Kapitel 11 – Die dritte Aufgabe
Was immer geschehen würde, änderte nichts an der Realität und die Realität sah nun mal so aus, dass das Trimagische Turnier immer näher rückte.
Amelia hatte mit Dumbledore gesprochen, doch nicht mal ihre Schwangerschaft konnte sie von den Aufgaben befreien. Es war unverantwortlich und Dracos Eltern waren entsetzt, doch ein magischer Vertrag war ein magischer Vertrag. Er ließ sich nur durch zwei Möglichkeiten beenden: Erfüllung oder Tod.
Amelias Bauch war mittlerweile so stark gewachsen, dass sie ihn nun dauerhaft unter Zaubern verstecken musste.
Heute erfuhren sie, was die dritte Aufgabe war. Amelia und Cedric hatten sich in der Eingangshalle getroffen und machten sich zusammen auf den Weg zum Quidditch Feld.
„Ich bin froh, wenn das alles vorbei ist", sagte Amelia.
„Du brauchst dich gar nicht beschweren, du hast glänzend abgeschnitten", sagte Cedric.
„In der letzten Runde kann sich noch alles verändern", antwortete Amelia.
Sie gingen einen Hügel hinunter und vor ihnen erstreckte sich das Quidditchfeld. Nur dass es jetzt kein Quidditchfeld mehr war. Überall, wo normalerweise Rasen war, sprossen jetzt kleine Hecken in den Himmel.
„Was haben die gemacht?!", rief Cedric entsetzt aus.
Amelia verzog keine Miene und überlegte, was das bedeuten konnte.
Sie gingen weiter und in der Mitte des Feldes erkannten sie Mr Bagman mit Fleur und Viktor.
Cedric sprang mühelos über die kleinen Büsche, doch für Amelia war das gar nicht so einfach, ohne sich ihre Behäbigkeit etwas anmerken zu lassen. Sie war erleichtert, als sie bei den anderen Ankamen.
„Nun, was haltet ihr davon? Die wachsen doch ganz hübsch?", sagte Bagman, als Cedric und Amelia angekommen waren. „Noch einen Monat und Hagrid hat sie sieben Meter
hochgezogen. Nun, ihr könnt sicher erraten, was wir hier wachsen lassen?"
Er sah vergnügt in die Runde, doch Amelia sah nicht ein, irgendwas dazu zu kommentieren. Sie blickte sich um und versuchte sich die Windungen um sie herum gut einzuprägen.
„Irrgarten", knurrte Viktor irgendwann.
„Richtig!", sagte Bagman. „Einen Irrgarten. Die dritte Aufgabe ist wirklich einfach. Der Trimagische Pokal wird in der Mitte des Labyrinths aufgestellt. Der erste Champion, der ihn berührt, erhält die volle Punktzahl."
„Wir müssen nur dursch den Irrgarten kommen?", fragte Fleur.
„Für Hindernisse garantieren wir", erwiderte Bagman und hibbelte unruhig umher. „Hagrid wird uns eine Reihe von Kreaturen zur Verfügung stellen ... dann gibt es Zauber, die gebrochen werden müssen ... alles, was wir so haben, ihr wisst ja. Amelia führt an Punkten, also wird sie als erstes in den Garten starten können. Dann kommen Mr Diggory und Mr Krum, die beide gleichauf liegen und nach ihnen Fleur Delacour. Aber ihr alle habt 'ne faire Chance, ihr müsst euch nur wacker an den Hindernissen vorbeikämpfen. Wird doch Spaß machen, meint ihr nicht?"
Amelia musterte den Irrgarten und malte sich aus, was alles auf sie zukommen konnte. Das würde viel Arbeit werden, sich ordentlich vorzubereiten und vor allem zu schützen.
„Sehr schön ... wenn ihr jetzt keine Fragen mehr habt, gehen wir nach oben ins Schloss, es ist doch ein wenig frisch hier ...", sagte Bagman und sie folgten ihm durch die Windungen des Irrgartens nach draußen.
„Amelia, hast du einen Moment", fragte Viktor sie und deutete zum Waldrand.
„Natürlich", erwiderte sie und sie trennten sich von den anderen.
„Was ist los?", fragte Amelia nach.
„Hermine hat mir diesen Zeitungsartikel über dich gezeigt", begann Viktor und Amelia ahnte, worum es ging.
„Viktor, Draco tut mir nichts an", sagte sie, müde es immer und immer wieder zu wiederholen.
„Bist du sicher, du brauchst dich nicht schämen", sagte Viktor.
Amelia griff nach seinen Händen und drückte sie. „Ganz sicher. Ich kann mich durchaus verteidigen ich bin nicht so hilflos wie ihr alle glaubt."
„Darum geht es nicht. Ich kenne das. Es gibt Frauen, die dann denken es geschieht ihnen recht oder die einfach verzeihen. Er hat gar kein Recht."
„Viktor, lass es einfach, okay?", bat Amelia.
Ein Geräusch hinter ihnen ließ sie zusammenzucken und Amelia hatte sofort den Zauberstab gezückt und fuhr herum.
„Was?", fragte Viktor überrascht, doch Amelia schüttelte nur den Kopf und versuchte durch das Dichte Blätterdacht des Verbotenen Waldes zu blicken.
Der Wald war gefährlich, sie erinnerte sich nur zu gut an ihr erstes Schuljahr, als sie in der Nacht mit Draco hindurchgewandert war.
Ein Mann kam auf sie zu getorkelt. Er sah wie ein Landstreicher aus. Seine Kleidung war zerrissen und er blutete aus mehreren Schürfwunden. Amelia erschrak, als sie ihn erkannte.
„War das nicht einer der Richter?", fragte Viktor.
„Mr Crouch", sagte Amelia überrascht.
Mr Crouch war ungewaschen und unrasiert. Es schien fast, als sei er tagelang umhergeirrt. Doch auch sein Gebaren war sonderlich.
Der Zauberer sprach zu einem Baum, als wäre er fest davon überzeugt, es sei eine Person.
„…und wenn Sie das erledigt haben, Weatherby, schicken Sie eine Eule zu Dumbledore und bestätigen Sie ihm die Zahl der Durmstrang-Schüler, die am Turnier teilnehmen, Karkaroff hat soeben mitgeteilt, dass es zwölf sein werden…"
„Mr Crouch!", rief Amelia laut und der Zauberer blickte irritiert in ihre Richtung.
Amelia lief auf den Zauberer zu und überprüfte im Laufen ob außer ihnen noch jemand in der Nähe war, doch sie waren allein.
„Wir sollten jemanden holen", sagte Viktor, als sie bei dem Zauberer angekommen waren. Crouchs Augen schienen zu rollen.
„Dumbledore", sagte Crouch und zog Amelia am Umhang zu sich. „Muss Dumbledore sprechen..."
Amelia nutzte die Gelegenheit drang mit ihrer Legilimentik in seinen Geist ein.
Sein Geist war so wirr, dass sie nicht mehr als einzelne Bilder erkennen konnte. Doch keine Zusammenhänge, keine Worte. Ihr wurde schlecht und es drehte sich alles, als sie aus seinem Geist auftauchte. Sie stolperte zurück und Viktor hielt sie fest, damit sie nicht stürzte.
„Was ist passiert?", fragte er erschrocken. Amelia löste sich, sah erschrocken zu Crouch hinüber, der wieder mit einem Baum sprach.
„Stupor", rief sie und der Fluch warf Crouch um.
„Warum hast du das getan?", fragte Viktor entsetzt.
„Der Mann ist nicht bei Verstand. Wir müssen ihn hoch zum Schloss bringen.", sagte Amelia.
„Was hat er?"
„Ich bin mir nicht sicher, aber ich weiß nicht, ob er ungefährlich ist. So ist es sicherer."
„Ich trage ihn", sagte Viktor und warf sich den schlaffen Körper von Crouch über die Schulter.
Amelia hätte ihn auch schweben lassen können, doch Viktor war groß und stämmig. Es schien ihm wenig auszumachen Crouch zu tragen.
Sie gingen hoch zum Schloss.
„Wohin?", fragte Viktor, als sie in die Eingangshalle gekommen waren.
„Zur Krankenstation", entschied Amelia und schlug den Weg die Treppe hoch ein.
Auf halben Weg kam ihnen Professor Moody entgegen.
„Was ist da los?", knurrte er und kam auf sie zu gehumpelt.
„Wir haben ihn im Wald gefunden", sagte Viktor und hob die Schulter, auf der der Zauberer lag.
Moodys Augen weiteten sich als er Mr Crouch erkannte.
„Hat er etwas gesagt?", fragte er Auror.
„Er steht unter einem Fluch. Er könnte gefährlich sein. Er muss auf die Krankenstation", sagte Amelia.
„Das mach ich. Hol Dumbledore, los", herrschte Moody sie an und mit einem Wink seines Zauberstabs flog der leblose Mann von Viktors Schultern.
Amelia hasste es, Befehle zu befolgen, doch sie war froh, aus Crouchs Reichweite zu sein. Sollte der Mann unbeobachtet zu Bewusstsein kommen und sie verfluchen, hätte sie Angst um ihr Kind. Dumbledore zu holen war ungefährlicher.
Sie bog an der nächsten Kreuzung ab und Moody ging mit Crouch geradeaus weiter Richtung Krankenstation. Viktor folgte Amelia.
Als sie bei dem Wasserspeier ankamen, erkannte Amelia Severus, der gerade die Treppe herunterkam.
„Miss Potter, was machen Sie hier?", fragte er überrascht und blickte zu Viktor, der hinter ihr stand und eine grimmige Mine aufsetzte.
„Wir haben Mr Crouch im Wald gefunden. Völlig ohne Verstand. Moody bringt ihn zur Krankenstation er wollte mit Dumbledore reden", sagte Amelia und versuchte zu verbergen, wie außer Atem sie war.
Severus drehte sich sofort um und öffnete den Wasserspeier wieder. Doch Dumbledore war gerade dabei herunter zu kommen.
„Was ist denn hier los?", fragte er amüsiert.
„Mr Crouch ist auf der Krankenstation. Miss Potter und Mr Krum haben ihn im Wald gefunden."
„Moody ist bei ihm", fügte Amelia hinzu.
Dumbledore schien schlagartig ernst zu werden.
„Wie war sein Zustand?", fragte er.
„Schlecht. Körperlich schien er zwar etwas geschunden, aber gesund doch geistig", Amelia schüttelte den Kopf. „Ich habe eine ungute Vermutung."
