst also, dass wenn wir die Karte haben, können wir Black sehen, wenn er wieder ins Schloss kommt?", fragte Draco.

„Genau das denke ich. Was auch immer er hier will. Letztes Mal ist er an dem Eingang des Gemeinschaftsraums der Gryffindors gescheitert. Wenn wir ihn erwischen, können wir ihn dem Ministerium übergeben", sagte Amelia.

„Oder wir reden erst mal mit ihm", erwiderte Draco.

Amelia seufzte nur. „Ich will unser Leben nicht riskieren falls wir uns irren", sagte sie.

„Seit wann bist du so ängstlich?", fragte Draco verwirrt. „Die Chancen stehen gut, dass er tatsächlich unschuldig ist."

„Aber was, wenn wir uns doch irren. Was wenn nächstes Mal, wenn ich mich überschätze wieder jemand für mich stirbt. Letztes Mal war es Artemis, was wenn du dieses Mal stirbst", sagte Amelia besorgt.

„Ich kann auf mich aufpassen", sagte Draco beruhigend.

„Wir wissen nicht, wie Black aus Askaban entkommen ist. Er hat Kräfte, die wir nicht kennen. Es wäre sicherer das Ministerium zu benachrichtigen. Dann können wir noch immer mit ihm reden."

Draco schüttelte den Kopf und sagte unterdrückt zornig: „Sie haben nicht vor ihn wieder einzusperren. Sie wollen ihn küssen lassen. Von den Dementoren. Sie werden ihm die Seele aussaugen."

Amelia wurde blass.

„Das heißt wenn er unschuldig ist und wir liefern ihn dem Ministerium aus, töten wir einen Unschuldigen. Er ist deine Familie, Amelia", sagte Draco und Amelia biss sich auf die Lippen. Draco hatte Recht, trotzdem…

„Schauen wir erst, dass wir die Karte bekommen. Den Rest sehen wir dann", antwortete Amelia. Draco nickte zustimmend.

Das Problem war nur, Fred und George Weasley die Karte abzunehmen. Denn die Karte lag die meiste Zeit sicher verwahrt im Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Seit dem Angriff an Halloween gab es jedoch zusätzliche Schutzmaßnahmen, was es fast unmöglich machte in den Gemeinschaftsraum einzubrechen.

Es war Mitte Februar und Amelia hatte das Gefühl ihnen lief die Zeit davon, also schnappte sie sich eines Mittags Draco und sie marschierten zum Gryffindor Tisch.

„Wir müssen mal mit euch reden", sagte Draco zu den Weasley Zwillingen und diese Blickten erstaunt auf.

„Sieh einer an, die Oberschlangen", sagte Fred Weasley und spießte ein Bratwürstchen auf seine Gabel.

„Wie verdienen wir diese Ehre?", fragte George Weasley und verbeugte sich spöttisch.

„Bewegt euren Hintern. Das ist wichtig", sagte Draco mit düsterer Miene.

„Hörst du George, das ist wichtig", sagte Fred Weasley und die Gryffindors begannen zu lachen.

Amelia beugte sich blitzschnell vor und einen Augenblick später hielt sie den Zauberstab des Weasleys in der Hand.

„Wenn du den wiederhaben willst, kommst du besser mit", sagte Amelia und drehte sich um, um die Große Halle zu verlassen.

Der andere Zwilling war aufgesprungen, um ihr einen Zauber hinterher zu schleudern, doch Draco blockte ihn mit Leichtigkeit ab.

Die beiden Slytherins rannten mit ihrer Beute aus der Halle und bogen scharf in die Kerker ab.

Fred und George jagten ihnen hinterher. Sie bogen um genug Ecken, sodass die Gryffindors hoffentlich bald nicht mehr wussten, wo sie waren. Dabei mussten sie zwei Mal anhalten, dass die Weasleys sie nicht verloren.

Am Ende hechteten sie in ein leeres Klassenzimmer, dass nicht mehr benutzt wurde und als die Zwillinge hinein stürmten, entwaffnete Draco noch den Zweiten während Amelia Sie in einem Käfig festsetzte.

