Kapitel 9 – Jene die für uns starben

Am nächsten Morgen waren alle Sachen gepackt. Daphne war eine der wenigen, die über Weihnachten in Hogwarts bleiben würde. Daphne und Astoria hatten ihren Eltern zum Hochzeitstag eine Reise geschenkt, die glücklicherweise direkt über Weihnachten ging. Daphne behauptete das würde das schönste Weihnachtsfest, dass sie jemals hatte.

Langsam füllte sich die große Halle mit Leben. Erst dachte sich Amelia nichts dabei, als Dumbledore beim Frühstück fehlte. Doch als Severus auf sie zukam und ihr mit einer halb versteckten Geste zu verstehen gab, ihm zu folgen, war sie alarmiert.

Sie stand auf und bedeutete Draco zu warten. Severus ging bis hinunter in die Kerker und vergewisserte sich, dass ihnen keiner gefolgt war.

„Etwas ist passiert, richtig?", fragte Amelia und hatte einen Klumpen im Magen.

„Ihr erfahrt alles wenn ihr im Hauptquartier seid. Aber es herrscht ziemlich viel Chaos. Dumbledore bittet dich und Mr Malfoy die Weasley Kinder einzusammeln und sie mitzunehmen. Molly Weasley hat gerade andere Probleme. Minerva ist damit beschäftigt Umbridge abzulenken. Der Portschlüssel ist von Dumbledore. Mit ihm kommt ihr ins Hauptquartier." Severus hatte leise und eindringlich gesprochen. Er reichte ihr ein Stück Seil.

„Was ist passiert?", fragte Amelia alarmiert und war sich gar nicht sicher, ob sie die Antwort wissen wollte.

„Arthur Weasley wurde heute Nacht angegriffen. Bei seiner Wache im Ministerium."

Amelia schluckte. „Und… Lebt er noch?"

„Noch. Aber keiner weiß, wie schlimm es wirklich ist. Sag das den Weasley Kindern nicht sofort. Erst müssen sie hier weg."

Amelia nickte. „Ich kümmere mich darum, dass alle ins Hauptquartier kommen, bevor sie zu viel rumerzählen und ärger machen."

Severus Lippen verzogen sich zu einem zynischen Grinsen. „So hatte Dumbledore es sich gedacht."

Damit wandte er sich um und eile den Gang entlang.

„Schöne Weihnachten", rief Amelia ihm hinterher und er stockte kurz bevor er weiterging.

Noch bevor Amelia die große Halle wieder betreten hatte, tippte sie auf ihren Ring aus Mimikrysilber. „An alle Weasleys, packt eure Sachen und kommt so schnell wie möglich zum Geheimgang hinter dem Gemälde von Violet. Informationen gibt es später, wir müssen vor Umbridge handeln."

Amelia kehrte zurück in die Große Halle, schnappte sich ihren Koffer und gab Draco ein Zeichen.

„Ich wünsche euch schöne Weihnachten und genieß die Ferien, Daphne. Wir müssen los."

Daphne wollte noch was fragen, schließlich hatte sie die Nachricht an die Weasleys ebenfalls bekommen, aber Amelia schüttelte unwirsch den Kopf.

Die anderen sahen sie ziemlich verdutzt an und Draco sprang ohne eine Frage auf. Ihr Blick hatte gereicht, um ihm zu sagen, dass etwas nicht stimmte.

Drüben am Gryffindortisch sahen sich die Weasleys unsicher um und sobald sie Amelias Eile bemerkten, standen auch sie auf und verließen kurz nach ihr und Draco die Große Halle.

Die Gruppe ging in einen Nebenraum der Großen Halle, dort hing das Porträt dessen Besitzerin sie nach der Nennung ihres Namens in einen steinernen Gang eintreten ließ.

„Was ist passiert?", fragte Ginny nervös, nachdem sich das Porträt wieder hinter ihnen geschlossen hatte. „Vor allem, wenn es um das Bündnis geht, warum sollten dann nur wir kommen?", wollte Fred wissen.

„Es geht um den Widerstand", antwortete Amelia und hantierte mit dem Seil, das ihr Severus gegeben hatte. „Dumbledore hat mir das gegeben, es ist ein Portschlüssel aus der Schule, berührt ihn alle, er aktiviert sich gleich. Umbridge sucht uns sicher schon."

„Warum wir", fragte Fred weiter.

„Eure Mutter wird euch alles erklären. Wir müssen los."

Etwas widerwillig berührten sie alle das Seil und kaum hatte sich die letzte Hand darum geschlossen, spürte Amelia das Reißen unter dem Bauchnabel.

Mit einem dumpfen Knall kamen sie im dunklen Flur des Grimmauldplatzes an. Ihre Koffer schlugen neben ihnen auf.

„Jetzt will ich aber auch Antworten", sagte Draco grimmig und stellte seinen Koffer wieder auf. „Was ist passiert?"

„Ach du weißt auch nichts?", fragte Ron und Draco verdrehte die Augen.

„Sonst würde ich nicht fragen, oder?"

„Wo sind wir überhaupt?", fragte Ginny.

Amelia seufzte. „Dies hier ist das Hauptquartier des Widerstandes gegen Voldemort. Arthur Weasley wurde heute Nacht schwer verletzt. Mehr Informationen habe ich auch nicht. Kommt mit, vielleicht ist jemand in der Küche."

„Wie Dad wurde verletzt?", fragte George. Doch Amelia gab ihm keine Gelegenheit für weitere Fragen. Sie ging in die Küche hinunter und die anderen folgten ihr.

In der Küche saßen Remus Lupin und Bill Weasley. Sie wirkten beide ziemlich besorgt. Als die Tür aufging blickten sie auf.

„Alles okay bei euch, hat alles geklappt?", fragte Remus und eilte auf sie zu.

„Amelia meinte Dad wurde verletzt!"

„Was ist passiert?"

„Wann können wir ihn sehen?"

„Wann wird er wieder gesund?"

„Wo ist das passiert?"

