Kapitel 12 - Lord und Lady

Ein Reißen unter Amelias Bauchnabel begann und sie verlor den Boden unter den Füßen. Sie konnte den Griff um den Pokal nicht lockern und wurde in einen Strudel aus Farben gezogen. Hart schlug Amelia auf dem Boden auf und schaffte es gerade noch sich abzustützen bevor sie auf den Bauch fiel. Ihr Baby bewegte sich und trat um sich.

Bevor sie wirklich realisierte, was vor sich ging, traf sie ein Zauber und sie kippte zur Seite weg.

Ihre Narbe brannte fürchterlich, als sie wieder zu sich kam. Sie wollte sich bewegen, doch ihre Arme und Beine waren gefesselt und in ihrem Mund steckte ein Knebel.

Panisch sah sie sich um. Sie befand sich auf einem alten Friedhof. Überall standen moosbewachsene oder überwucherte Grabsteine herum. Auf einem Hügel war ein stattliches Herrenhaus zu sehen. Amelia hörte ein Keuchen und sah, wie eine Gestalt in einem Kapuzenumhang einen gewaltigen Kessel in ihr Gesichtsfeld schleppte und direkt vor ihr abstellte.

Erst jetzt bemerkte sie, dass sie wohl an einen der Grabsteine gefesselt sein musste.

Im Mondlicht sah sie, dass dem Mann ein Finger fehlte und in dem Moment wusste sie, wer es war. Pettigrew.

Sie wollte etwas sagen, doch der Knebel hinderte sie daran.

Nicht weit entfernt sah sie den Trimagischen Pokal leuchten. Gleich daneben lag ihr Zauberstab. Weit außerhalb ihrer Reichweite.

Pettigrew entfachte ein Feuer unter dem Kessel. Das Sternenlicht spiegelte sich in dem Wasser in seinem Inneren.

Ein Bündel, das sie für einen zusammengerollten Umhang gehalten hatte, begann sich zu bewegen und Amelias Herz schien auszusetzen. Sie wusste was sich darin befand. Sie hatte es in Crouchs Geist gesehen und es war ihr nächtelang in den Träumen erschienen.

Verbissen begann sie an ihren Fesseln zu zerren. Das durfte nicht sein, nicht jetzt, nicht heute. Nicht mit ihrem Sohn.

Eine Schlange wand sich durch das Gras auf sie zu und schlängelte sich an ihren Beinen entlang, bevor sie in der Dunkelheit entschwand.

Amelia musste Pettigrew in die Augen sehen. Ihre Legilimentik war die einzige Waffe, die sie noch hatte, doch der Kapuzenumhang war so tief heruntergezogen, dass sie nicht mal sein Gesicht erkennen konnte.

Das Wasser im Kessel begann zu Kochen und das Wesen in dem Umhang zappelte unruhig umher.

„Beeil dich", hörte Amelia eine grausame kalte Stimme rufen und Verzweiflungstränen traten ihr in die Augen. Die Wasseroberfläche des Kessels begann zu glitzern wie Diamanten.

„Es ist bereit, Meister", sagte Pettigrew. Amelia konnte seine Angst spüren.

Die kalte Stimme ertönte wieder: „Nun…"

Wurmschwanz begann das Bündel aufzuwickeln und was daraus hervorkam ließ Amelia verzweifeln.

Sie sah die knochigen Arme und Beine des Wesens, zu dem Voldemort geworden war. Hilflos klammerte es sich um Pettigrews Hals. Als die Kapuze herunterrutsche, sah Amelia den Abscheu in den blassen Zügen.

Doch Pettigrew trug das geschuppte Wesen zu dem Kessel und ließ es hinein gleiten. Amelia hörte, wie es auf dem Boden aufschlug. Sie begann zu zittern als Pettigrew die Stimme erhob.

„Knochen des Vaters, unwissentlich gegeben, du wirst deinen Sohn erneuern."

Die Grabplatte unter Amelias Füßen begann zu knacken und ein feiner Wirbel stieg daraus empor und senkte sich in den Kessel, der zu zischen begann.

Die Oberfläche verfärbte sich in ein giftiges Blau, als Pettigrew einen Dolch herauszog und mit wimmernder Stimme fortfuhr: Fleisch… des Dieners… willentlich gegeben… du wirst deinem Meister… wiederbeleben."

Er hob den Dolch und Schlug sich die rechte Hand ab. Wurmschwanz warf sie zitternd vor Schmerzen in den Kessel, der sich daraufhin leuchtend rot verfärbte.

Doch nun kam er auf sie zu und Amelia, die ahnte, was kommen würde, versuchte sich zu lösen.

„Blut des Feindes… mit Gewalt genommen… du wirst deinen Gegner wieder erstarken lassen."

Amelia zerrte an ihren Fesseln doch es brachte nichts. Pettigrew hob den Dolch und schnitt in ihren Arm. Unter Keuchen fing er etwas von ihrem Blut in einer Phiole auf, die er ebenfalls in den Kessel schüttete. Dann fiel er zur Seite und kauerte sich über seinen blutenden Armstumpf.

Der Kessel hingegen leuchtete blendend weiß auf und versprühte helle diamantene Funken. Amelia bemerkte, wie sich etwas in seinem Inneren zu Regen begann. Voldemorts Präsenz wurde stärker und dann sah Amelia, wie ein Mann dem Kessel entstieg. Dürr wie ein Skelett.

Amelia ließ resigniert den Kopf zurück gegen die Steinplatte sinken. Es war zu spät, sie hatte versagt.

„Mein Umhang", sagte eine hohe kalte Stimme und Pettigrew kam herbei geschlichen und zog einen Umhang über die Schultern seines Meisters.

Amelia fühlte sich seltsam matt. Die ganze Panik, die sie verspürt hatte, war verschwunden. Dies war der Moment von dem sie immer gewusst hatte, dass er eines Tages kommen würde.

Ihre Gedanken klärten sich und die Welt erschien ungewöhnlich kontrastreich.

Sie blickte ihn an und sah genau in das weiße Gesicht. Die Haut spannte sich um seinen Menschenschädel, doch anstatt einer Nase hatte er Nüstern wie eine Schlange und seine Augen waren scharlachrot.

Lord Voldemort war zurückgekehrt.

Voldemort begann seinen Körper zu untersuchen und schien zufrieden mit dem, was er vorfand.

Dann wandte er sich Amelia zu.

„Herr ...", würgte Pettigrew hervor…"Herr ... Ihr habt versprochen ... Ihr habt versprochen ..."

„Streck deinen Arm aus", sagte Voldemort träge und wandte den Blick von der jungen Hexe ab.

„Oh, Herr ... ich danke Euch, Herr ...", winselte Wurmschwanz und offenbarte den blutigen Stumpf seines rechten Armes.

„Den anderen Arm, Wurmschwanz", lachte Voldemort nur höhnisch.

„Herr, bitte ... bitte ...".

Voldemort war unerbittlich, er zerrte Pettigrews anderen Arm hervor und Amelia konnte darauf das Dunkle Mal erkennen.

„Es ist wieder da", sagte Voldemortr leise, „sie werden es alle bemerkt haben ... und jetzt werden wir sehen ... jetzt werden wir erfahren ..."

Mit einem langen weißen Finger berührte er das Mal und die Narbe auf Amelias Stirn begann erneut stark zu brennen. Ihre Sicht verschwamm, doch sie kämpfte die Schmerzen nieder und ihre Okklumentik stärkte die Barriere, die zwischen Voldemort und ihr lag, bis der Schmerz fast vollkommen verschwand.

„Wie viele werden wohl den Mut haben zurückzukehren, wenn sie es spüren?", flüsterte Voldemort voll dunkler Genugtuung zu den Sternen empor. „Und wie viele werden dumm genug sein, nicht zu kommen?"

Oh Amelia wusste es, sie wusste es nur zu gut. Sie hatte in die Herzen seiner Anhänger geblickt und gewusst, dass sie zurückkehren würden. Aus Furcht, aus Angst, aus dem Wunsch zu Gewalt und Veränderung.

Ich habe versagt, dachte Amelia verbittert. Doch ihr Baby in ihrem Bauch bewegte sich und ihr wurde klar, dass sie entkommen musste. Um jeden Preis. Sie hatte etwas, das kostbarer war, als ihr Leben.

Voldemort wandte Amelia seine glühenden roten Augen zu und musterte das Mädchen. Sie erwiderte seinen Blick.

„Amelia Potter, du stehst auf den sterblichen Überresten meines Vaters", zischte er leise. „Ein Muggel und ein Tor ... deiner lieben Mutter sehr ähnlich. Doch beide waren sie von Nutzen, nicht wahr? Deine Mutter starb, um dich, ihr Kind, zu schützen ... und ich tötete meinen Vater, doch sieh nur, wie nützlich er sich noch im Tod erwiesen hat ..."

Amelia rührte sich nicht, sie hielt nur kalt seinem Blick stand. Voldemort lachte kalt auf.

„Siehst du das Haus dort oben auf dem Hügel, kleine Miss Potter? Dort lebte mein Vater. Meine Mutter, eine Hexe, die hier in diesem Dorf lebte, verliebte sich in ihn. Doch er verließ sie, als sie ihm sagte, was sie war ... er mochte keine Zauberei, mein Vater ... Er ließ sie im Stich und kehrte zu seinen Muggeleltern zurück, noch bevor ich überhaupt geboren war und sie starb bei meiner Geburt, so dass man mich in einem Waisenhaus der Muggel großzog ... doch ich schwor mir, ihn zu finden ... ich rächte mich an ihm, an diesem Dummkopf, der mir seinen Namen gab ... Tom Riddle ..."

