Kapitel 12 – Freund oder Feind
Es dauerte keine Woche bis die Karte des Rumtreibers sich das erste Mal meldete, doch als Amelia sie heraus zog, konnte sie Sirius Black nirgendwo entdecken. Es gab ihr trotzdem Gewissheit, dass er noch in der Nähe war.
Eines Nachts, es war Anfang März, wurde Amelia von Eristik geweckt. Er hielt ihr die heiße und glühend rote Karte auf das Gesicht.
Amelia entfaltete das Pergament und ihr Blick fiel sofort auf einen einsamen Punkt. Sirius Black bewegte sich durch einen Geheimgang, der das Schloss mit den Ländereien verband.
Amelia sprang sofort aus dem Bett und eilte in den Jungenschlafsaal. Alle schliefen und Amelia huschte zu Dracos Bett.
„Draco!", flüsterte sie und schüttelte ihn leicht. Verschlafen öffnete er die Augen.
„Black!", zischte sie und Draco war sofort hellwach.
Er folgte ihr in den Gemeinschaftsraum und Amelia zeigte ihm den Punkt auf der Karte, der sich nun schon im Schloss befand.
„Er geht zum Gryffindor Turm", sagte Amelia
„Wir fangen ihn", beschloss Draco und Amelia nickte. Sie warf den Tarnumhang über sie beide und sie hasteten durch die neu entdeckten Geheimgänge hoch ins Schloss.
Vor dem Zauberkunstkorridor hielten sie inne. Black war nun nahe, sehr nahe.
Amelias Augen verengten sich zu Schlitzen, als sie einen schwarzen Hund um die Ecke kommen sah. Er schnüffelte. Amelia zögerte keinen Augenblick. Der Stupor Zauber schoss mit einem roten Strahl aus ihrem Zauberstab und der Hund brach bewusstlos zusammen.
„Ist das wirklich Black?", fragte Draco und Amelia nickte.
„Ich habe dir doch erzählt, dass sie Animagi waren."
„Wir haben ihn schon mal gesehen", sagte Draco. „Auf den Ländereien erinnerst du dich?
Amelia biss sich auf die Lippen. Sie erinnerte sich.
Sie ließen den Hund in den leeren Zauberkunstklassensaal fliegen.
„Was jetzt?" fragte Draco.
„Jetzt wird sich zeigen, ob das Black ist", sagte Amelia und richtete den Zauberstab auf den Hund knisternde blau-weiße Blitze schossen aus ihrem Stab. Seine Gestalt veränderte sich, schien zu wachsen, bis ein ziemlich dreckiger, verwildert aussehender Mann auf dem Boden vor ihnen lag.
Draco schwang seinen Stab und goldene Fesseln ketteten Black mit den Händen an die Wand. Draco ging auf ihn zu und durchsuchte ihn nach Waffen.
„Der stinkt widerlich", sagte er naserümpfend und zog ein altes verrostetes Messer aus dem zerschlissenen Umhang.
„Das war's." Draco trat einen Schritt zurück.
Amelia versiegelte die Tür und wandte sich wieder dem bewusstlosen Mann zu. Noch konnte sie ihn ans Ministerium ausliefern. Aber nur ein Gedanke an die Dementoren und ihr wurde ganz anders. Sie würde nicht mal ihren schlimmsten Feind den Dementoren ausliefern wollen.
„Enervate", sagte sie laut und Black begann sich zu regen. Gehetzt sah er sich um und sein Blick glitt über Draco und blieb mit Entsetzen an Amelia haften.
„Black." Amelias Stimme klang frostig.
„Nein", flüsterte Back heiser. Seine Stimme klang, als hätte er sie lange nicht mehr benutzt.
Sie blickten sich in die Augen und Amelia versuchte mit ihrer Legilimentik in Blacks Geist einzudringen. Jedoch herrschte dort ein solches Chaos, das es ihr schwer viel, die Bilder zuordnen. Bilder aus der Zeit in Askaban überlagerten sich mit Bildern aus der Gegenwart und der Vergangenheit und ihr wurde schwindlig. Amelia taumelte, als sie sich aus seinem Geist zurückzog. Draco war sofort an ihrer Seite. Der Mann musste dem Wahnsinn nahe sein.
„Beantworte mir nur eine Frage, Sirius Black", sagte Amelia, als sie sich wieder gefasst hatte,
„Warst du der Geheimniswahrer von Lily und James?"
„Was?", fragte Black und seine Augen weiteten sich.
„Du hast genau verstanden", erwiderte Amelia.
„Warum fragst du mich das?", krächzte Black.
„Weil ich der Meinung bin, dass du unschuldig bist", sagte Draco.
Black starrte Draco überrascht an.
„Sie musst du noch überzeugen", fügte Draco hinzu und nickte zu Amelia hinüber.
