Kapitel 5 – Das Trimagische Turnier
Als Amelia in den Schlafsaal kam, waren die anderen schon da. Tracy hatte, wie immer, die Vorhänge zu ihrem Bett zugezogen, damit keiner auf die Idee kam, sie zu belästigen.
„Wo warst du so lange?", fragte Pansy spitz als Amelia Eristik streichelte.
„Unterwegs", sagte Amelia und verschwand ins Bad.
„Du hast echt was verpasst", rief Daphne ihr hinterher.
„Was denn?", erkundigte sich Amelia.
„Graham und Warrington haben sich geprügelt", sagte Daphne.
Amelia schnaubte als sie zurück in den Gemeinschaftsraum kam.
„Dann hat Graham endlich herausgefunden, dass Warrington Pansy vögelt?", erkundigte sie sich trocken und Pansy wurde rot.
„Sei du mal ganz still, Amelia", sagte Pansy schrill. „Du lässt dich auch von Draco ficken."
„Das kannst du nicht wissen", sagte Daphne ärgerlich.
„Und es geht dich noch weniger an", sagte Amelia und schlüpfte unter die Bettdecke.
„Willst du es etwa bestreiten? Du trägst den Beweis doch um den Hals", sagte Pansy.
Amelias Hand fuhr unwillkürlich zu dem Abortus-Amulett, das Mrs Malfoy ihr gegeben hatte und sie verzog missbilligend die Lippen.
„Es geht dich nichts an, Pansy", sagte Amelia stur.
„Du tust immer so unschuldig, dabei verdrehst du allen Männern in deiner Umgebung den Kopf.", kreischte Pansy.
„Ich hab keine Ahnung, wovon du sprichst."
Pansy holte die Hexenwoche heraus und reichte ihr einen Artikel.
Ein großes Bild von Lorcan D'Eath zierte die Seite. Der Sänger grinste, sodass seine Vampirzähne zu sehen waren und zwinkerte Amelia zu, als sie den Artikel an sich nahm.
Es war ein Interview, in dem Lorcan über sein neues Album sprach.
Amelia überflog den Text, konnte aber nichts Außergewöhnliches daran finden.
„Und was soll damit sein?", fragte Amelia irritiert.
„Hast du es nicht gelesen?", fragte Pansy patzig.
„Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst."
Unwirsch schüttelte Pansy die Zeitschrift und begann vorzulesen.
„Reporter:
In ihrem neuen Album Schattenbraut singen sie sehr oft von einer Frau. Ist das eine fiktive Person oder hat sie einen realen Hintergrund?
Lorcan:
Haben sie schon jemanden im Kopf? Nein, Scherz beiseite. Es gibt eine reale Hexe, die mich zu meinen Liedern inspiriert hat. Aber bevor nun die Gerüchteküche überkocht. Ich halte an meinem Singleleben fest.
Reporter:
Ihre Hitsingle heißt Amelia. Können wir davon ausgehen, dass das der Name besagter Hexe ist oder ist es nur eine Andeutung um den Inhalt des Liedes, weil Amelia die Geliebte bedeutet?
Lorcan:
Wenn ich das verraten würde, würde ich doch die ganze Spannung ruinieren. Ich glaube dazu müssen sie sich ihren Teil denken."
Pansy musterte Amelia scharf und diese zuckte mit den Achseln.
„Es gibt unendlich viele Frauen, die Amelia heißen. Das ist nicht gerade ein seltener Name. Amelia Bones zum Beispiel ist eine Ministeriumshexe. Sie leitet die Abteilung für magische Strafverfolgung."
Doch Pansy schnaubte nur.
„Hast du dir mal das neue Album angehört?", fragte Millicent sie.
„Nein. Du kennst mich doch, ich mach mir da nicht viel draus."
„Das solltest du mal tun. Er singt von einer Prinzessin mit einem Herz aus Eis. Von schwarzem Haar und einem Blick wie der Todesfluch, der bis in die Seele eindringt und alle Gefühle in einem Leichnam weckt. Nur um ihn zu verlassen und mit einem güldenen Ritter ins Licht zu reisen, an einen Ort, wo sie unerreichbar ist, wo das Dunkel sie nicht erreicht, obwohl das Kleid der Dunkelheit sie am besten ziert."
Amelia bekam ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Zu gut erinnerte sie sich an ihre kurze Begegnung mit dem Sänger. Sie hatte nicht weiter daran gedacht. Es war ihr zu unwichtig erschienen.
„Das hat nichts mit mir zu tun", sagte Amelia.
Doch Millicent beugte sich unter ihr Bett und schob mehrere Stapel mit Zeitschriften zur Seite, bis sie ein besonders zerfleddertes Exemplar herausholte.
Es war die Ausgabe vom Januar und auf der Vorderseite war ein Bild von Lorcan D'Eath, wie er auf dem Weihnachtsball der Malfoys auftrat.
Millicent blätterte es durch, bis sie zu einer Seite mit einem großen Bild von Amelia kam. Amelias Ebenbild blickte ihr arrogant von der Seite entgegen. Amelia musste feststellen, dass sie am Weihnachtsball wirklich ziemlich hübsch ausgesehen hatte und vor allem bestimmt fünf Jahre älter, als sie wirklich gewesen war.
„Sie haben alle möglichen Leute befragt, was sie von Amelia, dem Mädchen, das überlebt hat, halten und weißt du was Lorcan sagt?", fragte Millicent und las vor. „Sie wirkt kalt wie Eis aber in ihr brennt ein Feuer, dass uns noch alle überraschen wird."
„Selbst, wenn ich gemeint sein sollte? Was kann ich dafür, dass ein Sänger Lieder über mich dichtet?", fragte Amelia ärgerlich.
„Du hast Draco, warum bezirzt du auch die anderen Männer. Sogar Graham redet von dir", sagte Pansy und Amelia zog scharf die Luft ein. Jetzt kamen sie dem ganzen schon näher, warum Pansy so wütend war.
„Ich habe nie etwas mit Graham zu tun gehabt. Ich bin ihm nicht mal nahegekommen", sagte Amelia.
„Weißt du, dass das nichts ändert. Sie starren dir sowieso alle hinterher."
„Daphne starren sie noch viel mehr hinterher."
„Das ist was Anderes. Daphne ist ein wandelnder Männertraum, auch wenn sie jeden zurückweist, der ihr auch nur auf zweihundert Meter zu nahekommt. Aber du, du bist nicht viel schöner als ich. Du bist nur berühmt!"
„Ach Pansy", sagte Amelia und setzte sich neben sie. „Sie alle haben keine Ahnung, wer ich bin und wenn sie es erfahren würden, würden sie in Panik fliehen. Ich bin keinerlei Konkurrenz für dich. Graham will nur das, was er nicht haben kann."
Pansy sah Amelia zweifelnd an. „Sag Graham einfach, dass es dich verletzt anstatt ihn mit Warrington zu betrügen. Das bringt dich auch nicht weiter."
„Warum kannst du mich nicht einfach anschreien und beschimpfen", sagte Pansy mit zusammengekniffenen Lippen. „Du bist immer so unglaublich korrekt und verständnisvoll. Das ist schrecklich."