Voldemort selbst warf einen Blick zum Haus, bevor er sich wieder an Amelia wandte.

„Doch keine Sorge. Ich werde dein Kind nicht dem gleichen Schicksal überlassen. Ich verspreche dir, dass es vor dir sterben wird."

Amelia bäumte sich wild auf, doch es brachte nichts. Die Fesseln schnitten in ihre Hände und Füße. Rissen die Haut auf und Blut lief daran herab, doch es brachte nichts. Wenn sie gekonnt hätte, hätte sie ihm mit bloßen Händen das Herz herausgerissen.

„Hör nur, meine wahre Familie kehrt zurück", sagte Voldemort und wandte sich um.

Überall war Rascheln zu hören und Gestalten in schwarzen Umhängen näherten sich ihnen. Sie alle trugen Masken, doch als sie vor Voldemort auf die Knie rutschten, um seinen Umhang zu küssen und ihrem Herren zu huldigen, hörte Amelia ihre Stimmen und wusste, wer sie waren.

Sie bildeten einen Kreis um sie und Voldemort. In Amelia zog sich alles zusammen, als sie daran dachte, dass sie gekommen waren, um ihren Tod zu sehen. Mit diesen Menschen hatte sie gelebt und auf der Quiddich-Weltmeisterschaft gelacht.

Bittere Galle stieg in ihr auf. Sie hatte immer gewusst, dass es so enden könnte, dass das nicht die Leute waren, denen sie vertrauen konnte, aber sie hatte nicht gehen können. Sie hatte Draco geliebt und er war ein Teil dieser Welt, deshalb war sie geblieben. Es war ihre eigene Schuld. Sie konnte diesen Menschen keinen Vorwurf machen, sie hatte immer gewusst, wer sie waren. Aber sie… sie war ein Kind gewesen… sie hatte nur dazugehören wollen….

Es blieben Lücken im Kreis, als würden die Todesser noch jemanden erwarten.

Voldemort musterte seine Anhänger und ein Zittern durchlief den Kreis.

„Willkommen, Todesser", sagte Voldemort leise. „Vierzehn Jahre ... vierzehn Jahre seit unserer letzten Zusammenkunft ... so sind wir denn noch immer vereint unter dem Dunklen Mal! Oder nicht?" Kein Todesser rührte sich.

Voldemort zog Luft durch seine schlitzartigen Nüstern ein.

„Ich rieche Schuld", sagte er. „Der Gestank von Schuld liegt in der Luft. Ich sehe euch hier versammelt, gesund und unversehrt, auf der Höhe eurer Zauberkraft, welch promptes Erscheinen, und ich frage mich ... warum ist diese Bande von Zauberern ihrem Herrn, dem sie ewige Treue geschworen hatte, nie zu Hilfe geeilt?"

Keiner wagte es, etwas zu sagen und die Angst schwang spürbar in der Luft.

„Und ich antworte mir selbst", flüsterte Voldemort. „Sie müssen geglaubt haben, ich sei gebrochen, sie glaubten, ich sei vernichtet. Sie schlichen sich wieder unter meine Feinde und verkündeten, sie seien unschuldig, sie hätten nichts gewusst, sie seien meinem Zauber unterworfen gewesen...

Und dann frage ich mich, weshalb nur konnten sie glauben, ich würde nicht wieder erstehen? Sie, die die Schritte kannten, die ich vor langer Zeit tat, um mich vor dem endgültigen Tod zu schützen? Sie, die mit eigenen Augen gesehen haben, wie weit meine Macht reichte in jener Zeit, da ich mächtiger war als jeder lebende Zauberer? Und ich sage mir, vielleicht glaubten sie, eine noch größere Macht könne existieren, eine, die selbst Lord Voldemort besiegen könne ... vielleicht huldigen sie nun einer anderen. Einer von der sie glauben, dass sie meine Macht überstrahlt."

Voldemort wandte sich nun zu Amelia und sie warf ihm einen kalten Blick zu.

„Seht sie euch an, eure große Anführerin, Amelia Potter. Geweint hat sie und geschrien, wie das kleine Mädchen, das sie ist. Sie soll mein Untergang sein? Aber ihr habt sie gut in eure Reihen aufgenommen, nichtwahr Lucius, mein aalglatter Freund."

Ein Rascheln ging durch die umherstehenden Todesser und einer von ihnen stürzte zu Boden, um sich vor Voldemort auf die Knie zu werfen.

„Mein Lord, ich dachte es wäre sinnvoll… wenn es nur ein Flüstern von euch gegeben hätte, ich hätte sie euch ausliefern können." Amelia wurde schlecht, als sie die Stimme von Lucius Malfoy hörte. Würde Draco seinem Vater verzeihen können, wenn sie heute starb? Sie waren die perfekte Familie gewesen. Lucius Malfoy hatte alles gehabt.

Voldemort wandte sich an den kriechenden Todesser.

„Bist Du nicht geflohen in der Nacht, als das Dunkle Mal bei der Quiddich-Weltmeisterschaft erschien? Seid ihr nicht alle geflohen? Ich erwarte Gefolgschaft und du Lucius, wirst mir die deine heute beweisen können."

„Was immer ich für euch tun kann, mein Lord.", flüsterte Lucius.

Voldemort lachte kalt auf und deutete mit dem Zauberstab auf Amelia. Im ersten Moment erwartete sie, er würde sie verfluchen, doch dann spürte sie das Splittern der Zauber, mit der sie ihre Schwangerschaft verbarg. Ein Rascheln ging durch die Todesser, als sie es bemerkten.

„Ah, ja. Sie hat es gut verborgen, unser kleines Mädchen. Hast du deinen Freunden denn nichts erzählt von dem Bastard, den dein Sohn mit ihr gezeugt hat."

Lucius Gestalt auf dem Boden zitterte. „Er hat einen Fehler gemacht, mein Lord", wimmerte er.

„Ja, das hat er. Das habt ihr alle!" Voldemort wandte sich wieder Amelia zu und beachtete die kriechende Gestalt von Lucius Malfoy nicht weiter.

Sanft strich er über ihre Wange und Amelias Augen weiteten sich vor Überraschung. Er hätte sie nicht berühren können dürfen. Doch er konnte. Als er über ihren gewölbten Leib fuhr, bäumte sie sich auf, als könnte sie seiner Berührung entkommen.

„Willst du uns etwa etwas mitteilen?", fragte Voldemort höhnisch und mit einem Mal war Amelias Knebel verschwunden.

„Gib mir meinen Zauberstab und ich zeige dir, was ich dir mitteilen möchte!", fauchte sie ihn an.

„Sie ist so impulsiv, so lebendig", sagte Voldemort. „Doch leider fürchte ich, dass dein Sohn sich eine andere Braut suchen muss, Lucius."

„Ja… mein Herr", hörte Amelia Lucius erstickte Stimme und sie hasste ihn in diesem Moment so sehr, dass sie über sich selbst entsetzt war. So fühlte sich wahrhaftiger Verrat an.

„Siehst du, Amelia. Deine Familie, die du so gutgläubig um dich gescharrt hast, verlässt dich wieder."

„Genauso wie sie dich verlassen wird, solltest du auch nur einen Moment der Schwäche zeigen. Du hast es doch gespürt, vierzehn lange Jahre." Amelias Stimme troff vor Hass.

Sie sah den Hass in Voldemorts Augen und ihre Narbe begann stärker zu brennen, doch hinter ihrer Okklumentik spürte sie es kaum.

„Sollen wir es nicht testen? Testen, wem nun ihre wahre Loyalität gilt", sagte Voldemort.

Amelia ahnte nichts Gutes und riss an ihren Fesseln. Sie konnte es ihm jetzt sagen, dass er einen Teil seiner Seele in ihr zurückgelassen hatte. Das könnte ihn davon abhalten, sie zu töten. Aber das war nicht wichtig. Sie musste Aries retten. Sie würde alles dafür tun. Selbst wenn sie dem Mörder ihrer Eltern dienen musste. Ihre Mutter hätte es verstanden.

Zitternd presste sie ihre Lippen zusammen und sah zu Voldemort auf.

„Sie sind nicht Loyal, keiner von ihnen das wissen wir beide. Aber ich kann dir Loyal sein", begann Amelia mit verzweifelter Stimme. „Wenn… Wenn du mein Kind leben lässt, werde ich dir Treue schwören." Die Worte schmeckten wie bittere Galle. Sie würde alles tun, um ihr Kind zu retten.

Voldemort lachte kalt auf.

„Seht sie euch an. Ihr wolltet ihr folgen? Sie sollte euch anführen? Flehe, Amelia Potter, flehe um das Leben deines Kindes."

Amelia sah ihn an, blickte in seine Augen und sah kein Mitleid.

„Bitte…", begann sie und suchte nach den richtigen Worten. Sie musste ihn überzeugen.

„Crucio!", sagte Voldemort gelassen und nie geahnter Schmerz floss durch ihren Körper. Ein gewaltiger Ruck ging durch sie und sie schrie. Es war als würde ihr Körper in der Hälfte entzwei gerissen werden.