„Also?", fragte diese unerbittlich.
„Ich habe deine Eltern nicht verraten", krächzte Black und starrte Amelia aus weit aufgerissenen Augen an. Da war etwas in seinem Blick, dass sie überraschte. Hoffnung. Damit hatte sie nicht gerechnet.
Amelia nickte und ging auf Black zu. Sie führ mit ihrem Zauberstab über seinen linken Unterarm, doch nichts geschah. Dann packte sie ihn und flüsterte etwas, doch es tat sich keine Reaktion. Sie trat einen Schritt zurück, Black sah sie überrascht an.
„Er ist kein Todesser", sagte Amelia mit echter Überraschung in die Stimme. Sie trat an Dracos Seite zurück.
„Was hast du gemacht?", krächzte Black.
„Voldemort hat seine Diener gebrandmarkt. Ich habe diesen Zauber studiert, aber du trägst ihn nicht, sonst hätte ich ihn ausgelöst", sagte Amelia.
„Was machen wir jetzt mit ihm?", fragte Draco und beobachtete Black.
„Eine Sache wirst du mir noch beantworten müssen", sagte Amelia an Black gewandt.
„Wie bist du aus Askaban entkommen?", fragte sie.
Sirius Black sah sie überrascht an und etwas an seiner Haltung änderte sich.
„Ihr glaubt mir wirklich, oder?", fragte Black überrascht. Er schien völlig überfordert von der Situation.
„Es gibt noch ein paar ungeklärte Fragen", erwiderte Amelia kühl.
„Amelia", krächzte er und ein warmer Ausdruck trat in seine Augen. „Es tut mir leid, es tut mir alles so leid. Ich habe es nicht gewollt."
Amelias Legilimentik streifte ihn und sie spürte, dass es die Wahrheit war. Zumindest seine Wahrheit. Ihr Herz verkrampfte sich bei dem Gefühl.
„Es ist nicht deine Schuld", sagte sie automaitsch und blickte zur Seite. Draco legte seinen Arm um sie.
„Doch, es ist meine Schuld. Ich habe sie überredet, Peter zu nehmen. Peter war der Verräter, aber ich habe sie dazu überredet. Ich dachte es wäre die perfekte Finte", versuchte Black sich zu erklären. Amelia nickte nur und Draco sagte: „Wir wissen es. Pettigrew war ein Todesser."
„Ist! Ist! Er ist nicht tot. Er Lebt und ist hier auf Hogwarts", rief Black aus und Amelias Kopf schoss hoch.
„Unmöglich!", sagte sie.
„Nicht unmöglich. Er hat all diese Muggel getötet, bevor ich ihn erwischt habe und dann hat er sich einen Finger abgehackt und ist abgehauen", sagte Black aufgebracht und zerrte an seinen Fesseln.
„Wie?", fragte Draco, doch Amelia verstand schneller.
„Eine Ratte. Das war seine Animagusgestalt."
Black nickte bitter und biss die Kiefer zusammen. „Entkommen mit den anderen Ratten im Kanalloch!"
„Wo ist er?", fragte Amelia.
„Er ist im Gryffindor Turm. Ich habe ihn auf einem Bild von den Weasleys im Tagespropheten gesehen. Da saß er auf der Schulter und hat sich gesonnt, während ich in Askaban verrottet bin."
„Woher kam das Bild?", wollte Draco wissen.
„Fudge hat mir seine Zeitung gegeben, da in meiner Brusttasche", sagte Black und Draco griff hinein und holte einen vergilbten Ausschnitt aus dem Tagespropheten heraus.
Amelia spähte über seine Schulter. Auf dem Zeitungsausschnitt war die ganze Familie Weasley zu sehen vor einer Pyramide. Die Überschrift lautete: Beamter des Zaubereiministeriums gewinnt Großen Preis.
Dort, auf der Schulter, von dem jüngsten Weasley Jungen, saß eine Ratte. Sie hatte nur neun Vorderzähen. Das größte Teil, das von Pettigrew gefunden worden war, war ein Finger.
„Fudge hat mir von dem Besuch erzählt", sagte Amelia nachdenklich.
„Wirklich?", fragte Draco und auch Black sah sie überrascht an.
„Beim Weihnachtsball", sagte Amelia erklärend.
„Ich habe dieses Bild gesehen und habe ihn sofort erkannt. Dort stand, er würde nach Hogwarts zurückkehren. Dorthin wo du warst. Du bist alles was von Lily und James übrig geblieben ist." Black sprach immer schneller als hätte er Angst, sie könnten einfach gehen.
„Es war wie eine Besessenheit, in meinem Kopf, die die Dementoren nicht zum Erlöschen bringen konnten. So wie der Gedanke an meine Unschuld der mich quälte. Also schlüpfte ich als Hund aus Askaban heraus. Die Dementoren konnten mich nicht spüren." Seine Stimme überschlug sich fast.
