Kapitel 7 – Bündnis der vier Häuser
Am Abend des nächsten Tages stand das Vertrauensschülertreffen an. Amelia hatte dies als Routinetreffen angesehen und der Anfang verlief auch relativ langweilig. Sie besprachen was es alles Neues gab, verteilten die neuen Verbotslisten von Filch, diskutierten ein paar Probleme, die beim Koboldstein-Club aufgetreten waren und aßen dabei ziemlich leckere Cremeschnitten aus der Küche.
Amelia war schon recht schläfrig, als Hermine Granger sie mit einem Schlag wachrüttelte.
„Wir müssen noch besprechen, was wir wegen Professor Umbridge machen. Es ist nicht möglich, dass sie uns die Zauber nicht beibringen will, die wir für unsere Prüfungen brauchen." Begann die Debatte ganz harmlos.
„Sie ist unsere Lehrerin. Sie wird schon wissen, was das Beste ist", wandte Anthony Goldstein ein.
„Aber es ist doch nicht möglich, dass sie unser Leben ruiniert und keiner sie aufhält! Wir müssen etwas unternehmen", sagte Ernie Mcmillian.
„Ich verstehe sowieso nicht, warum sie versuchen uns das Leben so schwer zu machen. Ausgerechnet in unserem ZAG Jahr", fügte Padma Patil betrübt hinzu.
„Ich habe gehört, dass das Ministerium wohl glaubt, Dumbledore würde versuchen uns Schüler zu einer Armee aufzubauen um das Ministerium anzugreifen", sagte Hannah Abbott.
Die anderen sahen sie geschockt an. „
„Das ist doch ein Scherz, oder?", fragte Hermine Granger pikiert.
„Naja ich habe das auch nur so gehört!", verteidigte sich Hannah.
Amelia und Draco warfen sich einen vielsagenden Blick zu. Gerüchte verbreiteten sich schnell, vor allem in Hogwarts.
„So ein Unfug, aber was immer der Grund ist. Wir sind die Leittragenden", sagte Granger aufgebracht.
„Wir können nicht viel gegen Umbridge tun. Das Ministerium für Zauberei steht hinter ihr", gab Amelia zu bedenken.
„Ich glaube trotzdem nicht, dass wir so einfach aufgeben sollten", fügte Draco hinzu und Amelia sah zweifelnd zu ihm herüber. „Wir könnten einen Club gründen, um uns selbst Verteidigung gegen die Dunklen Künste beizubringen. Jeder der möchte kann kommen."
„Die Idee ist schön und gut, aber wie sollen wir uns das selbst beibringen?", fragte Padma Patil.
„Ich dachte wir bestimmen einen Schüler, der den Club leitet. Jemandem der sich sehr gut mit Verteidigung gegen die Dunklen Künste auskennt", sagte Draco mit einem selbstgefälligen Grinsen und lehnte sich zurück.
„Und an wen dachtest du dabei?", fragte Cedric abfällig. Dracos arrogante Gehabte schien ihm zu missfallen.
„An Amelia."
Die Hexe fuhr zu ihrem Freund herum. Das war nicht so abgesprochen!
„Ich finde die Idee gut", sagte Granger, als erstes und einer nach dem anderen Stimmten alle Vertrauensschüler zu.
„Nein, ich meine das ist doch…", begann Amelia, als alle sie ansahen.
„Eine wunderbare Idee. Das finde ich auch", beendete Draco ihren Satz.
„Aber… Cedric, sag doch auch was dazu. Ich kann unmöglich Unterricht geben", wandte sich Amelia an den Schulsprecher. Dieser musterte sie nachdenklich.
„Ich müsste mich dafür umbringen, aber ich glaube Malfoy hat Recht. Du wärst perfekt dafür. Ich kenne keine bessere Hexe."
„Dann ist es also beschlossen. Wir gründen einen Club und Amelia unterrichtet", sagte Draco und grinste selbstzufrieden. Amelia warf ihm einen bitterbösen Blick zu. Wäre es nicht Dracos Vorschlag gewesen, hätte sie es verhindert. So konnte sie nur darauf vertrauen, dass er wusste, was er tat.
„Wir müssen noch besprechen, was wir genau unterrichten wollen. Und wir brauchen einen Namen", wandte Hermine Granger ein und zückte ein leeres Blatt Pergament.
„Es sollte etwas Unauffälliges sein. Etwas, das nicht sofort auf Umbridge abzielt", sagte Padma Patil eifrig.
„Schade ich dachte an den Anti-Umbridge-Club", grinste Ron und Amelia musste sich zwingen die Augen nicht zu verdrehen. Granger hatte weniger Selbstkontrolle.
„Bleib doch bitte einmal ernst, Ron."
„ZAG-Lerngruppe", schlug Ernie vor, doch das war den meisten zu nichtssagend.
„Es sollte schon darum gehen, was wir machen. Was machen wir da. Wir lernen Verteidigungszauber."
„Angriff ist immer die beste Verteidigung", grinste Draco und Amelia verstand, worauf er hinauswollte.
„Das Hauptaugenmerk im Unterricht ab der fünften Klasse sind Duellzauber. Es gab doch mal einen Duellierclub", stellte Amelia trocken fest und Draco nickte ihr zu.
„Es gab früher mal einen, aber der wurde noch vor meinem ersten Hogwartsjahr aufgelöst", sagte Olivia Fawcett nachdenklich.
„Dann beleben wir ihn wieder", frohlockte Ernie begeistert.
„Ich werde das sofort recherchieren. Vielleicht können wir ihre alten Richtlinien übernehmen. Gebt mir eine Woche, dann habe ich alles, was wir brauchen", bot Granger an und machte sich schon ein paar Notizen.
„Wir sollten das ganze so schnell wie möglich in Angriff nehmen. Ich würde sagen wir treffen uns nächste Woche wegen des Duellierclubs?", drängte Draco.
„Umbridge wird nicht erfreut sein. Deshalb sollten wir das nicht an die große Glocke hängen, wenn wir anfangen ihre Autorität zu untergraben", gab Amelia zu bedenken und ein paar blickten sich unsicher um.
„Wir machen es einfach so, keiner muss kommen. Alle die kommen wollen, wir treffen uns in einer Woche hier. Ich mach mich solange darüber schlau, ob das Schulregelkonform ist", bestimmte Hermine Granger und machte sich ein paar Notizen.
Die Versammlung löste sich bald darauf auf und die beiden Slytherins machten sich auf den Weg in die Kerker.
„Wie lange hast du das schon geplant?", fragte Amelia spitz.
Draco konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Ich bin schon eine Weile am Überlegen, wie wir die Hogwartsschüler dazu bringen, dir zuzuhören. Du hast das Talent, alle von dir zu überzeugen. Wenn die Schüler dir erst glauben, dann werden auch die Eltern eher gewillt sein das Ministerium in Frage zu stellen. Aber dafür brauchen wir eine Plattform. Diese habe ich dir jetzt besorgt."
Amelia verzog wenig begeistert die Lippen.
„Du hättest das mit mir besprechen können."
„Du wärst dagegen gewesen."
„Das kannst du nicht wissen."
„Ich kenne dich. Du beschäftigst dich lieber mit Dunkler Magie und verkriechst dich im Kerker. Ich weiß, du kennst deine Pflichten und deinen Einfluss den du auf andere hast. Ich muss dir sagen, Amelia. Es steht dir. Es passt zu dir. Du blühst auf, wenn sich alle um dich scharen. Du bist eine geborene Anführerin"
„Du übertreibst", wehrte Amelia ab. Ihre kühle Miene konnte kaum ihre Verlegenheit überspielen.
„Du weißt, wie es ist. Du brauchst nur die Hand auszustrecken und alle kommen zu dir. Denn aus deinem Mund hört sich selbst eine Lüge wie die Wahrheit an. Dir werden sie folgen."
Amelia musterte Draco nachdenklich.
„Was versprichst du dir davon? Sie auszubilden? Sie können uns in diesem Krieg nicht helfen. Sie sind nur Kinder. Die meisten, kaum gut genug um einen Schockzauber anzuwenden."
„Du sprichst wie die Erwachsenen. Sie sind so alt wie wir, Amelia und sieh dir an, wozu wir in der Lage sind."
„Das kannst du nicht vergleichen. Ich habe immer mehr getan als für die Schule zu lernen. Ich hatte seit der ersten Klasse zwei Mal die Woche Sonderunterricht. Ich habe meine Okklumentik und Legilimentik die meinen Geist geprägt haben, da ich es viel zu früh gelernt habe. Es ist gefährlich für keinen vollkommen ausgebildeten Charakter sich an so hoher Legilimentik zu versuchen und meine Homunkuli sind das Ergebnis. Ohne diese Fähigkeit, wäre ich nicht mehr als eine normale Schülerin. Begabt, aber normal."
„Du bist eine exzellente Duellantin", wandte Draco ein.
„Das bin ich nur, wegen dir. Ich war allenfalls durchschnitt, bevor du die Macht der Zwölf bekommen hast. Man kann nur so gut werden wie der, mit dem man Trainiert und ich hatte dich. Du hast mich das Duellieren gelehrt."
„Und du hast es mir beigebracht, Amelia. Wir sind aneinander gewachsen. Mit der Herausforderung. Wenn wir nie geübt hätten, wärst du nicht besser als all die anderen Schüler und ich hätte das Erbe meiner Vorfahren nie benutzt. Ich hätte es, aber könnte es nicht anwenden. Wenn wir nicht so viel trainiert hätten, wenn du nicht so davon besessen gewesen wärst, perfekt zu sein, dann hätte Voldemort mich diesen Sommer getötet. Aber so haben wir eine Chance.
Ich erwarte nicht, dass die anderen so gut werden wie wir. Nicht mal ansatzweise. Aber sollten sie nicht wenigstens die Möglichkeit bekommen sich zu verteidigen? Wer soll es ihnen beibringen, wenn nicht wir."
„So edelmütig bist du nicht das du sie unterrichten würdest, damit sie sich verteidigen können."
„Sie werden nie vergessen, was du für sie getan hast. Das du ihnen geholfen hast, als es sonst keiner Tat. Wenn Voldemort wirklich den alten Terror von neuem beschwört, werden sie kämpfen müssen und sie werden dir dankbar sein, für jeden Fluch, den du sie gelehrt hast. Dafür das du für sie da warst."
„Wie bist du darauf gekommen, Draco?", fragte Amelia misstrauisch.
„Du glaubst nicht, dass das meine Idee war oder?", erkundigte sich Draco belustigt, aber bei ihrem kalten Blick wurde er wieder ernst.
