Kapitel 8 – Schwindende Privilegien

Bald darauf begann die Quiddich Season und damit entbrannte auch der Wettstreit um den Pokal erneut. Die Spannungen spürte man sogar unter Mitgliedern des Bündnisses und Draco war stark versucht, den Weasley Zwillingen einen bösen Fluch aufzuhalsen, damit sie nicht spielen konnten. Nur Amelias vorwurfsvoller Blick hielt ihn davon ab.

Das erste Spiel der Season war Gryffindor gegen Slytherin, von Tradition wegen, eines der polarisierensten Spiele, die es auf Hogwarts gab.

Im Vorfeld führte das Bündnis eine ziemliche Diskussion über faires Spielen, bei der Draco und Blaise eine ziemliche einsame Position vertraten. Trotzdem, am Ende zählte nur das Ergebnis. Wie man es erreicht, ist egal.

Langsam wurde es November, eisige Winde zogen über die Ländereien und wann immer Amelia das Schloss verließ, legte sie einen Wärmezauber um sich. Wenn sie erwartet hatte, dass die Verhexungen und Verwünschungen vor diesem Quiddich Spiel etwas geringer ausfallen würden als sonst, hatte sie die Rechnung ohne ein paar engagierte Quidditchfans gemacht.

Alica Spinnet die Jägerin der Gryffindors kam in den Krankenflügel, weil Miles Betchley der Hüter der Slytherins, sie mit einem Haarwuchsfluch belegt hatte, sodass sie ihre Haarpracht durch zwei ganze Korridore hinter sich herziehen konnte und Vincent schaffte es sich von den Weasley Zwillingen einen ziemlich guten Beinklammerfluch aufhalsen zu lassen, für den Madam Pomfrey zwei Tage brauchte, um ihn zu lösen.

Der Tag des ersten Spiels war kristallklar und eiskalt. Die Schüler von Hogwarts hatten sich in die Schals ihrer Hausfarben gewickelt und trabten hinaus zum Quidditchfeld. Amelia setzte sich mit Daphne und Pansy zusammen auf die Tribünen und zusammen beobachteten sie, wie die Mannschaften auf das Quidditchfeld gingen.

Im ersten Moment hatte Amelia den Eindruck, dass alle Gryffindorspieler Weasleys waren. Ginny Weasley war die neue Sucherin von Gryffindor und neben den Zwillingen, die als Treiber dabei waren, war Ron Weasley nun Hüter. Nur die Plätze der Jäger waren an drei Gryffindormädchen verteilt worden.

Neben den riesenhaften Slytherins wirkten jedoch selbst die stämmigen Weasley Zwillinge klein. Vincent und Gregory machte in Größe keiner etwas vor und selbst Draco und Pucey waren alles andere als zierlich.

Wenn man sie auf dem Spielfeld stehen sah, bemerkte man kaum die Anzeichen für die Spaltung im Slytherinteam. Draco hatte oft darüber geklagt und wenn es sein Stolz nicht als Niederlage angesehen hätte, wäre er aus dem Team ausgetreten, nach jenem verhängnisvollen Training Anfang September. So allerdings hatte er die Zähne zusammengebissen und war dabeigeblieben.

Pfeilschnell schossen die vierzehn Spieler in die Lüfte und es wurde nur zu schnell ersichtlich wie unterschiedlich ihre Spieltaktik war. Einschüchterung war schon immer eine ausgeprägte Fähigkeit der Slytherins gewesen, dementsprechend rabiat war auch die ganze Spielart des Slytherin Teams. Zu sagen es wäre ein faires Spiel, war übertrieben. Umso lauter die Slytherins Ron Weasley ausbuhten, umso nervöser wurde er und ließ Würfe durch, die selbst ein Anfänger gefangen hätte. Ginny Weasley war richtig gut im Fliegen. Für den Geschmack der Slytherins zu gut und so entschieden sie, sie einfach aus dem Spiel zu nehmen. Auf ein Zeichen von Draco hin raste Gregory mit einer solchen Wucht in sie hinein, dass es sie beide von den Besen schlug. Nur das der massige Gregory sich davon viel schneller erholte als die kleine zierliche Weasley. Die Zeit die Gryffindor ohne Sucher war, nutzten die Slytherins jedoch scharmlos aus und kurz darauf war der Schnatz gefangen. Die Freistöße die Madam Hooch den Gryffindors zusprach änderten auch nichts an dem Sieg.

Unter lautem Johlen kamen die Slytherins auf dem Feld zusammen und einen Moment war kaum zu spüren, wie sehr die Streitigkeiten das Haus zerrissen hatte. Draco scherzte mit Vincent. Gregory führte nochmal ausführlich vor, wie er Ginny Weasley vom Besen gehauen hatte und erntete dafür allgemeine Begeisterung.

Sobald Draco Amelia entdeckt hatte, schnappte er sich seine Freundin und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen.

„Dafür, dass die Weasleys so getönt haben, haben sie aber ganz schön alt ausgesehen!", frohlockte er und Amelia musste lachen, bevor sie sich hochstreckte und ihn in einen langen Kuss verstrickte.

„Chem, Chem", ein unangenehmes Räuspern ließ sie auseinanderfahren.

Dolores Umbridge stand ihnen gegenüber und hatte ihren krötenartigen Mund zusammengekniffen. Ihr Blick glitt unheilverkündend von Draco zu Amelia.

„Solch unzüchtiges Verhalten wird auf Hogwarts nicht toleriert. Jeweils 10 Punkte von Slytherin, für jeden von ihnen. Und ich denke jeweils eine Woche Nachsitzen sollte dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholt."

Einen Moment war Amelia tatsächlich sprachlos. Sie hatte noch nie in ihrem ganzen Leben Strafarbeiten bekommen und sie hatte schlimmeres ausgefressen als einen simplen Kuss.

Noch bevor Amelia etwas sagen konnte, spürte sie, wie sich Dracos Finger um ihre Schultern verkrampften und er genau das sagte, was sie dachte. „Sie spinnen doch."

Amelia wusste, dass er es noch im selben Moment bereute. Doch spätestens als er Umbridges süßliches Lächeln entdeckte, musste ihm klarwerden, dass es ein riesiger Fehler gewesen war.

„Nun, ich würde sagen, noch eine weitere Woche Nachsitzen für sie, Mr Malfoy und weitere 20 Hauspunkte von Slytherin."

Diesmal waren es mehr Slytherins die zu murren anfingen. Sie hatten innerhalb weniger Minuten 40 Hauspunkte verloren und nicht wenige warfen Umbridge böse Blicke zu.

„Wenn sie uns dann entschuldigen, Professor", sagte Amelia über die Beschwerden hinweg. „Slytherin hat das erste Spiel der Season gewonnen, ich glaube wir alle wollen das Feiern gehen."

Mit einem Wink gab sie den anderen Slytherins zu verstehen, dass es jetzt genug war und sie gehen würden. Trotz allem, was in den letzten Monaten passiert war, gehorchten alle ihrem Befehl und geschlossen folgten sie Amelia vom Platz hinauf zum Schloss. Dolores Umbridge blickte ihnen bösartig grinsend hinterher.

„Macht euch nichts draus", sagte Pansy mit besserer Laune als sie haben sollte. „Die alte Sabberhexe hat mich und Cormac mal beim knutschen in einem leeren Klassensaal erwischt."

„Das soll mich jetzt trösten?", fragte Amelia missmutig.

„Naja ich glaube jeder wollte Umbridge schon mal sagen, dass sie nicht mehr alle Kessel beisammenhat. Allein um dabei zu sein, war die 40 Hauspunkte wert", sagte Blaise und musste lachen.

Wenigstens ihre Schulkameraden konnten das alles mit Belustigung betrachten. Amelia ärgerte sich furchtbar und konnte nicht umhin Draco stichelnd zu fragen, wie er so die Beherrschung hatte verlieren können, das sei doch sonst nur Weasleys Art. Draco war genauso angefressen wie sie. Sie waren es einfach nicht gewohnt, sich an solch kleinliche Regeln halten zu müssen. Severus war als Hauslehrer immer großzügig mit seinen Schützlingen umgegangen. Mit Amelia besonders.

Langsam aber sicher mussten Amelia und Draco feststellen, dass sie all die Jahre mit nicht wahrnehmbaren Privilegien gelebt hatten, die nun langsam aber sicher verschwanden.