„Ich habe dich gesucht Amelia und dann habe ich diesen Artikel gelesen, dass du bei den Malfoys wärst. Ich habe dich mit dem da auf den Ländereien gesehen." Blacks Kopf ruckte in Dracos Richtung und er hatte einen unheimlich gequälten Gesichtsausruck.
„Wie konntest du das deinen Eltern nur antun?"
Amelia erstarrte. Dracos Hand hatte sich in ihre Schulter verkrampft als Black gesprochen hatte.
Amelia fiel nur eines ein, was sie darauf sagen konnte. Es war das, was sie fühlte. Auch wenn es ihrem Patenonkel nicht gefallen würde.
„Ich gehöre genau hier hin", sagte sie und und drückte Dracos Hand.
Draco drückte sie näher an sich.
„Aber sein Vater ist ein Todesser!", rief Black aufgebracht und zerrte abermals an seinen magischen Ketten.
Amelia biss die Zähne zusammen. Es war eine Tatsache, die sie nicht zugeben durfte.
„Es ändert nichts an dem was ich fühle. Ich gehöre dort hin."
„Das ist Unsinn!", rief Black
„Wäre Draco nicht, hätte ich dich heute, hier und jetzt, noch im bewusstlosen Zustand den Dementoren übergeben und zugeschaut wie sie dich geküsst hätten", sagte Amelia kalt.
„Draco hat dich gerettet" Die Finger ihrer freien Hand verschränkten sich mit Dracos. Black schloss resigniert die Augen
„Ich bin zu spät", sagte er.
„Es gibt kein zu spät", sagte Amelia. „Wir können Pettigrew fangen und es könnte deine Freiheit bedeuten. Dann hätte ich wieder einen Paten, eine Familie."
„Wird es etwas an dem da ändern?", fragte Black und sein Kopf ruckte in Dracos Richtung.
Amelia hob ihre rechte Hand, sodass sie die Narben, die das halb verblasste Blutmal der Malfoys auf ihrer Hand hinterlassen hatte, sehen konnte. „Nein", antwortete sie.
Amelia und Black sahen sich in die Augen und endlich gelang es Amelia mit ihrer Legilimentik etwas in seinem Geist zu lesen. Er war noch immer diffus und unübersichtlich. Aber Black machte sich aufrichtig Sorgen um sie. Er dachte, das was auch Amelia bereits gedacht hatte. Was wenn Draco sie, sollte Voldemort zurückkommen, verraten würde. Es waren ihre tiefsten Ängste. Aber sie wollte wenigstens die Zeit, die ihr noch blieb genießen. Sie wollte nicht daran denken.
„Mr Black", sagte Draco mit kraftvoller Stimme und Amelia und Black erschraken.
„Sie kennen mich nicht. Sie haben mein ganzes Leben im Gefängnis verbracht. Sie verurteilen mich aufgrund meines Vaters, aber möchten Sie selbst, an Ihrem Vater gemessen werden?"
Black starrte Draco überrascht an.
„Ich, würde es nicht wollen", schloss Draco und schwang seinen Zauberstab. Blacks Fesseln verschwanden und er stolperte zu Boden.
Die beiden Zauberer blickten sich an, bis Black irgendwann nickte. Draco erwiderte die Geste. Amelia seufzte innerlich. Ob das gut ging?
„Was jetzt?" fragte Black.
„Wir müssen Pettigrew fassen", erwiderte Amelia und zog die Karte des Rumtreibers heraus, um sie auf dem Boden auszubreiten.
„Woher hast du die?", fragte Black überrascht.
„Von ein paar Rumtreibern, Tatze", lachte Amelia.
Black sah sie überrascht an.
„Gibt es etwas, dass ihr nicht herausgefunden habt?"
„Machen Sie sich nichts draus, Mr Black", sagte Draco. „Es ist unmöglich etwas vor ihr zu verbergen. Man gewöhnt sich mit der Zeit daran."
Black musste lachen und es klang wie das Bellen eines Hundes.
„Nennt mich Sirius, ich bin noch nicht so alt"
Jetzt musste auch Amelia lächeln. Er wirkte fast wieder menschlich.
„Also wie bekommen wir Pettigrew?" fragte sie.
„Ich habe hier die Passwörter für den Gryffindor Turm", sagte Sirius und holte einen Zettel heraus. „Ich wollte hinein schleichen und ihn mir schnappen."
Amelia studierte sorgsam die Karte und deutete auf den Gryffindor Turm.
„Ich sehe ihn dort nicht."
„Die Karte hat Lücken. Kleine, winzige Lücken", erklärte Black. „Es wird nicht gezeigt wer sich in den Schlafsälen befindet oder hier, in der Hütte des Waldhüters und auf der Krankenstation haben wir auch eine Lücke. Der hintere abgesperrte Teil ist nicht auf der Karte."
