Kapitel 10 – Der Bund von Beltane

Sie kehrten nach Hogwarts zurück und am Montag begann die Schule wieder.

Doch mit der Post am Montag kam eine unangenehme Überraschung.

Pansy, die die Hexenwoche abonniert hatte und gerade ihr neues Exemplar von einem hübschen Waldkauz entgegen nahm, war die Erste, die darauf aufmerksam wurde.

Sie waren mit dem Frühstück nicht mal halb durch, als sie zu Amelia gehuscht kam und ihr die Zeitung auf den Teller knallte.

„Das wirst du erklären müssen", forderte sie. Amelia betrachtete den Artikel mit hochgezogenen Augenbrauen und nahm ihn von ihrem Marmeladentoast.

Ein großes Bild von ihr und Draco war auf der Seite zu sehen, darunter stand ein kurzer Artikel.

Der Leidensweg von Amelia Potter

Als schöne, berühmte und überaus begabte Hexe scheint es nur normal, dass Amelia Potter der Neid und die Aufmerksamkeit der gesamten Zaubererwelt folgen.

Seien sie ehrlich mit sich selbst, wer von uns Durchschnittshexen würde nicht gerne einmal in ihrer Haut stecken und die Aufmerksamkeit und Huldigung der ganzen Männerwelt genießen?

Doch auch eine so außergewöhnliche Hexe wie Amelia Potter hat mit den Herabsetzungen und Widrigkeiten der Männer zu kämpfen.

So muss die junge Hexe mit der Brutalität ihres festen Freundes Draco Malfoy hadern, der dem zierlichen Mädchen gegenüber auch schon mal handgreiflich wird, wenn sie sich ihm widersetzt. Gut nur für den jungen Mann, dass sich Verletzungen mit Magie gut vertuschen lassen und auch Amelia Potter aus blinder Liebe heraus ihren Freund beschützt.

Aber an wen sollte sich die junge Hexe in ihrer Not auch wenden?

Die Lehrer in Hogwarts sollten für sie Hilfe und Ansprechpartner sein, doch selbst wenn sie sich vertrauensvoll an ihren Hauslehrer Severus Snape wendet, kann sich die Schülerin nicht seiner professionellen Fürsorge sicher sein.

„James Potter und Professor Severus Snape waren in ihrer Schulzeit verfeindet und ich würde es ihm zutrauen, dass er seine Wut an James Tochter auslässt", weiß ein alter Schulkamerad von Professor Snape zu berichten, umso schockierender ist die Tatsache, dass Amelia Potter ihren Professor vertrauensvoll mit Severus anspricht, was keinesfalls dem Umgangston zwischen Schülerin und Lehrer entspricht.

„Sie besucht ihn jede Woche in seinem Büro", erfahre ich von einer besorgten Mitschülerin und da schrillen nicht nur bei mir alle Alarmzauber.

Es stellt sich natürlich die Frage, welch intime Beziehung zwischen Lehrer und Schülerin besteht. Sollte Professor Snape bei seiner Rache für vergangene Schmähungen eine Grenze übertreten, wäre dies nicht zu verantworten.

Ich bin sicher, dass der Schuldirektor dieses Verhalten nicht dulden kann und sofort entsprechende Maßnahmen einleiten wird.

Rita Kimmkorn

Zu sagen, Amelia wäre geschockt, als sie zu Ende gelesen hatte, wäre eine Untertreibung gewesen. Sie reichte den Artikel Draco, der sehr blass wurde, nachdem er geendet hatte und sein Brot auf den Teller klatschen ließ.

Pansy beobachtete sie genau.

„Also?", fragte Pansy und Amelia legte so viel Entrüstung, wie sie konnte in ihre Stimme.

„Kein Wunder, dass sie so einen Mist in der Hexenwoche abgedruckt hat. Der Tagesprophet wollte so einen Unsinn wahrscheinlich nicht schreiben", sagte Amelia kühl und verpasste Draco unter dem Tisch einen Tritt, damit er sich wieder fing.

„Also ist da nichts Wahres dran?"

„Pansy, glaubst du wirklich, dass ich, vor allem ich, mich von jemandem herumschubsen lassen würde? Mal ganz davon abgesehen, Snape?", lachte Amelia und jetzt musste auch Pansy lachen.

„Ich hätte die blöde Kuh in Hogsmeade nicht reizen sollen, war klar, dass sie sich was ausdenkt", sagte Draco zerknirscht.

„Snape hat sich auch mit ihr angelegt. Wisst ihr noch, in Zaubertränke?", sagte Daphne, die Amelia den Artikel zurückgab.

„Das wird noch Ärger geben", prophezeite Amelia. „Pansy, kann ich den haben?"

Amelia deutete auf den Artikel.

„Muss das sein? Die Zeitschrift ist neu."

„Nur den Artikel", bat Amelia.

„Natürlich darf sie, es geht schließlich um sie", sagte Daphne und riss den Artikel aus der Zeitschrift, um ihn Amelia zu reichen. Pansy sah ein bisschen unglücklich aus, widersprach aber nicht.

Sie machten sich auf den Weg zu ihrer ersten Stunde, Verwandlung. Draco und Amelia verzogen sich in die letzte Bankreihe. Ein Zauber hielt ihnen die Lauscher vom Leib.

„Meine Mutter bringt mich um", stöhnte Draco, sobald der Zauber stand.

„Sie abonniert die Hexenwoche, oder? Glaubst du, sie traut dir so was zu?"

„Das schlimme ist, dass es die Wahrheit ist", sagte er geknickt.

„Jetzt hör doch auf damit. Das ist eine Sache zwischen uns, das geht niemanden etwas an und ich will nicht, dass jemand die Wahrheit erfährt. Glaub bloß nicht, dass du wegen deiner Schuldgefühle alles zugeben musst. Ich brauche dich, unser Baby braucht dich", sagte Amelia aufgebracht.

„Ich habe alles Schreckliche verdient was sie über mich sagen können."

„Es geht nicht nur um deinen Ruf. Was glaubst du würden die Leute von mir… von uns beiden denken. Was denken sie aufgrund dieses Schundblattes von uns."

Draco sah sie unglücklich an, nickte dann jedoch ergeben.

„Na gut, dann sollte ich meiner Mutter schreiben, bevor sie auf die Idee kommt, mir einen Heuler zu schicken", sagte er und nickte zur Bekräftigung. „Was machst du wegen Snape?"

„Ich habe die Hoffnung, dass die Hexenwoche nicht so viele lesen werden, aber ich werde ihn wohl vorwarnen."

„Amelia, hat er jemals…", begann Draco.

„Nein", antwortete Amelia genervt und dachte an Anfang des Schuljahres, als sie fast erwartet hatte, Severus würde sie küssen oder an die Sache mit ihrer Mutter. Sie würde Draco besser nichts davon sagen, das konnte nur schief gehen.

„Aber du nennst ihn Severus?", hackte Draco nach.

„Er war immer wie ein Vater für mich. Ohne ihn hätte ich nie dieses Verständnis für Magie entwickelt wie ich es heute habe. Er lehrt mich alles was interessant ist. Schwerere Zaubertränke als wir sie in der Schule haben… Er hat mir Legilimentik und Okklumentik beigebracht und… mich in die dunklen Künste eingewiesen. "

Draco nickte. Er glaubte ihr.

„Das ist so ein Mist mit der Kimmkorn. Vor allem frage ich mich, wie sie es herausgefunden hat. Sie hat zwar kein Schlossverbot, aber frei bewegen darf sie sich auch nicht."

„Ich dachte erst an Abhörzauber, aber ich war gleich danach bei Madam Pomfrey. Sie hätte sicher etwas über die Schwangerschaft geschrieben, wenn sie es gewusst hätte. Das ist doch ein gefundenes Fressen für die Presse. Amelia Potter - missbraucht und geschwängert, tolle Schlagzeile."

„Sag das nicht so, da fühle ich mich nur elend", antwortete Draco.