Trotz der Streitigkeiten oder vielleicht auch wegen ihnen, saßen die Slytherins an diesem Abend noch lange zusammen. Es schien, als hätten Vincent und Gregory über den Sieg und den ganzen Feuerwhisky vergessen, dass sie eigentlich mit Draco verfeindet waren. Sie spielten zusammen in einer großen Runde Zauberschnippschnapp und amüsierten sich ausgelassen. Es wurde spät an diesem Abend. Amelia spürt den Alkohol langsam zu Kopf steigen und verzog sich zu Eristik. Sie kuschelte sich in ihren Lieblingssessel am Kamin. Mit dem Gedanken, bald ins Bett zu gehen, schlief sie im Gemeinschaftsraum ein.

Ein lautes Krachen weckte sie wieder auf. Amelia schreckte hoch, unsicher wo sie sich befand. Ein widerlicher Geschmack im Mund erinnerte sie an den ganzen Feuerwhisky den sie getrunken hatten.

„Aua! Was für ein Mist", hörte sie eine Stimme hinter sich Fluchen.

Es war dunkel im Gemeinschaftsraum und die Glut im Kamin, fast heruntergebrannt.

„Lumos", sagte Amelia und die Spitze ihres Zauberstabes begann zu leuchten.

„Pansy?", fragte sie irritiert. Eristik zischelte etwas von fliegen, als sie mit ihm aufstand.

Pansy war über ein paar leere Feuerwhisky und Butterbierflaschen gestolpert, die von ihren Trinkspielen liegen geblieben waren. Wahrscheinlich hatte sie sich von den Jungenschlafsälen zurück in die Mädchenschlafsäle schleichen wollen.

„Alles okay?", fragte Amelia als Pansy noch immer auf dem Boden saß und ihren Fuß rieb.

„Ja denke schon. Warum können die ihren Müll nicht wegräumen!", fluchte sie leise.

Mit einem Schnippen ihres Zauberstabs ließ Amelia die leeren Flaschen verschwinden, bevor sie Pansy half sich aufs Sofa zu setzen.

„Warst du wieder bei Graham?", fragte sie halb vorwurfsvoll.

„Nein, war ich nicht", sagte Pansy und klang dabei ziemlich gereizt.

„Also ist es diesmal wirklich vorbei?", erkundigte sich Amelia, die es kaum glauben konnte.

„Ja, diesmal ist es endgültig vorbei. Er ist mit Millicent zusammen", sagte Pansy schrill. Zu schrill, als dass es ihr egal sein konnte.

„Nicht gerade eine Steigerung an Intelligenz und Schönheit", kommentierte Amelia und versuchte Pansy damit etwas aufzuheitern.

„Es macht mir nichts aus. Ich meine, dass mit Graham und mir, war eh zum Scheitern verurteilt."

„Dafür warst du aber ziemlich hartnäckig."

Pansy schwieg einen Moment. „Er wollte eigentlich immer nur Sex und sobald sich da irgendetwas mehr angebahnt hat, hat er mich wieder fallen lassen. Dann habe ich ihn wieder versucht rumzukriegen oder mit wem anders rumgemacht, um mich abzulenken oder um ihn eifersüchtig zu machen und dann waren wir wieder eine Weile zusammen, bis es dann wieder ernster zu werden drohte. Jetzt ist es vorbei. Ich werde ihm nichtmehr hinterherlaufen", schloss Pansy.

„Bei wem warst du dann in den Jungenschlafsälen?", fragte Amelia süffisant grinsend.

„Unwichtig, war eh nur so aus dem Affekt… hab zu viel getrunken…"

Amelia schüttelte seufzend den Kopf. Hatte es noch einen Sinn etwas zu sagen?

„Jetzt sei nicht so überheblich. Es können nicht alle überglücklich vergeben sein. Lass mich doch etwas Spaß haben"

Amelia seufzte und setzte sich neben Pansy aufs Sofa.

„Ich lasse dich doch Spaß haben. Manchmal frage ich mich, wie es ist mit jemand anderem Sex zu haben als Draco. Ich meine klar, der Sex ist gut, aber ich habe nicht so wirklich eine Vergleichsmöglichkeit."

„Überlegst du Draco zu betrügen?", fragte Pansy überrascht. Amelia verdrehte die Augen.

„Oh, natürlich nicht. Man darf doch wohl noch Fantasien haben", erwiderte sie und wechselte schnell das Thema. „Aber ist das mit Millicent der Grund, warum du im Hogwarts-Express nicht mit den anderen weggegangen bist, als Draco und ich ins Abteil gekommen sind?"

„Was stellst du so komische Fragen?", fragte Pansy irritiert.

„Ich war einfach nur überrascht. Ich dachte damals, du und Millicent versteht euch so gut und du warst nie scharf auf Ärger."

„Naja, damals schon noch. Das mit Graham kam erst später. Aber ich wollte lieber euch als Freunde haben."

„Warum?", fragte Amelia lauernd.

„Ich verstehe mich halt echt super mit Blaise und Daphne ist auch immer angenehm um sich zu haben und nie so nervig wie Millicent. Draco ist… naja Draco halt. Es ist immer gut auf seiner Seite zu sein. Und du… du hast mir so oft geholfen. Immer wieder, wenn ich grad wieder irgendwelchen Mist gebaut habe, hast du mich da rausgefischt. Du bist jemand auf den man sich immer verlassen kann. Ich habe dir nie wirklich dafür gedankt…Danke, Amelia."

Amelia sah Pansy fast schockiert an. Doch Pansy zuckte mit den Schultern.

„Jetzt sei nicht so überrascht. Ich war letztes Jahr verdammt wütend auf dich, weil du mich einfach so ignoriert hast. Weil du immer nur mit den anderen rumgehangen hast.

Naja, aber ich habe nichts bemerkt. Ich hatte keine Ahnung von deiner Schwangerschaft. Ich hätte aufmerksamer sein müssen. Du bist doch meine Freundin." Pansy sah fast ein bisschen verloren aus. „Ich wäre einfach auch gerne für dich da gewesen, als du mal Hilfe gebraucht hast."

„Pansy…", sagte Amelia und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Ich meine es wusste fast keiner. Ich wollte nicht, dass es einer erfährt."

„Warum nicht? Hattest du Angst wir mögen dich dann nichtmehr."

„Nein… dass nicht… Ich wollte es einfach nicht in der Presse lesen. Ich wollte einfach nicht lesen, was für einen unverantwortlichen Lebenswandel ich habe. Ich wollte einfach all das, was jetzt in der Presse über mich steht, nicht lesen…" Etwas verloren streichelte Amelia die Schuppen von Eristik, der noch immer auf ihrem Schoß schlummerte. Wahrscheinlich hatte sie auch einfach nicht die Blicke ihrer Mitschüler ertragen wollen. Sie hatte sich geschämt.

„Hm.. Kann ich verstehen. Die schreiben wenig nettes", sagte Pansy und zog die Knie an. „Wie viel von dem ist wahr?"

Amelia zuckte die Achseln. „Keine Ahnung mehr. Ich habe den Überblick verloren.

Weißt du Pansy. Ich bin nicht verrückt und ich quäle bestimmt nicht meine Mitschüler, aber ich liebe die Dunklen Künste. Ich halte mich nicht für verantwortungslos, aber trotzdem habe ich weiterhin Sex mit Draco. Einfach weil ich es mag. Ich will mich dafür nicht schämen. Es kann immer was passieren. Das ist halt so, wenn eine Frau mit einem Mann schläft, aber ich kann doch deswegen keinen Sex mehr haben, bis ich Kinder möchte."

Eine Weile schwiegen die beiden Mädchen und blickten auf die verlöschende Glut im Kamin.

„Stimmt es, was letztes Jahr in der Hexenwoche stand? Hat Draco jemals… Misshandelt Draco dich?"

Amelia erster Impuls war zu lügen. Sie hatte das immer verneint. Sogar Daphne gegenüber. Aber wenn es jemanden gab, der verstehen konnte, warum sie Draco vergab, war es Pansy oder?

Amelia schwieg und irgendwann wurde ihr klar, dass sie zu lange für ein Nein geschwiegen hatte.

„Wir haben uns gestritten", sagte Amelia irgendwann. „Über Schlammblüter und seine Gewaltexzesse an der Schule, dass er immer schwächere verhext."

„Also hat er wirklich…", flüsterte Pansy erschrocken.

„Er hat mich nicht verprügelt oder so. Er hat die Beherrschung verloren und mich einmal geschlagen… Er hat mir das Jochbein gebrochen. Er war danach ziemlich entsetzt von sich. Er wollte es nicht und ich glaube ihm."