„Mr Krum, sie können zum Schiff zurückkehren, danke für ihre Hilfe. Amelia, du kannst auch in den Slytherin-Gemeinschaftsraum zurückgehen."
Viktor nickte, doch Amelia widersprach.
„Ich komme mit. Es geht auch mich etwas an", sagte sie stur.
Dumbledore musterte sie einen Augenblick nachdenklich, dann nickte er. „Wie du meinst."
Amelia, Severus und Dumbledore gingen zusammen in den Krankenflügel, während Viktor zum Schiff zurück schlurfte.
„Was ist genau passiert, Amelia?", fragte Dumbledore.
„Heute wurde die dritte Aufgabe verkündet. Viktor und ich haben danach noch etwas geredet und sind in die Nähe des Verbotenen Waldes gekommen. Dort haben wir Crouch gefunden. Er war total durcheinander und hat sich mit einem Baum unterhalten. Er schien nur einen kurzen klaren Moment zu haben. Er wollte sie sprechen, Professor", erzählte Amelia.
Sie erreichten die Krankenstation und fanden Crouch in einem Bett liegend vor. Madam Pomfrey wuselte um ihn herum. Moody saß auf einem Stuhl und genehmigte sich einen Schluck aus seinem Flachmann, den er immer bei sich trug.
„Was fehlt ihm, Poppy?", erkundigte sich Dumbledore.
„Er wurde geschockt", begann sie und Amelia unterbrach sie darauf.
„Das war ich", gestand sie.
Madam Pomfrey blickte Amelia geschockt an.
„Gab es dafür einen Grund?", erkundigte sich Dumbledore.
„Es schien nicht sicher zu sein, ihn bei Bewusstsein zu lassen. Er war verwirrt und verflucht. Er hätte uns jederzeit angreifen können."
„Kluge Entscheidung", knurrte Moody.
„Fehlt ihm sonst etwas, Poppy?", wandte sich Dumbledore wieder an die Krankenschwester. Diese schien Amelias Anwesenheit mittlerweile verdaut zu haben.
„Ein paar Kratzer und Schürfwunden, er ist sehr erschöpft. Aber ich kann wenig über seinen geistigen Zustand aussagen. Ich wollte damit warten, ihn aufzuwecken, bis Sie da sind, Direktor."
„Tun sie es", sagte Dumbledore grimmig.
„Enervate", sagte Madam Pomfrey und Crouch fuhr sofort hoch. Er stürzte sich auf die Krankenschwester und entriss ihr den Zauberstab. Amelia hatte sofort ihren eigenen Stab in der Hand.
Ein grünes Licht Blitze auf und Crouch fiel tot vom Bett.
Amelia bemerkte erst jetzt, dass überall um sie herum Schildzauber entstanden waren. Ihr eigner überlappte sich mit denen von Dumbledore, Moody und Severus.
Geschockt ließ sie sich nach hinten sinken und zauberte sich schnell einen Hocker herbei.
Dumbledore eilte auf Crouch zu und überprüfte seinen Puls. Madam Pomfrey schrie noch immer, sie schien kaum zu bemerken, dass alles schon vorbei war.
Snape verfrachtete die Krankenschwester auf eines der Betten, wo sie zitternd sitzen blieb.
„Der ist wohl hinüber", sagte Moody wütend und stapfte zu Dumbledore.
Dumbledore nickte und zog die Decke über Crouchs Gesicht.
Amelia stand auf und trat ebenfalls an das Bett.
Ihre Gedanken rasten und ihr war nicht bewusst, dass ihre Augen schlitzartig verzogen waren und kalt glänzten, während sie den Leichnam musterte. Kalter Hass staute sich in ihr auf. Voldemort war es gelungen, ihr ein Schnippchen zu Schlagen. Genau vor ihrer Nase. Genau vor Dumbledores Nase. Sie kochte vor Wut.
„Was ist passiert?", fragte Madam Pomfrey atemlos, da niemand etwas zu sagen schien.
„Er hat Selbstmord begangen. Er muss verwirrter gewesen sein, als wir vermutet haben", sagte Dumbledore ernst und starrte wieder zu Crouch.
„Es war kein Selbstmord", sagte Amelia und ihre Stimme zitterte vor Wut.
„Dann weißt du also etwas, das wir nicht wissen", schnaubte Moody.
„Er stand unter dem Imperius Fluch, unten im Wald. Er hat dagegen gekämpft und ihn beinah abgeschüttelt. Deshalb war er so verwirrt und deshalb hielt ich ihn für gefährlich. Aber der Fluch war fast gebrochen. Er muss sehr mächtig gewesen sein, aber schon alt."
Amelia blickte zu Dumbledore und dieser sah sie aufmerksam an.
„Er stand seit Monaten unter der Kontrolle eines anderen. Ich konnte nur Bruchstücke von ihm erfahren. Einzelne Bilder aber nicht mehr", sagte Amelia.
„Du hast ihn mit Gedächtniszaubern belegt, bevor du ihn hergebracht hast?", knurrte Moody ungehalten und sprang auf. Amelia würdigte ihn nur eines eisigen Blicks.
„Das ist eine interessante Frage", stellte Dumbledore fest.
Amelia blinzelte. Sie sah zu Severus hinüber.
„Du hast es ihm nie erzählt, Severus?", fragte sie ihn überrascht.
„Du hast mich darum gebeten zu schweigen, Amelia", erwiderte Severus mit undurchdringlicher Mine.
Sie lächelte dankbar. Damit hatte sie nicht gerechnet. Eine unerwartete Geste der Loyalität.
Dumbledore blickte von einem zum anderen und wandte sich dann aufmerksam an Amelia.
„Dann wärst du so freundlich, dich zu erklären?"
„Ich bin wie Sie, Professor", sagte Amelia. „Was die Legilimentik betrifft. Vielleicht nicht ganz so, aber ähnlich. Ich kann es spüren."
Dumbledore musterte sie und Amelia konnte ahnen, dass er gerade all ihre Begegnungen durchging und nach Anzeichen suchte.
„Das erklärt einiges", sagte er nach geraumer Weile und lächelte sie über seine Halbmondbrille hinweg an. Als hätte er ein Rätsel gelöst, über das er schon lange nachgedacht hatte. Amelia lächelte auch.
„Was hast du gesehen, dass dich so beunruhigt?", fragte er sie nun ernst.
Amelia sah wieder zu dem Toten.
„Ich habe Peter Pettigrew gesehen und ein Wesen, so groß wie ein Baby, doch von knochiger, schuppiger Gestalt. Kaum am Leben und doch nicht tot", sagte sie. „Voldemort."
Es herrschte einen Moment Schweigen.
„War das alles?", hakte Moody nach und beide Augen, das magische und das normale waren auf Amelia gerichtet.
„Da war noch ein Mann. Er hatte blonde Haare, vielleicht Mitte dreißig. Er war ein Todesser. Ich habe das Dunkle Mal auf seinem Arm gesehen."
„Du kennst ihn nicht?", fragte Severus nach.
„Nein, er war keiner der Todesser, die ich bei den Malfoys kennengelernt habe", bestätigte Amelia.
„Bist du deshalb bei denen, spionierst du sie aus?", hakte Moody nach.
„Ich würde ihn auf einem Bild erkennen, wenn ich ihn wiedersehe", sagte Amelia und überging Moody.
„Ich habe ein paar Ideen, wie wir den Unbekannten finden können. Ich erwarte dich morgen um sieben Uhr abends in meinem Büro", sagte Dumbledore. „Ich glaube, ich muss jetzt das Ministerium benachrichtigen. Geh in den Gemeinschaftsraum Amelia, du kannst hier nichts mehr tun."
Amelia nickte und stand auf. Sie zögerte kurz.
„Professor, wissen Sie noch was ich ihnen über den dritten Todesser gesagt habe?", sagte Amelia als sie schon fast aus der Tür heraus war.
„Ich habe es nicht vergessen", erwiderte Dumbledore und musterte sie über seine Halbmondbrille hinweg.
Amelia beeilte sich, in den Slytheringemeinschaftsraum zu kommen und Draco war schon besorgt, wo sie geblieben war.
Sie fiel ihm einfach nur in die Arme und es war als würde eine gewaltige innere Anspannung von ihr abfallen.
„Wir müssen reden", sagte sie und zog Draco in eine Ecke, wo sie alles mit Zauberabwehr versah.
„Was ist passiert?", fragte Draco alarmiert.
„Barty Crouch ist tot", begann Amelia und erzählte ihm alles. Von den Erinnerungen aus Crouchs Geist bis hin zu dem, was sie Dumbledore gesagt hatte. Lediglich, dass sie für ihre Legilimentik keinen Zauber gebraucht hatte, sondern einfach so in den fremden Geist eingedrungen war, überging sie.
„Direkt vor euren Augen?", fragte Draco entsetzt.
„Das ist das, was mich daran stört", sagte Amelia. „Crouch hatte den Imperius fast abgeschüttelt. Er war nie und nimmer noch stark genug, um ihn zum Selbstmord zu bewegen. Jemand, innerhalb dieses Schlosses muss den Zauber erneuert haben."
„Du glaubst, dass der dritte Todesser aktiv ist. Dass er nicht einfach nur passiv zuschaut und abwartet, wie all die anderen."
Amelia nickte. Genau das war ihre ungute Vermutung.
Draco wich ihr den ganzen nächsten Tag nicht von der Seite. Normalerweise fühlte sie sich von so viel Fürsorge genervt, doch heute war es ihr nur recht. Sie hatte das Gefühl, beobachtet zu werden und das behagte ihr gar nicht. Sie wusste nicht, ob sie paranoid wurde oder ob es daran lag, dass Crouch gestern gestorben war, aber ständig schien jemand im Schatten zu verschwinden, wenn sie sich umdrehte.
Draco brachte sie sogar am Abend zu Dumbledores Büro.
„Ich warte hier", sagte er und lehnte sich an die Wand. Amelia ging an dem Wasserspeier vorbei die Treppen nach oben.
Sie klopfte und Dumbledore bat sie herein. Aber Dumbledore war nicht allein. Auf einem Stuhl vor seinem Schreibtisch saß…
„Sirius", sagte Amelia überrascht. „Ich hatte nicht erwartet, dich hier zu treffen."
„Ich konnte ihn schwer davon abhalten zu kommen, nachdem er erfahren hatte, was gestern geschehen ist", gluckste Dumbledore.