„Ich glaube, wir sollten die Schwangerschaft erst mal geheim halten. Sag das deinen Eltern. Ich weiß nicht, ob ich einen Presserummel darüber ertragen kann."

„Irgendwann werden sie es mitbekommen."

„Ich bin eine Hexe, es gibt tausend Möglichkeiten es zu verbergen. Ich werde mit Madam Pomfrey darüber reden. Wir haben auch ohne die Presse genug am Hals."

„Irgendwann kommt es raus. Wenn du entbunden hast und wir nichtmehr in Hogwarts übernachten."

„Wir haben die Sommerferien. Wenn ich richtig gerechnet habe, müsste unser Baby irgendwann Ende August, Anfang September geboren werden. Vielleicht kann ich bis zur Entbindung bei deinen Eltern bleiben und wenn die Bekanntmachung in den Sommerferien ist, entgehen wir dem meisten Presserummel."

„Du hast dir das schon vorher überlegt, oder?", fragte Draco.

„Ja. Ich glaube, es wäre leichter, auch wenn es feige ist."

„Das ist egal, Amelia. Es ist klug. Der Stress wird dir nicht gut tun, von mir mal ganz zu schweigen. Ich glaube, ich würde irgendwann Amok laufen." Amelia nickte und lächelte bedrückt.

„Es ändert trotzdem nichts daran, dass wir nicht wissen, wie sie es geschafft hat."

Den Rest des Vormittags verbrachten sie damit, darüber zu rätseln, wie Rita Kimmkorn es geschafft haben konnte, sie zu beobachten. In der Mittagspause rannte Draco in die Eulerei. Er schrieb seinen Eltern einen Brief, dass sie nicht alles glauben sollten, was in der Hexenwoche stand. Außerdem bat er sie, erstmal nichts von Amelias Schwangerschaft zu erzählen. Es so gab schon genug Schlagzeilen.

Nach dem Unterricht machten sich Amelia und Draco auf den Weg zu Madam Pomfrey. Wobei Draco sich ziemlich unwohl in seiner Haut zu fühlen schien.

„Ich dachte schon, du kommst nicht mehr", sagte Madam Pomfrey und winkte sie beide durch in ihr Büro. Sie schien keine Hexenwoche zu lesen.

„Wir waren das Wochenende bei Dracos Eltern und haben mit ihnen gesprochen. Sie helfen uns", sagte Amelia als sie sich gesetzt hatten.

„Also bekommst du dein Kind?", fragte Madam Pomfrey überrascht.

„Ja", sagte Amelia.

„Das ging wirklich schnell."

„Ich habe Unsicherheiten nie gemocht. Es ging mir immer besser, wenn ich wusste, was passieren würde."

„Draco, würdest du einen Moment vor der Tür warten?"

„Schon", sagte Draco zögerlich und ging raus. Mit einem Klick schloss sich die Tür hinter ihm.

„Du hast dich schnell umentschieden. Liegt das an deinem Freund?"

„Auch. Ich bekomme viel Unterstützung, auch von seinen Eltern."

„Würdest du das Kind auch bekommen, wenn du ihre Unterstützung nicht hättest?"

„Ich habe erst gedacht, das ist doch unmöglich zu schaffen. Ohne Draco habe ich gar nichts. Ich habe keine Familie und auch sonst niemanden, der mir beistehen könnte. Aber seine Eltern würden niemals zulassen, dass er mich sitzen lässt."

„Bist du dir sicher?", fragte die Krankenschwester.

Amelia antwortete nicht, sondern stand auf. Die Flasche mit ihrem Abtreibungstrank stand auf dem Regal. Sie nahm sie herunter und ging zum Waschbecken.

„Amelia, willst du das Kind?", hackte die Krankenschwester nach.

„Ich weiß nicht ob sie das Verstehen. Wenn ich mein Kind bekomme, wird mein Leben dadurch nicht einfacher, aber meine Mutter gab mir eine Chance, obwohl ich nicht gewollt war und auch wenn ich sie nie kennen gelernt habe, bin ich froh zu leben. Ich möchte meinem Kind die gleiche Chance geben, die ich bekommen habe. Ich habe Zweifel, ob ich eine gute Mutter sein kann, aber ich habe Narzissa und Draco. Sie werden mir helfen..."

Amelia beobachtete, wie der Abtreibungstrank in einem Strudel den Abfluss hinunter wirbelte.

Die Krankenschwester war ihr einen undefinierbaren Blick zu.

„Dann gibt es für uns jetzt viel zu klären. Du kannst Draco wieder reinholen."

Amelia war erleichtert, dass Madam Pomfrey ihr alle Fragen beantworten konnte, die sie bezüglich der Schwangerschaft hatte. Wie sie verlaufen würde, welche Termine sie zur Kontrolle einhalten sollte, was sie zu beachten hatte. Es beruhigte sie, dass sie nicht die erste Hexe war, die jemals auf Hogwarts schwanger geworden war.

Amelia fragte auch danach, ob sie die Schwangerschaft geheim halten konnten, und zu ihrer Überraschung war die Krankenschwester sehr verständnisvoll.

„Es ist möglich", sagte sie. Zu viel Stress täten weder Mutter noch Kind gut. Manche Schülerinnen entschieden sich dafür. Aber es sei auch wichtig, dass sie die Zauber wenigstens einmal am Tag löste und Zauber gebrauchte, die ihr Kind nicht vor ihr selbst verbargen, sonst könnte es für sie verstörend sein, plötzlich Mutter zu sein.

Madam Pomfrey ermahnte sie auch ihren Verwandten zu schreiben, doch Amelia lehnte es rundherum ab. Sollte die Schule ihnen schreiben, wenn sie mussten, aber sie wollte nicht, dass ihr Kind irgendeinen Kontakt zu diesen Muggeln hatte. Sie würde ihr Kind vor den Muggeln beschützen.

Nach dem Treffen hatten sie noch einiges zu erledigen. Während Draco an Dumbledore schrieb und um ein Treffen bat, machte Amelia sich auf den Weg zu Severus. Sie wusste nicht, was ihr unangenehmer war. Der Zeitungsartikel oder die Schwangerschaft.

Severus Snape war in seinem Büro, als sie klopfte und kontrollierte die Zaubertränke aus der sechsten Klasse.

„Komm rein, Amelia. Ich bin sicher, du willst mir eine Erklärung zum Wochenende abliefern", sagte er zufrieden und schob den Tisch mit den Tränken zur Seite.

„Auch…", sagte Amelia und verhexte die Tür. Nicht dass sie jemand belauschte. Sie holte den Zeitungsartikel aus der Hexenwoche heraus und reichte ihn Severus bevor sie ihm gegenüber Platz nahm.

Es war unmöglich zu deuten, was er dachte, während er den Artikel las. Danach lehnte er sich zurück und starrte düster vor sich hin.

„Stimmt es, was dort steht? Misshandelt Draco dich? Wart ihr deshalb bei seinen Eltern?", fragte er.

„Es ist totaler Unsinn. Draco hat die Kimmkorn gereizt, genau wie du. Der Artikel kam heute Morgen raus, das heißt Reaktionen gibt's frühestens Morgen zum Frühstück. Viele Eltern werden entsetzt sein, wenn sie glauben, du würdest dich an einer Schülerin vergreifen."

Wenn möglich blickte Severus noch grimmiger drein, als ohnehin schon.

„Wir sollten das nicht zu ernst nehmen. Alle wissen, dass die Kimmkorn viel Unsinn schreibt", sagte Severus, doch er schien es selbst nicht zu glauben.

„Bei Dracos Eltern waren wir, weil ich schwanger bin", sagte Amelia möglichst beiläufig und Severus blinzelte.

„Als mein Hauslehrer muss ich dich davon unterrichten, allerdings bitte ich dich darum, das Thema diskret zu behandeln. Niemand sonst braucht davon zu erfahren, außer Dumbledore."

Severus sah sie einen Moment schweigend an, dann stand er auf und trat an den Kamin. Er wandte Amelia den Rücken zu.