„Gibt es sonst noch Lücken?", fragte Draco missmutig.
„Das wären alle. Peter kennt sie natürlich auch. Aber er weiß nicht, dass wir die Karte haben. Die Wahrscheinlichkeit ist am größten, dass er sich noch im Gryffindor Turm befindet. Es ist das ideale Versteck."
„Wir sollten erst mal von hier verschwinden. Nicht das uns am Ende noch Peeves oder Filch finden", sagte Amelia, faltete die Karte zusammen „Unheil angerichtet."
„Ich gehe in den Turm", sagte Black mit knurrender Stimme. „Pettigrew ist schon viel zu lange hier herumgeschlichen."
„Dann kommen wir mit", sagte Amelia doch Black schüttelte den Kopf.
„Auf keinen Fall. Ich will nicht riskieren, dass man euch mit mir in Verbindung bringt. Falls sie mich erwischen, müsst ihr Pettigrew fangen."
„Dann lass besser uns gehen", sagte Draco. „Wir bekommen maximal eine Strafarbeit und keinen Dementorenkuss."
„Nein, er gehört mir. Ich habe nicht elf Jahre in Askaban verbracht, um meine Rache dann jemand anderem zu überlassen", knurrte Black.
„Wenn du Pettigrew umbringst, dann wirst du deine Unschuld nicht beweisen können. Wir brauchen ihn lebend", sagte Amelia unwirsch.
„Ich gehe allein", beharrte Sirius.
Amelia seufzte tief und zog einen zweiten Zauberstab aus ihrem Umhang, den sie Sirius zuwarf. Dieser fing ihn mit überraschter Miene auf.
„Wehe du lässt dich umbringen", sagte Amelia.
Black musterte ehrfürchtig den Zauberstab und ließ ihn einmal probeweise durch die Luft schwingen.
„Warum?", fragte er mit krächzender Stimme.
Amelia sah zu Draco und dieser zuckte die Schultern, bevor er sich an Sirius wandte: „Du bist mein Großonkel und Amelias Patenonkel. Du bist Familie."
„Ich danke euch."
„Nimm mit uns Verbindung auf, wenn du Pettigrew erwischst."
„Ich werde in dem Gang unter der peitschenden Weide auf euch warten, wenn ich ihn fange. Du wirst ihn auf der Karte finden. Wenn nicht, treffen wir uns an der Heulenden Hütte", versprach Black und verwandelte sich in einen großen schwarzen Hund.
Draco und Amelia schlichen zurück in den Gemeinschaftsraum.
„Glaubst du, das war so eine gute Idee ihn allein gehen zu lassen?", fragte Draco, als sie sich auf das Sofa vor dem Kamin setzten.
Amelia kuschelte sich an Draco. Ihr war fürchterlich kalt. Sie war nur mit einem Morgenmantel und Hausschuhen bekleidet durch das kalte Schloss gelaufen.
„Ich glaube nicht, dass er es zugelassen hätte, dass wir mitkommen", erwiderte Amelia.
„Mit etwas Glück, musst du nicht mehr zu den Dursleys zurückkehren."
Das war ein schöner Gedanke, aber leider nicht allzu leicht umzusetzen.
„Auf den Dursleys liegt ein Blutschutz, sonst hätte ich nicht all die Jahre dort so unbehelligt leben können. Selbst wenn Sirius entlastet wird, werde ich die Dursleys wohl nicht so schnell loswerden", sagte Amelia
„Dein Leben ist irgendwie kompliziert, Amelia", stöhnte Draco und strich ihr durch die Haare.
„Sagt der mit den Geistern im Kopf", kicherte Amelia. „Aber wenn wir schon dabei sind. Du musst dich vor Dumbledore in Acht nehmen."
„Warum? Was hat der alte Zausel damit zu tun?"
„Er ist mächtig, Draco. Unterschätze ihn nicht. Solange du deine Okklumentik nicht weit genug unter Kontrolle hast, um sie jederzeit aufrecht zu erhalten, darfst du Dumbledore nicht in die Augen sehen. Du musst dich darauf konzentrieren deine Gedanken vor ihm zu verbergen, wenn du ihn ansiehst", sagte Amelia mit warnender Stimme.
„Was genau meinst du?", fragte Draco verwirrt.
„Vertrau mir einfach, okay?"
Draco stöhnte genervt auf. „Ich hasse es, wenn du das…" Doch Amelia ließ ihn nicht aussprechen, sondern drückte ihm ihre Lippen auf den Mund und kletterte auf seinen Schoß. „Ich liebe dich, Draco Malfoy", sagte sie und drückte sich an ihn.