Voldemort ließ den Zauberstab sinken und die schlimmsten Schmerzen endeten. Amelia sank in sich zusammen. Doch jetzt wurde ihr etwas anderes bewusst. Etwas Schlimmeres als jeder Schmerz. Sie hatte ein ungeheures Drücken und ziehen im Unterbauch Bereich und Flüssigkeit lief ihr die Beine entlang, die Fruchtblase war geplatzt.

Panik überkam sie, die sie nur schwerlich niederkämpfen konnte. Wenn sie jetzt eine Frühgeburt bekam, könnte Madam Pomfrey ihn retten, Aries war alt genug, sie musste nur zu ihr. Sie musste hier weg!

„Wie schmeckt dir der Schmerz, Amelia", fragte Voldemort leise und sie hob den Kopf, um ihn anzusehen. Er würde ihr Kind niemals verschonen wurde ihr bewusst.

„Hast du so viel Angst vor mir, dass du mich nicht mal um meines Kindes Willen verschonen kannst. Fürchtest du so sehr, dass ich dich besiegen könnte? Wie viel von deiner Macht ist tatsächlich mit deinem Körper zurückgekehrt und wie viel ist Tod verblieben.", zischte Amelia ihm hasserfüllt entgegen.

Er würde sie niemals in seinen Reihen aufnehmen. Sie war zu gefährlich für ihn. Aber wenn sie ihm nicht dienen konnte, dann würde sie ihn vernichten müssen.

„Crucio!", wiederholte Voldemort.

Als die nächste Welle des Schmerzes vorbei war, zog Amelia flatternd den Atem ein.

Sie hoffte, sie betete inständig, dass wenn sie Voldemort nur genug in Frage stellte, könnte er ihr ihren Zauberstab wiedergeben. Er hatte ein Gesicht zu verlieren. Er musste sich beweisen. Es war die einzige Waffe, die ihr geblieben war.

„Glaubst du, du bist mir gewachsen? Mir, den sie so sehr fürchten, dass sie es nicht mal Wagen meinen Namen zu nennen?"

„Ich würde dich vernichten", sagte Amelia voller Sicherheit und ihre kalte, leise Stimme hallte gespenstisch auf dem Friedhof wider. Ein Raunen ging durch die Todesser und Voldemort musste es bemerkt haben. Denn seine Augen verengten sich. Sie lächelte siegesgewiss. Es war fast, als könnte sie Voldemorts Hass körperlich spüren.

„Los Wurmschwanz, bring ihr ihren Zauberstab", befahl er.

Doch von Wurmschwanz war nur ein Wimmern zu hören. Er lag auf dem Boden gekrümmt und hielt noch immer seinen Armstumpf unter seinem Körper verborgen.

„Herr… Herr… Ihr … habt es versprochen… Herr…", wimmerte er.

„Natürlich, Wurmschwanz. Egal wie treulos und verräterisch Du auch sein magst, du hast mir geholfen, meinen Körper wiederzubekommen und Voldemort belohnt seine Helfer.", sagte er milde.

Amelia sah, wie er eine silberne Hand in die Luft zeichnete. Sie begann sich zu materialisieren, wurde stofflich. Die magische Prothese fügte sich nahtlos an Pettigrews Armstumpf an. Schlagartig hörte er auf zu jammern. Er betrachtete seine neue Hand und krümmte die Finger.

„Herr… sie ist wunderbar… ich danke euch Herr…"

„Der Zauberstab Wurmschwanz", erinnerte ihn Voldemort und Pettigrew sprang auf.

In Amelia bauten sich die ersten Wehen auf, sie atmete schwer. Ihr lief die Zeit davon.

Sie hatte zwei Vorteile und diese musste sie nutzen. Voldemort war schwach, sein Körper war noch so neu, er konnte sich noch nicht vollkommen an ihn gewöhnt haben und der zweite, wichtigere: Er hielt sie für eine gewöhnliche Schülerin. Was immer Crouch ihm erzählt hatte, niemand wusste, was sie konnte, mit Ausnahme von Draco, wenn er sich auf Voldemorts Seite stelle, hätte sie keine Geheimnisse mehr.

Pettigrew ging zu ihrem Zauberstab, der gleich neben dem Trimagischen Pokal lag.

„Lucius, ich gestatte dir, deiner Schwiegertochter einen letzten Dienst zu erweisen. Löse ihre Fesseln."

Schweigend stand die Gestalt vom Boden auf. Sie sah den Zauberer an, doch Lucius wagte es nicht zu ihr herauf zu blicken. Sie spürte seine Schuld und er hatte alles davon verdient. Er löste ihre Fesseln, wie verlangt.

Amelias Beine gaben unter ihr nach und sie stürzte zu Boden. Sie drückte ihre zitternden Finger auf ihren Bauch. Sie hatte nur eine Chance. Ihre Finger wanderten weiter zu einem kleinen Beutel, den sie stets bei sich trug. Doch er war tief in ihrem Umhang verborgen.

Sie blickte hoch, als sie bemerkte, wie Pettigrew sich ihr näherte. Lucius war ohne ein Wort in den Kreis der Todesser zurückgekehrt.

Lieblos drückte Wurmschwanz ihr den Zauberstab in die Hand, doch Amelia fackelte nicht lange. Ein so gewaltiges Licht brach aus ihrem Zauberstab hervor, dass sich alle umstehenden die Augen zuhalten mussten.

Es dauerte bestimmt eine Minute, bis sich die Magie verzog.

Die Todesser standen noch immer im Kreis, doch durch eine Lücke war Amelia gerannt und hing nun in einem magischen Netz, das Voldemort beschworen hatte. Die silbernen Fäden zogen sich um ihren ganzen Körper und je mehr sie strampelte, desto tiefer verwickelte sie sich darin.

„Du enttäuscht mich, Amelia. Hast du mir nicht eben noch ein großes Duell versprochen? Und jetzt rennst Du weg, wie ein kleines Kind."

Voldemort kam lachend auf sie zu. Weißt du, ich wusste es schon. Dass du nicht die Macht besitzt, dich Lord Voldemort zu stellen."

„Du verstehst gar nichts", sagte Amelia kalt. „Du bist so verblendet, dass du nicht mal über deinen eigenen Horizont hinaussehen kannst. Es gab einen Grund, warum ich dir vor vierzehn Jahren entkommen bin und genau aus dem gleichen Grund, werde ich dir auch heute wieder entkommen."

„Oh, mir ist sehr wohl bewusst, warum ich dich nicht töten konnte. Doch das hat wenig mit dir zu tun. Wisst ihr, meine Lieben Freunde", sagte Voldemort und wandte sich an die Todesser, die sich um das im Netz gefangene Mädchen und ihren Herren scharten.

„Sie nannten sie mein Schicksal, doch sie ist nichts weiter als ein gewöhnliches Balg. Als ich an jenem Tag zu ihr ging, um sie zu töten, da war es ihre Mutter, die für sie starb und damit einen undurchdringlichen Schutz auf sie legte. Ich muss zugeben, das hatte ich nicht bedacht. Das ist uralte Magie. Mein eigener Zauber prallte auf mich zurück.

Doch meine Planungen hatten sich bewährt. Ich, der ich weiter als alle anderen gegangen bin auf dem Weg, der zur Unsterblichkeit führt. Ihr kennt mein Ziel, den Tod zu besiegen. Und nun wurde ich geprüft, und es schien, als wäre das eine oder andere meiner Experimente gelungen ... denn ich war nicht getötet worden, obwohl der Fluch dies hätte bewirken müssen.

Ihr seht also, es war durchaus nicht Amelias Verdienst, sondern nur ein Opfer uralter Magie.

Doch jetzt hat dies keine Bedeutung mehr. Ich habe ihr Blut genommen, um daraus meinen neuen Körper zu Formen und der Schutz ihrer Mutter wirkt nun auch in mir. Du siehst, kleine Amelia. Dein Blut hat mich nur stärker gemacht."

Amelia lachte, leise und kalt bevor sie zu Voldemort aufblickte. Noch immer gefangen in dem silbernen Netz.

„Du magst zwar ihren Schutz gestohlen haben, doch er nützt dir nichts, solange du ihn nicht verstehst. Wie willst du etwas so großes wie Mutterliebe verstehen, wo du doch nie von einem Menschen geliebt worden bist. Mein Beileid, Tom Riddle."

„Crucio", schrie Voldemort aufgebracht doch die gefangene Doppelgängerin lachte nur, während die echte Amelia unter ihrem Tarnumhang den Trimagischen Pokal erreichte.

Das Reißen unter ihrem Bauchnabel schien unerträglich, als der Portschlüssel sie zurück nach Hogwarts brachte.

Mit einem dumpfen Geräusch schlug sie wieder auf dem Boden auf und schrie, als ihr Unterleib sich zusammenzog.

Der Tarnumhang rutschte ihr von den Schultern.

Das nächste, was sie wahrnahm, war eine Gestalt, die sich über sie beugte.

„Mein Baby…", war alles was Amelia ausstoßen konnte, bevor die nächsten Geburtswehen einsetzten.

Überall um sie herum war Stimmengewirr, doch es kümmerte sie nicht. Sie bemerkte, wie Dumbledore ihre Hand ergriff und etwas Warmes fuhr durch ihren Körper.

