Kapitel 2 – Der Phönixorden

Sie lagen noch immer auf dem Bett und kuschelten sich aneinander, als unten im Haus die Türe geöffnet wurde. Amelia fuhr hoch. Das Wohnzimmer war noch voller Blut.

„Was ist?", fragte Draco alarmiert.

„Ich bin gleich wieder da", sagte Amelia und sprang auf. Doch als sie hinunter in die Diele kam, war es nicht Tante Petunia die dort im Wohnzimmer stand, sondern Dudley mit einem Polizisten.
„Das sieht aber nach mehr als einer Prügelei aus", sagte der Mann und sah sich im Wohnzimmer um. Amelia bemerkte, wie er ein Funkgerät herausnahm.

„Kann ich ihnen helfen?", fragte sie und trat ebenfalls ins Wohnzimmer. Der Polizist fuhr herum.

„Wer bist du?", fragte er alarmiert und sie bemerkte, wie seine Hand zu seiner Dienstwaffe griff.

„Ich wohne hier. Ich bin seine Cousine", sagte Amelia und nickte zu Dudley hinüber, dessen Gesicht verarztet worden war. Er trug einen dicken Verband um den Kopf.

„Kannst du mir sagen, was hier wirklich passiert ist? Dein Cousin scheint etwas verwirrt zu sein."

„Natürlich", erwiderte Amelia und lächelte kühl.

Sie zog ihren Zauberstab und richtete ihn auf den Polizisten. Dieser sah sie verwirrt an.

Oblivate", sagte Amelia selbstgefällig und der Gesichtsausdruck des Muggels glättete sich. Mit einem Schwung ihres Zauberstabes war das Wohnzimmer wieder ordentlich und sauber. Die Blutspur, die in den Garten führte, verschwand. Dudley schnappte nach Luft, wie ein Fisch im trockenen und die Auen quollen aus seinem Gesicht heraus.

„Danke, dass sie Dudley nach Hause gebracht haben, er ist manchmal etwas verwirrt", säuselte Amelia und lächelte den Polizisten freundlich an.

„Das, das nicht nochmal vorkommt", sagte der Polizist und seine trübe Mine klärte sich.

„Ich verabschiede mich dann wieder." Er rückte seine Mütze zurecht und verließ das Haus. Die Tür viel hinter ihm ins Schloss.

Amelia wandte sich Dudley zu, der sie entsetzt anstarrte, unfähig etwas zu sagen.

„Mach noch einmal solchen Unsinn und ich hexe dir den Verstand aus dem Kopf. Nicht das da sonderlich viel drinnen sein könnte", fauchte Amelia wütend.

„Hat er wieder Ärger gemacht?", fragte Draco hinter ihr nonchalant und trat neben seine Freundin. Dudley begann zu wimmern und wich ängstlich vor Draco zurück. Nackte Panik verzerrte seine Züge.

„Nichts Wichtiges", sagte Amelia nur und verließ das Wohnzimmer bevor Draco auf die Idee kommen konnte Dudley wieder zu foltern. Sie war sich nicht sicher, ob sie das Gefühl mochte, das dieser Anblick in ihr auslöste.

In der Diele blieben sie stehen.

„Ich sollte jetzt gehen", stellte Draco fest.

„Willst du nicht noch eine Nacht bleiben, bis du zu Blaise fährst?", fragte Amelia flehend.
„Das geht nicht. Es ist viel zu gefährlich."

Amelia seufzte. Er hatte Recht.

„Melde dich", bat sie.

Draco versprach es ihr.

Sie gingen zusammen vor die Tür und er hob seinen Zauberstab. Der fahrende Ritter erschien sofort mit einem Knall und kam vor ihnen zum Stehen, wobei der Gartenzaun der Nachbarn ihm aus dem Weg springen musste. Sie hatte ein ungutes Gefühl, als der riesige dreistöckige Bus vor dem Haus der Dursleys hielt.

„Ich hole dich bald, Amelia", sagte Draco und gab ihr einen Abschiedskuss. Dann stieg er ein. Amelia blieb stehen, bis er den Schaffner bezahlt hatte und der Bus mit einem Knall wieder verschwunden war.

Betrübt ging sie zurück ins Haus.

Die Sonne war fast untergegangen und die spärlichen Reste warfen einen roten Lichtschein ins Wohnzimmer. Dudley saß total verstört auf dem Sofa.

Amelia ignorierte ihn und begann das Haus mit Schutzbannen zu umgeben. Seit sie das Haus der Malfoys verhext hatte, hatte sie jede Menge Übung darin. Wenn Voldemort sie schnappen wollte, dann musste er erst an ihren Hexereien vorbei.

Tante Petunia kam nach Hause, als Amelia gerade dabei war die Hortensien zu verwandeln, sodass sie sich auf magische Gäste stürzen würden. Ihre Tante musterte sie mit verkniffenen Augen und verabschiedete sich von ihrer Freundin. Amelia erwartete, dass jeden Moment das große Geschrei losbrechen würde, sobald Dudley alles erzählt hatte, doch es dauerte, bis Onkel Vernon zuhause war.

Laut keifend bestellte er Amelia in die Küche.

„Was hast du meinem Sohn angetan!", verlangte er mit hochrotem Kopf zu wissen. Dudley saß wie ein Häuflein Elend am Tisch. Seine Schultern waren eingesunken und er zuckte zusammen als Amelia ihn musterte. Er hatte bestimmt noch Schmerzen von dem Cruciatus-Fluch mit dem Draco ihn belegt hatte.

„Er hat sich mit meinem Freund geprügelt", sagte Amelia so neutral wie möglich.

„Er hat was?!", donnerte Onkel Vernon. „Habe ich dir nicht gesagt, ich will nie wieder jemanden von eurem Abschaum hier sehen!"

Wäre die Situation nicht so ernst, hätte Amelia gelacht. Vernon benutzte fast die gleichen Worte wie Draco. Abschaum. Für Vernon waren Zauberer Abschaum und für Draco waren Muggel Abschaum.

„Er ist auch schon wieder weg, also mach dir keine Sorgen, Onkel Vernon."

„Keiner tut dir weh, Diddy Schatz. Mami und Daddy sind jetzt da", sagte Tante Petunia und drückte ihren Sohn.

„Erzähl alles ganz genau, mein Sohn. Wir gehen zur Polizei. Keiner darf in meinem Haus ungeschoren irgendjemanden zusammenschlagen", sagte Onkel Vernon zu Dudley.

„Da, da war überall Blut", sagte Dudley plötzlich und starrte Amelia verängstigt an. „Dann hat er sein Ding gezogen und ich hatte so schmerzen. So schmerzen, dass kann man gar nicht beschreiben. Ich habe mir gewünscht ich sterbe, nur damit es aufhört."

Amelia blickte Dudley mit kaltem Blick an, doch Tante Petuna umfasste Dudleys massige Schultern.

„Hast du es ihm auch gezeigt, mein Sohn", sagte Onkel Vernon. „Hast ihm ordentlich eingeschenkt, Rechts Links, wie immer?" Er schien Dudley aufmuntern zu wollen, doch es gelang nicht.

Dudleys begann zu wimmern und verbarg sein zerschlagenes Gesicht in den Händen. Amelia bemerkte, dass der Verband am Hinterkopf langsam durchblutete. Es war die Stelle an der Draco ihn gegen die Wand geschlagen hatte.

„Draco hat ihn am Leben gelassen, ihr solltet dankbar sein", sagte Amelia bissig.

„Ist das der grausame Junge mit dem Schwert?", fragte Tante Petunia und wurde etwas blass. Sie hatte bereits eine unrühmliche Bekanntschaft mit Draco gemacht, als dieser sie letztes Jahr von den Dursleys abgeholt hatte. Die Begegnung hatte damit geendet, das Draco Tante Petunia beinah mit Caliburn aufgeschlitzt hätte.

„Dieser Bursche, der dich geschwängert hat?", fragte Onkel Vernon an Amelia gewandt und verengte seine Augen zu Schlitzen. Er hatte mehr als nur einmal deswegen auf ihr rumgehackt.

„Ja, das ist Draco", bestätigte Amelia und lehnte sich nach hinten gegen die Küchenzeile. Sie würde sich nichtmehr dafür schämen.

„Wir gehen zur Polizei und zeigen ihn an. Er kann nicht einfach meine Familie bedrohen!"; erboste sich Onkel Vernon und Amelia hätte am liebsten laut gelacht.

„Da war ich schon", sagte Dudley plötzlich. „Ich bin weggelaufen, nachdem er dieses Ding auf mich angewendet hat. Dann hat mich eine Polizeistreife angehalten, weil ich so viel Blut im Gesicht hatte. Der Polizist hat mich verbunden und dann sind wir hierher gefahren", sagte Dudley.

„Sehr gut gemacht, mein Sohn", sagte Onkel Vernon stolz, doch Dudley blickte seinen Vater nur verängstigt an.

„Aber dann ist Amelia gekommen. Sie hat irgendwas gemacht, dann ist er gegangen, als wäre nichts gewesen. Er ist gegangen, ohne etwas zu tun", erzählte Dudley zitternd.

Amelia konnte sich ein hochmütiges Lächeln nicht verkneifen.

„Ich kann keinen von euch in meinen Angelegenheiten brauchen. Ich habe ihm einen Vegessenszauber aufgehalst und ihn zurück zur Arbeit geschickt. Er weiß nichtmehr, dass er Dudley überhaupt begegnet ist."

„Sag dieses Wort nicht in meinem Haushalt!", donnerte Onkel Vernon mit hochrotem Kopf.

„Was soll ich sonst sagen, Onkel Vernon", höhnte Amelia. „Ich bin eine Hexe und ich werde immer eine Hexe sein."

„Nicht in meinem HAUS!", schrie er sie an, doch Amelia zuckte nicht mal mit der Wimper.

„Ich habe sie gesehen, wie sie ES gemacht hat", sagte Dudley plötzlich und er blickte Amelia sonderbar klar an. „Da war eine Eisenstange in seiner Schulter, er war überall zerschnitten, er hat geblutet und war schwer verletzt", sagte Dudley plötzlich.

„Wer denn mein Schatz?", fragte Tante Petunia besorgt.

„Amelias Freund", antwortete Dudley. „Dann hat sie etwas gemacht und dann habe ich gesehen, wie alles wieder gut war, so als wäre er nie verletzt gewesen. Es war Zauberei", hauchte Dudley fasziniert.

Onkel Vernon starrte seinen Sohn einen Moment irritiert an. Tante Petunia packte die Schultern ihres Sohnes fester.

„WAS ist hier geschehen!", verlangte Onkel Vernon mit lauter Stimme zu wissen. Amelia sah ein, dass diese abgehackte Berichterstattung ihren Onkel maßlos überforderte.