„Es ist das, was du für mich getan hast. Du hast an mich geglaubt. Noch ist die Situation entspannt, aber man lernt Flüche nicht über Nacht. Irgendwann, werden sie verstehen was du für sie getan hast und sie werden dir dankbar sein, so dankbar wie ich und sie werden sich verstanden fühlen, weil keiner hilflos sein will. Du hast mir meine Hilflosigkeit genommen. Nimm ihnen ihre und die, die klug genug sind, es zu begreifen, werden sich niemals auf die Seite von Voldemort stellen."
Amelia schüttelte ungläubig den Kopf. „Du bist unglaublich, Draco."
Dann sah sie ihn ernst an. „Aber frage mich vorher, bevor du so etwas entscheidest. Ich werde nicht gerne überrumpelt"
In Dracos Gesicht schlich sich ein ziemlich selbstgefälliges Grinsen. Er legte den Zeigefinger unter Amelias Kinn und hob ihr Gesicht an, damit sie ihm in die Augen sehen musste.
„Tu nicht immer so, als würdest du alles kontrollieren wollen", sagte Draco mit dunkler Stimme. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, als sie zu ihm hochsah. Sie blieb wie erstarrt stehen und ließ zu, dass Draco ihre Lippen in Besitz nahm. Sein Kuss brannte heiß und die Hitze bahnte sich ihren Weg durch ihren ganzen Körper.
„Das willst du doch gar nicht."
Nachdem sich Amelia erst mal mit den Gedanken des Duellunterrichts abgefunden hatte, erschien es ihr garnichtmehr so schlecht. Aber sie würden vorsichtig sein müssen.
Zu Amelias Überraschung waren am nächsten Vertrauensschülertreffen alle da. Hermine Granger hatte die Schulregeln durchleuchtet und nichts schien dem Duellierclub im Weg zu stehen.
„Jetzt brauchen wir nur noch einen geeigneten Ort", stellte Amelia fest. „Ich glaube nicht, auch wenn dass alles Schulregelkonform ist, dass wir es Umbridge unter die Nase reiben sollten."
„Das denke ich mir auch", nickte Ernie zustimmend.
Der Ort war nun das weit größere Problem. Es gab genug leere Klassenräume doch überall brauchten sie eine Sondererlaubnis. Ihren Kerkerraum wollte Amelia nicht hergeben, nur Daphne und Draco wussten wo er lag und das war eigentlich auch genug. Der alte Duellraum erschien ihnen eine Option, aber sie hatten Sorge, dass es zu auffällig war.
Alle versprachen sich Gedanken zu machen und auch andere Schüler anzusprechen wer noch alles mitmachen wollte. Sobald ein geeigneter Raum gefunden war, würde das erste Treffen stattfinden.
Doch für die Zwischenzeit hatten Amelia und Draco noch andere Pläne. Zwar wagte es keiner ihnen direkt in die Quere zu kommen, doch Wilkes versuchte Eristik zu vergiften. Zu seinem Glück war Eristik schon immer eine sehr zerstrittene Schlange
„Sssie sssieht sssso lecker ausss", zischelte der verträumte Kopf und beschnupperte die verängstigt quiekende Maus vor ihm.
„Aber sssie issst nicht von unssserer Amelia. Ich esssse nur Mäusse von Amelia", zischte ein anderer Kopf.
Hätten die Köpfe nicht so lange gestritten, hätte Amelia wahrscheinlich gar nicht darauf geachtet. Aber sie hatte schon öfter Sorge gehabt, dass sich die Köpfe im Streit versuchen könnten, gegenseitig abzubeißen, also kam sie zu ihm und entdeckte eine kleine weiße Maus mit einer Kordel an den Fuß des Sessels gebunden.
Amelias Kopf schnellte nach oben.
An einem Tisch nicht weit entfernt, saß Wilkes, zusammen mit Vincent und Gregory. Er hatte ein abfälliges Grinsen auf den Lippen, als er sie erblickte.
Amelia brauchte nicht lange um zu realisierend was los war. Mit einem Schnippen ihres Zauberstabes offenbarte sich das versteckte Gift in der Maus und Amelia schnappte sich schäumend vor Wut Eristik. Mit großen Schritten verließ sie schnell den Gemeinschaftsraum.
„Draco!", ihre Stimme hallte schrill durch den Raum, noch bevor die Kerkerwand komplett zur Seite geglitten war. Draco sah alarmiert von seinem Zaubertrankaufsatz hoch.
„Wir werden Wilkes fertigmachen. Er wird es noch bereut haben, uns je herausgefordert zu haben", brauste sie auf und drückte Eristik an sich.
„Darüber haben wir schon gesprochen, Amelia. Wir brauchen nur noch eine Gelegenheit."
„Übermorgen in Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Wilkes hat da eine Freistunde", sagte Amelia mit blitzenden Augen und setzte sich zu ihrem Freund.
„Direkt vor Umbridges Nase? Glaubst du nicht, dass es zu gefährlich ist?"
„Oh, sie wird nichts merken. Ich werde dafür sorgen. Ich kümmere mich um Umbridge und du dich um Wilkes. Dein Plan hat vorgesehen das ich zwei Doppelgänger mache. Aber besser ich mache nur einen, den kann ich besser steuern und dann gehe ich zum Unterricht. Zusammen mit einem Doppelgänger von dir. Wir zaubern eh nicht. Es ist das perfekte Alibi. Umbridge kann es gar nicht bemerken."
Draco nickte nachdenklich. „Da hast du natürlich Recht und die Gelegenheit wäre ideal."
„Wenn ich wütend bin, konnte ich schon immer am besten nachdenken. Aber eine einfache Abreibung wird nicht reichen, Draco. Wir müssen an ihm ein Exempel statuieren, damit es keiner wagt, sich uns entgegen zu stellen."
„Naja ich werde ihn nicht gleich umbringen."
Amelia lächelte, doch darin lag keine Wärme und Draco fühlte sich einen Moment unbehaglich in seiner Haut.
„Nicht umbringen, Draco. Du wirst seinen Zauberstab zerbrechen."
Draco schluckte. „Meinst du nicht, dass das etwas übertrieben ist?", fragte er weniger glücklich.
„Er wird sich einen neuen besorgen können, aber nicht sofort und es wird Gerüchte geben, auch wenn sie nichts beweisen können. Keiner wird es wagen uns zu schaden, wenn sie befürchten müssen, dass wir ihnen ihren wertvollsten Besitz nehmen."
Draco musterte Amelia eine Weile mit undeutbarem Gesichtsausdruck.
„Was hat Wilkes gemacht?", fragte er schließlich. Er kannte sie einfach zu gut.
„Er wollte Eristik vergiften."
Draco musterte sie einen Moment.
„Er hat etwas angegriffen das dir kostbar ist", sagte er schließlich.
„Er hat etwas angegriffen, das sich nicht wehren kann!", fauchte Amelia zurück. „Du kannst dich verteidigen. Da mache ich mir mehr Gedanken um den Ärger als um dich. Aber Eristik kann sich nicht verteidigen."
Draco grinste schief. „Da sollte Wilkes aber froh sein, dass er mich nicht kurz und klein gehext hat."
„Das ist nicht witzig", schmollte Amelia und zog Eristik's rechten Kopf aus ihrer Bluse, der sofort zu zetern begann. „Lasss mich rein. Da isssst esss ssso sschön warm."
„Aber du hast recht", sagte Draco und lehnte sich zurück. „Erteilen wir ihm eine Lektion. Deine Idee ist vielleicht gar nicht so schlecht."
Amelia nickte grimmig. „Ich kümmere mich um Eristiks Sicherheit."
Damit entließ sie ihre Runespoor auf den Boden und machte sich über den Inhalt ihrer Tasche her, aus der sie einen schier unerschöpflichen Vorrat an Büchern und Tränken holte. Die wenigsten davon sahen nett aus.
Am nächsten Tag vor Verteidigung gegen die dunklen Künste nahm Draco Amelias Tarnumhang und Amelia machte sich mit dem gefälschte Draco auf den Weg zum Unterricht. Sie hoffte, dass alles gut gehen würde, aber es war der einfachste Weg um alle abzuschrecken.
Amelia wusste nicht, was sie erwartet hatte, aber nach Verteidigung gegen die Dunklen Künste spürte sie Dracos Berührung am Arm und in einem Geheimgang tauschten sich Original und Doppelgänger wieder aus.
„Hat alles geklappt?", fragte Amelia nervös. Draco schien unerhört gute Laune zu haben, wenn man bedachte, dass er gerade jemanden verhext und dessen Zauberstab zerbrochen hatte.
„Problemlos. Er hat gesagt er rennt zum Schuldirektor", feixte Draco.
Amelia könnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Aber Umbridge wird Dumbledore nur zu gern bestätigen, dass du in ihrer Klasse gesessen hast."
Und so kam es dann auch. Am Abend kam Wilkes zornentbrannt in den Gemeinschaftsraum.
„Wie hast du das gemacht!" seine geballten Fäuste zitterten vor unterdrücktem Zorn. Alle im Gemeinschaftsraum hatten sich zu ihnen umgedreht.
Amelia sah mit hochgezogener Braue von ihrem Buch hoch. Mehr gelangweilt als wirklich interessiert.
Auch Draco schien sich nicht wirklich beeindrucken zu lassen.
„Du wolltest doch mein Feind sein, Wilkes. Mir waren Freunde immer lieber."
„Aber das ist unmöglich!", heulte er wütend auf. „Keiner kann an zwei Orten zugleich sein!"
Amelia und Draco warfen sich einen kurzen wissenden Blick zu. Mehr Bestätigung und Show, als dass sie es wirklich mussten. „Du hast Recht, Wilkes. Keiner kann an zwei Orten zugleich sein", antwortete Amelia spöttisch und schlug ihre Beine übereinander, bevor sie die nächste Seite ihres Buches zu lesen begann.
Gerüchte begannen sich wie ein Leuchtfeuer zu verbreiten und bald schien die ganze Schule zu wissen, dass Wilkes keinen Zauberstab mehr hatte und Draco dafür verantwortlich machte. Der wiederrum in Umbridges Unterricht gesessen hatte, als es passiert war.
Aber es war beinah schon lustig, plötzlich waren viele Leute netter. Draco sagte, dass das Quiddich Team extra zu ihm gekommen war, um sich wegen des Zwischenfalles zu entschuldigen. Alles in allem, ein zufriedenstallendes Ergebnis. Einzig Wilkes kochte vor Zorn, aber alle anderen hatten zu viel Angst, um sich mit ihm zu verbünden. Selbst Vincent und Gregory sah man jetzt nur noch zu zweit rumsitzen.