Draco knurrte etwas, das verdächtig nach „Manipulatives Stück", klang und erwiderte den Kuss stürmisch. Seine Hand strich über ihr nacktes Bein und wanderte hinauf unter ihr Nachthemd.
„Und du machst mir Vorwürfe!"
Draco und Amelia fuhren auseinander und blicken zu den Jungenschlafsälen, dort stand Pansy Parkinson in ihrem Morgenmantel und hatte die Hände in die Hüften gestemmt.
„Pansy, verschwinde", sagte Draco und drückte seine Hand an Amelias Hintern.
„Keine Chance", erwiderte Pansy. „Amelia ist noch viel zu unverdorben!"
Draco schnaubte abfällig und Amelia musste kichern.
„Warum schläfst du nicht?", fragte Amelia.
„Das könnte ich euch genauso fragen", schoss Pansy zurück.
„Na dann komm." Amelia befreite sich aus Dracos Griff und stand auf.
„Was ist mit mir?", rief dieser gespielt schmollend.
„Keine Chance", flötete Pansy und ging mit Amelia zu den Mädchenschlafsälen. Die Mädchen kicherten als Draco gespielt aufstöhnte.
„Du klaust mir meine Freundin, Pansy", rief er ihnen hinterher.
Als Amelia am nächsten Tag auf die Karte blickte war Sirius nirgends zu erkennen und in der großen Halle sprachen alle davon, das Sirius Black in den Gryffindor Turm eingebrochen war nur um erneut zu entkommen.
Die Gryffindors erzählten wild durcheinander und Ron Weasley berichtete wie er aufgewacht sei und Sirius Black über seinem Bett gestanden hatte.
Vor Zaubertränke fing Amelia ihn ab. Die Slytherins bauten sich vor ihm auf und Weasley wurde sichtlich blasser.
„Was wollt ihr?", fragte er trotzig, als Amelia und Draco ihm in den Weg traten.
Er reckte mutig das Kinn und ballte die Fäuste. Vincent und Gregory, die in ihrer Nähe standen knackten bedrohlich mit den Fingern.
Aber das war gar nicht nötig, denn selbst Draco war, wenn auch genauso groß wie der Weasley viel kräftiger und muskulöser. Was er wohl dem ganzen Fechttraining und Quiddich zu verdanken hatte. Amelia tat der Junge fast leid, wie er da stand und schon dachte gleich verprügelt zu werden. Seamus Finnigan und Dean Thomas schlossen zu ihrem Freund auf.
Amelia warf einen Blick in Weasleys Augen und in seinen Geist. Das war alles was sie brauchte.
„Wir wollen uns nur erkundigen, ob Black auch alles dran gelassen hat", schnarrte Draco und in diesem Augenblick kam Professor Snape. Die Slytherins ließen die Gryffindors ziehen.
„Was hast du gemacht?", fragte Draco leise als sie ihre Kessel aufbauten.
„Pettigrew ist nicht mehr im Gryffindor Turm. Weasley glaubt er sei tot. Aber er hat sich sicher woanders verkrochen", flüsterte Amelia, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass keiner zuhörte.
Draco nickte und seine Lippen formten „Nachher."
Amelia und Draco heckten Pläne aus, wie sie Pettigrew fangen konnten oder ihn herauslocken, aber wie fing man eine ängstliche kleine Ratte? Amelia beschloss in die Krankenstation zu gehen und dort nach ihm zu suchen, schließlich hatte ihr Madam Pomfrey angeboten vorbei zu kommen. Außerdem schickte sie auch Eristik los nach der Ratte zu suchen. Schließlich hatte er sich bei der Kammer des Schreckens als findiger kleiner Spion erwiesen.
Nebenbei hatten sie noch genug mit Hausaufgaben zu tun, denn die Prüfungszeit begann bald und die Lehrer waren der Meinung, dass es nicht ausreichte, etwas zu können und gaben ihnen fast meterlange Aufsätze zum Schreiben auf, damit sie ihre Osterferien bloß nicht genießen konnten.
Die Tage verstrichen, doch Pettigrew blieb verschwunden und auch Sirius bekamen Amelia und Draco nicht zu Gesicht. Was an sich ein gutes Zeichen war.
„Spätestens in Hogsmeade wird er wieder Kontakt mit uns aufnehmen schätze ich mal", sagte Draco während er Amelias Stupor Zauber an die nächste Wand lenkte.
„Dann sollten wir schauen, dass wir allein zur Heulenden Hütte gehen", antwortete Amelia und beschwor zwei Blitze die bogenförmig auf Draco zurasten und es ihm unmöglich machten sie zu parieren. Er blockte einen mit einem Zauber und bückte sich unter dem Zweiten hindurch, während er nun seinerseits zum Angriff ausholte.
Amelia blockte den Entwaffnungszauber mit einem Protego ab, doch schon flog der nächste Zauber auf sie zu.