„Draco ist von zuhause weggelaufen. Er wurde schwer verletzt. Als er hier ankam habe ich ihn geheilt. Dann hat Dudley Draco beleidigt und sie haben sich geprügelt. Dudley ist weggelaufen und als die Polizei kam habe ich dafür gesorgt, dass sie sich da heraushält. Es gibt einen Grund warum unser Ministerium die Zauberei geheim hält und das letzte was wir brauchen ist, dass die Polizei sich in Zaubererangelegenheiten einmischt."

„Haben seine Eltern also eingesehen, dass sie keine solche Missgeburt gebrauchen können", sagte Onkel Vernon schadenfroh.

Doch Amelia verdrehte die Augen. „Oh Bitte, Dracos Eltern sind Hexe und Zauberer. Sie halten noch weniger von Menschen wie dir, als du von ihnen hältst. Dies hier war der Beginn eines Krieges. Eines Krieges wie es ihn das letzte Mal vor vierzehn Jahren gab."

„Jetzt übertreib nicht", sagte Onkel Vernon.

„Ich übertreibe nicht. Bald werden Menschen sterben, viele Menschen. Denn er ist wieder da. Lord Voldemort ist zurückgekehrt."

Onkel Vernon reagierte nicht darauf. Sie hätte genauso gut Hudini sagen können, doch Tante Petunia zog scharf die Luft ein. Sie starrte Amelia mit schreckensgeweiteten Augen an.

„Zurück", hauchte sie und Amelia wurde klar, dass sie wohl die einzige der Dursleys war, die erahnen konnte, was es bedeutete, dass Lord Voldemort zurückgekehrt war. Schließlich waren auch ihre Eltern durch ihn und seine Anhänger gestorben. Auch Petunia hatte einen Teil ihrer Familie verloren.

„Ich habe ihn gesehen", sagte Amelia etwas sanfter, direkt an Petunia gewandt. „Er hat mich gefoltert, sodass ich mein Kind verloren habe. Wir sind alle in Gefahr. Ich werde dieses Haus so bald wie möglich verlassen. Ich werde nicht zurückkommen. Was danach geschieht liegt an euch. Ich würde euch raten, England zu verlassen. Nenn es einen ersten und letzten Rat von mir, Tante Petunia. Wenn du den von mir annehmen kannst."

„England verlassen?", hauchte Tante Petunia und sah sich einen Moment verängstigt in der Küche um.

„Garnichts werden wir verlassen!", sagte Onkel Vernon. „Egal was dieser Lord was-weiß-ich getan hat. Dies hier ist mein Haus. Für sowas gibt es die Polizei!"

Amelia lachte kalt auf.

„Eure Polizei kann euch doch nicht mal vor mir beschützen. Voldemort hat vor vierzehn Jahren hunderte Menschen ermordet. Von uns Getarnt, als schwere Naturkatastrophen und Unglücke. Das Ministerium war vollauf damit beschäftigt zu vertuschen, dass es Magie gibt. Eure Polizei kann euch vor Magie nicht beschützen. Tut was ihr für das beste haltet. Aber mein Rat ist: Verlasst England. Es ist für Menschen wie euch nichtmehr sicher."

Amelia wandte sich zum Gehen. Sie hatte alles gesagt, was es zu sagen gab.

„Du bleibst gefälligst hier", donnerte Onkel Vernon mit hochrotem Kopf.

„Was möchtest du denn noch? Wir sind fertig miteinander", sagte Amelia resigniert.

„Wir sind fertig, wenn ich es sage!"

Ihr Blick glitt zu der Familie und einen Moment verdrängte Amelia, was sie für eine schwere Zeit bei ihnen gehabt hatte. Sie verdrängte, wie sehr sie sie verachtete und plötzlich taten sie ihr leid. Sie wurden in etwas hineingezogen, dass nichts mit ihrer Welt zu tun hatten. Sie hatten Angst und konnten sich nicht selbst helfen. Denn sie waren schwach. Sie waren nur Muggel.

„Es tut mir leid, dass ihr hier mit hineingezogen wurdet. Das habt ihr nicht verdient. Ich kann Dudleys Wunden heilen, aber mehr kann ich nicht für euch tun."

„Du wirst nicht an meinem Sohn herumzaubern!", sagte Onkel Vernon.

„Gut, dann wäre das geklärt", sagte Amelia abweisend. „Was dich angeht, Dudley. Es tut mir leid, was Draco dir angetan hat. Ich weiß, wie es sich anfühlt. Aber es gibt Dinge, die du anderen Menschen nicht an den Kopf werfen solltest. Vielleicht hast du etwas daraus gelernt."

„Was hat er mit Diddy gemacht", fragte Tante Petunia ängstlich und umklammerte ihren Sohn als könnte er sich jeden Moment in Luft auflösen.

„Du würdest es nicht verstehen. Du musst nur wissen, dass es wieder besser wird."

„Er ist böse", sagte Dudley gequält. „Dein Freund ist einfach nur böse, Amelia."

Amelia musterte Dudley wie er so auf dem Stuhl hockte. Sie fand es verdammt dreist von Dudley, Draco als böse zu bezeichnen. Draco war kein Unschuldslamm, war er nie gewesen, aber Dudley auch nicht.

„Nein, er ist nicht böser als du. Überdenk einmal, wie du selbst bist, bevor du über andere Urteilst. Ich werde nicht zulassen, dass du schlecht von Draco sprichst." Amelias Stimme hatte schärfer geklungen als sie beabsichtigt hatte.

„So kannst du nicht mit Diddy sprechen. Diddy ist doch nicht böse!", ereiferte sich Tante Petunia.

Amelias Gesichtsausdruck verdeutlichte zu gut, dass sie ziemlich wenig von dieser Aussage hielt.

„Ich werde nichtmehr mit euch streiten. Ich habe für mein Leben genug mit euch gestritten. Wir sind fertig miteinander. Gebt mir noch ein paar Tage und ihr seht mich nie wieder. Versprochen."

Ohne sich noch einmal umzudrehen, ging Amelia aus der Küche. Sie würde dieses Kapitel ihres Lebens ein für alle Mal beenden.

Die Nacht blieb ruhig und auch die nächsten Tage brachten ungetrübten Sonnenschein.

Sie machte sich schreckliche Sorgen um Draco, aber wenn sie nun losstürzen würde, brächte sie ihn nur in Gefahr. Ganz zu schweigen von sich selbst. Die Menschen um sie herum waren nicht sicher.

Dass, was sie am meisten störte war die Tatsache, dass es um Voldemort so ruhig blieb. Im Tagespropheten war nichts Ungewöhnliches zu lesen. Keine Todesfälle, keine verschwundenen Zauberer. Es schien, als sei Voldemort nie zurückgekehrt.

Amelia trug ihr Feindglas bei sich, doch wann immer sie hineinblickte, sah sie nur undeutliche Gestalten. Keiner wagte sich in ihre Nähe.

All diese Entwicklungen machten ihr Sorgen. Sie hatte erwartet, dass zumindest Todesseraktivitäten zu bemerken sein würden, mit denen sie die Leute auf ihre Seite ziehen konnte, doch es geschah nichts. Einfach nichts.

Zwei Tage später schickte Draco ihr Beatrix, seine Eule, vorbei. Sein Brief war kurz, aber Amelia verstand das sie vorsichtig sein mussten.

Ich bin in Sicherheit. Mach dir keine Sorgen. Ich kümmere mich um einen besseren Ort.

Draco

Mehr schrieb er nicht und Amelia war erleichtert. Sie nutzte die Gelegenheit, dass Beatrix vorbeikam, um Daphne einen Brief zu schicken.

Nichts Konkretes, falls jemand mitlas. Nur wie es ihr ging und dass sie sich auf Hogwarts freute. Von Daphne kam nur eine ebenso nichtssagende Antwort zurück. Amelia versuchte etwas zwischen den Zeilen zu lesen. Aber falls dort etwas stand, dann verstand sie es nicht. Der Brief konnte alles und nichts bedeuten. Am liebsten wäre sie zu Daphne gefahren und hätte nachgeschaut, wie es ihr ging. Aber das hätte sie in noch ganz andere gefahren gebracht.

Jetzt da Dudley furchtbare Angst hatte, Draco könnte kommen und ihn umbringen, war das Leben im Ligusterweg um einiges erträglicher. Auch die Kühlungszauber mit denen sie ihr Zimmer belegt hatte, besserten ihre Laune auf.

Trotz allem war Amelia unruhig. Sie musste wissen was da draußen passierte.

Ihre ganze Freizeit nutzte sie dazu, an einer Möglichkeit zu forschen gefahrlos zu kommunizieren. Eulenpost war einfach zu unsicher. Es musste eine totsichere Methode geben, etwas das nicht abgehört werden konnte. Etwas, das nicht mal sie abhören konnte.

Es dauerte fast zwei weitere Wochen, bis sie ein gutes Modell entworfen hatte. Ihr fünfzehnter Geburtstag begann und die Dursleys taten ihr den Gefallen diesen Abend wegzufahren, was Amelia ungemein freute.

Nachts fuhr Amelia aus dem Schlaf hoch. Im ersten Moment dachte sie, die Dursleys wären nach Hause gekommen, doch dann stieß jemand gegen ihre Schutzzauber. Jemand der Magie beherrschte.

Ohne zu zögern, sprang Amelia aus dem Bett. Sie machte sich nicht mal die Mühe sich etwas anzuziehen. Nur im Nachthemd bekleidet schlich sie die Treppe hinunter und lugte durch den Türspion.

Da standen sechs Personen in dunklen Umhängen am Eingangstor des Grundstückes. Amelias Herz schlug ihr bis zum Hals.

Einer von ihnen nickte einer anderen Gestalt zu und der verhüllte Zauberer schwang sich einfach über die Gartenmauer. Amelia schluckte. Keiner ihrer Zauber reagierte. Das war unmöglich.

Der Zauberer erreichte ungehindert die Haustüre. Kurz bevor er ankam, riss Amelia die Türe auf und dachte Sectumsempra. Der Fluch traf den Mann mitten in die Brust. Er hob seinen Zauberstab und ein dunkler Fluch jagte in ihre Richtung, bevor sie reagieren konnte. Doch als er sie traf, war nicht mehr, als ein sanftes Kitzeln zu spüren und das Beltanesiegel kribbelte auf ihrem Arm.

„Draco!", rief Amelia erleichtert aus und lief auf ihn zu. Seine Kapuze rutschte hinunter, als sie ihm um den Hals fiel.

„Wolltest du mich umbringen?", fragte er belustigt und legte seine Lippen auf die ihren.

„Ich habe dich vermisst", antwortete sie und sah hinauf in sein Gesicht. Die Narbe die Voldemort ihm zugefügt hatte, hob sich noch immer rot von seiner blassen Haut ab.