Die Weasleykinder begannen Remus und Bill mit Fragen zu überhäufen.

Aus Bills Gedanken las Amelia, dass Arthur Weasley von einer Schlange angegriffen worden war. Amelia erinnerte sich nur zu gut an die riesenhafte Schlange von Voldemort die sie auf dem Friedhof bemerkt hatte.

Es stand nicht gut um ihn, aber noch lebte er. Allerdings hatte Molly Weasley viele Fragen zu beantworten, vor allem jene, was Arthur Weasley nachts vor der Mysteriumsabteilung gesucht hatte.

Amelia gab Draco ein Zeichen und begann Tee zu kochen, während sie ihm leise alles erzählte. Auf der anderen Seite versuchte Bill noch immer die Fragen seiner Geschwister zu beantworten, ohne zu viel preis zu geben.

„Nagini", zischte Draco leise. „Ich habe sie ein paar Mal durchs Herrenhaus schleichen sehen, aber nie gewagt in ihre Nähe zu kommen."

Amelia nickte mit zusammengekniffenen Lippen.

„Ich wusste, dass etwas Schlimmes passiert ist. Meine Narbe hat heute Nacht gebrannt."

„Es ist nur eine normale Schlange. Für Magie sollte das kein Problem sein."

Amelia sah nur zweifelnd zu Draco auf. Sie musste noch immer an Severus Worte denken.

„Wir müssen sofort zu Dad!", sagte Fred auf der anderen Seite des Raumes aufgebracht.

„Wir können nicht", sagte Bill und ließ sich wieder auf seinen Stuhl sinken.

„Wer sollte uns davon abhalten!?", rief Ginny aufgebracht.

„Das Ministerium hält Dad unter Quarantäne. Sie haben nicht mal Mum zu ihm gelassen und wir wissen auch nicht wirklich, wie es ihm geht. Sie meinen es gilt zu klären, ob er etwas gestohlen hat."

„Was sollte Dad denn stehlen?", sagte George zornig.

„Das kann ich euch nicht sagen."

„Er ist auch unser Vater!", erinnerte Ginny ihn.

„Jetzt hört mal auf hier rumzumeckern, ich kann doch auch nichts ändern. Und wenn sie euch in die Finger bekommen und ausquetschen, kann noch viel schlimmeres passieren. Deshalb war es so wichtig, dass ihr erstmal hierherkommt. Mum hält bei Dad die Stellung und wir tun nichts, bin sie sich meldet."

„Scheiß auf das Ministerium! Er ist unser Dad!", sagte Fred wütend.

„Hier geht es um mehr, wir müssen vorsichtig sein. Ihr könntet eurem Vater jetzt mehr schaden, als dass ihr ihm helft", versuchte Remus alle zu beruhigen.

„Dad braucht uns jetzt!", sagte Ginny.

„Das ist genau der Grund, warum eure Eltern dagegen waren, euch irgendwas über den Widerstand zu erzählen. Weil ihr euer eigenes Wohl über das Wohl der Allgemeinheit stellt. Euer Vater hat euch die Reife zugetraut und wollte euch mehr erzählen, jetzt beschämt ihn nicht, indem ihr euch wie Kinder verhaltet. Es gibt nicht mal etwas zu erreichen, außer einer unnützen Geste."

Es war Draco der das gesagt hatte. Er half Amelia Tassen für den Tee auf den Tisch zu stellen.

„Einer unnützen Geste!", rauchte Fred vor Zorn.

„Genau. Kannst du Heilen?", erwiderte Draco brüsk und setzte sich.

„Natürlich nicht, aber darum geht es nicht."

„Doch genau darum geht es. Wenn du etwas tun kannst, um ihn zu retten, dann tu es. Wenn du den Heilern im Weg stehen willst, wenn sie versuchen deinen Vater zu heilen dann setz dich besser jetzt hin."

Einen Moment dachte Amelia, Fred würde sich gleich auf Draco stürzen, doch dann zog er einen Stuhl demonstrativ zur Seite und setzte sich. Die anderen zögerten, doch letztendlich setzten sich alle um den Tisch. Bill warf Draco einen dankbaren Blick zu und Amelia schenkte Tee ein.

Lange Zeit sagte niemand etwas. Das Feuer im Kamin knisterte leise vor sich hin und brannte herunter und irgendwann knurrte der Magen von Bill ganz laut und vernehmlich. Er erntete dafür nicht mal ein müdes Grinsen.

Remus erzählte knapp, dass er jetzt hier das Hauptquartier verwalten würde, da er die meiste Zeit hatte. Was wohl hieß, dass er wieder arbeitslos war. Aber immer nach kurzen Unterhaltungen gerieten sie wieder ins Schweigen. Das Warten auf Nachrichten war immer das Schlimmste.

Es war später Nachmittag als sich die Tür das nächste Mal öffnete. Es waren Molly Weasley und Nymphedora Tonks. Mrs Weasley sah alles andere als gefasst aus. Sie schluchzte fürchterlich und ihre Kinder scharten sich sofort um sie, um zu erfahren was passiert war.

Es kam heraus, dass man Mrs Weasley nicht einmal zu ihrem Mann gelassen hatte, sondern dass irgendwann Ministeriumsbeamte aufgetaucht waren, die sie mitgenommen hatten, um sie mit Fragen zu bombardieren. Man hatte ihr gedroht, sie erst zu ihrem Mann zu lassen, wenn sie alle Fragen beantwortet hatte. Doch Mrs Weasley hatte nichts beantwortet. So wurde sie den ganzen Tag verhört, bis es Tonks durch eine List gelungen war, sie nach draußen zu schleusen.

Amelias Herz zog sich zusammen. Dass alles erinnerte sie zu sehr an ihren eigenen Schmerz und irgendwie wollte sie den Weasleys helfen. Sie fühlte sich dafür verantwortlich. Sie hatte die Weasleys für den Orden vorgeschlagen und da war diese Verbindung, die sie hatte. Wenn sie Alarm geschlagen hätte, nachdem ihre Narbe brannte, dann hätte man Mr Weasley vielleicht früher gefunden.