„Ich dachte, ich schau mal vorbei, um mich persönlich bei dir zu bedanken. Wie geht es dir, Amelia", sagte er und lachte. Sein Lachen erinnerte fast an den Mann, der er mal gewesen sein musste. Er sah dadurch bedeutend jünger aus.
Im gewaschenen und rasierten Zustand sah er weit weniger gefährlich aus, als der Zauberer, den sie im Zauberkunstkorridor gefangen hatten.
„Den Umständen entsprechend gut", antwortete Amelia und nahm auf dem zweiten Stuhl vor Dumbledores Schreibtisch Platz.
„Das ist schön zu hören", erwiderte Sirius.
Amelia war überrascht, dass Sirius sonst nichts weiter sagte. Sie warf Dumbledore einen fragenden Blick zu und als sie das Blitzen in seinen Augen sah, wusste sie, dass er ihm nichts erzählt hatte.
„Wir sind hier, um etwas Anderes herauszufinden", wechselte Amelia das Thema. „Haben Sie eine Ahnung, wer der blonde Todesser sein könnte, den ich in Crouchs Erinnerungen gesehen habe?"
„Das ist die Frage, nichtwahr? Ich habe so eine Vermutung", sagte Dumbledore und stand auf.
Er trat an ein steinernes, mit Runen verziertes Becken. Ein Denkarium.
„Sirius hat mir gerade von seinen Begegnungen mit Barty Crouch erzählt", begann Dumbledore. „Was weißt Du über ihn, Amelia?"
„Nur das übliche. Er war für Sirius Inhaftierung nach Askaban verantwortlich und für den harten Kurs des Ministeriums während Voldemorts Aufstieg. Aber trotz aller Verdienste und seiner Beliebtheit damals, wurde er nie Zaubereiminister, sondern aufs Abstellgleis geschoben."
„Das stimmt so weit", sagte Sirius, „aber es gibt auch einen Grund dafür. Nach Voldemorts Fall, als es nur noch eine Frage der Zeit schien bis Barty Zaubereiminister wird, wurde sein eigener Sohn mit einer Gruppe Todesser aufgegriffen. Barty hat seinen eigenen Sohn nach Askaban gesperrt. Das brachte die Leute zum Nachdenken, viele begannen sich zu fragen, was bei dem guten Barty schiefgelaufen war."
Amelia nickte nachdenklich. „Sein Sohn hat ihn seine Karriere gekostet. Wo ist sein Sohn jetzt?", fragte Amelia.
„Er ist tot. Dumbledore hat mich hergebeten, damit ich es bestätige. Er hatte eine Zelle ganz in der Nähe von meiner. Er starb ein Jahr nachdem sie ihn nach Askaban gebracht hatten. Du musst wissen, das ist nichts Ungewöhnliches. Die meisten werden verrückt und hören auf zu essen. Crouch Liebe zu seinem Sohn ging so weit, dass er ihn auf dem Totenbett besucht hat, zusammen mit seiner Frau. Kurz darauf starb dann auch diese."
„Ein trauriges Schicksal. Er hat sein Leben der Karriere geopfert, doch letztendlich hat ihn sein Versagen als Vater alles gekostet. Frau tot, Sohn tot und Karriere dahin. War sein Sohn ein Todesser?", fragte Amelia.
„Wir werden es wohl nie erfahren. Außer… Ist dies der Mann, den du in seinen Erinnerungen gesehen hast?", fragte Dumbledore und aus dem Denkarium trat eine sich drehende Gestalt. Ein Junge von nicht mal neunzehn Jahren.
Amelia stand auf und trat näher, um ihn genauer zu betrachten.
„Das ist er, ich dachte nur, er sei älter. Eher Mitte dreißig. Aber selbst der Haarschnitt ist der gleiche."
„Bist du dir sicher, dass er älter war?", hakte Dumbledore nach und Amelia schloss die Augen.
„Crouchs Geist war sehr wirr. Ich habe fast die Besinnung verloren, als ich wieder daraus aufgetaucht bin. Ich bin mir sicher, dass es dieser Mann war, aber ich kann nicht schwören, dass er älter war. Ich hatte es nur gedacht. Es war der erste Eindruck und dem vertraue ich normalerweise."
„Barty Crouch ist tot", sagte Sirius. „Beide."
„Sie hatten den gleichen Namen?", fragte Amelia irritiert.
„Ja. Nicht sonderlich kreativ, aber unter Reinblütern durchaus üblich", sagte Sirius.
„Könnte der Sohn noch Leben? Oder habe ich lediglich eine alte Erinnerung aufgegriffen, weil Crouch an seinen Sohn denken musste?", fragte Amelia an Dumbledore gewandt.
„Ich weiß es nicht", sagte er und eine Szene leuchtete im Denkarium.
Vier Gefangene wurden in einen Gerichtssaal geführt. Ein Untersetzter Mann, der mit Leerem Blick vor sich hin starrte. Ein Zweiter, ihm sehr ähnlich und doch größer, ließ seinen Blick über die Menge schweifen. Eine Hexe mit rabenschwarzem Haar, die erhobenen Hauptes einherschritt und Bartemius Crouch jr., der fürchterlich jung aussah.
„War das seine Verhandlung?", fragte Amelia und blickte die Hexe an. Sie kam ihr bekannt vor.
„Ich fürchte ja."
„Was wurde ihm vorgeworfen?"
„Er soll versucht haben, Voldemort zu finden. Du kannst dir vorstellen, dass die Menschen entsetzt von der Vorstellung waren, der Terror könne weitergehen", sagte Dumbledore.
„Dementsprechend hart fiel die Strafe aus. Ich erinnere mich. Lebenslanger Aufenthalt in Askaban", sagte Amelia leise.
„Du hast davon gehört?", fragte Dumbledore milde erstaunt.
Amelia schenkte ihm ein trauriges Lächeln.
„Sie ist Narzissas Schwester, Bellatrix Lestrange", sagte sie bitter und deutete auf die Hexe im Denkarium. „Dort ist auch ihr Mann Rodolphus. Natürlich habe ich davon gehört."
„Ich bin noch immer der Meinung, dass die Malfoys ein schlechter Umgang sind", sagte Sirius belehrend.
„Sie ist auch deine Cousine Sirius", erwiderte Amelia gereizt.
„Man kann sich seine Verwandtschaft nicht aussuchen."
„Dann hör auf, auf Draco herumzuhacken."
Sirius hob abwehrend die Hände. „Ich habe nichts gesagt."
Amelia warf ihm einen wütenden Blick zu, fasste sich dann jedoch wieder.
„Also haben wir letztendlich nichts", wandte sie sich an Dumbledore. „Crouch muss irgendwie unter die Kontrolle von Voldemort geraten sein. Wenn ich das berücksichtige, was Sie mir gesagt haben, Professor, dann könnte Voldemort von Bertha Jorkins von dem Trimagischen Tunier erfahren und in Crouch eine hochgestellte Person gefunden haben, die Zugang zu Hogwarts hatte. Könnte Crouch mich in das Turnier geschmuggelt haben?
„Das war genau mein Gedankengang", sagte Dumbledore besorgt.
Sirius wandte ein: „Er könnte versucht haben, dich durch das Turnier umzubringen. Aber Barty war zu stark und hat den Imperius besser bekämpft als erwartet. Deshalb konnte er nichts unternehmen. Die zweite und dritte Aufgabe scheinen Ideal um jemanden verschwinden zu lassen."
„Ich weiß nicht", sagte Amelia. „Wenn ich versuchen würde mich umzubringen, dann nicht durch ein Schülerturnier. Das erscheint mir zu unspektakulär."
Amelia wandte sich an Dumbledore, der ihr aufmerksam zuhörte.
„Voldemort steht auf Symbolismen, Bedeutungen. Große Momente, die ihn im Mittelpunkt stehen lassen. Es sieht ihm nicht ähnlich zu versuchen, mich von einem Drachen zerreißen zu lassen. Was hat mein Tod für eine Bedeutung, wenn er selbst schwach und gebrochen ist."
„Dein Tod hat immer eine Bedeutung", sagte Sirius.
„Nein, Amelia hat recht, Sirius", sagte Dumbledore und musterte Amelia über seine Halbmondbrille hinweg. „Es ist nicht Voldemorts Art, einen so bedeutenden Tod, wie den Amelias, wie einen Unfall zu tarnen. Es muss mehr dahinter stecken."
„Wie auch immer, die Gefahr ist vorbei. Crouch ist tot und Voldemort hat seinen Sklaven verloren."
„Es ist gewiss nicht vorbei", sagte Dumbledore und setzte sich wieder hinter seinen Schreibtisch. „Stimmst du mir nicht zu, Amelia."
„Ich denke wie Sie, Sir. Es bleibt der unbekannte Todesser, der auf Hogwarts ist."
„Du hältst daran fest", stellte Dumbledore fest.
„Ich weiß es. Ich habe Karkaroff die Freiheit geboten, damit er ihn verrät, aber Karkaroff scheint nichts zu wissen."
„Professor Snape hat mir von eurer, eigentümlichen Begegnung berichtet. Er schien besorgt darüber."
Amelia trat ans Fenster und blicke über die Ländereien.
„Sirius, möchtest du nicht Draco Hallo sagen? Er wartet unten", sagte sie in die Stille hinein und drehte sich wieder um.
„Was?", fragte Sirius überrascht.
„Bitte", sagte Amelia. Sirius blickte hinüber zu Dumbledore, doch dieser neigte nur zustimmend den Kopf.
„Gut, wenn ich hier nichtmehr gebraucht werde, dann geh ich mal zu Draco", sagte Sirius etwas geknickt und ging hinaus. Nicht ohne den Zurückbleibenden einen fragenden Blick zuzuwerfen.
Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss.
„Wie viel wissen Sie über meine Verbindung zu Voldemort?", fragte Amelia leise und setzte sich wieder Dumbledore gegenüber. Ihre ganze Mimik hatte sich verändert.
Das fröhliche Blitzen war schlagartig aus Dumbledores Zügen verschwunden und er wurde ernst.
„Wissen, wäre zu viel gesagt. Ich kann nur ahnen. Das was dir widerfahren ist, übersteigt die erforschte Magie, Amelia."
„Was ahnen Sie, Professor?", hakte Amelia nach.
„Du hast gesagt, Du spürst ihn, nichtwahr? Es mag sein, dass Voldemort, als er verschwand, einen Teil seiner Macht in dir zurückgelassen hat. Deshalb kannst Du ihn spüren", sagte Dumbledore.
Enttäuschung machte sich in Amelia breit. Sie hatte gehofft, Dumbledore würde ihr mehr vertrauen.