„Warst du es nicht, die mir mal erklärt hat, dass man sich sowas niemals gefallen lassen darf? Was wenn er öfter die Beherrschung verliert?"

Amelia zuckte schwach mit den Schultern.

„Ich weiß es nicht. Aber es spielt keine Rolle. Ich würde Draco nicht verlassen. Dafür haben wir zu viel zusammen durchgestanden. Er braucht mich… und ich brauche ihn."

„Du weißt, dass das sehr inkonsequent von dir ist. Du hast mir doch immer gesagt, ich soll mir nichts gefallen lassen."

„Ich bin eine Slytherin, Pansy. Was erwartest du? Ich denke, dass wir uns manchmal verdammt ähnlich sind."

„Sind wir das?", sagte Pansy und schien darüber nachzudenken. „Ich habe uns immer für grundverschieden gehalten. Ich bin eine normale Schülerin. Aber du und Draco… Ihr herrscht praktisch über dieses Schulhaus. Jeder Wiederspruch wird im Keim erstickt. Keiner würde es wagen, auch nur einem von euch, zu widersprechen. Niemand würde sich euch in den Weg stellen. Die einen aus Bewunderung, die anderen als Angst. Klar, es gibt ein paar Aufrührer, aber keiner traut sich, sich ihnen wirklich anzuschließen. Gerade jetzt, wo so viel Schlechtes über dich in der Zeitung steht, gibt es viele, die dich für deinen Umgang mit den Dunklen Künsten verehren. Sie sehen dich jeden Tag und sie sehen dich nicht als Wahnsinnige. Nur als mächtige Hexe, die unsere Traditionen lebt und die Dunklen Künste praktiziert."

„Sie sehen in mir einen neuen Dunklen Lord", stellte Amelia trocken fest.

„Nicht nur in dir. Auch in Draco. Ich weiß nicht… Er wirkt verändert. Manchmal, macht er einem Angst."

Amelia zögerte einen Moment, dann versuchte sie zu erklären: „Draco ist… zornig. Zornig auf sich, zornig auf den Dunklen Lord, zornig auf seine Eltern. In ihm ist so viel Zorn, dass er nicht weiß, wohin damit. Ich kann diesen Hass nichtmehr bändigen… Denn auch in mir ist so viel Hass. Draco war nie ein herzensguter Mensch, das wissen wir alle, die wir ihn kennen. Aber urteile nicht zu hart über ihn."

„Ich würde niemals wagen über euch zu urteilen", versicherte Pansy schnell und die Art wie sie es sagte, erklärte mehr, als Pansy jemals hätte sagen können. Es erklärte, warum sie ihre Nähe suchte. Pansy war eine von diesen Fliegen, die das Licht magisch anzog. Das Licht, das wurde Amelia schlagartig klar, war Macht. Ihre und Dracos Macht.

Am kommenden Montag ging Amelia zu dem ersten Nachsitzen ihres Lebens. Draco würde die zwei darauffolgenden Wochen nachsitzen müssen. Umbridge hatte es ihnen nicht gegönnt wenigstens zu zweit Strafarbeiten zu erledigen. Vielleicht hatte sie Angst, sie könnten dabei übereinander herfallen. Bei dem Gedanken musste Amelia unwillkürlich grinsen. Draco hätte es sicher Spaß gemacht. Ihr wahrscheinlich auch…

Amelia klopfte an die Tür im dritten Stock, die von jeher das Büro des Lehrers für Verteidigung gegen die dunklen Künste gewesen war. Mit zuckersüßer Stimme rief Umbridge sie herein und Amelia musste sich beherrschen nicht das Gesicht zu verziehen, als sie das Büro betrat.

Auf jedem noch so kleinen Tischchen waren kleine mit Spitze versehene Zierdeckchen drapiert worden und Trockenblumen standen in scheußlich kitschigen Vasen auf den Deckchen. Doch das schlimmste waren die Zierteller an den Wänden, auf denen hässliche bunte Kätzchen mit Schleifchen zu sehen waren.

„Guten Abend, Miss Potter", flötete Dolores Umbridge mit süßlicher Stimme.

„Guten Abend, Professor Umbridge", antwortete Amelia brav.

„Gut, nehmen sie Platz, Miss Potter." Umbridge deutete auf einen kleinen Tisch mit einem unbequemen Stuhl davor. Darauf lag, wie auf sie wartend, ein Blatt Pergament.

Amelia setzte sich und Umbridge ließ sich hinter ihrem Schreibtisch nieder, deren geblümte Tischdecke harmonisch perfekt zu ihrem geblümten Umhang passte.

„Nun, Miss Potter, sie wissen wahrscheinlich ganz genau, warum sie hier sind. Dieser Extraunterricht soll ihnen einprägen, dass solch sittenloses und verderbten Verhalten wie das Ihre, auf Hogwarts nicht geduldet werden kann."

Umbridge musterte sie ganz genau, um eine Reaktion von ihr zu bekommen, doch diese blieb aus.

„Diesen Extraunterricht haben sie bitter nötig, nach dem was sie letztes Jahr getan haben. Bei einem Mädchen, das schon im Alter von vierzehn Jahren schwanger wird, muss etwas schiefgelaufen sein. Sie sollten dankbar dafür sein, dass ihr Kind nichtmehr ihr Leben ruinieren kann."

Amelias Hände zuckten. Sie wusste Umbridge versuchte sie zu provozieren, damit sie aus der Haut fuhr. Aber sie traf einen wunden Punkt. Eine Stelle in Amelias Innerem, der verletzlich und offen war, nur zurück gehalten von eiserner Selbstkontrolle. Eine Wunde, die noch nicht zu heilen begonnen hatte.

Amelia wollte nichts sagen, aber sie konnte einfach nicht schweigen.

„Natürlich können sie die Verlockungen von Leidenschaft nicht verstehen, Professor Umbridge. Ich mache ihnen daraus keinen Vorwurf. Wer es nie erlebt hat, der kann diese Anziehung nur schwerlich nachvollziehen."

Ihre Worte waren betont freundlich und sie spürte mit dunkler Genugtuung wie auch Umbridge sich innerlich krümmte. Amelia hatte genug Klatsch und Tratsch bei den Gesellschaften auf Malfoy Manor aufgeschnappt. Umbridge war einsam, allein, ungewollt unverheiratet und alle wussten es. Es hatte sich nie jemand für sie interessiert. Alle Männer wurden angeblich durch ihr Wesen abgeschreckt. Es gab mehr als nur ein bisschen Spott und Häme in der höheren Gesellschaft über ihre Beziehungsunfähigkeit. Amelia war nur allzusehr gewillt sie daran zu erinnern.

„Oder stimmt etwa das Gerücht von Ihnen und Mr Fudge?", fuhr Amelia gespielt überrascht fort. Es hatte durchaus immer das eine oder andere Gerücht gegeben das Umbridge und Fudge anging. Aber wenn sie tatsächlich eine Affäre gehabt hatten, konnte Amelia sich nicht vorstellen, dass es etwas Ernstes sein könnte. Fudge war verheiratet.

„Ich denke nicht, dass es ratsam ist, ihren Kopf mit solch lästerlichen Gedanken zu füllen, Miss Potter", flötete Umbridge süßlich und Amelia spürte nur zu gut ihre mörderische Wut. Es schien tatsächlich, als wäre das Thema Fudge bei ihr ein wunder Punkt. Was immer Fudge und sie verbunden hatte. Es verletzte sie über allen Maßen. Eine unerwiderte Liebe?

„Verzeihen sie. Ich muss gestehen ich habe sowieso nie daran geglaubt. Es ist einfach absolut unrealistisch, nichtwahr?", erwiderte Amelia herablassend freundlich und sie spürte Umbridges Schmerz. Sie litt. Sie litt unter ihrer Einsamkeit unter der Abweisung, die sie von Männern erfahren hatte. Eigentlich sollte es sich nicht so gut anfühlen sie so sehr mit Worten zu quälen. Aber es bereitete ihre wahnsinnige Genugtuung.

„Nehmen sie diese Feder, Miss Potter und schreiben sie: Ich soll mich nicht unzüchtig verhalten", brachte Umbridge heraus. Aber ihre Stimme klang nichtmehr ganz so süßlich und freundlich wie gerade eben noch. Amelia frohlocke innerlich über den Triumpf.

Umbridge reichte Amelia eine sehr schmale schwarze Feder mit einer messerscharfen Spitze. Amelia hatte eine solche Feder einmal gesehen. Im Arbeitszimmer von Lucius Malfoy. Mit solchen Federn wurden bindend magische Verträge unterzeichnet. Mit Blut.