Amelia stand auf und lächelte kalt. „Weil schreien nicht meine Art ist, du kennst mich doch."
Pansy seufzte frustriert. „Manchmal hasse ich dich dafür."
Bald darauf verkündete ein Aushang, dass die Abordnungen von Beauxbatons und Durmstrang am 30. Oktober ankommen würden und das Schloss wurde auf Hochglanz gebracht. Alte Gemälde wurden restauriert, bis ihre Insassen zeterten und die Rüstungen wurden geölt, sodass sie nicht dauernd quietschten wenn sie sich bewegten.
Als sie am Morgen zum Frühstück in die große Halle kamen, war sie bereits festlich geschmückt. Über jedem der Haustische war eine Flagge in seiner Farbe mit ihren Wappentieren aufgehängt worden, während über dem Lehrertisch ein Banner mit dem Hogwarts Wappen hing.
Nach dem Unterricht versammelten sie sich in der Eingangshalle und Professor Snape musterte sie mit Argusaugen. Eine Zweitklässlerin stauchte er zusammen, weil sie ein rosa Haarband trug und Vincent sollte die Schultern nicht so hängen lassen.
Die Erstklässler voran, gingen sie hinaus auf die Ländereien, um die Ankunft der anderen Turnierteilnehmer abzuwarten.
Zuerst kamen die Beauxbatons in einer gewaltigen fliegenden Kutsche, die von riesigen, elefantengroßen Pferden gezogen wurde. Die Schüler trugen hellblaue Schuluniformen, die alle sehr dünn zu sein schienen, denn manche hatten sich in dicke Schals gewickelt.
Am meisten überraschte Amelia jedoch Madam Maxime – die Schulleiterin. Sie dürfte Hagrid, der ein Halbriese war, noch einmal um ein paar Köpfe überragen, jedoch war ihr Aussehen tadellos gepflegt und sie lächelte den Schülern entgegen, als sie ein heftiger Applaus begrüßte.
„Ah, Dumbly-dorr. Isch 'offe, Sie befinden sisch wohl?", begrüßte sie Dumbledore.
Die Beauxbatons Schüler eilten frierend ins Schloss, während die Hogwarts Schüler auf den immer dunkler werdenden Ländereien darauf warteten, dass auch die Durmstrangs ankamen.
Die Sonne war bereits untergegangen, als aus dem See ein gewaltiges Schiff auftauchte. Es erinnerte etwas an ein altes Schiffswrack. Die Schüler von Durmstrang trugen, im Gegensatz zu den Beauxbatons, schwere grobe Fellmäntel. Nur ihr Schulleiter war in einen glänzenden Pelz gekleidet. Dumbledore begrüßte ihn als Professor Karkaroff und Draco zischte Amelia hinter vorgehaltener Hand zu. „Er war mal bei uns zu Gast. Igor Karkaroff."
Amelia wollte gerade nachfragen, doch Draco hörte sie wohl schon nicht mehr. Denn Viktor Krum, der Star der letzten Quidditch-Weltmeisterschaft ging in einer Durmstrang Schuluniform an ihnen vorbei. Überall brandete aufgeregtes Getuschel los.
Die Hogwarts Schüler gingen nun ebenfalls in die große Halle und Amelia beobachtete kopfschüttelnd, wie Pansy und Millicent sich um eine Feder kabbelten. „Ich brauche unbedingt ein Autogramm von Krum", quietschte Pansy aufgeregt.
Als alle Schüler saßen, standen die Durmstrangs noch immer ratlos in der Eingangstür. Die Beauxbatons hatten sich an den Ravenclaw Tisch gesetzt.
Als die Durmstrangs nun näher kamen machten ihnen die Slytherins eilig Platz, damit sie sich zu ihnen setzen konnte. Amelia versuchte gerade noch ein paar Informationen aus Draco bezüglich Karkaroff herauszubekommen, als es um sie herum plötzlich laut wurde. Als sie aufblickte bemerkte sie, dass Viktor Krum auf der anderen Seite des Tisches saß. Die Slytherins um sie herum bestürmten ihn mit Fragen und Amelia warf Draco einen scharfen Blick zu, doch der war wohl umsonst, denn als Malfoy stand es wohl unter seiner Würde, sich sofort auf Krum zu stürzen. Auch wenn er ihn als Quidditch Spieler verehrte. Amelia war es nur recht.
„Lasst ihn in Ruhe, er ist unser Gast", sagte Amelia scharf, als eine Fünftklässlerin Amelia fast umgestoßen hätte in dem Versuch ein Autogramm zu ergattern. „Weg jetzt!"
Ein bisschen überrascht war Amelia schon, dass selbst die älteren Schüler auf sie hörten und murrend zu ihren Plätzen am Slytherin Tisch zurückkehrten. Krum sah sie über den Tisch hinweg an und Amelia schenkte ihm ein flüchtiges Lächeln, bevor sie ihre Aufmerksamkeit den Lehrern zuwandte, die gerade in die große Halle kamen.
Als alle Platz genommen hatten, begrüßte Dumbledore die Anwesenden und eröffnete das Festmahl.
Die Tische vor ihnen füllten sich mit den unterschiedlichsten Gerichten und Amelia entdeckte auch ein paar, die sie gar nicht kannte.
„Was ist das denn?", fragte sie Draco und nahm sich einen Löffel von einer Art Muschelsuppe. „Das ist Bouillabaisse. Etwas Französisches, ich habe es letztes Jahr in Paris gegessen", antwortete er.
„Irgendwann musst du mich mal mit nach Paris nehmen. Ich würde zu gerne mal aus England heraus kommen", sagte Amelia sehnsüchtig und dachte an all die Hexen und Zauberer bei der Weltmeisterschaft zurück.
„Wir können in den nächsten Sommerferien schauen. Vielleicht können wir nach Amerika. Ich habe Verwandte in Boston."
„Zu gerne", sagte Amelia und musste bei dem Gedanken lächeln.
„Hey Draco, schau mal", sagte Blaise und deutete hinüber zum Gryffindor Tisch. Ein Mädchen in der hellblauen Beauxbatons Schuluniform trug eine Schale vom Gryffindor Tisch hinüber zu den Ravenclaws. Sie erinnerte stark an eine Veela von der Weltmeisterschaft. Überall in der großen Halle reckten Jungen ihre Hälse, um das Mädchen besser sehen zu können.
„Glotz nicht so, Draco", sagte Amelia missbilligend als sie merkte, dass auch Draco das Mädchen fasziniert anstarrte.
„Da kann man nichts machen", sagte Draco und zuckte mit den Schultern. Amelia verzog die Lippen. „Ich könnte mir das mit heute Abend nochmal überlegen", zischte Amelia leise. Sie hatte Draco versprochen, dass sie gemeinsam im Kerkerraum übernachten würden, da morgen keine Schule war.
„Das würdest du nicht, Amelia", erwiderte Draco und grinste.
