Kapitel 9 - Familie

Ihre freie Zeit, die Amelia nun nicht mehr mit Turniervorbereitungen verbringen musste, investierte sie nun in ein weitaus wichtigeres Projekt.

Zwei Tage nach der zweiten Aufgabe schleppte Amelia Daphne nach dem Unterricht in ein leeres Klassenzimmer.

Sie hatte die Tische zur Seite gerückt, um Platz für einen großen Fluchdummy zu machen.

„Was machen wir hier?", fragte Daphne verwirrt.

„Ich bringe dir bei, wie du dir deinen Vater vom Leib hältst."

„Aber das ist immer in den Ferien und ich darf in den Ferien nicht zaubern", sagte Daphne.

„Unsinn. Regeln sind dehnbar. Ich zauber seit Jahren in den Ferien und das Ministerium hat mich nie dabei erwischt."

Daphne sah sie überrascht an. „Aber du bist was Besonderes. Ich kann das sicher nicht."

„Das hat nichts mit Fähigkeiten zu tun. Du musst nur wissen, wie die Gesetze arbeiten. Ich habe das in meinen ersten Ferien, sagen wir, zugespielt bekommen. Es ist eigentlich ziemlich simpel.", sagte Amelia und hockte sich auf das Lehrerpult. Ende ihres ersten Schuljahres hatte ihr Professor Snape ein Buch überlassen, in dem alles stand, was über die Spur bekannt war und zwar auch, wie man sie umgehen konnte.

„Die Spur, die auf uns liegt und die unsere Magie kontrollieren soll, zeigt nur Magie auf, die in unserer Nähe gewirkt wird. Das heißt, sobald ein Erwachsener Zauberer in deiner Nähe ist, kann das Ministerium nicht mehr differenzieren, ob es deine Magie oder die des Zauberers ist und so ist es im Zweifel immer die des Erwachsenen. Du kennst die Regel, im Zweifel für den Angeklagten?

Das gleiche gilt auch für magische Orte. Hogwarts ist zum Beispiel viel zu magisch, als dass hier die Spur richtig arbeiten könnte. Sie würde dauerhaft aufzeichnen. Oder bei der Quidditch Weltmeisterschaft oder im Herrenhaus der Malfoys und ganz sicher auch bei dir zuhause."

Daphne sah sie geschockt an.

„Das ist unfair! Warum sagt uns das keiner?"

„Na, das Ministerium ist nicht scharf darauf, dass wir das Wissen. Sonst würde doch jeder rumzaubern wie er wollte", sagte Amelia schulterzuckend.

„Was wenn mein Vater mich beim Ministerium anzeigt, wenn ich ihn verhexe?", fragte Daphne besorgt.

„Du hast doch gesagt, es ist deiner Familie so wichtig, das Gesicht zu wahren. Würden sie dann riskieren, dass man dich aus Hogwarts wirft oder noch schlimmer, dass das Ministerium bei euch rumschnüffelt und alles auffliegt?"

„Nein eher nicht. Sie würden wahrscheinlich einfach nichts machen. Das können sie am besten."

„Genau, das würde ich auch sagen."

Amelia stand auf und klopfte dem Dummy auf die Schulter. „Ich habe mir ein paar kreative Flüche überlegt, die man mit wenig Konzentration und noch weniger Zauberstabsbewegung hinbekommt. Wollen wir?"

„Immer", sagte Daphne und kam zu Amelia rüber. Sie wirkte etwas nervös, aber sonst recht entschlossen.

Daphne war zwar nur wenig begabt was Flüche anging, doch allein das Selbstvertrauen, das sie bekam, war mehr wert als jeder Zauber der Welt. Das war es worauf es ankam.

Alles schien wieder seinen geregelten Gang zu nehmen, doch Amelia begann sich zunehmend Sorgen zu machen. Ihre Morgenübelkeit wurde zwar besser, doch nachdem die letzte Periode nicht mehr gewesen war, als eine kleine Zwischenblutung, war die nächste ganz ausgeblieben.

Zu sagen, sie hatte ein flaues Gefühl, wäre untertrieben. Sie hatte panische Angst. Aber wenn Amelia in einem gut war, dann war es Verdrängung. Erst hatte sie alles auf den Stress durch das Trimagische Turnier geschoben und jetzt sagte sie sich, dass sie noch etwas warten sollte, bis sich alles normalisiert hatte, aber im Grunde genommen hatte sie einfach zu viel Angst.

Sie nahm sich vor, mit Draco darüber zu sprechen, doch als sie sich endlich überwunden hatte, hatte Draco das unfassbare Talent, genau an dem Tag mal wieder den Reinblüter raushängen zu lassen.

Amelia hatte in Alte Runen all ihren Mut zusammengefasst und bevor sie ihn wieder verlor, wollte sie ihn von Arithmantik abholen, um ihm ihre Sorge zu beichten. Doch als sie in den Korridor einbog, in dem der Klassensaal lag, hörte sie einen gequälten Aufschrei.

Sie rannte um die nächste Ecke und entdeckte fünf Slytherins, unter ihnen Draco, die sich um einen am Boden liegenden Jungen scharten und ihn auslachten. Draco hob den Zauberstab und der Junge schrie auf, als sich auf seinem Gesicht eklige eitrige Blasen bildeten.

„Na Pickelfresse", sagte Graham und trat dem jungen in die Rippen.

Amelia erkannte Colin Creevey, ein Schlammblut aus Gryffindor. Genervt seufzte sie auf.

„Du willst dem kleinen Schlammblut doch keine Komplimente machen", lachte Draco und Vincent zerrte den Jungen auf die Beine und schleuderte ihn gegen eine Ritterrüstung. Es schepperte und ein Knacken war zu hören.

Amelia stockte der Atem und eine Welle des Zorns überflutete sie.

Hatte sie Draco nicht gesagt, was sie davon hielt Muggel und Schlammblüter zu verhexen? Sie brauchten das nichtmehr tun, um gefürchtet zu werden. Keiner wagte es ihnen in die Quere zu kommen. Es brachte ihnen nichts und sorgte nur dafür, dass sie gehasst wurden.

Draco hob gerade wieder den Zauberstab, als Amelia einen Fluch in ihre Richtung schickte.

Die Slytherins wurden alle umgeworfen. Amelia sah gerade noch, wie Draco wieder auf die Beine sprang, als sie sich umdrehte und schnell in Richtung Slytherin Kerker verschwand.

Sie war gerade im dritten Stock angekommen, als Draco wütend aus einem Geheimgang kam und sie mit sich zog.

„Verdammt Amelia, was sollte das?", schrie er sie an. Sein linker Arm war mit Brandblasen übersät.

„Das sollte ich dich fragen! Willst du wirklich zu so einem verachtenswerten Tyrannen werden. Willst du ein Todesser werden!", schrie sie zurück und fasste ihren Zauberstab fester.

„Das war nur ein Schlammblut, wen kümmert das. Ich bin nicht wie mein Vater", entgegnete Draco und seine Stimme wurde etwas ruhiger. Doch genau das war es, was Amelia aufregte. Ihm war sein Spaß wichtiger als Verantwortung zu übernehmen. Doch Macht zu haben hieß auch Verantwortung zu tragen.

„Doch du bist genau wie dein Vater. Er hat sich auch seinen perversen Freuden hingegeben, anstatt Verantwortung dafür zu übernehmen ein Zauberer zu sein!", schrie Amelia ungehalten.

