Kapitel 5 - Fronten

Am ersten September nahmen sie den Fahrenden Ritter. Er war vollgestopft mit Schülern, die nach Hogwarts fuhren und Amelia und Draco hatten sich die Kapuzen ihrer Umhänge tief ins Gesicht gezogen. Sie wollten nicht, dass man sie zusammen mit den Weasleys sah. Schon allein um die Familie nicht direkt in die Schusslinie zu befördern. Sie setzten sich auf eine andere Etage und es war fast wie eine Befreiung endlich entkommen zu sein. Sie waren zu zweit glücklicher.

Amelia konnte Moody erkennen, der sich ebenfalls in den Fahrenden Ritter drängte und mit ihnen am Bahnhof ausstieg. Die anderen Ordensmitglieder konnten nicht weit sein.

Amelia konnte ein seliges Lächeln nicht unterdrücken, als sie die scharlachrote Lock sah. Der Hogwarts-Express.

Sie kämpften sich ihren Weg über das vollgestopfte Gleis bis zu einem Abteil ganz vorne, auf dem Vertrauensschüler stand.

Es war noch niemand da, als sie hinein gingen und sich Plätze am Fenster suchten. Sie verstauten ihr Gepäck und atmeten erstmal durch. Von draußen war Stimmengewirr zu hören und die Kinder, die sich überschwänglich von ihren Eltern verabschiedeten. Draco sah nach draußen und Amelia brauchte keine Okklumentik, um zu wissen was er dachte.

„Deine Eltern lieben dich", sagte sie unvermittelt und blicke ebenfalls aus dem Fenster.

„Woher willst du das wissen? Ich habe sie verraten", erwiderte er bitter und beobachtete, wie eine junge Mutter ihren kleinen Sohn drückte.

„Dein Vater hat einmal zu mir gesagt, dass du das Beste bist, das er in seinem Leben zustande gebracht hat."

Ein schmerzliches Zucken fuhr über Dracos Gesicht.

„Glaubst du er denkt noch immer so? Nach allem was geschehen ist?"

„Doch, das glaube ich Draco. Weil du mit fünfzehn all das geschafft hast, was er nicht zustande bekommen hat. Du bist mutig, stolz, entschlossen. Alles was dein Vater immer sein wollte, aber nie konnte", sagte Amelia und nahm seine Hand.

„Woher willst du das wissen?", fragte Draco gequält.

„Ich bin eine Legilimentor, Draco. Ich sehe in die Herzen der Menschen. Ich fühle was sie fühlen, ich verstehe sie."

„Verstehst du auch mich?", fragte Draco und Amelia strich ihm über die Wange. Sanft zog sie ihn an sich und barg ihn in ihren Armen.

„Ich bin bei dir", flüsterte sie leise gegen seine Haare.

Draco und Amelia saßen schweigend nebeneinander als die Abteiltür geöffnet wurde und die restlichen Vertrauensschüler langsam eintrafen.

Für Gryffindor wurde neben Ron noch Hermine Granger zur Vertrauensschülerin ernannt, was nicht sonderlich überraschend war. Aus Hufflepuff kamen Ernie Mcmillan und Hannah Abbott. Die Vertrauensschüler von Ravenclaw waren Anthony Goldstein und Padma Patil geworden. Sie alle warfen Draco und Amelia neugierige Blicke zu, die schweigsam am Fenster saßen.

Zum neuen Schulsprecherpaar waren Olivia Fawcett aus Ravenclaw und Cadric Diggory ernannt worden.

„Amelia, wie geht es dir? Es war klar, dass du Vertrauensschülerin wirst", sagte Cedric gut gelaunt, als er als einer der letzten ins Abteil kam und sich neben Amelia setzte. Der Hogwarts Express fuhr gerade an.

„Gut, danke, Herr Schulsprecher", erwiderte Amelia lächelnd.

Cedric grinste stolz und blickte zu Draco, der nun nichtmehr aus dem Fenster starrte, sondern sich ins Innere des Abteils gewandt hatte.

„Verflucht", entfuhr es Cedric und er starrte auf Dracos Fluchnarbe. Dieser verzog keine Miene.

„Also ähm…" sagte Cedric und sah sich verlegen um. Alle starrten auf Draco.

„Erst mal Gratulation zum Vertrauensschülerposten", sagte Cedric und langsam bekam er die Aufmerksamkeit zurück. „Als Vertrauensschüler ist es eure Aufgabe, die Einhaltung der Schulregeln zu überwachen und ein Vorbild für eure Mitschüler zu sein."

„Wie soll die denn ein Vorbild sein? Sie ist verrückt!", sagte Ernie Mcmillan und deutete auf Amelia. Ein paar der anderen nickten.

„Ich glaube diesen Unsinn nicht, den sie im Tagespropheten schreiben. Die wollen nur die Wahrheit vertuschen", sagte Cedric und Amelia sah ihn überrascht an.

„Woher willst du das wissen? Ich meine wo sind die Beweise", fragte Hermine Granger.

„Ihr habt das vielleicht nicht mitbekommen, aber Amelia hat schon vor einen Jahr behauptet, dass ihr-wisst-schon-wer stärker wird und damals war das Dunkle Mal bei der Quiddich Weltmeisterschaft. Aber erst seit dem Trimagischen Turnier zerreißt die Presse sie in der Luft. Die ganze Sache mit der Schwangerschaft ist doch nur ein Vorwand, um sie in Misskredit zu bringen", erwiderte Cedric.

„Ich habe nie von so was gehört, also davon, dass er angeblich stärker wird", sagte Mcmillan.

„Weil ich nicht damit hausieren gegangen bin", sagte Amelia sanft. „Ich wollte es doch genauso wenig glauben, wie all die anderen, obwohl es deutliche Anzeichen gab. Da waren Dumbledore und ich uns einig. Es gab ein paar Leute, so wie Cedric die davon etwas mitbekommen haben. Aber so oder so. Lord Voldemort ist zurückgekehrt."

Ein Schauer lief durch die kleine Gruppe.

„Es könnte eine Wahnvorstellung sein, die sie schon seit frühester Kindheit verfolgt und die jetzt erst richtig losgebrochen ist.", sagte Olivia und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Dann halluziniere ich auch", sagte Draco. „Ich habe ihn ebenfalls gesehen."

„Hast du davon…?", fragte Hannah Abbot schüchtern und deutete eine Narbe auf ihrem Gesicht an. Draco schnaubte.

„Er war gar nicht davon begeistert das ich mich ihm widersetzt habe. Ich brauche Amelia nicht glauben. Ich weiß, dass er wieder da ist."

„Das ist doch verrückt", ereiferte sich Hermine. „Von allen Zauberern auf dieser Schule bist du der Letzte, der sich gegen du-weißt-schon-wen stellen würde. Du hast immer auf allen Muggelstämmigen rumgehackt!"

„Das reicht jetzt", sagte Padma Patil. „Nur, weil Draco ab und zu etwas unfreundlich zu dir war, ist das noch lange kein Grund zu behaupten er würde einen Massenmörder unterstützen!"

„Amelia hat behauptet Malfoys Vater sei Todesser!", schoss Hermine zurück.

„Und sie hatte Recht", mischte sich Draco ein. „Aber ich bin nicht mein Vater. Ich bin von zuhause abgehauen, weil ich nichts mit diesem Mörder zu tun haben will. Glaubst du nur, weil ich von Muggelstämmigen nicht gerade begeistert bin, muss ich ein Monster sein?"

Darauf wusste Hermine nichts mehr zu sagen.

„Ich glaube Malfoy", sagte Ron unvermittelt und Amelia konnte seine Qual förmlich spüren für Draco Partei zu ergreifen. Aber Ron war ein anständiger Junge. Alle blickten ihn überrascht an und er versank verlegen in seinem Sitz.