„Amelia Potter?", fragte eine Stimme von der gegenüberliegenden Seite des Tisches und Amelia sah hinüber.
Viktor Krum und die Durmstrang Schüler um sie herum gafften auf Amelias Narbe.
„Das bin ich", sagte Amelia freundlich.
Die Durmstrangs schnatterten in schnellem bulgarisch durcheinander.
„Ich sollte bedanken für vorhin mich", sagte Krum in gebrochenem Englisch. Etwas verlegen blickte er zu seinen tuschelnden Mitschülern hinüber.
„Mach dir nichts draus. Ich bin das gewöhnt", sagte Amelia mit einer wegwerfenden Handbewegung.
„Jah", sagte Krum gedehnt. „Ich kenn auch das."
In dem Moment musste Krum anfangen zu husten und wandte sich vom Tisch ab.
„Erkältet?", erkundigte sich Amelia, als er sich wieder umdrehte.
„Ja, aber hier ist weniger kalt als bei uns."
„Du kannst hoch auf die Krankenstation gehen. Madam Pomfrey hat sicher was da. Dann bist du die Erkältung bis morgen los", sagte Amelia und nahm einen Schluck Kürbissaft.
„Ich kann dich hinbringen", erbot sich Pansy sofort, doch Krum ignorierte sie.
„Dann zeigst du mir nachher das Krankenstation, Amelia?", fragte er.
Draco neben ihr schnaubte abfällig und warf Krum einen angesäuerten Blick zu.
„Kann ich machen, wenn du magst", erbot sich Amelia und legte Draco unter dem Tisch eine Hand aufs Bein.
Nachdem auch der Nachtisch gegessen war, erhob sich Dumbledore erneut von seinem Platz.
Amelia stellte fest, dass zwei weitere Personen an den Lehrertisch gekommen waren. Auf der einen Seite neben Karkaroff saß Ludo Bagman, der Leiter der Abteilung für magische Spiele und Sportarten und neben Madame Maxime konnte sie Barty Crouch erkennen, den Leiter der Abteilung für internationale magische Zusammenarbeit.
Professor Dumbledore stellte Crouch und Bagman vor, die zusammen mit ihm, Madame Maxime und Professor Karkaroff die Jury bilden würden.
Filch schleppte nun eine mit Edelsteinen besetzte, sehr alte Holztruhe herein und stellte sie vorsichtig auf einen Tisch.
„Mr Crouch und Mr Bagman haben die Aufgaben, die die Champions dieses Jahr lösen müssen, bereits geprüft", sprach Dumbledore weiter, „und sie haben die notwendigen Vorbereitungen für diese Herausforderungen getroffen. Wir haben drei Aufgaben über das ganze Schuljahr verteilt, die das Können der Champions auf unterschiedliche Weise auf die Probe stellen ... ihr magisches Können – ihre Kühnheit – ihre Fähigkeit zum logischen Denken – und natürlich ihre Gewandtheit im Umgang mit Gefahren."
„Das wird sicher spannend", flüsterte Daphne Amelia zu.
„Wie ihr wisst, kämpfen im Turnier drei Champions gegeneinander, von jeder teilnehmenden Schule einer. Wir werden benoten, wie gut sie die einzelnen Aufgaben lösen und der Champion mit der höchsten Punktzahl nach drei Aufgaben gewinnt den Trimagischen Pokal. Ein unparteiischer Richter wird die Champions auswählen ... der Feuerkelch."
Dumbledore öffnete die Truhe und zog einen grob geschnitzten Holzkelch heraus, der bis oben hin mit hellblauen Flammen gefüllt war.
„Jeder, der sich als Champion bewerben will, muss seinen Namen und seine Schule in klarer Schrift auf einen Pergamentzettel schreiben und ihn in den Kelch werfen", sagte Dumbledore. „Wer mitmachen will, hat vierundzwanzig Stunden Zeit, um seinen Namen einzuwerfen. Morgen Nacht, an Halloween, wird der Kelch die Namen jener drei preisgeben, die nach seinem Urteil die würdigsten Vertreter ihrer Schulen sind. Der Kelch wird noch heute Abend in der Eingangshalle aufgestellt, wo er für alle, die teilnehmen wollen, frei zugänglich ist. Um sicherzustellen, dass keine minderjährigen Schüler der Versuchung erliegen, werde ich eine Alterslinie um den Feuerkelch ziehen, sobald er in der Eingangshalle aufgestellt ist. Niemand unter siebzehn wird diese Linie überschreiten können. Schließlich möchte ich allen, die teilnehmen wollen, eindringlich nahe legen, mit ihrer Entscheidung nicht leichtfertig umzugehen. Sobald der Feuerkelch einen Champion bestimmt hat, wird er oder sie das Turnier bis zum Ende durchstehen müssen. Wenn ihr euren Namen in den Kelch werft, schließt ihr einen bindenden magischen Vertrag. Wenn ihr einmal Champion seid, könnt ihr euch nicht plötzlich anders besinnen. Überlegt daher genau, ob ihr von ganzem Herzen zum Spiel bereit seid, bevor ihr euren Zettel in den Kelch werft. Nun, denke ich, ist es Zeit, schlafen zu gehen."
Dumbledore entließ sie und das große Stühlerücken begann.
„Dann komm, ich zeig dir den Krankenflügel", sagte Amelia und Krum nickte.
„Ich sage noch kurz Bescheid dem Direktor."
Professor Karkaroff war schon zu ihnen unterwegs und Draco musterte ihn eindringlich, auch Amelia versuchte den Mann einzuschätzen. Er wirkte ziemlich glatt. Aalglatt.
„Dann lasst und gehen", sagte Karkaroff und die Durmstrangschüler warfen wieder ihre Pelzmäntel über ihre blutroten Schuluniformen.
„Professor, ich würde noch kurz auf das Krankenstation gehen und mir gegen Erkältung etwas holen", sagte Krum und nickte zu Amelia hinüber.
Karkaroff blickte zu Amelia und es schien, als hätte ihn jemand mit einem Erstarrungszauber belegt. Amelia ergriff die Initiative und hielt Karkaroff die Hand hin.
„Freut mich, Sie kennen zu lernen, Professor. Mr Malfoy hat mir schon viel von Ihnen erzählt."
Das entsprach zwar nicht ganz der Wahrheit, aber es tat seine gewünschte Wirkung. Karkaroff wachte aus der Starre auf und schüttelte ihr die Hand. Er lachte herzlich, auch wenn sein Lachen nicht seine Augen erreichte.
„Ah, wie geht's dem guten Lucius. Hab ihn Jahre nicht mehr gesehen."
„Mr Malfoy geht es gut. Er wurde letztes Jahr in den Zauberergamot berufen", sagte Amelia.
„Das tut gut zu hören. Ich sollte mich mal wieder bei ihm melden."
„Er würde sich sicher freuen", sagte Draco, der neben Amelia stand und Karkaroff sah irritiert zu ihm rüber. Er brauchte einen Moment, aber man brauchte nicht wirklich viel Talent um in Draco seinen Vater wiederzuerkennen.