Irgendwann hielt sie es nichtmehr im Raum aus und sie verließ schnurstracks die Küche. Draco folgte ihr besorgt.

„Alles okay?", fragte er. Er war ihr bis in den Salon gefolgt, der noch immer von einer dicken Staubschicht bedeckt war.

„Nein, nicht wirklich", sagte Amelia und verdrängte die Tränen, die ihr in die Augen stiegen. Sie musste etwas tun.

Es war ein harter Tag für Heiler Gamp gewesen. Auf einer Hochzeitsfeier waren zwei Schwestern böse aneinandergeraten und hatten sich im Streit dunkle Flüche aufgehalst. Er war den ganzen Tag damit beschäftigt gewesen herauszufinden, mit was sie sich verflucht hatten. Letztendlich hatte er es geschafft sie erstmal so weit zu stabilisieren, dass sie aufhörten zu schreien. Glücklicherweise schliefen sie jetzt.

Er wollte gerade das Licht ausschalten, als etwas gegen das Fenster pochte.

Nicht noch eine Eule, dachte er genervt, ließ den Vogel allerdings ein.

Doch statt einer Eule landete ein Falke vor ihm. Er ließ einen porösen, münzartigen Gegenstand auf den Schreibtisch fallen und verpuffte dann zu Rauch.

Der Heiler wollte näherkommen, um den Gegenstand zu begutachten, doch in dem Moment begann die seltsame Münze zu leuchten.

Ein Schemen trat daraus hervor. Eine undeutliche neblige Gestalt, die sich nach und nach zu materialisieren begann, bis sie stofflich schien.

Heiler Gamp hätte beinah vor Schreck aufgeschrien, als er Amelia Potter erkannte.

„Hast du etwas herausgefunden?", fragte Draco als Amelia aus ihrer Trance erwachte. Sie wirkte blass und zittrig und diesmal rannen ihr tatsächlich Tränen über die Wangen.

„Ich habe schon wieder jemanden in den Tod geschickt, Draco", flüsterte Amelia leise.

„Ist er…", begann Draco und Amelia nickte.

Draco setzte sich neben sie.

„Er wusste, auf was er sich einlässt."

Amelia warf ihm einen ungläubigen Blick zu.

Draco zuckte die Schultern. „Was soll ich dazu sagen. Es ist schrecklich, unfair keiner hat es gewollt. Aber wir alle wussten, auf was wir uns einlassen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich damals nicht wirklich geglaubt, dass ich tatsächlich aus dem Manor entkommen kann. Es war Glück und so hatte Arthur Weasley Pech."

„Könntest du das auch so sehen, wenn es mich getroffen hätte?", fragte Amelia schniefend.

„Wahrscheinlich nicht. Dich liebe ich, da könnte ich nicht unvoreingenommen sein. Aber er wird nicht der letzte sein, der stirbt."

Amelia sah Draco an und musterte ihn. Bei seinen Worten musste sie unwillkürlich an ein Gespräch mit Severus zurückdenken, dass sie vor fast einem Jahr geführt hatten. Er hatte ihr prophezeit, dass sie noch bessere Menschen als ihn in den Tod schicken würde und er hatte Recht gehabt. Das war die Last daran, wenn man versuchte Menschen zu führen. Am Ende hatte man selbst die Verantwortung. Amelia hatte von jeher Menschen manipuliert, damit sie das taten, was sie wollte. Jetzt war es auch an ihr, dafür die Verantwortung zu tragen.

„Gut, dass ich dich habe", flüsterte Amelia leise und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen.

„Ich bin immer für dich da", versicherte er und nahm sie in den Arm. Amelia lehnte den Kopf an seine Brust und eine Weile saßen sie einfach nur schweigend da.

Die Wärme tat gut in dem kalten Gemäuer und einen Moment stellte Amelia sich vor, wie die Wärme bis in sie hineinkroch.

„Ich denke es wird Zeit, dass wir wieder runter gehen", sagte sie irgendwann und löste sich. Draco nickte angespannt. Ganz so locker konnte er wohl auch nicht alles hinnehmen.

Amelia ließ Eristik in ihrem Zimmer zurück und machte ihm ein wärmendes Feuer, bevor sie sich zurück auf den Weg nach unten machten.

Es war noch Moody dazugekommen, als sie wieder hinunter in die Küche gingen. Alle waren dabei schweigend zu essen als sie eintraten. Die Tür knarrte unnatürlich laut in der Stille. Alle blickten kurz auf. Als klar war, dass es nur Amelia und Draco waren, wandten sie sich wieder ihrem Essen zu. Amelia wusste auf wen sie warteten. Sie warteten auf Dumbledore, der hoffentlich Neuigkeiten bringen würde.

Sollte sie warten, bis Dumbledore da war? Vielleicht nahm er ihr die schwere Aufgabe ab. Aber es wäre furchtbar feige und die Weasleys hatten Besseres verdient.

Sie setzte sich wieder an den Tisch und rang mit sich. Es war ein Ringen um das, was richtig war und das, was einfach war.

„Ich habe einen Bekannten im St.-Mungo. Ich habe ihn um einen Gefallen gebeten", begann Amelia langsam und alle blickten sie an. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können.

„Und…?", fragte Mrs Weasley mit zittriger Stimme.

Amelia blickte nur zu Molly Weasley. Sie schaffte es nicht ihr zu sagen, dass ihr Mann tot war. Alles, was sie schaffte war ein halbes Kopfschütteln. Aber Molly Weasley verstand auch so. Sie hatte es wahrscheinlich schon vorher gewusst.

Verhärmt begann sie zu schluchzen.

Zu sagen die Nachricht erschütterte die Familie, wäre untertrieben gewesen. Die einen begannen zu weinen, die anderen zu toben und Ron, der saß nur da und starrte mit leerem Blick vor sich hin.

Amelia und die anderen Ordensmitglieder verließen die Küche und ließen die trauernde Familie allein.