Die beiden Slytherins feixten sich zu.

„Ich glaube wir haben ein paar Löwen gefangen", sagte Draco breit grinsend.

„Oh, super und was soll die Scheiße?", fragte Fred Weasley und schäumte vor Wut.

„Wir wollten nur mir euch reden, ohne dass jemand zuhört", sagte Amelia. „Das ist alles."

„Und warum sperrt ihr uns dann in einen Käfig?"

„Weil ihr nicht zuhört", erwiderte Draco. Die Löwen im Käfig schienen ihn sichtlich zu erheitern.

„Dann gebt uns unsere Zauberstäbe wieder und schießt los", sagte George Weasley und verschränkte die Arme vor der Brust. Sein Bruder tat es ihm gleich.

Amelia legte die Stäbe auf eine Schulbank und setzte sich daneben.

„Es geht um die Karte es Rumtreibers", sagte Amelia. „Ich muss sie haben."

Die beiden Gryffindors sahen sich überrascht an.

„Was für eine Karte?", fragte der eine gespielt ahnungslos.

„Haltet mich nicht für blöd. Ich weiß, dass ihr sie habt. Mein Vater hat sie geschrieben, als er noch in Hogwarts war. Sie gehört mir", sagte Amelia.

„Pha", sagte der eine Zwilling, „du weißt nichts darüber."

„Mein Vater war Krone. Ich brauche diese Karte. Ich will damit Sirius Black finden", sagte Amelia.

„Das ist dein Ernst, oder?", fragte der verblüffte George Weasley.

„Ja. Black kennt dieses Schloss besser als sonst einer, aber mit der Karte des Rumtreibers kann ich ihn finden", sagte Amelia.

„Warum willst du ihn finden?", fragte George Weasley misstrauisch.

„Weil er sie umbringen will. Black hat die Potters schon einmal verraten. Es gibt nur eine Möglichkeit und zwar Black schnell genug wieder nach Askaban zu bringen bevor er Amelia erwischt", schnarrte Draco und verschränkte ebenfalls die Arme vor der Brust.

„Ihr schuldet uns was", sagte Amelia und spielte auf Ginny an.

Die Zwillinge blickten sich einen Moment an.

Dann sagte George Weasley: „Falls wir die Karte hätten-"

„-und falls wir sie euch wirklich überlassen würden", fügte George Weasley hinzu.

„Dann müsstet ihr erst beweisen, dass ihr wirkliche Unruhestifter seid", sagte wieder George.

„Das bedeutet?", fragte Amelia ungeduldig.

„Wenn ihr es schafft, sagen wir, die Schule einen ganzen Vormittag außer Betrieb zu nehmen."

„Dann würden wir das Erbe anerkennen und euch die Karte geben."

Die Zwillinge nickten sich zu.

Amelia starrte sie fassungslos an. „Ihr wollt also, dass wir der Schule einen Streich spielen? Dafür gebt ihr uns die Karte?", fragte sie irritiert.

„Ich glaube sie hat es verstanden, was meinst du, George", sagte Fred Weasley.

„Jep, ich glaube schon, Fred", stimmte sein Bruder ihm zu.

„Wir haben euer Wort, dass ihr die Karte dann rausrückt?", fragte Draco misstrauisch.

„Wenn ihr es schafft, dann ja." Die Weasleys wirkten aufrichtig.

Amelia seufzte „Okay, das ist ein Deal."

Sie löste den Käfig auf und warf den verdutzten Gryffindors ihre Stäbe zu.

„Ihr hört von uns."

„Du glaubst also wirklich, dass sie das machen?", fragte Draco als sie am Abend gemeinsam im Gemeinschaftsraum saßen. Amelia zuckte die Schultern.

„Ich denke ja, aber wir werden es sehen."

„Hat es irgendeinen Sinn zu fragen, woher du deine Zuversicht nimmst?", fragte Draco frustriert und Amelia beugte sich nur vor und drückte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Lippen.

„Wir sollten uns besser überlegen, wie wir das Anstellen. Ich habe mir über Streiche nie den Kopf zerbrochen", sagte Amelia.

