Kapitel 4 – Der Fuchsbau

Es hatte nichts gebracht, ihr Ausflug hatte sie im Kampf gegen Voldemort kaum weitergebracht. Die Erfolge, die der Orden brachte waren überschaubar und auch, dass bei der nächsten Ordensversammlung Arthur Weasley mit seinen Söhnen Bill und Charlie anwesend war, war nur ein geringer Fortschritt.

Nach der Versammlung sprach Dumbledore noch kurz mit Mr Weasley doch die anderen kamen auf Draco und Amelia zu, die den Tisch fürs Abendessen deckten.

„Das ist also Draco Malfoy?", fragte Bill und musterte Draco, der gerade Tee aufsetzte, neugierig.

„Ich glaube wir kennen uns nicht, oder?", fragte Draco und musterte sein Gegenüber ebenfalls.

„Du hast meinem kleinen Bruder letztes Jahr den Arm gebrochen", sagte Bill und wirbelte seinen Zauberstab zwischen den Fingern.

Amelia beobachtete die Szene argwöhnisch.

„Weasley hat es verdient. Ich würde ihn ihm nochmal brechen. Mit dem größten Vergnügen", antwortete Draco kalt. Draco hasste Ron Weasley. Besonders, weil dieser in Amelia verliebt war. Draco zückte seinen Zauberstab nicht, das brauchte er auch nicht. Im Zweifelsfall hätte er ihn sofort in der Hand. Er blickte arrogant zu dem älteren Zauberer. Sie waren fast auf Augenhöhe. Mr Weasley trat nun zu der kleinen Gruppe.

„Ganz schön überheblich. Ich habe mich die ganze Besprechung lang gefragt, was ein Malfoy hier macht. Wo ist dein Vater?", fragte Bill

Draco schnaubte verächtlich. „Der ist dabei Voldemort die Stiefel zu lecken", antwortete Draco und wandte sich von dem Weasley ab. Er schob den Kessel über das Feuer, wobei das Wasser darin bedrohlich schwabbte.

Bill zuckte zusammen und blickte Draco überrascht hinterher. Es war schwer zu sagen was den Weasley mehr überraschte. Das Draco diesen Namen sagte, oder die Verachtung in seiner Stimme.

„Du bist hier", stellte Charlie Weasley neutral fest.

„Ich bin von zuhause abgehauen, als man von mir verlangte vor Voldemort niederzuknien. Der war nicht sonderlich begeistert über meine Weigerung."

Draco hatte sich wieder zu den Weasleys umgedreht, doch seine abwehrende Haltung war geblieben. Diese Familie war der Inbegriff von Blutsverrätern.

„Deshalb bist du hier?", fragte Bill Weasley und musterte Draco.

„Voldemort muss vernichtet werden, deshalb bin ich hier."

„Und du glaubst, dass du das kannst?", fragte Charlie Weasley.

„Wir brauchen jeden den wir bekommen können. Jeder kann seinen Beitrag dazu leisten", sagte Draco und hielt ihm die Hand hin. „Ich bin nicht hier, um zu streiten."

Es war ein seltsames Gefühl dabei zuzusehen wie ein Weasley und ein Malfoy sich die Hand gaben. Draco war es wirklich ernst mit seinem Hass auf Voldemort. Es war ihm wichtiger als alte Familienstreitigkeiten.

„Dumbledore hat mich gebeten euch beide mit zu uns nach Hause zu nehmen.", sagte Arthur Weasley, als er zu ihnen trat. „Es ist ein besserer Ort für euch als hier und unser Haus wird gerade ausreichend gesichert sein."

„Warum?", fragte Amelia sofort. Die Sache war ihr nicht geheuer. Wollte Dumbledore sie aus seinem Hauptquartier haben?

„Das hier ist ein recht düsterer Ort und es sind keine Erwachsenen da, die auf euch aufpassen können. Deshalb hat Dumbledore mich gebeten euch mitzunehmen."

„Wir kommen hier gut zurecht und es ist sicherer als jeder andere Ort", sagte Draco und Amelia spürte, wie er sich versteifte. Sie trat neben ihn.

„Dumbledore ist sich sicher, dass du-weißt-schon-wer in nächster Zeit nichts unternehmen wird. Er meinte ihr hättet unbeschadet in der Winkelgasse herumlaufen können. Ich arbeite beim Ministerium. Wenn bei mir zuhause etwas passiert, muss es eine offizielle Ermittlung geben. Ihr seid dort sicher und es ist allemal besser als hier."

„Ach gebt es zu, ihr freut euch schon aus diesem dreckigen Loch rauszukommen", sagte Sirius und gesellte sich zu ihnen. Die Weasleys warfen ihm einen merkwürdigen Blick zu. Sie waren die Anwesenheit des ehemaligen Gefangenen wohl noch nicht gewöhnt.

„Ich nehme euch morgen im fahrenden Ritter mit und bring euch hin."

„Dann ist es also sowieso schon beschlossene Sache", stellte Amelia trocken fest. Sie war alles andere als erfreut. Aber hatte sie eine Wahl? Sie hatte kein zuhause. Keinen Ort der ihr gehörte. Dies war Dumbledores Hauptquartier und es oblag ihm sie auszuladen.

„Es wird euch gefallen", sagte Sirius zuversichtlich und Draco schnaubte nur abfällig.

„Deine Definition von gefallen, ist durchaus fragwürdig", schnarrte eine kalte Stimme hinter ihnen und Amelia stellte überraschte fest, dass Severus noch nicht gegangen war. Sonst war er immer einer der Ersten, die das Hauptquartier verließen.

„Es ist schwer vorstellbar, dass dir überhaupt etwas Freude bereiten kann, Schnifelus", zischte Sirius zurück. Severus Lippen kräuselten sich mörderisch.

„Schluss", sagte Amelia und trat zwischen die beiden. Jede Unterhaltung zwischen diesen Beiden konnte nur im Desaster enden, „Wir reisen morgen zu den Weasleys. Sirius, magst du schon mal den Tisch fertig decken? Severus, was kann ich für dich tun?"

Die beiden Zauberer stierten sich noch einen Moment hasserfüllt an, dann schnappte sich Sirius einen Stapel Teller und verteilte sie auf dem Tisch.

„Ihr bleibt doch sicher zum Essen?", wandte er sich an die Weasleys die die ganze Szene verblüfft verfolgt hatten. „Ähm… klar", sagte Bill, als keiner sich rührte.

„Miss Potter, Mr Malfoy, folgen sie mir. Ich habe noch etwas mit Ihnen zu besprechen", sagte Severus gebieterisch und die beiden Slytherins folgten ihm aus der Küche. Draco schloss die Tür hinter ihnen.

„Dumbledore will uns also loswerden?", fragte Amelia an Severus gewandt.

„So kann man es ausdrücken. Er weiß, dass du deine eigenen Pläne hast und ist sich nicht sicher, wie du reagieren wirst. Es fällt ihm schwer dich einzuschätzen. Das mag er gar nicht."

Amelia schnaubte verächtlich.

„Kann ich wenigstens dir vertrauen Severus?", fragte sie.

Severus Blick wanderte von Draco der wortlos hinter Amelia an der Tür lehnte zu dem Mädchen.

„Ja", sagte er und nickte.

„Danke, das bedeutet mir viel", sagte Amelia und ihre Stimme klang fast sanft.

Um Severus Lippen zuckte ein flüchtiges Lächeln, bevor er wieder seine übliche grimmige Mine aufsetzte.

„Warum ich euch eigentlich sprechen wollte. Wir suchen Vertrauensschüler für Slytherin. Dumbledore ist am hadern, ob er euch diese Verantwortung auch noch aufbürden soll. Ich bin der Meinung, dass ihr den Einfluss braucht. Die Zeichen stehen düster über Hogwarts."

„Was meinst du damit, Severus?", fragte Amelia und auch Draco sah seinen Lehrer fragend an.

„Es gibt einen neuen Ministeriumserlass. Wenn Dumbledore keinen neuen Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste findet, kann das Ministerium einen stellen. Dann überwachen sie selbst die Schule."

„Das klingt nicht gut."

„Warum übernehmen sie nicht die Stelle, Sir?", fragte Draco. Severus warf ihm einen grimmigen Blick zu.

„Es ist Dumbledores Wunsch."

Amelia schürzte die Lippen. Sie kannte Severus gut genug. Seit jeher war es Severus Wunsch gewesen Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu unterrichten. Er liebte die Dunklen Künste. Er hatte Amelia alles gelehrt was er darüber wusste und sie hatte seine Leidenschaft gespürt. Eigentlich hatte sie ihre Obsession für die dunklen Künste von ihm erlernt. Ob Dumbledore befürchtete Severus Leidenschaft könnte außer Kontrolle geraten? Die Dunklen Künste waren wahrhaft faszinierend.

„Wir machen es", sagte Amelia und nahm den Faden wieder auf. „Wenn ein Lehrer aus dem Ministerium rumschleicht, um uns zu überwachen, haben wir als Vertrauensschüler mehr Freiheiten um uns in der Schule zu bewegen. Das bisschen Nachtpatrouille bekommen wir auch hin. Sag Dumbledore, es wäre uns eine Ehre."