In Dracos Zügen blitze ein unbändiger Zorn auf. „Glaubst du ich würde dich nicht verstehen, Amelia. Du bist die die mehr als jeder andere nach Macht und Kontrolle giert. Du bist ein Kontrollfreak der niemanden an sich heranlässt. Du sagst, du liebst mich aber in Wirklichkeit kannst du mir nicht vertrauen."

Amelia hob ihren Zauberstab und wich ein Stück vor Draco zurück. Doch er packte sie nur noch fester am Handgelenk, sodass es schon wehtat.

„Aber ich liebe dich! Du gehörst mir!", stieß Draco wütend hervor.

„Ich verachte dich!", schrie Amelia ihm entgegen und schob ihren Zauberstab zwischen sie, doch Draco holte aus und seine Faust traf sie ihm Gesicht. Etwas knackte.

Amelia fiel nach hinten und ihr Zauberstab rollte über den Boden.

Ihr Gesicht brannte und entsetzt blickte sie zu Draco hoch, der sie fassungslos anstarrte.

Es gab ein leises Geräusch, als Amelias Zauberstab an der Wand des Geheimgangs anschlug.

„Amelia." Dracos Stimme klang unglaublich gequält. Er kniete sich neben ihr hin.

„Ich… es…" Er streckte die Hand nach ihr aus und berührte sie leicht an der Wange. Doch Amelia zuckte zurück. Irgendwo in Amelias Kopf, wo ihr Verstand noch halbwegs arbeitete sagte er ihr, dass sie sich wohl das Jochbein angebrochen hatte.

„Es tut mir leid", sagte Draco und starrte wieder entsetzt auf seine Hände.

„Ich hätte so was nicht sagen sollen. Es ist nicht wahr", erwiderte Amelia und sah zu Boden.

„Nein, du hast Recht. Ich habe mich da mitziehen lassen. Nein, eigentlich habe ich angefangen… Ich reiße mich zusammen, versprochen. Ich lass die Muggel in Ruhe."

„Ist schon okay", sagte Amelia tonlos.

„Nein! Es ist nicht okay. Ich habe mich nicht unter Kontrolle ich bin gewalttätig. Amelia.. ich habe..." Draco schüttelte fassungslos den Kopf und Amelia bemerkte, wie seine Schultern anfingen zu zittern.

Draco weinte. Sie hatte ihn noch nie weinen gesehen. Eigentlich war es unfair. Eigentlich sollte sie weinen und wütend sein, ihm Vorwürfe machen, aber sie fühlte sich nicht danach.

Sie stand auf und kniete sich neben Draco. Sie zog ihn in ihre Arme und streichelte tröstend über seinen Kopf.

„Ich werde dir nie wieder wehtun, Amelia. Ich verspreche es dir… Bitte." Seine Stimme klang heiser und erstickt.

„Ich liebe dich", flüsterte Amelia zurück und musste jetzt auch weinen. Es waren keine leeren Worte. Wenn ihr ihr noch etwas war, das lieben konnte, dann liebte sie Draco mit jeder Faser ihres Herzens.

Ihr Gesicht pochte unangenehm und sie schmeckte das Blut, das aus ihrer Nase lief. Sie musste schrecklich aussehen, dachte sie in einem Anfall von Irrationalität.

„Kannst du das Richten?", fragte Draco irgendwann und löste sich leicht von ihr. Er strich ihr vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Ich geh auf die Krankenstation. Nicht, dass mein Gesicht schief zusammenwächst", sagte Amelia und versuchte zu lächeln, doch Draco blickte nur noch gequälter drein.

„Ich komm mit", sagte er und stand auf. Er fischte Amelias Zauberstab vom Boden und schnippte einen Käfer runter, bevor er ihn ihr reichte.

„Bring den Jungen auf die Krankenstation, bitte", sagte Amelia und Draco biss sich auf die Lippen. Er schien mit sich zu ringen.

„Mach ich", sagte er schließlich und schlurfte davon.

Die Krankenstation war leer als Amelia ankam. Nur eine leise Glocke verkündete ihr eintreten. Madam Pomfrey kam aus ihrem Büro geeilt.

„Was hast du denn gemacht!", rief sie entsetzt und drückte Amelia auf eines der Betten.

„Ich bin unglücklich die Treppe runter gefallen", sagte Amelia und strich sich die Haare zurück, damit Madam Pomfrey die Verletzung besser begutachten konnte. Die Krankenschwester warf ihr einen ungläubigen Blick zu.

„So tollpatschig kenn ich dich gar nicht", sagte sie und untersuchte mit ihrem Zauberstab Amelias Gesicht.

„Nichts Schlimmes, das haben wir gleich", sagte sie und fuhr mit dem Zauberstab über Amelias Gesicht, während sie einen Zauber murmelte.

Amelia hörte wie etwas unangenehm knackte und einen Moment später waren die Schmerzen verschwunden.

„Danke, das ist schon viel besser", sagte sie und stand auf. „Ich geh mir mal das Gesicht waschen. Ich muss schrecklich aussehen."

„Natürlich, du weißt ja wo alles steht."

Amelia ging in Madam Pomfreys Büro. Sie hatte die Tür kaum geschlossen, als sie erneut die Glocke der Krankenstation hörte. Das musste Draco mit dem Schlammblut sein.

Amelia wusch sich das Gesicht und betrachtete sich im Spiegel. Sie sah wirklich fertig aus. Dabei war sie auch sonst selten das blühende Leben. Hinter ihr im Spiegel sah sie die Regale mit Tränken. Dracos Stimme war von draußen zu hören. Amelia schluckte, als sie sich dem Regal näherte.

Sie wusste genau, was sie brauchte.

Sie nahm aus einem der oberen Regalfächer eine große bauchige Flasche und füllte etwas in ein kleines Reagenzglas. Dann pikste sie sich mit einer dünnen Nadel in den Finger und drückte einen Blutstropfen hinein.

Mit zitternden Fingern verkorkte sie das Reagenzglas und schwang es leicht durch die Luft. Sie musste es jetzt einfach wissen.

Als Madam Pomfrey kurz darauf herein kam, um etwas verdünnten Bubotubler-Eiter zu holen, saß Amelia am Tisch und blickte leichenblass auf die Phiole in ihrer Hand.

Die Krankenschwester eilte zu ihrem Regal und war kurz darauf wieder draußen um sich um ihren Schützling zu kümmern.

Amelia sah, wie die Tür ins Schloss fiel. Als wäre dies ein magisches Signal gewesen, stand sie auf und setzte einen Kessel aufs Feuer. In einem von Madam Pomfreys Büchern hatte sie schnell das passende Rezept gefunden.

Sie schnitt den Reinfarn in kleine gleichgroße Stücke, bevor sie ihn in das siedende Wasser gab und Zupfte mit ruhigen Fingern die Rosmarinblätter von ihrem Stängel.

Sie war ganz ruhig, als sie arbeitete und zitterte nicht mal, als sie den fertigen Trank in eine Tasse kippte.

Dann zögerte sie. Es war am leichtesten am schnellsten. Keiner würde es je erfahren.

Amelia musste an ihre Mutter denken. Sie dachte selten an Lily Potter, aber heute wünschte sie sich, sie könnte mit ihr reden. Hatte ihre Mutter auch mal vor genau der gleichen Tasse gesessen und sich überlegt, was sie tun sollte?

Damals war Krieg gewesen. Heute war kein Krieg. Aber ihre Mutter war fünf Jahre älter gewesen als Amelia heute. Sie hatte einen Freund gehabt, der zu ihr gehalten hatte.