„Danke", erwiderte Draco und nickte Ron zu. Dieser zuckte mit den Schultern.

„Aber… Aber wieso?", fragte Hermine fassungslos.

„Naja, überlegt doch mal. Wenn Amelia wirklich schwanger war, dann muss es auch einen Vater gegeben haben. Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr-wisst-schon-wer euer Kind umbringt."

Es war schwer zu sagen wer überraschter war. Hermine oder Draco. Keiner von beiden hätte Ron so tiefgreifende Gedankengänge zugetraut. Wenn Amelia ehrlich zu sich selbst war, sie auch nicht. Ron konnte sie noch alle überraschen.

„Und was hat es mit diesem Duell auf sich, dem zwischen Malfoy und Professor Moody kurz vor der dritten Aufgabe. Ich meine er hat Dumbledore entwaffnet. Was ist da passiert?", sagte Anthony Goldstein. Er war bis jetzt sehr still gewesen. „Du hast damals was von Vielsaft-Trank gesagt. Was ist das?"

„Was?" Hermine schnappte nach Luft. „Vielsaft-Trank erlaubt es einem die Gestalt von einem anderen anzunehmen und zwar perfekter als mit jedem Zauber."

Amelia nickte.

„Dieser Mann, der uns unterrichtet hat, war nicht Alastor Moody, sondern nur eine perfekte Kopie. Es hätte damals alles Enden können", sagte Amelia bitter. „Wir hätten alle Pläne zerschlagen können. Aber Fudge hat den Mann mitgenommen, bevor wir seine Pläne aushorchen konnten und ein paar Stunden später war es zu spät. Das sind Minister Fudges Dämonen. Wenn er zugibt Informationen zurückgehalten zu haben, die zur Wiederkehr Voldemorts führten, wird man ihm den Prozess machen und anklagen. Jeder der sich heutzutage auf meine oder Dumbledores Seite stellt, wird mundtot gemacht. Fudge ist der Minister für Zauberei, er würde alles verlieren."

„So viel kann doch gar nicht in Hogwarts vorgehen, ohne dass keiner etwas davon mitbekommt", sagte Mcmillan.

Draco schnaubte „Ihr würdet überrascht sein."

„Oh, ich war überrascht.", sagte Goldstein. „Ich dachte immer du seist ein ganz normaler Aufschneider. Okay, Amelia Potter war schon immer was Besonderes, aber ich hätte niemals gedacht, dass du so Zaubern kannst. Das Duell war der Wahnsinn und du hast auch Krum besiegt." Er sah Draco bewundernd an und ein paar andere murmelten zustimmend.

„Talent würde ich sagen", erwiderte Draco überheblich.

„Ihr wollt wirklich gegen du-weißt-schon-wen kämpfen?", fragte Mcmillan ungläubig.

„So war ungefähr der Plan", erwiderte Amelia und musterte die anderen Vertrauensschüler.

Es war faszinierend. Ob Dumbledore sie deshalb ausgewählt hatte, weil er wusste, dass es eine Chance gab, sie von der Wahrheit zu überzeugen? Der Wahrheit, dass Voldemort zurückgekehrt war.

Schließlich schafften sie es doch noch, die Vertrauensschüleraufgaben zu besprechen. Es gab ein extra Badezimmer für Vertrauensschüler und einen Konferenzraum in Hogwarts. Einmal im Monat würden sich alle Vertrauensschüler treffen, um Probleme zu besprechen die aufgetreten waren. Das erste Treffen würde zwei Wochen nach Schulbeginn stattfinden.

Damit reichten Olivia und Cedric den Vertrauensschülern Umschläge in ihrer Hausfarbe auf denen die neuen Passwörter für die Gemeinschaftsräume standen.

Amelia öffnete den grünen Umschlag und zog ein Pergamentblatt heraus.

Blutsverwandtschaft stand darauf in silbernen Lettern. Amelia reichte den Zettel an Draco weiter.

Es war nun ihre Aufgabe das Passwort den anderen Slytherins mitzuteilen. Außerdem sollten sie ab und zu durch den Zug gehen, um nach Recht und Ordnung zu sehen.

Am liebsten wäre Amelia im Vertrauensschülerabteil sitzen geblieben, doch sie musste auch noch nach Daphne schauen.

Sie gaben die Passwörter weiter und waren schon durch den halben Zug gegangen als sie ein paar vertraute Stimmen hörten.

In einem Abteil saßen Daphne, Pansy, Millicent, Blaise, Vincent und Gregory.

Alle sahen hoch als Amelia und Draco eintraten.

„Ich dachte schon ihr seid gar nicht im Zug", begrüßte sie Blaise und sah unsicher zu ihnen herüber.

„Wir waren im Vertrauensschülerabteil. Das neue Passwort ist übrigens Blutsverwandtschaft", sagte Amelia. Draco schloss die Abteiltür hinter ihr.

„Oh, Gratulation", sagte Daphne etwas unsicher und musterte die silbernen Vertrauensschülerabzeichen die an ihren Roben glänzten.

„Also… seid ihr wieder zusammen?", fragte sie zögerlich.

„Ja", antwortete Draco und legte seinen Arm um Amelia. Daphne warf Blaise einen unsicheren Blick zu.

Blaise hatte wohl schon erzählt, was Anfang der Ferien passiert war, als Draco bei ihm aufgetaucht war, um seine Schulsachen abzuholen.

„Also bist du wirklich von zuhause weggelaufen?", fragte Pansy und ihre Stimme klang etwas schrill.

„Ja", sagte Draco.

„Also warst du warst wirklich schwanger?", wandte sich Pansy an Amelia.

„Ja", sagte Amelia.

„Also ist der Dunkle Lord wirklich zurückgekehrt?"

Draco und Amelia warfen sich einen Blick zu.

„Ja", sagten sie gleichzeitig.

Es herrschte Totenstille im Abteil. Vincent war der Erste der Aufstand. Er wuchtete seinen Koffer von der Ablage und ging ohne ein weiteres Wort aus dem Abteil. Gregory folgte ihm. Millicent sah sich einen Moment unsicher um, dann schnappte sie sich den Käfig mit ihrem Kater und folgte den beiden Jungs.

Pansy sah ihnen hinterher. Daphne rührte sich nicht und Blaise musterte Draco eindringlich.

„Du bist ganz schön verrückt alles für eine Frau aufzugeben", stellte er trocken fest.

„Verdammt!", fluchte Draco und warf sich auf den leeren Sitz von Vincent. „Ihr könnt mich mal alle am Arsch lecken. Darf man nicht einmal in seinem Leben das richtige tun, ohne dafür verurteilt zu werden?"

Im ersten Moment herrschte Stille dann musste Amelia kichern. Blaise viel mit ein.

„Das Leben war nie fair", flötete sie und ließ sich von ihrem frustriert aufseufzenden Freund auf den Schoß ziehen.

„Ich brauch dringend Sex", nuschelte er leise und vergrub sein Gesicht in ihren Brüsten. Amelia legte kichernd die Arme um ihn.

„Ich will auch einen Freund", sagte Pansy neidisch.

„Was ist mit Graham?", fragte Amelia über Dracos Kopf hinweg und kraulte ihm durch die Haare.

„Wir haben uns vor den Ferien getrennt. Aber ich meine, er ist es auch nicht so wirklich."

„Pansy du wirst doch nicht schon wieder damit anfangen wild in der Schule herum zu vögeln", sagte Daphne und warf ihr einen missbilligenden Blick zu.

„Keine Sorge, ich werde dich fragen. Außerdem haben wir doch zwei neue Vertrauensschüler die auf mich aufpassen", erwiderte Pansy und warf einen amüsierten Blick auf Draco der seine Nase noch immer an Amelias Brüsten rieb.