Wenn Amelia im Nachhinein an diese Stunden zurückdachte, wusste sie kaum noch, was danach geschehen war. Irgendwie hatte Dumbledore sie in den Krankenflügel gebracht und ein Zauberer aus dem St-Mungos war gekommen.

Sie hatte es gewusst, irgendwas lief schief, doch damals war ihr nichts anderes übriggeblieben, als ihrem Körper zu folgen und ihren Sohn aus sich heraus zu pressen. Die Schmerzen, die der Crutiatus Fluch hinterlassen hatte, brannten zusätzlich zu den Geburtswehen und es schien, als sei alles verkrampft. Irgendwann hatte sie Dracos Stimme gehört, er hatte ihre Hand gehalten.

Das Erste, woran Amelia sich mit erschreckender Genauigkeit erinnern konnte war Madam Pomfrey gewesen, sie hatte Tränen in den Augen gehabt und ein winziges blutiges Bündel in Armen gehalten. Es rührte sich nicht.

Amelia konnte sich im Nachhinein nichtmehr daran erinnern, dass sie etwas gesagt hatte, doch es musste wohl etwas gewesen sein. Sie hatte geweint und geschrien, doch nichts half, um ihren Schmerz zu linden. Draco hatte an ihrem Bett gesessen, doch er hatte sie nicht angesehen, er hatte ihre Hand losgelassen.

Sie wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, doch es konnte nicht viel gewesen sein, denn sie spürte noch immer die Schmerzen der Cruciatus Flüche, als Dumbledore in den Krankenflügel kam.

Amelia hatte ihn angesehen und sie war zu schwach gewesen, um noch etwas anderes zu fühlen als Schmerz, einen dumpfen, weit entfernten Schmerz, wie durch eine Nebeldecke. Doch näher dran, als alles andere um sie herum.

„Ich weiß, es ist nicht der richtige Moment, aber ich muss wissen, was geschehen ist", sagte Dumbledore bedauernd und trat vor ihr Bett. Severus war ebenfalls da. Er sah besorgt aus und allein die Tatsache, dass er neben Sirius stand, ohne ihn zu beachten, sagte mehr aus als alles andere.

Amelia blickte von einem zum anderen dann hob sie ihre Stimme. Sie war heiser und gebrochen.

„Voldemort ist zurück."

Draco neben ihr fuhr hoch. Er sah sie das erste Mal an, seit Madam Madam Pomfrey ihr totes Kind mitgenommen hatte. Seine Augen waren rot vom Weinen und noch immer glänzten Tränen auf seinen Wangen.

„Er hat mich mit dem Cruciatus-Fluch belegt", sagte Amelia und sah Draco an. „Ich habe versagt, ich konnte… ich konnte…" Er griff nach ihrer Hand, die auf der Bettdecke lag. Seine Finger waren eiskalt.

Es herrschte einen Moment Stille.

„Was ist passiert?", fragte Dumbledore sanft.

„Der Pokal war ein Portschlüssel, als ich ihn berührte, brachte er mich auf einen Friedhof. Dort hat Peter Pettigrew für Voldemort (Dracos Finger zuckten) einen neuen Körper geschaffen. Er nahm die Knochen seines Vaters, das Fleisch von Pettigrew und mein Blut."

Amelias Stimme zitterte und sie versuchte, die Tränen zurückzudrängen, die erneut in ihr hochstiegen.

„Danach versammelte er seine Todesser um sich."

Es schien als könnte sie nicht weitersprechen. Wie sollte sie es sagen, was sollte sie sagen. Es gab kein Wort für das, was sie Draco sagen musste. Sie hatten es besprochen, sie hatte es unzählige Male gedacht und durchdacht, doch ihre schlimmsten Befürchtungen in die Realität umgesetzt zu sehen, war schlimmer als alles andere. Sie schluckte und holte zitternd Luft, bevor sie fortfuhr.

„Viele sind gekommen. Die Carrows… Avery… Crabbe… Goyle… Macnair…"

Amelias Blick glitt zu Draco hinüber und ihre Augen trafen sich. Sie sagte nichts, sie konnte nichts sagen, aber Draco hatte nie Worte gebraucht, um sie zu verstehen. Seine Augen weiteten sich vor Entsetzen.

„Nein", sagte er erschrocken und dann nochmals „Nein…" Er war heiser, seine Stimme klang zerstört.

Doch Amelia sagte nichts, es gab keine Worte, um ihm mitzuteilen was geschehen war. Sie sah ihn nur an und plötzlich riss Draco sich los und wich zurück. Noch immer blickte er zu Amelia, doch diese sagte nichts. Er schüttelte den Kopf, ging einen Schritt rückwärts und rannte aus dem Raum. Gehetzt, als würde ihn etwas jagen. Amelia blickte ihm hinterher, dort lief ihr Leben.

Severus fuhr herum und wollte ihm hinterher, doch Amelias Stimme war wie ein Peitschenknall.

„Severus!", sagte sie und er blieb wie erstarrt stehen.

Ihr gesamter Ausdruck hatte sich verändert. Ihre Augen waren kalt und ihre Mine undurchdringlich. Ihre schwarzen Haare standen in starkem Kontrast zu ihrer unnatürlichen Blässe und ihre dunkel umschatteten Augen unterstrichen das durchdringende Grün.

„Was geht hier vor sich?", fragte Sirius und blickte von Severus zu Amelia und über Dumbledore zur langsam zufallenden Krankensaaltür.

„Lucius Malfoy, Dracos Vater. Auch er trägt das Dunkle Mal, auch er ist an die Seite seines Herren zurückgekehrt", sagte Amelia. Es war nicht eine Gefühlsregung in ihrer Stimme zu hören.

Ihr Blick lag noch immer auf der Türe, die nun mit einem leisen Klick ins Schloss viel.

Sie hatte sich stets in Disziplin und Selbstkontrolle geübt. Seit sie von ihrer Bluttat vor vier Jahren erfahren hatte, hatte ihr Leben einer Zensur unterlegen. Alles, was sie belastete, alles was sie verzweifeln ließ, hatte sie stets von sich geschoben, damit ihr Weg weiter gehen könnte. Sie hatte sich geschworen egal was ihr passierte. Sie würde niemals zweifeln.

Damals war sie elf Jahre alt gewesen und heute hatte sie die Selbstbeherrschung, sich selbst zu verleugnen. So schob sie Draco weit von sich, irgendwo tief hinten in ihr Herz, zusammen mit ihrem toten Kind, hinter eine dicke Nebelwand der Gefühle. Sich selbst zu verleugnen, das war wahre Okklumentik.

„Wir können ihn nicht einfach so gehen lassen, er ist viel zu gefährlich!", sagte Sirius und wollte Draco schon hinterhereilen, doch Severus trat ihm in den Weg.

„Geh zur Seite", verlangte Sirius zornig.

„Nein", sagte Amelia und Severus verschränkte die Arme vor der Brust.

„Wenn Draco gehen will, hat keiner die Macht ihn aufzuhalten. Er hat ein Recht darauf zu entscheiden. Er hat ein Recht darauf bei seiner Familie zu sein."

„Das ist doch Irrsinn! Sie machen ihm zu einem Todesser, er wird genau wie sein Vater."

„Wenn das sein Weg ist, wird er ihn gehen. Ich werde nicht dem einzigen Menschen, den ich jemals geliebt habe, seinen freien Willen nehmen."

„Amelia, ich verstehe, dass du viel durchgemacht hast, aber das ist keine Lösung. Hast du nicht gesehen, was er heute in der Eingangshalle getan hat? Er könnte uns empfindlich schaden", argumentierte Sirius.

Amelia blickte in sein aufgewühltes Gesicht und spürte die Taubheit in sich.

„Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde, Sirius. Ich wusste es mit jedem Tag, da Voldemorts Präsenz stärker wurde. Ich habe vorgesorgt. Draco kann mir nicht schaden."

„Dumbledore, sagen Sie etwas zu diesem Irrsinn", brauste Sirius auf.

Dumbledore hatte bis jetzt alles still beobachtet. Ernst blickte er über seine Halbbrille.

„Selbst wenn ich etwas tun wollen würde, wäre es bereits zu spät. Draco hat Hogwarts soeben verlassen", sagte Dumbledore sanft. „Aber wir sollten niemals seine Gefühle unterschätzen. Nur er allein weiß, wie er sich entscheiden wird."

Sirius schien sich geschlagen zu geben und ließ sich auf einen Stuhl fallen.

„Ich glaube noch immer, dass es ein Fehler ist."

Severus warf ihm einen abschätzigen Blick zu.

„Eines würde mich noch interessieren, Amelia. Wie bist du Voldemort entkommen, wo er dich doch lange genug gefangen hatte, dass du seine Auferstehung mitbekommen konntest", fragte Dumbledore.

„Ahnen sie es nicht, Professor? Oder vergessen sie wer ich bin?", sagte Amelia kalt. „Voldemort hat mich unterschätzt. Er hat mich gefoltert und gedemütigt, doch er befand sich in keiner einfachen Situation. Viele Todesser haben mich verehrt. Sie sahen in mir seine Nachfolgerin."

Sirius sah erschrocken auf. Ein kaltes Lächeln erschien auf Amelias blassen Lippen.