Blaise wollte unbedingt wissen, wie er es gemacht hatte. Schließlich hatte er in Verteidigung gegen die Dunklen Künste neben ihm gesessen, aber sie schwiegen eisern. Nur zu ihrem Duellierclub luden sie ihn ein.
Es dauerte eine Weile, doch in der Woche vor ihrem ersten Hogsmeade Wochenende kam von den Ravenclaws schließlich der Tipp, wo sie sich treffen konnten. In der Nähe des Ravenclaw Gemeinschaftsraumes gab es einen kleinen Turm, in dem nur Schüler zutritt hatten. Rowena Ravenclaw hatte ihn eigens für das Studium der Magie erdacht und er sollte den Schülern in der Entfaltung ihrer Ideen zur Verfügung stehen, ohne dass sie jemand begrenzen würde.
Sie waren nur wenige Slytherins, die sich am Mittwochabend auf den Weg Richtung Ravenclaw Turm machten. Amelia traute vielen nicht genug.
Als sie den Raum betraten saßen bereits ein paar Ravenclaws herum und Amelia konnte auch Ron Weasley und seine Geschwister sehen. Hermine Granger saß an einem Tisch und hatte ihre Nase in einen dicken Wälzer gesteckt.
Der Turm war zwar nicht sonderlich groß, aber eine Wendeltreppe schien noch ein weiteres Stockwerk nach oben zu führen. Die Wände waren mit großen Bücherregalen versehen und überall standen Tische herum. Die Hauptdekoration war in Blau gehalten, aber schließlich war dies hier Ravenclaw Gebiet.
Anthony Goldstein kam auf die kleine Gruppe zu, kaum hatte er sie entdeckt.
„Na wie findet ihrs?", fragte er voller Enthusiasmus.
„Schaut garnichtmal so schlecht aus", nickte Draco.
„Gibt es oben noch weitere Räume?", fragte Amelia und blickte zur Wendeltreppe.
„Klar, aber da hat Chambers gestern irgendwas angebrannt und es stinkt wie ein wahrhaftiger Bundimun. Weißt du schon, was wir als erstes machen werden?", fragte er neugierig.
„Ich habe mir Gedanken gemacht.", sagte Amelia und ging an Anthony Goldstein vorbei um sich umzuschauen. Draco, Blaise, Daphne und Pansy folgten ihr. Tracy ging zu einer Gruppe Ravenclaws.
„Bist du nicht furchtbar nervös?", fragte Daphne und sah zu einer Gruppe Hufflepuffs, die gerade den Raum betraten.
„Ich werde es überleben", sagte Amelia trocken.
Es waren fast dreißig Schüler, die sich letztendlich in dem kleinen Turm einfanden. Amelia war etwas mulmig zumute dennoch straffte sie die Schultern.
Sachte tippte sie mit ihrem Zauberstab an ihre Kehle und als sie ihre Stimme erhob, hallte sie Laut in dem Raum wider.
„Darf ich um eure Aufmerksamkeit bitten."
Sofort wandten sich alle zu ihr um und Amelia konnte den Zauber wieder von ihrer Stimme nehmen.
„Wie ihr sicher alle mitbekommen habt, wurde an höherer Stelle entschieden, dass wir dieses Schuljahr keinen PRAKTISCHEN Unterricht in Verteidigung gegen die dunklen Künste erhalten sollen."
Überall war zustimmendes Nicken und flüstern zu hören.
„Wir Vertrauensschüler haben uns darüber Gedanken gemacht und sind zu dem Schluss gekommen, das davon am schwersten die ZAG und UTZ Schüler betroffen sind. Deshalb haben wir diesen Club ins Leben gerufen in dessen Mittelpunkt Duellzauber stehen, die in diesen Prüfungen besonders oft geprüft werden. Natürlich sind auch alle anderen Schüler gerne eingeladen an unseren Clubtätigkeiten teilzunehmen."
Zwischen den Schülern brandete Geflüster auf.
„Um euch einen Eindruck zu vermitteln, wie wir uns das ganze vorgestellt haben, würde ich auch nun bitten euch zu erheben", sagte Amelia und die Schüler gehorchten, auch wenn der eine oder andere sehr fragend aussah.
Mit einem Wink von Amelias Zauberstab rückten die Tische und Stühle an die Seiten des Raumes und machten eine große Fläche frei.
„Ich werde bei den Grundlagen der Magie beginnen. Denn diese wirken sich im Duell besonders stark aus und können den entscheidenden Unterschied machen. Beginnt ein Duell nur, wenn ihr es auch führen wollt, denn euer Wille zieht sich durch eure Magie und kann euch behindern oder unterstützen."
„Ich dachte wir lernen hier etwas Sinnvolles und du hältst Vorträge wann man ein Duell führen sollte. Dann können wir auch wieder in Umbrides Unterricht", sagte ein groß gewachsener Ravenclaw. Sein Name war Eddie Carmichael und er war im letzten ZAG Jahrgang Schulbester geworden.
„Ich finde es gut, dass du dich für eine Demonstration bereitstellst", sagte Amelia freundlich und trat in die freie Mitte des Raumes.
„Beschwöre bitte einen Protego Zauber. Den müsstest du doch können."
„Den kann ich sogar ziemlich gut", fauchte er und trat zu ihr in die Mitte des Raumes.
„Dieser Schutzzauber soll schwächere Zauber abblocken und den Zaubernden schützen. Der Protego Zauber ist eine der Grundzauber des Duells und jeder sollte ihn beherrschen. Er wird auch so gut wie jedes Jahr in den ZAG drangenommen."
Amelia blickte zu Carmichael hinüber vor dem ein roter Schutzschild entstanden war.
„Was wird passieren, wenn ich ihn mit einem Expelliarmus, einem Entwaffnungszauber angreife?", fragte Amelia in den Raum.
„Garnichts, er wird abprallen", sagte Hermine Granger und viele nickten zustimmend.
„Genau das sollte passieren. Und jetzt kommt das ins Spiel, von dem ich gerade sprach. Wille!"
Ohne einen Augenblick zu zögern wirbelte Amelia zu ihrem Gegner hinüber und rief Laut: „Expelliarmus!"
Ihr Zauber krachte gegen den Schutzschild und durchbrach ihn als wäre er Luft. Mit einem überraschten Gesichtsausdruck krachte Carmichael auf den Boden und Amelia fing mit einer fließenden Bewegung seinen Zauberstab auf.
„Wie hast du das gemacht!?", fragte Carmichael überrascht, als er sich aufrappelte und Amelia ihm seinen Zauberstab zurückgab. Doch Amelia wandte sich wieder an alle Schüler die leise tuschelten.
„Es geht nicht darum besonders ausgefallene Zauber anzuwenden oder schwierige. Es geht darum, dass ihr diese Zauber wirken wollt. Bedenkt, dass bei jedem Zauber den ihr einsetzt. Der Zauber kann nur so stark sein, wie ihr es zulasst. Ein nebenbei gewirkter Zauber, obwohl richtig ausgeführt, wird niemals die Wirkung eines Zaubers erreichen, den ihr wirklich mit all euren Gedanken erschaffen wollt. Das ist die Grundlage. Wenn ihr wirklich gute Duellanten werden wollt, müsst ihr euren Willen bändigen."
„Deshalb hat dein Zauber meinen Schild durchschlagen", sagte Carmichael nachdenklich. „Ich habe einfach nur einen guten Schildzauber hingelegt und mich drauf konzentriert, dass er richtig gelingt. Du hast dich nicht auf den Zauber konzentriert, sondern nur darauf, dass er mich entwaffnet. Du wolltest, dass er eine Wirkung hat, deshalb war er stärker."
Amelia nickte. „Du hast es erfasst. Aber das ist natürlich nur möglich, wenn ihr eure Zauber auch beherrscht. Allerdings halte ich wenig davon, euch die Zauber beizubringen und ihr pfuscht sie halbherzig vor euch hin. Eure Zauber sollen Macht haben, sonst braucht ihr sie gar nicht zu wirken. Haltet euch euer Ziel bei jedem Zauber den ihr wirkt vor Augen, sonst lernt ihr es nie richtig", sagte Amelia zu ihren Zuhörern.
„Bitte bildet jetzt zweier Gruppen. Einer von euch wirkt immer einen Schildzauber, der andere versucht ihn zu entwaffnen."
„Und was machen die, die die Zauber schon können?", fragte Zacharias Smith überheblich.
„Naja du kannst mit mir üben und wenn du es schaffst meinen Schildzauber zu knacken, dann denke ich, dass Amelia sicher was für dich findet", sagte Carmichael und sah zu dem Hufflepuff hinüber, dieser sah den großen Ravenclaw erschrocken an. Amelia nickte ihm zu. Auf ihren Lippen war die Spur eines Lächelns zu erahnen. Damit hatte sie wenigstens auch die beschäftigt, die die Grundlagen schon kannten. Der Wissensstand der Schüler war leider ziemlich unterschiedlich.
Amelia hatte klein anfangen wollen und war nach dem ersten Moment froh keinen komplizierteren Zauber ausgesucht zu haben. Die meisten hatten mit diesen Zaubern schon ihre Schwierigkeiten und so huschte sie umher und verbesserte Zauberstabbewegungen und präzisierte Aussprachen. Das würde noch viel Arbeit werden.
Draco stand etwas gelangweilt herum und übte mit Blaise. Eigentlich übte Blaise und Draco amüsierte sich köstlich über die Unfälle der anderen Schüler. Als zum Beispiel Susan Bones statt von einem Entwaffnungszauber, von einem Wasserstrahl getroffen wurde, schaffte er es nur knapp seinen Lachanfall in ein Husten umzuwandeln.
Amelia war stolz auf Daphne, die mit Pansy übte und ihre Zauber schon ziemlich ordentlich hinbekam.
Umso länger sie übten, umso besser gelangen den Meisten ihre Zauber. Neville Longbottom frohlockte als er es endlich schaffte Ron Weasley zu entwaffnen und Eddie Carmichael ließ sich nochmal ganz genau erklären, wie er seinen Willen lenken musste, bevor er den Protego von Olivia Fawcett hinwegfegte.
„Warum machst du das eigentlich?", fragte irgendwann Hermine Granger, als sie in ihre Nähe kam. „Ich habe bis jetzt nie gefragt, aber ich hätte dich nicht so eingeschätzt, dass du etwas machst das dir nichts bringt."
Amelia zögerte einen Moment, unschlüssig, ob sie antworten sollte, doch viele drehten sich zu ihnen um, als sie die Frage hörten.
„Ich denke jeder sollte die Möglichkeit bekommen, sich zu verteidigen, wenn es sein muss. Ich meine klar, es geht auch um die ZAG, aber eben nicht nur."