„Wie oft soll ich es schreiben, Professor Umbride?"

„Ich denke so lange es dauert, bis sich die Botschaft einprägt."

Amelia setzte mit unbewegter Miene die Feder aufs Pergament und begann zu schreiben. „Ich soll mich nicht unzüchtig verhalten."

Die Worte ritzten sich im selben Moment, indem sie sie schrieb in ihren Handrücken ein und verheilten sekundenschnell wieder. Amelia blickte nicht einmal auf, bevor sie erneut zu schreiben begann. Sie hatte schon früher Experimente mit Blutopfern gemacht. Die ersten Male hatte es sie unglaubliche Überwindung gekostet, ihre Haut einzuritzen. Doch danach war es immer leichter gefallen. Der kurze zuckende Schmerz machte ihr nichts aus.

Ihre Okklumentik unterdrückte alle Emotionen, die in ihr aufzukommen drohten und beherrscht schrieb sie Wort um Wort. Doch nach ein paar Stunden schmerzte ihre Hand fürchterlich und als Umbridge sie endlich entließ, war die Haut auf ihrem Handrücken rot und geschwollen.

Ohne ein Wort stecke Amelia die mit ihrem Blut beschriebenen Pergamentblätter ein. Sollte Umbridge sie behalten wollen, so gab sie ihr keine Gelegenheit dazu. Die erste Regel der schwarzen Magie war: Überlasse niemandem dein eigenes Blut.

Amelia schaffte es zwei Stockwerke weit, dann ließ sie sich an der kalten Steinmauer hinuntergleiten und begann zu weinen. Das Schluchzen erfüllte den verlassenen Korridor.

Jetzt wenn sie alleine war, jetzt wenn sie keiner sah. Wenn keiner ihre Schwäche bemerkte, dann hatte sie keine Kraft mehr stark zu sein. Umbridge hatte mit ihren Worten zu tief in Amelias Wunde gebohrt. Diese Worte, die sie mit ihrem eigenen Blut geschrieben hatte, erinnerten sie Schnitt für Schnitt an die Wunde in ihrem Inneren. Erinnerten, dass sie daran, ein weiteres Leben verschuldet zu haben. Das Leben ihres eigenen Sohnes.

Die Woche Nachsitzen war schlimmer als Amelia erwartet hatte. Es schmerzte sie weniger, dass sie sich selbst verletzen musste, viel schlimmer war der seelische Schmerz. Dazu kam, dass sie sich Tagsüber nicht erholen konnte, da sie viele Hausaufgaben übrighatte. Diese ließ sie zwar während des Unterrichtes von einer Doppelgängerin schreiben, doch die stundenlange Konzentration rieb an ihren Nerven.

Draco bemerkte es. Natürlich bemerkte Draco es. Sie hatte ihm gesagt, aus was die Strafarbeit bestand und er hatte sie einfach nur wortlos in den Arm genommen und festgehalten. Er hatte nicht gesagt sowas dürfe sie nicht machen, er hatte sich nicht darüber aufgeregt, er hatte nicht darüber gejammert was ihm bevorstand. Er hatte sie einfach nur in den Armen gehalten und das war genau das, was sie brauchte. In seinen Armen konnte keiner ihre Tränen sehen, konnte keiner ihren Schmerz sehen, konnte keiner ihre Schwäche sehen. In seinen Armen war sie in Sicherheit.

Draco übernahm den Unterricht beim Bündnis-Treffen und die anderen beschwerten sich lautstark, dass Amelia bloß nicht zu oft Nachsitzen bekommen sollte. Draco würde viel zu streng sein. Sie konnte darüber nur schmunzeln, besonders als Fred Weasley sich beschwerte, dass sein Hintern noch immer wehtun würde, so oft wie er geschockt und wieder aufgeweckt worden war.

Es dauerte bis Donnerstag, bis sich die Wörter in Amelias Handrücken eingeprägt hatten und nichtmehr verschwanden und obwohl sie die Wunde sofort mit Diptam-Essenz heilte, nachdem sie Umbridges Büro verlassen hatte, brach sie am Freitag sehr schnell wieder auf.

Amelia hätte Umbridge am liebsten ins Gesicht gespuckt, als sie diese zufriedene Miene sah. Amelia nahm sich fest vor, nie wieder würde sie bei Umbridge Nachsitzen. Sie würde dieser Sabberhexe nie wieder eine Chance geben, Macht über sie zu haben.

Über ihre Strafarbeit hätte Amelia beinah übersehen, das Hagrid nach Hogwarts zurückgekehrt war.

Sein Gesicht sah etwas malträtiert aus, aber er war gesund und am Leben. Amelia sah dies als einen besonderen Grund, Severus mal wieder zu besuchen. Er konnte ihr sicher sagen, was bei Hagrid vorgefallen war und ob es Neuigkeiten gab.

Amelia hatte bis jetzt Severus Gesellschaft gemieden, was Draco nur recht war. Aber der offensichtlichere Grund war, dass sie Umbridge nicht auf den Gedanken bringen wollte, sie würde ihn mögen. Auch Umbridge hatte diesen fürchterlichen Zeitungsartikel von der Kimmkorn sicherlich gelesen und sie hatte bis jetzt das Risiko nicht eingehen wollen, Severus auf Bewährung zu setzen. Trealeway war die einzige Lehrerin, die bis jetzt auf Bewährung war und Amelia, die Wahrsagen nicht hatte, wusste nicht, ob das als Exempel war oder weil sie wirklich eine schlechte Lehrerin war.

Es war Montagabend. Draco hatte sich gerade auf den Weg zum Nachsitzen bei Umbridge gemacht, als Amelia an Severus Tür klopfte. So konnte sie wenigstens sicher sein, das Umbridge beschäftigt war.

Severus öffnete die Tür, übellaunig wie immer. Vielleicht sogar noch ein bisschen schlechter gelaunt als ohnehin schon.

„Amelia?", fragte er überrascht.

„Ich dachte ich komm dich mal wieder besuchen, Severus. Umbridge ist gerade abgelenkt und das wollte ich ausnutzen."

Severus verzog eine Augenbraue, ließ sie jedoch schnell ein. Er hatte wohl gerade Aufsätze korrigiert. Wie selbstverständlich setzte sich Amelia an einen der großen Stühle am Kamin und Severus holte Tee. Sie war lange nichtmehr hier gewesen und der Anblick der vertrauten Tasse machte sie etwas nostalgisch.

„Mit was hast du Dolores beschäftigt?", fragte Severus und setzte sich ebenfalls.

„Draco hat gerade Nachsitzen", antwortete Amelia und rührte etwas Milch in ihren Tee. Severus nickte nachdenklich. Einen Moment fragte sich Amelia, ob er weiter auf das Thema eingehen würde, doch Severus hatte das Thema Draco von jeher vermieden.

„Umbridge hat hier rumgeschnüffelt, viele Fragen gestellt. Besonders über dich", fuhr er nach einer Weile fort.

„Ich hoffe du hast nicht zu gut über mich gesprochen", erwiderte Amelia mit einem Lächeln. Severus schnaubte nur.

„Keine Sorge. Ich bin gut in den Rollen, die ich spiele."

„Ich weiß", sagte Amelia und ihr Lächeln war sogar ziemlich ehrlich.

„Gibt es Neuigkeiten?"

„Wenig gute, der Dunkle Lord schließt sich weiterhin im Salon der Malfoys ein. Was wohl ein eher schlechtes Zeichen ist. Glücklicherweise kommt er mit der Prophezeiung nicht viel weiter. Er hat Broderick Bode mit dem Imperius-Fluch belegt. Bode ist ein Unsäglicher und arbeitet in der Mysteriumsabteilung. Aber etwas muss dabei schiefgelaufen sein. Bode liegt jetzt im St.-Mungo und die Prophezeiung ist noch immer an ihrem Platz. Du kannst dir vorstellen, dass der Dunkle Lord furchtbar wütend war."

Amelia nickte nachdenklich.

„Wissen wir, wie die Prophezeiung geschützt wird?"

„Viel zu wenig", erwiderte Severus. „Die Unsäglichen waren von jeher eine verschwiegene Gruppe. Wir wissen, dass nur jemand den die Prophezeiung betrifft sie gefahrlos aus dem Regal nehmen kann. Aber wir wissen nicht, ob es noch andere Sicherheitsvorkehrungen gibt. Bis jetzt haben wir noch keinen Unsäglichen auf unsere Seite ziehen können"

„Es wird Zeit, dass wir ein paar ranghöhere Beamte des Ministeriums umdrehen können. Ich werde nachsehen, wie weit meine Pläne gereift sind."