„Wir sind hier, um dich mitzunehmen", sagte Draco und nickte zu den anderen hinüber. „Allerdings haben sie sich nicht durch deine Bannzauber getraut. Der Gartenzaun hätte Sirius gerade beinah erschlagen."

Amelia musste grinsen. „Schutzzauber sind nur gut, wenn sie wirken", sagte Amelia und folgte Draco zu der Gruppe Zauberer.

„Ist sie die richtige?", knurrte ein Zauberer und Amelia erkannte die Stimme als Moodys.

„Ja", sagte Draco und nickte.

„Wir sollten reingehen. Nicht, dass die Muggel euch sehen", sagte Amelia und öffnete das Tor.

„Du hast mit den Sicherheitsvorkehrungen jedenfalls nicht untertrieben", sagte Sirius und Amelia sah, dass er eine Platzwunde am Kopf hatte.

„Ich kann mich drum kümmern, wenn wir drinnen sind", sagte sie.

„Los, los", sagte Moody und trieb sie ins Haus. Der letzte schloss die Türe und Amelia war überrascht Kingsley Shacklebolt zu erkennen, den Auror von der Quidditch-Weltmeisterschaft.

„Sind das nicht ein bisschen viele nur um mich abzuholen?", fragte Amelia überrascht.

„Oh, es wollten noch mehr kommen, aber Moody hat es ihnen verboten", sagte eine Hexe mit herzförmigem Gesicht und stachligen lila Haaren. Sie kam Amelia entfernt bekannt vor.

„Kennen wir uns?", fragte sie.

„Das ist meine Cousine Nymphedora Tonks, sie ist Aurorin", stellte Draco vor.

„Nicht Nymphedora, Draco.", sagte die Hexe und wandte sich an Amelia. „Nenn mich einfach Tonks, das machen alle."

„Du bist Andromedas Tochter", stellte Amelia fest. Der der Name Tonks in Erinnerung geblieben war.

„Du kennst meine Mutter?", fragte die Hexe überrascht.

„Eine Black halt", sagte Amelia und zuckte die Schultern. Andromeda war aus ihrer Familie verstoßen worden, da sie einen muggelstämmigen geheiratet hatte. Tonks war ein Halbblut wie sie.

„Du bist groß geworden, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben", sagte eine andere Gestalt und Amelia erkannte Remus Lupin. Er wirkte jung neben Shacklebolt und Moody, obwohl sein Haar von grauen Strähnen durchzogen war.

„Es freut mich Sie zu sehen. Wie ist es Ihnen ergangen?", fragte Amelia. Lupin zuckte mit den Schultern. „Wie immer", sagte er und Amelia hörte das bittere in seiner Stimme. Er war ein Werwolf, sein Leben würde immer bitter sein.

Sirius ließ sich auf das Wohnzimmersofa fallen und Erdklumpen landeten auf Tante Petunias blitzsauberen Boden.

„Lass mal die Wunde sehen, Sirius", sagte Amelia und kam auf ihn zu.

„Ist nicht so wichtig", sagte Sirius und winkte ab. „Du solltest nicht zaubern. Nicht, dass das Ministerium dich erwischt."

Amelia warf Draco einen verwirrten Blick zu. Hatte er ihnen nichts erzählt?

„Sie wissen das wir keine Spur mehr haben", sagte Draco, als hätte er ihre Gedanken gelesen. „Ich habe ihnen allerdings nicht gesagt warum."

„Ich habe es dir schon hundertmal gesagt. Diese Geheimniskrämerei ist eine schlechte Angewohnheit", knurrte Moody und sein magisches Auge huschte von Draco zu Amelia.

„Umso weniger ein Geheimnis kennen, ums weniger können es verraten. Es ist immer gut noch einen Zauberstab im Ärmel zu haben", antwortete Amelia und Draco grinste siegesgewiss.

„Also erzählst du es uns nicht?", fragte Tonks enttäuscht.

„Eher nicht", antwortete Amelia und lächelte entschuldigend.

„Also Tonks, den Wetteinsatz bitte", sagte Sirius und hielt ihr die Hand hin.

„Nachher", sagte Tonks mit schmollender Mine.

„Ihr habt gewettet?", fragte Amelia überrascht.

„Die versuchen schon seit Tagen herauszufinden, wie wir die Spur losgeworden sind. Sirius und Tonks haben gewettet, ob du es ihnen erzählst. Dein Patenonkel meinte du seist zu verschwiegen."

Amelia musste grinsen. Sirius kannte sie wohl langsam besser als sie erwartet hatte.

„Da bekommen sie noch mehr aus dir heraus", erwiderte Amelia lächelnd an Draco gewand.

„Du solltest dich fertigmachen, wir brechen bald auf", sagte Moody und blickte auf seine Uhr, die mit verschiedenen Zeigern versehen war.

„Wie reisen wir?", fragte Amelia.

„Auf Besen", sagte Lupin und Amelia starrte ihn an.

„Wie auf Besen? Warum apparieren wir nicht?"

Draco schnaubte.

„Eigentlich wollten sie dich schon früher abholen. Aber keiner hat sich durch deine Schutzzauber getraut. Deshalb musste ich mitkommen und es ist etwas spät geworden. Aber da wir beide keine Apparierlizenz haben und das Ministerium gerade ganz scharf darauf ist uns wegen irgendwas dranzukriegen, müssen wir fliegen. Wahrscheinlich würden sie uns auch noch wegen jedes Funkens Magie verklagen, wenn sie sie aufspüren könnten."

„Na ganz toll", sagte Amelia unbegeistert. „Ich geh kurz meine Sachen holen."

„Ich komm mit", sagte Tonks und sprang hinter ihr die Treppe hoch.

In Amelias Zimmer lag kaum etwas herum. Sie verstaute immer alles in ihrer ausdenbaren Tasche, aus Sorge, sie müsste jeden Moment fliehen.

„Komisches Zimmer", kommentierte Tonks und nahm eine kaputte Spielekonsole aus dem Regal.

„Das Zeug gehört meinem Cousin", sagte Amelia und schlüpfte in ihre Hose.

„Ich kenne so was von meinem Onkel, er ist ein Muggel", sagte Tonks.

Sie beobachtete Amelia die ihren Umhang überwarf und die Sachen, die auf dem Schreibtisch lagen, in ihrem Beutel schob. Danach quetschte sie den großen Hogwarts Koffer hinein.

„Irgendwie hatte ich erwartet, dass du anders aussiehst", sagte Tonks.

„Warum das denn?", fragte Amelia.

„So eine richtige Schönheit eben. Die Klatschpresse macht dich zu einer Femme Fatale. Auch Draco ist dir total verfallen, dabei siehst du ganz normal aus."

Amelia stockte. Das war wirklich verdammt direkt. Sie wusste nur zu gut, dass sie keine Schönheit war wie Daphne. Was erwarteten die Leute denn von ihr.

„Man braucht halt nicht umwerfend aussehen damit die Presse einen durch den Schmutz zieht", antwortete Amelia kühl und schloss ihre kleine Handtasche.

„Ich glaub eine andere Haarfarbe würde dir gut stehen", sagte Tonks und spitzte die Lippen.

„Du meinst Lila?", fragte Amelia und warf einen fragenden Blick auf Tonks Haare.

„Oh, gefällt es dir nicht?" Tonks sah in den Spiegel, der an der Schranktür hing.

„Ich fände rot besser", sagte Amelia.

„Gleich gemacht", sagte die Hexe und kniff angestrengt die Augen zusammen. Einen Augenblick später verfärbten sich ihre Haare in ein helles Signalrot.

„Du bist ein Metamorphagus", stellte Amelia beeindruckt fest.

„Ah, ja. Hat mir Spitzennoten in Tarnung eingebracht, ohne dass ich lernen musste. Hatte meine Aurorenprüfung grad erst vor einem Jahr musst du wissen."

„Dann kennst du Rufus Scrimgeour?", fragte Amelia beiläufig, während sie weiter packte.

„Ja, klar. Er ist der Leiter des Aurorenbüros. Ziemlich steifer Typ, wenn du mich fragst. Aber er hat uns alle geschunden damit wir die Wahrheit über Sirius rausfinden."

„Weißt du wie er zu der Sache hier steht?", fragte Amelia leise.

Tonks zuckte mit den Schultern.

„Wenn sie mir keine Beweise vorlegen können, gehen sie mir aus den Augen", äffte Tonks ihn nach. „Er braucht für alles Beweise. Ich hatte Dirk Cathwell erwischt, der mit eindeutig schwarzmagischen Gegenständen gehandelt hat. Leider hat der Drecksack das Zeug verschwinden lassen, bevor ich es beschlagnahmen konnte und Scrimgeour hat ihn einfach laufen lassen", erzählte Tonks, als sie die Treppe runtergingen.

„Das ist bitter", nickte Amelia zustimmend.

Im Wohnzimmer waren Shacklebolt und Sirius gerade dabei den Fernseher zu untersuchen, während Draco nur gelangweilt mit verschenkten Armen an der Wand lehnte. Man sah ihm an, dass ihm das Muggelhaus zuwider war. Amelia unterdrückte ein Seufzen. Sie würde nie wieder hierher zurückkehren. Es machte sie melancholisch und glücklich zugleich.

„Da seid ihr endlich", sagte Draco, als er sie bemerkte.

„Draco hat sich furchtbare Sorgen um dich gemacht", flüsterte Tonks Amelia zu. „Er tut jetzt zwar ganz cool, aber er hat richtig Druck gemacht, dass wir mit dem Hauptquartier fertig werden."

„Ich bin auch froh hier wegzukommen", sagte Amelia. Sie musste Draco unbedingt fragen was das mit dem Hauptquartier zu bedeuten hatte.

„Ich habe hier einen Brief für deine Tante und deinen Onkel, damit sie sich keine Sorgen machen", sagte Lupin und Amelia warf ihm einen zweifelnden Blick zu.

„Das werden sie nicht. Sie werden froh sein, wenn ich weg bin und ich bin froh, dass ich nie wieder hierher zurückkehren muss."

„Ich lasse den Brief trotzdem hier", sagte Lupin und Amelia zuckte mit den Schultern.

„Wir sollten rausgehen und uns bereitmachen. Das Zeichen müsste bald kommen", knurre Moody.

„Welches Zeichen?", erkundigte sich Amelia.

„Wir fliegen mit dem Besen nach London", erklärte Draco. „Draußen sind noch ein paar andere die Wache halten, damit die Route sicher ist. Sie melden sich, wenn alle in Position sind."

„Wie fliege ich? Ich habe keinen Besen", gab Amelia zu bedenken.

„Du kannst meinen Nimbus haben. Sirius hat ihn mir wiedergegeben. Ich habe noch meinen alten Komet."

„Wir halten uns alle streng an den Plan", knurrte Moody und warf Draco einen düsteren Blick zu.