„Wenn man vom Teufel spricht", sagte Karkaroff. „Wenn das nicht Lucius Sohn ist."
„Draco Malfoy", sagte Draco und schüttelte ebenfalls Karkaroffs Hand.
„Ich würde Mr Krum kurz zum Krankenflügel bringen", sagte Amelia und Karkaroff nickte großzügig.
„Natürlich. Ich warte hier mit den Meinen und vielleicht möchte mir Draco etwas Gesellschaft leisten, ich bin sicher, er kann mir einiges von meinem alten Freund berichten."
Amelia ließ Draco bei Karkaroff und den anderen Durmstrangs zurück und ging mit Krum in die Eingangshalle.
„Kannst übrigens auch Viktor sagen.", sagte Krum und Amelia lächelte ihn freundlich an.
„Gerne, Viktor. Amelia"
„Der Direktor macht ein ganz Aufhebens um diesen Draco", sagte Viktor und Amelia nickte nur.
„Die Malfoys sind wichtige Leute und sie kennen sich von früher."
„Ah, reich ziemlich was?"
„Ja, dass auch", sagte Amelia und lachte.
„Der Direktor getan hat für uns viel. Er früher auch auf Hogwarts war und dann ist vor dreizehn Jahren nach Bulgarien zurückgekommen. Durmstrang war ziemlich heruntergekommen und fast im Alleingang wieder zu einer der besten Schulen Europas gemacht hat. Es gab ausländische Geldgeber auch. Kann sein, dass die Malfoys daher kennt er."
„Das kann gut sein", sagte Amelia, doch bei der Zahl dreizehn klingelte etwas in ihrem Kopf. Vor dreizehn Jahren war Voldemort verschwunden. Morgen würde sich der Tag zum dreizehnten Mal jähren.
„Wie gefällt dir Hogwarts?", fragte Amelia.
„Oh, es sein beeindruckend. Ich habe nur noch nicht ganz verstanden, was das mit den viel verschiedene Farben Bannern auf sich hat."
„Das ist ganz einfach", erklärte Amelia. „Die vier Banner stehen für die vier Gründer von Hogwarts. Wir Schüler leben in vier großen Gemeinschaften, unseren Häusern, zusammen. Bei Schuleintritt wird jeder Schüler magisch einem Haus zugeteilt, zu dem er Charakterlich am besten passt."
„Ah", sagte Viktor verstehend. „Zu welchem Haus du gehörst?"
„Ich bin eine Slytherin. Unser Hauswappen ist eine silberne Schlange auf grünem Untergrund."
Amelia deutete auf das Slytherinwappen auf ihrer Robe.
Sie kamen auf der Krankenstation an und eine leise Glocke verkündete ihr Eintreten.
Madam Pomfrey kam sofort auf sie zugeeilt.
„Amelia, meine Liebe. Schön dich zu sehen."
„Hallo, Madam Pomfrey", sagte Amelia und ließ sich von der Krankenschwester einmal kurz drücken. Seit sie im letzten Jahr auf der Suche nach Pettigrew öfters im Krankenflügel geholfen hatte, hatte sie ein wunderbares Verhältnis zu der Krankenschwester.
„Was für einen Patienten bringst Du mir heute?", erkundigte sie sich.
„Er gehört zu den Schülern aus Durmstrang. Ich wollte nur fragen, ob du eine Kleinigkeit gegen Erkältung hast."
„Aber natürlich. Setzten Sie sich, junger Mann."
Madam Pomfrey ließ Viktor auf einem Krankenbett Platz nehmen und tippte ihn leicht mit dem Zauberstab an.
„Nichts leichter als das", sagte sie und verschwand in ihrem Büro.
„Ihr euch gut zu kennen scheint", sagte Viktor und sein Blick folgte der Krankenschwester.
Doch bevor Amelia antworten konnte, war sie auch schon wieder da.
„Bitte sehr, alles schön austrinken", sagte Madam Pomfrey und reichte Viktor eine volle Tasse.
Während sie ihren Patienten im Blick behielt, damit er auch alles austrank, wandte sie sich an Amelia.
„Du darfst gerne wieder vorbeikommen, Amelia. Deine Hilfe ist stets willkommen."
„Ich würde gerne, aber wir haben immer so viele Hausaufgaben auf, dass ich es kaum schaffe. Vielleicht, wenn es etwas weniger ist, komme ich mal wieder vorbei. Es hat immer Spaß gemacht", sagte Amelia und dachte an letztes Jahr zurück. Es hatte durchaus lustige Momente gegeben.
„Mach das, meine Liebe.", sagte Madam Pomfrey und nahm Viktor die Tasse wieder ab.
„Besser?", erkundigte sich die Krankenschwester und Viktor nickte begeistert.
„Danke", sagte er freundlich.
Viktor schien richtig beschwingt zu sein, als sie sich auf den Rückweg machten. Amelia schob es auf den Glücksschub des Erkältungsmittels.
„Ist üblich, dass auf Krankenstation helfen die Schüler?", fragte er und Amelia verneinte.
„Das hat sich eher durch Zufall ergeben und es macht mir Spaß. Heilzauber sind sehr interessant."
„Heiler bei uns sind sehr angesehen, weil es sehr schwer ist", sagte Viktor und nickte ihr verstehend zu.
Vor ihnen bog eine Schülerin in ihren Gang ab und hastete an ihnen vorbei. Sie warf Amelia und Viktor einen überraschten Blick zu.
„Wer das war?"; fragte Viktor, der stehen geblieben war und dem Mädchen hinterherschaute.
„Hm? Ach das, das war Hermine Granger. Sie ist in meinem Jahrgang, aber in einem anderen Schulhaus", sagte Amelia achselzuckend.
„Sie sein sehr hübsch", sagte Viktor und Amelia musste grinsen.
„Sie ist auch sehr klug", sagte Amelia lachend und Viktor setzte sich wieder in Bewegung.
„Du sicher hast einen Freund, oder?", erkundigte sich Viktor und Amelia nickte.
„Du kennst ihn", sagte sie.
„Dieser Malfoy?", sagte Viktor und als Amelia nickte, schnaubte er verächtlich. „Die Reichen immer bekommen die hübschen Mädchen."
„Ich glaube nicht, dass du dich da mit deinem Bekanntheitsgrad als Quidditch-Spieler beschweren musst", erwiderte Amelia.
„Ah, die interessieren sich alle nur für Berühmtheit. Das kennst sicher du auch."
Amelia lächelte bitter.
„Nur zu gut. Deshalb hast du mich doch ausgesucht, dich zu begleiten, oder?"
„Eigentlich nicht", sagte Viktor. „Mich hat interessiert, warum so auf dich hören die anderen Schüler. Viele sind bestimmt älter."
„Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Ich glaube, das wäre auch zu kompliziert."
„Würdest Turnier du teilnehmen?", erkundigte sich Viktor beiläufig.
„Nein, ich glaube nicht. Ich habe andere Sorgen. Ich habe mehr Gold, als ich meinem Leben ausgeben kann und mehr Aufmerksamkeit und Ruhm, als ich ertragen kann", lachte Amelia.