Sie steckten die Köpfe zusammen und ihre erste Idee war es Schlaftrank in den Kürbissaft zu kippen. Doch was, wenn etwas passierte, während alle schliefen? Dabei dachte Amelia gar nicht so sehr an Black, als vielmehr an die Dementoren, die vor dem Schloss Wache hielten.

Ihre zweite Idee war es und die war eindeutig auf Dracos Mist gewachsen, Hogwarts mit Stinkbomben zu präparieren, damit die Schüler es nicht in den Klassensälen aushielten. Aber das würde wahrscheinlich nicht lange genug halten.

Den zündenden Gedanken steuerte Neville Logbottom in Zaubertränke bei. Er hatte sich verlaufen und war zu spät zum Unterricht gekommen, wofür ihm Snape eine Unmenge an Hauspunkten abzog. Auf Amelias Lippen schlich sich ein diabolisches Grinsen.

Am Abend kramte sie Voldemorts Buch hervor, bis sie den passenden Zauber gefunden hatte. Sie hatte ihn durch Zufall entdeckt und wusste, dass eine abgewandelte Version davon vor den Katakomben in Malfoy Manor lag. Zweiwegetore. Wer auch immer durch eines von ihnen gehen würde, würde an einem beliebigen anderen Tor wieder herauskommen.

Der Zauber war einigermaßen kompliziert und Draco brauchte fast eine Woche, bis er ihn beherrschte, aber das gab ihnen die Zeit einen Plan zu ersinnen wie sie Dumbledore loswerden konnten. Er würde ihre Zauber zu schnell aufheben.

Wie der Zufall es so wollte, erfuhr Draco das für kommenden Freitagmorgen eine Sitzung des Zaubergamots angesetzt war, zu der Dumbledore als Mitglied ebenfalls gehen würde.

Das hieß, dass Freitag ihr Tag war.

Sie legten einen riesigen Plan der Schule an, auf dem sie alle wichtigen Fadenkreuze markierten und nachts zogen sie los, um ihre Zauber zu verteilen. Sie brauchten zwei Nächte, um alle Zauber zu wirken, aber das war es wert.

Amelia verknüpfte die Zauber alle miteinander, sodass sie ein riesiges Labyrinth ergaben, das auf ihren Befehl entstehen oder sich auflösen würde. Alles hing an einer winzigen Rune aus Vulkangestein. Chaos.

Amelia musste bei dem Gedanken kichern. Es war ein Riesenspaß. Sie hätte nie gedacht, dass sie einmal Streiche aushecken würde. Auch wenn es einem höheren Zweck, als der reinen Belustigung diente.

Am Freitagmorgen gingen Draco und Amelia zum Frühstück in die Große Halle. Sie warteten, bis sie Fred und George Weasley sahen. Amelia grinste ihnen breit zu und aktivierte mit einem Tippen ihres Zauberstabs die Tore.

Danach brach das pure Chaos aus.

Die Tore waren fast unsichtbar und jedes führte an einen anderen Ort. Ging man durch die Tür in den Verwandlungsklassensaal, kam man entweder auf Astronomieturm raus oder vor den Sicherheitstrollen im Gryffindor Turm. Das Portal aus der Großen Halle führte in den Zaubertrankklassensaal oder mitten auf einen Flur im vierten Stock.

Draco und Amelia versteckten sich in einem Geheimgang an einem der Knotenpunkte ihrer Portale und beobachteten durch einen Spalt im Wandvorhang die verzweifelten Schüler wie sie versuchten einen Weg in ihre Klassensäle zu finden.

Amelia kringelte sich vor Lachen, als sie ein paar Ravenclaws darüber diskutieren hörte, wo die Logik hinter diesen Portalen war.

Professor Flittwick versuchte eines der Portale zu verwandeln, doch sie rührten sich nicht vom Fleck. Draco prustete als die verzweifelte Hermine Granger mit Tränen in den Augen durch den Gang hetzte, nur um gleich in das nächste Portal zu treten.