Der Lehrer beobachtete seine Schülerin einen Moment. Als würde er abwägen wie viel sie ihm sagen würde und wie viel er fragen konnte.

„Ich hoffe du hast einen guten Plan."

Amelia trank einen Schluck von ihrem Tee. „Das wird sich zeigen. Was hat Hagrid erreichen können?"

Severus schnaubte ungehalten.

„Nichts. Nein, nichts wäre eine Übertreibung. Macnair hat es geschafft die Riesen für den Dunklen Lord zu gewinnen."

„Ich hatte mir bessere Nachrichten erhofft", gestand Amelia.

Sie schwiegen eine Weile während Amelia düsteren Gedanken nachhing.

„Wie geht es dir, Amelia", fragte Severus nach einer Weile und blickte dabei ins Feuer.

„Es muss weitergehen", antwortete diese. Es war keine wirkliche Antwort auf die Frage. Aber die einzige Antwort die sie hatte.

„Und bei dir, Severus?"

„Der Dunkle Lord vertraut mir einigermaßen. Dementsprechend Lebe ich noch."

„Danach habe ich nicht gefragt."

„Ich weiß", sagte Severus. Blieb ihr aber eine Antwort schuldig.

Beim nächsten Treffen des Bündnisses nahm Amelia am Ende Ginny zur Seite, um mit ihr zu sprechen.

„Habt ihr noch Kontakt zu Percy?", fragte sie, nachdem alle anderen schon hinaus waren.

„Naja, wenig. Mum ist total durch den Wind, weil Percy von zuhause ausgezogen ist."

Amelia nickte. Aber sie wusste aus den Unterhaltungen im Mimikysilber das Ginny, wenn überhaupt, als einzige noch Kontakt zu ihm hatte.

„Aber könntest du ihm etwas von mir schicken? Kommentier es einfach nicht. Schreib ihm einen harmlosen Brief und sende ihm das mit."

Amelia hielt ihr einen kleinen runden Gegenstand hin. Er war leicht porös und in die Oberfläche hatte sie kleine Runen graviert.

„Was ist das?", fragte Ginny neugierig und nahm den Drachenknochen in die Hand.

„Es wird ihm nicht schaden. Aber ich will nochmal versuchen deinen Bruder von der Wahrheit zu überzeugen."

Ginny sah sie skeptisch an.

„Ich glaube nicht, dass du da Erfolg haben wirst."

„Ich muss es aber versuchen. Es liegt mir nicht untätig herumzusitzen", sagte Amelia aufgewühlt und hatte Ginny damit wohl überzeugt. Sie versprach ihm noch morgen eine Eule zu schicken.

Draco nahm die ganzen Strafarbeiten viel lockerer hin als Amelia oder zumindest tat er so. Er fand es sogar ganz praktisch. Solange er Strafarbeiten hatte, hatte sich Amelia bereiterklärt seine Hausaufgaben zu übernehmen.

„Zeig mir deine Hand", forderte Amelia als Draco spät nach Mitternacht am Freitag in den Gemeinschaftsraum kam. Sie war aufgeblieben, um auf ihn zu warten.

„Ach, so schlimm ist es nicht", wandte er ein und ließ sich neben ihr aufs Sofa fallen.

Dennoch reichte er ihr die blutende Hand. „Ich soll mich nicht triebhaft verhalten." Stand darauf in seiner eigenen Handschrift eingekerbt.

Amelia träufelte eine Tinktur aus Bubotubler-Eiter und Diptam darüber und sah der schwarzmagischen Wunde beim Heilen zu.

Erst als nichts mehr zu sehen war, gab sie sich zufrieden.

„Ich kann mir durchaus schönere Abendbeschäftigungen vorstellen, als mir immer wieder die Hand aufzuschneiden", stelle Draco fest und betrachtete seinen nur noch leicht geröteten Handrücken. „Wenigstens umsorgst du mich gut."

„Diese Tinktur ist sehr nützlich die Diptam-Essenz reagiert gut mit…"

Doch Draco schien sich wohl nicht dafür zu interessieren, wie gut die Tinktur gegen schwarzmagische Fluchverletzungen half. Er drückte seine Lippen auf die ihren und einen Moment später lagen sie ineinander verschlungen auf dem Sofa und küssten sich heftig.

„Du bist furchtbar lüstern", keuchte Amelia, als sich ihre Lippen einen Moment trennten.

„Meinst du nicht eher triebhaft?", grinste Draco und fuhr mit seiner Hand unter Amelias Roben.

Mit einem Ruck setzte sich Amelia auf und rutschte auf seinen Schoß.

„Hast du denn heute nichts gelernt?", neckte sie. „Du sollst dich nicht triebhaft verhalten, Draco."

„Ich verhalte mich aber gerne triebhaft", erwiderte er und drückte seine deutliche Erektion gegen sie.

„Zum Glück hast du noch eine Woche Nachsitzen, vielleicht lernst du es dann."

„Hmm…", Draco schien einen Moment zu überlegen. „Ich glaube kaum. Komm, lass uns an einen weniger öffentlichen Ort verschwinden."

Er schnappte sich Amelia und zusammen verschwanden sie unter dem Tarnumhang in Richtung Kerkerraum.

Es war fast Morgen als Amelia in den Schlafsaal der Mädchen schlich.

Daphne musste sie gehört haben, denn sie setzte sich auf.

„Wo warst du?", fragte sie vorwurfsvoll.

„Noch unterwegs", gähnte Amelia und zog sich die Schulroben aus.

„Mit Draco?", hackte Daphne nach und Amelia fand, dass es Daphne gar nichts anging. Aber Daphne war die beste Freundin die sie hatte, also bejahte sie.

„Ihr beide solltet vorsichtig sein, Amelia", mahnte Daphne.

„Uns erwischt schon keiner", wiegelte diese ab.

„Umbridge hat uns andere aufgefordert, sie zu informieren, wenn du nicht in deinem Bett schläfst. Ich meine, ich würde nie was sagen, aber ich kann nicht für die anderen sprechen."

Amelia biss sich auf die Unterlippe. Daran hätte sie denken müssen.

„Ich habe ihnen erzählt du hättest Nachtpatrouille für die Vertrauensschüler. Aber ich weiß nicht, wie oft sie mir das Glauben. Denn ab und zu hast du ja auch tatsächlich Nachtpatrouille."

Mit einem tiefen Seufzer ließ sich Amelia auf ihr Bett sinken.

„Danke, du hast was gut bei mir."

Damit legten sich die beiden Mädchen wieder schlafen und Amelia mochte Umbridge von Sekunde zu Sekunde weniger. Nicht, dass sie jemals Sympathien für diese Frau gehegt hätte. Aber sie liebte ihre Freiheiten.

Es war schon spät am Sonntag, als Amelia es wagte den Drachenknochen zu aktivieren den sie Ginny gegeben hatte.

Percy Weasley war glücklicherweise allein. Er saß in einem kleinen Apartment in flackerndem Licht über seinen Schreibtisch gebeugt und beantwortete Briefe. Den Drachenknochen hatte er in seinen Schreibtisch gelegt. Vielleicht hatte er ihn für eine Art Glücksbringer gehalten.

Das ganze Apartment war penibel aufgeräumt. Es wirkte seltsam kahl und einsam.

„Hallo Percy", sagte Amelia mit samtener Stimme.

Sie hatte sich an die Tür gelehnt und musste fast grinsen, als sie sah wie Percy, wie von einer Doxy gebissen, aufsprang.

„Was machst du hier?!", rief er aus und hatte seinen Zauberstab in der Hand.

„Nur nicht so laut", sagte Amelia besänftigend. „Du willst doch nicht, dass uns jemand hört."

Percys Ohren färbten sich rot, genauso wie die von Ron, wenn er unsicher oder überrumpelt war.

„Was willst du hier?", zischte er leiser und musterte sie eindringlich, als würde allein das, all seine Fragen beantworten.

„Du erinnerst dich doch sicher an das Gespräch, das wir im Sommer hatten, nicht wahr? Das über Bartimus Crouch."

„Ja…", sagte Percy und wirkte mit einem Mal in die Defensive gedrängt. Amelia beobachtete jede Regung.

„Du hast ihn also gefunden", stellte sie fest.

Percys Ohren wurden noch röter und er ließ sich wieder auf seinen Stuhl fallen.