„Dann ist Draco der Vater, nehme ich an", sagte Severus kühl.

„Natürlich", erwiderte Amelia ebenso kühl.

„Habe ich dir nicht beigebracht, wie man Tränke braut? Warum in Merlins Willen hast du nicht verhütet!", sagte Severus ungehalten und fuhr herum. Der Gefühlsausbruch war untypisch für ihn.

„Natürlich haben wir verhütet, aber es ist trotzdem passiert", schoss Amelia zurück und sprang ebenfalls auf.

„Du wirst das Kind abtreiben, das ist wohl klar, oder?", sagte Severus scharf und sah sie aus gefährlich blitzenden Augen an.

„Das werde ich nicht."

„Du ruinierst dir dein Leben, Amelia. Du bist eine so talentierte Hexe, lass dir nicht alles von einem Kind kaputt machen."

„Meine Mutter hat einmal vor genau der gleichen Entscheidung gestanden wie ich. Ich war auch nicht geplant. Es war Krieg, Voldemort war auf dem Höhepunkt seiner Macht und trotz allem hat sie sich dazu entschieden, mich zu bekommen und mir eine Chance gegeben. Wie kann ich meinem Baby das Leben verweigern, wenn ich nur deshalb lebe."

„Du hast sie umgebracht!", donnerte Severus zornig zurück.

Ein eiskalter Zorn erfüllte Amelia.

„Interessant, dass ausgerechnet du das sagst, Severus. Warst nicht du es gewesen, der die Schuld für ihren Tod auf sich nehmen wollte. Hast nicht du erst Voldemort auf sie gehetzt?

Gewiss hast du Recht. Wenn ich nicht geboren worden wäre, würde sie noch leben. Wenn du die Prophezeiung nicht verraten hättest, würde sie noch leben. Wenn Dumbledore sie besser beschützt hätte, würde sie noch leben oder wenn Sirius meine Eltern nicht überredet hätte, Pettigrew als Geheimniswahrer zu nehmen. Wir können jedem die Schuld für ihren Tod geben, aber es ändert nichts daran."

„Das heißt nicht, dass du den gleichen Fehler machen musst", beharrte Severus stur.

„Wahrscheinlich werde ich den Dunklen Lord nicht überleben, sollte er jemals zurückkehren. Wahrscheinlich werde ich sterben. Es hat etwas Tröstliches, zu wissen, dass ein Teil von mir in der Welt überdauern wird", sagte Amelia resignierter als sie erwartet hatte.

„Gerade wenn der Dunkle Lord wieder auferstehen wird, wird dein Kind nirgendwo mehr sicher sein", sagte Severus in einem letzten Versuch, sie zu überzeugen.

Amelia setzte sich wieder, ihr Gesichtsausdruck wurde kühl. Sie legte eine Hand auf ihren Bauch.

„Es gibt viele Gründe mein Kind zu behalten. Draco ist einer davon", sagte sie.

„Severus, hast du dir jemals überlegt, was geschehen würde, wenn er sich auf die Seite des Dunklen Lords stellt? Ich weiß, wir haben nie viel über ihn gesprochen. Aber ich kann ihn nicht besiegen. Er ist stärker als ich und viel stärker als du. Er hasst die Muggel und liebt es, andere zu quälen. Er ist kein netter Mensch."

Severus sah unbehaglich drein und setzte sich ebenfalls.

„Du hast mal angedeutet, dass er ein talentierter Duellant ist, aber das? Ist er wirklich so gut?"

Amelia nickte düster und dachte an all die Zeit in der sie sich duelliert hatten.

„Mit unserem Kind binde ich Draco an mich. Er würde mich niemals verlassen, wenn ich die Mutter seines Kindes bin. Das verbietet ihm sein Stolz als Reinblut. Er würde an meiner Seite gegen Voldemort kämpfen. Mein Kind gibt mir die gefährlichste Waffe in die Hand, die ich bekommen kann. Seinen Vater."

„Das ist eine ziemliche kalte Kalkulation", sagte Severus und beobachtete sie eindringlich.

Amelia musste lachen. Ein kaltes herzloses Lachen.

„Severus, du kennst mich besser als jeder andere. Du weißt, wie ich denke. Überrascht es dich so sehr, dass ich auch darüber nachdenke?"

„Es klingt mehr nach dir als das Gerede über deine Mutter. Das Dunkle Mal wird immer stärker. Ich weiß nicht, wie viel Zeit noch bleibt", antwortete Severus und zog seinen Ärmel hoch. Das Dunkle Mal schimmerte blass im Kaminfeuer.

„Vielleicht wird es nötig sein, dass du Draco noch auf andere Art an seine Pflichten erinnerst. Die Hexen der Vergangenheit haben sich alle möglichen Zauber einfallen lassen, um die Väter ihrer Kinder an sich zu binden", sagte Severus nachdenklich und Amelia war überrascht das aus seinem Mund zu hören.

„Ich habe auch schon darüber nachgedacht. Aber noch habe ich etwas Zeit."

Amelia betrachtete das Mal auf Severus Arm.

„Möchtest du, dass ich das Dunkle Mal entferne?", fragte sie sanft und Severus zuckte zusammen.

„Ich habe in der Tat darüber nachgedacht, dich darum zu bitten", gestand er und starrte angewidert das Mal auf seinem Arm an.

„Zu was hast du dich entschlossen?"

„Wenn der Dunkle Lord zurückkehrt und das wird er, dann werden wir einen Spion in seinen Reihen brauchen. Jemand, der listig und geschickt ist. Einen guten Okklumentor, der den Dunklen Lord täuschen kann."

„Und diese Rolle willst du übernehmen?"

„Wenn ich das Dunkle Mal entferne, bin ich ein Verräter, dann kann ich dich nicht mehr beschützen."

Severus sah sie an und Amelia hatte plötzlich Sorge um ihn, als sie seinen entschlossenen Gesichtsausdruck sah.

„Du willst also, dass ich dein Leben riskiere?", fragte sie und der Gedanke behagte ihr nicht.

„Hast du plötzlich Gewissensbisse? Du wirst noch ganz andere Männer als mich in den Tod schicken, Amelia."

Amelia stand auf und ging um den Schreibtisch herum. Neben seinem Stuhl lehnte sie sich an die Holzplatte. Sie musste es wissen. Wie weit war er bereit für sie zu gehen?

„Was bringt es dir für einen Vorteil, Severus?", fragte Amelia leise.

„Nenn es eine Schuld, für begangene Sünden", antwortete Severus gequält. Er sah so menschlich aus. Menschlicher als jemals zuvor.

„Bist du dir sicher?", fragte Amelia seidenweich und Severus machte den Fehler, hoch zu blicken, direkt in ihre grünen Augen. Lilys Augen.

Amelia brauchte keine Legilimentik, um zu wissen, was er dachte. Sie beugte sich langsam vor und verschloss seine Lippen mit den ihren.

Es war nicht mehr als eine sanfte Berührung, doch als sie sich wieder von ihm löste, waren Severus Gesichtszüge entspannt. Erst als er die Augen öffnete und ihm klar wurde, dass sie Amelia war, kehrte der gequälte Gesichtsausdruck in seine Züge zurück.

„Ist es so offensichtlich?", fragte er sie.

„Nur für mich", antwortete sie sanft. „Ich werde dich brauchen, Severus."

„Ich bin für dich da. Ich bin immer für dich da."

Wenn Amelia den großen Knall am nächsten Tag erwartet hatte, war sie überrascht, dass er nicht kam. Lediglich Dracos Mutter schrieb zurück und schickte ihnen beste Wünsche.

Doch sollten Amelia und Draco sich in Sicherheit gewogen haben, so wurde ihre Hoffnung bald darauf zerstört.

Am nächsten Morgen explodierte ein Heuler am Lehrertisch und beschimpfte Professor Snape in ziemlich plumper, aber dennoch aussagekräftiger Sprache.