„Warum willst du am Turnier teilnehmen?"
„Ich sammeln Gold. Bulgarien geht es nicht gut. Wir gerade erst dem Kommunismus entkommen sind und das ganze Land Hilfe braucht beim Aufbau. Die Hälfte des Gewinns in den Wiederaufbau fließt. Egal, wer Champion wird."
„Das sind schöne Ziele", sagte Amelia. „Ich wünsche euch wirklich viel Erfolg, aber du wirst verzeihen, wenn ich natürlich für den Hogwarts Champion sein muss."
Jetzt lachte auch Viktor. „Das solltest du sein."
Sie erreichten die Eingangshalle und Karkaroff drehte sich zu ihnen um.
„Viktor, geht es dir besser?", fragte Karkaroff augenscheinlich besorgt, doch dieser winkte ab.
Er sagte etwas auf Bulgarisch und sein Blick glitt zu Draco hinüber, der neben Karkaroff stand.
Amelia verabschiedete sich und machte sich mit Draco auf den Weg hinunter in die Kerker, während die Durmstrangs hinaus zu ihrem Schiff gingen.
Amelia und Draco kamen erst spät am nächsten Tag zum Frühstück. Da sie nicht im Schlafsaal übernachtet hatten, warf ihnen Daphne einen fragenden Blick zu und Pansy hatte ihr - habe ich es doch gewusst - Lächeln aufgesetzt. Blaise feixte Draco zu.
„Was haben wir verpasst?", erkundigte sich Draco und nahm sich ein Toast.
„Warrington hat seinen Namen eingeworfen", sagte Pansy sofort, „und Cedric Diggory."
Millicent und Pansy begannen aufgeregt zu kichern. Diggory war ein gutaussehender Junge und Quidditch Captain von Hufflepuff.
„Angelina Johnson hat ihren Namen auch eingeworfen", sagte Blaise und nickte zum Gryffindor Tisch hinüber, wo die schwarze Jägerin der Gryffindors saß.
„Ich mag keinen Champion aus Gryffindor", verzog Draco das Gesicht.
Nach dem Essen schlenderten die Slytherins zum Feuerkelch, um ihn ausgiebig zu betrachten.
Draco musterte die Alterslinie, die ihn umgab.
„Glaubst du, du könntest sie austricksen?", fragte Draco an Amelia gewandt und nickte zur Linie hinüber.
Amelia musterte die Linie scharf.
„Austricksen, unwahrscheinlich, aber ich könnte sie brechen."
„Wenn du sie brichst und ich meinen Namen schnell hinein werfe, dann könntest du sie neu erschaffen, bevor jemand etwas merkt", sinnierte Draco.
„Neu erschaffen könnte ich sie wahrscheinlich nicht und ich werde es auch ganz sicher nicht", sagte Amelia.
„Warum nicht?
„Wir hatten schon genug Ärger mit magischen Verträgen, Draco. Und noch mehr Ärger mit magischen Prüfungen. Ich werde uns da bestimmt nicht in noch so eine Sache reinreiten."
Draco sah Amelia einen Moment widerwillig an, doch dann fügte er sich.
„Du hast Recht", gab er zu. „Aber es wäre trotzdem toll gewesen."
Sie gingen hinunter in den Slytherin Gemeinschaftsraum und Amelia schnappte sich ein Buch über Fluchumkehreffekte, während Draco und Blaise neben ihr über das Turnier spekulierten.
Blaise schwärmte von dem Veela-Mädchen aus Beauxbatons, das ihnen beim Festessen aufgefallen war.
Immer neue Gerüchte, wer sich alles als Champion beworben hatte, flogen durch den Raum und als Daphne ihnen von den Weasley Zwillingen erzählte, die jetzt mit Bärten im Krankenflügel waren, mussten alle lachen.
Am Abend machten sie sich auf den Weg in die Große Halle. Alles war festlich für Halloween geschmückt und die Durmstrangs setzten sich wieder mit an den Slytherin Tisch.
Viktor Krum begrüßte sie freundlich, als er ihnen gegenüber Platz nahm.
Der Feuerkelch stand nun vor Dumbledores Platz, doch bevor sie zu der Auswahl der Champions kommen würden, gab es erst mal Essen.
Die meisten Schüler waren jedoch viel zu aufgeregt, um das Festessen zu genießen, so waren sie alle froh, als Dumbledore sich endlich erhob und das Licht in der Großen Halle löschte.
Jetzt gab es nur noch das Licht der Kürbislaternen und das knisternde blaue Feuer des Feuerkelches.
„Wenn die Namen der Champions ausgerufen werden, bitte ich Sie, hier aufs Podium zu kommen und am Lehrertisch vorbei in diese Kammer dort zu gehen, wo Sie dann ihre ersten Anweisungen erhalten", sagte Dumbledore und deutet auf eine Tür hinter dem Lehrertisch.
Überall brandete Geflüster durch den Raum, doch als sich das magische Feuer plötzlich rot verfärbte, war es schlagartig Still.
Dumbledore fing den kleinen Zettel, der aus dem Kelch hervor stob geschickt auf und verkündete:
„Der Champion für Durmstrang ist Viktor Krum!"
Alle klatschten Beifall, als Viktor mit einem angespannten Grinsen aufstand und in den Raum hinter dem Lehrertisch ging.
Der Applaus ebbte ab und bald darauf verfärbte sich das Feuer abermals Rot.
„Der Champion für Beauxbatons ist Fleur Delacour", verkündete Dumbledore und das Mädchen, das ihnen aufgefallen war, weil es einer Veela ähnelte, stand vom Ravenclaw Tisch auf und folgte Viktor in die Kammer.
Sofort wurde es wieder still. Angespannt warteten alle auf den letzten Champion. Den Champion von Hogwarts.
Als das Feuer sich verfärbte, las Dumbledore den letzten Namen vor.
„Der Hogwarts-Champion ist Cedric Diggory!"
Alle brachen in Jubel aus. Auch Amelia klatschte in die Hände, als Diggory vom Hufflepuff Tisch aufstand und unter Jubelrufen in die Kammer der Champions verschwand.
Es dauerte eine Weile bis Dumbledore sich wieder Gehör verschaffen konnte.
„Wunderbar", rief er laut und sein lächeln spiegelte sich in den Gesichtern der Schüler wieder.
„Wir haben nun unsere drei Champions und ich bin sicher, dass ihr sie…"
Dumbledore brach plötzlich ab. Die Flamme des Feuerkelchs hatte sich plötzlich erneut rot gefärbt und ein Zettel schoss daraus hervor. Dumbledore fing ihn wie in Trance.
Er starrte auf das Stück Pergament und die ganze Halle starrte Dumbledore an. Seine Lippen formten wortlos einen Namen.
Dann räusperte er sich und las laut vor: „Amelia Potter."
Amelia hatte einen Moment das Gefühl, als würde die Welt unter ihr aufbrechen. Sie starrte Draco an, der sie ebenso entsetzt ansah, wie sie sich fühlte.