„Das ist Geheimsache", sagte er wenig von sich überzeugt. Amelia sah ihn nur ungläubig an.

„Oh na gut, aber das weißt du nicht von mir. Fudge hat tatsächlich einen geheimen Gefangenen. Er befindet sich unter strengster Geheimhaltung in Askaban. Nur Fudge hat Zugang. Er wurde unter dem Namen Henry Crown eingeliefert."

Amelia nickte.

„Hast du ihn getroffen?", hackte sie nach.

„Nein, natürlich nicht", entrüstete sich Percy. „Ich dürfte nicht mal von ihm wissen."

„Du hast es weit gebracht. Juniorassistent des Ministers", sagte Amelia nach einer Weile anerkennend. Doch Percys Lächeln sah ziemlich kläglich aus.

„Wenn du tatsächlich recht hast und Henry Crown ist der, der du behauptest, dann weiß ich nicht, ob das so eine gute Stelle ist."

Amelia neige abwägend den Kopf.

„Wenn ich Recht habe, hast du gerade das Richtige getan. Und ich bin für die da, die das Richtige tun."

Percy sah sie zweifelnd an und Amelia sah nur noch wie er überrascht nach Luft schnappte als sich ihr Doppelgänger aufzulösen begann.

Von Hogwarts aus schickte sie einen Patronus an Kingsley Shacklebolt. Er würde wissen was es zu bedeuten hatte.

Dracos Strafarbeiten endeten und auch der November neigte sich dem Ende entgegen. Sie hatten nun viel mit Vertrauensschüleraufgaben zu tun und Amelia konnte sich schönere Beschäftigungen vorstellen als das Schloss mit Lametta zu schmücken. Wenigstens gab ihr das Gelegenheit, ein paar wirklich originelle Flüche an Peeves zu testen, der immer wieder versuchte sie zu sabotieren.

Nachdem er versucht hatte, die arme Hannah Abbott mit einer Lichterkette an der Decke aufzuhängen, hatten auch die anderen Vertrauensschüler kein schlechtes Gewissen mehr, ihn als Weihnachtsdekoration in der Großen Halle zu drapieren. Wenigstens für so lange, bis er Amelias Fluch entkam.

Das erste Halbjahr neigte sich dem Ende entgegen und langsam rückte Weihnachten näher. Am schwarzen Brett im Gemeinschaftsraum hing eine Liste, in die sich alle Schüler eintragen sollten, die über Weihnachten nach Hause fuhren. Amelia blickte sie traurig an.

„Es ist das erste Mal, das ich mir wünschte, wir würden nicht in Hogwarts bleiben" sagte sie bitter.

„Wir bleiben auch nicht in Hogwarts", antwortete Draco der neben ihr stand.

„Und wo sollen wir hin?", fragte Amelia traurig. Sie hatten beide kein Zuhause. Draco konnte aus nur allzu offensichtlichen Gründen nicht nach Hause und Amelia hatte keines, in das sie zurückkehren konnte.

„Ich habe mit Dumbledore gesprochen…", begann Draco und Amelia warf ihm einen überraschten Blick zu.

„Du hast mich Dumbledore gesprochen?" fragte sie ungläubig." Draco nickte nur.

„Du warst die letzten Wochen ziemlich neben dir. Also für deine Verhältnisse. Ich dachte ein bisschen Abstand von Hogwarts würde dir guttun und wenn ich ehrlich bin, mir auch. Mich haben die letzten Monate ziemlich mitgenommen. Dumbledore erlaubt uns, dass wir über Weihnachten ins Hauptquartier können."

Zu sagen Amelia wäre überrascht, war eine Untertreibung. Was war wohl überraschender, dass Draco zu Dumbledore ging um für sie um etwas zu bitten oder das Dumbledore zugestimmt hatte? Oder vielleicht doch eher das Draco zugab, das ihm etwas zu schaffen machte?

„Danke", sagte Amelia zärtlich und drückte Dracos Finger. Er erwiderte die Geste.

„Ich war selbst überrascht, wie gut es geklappt hat. Ist dir schon mal der Gedanke gekommen, dass Dumbledore es gar nicht böse gemeint hat, als er uns zu den Weasleys geschickt hat? Dass er uns gar nicht loswerden wollte? Vielleicht hat er geahnt, dass wir ihre Unterstützung in der Schule brauchen werden. Ohne sie hätte das Bündnis nicht halb so viele Mitglieder."

Amelia sah Draco nachdenklich an.
„Der Gedanke ist mir auch schon gekommen. Dumbledore war schon immer ein kluger Mann. Aber ich glaube nicht, dass wir jemals seine wirklichen Absichten erfahren werden."

Bald waren Ferien und am letzten Tag vor den Ferien fand auch das letzte Treffen des Bündnisses statt. Amelia war ganz zufrieden mit den Leistungen ihrer Schüler. Besonders Neville hatte extreme Fortschritte gemacht. Er trainierte jetzt zusammen mit Pansy, die Amelia letztendlich doch eingeladen hatte und seine Flüche wurden mit jedem Tag besser. Sie wiederholten heute alte Zauber und das Gelernte wurde erst richtig deutlich. Neville zuckte zwar noch immer zusammen, wenn Draco in seine Nähe kam, aber er schaffte einen so starken Protego, dass ihn nicht mal Amelia so einfach zerschlagen konnte. Das neugefundene Selbstvertrauen tat ihm gut.

„Ich versteh das einfach nicht", sagte gegen Ende des Treffens Hermine verzweifelt. „Egal wie sehr ich mich darauf konzentriere. Ich schaffe es einfach nicht einen Schild zu erschaffen den du nicht zerschlagen kannst. Ich weiß nicht was ich falsch mache. Ich habe bis jetzt noch jeden Zauber geschafft."

Amelia zögerte kurz dann begann sie zu erklären.

„Eine gute Hexe oder ein guter Zauberer zu sein hängt nicht nur mit der Magie zusammen, die man wirkt. Magie ist ein Zusammenspiel aus Wille, Macht und Konzentration. Das habe ich ja schon mal erklärt." Hermine nickte und auch die anderen hörten zu.

„Du Hermine, kannst als Muggelstämmige nur sehr geringe magische Anlagen haben. Die von einem Zauberer vor Jahrhunderten in deinen Stammbaum kamen und jetzt wieder hervorgekommen sind. Deine magische Macht mag schwächlich sein, aber du hast einen starken Willen und eine starke Konzentration. Sagen wir du bist eine starke Persönlichkeit. Damit bist du in der Lage, deine ganze Magie zu nutzen, selbst wenn es nur wenig ist. Das mag mehr sein, als ein Spross reinen Blutes hervorbringt. Weil er vielleicht viel Macht besitzt, aber zu wenig Wille und Konzentration, um sie zu beherrschen. Er verschwendet sein Potential.

Aber Menschen wie du Hermine, können niemals so mächtig werden wie Draco oder ich, die wir einen Großteil unserer Magie nutzen. Dafür kannst du nichts, du wurdest so geboren." Gegen Ende war sich Amelia nichtmehr so sicher, ob es gut war das ausgerechnet hier zu sagen und Dracos warnender Blick kam ziemlich spät. Also versuchte sie es mit einem relativierenden Satz etwas abzuschwächen. „So sind zumindest die allgemein anerkannten Theorien des Zauberers Godelot."

„Das hört sich ziemlich nach Du-weißt-schon-wer an", stellte Hermine fest.

Amelia zuckte mit den Schultern. „Es ist magisch anerkannte Theorie. Draco und ich sind tiefer in die alten Künste hinabgetaucht als andere. Ich glaube nicht, dass wir so einfach zu besiegen sind."

„Dann würde ich gerne mal ein Duell von euch sehen", sagte Eddie Carmichel und nickte von Amelia zu Draco.

„Ihr übt beide niemals zusammen und wir alle wissen was Draco letztes Jahr vor der großen Halle veranstaltet hat. Oder du bei den Prüfungen des Trimagischen Turniers. Wenn diese Theorie von Godelot stimmt, dann müsste ein Duell zwischen euch echt interessant sein."

„Das fände ich auch klasse", sagte Cedric Diggory zustimmend und mehrere andere nickten.

„Wir sind nicht hier, um eine Vorstellung zu geben", wehrte Amelia ab.

„Sehe es als Nutzen für die Wissenschaft und als Weihnachtsgeschenk an uns alle", sagte Ginny Weasley und grinste frech.