„Sie sprechen von Macht, Professor. Meinen Sie nicht in Wirklichkeit Seele?", fragte Amelia mit abweisender Stimme.
Dumbledore schien einen Moment zu stocken. Sein Blick glitt musternd über seine Schülerin, doch er wagte es nicht, Legilimentik einzusetzen.
„Ja, es kann sein, dass zwischen Voldemort und dir eine Verbindung durch seine Seele besteht. Aber das ist reine Theorie. Man kann sich nicht sicher sein."
„Was wissen Sie noch, Professor? Sie wissen so viel über mich, aber Sie verraten mir nichts. Wie soll ich glauben, dass Sie auf meiner Seite stehen, wenn Sie mir mein Leben lang nur Halbwahrheiten erzählen?", sagte Amelia und verschränkte die Hände über ihrem Bauch.
„Alles ist unsicher. Ich möchte dir nicht unnötig Angst machen", erwiderte Dumbledore. „Du hast auch so schon so viel zu tragen."
„Das ist eine Ausrede", brauste Amelia auf und stand auf. Wütend blickte sie aus dem Fenster, um die Fassung wiederzuerlangen. Sie sah ihre kalte Mine im Fenster und Dumbledore, der besorgt ihren Rücken musterte.
„Die Eine mit der Macht, den Dunklen Lord zu besiegen, naht heran … jenen geboren, die ihm drei Mal die Stirn geboten haben, geboren, wenn der siebte Monat stirbt …"
Amelias Stimme war kalt wie Eis, als sie den Satz rezitierte.
„Sie wussten immer, warum Voldemort mich gejagt hat. Bevor ich mein Kind zur Welt bringe, muss ich den Rest erfahren. Nur Sie können ihn mir sagen. Nur Sie kennen die gesamte Prophezeiung."
Als Amelia sich umdrehte, hätte sie Dumbledore beinah nicht wiedererkannt. Er sah mit einem Mal unglaublich alt aus. Alles Leben schien aus ihm gewichen zu sein.
„Wer hat es dir gesagt?", fragte er müde und Fawkes flatterte zu ihm hinüber und ließ sich auf seinem Schreibtisch nieder.
„Spielt das wirklich eine Rolle?", erwiderte Amelia zornig.
„Nein, nein nicht wirklich", sagte Dumbledore müde.
„Sagen Sie es mir. Ich habe ein Recht, es zu erfahren", forderte Amelia.
„Ja, das hast Du und Du fragst mit Recht, warum ich es dir nicht schon vorher gesagt habe."
„Reden sie sich nicht drumherum."
„Du bist unerbittlich zu einem alten Mann, Amelia."
„Sie haben mir keine Wahl gelassen, Dumbledore", sagte Amelia abweisend.
Der Zauberer hob seinen Zauberstab und es schien ihn unendlich viel Mühe zu kosten. Das Denkarium flog auf ihn zu und setzte sich mit einem leisen Klong auf den Schreibtisch ab. Dumbledore legte seinen Zauberstab an seine Schläfe. Als er ihn wieder löste klebte ein silbriger Faden daran. Er ließ ihn in das Becken fließen, wo er mit den anderen Erinnerungen, die schon darin schwammen, zu einer silbrigen Flüssigkeit verschmolz.
Dumbledore rührte mit seinem Zauberstab in dem Denkarium.
„Du musst wissen, Amelia, dass eine Prophezeiung nur so viel Wahrheit enthält, wie wir ihr zugestehen. Nur die wenigsten Prophezeiungen erfüllen sich."
„Ich muss sie dennoch kennen."
Dumbledore versetzte den Erinnerungen einen Stoß und eine silbrige Gestalt stieg daraus empor. Amelia hatte sie nie persönlich getroffen, aber aus Pansys Erinnerungen wusste sie, dass es Professor Trelawney war. Die Lehrerin für Wahrsagen.
Sie begann mit rollender Stimme zu sprechen:
Die Eine mit der Macht, den Dunklen Lord zu besiegen, naht heran … jenen geboren, die ihm drei Mal die Stirn geboten haben, geboren, wenn der siebte Monat stirbt … und der Dunkle Lord wird sie als sich Ebenbürtig kennzeichnen, aber Sie wird eine Macht besitzen, die der Dunkle Lord nicht kennt … und Einer muss von der Hand des Anderen sterben, denn keiner kann leben, während der Andere überlebt … die Eine mit der Macht, den Dunklen Lord zu
besiegen, wird geboren werden, wenn der siebte Monat stirbt …"
Trelawney sank wieder zurück in die Schale. Stille herrschte im Raum.
Amelia legte ihre Rechte Hand auf ihren gewölbten Bauch und wiederholte die Worte der Prophezeiung lautlos. Ihre Finger glitten zu ihrer Blitznarbe auf der Stirn.
„Und einer muss von der Hand des anderen sterben, denn keiner kann leben, während der Andere überlebt", sagte Amelia Gedankenverloren. „Es bedeutet aber auch, dass beide eine Chance auf Leben haben."
„Das bedeutet es", sagte Dumbledore. „Was beschäftigt dich, Amelia."
„Sie wissen es doch schon lange, Dumbledore. Dass Voldemort nicht sterben konnte, weil ein Teil seiner Seele in mir ist. Er kann nicht sterben, bevor nicht auch dieser Splitter vernichtet ist. Das ist die Grundlage von Seelenmagie."
Dumbledore blickte Amelia schmerzerfüllt an. Fawkes stieß einen leisen Ton aus.
„Aber wenn die Prophezeiung Recht hat, dann muss es einen Weg geben, wie ich diesen Seelenteil vernichten kann, ohne dabei zu sterben. Wenn die Prophezeiung Recht hat, gibt es noch Hoffnung für mich."
Dumbledore blickte sie aus unergründlichen Augen an.
„Wenn es dich beruhigt, Amelia, bin ich eher geneigt zu glauben, dass Voldemort seine Seele bereits zersplittert hatte, bevor er sich aufmachte, dich anzugreifen. Er hat nicht nur deinetwegen überlebt. Seine Seele muss bereits instabil gewesen sein."
Amelia zog scharf die Luft ein und sah zu Dumbledore hoch. Ihr Blick glitt zu Dumbledores strahlend blauen Augen.
„Sie meinen er hat einen Horkrux geschaffen?", hakte sie nach.
„Ja, ja genau das meine ich. Darf ich fragen, woher du so viel darüber weißt?", fragte Dumbledore und ihre Blicke trafen sich abermals. Amelia wägte ab.
„Wenn sie mich nach meinen Geheimnissen fragen, Professor, sind Sie dann auch bereit, die ihren preiszugeben?"
Sie saßen sich gegenüber, der alte Mann und das junge Mädchen.
„Das ist gefährliche Magie, Amelia", sagte Dumbledore und wich damit ihrer Frage aus.
Amelia seufzte. Hatte sie etwas Anderes erwartet? Vielleicht hatte sie es gehofft. Aber Dumbledore hatte das Talent, sie immer wieder zu enttäuschen.
„Das ist es, Professor. Ich glaube, wir können Sirius wieder herein holen, oder?", fragte sie trocken und Dumbledore nickte ebenfalls enttäuscht.
Sie waren von jeher eine Enttäuschung füreinander gewesen.
„Phineas, sagen Sie doch bitte Sirius und Draco Bescheid, dass sie sich auch gerne oben weiterunterhalten können."
Eines der Porträts huschte los und einen Moment später kamen sie herein. Beide grinsten und schienen bester Laune zu sein.
„Hallo Professor Dumbledore", sagte Draco, als er hereinkam.
„Dann sind schlussendlich alle beisammen", sagte Dumbledore und grinste vergnügt.
„Da fällt mir etwas ein, wenn ich euch zusammen sehe", sagte Amelia und wandte sich an Professor Dumbledore.
„Was für Auswirkungen wird es haben, wenn ich in den Ferien nicht zu den Dursleys zurückkehre. Soweit ich das verstanden hatte, würde der Blutzauber dann enden", sagte Amelia an Dumbledore gewandt.
„Welcher Blutzauber?", fragte Sirius.
„Daran habe ich auch schon gedacht", sagte Dumbledore und wandte sich an Sirius. „Sirius, als ich Amelia damals zu ihren Verwandten gab, belegte ich sie mit einem alten Zauber, sodass das Blut ihrer Mutter sie Schützen würde, solange sie zu den Dursleys zurückkehren würde. Solange sie das Zuhause ihrer Verwandten jedes Jahr wieder aufsucht, ist sie dort sicher vor jedem, der ihr Schaden zufügen möchte."
Sirius nickte verstehend. „Deshalb hat nie jemand versucht, sie in ihrer Kindheit anzugreifen. Das heißt wohl, dass ich dich kaum bei mir aufnehmen kann", sagte Sirius bedauernd zu seiner Patentochter.
„Es ist für mich keine Option, zu den Dursleys zurückzukehren. Nicht unter diesen Umständen. Der Zauber endet dieses Jahr."
Draco nahm ihre Hand in die seine.
„Wenn alles so abläuft, wie wir es geplant haben, wird der Zauber sowieso gebrochen, Amelia. Es ist keine Option zu den Muggeln zurückzukehren", sagte Draco und warf einen unsicheren Blick zu Sirius hinüber.
„Was geht hier vor?", fragte Sirius und blickte in die Runde.
Dumbledore lachte vergnügt. „Was haltet ihr davon, wenn ich uns was zu trinken aus der Küche hole. Bei so viel Gerede bekomme ich immer eine trockene Kehle und die Hauselfen machen einen herrlichen Zitronentee", sagte er verschmitzt grinsend und stand auf.
„Danke Professor", sagte Draco und Amelia war durchaus klar, dass er sich nicht für den Tee bedankte. Dumbledore gab ihnen etwas Privatsphäre, auch wenn Amelia klar war, dass die Porträts ihm alles Wichtige berichten würden.
Die Tür schloss sich hinter ihm und Sirius blickte mit zusammengekniffenen Augen von einem zum anderen.
„Er ist dein Patenonkel", sagte Draco und ruckte mit dem Kopf in Sirius Richtung.
Amelia kniff die Lippen zusammen.
„Was?", fragte Sirius.
„Wir haben… ", begann Amelia und wusste nicht, wie sie es ihm am schonendsten beibringen sollte. Draco drückte ihre Hand.
„Ich werde euch schon nicht den Kopf abreißen, was habt ihr ausgefressen?", fragte Sirius und grinste sie an.