„Wir fliegen in enger Formation. Tonks fliegt voraus, ich hinter dir und Remus unter uns. Der Rest umkreist uns. Sollte jemand getötet werden, fliegst du einfach weiter. Im Osten wartet die Nachhut, die dich dann in Empfang nimmt."

Amelia sah in ungläubig an. „Ich werde bestimmt nicht flüchten, wenn wir angegriffen werden."
„Genau das versuche ich Moody auch schon seit Tagen zu erklären", antwortete Draco darauf.

„Ihr beide werdet euch auf keinen Fall einmischen. Malfoy bleibt immer an deiner Seite. Das ist etwas für erwachsene Zauberer", knurre Moody und warf ihnen böse Blicke zu. Amelia und Draco warfen sich genervte Blicke zu. Wenn es nach der Spur ging, waren sie erwachsen.

„Dann gehen wir", sagte Amelia missgelaunt.

„Nicht so schnell. Wir müssen dich erst desillusionieren", sagte Lupin.

Moody pochte ihr mit seinem Zauberstab auf den Kopf und sie spürte, wie der Zauber über sie hereinbrach.

„Der kam gut", sagte Tonks.

„Ich fühle mich schon wieder fast, als könnte ich nicht Zaubern", sagte Amelia und betrachtete ihre desillusionierten Hände.

„Warum apparieren wir nicht einfach mit Seit-an-Seit apparieren", erkundigte sich Amelia missmutig.

„Seit-an-Seit apparieren kann einer Spur hinterlassen, die verfolgt werden kann", sagte Draco und reichte ihr seinen Nimbus 2001. „Ich bringe dir apparieren bei, sobald wir Zeit haben", versprach Draco und Amelia nickte dankbar.

„Keine Sorge, wir haben uns schon was dabei gedacht. Dir wird nichts passieren", sagte Shacklebolt und Amelia seufzte ergeben.

Sie gingen hinaus in den Garten. Das Signal kam und sie machten sich startbereit. Als grüne Funken in den Himmel stiegen, stießen sie sich vom Boden ab.

Es war zwar eine laue Sommernacht, doch oben in der Luft war es ziemlich kalt. Sie flogen sehr hoch und immer durch die Wolken, damit die Muggel sie nicht entdeckten. Amelia verfluchte Moody jedes Mal, wenn er wieder die Richtung änderte.

Obwohl alle wachsam waren, geschah nichts. Unter ihnen veränderte sich die Landschaft und die Lichter von London kamen in Sicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit setzten sie zum Landeanflug an. Sie landeten auf einem ungepflegten Platz. Die Häuserfassaden waren heruntergekommen und überall lag Müll herum. Moody ließ ein silbernes Feuerzeug schnappen und alle Lichter um sie herum gingen aus.

Amelia rümpfte die Nase, als der Dreck der Umgebung übelerregend zu ihr herüber waberte. Sie folgte den anderen jedoch klaglos zur gegenüberliegenden Straßenseite.

„Lesen und einprägen", knurrte Moody und hielt ihr ein Stück Pergament hin. Darauf stand in geschwungener Handschrift:

Das Hauptquartier des Phönixordens befindet sich am Grimmauldplatz Nummer zwölf, London.

Amelia nickte und gab Moody den Zettel zurück. Sie hatte so eine vage Ahnung was das zu bedeuten hatte.

Amelia wandte sich den Häusern zu. Nach Elf kam die Nummer Dreizehn. Doch kaum hatte Amelia an das Haus Nummer zwölf gedacht, erschien es wie aus dem Nichts. Es sah nicht viel einladender aus, als die Häuser drum herum, doch das Haus hatte weder ein Klingelschild noch einen Briefkasten. An der Haustüre war nur ein silberner Türklopfer angebracht. Er hatte die Form einer Schlange.

Lupin klopfte mit dem Zauberstab gegen die Tür und sie öffnete sich unter vielfachem klicken.

Sie traten ein und kamen in einen dunklen Flur. Die schäbigen Tapeten schälten sich von den Wänden und es roch nach Moder und Fäulnis. Nicht gerade der Ort, an dem sie leben wollte.

Moody hob den Desillusionszauber auf, der auf ihr lag und Amelia sah sich unbehaglich um.

„Hier lang", sagte Draco und ging vor. Zusammen gingen sie eine Treppe nach unten ins Untergeschoss. Durch eine morsche Tür kamen sie in einen steinernen Raum. Ein großer Tisch stand in der Mitte und auf der einen Seite prasselte ein großes Feuer.

Es waren ein paar andere Hexen und Zauberer anwesend. In einer Ecke sitzend erkannte sie Severus Snape und nickte ihm zu. Auf der Kopfseite saß Albus Dumbledore und streichelte seinen Phönix Fawkes.

„Phönixorden also?", fragte sie leise an Draco gewandt.

„Die alten Widerstandkämpfer vom ersten Krieg. Du weißt natürlich wer sie anführt", flüsterte Draco zurück und nickte zu Dumbledore rüber.

Amelia ging hinüber zu Dumbledore. „Hallo, Professor."

„Ich hoffe, ihr hattet einen guten Flug", erwiderte Dumbledore mit einem schalkigen Lächeln.

„Herrliches Wetter, Professor", sagte Amelia ironisch.

„Wir haben gleich eine Besprechung. Draco wird dir dein Zimmer zeigen."

„Ich wollte mich nur bei ihnen bedanken. Dass sie mir glauben, dass sie mich in Schutz nehmen. Der Tagesprophet spielt ihnen übel mit", sagte Amelia. In den letzten Wochen waren immer mehr kleinere Artikel erschienen. Unter anderem war Dumbledore aus dem Zaubergamot herausgewählt worden.

„Das ist eine Selbstverständlichkeit. Die, die wir die Wahrheit kennen, müssen zusammenhalten, ansonsten hat Voldemort bereits gewonnen."

Amelia nickte. „Das sehe ich auch so. Wir sollen dann gehen, oder?"

Dumbledores Augen blitzen, doch das Lächeln verschwand nicht daraus.

„Ich glaube neben Professor Snape sind noch zwei Plätze frei", sagte Dumbledore.

„Danke, Professor", sagte Amelia und ging zu dem freien Platz.

„Ich durfte bis jetzt nur in Ausnahmefällen an den Besprechungen teilnehmen", sagte Draco leise. „Nur, wenn sie Informationen von mir wollten oder meine Hilfe brauchten, wie bei deiner Abholung."

„Du hast ihnen nicht gesagt was wir getan haben?", fragte Amelia zurück.

„Nein, auch wenn alle ganz scharf drauf waren. Ich musste ihnen sagen, dass deine Magie nicht auf mich wirkt. Aber ich glaube nicht, dass sie auch nur eine Ahnung haben. Außer Dumbledore vielleicht."

„Gut. Nach dem, was du gesagt hast, müssen wir vielleicht selbst noch herausfinden, was wir getan haben."

Sie setzten sich neben Professor Snape. Ihr Zaubertrankprofessor hatte eine düstere Mine aufgesetzt.

„Wie geht es dir, Severus?", fragte Amelia leise und beugte sich zu ihm herüber.

„Mich überrascht, dass du hierbleiben darfst", erwiderte er, ohne auf ihre Frage einzugehen.

„Er weiß, dass ich alles was ich wissen möchte, aus den Gedanken des nächsten Ordensmitgliedes lesen kann", sagte Amelia leise.

Severus warf ihr einen Blick zu und Amelia glaubte seine Augen zufrieden Funkeln zu sehen.

Der Raum füllte sich langsam, als immer mehr Ordensmitglieder eintrafen.

„Wie sieht die Situation aus?", fragte Amelia leise an die beiden Zauberer zu ihrer Rechten und Linken.

„Der Dunkle Lord hält sich bedeckt, du hast ihm seine Rückkehr zerstört, indem du Dumbledore auf den Plan gerufen hast. Du hättest nicht überleben dürfen", sagte Severus leise.

„Leider macht das Ministerium alles kaputt. Fudge hat sich darauf verlegt dich und Dumbledore als unglaubwürdig darzustellen. Wir haben ihnen, mit deiner Schwangerschaft, leider einen perfekten Grund geliefert", fügte Draco hinzu.

„Sowas dachte ich mir schon. Der Tagesprophet war nicht gerade nett zu uns und die Kimmkorn hat sich einen bösen Artikel nach dem anderen ausgedacht."

„Die Hauptanliegen der meisten um Dumbledore ist nun, die Leute davon zu überzeugen, dass der Dunkle Lord zurückgekehrt ist um Mitglieder zu rekrutieren", sagte Severus düster und sah sich um.

„Gab es bis jetzt noch nichts Auffälliges? Hat der Dunkle Lord noch gar nichts getan?", hackte Amelia nach.

Severus musterte sie einen Augenblick eindringlich dann sagte er leise. „Er will die Prophezeiung. Deine Flucht hat ihn unruhig gemacht. Er ahnt nun, dass du keine normale Frau bist. Dazu scheint er sich sorgen wegen Mr Malfoy zu machen", sagte Snape und sah nun zu Draco hinüber, der den Kopf vorgelehnt hatte, um etwas zu verstehen. „Sie haben mit ihren Fähigkeiten bewiesen, dass Sie ein ernstzunehmender Gegner sind und Sie haben seinen letzten Fluch auch noch überlebt."

„Wenn wir das Duell zu Ende geführt hätten, hätte er gewonnen", sagte Draco bitter.

„Darum geht es nicht", sagte Amelia. „All das untergräbt seine Macht. Wie sehen das die meisten Todesser?"

„Sie zeigen es natürlich nicht offen, doch der ein oder andere zweifelt. Noch bist du jung, aber auf lange Zeit gesehen, wenn du dich nicht von Dumbledore einwickeln lässt, würden sie dir folgen", sagte Severus und seine Stimme wurde immer leiser, bis sogar Amelia sich anstrengen musste, um ihn zu verstehen.

„Danke", formten ihre Lippen und ihre Blicke trafen sich. Amelia lehnte sich wieder zurück auf ihren Stuhl.

„Wie will der Dunkle Lord an die Prophezeiung kommen? Soweit ich weiß, kennen nur Dumbledore und ich den kompletten Inhalt und keiner von uns würde es ihm verraten", sagte Amelia wieder in hörbarer Lautstärke.

„Es gibt eine Kopie. In der Mysteriumsabteilung in der untersten Etage des Ministeriums. Der Orden stellt dort immer Wachposten auf und auch sonst ist sie gut gesichert. Leider wissen wir nicht genau wie. Nun ja, ich glaube Dumbledore hat eine Ahnung. Aber er verrät es keinem", erklärte Severus und Amelia nickte.

Es schien, als seien alle angekommen, denn die Tür wurde geschlossen und Dumbledore stand auf.