„Ich habe ihn nur zu gerne daran erinnert. Voldemort musste mich besiegen und verdeutlichen, dass er mächtiger war als ich. Doch er glaubte nicht, dass das wirklich ein Problem darstellen könnte. Er war zwar noch schwach in seinem neuen Körper, doch ich war nur ein Kind, schwanger noch dazu. Welche Gefahr könnte ich für ihn darstellen. In seiner Arroganz gab er mir meinen Zauberstab zurück.

Während er mit einer Illusion stritt, bin ich entkommen. Sie kennen ihn bestimmt gut genug, Professor. Voldemorts größte Schwäche ist sein Drang zur Selbstdarstellung. Hätte er gehandelt, so hätte er bemerkt, dass er nur eine Illusion vor sich hatte, doch so war er nur allzu bereit zu glauben, ich sei in seine Falle gegangen.

Währenddessen habe ich mich unter dem Tarnumhang meines Vaters versteckt. Ich trage ihn immer bei mir. In seinem Schutz bemerkte ich, dass der Portus-Zauber auf dem Trimagischen Pokal noch immer aktiv war und kam zurück.

Voldemort muss toben vor Wut", schloss Amelia und das Lächeln das auf ihre Züge glitt, war durch und durch grausam.

„Das heißt, wenn wir schnell handeln, haben wir noch eine Chance", sagte Dumbledore ernst.

„Wissen wir etwas aus dem Ministerium?", fragte Amelia.

„Cornelius Fudge wartet in meinem Büro. Ich muss gestehen, ich habe ihm nicht gestattet hierher zu kommen. Er war glücklicherweise vernünftig."

„Die Frage ist, ob er uns glauben wird. Ich habe keine Beweise", sagte Amelia. „Es wäre sein politisches Ende, wenn herauskommt, dass er Informationen zurückgehalten hat, die zu Voldemorts Auferstehung geführt haben. Sie würden ihm den Prozess machen, wenn sie von Crouch wüssten. Glauben sie, sie können ihn überzeugen?", fragte Amelia.

„Ich werde es versuchen. Es ist essenziell, dass er die Dementoren aus Askaban abzieht und wir müssen Gespräche mit den Riesen führen, bevor sie sich ihm wieder anschließen."

„Sie kennen sich damit besser aus, Professor. Sie haben den ersten Krieg erlebt."

Dumbledore nickte ernst und wandte sich an Severus.
„Sie wissen, was ich von Ihnen verlangen muss. Wenn Sie willens sind... Wenn Sie bereit sind ..."

„Das bin ich", sagte er grimmig. Er blickte zu Amelia. Es war etwas anderes Pläne zu schmieden oder diese in die Tat umgesetzt zu sehen. Aber wie könnte sie ihn nicht gehen lassen?

„Direktor", sagte Severus. „Viel Glück", erwiderte Dumbledore mit besorgter Miene.

Severus machte sich auf den Weg, den Krankenflügel zu verlassen. In der Tür drehte er sich noch einmal um. Ihre Blicke trafen sich. Sie wusste, warum er das Tat, sie wusste, dass sie ihn benutzte. Amelia nickte ihm zu und Severus erwiderte die Geste, bevor er ging.

Sirius sah ungläubig von Amelia zu Severus, dessen Schritte man im Korridor verklingen hören konnte.

„Was…", wollte er sagen, doch Amelia unterbrach ihn.

„Sirius, darf ich dich darum bitten, Igor Karkaroff zu mir zu bringen. Er wird dir folgen, wenn du ihm sagst, dass ich dich schicke", bat Amelia.

„Was willst du von ihm?", fragte Sirius.

„Bitte", erwiderte Amelia und Sirius warf einen Blick auf Dumbledore. Er nickte.

„Ich holen ihn", fügte er sich und folgte Severus die Tür hinaus.

Zurück blieben Dumbledore und Amelia. Stille senkte sich über die Krankenstation. Dumbledore setzte sich auf den Stuhl, auf dem Draco gesessen hatte. Er sah zu Amelia und es fiel ihm schwer, den Schmerz in seinen Augen zu verbergen.

„Amelia, sag mir, was habe ich falsch gemacht?", fragte er inständig.

„Was meinen Sie, Professor", erwiderte Amelia. Ihr Gesicht war noch immer regungslos.

„Ich habe dich zu den Dursleys gegeben, um dich in Sicherheit zu bringen, Amelia. Du warst nach dem Fall vor vierzehn Jahren nur dort sicher. Natürlich war mir klar, dass du an diesem Ort keine schöne Kindheit erwarten konntest, aber deine Sicherheit war wichtiger.

Minerva McGonagall kam zu mir, nachdem sie dich in die Winkelgasse gebracht hatte. Sie berichtete mir, dass du zwar unwissend und wütend warst, aber dennoch unversehrt. Ein reizendes kleines Mädchen, klug und neugierig und so normal wie ich nur hoffen konnte. Ich muss zugeben, ich war sehr erleichtert.

Doch die Schülerin, die hier in Hogwarts ankam, war eine andere. Verschlossen, in sich gekehrt. Mit einem großen Hass in sich und einem noch größeren Geheimnis.

Ich beobachtete dich, ich sah, wie Severus dich Okklumentik lehrte. Ich muss gestehen, ich habe nie verstanden, warum du es lernen wolltest. Du warst das erste elfjährige Mädchen, dass mir jemals begegnet war, das Okklumentik beherrschte und zwar in einem Maße, dass es selbst mich überraschte. Das erfüllte mich mit Sorge.

Seitdem hast du dich immer weiter entfernt. Ich habe versucht, dich zu verstehen, Amelia. Aber stets entziehst du dich mir. Was habe ich falsch gemacht?" Dumbledore sah unglaublich alt aus. Es war, als würden die Jahre ihn erdrücken.

„Keiner hat Schuld. Ich bin die Frau geworden, die ich bin, weil ich mich dazu entschieden habe."

„Vielleicht liegt darin das Problem, Amelia. Du solltest keine Frau sein. Es hätte reichen müssen, dass du ein Kind bist."

Amelia bedachte ihn mit einem emotionslosen Blick.

„Ich habe immer von einem Leben geträumt, das ich nie haben konnte. Aber ich gebe keinem Schuld daran, Professor. Auch ihnen nicht."

„Trotzdem scheinen wir uns nie in Einstimmigkeit zu trennen", sagte Dumbledore erschöpft.

„Ich habe meine Kindheit in einem Käfig aus Lügen verbracht. Nehmen Sie es mir nicht übel, dass ich nur die Wahrheit wissen möchte. Dass ich mir Freiheit wünsche, von all den Ketten die an mir zerren." Es war wenig Gefühl in ihrer Stimme zu spüren, doch wenn, dann war dort ein Funken Sehnsucht.

Dumbledore schien keine Antwort darauf zu haben, denn die Wahrheit war immer sein Problem gewesen. Er seufzte schwer. „Cornelius wartet auf mich."

Ein letztes Mal fiel die Tür ins Schloss und eine unnatürliche Ruhe überkam den Krankenflügel. Amelia war erschöpft. Ihr Körper schmerzte und sie hatte kaum die Kraft, aufrecht zu sitzen, doch jetzt war nicht die Zeit, sich auszuruhen. Sie durfte nicht aufhören zu handeln, sie durfte nicht verweilen und denken, denn wenn sie zu viel nachdachte, dann würde sie zusammenbrechen.

Sie holte die Karte des Rumtreibers heraus und sah Dumbledore in seinem Büro auf Cornelius Fudge treffen. Ein kleiner Punkt Namens Sirius Black kam mit Igor Karkaroff gerade in die Eingangshalle und traf dort auf Daphne Greengrass. Sie hielten kurz an, dann ging Daphne zurück in die Kerker und Sirius kam mit Karkaroff Richtung Krankenflügel.

Amelia erwartete sie, als sie den Krankenflügel betraten. Karkaroff hatte seine blasierte Mine verloren und wirkte sehr blass und ängstlich.

„Igor, schön, dass du gekommen bist", sagte Amelia und lächelte, doch das Lächeln erreichte ihre Augen nicht.

„Komm näher." Karkaroff näherte sich und Sirius stelle sich neben ihr Bett, er blickte grimmig und hatte die Arme verschränkt.

„Es war klug von dir, nicht zu fliehen, Igor. Voldemort hätte dich sicher gefunden."

Der Zauberer blieb vor ihrem Krankenbett stehen. Sah zu ihr herunter. Bei den Namen Voldemort zuckte er zusammen. Doch er sagte nichts.

„Ich habe dir einst angeboten, ich würde dein Dunkles Mal entfernen, wenn Du mir verrätst, wer in Hogwarts nach meinem Leben trachtet. Du hast versagt. Du hast ihn nicht gefunden, dass musste ich selbst tun."

Karkaroff schluckte. Seine Finger zuckten.

„Aber ich bin bereit, dir eine zweite Chance zu geben."

Seine Miene hellte sich auf und er kam näher.

„Was verlangen Sie?", fragte er und Hoffnung schlich sich in seine Züge.

„Ich möchte das du weg gehst, weit weg. Du sollst einen sicheren Ort finden, an dem Voldemort dich niemals finden wird. Du sollst ihn sichern, mit jeder Magie die du kennst und du sollst dort bleiben."

Karkaroff sah sie ungläubig an und ein Lächeln bildete sich in seinem Gesicht.