Amelias Finger berührten ihre Wange. Sie wusste nicht wirklich, wie Draco reagieren würde. Aber durfte sie wegen einem kurzen Moment zweifeln? Das hatte er nicht verdient.

Trotzdem. Sie ging in die Schule. Sie konnte Hogwarts nicht verlassen. Sie gehörte hier hin. Was würde aus ihren ehrgeizigen Plänen werden? Wie ernst würde man sie noch nehmen, wenn sie mit vierzehn Mutter werden würde? Fünfzehn, korrigierte sie sich und setzte sich an den Tisch. Den Blick noch immer starr auf die Tasse vor sich gerichtet. Neben ihr lag der Schwangerschaftstest.

Es war eine Sache, die ihr sehr selten passierte, aber sie wusste nicht, was sie tun sollte.

In weiter Ferne jenseits ihrer Okklumentik spürte sie die Präsenz von Voldemort. Sie wusste nicht wann es so weit sein würde, doch irgendwann würde er zurückkehren. Konnte sie das ihrem Kind antun? Gejagt zu werden von einem Monster, nur wegen seiner Mutter? Sie hatte schon ihren Eltern das Leben gekostet.

Andererseits wenn es wirklich stimmte, dass Voldemort nur besiegt werden konnte, wenn sie starb. Dann würde wenigstens etwas von ihr zurückbleiben. Dann würde ein Teil von ihr in dieser Welt weiterleben.

Amelia malte sich die schrecklichsten Reaktionen von Dracos Eltern aus und was würden die Dursleys sagen? Sie konnte sich schon Tante Petunias hämisches Grinsen vorstellen. Dass sie es all die Zeit gewusst hatte, dass aus ihr nichts werden konnte.

Dumpf nahm Amelia wahr, wie die Tür erneut aufging und Madam Pomfrey wieder hineinkam. Die Krankenschwester sah Amelia besorgt an und setzte sich zu ihr an den Tisch.

Als erstes nahm sie die kleine Phiole in die Hand in der träge eine bläuliche Flüssigkeit schwamm.

Die Hexe sah Amelia besorgt an, bevor sie ihr die Tasse aus den zitternden Fingern nahm und daran roch. Es war ein leises Klong zu hören, als sie sie wieder auf den Tisch stellte.

„Wer ist der Vater?", fragte sie ohne Umschweife und faltete die Hände vor sich auf dem Tisch.

„Draco", sagte Amelia nur und presste die Lippen zusammen.

„Weiß er es?"

Amelia schüttelte den Kopf.

„Redest du mit ihm, bevor du das trinkst?"

„Ich kann das Kind nicht bekommen", sagte Amelia und schluckte. Sie blickte auf ihre zitternden Hände.

„Warum nicht?"

Amelia zuckte mit den Schultern. „Ich habe anderes geplant."

Jetzt gluckste die Hexe und legte eine Hand auf Amelias.

„Wenn das Leben immer so laufen würde, wie wir es planen, wäre es ziemlich langweilig."

„Sie meinen, ich sollte es bekommen?", fragte Amelia.

„Das liegt allein an dir, Amelia. Aber wenn du jetzt überstürzt reagierst, könntest du es bereuen. Der Trank läuft dir nicht weg."

„Gibt es viele Schülerinnen die Schwanger werden?"

Die Krankenschwester sah besorgt drein. „Du bist nicht die einzige. Es trifft alle möglichen Mädchen."

„Was machen die anderen."

„Alle reagieren ganz unterschiedlich. Amelia, Schwanger sein ist keine Krankheit. Alle Frauen werden irgendwann schwanger, wenn sie nicht aufpassen. Es ist ganz natürlich."

„Ja… Aber nicht mit vierzehn", erwiderte Amelia und sah auf.

Madam Pomfrey schnalzte mit der Zunge. „Wir hatten hier auch schon eine Schwangerschaft mit Zwölf. Du bist also bei Merlin nicht die jüngste. Das passiert eben, wenn Jungs und Mädchen glauben, mit Magie könnte man alles richten."

Amelia lachte gequält.

„Na gut, ich rede mit Draco."

Die Krankenschwester nickte und lächelte sie an.

„Ich behalte das hier bei mir. Je nachdem, wie du dich entscheidest, ist das akzeptabel?"

„Ja", sagte Amelia und stand auf.

„Würdest du dich noch kurz setzen? Ich muss noch eine Untersuchung machen bevor ich dich gehen lasse."

„Geht das nicht wann anders?", fragte Amelia. Sie wollte nicht untersucht werden schon gar nicht jetzt.

„Im Normalfall ist das kein Problem. Aber es ist nicht mal zwei Wochen her, dass du dich komplett verwandelt hast und damals warst du sicher schon Schwanger, oder?"

Amelia wurde etwas blass. Daran hatte sie gar nicht gedacht. Die Verwandlung hatte dem Baby sicher nicht gut getan.

Brav setzte sie sich auf die Liege, die im Büro der Krankenschwester stand. Madam Pomfrey ließ sie sich ausziehen und berührte sie dann sanft mit dem Zauberstab am Bauch und im Schambereich. Es war ein warmes Gefühl. Wäre Amelia nicht so verdammt nervös gewesen, hätte sie sich furchtbar dafür interessiert, was das für Zauber waren, aber in ihrem jetzigen Zustand wusste sie nicht auf was sie hoffen sollte. Vielleicht war das Kind durch die Magie so verstümmelt, dass sie es abtreiben musste. Sie schämte sich für den Gedanken und war froh als sie sich wieder anziehen durfte.

„Und?", fragte sie unsicher.

„Es verläuft alles normal. Deine Verwandlung hat dem Fötus nicht geschadet. Amelia, seit wann ahnst du, dass du schwanger bist?", fragte die Krankenschwester und reinigte ihren Zauberstab.

„Ich weiß es nicht. Ich habe es lange ignoriert. Ich bin es gewöhnt, Unmengen an Magie zu benutzen, da fühle ich mich öfter mal ausgelaugt oder habe andere Beschwerden, das ist ganz normal für mich."

„Du dürftest dich in der elften Woche befinden. Im dritten Monat."

Amelia schluckte und rechnete schnell zurück. „Um Weihnachten rum."

„Du warst über die kritische Zeit schon hinaus, als du dich so lange verwandelt hast. Das dürfte dein Kind gerettet haben."

Amelia nickte, unsicher ob sie sich freuen sollte oder ob die andere Alternative nicht besser gewesen wäre.

„Ich würde dann gehen", sagte Amelia.

„Wenn du einen Rat brauchst, ich bin gerne für dich da."

Amelia nickte und lächelte.

„Ich werde mit Draco reden."

„Mach das. Er hat ein Recht darauf es zu erfahren. Soll ich jemanden für dich benachrichtigen? Deine Verwandten?"

„Nein", sagte Amelia fast panisch. „Nein", wiederholte sie nochmal etwas ruhiger. „Darf ich sie darum bitten, niemanden zu informieren, bis ich mich entschieden habe, was ich mache? Auch nicht den Schulleiter oder meinen Hauslehrer?"

„Natürlich. Aber wenn du dich entscheiden solltest, das Kind zu bekommen, werden sie davon erfahren müssen. Das sollte dir klar sein."

„Ich brauche erstmal etwas Bedenkzeit."

„Ich möchte dich nicht hetzen, Amelia. Aber mehr als eine Woche wird dir nicht bleiben. Danach wird der Trank nicht mehr richtig wirken."

„Bis zur Zwölften Woche. Ich weiß."

„Dann komm. Ich muss noch nach meinem Patienten sehen und es ist spät geworden."