„Ich habe deine Patentochter geschwängert", sagte Draco und mit einem Mal wich das Grinsen aus Sirius Gesicht.
„Das ist ein Scherz, richtig?", fragte er und schaute von einem zum anderen als würde er hoffen, dass jemand gleich April April rufen würde.
„Nein. Wir brauchen dein Einverständnis, dass ich bei den Malfoys leben kann, damit Narzissa uns unterstützen kann und ich weiter zur Schule gehen kann", sagte Amelia so gefasst wie möglich.
Sie legte die Hand auf ihren Bauch, obwohl Sirius natürlich nicht durch die Illusion blicken konnte.
„Ihr habt euch schon entschieden?", fragte Sirius sie.
„Es ist ein bisschen spät, um einen Rückzieher zu machen", erwiderte Draco und Amelia überwand sich, die Illusion aufzuheben.
Sirius starrte auf ihren gewölbten Bauch und Amelia fühlte sich ziemlich unwohl in ihrer Haut. Dann fuhr er sich mit der rechten Hand übers Gesicht und seufzte schwer.
„Du versuchst dir dein Leben auch nicht leicht zu machen, oder Amelia?", sagte er.
„Ich habe gründlich darüber nachgedacht, glaub mir", sagte Amelia.
„Ihr wollt zusammenziehen", fuhr Sirius fort und ließ sich in einen der Sessel vor Dumbledores Schreibtisch sinken.
„Ja", bestätigte Draco. „Nicht in eine eigene Wohnung. Das Anwesen meiner Familie ist groß. Wir werden dort leben. Wir haben uns auch verlobt."
Sirius seufzte nochmal.
„Weißt du, Amelia. Deine Eltern haben damals aus dem gleichen Grund geheiratet. James war das ziemlich wichtig."
„Also stimmst du zu?", fragte Amelia erleichtert.
„Nicht so schnell. Ich muss erst mit Dracos Eltern reden. Das ist nicht so einfach zu entscheiden."
„Das ist kein Problem. Es ist alles besprochen. Wir renovieren gerade den Südflügel. Meine Eltern werden da sein, sollten wir Probleme haben."
„Und was ist mit der Schule?", fragte Sirius.
„Dracos Mutter wird tagsüber auf unser Kind aufpassen oder die Hauselfen. Abends gehen wir nach Hause zurück. Draco hat bereits einen Apparierkurs belegt. Er legt die Prüfung ab, sobald die Erlaubnis vom Ministerium reinkommt. Ich werde damit erst nach der Entbindung anfangen können."
„Ihr seid euch also sicher…"
„Ja", sagte Draco und nickte. Amelia nickte ebenfalls. Sie lächelte, lehnte sich leicht an Draco und hielt seine Hand.
Sirius schien nicht sonderlich glücklich zu sein, er rieb sich abermals mit der Hand übers Gesicht.
„Wisst ihr denn schon, was es wird?", fragte er dann matt und Draco konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Ein Sohn", sagte er und es schwang Stolz in seiner Stimme mit.
Es war nur noch ein Monat bis zur letzten Aufgabe und auch nur noch ein Monat bis zu den Prüfungen. Der Turniertag war der letzte Prüfungstag für die Viertklässler. Amelia war zwar von den Prüfungen befreit, doch Draco verbrachte viel Zeit mit der Wiederholung des Schulstoffs. Währenddessen machte sich Amelia an die Vorbereitungen für die letzte Aufgabe des Trimagischen Turniers.
Zu sagen, es würde ihr Spaß machen sich magische Barrieren auszudenken und diese zu knacken, wäre eine Untertreibung. Sie ging regelrecht darin auf. Manchmal erwischte sie sich dabei, dass sie sich so tief in die Materie versetzte, dass sie es bestimmt nicht für ein Schülerturnier brauchen würde.
Sie entdeckte trotzdem ein paar praktische Hexereien. Eine fand sie besonders nützlich. Ein starker Schutzschild, der sie vor physischem Schaden bewahrte. Er würde vor allem ihren Sohn vor den Monstern im Irrgarten beschützen. Er war ziemlich kompliziert und hätte Moody ihn nicht in Verteidigung gegen die Dunklen Künste erwähnt, wäre sie nie darauf gekommen.
Es war komisch, aber umso dicker ihr Bauch wurde, umso mehr verlor der Gedanke Mutter zu werden seinen Schrecken.
Sie suchten zusammen Namen aus, wobei das einfacher klang, als es in Wirklichkeit war. Draco hatte ziemlich starre Vorstellung davon, was für eine Art Namen er seinem Sohn geben wollte. Er bestand darauf, dass der Name ihres Sohnes aus der Astronomie kommen sollte, so wie es in der Familie seiner Mutter bei den erstgeborenen Kindern Tradition war.
Amelia brauchte nicht lange, um einzusehen, dass jegliche Diskussion darüber vergebens war. In manchen Dingen war Draco wirklich stur. Amelia hingegen war es wichtig, dass er gut klang. Es sollte ein schöner Name sein. Einen Namen, den sie immer gerne aussprechen würde und für den ihr Sohn sich nicht schämen brauchte, wenn er älter war.
Sie brauchten ziemlich lange, bis sie sich einigen konnten, doch sie würden ihren Sohn Aries nennen. Aries Malfoy
Anders als erwartet kam Amelia sich keinesfalls blöd dabei vor, ihren Bauch zu streicheln und mit Aries zu sprechen. Selbst Draco legte oft seinen Kopf auf ihren Bauch grinste ganz verzückt, wenn er bemerkte, wie der Kleine sich bewegte. Wenn sie sich über etwas uneinig waren, was oft genug vorkam, beanspruchte Draco das Stimmrecht seines Sohnes für sich und überstimmte Amelia damit. Diese musste dann immer lachen. Sie fühlte sich schon fast, als wären sie zu dritt.
Amelia übernachtete fast gar nicht mehr im Mädchenschlafsaal. Die anderen zogen sie damit auf, dass sie sich wohl gar nicht mehr von Draco trennen konnte, nur Daphne verteidigte sie und Amelia war ihr dankbar. So musste sie sich nicht immer hinter Illusionen verbergen.
Sie träumte nachts oft, doch nicht immer waren es schöne Träume. Ein Traum verfolgte sie immer und immer wieder. Dann wachte sie schreiend auf und Draco nahm sie in den Arm.
In ihrem Traum stand sie vor der großen Treppe in der Eingangshalle im Manor der Malfoys und ein kleiner Junge sprang ihr entgegen. Er lachte und hatte einen Besen in der Hand. So einen Spielzeugbesen, wie Draco ihn als Kind gehabt hatte.
Als der kleine Junge sie sah, brüllte er ganz laut Mama und sie lief glücklich lachend auf ihn zu und hob ihn hoch, wirbelte ihn herum und ihr Sohn quietschte vergnügt. Doch wenn sie nochmal genau auf ihren Sohn sah, dann war das kein kleiner Junge mehr. Es war eine Kreatur mit langen dünnen Gliedern, schwarzen Schuppen als Haut und einem Kopf wie ein Totenschädel. Amelia schrie und ließ ihn Fallen. Dann war überall grünes Licht und sie erwachte.
Diese Träume machten sie fertig und auch wenn sie sich immer einredete, dass das nur ein Traum war, konnte sie ihre Angst nicht hinter sich lassen. Sie hatte Angst vor Voldemort. Sie hatte aber nicht Angst um sich, sondern um ihren Sohn. Sie selbst war schon lange verloren, aber er hatte die Möglichkeit, etwas Besseres zu werden, als seine Mutter.
Dracos tröstende Umarmung rettete sie aus ihren Träumen. Er erzählte ihr, dass er sich auch Sorgen machte. Dass er manchmal nachts aufwachte und dachte, der Todesser, der sich in Hogwarts versteckte, würde sie gerade einem Basilisken zum Fraß vorwerfen.
Sie hatten beide Ängste und waren beide jung, aber gemeinsam würden sie das alles irgendwie schaffen. Das gab ihr Zuversicht für die Zukunft.
Der Tag der dritten Aufgabe brach an. Es war herrliches Wetter und der Himmel strahlte ihnen blau von der Decke der großen Halle entgegen.
Es war der letzte Prüfungstag und Draco war ziemlich erleichtert, als er zu seiner letzten Prüfung in Geschichte der Zauberei ging.
Amelia wollte sich nach dem Frühstück gerade auf den Weg zurück in die Kerker machen, als Cedric seinen Kopf aus dem Zimmer neben dem Lehrertisch steckte.
„Amelia, wo bleibst du, hier ist jemand für dich", rief er ihr zu.
Verwirrt betrat Amelia den Raum. Cedric stand mit seinen Eltern direkt an der Tür. Etwas weiter hinten unterhielt sich Viktor mit einem Mann, der ihm verdammt ähnlich sah. Das musste sein Vater sein und Fleur stand bei ihrer Mutter und Schwester, die das gleiche Veela-Haar hatten, wie sie selbst. Am Kamin entdeckte sie Sirius, dem alle ängstliche Blicke zuwarfen.
„Was machst Du denn hier?", fragte sie überrascht.
„Ach weißt Du, die Eltern der Champions dürfen bei der dritten Aufgabe zuschauen und ich dachte mir, ich komm mal vorbei", sagte er und grinste sie breit an. „Dachte schon, du willst mich nicht sehen."
„Das wusste ich gar nicht", sagte Amelia.
„Hat der alte Schniefelus dir etwa nicht Bescheid gesagt?"
„Rede nicht so von Professor Snape", fauchte Amelia und dachte bei sich, dass wenn es um Sirius ging, Severus es sicher einfach unterschlagen hatte.
„Trotzdem, es ist schön dich zu sehen.", lenkte Amelia ein und musste lächeln. „Lass uns was raus gehen", schlug sie vor, um den Blicken der anderen zu entgehen. Sirius schien das nur recht zu sein und sie machten sich auf den Weg auf die Ländereien hinaus. Amelia zeigte ihm die Beauxbaton Kutsche und das Durmstrang Schiff.
„Du solltest dich vor Karkaroff in Acht nehmen", sagte Sirius. „Du weißt es selbst, er war ein Todesser."
„Ich bin vorsichtig", sagte Amelia und unterdrückte den Impuls die Augen zu verdrehen. Sirius schien das jedoch sehr ernst zu nehmen. „Auch vor dem Dumstrang Champion solltest Du dich hüten. Er könnte versuchen, dich vorher schon auszuschalten, wenn ihr heute im Labyrinth seid."