„Wie ich gehört habe, war unsere Aktion, Amelia Potter zu uns zu holen, ein voller Erfolg", sagte Dumbledore und nickte in ihre Richtung viele Hexen und Zauberer sahen zu ihr herüber. Einige runzelten die Stirn, als sie bemerkten, dass Draco ebenfalls anwesend war.

„Außerdem ist es Hagrid gelungen, mit den Riesen Kontakt aufzunehmen."

Murmeln war zu hören und Amelia sah, wie Tonks sich zu Shacklebolt rüber beugte, um ihm etwas zuzuflüstern.

Mehr hatte Dumbledore anscheinend nicht zu verkünden, denn dann übergab er das Wort einer stämmigen schwarzhaarigen Hexe. Sie hieß Hestia Jones und arbeitete wohl im Zaubereiministerium. Sie berichtete, mit wem sie alles gesprochen hatte, wer ihnen zugeneigt war und wer zu feige war, um sich gegen Fudge zu stellen. Amelia prägte sich die Namen gut ein. Eine Debatte entbrannte, als der Name von Henry Davis viel. Sie stellten eine Liste zusammen, wer alles noch angesprochen werden konnte und Amelia erwähnt Arthur Weasley. Bei der letzten Quiddich Weltmeisterschaft waren er und seine Söhne den Muggeln mutig zu Hilfe gekommen. Dumbledore beobachtete sie unerlässlich, aber der Name Weasley rief Zustimmung hervor, also wurde er auf die Liste potenzieller Mitglieder aufgenommen. Danach besprachen sie, unter der Leitung von Shacklebolt die Einteilung für die Überwachung der Mysteriumsabteilung.

Als letzten Punkt auf der Tagesordnung lieferte Severus seinen Bericht ab. „Der Dunkle Lord hat Kontakt zu Fenrir Greyback, einem Werwolf aufgenommen", sagte Severus und sah dabei Lupin von der Seite aus an. Dieser straffte die Schultern.

„Des Weiteren hat sich nicht viel verändert. Der Dunkle Lord ist noch immer auf dem Anwesen der Malfoys, wo er sich stundenlang im Salon einschließt und keiner ihn stören darf", schloss Severus. Amelia warf Draco einen düsteren Blick zu. Er nickte mit verkniffenen Lippen. Sie wusste beide, dass er wohl nicht im Salon blieb.

„Das sind schlechte Nachrichten", sagte Amelia und alle im Raum wandten sich ihr zu. Moody musterte sie mit beiden Augen und das war immer ein unangenehmes Gefühl.

„Der Salon ist der Eingang zu den Katakomben unter dem Anwesen meiner Familie", fügte Draco hinzu. „Er wird wohl dort hinuntergehen. Schon während seiner ersten Herrschaft, hat Voldemort dort unten Experimente betrieben."

„Das heißt, er hat sich das Anwesen der Malfoys nicht zufällig als Stützpunkt ausgesucht", sagte Dumbledore nachdenklich.

„Davon können wir ausgehen", sagte Amelia an Dumbledore gewandt. „Tief unten bei der Gruft befindet sich ein riesiger Bannzirkel. Voldemort hat dort unten wirklich dunkle Forschung betrieben. Doch der Bannzirkel ist nicht vollständig, es ist ihm damals nicht gelungen ihn zu vollenden. Vielleicht ist es das, was er versucht."

„Kennst du dich an den Bannzirkel erinnern? Weißt du was er tut?", fragte Sirius.

„Ich bin praktisch auf dem Manor aufgewachsen. Natürlich waren wir neugierig und sind dort unten herumgelaufen", sagte Amelia und stand auf. Die Hexen und Zauberer im Raum warfen sich unsichere Blicke zu.

Amelia ignorierte es und nahm eines der noch leeren Pergamente, die auf dem Tisch herumlagen. Mit ihrem Zauberstab zeichnete sie die Umrisse eines Siebenecks. Sie konnte den Bannzirkel praktisch auswendig, so lange hatte sie über ihm gebrütet.

„Er ist nie fertig geworden. Was er wirklich bewirken sollte, ist nur schwer rekonstruierbar, da er so komplex ist. Die Runen sind in altem Futhark", sagte Amelia und deutete auf die Runenreihen, die außen um ihre Zeichnung herumliefen.

„Du kennst dich damit aus", stellte Lupin fest und beugte sich ebenfalls über die Zeichnung.

„Diese Runen hier, kommen mir bekannt vor, etwas mit fangen oder Gefängnis", sagte er und runzelte die Stirn.

Auch Dumbledore beugte sich nun über die Zeichnung.

„Du hast ein Amulett, Amelia, das diesem Bannkreis recht ähnlich sieht", stellte Dumbledore fest.

„Der Bannkreis in seiner gröbsten Form ist dafür geeignet Seelen zu fangen. Allerdings schien Voldemort Probleme mit der Definition zu haben. Ich habe den Bannkreis umgewandelt, um damit einem Patronus einzusperren", sagte Amelia.

„Einen Patronus?", vergewisserte sich Moody und seine Augen verengten sich zu Schlitzen.

„Kann ich das Amulett sehen?", fragte Dumbledore.

„Ich habe es nichtmehr. Ich musste es zerstören, weil ich seine Magie brauchte."

„Wozu?", fragte Draco, er schien überrascht.

„Als ich dich vor zwei Wochen geheilt habe, bist du ins Koma gefallen. Ich brauchte die Macht deines Patronus um dich aufzuwecken."

Draco nickte nachdenklich.

„Das ist keine Magie, mit der man herum Experimentieren sollte. Schon gar nicht wenn Voldemort sie nutzt", sagte Moody scharf und musterte Amelia.

„Erzähl uns, was du weißt, Amelia. Du hast den Bannkreis genau studiert", forderte Dumbledore sie auf und ließ sie dabei nicht aus den Augen.

„Wie schon gesagt, der Bannkreis fängt Seelen und hält sie in sich Gefangen. Seine Größe und Ausrichtung lassen auf einen enormen Radius schließen. Wahrscheinlich würde er sich bis nach Frankreich hinüber erstrecken und ganz England und Irland erfassen."

Einige Zauberer schnappten nach Luft.

„Was will er uns antun?", hauchte Tonks entsetzt.

„Ich glaube nicht, dass der Zauber sich gegen uns richtet, Tonks", erläuterte Amelia. „Mit dieser Runenanordnung hatte Voldemort Probleme. Sie definiert das Ziel des Zaubers."

Sie deutete auf mehrere Runen die Spiralförmig, in der Mitte angeordnet waren.

„Er hat mehrere Runen aus dem jüngeren Futhark eingesetzt, weil es diese Worte im alten noch nicht so genau definiert gab. Eine davon ist die Rune für Muggel."

„Das heißt, dass es mit dem Bannkreis möglich ist, Muggeln ihre Seelen zu entziehen", sagte Lupin entsetzt. Mehrere schnappten entsetzt nach Luft.

„Noch nicht, aber ja. Das dürfte das Ziel sein. Dabei geht es um alle Muggel, die sich in ganz England aufhalten. Wenn ich richtigliege, knapp siebzig Millionen Muggel", sagte Amelia. Es wurde still in der steinernen Küche, als alle darüber nachdachten was das zu bedeuten hatte.

„Wie lange weißt du das schon?", fragte Dumbledore, er sah sehr besorgt aus.

„Schon seit Jahren", gab Amelia offen zu. „Ich hatte mir überlegt den Bannkreis zu modifizieren, als Voldemort nach England zurückkehrte. Ich hätte seine Seele damit fangen können. Doch dann wurde ich schwanger, bevor ich dazu kam und ich wollte mein Kind nicht mit schwarzmagischen Experimenten gefährden. Ich muss zugeben, ich dachte ich hätte mehr Zeit", stellte Amelia fest. Ihre Stimme klang bitter.

„Deshalb warst du in den Katakomben, als wir zu Ostern im Manor waren", sagte Draco überrascht.

Amelia nickte zustimmend.

„Aber Du-weißt-schon-wer braucht die Muggel. Die Zauberer brauchen die Muggel, ohne sie ist unsere Gesellschaft nichtmehr überlebensfähig. Sie bauen unser Essen an und wir kaufen Rohstoffe von ihnen. Was machen wir ohne den Handel, wenn sie alle Tod sind", sagte Hestia Jones entsetzt.

„Er tötet die Muggel nicht", antwortete Draco ihr, der sehr schnell Voldemorts Absichten begriffen hatte. Vielleicht war ihm der Gedanke nicht so fremd. „Sie sind seelenlose Hüllen, steuerbar wie Inferi. Sie können arbeiten und existieren. Nur, dass sie sich nicht widersetzen."

Amelia griff den Faden auf.

„Von einem mächtigen schwarzen Magier gelenkt, würde es kaum einen Unterschied für außenstehende machen. Keiner würde es bemerken nur, dass die Zauberer frei wären, frei zu gehen, wohin sie wollen und zu zaubern wann sie wollen."

„Das ist grausam", sagte Tonks tonlos. Ein heruntergekommener Zauberer, der neben ihr saß, zündete sich eine Pfeife an und pafft dicke Rauchwolken heraus.

„Wir müssen das unbedingt verhindern", sagte Shacklebolt entschlossen.

„Wenn das also der große Plan des Dunklen Lords ist", begann Severus mit düsterer Stimme „Warum hat er dann nie etwas darüber verlauten lassen?"

Einige nickten zustimmend und sahen Amelia fragend an.

„Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil er nicht weiß, ob es ihm jemals gelingen wird? Wir sprechen hier von keinem einfachen Zauber. Das ist hohe experimentelle schwarze Magie. Das ist mehr als jemals jemand vor ihm auch nur versucht hat. Ich habe Monate gebraucht, um auch nur ansatzweise zu verstehen, wie der Bannkreis funktionieren soll. Es ist nicht sicher, ob es ihm jemals gelingen wird ihn zu vollenden."

Das schien die Hexen und Zauberer jedoch nicht sonderlich aufzumuntern.

„Was auch immer Voldemort planen mag, gemeinsam können wir das verhindern. Ich bin sicher, dass es möglich ist, diese Art von Magie zu blockieren", sagte Dumbledore und die Leute begannen sich zu beruhigen. „Jetzt da wir gewarnt sind, können wir handeln."

Dumbledore sah in die Runde.

„Ich schlage vor, dass wir uns bis in einer Woche vertagen. Dann können wir weiteres besprechen."

Die Besprechung schien aufgehoben und Dumbledore nahm das Pergament, mit dem Bannkreis, an sich. Alle begannen nun wild durcheinander zu reden.

„Ich mache mich dann auch auf den Weg", sagte Severus und stand auf.

„Pass auf dich auf", sagte Amelia besorgt und blickte zu ihm auf. Severus schenkte ihr ein kurzes Lächeln. Dann verließ er als erster den Raum.