„Wie verlässlich ist deine Quelle?", fragte Moody als sie im Flur standen.

„Ich traue ihm", sagte Amelia und nickte zur Bekräftigung. „Er ist Heiler im St.-Mungos und seine Station ist ganz in der Nähe von der, auf der Arthur Weasley liegen sollte. Seinem Kollegen stinkt die Aktion vom Ministerium gewaltig. Sie wollen nicht für das Ministerium Lügen. Schon gar nicht in Todesfällen. Das Untergräbt ihre Integrität. Er hat ziemlich Dampf abgelassen. Vielleicht sollte man versuchen ihn und ein paar andere für den Orden zu rekrutieren."

„Aber ich versteh nicht, warum das Ministerium Molly nicht Bescheid gegeben hat", sagte Tonks und rieb sich fröstelnd die Arme. Im Flur war es bitterkalt.

Amelia schüttelte betrübt den Kopf.

„Arthur Weasley ist nie lebend im St.-Mungos angekommen", begann Amelia leise zu erzählen. „Wahrscheinlich dachte sich das Ministerium, dass sie mehr Informationen aus den Weasleys herausbekommen, wenn sie denken es gibt noch Hoffnung…"

„Verlogenes Pack", zischte Moody abfällig. „Das wäre ihnen zuzutrauen."

Amelia half Remus die Betten für alle vorzubereiten und sie gingen früh auf ihre Zimmer. Weder Amelia noch Draco waren müde, aber keiner wollte die Weasleys in ihrer Trauer stören.

Sie legten Scheite im Kamin nach und Amelia kroch zu Draco ins Bett.

Er schlang die Arme um sie und zusammen blickten sie in die prassenden Flammen.

„Eigentlich haben wir nichts erreicht, seit wir das erste Mal hier gesessen haben", sagte Amelia irgendwann leise.

„Wir sind noch am Leben, oder?", antwortete Draco leise und drückte ihr einen Kuss auf den Hinterkopf.

Wieder schwiegen sie eine Weile.

„Du hast gesagt, du hast gespürt, dass etwas vorgefallen ist", sagte Draco irgendwann in die Stille hinein.

„Ich bin aufgewacht. Meine Narbe hat gebrannt. So als hätte Voldemort versucht durch meine Okklumentik zu brechen."

„Ist er?", fragte Draco erschrocken, doch Amelia schüttelte den Kopf. „Nein. Das hätte ich bemerkt. Aber ich frage mich, was er damit bezwecken wollte. Wollte er mir zeigen, wie er Arthur Weasley ermordet?"

„Ich weiß es nicht…"

In diesem Moment klopfte eine Eule ans Fenster und Amelia stand überrascht auf.

Der Waldkauz glitt mit einem eleganten Flügelschlag in den Raum und landete auf dem Spiegel des Frisiertisches. Amelia nahm ihm einen kleinen Brief vom Bein und er schuhte Leise als Zustimmung.

Es stand nicht viel drauf, doch sein Inhalt war bedeutend.

In dem Briefumschlag war ein leeres Reagenzglas. Amelia wusste, woher es stammte. Sie hatte es vor fast zwei Jahren Rufus Scrimgeour gegeben, zusammen mit einem Stück von Pettigrew.

Amelia faltete den Brief auseinander und auf dem Pergament standen nur vier Wörter.

Ich habe ihn gefunden.

Rufus Scrimgeour saß auf dem Sofa in seinem Stadthaus als Amelia neben ihm erschien.

Er wirkte nicht sonderlich überrascht. Er nippte an einem Glas Feuerwhiskey und schien in Gedanken versunken zu sein.

Amelia setzte sich ihm gegenüber. Sie sagte nichts und wartete darauf, dass der Auror das Wort ergriff.

„Auch einen?", fragte er irgendwann und deutete mit dem Glas in ihre Richtung.

„Ich glaube kaum, dass meine Illusionen etwas von der Wirkung merken werden", stellte Amelia belustigt fest.

Rufus schnaubte und stützte sich auf seinen Beinen ab, während er Amelias Doppelgängerin musterte.

„Eine beeindruckende Illusion", sagte er schließlich und Amelia nickte dankend.

„Ich habe Bartemius Crouch jr. gefunden. Er sitzt in Askaban. Aber es ist unmöglich ihn zu verhören. Ich werde mir wohl kein Bild von der Sache machen können", sagte Rufus und schwenkte sein Glas.

„Und doch haben sie mich kontaktiert", erwiderte Amelia.

„Das habe ich wohl", sagte er und Amelia hörte die Zweifel in seiner Stimme mitschwingen. Was für Zweifel, vermochte sie nicht zu sagen.

„Sie wissen doch schon länger von Barty, Rufus. Sie haben mir heute wegen Arthur Weasley geschrieben. Was hat sie so erschüttert."

Rufus Scrimgeour schnaubte und nahm noch einen Schluck Feuerwhiskey.

„Wie ist es möglich, dass ein Ministeriumsbeamter im Ministerium angegriffen wird. Seit er dessen Name nicht genannt werden darf das letzte an der Macht war, ist keiner mehr im Ministerium…", er brach ab.

„…ermordet worden?", vervollständigte Amelia seinen Satz.

„War klar, das Fudges Finte nicht aufgeht", sagte Rufus fast erheitert. Amelia gestattete sich ein kühles Lächeln.

„Also bin ich jetzt hier, weil sie sich einen unwiderlegbaren Beweis erhoffen. Etwas, womit sie ihr Gewissen beruhigen können, da ihr Herz schon die Wahrheit begriffen hat."

„Ich liebe Beweise", gestand Rufus Scrimgeour und lächelte ironisch.

Amelia nickte. „Sie sollen ihren Beweis bekommen. Am 1. Januar werden alle damit beschäftigt sein Neujahr zu feiern. Wir treffen uns um 3 Uhr morgens. Um diese Zeit wird kaum einer ernsthaft versuchen uns auszuspionieren. Bringen sie all jene mit, denen sie trauen. Von denen sie glauben, dass sie uns unterstützen werden, wenn sie die Wahrheit sehen."