„Das glaube ich nicht, Sirius. Viktor ist eher. Naja ich glaube er würde einen schlechten Todesser abgeben. Er ist mit einer Muggelstämmigen zum Weihnachtsball gegangen. Karkaroff war mächtig sauer."
„Wirklich?", fragte Sirius amüsiert. „Das hätte ich gerne gesehen. Wie geht es dir… euch, Amelia", fragte Sirius und warf einen Blick auf ihren Bauch, der für ihn flach aussehen musste.
„Uns geht es gut. Der Kleine tritt in letzter Zeit immer mehr und wird immer lebhafter. Madam Pomfrey sagt, alles verlaufe wunderbar und ich fühle mich auch gut."
„Sei nur vorsichtig heute Abend. Auch das Turnier an sich ist gefährlich", sagte Sirius eindringlich.
„Glaub mir, ich habe mir einen Monat lang den Kopf darüber zerbrochen. Durch mein Baby ist meine Magie stärker als gewöhnlich. Ich habe das Gefühl, umso schwerfälliger ich werde, umso mächtiger werde ich. Ich kenne genug Zauber, um mir die Monster vom Leibe zu halten."
„Das hoffe ich. Dumbledore hält viel von deinen Fähigkeiten."
„Ich bin trotzdem nicht außer Gefahr, Sirius. Was auch immer Voldemorts Plan ist, er hat heute die letzte Chance. Ich habe das Gefühl, die Antwort liegt vor mir, aber ich kann sie nicht greifen."
„Versuch nur, gut durch das Turnier zu kommen. Dumbledore ist auch da. Er wird nicht zulassen, dass sich jemand einmischt."
„Dumbledore ist auch nicht unfehlbar, Sirius", sagte Amelia düster. „Auch er ist nur ein Mensch und macht Fehler."
„Dumbledore ist mächtiger als du dir vorstellen kannst. Er wird dich beschützen."
„Bist du dir sicher?", sagte Amelia geringschätzig. „Ich kann mir sehr, sehr viel vorstellen."
Sirius sagte nichts darauf und das war auch besser so. Das hätte nur in Streit geendet.
Sie kehrten zum Mittagessen in die große Halle zurück und trafen dort Draco, der Sirius verdutzt begrüßte.
Ihr Patenonkel war die Attraktion am Slytherintisch. Alle bestürmten ihn mit Fragen und wollten ganz genau wissen, wie er den Dementoren entkommen konnte. Sirius ging darin auf, sich wüste Geschichten auszudenken und Amelia und Draco mussten fürchterlich lachen. Severus warf ihnen düstere Blicke vom Lehrertisch zu.
Am Nachmittag gingen sie hinunter in die Kerker und Amelia legte die Illusionen ab.
Sie planten, wie es in den Ferien weitergehen würde. Sirius würde Amelia vom Bahnhof abholen und zusammen mit ihr zu den Malfoys kommen. Dort würden sie alles besprechen, was es noch zu klären bedurfte. Sirius bot Amelia sogar an, ihr seinen Hauselfen Kreacher zu schenken, damit dieser sie unterstützen konnte.
Es würde gut tun, wenn die Ferien endlich beginnen und sie aus der Schule heraus kommen würde. Langsam war sie das Versteckspiel leid. Aber es war nur noch eine Woche.
Danach wandte sich ihr Gespräch Sirius Schulzeit zu. Wie er mit ihrem Vater durchs Schloss geschlichen war. Er erzählte ihnen ein paar lustige Geschichten und Draco erzählte, wie sie die Karte des Rumtreibers von den Weasley Zwillingen errungen hatten.
„Sie hat uns gute Dienste geleistet", sagte Amelia und holte die Karte hervor.
„Die gute alte Zeit", seufzte Sirius wehmütig und berührte sie mit seinem Zauberstab. „Ich schwöre feierlich, ich bin ein Tunichtgut."
Linien breiteten sich aus und kleine, mit Namen beschriftete Punkte wuselten über die Gänge des Schlosses.
„Hier in dem Raum habe ich deine Eltern das erste Mal erwischt. Ich glaube, die blauen Flecken von Lily habe ich heute noch", gluckste Sirius. Doch Amelia achtete nicht auf ihn.
Ihr Blick war zu einem anderen Namen geglitten.
Bartemius Crouch betrat gerade das Schloss und durchquerte die Eingangshalle. Dort hielt er inne und blieb bei Minerva McGonagall stehen.
Amelia fackelte nicht lange. Sie schnappte sich die Karte und rannte in die Eingangshalle.
„Was ist los?", rief Draco und spurtete ihr hinterher.
„Crouch!", stieß Amelia aus und rannte weiter. Sie war nicht mal um die erste Ecke gebogen, als sie schon fürchterlich zu schnaufen begann.
„Die Illusion", sagte Sirius und Amelia blieb stehen. Das hätte sie beinah vergessen. Die Pause tat ihr gut, bevor sie weiterhetzte. Die beiden Zauberer neben ihr holten auf. Als sie an der Treppe ankam, die hinauf in die Eingangshalle führte, hatte sie schon fürchterliches Seitenstechen und musste die Treppen etwas langsamer hinauf gehen.
In der Eingangshalle warf sie nochmal einen Blick auf die Karte. Crouch ging gerade die Treppe hoch in den ersten Stock. Amelia blickte hinüber und erwartete schon fast Barty Crouch jr. zu sehen, doch da waren nur Schüler und… Moody.
Amelia stockte der Atem als sie begriff.
„Aus dem Weg!", rief sie und schleuderte einen Fluch in Moodys Richtung. Dieser blockte ihn ab und die Schüler um ihn herum sprangen kreischend zur Seite.
Amelia attackierte ihn abermals und als Moody einen Fluch zurückfeuerte, war Draco an ihrer Seite und blockte den Zauber mit Caliburn ab, bevor er Amelia erreichen konnte.
Er drückte sie zur Seite, sodass sie außer Reichweite war. Sirius zog sie sicher in eine Ecke.
Flüche flogen umher und eines der großen Stundengläser, dass die Hauspunkte zählte, zerbarst. Blaue Edelsteine rollten über den Boden. Draco lenkte einen weiteren Fluch ab und er schoss in die Decke, bevor er versuchte, Moody außer Gefecht zu setzen.
„Was ist hier los!", donnerte Dumbledore und hob den Zauberstab. Er stand in der Eingangstür der großen Halle und sah in diesem Moment wahrlich furchteinflößend aus. Es war fast, als würde eine Aura der Macht ihn umgeben.
„Nein!", schrie Amelia doch sie war zu weit weg.
Ein gewaltiger goldener Schild entstand zwischen Moody und Draco. Moody nutze die Gelegenheit und rannte die Treppe weiter hinauf, doch anstatt den Schild zu attackieren, wirbelte Draco zu Dumbledore herum und entwaffnete ihn. Amelia sah Dumbledores überraschten Blick, als sein Zauberstab durch die Luft flog. Das war das letzte, womit er gerechnet hatte.
Draco fing ihn auf und jage Moody einen Stupor hinterher. Die geballte Macht aus beiden Zauberstäben durchschlug den Schildzauber und traf Moody im Rücken. Geschockt fiel dieser die Treppe nach unten und kam auf halbem Weg zum Liegen.
„Was hat das zu bedeuten! Warum greifen sie Professor Moody an", verlangte Dumbledore zu wissen.
„Das ist nicht Moody", sagte Draco düster, blieb allerdings in Verteidigungsposition.
„Das ist Barty Crouch", fügte Amelia hinzu und trat hinter Sirius hervor an Dracos Seite. Ihr Baby trat.
Die Schüler, die sich während des Kampfes hinter umgefallenen Ritterrüstungen und hinter Ecken versteckt hatten, kamen wieder hervor und sahen sich ängstlich um.
Amelia ging die Treppe hoch, bis sie vor dem betäubten Zauberer stand.
Dumbeledore ließ Draco nicht aus den Augen, trat jedoch näher.
Amelia kniete sich nieder und tastete in Moodys Taschen herum, bis sie einen Flachmann herausholte. Mit einem klack schnippte der Deckel hoch und sie roch daran.
„Vielsaft-Trank", sagte sie angewidert und warf den Flachmann Dumbledore zu, der nun ebenfalls am Fuß der Treppe stand. Dieser klickte den Verschluss auf und roch ebenfalls daran.
„In der Tat", stellte Dumbledore fest. Das genügte Draco wohl, denn er schob das Schwert wieder zurück in die Tasche in seinem Umhang.
„Es tut mir leid, Direktor. Aber ich konnte ihn nicht entkommen lassen", sagte Draco fast bedauernd und reichte Dumbledore seinen Zauberstab zurück.
„Ach ja, der Übermut der Jugend", sagte Dumbledore und das altbekannte fröhliche Funkeln war in seine Augen zurückgekehrt.
„Was geht hier vor, Dumbledore?", fragte Fudge, der nun ebenfalls aus der großen Halle kam. Die anderen Turnierrichter folgten ihm. Madam Maxime sah sich entsetzt in der Eingangshalle um und Karkaroff hatte seine übliche schleimige Mine aufgesetzt.
„Ich denke, sie werden erfreut sein festzustellen, dass wir herausgefunden haben, wer für den Tod von Mr Crouch verantwortlich ist", sagte Dumbledore vergnügt.
Fudge schien verwirrt zu sein.
„Hagrid, helfen sie mir bitte. Nehmen sie den falschen Alastor. Ich denke, wir setzen unser Gespräch woanders fort. Severus, holen sie mir das stärkste Wahrheitselixier, das sie haben. Amelia, Draco, Minister hier entlang."
Dumbledore ging voran, Draco und Amelia folgten ihm. Auch Sirius kam hinterher. Hagrid, der den bewusstlosen Körper des Zauberers trug, folgte ihnen. Fudge schien einen Moment sprachlos, doch dann kam auch er mit.
Zusammen gingen sie in das nahegelegene Büro von Alastor Moody. Das Zimmer war vollgestopft mit Antiobskuranten und ein gewaltiges Feindglas stand in einer Ecke, wo ihnen die Gesichter von Amelia, Draco und Dumbledore entgegen blickten.
„Ich fordere eine Erklärung", sagte Fudge, als sie angekommen waren. Doch Dumbledore kümmerte sich nicht darum, sondern untersuchte den bewusstlosen Moody.