Severus blickte zu Draco der zustimmend nickte.

„Ich kümmere mich darum", sagte ihr Hauslehrer.

Amelia und Draco brachten ihn noch zur Tür und schlossen hinter ihm ab.

„Es ist fast gruselig, wenn du mit ihm sprichst", sagte Draco, als das letzte Türschloss klickte.

„Warum?", fragte Amelia mit einem süffisanten Grinsen.

„Er verehrt dich, bei Merlin. Es wäre mir nie aufgefallen, wenn du es mir nicht gesagt hättest, aber er liebt dich."

Amelia schüttelte den Kopf und sah zu Draco herauf.

„Das stimmt nicht ganz", sagte sie und drückte sich an ihn.

„Er liebt eine Frau die nichtmehr lebt. Ich benutze nur seine Gefühle."

„Manchmal bin ich wirklich überrascht, wie kalt du sein kannst, Amelia", sagte Draco nachdenklich und fuhr mit seiner Hand an ihr zierliches Gesicht. Er strich über ihre Wange und musterte sie.

„Benutze mich niemals, wie du ihn benutzt", zischte er plötzlich drohend und presste seine Lippen grob auf die Ihren. Er war nicht sanft oder zärtlich oder liebevoll. Im ersten Moment erschrak Amelia. Doch dann ließ sie den Kuss zu, ließ sich dominieren.

Dracos Hand wanderte zu ihrem Hintern und Amelia krachte mit dem Rücken gegen die Wand. Willig drückten sie ihren Unterleib an ihn. Er wollte sie, er konnte sie haben. Es gab keinen Grund gegen ihn zu kämpfen.

„Hey, nehmt euch ein Zimmer", unterbrach sie eine belustigte Stimme und Draco wandte sich an den Störenfried.

„Habt ihr Weasleys eigentlich alle den gleichen blöden Spruch drauf?", fragte er bissig an Bill gewandt. Amelia kämpfte die Schamesröte nieder, als sie Bills anzüglichem Blick begegnete.

„Kommt essen, alle warten auf euch", sagte Bill noch immer breit grinsend und ging die Treppe in den Keller hinunter.

Draco seufzte frustriert und Amelia gab ihm noch einen kurzen Kuss.

„Merk dir, wo wir waren", hauchte sie verheißungsvoll gegen Dracos Lippen bevor sie dem Weasley in die Küche folgte.

Am nächsten Nachmittag packten sie ihre Sachen zusammen und machten sich bereit, das Hauptquartier des Phönixordens zu verlassen.

Es war eine bunt gemischte Gruppe, die sie an diesem Tag abholen kam. Neben Moody und Remus waren auch Kingsley und Diggel da.

Bevor sie aufbrachen nahm Amelia Kingsley zur Seite.

„Ich brauche ihre Hilfe", sagte sie leise, damit die anderen sie nicht verstehen konnten. Sie spürte den Blick von Moodys magischem Auge auf sich ruhen.

„Bei was kann ich ihnen helfen?", fragte Kingsley.

Amelia zog ein kleines Amulett heraus. Es bestand aus Drachenknochen.

„Geben sie dies Rufus Scrimgeor. Aber sagen sie nicht, von wem es ist und wenn es sich vermeiden lässt, lassen sie ihn nicht wissen, dass sie es ihm zugesteckt haben. Aber es darf nur ihn erreichen", sagte Amelia und reichte das Amulett an den Auroren weiter.

„Darf ich fragen was es damit auf sich hat?"

„Rufus hat mir einmal vertraut und es war nicht zu seinem Nachteil. Vielleicht bin ich dazu in der Lage ihn von der Wahrheit zu überzeugen. Aber ich kann ihn nicht treffen. Seine Loyalitäten ständen in Frage. Damit kann ich Kontakt aufnehmen."

Kingsley beobachtete das Amulett nachdenklich.

„Es wäre ein enormer Schritt, wenn Scrimgeour auf unserer Seite wäre. Er hat viel Einfluss im Ministerium. Aber er wird nicht einfach zu überzeugen sein. Er ist ein Karrieremensch."

Amelia lächelte. Es war ein düsteres, verheißungsvolles Lächeln. „Ich habe andere schon immer dazu gebracht das zu tun was ich will. Er hat mir letztes Mal geglaubt, schließlich ist Sirius frei, er wird es auch ein weiteres Mal tun."

Kingsley sah einen Moment überrascht aus und Amelia sprach weiter, ihre Stimme voll tiefer Überzeugung.

„Voldemort wird diesen Kampf nicht gewinnen."

„Ich werde das Amulett weiterreichen", sagte Kingsley entschlossen und nahm die Drachenknochen an sich.

„Danke"

Es wurde Zeit aufzubrechen. Amelia zog sich die Kapuze ihres Reiseumhangs tief ins Gesicht und folgte Dädalus Diggel hinaus auf die Straße.

Mit einem Knall erschien der Fahrende Ritter und hielt mit quietschenden Reifen vor einem Laternenpfahl.

Sirius grinste ihnen vom Steuer aus zu.

Die Tür öffnete sich und ein pickliger Teenager in einer lila Uniform begrüßte sie. Er konnte nicht älter als neunzehn sein.

„Willkommen im Fahrenden Ritter dem-"

„Lass gut sein Stan", rief Sirius aus der Fahrerkabine. „Sind Freunde von mir."

„Ah, klasse Ding!", sagte Stan und ließ sie rein. Im Vorbeigehen versuchte er unter Amelias Kapuze zu schielen, doch diese wandte sich ab. Es musste nicht jeder wissen, wer sie war. Umso weniger sie bei den Weasleys sahen umso besser für sie und umso besser für die Weasleys. Sie hielt die Idee noch immer für bescheuert, aber was konnte man machen. Die Ferien würden nur noch ein paar Wochen andauern.

Unter ihrer schwarzen Kapuze nickte sie Sirius zu, der sich ihnen grinsend zugewandt hatte und ging dann weiter ins Innere des Busses.

Die Wände waren mit Holz verkleidet und überall standen unterschiedliche Stühle oder Sessel an Fenstern gruppiert. Fast alle Plätze waren besetzt und eine junge Hexe tröstete gerade ihr weinendes Kleinkind. Der kleine Junge verlangte quengelnd nach seinem Juxzauberstab. Amelia wandte den Blick ab.

Kingsley zahlte ihre Tickets und die Gruppe stieg in das nächste Stockwerk des Busses, wo sie ein paar freie Plätze fanden.

„Halt dich besser gut fest", warnte Draco sie, als auch schon ein Knall ertönte und Amelia beinah von ihrem Stuhl geworfen wurde.

Sie fuhren durch eine schmale Allee und Regen klatschte gegen die Fensterscheibe. Einen Knall später waren sie unter strahlendem Sonnenschein auf einer Autobahn unterwegs.

„Sirius fährt direkt zum Fuchsbau", murmelte Remus leise als sie einen Knall später durch eine sanfte Hügellandschaft fuhren.

Es dauerte nicht lange und nach einem weiteren Knall hielt der Fahrende Ritter wieder an. Amelias Stuhl kippte nach vorne um und sie landete unsanft auf dem Boden.

„Wo hat Sirius nur seinen Führerschein gemacht?!", fluchte sie, als sie sich aufrappelte.

„Führerschein?", fragte Draco und reichte ihr die Hand.

„Na zum Autofahren!", sagte Amelia unwirsch und Draco schüttelte verständnislos den Kopf.

„Von so was habe ich noch nie gehört."

Zusammen stiegen sie die schmale Treppe im inneren des Busses hinunter.

„So was wie eine Apparierlizenz, damit man Autofahren darf", erklärte Amelia mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend.

„Das müssen sich die Muggel ausgedacht haben."

Amelia seufzte und stieg aus, die anderen blieben im Fahrenden Ritter zurück.

„Das ist nicht ihr Ernst", sagte Draco fassungslos, als sein Blick auf das Haus vor ihnen viel. Falls man es überhaupt Haus nennen konnte. Es erinnerte eher an einen großen steinernen Schweinestall, an den von Zeit zu Zeit immer mehr Räume angebaut worden waren, bis er mehrere Stockwerke hatte, alles so windschief, dass es nur von Magie zusammen gehalten wurde.

Hinter ihnen knallte es und der dreistöckige Bus war verschwunden.

„Ich wusste ja, dass die Weasleys kein Gold haben, aber das sie in einem Schweinestall hausen hätte ich mir nie träumen lassen." Draco klang tatsächlich fassungslos, was Amelia ein Lächeln entlockte. Manchmal vergaß sie, aus was für behüteten Verhältnissen er kam.

„So fühlt es sich wohl an heimatlos zu sein. Sie wissen nicht was sie mit uns machen sollen und schieben uns von einer in die andere Ecke", sagte Draco bitter und drückte ihre Finger. Auch Amelia hatte dieses klamme Gefühl. Als wäre ein Schutzzauber um sie herum zerbrochen, vom dem sie nicht einmal gewusst hatte das es ihn gab.