„Das ist alles?", fragte er mit krächzender Stimme und Amelia schenkte ihm ein unverbindliches Lächeln.

„Und wenn ich einen sicheren Ort brauche, werde ich Leute dorthin schicken und du wirst sie aufnehmen und dich um sie kümmern und du wirst keine Fragen stellen. Du wirst aufnehmen, wen auch immer ich dir schicke, egal wie sehr es dir zuwider ist."

Das Lächeln verrutschte, doch Karkaroff nickte.

„Das kann ich tun."

„Dann schwöre es. Du musst verzeihen, du bist kein besonders loyaler Diener, also muss ich mich deiner Treue versichern. Du hast doch nichts dagegen."

Amelia reichte ihm ihre zierliche Hand und Karkaroff blickte mit erstarrter Mine darauf.

Er schien mit sich zu ringen, doch letztendlich griff er danach.

„Sirius, wenn Du so nett wärst", sagte Amelia und deutete auf ihre Hände.

Sirius trat neben sie, er schien einigermaßen überrascht. Er zog seinen Zauberstab und legte ihn auf ihre verschlungenen Hände.

„Wirst du, Igor Karkaroff, all deine Kraft darauf verwenden, einen sicheren Ort zu schaffen?", fragte Amelia.

„Das werde ich", sagte Karkaroff und eine Flamme züngelte aus Sirius Zauberstab und legte sich um ihre verschlungenen Hände.

„Wirst du jedem, den ich zu dir schicke, Einlass gewähren und ihn als deinen Gast behandeln?"

„Das werde ich." Eine zweite Flamme züngelte sich zu der Ersten.

„Wirst Du mir Gehorsam erweisen, selbst wenn dies nicht deinen Wünschen entspricht", sagte Amelia und Karkaroff zögerte, doch dann sagte er: „Das werde ich."

Eine dritte Flamme züngelte empor und besiegelte den Schwur. Sirius zog seinen Zauberstab zurück.

Kaum, dass die Flammen verloschen waren, riss Amelia Karkaroffs linken Arm zu sich. Sie schob den Ärmel hoch und entblößte das Dunkle Mal. Sie hob ihren Zauberstab und stach ihn tief in Fleisch und Sehnen. Karkaroff schrie schmerzerfüllt auf und brauchte alle Selbstkontrolle, um ihr den Arm nicht zu entziehen.

Eine leise Beschwörung murmelnd zog Amelia den Stab aus der blutenden Wunde und das Dunkle Mal löste sich von der Haut, als würde es an ihrem Zauberstab kleben.

Karkaroff starrte es entsetzt an, bis es mit einem leisen Schrei verging. Sanft stieß Amelia gegen die Wunde, die ihr Zauberstab hinterlassen hatte und sie schloss sich, bis nicht mal mehr eine Narbe zurück blieb. Sein Arm war rein und makellos.

„Nicht vielen Menschen ist eine zweite Chance vergönnt. Viel Erfolg", sagte Amelia leise.

Karkaroff verbeugte sich tief und küsste ihre Hand.

„Ich danke euch", sagte er und es klang das erste Mal aufrichtig. „Wenn nichts weiter ist, werde ich mich sofort auf den Weg machen."

„Natürlich", sagte Amelia. Ihr Blick folgte dem Zauberer, bis er die Krankenstation verlassen hatte.

„Wie hast Du das gemacht?", fragte Sirius entsetzt.

„Du kannst es nicht wiederholen, nur ich bin dazu in der Lage. Ich und Voldemort…"

Sirius schien verwirrt, immer wieder starrte er auf den Punkt, an dem das Dunkle Mal zerplatzt war.

„Bist du wirklich James Tochter?"

„Weißt du, Sirius, ich frage mich oft, ob meine Eltern mich lieben würden, wenn sie noch leben würden. Ob wir ein gutes Verhältnis zueinander hätten, ob ich ein ganz normales Mädchen hätte sein können. Ich werde die Antworten auf diese Fragen niemals bekommen. Aber ich wünschte, es wäre so."

Sirius sah sie an und sein Blick wurde traurig. Seine Frage tat ihm leid.

Madam Pomfrey kam herein, um nach Amelia zu sehen. Die Krankenschwester sah fertig aus, doch als sie Amelia eine Tasse reichte, waren ihre Hände warm.

„Trink das, es wird dir helfen zu schlafen. Du brauchst Ruhe."

Amelia blickte auf die Tasse, sie sah genauso aus wie jene, in die sie den Abtreibungstrank gefüllt hatte. Jene, die sie über der Spüle ausgeschüttet hatte, nachdem sie sich entschlossen hatte, Mutter zu werden.

Die Tränen kamen wieder hoch. Sie kämpfte dagegen an, doch sie konnte es nicht verhindern. Madam Pomfrey nahm sie ihr wieder aus der Hand, bevor Amelia den Inhalt über den Boden schüttete.

Sirius legte ihr mitfühlend die Hand auf die Schulter, doch sie schüttelte sie ab. Sie wollte sein Mitleid nicht. Sie wollte ihren Sohn und ihren Mann… Sie wollte ihre Familie.

Amelia verbrachte die nächsten Tage auf der Krankenstation. Am Anfang war sie so schwach, dass sie kaum aufstehen konnte, doch ihr körperlicher Zustand besserte sich bald. Das Schlimmste war die einsetzende Milchproduktion ihrer Brüste. Es brachte sie so aus dem Konzept, dass sie nur weinen konnte. Doch es half nichts. Der Schmerz wurde nicht weniger. Madam Pomfrey sagte, es würde von allein wieder aufhören, aber es war der Schock, der sie jetzt erst so wirklich ergriff. Dass ihr Körper sich bereit machte, ein Kind zu stillen. Ein Kind, das sie nicht hatte.

Ihr Bett stand hinter einer Trennwand und sie hörte die Leute, wenn sie hereinkamen. Der echte Alastor Moody wurde entlassen. Dumbledore war sich wohl sicher, dass er den Imperius Fluch abgeschüttelt hatte.

Doch das blieb die einzig gute Nachricht.

Fudge hatte sich darin verrannt, dass das alles nur ein einziger großer Komplott gegen ihn war. Crouch hatte er weggesperrt und keiner schien zu wissen, wo er war.

Dumbledore erzählte ihr nur das nötigste, als er ihr den Gewinn des Trimagischen Turniers brachte. Amelia beachtete das Gold nicht. Sirius war gegangen, um Helfer zu finden, Leute, die ihnen glaubten. Sie würde wohl auch in den Ferien nicht bei ihm wohnen. Um den Blutschutz ihrer Mutter aktiv zu halten, würde sie zu den Dursleys zurückkehren müssen. Zu dem Ort, von dem sie dachte, dass sie ihn für immer hinter sich gelassen hatte.

Am letzten Tag in Hogwarts verließ sie die Krankenstation. Madam Pomfrey ließ sie nur ungerne gehen, doch sie musste zurück nach Hause.

Sie gab ihr Tränke mit und drückte sie ganz fest. Ihr Baby war begraben worden. Auf einem anonymen Grab in Hogsmeade, zusammen mit anderen Babys, die es nicht geschafft hatten.

Amelia war zuerst wütend gewesen, dass man sie nicht gefragt hatte. Doch Madam Pomfrey hatte Recht, vielleicht war es besser so. Mal vom persönlichen Aspekt abgesehen, war ihr Sohn so sicher davor, dass jemand ihn ausgrub, um ihn für schwarzmagische Zauber zu benutzen. Es half Amelia, ihre Gefühle einfach auszublenden, so fiel alles leichter.

Es war Mittag, als sie in den Slytherin Gemeinschaftsraum kam. Doch kaum einer war da. Alle schienen draußen zu sein und das gute Wetter zu genießen.

Amelia ging in den Mädchenschlafsaal und begann, ihre Sachen zu packen. Sie sah ihre Roben, alle verzaubert, sodass sie sich an ihre Schwangerschaft angepasst hatten und verbrannte sie. Sie konnte es nicht ertragen sie zu sehen. Sie blickte in den großen Spiegel, den Pansy aufgehängt hatte und musterte das Mädchen, das vor ihr stand.

Sie war gewachsen im letzten Jahr. Ihre Schuluniformen wurden langsam wieder zu kurz. Sie hatte lange Beine und feine Gesichtszüge. Die Schatten um ihre Augen waren tiefer geworden und wäre der kalte Blick nicht gewesen, wäre sie durchaus hübsch gewesen.

Ihre langen schwarzen Haare reichten ihr bis zur Hüfte, die gleichen Haare, die ihr Sohn gehabt hätte…

Amelia hob die Hand und schlug gegen den Spiegel. Doch es geschah nichts.

Sie schlug noch einmal fester zu und der Spiegel begann zu splittern. Immer wieder schlug sie gegen ihr Spiegelbild, bis ihr Blut auf den Boden tropfe, wo sie sich die Hand aufschnitt.

Der Spiegel ging vollends zu Bruch und kippte zur Seite. Betäubt sank Amelia auf den Boden. Es änderte nichts. Unfähig aufzustehen, blieb sie auf dem Boden sitzen.

„Was hast du getan!", rief Daphne, als sie kurz darauf in den Schlafsaal kam. Amelia kniete noch immer blutend vor dem zerborstenen Spiegel.

Sie blickte zu ihrer Freundin hinüber und als Daphne sie sah, schluckte sie.