„Ich möchte den Beweis zuerst allein sehen", forderte Rufus. Doch Amelia schüttelte den Kopf.

„Sie allein zu überzeugen ist nicht genug. Ich brauche die Aurorenabteilung hinter mir, wenn ich wirklich gegen Voldemort in den Krieg ziehen will."

Rufus schluckte. „Sie meinen das ernst."

Er schien einen Moment mit sich zu Ringen. Doch schließlich seufzte er ergeben und sagte: „Allenby Road 22 in London. Um 3 Uhr. Das Haus ist unbewohnt."

Amelia nickte. Sie wollte sich schon auflösen, doch dann wandte sie sich noch einmal an den Auroren.

„Danke", sagte sie leise und man konnte die Ehrlichkeit in ihrer Stimme hören.

Die Laune am nächsten Morgen war gedrückt. Draco und Amelia standen spät auf. Sie hatten noch bis spät in die Nacht hinein Pläne geschmiedet und waren erst gegen Morgen eingeschlafen. Die anderen sahen so aus, als hätten sie kein Auge zugemacht.

Die Zwillinge saßen in einer Ecke zusammen und tuschelten. Ginny drehte am magischen Radio herum und so wirklich wollte ihr kein Sender gefallen. Mrs Weasley spülte per Hand schon den halben morgen den gleichen Teller ab und Ron saß einfach da und starrte auf die Holzplatte.

„So eine verdammte scheiße!", fluchte Ron irgendwann und schlug auf den Tisch.

„Das ist alles nur eure Schuld! Ohne euch würde Dad noch leben. Nur weil er sich für diesen Schwachsinn hier eingesetzt hat, ist er tot! Und wir können ihn nicht mal beerdigen, weil Mum nicht sagen darf, dass sie es weiß!"

Alle waren aufgeschreckt und blickten zu Ron auf.

„Dein Vater hat es sich bestimmt gründlich überlegt, bevor er sich entschieden hat irgendwas zu unternehmen", wandte Draco ein.

„Ihr habt ihn dazu getrieben! Das war eine scheiß Entscheidung, was hatte er denn schon zu gewinnen. Nichts, er hat sein Leben verdammt nochmal für Nichts weggeworfen."

Ron hatte sich in Rage geschrien und war aufgesprungen.

Doch etwas musste er gesagt haben, dass Draco unglaublich wütend machte, denn auch er sprang auf und donnerte mit beiden Händen auf den Tisch.

„Jetzt hör mal zu, dein Vater hat an etwas geglaubt und dafür gekämpft und jetzt besudelst du sein Andenken, indem du das, wofür er gestorben ist infrage stellst. Alle die wir hier sind haben unterschiedliche Gründe und Antriebe, aber es gibt eines, was wir alle wollen, was uns verbindet. Wir wollen eine bessere Welt erschaffen! Eine Welt, in der wir nicht in Angst leben müssen, eine Welt, in der ich nicht die Sorge haben muss, dass alles, was ich liebe, tot ist, wenn ich auch nur einen Moment nicht aufpasse. Eine Welt…"

Draco brach abrupt ab. Seine Fingerknöchel standen weiß hervor, so sehr hatte er die Fäuste geballt. Amelia legte sanft ihre Hand auf die seine.

„Ach verdammt", fluchte Draco und zog seine Hand von Amelia fort. Ohne den Blick zu heben, stürmte er aus dem Raum. Die Tür knallte hinter ihm zu.

„Was geht denn mit dem ab", sagte Ron mit zusammengebissenen Zähnen. „Er soll sich hier mal nicht so aufspielen. Dieses Arrogante…", Ron drehte sich um und wollte Draco hinterherrennen, um sich mit ihm zu streiten. Doch als er die Tür erreichte versiegelte Amelia sie mit einem Fluch. „Was soll der scheiß! Lass mich raus!", brüllte Ron. Er zog an der Tür, trat auf sie, schlug dagegen, doch sie rührte sich nicht. Dann wandte Ron sich ihr zu.

„Ich will diesem Arschloch eine reinhauen! Lass mich gehen!" Alle anderen Weasleys sahen Ron an. Doch nicht einmal Mrs Weasley brachte es über sich ihren Sohn für seine Ausdrucksweise zu rügen.

„Nein", sagte Amelia mit eisiger Stimme und erwiderte seinen wütenden Blick gelassen.

„Immer beschützt du ihn, immer stehst du hinter ihm. Du lässt ihm verdammt nochmal alles durchgehen!", wütete Ron aufgebracht.

„Ich habe es dir schon einmal gesagt, ich beschütze nicht ihn, ich beschütze dich", erwiderte Amelia ruhig und stand langsam auf. Als hätte sie Angst ein aufgebrachtes Tier zu reizen.

„Ich brauche keinen verdammten Schutz. Diesen Aufschneider werde ich in Stücke fluchen", schrie Ron. Ron hatte Draco nie gemocht. Die ganzen Schmähungen in den niedrigeren Klassen konnte er ihm bis heute nicht verziehen.

„Das letzte Mal, als du Draco gereizt hast, hat er dir nur den Arm gebrochen, du willst nicht wissen, was er heute mit dir macht. Draco ist kein netter Mann", stellte Amelia gelassen klar.

Ron biss die Zähne zusammen.

„Was findest du dann an ihm? Ich versteh das nicht. Du bist… besser. Du bist damals gekommen, um mich zu heilen, trotz allem was gewesen ist. Du bist gut und hilfsbereit. Das alles in der Schule, du möchtest anderen helfen. Ich… du…"

Amelia schüttelte den Kopf. Sie wusste, warum er Draco wirklich so hasste. Warum er ihn nicht einfach ignorieren, warum er ihm nicht egal sein konnte.

„Ron", sagte Amelia und trat näher zu ihm. „Du bist wirklich süß und nett und lieb. Aber du weißt selbst, dass niemals etwas zwischen uns sein würde. Selbst wenn es Draco nicht gebe."