Sie sprang zur Seite und es gab einen lauten Knall. Plötzlich sah sich Draco drei Gegnerinnen gegenüber. Die drei Amelias scheuchten Draco mit ihren Zaubern einmal durch den Raum und gaben ihm keine Möglichkeit einen Gegenangriff zu starten.
Ein schwacher Schneidfluch erwischte Draco am Bein und er wäre fast gestolpert doch anstatt sich zu verteidigen machte er eine peitschende Bewegung und Amelia wurde gegen die Wand geschleudert. Magische Fesseln ketten sie an die Wand und ihr Zauberstab fiel zu Boden. Die Doppelgängerinnen zerplatzten.
„Geht doch", feixte Draco.
„Woher wusstest du, welche die Richtige ist?", fragte Amelia schmollend.
„Das Original ist immer am schönsten", sagte er und küsste sie.
Amelia musste in den Kuss grinsen.
„Wie wäre es, wenn du mich befreist?"
„Darf ich dich nicht noch was hängen lassen? Ist eigentlich ganz schön", grinste Draco und verlagert sein Gewicht von dem blutenden Bein. Schmerzhaft verzog er das Gesicht.
„Ich verfluche deine Schnelligkeit, Amelia", sagte er und löste ihre Fesseln.
Amelia bückte sich nach ihrem Zauberstab.
„Dann lass mal sehen", sagte sie und Draco ließ sich auf das Sofa fallen, welches Amelia beschworen hatte, als sie hier übernachtet hatten.
Amelia kniete sich vor ihn hin und untersuchte den Schnitt. Dann fuhr sie mit ihrem Zauberstab sacht über die Wunde und sie schloss sich augenblicklich wieder, ohne auch nur eine Narbe zu hinterlassen. Ein weiterer Zauber ließ die Hose wieder zusammenwachsen.
„Wie machst du das alles?", fragte Draco.
„Durch Zauberei, Draco", sagte Amelia kichernd und setzte sich neben ihn.
„Du weißt was ich meine. Es gibt erwachsene Zauberer, die eine Verletzung nicht so perfekt heilen können wie du", sagte Draco und sah sie aus unergründlichen Augen an.
„Ich habe die Erfahrung von Jahrhunderten meiner Vorfahren bekommen, aber trotzdem gewinne ich nur die Hälfte aller Duelle gegen dich."
„Es gibt in der Magie nur eine Regel. Sie fliest in alles ein was ich tue", sagte Amelia. „Wille, Macht, Konzentration."
„Wie kann ich das Verstehen?", fragte Draco. „Es hört sich nicht sonderlich spektakulär an."
„Draco, wann hast du dich dazu entschieden Duellieren zu lernen?", fragte Amelia und legte ihren Kopf in Dracos Schoß, sodass sie von unten in sein Gesicht sehen konnte.
„Das war an Weihnachten letztes Jahr. Ich habe mich echt scheiße gefühlt als die Gryffindors mich einfach so überwältigt haben und du mich dann auch noch gerettet hast. Das hat mich fertig gemacht", gestand Draco und wickelte eine von Amelias Haarsträhnen um seinen Finger.
„Damals war ich bereits eine starke Okklumentor. Ich habe Okklumentik gelernt als ich elf war. Ich glaube das war es, was mich so stark gemacht hat. Okklumentik ist eine Lebenseinstellung."
„Wie meinst du das? Es ist doch nur ein Zauber."
„Es hat mich Disziplin gelehrt, Draco. Ich habe gelernt mich in jeder Situation und unter allen Umständen zu konzentrieren, alles auszublenden und meinen Willen zu bündeln. Ich habe es praktisch gelernt, bevor ich wirklich gelernt habe zu zaubern und es ist in alles was ich tue mit eingeflossen. Wille, Macht, Konzentration sind die Grundlage jedes Zaubers."
„Das hat Snape gesagt, oder? Er hat dich unterrichtet", sagte Draco nachdenklich und Amelia widersprach.
„Ja und noch mehr. Ich habe nicht alles Wissen von Snape. Ich habe die Grundlage für das Verständnis von dunkler Magie von einem anderen Ort."
Amelia stand auf und kramte in ihrer Tasche. Nach einiger Zeit zog sie ein in Leder gebundenes abgegriffenes Buch heraus. Magie ist Macht stand darauf. Sie reichte es Draco und dieser schlug es auf.
„Da steht gar nichts drinnen", sagte Draco und blätterte durch die Seiten.
„Ich habe es zu meinem zwölften Geburtstag bekommen. Ich weiß nicht von wem, aber es kann nur einem ehemaligen Todesser gehört haben", erwiderte Amelia und nahm das Buch an sich. „Es ist verhext. Damit es nur eine ganz bestimmte Person, und zwar jene die es geschrieben hat, es auch lesen kann."