„Was ist passiert, nachdem du weg bist?", fragte Amelia an Draco gewandt und sah sich die Versammelten an. Es war ein wirklich bunt zusammengewürfelter Haufen.

„Ich bin kurz zu Blaise, meine Sachen holen, aber dann noch in der gleichen Nacht ins St.-Mungos. Dort hat Dumbledore mich gefunden. Er schien genau zu wissen, dass ich da war. Wir haben uns unterhalten und dann hat er mich zu Sirius gebracht. Ich war bis jetzt bei Sirius zuhause, aber ich bleibe jetzt mit dir hier."

„Das Haus ist ziemlich morsch, woher habt ihr es?"

„Es gehört mir", sagte Sirius hinter ihnen und setzte sich auf den Stuhl auf dem Severus gesessen hatte. „Das ist mein altes Elternhaus. Ich habe es Dumbledore zur Verfügung gestellt. Hier hat seit zehn Jahren keiner mehr gelebt, außer dem alten Hauself meiner Mutter.

Leider hat der nicht sonderlich viel geputzt, dementsprechend sieht es hier aus. Wir haben jetzt ein Zimmer und Bad saubergemacht, in dem ihr schlafen könnt. Und die Küche als Versammlungsraum", erklärte Sirius und deutete in den Raum.

„Wir bleiben nur zu zweit hier?", fragte Amelia nach.

„Ja. Remus war dafür, dass ihr einen Anstandswauwau braucht, aber wir sind nicht mit Putzen fertig geworden", sagte Sirius, sah aber nicht sonderlich unglücklich aus.

„Macht euch mal keine Sorgen ihr beiden", sagte nun Tonks und setzte sich zu ihnen. „Sirius kommt morgen früh wieder und sobald genug Zimmer sauber sind, bleibt er erst mal da. Das Hauptquartier muss immer besetzt sein."

Sirius verzog missmutig das Gesicht. „Ich freu mich schon, wenn ich endlich meinen neuen Job habe, dann müssen sie einen anderen finden der hier versauert."

„Was willst du machen?", fragte Amelia.

„Er will Busfahrer werden", sagte Draco grinsend.

„Busfahrer?", fragte Amelia überrascht.

„Ja, im Fahrenden Ritter. Der perfekte Platz, um Leute zu treffen und dazu komm ich mal ein bisschen raus. In einer Woche fange ich an." Der Gedanke schien ihn richtig zu freuen. Auch Sirius stand jetzt auf und zog sich den Umhang über.

„Ich sehe schon, du wirst nicht nur Zäune, sondern auch Häuser umfahren", lachte Tonks und kippte mit ihrem Stuhl nach hinten um. Alle lachten mit ihr.

„Bis morgen früh dann", sagte Sirius und auch Tonks verabschiedete sich.

Draco und Amelia gingen mit zur Tür und schlossen hinter den letzten die Schlösser zu.

„Es tut gut dich zu sehen", sagte Amelia und wandte sich Draco zu, nachdem das letzte Schloss zugeschnappt war.

Draco schloss Amelia in seine Arme und sie vergrub ihr Gesicht in seinem Hemd. Sehnsüchtig atmete sie seinen Geruch ein. „Ich habe dich vermisst."

Eine ganze Weile standen sie so im Flur und hielten sich einfach nur im Arm. Draco war der Erste, der sich löste.

„Komm, ich zeige dir unser Zimmer."

Zusammen stiegen sie die Treppe hinauf. Im ersten Stock öffnete Draco eine Tür und sie kamen in ein dunkles Schlafzimmer. Es war fürchterlich kalt und nass. Fast muffig. Draco schloss die Tür hinter ihnen zu.

„Dumbledore hat das Haus mit einem Fidelius-Zauber belegt", sagte er und beschwor ein großes Feuer in den Kamin. „Deshalb bist du hier sicher."

Amelia zog ebenfalls ihren Zauberstab und wirkte Schutzzauber um sie herum, sowie Heimlichkeitszauber. Sie wollte nicht, dass jemand zuhörte.

„Traust du Dumbledore?", fragte sie dann. Draco zuckte mit den Schultern und setzte sich auf das Bett.

„Ich weiß es nicht. Er hat mir geholfen, als ich nicht wusste wohin. Wahrscheinlich ist er ein guter Mensch. Ein ziemlicher Geheimniskrämer, nicht zu bestreiten, aber das bist du auch."

Amelia biss sich auf die Lippen.
„Keine Geheimnisse mehr, versprochen", sagte sie und trat zu ihm. „Ich werde dir nichts mehr verschweigen und wenn ich in Versuchung komme, dann erinnere mich daran."

„Sicher?", fragte Draco und packte sie um die Hüfte.

„Ganz sicher."

„Was läuft zwischen dir und Snape", fragte Draco wie aus der Pistole geschossen.

Das hätte ihr klar sein müssen, dass Draco sie danach fragen würde. Severus verhielt sich ihr gegenüber anders als allen anderen gegenüber. Das war nicht zu übersehen.

„Nichts, zumindest von meiner Seite aus", sagte Amelia zögerlich.

„Und von seiner?", hackte Draco nach und sah sie durchdringend an.

„Alles was ich dir anvertraue bleibt unter uns, ist das klar?", sagte Amelia mahnend und Draco nickte.

„Er hat meine Mutter geliebt. Ich sehe ihr so unendlich ähnlich, dass er sich da in etwas verrennt."

„Willst du damit sagen, das Snape dich liebt?"

„Er liebt nicht mich, sondern meine Mutter. Aber er sieht sie in mir."

„Also macht es praktisch keinen Unterschied", stellte Draco fest. Er ließ sie los und ging im Raum auf und ab.

„So ein mieser..." Draco verkniff sich alles Weitere. „Hat er jemals etwas mit dir gemacht?", fragte Draco scharf.

„Ich habe ihn geküsst", sagte Amelia und hielt die Luft an. Draco blieb abrupt stehen.

„Ich brauche seine Loyalität. Er muss für uns spionieren. Ich wollte herausfinden, ob ich mit meiner Vermutung über meine Mutter richtigliege. Deshalb habe ich das gemacht", fügte Amelia schnell hinzu. Das schlechte Gewissen stand ihr ins Gesicht geschrieben.

„Hast du noch mehr gemacht?", fragte Draco leise, bedrohlich.

„Nein, sonst nichts. Ich empfinde nichts für ihn", sagte Amelia und griff nach Dracos Hand, die sich zur Faust geballt hatte.

„Ich hätte es wissen müssen. Er sieht dich immer so komisch an", sagte Draco wütend. „Ich werde…"

„Du wirst gar nichts, Draco. Wir brauchen Snape. Wenn er für uns spioniert, weil er mich liebt, werden wir beide damit leben", sagte Amelia bestimmt. „Wir können uns unsere Verbündeten nicht aussuchen."

„Du nimmst ihn in Schutz", warf Draco ihr vor.

„In Schutz nehmen?", wiederholte Amelia wütend. „Wie glaubst du geht es mir dabei? Dass der Mann, der für mich einem Vater am nächsten kommt, immer nur den Schatten meiner Mutter in mir gesehen hat. Ich bin ihm doch total egal. Er sieht nur das, was ich verkörpere."

Draco und Amelia sahen sich einen Moment stur an. „Das ändert nicht, was da passiert ist."

„Er sieht das Gleiche in mir wie alle anderen, etwas das ich nicht bin. Nur etwas das ich sein soll. Das unterscheidet dich, von allen anderen Menschen, Draco. Du kennst alle Seiten an mir. Die Guten wie die Schlechten. Deshalb liebe ich dich", sagte Amelia verzweifelt und klammerte sich an Dracos Hand. Einen Moment maßen sich ihre Blicke, dann seufzte Draco ergeben und zog sie an sich.

„Gut, ich werde damit leben", gab er nach. „Aber, wenn er dich anrührt…" Amelia nickte. „Er ist nicht mehr als ein Werkzeug. Ihn zu benutzen ist reine Vernunft"

„Meine vernünftige Freundin", sagte Draco und küsste Amelia besitzergreifend.

Sein Körper presste sich an ihren und Amelia spürte, wie ihr Körper die Kontrolle übernahm, während ihr Kopf abschaltete. Sie hatte fast vergessen, was Draco mit ihr anstellte. Wie sehr sie ihn vermisst hatte.

Draco löste sich von ihr und sie blickten sich einen Moment nur schweigend an. Dann trafen sich ihre Lippen zu einem weiteren Kuss, doch diesmal sanfter, voller Liebe.

Der Feuerschein flackerte über Dracos blasse Haut und die blutrote Fluchnarbe hob sich bedrohlich von seinem Gesicht ab. Amelia fuhr mit ihrer Hand darüber und blickte ihn nachdenklich an.

„Was haben sie im St.-Mungo gesagt", fragte sie sanft und Draco wandte sich ab.

„Sie wussten keine Möglichkeit. Sie hatten nicht mal so Recht eine Ahnung, was geschehen ist."

Draco ging zu einem hohen Wandspiegel und sah hinein. Mit seiner Hand fuhr er über die magische Narbe in seinem Gesicht.

„Der Heiler meinte, du müsstest ihm genau erklären, was du getan hast. Dann bestände die Möglichkeit, den Fluch zu brechen. Sonst… Sonst werde ich für immer entstellt bleiben"

Amelia schluckte und trat neben ihn. Sie griff nach seiner Hand. „Man kann sie verbergen, wenn du möchtest", sagte sie sanft.

„Wäre dir das lieber?", fragte Draco und wandte das Gesicht von seinem Spiegelbild ab.

„Ich liebe dich, egal wie du aussiehst", sagte Amelia und drückte sich an ihn. Zärtlich strich sie über die Narbe.

„Du hast diese Narbe, weil du dich für mich entschieden hast", sagte Amelia traurig.

„Ich würde mich noch immer genauso entscheiden", erwiderte Draco und ergriff ihre Hand.

„Du hast mehr Mut bewiesen als die meisten anderen Zauberer. Darauf kannst du Stolz sein."

Draco senkte seine Lippen, auf die ihren und Amelia erwiderte, den Kuss. Er fuhr mit seiner Zunge in ihren Mund und seine Hände wanderten über ihren Rücken. Er war bei ihr, das war das wichtigste.

„Darf ich?", fragte Draco und fuhr mit einer Hand unter ihr Oberteil.

Amelia nickte und das Kleidungsstück viel zu Boden.

Draco betrachtete sie und sie spürte seinen Atem auf ihrer Haut. Mit einer Hand fuhr er zu dem Verhütungstalisman den sie um den Hals trug. Sie hatte ihn angelegt, nachdem sie die Bannzauber um das Haus der Dursleys gelegt hatte.

Draco sah sie fragend an und als Antwort küsste sie ihn.