Ron Ohren liefen rot an. „So meinte ich das nicht…", stotterte er verlegen.

„Doch, Ron. Genauso meintest du es. Glaubst du ich habe es nicht bemerkt, glaubst du Draco hat es nicht bemerkt. Du bist kein sonderlich guter Schauspieler. Aber wir sind zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Du hast eine gewisse Unschuld an dir. Eine Unschuld die ich schon vor Jahren verloren habe. Denn egal was du glaubst, auch ich bin kein netter Mensch. Man kann kein netter Mensch sein und das tun, was ich tue."

Schweigen breitete sich in der Küche aus und einen Moment schien es, als wollte Ron etwas sagen, doch Amelia passte den Moment ab und begann zu sprechen: „Trotzdem hat er recht, weißt du. Behalte deinen Vater in guter Erinnerung. Er ist ein Held, der in einem schrecklichen Krieg gefallen ist. Ein Mann, der eine bessere Welt für seine Familie schaffen wollte und alle Menschen in der Zaubererwelt. Ich glaube nicht, dass er wollen würde, dass du dich von seinen Idealen abwendest und ihn verleumdest. Arthur Weasley war ein guter Mann, besser als viele andere. Er hat nicht die Augen vor Problemen verschlossen, sondern sich ihnen gestellt."

„Du kanntest ihn doch gar nicht", fauchte Ron. Sie konnte die Tränen in seiner Stimme hören.

„Ich habe ihn verstanden. So wie ich dich verstehe. Lass dich nicht von deinem Hass auffressen und denk an das, was euch alle verbindet."

Amelia umfasste mit einer Geste die Weasleys in der Küche dir ihr alle lauschten. „Denn ihr seid eine Familie. Ihr könnt euch aufeinander verlassen, euch blind vertrauen. Gemeinsam lachen und gemeinsam kämpfen und euer Vater und Ehemann wird in euren Erinnerungen lebendig bleiben. Der Widerstand gegen Voldemort ist mehr als ein einfacher Kampf. Es ist ein Krieg um unsere Existenz. Damit wir nicht eines Tages aufwachen müssen, um festzustellen, dass alles wofür wir gelebt haben, unsere Zukunft, tot ist. Arthur hat sich für uns geopfert, damit wir weitermachen können, bis wir eines Tages wieder jeden Tag aufwachen können und auf eine sichere Zukunft blicken können."

Alle Wut von Ron schien verraucht und neben Amelia begann Mrs Weasley zu schluchzen. Ginny ging zu ihrer Mutter und drückte sie. Es dauerte einen Moment, bis sie sich wieder gefasst hatte.

„Arthur hat gesagt, dass er unbedingt gegen ihr-wisst-schon-wen kämpfen muss, weil er es sich sonst niemals verzeihen könnte, wenn uns allen etwas passiert.", sagte Molly Weasley leise und zog die Nase hoch.

„Er wollte euch alle immer nur beschützen, aber sich selbst konnte er nicht beschützen. Er hat immer gesagt: Keiner ist sicher solange ihr-wisst-schon-wer lebt. Aber… kann euch nicht auch noch verlieren…"

Amelia sah zu der trauernden Familie. Sie hatte jetzt genug gesagt. Jetzt war es an den Weasleys zu reden.

Leise ging sie aus der Küche und begann ihren Mann zu suchen.

Amelia fand Draco in ihrem Zimmer. Er saß auf dem Fensterbrett und starrte durch das dreckige Fenster nach draußen. Der Himmel war düster und grau. Dicke Regentropfen klatschten gegen das Fenster und es klang, als seien es Hagelkörner die rhythmisch gegen das Glas schepperten.

Amelia trat zu Draco ans Fenster. Er hatte Tränenspuren im Gesicht und starrte apathisch nach draußen. Sie berührte ihn nicht, sie sagte nichts. Sie stand einfach nur neben ihm.

„Es tut mir leid, Amelia", sagte Draco irgendwann. Amelia tat nichts und wartete, dass er sich aussprach.

„Ich konnte euch nicht beschützen. Das Einzige, wozu ich gut bin und ich habe versagt. Ich habe versprochen, dass ich euch beschütze und ich habe nicht mal bemerkt das ihr in Gefahr wart."

Draco hatte seine Stirn an die Knie angelehnt und die Augen geschlossen. Als könnte er es nicht ertragen Amelia anzusehen.

„Es tut mir so leid..."

Was sollte sie dazu sagen? Amelia blickte weiter aus dem Fenster. Wie oft hatte sie von jener Nacht geträumt. Hatte im Traum nach ihm geschrien. Hatte ihm Vorwürfe gemacht, nicht da gewesen zu sein. Wie oft hatte sie ihn verflucht sie im Stich gelassen zu haben. Wenn sie rational darüber nachdachte, wusste sie, dass das Unsinn war. Dass er ihr nie hätte helfen können. Dass er es nicht hätte wissen können. Aber Gefühle waren nicht rational.

„Ich habe auch versagt, Draco. Ich habe ihn genau so wenig beschützen können." Amelias Stimme zitterte. Draco sah zu ihr auf. Und sie konnte in seinen Augen ihre eigenen Gefühle sehen. Den Vorwurf, die Verzweiflung den Hass. Die Schuld noch am Leben zu sein, wenn ihr unschuldiges Baby tot war. Ihr Baby konnte nichts dafür, wer seine Eltern waren. Trotzdem hatte er wegen ihr sterben müssen.

Es war die eine Sache, die immer zwischen ihnen stehen würde. Die eine Sache, bei der man nicht um Verzeihung bitten konnte, denn es gab nichts zu verzeihen.

Von Tonks erfuhren sie, dass das Ministerium nach Mrs Weasley suchte. Doch erst, als das Ministerium einen Tag später vom Tod Arthur Weaselys berichtete, wagte es Mrs Weasley sich zu melden. Der Artikel über den Angriff stand im Tagespropheten auf Seite neun und war sehr kurz gehalten. Charlie, der aus Rumänien angereist war, entschied zusammen mit seiner Mutter zum Ministerium zu gehen. Schließlich brauchte Arthur eine anständige Beerdigung. Die anderen blieben alle im Hauptquartier und sorgten sich, ob das Ministerium Mrs Weasley überhaupt wieder entlassen würde.