Langsam setzte ein Brummen, wie in einem Hornissennest, in der großen Halle ein und Amelia hatte das Gefühl, dass alle Augen sie anstarrten.
Amelia dachte die ganze Zeit „Das kann nicht sein, das kann nicht sein."
Dumbledore räusperte sich erneut und Amelia hoffte, dass er sich korrigieren würde.
„Amelia Potter, kommen Sie bitte hoch", rief er, doch Amelia konnte sich nicht bewegen.
Erst als Daphne sie anstieß, schaffte sie es aufzustehen. Sie rang kurz um Kontrolle und ging vor zum Lehrertisch.
„Da hinein", sagte Dumbledore und deutete auf die Tür der Champions. Er blickte grimmig und Amelia ging in den kleinen Raum.
Als Amelia den Raum betrat, standen Viktor Krum, Fleur Delacour und Cedric Diggory am Kaminfeuer. Viktor etwas abseits der anderen.
Sie sahen auf, als Amelia in den Raum kam. Amelia beachtete sie gar nicht, sondern setzte sich in einen Sessel. Sie musste nachdenken. Jetzt durfte sie nur nicht die Nerven verlieren.
„Was ist los?", erkundigte sich Diggory, doch Amelia schüttelte nur den Kopf.
„Alles in Ordnung?", fragte Viktor und kam auf sie zu. Er kniete sich vor ihr hin, damit sie auf Augenhöhe waren.
„Amelia?", fragte er. Doch diese machte nur eine abwehrende Geste.
Langsam schien ihr Gehirn wieder zu arbeiten. In diesem Moment ging die Tür erneut auf und Dumbledore trat ein. Gefolgt von Madame Maxime, Karkaroff, Crouch, Bagman, McGonagall und Severus.
„Was g'et ‚ir vor?", fragte Fleur Delacour mit starkem französischem Akzent.
„Das würde ic' uch gerne Wissen, Dumbly-dorr", sagte Madam Maxime und stellte sich neben ihre Schülerin.
Viktor stand auf und runzelte die Stirn.
„Es scheint so, als hätten wir vier Champions", sagte Bagman.
„Das ist unmöglisch", sagte Fleur und Cedric blickte die Erwachsenen entgeistert an.
„Der Feuerkelch hat Amelias Namen ausgespuckt. Laut den Regeln muss sie teilnehmen", sagte Bagman.
„Wie kann sie die Alterslinie überquert haben, Dumbledore. Sie ist viel zu jung", sagte Karkaroff scharf.
„Das würde ich gerne von Amelia hören", sagte Dumbledore und blickte zu Amelia herab. Diese sah in seine hellblauen Augen und spürte die Legilimentik in ihrem Kopf. Ich war es nicht schrie sie ihm in Gedanken entgegen. Laut sagte sie: „Ich habe meinen Namen nicht in den Feuerkelch geworfen."
„Ah, natürlisch lügt sie", sagte Madame Maxime und Karkaroff nickte beflissen.
„Wir könnten ihr Wahrheitsserum geben. Dann wissen wir, wie es war", sagte er.
„Das ist eine durchaus interessante Idee Karkaroff", sagte Snape düster. „Doch stehen wir vor dem Problem, dass Amelia Potter der wahrscheinlich mächtigste Okklumentor in ganz Hogwarts ist. Wir werden keine Informationen aus ihr herausbekommen, die sie nicht willens und bereit ist, uns zu offenbaren."
Alle im Raum blickten auf die kleine zierliche Hexe, die in dem großen Sessel saß.
„Das ist in der Tat richtig", stimme Dumbledore zu und musterte seine Schülerin.
Amelia stand nun auf.
„Sie machen sich gar nicht klar, was das für Magie gewesen sein muss, die dort im Spiel war!", sagte Amelia wütend. „So eine bescheuerte Alterslinie auszutricksen, das traue ich mir beim besten Willen noch locker zu. Aber wir sind hier vier Champions für drei Schulen. Alter hin oder her, jemand muss den Feuerkelch verhext haben, sonst hätte er niemals vier Zettel ausgespuckt. Dafür ist mehr Magie und Planung von Nöten, als ich mir in nicht mal vierundzwanzig Stunden zusammenreimen kann."
„Sie ‚at rescht", sagte Madam Maxime. „'Ogwarts hat nun zwei Champions. Das ist nicht fair."
„Wir sollten unsere Schüler ebenfalls noch einmal die Zettel in den Feuerkelch werfen lassen, bis jede Schule zwei Champions hat", verlangte Karkaroff.
„Das ist unmöglich. Der Feuerkelch ist erloschen. Er wird erst wieder zu Beginn des nächsten Trimagischen Turniers anfangen zu brennen", sagte Bagman und tupfte sich den Schweiß aus dem jungenhaften Gesicht.
„Es gibt noch eine andere Möglichkeit", sagte Amelia. „Ich bin nicht scharf drauf, an dem Turnier teilzunehmen. Ist es nicht möglich den Vertrag aufzulösen? Ich habe meinen Namen nicht in den Kelch geworfen. Also habe ich nie einen Vertrag geschlossen", sagte Amelia verzweifelt.
„Das wird nicht möglich sein. Der Name kam aus dem Kelch hervor. Egal wer ihn hinein geworfen hat, der Vertrag ist magisch bindend", sagte Dumbledore und musterte sie über seine Halbmondbrille hinweg.
„Was wird geschehen wenn ich ihn breche?", fragte Amelia mit einem unguten Gefühl im Magen.
„Dann wird es Ihnen ähnlich ergehen, wie Draco letzten Winter", antwortete Dumbledore und Amelia wurde blass.
„Ich glaube ihr, dass sie nicht in den Kelch geworfen hat ihren Namen, warum sie dann muss antreten?", sagte Viktor und alle sahen ihn verblüfft an.
„Das ist alte Magie und ein Grund, warum das Turnier seit vielen Jahren nicht mehr ausgetragen wurde", sagte eine Stimme von der Tür und Moody humpelte in den Raum.
„Es bleiben einem Champion, sobald er einmal erwählt, wurde nur zwei Wege. Teilnahme oder Tod."
Amelia wandte sich von Moody ab und blickte in ihre rechte Handfläche. Sie hatte sich vorgenommen, sich von solch magischen Verträgen fernzuhalten.
„Mr Bagman, Mr Crouch, möchten sie sich, als unsere unparteiischen Schiedsrichter nicht auch dazu äußern? Es handelt sich ganz eindeutig um einen Regelverstoß", sagte Karkaroff mit salbungsvoller Stimme.
„Die Regeln sind eindeutig", sagte Crouch. Sein Gesicht lag halb im Schatten verborgen. „Der Feuerkelch hat sie erwählt und sie muss antreten."
„Was will sie sich beschweren", sagte plötzlich Fleur Delacour. „Wir anderen mussten 'offen, für unsere Schule antreten zu dürfen. Es ist eine E're anzutreten und das Preisgeld von tausend Galleonen zu gewinnen."
„Für dich vielleicht", brauste Amelia auf. Sie war selten so aus der Fassung geraten, aber das schien sich in letzter Zeit zu häufen.