Alle in der großen Halle begannen zu tuscheln und einige drehten sich zu Amelia um und zeigten mit dem Finger auf sie. Doch dabei blieb es nicht. Eine ganze Heerschaar von Eulen fiel in den nächsten Tagen über die große Halle her und nachdem Professor Snape mit bösen Blicken und jeder Menge Hauspunkten dafür gesorgt hatte, dass über ihn nur noch hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde, wandten sich nun die Schüler Draco zu.

Selbst wer den Artikel in der Hexenwoche nicht gelesen hatte, erfuhr durch die Heuler, die die Große Halle erreichten, genug, um sich ausmalen zu können, wie schwer Draco Amelia misshandelte. Einen besonders dicken Heuler verbrannte Draco zu Asche und nachdem ihm aus einem Brief heraus beinah ein Schnappfluch die Finger abgebissen hätte, verlegte er sich darauf, keine mehr zu öffnen.

Sogar Amelia bekam Briefe. Viele von Frauenhilfsgruppen und auch von anderen Hexen, die von ihren Erfahrungen berichteten. Am dritten Tag erreichte ein anderer Heuler die Große Halle. Er war von einem Mann geschrieben und an Amelia adressiert. Kaum hatte sie ihn in die Hand genommen, explodierte er auch schon und beschimpfte sie wüst als Hure und Schlampe. Draco solle sie nur ordentlich verprügeln, bis sie es nichtmehr wagen würde, ihn mit ihrem Professor zu betrügen. Sie hätte all das doch verdient. Amelia war so wütend, dass sie ihn mit einem Fluch aus der Luft schoss, bevor er zu Ende geheult hatte.

Auch der Weg durch die Schule wurde zu einem Spießrutenlauf. Das größte Problem an der Sache war, dass die Schüler es Draco durchaus zutrauten, gewalttätig zu sein. Vor allem die Slytherins waren nur allzu bereit zu glauben, was sie lasen. Auch wenn er von ihnen am wenigsten Schmähungen zu bekommen schien, was vielleicht auch damit zusammenhing, dass manche eine Tracht Prügel als durchaus angemessen empfanden, wenn man seinen Freund betrog.

Am zweiten Tag platze Draco der Geduldsfaden und er begann, jeden mit kalter Mine zu verhexen, der ihm etwas hinterherrief. Amelia ließ ihn gewähren und war nur allzu bereit ihre Meinung auch mit ein paar Flüchen Ausdruck zu verleihen. Das war wenig konsequent und sorgte auch nicht dafür, dass Dracos Ruf sich wieder besserte, aber zumindest hatten die meisten nun zu viel Angst vor ihnen, um etwas zu sagen, sodass der Spuk bald zu Ende war.

Daphne wartete bis zu Alte Runen, um Amelia darauf anzusprechen. Diese war so fertig mit den Nerven, dass sie nur noch in Tränen ausbrach. Sie war für ihren Geschmack viel zu emotional.

„Bitte, hört doch einfach auf, auf Draco rumzuhacken!", heulte sie ganz untypisch und Daphne bekam ein furchtbar schlechtes Gewissen.

Um das Unglück perfekt zu machen, eröffnete ihr Severus, dass er ihr keinen weiteren Sonderunterricht mehr geben durfte. Auf besondere Anordnung von Professor Dumbledore. Was nun dahinter steckte, ob Dumbledore sich sorgen machte oder nur um den Gerüchten entgegenzuwirken, wussten weder Severus noch Amelia.

Amelia hatte das Gefühl, dass jetzt, da sie wusste, dass sie schwanger war, ihr Körper sich rasend schnell zu verändern begann. Natürlich lag es daran, dass sie im vierten Schwangerschaftsmonat und jetzt schon mitten drin war, aber ihr Bauch begann immer schneller zu wachsen und sie konnte schon keine engen Oberteile mehr tragen, ohne dass man es sehen konnte.

Mitte März hatten sie einen Termin bei Dumbledore, um alles weitere zu klären. Sie kamen darüber überein, dass Amelia erst nach der Geburt wieder nach Hogwarts zurückkehren sollte. Madam Pomfrey hatte den Geburtstermin für den 18. September errechnet. Selbst dann würde Amelia erst einige Wochen später nach Hogwarts zurückkehren. Dumbledore sagte mit einem Zwinkern, dass er sich keine Sorgen über ihre schulischen Leistungen machen würde.

Wegen der Apparierlizenz müssten sie mit dem Ministerium reden, doch Draco dürfte, wenn er wollte, gerne schon am Apparierkurs teilnehmen. Apparieren in der Schwangerschaft hielt Dumbedore allerdings für zu gefährlich und wenn Amelia daran dachte, was es für ihr Baby bedeuten konnte zu zersplintern, stimmte sie ihm zu.

Gesundheitlich ging es Amelia blendend und umso dicker ihr Bauch wurde, desto mehr Zeit verbrachte sie versteckt vor den anderen in ihrem Kerkerzimmer. Sie hatte sich ein riesiges Fenster an die Wand gehext, von dem aus sie auf die Ländereien von Hogwarts blicken konnte. Das Licht tat ihr gut und ihre Magie war quicklebendig.

Amelia zauberte viel herum, wobei Draco nervtötend umsichtig darauf achtete, dass sie nichts gefährliches machte. Sie erklärte ihm tausendmal, dass magische Babys die Bewegung der Magie brauchten, die sie beim Zaubern in Gang setzte und dass es ihnen gut tat, doch Draco hielt dagegen, dass sie sich nur nicht in die Luft jagen sollte.

Die Schwangerschaft schien ihre Magie zu verändern. Es kam nur langsam, aber es erinnerte Amelia an das Gefühl, das die Magie von Beltane in ihr hinterließ. Sie las sogar in einem der Bücher, die Narzissa ihr mitgegeben hatte, über die Verbindung zwischen Schwangerschaften und Beltane. Wahrscheinlich hätte Narzissa ihr dieses Buch nicht gegeben, wenn sie Amelia wirklich gekannt hätte, aber so reifte in der werdenden Mutter eine Idee.

Es war Ende März, als mitten während des Zauberkunstunterrichts eine Eule an das Fenster klopfte.

Susan Bones, eine Hufflepuff, stand auf, um sie herein zu lassen und zu Amelia maßloser Verblüffung landete die Eule direkt vor ihr. Auf dem Zettel, den sie um ihr Bein geschnürt hatte, standen nur vier Wörter.

Ich bin Frei.

Sirius.

Den großen Knüller gab es am nächsten Tag im Tagespropheten. Fudge wurde so durch den Schlamm gezogen, dass er sich sein Lebtag nichtmehr würde reinwaschen können.

Auf der Titelseite war ein Bild von Sirius Black zu sehen, wie er nun ordentlich gekleidet und mit geschnittenen Haaren das Zaubereiministerium verließ.

„Ich sollte mich bei deinem Vater bedanken", sagte Amelia und grinste glücklich, als sie Draco die Zeitung reichte.

„Nie wieder Muggelverwandte!", lachte sie ausgelassen.

„Was hat das mit Sirius Black zu tun?", fragte Daphne verwirrt und Amelia erklärte ihr breit grinsend, dass Sirius ihr Patenonkel war.

Draco schien Sirius Freispruch mit gemischten Gefühlen entgegen zu nehmen und als Amelia ihn abends danach fragte, eröffnete er ihr, dass er sich sorgen machte, dass Sirius ihn verhexen würde, wenn er von ihrer Schwangerschaft erfuhr.

So wie Draco das formulierte, musste Amelia fürchterlich lachen.

Doch nicht alle Veränderungen konnte Amelia mit ein paar Zaubern unsichtbar machen. Daphne sprach sie mehrmals darauf an, dass sie irgendwie anders wirkte. Mit der Zeit wurde sie immer penetranter.

„Draco schlägt dich wirklich, oder", sagte Daphne, nachdem Amelia ihr wieder einige Verteidigungszauber gegen ihren Vater beigebracht hatte. Sie saßen zusammen in einem verschlossenen Klassensaal.

„Nein, wie oft soll ich dir das noch sagen", entgegnete Amelia ungehalten.