„Du meinst wegen Du-weißt-schon wem?", hackte Granger nach.
„Wir sind alle in Gefahr und das Ministerium weigert sich, das anzuerkennen. Ich werde keinem der lernen möchte sich zu verteidigen dieses Wissen verweigern. Selbst wenn es nur für die Schule ist. Wenn man damit ein Leben retten kann, dann war es das wert."
„Also hältst du daran fest das Du-weißt-schon-wer wieder da ist?", fragte ein Schüler aus Hufflepuff verängstigt.
„Kannst du das irgendwie beweisen?", fügte Zacharias Smith hinzu.
Amelia blickte sich um. Viele Augen waren nun auf sie gerichtet.
„Ich bin nicht hier, um etwas zu beweisen oder zu widerlegen. Ich bin hier, um euch Selbstverteidigung beizubringen. Was ihr damit tut und ob ihr mir glaubt oder nicht, das liegt an euch. Das Ministerium hat sich diesen Sommer viel Mühe gegeben, Lügen über mich und auch Dumbledore zu verbreiten. Weil wir die Wahrheit wissen. Fudge mag die Wahrheit nicht hören. Die Menschen haben Angst. Keiner will etwas sehen vor dem er Angst hat."
„Aber, wenn es wirklich Beweise geben würde, würde das Ministerium sie doch nie verschweigen", wandte Smith ein.
„Meine Tante arbeitet im Ministerium", sagte Susan Bones. „Sie meint, dass sich in letzter Zeit viel verändert hat. Jeder der auch nur andeutet Du-weißt-schon-wer wäre zurück wird sofort aus fadenscheinigen Gründen beurlaubt. Ich weiß nicht, ob da alles geregelte Wege geht."
Ein Murmeln huschte durch die Runde.
„Wie bist du Du-weißt-schon-wem entkommen, wenn er wirklich zurückgekehrt ist?", fragte Ernie Macmillan.
Amelia zögerte, doch viele sahen sie neugierig an.
„Mit mehr List als können. Ich habe ihn ausgetrixt. Er ist arrogant und überheblich, das hat mich gerettet. Aber momentan dürfte er wahrscheinlich einer der mächtigsten Zauberer sein, die es gibt." Amelias Blick huschte zu Draco. „Aber seine Schwäche ist unsere Stärke. Wenn alle zusammenhalten, können wir ihn besiegen. Doch wenn jeder für sich allein steht, werden wir alle einzeln untergehen. Deshalb ist es nicht wichtig aus welchem Schulhaus wir kommen, welche Herkunft wir haben oder an was wir glauben. Solange Lord Voldemort", ein paar schrien auf, „am Leben ist, müssen wir als ein Volk zusammenhalten, wenn wir ihn besiegen wollen."
„Du sagst das gleiche wie der sprechende Hut", sagte Eddie Carmichael. „Das mit dem zusammenhalten und so.
„Dann kann ich ja gar nicht so viel Unsinn reden, wenn sogar der Sprechende Hut mir zustimmt", lächelte Amelia milde.
Bald darauf lösten sie sich für diesen Abend auf. Sie wollten sich nächsten Mittwoch wieder treffen, doch als sie die Türen des Turmes öffneten, standen sie Dolores Umbridge gegenüber. Die alte Kröte stand nur eine Fußspitze von der Linie entfernt, die kein Lehrer übertreten konnte und den Turm nur für Schüler zugänglich machte. Zu sagen Umbridge hatte schlechte Laune, war eine Untertreibung. Sie sah geradezu mörderisch wütend aus. Amelia kniff die Lippen zusammen. Sie waren nicht vorsichtig genug gewesen. Aber was hatte sie schon erwartet. Sie hatte darauf vertraut, dass alle schweigen würden, aber die meisten hatten es nicht für wichtig gehalten.
Amelia hatte ein ungutes Gefühl in der Magengegend, als sie zu der Hexe sah. Dennoch, sie hatten nichts Falsches getan. Umbridge konnte nichts dagegen tun.
„Was machen sie denn zu so später Stunde auf den Gängen", fragte Professor Umbridge spitz als sie aus dem Raum traten. Die vordersten Schüler wichen einen Schritt zurück, doch Amelia trat mit Draco an der Seite einen Schritt vor.
Jetzt nur ruhig bleiben mahnte sie sich selbst.
„Wir hatten gerade Clubtreffen, Professor", sagte Amelia liebenswürdig.
„Was für ein Club?", fragte Umbridge bemüht freundlich und musterte die Gruppe aus zusammengekniffenen Augen.
„Unser Duellierclub, Professor", sagte Amelia so unschuldig, dass sie irgendwo hinter sich ein unterdrücktes Lachen hörte. „Haben sie jemanden gesucht? Können wir ihnen weiterhelfen?"
„Ich möchte sie nur darauf hinweisen, dass diese Beschränkungslinie nicht gestattet ist, Miss Potter. Lehrer sollten zu jeder Zeit Zugang zu allen Räumlichkeiten des Schlosses haben. War das ihr Zauber?", sagte Umbridge und ihre Lippen kräuselten sich zu einem höhnischen Grinsen.
Doch Amelia setzte nur ihr unschuldigstes Lächeln auf. „Da werden sie sich bei Rowena Ravenclaw beschweren müssen, Professor. Sie hat diese Linie bereits vor mehreren Jahrhunderten gewirkt. Lehrern ist der Zutritt zu diesem Raum nicht gestattet. Dies hier, ist Schülergebiet. Unsere verehrte Schulgründerin war der Meinung, dass es Schülern gestattet sein sollte ihren Geist frei zu entfalten, ohne dabei im Übermaß kontrolliert zu werden."
Umbridges Gesicht erstarrte und mehrere der Schüler hinter Amelia begannen leise zu flüstern und zu lachen.
„Ab jetzt in eure Gemeinschaftsräume", befahl Professor Umbridge nun etwas ungehaltener und rauschte den Gang entlang.
„Das war genial. So sauer hab ich die olle Kröte noch nie abdampfen sehen", lachte Fred Weasley.
Doch Amelia war alles andere als beruhigt, dass sie ohne Strafarbeiten davongekommen waren und ihr Gefühl bestätigte sich am nächsten Morgen, als sie den Aushang am schwarzen Brett im Gemeinschaftsraum sahen.
PER ANORDNUNG DER GROSSINQUISITORIN VON HOGWARTS
Alle Schülerorganisationen, Gesellschaften, Mannschaften, Gruppen und Klubs sind mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Eine Organisation, Gesellschaft, Mannschaft, Gruppe oder ein
Klub wird hiermit definiert als regelmäßige Zusammenkunft von drei oder mehr Schülern und Schülerinnen. Die Genehmigung für eine Neugründung kann bei der Großinquisitorin eingeholt werden (Professor Umbridge). Allen Schülerorganisationen, Gesellschaften, Mannschaften,
Gruppen oder Klubs ist es verboten, ohne Wissen und Genehmigung der Großinquisitorin tätig zu sein. Sämtliche Schüler und Schülerinnen, von denen festgestellt wird, dass sie eine von der Großinquisitorin nicht genehmigte Organisation, Gesellschaft, Mannschaft, Gruppe oder einen Klub gegründet haben oder einer solchen Vereinigung angehören, werden der Schule verwiesen.
Obige Anordnung entspricht dem Ausbildungserlass Nummer vierundzwanzig.
Unterzeichnet:
Dolores Jane Umbridge, Großinquisitorin
„Das kann sie doch nicht machen!", rief Blaise aus, als er den Aushang sah.
„Es scheint mir, dass sie es doch kann", sagte Amelia trocken und bedachte den Aushang mit einem so bösen Blick, dass er in Flammen aufgegangen wäre, wenn er es gekonnt hätte.
„Und was machen wir jetzt?", fragte Daphne und auch Draco warf Amelia einen fragenden Blick zu.
„Wir machen weiter. Wir müssen nur etwas subtiler vorgehen. Wir waren einfach zu offensichtlich. Irgendjemand ist zu Umbridge gerannt."
„Das heißt, irgendwer hat uns verraten", stellte Draco fest.
„Oder wir waren einfach zu auffällig. Ich werde es jedenfalls herausfinden. So leicht wird Umbridge uns nicht unterdrücken." Amelia war wild entschlossen nicht so einfach aufzugeben. Zwar hatte ihr die Idee zuerst missfallen, doch das Erste treffen hatte ihre Erwartungen übertroffen. Der Duellclub gab ihr eine Plattform den anderen Schülern und Häusern ihre Version der Geschehnisse näher zu bringen. Sie brauchten dringend Verbündete in Hogwarts.
„Meinst du nicht, dass das Ärger gibt?", fragte Blaise unsicher.
„Die steht es jederzeit frei zu gehen, Blaise. Ich will dich in nichts reinziehen, hinter dem du nicht stehst", sagte Amelia und blickte ihn an. Blaise sah zu Daphne hinüber und Amelia folgte seinem Blick.
„Ich bin dabei", sagte Daphne. Sie blickte zu Blaise rüber. „Amelia ist meine Freundin, ich halte zu ihr egal was passiert."
Amelia bekam überkam ein warmes Gefühl und sie hätte Daphne am liebsten umarmt. Es war schwer in Worte zu fassen, was Daphnes Freundschaft ihr bedeutete, aber es war ziemlich viel. Mehr als sie sich selbst gegenüber zugeben konnte.
„Dann lass uns hochgehen", sagte sie sanft zu Daphne und an Dracos komischem Blick bemerkte sie, dass sie ihre Stimme wohl nicht ganz unter Kontrolle hatte.
Amelia und Daphne hatten die Eingangshalle nicht mal halb durchquert als ihnen Eddie Carmichael vom Ravenclawturm entgegenkam.
„Habt ihr es schon gelesen?", fragte er leise.
„Natürlich", sagte Amelia und Daphne nickte.
„Sie haben Rowenas Turm gesperrt. Die Tür ist verriegelt und keiner hat mehr Zutritt. Was machen wir jetzt?", er klang nervös, und blickte sich einmal um, als hätte er Angst jemand könnte ihn bei etwas Verbotenem entdecken. Amelia musterte ihn eingehend. Er war kein Verräter, eher im Gegenteil.
„Ich mache das, was ich schon gestern gesagt habe. Jeder der lernen will sich gegen Lord Voldemort zu verteidigen, dem werde ich helfen. Wir müssen zusammenhalten."
Ihre Stimme war eindringlich und sie ignorierte das erschrockene Luftschnappen des Ravenclaws als er den Namen hörte.
Er nickte jedoch. „Ich bin dabei."