Die beiden Hexen verließen gemeinsam das Büro und Amelia warf noch einen Blick auf den schlafenden Colin Creevey, bevor sie zurück in die Slytherinkerker ging.

Ihre Hände waren schweißnass. Eine Woche Bedenkzeit erschien ihr unsagbar kurz.

Amelia schlug nicht den Weg in den Gemeinschaftsraum an. Sie brauchte erstmal etwas Zeit für sich, also ging sie in das Kerkerzimmer.

Doch als sie eintrat, bemerkte sie, dass dieses auch nicht leer war. Draco saß auf dem Sofa und hob den Kopf als Amelia eintrat und sich die Wand hinter ihr schloss. Er sah wirklich elend aus.

Im ersten Moment wunderte sich Amelia, was denn passiert war, bis ihr ihr Streit wieder einfiel und dass Draco die Hand ausgerutscht war. Es schien so unendlich lange her, dabei waren es kaum drei Stunden.

Draco stand auf, doch er wagte es nicht, auf sie zuzugehen. Amelia wollte ihm in die Arme fallen und sagen, dass sie ihn liebte, dass sie ihm schon lange verziehen hatte und dass das egal war, in Anbetracht dessen, was alles gewesen war, aber als sie den Mund aufmachte gab es nur eins, was sie sagen konnte:
„Ich bin schwanger."

Draco sah sie verdutzt an, doch dann schien er verstimmt.

„Darüber macht man keine Witze", sagte er ärgerlich.

Amelia kam auf ihn zu und drückte ihn an den Schultern nach unten, damit er sich wieder hinsetzte.

„Das, was da vorhin passiert ist, dieser Streit. Das ist doch vollkommen egal. Vergessen wir es einfach. Wir haben so viel durchgestanden, es gibt wichtigeres", sagte Amelia und setzte sich neben ihn. Sie war selbst überrascht, wie vollkommen ruhig sie war.

„Ich bekomme ein Baby von dir."

Draco musterte sie von der Seite. „Das war kein Scherz?", fragte er zweifelnd.

Amelia schüttelte den Kopf und legte zur Verdeutlichung die Hand auf ihren flachen Bauch.

„Du bist schwanger?", fragte er nochmal, als könnte er es nicht glauben.

„Ja", sagte Amelia und wusste nicht was sie tun sollte. Ob Draco wusste, wie viel jetzt von seiner Reaktion abhing?

Draco sah sie einfach nur an. Dann streckte er die Hand aus und berührte ihr Gesicht, wo er sie geschlagen hatte. Seine Finger waren kalt. Er fuhr mit der Hand zu ihrem Hals und zog sie an sich. Zusammen ließen sie sich zurücksinken und Amelias Kopf lag auf seiner Brust. Sie hörte seinen Herzschlag und sog die Luft in sich ein. Er roch unglaublich gut.

„Wann…", begann Draco, doch seine Stimme war so kratzig, dass er sich räuspern musste. „Wann ist das passiert?"

„Ich weiß es nicht. Irgendwann um Weihnachten. Wahrscheinlich nach dem Weihnachtsball."

„Ich dachte, du hast einen Verhütungstrank getrunken, als du das Amulett abgelegt hast."

„Habe ich auch. Ich weiß es nicht, Draco. Es gibt viele Möglichkeiten. Vielleicht war was im Alkohol, das schlecht auf den Trank reagiert hat oder das Amulett und der Trank vertragen sich nicht. Ich weiß es nicht."

Draco sagte wieder eine Weile nichts und in Amelia bildete sich ein kalter Klumpen.

„Draco, ich muss mich innerhalb einer Woche entscheiden, ob ich das Kind bekommen möchte. Ich habe schon sehr lange gewartet."

Langsam setzte Draco sich auf und sah sie gequält an. „Scheiße", flüsterte er mehr zu sich selbst.

„Draco, ich…", begann Amelia doch Draco unterbrach ihn.

„Es ist unser Kind, Amelia", stellte er gequält fest. „Ich meine… du kannst es doch nicht einfach töten."

„Warum bist du dir so sicher, dass du das Kind willst?", fragte sie überfordert. „Ich weiß nicht, was ich will."

Draco zuckte die Schultern. Er sah ziemlich geschafft aus. Zögerlich rückte er ein Stück von ihr weg, um sie besser ansehen zu können.

„Ich sollte dir jetzt bestimmt irgendein romantisches Geschwätz abliefern, aber das ist nicht die Wahrheit, Amelia", sagte er und klang gefasster als sie erwartet hatte. „Die Wahrheit ist, dass ich so erzogen wurde. Jedes magische Kind ist wichtig. Wir brauchen Nachkommen, sonst sterben die Zauberer und Hexen aus. Natürlich hatte ich anderes vor als mit vierzehn Vater zu werden. Ich hatte an sowas vielleicht erst in zehn Jahren gedacht oder noch später. Aber ich könnte es nicht ertragen, dass wir unser Kind töten. Das ist ein Verbrechen."

Amelia sah Draco perplex an, dann musste sie lächeln. Er mochte seine Freunde daran haben Muggel zu quälen, aber er war kein schlechter Mensch. Seine ungebrochene Loyalität galt seiner Familie und den Werten, für die sie stand. Das war eine Seite an ihm die sie immer lieben würde und sie war wichtiger als alles andere.

„Ich liebe dich, weißt du das?" Sie versiegelte seine Lippen mit einem Kuss und er zog seine Freundin näher an sich.

„Das hatte ich gehofft", sagte Draco und vergrub sein Gesicht in ihren Haaren.

Eine Weile blieben sie einfach nur so sitzen und hielten sich fest.

Schließlich löste sich Amelia von ihm und sah ihn an.

„Aber jetzt ehrlich, Draco. Wie stellst du dir das vor. Wir gehen beide zur Schule", sagte Amelia gequält.

„Wir müssen mit meinen Eltern reden. Ich weiß, dass meine Mutter gerne mehr Kinder gehabt hätte. Ich hoffe, dass sie uns helfen kann."

„Selbst wenn. Ich möchte die Schule nicht abbrechen. Nächstes Jahr sind ZAGs. Was soll aus mir werden, wenn ich nicht mal ZAGs hab."

„Wenn unser Baby wirklich bei meinen Eltern bleiben kann, hält dich nichts davon ab nach Hogwarts zu gehen."

„Du meinst außer mehreren hundert Kilometer zwischen dem Manor und Hogwarts. Deine Eltern werden sicher nicht zulassen, dass wir ihnen unser Kind ganz unterschieben. Ich glaube nicht, dass ich das wollen würde."

„Amelia, du bist eine der besten Hexen, die ich kenne. Wenn nicht sogar die genialste Hexe unserer Generation. Für einen Muggel mag die Entfernung ein unüberwindbares Hindernis sein. Aber nicht für dich und ich glaube auch nicht für mich."

Amelia strich nachdenklich über Dracos Hand. Ohne Draco würde sie wahrscheinlich noch immer in der Kammer des Schreckens sitzen und in Selbstmitleid zerfließen wegen Artemis Tod.

„Dann müssen wir mit deinen Eltern reden und mit Dumbledore, ob er meinen Schulbesuch zulässt. Wobei ich nicht glaube, dass er sich quer stellen wird. Außerdem müssen wir uns erkundigen, wie alles rechtlich aussieht", sagte Amelia und ihre Zuversicht kehrte zurück.

„Einfach wird es trotzdem nicht", sagte Draco und Amelia schnaubte.