„Ausgezeichnet", sagte Fred Weasley hinter ihnen:

Amelia musste nicht fragen, wie sie sie gefunden hatten.

„Das ist die Arbeit eines Meisters", stimmte George Weasley zu.

„Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, das waren die großen Rumtreiber selbst."

„Das perfekte Chaos."

Amelia und Draco grinsten sich an.

„Wessen Idee war das?", fragte George.

„Ganz die Tochter ihres Vaters", sagte Draco und deutete mit dem Daumen auf Amelia die ein Grinsen wie ein Honigkuchenpferd aufgesetzt hatte.

„So viel Spaß, hätten wir euch Slytherins gar nicht zugetraut", sagten die Weasley-Zwillinge.

Amelia musste kichern.

„Ich würde den Spaß gerne weiter gehen lassen, aber um eins kommt Dumbledore wieder und der wird alles verderben", sagte Amelia.

Draco pflichtete ihr bei. „Also genießt den Spaß, solange ihr noch könnt. Wir machen kurz vorher Schluss", sagte Draco,

„Woher wisst ihr, dass Dumbledore weg ist?"

„Und wann er wiederkommt?", fragten die Zwillinge.

Die Slytherins grinsten sich an. „Geplant meine lieben Weasleys, geplant", sagte Draco selbstzufrieden.

Draußen vor dem Vorhang taumelte eine ganze Gruppe aus einem Portal und sah sich wild fluchend um. Die vier Schüler hinter dem Vorhang begannen zu lachen bei dem Anblick.

„Also meine lieben Missetäter", sagte Fred feierlich.

„Ihr habt euch als würdig erwiesen-"

„Euch Rumtreiber zu nennen."

Die Zwillinge sprachen abwechselnd und warfen sich bedeutungsvolle Blicke zu.

George zog ein Pergament aus seiner Tasche und hielt es wie einen wertvollen Schatz vor sich.

„Hiermit überreichen wir euch-"

„ganz feierlich-"

„Die Karte des Rumtreibers!"

Amelia nahm sie entgegen und fühlte sich fast etwas sentimental.

Sie richtete ihren Zauberstab auf die Karte und sagte feierlich.

„Ich schwöre ich bin ein Tunichtgut"

Mit unendlicher Genugtuung beobachtete sie, wie sich feine Linien auf dem Pergament ausbreiteten.

DIE HOCHWOHLGEBORENEN HERREN MOONY, WURMSCHWANZ, TATZE UND KRONE

HILFSMITTEL FÜR DEN MAGISCHEN TUNICHTGUT GMBH

PRÄSENTIEREN STOLZ

DIE KARTE DES RUMTREIBERS

Amelia strich mit dem Finger über die Namen.

„Danke", sagte sie und ein weiches, warmes Lächeln trat in ihre Züge, wie es außer Draco nur selten jemand zu Gesicht bekam.

Das Mittagessen begann eine Stunde später als gewöhnlich und Amelia hörte, wie sich Dumbledore bei Professor McGonagall beschwerte, den größten Spaß verpasst zu haben. Die Lehrerin für Verwandlung blickte sehr säuerlich drein.

Draco und Amelia hörten sich die Klagen ihrer Mitschüler an und versuchten nicht allzu schadenfroh auszusehen.

Nach dem Nachmittagsunterricht verkrochen sie sich in ihrem Versteck und entfalteten die Karte. Neugierig breiteten sie sie auf dem Boden aus.

Es war der Wahnsinn. Auf der Karte des Rumtreibers waren viele Gänge enthalten, die Amelia nicht kannte. Sie entdeckte allein zwei neue Geheimgänge zum Slytherin Gemeinschaftsraum.

Überall bewegten sich kleine Punkte mit Namen über die Karte und es gab mehrere Gänge aus der Schule hinaus, von denen Amelia nicht mal Gerüchte gehört hatte.

Draco starrte die Karte fasziniert an und deutete auf die Ländereien. Dort am Quidditchfeld waren zwei Namen in den Umkleidekabinen der Slytherins.

Pansy Parkinson und Graham Montague.