Amelia hätte ahnen müssen, dass sie sich nicht ewig würde winden können. Es hatte schon mehrere Spekulationen im Mimikrysilber gegeben, wie wohl ein Duell zwischen ihr und Draco ablaufen würde. Außerdem würde es gut von dem eben gesagten ablenken. Sie wollte die Bündnismitglieder nicht unbedingt mit der Nase darauf stoßen dass sie nicht viel von Muggeln hielt.

„Da hast du dir aber was eingebrockt, Liebes", neckte Draco und grinste. Er hatte natürlich nichts gegen ein bisschen Angeben.

„Oh na gut!", sagte Amelia aufgebracht. „Ein Duell nur und ihr erzählt es keinem."

Amelia wies die anderen an, auf die andere Seite des Raumes zu gehen und Schutzzauber zu wirken damit sie kein verirrter Fluch traf.

„Keine dunklen Flüche", flüsterte Amelia leise, als sie an Draco vorbeikam. Dieser nickte.

„Keine Sorge. Ich lass dich am Leben", scherzte er etwas lauter und Amelia musste grinsen.

„Denk nicht, dass ich dich gewinnen lasse", neckte Amelia.

„Ach, das wäre doch langweilig."

Sie verbeugten sich und kaum hatten sie Duellposition erreicht ging es los.

Draco war schneller, doch Amelia die seine verfluchten Reflexe kannte katte schon einen Konterzauber aufgebaut.

Lichtblitze schossen hin und her, abgewehrt durch Schilde oder mit einem Hechtsprung zur Seite. Draco war schneller, doch Amelias Flüche hatten weit mehr Kraft. Sie gaben sich keine Mühe harmlose Zauber zu verwenden, da sie sich sowieso nicht verletzen konnten.

Dennoch waren beide darauf bedacht sich nicht erwischen zu lassen.

Draco drängte Amelia in die Defensive. Ihr blieb gegen seine Schnelligkeit nur die Verteidigung, bis auf einen Wink ihres Zauberstabs die Stühle zum Leben erwachten und sich auf ihn stürzten. Nun war es an Draco die Stühle abzuwehren und dabei auf Amelias Flüche zu achten. Einen Moment dachte sie, sie hätte ihn und schleuderte ihm einen Expelliarmus entgegen, doch der Zauber prallte an der Klinge von Caliburn ab. Die Klinge raubte nur zu gerne das Leben aus ihren verhexten Stühlen. Draco lenkte ihren nächsten Impedimenta- Fluch auf sie um und Amelia erstarrte in der Bewegung. Ihre Zuschauer begannen schon zu klatschen, brachen jedoch abrupt ab, als die echte Amelia einen Zauber an ihrer Doppelgängerin vorbeischleuderte und Draco sich nun drei weiteren Gegnerinnen gegenübersah, die ihn mit schwachen, aber nicht minder gefährlichen Flüchen eindecken.

Er beschwor einen starken Protego Zauber, der alle schwachen Zauber abwehrte und beobachtete seine ihn umkreisenden Feindinnen.

In dem Moment, in dem sie angriffen, tauchte er mit einem Tarnzauber unter und Caliburn löste die Doppelgängerinnen in Luft auf. Amelia warf sich auf den Boden um der Klinge zu entgehen und mit einer peitschenden Bewegung begann sich der Boden unter Draco in Treibsand zu verwandeln und er versank.

Noch als Amelia den Boden unter ihm zum Erstarren brachte, zog er sich mithilfe eines Seils heraus, dass von seinem Zauberstab schoss und sich an der Decke befestigte. Doch er brauchte dabei beide Hände um sich hochzuziehen. Caliburn lag am Boden als er sich wieder auf sicherem Boden befand. Mit einem Fußtritt beförderte Amelia das Schwert noch ein Stück weiter von ihm fort. Sie wagte es nicht die Klinge gegen ihn einzusetzen. Erstens hatte sie nicht die Kraft das Schwert problemlos zu führen und zweitens sorgte sie sich um die Konsequenzen, wenn Caliburn gegen seinen Herrn verwendet wurde.

Schwer atmend standen sie sich gegenüber und überdachten ihre nächsten Schritte.

Amelia hatte sich schneller entschlossen. Ihre sichelförmigen Flüche schossen in einer Kaskade durch den Raum und einen Moment glaubte sie, Draco an der Schulter erwischt zu haben, doch selbst wenn, hätte ihn das nicht aufgehalten.

„Obruera!" Es war der erste Zauber der in diesem Duell laut ausgesprochen wurde. Amelia kannte den Zauber nicht und beschwor den stärksten Schild, den sie kannte.

Der Zauber erfasste sie mit einer gewaltigen Druckwelle und auch wenn er ihren Schild nicht durchbrach, wurde sie an die Gegenüberliegende Wand geschleudert. Mit Mühe kam sie auf den Füßen auf. Doch das hatte sie ihre Aufmerksamkeit gekostet und der rote Expelliarmus traf sie. Sie hätte sich der Magie durch den Bund von Beltane entziehen können, doch Draco hatte gewonnen. Sie ließ zu, dass sie entwaffnet wurde. Draco stand nur eine Armeslänge von ihr entfernt. Seinen Zauberstab auf sie gerichtet. Das Gesicht noch immer konzentriert, als wäre er jeden Moment auf einen weiteren Angriff gefasst. Ihr Atem ging schwer und Amelia spürte, wie ihr der Schweiß auf der Stirn klebte.

Sie senkte den Kopf als Zeichen der Niederlage. Keinen Augenblick später drückte Draco sie an die Wand und seine Lippen legten sich besitzergreifend auf die Ihren. Gierig erwiderte sie den Kuss. Das Adrenalin pochte noch immer in ihren Adern und brachte ihr Herz zum Rasen. Als sie sich voneinander lösten grinste Draco sie verwegen an und Amelia hätte ihn am liebsten einfach weiter geküsst, aber leider gab es da ein paar Zuschauer.

Daran schien sich wohl auch Draco zu erinnern, denn er hob sein Schwert wieder auf und Amelia sammelte ihren Zauberstab ein.

„Na, Erwartungen übertroffen?", fragte Draco arrogant als sie sich zu der schweigenden Gruppe gesellten.

„Das war Wahnsinn", hauchte Terry Boot und die anderen nickten.

„Kein Wunder das Fudge eine Armee von Heliopathen braucht, um Hogwarts einzunehmen", sagte Luna bewundernd und nicht wenige warfen ihr einen irritierten Blick zu.

„Es gibt keine Heliopathen", fauchte Hermine das Mädchen an.

„Doch gibt es", widersprach Luna.

„Wo ist der Beweis?", wollte Hermine wissen.

„Es gibt genug Augenzeugenberichte darüber und nur weil du so engstirnig bist-"

„Chem Chem", hüstelte Ginny und imitierte damit so gut Umbridge das alle kurz zusammenzuckten. Als ihnen klar wurde das es Ginny war gab es vereinzeltes Lachen.

„Ich glaube ihr wolltet uns erklären, wo ihr so duellieren gelernt habt", sagte Ginny und würgte die Diskussion zwischen Hermine und Luna ab. Amelia war ihr dankbar. Luna erzählte oft ziemlich viel Unsinn trotzdem mochte sie ihre versonnene Art irgendwie. Vielleicht waren es einfach die Emotionen die Amelia durch ihre Legilimentik wahrnahm die in Lunas Umgebung angenehm waren.

Amelia wandte sich Ginnys Frage zu und zuckte die Schultern „Üben", war ihre einzige Antwort.

Die anderen begannen wild durcheinander zu reden.

„Ich würde euch aber raten, keine gefährlichen Flüche in Übungsduellen zu benutzen. Ihr verletzt euch nur selbst", fügte Amelia hinzu und Ernie Macmillan meinte nur, dass sie das sowieso nicht nachmachen konnten, schließlich wussten sie nicht mal was Amelia und Draco für Zauber benutzt hatten. Es waren nur Lichtblitze und Verwandlungen zu sehen gewesen.

Es dauerte eine Weile, bis sich die Gruppe zerstreute. Daphne und Blaise gingen vor und nur Draco und Amelia blieben allein im Raum der Wünsche zurück.

Kaum hatte sich die Tür des Raumes der Wünsche hinter den letzten geschlossen, wurde Amelia an die Wand gepresst.

„Ich dachte schon die hauen nie ab", keuchte Draco mit rauer Stimme und fuhr mit seiner Hand unter ihren Rock. Einen Moment später lag ihr Höschen auch schon auf dem Boden und sie versuchte möglichst schnell Dracos Gürtel zu öffnen, wobei er sie fast mehr behinderte als half.