„Ich weiß doch, wenn du mich anlügst. Weißt du, Draco weicht nichtmehr von deiner Seite. Nur zu Alte Runen lässt er dich mal einen Augenblick aus den Augen. Den Unterricht bei Professor Snape hast du aufgegeben und oft schaust du besorgt aus dem Fenster, wenn du glaubst keiner beobachte dich. Du kannst mit mir reden, Amelia. Ich bin deine Freundin. Du sagst immer ich soll mich nicht unterkriegen lassen, ich soll mich wehren, aber du wehrst dich doch nicht mal selbst."

Amelia spürte, dass Daphne aufrichtig besorgt war und sie konnte die Anschuldigungen gegen Draco nichtmehr hören. Dazu kam, dass sie wirklich jemanden zum Reden brauchte. Jemanden, der nicht Draco oder Madam Pomfrey war. Jemanden, der irgendwie neutral war. Auch mit Severus konnte sie über sowas nicht reden und Sirius hatte gerade genug damit zu tun, wieder zurück ins Leben zu finden. Außerdem waren das Männer. Sie brauchte eine Freundin.

„Ach Daphne, du hast so recht mit dem was du sagst und doch interpretierst du das so falsch. Draco tut mir wirklich nichts an. Ich bin nur schwanger."

Daphne sah sie überrascht an. „Wie?", fragte sie verwirrt.

„Du hast mir selbst erklärt, wie das geht. Weißt du, Daphne, wenn Mama und Papa sich ganz doll lieb haben…", begann Amelia mit kindlicher Stimme und Daphne musste lachen. Amelia stimmte mit ein.

„Also wie das funktioniert ist mir schon klar, aber seit wann weißt du das?", fragte sie.

„Schon eine Weile. Ich bin im vierten Monat. Wenn man genau hinsieht, kann man schon was sehen." Sagte Amelia und drückte ihre Schulroben an ihren Körper, sodass Daphne ihren gewölbten Bauch sehen konnte.

„Du hast es lange versteckt. Ich darf davon ausgehen, dass Draco der Vater ist?"

„Oh natürlich, warum fragen das alle. Deshalb hüpft er die ganze Zeit um mich herum wie ein aufgescheuchtes Huhn."

„Naja, so schlimm ist er auch nicht. Er benimmt sich nicht viel anders als sonst, aber es traut sich ohnehin niemand mehr was gegen ihn zu sagen."

„Ja, im Unterricht. Aber wenn wir allein sind, kann er schon mal nervig sein. Ich meine, es ist schön, süß, lieb und nett von ihm, aber er ist viel zu besorgt und er hat Hemmungen beim Sex, das ist wirklich nervig."

Jetzt lachte Daphne noch lauter nur, dass Amelia das gar nicht komisch fand.

„Naja der Sex hat dir das erst eingebrockt", kicherte sie.

„Ja und jetzt ist es auch zu spät, da können wir es doch genießen. Aber Draco ist in letzter Zeit so überfürsorglich. Das geht mir wirklich auf die Nerven", beschwerte sich Amelia.

„Rede doch mal mit ihm darüber. Ich meine, er wird sich sicher auch seine Gedanken machen. Ich kann mir gut vorstellen, dass er einfach nur unsicher ist. Weißt du, meine Tante hat letztes Jahr auch ein Baby bekommen. Sie hat mir erzählt, dass ihr Mann eine Schwangerschaft und vor allem eine Geburt für etwas absolut unnormales gehalten hat. Er hatte seinen Spaß mit dir und dann bekommst du einen unnatürlich dicken Bauch und neun Monate später liegst du vor Schmerzen schreiend in irgendeinem Bett und er kann die ganze Zeit nichts weiter tun als zusehen. Ich glaube, das würde jedem Sorgen machen."

Amelia blickte nachdenklich auf den Boden.

„Glaubst du wirklich, er macht sich wegen sowas sorgen?"

„Machst du dir keine Sorgen wegen der Geburt?"

„Nein", sagte Amelia und sah auf. „Ich hatte in meinem Leben schon so oft Schmerzen und das ist alles vorbeigegangen. Ich mache mir Sorgen, ob es meinem Kind wohl gut gehen wird und was danach kommt, aber nicht um mich."

„Vielleicht macht er sich dann wenigstens um dich Sorgen.", sagte Daphne.

„Du musst mir versprechen es keinen zu sagen? Auch nicht aufzuschreiben oder sonst was zu tun."

„Du hältst es geheim", stellte Daphne fest.

Amelia zuckte die Schultern.

„Ich will nicht wissen, wie die Kimmkorn uns zerreißt, wenn sie davon Wind bekommt."

Daphne verzog das Gesicht. „Ich auch nicht."

Eine Weile saßen sie schweigend nebeneinander und jede hing ihren Gedanken nach.

„Wie lange wirst du es geheim halten?", fragte Daphne irgendwann.

„Wenn ich kann bis zum Ende des Schuljahres. Ich will mir den Stress nicht antun."

„Du weißt, dass das eine Ausrede ist, oder Amelia?", fragte Daphne und Amelia biss sich auf die Unterlippe.

Natürlich war ihr das klar. Aber es war so eine schöne Ausrede. Die Wahrheit war, sie war vierzehn und schwanger. Was würden die Leute sagen. Was würden sie über sie denken. Sie war nicht irgendjemand. Sie war Amelia Potter. Sie hatte sonst immer alles im Griff und jetzt hatte sie einen Fehler gemacht. Einen Fehler mit weitreichenden Folgen. Die Wahrheit war viel einfacher.

„Ich schäme mich, Daphne. Ich schäme mich dafür, nicht aufgepasst zu haben, aber ich habe zu viel Angst davor, mich dieser Schande zu stellen. Deshalb sitze ich es einfach aus. Ziemlich feige, oder?", sagte sie niedergeschlagen und musterte ihre Schuhspitzen.

„Schon. Aber ich bin auch feige. Also werde ich dir bestimmt keine Vorwürfe machen."

Amelia nahm sich ein Herz und sprach mit Draco. Sie setzten sich zusammen auf das Sofa in ihrem Versteck und Amelia beichtete ihm, dass sie es Daphne gesagt hatte und was Daphne vermutete.

„Es gibt Hexen, die bei einer Geburt gestorben sind", sagte Draco besorgt.

„Aber das passiert so selten. Mir geht es wirklich gut. Unser Baby wird langsam größer und auch wenn ich viele sorgen habe, bin ich glücklich, Draco."

„Aber ich mache mir dennoch Sorgen, dass euch beiden etwas passiert. Irgendwie scheinst du plötzlich so… verletzlich…"

Amelia musste lächeln.

„Ich bin nicht viel verletzlicher, als vorher auch schon. Mein Körper war schon immer schwach. Und meine Magie ist ungebrochen."

„Das kann man nicht vergleichen. Früher hat es mir nichts ausgemacht, wenn du bei einem Übungsduell ein paar Schnitte oder Wunden davongetragen hast, ich wusste, dass du das abkannst. Du warst in meinen Augen immer stark. Aber jetzt… Es ist nicht mal, weil du schwanger bist. Ich habe dich geschlagen, und deine Knochen sind sofort gebrochen. Ich habe im Duell einer deiner Doppelgängerinnen das Genick gebrochen, einfach, weil ich weiß, wie ich es machen muss. Aber ich habe vergessen, dass du genauso zerbrechlich bist."

Draco fuhr ihr über die Wange und strich über ihren Hals.

„Ich habe Angst, dass ich zu einem Monster werde. Dass ich irgendwann mein Erbe nichtmehr kontrollieren kann."

„Deshalb reden wir, Draco. Deshalb bin ich für dich da. Wir sind beide anders. Deshalb gehören wir zusammen", sagte Amelia und rückte näher zu ihm. Sie führte seine Hand von ihrem Hals zurück zu ihrer Wange und schmiegte sich an sie.

Draco blickte sie einen Moment wie verhext an, dann beugte er sich langsam vor und küsste sie.