„Was hat dich davon überzeugt deine Meinung so schnell zu ändern?", fragte Amelia nach.
Eddie zuckte die Schultern. „Du bist gut, in dem was du tust", sagte er und fügte dann etwas leiser hinzu. „Und ich glaube dir. Ich meine, du kannst nicht verrückt sein."
Amelia nickte „Danke."
„Ich bin nicht der Einzige, der so denkt."
„Wir müssen noch vorsichtiger sein. Sprich die an, von denen du denkst, dass sie mir glauben. Wir treffen uns am Hogsmead Wochenende beim Weg der hinauf zu Heulenden Hütte führt. Ich werde das Gleiche tun."
Der Ravenclaw nickte.
„Und Eddie", fügte Amelia hinzu. „Kein Wort davon darf nach außen dringen."
Eddie Carmichael nickte und verschwand in die große Halle.
„Wann hast du dir das schon wieder überlegt?", fragte Daphne, als sie sich zusammen an den Slytherintisch setzten.
„Gerade eben. Aber wir dürfen jetzt nicht aufgeben. Wenn ich gestern auch nur ein paar überzeugt habe, könnten es mehr werden."
Ende Oktober reihten sich die Schüler alle in die große Schlange ein, die aus dem Schloss hinausführte. Filch kontrollierte sie alle, bevor sie das Schloss endlich verlassen durften und sich über die Ländereien auf den Weg nach Hogsmead machten.
Sie hatten beschlossen, noch kurz in den Drei Besen vorbei zu schauen bevor sie sich auf zum Treffpunkt machen würden.
Blaise und Daphne waren bei ihnen, doch Pansy hatte Amelia vorsichtshalber nicht eingeladen. Sie war ihr zu unsicher.
Amelia war sich nicht so wirklich sicher, warum Pansy immer lieber bei ihnen war, als mit Millicent rumzuhängen. Früher waren Millicent und Pansy fast unzertrennlich gewesen, aber in letzter Zeit hatte es sich verändert. Trotzdem, Amelia schätze Pansy als einen Menschen ein, der immer den Weg des geringsten Widerstandes wählen würde. Es war nicht so, als hätte Amelia nicht versucht ihre Gedanken mit Legilimentik zu durchleuchten. Aber Pansy war wechselhaft und ihre Gedanken nicht eindeutig.
Blaise hingegen mochte Draco. Sie waren ziemlich gute Freunde. Egal ob sich Blaise raushalten wollte oder nicht. Am Ende würde er zu Draco halten. Er war eben doch ein treuer Freund auch wenn er das nicht zu offen zeigen wollte.
Sie waren gerade dabei sich wieder auf den Weg zu machen, als zwei auffällige Personen in den Drei Besen erschienen. Groß gewachsen, blond und mit besorgten Gesichtern. Draco bleib wie erstarrt stehen.
Narzissa und Lucius Malfoy wirkten angespannt, dennoch wollte Dracos Mutter sofort auf ihren Sohn zu rennen, als sie ihn erblickte.
„Draco!"
Blitzschnell hatte Draco seinen Zauberstab in der Hand. Abrupt hielt sie Inne. Die gesamte Gestalt von Narzissa Malfoy verkrampfte sich, als sie ihr einziges Kind ansah.
„Draco…", flüsterte sie zaghaft.
„Was wollt ihr?", fragte Draco gereizt und Amelia konnte seine tobenden Gefühle unter der Oberfläche brodeln spüren.
„Wir wollen nur mit dir Reden", sagte Lucius Malfoy mit abwehrenden Händen.
„Es gibt nichts zu bereden", fauchte Draco aufgewühlt.
„Bitte… Bitte, Draco", flehte Narzissa.
Draco starrte nur weiterhin mit verbissenem Gesichtsausdruck seine Eltern an. Den Zauberstab in Kampfposition. Seine ganze Haltung jedoch schrie Verteidigungsposition.
Immer mehr Gäste wurden auf die Szene aufmerksam und sahen flüsternd zu ihnen rüber.
Amelia hielt einen Moment inne. Doch da war kein Angriff, keine Finte. Dracos Eltern waren hier, weil sie seine Eltern waren und nicht mit einem Auftrag. Zuerst wollte Amelia das Risiko nicht eingehen. Es könnte zu gefährlich sein, doch Narzissas flehender Ausdruck erweichte ihr Herz.
Langsam trat Amelia an Dracos Seite und legte ihre Hand auf seine Zauberstabhand. Ihre Blicke trafen sich.
Sie wusste genau wie sehr es ihn schmerzte seine Eltern zu sehen. Das er am liebsten wegrennen wollte, damit er nicht sehen musste, was er alles verloren hatte. Damit er seinen und ihren Verrat nicht spüren musste. Er wollte fliehen und alles hinter Wut und Zorn verstecken.
Aber Narzissa würde nicht aufgeben, bevor Draco es ihr nicht gesagt hatte. Bevor Draco seinen Standpunkt nicht erklärt hatte. Die Malfoys waren eine Familie, die nie viel über Probleme geredet hatte. Probleme wurden stets ausgeblendet. Draco würde am liebsten weiter schweigen, aber das war grausam gegenüber Narzissa und Amelia mochte Narzissa.
Vielleicht hofften Lucius und Narzissa ihnen Sohn umzustimmen und ihn zurück nach Hause zu holen, doch Amelia hatte keine Befürchtung. Sie vertraute Draco.
Am liebsten hätte sie ihm all das jetzt gesagt, aber hier hörten zu viele mit. Vertrauliches sollte vertraulich bleiben, das war die erste Regel der Malfoys und Amelia war, was das betraf, eine Malfoy. Vielleicht brauchte sie deshalb nichts sagen, vielleicht verstand er deshalb auch so.
Dracos Hand war kalt und die Knöchel standen weiß hervor, wo er seinen Zauberstab umklammert hielt. Er sah Amelia flehentlich an, doch dann atmete er aus und senkte den Zauberstab.
„Geht schon mal vor, ich komme gleich nach", sagte er und nickte Amelia unmerklich zu. Amelia erwiderte die Geste und drückte kurz seine Finger.
„Wir warten dann auf dich", sagte sie sanft und bedeutete den anderen ihr zu folgen.
Sie ging an Dracos Eltern vorbei und trat ohne zu zögern vor den Pub. Die Tür viel hinter ihr ins Schloss und sie musste einmal tief Luft holen.
Draco atmete einmal tief durch. Der Anblick seiner Eltern hatte ihn erschüttert, auch wenn er sich das nur schwer eingestehen konnte. Er hatte seine Mutter selten die Fassung verlieren sehen und noch nie in der Öffentlichkeit. Sie hier stehen zu sehen, war mehr, als er verkraften konnte. Aber er konnte nicht ewig weglaufen. Irgendwann musste er mit Ihnen reden.
„Draco... wir…", begann seine Mutter doch er wandte sich ab. Er brauchte einen Moment um seine Selbstkontrolle wiederzufinden. Ohne seinen Eltern ganz den Rücken zu kehren, wandte er sich an Madam Rosmerta und ließ sich von ihr den Weg ins Hinterzimmer weisen. Er konnte seinen Eltern nicht vertrauen. Dennoch, dies war kein Gespräch bei dem Schaulustige zuhören sollten. Es ging sie schließlich nichts an.
Es war ein beruhigendes Klicken zu hören, als die Tür hinter ihnen ins Schloss viel.
Draco lehnte sich gegen sie und ein sachtes Tippen seines Zauberstabes hielt ihnen Lauscher vom Hals. Dann verschränkte er die Arme vor der Brust und blickte zu seinen Eltern hinüber.
Narzissa Malfoy hatte sich an den einzigen Tisch gesetzt, der in der kleinen Stube stand, sie wirkte seltsam verloren. Lucius stand hinter ihr, die Hände hielten sich an der Stuhllehne fest.
„Was wollt ihr?", fragte Draco und versuchte jegliche Gefühlsregung aus seiner Stimme zu verbannen. Das war gar nicht so einfach, wann man innerlich aufgewühlt war.
„Wir haben uns Sorgen um dich gemacht, Draco", sagte Lucius Malfoy und musterte seinen Sohn. Sein Blick glitt immer wieder zu den Narben, die das junge Gesicht entstellten. „Wie geht es dir?"
„Ich lebe", sagte Draco und fügte hinzu: „Was nicht euer Verdienst ist."
„Was… was ist mit deinem Gesicht passiert", fragte Narzissa mit erstickter Stimme und man sah ihr ihre Mühe an, nicht zu ihrem Sohn zu laufen.
„Voldemort…" begann Draco doch Narzissas spitzer Schrei und Lucius zischen, ließen ihn nicht aussprechen.
„Sag seinen Namen nicht", herrschte Lucius seinen Sohn an.
Draco schnaubte nur abfällig.
„Du dienst ihm doch, Vater. Aber fürchtest ihn so sehr, dass du nicht mal seinen Namen ertragen kannst."
„Es ist klug ihn zu fürchten, Draco. Du weißt nicht, wozu er in der Lage ist."
Draco wägte einen Moment ab.
„Vielleicht nicht, vielleicht doch. Vieles über ihn ist nur Spekulation. Aber ich weiß wozu Amelia in der Lage ist und alleine bei dem Gedanken gruselt es mich. Trotzdem, er hat es nicht geschafft mich umzubringen. Ich lebe und dass, obwohl das bestimmt nicht seine Absicht war."
„Das war Glück, Draco", sagte Lucius Malfoy eindringlich, doch Draco zuckte nur mit den Schultern.
„Es ist genau das gleiche Glück, dass dich jedes Mal überleben lässt, wenn du ihm begegnest. Ich habe vor, nicht ewig auf mein Glück vertrauen zu müssen, Vater. Dafür bin ich zu jung. Dafür habe ich es nicht überlebt Caliburn zu ergreifen."
„Aber das ist Wahnsinn, Draco. Du kannst ihn nicht bekämpfen. Er wird dich umbringen!", rief Narzissa den Tränen nahe. „Wenn du zurückkommst, dann wird er dich verschonen!"
„Daran glaubst du doch selbst nicht, Mutter."
Narzissa schluckte und barg ihre zitternden Finger in ihrem Schoß. Den Blick fest auf ihren Sohn geheftet.
„Außerdem", sagte Draco und der nächste Satz kostete ihn viel Überwindung, denn das war das wirkliche Thema, über das sie noch alle nicht gewagt hatten zu sprechen, „kann ich Amelia nicht im Stich lassen."
Es war einen Moment still und Draco konnte förmlich spüren, wie unangenehm seinen Eltern das Thema Amelia war.