„Die geben bestimmt ein super Vorbild ab. Dann vögeln ab jetzt alle auf McGonagalls Lehrerpult rum."

„Blaise!", entrüstete sich Amelia. „Draco, über was redest du mit ihm?" Sie drückte Draco ein Stück von sich, damit sie ihn ansehen konnte.

„Nur über schöne Dinge, Liebes. Versprochen", feixte Draco. Die Jungs und Pansy lachten. Amelia und Daphne tauschten einen genervten Blick.

Es war eine gelöste Runde wie sie zusammen im Hogwarts Express saßen. Amelia war überrascht, dass Pansy nicht mit den anderen gegangen war, aber das war etwas, dem sie nicht heute auf den Grund gehen wollte. Außerdem musste sie dringend mit Daphne reden. Aber auch nicht heute. Amelia wollte nur noch genießen, dass sie zurück nach Hogwarts fuhren.

Auf ihren Kontrollgängen durch den Zug folgte ihnen Getuschel. Aber ganz ehrlich? Hätte es kein Getuschel gegeben, wäre das etwas Besonderes gewesen.

Amelia fühlte sich unwohl Vincent und Gregory bei Wilkes zu sehen. Auch Graham Montague Pansys Ex- und immer wieder Freund saß bei ihnen im Abteil.

„Hast du Nott schon gesehen?", fragte Draco leise, als sie weitergingen. Doch kaum hatte Draco von ihm gesprochen sahen sie ihn auch schon. Er stand vor der Toilette an. Sein Blick verdüsterte sich als er Amelia und Draco sah.

„Hi", sagte Amelia und versuchte ein flüchtiges Lächeln. Theodor Nott erwiderte es nicht.

Sie suchte seine Augen und ihre Blicke trafen sich einen Augenblick.

Amelia zögerte einen Moment dann wählte sie ihre Worte an ihn mit Bedacht.

„Wir haben die alten Ideale nicht vergessen, Theodor. Wir leben sie noch heute. Doch wo der Dunkle Lord ist, wird es für niemanden eine Zukunft geben."

Theodor schien einen Moment fassungslos, bevor er sich wieder zusammenriss.

„Was…", setzte er an, doch die Tür vor ihm ging auf und ein Erstklässler kam heraus. Er blickte sich ängstlich zwischen den älteren Schülern um.

Draco nickte Theodor zu und sie gingen weiter.

„Du hast Legilimentik benutzt", stellte Draco fest als sie außer Hörreichweite waren.

„Natürlich", sagte Amelia und schenkte Draco ein einnehmendes Lächeln.

„Und, was denkt er?"

„Er weiß es nicht. In erster Linie steht er hinter seinem Vater. Aber er hat Angst vor Voldemort."

„Und für welche Seite wird er sich entscheiden?"

Amelia zuckte belustigt die Schultern.

„Keine Ahnung, Draco. Ich bin nicht allwissend. Legilimentik ist eine zarte Mischung aus Wissen, Raten und jede Menge Gefühlschaos. Übrigens auch einer der Gründe, warum ich so scharf auf Sex bin."

„Ich dachte immer das liegt an mir", stellte Draco gespielt schmollend fest.

„An wem könnte es sonst liegen?", schnurrte Amelia lasziv und trat ganz nah vor ihn. „Du bist so gut, darin mich um den Verstand zu vögeln, dass ich einfach nichtmehr denken kann. Das ist der absolut beste Zustand meines Lebens. Nicht denken und mich dir einfach nur hingeben."

Amelia spürte Dracos heißen Atem ganz nah an ihren Lippen.

„Deine Hände auf meinem Körper zu spüren, deine Lippen an den meinen und deinen verdammt harten Schwanz, den du immer wieder in mich-"

Amelias Lippen wurden gierig verschlossen und Draco zog sie an stürmisch an sich.

„Du wirst noch mein Tot sein", knurrte Draco düster und löste sich wieder von ihr. „Du hast verdammtest Glück, dass wir mitten im Zug stehen."

„Also ich hätte damit kein Problem", sagte Amelia und tauchte unter seinen Armen hindurch. „Aber ich denke mal wir wären unseren Posten schneller los, als ich Bestechungsgeld gesagt hätte."

Es war schon dunkel als der Hogwarts-Express am Bahnhof ankam. Doch dieses Jahr war etwas anders. Anstatt Hagrid rief eine Hexe mit markanten Gesichtszügen und einem strengen Haarschnitt die Erstklässler zusammen.

Amelia überlegte einen Moment, was wohl mit Hagrid war, stieg dann jedoch in eine der Kutschen, die schon auf sie warteten.

„Meinst du der Wildhüter ist noch immer für den Orden unterwegs?", fragte Draco leise, als er sich neben sie setzte.

„Kann gut sein. Ich weiß es nicht. Aber ich gehe mal davon aus."

„Mir gefällt das ganze ganz und garnicht. Riesen sind unkontrollierbar", stellte Draco fest. Pansy, Blaise und Daphne stiegen zu ihnen in die Kutsche. Der sechste Platz blieb leer, denn alle anderen huschten ängstlich an ihnen vorbei.

Mit einem Schaukeln setzte sich die Kutsche in Bewegung und nahm ihren Weg hinauf zum Schloss. Amelia blickte hinaus aus dem kleinen Fenster. Oben auf dem Berg konnte sie die Lichter von Hogwarts erkennen. Ihrem Zufluchtsort.

Die große Halle war noch ziemlich leer, als die Slytherins eintraten. Amelias Blick glitt über den Lehrertisch und sie musste ein resigniertes Seufzen unterdrücken.

Am Tisch saß Dolores Umbridge. Sie war vom Ministerium und alles im allem eine sehr unangenehme Persönlichkeit. Amelia hatte sie auf der Weihnachtsfeier auf Malfoy Manor kennen gelernt. Also hatte Dumbledore keinen Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste gefunden. Amelias Blick suchte den von Severus und er warf ihr einen ziemlich säuerlichen Blick zu.

„Das wird ärger geben", prophezeite Amelia, als sie sich mit den anderen Slytherins an ihren Haustisch setzte.

„Ich kenne die Kröte irgendwoher", sagte Draco und musterte die untersetzte Hexe mit ihrer rosa Strickjacke.

„Habt ihr das bemerkt, die hat eine rosa Schleife in den Haaren", sagte Pansy abfällig.

„Die sieht aus wie so eine alte Jungfer", stellte Blaise fest.

„Ob sie das ist? Es gab Gerüchte, dass sie eine Affäre mit Fudge hat", sagte Amelia und von Pansy kam ein abfälliges Schnauben.

„Nicht wirklich, oder?", fragte Blaise angewidert und machte ein Würgegeräusch.

„Doch. Das ist Dolores Umbridge. Die erste Untersekretärin des Zaubereiministers."

„Was will das Ministerium in Hogwarts?", fragte Daphne und Amelia blickte düster zu der Hexe.

„Das wird sicher ein spaßiges Schuljahr."

Die große Halle füllte sich langsam und als die neuen Schüler hereingeführt wurden erstarb das Gemurmel. Professor McGonagall brachte den sprechenden Hut und die Hutkrempe öffnete sich als er zu singen begann:

In alter Zeit, als ich noch neu,

Hogwarts am Anfang stand,

Die Gründer unsrer noblen Schule

noch einte ein enges Band.

Sie hatten ein gemeinsam' Ziel

Sie hatten ein Bestreben:

Die beste Zauberschule der Welt,

Und Wissen weitergeben.

„Zusammen wollen wir bau'n und lehr'n!"

Das nahmen die Freunde sich vor.

Und niemals hätten die vier geahnt,

Dass ihre Freundschaft sich verlor.

Gab es so gute Freunde noch

Wie Slytherin und Gryffindor?