Er zog einen gewaltigen Schlüsselbund aus dem Umhang des Bewusstlosen und machte sich damit an Moodys gewaltiger Truhe zu schaffen. Die Truhe hatte sieben Schlösser und jedes Mal, wenn Dumbledore einen Schlüssel in ein Schloss steckte, kam etwas anderes zu Tage.
Als der Koffer beim letzten Schloss aufschnappte offenbarte sich ihnen ein drei Meter tiefer Raum. Auf dessen Boden der wahre Alastor Moody lag. Dürr und ausgemergelt sah er aus und offensichtlich schlafend. Sein Holzbein fehlte und die Augenhöhle mit dem magischen Auge war leer.
„Hagrid, gehen sie und holen sie Madam Pomfrey", befahl Dumbledore und Hagrid machte sich sofort auf den Weg.
„Wenn das Alastor Moody ist, wer ist dann das?", fragte Fudge, der bleich geworden war.
„Amelia, Draco. Ich glaube ihr schuldet uns eine Erklärung", sagte Dumbledore.
„Es lag die ganze Zeit vor unserer Nase, Sir", sagte Amelia und legte ihre Hand beschützend auf den Bauch.
„Ich habe Moody und Crouch schon am Tag des Weihnachtsballs zusammen gesehen, doch damals dachte ich mir nichts dabei", begann Amelia und holte die Karte des Rumtreibers hervor. Sie breitete sie auf dem Tisch aus, sodass jeder sie sich ansehen konnte. Hagrid war gerade im Krankenflügel angekommen.
„Ich war verwundert, aber mehr nicht. Ich hatte andere Sorgen. Das Turnier und mein Baby waren wichtiger."
„Baby?", fragte Fudge und sah Amelia mit geweiteten Augen an.
„Ich bin froher Hoffnung, Minister. Im siebten Monat."
„Aber…", sagte Fudge und deutete auf ihren Bauch.
„Ich bin eine Hexe, Minister", schnaubte Amelia. „Aber wie dem auch sei. Ich hatte anderes im Kopf.
Durch Karkaroff hatte ich erfahren, dass sich ein unbekannter Todesser auf Hogwarts aufhielt und jemand hatte mich in das Turnier geschmuggelt. Das konnten keine Zufälle sein. Dann hat mir Severus", Sirius Augen verengten sich und er blickte Amelia argwöhnisch von der Seite aus an, „gesagt, dass Zaubertrankzutaten aus seinem privaten Besitz verschwunden sind. Baumschlangenhaut und Zweihorn-Horn. Natürlich habe ich gleich an Vielsaft-Trank gedacht. Als Crouch vor unseren Augen Selbstmord beging, war mir klar, dass jemand seine Finger im Spiel gehabt haben musste. Der Imperius war so gut wie gebrochen als ich Crouch traf, doch um ihn in den Selbstmord zu treiben musste mehr vonnöten sein. Jemand musste den Fluch erneuert haben. Natürlich habe ich nicht an Moody gedacht. Dumbledore vertraute ihm und er war ein bekannter Gegner von Voldemort." Amelia warf Dumbledore einen Blick zu, der ihr aufmunternd zunickte.
Amelia fuhr fort: „Aber als ich heute gesehen habe, wie jemand namens Bartemius Crouch im Schloss herumlief, wurde mir klar, was geschehen sein musste.
Barty Crouch war tot, das hatte ich selbst bezeugt, doch es gab noch einen anderen Zauberer mit dem gleichen Namen. Einen Todesser, den alle für tot hielten. Ich weiß nicht, wie er aus Askaban entkommen ist, aber das ist Barty Crouch jr., Crouchs Sohn", sagte Amelia und musterte den bewusstlosen Mann mit kaltem Blick.
„Das ist… das ist ungeheuerlich", sagte Fudge und war blass geworden. Er ließ sich auf einen freien Stuhl sinken.
In dem Moment begann sich der falsche Moody zu verwandeln. Das Holzbein fiel ab und an seiner Stelle wuchs ein richtiges. Das magische Auge fiel mit einem polternden Klong zu Boden. Vor ihnen saß Barty Courch jr., älter, als er in Dumbledores Denkarium gewesen war, doch eindeutig zu erkennen.
Fudge nahm einen Ring vom Finger und klappte ihn auf. Darin war eine silberne schimmrige Kugel. Sie erinnerte Amelia an Quecksilber.
„Der Minister für Zauberei, Cornelius Fudge fordert Unterstützung an", sagte Fudge und plötzlich begann die Kugel zu leuchten. Sie hob sich in die Luft und begann sich auszudehnen, bis sie die Gestalt und Umrisse von zwei Zauberern angenommen hatte.
Mit einem Plop sprang die Kugel zurück in Fudges Ring und zwei Zauberer standen im Raum.
Den einen erkannte Amelia als Dawlish. Der Auror hatte sie zusammen mit Rufus Scrimgeour in ihrem dritten Jahr von den Dursleys abgeholt. Der andere war ein großer, breit gebauter Zauberer, der nicht so wirkte als brauche er einen Zauberstab, um jemandem den Hals zu brechen.
„Dawlish, Savage, nehmen sie diesen Mann in Gewahrsam", forderte Fudge und deutete auf Barty Crouch, der noch immer bewusstlos auf dem Boden lag, genau dort, wo Hagrid ihn abgelegt hatte.
„Ich glaube, es wäre ratsam erst mal herauszufinden, was er weiß, finden sie nicht auch, Minister", sagte Dumbledore gelassen.
„Seien sie unbesorgt, Dumbledore. Wir werden ihn gründlich verhören", sagte Fudge und raffte die Schultern.
„Es wäre wichtig zu erfahren, was er weiß, bevor die dritte Tunieraufgabe beginnt", argumentierte Dumbledore und sah Fudge scharf an.
„Der Mann ist außer Gefecht, Dumbledore und glauben Sie mir, er entkommt uns nichtmehr. Das Turnier kann ganz normal stattfinden."
„Was wenn er bereits etwas am Irrgarten gedreht hat", warf Sirius ein.
„Dann untersuchen sie ihn", sagte Fudge verächtlich und die Auroren legten Crouch magische Handschellen an.
Amelias Hand ballte sich zur Faust.
„Glauben Sie, wenn Sie jetzt einen Erfolg vorweisen können, macht das die Blamage im Fall Sirius Black wieder wett?", fragte Amelia und verengte die Augen zu Schlitzen.
„Was verstehst Du schon von Politik", sagte Fudge und Amelia bemerkte, wie sein Blick über ihren Bauch glitt.
Amelia fühlte sich wie ohnmächtig und eine gewaltige Wut stieg in ihr hoch, die sie nur schwer zurückhalten könnte. Sie wusste, wenn sie Fudge jetzt mit Gewalt aufhielt, dann würde sich Draco auf ihre Seite schlagen und Dumbledore würde sich wahrscheinlich heraus halten. Aber ihr Kind in ihrem Bauch hielt sie ab. Das würde viel zu gefährlich werden.
Amelia musste mit ansehen, wie Fudge und die Auroren den bewusstlosen Barty Crouch mitnahmen.
„Tun Sie etwas", sagte Draco und seine Stimme bebte vor unterdrücktem Zorn.
„Cornelius Fudge ist unser Zaubereiminister, Draco. Es steht nicht in meiner Macht ihm etwas zu befehlen", sagte Dumbledore, aber er sah nicht erfreut aus.
Severus kam kurz darauf mit dem Wahrheitselixier, doch es war zu spät. Crouch war weg.
Dumbledore schickte Draco und Amelia zurück in die große Halle. Das Festessen hatte bereits begonnen. Alle drehten sich zu ihnen um als sie hereinkamen und begannen zu tuscheln.
Severus, Sirius und Dumbledore machten sich auf den Weg zum Irrgarten, um ihn nach Zaubern zu durchleuchten, die nicht dorthin gehörten.
Amelia konnte nicht beschreiben, wie zornig sie war. Fudge ging ein gewaltiges Risiko ein, nur aus Eitelkeit und Machtgier. Wenn etwas schief ging, müsste sie den Preis dafür zahlen.
Tief in Amelia drin wisperte eine Stimme, dass sie selbst ihn so unter Druck gesetzt hatte. Hätte sie ihn nicht durch Rufus Scrimgeour und Sirius so in die Enge gedrängt, wäre er bestimmt kooperativer gewesen. So war er unter Zugzwang.
Das Festessen war fast beendet, als Sirius zurückkam.
„Wir haben nichts gefunden", berichtete er. „Wahrscheinlich hatte Crouch geplant, sich direkt einzuschalten."
Das tröstete Amelia nur wenig. Einem vielleicht wollte sie ihr Leben nicht anvertrauen.
Draco drückte aufmunternd ihre Hand, als sie mit den anderen Champions schon frühzeitig aufstand. Am Slytherintisch brach Beifall für sie aus.
„Es wird schon gut gehen", sagte sich Amelia.
„Was war da vorhin in der Eingangshalle los?", fragte Cedric, als sie den Abhang zum Quidditch Feld hinab stiegen.
„Ich glaube, das ist zu viel, um es jetzt zu erklären. Aber sagen wir so. Das war nicht der echte Alastor Moody", sagte Amelia kühl und richtete ihren Blick auf das Labyrinth. Eine sieben Meter hohe Hecke umschloss das gesamte Quidditch-Feld. Nur ein kleiner Eingang war offen geblieben, auf den sie nun zusteuerten.
Um den Eingang herum waren die Tribünen der letzten beiden Aufgaben aufgebaut worden und es dauerte nicht lange bis sie sich mit Zuschauern füllten.
Die Professoren Flittwick, Severus, McGonagall und Hagrid kamen auf sie zu. Sie alle trugen große Sterne auf den Hüten. Nur Hagrid trug seinen auf der Brust.
Professor McGonagall erklärte, dass sie rote Funken zum Himmel aufsteigen lassen sollten, sobald sie nichtmehr weiterkamen und gerettet werden wollten.
Amelia musste sich zwingen zuzuhören. Eine bleierne Angst hatte sich in ihren Gliedern festgesetzt. Angst, dass sie etwas übersehen hatten. Angst, dass sie Aries nicht wieder lebend hier herausbringen würde.
Amelia hörte nicht zu, was um sie herum gesprochen wurde. Sie wusste nur, dass sie als erste gehen musste und die einzige Möglichkeit, all das möglichst schnell hinter sich zu bringen, war, den Pokal zu finden.
Sie sah Draco mit grimmiger Miene auf der Tribüne sitzen und ihr zunicken. Nervös drehte Amelia ihren Verlobungsring am Finger. Sie würde es schaffen. Sie musste es schaffen. Sie straffte die Schultern und atmete durch. Alles würde gut werden, sie hatte eine Zukunft vor sich.