„Ich vermisse euer Herrenhaus, Draco. Ich vermisse den Garten, den Salon, das gute Essen und die Gespräche mit deiner Mutter." Amelia schluckte und kämpfte die Tränen nieder. Sie hätte niemals gedacht, dass sie das so emotional werden ließ. „Ich will wieder nach Hause."

Draco drehte sich zu ihr um und schlug ihre Kapuze nach hinten.

„Vielleicht können wir irgendwann zurück. Auch wenn ich nicht weiß, ob es jemals wieder so werden kann wie früher."

„Weißt du was das grässlichste ist?", fragte Amelia und lehnte ihren Kopf an seine Brust.

„Hm..?", fragte Draco und verschränkte die Arme in ihrem Rücken.

„Wir dürfen uns nicht mal beschweren. Wir haben keinen Ort an den wir gehen können."

„Ich hasse es abhängig zu sein", sagte Draco und legte sein Kinn auf ihren Kopf.

Einen ewigen Augenblick lang blieben sie einfach nur so stehen, dann machten sie sich auf den Weg zum Haus. Ein Schild vor der Eingangstür verkündete: Fuchsbau

Amelia hatte ein mulmiges Gefühl als ihnen geöffnet wurde und eine mollige Hexe in der Tür stand. Sie hatte ein freundliches offenes Gesicht und ebenso rote Haare wie alle ihre Kinder. Molly Weasley. Sie hatte sich nicht verändert seit Amelia sie getroffen hatte. Das war damals gewesen, nachdem sie Ginny aus der Kammer des Schreckens gerettet hatten.

„Da seid ihr ja meine Lieben! Arthur meinte, dass ihr vorbeikommt", sagte die Hexe vergnüglich und ließ sie ins Haus.

„Hallo, Mrs Weasley. Danke, dass wir kommen durften", sagte Amelia freundlich und schüttelte Mrs Weasley die Hand. Draco begrüßte sie ebenfalls.

Mrs Weasley begleitete sie in die Küche, wo gerade zwei scharfe Messer dabei waren Kartoffeln zu schälen.

Das Innere des Hauses schien bis in den letzten Winkel mit irgendwas vollgestopft zu sein. Es gab keinen Ort, an dem nicht irgendetwas abgelegt worden war. In der Küche stand ein großer abgenutzter Esstisch und an der Wand gegenüber entdeckte Amelia eine faszinierende Uhr. Sie hatte keine drei Zeiger wie eine Muggeluhr und auch keine zwölf Zeiger wie astonomische Zaubereruhr. Sie hatte neun Zeiger und auf jedem Stand der Name eines Mitglieds der Familie Weasley. Auch die Uhrzeiten waren faszinierend. Sie lauteten Bei der Arbeit, Unterwegs, Im Bett, Zuhause und es gab auch einen Zeiger für In Lebensgefahr.

Am liebsten hätte Amelia sie sich einmal genauer angesehen um ihre Magie zu ergründen.

Aber bevor sie nach der Uhr fragen konnte, wurden sie abgelenkt.

„Was machen die hier!", hörten sie eine Stimme von der Tür und als Amelia und Draco sich umdrehten sahen sie Ron Weasley. Er ging mit ihnen in die gleiche Jahrgangsstufe, aber im Haus Gryffindor.

„Sie werden die restlichen Ferien bleiben. Das haben wir euch doch gestern erzählt. Ich dachte das Draco in deinem Zimmer schlafen könnte", sagte Mrs Weasley und Ron nahm einen dunklen Rotton an.

„Nein, auf keinen Fall. Ich werde nicht mit Malfoy in einem Zimmer schlafen!", rief er entsetzt aus, sodass es das ganze Haus hören musste. Keinen Augenblick später kam Ginny Weasley hinter Ron die Treppe hinunter. Auch sie starrte Draco und Amelia an, die deplatziert in der Küche standen. Wie Eindringlinge in einer fremden Welt.

„Jetzt hör mir mal zu, Ron. Draco und Amelia haben viel durchgemacht. Das ist nichts was Kindern zustoßen sollte. Jetzt stell dich nicht an wie ein Kleinkind. Amelia wird auch bei Ginny schlafen."

„Aber das sind Slytherins… Kann Ginny nicht bei mir schlafen?", fragte Ron wenig erfreut und warf Draco einen düsteren Blick zu.

„Auf keinen Fall", sagte die mütterliche Hexe und stemmte ihre Hände in die Hüften.

„Ich hätte nichts dagegen mir mit Draco ein Zimmer zu teilen", sagte Amelia doch Mrs Weasleys schüttelte nur unwirsch den Kopf. „Nein!"

„Wir haben bis jetzt auch in einem Zimmer geschlafen", wandte Draco ein, doch Mrs Wasley ließ sich nicht beirren.

„Ihr seid dafür noch viel zu jung. Draco schläft bei Ron und Amelia bei Ginny", befahl die Hexe resolut und Draco und Amelia warfen sich einen missmutigen Blick zu. Das war noch schlimmer als erwartet.

„Aber Mum…", jammerte Ron noch einmal zaghaft, doch Ginny drängte an ihm vorbei.

„Hallo", sagte sie und grinste aufgeweckt. Die beiden Slytherins hatten nie Probleme mit der jüngsten Weasley gehabt. Ginny hatte Amelia sogar einmal gegen die anderen Weasleys verteidigt.

„Zeigt ihnen doch schon mal eure Zimmer. Euer Vater kommt gleich, dann gibt es Abendessen", sagte die Hexe und scheuchte sie aus der Küche.

„Was ist das für eine Scheiße, müsst ihr uns jetzt auch schon die Ferien versauen?", zischte Ron mit missmutigem Gesicht und schlurfte die Treppe nach oben. „Geht zurück nach Hause… Was macht ihr überhaupt hier, warum seid ihr nicht, wo auch immer ihr hingehört."

„Das geht dich nichts an", sagte Draco ebenso missmutig und warf dem Weasley einen angewiderten Blick zu.

„Das geht mich verdammt viel an, das ist schließlich mein Haus", knurrte der Gryffindor.

Amelia sah förmlich, wie Draco sich einen Kommentar zum Zustand des Hauses verkniff. Es war fast lustig mit anzusehen.

„Deine Eltern haben uns eingeladen. Mehr brauchst du nicht zu wissen", sagte Amelia diplomatisch und stieg ebenfalls die morschen Treppen nach oben.

„Es hat etwas mit du-weißt-schon-wem zu tun, oder?", fragte Ginny. „Und mit dem was sie in der Zeitung über dich schreiben."

„Was steht denn in der Zeitung?", fragte Ron ahnungslos und Amelia schnaubte.

„Das ist unwichtig", schnarrte Draco.

„Das ist verdammte Scheiße, was soll das, plötzlich tun alle so geheimniskrämerisch und dann steht ihr plötzlich in der Küche aber keiner erzählt uns, was los ist!"

Ron Weasley schien langsam der Geduldsfaden zu reißen. Das war wohl ein bisschen zu viel für ihn. Er war wütend stehen geblieben und versperrte den Weg nach oben.

„Ich will jetzt verdammt nochmal wissen was hier gespielt wird."

Ginny nickte ihren Bruder zu.

„Es wäre echt gut, wenn ihr uns wenigstens etwas erzählt. Wohin sind Dad, Bill und Charlie gestern verschwunden? Warum hat Bill einen Bürojob in England angenommen, wo er Ägypten doch so liebt und warum ist Charlie zu Besuch? Was machen die ganzen Leute hier, die die letzten Tage da waren und warum ist Mum so besorgt?"

Draco und Amelia tauschten einen Blick.

„Es liegt nicht an uns, euch etwas zu verraten. Wenn es nach mir ginge, sollten wir nicht mal hier sein, das ist viel zu gefährlich für euch."

„Was ist so gefährlich?", fragten die beiden Weasleys im Chor.

„Ja, was ist so gefährlich?" Eine Tür ging auf und die Weasley Zwillinge steckten ihre Köpfe aus dem Zimmer neben ihnen.

„Fragt eure Eltern", sagte Amelia nur und trat einen Schritt zurück an Dracos Seite.

Die Blicke der Weasley Zwillinge folgten ihr und landeten bei Draco.

„Sag mal, was ist mit deinem Gesicht passiert?", fragte einer der Zwillinge und stellte sich vor Draco.

Dracos erster Reflex war es sein Gesicht abzuwenden, doch dann spannte er den Kiefer an und sah zu den Weasleys.

„Voldemort ist passiert."

Die Zwillinge zuckten zusammen, Ron stolperte die Treppe nach oben und landete auf dem Hintern und Ginny stieß einen kleinen Schrei aus.

„Warum sagst du diesen Namen", wisperte Ron und starrte Draco entsetzt an.

„Verdammt wir kämpfen gegen ihn. Eure Eltern kämpfen gegen ihn. Wir stehen auf einer Seite verflucht noch mal! Wisst ihr denn gar nichts!", rief Draco laut aus und gestikulierte in ihre Richtung. Doch die Weasleys sahen ihn nur erstarrt an.