„Vergiss Amelia doch einfach."
Lucius war derjenige, der das Wort ergriffen hatte und er hätte nichts Schlimmeres sagen können.
Es waren so einfache dahingeworfene Worte, ohne sich jemals mit ihm beschäftigt zu haben. Ohne nachgedacht zu haben. Dracos ganze Wut brach sich mit einem Mal bahn.
„Ich soll sie vergessen?", fauchte er seine Eltern an und seine geballten Fäuste zitterten vor unterdrücktem Zorn.
„Wie stellt ihr euch das vor? Ihr gabt mir die Anweisung sie in meiner Nähe zu halten, ihre Freundschaft zu suchen. Ihr habt sie immer wieder in den Sommerferien zu uns geholt. Ihr habt uns praktisch miteinander verkuppelt, bevor ich auch nur begriffen habe, worum es geht. Bevor ich alt genug war alles zu verstehen.
Glaubt ihr, ich habe keine Gefühle. Glaubt ihr, ich kann das einfach so an und ausstellen?"
Dracos Atem ging schwer doch in dem Moment, als Lucius etwas sagen wollte, viel er ihm ins Wort. Seine Stimme bebte.
„Ihr habt sie benutzt, ihr habt sie all die Jahre benutzt. Glaubt ihr, das hat sie nicht bemerkt? Sie hat es immer gewusst. Sie hat es mir gesagt, aber wisst ihr, warum sie trotzdem immer wieder gekommen ist, obwohl sie es gehasst hat benutzt zu werden? Wegen mir, sie hat nur mich…"
Wie lange hatte er das schon sagen wollen, er wollte noch so viel mehr sagen, aber er vermochte seine Wut nicht in Worte zu fassen. Es fühlte sich gut an all das endlich rauszuschreien. Diese Ungerechtigkeit.
„Aber in Zeiten wie diesen musst du an dich selbst denken Draco. Du musst an deine Familie denken", donnerte Lucius Malfoy zurück.
„Aber ich denke an meine Familie. Die einzige Familie die mich nie im Stich gelassen hat. Amelia ist die einzige Person, die immer an mich geglaubt hat."
„Sie wird dich umbringen, Draco", schluchzte Narzissa Malfoy leise, doch Draco schüttelte den Kopf.
„Und wem soll ich lieber vertrauen? Meinem Vater der meinen Sohn hat sterben lassen?"
„Es ist nicht so, dass ich eine Wahl gehabt hätte. Glaube mir Draco wenn…"
Doch Draco unterbrach seinen Vater.
„Man hat immer eine Wahl. Ich werde niemals dem Mörder meines Kindes Dienen. Das ist meine Wahl."
„Davon wird dein Sohn auch nicht wieder lebendig. Du unterschreibst nur dein Todesurteil. Ich will nicht auch noch dich verlieren!", bettelte Narzissa.
„Ihr glaubt also, dass Amelia verlieren wird? Das Voldemort sie am Ende tötet? Ihr solltet mehr Vertrauen haben, aber daran hat es euch schließlich schon immer gemangelt." Draco spielte auf sein drittes Schuljahr an, als ihn das fehlende Vertrauen seines Vaters beinah da Leben gekostet hatte. Auch damals hatte Amelia ihm vertraut und er hatte überlebt. Er würde bei ihr bleiben, egal wie es ausgehen würde. Es war seine Blutschuld.
Narzissa Malfoy zitterte am ganzen Leib Es war schwer zu sagen, was sie mehr verletzte, die Worte oder der resignierte Tonfall ihres Sohnes, als hätte er sie aufgegeben.
„Wir haben dir immer vertraut", widersprach Lucius, doch Draco lachte nur hohl auf.
„Ihr habt meinem Urteil nie vertraut. Weder bei Caliburn noch heute. Ich habe mich wahrscheinlich nie vorbildlich verhalten, aber ich habe etwas gefunden, an das ich glauben kann und das werde ich nicht aufgeben."
„Aber warum muss es gleich Amelia sein. Warum musst du dich gleich in diesen Krieg einmischen. Warum kann es nichts einfacheres sein wie Quiddich oder so! Du bist fünfzehn, Draco", brachte Narzissa hervor.
„Ich habe nicht von Amelia gesprochen", antwortete Draco und blickte seine Eltern entschlossen an. „Ich habe von mir gesprochen. Ich glaube an mich. Ich brauche Voldemort nicht und ich unterwerfe mich nicht. Irgendwann werde ich frei sein von all diesen verdammten Ketten, die in dieser verkorksten Welt an mir herumzerren."
Lucius musterte Draco ernst und versuchte ruhig zu bleiben.
„Ich weiß du bist verletzt mein Sohn. Verletzt und wütend und du hast wahrscheinlich allen Grund dazu. Egal was sie dir verspricht, egal was sie sagt, aber an der Seite dieses Mädchens rennst du in den sicheren Tod."
„Vater, verstehst du noch immer nicht? Sie verspricht mir gar nichts. Aber momentan gibt es zwei Mächte hier. Die eine ist Voldemort, der Kinder ermordet, seine Verbündeten foltert und dabei ist, seine eigene Art auszurotten. Die andere ist Amelia. Eine mächtige begabte junge Hexe die das Potential hat, die Welt zu verändern und alle Hexen und Zauberer hinter sich zu vereinen. Ein Mädchen, dass mich über alles liebt. Eine Frau die alles für mich tun würde. Ich brauche Voldemort nicht um meine Pläne zu verwirklichen. Ich habe Amelia."
„Sie ist eine Frau, Draco. Sie wird niemals ein neuer Dunkler Lord werden."
„Nein, Vater. Du verstehst nicht. Amelia ist nicht irgendeine Frau, sie ist meine Frau."
„Das ist doch Irrsinn", sagte Lucius Malfoy fassungslos. „Du wirst sterben, bevor du einen Vorteil aus ihr ziehen kannst."
Draco seufzte. Was hatte er erwartet. Sie würden ihn nicht verstehen, weil sie nicht den Mut dazu hatten, so weit zu denken. Er hatte am eigenen Leib erfahren, wie schwach sein Vater war, was hatte er erwartet. Verständnis? Zuspruch? Rückhalt?
„Irgendwann sterben wir doch alle", sagte Draco resigniert. „Wir müssen entscheiden, was wir mit der Zeit anfangen, die uns gegeben ist. Entweder sterbe ich, in dem Versuch ein besseres Leben zu leben und Voldemort zu töten oder ich sterbe auf dem Boden kriechend und Voldemort den Umhang küssend. Das habe ich nicht nötig, das ist unter meiner Würde. Wenn ich in diesem Krieg sterben werde, dann entscheide ich selbst wie. Denn ich bin frei."
„Draco, hör dich doch mal selbst reden. Es ist viel zu gefährlich. Es gibt andere Mittel und Wege all das zu überstehen. Wenn wir es schlau anstellen, müssen wir gar nicht kämpfen."
Doch Draco schüttelte den Kopf. „Das mag dein Weg sein, Vater. Aber ich bin kein Feigling."
„Das hat nichts mit Feigheit zu tun. Es ist einfach klug das zu tun."
Lucius Malfoy gab sich alle Mühe auf seinen Sohn einzureden, doch Draco konnte sturer sein, als ein Zentaur.
„Der Dunkle Lord verlangt von mir, dass ich dich aus der Familie verbanne, solltest du ihm nicht die Treue schwören. Ich soll dich enterben", versuchte es Lucius Malfoy weiter.
Draco zögerte einen Moment. Natürlich hatte Draco über dieses Thema nachgedacht. Aus seinem Familienstammbaum gelöscht zu werden, der Gedanke erschien ihm unerträglich, doch sein Vater konnte es nicht tun.
„Ich weiß, dass du mich enterben kannst, Vater. Aber hältst du mich für so dumm, dass ich auch nur einen Moment glauben würde, du könntest mich aus der Familie verbannen."
„Aber Draco, es ist die Wahrheit. Er gibt dir bis Weihnachten Bedenkzeit", sagte Narzissa bedrückt.
Draco musterte seine Mutter einen Moment, dann seinen Vater.
„Du hast es ihr nicht gesagt, oder?", fragte Draco lauernd an seinen Vater gewandt, der sich anscheinend etwas unwohl in seiner Haut fühlte.
„Was hat er mir nicht gesagt?", fragte Narzissa nun hellhörig geworden. Einschätzend blickte sie von Vater zu Sohn.
„Mein Vater kann mich nicht aus der Familie verbannen."
„Wenn der Dunkle Lord ihn zwingt, dann hat Lucius keine andere Wahl. Sonst sterben wir alle."
„Du verstehst nicht, was ich meine, Mutter. Er ist nicht in der Lage dazu. Seine Position in der Familie lässt es nicht zu."
Narzissa sah ihren Sohn irritiert an und blickte erneut hinter sich zu ihrem Mann.
„Wovon sprichst du?", fragte sie irritiert.
„Magst du es ihr erklären, Vater? Oder soll ich es tun?"
Lucius Malfoy schien innerlich mit sich zu ringen.
„Was Draco dir sagen will, Narzissa... Ich habe all meine magischen Befugnisse als Oberhaupt der Familie Malfoy an Draco abgetreten. Ich kann zwar sagen, dass ich ihn aus der Familie verstoße, doch es hat keine bindende magische Kraft. Die Magische Enzyklopädie der Blutlinien wird es nicht anerkennen."
Einen Moment tat Draco sein Vater fast leid. Er wirkte so gedemütigt, so zerrissen. Jenem stolzen starken Mann, den er in seinen jüngsten Kindertagen kennengelernt hatte, weiter entfernt als jemals zuvor.
„Wann das?", fragte Narzissa überrascht.
„Damals in der Krypta vor zwei Jahren", erklärte Draco. „Nur dem Oberhaupt unserer Familie ist es gestattet, die Prüfungen der Vorfahren anzutreten. Damals hat mein Vater mich zum Oberhaupt ernannt und er kann es nicht zurücknehmen. Vor dem Ministerium kann er mich enterben, doch die Magie wird dies nie anerkennen. Das ist die Diskrepanz unserer heutigen Gesellschaft. Das wir zwei Rechtsordnungen haben. Einmal die des Ministeriums und einmal die unserer Traditionen, die Rechtsordnung der Magie."
„Ist das wahr, Lucius?"
Dieser nickte mit versteinertem Gesichtsausdruck.
„Ja."
„Mutter, Vater. Was auch immer ihr euch überlegt habt, um mir euren Willen aufzuzwingen, es wird nicht funktionieren, außer ihr wollt mich umbringen."
Draco sah seine Eltern eindringlich an.