Applaus brandete auf, als Bagman die Stimme erhob und die Aufgabe erklärte. Die Slytherins johlten, als er die Punktestände nannte. Dann ertönte der Pfiff.
Amelia warf noch einen letzten Blick auf Draco bevor sie sich auf den Weg in den Irrgarten machte. Sie drängte alle Gefühle zurück. Jetzt hieß es, sich zu konzentrieren.
Sie war kaum eingetreten als die hohen Hecken jedes Geräusch um sie herum verschluckten und nur Kühle und Dunkelheit sie umfing. Nach kurzer Zeit spaltete sich vor ihr eine Gabelung ab. Sie leuchtete beide Seiten mit ihrem Zauberstab aus, doch keine sah besser aus.
Kurz entschlossen schuf sie einen Homunkulus in Form eines Falken, den sie in den linken Gang sandte, während sie selbst in den Rechten trat.
Es dauerte nicht lange und sie hörte ein seltsames Klicken. Mit einem Schild umgeben traute sie sich weiter, als der Boden unter ihr zu wackeln begann und sich eine Juwelenbesetzte Schildkröte an die Oberfläche buddelte.
Amelia stolperte zurück, als die Feuerkrabbe sie mit einem Feuerschwall angriff.
Ohne groß darüber nachzudenken, deutete sie mit dem Zauberstab auf die Hecken und sie begannen zum Leben zu erwachen. Geschwind und Ranken schleudernd fesselten sie das Ungetüm und ketteten es am Boden fest. Die Feuerkrabbe begann zwar schon damit, die Hecke zu verbrennen, doch die Zeit reichte, um schnell an ihr vorbei zu huschen. An der nächsten Kreuzung sandte Amelia den nächsten Falken aus.
Hinter ihr ertönte ein Pfiff. Cedric und Viktor betraten nun den Irrgarten.
Nach zwei weiteren Kreuzungen lag ein silbriger Nebel vor ihr, den sie einfach auflöste.
Erneut war ein Pfiff zu hören. Jetzt war auch Fleur im Irrgarten.
Amelia kümmerte sich nicht darum und beeilte sich weiter zu kommen. Sie war gerade dabei eine Teufelsschlinge zu verbrennen, die sie hatte erwürgen wollen, als sie einen ihrer Homunkuli auf sie zukommen sah. Sie ging im Kreis. Schnell korrigierte sie ihren Weg. Sie war wohl zu weit nach Norden gekommen. An der nächsten Abbiegung ging sie zurück und konnte einen entsetzten Schrei vor sich hören.
Sie bog um die nächste Ecke und sah, wie Fleur von einer gewaltigen Acrumantula in die Höhe gehoben wurde. Die Spinne war gewaltig und Geifer tropfte den Kiefer entlang.
Amelia riss den Zauberstab in die Höhe und dachte Sectumsempra. Der Fluch trennte der Acrumantula zwei Beine ab. Fleur fiel auf den Boden und blieb bewegungslos liegen.
Die Acrumantula ließ von ihrer Beute ab und wandte sich Amelia zu. Ihr nächster Fluch teilte das Monstrum entzwei. Amelia schluckte. Die Acrumantula war riesig. Etwas tat es ihr leid um das Wesen, aber sie konnte nicht riskieren, verletzt zu werden.
„Fleur", rief sie und eilte zu der am Boden liegenden Hexe.
„Alles Okay?", fragte sie.
„Isch glaube isch habe mir das Bein gebrochen", sagte Fleur. Amelia wäre fast versucht gewesen ihr Bein zu heilen, doch dann besann sie sich, dass dies ein Wettkampf war.
„Ich dachte schon die Spinne würde mich fressen", keuchte sie. „Du hast mir das Leben gerettet."
„Das habe ich gerne gemacht. Kommst du zurecht?"
„Oh… isch denke das war es für mich", sagte Fleur traurig und musste die Tränen zurückhalten.
„Ich muss weiter", sagte Amelia mit einem Seitenblick auf die Spinne und Fleur nickte.
Amelia beeilte sich weiter zu kommen und von weitem sah sie in einer Abzweigung eine gewaltige Sphinx stehen.
Amelia wäre beinah versucht hinzugehen, um das magische Wesen zu sehen, doch der Pokal musste in der anderen Richtung liegen. Sie wandte sich zur Seite und plötzlich war von rechts ein hohes Kreischen zu hören, wie das eines Adlers. Instinktiv beschwor sie einen Schutzschild um sich und das nicht zu früh.
Ein gewaltiger Greif stürzte sich auf sie und hätte sie trotz des Zaubers beinah umgeworfen.
Doch Amelia kamen ihre Falken zu Hilfe, die sie über den ganzen Irrgarten verteilt hatte. Die Falken stürzten sich auf den Greif und hackten nach seinen Federn. Dieser schlug mit seiner Tatze nach ihnen, wie nach einem Insekt, doch es gab Amelia etwas Zeit und diese reichte ihr. Schnell verfluchte sie die Erde selbst und die Tatzen des Greifs begannen in einem modrigen Strudel einzusinken.
Das magische Tierwesen schlug aufgebracht mit den Flügeln, doch der Boden unter ihm verhärtete sich wieder und Amelia gab ihm nicht die Gelegenheit, sich wieder zu befreien.
Schnell rannte sie zur nächsten Gabelung und sah in der Entfernung den Trimagischen Pokal leuchten. Erleichtert rannte sie auf ihn zu, als sie Cedric entdeckte. Er steckte bis zur Hüfte im Treibsand.
„Achtung Amelia, nicht hierher!", rief er ihr noch zu. Doch es war zu spät. Sie war so schnell von dem Greifen weggerannt, dass sie nicht bemerkt hatte, dass sie nun mitten im Treibsand stand. Welch eine Ironie, dachte sie, als sie an den eingesunkenen Greifen dachte.
„So ein Mist!", fluchte sie und versuchte den Treibsand wegzuhexen. Doch es geschah nichts. Es war nicht so, dass ihr Zauber nicht wirkte, es war einfach so, dass ihr Zauber nicht gelang. Angst kroch in Amelia hoch. Was geschah hier.
„Was ist hier los?"
„Gib dir keine Mühe. Ich habe schon alles versucht. Irgendwie erstickt der Treibsand alle Magie. Mir fallen sogar die leichtesten Zauber extrem schwer."
„Kannst du gar keine Magie benutzen?", fragte Amelia erschrocken.
„Nur ganz wenig. Ich fühl mich wie ein Erstklässler", sagte Cedric und versuchte, einen Ast zu schnappen, um sich daran rauszuziehen. Nur war sie zu weit weg und er sank noch weiter ein.
„Warte, nicht bewegen oder Du bist ganz eingesunken! Ich habe eine Idee!"
„Beeil dich!"
Amelia nahm all ihre Konzentration zusammen. Cedric hatte sie auf eine Idee gebracht. Es war ein Zauber, den selbst ein Erstklässler hinbekommen konnte.
„Wingardium Leviosa!", rief sie und witschte und wedelte konzentriert mit ihrem Stab.
Cedric flog in die Luft. Amelia spürte wie ihr der Schweiß ausbrach, aber sie schaffte es, Cedric ein Stück zur Seite zu manövrieren und so bekam er einen Ast der Irrgartenhecke zu fassen. Mit einem Ruck hatte er sich nach draußen gezogen.
„Danke", keuchte er.
Er stand nun fast direkt neben dem Trimagischen Pokal. Er müsste nur die Hand ausstrecken. Amelia sah seinen sehnsüchtigen Blick.
„Los, nimm ihn schon!", rief sie ihm zu und spürte, wie sie immer tiefer im Treibsand einsank.
Cedric zögerte noch einen Moment, und blickte vom Amelia zum Pokal.
Dann beschwor er ein Seil hervor und warf es Amelia zu.
„Los, ich hol dich raus!", rief er zurück und Amelia klammerte sich an das Seil.
Keuchend kletterte sie neben Cedric auf den festen Boden und spürte wie Aries sie protestierend trat, wegen der unsanften Behandlung. Amelia konnte nur schwach lächeln.
„Alles ok?", fragte Cedric als Amelia nun neben ihm stand.
„Warum hast du den Pokal nicht einfach genommen?", fragte Amelia vorwurfsvoll.
„Weil ich ihn nicht verdient habe. Das wissen wir beide."
Amelia verdrehte genervt die Augen. „So ein Unsinn. Du warst als erstes hier!"
„Ich wäre gar nicht hier, wenn du mich nicht aus dem Treibsand geflogen hättest. Ich habe eigentlich schon aufgegeben."
„Da hast du mich gerade auch rausgezogen.", erwiderte Amelia.
„Du hast mir auch von dem Ei erzählt!"
„Das hättest du auch selbst herausgefunden! Bei Merlin Cedric, hör doch auf so verdammt edelmütig zu sein."
„Los, nimm ihn. Wir wissen beide, dass du die bessere Hexe von uns bist", sagte Cedric entschlossen und ging demonstrativ einen Schritt von dem Pokal weg.
Amelia wollte schon etwas erwidern, als sie Viktor von der anderen Seite auf sie zugerannt kommen sah. Wenn sie nicht bald etwas taten, würde er den Pokal nehmen.
„Los, Amelia!", rief Cedric erschrocken. „Hol den Sieg für Hogwarts!"
Amelia zögerte nur noch einen Augenblick, dann wandte sie sich um, überwand die letzten paar Schritte und berührte den Trimagischen Pokal.
Nachwort:
Crouch haben sie also erwischt. Diesmal hat ihn Fudge nicht gleich von einem Dementor küssen lassen, aber das macht es nicht einfacher. Sie haben seine Geschichte nie gehört. Crouchs Geheimnis wurde nie gelüftet. Zumindest bis jetzt.
Bleibt der Trimagische Pokal. Amelia ist nicht so selbstlos wie Harry und teilt mit Cedric den Sieg. Was hat der sprechende Hut nochmal gesagt „der Drang sich zu Beweisen" sei eine Eigenschaft die Harry nach Slytherin gebracht hätte. Amelia hat diesen Drang allemal. Sie will unbedingt das erfüllen, was alle in ihr sehen. Schon ab Band 1 richtet sich all ihr streben nach Erfüllung der Vorstellung anderer. Ihr Streben nach Perfektion, Ansehen und Macht passt nicht dazu, den Sieg einfach mit jemanden zu teilen.