„Das ist ein Scherz, oder?", fragte ein Zwilling. Amelia glaubte es musste George sein, aber sie war sich nicht sicher.

„Nein, das ist kein Scherz. Ihr habt Dumbledore doch Ende letzten Jahres gehört, er ist zurück."

„Aber… aber was haben wir damit zu tun?"

Amelia zuckte die Schultern. „Ich bin nicht sicher, aber die Brüder eurer Mutter wurden von Todessern ermordet."

„Davon habe ich noch nie was gehört", sagte Ginny.

„Ihr müsst eure Eltern fragen, warum sie uns unterstützen. Aber jeder von uns hat einen Grund den Dunklen Lord zu hassen."

„Aber der da!", sagte Ron und sprang auf. Er deutete mit dem Finger auf Draco. „Der findet es doch noch gut was du-weißt-schon-wer tut. Er findet es doch gut, dass Muggel und Muggelstämmige getötet werden und alle, die auf ihrer Seite stehen. Du bist blind was ihn angeht, Amelia. Er hat die Muggelstämmigen immer gequält. Er hat dabei gelacht! Was macht der hier?"

In Dracos Gesicht zuckte kein Muskel. Amelia spürte jedoch, wie seine Hand sich um die ihre verkrampfte.

„Du weißt gar nichts", spukte er aus und Amelia konnte den Hass deutlich in seiner Stimme spüren.

„Willst du es etwa leugnen!", zischte Ron und Amelia sah seinen Zauberstab in seiner Hand. „Colin war über eine Woche im Krankenflügel, nachdem ihr mit ihm fertig wart, und was ist mit Dean, Justin, Lisa, Hermine, Kevin und all den anderen die du schikaniert hast?"

Amelia verspannte sich. Sie hatte immer gewusst das Draco sich einen Spaß daraus machte die Schlammblüter etwas zu ärgern. Nein, zu verhexen und zu demütigen.

Am Anfang hatte sie mitgemacht. Sie hatte sich beweisen wollen. Aber nach Artemis Tod war es ihr nichtmehr richtig vorgekommen ihre Überlegenheit so zu demonstrieren. Sie wusste, dass Draco niemals ganz damit aufgehört hatte. Es war nicht mal ein halbes Jahr her, dass sie Draco beobachtet hatte, wie er und seine Freunde Colin Creevey krankenhausreif gehext hatten.

Sie hatten danach gestritten und Amelia war sich sicher, dass es das letzte Mal gewesen war das Draco seine Macht so missbraucht hatte.

„Es geht hier nicht darum wer wem einen Fluch aufgehalst hat", sagte Draco zähneknirschend. „Es geht darum, dass Voldemort uns alle umbringt, wenn wir uns ihm nicht unterwerfen. Selbst uns Reinblüter. Ihm ist das doch scheiß egal! Wir müssen zusammenhalten, ich kann darüber hinwegsehen, dass ihr Blutsverräter seid, die sich mit Muggeln verbünden. Ich kann mit euch zusammenarbeiten, obwohl ich euch verachte. Weil der Feind, den wir jetzt haben größer ist als diese Unstimmigkeiten. Wir können weiterstreiten, wenn Voldemort tot ist, aber jetzt sind wir in erster Linie ein Volk."

„Du bist so ein Arsch, Malfoy", sagte Ron.

Draco grinste nur. „Ich habe nie was Anderes behauptet, Weasley"

„Was ist mit dir Amelia? Hältst du uns auch für Blutsverräter?", fragte Ginny und sah sie unsicher an.

Amelia stockte. Noch nie hatte sie jemand so direkt darauf angesprochen. Woran glaubte sie? Glaubte sie daran das Zauberer Muggeln überlegen waren? Ja. Glaubte sie das Reinblüter besser waren als Schlammblüter? Ja. Glaubte sie daran, dass jeder Zauberer, der der sich mit Muggeln verbündete sie und die magische Gesellschaft verriet? Ja.

Durfte sie das in der jetzigen Situation zugeben? Nein.

„Was wollt ihr von mir hören? Es spielt ohnehin keine Rolle", sagte Amelia kühl.

„Also was machen wir nun. Bleiben wir mitten auf der Treppe stehen oder gehen wir weiter?", fragte Draco mit leicht genervtem Unterton.

„Mum ist sicher gleich mit dem Essen fertig", sagte Fred und wie zur Bestätigung begann Georges Magen zu knurren.

Es war wenigstens einigermaßen komisch.

Sie gingen zurück in die Küche wo Charlie und Bill dabei halfen den Tisch zu decken. Bald darauf kamen auch Percy und Arthur Weasley. Als Percy Amelia und Draco sah, warf er ihnen einen säuerlichen Blick zu, sagte aber nichts dazu.

Als alle am Tisch saßen, ergriff Fred das Wort.

„Wollt ihr uns jetzt endlich mal sagen was hier abgeht?"

„Malfoy meinte etwas, mit ihr-wisst-schon wem", fügte sein Zwilling hinzu.

Die jüngeren Weasley Kinder blickten zu ihren Eltern.

Mr Weasley schien etwas sagen zu wollen, doch seine Frau warf ihm einen mahnenden Blick zu.

„Arthur", sagte sie streng.

„Irgendwas müssen wir ihnen erzählen!", verteidigte sich ihr Mann.

Mrs Weasley sah verärgert aus, wandte sich aber ihrem Essen zu. Mr Weasley schien das als Einverständnis zu nehmen.

„Wir vertrauen Dumbledore", begann Arthur Weasley und sah seine Kinder an. „Vor einiger Zeit kam er auf uns zu und bat uns um Unterstützung gegen ihr-wisst-schon-wen. Das wir dabei helfen die Menschen von der Wahrheit zu überzeugen. Davon, dass er zurückgekehrt ist."

„Ihr glaubt also, dass er wieder da ist?", fragte Ginny tonlos.

Arthur Weasley nickte, ebenso wie seine Frau und seine beiden ältesten Söhne, Bill und Charlie. Amelia musterte Percy. Dieser blickte stur auf seinen Teller.

„Ihr wisst nicht, wie es damals war, ihr wart noch zu klein. Aber es war eine schreckliche Zeit. Man konnte keinem trauen, ständig gab es neue Todesfälle. Wenn wir jetzt handeln, können wir schlimmes verhindern. Deine Mutter und ich haben beschlossen, dass wir etwas unternehmen müssen, auch wenn es gefährlich ist. Wir könnten nicht ruhig leben, in dem Wissen, dass andere nur wegen ihres Blutes gejagt werden."

Amelia musterte jeden der Weasleys und merkte sich ihre Reaktionen. Es war durchaus interessant, besonders das, was unter der Oberfläche brodelte.

„Und weil wir jetzt gegen du-weißt-schon-wen kämpfen-", begann Fred.

„- sind die beiden jetzt hier?", endete George und nickte zu Draco und Amelia.

„Sie haben beide viel durchgemacht in letzter Zeit. Ich habe Dumbledore angeboten, dass sie herkommen sollen. Sie haben unsere Ginny gerettet und hier ist es besser als in einem… als anderswo", sagte Mr Weasley und sah besorgt zu Draco und Amelia hinüber.

„Sie ist durchgeknallt. Seht euch nur mal an was sie alles gemacht hat", sagte Percy und warf wütend sein Besteck auf den Teller. Soße spritzte auf den Tisch.

Mrs Weasley warf Amelia einen besorgten Blick zu und Amelia spürte, wie Draco sich neben ihr anspannte. Ihr Blick suchte den des ehemaligen Schulsprechers.

„Was habe ich gemacht, dass du mich für verrückt hältst?", fragte Amelia gerade heraus.

„Du hast eine schwarzmagische Schlange!", sagte der Weasley.

„Ich bin ein Parselmund. Auch du würdest dir eine Schlange kaufen, wenn du mit ihnen sprechen könntest."

„Das ist genau das gleiche. Parsel!"

„Willst du mich für etwas verurteilen was angeboren ist? Das ist so, als würdest du mich wegen meines Blutes verachten? Wo ist der Unterschied zwischen Muggelhass und der rassistischen Angst gegenüber einem Parselmund?"

Percy schluckte und wurde blass.

„Sieh dir doch mal dein Leben an, das ist nicht gerade vorbildlich!"

„Ich habe auch nie jemanden dazu aufgefordert mich als Vorbild zu nehmen."

„Bei Merlin, du warst schwanger, mit vierzehn. Wer weiß mit wem du es alles getrieben hast!" Percy war aufgestanden und starrte sie wütend an. Doch er war nicht der einzige. Draco war wutentbrannt aufgesprungen und sein Stuhl kippelte gefährlich.

Amelia stand ebenfalls auf und packte Draco am Arm. Unwillig sah er in ihre Richtung. Etwas Mahnendes lag in Amelias Blick.

„Verdammt", fluchte Draco leise und ließ sich wieder auf seinen Stuhl sinken und Amelia wandte sich an Percy.