Es sei denn jenes zweite Paar

Aus Hufflepuff und Ravenclaw?

Weshalb ging dann dies alles schief,

Hielt diese Freundschaft nicht?

Nun, ich war dort und ich erzähl

Die traurige Geschicht'.

Sagt Slytherin: „Wir lehr'n nur die

Mit reinstem Blut der Ahnen."

Sagt Ravenclaw: „Wir aber lehr'n,

Wo Klugheit ist in Bahnen."

Sagt Gryffindor: „Wir lehr'n all die,

Die Mut im Namen haben."

Sagt Hufflepuff: „Ich nehm sie all'

Ohne Ansehen ihrer Gaben."

Am Anfang gab es wenig Streit

Nur Unterschiede viele,

Denn jeder der vier Gründer hatte

Ein Haus für seine Ziele.

Sie holten sich, wer da gefiel;

So Slytherin nahm auf,

Wer Zauberer reinen Blutes war

Und listig obendrauf.

Und nur wer hellsten Kopfes war,

Der kam zu Ravenclaw.

Die Mutigsten und Kühnsten doch

Zum tapferen Gryffindor.

Den Rest nahm auf die Hufflepuff,

Tat allen kund ihr Wissen,

So standen die Häuser und die Gründer denn

In Freundschaft, nicht zerrissen.

In Hogwarts herrschte Friede nun

In manchen glücklichen Jahren,

Doch bald kam hässliche Zwietracht auf,

Aus Schwächen und Fehlern entfahren.

Die Häuser, die vier Säulen gleich

Einst unsre Schule getragen,

Sie sahen sich jetzt als Feinde an,

Wollten herrschen in diesen Tagen.

Nun sah es so aus, als sollte der Schule

Ein frühes Ende sein.

Durch allzu viele Duelle und Kämpfe

Und Stiche der Freunde allein.

Und schließlich brach ein Morgen an,

Da Slytherin ging hinfort.

Und obwohl der Kampf nun verloschen war,

Gab's keinen Frieden dort.

Und nie, seit unsere Gründer vier

Gestutzt auf dreie waren,

Hat Eintracht unter den Häusern geherrscht,

Die sie doch sollten bewahren.

Nun hört gut zu dem Sprechenden Hut,

Ihr wisst, was euch beschieden:

Ich verteil euch auf die Häuser hier,

Wie's mir bestimmt ist hienieden.

Ja, lauscht nur meinem Liede gut,

Dies Jahr werd ich weitergehen:

Zu trennen euch bin ich verdammt,

Doch könnt man's als Fehler sehen.

Zwar muss ich meine Pflicht erfüllen

Und jeden Jahrgang teilen.

Doch wird nicht bald durch diese Tat

Das Ende uns ereilen?

Oh, seht das Verderben und deutet die Zeichen,

Die aus der Geschichte erstehen.

Denn unsere Schule ist in Gefahr,

Sie mag durch äußere Feinde vergehen.

Wir müssen uns stets in Hogwarts vereinen

Oder werden zerfallen von innen.

Ich hab's euch gesagt, ich habe gewarnt.

Applaus brandete auf, gemischt mit Geflüster. Auch Amelia hatte aufmerksam gelauscht.

„Der sprechende Hut scheint sich wirklich Sorgen zu machen", sagte Amelia leise an Draco gewandt.

„Wir machen uns wohl alle Sorgen", antwortete Draco leise und sie beobachteten die Auswahlzeremonie. Amelias Blick huschte über die Schüler in der großen Halle, wie sie die neuen Schüler ihrer Häuser mit klatschen empfingen.

„Eigentlich hat der Sprechende Hut genau das Gesagt, was ohnehin wichtig ist. Nicht nur in der Schule, sondern generell in der Zaubergesellschaft", sagte Draco leise. Die goldenen Teller füllten sich mit Speisen und das laute Geklapper des Geschirrs dämpfte Dracos Worte.

„Wir sollen zusammenhalten", sagte Amelia und nickte.

„Das gilt aber für alle Häuser und alle Schüler, Draco. Auch die Schlammblüter."

Sein Gesichtsausdruck würde etwas steif, als er sich Bratkartoffeln auftat.

„Sie gehören nicht zu unserer Gesellschaft. Man kann sie tolerieren in Zeiten, in denen man keine Wahl hat. Aber sie werden niemals dazugehören", stellte er klar.

„Ich weiß und ich weiß, dass sie uns schaden, dass sie uns niemals verstehen werden. Aber wenn wir darüber streiten, mit all jenen die zu ihnen halten, dann ist alles, was uns bleibt die Zwietracht. Wie sollen wir die Zauberwelt einen, wenn wir Zauberer schon miteinander streiten. So wie einst die Gründer von Hogwarts."

„Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist. Wenn wir ihnen den Rücken zukehren, werden sie uns in den Abgrund reißen. Dann gilbt es bald keine Zauberkultur mehr, die wir beschützen können", erwiderte Draco aggressiv und spieße äußert unsanft eine Kartoffel auf seine Gabel.

„Aber du verstehst meinen Standpunkt", erwiderte Amelia und Draco sah sie düster an. Er hatte sich die ganzen Ferien, im Hauptquartier und auch bei den Weasleys, sehr mit seinen wahren Ansichten zurückgehalten."

„Ich glaube nicht, dass das gut geht", sagte Draco missmutig.

„Das, was wir allen klar machen müssen ist, dass die alten Künste und unsere Kultur mehr ist als Voldemorts Gedankengut. Das es älter ist, dass es nicht böse ist."

„Das ist richtig, aber wie willst du das machen, wenn du deinen Standpunkt nicht verteidigst. Ich habe sehr wohl bemerkt, dass du bei den Weasleys sehr gründlich versucht hast, nicht durchblicken zu lassen, dass du die Muggel genauso hasst wie ich. Du willst als die Gute dastehen. Aber wenn du nicht sagst, was du wirklich denkst, dann kannst du auch niemanden von deinen Ansichten überzeugen."

„Ich habe mich nicht verstellt", erwiderte Amelia sofort.

„Oh doch, das hast du. Ich kenne dich besser als du denkst", schoss Draco sofort zurück.

„Nein", entgegnete Amelia trotzig.

Die Unterhaltung war immer lauter geworden, bis die anderen kaum anders konnten, als darauf aufmerksam zu werden. Die Hexe und der Zauberer stierten sich wütend an bis Pansy sie unterbrach.

„Ich habe euch noch nie streiten sehen", stellte sie überrascht fest. Draco und Amelia schnaubten abfällig. Sich in Gestik und Mimik so ähnlich.

„Ärger im Paradies", lachte Blaise.

„Wir streiten nicht", sagte Amelia kühl und nahm sich etwas Roastbeef.

„Meine Freundin ist zu Harmoniebedürftig", stichelte Draco.

Amelia lag schon eine sehr scharfe Bemerkung auf der Zunge, doch das wirkliche Problem war wohl, das Draco Recht hatte. Zu seiner Meinung zu stehen, hieß auch Streit und Kritik entgegenzunehmen und seine Werte zu verteidigen. Draco hatte dies immer getan. Amelia schloss die Augen, um die Beherrschung wiederzufinden.

„Draco, das ist kindisch."

„Gib einfach zu, dass ich Recht habe."

Einen kurzen Moment war Amelia versucht ihm zu widersprechen, nur aus Prinzip. Aber er hatte Recht.

„Können wir uns darauf einigen, dass du den bösen Part übernimmst und ich den Guten? Ich bin doch die Heldin in dieser Geschichte, oder?", sagte sie spitz.

„Mach dich nicht darüber lustig, das ist ernst", erwiderte Draco missbilligend.