„Was ist passiert?", fragte sie sanft.

Amelia blickte auf die Spiegelscherben am Boden. Sie sah, wie sich ihre Lippen bewegten, doch sie hörte es kaum.

„Voldemort ist zurück. Mein Baby ist tot. Draco ist weg."

Sie sah wieder zu Daphne. Sie sah sie verwirrt an, sie schien nicht wirklich zu begreifen.

„Dein Patenonkel hat gesagt, dass es dir schlecht geht, aber uns erzählt keiner etwas."

Sie kam langsam auf Amelia zu.

„Ich hab dich lieb", sagte sie und zog ihre Freundin in die Arme. Amelia schluckte, bevor sie die Umarmung erwiderte.

„Wir werden kämpfen, Daphne. Wir beide, jeder seinen Kampf", flüsterte sie und Daphne nickte.

„Ich werde nicht aufgeben, versprochen."

Amelia nickte und drückte ihre Freundin an sich.

„Danke", sagte Amelia, als sie sich wieder lösten. Sie fühlte sich zwar nicht besser, aber vielleicht nichtmehr ganz so verlassen.

Teilnahmslos blickte sie auf den zerbrochenen Spiegel und stand auf. Blut tropfte von ihrer Hand auf den Boden.

„Wir sollten das Heilen", sagte Daphne und begann in ihrem Koffer zu kramen. Amelia setzte sich auf ihr Bett und ließ zu, dass Daphne ihr eine Tinktur auf die Schnitte strich. Ihre Hand heilte. Aber ihre Seele konnte nicht heilen.

„Hast du was von Draco gehört?", fragte sie verunsichert, als Daphne fertig war.

„Er ist noch am gleichen Tag verschwunden, als du in den Krankenflügel gekommen bist. Er hat all seine Sachen hiergelassen. Blaise hat sie gepackt."

„Kann Blaise sie mitnehmen?"

„Amelia, ich verstehe das alles nicht wirklich. Was ist passiert. Also was genau und warum ist Draco abgehauen. Warum hat er dich im Stich gelassen? Das hätte ich nie von ihm erwartet."

Amelia seufzte.

„Das ist alles nicht so einfach, Daphne. Ich mache Draco keinen Vorwurf. Als ich in den Irrgarten ging, berührte ich einen Portschlüssel der mich zu Voldemort brachte und ich habe gesehen, wie er sich einen neuen Körper geschaffen hat. Die Terrorherrschaft, die vor vierzehn Jahren geendet hat, wird von neuem beginnen." Ihre Stimme klang voll dunkler Prophezeiung.

Daphne zuckte bei Voldemorts Namen zusammen und wurde blass, als Amelia weitersprach. Sie schien erst jetzt zu begreifen, was Amelia gemeint hatte.

„Voldemort hat mich gefoltert. Ich mag zwar entkommen sein, doch es war zu spät. Ich habe eine Fehlgeburt erlitten."

Amelias Stimme wurde dünn und Daphne legte die Hand auf ihren Arm.

„Aber was hat das mit Draco zu tun?"

Amelia zögerte.

„Dracos Vater ist Todesser. Ein Anhänger Voldemorts. Draco steht zwischen den Fronten. Auf der einen Seite ich und auf der anderen seine Familie." Ihre Stimme brach.

Daphne zog Amelia in eine Umarmung. Amelia begann zu schluchzen.

„Aber ich kann ihn nicht einfach so gehen lassen… Ich habe es mir fest vorgenommen, aber ich kann nicht… Ich wünschte er wäre hier…"

„Aber das ist doch ganz normal."

Amelia schüttelte weinend den Kopf und hob ihre linke Hand.

„Draco hat mir den Ring gegeben… Zur Verlobung… Wir wollten ab diesem Sommer zusammenwohnen. Wir wollten eine Familie sein, aber das war nur ein schöner Traum…"

Amelia drehte den Saphirring am Finger.

„Ich wollte ihn abnehmen, aber ich kann nicht. Es wäre so endgültig. Ich kann einfach nicht…"

„Das ist okay. Das ist vollkommen in Ordnung", sagte Daphne und drückte sie fest an sich.

Es dauerte eine Weile, bis Amelia sich wieder beruhigt hatte.

„Ich muss packen", schniefte sie und stand auf.

Mit einem Wink ihres Zauberstabes flatterten ihre Sachen unordentlich in ihren Koffer. Doch es kümmerte sie nicht.

„Das Festmahl fängt bald an", sagte Daphne irgendwann in die Stille.

„Ich muss noch was holen."

„Ich komm mit, okay?"

Amelia nickte schniefend. Zusammen gingen sie zu dem verstecken Raum und Daphne hielt die Luft an, als Amelia die Fackeln zum verlöschen brachte und der geheime Raum sich öffnete.

„Hier warst du also die ganze Zeit?", fragte sie und sah sich um.

Noch immer waren die Wände mit Pergamenten übersäht, nur, dass sie nun riesige Bannzirkel, Runentafeln oder Silbentabellen enthielten.

Sie waren nicht nur in Amelias zierlicher Handschrift gehalten, sondern auch Draco hatte darin herumgekritzelt. Mit einem Schwung ihres Zauberstabs räumt Amelia den Raum leer.

Die Bücher verschwanden in ihren kleinen Beutel und die Pergamente an den Wänden rollten sich zusammen und folgten ihnen. Tintenfässer, Federn, Süßigkeiten, Anziehsachen, alles verschwand in den kleinen Beutel. Als letztes verwandelte Amelia das Bett zurück in ein Sofa und das magische Fenster wurde wieder zu Stein. Nun deutete nichts mehr darauf hin, dass sie hier viel glückliche Zeit verbracht hatte. Die glücklichste ihres Lebens.

„Das war's", sagte Amelia. „Jetzt muss ich nur noch Eristik suchen. Der stromert sicher im Schloss herum."

„Ich habe ihn", sagte Daphne und Amelia sah sie überrascht an. „Nachdem du so lange im Krankenflügel warst, tat er mir etwas leid. Er hat dauernd versucht, sich aus dem Gemeinschaftsraum zu stehlen, aber langsam wird er etwas zu groß, als dass er sich einfach so davonschleichen könnte."

Amelia musste schwach lächeln, wenn sie daran dachte, wie Eristik sich wohl aufgeregt hatte.

„Danke", sagte sie und die Mädchen gingen zusammen in die große Halle.

Getuschel brach los, als die anderen Schüler Amelia erblickten. Es musste viele Gerüchte gegeben haben, was geschehen war. Amelia ignorierte es.

Kühl und selbstsicher, als hätte sich nichts verändert, setzte sie sich an den Slytherintisch. Ihre Mitschüler warfen ihr verstohlene Blicke zu und sie konnte Vincent und Gregory sehen, die in ihre Richtung deuteten.

„Blaise, nimmst du Dracos Sachen mit?", fragte Amelia unvermittelt, als sie sich neben ihn setzte.

„Ähm, ja kann ich machen. Was ist passiert?"

„Viel…", sagte sie und seufzte. Doch sie war nicht in der Stimmung, Antworten zu geben.

In diesem Moment begann das Festmahl und alle machten sich über die Köstlichkeiten her.

Amelia hatte die letzten Tage kaum etwas gegessen, nur genug, damit Madam Pomfrey zufrieden war. Aber sie hatte auch keinen Hunger. Die Durmstrang Schüler saßen mit ihnen am Tisch und sahen sich unbehaglich um. Karkaroff fehlte. Viktor warf ihr immer wieder Blicke zu, als wolle er etwas fragen, doch er wagte es nicht, als er ihrem starren Blick begegnete.

Als das Festessen geendet hatte, erhob sich Dumbledore und gebot Ruhe. Er sprach von Voldemort, er sprach von seiner Rückkehr und von Zusammenhalt. Dass sie gemeinsam stark seien. Wo Voldemort Zwietracht säen wollte, müssten sie entschlossen zusammenhalten.

Amelia sah ihn an und sie konnte keine Hoffnung aus seinen Worten ziehen. Er nannte ihren Namen und alle wandten sich ihr zu. Er nannte sie mutig, doch sie fühlte sich schwach. Sie war schwach, denn sie war allein.

Es war ihr nur allzu recht, als die Abschiedsfeier endete.

Amelia und Daphne holten ihre Sachen und Eristik war so erfreut, Amelia wiederzusehen, dass er sie garnichtmehr loslassen wollte. Also trug Amelia ihn einfach auf dem Arm mit. Wenigstens einer war glücklich.

Sie stellen sich vor das Schloss, um auf die Kutschen zu warten und sahen zu, wie die Schüler aus Beauxbatons und Durmstrang sich verabschiedeten.

Viktor kam auf sie zu.

„Hallo, Amelia. Ich wollte mich noch verabschieden", sagte Viktor. Neben ihm stand Hermine Granger.

„Alles Gute, Viktor. Ich hoffe ihr kommt ohne Karkaroff nachhause", sagte Amelia und sah zu ihm hoch.

„Kein Problem, wir haben das Schiff sowieso selbst gesteuert. Er hat sich nur in seiner Kabine verkrochen", grinste Viktor und Amelia lächelte leicht.

„Wo ist Draco? Ich wollte mich verabschieden?"

„Er ist nichtmehr hier", sagte Amelia und ihr Gesicht nahm einen reservierten Ausdruck an.