„In gewisser Weise hast du Recht, Percy", sagte Amelia kühl und ging um den Tisch herum. „Ich habe unverantwortlich gehandelt und meine Schwangerschaft war das Resultat. Die Presse macht aus mir ein billiges Flittchen." Amelia legte den Kopf schief und musterte den Weasley „Hattest du nie das Bedürfnis nach körperlicher Nähe? Das passiert eben."

Percy lief rot an, während Amelia vor ihm zum Stehen kam. Da lag wohl ein wunder Punkt. Percy war größer als sie und Amelia musste zu ihm hoch schauen.

„Die… Die Zeitung wird das nicht ohne Grund schreiben!", stotterte Percy sichtlich verlegen. Er war wohl doch ziemlich prüde. „Die erfinden so was nicht."

„Percy, bist du wirklich so naiv oder tust du nur so?", fragte Amelia fast belustigt. „Das ist Politik. In der Politik gewinnt man an Ansehen, indem man andere ruiniert. So funktioniert das. Fudge versucht seinen Arsch zu retten und ich bin sein Opferlamm."

„Das ist doch Blödsinn. Fudge würde so was niemals machen. Er ist schließlich unser Minister und trägt große Verantwortung", sagte Percy überheblich. „Er würde niemals…"

„Seine Karriere damit retten?", unterbrach Amelia ihn hart. „Fudge hat es bis ganz nach oben geschafft. Er hat alles, was er sich erträumen konnte und jetzt taucht der Dunkle Lord wieder auf und er ist maßgeblich daran beteiligt. Es ist sein politisches Ende. Alles was er sich aufgebaut hat, sein Lebenstraum, bricht in sich zusammen. Und alles was er tun muss, um es aufzuhalten ist leugnen. Leugnen, damit seine Karriere weitergehen kann."

Amelia reckte das Kinn. „Fudge ist bereit alles zu tun, für Macht."

Percy hielt ihrem Blick nicht stand. Blass ließ er sich auf seinen Stuhl sinken. Amelia blieb einfach stehen und sah auf ihn herunter. Percy schluckte.

Beinah hätte Amelia höhnisch gelacht, doch sie hielt ihren harten Gesichtsausdruck bei. Es war so einfach Menschen zu manipulieren, wenn man wusste an was sie glauben, was ihnen das wichtigste war. Percy hatte alles seiner Karriere untergeordnet. Wer könnte Fudge verstehen, wenn nicht er?

Percy brauchte nichts sagen, er schüttelte nur ungläubig den Kopf.

Amelia setzte sich an ihren Platz und das Rücken des Stuhls durchbrach die Stille.

Percy seufzte und wandte sich wieder seinem Essen zu.

„Also wir bekämpfen ihn nun, oder was machen wir?", fragte Ron nach einer Weile.

„Ihr macht gar nichts", sagte Mrs Wasley barsch. „Ihr haltet euch da raus!"

„Aber…", wollte Ron, sagen doch Molly Weasley ließ ihn nicht zu Wort kommen.

„Ihr seid noch Kinder!"

„Wir sind volljährig!", beschwerte sich Fred Weasley.

„Ihr seid noch in der Schule!", sagte Mrs Weasley.

„Die beiden kämpfen auch", sagte Ginny und deutete auf Draco und Amelia.

„Das werden sie nicht. Ihr seid alle viel zu jung."

„Deshalb sind wir hier, oder?", fragte Amelia an Mrs Weasley gewandt. „Weil Dumbledore uns so lange wie möglich aus diesem Kampf heraushalten möchte."

„Er möchte nur das Beste für euch", sagte Mr Weasley besorgt.

Amelia schüttelte den Kopf und sah zu dem Zauberer herüber.

„Dumbledore macht sich selbst Vorwürfe, er ist ein guter Mensch. Aber er hat keine Macht über uns. Weder über Draco noch über mich. Wir werden tun was wir für richtig halten."

„Voldemort hat unseren Sohn umgebracht. Dumbledore kann nicht erwarten, dass wir tatenlos zusehen, wie er weiter mordet", knurrte Draco und seine Hand war zur Faust geballt. Alle Weasleys zuckten zusammen.

„Rache bringt euch nicht weiter", sagte Mr Weasley und musterte Draco.

„Es geht nicht um Rache. Ich dachte das müsstet gerade ihr am besten verstehen. Ich habe meine Familie verlassen, weil ich glaube, dass Voldemort unser Untergang ist. Ich habe es erlebt. Die Vorsicht, die Angst. Wo er ist, gibt es keine Hoffnung. Nur Tod."

„Du bist ihm begegnet?", fragte Bill und musterte Draco einschätzend.

„Mein Vater ist Todesser, was erwartest du?"

„Was?", fragte Ron entsetzt und starrte Draco an. Draco zuckte nur die Schultern.

„Nicht, dass es eine Überraschung wäre. Warum glaubst du sind wir hier und nicht auf unserem Anwesen?"

„War das dein Vater? Das mit deinem Gesicht?", hackte Bill nach, doch Draco verneinte.

„Das war Voldemort."

„Hör doch auf seinen Namen zu sagen", fauchte Ron ängstlich. Draco verzog eine Augenbraue und blickte den Jungen kalt an. Zu Amelia Überraschung hielt er sich an die Bitte.

„Der Dunkle Lord wollte mich nicht gehen lassen und ich wollte mich ihm nicht beugen. Ich bin entkommen und Amelia hat mich wieder zusammengeflickt."

„Oh, das kann sie", sagte Bill mit einem breiten Grinsen. Ron lief rot an, als die anderen lachten.

Draco blickte verwirrt zu den grinsenden Weasleys.

„Das erklär ich dir wann anders", sagte Amelia lachend und legte ihm unter dem Tisch ihre Hand aufs Bein.

„Darauf bin ich wirklich gespannt, Amelia."

Am liebsten hätte Amelia ihn geküsst, wenn sie bei den Malfoys zuhause gewesen wäre, hätte sie es sogar getan, doch sie war im Fuchsbau, bei den Weasleys.

Mr Weasley beobachtete sie nachdenklich.

„Ihr könnt nicht kämpfen", sagte er schließlich und kam zum Thema zurück. Amelia schenkte ihm ein unverbindliches Lächeln.

„Wir sind dankbar für ihre Gastfreundschaft und ihre Hilfe. Aber ich werde darüber nicht mit ihnen diskutieren. Das liegt außerhalb eures Einflussbereichs und auch Dumbledores Einflussbereichs."

Sie blickten sich in die Augen, bis Mr Weasley irgendwann den Blick senkte. „Dumbledore hat uns schon gewarnt, dass ihr sehr stur sein könnt."

„Wie gesagt, er ist ein kluger Mann."

Für Amelia war damit die Unterhaltung beendet und sie wandte sich wieder ihrem Essen zu. Es schmeckte köstlich. Mrs Weasley war eine ausgezeichnete Köchin und Amelia lobte sie auch groß dafür.

„Du könntest glatt Kochstunden bei ihr nehmen", pikste Draco. Amelia warf ihm einen säuerlichen Blick zu. Dazu gab es Hauselfen!

Der Rest des Essens verlief relativ ruhig. Bill fing irgendwann eine Unterhaltung mit Charlie über seine Arbeit in Rumänien an. Draco und Amelia blieben stumm. Percy beobachtete Amelia schweigend und Ron warf Draco ab und zu giftige Blicke zu.

Es war ein komisches Gefühl, sie waren wie Fremdkörper in einer heilen Welt.

„Ich wollte nochmal die Schutzzauber überprüfen gehen", sagte Amelia irgendwann, als sie fertig gegessen hatten.

„Es wurde sich um alles gekümmert", sagte Bill.

„Ich überprüfe sie lieber noch einmal. Auf diesem Haus liegt kein Fidelius-Zauber."

„Ich komme mit", sagte Draco und stand ebenfalls auf.

„Dumbledore selbst hat die Banne gezogen. Nicht mal ich könnte sie brechen und ich bin ausgebildeter Fluchbrecher", ereiferte sich Bill.

„Lass sie", sagte Charlie und legte seinem Bruder die Hand auf die Schulter.

„Aber", wollte Bill auffahren, doch Charlie schüttelte den Kopf.

„Danke", sagte Amelia sanft und lächelte ihn an.

Draco hielt ihr die Tür auf, als sie hinausgingen. Es tat gut dieser glücklichen Familie zu entkommen.

Es begann gerade zu dämmern und die untergehende Sonne färbte den Horizont in dunkles Rot.

„Es sieht schön aus", sagte Amelia und blieb stehen.

Draco legte die Arme um sie und drückte Amelia an sich.

„Ja", flüsterte Draco leise an ihrem Ohr. Amelia griff nach seinen Händen und lehnte sich an ihn.

Es war schon lange dunkel als Amelia und Draco wieder zurück ins Haus gingen. Die Weasleys saßen im Wohnzimmer. Das Radio lief und Fred und George waren damit beschäftigt über einem Pergament zu brüten. Percy las in einem Buch während Ron und Bill eine Partie Zauberschach spielten. Mrs Weasley strickte und Ginny blätterte in einer Hexenzeitschrift. Charlie war dabei seine Ausrüstung für die Arbeit zu flicken. Alle sahen kurz auf als Amelia und Draco hereinkamen.