„Du hast Recht", nickte Amelia und seufzte. „Ich stehe zu unseren Idealen. Ich weiß wer ich bin." Zur Verdeutlichung legte sie eine Hand auf seinen Arm, an dem das Beltanesiegel lag. „Du weißt besser als jeder andere, wie tief ich in den Alten Künsten versunken bin. Es wird immer ein Teil von uns sein."

Draco musterte sie einen Moment, dann seufzte auch er und strich sanft über ihre Finger.

„Du hast recht", sagte er etwas versöhnlicher.

„Was das andere angeht", fuhr Amelia fort und sah ihn entschlossen an, „müssen wir mit List vorgehen. Offene Konfrontation führt nur zu mehr Streit und Konflikten. Das können wir uns momentan nicht leisten. Besonders was das Ministerium angeht müssen wir vorsichtig sein. Du weißt, dass sie nur einen Vorwand suchen, mich noch weiter in Misskredit zu bringen. Den dürfen wir Ihnen nicht liefern."

Jetzt musste Draco grinsen. „Erinnerst du mich gerade daran, dass wir Slytherins sind?", fragte er sie lachend.

„In Slytherin weiß man noch List und Tücke zu verbinden", zitierte Amelia den Sprechenden Hut und grinste Draco an.

Dumbledore setzte zu seiner üblichen Rede an und stellte die neuen Professoren vor. Professor Raue-Pritsche würde Pflege magischer Geschöpfe übernehmen und Professor Umbridge würde Verteidigung gegen die Dunklen Künste unterrichten.

Severus hatte es ihnen prophezeit. Das jemand der Fudge so nah stand, nun an die Schule kam konnte nichts Gutes bedeuten.

Dumbledore war gerade mitten im Satz, als ein Räuspern ihn unterbrach.

Professor Umbridge war aufgestanden. Noch nie seit Amelia Dumbledore kannte, war er von jemandem unterbrochen worden und den Blicken der anderen Lehrer zufolge, die zwischen Verwirrung, Unglaube und Missbilligung lagen war dies wohl auch vorher nie passiert.

„Danke, Direktor", sagte Professor Umbridge mit künstlich gezierter Stimme, „für diese freundlichen Willkommensworte."

Amelia musste ein Lächeln unterdrücken. Politiker waren echt dreist. Aber mit Dreistigkeit kam man weiter.

„Nun, es ist wunderbar, wieder in Hogwarts zu sein!", fuhr Umbridge fort. „Und solch glückliche kleine Gesichter zu mir aufblicken zu sehen!"

Blaise musste ein Lachen unterdrücken.

„Ich freue mich sehr darauf, Sie alle kennen zu lernen, und ich bin sicher, wir werden sehr gute Freunde werden!"

„Vielleicht sollten wir ihr sagen das Hogwarts eine Schule ist und kein Kindergarten", flüsterte Blaise Draco zu und beide feixten.

Dolores Umbridge räusperte sich wieder mit ihrer Kleinmädchenstimme. Doch nun fuhr sie in viel geschäftsmäßigerem Ton fort und Amelia horchte auf.

„Das Zaubereiministerium hat der Ausbildung junger Hexen und Zauberer immer die größte Bedeutung beigemessen. Die seltenen Gaben, die Sie von Geburt an besitzen, könnten verkümmern, wenn wir sie nicht durch sorgfältige Anleitung fördern und hegen würden.

Die uralten Fähigkeiten, die der Gemeinschaft der Zauberer vorbehalten sind, müssen von Generation zu Generation weitergegeben werden, wenn wir sie nicht für immer verlieren wollen.

Der Schatz magischen Wissens, den unsere Vorfahren zusammengetragen haben, muss bewahrt, erweitert und vertieft werden von jenen, die zum ehrenvollen Dienst des Lehrers berufen sind."

Umbridge machte eine leichte Verbeugung in Richtung des Lehrertisches, doch keiner rührte sich.

„Jeder Schulleiter, jede Schulleiterin von Hogwarts hat etwas Neues zu der schweren Aufgabe beigetragen, diese geschichtsträchtige Schule zu führen, und das ist auch gut so, denn ohne Fortschritt treten Stillstand und Verfall ein."

Die Aufmerksamkeit in der Halle ebbte ab und Amelia bemerkte wie Pansy und Daphne leise zu flüstern begannen. Draco lachte über etwas das Pansy gesagt hatte. Doch Amelias Blick blieb stur auf Umbridge gerichtet. Es gefiel ihr gar nicht was sie hörte.

„Und doch muss dem Fortschritt um des Fortschritts willen, eine Absage erteilt werden, denn häufig bedürfen unsere erprobten und bewährten Traditionen nicht des Herumstümperns. Ein Gleichgewicht also zwischen Altem und Neuem, zwischen Dauer und Wandel, zwischen Tradition und Innovation weil manche Änderungen zum Besseren ausschlagen, während andere im Urteil der Geschichte sich als Fehlentscheidungen erweisen werden. Desgleichen werden manche alten Gewohnheiten bewahrt werden, und dass ganz zu Recht, während andere, veraltet und überholt, aufgegeben werden müssen. Gehen wir also voran in eine neue Ära der Offenheit, der Effizienz und der Verantwortlichkeit, bestrebt, das zu bewahren, was bewahrenswert ist, zu vervollkommnen, was vervollkommnet werden muss, und zu säubern, wo wir Verhaltensweisen finden, die verboten gehören."

Es gab nur einen kleinen Beifall, die meisten hatten nicht mal bemerkt, dass die Rede geendet hatte. Amelia rührte keinen Finger.

„Die wird noch Ärger machen", sagte Amelia missmutig. „Sie werden uns den Mund verbieten."

„Warum was hat sie denn gesagt?", fragte Daphne. „Ich dachte das klang gar nicht so schlecht. Also so zu alten Traditionen zurückkehren und so."

Amelia schnaubte. „Du hast aber nicht bis zum Ende zugehört oder? Ihr letzter Satz verheißt Unheil. Das bedeutet das sie Befugnisse haben muss etwas zu ändern."

„Was macht dir Sorgen, Amelia", fragte Draco ernst und sah hoch zum Lehrertisch wo Dumbledore wieder sprach.

„Oh, sie meinte etwas von wegen säubern, wo Verhaltensweisen sind, die verboten gehören. Das schmeckt mir gar nicht."

„Du hast noch nie auf Verbote gestanden", stellte Draco fest und Amelia schenkte ihm einen düsteren Blick.

Das große Stühlerücken begann und Amelia erhob sich.

„Slytherin Erstklässler zu mir", rief sie gebieterisch über den Tisch und die Kleinen kamen etwas schüchtern näher.

„Die sind ja winzig", sagte Draco überlegen und beobachtete die Erstklässler. Amelia musste amüsiert grinsen.

„Uns nach", befahl Draco erhaben und sie führten die Erstklässler hinunter in die Kerker.

Die Kleinen warfen Amelia ängstliche Blicke zu, doch keiner wagte es, etwas zu sagen, aus Angst sie würde ihnen die Köpfe abreißen. Amelia war sich nicht sicher, ob sie traurig oder erheitert sein sollte.

Eristik lag schon in seinem Sessel am Kamin, als sie mit den Erstklässlern den Gemeinschaftsraum betraten. Amelia führte die Mädchen zu ihrem Saal und erklärte ihnen wie sie am nächsten Morgen zum Frühstück kämen. Bestimmt würden sie sich verlaufen.

Im Gemeinschaftsraum herrschte reges Treiben als sie zurückkam. Überall hatten sich kleine Grüppchen von Schülern versammelt, die sich über die Ferien austauschten. Amelia nahm Eristik von seinem Sessel und setzte sich vor den Kamin.