„Warum? Ist er krank?", fragte Viktor besorgt.

„Du hast doch Dumbledore gehört. Voldemort ist zurückgekehrt", erwiderte Amelia und streichelte Eristik. Viktor zuckte mit den Schultern, er verstand nicht.

„Dracos Vater ist Todesser."

Viktors Gesicht verfinsterte sich und Hermine schnappe nach Luft.

„Was… Was wirst Du jetzt tun?", fragte sie.

„Was wohl. Ich werde kämpfen. Voldemort wird nicht aufgeben, bis ich Tod bin und ich habe nicht vor zu sterben."

Sie klang um einiges kühner als sie sich fühlte, doch Eristik zischelte seine Zustimmung.

„Glaubst du wirklich, dass Du eine Chance hast? Er ist einer der schrecklichsten Zauberer, die jemals gelebt haben", sagte Hermine und klang dabei nicht ganz so ängstlich, wie sie sollte.

„Es ist nicht so, dass ich eine Wahl habe. Und du wirst sie auch nicht haben. Du bist muggelstämmig. Leute wie dich zu quälen ist so etwas wie Freizeitsport für Leute wie Dracos Vater."

Hermine wurde blass und schluckte. „Das… das meinst Du nicht so, oder?", fragte sie und Amelia wurde klar, dass sie wohl noch nie Menschen wie Lucius Malfoy begegnet war.

„Es gibt genug einschlägige Literatur zu dem Thema. Du liest doch so gerne. Es gibt ganze Romanreihen, die sich damit beschäftigen, dass Zauberer und Hexen Rache üben für ihre Unterdrückung."

Hermine schwieg.

„Mach ihr nicht zu viel Angst", sagte Viktor.

„Es war nur eine Warnung. Keiner von uns wird sicher sein", sagte Amelia und dachte an die Erinnerungen der Erwachsenen, die sie gesehen hatte. An all die Schrecken, die geschehen waren.

Eristik richtete sich auf und hielt die Köpfe in die Luft.

„Die Kutsssschen kommen", informierte er sie.

„Ich glaube wir sollten uns verabschieden. Die Kutschen sind auf dem Weg", sagte Amelia und in dem Moment waren auch schon die Thestrale zu hören.

„Alles Gute. Es hat mich gefreut dich kennen zu lernen", sagte Viktor und reichte ihr die Hand. Amelia ergriff sie.

„Mich auch. Vielleicht sehen wir uns mal wieder."

„Das ist gut möglich. Vielleicht besuche ich Hermine mal in Hogwarts."

Amelia lächelte „Dann viel Glück euch beiden", sagte sie und stieg zusammen mit Daphne in eine Kutsche die gerade anhielt.

Durch das Fenster beobachtete sie, wie Viktor sich von Hermine verabschiedete und Hermine errötete, als er ihr einen Kuss auf die Wange gab.

Die Sonne strahlte vom Himmel und Daphne und Amelia suchten sich ein eigenes Abteil. Langsam setzte sich der Hogwarts Express in Bewegung.

„Daphne, ich möchte dir danken", sagte Amelia. „Danken, dass Du dich um mich sorgst, obwohl du genug eigene Probleme hast."

„Das versteht sich von selbst. Du hast mir auch geholfen. Dazu sind Freundinnen da."

Amelia lächelte.

„Glaubst du, du schaffst das mit deinem Vater?", fragte sie.

„Ich habe keine große Wahl, ich muss es schaffen", sagte Daphne. Sie sah alles andere als überzeugt aus.

„Sollte irgendwas sein, dann schreib mir. Meine Verwandten mögen zwar keine Eulen, aber ich werde versuchen, dir zu helfen. Zögere nicht."

Daphne nickte.

Die Abteiltür ging auf und Blaise kam herein. „Da seid ihr ja. Ich habe schon den ganzen Zug nach euch durchsucht", sagte er und schleppte zwei schwere Koffer rein.

„Amelia, jetzt erzähl mal was mit Draco los ist. Ich dachte, ihr zieht diese Ferien zusammen", sagte er, als er sich schnaufend auf die gegenüberliegende Bank setzte.

„Was hat Draco dir alles erzählt?", fragte Amelia. Sie wusste, dass Draco mit ihm über ihre Schwangerschaft gesprochen hatte. Er hatte so wie sie einfach jemand anderen zum Reden gebraucht und nachdem sie Daphne alles erzählt hatte, hatte sie es Draco nicht verbieten können. Zum Glück hatte Blaise den Mund gehalten.

„Alles, also fast alles. Ich weiß nicht, warum Draco verschwunden ist", sagte er und klang aufrichtig besorgt.

Amelia erzählte ihm alles, was sie auch Daphne gesagt hatte und Blaise schluckte.

„Glaubst du, es geht ihm gut? Ich meine… wenn du Recht hast, könnte er dem Dunklen Lord begegnen", sagte Blaise.

„Er lebt", sagte Amelia. „So viel ist sicher. Über mehr kann ich nur spekulieren. Aber ich muss gestehen, dass ich mir wenig Sorgen um seine Gesundheit mache."

„Das ist ziemlich herzlos von dir. Ich kann verstehen, dass du wütend und enttäuscht bist, aber das hat er nicht verdient."

Amelia musste lachen. Es geschah selten, dass jemand Draco ihr gegenüber verteidigte. Das tat fast gut.

„Du verstehst mich falsch. Wenn Voldemort", ihre Mitschüler zucken zusammen, „klug ist, versucht er Draco auf seine Seite zu ziehen."

„Musst du immer seinen Namen sagen", sagte Blaise unbehaglich.

„Ja", erwiderte Amelia schlicht. „Die Zeit ist vorbei, in der ich Neutralität wahren muss. Voldemort ist ein Monster und ich werde ihm nie verzeihen. Er hat meinen Sohn ermordet."

Blaise sah unbehaglich drein.

„Ich nehme Dracos Sachen mit nach Hause, aber ich werde sie ihm nicht vorbeinbringen", sagte Blaise. „Ich möchte nichts mit dem Dunklen Lord zu tun haben."

Amelia nickte. „Das verlangt auch keiner."

Es wurde eine schweigsame Zugfahrt und Amelia begnügte sich damit, Daphne und Blaise zuzuhören. Sie wollte nicht reden.

Der Zug fuhr im Bahnhof King's Cross ein und Amelia atmete tief durch bevor sie in die Muggelwelt eintrat. Onkel Vernon sah furchtbar schlecht gelaunt aus.

Nachwort:

Hier also das letzte Kapitel von Band 4,

Noch ein weiteres schweres Kapitel. Vielleicht weil es so wichtig ist.

Ich habe alleine die Unterhaltung mit Daphne spontan 3 Mal umgeschrieben nachdem ich das Kapitel vor dem Hochladen nochmal gelesen habe und sie gefällt mir noch immer kein Stück. Ich wollte da so eine irgendwie von der Realität entrückte Stimmung herstellen. Total in die Hose gegangen. Ich werde es wohl noch paar Mal umschreiben.

Auch die Unterhaltung mit Voldemort war schwer. Zwischen Angst, Hoffnung, Hass und dem unbändigen Willen zu Leben. Voldemorts Hass auf seine beinah Mörderin und seine Angst vor dem was sie werden könnte, vor dem was sie jetzt schon war, brachte ihn dazu ihre Loyalität auszuschlagen. Dabei hätte Amelia eine mächtige Waffe in seinen Händen sein können.

Ich war fast versucht diesen Strang weiterzuspinnen, aber ich wollte mich an den Büchern orientieren und das klappt dann leider nichtmehr. Amelia und Voldemort müssen vorerst Antagonisten bleiben.

Es war von Anfang an klar, dass ich das Kind umbringe, oder? Es hätte gar nicht in die Storyline gepasst. Ihr Kind ist leider nur Mittel zum Zweck gewesen, um Charaktere so zu formen, wie ich es mir vorgestellt habe. Um Hass, Wut Verzweiflung und Liebe zu schüren. Sowie die Ideale der Reinblüter für Amelia zu vereinnahmen.

Ich muss gestehen ich hatte an dieser Stelle viele verrückte Ideen. Eine davon war, dass das Kind lebendig auf die Welt kommt, aber der Seelensplitter von Voldemort auf es übergeht. Allerdings hatte ich wenig Lust dazu, dann diesen Strang weiterzuschreiben, also habe ich es gelassen.

In dieser Konstellation ist es einfach am wertvollsten für den Zukünftigen Verlauf. Warum ich keine Beerdigung geschrieben habe? Warum das Baby auf einem anonymen Gabplatz beerdigt wurde? Ich habe da wirklich lange drüber nachgedacht und mich dann entschieden, dass Dumbledore daran gelegen wäre das Amelia Hogwarts erstmal nicht verlässt. Die Beerdigung wäre ein wunderbares anschlagsziel. Andererseits hat Amelia die Kraft gefehlt sich damit auseinander zu setzen. Ihr ist gerade die ganze Welt zusammengebrochen. Eine Beerdigung ist zudem ein Abschluss. Ich kann diesen Abschluss noch nicht gebrauchen. Noch ist keine Zeit zu trauern.

Aber es gibt auch kleine Szenen in dem Kapitel die ich mag. Ich mag die Szenen mit Snape und Amelia. Ich mag eigentlich fast alle Szenen mit ihnen.