Aber sie kam zurück. Auch wenn sie müde und abgekämpft aussah.

Charlie erzählte ihnen das Dumbledore aufgetaucht war und nach einigem hin und her hatte man sie wieder gehen lassen und den Leichnam ausgehändigt. Amelia konnte sich das nur so erklären das Molly Weasley über die Vertuschungsaktion schweigen würde und das Ministerium dafür keine Anzeige gegen die Weasleys wegen versuchter Verschwörung und Einbruchs einleiten würde.

Kurz darauf, fand die Beerdigung statt. Zuerst war Amelia überrascht, wie viele Leute gekommen waren. Arbeitskollegen, Verwandte, Freunde... Aber die Weasleys waren eine bekannte Familie und viele wollten Gerüchte aufschnappen, was nun wirklich vorgefallen war. Amelia wäre am liebsten gar nicht hingegangen. Aber Molly Weasley hatte darauf bestanden, sie und Draco einzuladen.

Ihre Anwesenheit brachte nur noch mehr Getuschel mit sich und nicht wenige warfen Amelia neugierige Blicke zu, als sie sie auf dem Friedhof erkannten.

Auch Nachbarn der Weasleys kamen. Darunter die Diggorys, die Prewetts, die mit Molly verwandt waren und Luna Lovegood mit ihrem Vater. Einer jedoch fehlte. Percy. Auch wenn Amelia sich sicher war, dass sie ihn einmal aus dem Augenwinkel gesehen hatte.

Die Beerdigung war eine stille Angelegenheit. Alle Gespräche wurden nur geflüstert. Ob daran die Trauer schuld war, oder die Sorge, dass das Ministerium mithört, wusste Amelia nicht recht. Als sie nach draußen traten, um den Sarg in die Erde zu betten entdeckte Amelia Dumbledore etwas abseits stehen und gesellte sich zu ihm.

„Ich glaube, ich habe schon zu viele Beerdigungen miterlebt", stellte der alte Zauberer betroffen fest.

„Ich kann nur hoffen, dass es nicht noch mehr werden", erwiderte Amelia. Zusammen beobachteten sie die Trauergemeinde und Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus.

Vor ihnen wurde der Sarg in die Erde gelassen. Mrs Weasley warf die erste Erde darauf. Danach folgten ihre Kinder, anschließend weitere Verwandte.

„Sie haben mich um einen großen Gefallen gebeten", sagte Dumbledore irgendwann und wandte sich Amelia zu. Sein Blick glitt prüfend über ihr verschlossenes Gesicht. Sie erwiderte den Blick.

„Du solltest wissen, dass dieser Gegenstand Hogwarts in den letzten Jahrhunderten nicht verlassen hat", sagte Dumbledore warnend und holte eine größere hölzerne Kiste hervor.

„Gebe gut darauf acht."

„Danke für ihr Vertrauen, Sir. Ich hätte sie nicht gefragt, wenn ich eine bessere Option gehabt hätte", antwortete Amelia und verstaute die Kiste in ihrer ausdehnbaren Tasche.

Dumbledore nickte und musterte sie über seine Halbmondbrille hinweg. „Ich denke du wirst das richtige tun."

Amelia schenkte ihm ein wehmütiges Lächeln.

„Wir können nur vorwärts gehen, der Weg zurück ist uns versperrt."

Amelia ging zu Draco hinüber und reihte sich mit ihm ein, um Erde auf das Grab von Arthur Weasley zu werfen.

Es war eine stille Runde, die am Abend zurück ins Hauptquartier kam. So wirklich wollte keine weihnachtliche Stimmung aufkommen.

Amelia und Draco verabschiedeten sich schon bald und gingen in den Salon. Mrs Weasley hatte die vergangenen Tage damit verbracht ihren Kummer in Arbeit zu ertränken und begonnen weitere Räume des Hauses bewohnbar zu machen.

Sie setzen sich aufs Sofa und Amelia kuschelte sich an Draco. Irgendwie fühlte sie sich innerlich ermattet. Sie hatte sich eigentlich entspannende Ferien gewünscht und keinen Eiertanz zwischen Rons Wut und Mollys Tränenausbrüchen.

„Hast du eigentlich Sachen aus den Vitrinen eingepackt?", fragte Draco irgendwann und Amelia grummelte nur. Sie hatte nicht wirklich zugehört.

„Hey, Realität an Amelia", sagte Draco und begann Amelia zu kitzeln. Sie schrie erschrocken auf und kugelte sich zusammen.

„Du bist so gemein", keucht sie als Draco endlich von ihr abgelassen hatte.

„Ich rede mit dir und du schläfst", stelle er vorwurfsvoll fest.

„Dann hast du bestimmt nur unwichtiges Zeug geredet", erwiderte Amelia und wollte sich schon wieder einrollen.

„Ich rede nie unwichtiges Zeug", erwiderte Draco und Amelia sah ihn nur ungläubig an. Doch als er abermals beginnen wollte, sie durch zu kitzeln war Amelia mit einem Satz auf den Beinen.

„Du erwischst mich nicht!"

Draco hechtete ihr hinterher und sie leisteten sich eine kleine Verfolgungsjagd durch den Salon, bis Draco Amelia lachend eingefangen hatte und sie sich einen atemlosen Kuss gaben.

Schritt für Schritt drängte Draco Amelia gegen die Wand, als sie plötzlich mit den Füßen gegen etwas stieß. Einen Schritt weiter und sie wäre fast darüber gestürzt.

„Was ist das?", fragte Amelia ärgerlich und löste sich von Draco, um den Beutel unter ihren Füßen zu inspizieren.

„Das habe ich dich vorhin auch gefragt. Gehört der gar nicht dir?", fragte Draco und hockte sich neben sie.