Amelia fühlte sich etwas komisch. Es war das erste Mal, dass sie einander so nah waren, seit der Fehlgeburt. Aber sie brauchte seine Nähe und in seinen Augen hatte sie das gleiche Bedürfnis gesehen. Wenn sie sich berührten, schien alles um sie herum nebensächlich zu sein.

Draco stieß mit seiner Zunge gegen ihre Lippen und sie ließ ihn nur zu gerne ein. Sie spürte sein drängendes Verlangen und war nur allzu gerne bereit es zu stillen.

Mit fahrigen Bewegungen zog sie ihm das Hemd über den Kopf, um mit den Fingern über seine warme Haut zu streicheln. Draco begann ihren Hals zu küssen und seine Küsse schienen eine brennende Spur auf ihrer Haut zu hinterlassen. Sie hatte sich so nach ihm gesehnt.

Amelia drückte sich an ihn und fuhr über seine breiten Schultern, durch seine Haare. Sie liebte seinen Körper. So sehr wie sie fast alles an ihm liebte. Konnte man von jemandem besessen sein?

Leidenschaftlich schnappten ihre Lippen nacheinander und während sie Richtung Bett stolperten, vielen auch die letzten Kleidungsstücke.

Es war wie ein Strudel, der sie in sich einsog. Draco brauchte ihr nicht zu sagen, wie sehr er sie begehrte. Sie konnte es in seinem Blick lesen, sie konnte es in jeder Berührung spüren. Ihre Hände verschränkten sich miteinander und neben seinen Händen schienen ihre so zierlich zu sein, so verletzlich.

Amelia drückte den Rücken durch, ihm entgegen. Sein steifes Glied stieß gegen ihre Oberschenkel während er ihre Brüste liebkoste. Sie zog ihn hoch zu sich, sah in seine Augen und schlag die Beine um seinen Körper. Sein Atem strich über ihr Gesicht, als er langsam in sie eindrang. Sie stöhnte gegen seine geöffneten Lippen.

Wenn sie sich jemals körperlich geliebt hatten, dann war es an diesem Tag. Als er leidenschaftlich in sie stieß und sie seinen Bewegungen entgegenkam. Als sich ihre Körper umeinanderschlangen als wären sie zu einem verschmolzen. Wenn es möglich war, eine Ehe mit einem Akt zu besiegeln, dann wurde sie heute seine Frau.

Der Raum zuckte im Feuerschein und der Mond schien durch das dreckige Fenster zu ihnen herein.

Nackt lagen sie nebeneinander auf dem Bett. Amelia hatte sich an Dracos Brust geschmiegt. Eigentlich hätten sie aufstehen sollen, um sich zu waschen, doch sie hatte gerade wenig Lust dazu. Es war viel zu schön.

Sie lauschte Dracos Atmen und hörte seinen Herzschlag. Das ganze Haus war leer und still.

„Draco, ich muss dir etwas erzählen", sagte Amelia. Es war etwas, das schon seit Jahren an ihr nagte. Aber irgendwann musste er es erfahren.

„Hm?", fragte Draco und lehnte sich auf seinen Arm, um sie anzusehen. Amelia setzte sich auf und blickte zu ihm.

„Meine Legilimentik, ist nicht normal…", sagte sie unfähig die richtigen Worte zu finden.

„Was meinst du damit?"

„Es reicht, dass du in meiner Nähe bist und ich kann deine Gefühle spüren. Es reicht, dass ich dir in die Augen sehe, und ich kann in deinen Gedanken lesen. Du kannst mich zwar aussperren, genau wie Dumbledore oder Voldemort, aber nur, wenn du dauerhaft Okklumentik benutzt und nicht nur in kurzen Phasen. Selbst, wenn ich es manchmal nicht will, wenn ich dagegen ankämpfe, es passiert einfach." Amelia schüttelte betrübt den Kopf. „Ich sehe deine Gedanken, Draco."

Draco strich über ihren bloßen Rücken.

„Ich dachte mir schon so etwas. Du siehst auch die Gedanken von anderen, deshalb weißt du so viel. Jeder der kein Okklumentor ist, ist dir ausgeliefert."

„Du weißt es?", fragte Amelia überrascht.

Draco lachte leise. „Ich habe die letzten Jahre immer an deiner Seite verbracht. Wie könnte ich es nicht wissen."

Amelia war fassungslos. Sie hatte sich so viele Sorgen darum gemacht. Der Gedanke das jemand in ihr Lesen konnte, war eine absolut grauenvolle Vorstellung für sie gewesen. Doch Draco schien es ganz gelassen zu nehmen. Er vertraute ihr absolut.

„Es macht dir nichts aus?", hackte sie nach.

„Ach, Amelia. Du hast mir erzählt, dass in dir ein Stück von Voldemort ist. Glaubst du, da würde das bisschen Legilimentik mich abschrecken? Ich finde den Gedanken ganz belustigend, dass du in meinem Geist wie in einem Schmuddelhäftchen lesen kannst", sagte Draco und grinste frech.

Amelia musste lachen und schlug gespielt nach ihm. „Pass nur auf, dass ich das nicht mache", drohte sie gespielt.

„Da ist nichts, was ich vor dir verbergen will", sagte Draco ernst und fügte mit einem Grinsen hinzu: „Außerdem muss ich es dann nicht aussprechen was ich alles mit dir tun möchte. Das stell ich mir ganz praktisch vor."

„Manchmal bist du wirklich blöd", sagte Amelia beleidigt, musste aber lachen. Sie schwang sich auf Draco und setzte sich auf seinen Bauch als sie ihn küsste.

„Amelia, du schmierst mich voll", beschwerte sich Draco und schob Amelia von sich runter, die noch immer kicherte.

„Das ist dein Sperma, also beschwer dich nicht."

„Ach ja", sagte Draco und küsste sie nochmals leidenschaftlich. Bevor sie sich versah, lag Amelia wieder auf dem Rücken.

„Lass duschen gehen", sagte sie und Draco schien im ersten Moment etwas enttäuscht, widersprach aber nicht.

Das Haus war schon etwas unheimlich und so allein, wie sie waren schien jedes Brett zu quietschen. Amelia war nur froh, als sie wieder zurück in ihrem Zimmer waren und sich unter die warme Bettdecke kuschelten.

Sie blickte gegen die dunkle Decke und irgendwie konnte sie nicht schlafen.

„Musst du auch immer daran denken?", fragte sie nach einiger Zeit.

„An was?", grummelte Draco, der schon im Halbschlaf lag.

„Das wir heute wahrscheinlich bei euch auf dem Manor gefeiert hätten und die Geburt stände kurz bevor…"

Plötzlich saß Draco kerzengerade im Bett.

„Oh scheiße", fluchte er und sah Amelia gequält an. „Heute ist dein Geburtstag, oder?"

Amelia konnte nur lachen.

„Warum hast du mich nicht dran erinnert", seufzte Draco frustriert.

„Keine Ahnung. Ich habe eben erst dran gedacht", sagte Amelia grinsend.

Draco stand auf und fischte seinen Zauberstab vom Boden. Sie beobachtete ihn, wie er eine etwas krumme rote Rose hervorzauberte. Er war nicht gut in Beschwörung.

„Amelia, ich muss dir ehrlich gestehen, ich habe es vergessen. Ich hoffe du verzeihst mir", sagte er und reichte ihr die Blume. Sie musste lächeln. Wie könnte sie ihm böse sein? Es war so unwichtig.

„Ich fühle mich gerade furchtbar kitschig, aber ich glaube, dass verkneif ich mir jetzt", sagte Amelia und nahm die Rose entgegen. Sie musste verlegen lächeln, wenn sie daran dachte, dass Draco ihr noch nie Blumen geschenkt hatte. Auch wenn sie beschworen waren.

„Danke", sagte sie glücklich und gab Draco einen Kuss.

Er streichelte sanft ihr Gesicht.

„Das Leben hat schon komische Wendungen", sinnierte Draco und strich über ihre Wange.

„Ich habe mich die letzten Tage oft gefragt, was wohl aus mir geworden wäre, wenn es dich nicht gegeben hätte. Ohne dich, wäre ich niemals den Zwölf begegnet. Ohne dich, wäre ich ein ganz normaler Junge", sagte Draco nachdenklich und hauchte einen Kuss auf ihre Lippen.

„Ich…", begann Amelia, doch Draco unterbrach sie.

„Ich glaube nicht, dass ich normal sein will. Mir gefällt es etwas Besseres zu sein." Draco grinste breit.

„Kein bisschen überheblich heute, oder?", fragte Amelia und lächelte ebenfalls.

„Du kennst mich doch", sagte Draco und küsste sie abermals. Zusammen sanken sie zurück in die Kissen.

Draco löste sich von ihr und sah sie zufrieden an.

„Es war nur ein Gedankenspiel."

„Das passt gar nicht zu dir, mit deinem Schicksal zu hadern", erwiderte Amelia und strich ihm eine Haarsträhne aus den Augen.

„Kannst du es mir verübeln? Hast du dich noch nie gefragt, was ohne die Prophezeiung aus dir geworden wäre?", fragte er.

„Natürlich habe ich es mich gefragt. Bestimmt schon tausende Male. Aber ich werde nie eine Antwort darauf bekommen. Weißt du, Draco. Als kleines Mädchen bei den Dursleys, habe ich immer von einem besseren Ort geträumt. Einem Ort, an dem es Menschen gibt, die mich mögen", sagte Amelia und blickte ihn an.

„Ich mag dich", sagte Draco sofort und lächelte sie an.

Einen Moment trat Stille ein, in der jeder seinen eigenen Gedanken nachhing.

„Wir dürfen nie aufgeben, Draco", sagte Amelia irgendwann bitter. „Nicht nur für uns, sondern für all die Kinder die Voldemort noch töten wird."

„Er wird diesen Krieg nicht überleben", antwortete Draco und etwas Hartes trat in seine Augen. Etwas was dort eigentlich nicht sein sollte.

„Es wird nicht einfach sein ihn zu töten." Amelia setzte sich wieder auf. Draco saß ihr gegenüber.

„Was ist mit dem Teil seiner Seele, der in dir ist. Das Erste, was wir machen müssen ist herauszufinden, wie wir ihn aus dir herausbekommen, ohne das du Schaden nimmst", stellte Draco fest und Amelia nickte zustimmend.

„Dadurch, dass er sich nun verborgen hält, haben wir etwas Zeit. Es muss eine Möglichkeit geben, dass ist sterbe ohne das ich wirklich tot bin. Das Seelenteil von Voldemort muss getötet werden, ohne dass ich getötet werde und es gibt nicht viele Möglichkeiten ihn zu vernichten." Amelia begann an den Fingern abzuzählen. „Wir hätten Basiliskengift, Dämonsfeuer und den Todesfluch. Das sind die einzigen Möglichkeiten den Horkrux in mir zu vernichten."

„Horkrux, das hört sich ungut an. Was meinst du damit genau?", fragte Draco nach.