Draco sah sie irritiert an und wollte schon etwas sagen, doch Amelia sprach weiter.
„Es ist von Voldemort."
Draco zuckte bei dem Namen zusammen und starrte sie entsetzt an.
„Es ist wie mit allem anderen. Ich kann seine Magie für mich nutzen, und seine Geheimnisse enthüllen, da er etwas von seiner Macht in mir zurückgelassen hat. Ein Stück seiner Seele."
„So ähnlich wie mit mir und dem Patronus?", fragte Draco.
„Ich bin mir nicht sicher. Aber es könnte ähnlich sein", gestand Amelia.
„Ist er deshalb nicht gestorben als er dich angegriffen hat? Ist er deshalb noch existent, unfähig wirklich zu leben, so wie du ihn im ersten Jahr getroffen hast?"
„Ich glaube schon."
„Was ist, wenn du dieses Seelenstück einfach aus dir herausholst. Müsste er dann nicht sterben?", überlegte Draco.
„Ich weiß es nicht. Das ist Magie die weit über dem erforschten Stand liegt. Solche Magie wird normalerweise nicht mehr benutzt, sie ist lange ausgestorben."
„Du hast sie für den Talisman benutzt", sagte Draco.
„Die Inspiration hatte ich ebenfalls von hier", sagte Amelia und hob Voldemorts Buch hoch.
„Wir könnten es versuchen, oder?", fragte Draco.
Amelia schluckte und verstaute das Buch wieder.
„Ich habe auch schon darüber nachgedacht", gestand sie und blieb am Tisch stehen, Draco den Rücken zugewandt.
„Aber jede Möglichkeit dieses Seelenfragment aus mir heraus zu holen, hat meinen Tod zur Folge." Amelias Hände begannen zu Zittern.
„Ich werde nie von ihm los kommen. Ich werde mein Leben lang Angst haben müssen, dass er zurückkehrt. Bis ich sterbe."
Draco schlang seine Arme um sie und sie lehnte sich an ihn.
„Das ist Unsinn. Wir sind noch jung. Wir werden eine Möglichkeit finden, wir dürfen nur nicht aufhören zu suchen."
„Ich hoffe es, Draco. Ich hoffe es wirklich."
Es war einer der ersten wärmeren Tage im Jahr und der meiste Schnee war geschmolzen, als sie sich auf den Weg nach Hogsmeade machten. Draco zeigte Amelia den Honigtopf und diese war ganz begeistert von den Haselnussmäusen aus Schokolade. Danach bummelten sie durch den Ort und behielten ihre Umgebung im Blick. Schließlich setzten sie sich zu einem Butterbier in den Drei Besen. Das auffällige war, dass wo immer Amelia hin ging, Severus Snape in ihrer Nähe war. Amelia glaubte nicht, das Snape der Typ Lehrer war, der sich in den Drei Besen setzte. Amelia gegenüber hatte er ein paar Mal vom Eberkopf gesprochen.
„Wir müssen ihn abhängen", flüsterte Draco.
„Ich habe den Tarnumhang dabei. Wir müssen ihn nur in Sicherheit wiegen", sagte Amelia.
„Du denkst an die Doppelgänger, oder?", fragte Draco und Amelia nickte. „Ich gehe auf die Toilette und schicke meinen Doppelgänger zurück. Warte einen Moment, bevor du nachkommst, dann erschaffe ich einen von dir", sagte Amelia und stand auf.
Es funktionierte besser als erwartet. Ihre lebensechten Doppelgänger setzten sich an ihre Plätze vor die halbvollen Butterbiergläser und Amelia ließ sie ein geflüstertes Gespräch führen. Keinem würde auffallen, dass sie die ganze Zeit über das gleiche sprachen.
Als die Tür sich öffnete, huschten sie unter Amelias Tarnumhang aus dem Pub.
Die heulende Hütte lag sehr entlegen und etwas abseits vom Ort. Ein guter Treffpunkt, wenn auch für Amelias Geschmack zu beliebt bei den Hogwarts Schülern, um hier unentdeckt zu bleiben.
Ein großer schwarzer Hund erwartete sie schon, als sie sich den kleinen Hügel hochgekämpft hatten.
Er schnüffelte herum als Draco und Amelia sich näherten.
„Lass uns woanders hingehen", sagte Draco, als sie dicht neben Sirius standen und der Hund bellte freudig bevor er davonrannte.
Sie schlüpften durch eine Lücke im Zaun und kletterten durch ein zerborstenes Fenster in das Innere der Hütte.
Sirius führte sie durch eine Falltür im Boden, bevor er seine tierische Gestalt aufgab.
„Dachte schon ihr kommt nicht", sagte Sirius und lehnte sich an die Wand.
„Snape bewacht Amelia mit Argusaugen. Wir mussten ihm erst entkommen", sagte Draco und kramte in seinem Drachenlederbeutel, den er immer bei sich trug.