Amelia zischte missbilligend.

„Sind sie wieder zusammen?", fragte Draco.

„Sie hat mir verboten ihn im Gemeinschaftsraum an den Eiern aufzuhängen", sagte Amelia. „Er hat ihr irgendwas vorgeheult und sie war bereit ihm alles zu verzeihen. Sie hat mir aber gesagt es sei vorbei."

„Erinnere mich daran dich niemals zu verärgern, Amelia", sagte Draco und musste bei dem Gedanken an Graham lachen.

„Glaubst du sie streiten?", fragte Draco.

„Nein, ich glaube sie schlafen wieder miteinander. Pansy ist nicht sonderlich konsequent", sagte Amelia verärgert.

„Lass sie doch. Wie willst du verurteilen was du nicht mal kennst", sagte Draco und sah Amelia aus blitzenden Augen an.

„Ich verurteile nicht was Pansy tut, sondern mit wem. Graham ist ein Arsch. Er hat sie geschlagen. Wie kann sie das einfach vergessen."

„Amelia, hat dir schon mal jemand gesagt, dass du ein furchtbar schwieriger Mensch bist", fragte Draco und drückte Amelia auf den Rücken. Sein Gesicht war ganz dicht an ihrem.

„Warum kannst du nicht…" Doch Amelia erfuhr nie, was sie nicht konnte, denn sie zog Draco zu sich herunter und küsste ihn.

Sie liebte es Draco zu küssen, es war ein unglaublich gutes Gefühl. Wenn sie seine Lippen spürte und ihr sein unglaublich guter Geruch in die Nase stieg. Sie wollte ihm nahe sein, spüren, dass er bei ihr war. Das sie geliebt wurde. Für Amelia war es wie eine Droge. Sie schlang eines ihrer Beine um ihn und drückte ihn zu sich runter. Draco stöhnte in den Kuss und auch durch Amelias Körper zog sich ein angenehmes Prickeln.

Sie stöhnte ebenfalls, doch Draco rollte sich plötzlich von ihr herunter und atmete keuchend.

„Bei Merlin, weißt du überhaupt was du mir antust?", fragte er.

Amelia wurde leicht rot und legte sich auf die Seite, um ihn anzusehen.

„Nicht wirklich, aber es gefällt mir", sagte sie neckend.

Draco setzte sich auf und stöhnte frustriert. Amelia bemerkte, dass sich eine deutliche Beule in seiner Hose abzeichnete. Ein bisschen schlechtes Gewissen hatte sie schon. Aber auch ihr Körper brannte, so wie sie es noch nie erlebt hatte. Es fühlte sich richtig an.

„Also wie hast du dir das mit der Karte vorgestellt?", fragte Draco ausweichend.

Amelia setzte sich ebenfalls auf. „Ich versehe die Karte mit einem Zauber und sobald der Name Sirius Black auftaucht, gibt sie Alarm. Dann schnappen wir ihn uns."

Pansy schien das neuere Zusammentreffen mit Graham besser verkraftet zu haben als das letzte. Sie kam zu Amelia um sie, um noch einen Verhütungstrank zu bitten und diese sah sie nur missbilligend an.

„Komm schon, Amelia."

„Er wird dir nur wieder wehtun."

„Jeder hat eine zweite Chance verdient", argumentierte Pansy und sah Amelia flehentlich an.

Bis sie ihr eine Flasche gab. Pansy nahm gleich drei und lief rot an.

„Besser als zu Madam Pomfrey zu gehen", sagte Pansy.

Amelia schüttelte missbilligend den Kopf. Sie hätte Graham nie verzeihen können, aber es war Pansys Leben. Sie wollte auch nicht, dass sich jemand in ihre Angelegenheiten mischte.

Nachwort:

Ich finde es passt zu den Zwillingen, dass Amelia die Karte des Rumtreibers erringen muss, indem sie der Schule einen Streich spielt. Amelia ist eigentlich gar nicht der Typ für sinnlose Streiche aber den Zwillingen und sicher auch den Rumtreibern liegt so etwas.