„Wenn ihr mich von Hogwarts holt, wenn Dumbledore es denn zulässt und ich mich weiterhin wiedersetze, wird Voldemort mich umbringen und das wollt ihr nicht."
Narzissa schüttelte den Kopf. „Draco, du bist erst fünfzehn. Höre auf deine Eltern, wir meinen es nur gut mit dir."
„Das weiß ich, Mutter. Aber…" Ja, was aber… Er würde sich selbst verabscheuen. Er würde sich für sich selbst schämen. Er wäre nicht würdig... Sich selbst und Caliburns nicht würdig.
„Ich werde niemandes Diener sein."
„Ist der Unterschied, so groß ob du nun dem dunklen Lord oder Amelia dienst?"
„Vater, sprich nicht von Dingen, von denen du keine Ahnung hast. Ich würde dir gerne viel erzählen, aber das kann ich nicht. Weil Voldemort in deinem Kopf liest wie in einem offenen Buch. Jedes Wort, dass ich weiter mit euch wechsele, gibt ihm mehr Informationen über mich und über Amelia. Wenn ich euch einen Rat geben soll, wendet mehr Okklumentik an. Ich weiß, dass ihr es beherrscht."
Draco hielt einen Moment inne, dann blickte er von Mutter zu Vater. Wie sie dastanden. So verzweifelt, so gebrochen. Er tat es ihnen an. Aber es war so schwer ihren Anblick zu ertragen. Er konnte seinen Vater nicht ansehen ohne, dass die Wut in ihm aufstieg.
„Vielleicht ist es besser, dass sich unsere Wege trennen", sagte Draco irgendwann. „Denn ich kann nicht verzeihen."
Draco tippte mit dem Zauberstab an die Tür und entriegelte sie.
„Draco, warte", rief Narzissa und sprang auf. Draco hielt inne und wandte sich um.
„Mutter, gibt es noch irgendetwas zu sagen?"
Narzissa Malfoy machte den Mund auf, doch sie schien keine Worte zu finden. Sie stand eine ganze Weile da, doch dann ließ sie sich stumm zurück auf den Holzstuhl sinken.
Draco verließ den Pub und die warme Septemberluft fuhr ihm übers Gesicht. Er hatte das Gefühl, als wäre eine Last von ihm abgefallen, von der er nicht Mal gespürt hatte, dass er sie trug. Er fühlte sich seltsam befreit.
Währenddessen machte sich Amelia mit den anderen auf den Weg zur heulenden Hütte. Auf halbem Weg trafen sie auf ein paar Gryffindors. Die Weasleys und zu Amelias Überraschung Hermine Granger. Ginny Weasley hatte eine Freundin aus Ravenclaw mitgebracht und das Mädchen wirkte selbst für eine Hexe ziemlich spleenig.
Es kamen mehr, als Amelia erwartet hatte und Amelia hoffte nur, dass bei einer so großen Gruppe die Geheimhaltung gegeben wäre. Sie musste dafür sorgen.
„Ich habe es nicht geschafft weniger mitzubringen", grinste Eddie Carmichel. Nachdem von allen Häusern Schüler anwesend waren, wirke Amelia scharfe Abwehrzauber und beschwor ihnen ein paar Bänke. Es war nicht gerade ein gemütlicher Ort, aber hier würden sie jeden bemerken, der sich der Gruppe nähern würde.
„Sind ja doch ganz schön viele geworden", stellte Hermine Granger fest.
„Wo ist Malfoy?", fragte Cedric und blickte den Weg hinauf der zur Heulenden Hütte führte.
„Er hat noch Angelegenheiten mit seinen Eltern zu klären", sagte Amelia und wirkte noch einen letzten Zauber, um ihre Abwehr perfekt zu machen.
„Ich versteh einfach nicht, wie du Malfoy vertrauen kannst. Ich meine, er gibt offen zu, dass sein Vater ein Todesser ist", sagte Hermine Granger.
„Ich habe meine Gründe Draco zu vertrauen" sagte Amelia abweisend.
„Ich weiß, dass du... ihn liebst aber glaubst du nicht, dass er dich irgendwann verraten wird?"
Amelia musterte Hermine eindringlich. Doch diese würde sich von leeren Worten nicht überzeugen lassen. Draco hatte dieses Misstrauen nicht verdient.
„Genau das Hermine, habe ich auch immer gedacht. All die Jahre, seit ich spüre, dass Voldemort stärker wird, wartete ich nur auf den Moment, dass Draco mich verrät.
Als der Dunkle Lord wieder auferstand, dachte ich, es sei so weit, dass er zu seiner Familie zurückgekehrt ist, an die Seite von Lord Voldemort."
Amelia hielt einen Moment inne und suchte die richtigen Worte.
„Aber dann, kurz nach Anfang der Sommerferien tauchte er plötzlich bei mir auf. Schwer verletzt, kaum mehr am Leben. Lord Voldemort hatte das getan, weil Draco sich widersetzt, hatte."
„Aber denkst du nicht, dass das eine Falle sein könnte, nur um einen Spion einzuschleusen? Einen vertrauenserweckenden Spion einen den du mit offenen Armen empfängst? Weil du es dir so sehr wünscht?"
Amelia schüttelte langsam den Kopf.
„Der Fluch der auf ihm liegt, kann nicht gebrochen werden. Weder von Voldemort, noch von mir oder Dumbledore oder von sonst einem lebenden Zauberer. Die Heiler im St.-Mungos kennen keine Möglichkeit ihn zu heilen. Meine Magie blockiert den Fluch, aber wenn sie schwindet, wird Draco sterben." Amelia hielt kurz inne, um das Gesagte sacken zu lassen.
„Es ist ein Wunder das er noch lebt. Ich weiß nicht, ob mein Zauber ein Jahr hält oder zehn oder vielleicht fünfzig Jahre. Aber eines Tages wird Draco an den Folgen seiner Entscheidung sterben. Dass ist kein Spion bereit für seinen Herrn zu tun. Er wäre lieber gestorben, als Lord Voldemort Treue zu schwören und das ist mehr, als jeder von euch hier anwesenden getan hat. Ich würde ihm unser aller Leben anvertrauen."
Betretenes Schweigen trat ein und keiner wagte es etwas zu sagen. Amelia musterte sie alle einen Moment eindringlich, dann fuhr sie fort:
„Aber ich will euch nicht Verteidigung beibringen, damit ihr in den Kampf zieht oder sowas in der Art. Ich möchte, dass ihr euch verteidigen könnt, solltet ihr es jemals müssen. Ich weiß, wie es ist, einem übermächtigen Feind gegenüber zu stehen und zu verzweifeln. Das ist eine Erfahrung, die ich keinem wünsche. Sollte er nun muggelstämmig sein", Amelia sah zu Hermine und Dean Thomas „oder einer alten Zaubererfamilie entspringen." Amelia blickte hinüber zu Macmillan und Longbottom.
„Wir sind alle Hexen und Zauberer und wir leben in der gleichen Welt."
Keiner schien widersprechen zu wollen.
„Wir müssen uns allerdings im Geheimen treffen und keiner darf davon erfahren." Viele nickten, keiner schien Hintergedanken zu haben.
„Wir brauchen auch einen neuen Raum zum Zaubern", fügte Carmichel hinzu und berichtete den anderen vom versperrten Ravenclaw Raum.
„Ich hätte da eine Idee", sagte Blaise und Amelia wandte sich überrascht um.
„Oh, schaut mal, da kommt Draco", sagte Padma Patil.
Draco kam den Weg entlang. „Wir sind hier", sagte Amelia und streckte eine Hand aus den Tarnzaubern heraus. Es wäre nicht nötig gewesen, denn Amelias Tarnzauber wirkten nicht auf ihn. Doch so war es unauffälliger. Sie brauchten nicht alle mit der Nase darauf zu stoßen, dass etwas mit ihrer Magie anders war. Draco kam auf sie zu und trat in die Schutzzauber.
„Sind wir doch so viele", stellte er fest und legte einen Arm um Amelia. Er wirkte irgendwie gelöst und gut gelaunt. Amelia war neugierig was mit seinen Eltern vorgefallen war, aber sie würde es auf einen anderen Zeitpunkt verschieben müssen.
„Blaise wollte uns gerade einen neuen Trainingsraum vorschlagen", sagte Amelia und nickte dem Slytherin zu.
„Ja", sagte Blaise. „Erinnert ihr euch an die Party nach dem Weihnachtsball letztes Jahr?"; fragte er in die Runde und Amelia erinnerte sich nur zu gut.
„Was für einer Party?", fragte Ron Weasley irritiert.
„Oh, keine Sorge, dass war keine Party für brave Gryffindors", stichelte Daphne und Morag McDougal und Eddie Carmichael musste lachen.
„Oh, ja ich versteh schon", schnappte Ron und noch ein paar stimmten in das Lachen mit ein.
„Aber was ist nun mit diesem Raum?", hackte Ron nach, der ganz rote Ohren bekommen hatte.
„Diesen Raum nennt man den Raum der Wünsche. Er verwandelt sich, in was immer man braucht und kann auch unaufspürbar sein, wenn wir es wollen", erklärte Blaise und Amelia war beeindruckt. Sie hatte nicht gewusst, dass es einen solchen Raum in Hogwarts gab, dabei hatte sie gedacht alles über Hogwarts zu wissen, seit sie die Karte des Rumtreibers besaß.
„Ich glaube das hört sich ziemlich gut an", nickte Draco.
„Wann treffen wir uns dann das erste Mal?", fragte Susan Bones.
„Wir sollten mindestens noch eine Woche warten, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Momentan schleicht Umbridge durch die Schule und öffnet jede Tür, die sie finden kann", sagte George Weasley.
„Außerdem haben wir einmal die Woche Quiddich Training", sagte Cedric und Cho, seine Freundin nickte: „Wir auch. Genauso wie Gryffindor und Slytherin."
„Es ist sowieso besser, wenn wir unregelmäßige Zeiten ausmachen. Dann ist es unauffälliger. Ich mache mir Gedanken darüber, wie wir unauffällig kommunizieren können", versprach Amelia und nickte ihnen allen zu.
„Haltet euch den Mittwoch in zwei Wochen frei. Bis dahin sollte sich der größte Trubel gelegt haben. Wir treffen uns im siebten Stock. Der Eingang ist gegenüber von dem Bild von Barnabas dem Bekloppten."
Die anderen nickten und langsam begann sich die Gruppe zu zerstreuen.
Amelia und Draco schlenderten langsam zurück ins Dorf.
„Alles okay mit deinen Eltern?", fragte Amelia leise, als sie sich dem Dorf näherten.