Wenn sie ehrlich zu sich war, hatte sie sich etwas vor der Rückkehr nach Hogwarts gefürchtet. Brachte ihre Anwesenheit ihre Freunde in Gefahr? Vincent, Gregory und Millicent hatten wohl schon von zuhause Anweisungen bekommen, wie sie sich zu verhalten hatten. Blaise hatte gesagt, dass er mit all dem nichts zu tun haben wollte, aber er hatte nicht reis aus genommen. Daphne war sowieso eine Sache für sich. Amelia musste noch herausfinden wie es ihr in den Ferien ergangen war und Pansy? Das war eine gute Frage. Pansy hatte sich immer entschieden gegen die Schlammblüter gestellt. Allerdings sind die Parkinsons niemals Voldemort gefolgt. Ob sie es wie Blaise hielt und versuchte neutral zu bleiben? Amelia hatte Pansy nie verstanden oder sie hatte sie zu gut verstanden und das war gerade das Problem daran.

Ein lautes Krachen riss sie aus ihren Gedanken. Ehe sie richtig darüber nachdenken konnte, hatte sie ihren Zauberstab in der Hand und hastete in Richtung Jungenschlafsäle.

Bitte, dachte sie nur, lass Draco nichts damit zu tun haben.

Aber wann hatte Morgana jemals ihre Bitten erhört. Als sie an den Schlafsälen des Fünften Jahrgangs ankam, lag Vincent auf dem Boden. Draco stand über ihm und hatte seinen Fuß auf seiner Brust platziert. Den Zauberstab nur Millimeter von Vincents Nase entfernt.

Gregory stand mit gezogenem Zauberstab daneben, zitterte jedoch so, dass er sich kaum trauen würde etwas zu unternehmen. Theodor beobachtete die Szene aus zusammengekniffenen Augen und seine Hand lag eher beiläufig auf seiner Tasche. Der Einzige, der das alles irgendwie lustig fand, war Blaise, der auf seinem Bett saß.

„Nenne mich noch einmal Blutsverräter du elendes Halbblut und ich zeige dir, wo dein Platz in der Nahrungskette ist", zischte Draco wütend. Vincent wandte ängstlich das Gesicht ab, um den Zauberstab nicht ansehen zu müssen. Amelia mochte Dracos Gewaltausbrüche nicht, aber jetzt war einer der Momente, in denen es mehr als angebracht war. Sie würde seine Autorität niemals untergraben.

„Amüsierst du dich gut?", fragte Amelia gut gelaunt und kam mit Eristik auf dem Arm in den Schlafsaal geschlendert.

„Ich habe unserem lieben Freund hier eine Lektion in Höflichkeit gegeben", antwortete Draco bissig und ließ mit einem Ruck von dem Jungen ab. Vincent schnappte nach Luft und fasste sich an die Brust, wo Draco zugetreten hatte. Seine Hände waren geschwollen und übersät mit feinen blutigen Rissen.

„Dann kann ich nur hoffen sie bringt etwas", sagte Amelia abschätzend und ließ sich auf Dracos Bett sinken. Gregory war zu seinem Freund gelaufen und half ihm sich aufzusetzen.

„Eins versteh ich nur nicht, ich dachte immer Crabbe sei reinblütig", sagte Blaise ahnungslos und wandte sich an Draco, der sich an seinen Bettpfosten lehnte.

„Es gibt eine Liste, mit allen reinblütigen Familien", antwortete Draco. „Es sind genau achtundzwanzig. Frag Nott danach. Sein Vater hat sie schließlich verfasst."

Theodor räusperte sich. „So ganz stimmt das nicht. Es sind nunmehr nur noch siebenundzwanzig. Abbott hat einen Muggel geheiratet und seine Blutlinie verunreinigt."

„Ich wusste nicht mal, dass es so was gibt", sagte Blaise überrascht. „Wer steht denn alles drauf?"

Erwartungsvoll sah er zu Theodor, doch dieser schien keine Auskunft darüber geben zu wollen.

„Du stehst nicht drauf", mischte Amelia sich ein, als sicher war, dass er nichtmehr antworten würde. „Genauso wenig wie ich. Malfoy und Nott stehen drauf und aus unserem Jahrgang noch Bulstrode, Parkinson, Greengrass, Mcmillan, Longbottom und Weasley."

„Der Dunkle Lord steht übrigens auch nicht drauf", sagte Draco bissig. „Er ist auch nur ein Halbblut."

„Keiner weiß aus welcher Familie der Dunkle Lord stammt. Er könnte durchaus reinblütig sein", sagte Theodor und beteiligte sich plötzlich wieder am Gespräch.

„Nein, sein Vater war ein Muggel.", widersprach Draco. „Das hat er in der Kammer des Schreckens vor zwei Jahren selbst gesagt. Sein richtiger Name ist Riddle, Tom Vorlost Riddle."

Theodor war bleich geworden. „Das… das ist unmöglich."

„Tom Vorlost Riddle", sagte Amelia und schrieb die Worte mit ihrem Zauberstab in die Luft. „Ist nichts anderes als ein Anagramm." Sie schwang ihren Zauberstab und die Buchstaben tauschten ihre Plätze. Lord Voldemorts Name brannte düster im Schlafsaal von Slytherin, bevor er langsam zu verblassen begann.

„Er wuchs in einem Muggelweisenhaus auf und trug den Namen seines Muggelvaters. Er war in Slytherin, genau wie wir. Er war Vertrauensschüler und Schulsprecher und als er Hogwarts verließ, arbeitete er bei Burgin & Burkes in der Nokturngasse. Er war ein normaler Mensch wie wir alle."

„Du meinst eher wie du", sagte Theodor und musterte sie. Amelia schenkte ihm ein einnehmendes Lächeln. Dieser Vergleich sagte mehr aus über Theodors Sichtweisen, als jede Legilimentik hätte offenbaren können.

„Das mein Lieber", flötete Amelia und machte Anstalten das Zimmer zu verlassen, „waren deine Worte."

Alle Blicke folgten ihr, als sie den Schlafsaal verließ.

Der nächste Unterrichtstag begann mit einer Doppelstunde Zaubertränke und Severus hielt ihnen eine ellenlange Predigt über ZAG's und wie wichtig sie wären.

Amelia fühlte sich nicht wirklich danach, sich jetzt Gedanken über Ihre Zukunft zu machen. Sie hörte Severus sagen, dass die Ergebnisse Ihrer ZAG ihre Berufswahl beeinflussen würden, aber noch hatte sie sich nie Gedanken darüber gemacht was sie einmal beruflich machen wollte. Vor gerade mal etwas mehr als zwei Monaten war ihre ganze Zukunft gewesen Mutter zu werden und jetzt sollte sie sich überlegen welchen Beruf sie einmal ergreifen wollte. Welchen Beruf konnte sie schon ergreifen, solange Voldemort hinter ihr her war und das Ministerium sie denunzierte?

„Ich glaube Snape hat uns noch nie so viele Hausaufgaben aufgegeben", seufzte Blaise als sie nach der Stunde zu Verwandlung gingen.

„Wart nur ab, das wird noch mehr", prophezeite Daphne und sie sollte Recht behalten.

Professor McGonagall erklärte ihnen nochmals die Wichtigkeit von ZAG's und gab ihnen ganze elf Zoll Pergament über die Verwandlung von Wirbeltieren auf. Amelia würde wohl die Strategie aus dem letzten Jahr übernehmen und ihren Homunkulus ihre Hausaufgaben schreiben lassen. Dann ging es schneller und sie konnte sich auf anderes konzentrieren.

Am Nachmittag hatten sie Alte Runen, aber Amelia fand leider keine Gelegenheit allein mit Daphne zu reden.

Der nächste Tag begann mit Verteidigung gegen die Dunklen Künste und was immer Amelia erwartet hatte, Professor Umbridge toppte ihre schlimmsten Erwartungen.

Sie trug noch immer ihre pinkfarbene Tweed Jacke und hatte eine kitschige schwarze Schleife im Haar.