Sie setzten sich zusammen in eine freie Ecke und Amelia holte erst mal Eristik aus seinem Terrarium. Er hatte den halben Tag in einer engen verzauberten Tasche verbracht und war dementsprechend verärgert. Amelia zischte ihm wohlwollend zu, doch er kringelte sich beleidigt vor dem Kamin ein und es war nichtmehr mit ihm zu reden.

„Ich hatte die Schlange kleiner in Erinnerung", sagte Ginny und betrachtete die orange-schwarze Runespoor.

„Sieht sau cool aus", stellte Fred fest und lugte zu der Schlange hinüber.

„Lasst ihn besser in Ruhe. Eristik ist noch beleidigt, weil er so unsanft transportiert wurde", warnte Amelia und kramte Pergamente und Bücher hervor.

„Die ist doch nicht gefährlich, oder?", fragte Mrs Weasley und betrachtete die Schlange missbilligend.

„Absolut harmlos. Er sieht nur gefährlich aus", sagte Amelia und sah, wie Eristik unter der allgemeinen Aufmerksamkeit seine Köpfe in alle Richtungen streckte. Ginny legte ihre Zeitschrift zur Seite und kniete sich vor Eristik auf den Boden.

„Darf ich?", fragte sie unsicher zu Amelia.

„Pass auf, er spielt gerne", lachte sie, doch Ginny hatte ihre Hand schon nach Eristik ausgestreckt. Eristik schlängelte sich auf sie zu und bevor die Hexe etwas machen konnte, war er in ihrem T-Shirt verschwunden. Ginny schrie erschrocken auf und Amelia und Draco mussten lachen. Auch Fred, George und Bill brachen in Gelächter aus.

„Du hast eine ziemlich perverse Schlange", stellte Bill lachend fest während Ginny nicht wagte sich zu rühren. Eristik steckte seine drei Köpfe an ihrem Ausschnitt wieder heraus und der rechte Kopf zischte glücklich.

„Was hat er gesagt?", fragte Draco grinsend an Amelia.

„Sssooo schön warm", kicherte Amelia und jetzt musste auch Ginny lachen.

„Du hast mich ganz schön erschreckt", sagte sie schimpfend zu der Schlange und versuchte ihn aus ihrem Oberteil zu ziehen. Amüsiert beobachteten die anderen ihren Kampf.

Keine Stunde später verkündete Mrs Weasley plötzlich, dass sie schlafen gehen sollten. Ron und Ginny standen gehorsam auf.

„Das gilt auch für euch beide", sagte die Hexe und Amelia sah verwundert von ihrem Buch auf. Seit sie wusste, dass sie eine Hexe war, hatte ihr keiner mehr gesagt wann sie zu Bett zu gehen hatte. Nicht mal bei den Malfoys. Narzissa und Lucius hatte sie immer tun lassen, was sie wollten. Besser gesagt, irgendwann waren sie hochgegangen, hatten aber noch lange in Dracos Zimmer gesessen.

Draco sah ebenfalls ziemlich perplex aus.

„Das ist ein Scherz, oder?", fragte er, aber Mrs Weasley sah nicht so aus als würde sie scherzte machen.

„Aber es ist nicht mal zwölf Uhr", sagte Amelia und kam sich dabei unglaublich kindisch vor.

„Es ist spät genug. Wenn ihr nicht bald ins Bett geht, kommt ihr morgen nicht aus den Federn."

Draco und Amelia warfen sich einen fassungslosen Blick zu.

„Gut", sagte Amelia knapp und stand auf. Sie stopfte ihr Buch wieder zurück in ihre Tasche.

„Gute Nacht", sagte sie und ging schnurstracks aus dem Raum. Draco folgte ihr und hielt sie im ersten Stock auf.

„Was ist denn in dich gefahren?", fragte er verwundert.

„Was bildet sich diese Frau nur ein", fuhr Amelia aufgebracht herum. „Erst lässt sie uns nicht in einem Zimmer schlafen, dann will sie uns Vorschriften machen wie wir uns gegenüber Voldemort verhalten sollen und dann will sie uns auch noch Vorschriften machen, wann wir schlafen gehen sollen das ist doch…" Aber Amelia kam nicht dazu zu Ende zu sprechen. Draco hatte seine Lippen auf die ihren gepresst und küsste sie hitzig.

„Ich liebe es, wenn du wütend bist. Dann verlierst du deine Selbstbeherrschung", flüsterte Draco rau.

„Dann küss mich weiter, damit ich die Weasleys nicht noch verfluche", antwortete Amelia noch immer aufgebracht.

„Du führst mich fast in Versuchung", lachte Draco und sie drückte ihre Lippen auf seine. Manchmal sollte er einfach still sein. Sie vergrub ihre Finger in seinen Haaren und ließ sich nur allzu gerne gegen die Wand drücken. Gierig drängte sie sich an ihn und spürte seinen heißen Atem an ihrer Haut, als er mit seinen Lippen über ihren Hals strich.

Es war eines ihrer Spiele. Necken und zurückweichen, bis einer von ihnen die Beherrschung verlor. Leider war dies meistens Amelia.

Diesmal allerdings machte Amelia den Fehler ihre Augen zu öffnen und über Dracos Schulter hinweg, sah sie Ginny und Ron stehen, die sie beide geschockt anstarrten. Sie seufzte genervt auf.

Draco bemerkte es und drehte sich um.

„Überall Weasley", stellte er ziemlich frustriert fest.

Ron lief knallrot an, aber Ginny hatte ein süffisantes Lächeln auf den Lippen.

„Du musst es aber ziemlich nötig haben."

„Ihr Weasleys habt ein Talent dafür mir meinen Spaß zu versauen", sagte Draco und legte die Arme um Amelia, sodass sie vor ihm stand. Es war ihm wohl unangenehm, wenn sie sehen könnten, wie erregt er war. Auch wenn dieser Zustand nun rapide abnahm.

„Sicher, dass wir nicht einfach tauschen wollen? Und ich schlafe mit Draco in einem Zimmer? Eure Mutter brauch es nicht zu erfahren", sagte Amelia und hoffte inständig.

„Mum bekommt es raus, da kannst du dir sicher sein", sagte Ginny. Amelia seufzte und wandte sich zu Draco um.

„Dann sehen wir uns morgen früh."

Unwillig folgte Amelia Ginny in den dritten Stock, wo ihr Zimmer lag.

Der Raum war winzig und die Weasleys hatten es mit Mühe und Not geschafft zwei Betten hinein zu zwängen. Die Wände waren mit Postern von Lorcan d'Eath und den Schwestern des Schicksals zugekleistert.

„Da kannst du schlafen", sagte Ginny und deutete auf das Klappbett.

„Danke", erwiderte Amelia und setzte sich. Es quietschte unangenehm. Sehnsuchtsvoll dachte Amelia an das große bequeme Bett im Herrenhaus der Malfoys.

„Du brauchst gar nicht so die Nase zu rümpfen. Ich weiß, dass es nicht das tollste Zimmer ist."

„Das ist nicht so gemeint, Ginny. Ich bin es nur nicht gewohnt, dass man mir Vorschriften macht. Ich entscheide gerne selbst, was ich mache."

Amelia zog ihren Koffer aus ihrer Tasche und setzte ihn auf dem Boden ab.

„Mum meint es nicht so. Sie macht sich Sorgen und Dumbledore hat dich praktisch in ihre Obhut gegeben."

„Ich habe eine Familie. Ich brauche niemanden, der sich um mich kümmert."

„Du meinst die Muggel bei denen du aufgewachsen bist? Wie waren sie so?", fragte Ginny und setzte sich zu ihr aufs Bett.

„Nein, Ginny. Nicht die Muggel. Aber ich brauche jetzt niemandem meine Seele auszuschütten. Das ist nicht meine Art."

Amelia machte ihren Koffer auf und begann darin rumzukramen.

„Du bist ziemlich abweisend. So hatte ich dich gar nicht in Erinnerung. "

Amelia zog ihr Nachthemd unter einem Stapel Hogwarts Uniformen hervor.

„Wir kennen uns nicht wirklich."

„Du und Malfoy. Ihr habt mich damals aus der Kammer des Schreckens gerettet und ihr habt mich verteidigt. Dumbledore hat euch geglaubt, deshalb bin ich noch auf Hogwarts. Ihr wart so nett zu mir und letztes Jahr hast du Rons Arm geheilt. Es hat dir leidgetan was Malfoy gemacht hat. Ich meine, Malfoy hat sich in der Schule oft scheiße benommen. Aber nachdem du dich nichtmehr damit rumschlagen musstest, dass alle dich für die Erbin Slytherins hielten, hast du nichts mehr gemacht. Du hast dich nur verteidigt. Du bist ein guter Mensch. Warum zeigst du das nicht. Warum tust du so eiskalt und unnahbar?"

Amelia sah zu Ginny hoch und beobachtete das junge Mädchen.