Erst sanft, dann leidenschaftlicher, heftiger. Draco drückte sie auf den Rücken, wobei er darauf achtete, sich nicht auf sie zu legen.

„Mir gefällt der Gedanke, dass du meine Frau wirst", sagte Draco und seine Stimme klang tiefer.

„Amelia Malfoy." Amelia lächelte zu ihm hoch. Draco grinste und küsste sie erneut. Amelia gab sich ihm hin und sie wusste, dass es mit ihnen funktionieren würde, denn sie verband mehr als nur ihr Kind.

Bald darauf begannen die Osterferien. Amelia und Draco hatten beschlossen, die Ferien nicht wie üblich in Hogwarts zu verbringen, sondern zu Dracos Eltern aufs Manor zu reisen.

Es war eine angenehme Erholung von dem ganzen Versteckspiel in der Schule. Auch wenn im Landhaus sehr viel zu tun war. Sie mussten sich um die Renovierung des Südflügels kümmern, den sie bewohnen würden, sobald ihr Baby da war. Ein Teil der alten Einrichtung musste ersetzt und alte Stücke restauriert werden. Der Flügel war nichtmehr bewohnt worden, seit Abraxas und Ophelia Malfoy, Dracos Großeltern, verstorben waren. Überall, wo Narzissa und Amelia die Räume inspizierten, lagen dicke Staubschichten. Aber es würde wieder fantastisch aussehen und Amelia freute sich richtig darauf, hier wohnen zu können.

Außerdem ließ sich Dracos Mutter nicht davon abbringen, Familienfotos zu machen. Weder Draco noch Lucius sahen sonderlich begeistert aus, aber Amelia war absolut auf Narzissas Seite.

Amelia fühlte sich wie in einem verdammt realistischen Traum. Alles schien zu schön, um wahr zu sein. Sie verstand sich viel zu gut mit Narzissa und liebte Draco viel mehr, als sie selbst glauben konnte und sogar mit Lucius konnte sie herzlich darüber lachen, wenn er erzählte, was für Unsinn manche seiner Kollegen im Zaubergamot zusammenhexten.

Es war der Tag vor dem Ende der Ferien. Lucius war im Ministerium und Narzissa und Draco suchten irgendwas zusammen auf dem Dachboden.

Das Landhaus schien ungewöhnlich leise und Amelia saß im Salon und blätterte durch den Tagespropheten, als ihr Blick auf die Geheimtür fiel. Einem inneren Impuls folgend, stand sie auf und stach sich mit einer herbeigezauberten Nadel in den Finger. Das Blutopfer öffnete die Tür, die sie versiegelt hatte und sie stieg im Licht ihres Zauberstabs die Stufen hinunter in den versteckten Raum unter dem Salon.

Hier war der Eingang zur Gruft der Familie Malfoy und nur ein Malfoy konnte diese Tür öffnen. Amelia legte eine Hand auf ihren leicht gewölbten Bauch und als sie dem Tor befahl, sich zu öffnen, verschwand das Regal in der Wand und gab den Weg frei. Amelia musste lächeln.

Sie hatte einen Plan, einen Plan wie sie jede Gefahr, die von Voldemort ausging vernichten konnte. Entschlossen löste sie die Zauber der Tür auf und trat in das unterirdische Gewölbe.

Es war spät geworden, als Amelia wieder zurück in den Salon kam. Draco sprang sofort aus seinem Sessel auf.

„Wo bist du gewesen? Wir haben uns Sorgen gemacht!", rief Draco und kam auf sie zu.

Narzissa und Lucius sahen ebenfalls erleichtert aus, sie wiederzusehen. Amelia bekam ein schlechtes Gewissen.

„Das wollte ich nicht, Draco. Ich hatte eine spontane Idee", sagte Amelia und legte ihre Arme um seinen Hals.

„Was für eine Idee?", fragte Draco, doch Amelia küsste ihn nur auf die Lippen.

„Dobby, noch einen Tee", befahl Amelia und kurz darauf erschien der Hauself und brachte ihr mit einer tiefen Verbeugung eine Tasse Tee mit Milch.

„Was habt ihr eigentlich auf dem Dachboden gesucht?", fragte Amelia, als Draco sich neben sie setzte.

„Das wird eine Überraschung. Aber du musst dich noch bis zur Geburt gedulden", sagte Draco grinsend. Keiner fragte mehr danach, was sie getan hatte.

Die Ferien gingen zu Ende und nun stand Beltane vor der Tür. Sie hatte sich darauf eingestellt, dass es Streit geben würde und sie sollte Recht behalten. Als Amelia Draco eröffnete sie würde hingehen, drohte er, sie im Kerker einzusperren.

„NEIN! Sagte ich", brüllte er sie an.

„Ich werde gehen und du kannst mich nicht davon abhalten!", donnerte Amelia zurück.

„Ich erlaube es dir nicht!"

„Du hast kein Recht, mir irgendwas zu verbieten!"

„Ich bin dein Mann, ich habe jedes Recht!"

„Du benimmst dich wie ein Schlammblut, das Angst vor Magie hat. Ich lasse mir das nicht aufzwingen. Noch entscheide ich über mein Leben und über mein Kind!"

Amelia hatte sich mittlerweile heiser geschrien, doch Draco schien nur noch wütender.

„Willst du unser Kind mit Absicht umbringen? Ich weiß, dass du es nie haben wolltest. Aber ich will es", schrie Draco, was damit endete, dass Amelia in Tränen ausbrach. Sie hasste diese Gefühlswandlungen, aber sie kamen dauernd und sie konnte nichts dagegen tun.

„Glaubst du wirklich, ich bin so kalt? Glaubst du, ich würde mein Baby nicht lieben?"

Sie sank weinend auf dem Sofa zusammen und Draco stand bedröppelt mitten im Raum.

„Amelia", sagte er unsicher und setzte sich neben sie. „So habe ich das nicht gemeint." Plötzlich war er in der Defensive.

„Doch, du hast es genauso gemeint", schluchzte sie.

„Ich kann einfach nicht verstehen, warum du hingehen willst. Das ist nicht ungefährlich."

„Es ist als würde Beltane mich magisch anziehen, Draco. Seit ich das erste Mal dort war. Es ist diese Ruhe, die es ausströmt. Dieses Gefühl, als würde man schweben. Es wäscht all den Schmutz und Dreck, den meine schwarzmagischen Experimente an mir hinterlassen haben, einfach hinweg. Es wäscht mich wieder rein. Lass mich hingehen", bat Amelia inständig.

„Amelia, jedes Jahr streiten wir darüber. Warum habe ich dich nur jemals mitgenommen."

„Warum machst du dir nur immer Sorgen um mich. Ich kann gut auf mich aufpassen. Der Einzige, der mich bis jetzt überhaut in Schwierigkeiten gebracht hat, warst du. Schließlich bin ich nicht von allein schwanger geworden."

Das war nicht fair und das wusste Amelia auch und Draco wusste es auch. Es zog trotzdem.

„Das ist unfair, das weißt du", sagte Draco und streichelte Amelia über die Haare.

„Draco, mir geht es doch so gut und unserem Baby auch. Vertrau mir doch einfach und komm mit."

Am Ende willigte Draco ein.

Auch Daphne war entsetzt als Amelia ihr erzählte, was sie vorhatte und wollte es ihr ausreden. Doch Amelia ließ sich nicht beirren.

„Es würde dir guttun, wenn du mitkommst", sagte Amelia nur.

„Oh ganz sicher nicht. Damit mich irgend so ein notgeiler Kerl flachlegt."

„Wäre das so schlimm? Es würde dich nicht umbringen und dann gäbe es wenigstens noch einen anderen als nur deinen Vater."

Daphne wurde blass. „Nicht so laut", zischte sie und sah sich im Klassenraum für Alte Runen um, doch die Schutzzauber wirkten tadellos.

„Daphne, ich glaube diesen Satz habe ich Draco schon Tausendmal gesagt. Du würdest an Beltane niemals etwas tun, was du nicht ohnehin tun würdest. Problematisch wird es nur, wenn andere versuchen dir ihren Willen aufzuzwingen."