„Für dich geht es hier um Spaß und Spiel, aber mein Name kann nur aus einem einzigen Grund in diesen Kelch gelangt sein und zwar, weil jemand meinen Tod sehen will.
Irgendwo dort draußen ist Voldemort und auch wenn er geschwächt ist, reicht nur eine Unaufmerksamkeit in meiner Okklumentik und ich kann ihn spüren. Ich spüre, wie er sich vor Hass verzehrt und nach meinem Leben trachtet. Dieses bescheuerte Turnier ist mir doch vollkommen egal"
Alle blickten Amelia entsetzt an. Karkaroff war blass geworden und einen Schritt von ihr zurück gewichen.
„Wenigstens hat das Mädchen begriffen, worum es hier geht", durchbrach Moody die Stille. Amelia warf ihm einen bitteren Blick zu. Sie mochte den Auroren nicht, aber im Grunde waren sie gleich. Immer wachsam.
„Sie übertreiben maßlos", sagte Madam Maxime und Amelia blickte sie böse an.
„Ich kann es Ihnen zeigen. Ich kann sie mitnehmen auf eine Reise in einen fremden Geist", sagte Amelia und streckte der riesigen Schulleiterin die Hand entgegen, doch Madame Maxime machte einen Schritt rückwärts.
„Isch verzischte", sagte sie und Amelia sah, wie eine ihrer gewaltigen Hände, die sie auf Fleurs Schultern liegen hatte, zuckte.
„Leider nützt es uns nichts, all das zu wissen. Sie werden trotz allem am Turnier teilnehmen müssen", sagte Dumbledore. „Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, die Aufgabe zu erklären. Barty, wenn Sie so freundlich wären."
Barty Crouch trat ins Licht und er sah noch abgezehrter aus, als erwartet. Er war blass und hatte tiefe Ringe unter den Augen.
„Die Aufgabe,… Ja", sagte er. „Die erste Aufgabe dient dazu, Ihren Mut auf die Probe zu stellen", verkündete er den vier Champions „und deshalb sagen wir Ihnen nicht, um was es geht. Kühnheit angesichts der überraschenden Gefahr ist ein sehr wichtiger Charakterzug von Zauberern und Hexen... sehr wichtig ... Die erste Aufgabe werden wir Ihnen am vierundzwanzigsten November stellen, vor all Ihren Mitschülern und den Schiedsrichtern. Den Champions ist es nicht gestattet, von ihren Lehrern Hilfe irgendwelcher Art zu erbitten oder anzunehmen, damit sie die Aufgaben lösen können. Sie werden sich der ersten Herausforderung nur mit ihrem Zauberstab bewaffnet stellen müssen. Wenn die erste bewältigt ist, erhalten Sie Auskunft über die zweite Aufgabe. Da das Turnier äußerste Kraft und viel Zeit verlangt, sind die Champions von den Jahresabschlussprüfungen freigestellt."
Mr Crouch wandte sich an Dumbledore. „Ich glaube, das ist alles, Albus?"
„Ich denke auch", antwortete Dumbledore und musterte Crouch besorgt.
„Das wird ein Spaß", sagte Bagman und rieb sich die Hände.
„Professor Karkaroff, Madame Maxime, noch einen Schlummertrunk?", fragte Dumbledore, doch die Schulleiter verschwanden bereits mit ihren Schützlingen.
„Ihr beide solltet auch in eure Gemeinschaftsräume gehen", sagte Dumbledore zwinkernd. „Ich bin sicher, die Hufflepuffs und Slytherins erwarten euch schon sehnsüchtig und wir wollen ihnen doch nicht die Gelegenheit nehmen, ordentlich zu feiern und jede Menge Lärm zu veranstalten."
Amelia blickte zu Cedric Diggory hinüber und zusammen verließen sie den kleinen Raum.
Als sie in der Eingangshalle angekommen waren, ergriff Cedric das Wort. „Du hast deinen Namen wirklich nicht selbst reingeworfen, oder?", fragte er sie und sie schüttelte nur den Kopf.
Cedric sah sie besorgt an. „Stimmt es, was du gesagt hast, dass Du-weißt-schon-wer noch lebt?"
„Ja. Es stimmt. Als er mich angriff, hat er eine magische Verbindung zu mir hergestellt. Je mächtiger ich werde und umso mehr ich in die Magie eindringe, desto stärker spüre ich sie.
Aber Voldemort wird stärker. Mit jeder Woche, die vergeht, kommt er zu Kräften."
Cedric schluckte und erschauerte, als er den Namen hörte.
„Ich werde dir helfen, wenn ich kann. Ich meine, du bist da nicht freiwillig rein gerasselt. Sie haben das Turnier sicherer gemacht, dir wird schon nichts passieren."
„Das Turnier besorgt mich nicht. Meine Sorge ist, dass das Turnier nur ein Vorwand sein könnte. Alles ist manipulierbar", sagte Amelia.
„Du klingst fast wie Moody", grinste Cedric und Amelia musste schnauben.
„Erzähl den anderen besser nicht zu viel von dem, was ich gesagt habe. Ich habe ein bisschen unüberlegt gehandelt. Keinesfalls will ich, dass eine Panik losbricht."
„Sie werden glauben, dass du deinen Namen selbst in den Kelch geworfen hast."
„Die Meinungen über mich waren schon immer gespalten", sagte Amelia und grinste.
„Oh ja. Als du die Spinne mit dem Todesfluch beseitigt hast, hat die ganze Schule davon geredet. Viele haben Angst vor dir. Aber fast noch mehr bewundern dich."
„Es tut mir leid", sagte Amelia plötzlich.
„Was denn?"
„Wo immer ich bin, stelle ich alle um mich herum in den Schatten. Das hätte dein großer Tag sein sollen, aber alle haben nur von mir gesprochen."
Cedric machte eine wegwerfende Handbewegung. „Das geht schon klar."
„Eigentlich nicht. Aber ich kann es nicht ändern."
„Naja, wir sehen uns dann", sagte Cedric und auch Amelia verabschiedete sich, bevor sie sich auf den Weg in die Kerker machte.
Als Amelia in den Slytherin Gemeinschaftsraum kam, empfing sie lauter Jubel. Alle schienen ihr gleichzeitig gratulieren zu wollen. „Ich wusste, dass du das Zeug dazu hast!", rief ein Fünftklässler und jemand warf ihr ein Banner in den Slytherinfarben über.
„Ruhe!", donnerte Amelia und sofort waren alle still. Innerlich seufzte Amelia tief auf, aber sie wusste, was zu tun war.
„Ich habe meinen Namen nicht in den Kelch geworfen oder ich will verdammt sein. Irgendjemand wollte, dass Slytherin die Chance auf einen Pokal bekommt. Wenn es dieses Jahr kein Quidditch Pokal ist, dann holen wir uns halt den Trimagischen Pokal!", rief sie und überall brach Jubel aus.
Amelias Blick huschte durch den Gemeinschaftsraum und in der hinteren Ecke entdeckte sie Draco an einen Tisch gelehnt.