„Ich würde ihr eine Stilberatung empfehlen", flüsterte Pansy, als sie in den Klassensaal gingen.

„Ich glaube das hilft auch nichtmehr viel", sagte Daphne und ihre Lippen kräuselten sich abfällig. Sie suchten sich Plätze ganz hinten im Klassensaal und Amelia setzte sich neben Draco.

„Guten Morgen Klasse!", sagte Professor Umbridge, als sich alle gesetzt hatten. Einige murmelten ein leises „Guten Morgen," zurück, doch das schien ihr nicht zu reichen.

Sie machte ein abfälliges Geräusch. „Das reicht aber nicht, oder? Ich möchte doch bitten, dass Sie: Guten Morgen, Professor Umbridge, antworten. Noch einmal, bitte. Guten Morgen, Klasse."

„Guten Morgen, Professor Umbridge", antworteten sie im Chor. Amelia fühlte sich etwas an die Beauxbaton-Schüler erinnert die immer aufgesprungen waren wenn ihre Schulleiterin den Raum betreten hatte.

„Schon besser. War nicht allzu schwer, nicht wahr?", fragte sie mit zuckersüßer Stimme.

„Wir werden jetzt etwas die Sitzordnung anpassen. Stehen sie bitte alle auf und treten sie mit ihren Schultaschen nach vorne."

Stühle rücken begann und die verwunderten Schüler traten von ihren Pulten weg.

„Mädchen nehmen auf der rechten Seite des Klassensaals Platz, Jungen auf der Linken." Die Schüler sahen Professor Umbridge nur ungläubig an. Das konnte sie nicht ernst meinen.

„Was schauen sie so, war meine Anweisung nicht eindeutig? HopHop", sagte sie und klatschte in die Hände.

Also setzte Amelia sich mit Daphne zusammen ganz hinten in den Klassensaal und warf Draco auf der anderen Seite einen ziemlich düsteren Blick zu.

„Das hat doch hervorragend geklappt", lobte Professor Umbridge mit ihrer süßen Stimme und lächelte breit. Sie sah dabei einer Kröte ziemlich ähnlich.

Sie zog einen ziemlich kurzen Zauberstab heraus und klopfte damit resolut gegen die Tafel.

Verteidigung gegen die dunklen Künste, Eine Rückkehr zu den Grundprinzipien erschien dort in einer schnörkeligen Schrift.

„Nun denn, Ihr Unterricht in diesem Fach war doch einigermaßen unstet und bruchstückhaft, nicht wahr?", sagte Professor Umbridge zu der Klasse. „Der ständige Wechsel der Lehrer, von denen einige offenbar keinem vom Ministerium anerkannten Lehrplan gefolgt sind, hat leider dazu geführt, dass Sie weit unter dem Niveau sind, das wir in Ihrem ZAG Jahr erwarten würden.

Sie werden sich jedoch freuen zu erfahren, dass diese Probleme nun behoben werden sollen. Wir werden in diesem Jahr einen sorgfältig strukturierten, theoriezentrierten, vom Ministerium anerkannten Kurs durchführen. Schreiben Sie bitte Folgendes ab."

Wieder klopfte sie mit ihrem kurzen Stab gegen die Tafel und neue Worte erschienen:

Ziele des Kurses

1. Verständnis der Grundprinzipien defensiver Magie.

2. Erkennen von Situationen, in denen defensive Magie auf rechtlicher Grundlage eingesetzt werden kann.

3. Den Gebrauch defensiver Magie in einen Zusammenhang mit praktischem Nutzen stellen.

Danach sollten sie das erste Kapitel lesen und Amelia schlug zwar das Buch auf, machte sich aber nicht die Mühe sich damit zu beschäftigen. Allein schon der Kapitelname, Allgemeinheiten für Anfänger, hatte sie abgeschreckt. Außerdem hatte sie schon mal reingelesen und der Inhalt war so nutzlos wie Umbridge.

Irgendwann wurde es unruhig um sie und Amelia blickte auf. Überrascht musste sie feststellen das Hermine Granger nicht in ihrem Buch las, sondern sich meldete. Professor Umbridge ignorierte sie hartnäckig, doch mittlerweile waren mehr Schüler dabei das Schlammblut zu beobachten, als in ihren Büchern zu lesen. Amelia und Draco tauschen einen belustigten Blick als Professor Umbridge aufzugeben schien.

„Wollten Sie eine Frage zu dem Kapitel stellen, meine Liebe?", fragte sie Hermine liebenswürdig, als hätte sie sie nicht gerade fünf Minuten gekonnt ignoriert.

„Nein, nicht zum Kapitel", sagte Hermine entschieden.

„Nun, wir lesen es gerade. Wenn Sie andere Auskünfte wünschen, können wir das am Ende des Unterrichts erledigen."

„Ich möchte eine Auskunft über Ihre Kursziele."

Professor Umbridge tat gekünstelt überrascht.

„Und Ihr Name ist?", fragte sie.

„Hermine Granger"

„Nun, Miss Granger, ich denke, die Kursziele sind vollkommen klar, wenn Sie sie sorgfältig durchlesen", sagte Umbridge.

„Nun, mir nicht. Da steht nichts davon, wie man defensive Zauber einsetzt."

Alle blickten zu den Kurzzielen an die Tafel. Amelia musste unwillkürlich lächeln. Irgendwie mochte sie Hermine Granger, manchmal. Auch wenn sie nur ein Schlammblut war, war sie dennoch ziemlich schlau.

„Defensive Zauber einsetzt?", wiederholte Professor Umbridge mit süßlicher Stimme „Nun aber, ich kann mir nicht vorstellen, dass in meinem Klassenzimmer eine Situation eintreten könnte, die es erfordert, dass Sie einen defensiven Zauber einsetzen, Miss Granger. Sie erwarten doch nicht ernsthaft, im Unterricht angegriffen zu werden?"

„Wir gebrauchen keine Magie?", rief Ron laut aus.

„Die Schüler und Schülerinnen heben die Hand, wenn sie in meinem Unterricht zu sprechen wünschen, Mr. …?"

„Weasley", sagte Ron und streckte die Hand in die Luft ebenso wie mehrere andere Gryffindors. Amelia und die Slytherins rührten sich nicht.

„Ja, Miss Granger? Sie wollten etwas Anderes fragen?", wandte sich Umbridge wieder an Hermine.

„Aber haben wir nicht auch einen praktischen Teil bei den ZAG Prüfungen? Wie sollen wir unsere Prüfung bestehen, wenn wir die Zauber nicht vorher üben können?"

„Wenn Sie die Theorie fleißig genug studiert haben, gibt es keinen Grund, warum Sie nicht in der Lage sein sollten, Zauber unter sorgfältig überwachten Prüfungsbedingungen auszuführen", sagte

Professor Umbridge abweisend.

„Ohne dass wir je zuvor geübt haben?", sagte Parvati Patil ungläubig. „Wollen Sie damit sagen, dass wir erst bei den Prüfungen richtig zaubern dürfen?"

„Ich wiederhole, wenn Sie die Theorie fleißig genug studiert haben…"

„Aber was nützt uns die Theorie, wenn sie-wissen-schon-wer uns angreift!", rief Ron aus und sprang auf.

Doch bevor Professor Umbridge etwas sagen konnte, ihre Augen hatten ein unheilvolles Glitzern angenommen durchbrach Amelias schneidende Stimme den Klassensaal.

„Ronald, setz dich!" Ron Weasley zuckte zusammen und sah zu Amelia rüber und zur allgemeinen Überraschung setzte er sich zurück auf seinen Stuhl.