„Ja ich weiß. Du hast mir so viel beigebracht. Trotzdem… Vielleicht habe ich einfach nur Angst davor, was ich wirklich will."

Amelia zuckte die Schultern. „Tu was du willst. Ich gehe. Beltane gibt mir immer eine klarere Sicht auf die Dinge um mich herum. Es hat nur so einen schlechten Ruf, weil die Hexen und Zauberer fürchten, was sie sich wünschen könnten."

Als die Sperrstunde anbrach gingen sie in den Gemeinschaftsraum und Amelia hatte eine weite Robe angelegt, da Beltane jeden Zauber durchbrechen würde.

Draco und Theodor spielten Schach und es war schon fast Mitternacht als auch Daphne zu ihnen stieß. Theodor und Draco sahen sie überrascht an. Amelia lächelte und nickte ihr zu.

Es war noch kalt, als sie mit den anderen Schülern hinunter auf die Ländereien gingen. Der Winter war dieses Jahr sehr spät abgezogen.

Der Mond leuchtete über ihnen und eine unheimliche Ruhe hatte sich über die Ländereien gelegt. Amelia erkannte zwei Gestalten, die vom Durmstrag-Schiff zu ihnen herüber kamen, doch ansonsten blieb alles dunkel.

Amelia hatte ein mulmiges Gefühl. Es war nicht richtig, was sie tat. Nicht so und das wusste sie. Sie war kurz davor einen Verrat zu begehen, den sie nie wieder rückgängig machen konnte. Bis jetzt hatte sie sich eingeredet, dass es die Beste, die Sicherste Lösung für ihre Zukunft war. Aber konnte sie mit sich selbst leben, wenn sie Draco hinterging?

„Draco, warte kurz", bat sie und blieb stehen, bis die anderen Schüler außer Hörweite waren.

„Willst du doch nicht gehen?", fragte er sie fast erleichtert.

„Ich war nicht ganz ehrlich zu dir", gestand sie. „Es gibt einen Grund, warum ich zu Beltane will."

Draco sah einen Moment überrascht aus.

„Ich weiß", antwortete Draco schließlich.

„Du hast ein Recht darauf zu fragen", sagte Amelia und blickte auf den Boden. Draco vertraute ihr wurde ihr bewusst und sie nutzte es aus.

„Wirst du mir auch antworten?", konterte Draco.

„Heute schon. Ich werde dir alles sagen was ich weiß."

„Dann sag es doch einfach. Du ringst seit Tagen mit dir und hast dich bis jetzt doch nicht überwunden. Ich weiß, dass ich wahrscheinlich ziemlich dumm bin, dir blind zu vertrauen. Aber ich tue es trotzdem" Dracos Stimme klang weich. Wie hatte sie es verdient so bedingungslos geliebt zu werden. Sie ging einen Schritt auf ihn zu, bis sie ganz vor ihm stand. Sie nahm seine Hände und blickte zu ihm auf. Sie würde ihm eine Wahl lassen.

„Ich bin nicht hier, um Beltane normal zu feiern, sondern wegen der alten, der dunklen Künste, die diesem Fest innewohnen. Ich… ich möchte... Ich möchte unsere Magie verbinden."

Draco nickte verstehend und Amelia hatte die Ahnung, dass er gewusst hatte, was passieren würde.

Sie hatte nicht viele Informationen über den Bund von Beltane finden können aber eines wusste sie sicher. Vor vielen Jahrhunderten, als Beltane noch allgemein anerkannt war, verschmolzen Hexen und Zauberer ihre Magie in dieser Nacht, um die Fesseln der eigenen Magie zu lösen und so ihre wahren Kräfte zu entfalten. Es war ein magischer Pakt zwischen Hexe und Zauberer. Ihr Kind war die Antriebsfeder dieser Magie, der Auslöser. Es verband sie beide durch Blut und Beltane war nicht mehr, als das magische Ritual, welches nur aus diesem einen Grund gefeiert wurde. Es war nicht mehr und nicht weniger, als das Fest der Fruchtbarkeit. Gefeiert, um die Macht und den Fortbestand der magischen Bevölkerung zu sichern.

„Hast du Angst, dass ich dich verlasse, wenn unser Kind erst da ist?", fragte Draco sie.

Sie blickte kurz zu ihren Mitschülern, die gerade dabei waren, sich die Schuhe auszuziehen.

Sie hatte es sich genau überlegt. Es war die Magie des ungeborenen Kindes, die an Beltane erstarken würde. Es würde sie jedoch nicht nur stärker machen, es würde sie auch untrennbar aneinanderbinden. Denn als Kind hatte es die besten Überlebenschancen, wenn es beide Elternteile hatte. So schützte Beltane den Fortbestand der Magie. Indem es die Magie junger Hexen und Zaubrer verschmolz, die im Begriff waren, neues Leben in die Welt zu setzen. Es machte sie zu einer Familie. Es machte sie zu Mann und Frau.

Die Hexen und Zauberer wollten diese Bindung nicht immer, deshalb mieden viele Hexen von jeher Beltane während der Schwangerschaft. Aber wenn sie es tun würde, wäre ihrer beider Magie stärker, als jemals zuvor. Und was noch wichtiger war, sie wären nichtmehr in der Lage, sie gegeneinander einzusetzen. Sie wäre vor Draco sicher… und er auf diese Weise auch vor ihr. Keiner könnte sie dazu bringen sich gegeneinander zu wenden.

„Ich habe in letzter Zeit vor vielen Dingen Angst, Draco. Ich brauche dich."

Draco musterte sie eine Weile und dann den Rest der Beltane Gesellschaft. Dann grinste er plötzlich. „Ein Fest nur zu unseren Ehren."

Doch Draco wurde schlagartig wieder ernst und Griff nach Amelias Hand.

„Wenn wir jetzt weitergehen, gibt es kein Zurück mehr. Wenn das Fest begonnen hat, setzt der Verstand aus. Dir ist klar, dass wenn sich unsere Magie erst einmal verbunden hat, es kein Zurück mehr gibt. Selbst dann, wenn wir erwachsen werden. Diesen Zauber werden wir nichtmehr lösen können."

Amelia nickte entschlossen „Ich bin mir all dessen bewusst. Aber unser Kind braucht diese Sicherheit. Denn auch unser Kind wird uns immer verbinden. Das ist keine Entscheidung für ein Jahr oder zehn Jahre. Unser Kind zu bekommen ist eine Entscheidung für unser ganzes Leben. Wir wissen nicht, was noch alles passieren wird, aber ich weiß, dass ich alles dafür tun werde, um mein Baby zu beschützen." Amelias Stimme war klar und eindringlich und der Blick aus ihren grünen Augen unerbittlich.

Draco nickte nachdenklich: „Du weißt, dass du viel verlangst."

„Du hast auch viel von mir verlangt", entgegnete Amelia und legte ihre Hand auf ihren gewölbten Bauch.

Er strich über ihren Bauch und verharrte einen Moment so. Amelia wusste, dass er mit sich rang. Dann atmete er tief durch.

„Das stimmt und ich stehe dazu", sagte er und zog sie mit sich. Auf Amelias Lippen schlich sich unbemerkt ein düsteres Lächeln, als sie ihm folgte.

Beltane verging und Amelia konnte es sich einfach nicht verkneifen, Daphne am nächsten Tag damit aufzuziehen, dass sie in Theodors Armen aufgewacht war. Daphne war furchtbar wütend, aber es war wohl nichts weiter zwischen ihnen passiert. Zwischen Amelia und Draco hingegen herrschte eine angespannte Stimmung und es war Draco, der zuerst nachgab.

„Amelia, wir müssen reden", sagte er und setzte sich zu ihr aufs Sofa.

Sie saßen im Kerkerraum und Amelia hatte an einem silbernen Armband herumgezaubert, das auf ihrem Schoß lag. Sie sah zu ihm auf, er wirkte besorgt.