„Ein Horkrux ist ein magischer Gegenstand oder in meinem Fall eine Person, in die ein Teil einer Seele gesperrt ist. Dieses Gefäß, wird als Horkrux bezeichnet. Dumbledore hat übrigens die Vermutung, das Voldemort noch einen anderen Horkrux geschaffen hat, einen der ihn davor bewahrt hat, nach dem Angriff auf mich zu sterben."

Draco nickte nachdenklich.

„Den Talisman, den du mit meinem Patronus geschaffen hast, war also auch ein Horkrux?", fragte er, doch Amelia schüttelte den Kopf.

„Nein. Ich habe lediglich einen kleinen Teil deiner Magie, in dem zugegeben ein Stück deiner Seele gesteckt hat, gefangen. Genug, dass der Familienzauber dich nicht töten konnte. Aber Familienzauber mögen zwar hartnäckig sein, aber sie sind nicht sonderlich stark. Sie sind einfach darauf ausgelegt, Jahrhunderte zu wirken. Wenn du vom Todesfluch getroffen worden wärst, wärst du wohl trotzdem gestorben und der Talisman wäre zersprungen. Einfach weil die Magie des Todesfluchs stärker gewesen wäre, als die Magie des Talismans. Ein Horkrux hingegen, ist die endgültige Zersplitterung einer Seele. Die Stücke können nicht mit einem einfachen Zauber wieder zusammengefügt werden."

„Also", schlussfolgerte Draco, „würde es nichts bringen, dass du mit deinem Patronus ein solches Amulett fertigst und wir dich dann umbringen, weil jede Magie, die stark genug wäre den Horkrux zu vernichten auch deine Magie aus dem Talisman befreien würde."

Amelia nickte.

„So ist zumindest meine Vermutung. Seelenmagie ist so gut wie unerforscht. Das ist alles reine Spekulation auf Basis von dem Wissen, das ich von Voldemort habe."

Draco nickte nachdenklich.

„Was, wenn du einen Horkrux schaffen würdest?", sagte Draco dann. „Der Todesfluch hat Voldemort nicht vernichtet, weil er einen Horkrux hatte. Was wenn du auch einen hast und ich Voldemorts Horkrux in dir töte? Dann müsstest du überleben, aber der fremde Seelenteil sterben", sagte Draco und Amelia schluckte. Bei dem Gedanken wurde ihr unwohl.

„Das wird nicht gehen", sagte Amelia unsicher.

„Warum?"

„Weil ich keinen Horkrux schaffen kann", sagte Amelia und presste die Lippen zusammen.

„Ist die Magie zu schwer für dich?", fragte Draco und zog eine Augenbraue hoch.

„Rede keinen Unsinn", erwiderte Amelia ärgerlich. „Es ist eher eine Sache der Einstellung. Ein Horkrux wird immer durch einen Mord geschaffen. In diesem Moment des Tötens wird die Seele instabil und man kann einen Teil davon absplittern."

Draco nickte verstehend. „Du glaubst also nicht, dass du moralisch in der Lage wärst einen Mord zu begehen."

Amelia zuckte die Schultern. „Selbst, wenn ich jemanden töten könnte", sagte sie und musste an Gordon denken, „glaube ich nicht, dass ich in der Lage wäre, keine Reue dabei zu empfinden. Denn es gibt eine Möglichkeit, nur eine Einzige, um die Seele wieder zusammenzufügen. Wenn du den Mord, mit dem der Horkrux geschaffen wurde, aufrichtig bereust."

Ihre Blicke trafen sich einen Moment. „Ich bin keine eiskalte Killerin, Draco."

Draco nickte. „Das habe ich auch nicht erwartet", sagte er. „Aber wir müssen herausfinden, wie wir den Seelenteil aus dir herausbekommen und wir müssen den anderen Horkrux finden."

Amelia nickte. „Dumbledore weiß mehr über den Horkrux, als er zugibt. Wir müssen herausfinden was er weiß. Außerdem ist es wichtig, dass die Leute von seiner Rückkehr erfahren. Dann kann er nichtmehr verdeckt operieren. Ich weiß nicht, welchen Schaden die Prophezeiung in seinen Händen anstellen könnte. Wir haben also viel zu tun", schloss Amelia.

„Ein Glück, das ich dich zum Pläne schmieden habe", sagte Draco und gluckste.

„Aber eines musst du mir noch verraten. Wie lautet die komplette Prophezeiung. Du kennst sie"

Amelia legte den Kopf schief zur Seite.

„Ja, ich kenne sie. Dumbledore hat sie mir letztes Schuljahr verraten."

„Also?", fragte Draco.

Amelia sah ihn nicht an, sondern blickte in den Spiegel auf der anderen Seite des Raumes. Sie sah ihr eigenes blasses Spiegelbild mit den langen schwarzen Haaren.

„Den Anfang kennst du schon: Die eine mit der Macht, den Dunklen Lord zu besiegen, naht heran… jenen geboren, die ihm drei Mal die Stirn geboten haben, geboren, wenn der siebte Monat stirbt… der Teil den Voldemort nicht kennt: und der Dunkle Lord wird Sie als sich Ebenbürtig kennzeichnen, aber Sie wird eine Macht besitzen, die der Dunkle Lord nicht kennt … und Einer muss von der Hand des Anderen sterben, denn keiner kann leben, während der Andere überlebt …"

Amelia blickte wieder zurück zu Draco. Er schien nachdenklich.

„Also hat er dich mit deiner Narbe als ebenbürtig gekennzeichnet. Er hat sich seine Gegnerin selbst erschaffen."

„Ich wäre niemals die Hexe, die ich heute bin, wenn er meine Eltern nicht ermordet hätte. Ich hätte niemals so verbissen gelernt, wenn ich nicht berühmt gewesen wäre. Ich könnte kein Parsel und seine Zauber wären für mich so unauflöslich wie für alle anderen."

„Ist das die Macht, die er nicht kennt?", fragte Draco nachdenklich. Amelia zuckte die Schultern.

„Das ist unklar. Wenn er wüsste, was passiert ist, dass mit der Seele, dann wüsste er auch, wie ich seine Zauber lösen kann. Dein Vater hat ihm sicher gesagt, was ich mit der Tür vor den Katakomben gemacht habe", sagte Amelia.

„Bestimmt", brummte Draco und verzog das Gesicht bei dem Gedanken.

„Der letzte Teil ist wieder sehr eindeutig und auch nicht wirklich spektakulär in Anbetracht dessen was geschehen ist. Allerdings bedeutet er auch, dass es eine Möglichkeit gibt, den Horkrux zu vernichten. Es gibt eine Möglichkeit für mich seinen Tod zu überleben."

Amelia dachte kurz darüber nach. Dieses Wissen hatte ihr immer Hoffnung gegeben, seit sie die Prophezeiung kannte.

„Ich weiß nicht, wie gefährlich es wäre, würde Voldemort den kompletten Inhalt erfahren. Ich denke er könnte versuchen herauszufinden welche Macht ich besitze, er aber nicht."

Draco schien über das Gesagte nachzudenken und musterte sie mit unergründlichem Blick.

„Ich frage mich was passieren würde, wenn ich einfach verschwinden würde. Wenn ich mich weigern würde zu kämpfen", sagte Amelia schließlich.

„Ich glaube nicht, dass dies wirklich eine Option ist", seufzte Draco und musterte sie nachdenklich. „Du würdest ihn immer spüren, irgendwo in deinem Kopf. Du könntest ihm nie entkommen. Ein Leben auf der Flucht vor dir selbst."

Amelia schluckte. Es war keine Option.

Draco fuhr fort: „Ich werde gegen ihn kämpfen, Amelia. Ich weiß nicht, ob du das verstehst, aber in mir ist so viel Wut und Hass, dass es mich auffrisst."

Amelia kniete sich vor Draco, der im Schneidersitz im Bett saß. Ihre Blicke begegneten sich, aber Amelia sagte nichts. Sie wusste, wie Draco fühlte. Sie fühlte, wie Draco fühlte.

„Wir kämpfen gemeinsam", sagte sie und berührte die Narbe auf seiner Brust. „Nicht weil es eine Prophezeiung sagt, sondern weil es das Richtige ist."

„Du bist nie vor einem Kampf davongelaufen, Amelia. Aber bitte versprich mir, dass du dein Leben niemals leichtfertig riskierst", sagte Draco gequält.

„Wir müssen gegenseitig auf uns aufpassen. Keiner von uns beiden, darf leichtsinnig sein."

Sie beugte sich vor und küsste Draco auf die Lippen. Er erwiderte den sachten Kuss. Er nickte.

Amelia seufzte und setzte sich wieder zurück.

„Wir haben viel vor, Draco. Voldemort wird es uns nicht einfach machen."

Draco musste schmunzeln und schüttelte den Kopf. Er ließ sich wieder nach hinten fallen.
„Haben wir noch was in unserem Feldzug gegen Voldemort vergessen, oder haben wir alles?", fragte er und verschränkte die Hände hinter dem Kopf.

Amelia musste ebenfalls schmunzeln.

„Eine Sache wäre da noch, Draco", sagte sie. „Seit wann sagst du seinen Namen?"

„Naja", sagte Draco gedehnt und grinste verlegen. „Wir werden gegen ihn kämpfen und wenn ich mich nicht mal traue, seinen Namen zu sagen, wie sollte ich das dann fertigbringen." Das klang ziemlich nach Dumbledore, er hatte in ihrem ersten Jahr das gleiche zu ihr gesagt. „Also hast du keine Angst?", hackte Amelia nach. Dracos Grinsen wurde etwas steif und er zog seine Freundin zu sich. Er drückte sie, als würde sie jeden Moment verschwinden. Sein Mund presste sich gegen ihre Haare.

„Natürlich habe ich Angst, Amelia. Schrecklich Angst sogar."

Nachwort:

Ich muss gestehen irgendwie mag ich die Unterhaltung zwischen Amelia und den Dursleys. Sie zeigt, wie unterschiedlich sie ist im Gegensatz zu Harry. Und vielleicht auch ein bisschen wie wenig sie die Muggel mag, sie aber doch noch irgendwie als lebende Wesen akzeptiert. Im Gegensatz zu Draco, der für sie nur Verachtung übrig hat.

Ich habe den Angriff mit dem Dementor weggelassen. Er hätte einfach nichts Nützliches für die Story gebracht, da ich Amelia sowieso ihre Spur weggenommen habe.

Warum Dumbledore zulässt, dass sie beim Ordenstreffen dabei sind? Es hat viele Gründe. Ihre Magie ist erwachsen und sie hat keine Spur zudem kann sie natürlich die Erinnerungen der anderen lesen, aber es gibt noch mehr Gründe. Dazu wann anders. Ist aber durchdacht.

Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen.

Liebe Grüße

Salarial