„Du hast mich wohl ziemlich genau beobachtet", stellte sie fest. Sie war überrascht, was der Gryffindor alles aufgefallen war, auch wenn sie nicht immer die richtigen Schlüsse gezogen hatte.

„Alle reden immer von dir. Ich meine die Leute sagen nicht nur Gutes über dich, aber insgeheim bewundern sie dich. Alle auf Hogwarts schauen zu dir auf."

Amelia lächelte, aber das Lächeln erreichte nicht ihre Augen.

„Manchmal wünschte ich, auch ich dürfte mal Fehler machen, ohne dass jemand versucht mir einen Strick daraus zu drehen."

„Sie spielen dir schon ziemlich übel mit in der Presse… Wegen der Schwangerschaft meine ich…", sagte Ginny geknickt.

„Ich weiß nicht, ob du das verstehen kannst", sagte Amelia traurig. Sie musterte ihre Hände, damit sie nicht aufblicken musste. „Ich habe mein Baby zwar nicht geplant, aber ich hatte mich darauf gefreut Mutter zu werden. Ich habe meinen Sohn geliebt."

Bevor Ginny etwas dazu sagen konnte, stand Amelia auf. Ohne ein weiteres Wort verschwand sie ins Badezimmer und kämpfte die Tränen herunter. Sie musste aufpassen, dass sie nicht zu viel ausplapperte. Diese Weasleys hatten so eine herzliche, redselige Art.

Die Sonne ging gerade über dem Fuchsbau auf, als Amelia aufwachte. Es durfte nicht mal fünf Uhr morgens sein. Ginny schlief noch friedlich in ihrem Bett und nur ihr roter Schopf war zu sehen. Leise stand Amelia auf und hielt die Luft an, als das Klappbett zu quietschen anfing. Mit ihrem dünnen Nachthemd bekleidet schlich sie sich aus dem Zimmer. Die Türe schien unnatürlich laut zu klicken als Amelia in den Flur huschte, doch niemand wachte auf. Ein Stockwert höher öffnete sie die Tür und fand sich in einem orangen Zimmer wieder. Alle Wände waren mit Quiddich Postern der Chudley Cannons tapeziert.

Amelia huschte leise ins Zimmer und stolperte beinah über einen Stapel von Comic-Heften: Die Abenteuer von Martin Miggs, dem mickrigen Muggel.

Ron lag alle viere von sich gestreckt auf seinem Bett, sein Mund stand offen und seine Bettdecke war zu Boden gestrampelt.

Draco schlief ebenfalls auf einem Klappbett. Seine Haare standen in alle Himmelsrichtungen ab und er hatte sein Gesicht im Kissen vergraben. Er sah wirklich süß aus. Amelia huschte leise an seine Seite und berührte ihn an der Schulter. Draco rührte sich nicht.

Etwas energischer rüttelte sie an ihm und plötzlich fuhr Draco hoch.

„Wa…", wollte Draco auffahren, doch Amelia presste ihm ihre Lippen auf den Mund. Draco schien einen Moment zu brauchen, um zu realisieren was geschah, doch dann erwiderte er den Kuss. Amelia musste lächeln, als sie spürte sie sich seine Lippen sanft gegen ihre bewegten. Geschmeidig glitt sie neben ihm aufs Bett und lehnte sich in den Kuss hinein.

Einen Augenblick später war ein lautes Quietschen zu hören, als Draco sie auf sein Bett warf.

„Welch eine Überraschung", hauchte er gegen ihre Lippen, bevor er sie mit einem weiteren Kuss überfiel. Gierig drang seine Zunge in ihren Mund ein und Amelia war im ersten Moment zu überrascht, um zu reagieren. Dann erwiderte sie den Kuss, seufzte leise und schlang ihre Beine um ihn, presste ihren Unterleib an den seinen. Draco stöhnte in ihren Mund. Auf Amelias Lippen schlich sich ein diebisches Grinsen.

„Nicht so laut, sonst wacht er noch auf", flüsterte Amelia an Dracos Ohr und knabberte zärtlich an seinem Hals. Ron schnarchte laut auf.

„Du perverses Stück, das würde dir gerade so gefallen", zischte Draco in ihr Ohr und Amelia rieb sich an ihm. Sie wollte ihn und diesmal würde sie kein Weasley davon abhalten.

„Vielleicht", kicherte sie verspielt. Mit einem lasziven lächeln drückte sie Draco von sich runter und glitt auf den Boden vor dem Bett. Sie rieb ihre Nase an seine Boxershorts und sog seinen Geruch tief in sich ein.

„Du berauschst mich", flüsterte sie und zog an seiner Unterwäsche. Draco ließ sie sie abstreifen.

„Verdammt, was hast du vor", stöhnte Draco leise als sie seinen Schaft umfasste.

„Ich hatte vor deinen Schwanz ganz tief in den Mund zu nehmen.", flüsterte Amelia und nahm sein steifes Glied tief in sich auf. Er drückte sich ihr entgegen und legte den Kopf in den Nacken. Amelia schielte nach oben und sah, wie er sich auf die Lippen biss damit Ron nicht wach wurde.

Sie begann hingebungsvoll an seinem Schwanz zu saugen und pumpte ihn rhythmisch im Takt.
„Was wenn er aufwacht?", keuchte Draco abgehackt.

„Dann wird er so tun als würde er schlafen und uns nie drauf ansprechen", erwiderte sie und machte weiter. Allein die Situation jagte einen Schauer der Erregung durch ihren Körper und Amelia spürte, wie sie unglaublich feucht wurde. Sie hatte schon immer auf gefährliche Situationen gestanden.

Ihre Bewegungen wurden immer schneller und sie massierte sanft seine Hoden. Draco musste sich beherrschen, um keine Geräusche zu machen, doch das Bett gab ab und zu ein paar Quietschgeräusche von sich. Amelia zückte ihren Zauberstab und tippte gegen das Klappbett. Als sie kurz darauf auf Dracos Schoß kletterte machte es keinen Ton mehr.

Ihre Lippen fanden sich zu einem atemlosen Kuss und Amelia warf noch einen Blick über ihre Schulter zu dem schlafenden Jungen. Doch Draco fehlte die Geduld und er packte sie an den Hüften, um in sie einzudringen. Amelia keuchte auf vor Lust und Draco legte den Kopf in den Nacken.

„Gut so", stieß er leise hervor. Bald war nur noch ihr leises, abgehacktes Atmen und das Reiben ihrer Leiber zu hören. Amelia presste ihren Mund an Dracos Schulter, um ihr Stöhnen an seiner heißen Haut zu unterdrücken. Sie bewegten sich immer gieriger aneinander und mussten sich Mühe geben nicht zu laut gegeneinander zu klatschen. Draco umfasste ihre Hüften, führte sie in einen immer drängenderen Rhythmus. Amelia spannte ihre Innenmuskulatur an und mit jedem weiteren Stoß kam sie ihrem Höhepunkt ein Stückchen näher. Einen kurzen Augenblick später krallte sie sich an Draco fest und biss ihm unkontrolliert in die Schulter als sie spürte, wie ihr Orgasmus sie überrollte.

Draco hielt kurz inne, dann drückte sie auf das Bett und stieß immer wieder gierig in sie. Er verbarg sein Gesicht in ihren Haaren, als er sich etwas später tief in sie ergoss. Sie sanken nach hinten aufs Bett.

„Bei Merlin, Amelia. Hast du vor, mich ab jetzt jeden Morgen so zu wecken?", fragte er leise und drückte das zierliche Mädchen an sich. Sie küsste entschuldigend die Bissspuren auf seiner Schulter. Sie würde es heilen, bevor es einen Bluterguss gab.

„Das kommt drauf an, was du mir dafür bietest", neckte sie ihn.

Ron grunzte im Schlaf und drehte sich auf den Bauch.

„Lass uns verschwinden", flüsterte Draco und stand auf. Möglichst leise schlichen sie aus dem Zimmer.

„Du bist ziemlich durchgeknallt, Amelia", sagte Draco lachend, als sie im Flur standen.

„Du bist genauso durchgeknallt, Draco", stellte sie fest und küsste ihn nochmal. Die Weasleys würden sie ganz sicher nicht davon abhalten Draco nah zu sein.

Als sie aus dem Bad wiederkamen und sich angekleidet hatten, war noch immer niemand wach. Amelia wollte nicht in der Küche herumstöbern, also gingen sie raus in den Garten.

Der Garten war alles andere als gepflegt und Narzissa hätte sicher die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Anstatt Pfauen als Haustiere, konnte Amelia ein paar wirklich hässliche Gartengnome entdecken.

Sie legten Zauberbanne um sich, sodass sie niemand beim Zaubern sehen würde, wenn er aus dem Haus blickte und als Mrs Weasley eine halbe Stunde später als erste die Tür öffnete waren sie total außer Atem von ihren Duellübungen.

Amelia hatte schon immer wenig geschlafen. Sie war von jeher spät schlafen gegangen und früh aufgestanden, um zu lernen, um besser zu sein als alle anderen. Seit ihrer Schwangerschaft hatte Draco sich ihren Tagesrhythmus angewöhnt. Er hatte keine Wahl gehabt, wenn er mit ihr zusammen im Kerkerraum übernachtet hatte.