„Ich habe nochmal recherchiert. Es gibt nicht viele Informationen über Beltane. Ich hatte eine ungefähre Ahnung, was es mit dem Bund von Beltane auf sich hatte, mein Vater hat mal etwas davon erzählt und mich eindringlich gewarnt sowas nicht zu tun", sagte er.

Seine Hand fuhr zu seinem rechten Oberarm. Amelia wusste, was dort war, sie trug das gleiche. Ein sieben Zentimeter breites Zaubersiegel, das den gesamten Oberarm umfasste. Es hob sich leicht von der Haut ab und schien golden zu leuchten, wenn man es ansah und doch strahlte es kein Licht ab. Zwei Linien umschlossen eine durchgehende Reihe an uralten Runen, die Amelia nicht geschafft hatte, zu übersetzen. Nur eine davon kannte sie. Sie war auf dem Talisman, in dem sie Dracos Patronus gefangen hatte. Sie bedeutete Liebe.

„Ich habe diese Warnung in den Wind geschlagen. Wir wissen beide, dass mein Vater immer Angst vor den Konsequenzen hatte, die die Verwendung der dunklen Künste mit sich bringt. Wir… Nein, ich habe von dir verlangt, dass du mich heiratest, wenn du mein Kind bekommst. Da erscheint es mir nicht weniger verlangt, dies auch magisch zu besiegeln."

Draco schien mit sich zu ringen.

„Sag einfach, was dich bedrückt. Wir können darüber reden", sagte Amelia und griff nach seinen Händen.

Gequält sah er sich ihr auf „Hast du Sorge, ich könnte dir wehtun? Hast du Angst, ich könnte meine Magie gegen dich einsetzen?"

„Nein, nicht jetzt und nicht hier, Draco", sagte Amelia sanft und küsste seine Hände. Er hatte es also herausgefunden.

„Warum schützt du dich dann magisch dagegen ab. Kein Fluch, den ich jemals auf dich wirken werde, hat bindende Kraft. Ich weiß das du dir dessen bewusst warst, aber was versprichst du dir davon?", fragte er sie ungehalten.

„Draco, du kennst mich. Ich denke immer weiter als an das heute. Ich musste einen Zauber finden, mit dem ich dir deinen freien Willen lassen konnte, denn ich will dich nicht unterwerfen. Aber einen, der dich trotzdem ungefährlich für mich Macht. Der Dunkle Lord wird immer stärker. Ich kann es spüren und auch dein Vater weiß es."

„Glaubst du, ich würde mich gegen dich stellen? Ich liebe dich, Amelia."

Amelia schüttelte traurig den Kopf.

„Es wird eine Zeit kommen, da wirst du dich entscheiden müssen zwischen mir und deinem Vater. Er wird zu ihm zurückkehren. Er hat zu große Angst davor, sich ihm entgegen zu stellen."

„Das ist Unsinn, er würde uns nie verraten."

„Das ist Wunschdenken. Sei realistisch. Auf welcher Seite würdest du stehen, wenn dein Vater zu seinem ehemaligen Herren zurückkehrt? Zu mir? Wo du weißt, dass ich sterben muss, um ihn zu vernichten? Oder zu deinen Eltern? Du hast ein gutes Verhältnis zu ihnen. Du stehst ihnen nah. Narzissa würde unser Kind wie ihr eigenes aufziehen und du müsstest deine Familie nicht verraten, nur um bei einer Todgeweihten zu sein. Ich will das Risiko nicht eingehen, dass der Dunkle Lord es schaffen könnte, uns aufeinander zu hetzen. Das schlimmste was ich mir ausmahlen kann, ist dass er unser Kind bedroht um uns aufeinander zu hetzen. Ich will nicht sterben. Ich will auch nicht, dass du stirbst und am wenigsten will ich unser Kind in Gefahr bringen."

Amelia ah ihn eindringlich an. Dies waren die Ängste, aus denen ihre Albträume bestanden.

„Ich will dir nichts tun, Draco. Dies ist jetzt unmöglich. Ich wollte es nicht nur zu meinem Schutz. Sondern auch zu deinem Schutz."

„Du vertraust mir nicht", stellte er betrübt fest.

„Doch, ich vertraue dir, Draco. Ich vertraue darauf, dass du der Mann bist, den ich liebe. Du bist stolz und jähzornig und du bist treu. Deine Treue ist deine beste Eigenschaft und das, was ich am meisten an dir verehre."

„Warum glaubst du dann nicht, dass meine Treue zu dir stark genug ist", fragte Draco verzweifelt.

Amelia rang mit sich, doch dann traf sie einen Entschluss. Sie kramte in ihrem kleinen Beutel und zog ein Fässchen mit Tinte hervor. Sie schraubte es vorsichtig auf und tauchte eine Feder hinein.

„Mit dieser Tinte ist es nur möglich die Wahrheit zu schreiben, Draco.", erklärte sie und reichte ihm die Feder.

„Schreib: Ich liebe Amelia mehr als meine Familie", forderte sie ihn auf und reichte ihm ein Stück Pergament.

Er setzte die Feder auf und schrieb. Dann strich er den Satz durch und schrieb erneut. Bei jedem Satz schien er verzweifelter zu werden.

Amelia zog ihm das Blatt weg. Darauf stand: Ich liebe meine Familie mehr als Amelia.

„Woher wusstest du es?", fragte er und hatte sein Gesicht in eine Hand gestützt. „Nicht mal ich wusste es."

„Weil ich dir zuhöre und dich beobachte. Ich kann meine Gefühle wegsperren und akzeptieren. Das macht mich zu der Hexe, die ich bin. Ich gebe mich keinen Illusionen hin."

Draco nahm ihr das Pergament ab und tauchte die Feder abermals in Tinte.

Er schrieb: „Ich werde Amelia Potter niemals Schaden zufügen."

„Daran halte ich fest, Amelia", sagte er.

Amelia nahm sein Gesicht in die Hände und küsste ihn.

„Du musst unser Baby beschützen, das ist alles was ich von dir verlangen kann. Wenn es irgendwann soweit ist musst du alles tun um unser Baby zu beschützen. "

„Das werde ich", versprach er und küsste sie abermals verzweifelt.

Nachwort:

Okay ich glaube, ich habe kein Kapitel öfter überarbeitet als dieses. Ich habe glaube ich an die 1000 Mal das Gespräch an Beltane umgeschrieben. Also wirklich sehr oft. Ich bin noch immer nicht zu 100% glücklich, aber irgendwann muss ich es hochladen.

Was gab es sonst noch: Ein kleines bisschen heile Welt und ganz viel nicht heile Welt. Habe ich schon erwähnt, dass ich Amelia manchmal nicht leiden kann? Sie ist manipulativ, rücksichtslos, gefühlskalt und benutzt die Gefühle anderer zu ihrem Vorteil. Ich habe versucht, sie zu einer richtigen Slytherin zu machen. Mit allen schlechten Dingen, die dem Hause Slytherin vorgeworfen werden.

Auch, dass Amelia die Schwangerschaft geheim hält, ist typisch für sie. Anders als Harry ist es ihr wichtig, was andere über sie denken, das ist auch der einzige Grund, warum sie eine so gute Hexe geworden ist, damit andere gut von ihr denken (Siehe Band 1). Gesellschaftliches Ansehen und gesellschaftliche Stellung spielen in ihrem Leben eine Rolle, anders als in Harrys leben. Es wäre auch der Grund gewesen, ihr Kind abzutreiben. Aber dass sie es behält, dafür haben die Malfoys gesorgt.

Im Grunde ihres Herzens ist Amelia kein guter Mensch. Sie kann nicht mal Draco, den sie liebt, bedingungslos vertrauen. Ich habe sie zu einer mächtigen Hexe gemacht, aber ihr dafür viele Charaktermängel verpasst, im Gegensatz zu Harry, der ein guter Mensch und über jeden moralischen Zwiespalt erhaben ist, aber dafür nur ein durchschnittlicher Zauberer.