„Ich denke schon. Ich mache mir nur sorgen, dass sie versuchen könnten mich von der Schule zu nehmen. Ich meine, sie sind vor dem Gesetz noch immer meine Erziehungsberechtigten."
„Ich sehe gerade keine Möglichkeit, wie wir daran etwas ändern können. Glaubst du wirklich, dass sie so weit gehen würden?"
„In dem Moment in dem sie glauben, dass es gefährlicher für mich ist, in Hogwarts zu sein, als beim Widerstand oder Voldemort, schon. Ich habe ihnen erklärt, warum sie es nicht tun sollten. Ich hoffe sie denken daran."
„Selbst, wenn sie dich von Hogwarts nehmen. In letzter Instanz können sie dich zu nichts zwingen."
Draco nickte und grinste zynisch. „So schlimm war das Sofa bei Sirius auch nicht."
„Ihr versteht euch ziemlich gut", stellte Amelia fest und musste lächeln.
„Naja ich denke, wir haben einen ähnlichen Hintergrund. Er versteht mich."
Eine Weile sagte keiner von beiden etwas und sie gingen weiter. Kurz bevor sie das Dorf erreichten, kamen sie an den Friedhofstoren vorbei. Amelia schaffte es kaum hinüber zu blicken. Wie in einem gemeinsamen Einverständnis gingen sie daran vorbei.
Sie waren fast am Honigtopf angekommen, als Amelia den Faden wieder aufgriff.
„Es tut mir leid, Draco", sagte sie und blickte mit schlechtem Gewissen zu ihm hoch.
„Was denn?", fragte er verwirrt.
„Ich habe dich um deine Kindheit betrogen. Eigentlich sollte die Zeit in Hogwarts eine lustige Zeit sein. In der man lachen und unbesorgt sein kann. So wie bei unseren Eltern oder Sirius."
„Dafür kannst du doch nichts. Dafür ist doch nur Voldemort verantwortlich."
Doch Amelia schüttelte den Kopf.
„Es ist durch die Zwölf, Draco. Damals hast du dich verändert. Ich weiß kaum noch, wie der Draco davor war. Aber der Draco der mit Sirius zusammen gelacht, hat war ihm ähnlicher als der, der hier in Hogwarts ist."
„Bin ich dir also zu ernst?", gluckste Draco und auch Amelia musste grinsen.
„Du weißt genau was ich meine", erwiderte Amelia.
„Natürlich weiß ich was du meinst, aber ich wollte dich immer nur beschützen."
Draco legte den Arm um sie und zog sie an sich, um ihr einen Kuss auf die Stirn zu geben. Ihre Schritte kamen einen Moment aus dem Gleichgewicht, bevor sie weitergingen.
„Wie gesagt, es tut mir leid."
„Schon okay, ich bin ganz zufrieden so", erwiderte Draco und zusammen betraten sie den Süßigkeitenladen.
In den nächsten zwei Wochen zerbrach Amelia sich den Kopf, wie sie die Mitglieder des Verteidigungsclubs am besten Kontaktieren konnte, ohne das es sonderlich auffällig wäre. Am klügsten wäre es mithilfe eines Proteus-Zaubers, aber es musste unauffällig sein und vielleicht konnte sie noch einen weiteren Vorteil daraus ziehen.
Amelia, Draco, Daphne und Blaise waren die ersten die in den Raum der Wünsche gingen, um ihn zu inspizieren. Leider mussten sie durch das ganze Schloss schleichen, um bis dorthin zu kommen.
Der Raum war wirklich fantastisch und Amelia ärgerte sich, dass sie ihn nicht schon ein paar Jahre früher entdeckt hatte. Bücher standen in den Regalen für die sie jedes Mal eine Erlaubnis für die verbotene Abteilung gebraucht hatte und hier konnte sie einfach zugreifen und darin stöbern. An eine Wand gelehnt stand ein gewaltiges Feindglas und Amelia sah den Schatten einer kleinen Frau darin herumschleichen. Doch solange sie das Weiße in ihren Augen nicht sehen konnte, waren sie in Sicherheit.
Langsam kamen die Schüler der anderen Häuser dazu und viele staunten nicht schlecht über den Raum. Magie war schon eine wirklich großartige Sache.
Als alle da waren, schloss Draco die Tür und sie versammelten sich um einen Tisch der in der Ecke stand.
„Schön, dass ihr alle gekommen seid", begann Amelia an die anderen Schüler gewandt.
Ich habe mir eine Methode überlegt, wie wir ungehindert kommunizieren können."
„Dann bin ich mal gespannt. Du hast die ganze letzte Woche über irgend so einem komischen Zauber gebrütet", sagte Daphne und die anderen horchten auf.
„Ich habe an denen hier rumgehext", sagte Amelia und holte einen Beutel mit kleinen silbernen Murmeln hervor.
„Was sind das?", fragte Hermine neugierig und reckte den Kopf.
„Mimikrysilber", antwortete Amelia und alle außer Hermine sahen sie verständnislos an.
„Das ist aber doch wahnsinnig schwer herzustellen."
„Naja, ich fand es passend zur Tarnung. Es wäre zu auffällig, wenn wir alle ähnliche Gegenstände bei uns trügen. Diese kleinen Kugeln können jede Form annehmen, die ihr wollt. Tippt ihr sie an und denkt an eine Nachricht so wird sie sich in das Silber brennen und alle anderen Kugeln werden diese Nacharmen. Es funktioniert ähnlich wie bei einem Proteus-Zauber, nur das die Nachrichten von jedem Stück zu allen anderen Transportiert werden kann. Wenn ihr einen Termin habt, an dem ihr nicht könnt, graviert ihn in das Metall und ich werde es sehen. Fügt immer eure Initialen an, damit wir wissen von wem die Nachricht ist. Ich gebe dann einen neuen Termin bekannt, wenn ich ein neues Datum habe."
„Aber Mimikrisilber kann doch noch so viel mehr!", ereiferte sich Hermine.
„Ich meine, es wurde doch zur Kommunikation erschaffen. Ich weiß, dass das Ministerium damit arbeitet. Wenn man es sich entfalten lässt, kann man wie Papier darauf schreiben. Man könnte ganze Unterhaltungen damit führen!"
Amelia lächelte leicht. „So ungefähr hatte ich mir das vorgestellt. Informiert alle, wenn Umbridge einen von euch bei irgendwas erwischt oder wenn ihr Fragen zum Unterricht habt. Ich weiß nicht, wie oft wir es schaffen werden uns zu treffen, deshalb fand ich es ganz nützlich."
„Echt, das ist echt cool", sagte Ginny und nahm sich eine Murmel aus dem Beutel, den Amelia auf den Tisch gelegt hatte. Die Kugel begann sich in ihrer Hand zu verändern und Bildete einen kleinen schmalen Ring um ihren Mittelfinger.
„Witzigkeit im Übermaß ist es Menschen größter Schatz", summte Luna Lovegood die neben Ginny stand mit einer Singsangstimme und betrachtete ihr Mimikrisilber liebevoll.
„Es ist echt ein Wunder, dass du nicht nach Ravenclaw gekommen bist", sagte Terry Boot bewundernd, als er sich sein Mimikrysilber nahm.
„Oh nein, eigentlich nicht", lächelte Amelia und lehnte sich zurück. „Jetzt sollten wir aber ans Zaubern gehen. Wir sind nicht zum Reden hier."
Eigentlich fand es Amelia ganz interessant den anderen Zauber beizubringen. Vor allem, da es auch oft genug angeregte Diskussionen und Fragen gab. Viele Köpfe hatten viele Ideen.
Das Mimikrysilber verbesserte die Kommunikation unter den Häusern und umso besser sich die Schüler verstanden, umso mehr andere Informationen gaben sie preis, ohne es zu merken.
Bald darauf wurde ein Name gesucht, für ihre Gruppe und es war Hermines Idee, die auf allgemeine Zustimmung stieß. Der sprechende Hut hatte sie zum Zusammenhalt aufgerufen und es war genau das, was sie taten. Eine Gruppe aus unterschiedlichen Hexen und Zauberern aus alle vier Häusern von Hogwarts, die sich gegenseitig halfen und gegen gemeinsame Feinde zusammenhielten. In diesem Fall war es zwar nicht Voldemort sondern Umbridge, aber es machte keinen Unterschied. Sie waren das Bündnis der vier Häuser.
„Das hattest du geplant, oder?", fragte Draco, als sie im Kerkerraum saßen und nach dem Training gerade nachsahen was Neues auf dem Mimikrysilber geschrieben wurde. Es waren mehrere neue Nachrichten erschienen. Von den neusten Terminen für andere Clubs über Hermines Katze Krummbein und wo die Küche in Hogwarts lag.
„Ich hatte gehofft, dass es sich so entwickelt", sagte Amelia mit einem diebischen Lächeln. Sie wusste Mittlerweile, dass Hermine Grangers Eltern Zahnärzte waren und Susan Bones Tante Amelia Bones das Ministerium ziemlich kritisch sah. Luna Lovegoods Vater gab eine esoterische Zaubererzeitschrift heraus und Augusta Longbottom, Nevilles Großmutter, war sehr beeindruckt gewesen von Dracos Auftritt im St.-Mungos. Die Patil Zwillinge berichteten, dass Umbridge einen Flohnetzwerkzugang in ihrem Büro hatte einrichten lassen, denn der Vater der Zwillinge arbeitete in der Abteilung für magisches Transportwesen und hatte es seinen Töchtern erzählt.
„Jetzt laufen jede Menge Spione in Hogwarts herum und sie wissen es nicht einmal. Du benutzt sie. Wie Slytherin von dir", sagte Draco grinsend und faltete sein Mimikrysilber wieder zusammen.
„Oh, komm schon Draco. Sie sind selbst schuld, wenn sie ihre Informationen einfach so weitergeben. Sie wissen, dass das jeder von uns mitlesen kann."
„Meine kluge hübsche Freundin", feixte Draco und Amelia konnte sich ein verschlagenes Grinsen nicht verkneifen.
Nachwort:
Dracos Unterhaltung mit seinen Eltern war schon lange überfällig. Was denkt ihr dazu? Zu seinen Motiven zu seinen Gedanken? Ich halte Draco nicht für nett. Ich glaube in kaum einer meiner FF's ist er jemals nett. Er ist noch immer ein Malfoy und ein Slytherin. Er ist machthungrig, gerissen aber auch treu.
Auch das, was Amelia aus der DA gemacht hat ist mehr Slytherin als die DA. Vor allem das Mimikrysilber und wozu sie es missbraucht. Ich finde es einfach passend das alles Gute, was sie tut auch irgendwie einen zweiten Nachgeschmack hat.