Der Sack war schwer und fast bis zum Rand gefüllt mit unterschiedlichen Gegenständen. Amelia holte eine Schnupftabakdose hervor, die sie noch vor ein paar Tagen in der Vitrine neben sich hatte liegen sehen.

Die Vitrinen waren mittlerweile fast leer und das meiste ihres Inhalts lag nun in diesem Beutel.

„Hey, was macht ihr da?", rief jemand hinter ihnen und die Slytherins fuhren ertappt herum. Es waren die Weasley Zwillinge.

„Habt ihr das eingepackt?", fragte Amelia irritiert.

„Ja, Sirius hat gesagt wir dürfen von dem Zeug mitnehmen, was wir wollen.", sagte George und stopfte die Schnupftabakdose, die Amelia in der Hand hatte wieder in den Beutel.

„Wozu braucht ihr den Plunder überhaupt?", fragte Draco. „Das meiste ist doch nur Müll."

„Das meiste schon, aber ab und zu findet sich doch noch was Nützliches. Wir brauchen das Zeug zum Experimentieren", erklärte Fred und schwang sich den Beutel über die Schulter.

„Experimentiert ihr noch immer an euren Scherzartikeln?", fragte Draco. Amelia und Draco hatte in den Sommerferien am eigenen Leib erfahren, wie viel Unheil die Weasleys damit anrichten konnten.

„Klar. Leider werden wir das Geld, das wir angespart haben, jetzt wohl an Mum geben müssen, damit sie die Beerdigung bezahlen kann. Es hätte sowieso nicht für einen Laden gereicht", sagte George schulterzuckend.

Amelia überkam das schlechte Gewissen. Die Weasleys waren eine ziemlich arme Zaubererfamilie. Die Malfoys hatten sich oft genug darüber lustig gemacht. Jetzt wo das Gehalt von Arthur Weasley wegfiel, dürfte es kaum noch zum Überleben reichen und schon gar nicht, um Träume zu verwirklichen.

Es war ihre Schuld, dass Arthur Weasley tot war und vielleicht konnte sie wenigstens etwas wieder gut machen.

„Wie viel Gold braucht ihr?", fragte Amelia nachdenklich.

„Wir fangen halt klein an. Wir haben schon einen kleinen Eulenversandhandel aufgebaut für unser Feuerwerk."

„Reichen 1000 Galleone?", fragte Amelia und die Weasleys sahen sie entgeistert an.

„Natürlich als passiver Teilhaber", mischte sich Draco ein. „Das heißt, Amelia gehört ein Anteil eures Ladens und des Gewinns."

„Da können wir uns auch gleich Gold in Gringotts leihen. Wenn der Laden erst gut läuft, ist das deutlich billiger", beschwerte sich George.

„Nur das euch Gringotts niemals Gold leihen würde. Ihr habt keinerlei Sicherheiten und wenn euer Laden floppt, ist das Gold weg."

„Warum handelst überhaupt du das aus?", fragte Fred. „Und nicht Amelia selbst."

„Draco kennt sich mit sowas besser aus. ", erwiderte Amelia und zuckte mit den Schultern.

„Seid ihr verheiratet, oder was? Du kannst doch selbst entscheiden, was du tust."

Draco und Amelia warfen sich einen belustigten Blick zu.

„Ihr kennt unser Angebot. Denkt darüber nach. Es könnte die einzige Möglichkeit sein, eure Träume zu verwirklichen", sagte Amelia und ließ zu das Draco ihr einen Arm um die Schulter legte.

Zusammen verließen sie den Raum. Sie schafften es, bis in ihr Zimmer, bis Amelia sich unwirsch losmachte.

„Warum mischt du dich da ein?", fauchte sie ungehalten.
„Du kannst doch nicht einfach haufenweise Gold verschenken", schloss Draco zurück und ließ sich aufs Bett fallen.

„Ich habe mehr als genug Gold. In meinem Verlies in Gringotts ist mehr als ich ausgeben kann", erwiderte Amelia.

„Und selbst wenn du die reichste Hexe der Welt wärst. Du kannst dir dein Gewissen nicht rein kaufen."

Amelia wollte schon etwas erwidern, doch Draco unterbrach sie. „Jetzt widersprich mir nicht, Amelia. Ich mag zwar keine geniale Legilimens sein wie du, aber ich glaube von mir behaupten zu können, dass ich dich verdammt gut kenne. Du hast ein schlechtes Gewissen und mit etwas Gold lässt sich das erleichtern."

Einen Moment war Amelia versucht einen Streit anzufangen. Einen kurzen, wenn auch wirklich nur einen kurzen Moment wollte sie alles bestreiten, aber Draco hatte Recht.

„Und du glaubst das dein Vorschlag so viel besser ist?", lenke sie ein.

„Naja, besser als Verschenken. Vielleicht haben wir noch was davon. Manche von den Sachen, die die Weasleys machen sind gar nicht mal so schlecht. Außerdem", sagte Draco und zog Amelia zu sich aufs Bett, „würde ich dir nie in den Rücken fallen. Genau so wenig wie du mir. Was Besseres ist mir nicht eingefallen, um die Situation noch zu unseren Gunsten zu drehen."

Amelia musste schnauben konnte sich aber ein Grinsen nur schwer verkneifen.

„Du böser, böser Slytherin", hauchte sie ihm entgegen, bevor sie ihn küsste und sie zusammen in die Kissen sanken.

Nachwort:

Es gab für Arthur Weasley leider keinerlei Überlebenschance. Amelia ist einfach nicht Harry. Harry konnte Arthur retten. Amelia war dazu nie in der Lage.

Ich wollte noch ein Lied mit euch teilen. Samsas Traum - und Windprinzessin dieses Lied ist alt. Ziemlich alte Jugenderinnerungen. Ich weiß nicht, wie oft ich es gehört habe als ich den fünften Band geschrieben habe. Aber es beschreibt die Beziehung zwischen Draco und Amelia ziemlich gut.