„Nichts ist einfach. Ich bin nicht irgendeine Hexe. Die Presse wird sich das Maul darüber zerreißen und unsere Mitschüler erst. Ich kann sie jetzt schon in den Gängen lästern hören, ich bin daran gewöhnt. Es wird aber auch dich treffen, Draco und ich glaube nicht zu knapp."

„Dann musst du mich davon abhalten, sie in Grund und Boden zu hexen", sagte Draco grinsend bevor er Amelia abermals küsste.

„Ich werde mich bessern", sagte er leise und sie hörte die Schuld in seiner Stimme. „Ich verspreche es."

Sie gingen zusammen zur Eulerei und Draco schicke Beatrix mit einer Nachricht zu seinen Eltern, dass sie morgen Abend mit Flohpulver vorbeikämen. Morgen war Freitag, dann hätten sie ein paar Tage Zeit. Danach ging Amelia allein zu Severus, um ihn um eine Flohgenehmigung für sie beide zu bitten.

„Du weißt, dass ich die Genehmigung nur im Notfall erteilen darf. Selbst wenn, dürfte ich auch nur Draco zu seinen Eltern lassen. Du bist nicht mit den Malfoys verwandt."

„Severus, bitte. Es ist wirklich wichtig", sagte Amelia bittend.

„Was kann so wichtig sein, dass du mir davon nicht erzählen willst."

„Ich muss erst ein paar Sachen klären. Denn erzähle ich es dir. Bitte, vertrau mir doch."

Amelia wusste, dass Severus ihr noch nie einen Wunsch hatte abschlagen können. Es dauerte eine Weile, doch dann unterschrieb er ihr Formular. Natürlich unter der Bedingung, dass sie ihm danach alles berichten würde.

Es fühlte sich komisch an, als Amelia am nächsten Tag nach dem Abendessen ein paar Sachen zusammenpackte und ihre Schuluniform gegen normale Kleidung tauschte. Daphne fragte sie, was denn los sei, doch Amelia wimmelte sie nur ab.

Draco wartete im Gemeinschaftsraum. Er wirkte zwar kühl und gefasst, doch als er ihre Hand nahm, spürte sie, dass seine Finger schweißnass waren.

Sie flohten von Professor Snapes Büro aus und als sie einen Moment später im Manor ankamen, wurden sie auch schon herzlich von Mrs Malfoy begrüßt. Mr Malfoy schien allerdings ziemlich besorgt, wenn sie seine Mine richtig deutete.

Mrs Malfoy erkundigte sich, wie es in der Schule lief und erzählte, dass sie das Trimagische Turnier verfolgte. Sie schafften es bis in den Salon, bis Mr Malfoy das Wort erhob und seine Frau zum Schweigen brachte.

„Was wollt ihr hier? Dazu noch mitten im Schuljahr?", fragte er sie scharf.

Mr und Mrs Malfoy hatten auf zwei großen Sesseln am Kamin Platz genommen. Amelia saß ihnen gegenüber und Draco hatte sich auf ihre Stuhllehne gesetzt. Sie griff nach seiner Hand und ihre Blicke trafen sich.

Sie hatten darüber gesprochen, wie sie es seinen Eltern beibringen wollten. Draco musste, es waren schließlich seine Eltern und Amelia beneidete ihn nicht darum.

Mr und Mrs Malfoy schienen langsam unruhig zu werden.

Amelia blickte auf ihre andere Hand, die sie in ihrem Schoß zusammengeballt hatte.

„Was nun?", hakte Mrs Malfoy nach.

Es folgte wieder eine längere Stille.

„Amelia ist schwanger", sagte Draco plötzlich und fügte hinzu: „Von mir."

Was auch immer Amelia erwartet hatte, es kam nicht. Es war einen Moment still, doch trotzdem wagte sie es nicht aufzusehen. Die Malfoys waren immer gut zu ihr gewesen und jetzt machte sie so einen Ärger. Umso überraschter war sie, als sie plötzlich Schritte hörte. Mrs Malfoy kniete vor ihrem Sessel und griff nach Amelias Hand.

„Stimmt es?", fragte sie sanft und Amelia nickte.

„Im dritten Monat", antwortete sie unsicher.

„Mach dir nicht zu viele Sorgen. Das bekommen wir hin."

Was auch immer Amelia erwartet hatte, diese Reaktion war es sicher nicht gewesen. Das war es, was sie hatte hören wollen, was sie sich gewünscht hatte, aber normalerweise lief nichts so glatt in ihrem Leben.

Amelia begann zu weinen und einen Moment später hielt Mrs Malfoy sie in den Armen und streichelte über ihren Kopf.

„Alles wird gut", sagte sie und auch ihre Stimme klang erstickt.

Es tat unglaublich gut zu weinen, so als würde sie alle Sorgen wegweinen. Amelia hatte nie eine Mutter gehabt, aber wenn, hätte sie sich gewünscht, dass sie so wie Dracos Mutter war. Dass sie sie einfach verstehen würde.

Es dauerte eine Weile, bis Amelia nur noch schluchzte, sich aber die stärksten Weinkrämpfe gelöst hatten.

„Danke", sagte sie und sah Mrs Malfoy an. Die sonst so disziplinierte Hexe, hatte ebenfalls Tränenspuren auf dem Gesicht.

„Mutter, ich bin dein Sohn, solltest du nicht mich trösten?", fragte Draco halb belustigt.

Mrs Malfoy sah sofort auf und funkelte ihren Sohn an.

„Oh bitte, Draco. Du hast deinen Teil zum Vater werden schon beigetragen. Der Rest liegt jetzt bei Amelia. Also raus mit dir und hol dir deine Standpauke bei deinem Vater ab."

Sie deutete auf die Tür und Draco warf einen Blick zu Mr Malfoy, dessen Miene unleserlich war. Zusammen gingen die beiden Männer raus und Amelia war froh, nicht in seiner Haut zu stecken.

„Komm, setz dich zu mir auf das Sofa", sagte Mrs Malfoy und schenkte ihr eine Tasse Tee ein.

„Danke sehr, Mrs Malfoy", sagte Amelia. Sie fühlte sich um einiges gefasster.

„Sag Du, Amelia. Ich bin Narzissa", sagte die Hexe sanft. Amelia lächelte zurück und nickte.

„Musstet ihr euch lange dazu überwinden, herzukommen?", fragte Narzissa.

„Wir hatten keine Wahl. Ich habe es gestern erst erfahren. Wegen des Turniers ist so viel passiert, dass ich immer eine andere Ausrede für meinen Zustand finden konnte. Wir müssen jetzt entscheiden, ob ich unser Kind bekommen soll."

„Das ist keine leichte Entscheidung."

„Draco möchte, dass ich unser Baby bekomme", sagte Amelia.

„Wirklich?", fragte Narzissa überrascht und lächelte. „Dann habe ich bei meiner Erziehung doch nicht alles falsch gemacht."

„Was würdest Du mir raten?"

Narzissa schien einen Moment zu zögern.

„Ich weiß nicht, ob ich dir einen unvoreingenommenen Rat geben kann. Ich war in einer ähnlichen Situation wie du heute, Amelia."

„Was ist passiert?", fragte Amelia und drehte ihren Tee in der Hand.

„Nichts Außergewöhnliches. Ich war kaum älter als du heute und wurde schwanger. Der Vater war allerdings nicht Lucius. Ich glaube, ich habe dir erzählt das wir uns in unserer Schulzeit nicht sonderlich leiden konnten."

Amelia nickte.