Es dauerte eine Weile, bis sie sich zu ihm durchgekämpft hatte.
„Hallo", sagte Draco und blickte sie undefinierbar an.
„Hallo", erwiderte Amelia und plötzlich schien der Lärm um sie in den Hintergrund zu rücken.
„Du hast deinen Namen nicht eingeworfen oder?", fragte Draco zurückhaltend.
„Nein, niemals", erwiderte Amelia bestimmt.
„Ich weiß", seufzte Draco. „Schließlich warst du die ganze Nacht bei mir. Verdammt, Amelia. Was machst du nur immer."
Er zog Amelia an sich und umarmte sie. Amelia presste ihr Gesicht in seinen Umhang und sie fühlte sich schon ein klein wenig besser. „Draco", flüsterte sie sanft und stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihn zu küssen. Draco beugte sich zu ihr hinunter und erwiderte den Kuss.
Überall im Gemeinschaftsraum brach Gejohle los und Amelia musste verlegen grinsen, als sie sich von Draco löste. Sie waren der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Am nächsten Morgen stand Amelia früh auf. Sie brauchte Zeit zum Nachdenken. Doch als sie in den Gemeinschaftsraum kam, saß Draco bereits auf dem Sofa und streichelte Eristik.
Amelia nickte ihm zu und er stand wortlos auf. Zusammen gingen sie hinauf in die große Halle, doch außer zwei Ravenclaws war noch niemand da. Sie beäugten Amelia mit zusammengekniffenen Augen und begannen zu tuscheln.
Eristik war ganz begeistert von der großen Halle und vor allem von dem Frühstück. Jeder der drei Köpfe verschlang eine gewaltige Wurst und die beiden Slytherins mussten lachen. Amelia nahm Eristik nur selten aus den Slytherinkerkern heraus. Er saß dort als treuer Spion und informierte sie liebend gerne über alles, was geschah.
Sie schmierten sich nur Brote und verließen die Große Halle wieder, bevor das restliche Hogwarts langsam aufwachte.
„Was ist gestern passiert?", erkundigte sich Draco, als sie das Schlosstor hinter sich gelassen hatten.
Amelia seufzte schwer, dann begann sie zu erzählen.
„Du glaubst also, dass der Dunkle Lord dahinter steckt?", erkundigte sich Draco, als Amelia zu Ende gesprochen hatte.
„Das ist die naheliegende Erklärung. Er wird stärker, Draco. Ich mache mir Sorgen."
„Ich wusste nicht, dass du ihn spüren kannst."
„Es ist eher eine unangenehme Präsenz am Rande meines Geistes. Ähnlich wie mit den Dementoren, nur viel schwächer", erklärte Amelia und hegte für sich den Verdacht, dass es mit ihrer starken Legilimentik zu tun hatte.
„Schau mal, was ist das denn?", sagte Draco und deutete auf einen großen bunten Vogel, der auf sie zugeflogen kam.
Der Tropenvogel landete graziös vor ihnen und reichte Amelia sein Bein. Amelia band ihm überrascht einen etwas lädierten Brief vom Bein und Draco ließ den Vogel auf seine Hand hüpfen.
„Von wem ist der?", fragte Draco überrascht.
„Da steht kein Absender", sagte Amelia und öffnete ihn.
Liebe Amelia,
verzeih, dass ich so spät schreibe, aber ich wollte nicht, dass der Brief dich erreicht, solange du bei den Malfoys bist.
Ich glaube, ich habe die Dementoren von meiner Spur abgelenkt. Du verstehst hoffentlich, dass ich dir meinen Aufenthaltsort nicht verraten kann.
Leider habe ich auch jede Spur von Wurmschwanz verloren. Halt die Augen offen, falls du was Ungewöhnliches siehst.
Wie ich höre, kommen aus der Heimat heute nur schlechte Nachrichten. Es heißt, dass das Dunkle Mal bei der Quidditch Weltmeisterschaft am Himmel erschienen ist.
Weißt du etwas darüber?
Bitte Antworte mir, ich mache mir Sorgen darüber, was in England vor sich geht.
Liebe Grüße.
Amelia reichte Draco der Brief.
„Er traut meinen Eltern wohl nicht", sagte Draco, als er fertig gelesen hatte.
„Ist das ein Wunder?", erkundigte sich Amelia und schnaubte. Draco zuckte nur die Schulterm.
„Ich antworte schnell", sagte Amelia. Sie kramte Pergament und Feder aus einem kleinen Beutel an ihrem Umhang.
Hallo,
ich weiß nicht, ob du es schon gehört hast, aber ich wurde als vierte Teilnehmerin in das Trimagische Turnier eingeschmuggelt. Egal, was du hören magst, ich habe meinen Namen nicht selbst in den Feuerkelch geworfen. Es muss ein mächtiger Zauberer gewesen sein, der den Feuerkelch einem Verwechslungszauber unterworfen hat.
Ich will nicht paranoid sein, aber ich vermute, dass dies nicht zu meinem Besten geschehen ist. Ich glaube, Voldemort steckt dahinter. Wer auch immer das getan hat, will mich tot sehen.
Doch nicht nur das ist ein dunkles Zeichen, auch der Täter, der das Dunkle Mal heraufbeschworen hat, ist nicht zu fassen gewesen.
Voldemort wird stärker, ich spüre es und es macht mir Sorgen.
Doch jetzt genug der schlechten Nachrichten. Ich war den Sommer nicht untätig.
Ich hatte ein interessantes Gespräch mit Rufus Scrimgeour. Du kennst ihn, er ist der Leiter der Aurorenzentrale und war letzten Sommer mit auf Hogwarts.
Ich konnte ihn überzeugen, deinen Fall nochmal neu aufzurollen. Im Ministerium werden gerade alle Fakten geprüft, inklusive der Tatsache, dass Pettigrew noch lebt. Draco hat damals ein Stückchen Haut von ihm abgeschnitten, das magisch untersucht wird.
Wenn alles gut geht, besteht eine kleine Chance, dass du eine Gerichtsverhandlung bekommst. Ich will dir nicht zu viel versprechen, aber es gibt noch Hoffnung.
Ich versuche, hier alle Puzzleteile zusammenzutragen und hoffe, es geht dir gut.
Liebe Grüße.
Amelia las den Brief noch einmal durch und band ihn dann an das Bein des exotischen Vogels.
„Zurück zum Absender!", rief sie und sie ließen ihn fliegen.
Nachwort:
Ich habe mich immer gefragt, warum Harry am Trimagischen Turnier teilgenommen hat. Es gab für mich nie einen Sinn. Es wurde in den Büchern nie thematisiert, dass auch einfach festgestellt werden könnte, dass er unrechtmäßig ausgewählt wurde und damit disqualifiziert wird. Harry wäre das nur recht gewesen. Ich meine auch Dumbledore kann es nicht geheuer gewesen sein, dass Harrys Name in den Feuerkelch geraten ist. Er hat es trotzdem zugelassen.
Deshalb hier meine etwas drastische Begründung. Diese Begründung passt mir natürlich ganz gut in mein Konzept schwarzer Magie.