„Schnifelus hat schon immer Ärger gemacht", sagte Sirius abfällig und Amelia horchte auf bei dem Spitznamen.
„Wir haben dir was anderes zum Anziehen mitgebracht", sagte Draco und kramte ein Bündel heraus.
„Was zu essen wäre mir lieber", erwiderte Sirius und Amelia grinste.
„Daran haben wir auch gedacht", sagte sie und reichte ihm einen großen Beutel mit Essen, den sie in Hogwarts eingepackt hatten. Angeblich um es in Hogsmeade zu essen.
„Ist leider nichts Warmes dabei"
Mit glänzenden Augen machte sich Sirius über die Wurstbrote her. „Ihr seid die Besten"
„Was hast du vor wegen Pettigrew zu unternehmen?", fragte Draco. „Er ist nicht mehr im Gryffindor Turm."
„Ich weiß, er hat seinen Tod wohl vorgetäuscht", sagte Sirius mit vollem Mund.
„Sicher, dass ihn der Kater nicht gefressen hat?", fragte Amelia.
„Ganz sicher. Der arbeitet nämlich für mich. Er hat versucht mir Peter zu bringen, aber es ist ihm nicht gelungen."
„Ich habe mich bei Madam Pomfrey in der Krankenstation eingenistet. Sie unterrichtet mich in Heilzaubern. Sie denkt ich hätte ein besonderes Talent dafür und ist ganz begeistert", sagte Amelia. „Ich habe ihn dort bis jetzt nicht gefunden."
„Das hast du sicher von deiner Großmutter. Dorea Potter war Heilerin im St. Mungos."
Amelia zuckte mit den Schultern. „Heilen ist interessant", sagte sie.
„Ich suche Peters Fährte jede Nacht, aber in der Schule laufen so viele Leute herum, dass es nicht sonderlich einfach ist, ihr zu folgen."
„Wenn er noch im Schloss ist, könnte Amelia ihn mit der Karte des Rumtreibers suchen. Du könntest sie so verzaubern wie bei Black und wir würden ihn irgendwann erwischen", sagte Draco, doch Amelia hörte gar nicht zu.
Sie hatte die Augen geschlossen und konzentrierte sich auf die Doppelgänger. Pansy und Graham hatten sich gerade zu ihnen gesetzt und fingen ein Gespräch an.
Draco berührte Amelia am Arm
„Amelia, alles gut?", fragte er.
„Wir müssen zurück", sagte sie hektisch. „Sonst fliegen wir auf. Ich habe uns jetzt aufs Klo gehen lassen, aber da kann ich uns nicht ewig verstecken."
„Wie viel Zeit haben wir?", fragte Draco alarmiert.
„Keine. Die Doppelgänger sind nicht zum Sprechen geeignet, sie sind allenfalls leidliche Kopien."
„Was ist passiert?", fragte Sirius und stand auf.
„Wann anders, wir müssen weg. Wo treffen wir uns wieder?", fragte Draco.
„Nehmt den Gang unter der Peitschenden Weide, er führt direkt hier hin. Aber benutzt ihn nur im äußersten Notfall, ich habe kein anderes Versteck."
„Gut", sagte Draco und zerrte Amelia mit sich.
Sie rannten den Berg hinunter und kamen keuchend im Drei Besen an. Amelia ließ ihren Doppelgänger die Türe für sie öffnen.
Völlig außer Atem setzten Draco und Amelia sich wieder an den Tisch.
„Ihr habt echt Nerven", sagte Graham und schlug Draco auf den Rücken. Pansy lief rot an und musste kichern.
„Ein Glück, das euch Madam Rosmerta nicht erwischt hat", kicherte Pansy.
„Da kann ich mir schlimmeres vorstellen", grinste Graham und schaute der Pubbesitzerin hinterher. Seine Augen fest auf ihren Hintern geheftet.
Amelia dämmerte langsam, worauf die Beiden hinaus wollten und sah Draco an. Dieser konnte sich ein zweideutiges Grinsen nicht verkneifen und Amelia verdrehte genervt die Augen.
Nachwort:
Amelia kann für Sirius niemals das gleiche bedeuten wie für Harry. Sie ist viel zu erwachsen. Zu sehr versunken in die Dunklen Künste, viel zu Slytherin um jemals James Abbild zu werden. Sie kann für Sirius nur James Tochter sein und zu dieser Person muss er noch eine Beziehung aufbauen.
Aber wir wissen schließlich schon aus den Büchern, das Sirius nie allen seinen reinblütigen Einstellungen entkommen ist. Siehe Kreacher. Es ist schwer Erziehung abzutrainieren. Für ihn wird diese Welt zu einem viel größeren Spießrutenlauf werden als an der Seite von Harry.