„Der Vater war in der siebten Klasse und wollte nicht dazu stehen, eine fünfzehnjährige geschwängert zu haben, also stand ich allein da. Erst wollte ich abtreiben, doch dann entschied ich mich dagegen. Da hatte ich dir Rechnung allerdings ohne meine Eltern gemacht."

Narzissas Hand zitterte leicht und ihre Tasse stieß gegen die Untertasse, also stellte sie beides auf den Tisch.

„Sie haben mich dazu gezwungen."

Amelia legte Dracos Mutter zögerlich die Hand auf den Arm.

„Deshalb hast du das zu mir gesagt, was du selbst gerne gehört hättest", wurde Amelia klar.

„Ja. Wäre damals alles nur anders verlaufen. Die Abtreibung lief furchtbar schief und nur Magie konnte mich retten. Ich kann keine Kinder mehr bekommen, Amelia. Draco ist mein einziger Sohn und es war reines Glück, dass es geklappt hat. Lucius und ich haben es jahrelang versucht."

Amelia wurde etwas flau im Magen. Sie hatte nie daran gedacht, dass eine Abtreibung auch schief gehen konnte.

„Überleg dir genau, was du tust", sagte Narzissa. Sie sah seltsam zerbrechlich aus.

„Draco und ich werden das mit dem Kind nicht allein schaffen. Ich kann unser Kind nicht nach Hogwarts nehmen und ich kann Hogwarts nicht verlassen, bevor ich wenigstens meine ZAGs gemacht habe. Deshalb…", begann Amelia und Narzissa fuhr fort.

„Deshalb seid ihr hier. Ihr wollt, dass Lucius und ich uns um euer Kind kümmern, während ihr in der Schule seid."

„Tagsüber, ja. Ich wollte mit Dumbledore sprechen, ob es nicht möglich ist, dass ich hier wohne oder ich habe noch ein paar andere ausgefallenere Ideen. Die Hausaufgaben, die Schule die Noten, all das ist kein Problem. Ich würde mein Kind gerne bekommen. Aber allein habe ich keine Chance. Ich habe keine Familie."

„Das ist ein Irrglaube. Du hast mich, das ist mein Enkelkind, was du da in dir trägst. Du hast Draco, von dem ich wirklich positiv überrascht bin und du hast Lucius, der sich, sobald der erste Wutanfall vorüber ist, auch freuen wird. Du gehörst doch schon lange zu unserer Familie."

Mit einem Mal wurde Amelia klar, dass wenn sie ihr Kind bekommen würde, sie sich damit die Loyalität der Malfoys sichern würde. Loyalität in ganzer Linie.

Wenn sie ihr Kind abtrieb, würde sie Draco zweifellos verlieren und damit auch seinen Schutz und die Macht der Familie Malfoy. Noch schlimmer, Draco war ein verdammt guter Duellant. Sollte er sich Voldemort anschließen, könnte sie ihn nicht mal besiegen. Das war ein Punkt, den sie nochmals durchdenken musste.

Andererseits würde es ihr ihr ganzen Leben nachhängen, wenn sie jetzt ein Kind bekam. Vom persönlichen Standpunkt mal ausgenommen, wäre sie gesellschaftlich am Ende.

„Also würdest du auf mein Kind aufpassen?", fragte Amelia.

„Natürlich", sagte Narzissa, „dafür ist Familie da."

Amelia trank ihre Tasse leer, bevor sie sich wieder an Narzissa wandte.

„Was, wenn ich keine gute Mutter sein kann?", sprach Amelia den Gedanken aus, der sie gestern beim Einschlafen gequält hatte. „Gefühle liegen mir nicht und ich hatte nie eine Mutter."

„Mutter sein kommt von ganz allein Amelia. Ich habe bestimmt auch oft versagt und trotzdem lebt Draco und scheint einigermaßen glücklich zu sein. Mutter werden lässt sich planen, aber Mutter sein ist jeden Tag eine neue Herausforderung."

Amelia hätte sich eine eindeutigere Antwort gewünscht.

„Wie war deine Mutter, Narzissa?"

„Sie war sehr streng, aber ihre Strenge hat ihr nichts genützt. Sobald wir Schwestern in Hogwarts waren, haben wir unsere Freiheit ausgenutzt. Andromeda war die Älteste. Sie hat der Familie keine Ehre gemacht und ist mit einem Schlammblut durchgebrannt. Bellatrix war die Mittlere von uns. Sie sitzt jetzt in Askaban, weil sie den Auroren Longbottom in den Wahnsinn gefoltert hat. Von ihrem Verstand selbst dürfte auch nicht mehr viel übrig sein. Ich bin die Jüngste. Du kennst meine Geschichte. Meine Ehre hat nur Lucius gerettet, weil er mich dennoch zur Frau genommen hat.

Ich halte nicht viel von überzogener Strenge. Ich habe gedacht, ich habe Draco gut erzogen und jetzt schwängert er mit Vierzehn ein Mädchen. Vielleicht hätte ich resoluter sein sollen. Wenn ich euch den Sex verboten hätte, wäre das nicht passiert."

„Ich glaube nicht, dass es etwas geändert hätte", sagte Amelia. „Draco und ich hätten sowieso gemacht, was wir wollten. Wenn ich ehrlich bin, sind wir für unser Alter viel zu..." Amelia suchte nach dem richtigen Wort. „…mächtig. Das macht überheblich. Vielleicht bringt mich die Schwangerschaft zurück auf den Boden der Tatsachen."

„Ich habe im Tagespropheten gelesen, was du bei den Aufgaben vollbracht hast. Ich kenne mich nicht gut mit weiterführender Magie aus, aber wenn ich mich daran erinnere, wie viel Mühe ich habe einen Muggel in einen Pfau zu verwandeln, will ich mir nicht vorstellen, wozu du in deinem jungen Alter in der Lage bist."

Amelia stockte einen Moment, als sie an die ganzen Pfauen auf dem Anwesen dachte, doch jetzt war nicht der richtige Moment um das zu hinterfragen.

„Darf ich eigentlich in der Schwangerschaft Sex haben? Oder schadet das meinem Kind?"

„Nein, da passiert nichts. Aber du solltest wegen der Schwangerschaft sowieso einen Heiler aufsuchen. Er kann dir sagen, wenn du etwas beachten musst oder ob es Probleme gibt."

„Ich habe schon mit unserer Schulkrankenschwester geredet. Sie sagte, alles verliefe normal."

„Es gibt ein paar wirklich gute Spezialisten auf dem Gebiet", begann Narzissa, doch Amelia wehrte ab, als sie an den eingeschüchterten Spezialisten dachte, der Draco hatte retten sollen.

„Ich habe großes Vertrauen zu unserer Heilerin. Ich verbringe oft Zeit auf der Krankenstation und sie unterrichtet mich in Heilzaubern. Ich würde erstmal gerne mit ihr über alles sprechen, bevor ich zu irgendwelchen Spezialisten gehe."

„Wenn du ihr das zutraust", sagte Narzissa und schien nicht überzeugt.

„Wie oft werden es die normalen Heiler mit schwangeren Mädchen zu tun bekommen, wohingegen die Schulkrankenschwester schon öfter damit konfrontiert war. Bist du damals nicht zur Schulkrankenschwester gegangen?"

„Doch, sie war sehr verständnisvoll. Du hast wahrscheinlich Recht, Amelia."

Amelia nickte und sah besorgt zur Tür.

„Glaubst du, dein Mann bringt mir Draco lebend wieder?"

„Keine Sorge. Er stutzt ihn nur zurecht. Lucius liebt seinen Sohn."

„Draco kann Glück haben, so tolle Eltern zu haben."