„Was mein übereifriger Klassenkamerad wohl sagen wollte, Professor Umbridge", sagte Amelia betont höflich. „Ist, dass er sich nicht vorstellen kann, wie das Ministerium derart gegen die Schüler von Hogwarts arbeiten kann, die doch die Zukunft der Zauberwelt sind. Wie sie bei ihrer wundervollen Eröffnungsrede so wortgewandt betont haben."

Professor Umbridge wandte ihren Kopf Amelia zu und fragte mit süßlicher Stimme.

„Wie kann das Ministerium den Eindruck erweckt haben, sich gegen die Schüler von Hogwarts zu stellen? Ganz im Gegenteil. Euer wohl ist unser höchstes Gut."

Amelia blickte direkt in Umbridges Augen und sie musste sich bemühen, dass man ihre Verachtung nicht in ihrer Stimme mitklingen hörte, als sie sprach.

„Dann muss ich mich entschuldigen, Professor. Aber die Bemühungen des Ministeriums sind nicht ganz verständlich. Wie kann das Ministerium uns einer ZAG Prüfung unterziehen, die einen großen praktisch orientierten Teil in Verteidigung gegen die Dunklen Künste hat, wenn es uns keinen praktischen Unterricht erteilt. Sie müssen verzeihen, wenn es den Anschein erweckt das Ministerium würde gegen die Schüler arbeiten, wenn es anderes in den Prüfungen verlangt, als es uns im Unterricht lehrt. Denken sie nicht auch, Professor?"

„Ich glaube nicht, dass sie es sich anmaßen dürfen, sich ein Urteil über die Handlungen des Ministeriums zu bilden", sagte Professor Umbridge süßlich.

„Wenn sie das sagen, Professor", antwortete Amelia liebenswürdig. „Ich hatte nur gehofft das Ministerium für Zauberei sei bemüht stets das Beste für die Schüler von Hogwarts zu wollen und uns unvorbereitet ist eine unserer wegweisendsten Prüfungen zu schicken kann wohl kaum das Beste für die Schüler von Hogwarts sein. Natürlich nehme ich gerne in Kauf mich zu irren und das Ministerium hat eine neue Lehrmethode entwickelt, die der jahrhundertealten Tradition der praktischen Übung überlegen ist."

Verhaltenes Kichern war unter den Schülern zu hören und alle Gesichter wandten sich nun Professor Umbridge zu, um zu sehen was sie dazu sagen würde. Doch sie schien sich nicht auf ein Wortgefecht einlassen zu wollen.

„Damit liegen sie absolut richtig. Nun wenden sie sich bitte wieder alle ihren Büchern zu."

Damit schien für Professor Umbridge das Thema beendet zu sein und am Ende der Stunde beeilten sich alle Schüler schnell aus dem Klassensaal zu kommen.

Auf halben weg die Treppe hinunter hielten ein paar Gryffindors Amelia und die anderen auf.

„Warum hast du mich da vorhin unterbrochen?", fragte Ron wütend.

Amelia seufzte. Sie hatte jetzt keine Lust auf das Theater.

„Ich habe dich nur vor einer Strafarbeit gerettet. Umbridge arbeitet für das Zaubereiministerium du kannst ihr nicht so einfach die Wahrheit ins Gesicht sagen. Die zerreißt dich in der Luft."

„Aber geht es nicht darum die Leute von der Wahrheit zu überzeugen?"

„Natürlich Ron, aber nicht so. Es nutzt nichts, sich mit Umbridge anzulegen. Man redet gegen sie wie gegen eine Wand. Sie ist Fudge absolut gehorsam."

„Woher willst du das Wissen?", fragte Hermine Granger und stemmte die Hände in die Hüften.

„Dolores Jane Umbridge ist die erste Untersekretärin des Ministers für Zauberei. Sie gilt als eine sehr kleinkarierte und pedantische Frau mit starken Vorurteilen gegen alles was anders ist. Ich habe sie vor zwei Jahren auf einer Weihnachtsfeier bei den Malfoys kennengelernt und schon damals war sie nicht gerade die beliebteste Gesprächspartnerin. Aber sie hat Einfluss und Ziele. Menschen die ihr im Weg standen erging es selten gut. Sie hat kein Problem damit auch mal ein paar Regeln zu beugen. Wir müssen vorsichtig mit ihr sein."

„Was sollen wir dann machen? Ich verstehe nicht warum sie uns einfach gar nichts beibringen will", sagte Granger und zuckte hilflos mit den Schultern.

„Es gibt da so eine ziemlich durchgeknallte Idee. Du hast Recht sie will uns nichts beibringen und zwar, weil das Ministerium Angst vor uns hat."

„Wie Angst?", fragte Granger verwirrt. „Wir sind doch nur Schüler."

„Egal wie ich es formuliere, es klingt ziemlich unrealistisch. Ich brauche erst selbst Beweise für diesen Unsinn, bevor ich ihn verbreite. Aber egal wie wir es drehen und wenden. Das Ministerium mischt sich in Hogwarts ein und das nicht zum Guten."

„Das habe ich auch schon bemerkt", sagte Granger missbilligend.

Die Slytherins setzten ihren Weg hinunter in die große Halle fort.

„Warum hast du nichts erzählt", fragte Draco leise, er klang verstimmt.

„Legilimentik", flüsterte Amelia leise, sodass nur er es verstehen könnte und Draco nickte.

„Ich weiß es erst seit eben und es ist wirklich bescheuert."

„Was ist bescheuert?", fragte Daphne.

„Das Ministerium glaubt Dumbledore möchte Zaubereiminister werden und würde die Schüler von Hogwarts gegen sie aufhetzen und im Kampf ausbilden", sagte Amelia belustigt.

„Das ist nicht dein Ernst", lachte Blaise. „Ich meine wie kommen die auf so was?"

„Dumbledore hat sich wohl ziemlich mit Fudge gestritten. Über den Dunklen Lord und die Wege des Ministeriums. Deshalb versuchen sie nun Hogwarts unter ihre Kontrolle zu bringen."

„Aber die ruinieren unsere Ausbildung!", sagte Daphne ungläubig.

„Kollateralschaden", erwiderte Amelia und zuckte mit den Schultern.

„Das klingt ziemlich beschissen", stellte Draco fest und Amelia nickte ihm zu.

„Wir sollten Umbridge keine Gelegenheit geben uns in die Finger zu bekommen. Ich mache mir Sorgen, wozu sie in der Lage ist. Sie ist keine sonderlich begabte Hexe aber skrupellos."

„Und das weißt du alles, in dem du nur einmal kurz mit ihr gesprochen hast?", fragte Blaise irritiert.

Amelia schenkte ihm ein einnehmendes Lächeln.

„Es ist meine Aufgabe so was zu wissen. Außerdem kenne ich sie schon ein paar Jahre."

Draco musste lachen und legte einen Arm um seine Freundin.

„Gut das du auf meiner Seite bist", sagte er und jetzt musste auch Amelia grinsen. Nicht das das Daphne und Blaise sonderlich beruhigt hätte.

Nachwort:

Hat irgendwer erwartet das Amelia sich offen gegen Umbridge stellt? Ich denke nicht. Es ist nicht ihre Art. Sie ist sogar verschlossener als Draco und das soll schon was heißen.

Als ich dieses Kapitel geschrieben habe und die Vertrauensschüler vorgestellt habe (Anmerkung Alle Vertrauensschüler (ausgenommen Slytherin) waren in den HP Bänden in der DA.) Viel mir wieder auf wie wahnsinnig schade ich es finde, dass der Sprechende Hut zwar zu Zusammenhalt und Miteinander aufruft es aber tatsächlich nie umgesetzt wird. Die Slytherins sind immer separiert gewesen. Es gab keine Slytherins in der DA und keine in Harrys Freundeskreis. Irgendwie kann man zwar sagen Harry hat die Zaubererwelt zwar von Voldemort befreit, aber er hat sie nie geeint. Schade irgendwie…