„Du hättest ihnen ja auf deine charmante Art sagen können, dass sie abhauen sollen."

„Wie denn? Ich werde geil vom Duellieren und brauch jetzt erstmal Sex also verschwindet?", fragte Draco und Amelia musste grinsen. Sie ging vor ihm in die Knie und zog seine Hose runter. Sodass sein mittlerweile steifes Glied verführerisch vor ihr wippte.

„So in etwa", neckte sie und leckte mit ihrer Zunge einmal über die Eichel. „Ich wette die meisten wären hochrot vor Scharm geworden."

Sie schob ihren Mund ganz über seinen Penis und ärgerte mit ihrer Zunge seine Eichel. Draco stöhne genießerisch auf.

„Vielleicht sag ich es ihnen nächstes Mal, nur um den Gesichtsausdruck zu sehen", seufzte er noch, bevor er sich an der Wand über ihr abstützte und einfach nur noch genoss. Doch Amelia dachte nicht daran, ihm jetzt einfach einen zu blasen. Spielerisch saugte sie an seinem Glied, bevor sie es immer wieder aus ihrem Mund gleiten ließ.

„Hör auf mich zu quälen", stöhnte Draco frustriert, und versuchte Amelia festzuhalten, doch sie entzog sich ihm.

„Nimm mich", hauchte sie gegen seine Lippen, bevor sie ihn an der Hand packte und mit sich zog. Draco streifte die Hose ab und drückte Amelia auf die Kissen, die sie für Schockzauber üben benutzt hatten.

„Immer", erwiderte er nur. Er befreite sie fahrig aus ihrer Kleidung und ließ ihnen nicht viel Zeit bevor er gierig in sie eindrang. Amelia schlang die Beine um ihn und zog ihn ganz nach zu sich. Es war so gut ihn zu spüren.

Seit Umbridge es so auf sie abgesehen hatte, hatten sie immer vorsichtig sein müssen. Wenn sie zu lange wegblieben, konnte jemand darauf aufmerksam werden.

Stöhnend warf Amelia den Kopf in den Nacken, als die Lust sie durchströmte. Seine Stöße waren fest und schnell, seine Bewegung immer unkontrollierter. Amelia hielt sich an ihm fest, damit sie nicht wegrutschte.

Es dauerte nicht lange und Draco ergoss sich mit einem tiefen Stöhnen in sie. Amelia war noch weit von jedem Höhepunkt entfernt.

„Ich habe dich vermisst", seufzte Draco erschöpft und drückte sein Gesicht an ihre Schulter.

Amelia legte die Arme um ihn und drückte sich etwas mehr an ihn, damit er in ihr blieb. Sie wollte ihn noch etwas spüren.

„Glaubst du, es ist verantwortungslos, was wir hier tun?", fragte Amelia plötzlich.

Draco stützte sich auf den Armen ab, um sie anzusehen. Er zögerte einen Moment.

„Ich denke schon. Du könntest immer wieder schwanger werden…"

Amelia biss sich auf die Unterlippe. „Ich weiß, aber ich will nicht damit aufhören. Ich brauchte das, ich brauche dich."

„Sex ist schon etwas Komisches", sinnierte Draco. „Man sagt Dinge oder gibt Geräusche von sich, die man sonst niemals sagen würde. Reibt seine Geschlechtsteile aneinander, einfach nur aus Gründen der Triebbefriedigung und danach geht es einem besser. Man hat das Gefühl nichtmehr allein zu sein, sondern zu irgendwem zu gehören. Zu dir zu gehören."

Draco beugte sich runter, um sie zu küssen. „Ich habe einmal damit angefangen. Ich könnte nichtmehr damit aufhören."

„Und was, wenn ich wieder schwanger werde?", fragte Amelia besorgt.

„Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich dann da bin. Was immer passiert, wir haben uns. Das kann uns keiner nehmen."

Amelia nickte. Sie konnten jederzeit sterben. Ihr Leben lag sowieso nur auf Messers Schneide. Kontrolle war eine Illusion und sie würden alles hinnehmen wie es kam und das Beste daraus machen.

„Kannst du nochmal?", fragte Amelia schließlich mit neckischem Grinsen und spannte etwas ihre Beckenmuskulatur an.

„Ich habe dich so lange nicht gehabt, ich glaube ich könnte die ganze Nacht", sagte Draco mit einem wollüstigen Grinsen.

„Gut", lächelte sie. „Wir haben die ganze Nacht Zeit."

Es war spät in der Nacht als Amelia plötzlich aufschreckte. Ihre Narbe brannte. Normalerweise war ihre Okklumentik stark genug, um jegliche Verbindung zu Voldemort zu unterdrücken, doch ab und zu kam es vor, das etwas hervorbrach. Im Schlaf war ihre Okklumentik am schwächsten. Wenn überhaupt konnte nur in diesen Phasen etwas zu ihr durchdringen.

Es waren Gefühle unterschiedlichster Art. Meistens waren sie sehr schwach und Amelia bemerkte sie nur im Halbschlaf. Doch heute war es anders. Die Verbindung hatte Amelia aus dem Schlaf gerissen und einen Moment hatte sie das Gefühl von Freude. Einer perversen, abartigen Freude. Sie musste schlucken und setzte sich auf. Sie bemerkte, dass ihr ganzer Körper zitterte und sie schweißnass war.

Sie war wohl mit Draco auf den großen Kissen im Raum der Wünsche eingenickt. Denn als sie sich aufsetzte viel sein Arm von ihr herunter und er grummelte müde.

„Nicht weggehen", murmelte er verschlafen und kuschelte sich in Amelias Schoß. Die herbeigezauberte Decke war verknotet um sie herumgewickelt.

Amelias Gedanken rasten. Was konnte das nur hervorgerufen haben. Was hatte es letztes Mal hervorgerufen? Mit zitternden Fingern streichelte sie durch Dracos Haare.

Irgendwas Schreckliches musste geschehen sein.

Sie grübelte noch einen Moment, doch dann entscheid sie, dass sie irgendwann in die Slytherinkerker zurückkehren mussten. Zärtlich weckte sie den grummelnden Draco auf. Er war gar nicht begeistert, sich noch mal erheben zu müssen, aber das Risiko von Umbridge nicht in ihren Betten erwischt zu werden war zu groß.

Nachwort:

Ich habe mir lange über Pansy Gedanken gemacht. Ich finde sie ist ein schwer zu greifender Charakter. Sie ist nicht nett. Keiner der die Bücher gelesen hat kann das denken. Selbst Amelia steht ihr etwas ambivalent gegenüber. Sie hat sie nie so sehr gemocht wie Daphne. Aber trotzdem ist sie jemand der auffällt. Jemand der Raum einnimmt. Es ist nicht möglich ihr neutral gegenüberzustehen. In meiner ersten Vorstellung des fünften Bandes war Pansy die Anführerin einer Schmähkampagne. Aber irgendwie hat das nicht zu ihr gepasst. Also die Schmähkampagne schon, aber sich offen mit Amelia und Draco anlegen ist etwas, was schon eine Menge Mut und Charakterstärke braucht. Ich glaube einfach nicht, das Pansy das hat. Sie ist jemand der sein Fähnchen nach dem Wind richtet. Noch weht der Wind für Amelia zumindest in Hogwarts.

Ihr dürft mir gerne widersprechen. Es waren nur meine Gedanken zu ihr. Ich höre gerne andere Gedanken zu ihr.

Zu Umbridge wollte ich noch etwas sagen. Die Geschichte um sie, also ihr Hintergrund, den habe ich mir tatsächlich nicht ausgedacht. Okay, das mit Fudge schon aber bisschen Kreativität ist erlaubt. Aber ihre Beziehungsunfähigkeit wurde von JKR mal veröffentlicht und ihre Verbitterung darüber. Es gibt noch mehr Informationen über sie, z.B. dass sie in Slytherin war und Infos zu ihrer Familie. Ich weiß noch nicht, welche Informationen ihren Weg in die FF finden. Aber ein paar werden es noch.

Ich muss manchmal an diese Szene aus den Filmen denken, in der sie ein sich küssendes Paar einfach auseinander hext und davon ist auch diese Strafarbeit inspiriert. Da Amelia sich nicht offen gegen Umbridge stellt musste ich etwas anderes finden und Umbridges Hintergrund hat mir die perfekte Erklärung geboten. Ich war selbst überrascht, wie gut es gepasst hat.

Damit wünsche ich euch einen guten Rutsch ins Jahr 2023!

LG

Salarial