„Oh er hat uns ganz schön auf Trab gehalten. Magst Du ein paar Kinderfotos sehen? Er sah wirklich niedlich aus als Baby, aber er war ein Satansbraten", sagte Narzissa und Amelia war sofort dabei.

Dobby brachte mehrere Fotoalben und Amelia blätterte sie durch, während Narzissa die Geschichten dazu erzählte.

„Ob mein Kind auch blonde Haare haben wird?", fragte Amelia und betrachtete ein besonders süßes Babyfoto.

„Oh, es bekommt bestimmt die Black Haare. Da haben die Malfoys gar keine Chance."

„Die Black Haare?", fragte Amelia belustigt.

„Ja, schwarze dicke Haare. Die gleichen, die du hast, die sind typisch Black, die musst du von deiner Großmutter geerbt haben. Ich habe sie auch, genauso wie meine Schwester Bellatrix. Nur Draco hat leider Lucius Haare geerbt."

„Also sind deine Haare gefärbt?", fragte Amelia.

„Verhext, mit schwarz sah ich so blass aus", lachte Narzissa und strich durch ihre weißblonden Haare.

„Dann kommt das Gen von beiden Seiten, da hat das Blond keine Chance", lachte Amelia. Sie dachte an Sirius, was der wohl von ihrer Schwangerschaft halten würde?

Amelia und Nazissa verbrachten etwas Zeit damit Kinderbilder zu durchwühlen und Narzissa hatte Amelia einen ganzen Stapel an Büchern und Zeitschriften über Schwangerschaft gegeben. Sie hatte eine ganze Sammlung, so angestrengt wie sie versucht hatte, schwanger zu werden. Auch ein paar Märchenbücher waren dabei und Amelia musste lächeln, als sie das abgegriffene Buch in die Hand nahm und sich vorstellte, wie Narzissa Draco als kleinem Kind Geschichten zum Schlafengehen vorgelesen hatte. Würde sie ihrem Kind auch die Märchen von Beedle dem Barden vorlesen?

Es war schon dunkel, als Draco mit seinem Vater zurückkamen. Sie sahen beide ernst drein und Amelia schämte sich fast für ihre gute Laune.

„Amelia, wir müssen reden", sagte Draco und Amelia stand besorgt auf, während Lucius zu seiner Frau ging.

„Was ist?", erkundigte sich Amelia.

„Lass uns rausgehen", sagte Draco und deutete auf die Eingangstür.

Dobby brachte ihnen dicke Umhänge und trotzdem war es noch elend kalt. Sie gingen die Auffahrtsstraße entlang und in die Parkanlage die um das Manor herum angelegt worden war. Nur die Lichter aus dem Haus erhellten ihren Weg.

Amelia legte einen Wärmezauber über sie.

Sie brachten einiges an Abstand zwischen sich und das Haus, bevor Draco etwas sagte.

„Ich wollte drinnen nicht reden."

„Ich weiß, die Wände haben Ohren. Was hat dein Vater gesagt."

Draco verzog das Gesicht.

„Oh, er ist ausgeflippt. Fast so schlimm wie damals, als ich den Familienzauber aufgeweckt habe."

„Das hört sich nicht gut an", sagte Amelia und griff nach seiner Hand.

„Hält er zu… uns?", fragte sie zögernd.

„Da hat er keine Wahl. Meine Mutter würde niemals zulassen, dass wir dich im Stich lassen und noch weniger unser Kind."

Amelia nickte. Sie wusste nicht, wie viel von dem, was Narzissa ihr heute erzählt hatte Draco wusste. Aber Lucius musste die Geschichte kennen.

Draco blieb stehen und fasste seine Hände um Amelias.

„Amelia, er möchte, dass wir heiraten. Also früher oder später. Noch geht es nicht da wir zu jung sind. Aber es soll ein Versprechen sein, dass ich dich nicht im Stich lassen werde."

Amelia wusste nicht, was sie sagen sollte. Das war alles ziemlich viel auf einmal. Als sie nichts sagte, fuhr Draco fort.

„Es hat für… uns eine große Bedeutung", sagte er etwas unsicher.

„Wie können wir überhaupt heiraten? Wir sind vierzehn und noch lange nicht volljährig."

„Noch nicht. Sieh es als Versprechen für die Zukunft. Wir werden füreinander da sein", sagte Draco.

„Das heißt, wir heiraten, wenn wir volljährig sind?"

„Wenn du zustimmst."

„Habe ich eine Wahl?", fragte Amelia sanft. „Ich brauche euch… Ich brauche dich…"

Draco kam einen Schritt näher und strich über ihre Wange.

„Ich liebe dich, auch wenn ich nicht weiß, ob das jetzt eine Rolle spielt."

„Ich liebe dich auch, Draco", erwiderte Amelia, „und selbst, wenn es für die Tatsachen die wir geschaffen haben keine Rolle spielt, es ist für mich wichtig. Wir dürfen das nicht vergessen, wenn ich deine Frau bin."

Draco holte etwas aus seiner Tasche. Einen silbernen Ring, in den ein kleiner blauer Saphir eingefasst war.

„Der Ring gehört meiner Familie. Ich hatte eigentlich nie vor, dir sowas heute zu geben, aber ich glaube, dass du die richtige Frau bist."

Amelia beugte sich vor und küsste Draco sanft auf die Lippen. Es fühlte sich etwas anders an, als sonst. Zumindest wollte Amelia sich das Einbilden.

„Das hast Du schön gesagt", sagte Amelia und ließ sich den Ring über den linken Ringfinger streifen. Ihr Herz schlug schnell als sie ihn betrachtete.

„Jetzt sind wir verlobt", stellte sie fest und drehte den Ring an ihrem Finger.

Gemeinsam standen sie beieinander und blickten auf ihre verschränkten Hände.

„Draco?", fragte sie langsam und ihre Stimme hatte wieder ihren alltäglichen Tonfall angenommen. „Fühlst Du dich genauso surreal wie ich?"

„Und wie, das ist furchtbar", sagte Draco und musste lachen. Amelia stimmte mit ein. Das alles war irgendwie komisch. Sie stapften zurück zum Haus. Im Salon warteten Dracos Eltern auf sie. Sie warfen ihnen einen fragenden Blick zu. Draco nickte knapp.

„Als hätte ich eine große Wahl gehabt", lachte Amelia und schenkte sich noch einen Tee ein.

Lucius erlaubte sich ein Lächeln.

„Dann haben wir alles geklärt, oder?", fragte er.

„Wir müssen den Antrag beim Ministerium stellen damit wir apparieren dürfen, obwohl wir nicht volljährig sind", sagte Draco und setzte sich neben Amelia auf das Sofa.

„Das kann ich erledigen. Aber es hat noch Zeit. Bevor ihr Fünfzehn seid, hat der Antrag sowieso keine Chance durchzugehen", sagte Lucius.

„Du könntest mir bei der Gelegenheit noch einen Gefallen tun, Lucius", sagte Amelia und stellte ihre Tasse wieder ab. „Derzeit läuft ein Verfahren, um Sirius Black zu rehabilitieren. Es müsste bald vor den Zauberergamot kommen. Mach ein bisschen gute Stimmung für Sirius. Ich hätte ihn gerne rehabilitiert."

Lucius sah sie überrascht an.

„Wir haben sogar schon den Termin bekommen. Warum liegt dir so viel daran?"