Amelia hingegen hatte von Draco das Kaffeetrinken übernommen. Sirius hatte Draco das Zeug vorgesetzt, als er bei ihm gewohnt hatte und Amelia hatte es am Anfang furchtbar widerlich gefunden. Aber man gewöhnte sich an alles.

Zu sagen Mrs Weasley wäre überrascht gewesen Draco und Amelia zu sehen, als sie zum Hühnerfüttern aus dem Haus kam war eine Untertreibung. Sie grüßte sie überschwänglich und versprach ihnen ein baldiges Frühstück.

Kaum war Mrs Weasley wieder hineingegangen, kam Percy raus und lief mit seiner Aktentasche schnurstracks auf die Straße zu.

„Percy", rief Amelia ihm hinterher und wich geschickt Draco nächstem Fluch aus. Sie gab ihm mit einer Handbewegung zu verstehen zu warten und lief eilig über den Hof.

„Percy, hast du einen Moment?", fragte sie ihn, als sie vor ihm stehen blieb.

„Ich muss zur Arbeit, ich habe noch einen wichtigen Bericht über fliegende Teppiche abzugeben", sagte er mit gewichtiger Mine.

„Es gibt etwas, dass nur du tun kannst, Percy und es ist wichtig."

„Was sollte so wichtig sein?", fragte Percy reserviert und Amelia schenkte ihn ein unsicheres Lächeln.

„Kurz vor der dritten Aufgabe des Trimagischen Turniers hat Fudge einen Gefangenen genommen. Einen Mann. Er wurde aus Hogwarts fortgebracht und keiner weiß, wo er jetzt ist. Ich muss ihn finden."

„Wie soll ich dir dabei helfen?"

„Dein Vater ist ein Idealist. Das wissen alle. Er gilt als Muggelfreund und wird aus dem Ministerium nichts herausbekommen. Aber du kannst mehr sein. Ich glaube, wenn du es klug anstellst, kannst du herausfinden, wo der Gefangene ist. Wenn du ihr vertrauen gewinnst, kannst du herausfinden wo Barty Crouch Jr. ist."

„Was?", Percy zuckte bei dem Namen zusammen, als hätte ihn jemand geschlagen.

„Crouchs Sohn. Er war der Stolperstein in seiner Karriere und er hat ihn ermordet. Wenn wir ihn in die Finger bekommen, haben wir einen von Voldemorts gefährlichsten Anhängern."

Percy schien noch immer erstarrt.

„Das kannst nur du." Amelia Stimme klang sanft und doch voller Überzeugung.

Percy schluckte und sah zu Amelia hinunter. Seine Mine wurde nachdenklich.

„Du willst also, dass ich für dich das Ministerium ausspioniere?", fragte er und kniff die Augen zusammen.

„Du kannst dabei nur gewinnen", sagte Amelia und straffte den Rücken.

„Achja?"

„Du bist klug, Percy. Wenn das Ministerium dich für seinen Verbündeten hält, kannst du nichts verlieren. Sollte ich unrecht haben mit allem was ich sage wirst du den Todesser Barty Crouch nicht finden können, da es ihn nicht gibt. Aber wenn ich recht habe und das Ministerium anerkennen muss, dass Voldemort zurückgekehrt ist, dann lege ich meine Hand für dich ins Feuer. Mein Wort wird Gewicht haben."

Sein Blick wanderte über ihr Gesicht und blieb an ihrer Narbe haften. Amelias durchdringend grüne Augen suchten die des Weasleys und sie fing seinen Blick ein. Percy nickte unmerklich. Dann wandte er sich um und disapparierte.

Amelia lächelte, aber es lag keine Wärme darin.

Als die anderen Weasleys Stück für Stück aufstanden, saßen Draco und Amelia bereits mit großen Tassen Kaffee in der Küche und steckten ihre Nasen über einem Buch zusammen. Mr Weasley war kurz nach Percy zur Arbeit gegangen und Bill hatte seinen neuen Job in Gingotts angetreten.

Dumbledore hatte ihn gebeten mit den Kobolden zu sprechen, um sie auf ihre Seite zu ziehen.

Die Kobolde hatten eine eigene Gesellschaft und auch eigene Interessen. Allerdings waren Kobolde den Zauberern ziemlich ablehnend gegenüber. Die Kulturen waren einfach zu unterschiedlich.

Nach dem Frühstück schien das Haus vollends zum Leben erwacht zu sein. Charlie verabschiedete sich und machte sich auf den Weg nach Rumänien. Er würde bei der Arbeit versuchen ein paar ausländische Zauberer für den Widerstand gegen Voldemort zu gewinnen.

Das Leben bei den Weasleys war im höchsten Maße ärgerlich. So sehr Draco und Amelia auch versuchen ihnen aus dem Weg zu gehen, umso mehr schienen sie ihre Gesellschaft zu suchen. Nirgends hatte man seine Ruhe und wenn die Zwillinge nicht gerade versuchten, eine ihrer Erfindungen an irgendeinem ahnungslosen Opfer auszuprobieren oder Mrs Weasley ihnen dafür eine Standpauke hielt, schlich Ron um sie herum oder Ginny jagte wie ein Wirbelwind durchs Haus.

Dauernd explodierte etwas, denn die Weasley Zwillinge waren jetzt volljährig und durften außerhalb der Ferien zaubern, was sie dazu nutzten, alles zu verhexen was nicht bei drei auf den Bäumen war. Sie versuchten sogar die beiden Slytherins zu verfluchen, wofür Draco sie einen Tag mit einem Schweigezauber belegte. Mrs Weasley hielt ihm dafür eine Strafpredigt, dass er in den Ferien nicht zaubern durfte, die Draco mit hochgezogener Augenbraue über sich ergehen ließ, bevor er kommentarlos das Zimmer verließ. Sie hatten den Weasleys nicht erzählt, dass die Spur nichtmehr auf ihnen lag. Sie brauchten nicht mehr zu wissen als unbedingt nötig.

Amelia schätzte ihre Ruhe. Sie hatte sie immer geschätzt und Draco hatte ihr ihre Ruhe gelassen. Selbst auf Hogwarts hatten sie sich immer in ihren Kerkerraum zurückziehen können.

Die Weasleys hingegen schienen sie in alles mit einbeziehen zu wollen. Ob es nun eine Partie Quidditch war oder Streiche, nie war man allein. Dazu kam es, dass die Weasleys nicht mal einen Hauselfen hatten und Mrs Weasley das Haus allein in Ordnung hielt. So sah es aber auch aus. Das reinste Chaos.

Amelia war wirklich froh, als eine Woche später die Schulbriefe kamen. Zusammen mit den Vertrauensschüler Abzeichen. Snape hatte es geschafft Dumbledore davon zu überzeugen sie und Draco zu Vertrauensschülern zu ernennen. Auch Ron war Vertrauensschüler von Gryffindor geworden und während seine Mutter beinah vor Stolz platzte, schoben die Zwillinge ihm einen Blaskaugummi zu, der Rons Kopf auf die Größe einer überdimensionierten Melone anschwellen ließ, bevor seine Mutter den Zauber rückgängig machen konnte.

Wenigstens gab es bei den Weasleys immer was zu lachen. Ein kleiner Trost.

Nachwort:

Irgendwie konnte ich nicht widerstehen. Ich musste... Ich musste Amelia einfach den Fuchsbau besuchen lassen. Ich musste einfach dafür sorgen, dass sie auch einmal durch dieses Haus läuft, dass für Harry sein zweites Zuhause nach Hogwarts war und ich musste, aufzeigen wie wenig Amelia sich dort zuhause fühlt. Wie wenig sie sich bemuttern und bevormunden lassen will. Auch wenn sicher alles nett gemeint ist. Ich habe sehr lange überlegt, ob ich die Sexszene drinnen lasse. Aber es ist ihr Akt der Rebellion gegen die Bevormundung. Ich konnte es nicht besser zum Ausdruck bringen, ohne es in Worten auszuformulieren. Ich weiß gar nicht ob sie sich dieser Rebellion selbst so bewusst ist.

Irgendwie hat mir die Unterhaltung zwischen Draco und Bill am Anfang des Kapitels. Irgendwie mag ich die ganzen Unterhaltungen mit den Weasleys. Sie sind zivilisiert und nicht grob beleidigend. Eine Zweckgemeinschaft aus der Not heraus geboren. Ich glaube nicht, dass Draco dazu vor einem halben Jahr in der Lage gewesen wäre. Aber es zwingt einen erwachsen zu werden. Der Gedanke Vater zu werden. Der Gedanke sich seiner Familie zu widersetzen, in den Krieg zu ziehen für etwas an das man glaubt. Es bringt einen dazu Kompromisse einzugehen. Auch und vor allem einen Slytherin.

Irgendwie ist mir auch die sehr kurze Unterhaltung zwischen Ginny und Amelia sympathisch. Es ist eine kurze nette Außenansicht. Wie wenig sie doch mit ihrer eigenen Innenansicht zu tun hat.