„Ich habe nicht vor, vor die Muggel zu kriechen, um sie für mich irgendwelche amtlichen Dokumente unterschreiben zu lassen. Sirius ist mein Pate. Bei seiner Rehabilitierung kann er als mein Vormund fungieren. Es würde das Leben einfacher machen, einen Zauberer als Vormund zu haben."

„Du wirst dich nie verändern", sagte Draco neben ihr und grinste vergnügt.

„Ich werde sehen, was ich tun kann.", versprach Lucius und nickte.

Sie verbrachten den Abend damit, ihre Zukunft zu planen und dann erzählte Narzissa ihnen Geschichten aus Dracos Kindheit. Die von Draco gelegentlich mit „Mutter!" kommentiert wurden und von Lucius mit witzigen kleinen Details. Dracos Vater schien regelrecht gelöst zu sein. Amelia hatte ihn noch nie so entspannt gesehen.

Es wurde spät, als sie zu Bett gingen und Amelia grinste, als sie zu Draco unter die Bettdecke schlüpfte.

„Deine Eltern haben das erstaunlich gut verkraftet", sagte Amelia und kuschelte sich an ihn.

„Ich mach mir mehr sorgen, dass mir die Nerven durchgehen", sagte Draco und küsste sie auf die Stirn.

„Madam Pomfrey hat gesagt, dass eine Schwangerschaft auf Hogwarts durchaus mal passiert. Ich werde also nicht die Erste sein und auch nicht die Letzte", antwortete Amelia.

„Das ist tröstlich", sagte Draco ironisch.

Amelia schmunzelte und wanderte mit ihren Fingern über seinen Körper. Schnurrend drückte sie sich an ihn, als sie über sein Glied in der Boxershorts fuhr. Doch er schob ihre Finger beiseite.

„Hör auf, davon werde ich nur geil", sagte Draco.

„Das war der Sinn der Sache", erwiderte Amelia und machte weiter.

„Du willst mich nur quälen", stöhnte Draco, als Amelia sein Glied massierte.

„Nein, ich möchte mir dir schlafen. Sonst bist du doch auch ganz scharf drauf."

„Du bist schwanger", erwiderte Draco und bereite sich aus ihrem Griff.

„Dann stell dich halt an", sagte Amelia beleidigt und setzte sich auf. „Ich bin seit drei Monaten schwanger und du hast mich oft genug flachgelegt. Nur weil du es jetzt weißt, führst du dich auf, als sei ich krank."

„So war das nicht gemeint", sagte Draco. „Aber was, wenn es unserem Kind schadet."

„Das ist totaler Unsinn. Ich habe deine Mutter gefragt."

„Darüber redest du mit meiner Mutter?"

„Und du willst nicht mal mit deiner schwangeren Freundin schlafen."

Es war einen kurzen Moment still, in dem Amelia vor sich hin schmollte, bis Draco sie in seine Arme zurückholte,

„Ich habe mir heute in Verwandlung überlegt, wie es wohl ist mit dir zu schlafen, wenn der Bauch erst größer geworden ist", sagte Draco und streichelte über ihren flachen Bauch.

„Wir werden es wohl herausfinden, oder?", stellte Amelia fest.

„Davon gehe ich aus", erwiderte Draco und küsste sie. „Dieses „schwangere Freundin" stimmt übrigens nicht ganz. Du bist meine schwangere Verlobte."

Der nächste Kuss war leidenschaftlicher und Amelia gab sich dem nur zu gerne hin.

Sie blieben das Wochenende im Herrenhaus. Erst jetzt begriff Amelia allmählich, was das alles für sie bedeuten würde. Sie würde eine Malfoy werden. Sie würde hier auf diesem Manor leben und ihr Kind großziehen.

Lucius und Narzissa verhielten sich ganz anders ihr gegenüber, viel lockerer. Zusammen besprachen sie den Umbau eines Wohnflügels, damit Draco und Amelia dort wohnen konnten.

Amelia war vollkommen überrumpelt. Wollte sie ihr Kind wirklich bekommen? Draco hatte ihr nicht wirklich eine Wahl gelassen. Auch Narzissa nicht. Aber mit ihrem Baby bekam sie eine Familie. War es nicht das, was sie sich immer gewünscht hatte. Irgendwie fühlte es sich wie ein fauler Kompromiss an. Bekam sie ihr Kind nur wegen der Malfoys? Keiner hatte sie gefragt, nicht mal Draco.

Amelia stand allein im Salon und blickte auf den schneebedeckten Garten. Nachdenklich drehte sie ihren Verlobungsring am Finger.

Es war normal, Zweifel zu haben, oder?

Es könnte schlimmeres geben, als hier zu leben. Es könnte schlimmeres geben, als Dracos Frau zu werden.

Amelia hatte die Wahl zwischen zwei Alternativen. Mehr realistische Optionen gab es nicht. Entweder sie bekam ihr Baby und heiratete ihn irgendwann oder sie trieb ab, dann würde Draco sie früher oder später verlassen und sie würde ihre Familie verlieren.

„Was würdest du tun, Mutter?", fragte sie ihr blasses Spiegelbild im Fenster. Es antwortete nicht. Sie blickte in ihre grünen Augen. Es waren die Augen ihrer Mutter.

Auch Lily Evans hatte einmal vor dieser Entscheidung gestanden, die Amelia nun treffen musste. Artemis hatte es ihr erzählt. Auch ihre Mutter war verzweifelt gewesen. Ihre Mutter hatte sich für sie entschieden und sie hatte sie geliebt. Obwohl sie sie nicht gewollt hatte, hatte sie sie mehr geliebt als ihr eigenes Leben. Ihre Mutter hatte ihr eine Chance gegeben und auch wenn sie sie nicht kannte, war sie ihr dankbar dafür, zu leben. Sie wollte leben. Leben war kostbar und wunderschön.

Was wäre sie für eine Mutter, wenn sie ihrem Kind nicht die gleiche Chance geben würde, die sie bekommen hatte. Nach all dem Tod, den sie verursacht hatte, hatte sie die Chance, ein Leben zu schaffen. Das war etwas Gutes, das war das Beste, das sie tun konnte. Auch wenn sie ihr Kind nicht gewollt hatte, konnte sie es lieben und sie würde es so sehr lieben, das wurde Amelia klar, da es das Beste war, das sie jemals vollbringen würde. Es war mehr als Magie, es war ein Wunder.

Amelia sah, wie ihr Spiegelbild lächelte und plötzlich fühlte sie sich besser. Keine Heuchelei mehr, keine Worte mit Nachklang. Sie wusste jetzt, was sie wollte. Es war richtig. Ihre Mutter hatte es ihr gesagt.

Nachwort:

Wie schwer habe ich mich mit diesem Kapitel getan. Irgendwie alles in der richtigen Mischung unterzubringen. Die Freude über ein neues Leben. Die Sorgen wegen des Alters. Der Druck der Malfoys, der unübersehbar da ist. Amelias freie(?) Entscheidung, die eigentlich gar nicht frei ist. Auch Dracos Reaktion fiel mir schwer. Für ihn steht es nicht zur Debatte, ob das Kind abgetrieben wird oder nicht. Er hat ein schlechtes Gewissen, weil er Amelia geschlagen hat und möchte sie irgendwie aufmuntern und gleichzeitig hat er eigentlich keine Lust, Vater zu werden, muss sich aber seinen eigenen Überzeugungen und Wertevorstellungen nach damit arrangieren.

Wer sich jetzt denkt, bitte bitte nicht sooo eine Story… bitte lest den 4 Band zu Ende. Es wird wieder weniger kitschig. Spätestens im 5 Band. Ich muss es wissen, ich habe ihn schon geschrieben ;)